In dieser Predigt taucht Rabea Kramp tief in die Klagelieder 3:41-4:5 ein. Sie beleuchtet die düsteren Beschreibungen von Leid und Verzweiflung, die das Volk Israel in seiner Sünde erlebt. Gleichzeitig zeigt sie auf, wie selbst in tiefster Not die Hoffnung auf Gott und die Bitte um seine Gerechtigkeit aufrechterhalten werden können. Die Predigt verdeutlicht die Konsequenzen der Sünde, aber auch die unerschütterliche Gnade Gottes.
Gott auf (m)einer Seite: Klagelieder 3:41-4:5
Rabea Kramp · Gott auf (m)einer SeitePodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Tägliche Andachten
Täglich kurze 2-minütige Andachten aus der Bibel für einen guten Start in den Tag. Diese Aufnahmen sind einer Videoserie auf https://www.joelmedia.de/serien/mit-gott-leben/ entnommen.
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Serie: Gott auf (m)einer Seite
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Transkript
[0:32] Hallo, liebe Freunde, willkommen zu Gott auf meiner Seite. Wir lesen heute zusammen Klagelieder 3, Vers 41 bis Kapitel 4, Vers 5. Wir werden da auch noch sehr wertvolle Verse heute beobachten und lesen. Und beginnen auch Klagelieder 4. Und bevor wir das tun, beten wir gemeinsam. Lieber Vater im Himmel, hab Dank für dein Wort, das so voller Schönheit, voller Tiefe, ja, und voller beeindruckender Dinge steckt, an denen wir festhalten können und die uns auch im Leben eine Stütze sind. Gib uns heute deinen Heiligen Geist, damit wir dein Wort richtig verstehen und es uns merken. Amen.
[1:09] Wir beginnen in Vers 41 in Kapitel 3, wo es heißt: „Lasst uns unsere Herzen samt den Händen zu Gott im Himmel erheben. Wir sind abtrünnig und widerspenstig gewesen. Das hast du nicht vergeben.“ Wir haben gestern gesehen, dass Klagelied 3 mit einer sehr düsteren Schilderung der eigenen Wahrnehmung des Geschehenen beginnt und dann aber die Hoffnung und den Glauben und den Sieg des Glaubens beschreibt. Und hier sind wir noch ein bisschen in dieser Phase, und das Volk erkennt seine Sünde und bekennt seine Sünde und möchte sich Gott wieder nahen.
[1:59] „Du hast dich im Zorn verborgen und uns verfolgt. Du hast uns ohne Mitleid umgebracht. Du hast dich in eine Wolke gehüllt, da kein Gebet hindurchdrang. Du hast uns zu Kot und Abscheu gemacht mitten unter den Völkern.“ Wir haben hier wieder so eine emotionale Momentaufnahme, und wie schon gesagt, ist das Buch Klagelieder so aufgebaut, und wir sind jetzt wieder ein bisschen auf dem Sinkflug, weswegen wieder diese ja schwarz-schwarze Seite zutage tritt.
[2:37] Und wir können uns auch mal Gedanken machen, warum es solche Lieder wie Klagelieder oder solche Bücher wie Klagelieder in der Bibel überhaupt gibt. Und ich denke, wenn Gott nur schöne, wunderbare Geschichten hineingeschrieben hätte in sein Wort, hätten wir gesagt: „Das ist nicht lebensnah, es ist nicht die Realität, nicht das, was ich erlebe.“ Aber Klagelieder sind ein Buch, das den Tiefpunkt des Menschen beschreibt. Ein Mensch, der wirklich am Boden liegt wegen der Sünde, der nicht mehr weiß, wie er aufstehen soll, der nicht mehr glaubt, dass Gott ihn noch helfen kann oder will.
