Dieses Video beleuchtet den Brief des Paulus an Philemon, ein kurzes, aber tiefgründiges Buch des Neuen Testaments. Christopher Kramp erklärt, wie Paulus, obwohl in Gefangenschaft, Philemon nicht mit Autorität, sondern mit Liebe und Brüderlichkeit begegnet, um sich für seinen entlaufenen Sklaven Onesimus einzusetzen. Die Botschaft illustriert eindrücklich die Prinzipien des Evangeliums: freiwillige Liebe, Vergebung und Jesu Identifikation mit unserer Schuld, und ermutigt Gläubige, diese Werte im Alltag zu leben.
Gott auf (m)einer Seite: Philemon 1:1-1:21
Christopher Kramp · Gott auf (m)einer Seite ·Themen: PhilemonPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Tägliche Andachten
Täglich kurze 2-minütige Andachten aus der Bibel für einen guten Start in den Tag. Diese Aufnahmen sind einer Videoserie auf https://www.joelmedia.de/serien/mit-gott-leben/ entnommen.
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Serie: Gott auf (m)einer Seite
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Transkript
[0:30] Hallo, liebe Freunde, willkommen zu "Gott auf (m)einer Seite" heute mit Seite 1265. Lasst uns gemeinsam beten. Lieber Vater im Himmel, danke, dass dein Wort uns Wahrheit offenbart. Danke, dass dein Wort klar und deutlich ist und dass es auch für jeden von uns verständlich ist. Danke, dass wir nicht erst langwierigen Theorien nachgehen müssen, um dich kennenzulernen. Danke, dass du dir vorgenommen hast, auch heute durch deinen Heiligen Geist zu uns zu sprechen, und darum bitten wir dich, dass wir heute in dem, was wir lesen, dich und deinen Charakter erkennen. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.
[1:20] Wir beginnen heute mit dem Brief an Philemon, ein besonderes Juwel, ein ganz kleines Buch nur in der Bibel, ein besonderes Juwel hier im Neuen Testament. Paulus hat diesen Brief an Philemon, einen Gläubigen in Kolossä, geschrieben, als Paulus zum ersten Mal gefangen war in Rom, zur selben Zeit wie auch den Epheserbrief und den Kolosserbrief und den Philipperbrief. Wir beginnen in Kapitel 1. Es gibt ein Kapitel in diesem Buch, und dort Vers 1: „Paulus, ein Gefangener Christi Jesu, und Timotheus, der Bruder, an Philemon, unseren geliebten Mitarbeiter.“
[2:10] Paulus ist, wie gesagt, in Rom gefangen, und Timotheus ist bei ihm, und sie schreiben an jenen Philemon, der offensichtlich ein Mitarbeiter war in der Mission, in der Verkündigung des Evangeliums. „Und an die geliebte Appia und Archipos, unseren Mitstreiter, und an die Gemeinde in deinem Haus.“ Dieser Brief ist also eigentlich gar nicht nur an den Philemon gerichtet, obwohl der dann hauptsächlich angesprochen wird, sondern sollte offensichtlich der ganzen Gemeinde und den genannten Personen vorgelesen werden.
[2:45] „Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Ich danke meinem Gott und gedenke allezeit an dich in meinen Gebeten, weil ich von deinem Glauben höre, den du an den Herrn Jesus hast, und von deiner Liebe gegenüber allen Heiligen.“ Wir kennen diese Worte schon, es sind die Worte, die Paulus immer wieder an seine Mitarbeiter schreibt, an die Gemeinden schreibt. Er hat wirklich von ganzem Herzen für Gemeinden und für Einzelpersonen gebetet und gedankt. Und je öfter wir das lesen, desto größer wird in mir dieser Gedanke: Wir sollten das viel mehr tun. Wir sollten beten und danken für Gemeinden und auch unsere Mitarbeiter.