[3:20] Und inmitten dieses Buches finden wir in Kapitel 3 den Gegenbeweis: die Gnade und die Hoffnung auf Gott. „Alle unsere Feinde haben ihr Maul gegen uns aufgesperrt. Grauen und Grube sind über uns gekommen, Verwüstung und Untergang. Es rinnen Wasserbecher aus meinen Augen wegen des Untergangs der Tochter meines Volkes. Mein Auge tränt unaufhörlich und kommt nicht zur Ruhe, bis der Herr vom Himmel herabschaut und da reinsehen wird, was ich sehen muss. Tut meine Seele weh, was ich sehen muss, tut meine Seele weh, wegen aller Töchter meiner Stadt.“
[3:59] Und ich denke, nicht umsonst wird hier immer wieder beschrieben, wie das Gesehene kaum verarbeitet werden kann. Wie bereits erwähnt, müssen die Menschen ein furchtbares Trauma mit sich rumgeschleppt haben für den Rest ihres Lebens, aufgrund der Dinge, die sie gesehen haben, in der dritten Belagerung und drumherum. Und die Menschen sind so fertig mit den Nerven und mit sich und der Welt, dass sie nicht mal mehr weinen können.
[4:27] Und es ist ja, vielleicht war der ein oder andere in seinem Leben auch schon mal an einem Punkt, wo er einfach keine Tränen mehr hatte, weil alle Tränen geweint waren über das die Trauer oder das Leid oder das Unglück, was man erlebt hat.
[4:41] „Die mich ohne Ursache hassen, stellt mir heftig nach wie einem Vogel. Sie wollten mich in der Grube ums Leben bringen und warfen Steine auf mich, was er gegenüber meinem Haupt.“ Ich sagte: „Ich bin verloren.“
[5:00] Jesus ging es eigentlich sehr ähnlich am Kreuz, denn Jesus hat gesagt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Jesus blickte in die Finsternis, alle Sünden lagen auf ihm, er fühlte sich verstoßen, verlassen, und er wusste nicht, dass der Vater ganz nah bei ihm war. Er hat es nicht gespürt, aber in seinem Kopf hatte er es gewusst, dass es so sein muss, und daran hat er sich festgehalten.
[5:32] Aber ich rief deinen Namen, oh Herr, tief unten aus der Grube. Und wenn wir die nächsten Verse lesen, dann denkt nicht nur an die Judäa und an die Einwohner von Jerusalem, denen es schlimmer ging. Denkt auch an das Kreuz.
[5:47] „Du hörtest meine Stimme, verschließe dein Ohr nicht vor meinem Seufzen, von meinem Hilferuf. Du nahtest dich mir an dem Tag, als ich dich anrief. Du sprachst: Fürchte dich nicht. Du führtest, oh Herr, die Sache meiner Seele. Du hast mein Leben erlöst. Du hast, oh Herr, meine Unterdrückung gesehen, schaffe du mir recht. Du hast all ihre Rache gesehen, alle ihre Anschläge gegen mich.“
[6:20] Heute heißt es: „Du hast, oh Herr, ihre ihr Schmähen gehört, alle ihre Pläne gegen mich, das Gerede meiner Widersacher und ihr dauerndes Murmeln über mich. Sie doch, ob sie sich setzen oder aufstehen, so bin ich ihr Spottlied. Vergeht ihnen nur, oh Herr, nach dem Werk ihrer Hände. Gib ihnen Verstockung des Herzens, dein Fluch komme über sie. Verfolge sie in deinem Zorn und tilge sie unter dem Himmel des Herrn hinweg.“
[6:47] Hier tut das Volk genau das, was auch zu Beginn des Kapitels stand, nämlich schweigend auf den Herrn zu warten und zu warten, bis Gott sich diese Sache annimmt und die Rache übt. Und sie beherzigen hier genau dies: Sie warten auf Gott und sagen: „Wir werden so lange warten, bis du die Babylonier richtest.“ Und Gott wird sie richten. Das wissen wir, dass nach 70 Jahren Exil dann Kyros und die Perser und wieder Babylon einnehmen werden.