[3:28] „Damit deine Gemeinschaft im Hinblick auf den Glauben für Christus Jesus wirksam werde durch die Erkenntnis all des Guten, das in euch ist. Denn wir haben viel Freude und Trost um deiner Liebe willen, denn die Herzen der Heiligen sind durch dich erquickt worden, lieber Bruder.“ Paulus sagt: „Ich weiß, dass dein Dienst dazu geführt hat, dass es Menschen gut ging, dass die Geschwister in der Gemeinde gesegnet worden sind durch deine Gegenwart und durch das, was du gesagt und getan hast.“
[4:00] „Darum, obwohl ich in Christus volle Freiheit hätte, dir zu gebieten, was sich geziemt, so will ich doch um der Liebe willen viel mehr eine Bitte aussprechen in dem Zustand, in dem ich bin, nämlich als der alte Paulus und jetzt auch ein Gefangener Jesu Christi.“ Paulus sagt mit anderen Worten: „Lieber Philemon, ich habe eine Bitte an dich. Eigentlich könnte ich dir gebieten. Ich könnte dir als leitender Apostel sozusagen in dieser Gegend, als besonderer Mitarbeiter Gottes, könnte ich dir sagen, was du zu tun hast, aber das will ich nicht. Ich will wegen der Liebe, der Bruderliebe, will ich dir eine Bitte aussprechen und denk dabei daran, dass ich ein alter Mann schon bin, der mittlerweile für das Evangelium in Ketten liegt.“
[4:54] Paulus hat nicht in einer Top-down-Hierarchie die Gemeinde organisieren wollen, sondern in einem Geist der Brüderlichkeit, in einem Geist der geschwisterlichen Liebe untereinander. Und wie viel können wir davon für uns heute auch mitnehmen und lernen?
[5:12] „Ich bitte dich für mein Kind, das ich in meinen Fesseln gezeugt habe, Onesimus, der dir einst unnütz war.“ Das Ganze ist ein Wortspiel, denn Onesimus heißt wörtlich übersetzt „der Nützliche“. „Der dir einst unnütz war, jetzt aber dir und mir nützlich ist. Ich sende ihn hiermit zurück. Du aber nimm ihn auf wie mein eigenes Herz.“
[5:38] Onesimus war ein Knecht gewesen, ein Sklave des Philemon, und er war weggelaufen, gegen das Gesetz. Er hatte sich nach Rom abgesetzt und hatte dort Paulus kennengelernt, das Evangelium kennengelernt, hatte sich dort bekehrt. Und Paulus – und das ist eine interessante Sache – schickt ihn jetzt zu Philemon, den er ja gut kennt, der ja auch sein Bruder ist, zurück.
[6:10] Er sagt: „Ich bitte dich für ihn, ich bitte dich für mein Kind.“ Paulus hat wie ein Vater für diesen entlaufenen Sklaven, der Christ geworden war, gefühlt und sich für ihn eingesetzt. Und er sagt zu ihm: „Nimm ihn auf wie mein eigenes Herz, ihn so, wie du mich behandeln würdest.“
[6:36] „Ich wollte ihn bei mir behalten, damit er mir an deiner Stelle diene in den Fesseln, die ich um des Evangeliums willen trage.“ Paulus sagt: „Ich könnte ihn eigentlich hier gut gebrauchen, und ich weiß auch, dass, wenn du hier wärst, du würdest mir auch dienen. Und eigentlich müsstest du jetzt zugeben, dass es gut und richtig wäre, wenn Onesimus mir dient hier in Rom und ich ihn hier gebrauchen kann. Aber ohne deine Zustimmung wollte ich nichts tun, damit deine Wohltat nicht gleichsam erzwungen, sondern freiwillig sei.“
[7:07] Und hier sehen wir ein ganz tiefes Prinzip des Evangeliums: Gott hat kein Gefallen an erzwungenen Wohltaten. Er hat kein Gefallen an erzwungener Liebe, an erzwungenem Gehorsam, an erzwungenen guten Werken. Wenn es wirklich Wert haben soll, dann muss es aus freien Stücken, freiwillig geschehen. Paulus sagt: „Das wäre das Beste, wenn Onesimus hier als mein Mitarbeiter in Rom sozusagen als freier Mensch wirken kann. Aber ich kann das dir nicht überstülpen. Du warst sein Herr und Meister, sozusagen. Du musst das auch bestätigen.“
[7:47] „Denn vielleicht ist er darum auf eine kurze Zeit von dir getrennt worden, damit du ihn auf ewig besitzen sollst, nicht mehr als einen Sklaven, sondern, was besser ist als ein Sklave, als einen geliebten Bruder, besonders für mich, wie viel mehr aber auch für dich, sowohl im Fleisch als auch im Herrn.“ Paulus sagt: „Ich möchte nicht, dass du ihn wieder zurücknimmst in den Sklavendienst. Ich möchte, dass du ihn als einen Bruder annimmst, der jetzt mir dienen kann, der jetzt als freier Mann dann im Evangelium wirken kann, wenn du es zulässt, wenn du das auch vor dem römischen Recht als eigentlicher Besitzer des Onesimus, wenn du dem auch zustimmst.“
[8:38] Wir sehen hier, wie das Evangelium und wie die Prinzipien der Liebe und der Brüderlichkeit die Institution der Sklaverei unterminieren und wie deutlich wird, wie ohne eine Sozialrevolution die Sklaverei ausgerottet werden konnte, oder hätte ausgerottet werden können, wenn immer mehr Menschen diesen Geist des Paulus und dann auch des Philemon, der dem natürlich entsprochen hat, gehabt hätten.