[7:23] Kapitel 4 beginnt wieder mit dem gleichen Wort: „Ach, wie ist das Gold geschwärzt, wie ist das kostbare Gold entstellt, wie sind die Steine des Heiligtums aufgeschüttet an allen Straßenecken.“ Zerstörung des Tempels ist vor Augen, und das Gold, das geschwärzt ist, ist ein Sinnbild für das Kostbare, was schmutzig geworden ist, weil aufgrund des Feuers Ruß in der ganzen Stadt ist. Die Stadt ist geschwärzt. Alles, was kostbar war, ist nicht mehr sichtbar oder kaputt.
[8:00] „Die Kinder ziehen uns die teuren mit meinem Feind, mit dem feinen Gold aufgewogen, die mit feinem Gold aufgewogen. Ach, wie sind sie irgendeinen Gefäßen gleich geachtet, dem Werk von Töpfer hinten selbst. Schakale reichen die Brust, sie sollen ihre Jungen, aber die Tochter meines Volkes ist grausam geworden wie die Strauße in der Wüste.“
[8:22] Die Bibel sagt hier sogar, die Schakale reichen ihren hungernden Kindern die Brust zum Säugen, aber die Frauen, die Menschen tun das nicht. Sie enthalten ihren Kindern die Nahrung aufgrund des großen Hungers. Und es zeigt diese Härte und diese Verzweiflung, die die Menschen hatten. Und die Bibel zieht hier den Vergleich zu Straußen, und da empfiehlt es sich mal in dem Paralleltext gucken, nämlich Hiob 39, dort werden nämlich Strauße als Eltern beschrieben, die ihre Kinder einfach zurücklassen in der Wüste und sie sich selber überlassen und sich nicht mehr darum kümmern.
[9:03] Und die Bibel gebraucht dieses Bild, um die Härte der Eltern in Jerusalem zu beschreiben. Dem Säugling klebt die Zunge am Gaumen vor lauter Durst. Die Kinder verlangen nach Brot, aber niemand bricht es ihnen.
[9:21] Ja, eine grausame Szenerie, die hier gemalt wird und die uns hier vor Augen geführt wird. Denn wenn Kinder leiden und verschmachten, die Kleinsten, die Schwächsten in einem Volk, und niemand sich ihrer erbarmt, dann sagt das viel aus über den Zustand des Volkes und der Menschen.
[9:40] Die sonst lecker bisschen Affen verschmachten auf den Gassen, die auf Purpur lagernroten sind, jetzt froh über Misthaufen. Und hier haben wir ja noch mal dieses Bild des Elends und des Hungers gemalt mit anderen Worten.
[9:58] Und wir müssen sagen, dass das Volk besseren Wissens in dieses Leid gerannt ist. Immer wieder hat Gott Propheten geschickt, hat sie gewarnt, hat gehofft, dass sie umkehren, und sie wollten nicht. Sie haben nicht gewollt.
[10:14] Und letztendlich konnte Gott sie dann nicht vor den Folgen ihrer Sünde bewahren, weil er seine schützende Kraft und Gnade zurückgezogen hat. Ja, lasst uns darüber nachdenken und die Gedanken auch vertiefen über dieses Buch der Klagelieder, über das wenig gesprochen und selten ja, das selten gelesen wird.
[10:36] Aber das so sehr praktisch und sehr anschaulich die Abgründe beschreibt, in die Menschen stürzen, wenn sie der Sünde mehr folgen als Gott. Lass uns beten.
[10:46] Lieber Jesus, ich möchte dich bitten, dass wir durch dieses Buch klar vor Augen geführt bekommen, wo die Reise endet, wenn wir der Sünde nachgeben und uns nicht von ihr lösen und uns nicht lösen lassen von ihr. Denn du kannst und willst das tun, jeden Tag aufs Neue, weil deine Gnade jeden Morgen neu ist. Und darum bitten wir dich und dafür danken wir dir. Amen.
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