[9:11] „Wenn du mich nun für einen hältst, der Gemeinschaft mit dir hat, so nimm ihn auch auf wie mich selbst.“ Paulus identifiziert sich förmlich mit diesem Onesimus. Und das ist ein gutes Bild für Jesus, der sich mit uns identifiziert, die auch wir weggelaufen sind, die auch wir Fehler gemacht haben.
[9:39] Und Paulus tritt für Onesimus ein, so wie Jesus für dich und für mich eintritt. „Wenn er dir aber Schaden zugefügt hat oder etwas schuldig ist, so stelle das mir in Rechnung.“ Paulus bürgt quasi für ihn. Er sagt: „Was immer dieser Onesimus dir an materiellem Schaden hinterlassen hat, entweder noch vor seiner Flucht oder durch seine Flucht, er sagt: Ich will es bezahlen. Ich, Paulus, schreibe es eigenhändig.“
[10:08] Wir wissen: Paulus hat die meisten seiner Briefe nicht selbst geschrieben, sie wurden diktiert, weil er so schlecht sehen konnte und deswegen beim Schreiben große Mühe hatte. Aber das war ihm so wichtig, dass er es eigenhändig geschrieben hat, nicht diktiert hat. „Ich, Paulus, schreibe es eigenhändig, ich will es erstatten. Ich will ja nicht davon reden, dass du auch dich selbst mir schuldig bist.“
[10:36] Jesus hat alles bezahlt, was wir schuldig gewesen sind. Egal wie groß die Schuld in deinem Leben gewesen ist, Jesus war bereit, sie komplett, vollständig, eigenhändig zu bezahlen. In diesem kleinen Buch, in dieser kleinen Begebenheit aus dem Neuen Testament, sehen wir die Schönheit und die Prinzipien des Evangeliums ganz hell aufleuchten.
[11:03] „Ja, Bruder, lass mich von dir Nutzen haben, erquicke mein Herz im Herrn.“ Mit anderen Worten: „Wenn du, Philemon, das tust, was ich dich bitte, das wäre mir eine echte Freude, das würde mich geistlich stärken, weil es würde zeigen, dass du auch die Prinzipien des Evangeliums verstanden hast. Im Vertrauen auf deinen Gehorsam schreibe ich dir, weil ich weiß, dass du noch mehr tun wirst, als ich dir sage.“
[11:27] Das ist echter Gehorsam, der nicht einfach nur abhakt, was zu tun ist, sondern der das Prinzip dahinter versteht und über das hinaus wirkt und macht, was vielleicht buchstäblich an- und ausgesprochen worden ist.
[11:42] Wollen wir auch Gott um so einen Gehorsam bitten, der nicht einfach nur Regeln abhakt, sondern der aus eigener Initiative für Gott da sein möchte, so wie Gott aus eigener Initiative für uns da gewesen ist.
[12:02] Lasst uns gemeinsam beten. Lieber Vater im Himmel, danke, dass Jesus für uns den Preis bezahlt hat und danke, dass er für uns jetzt eintritt, sodass er sich regelrecht mit uns identifiziert, denn er hat sich am Kreuz mit uns identifiziert. Und danke, dass wir das in dieser kleinen, aber so berührenden Geschichte von Onesimus und Philemon und Paulus neu verstehen dürfen. Und schenk du uns auch Gnade heute, an jedem neuen Tag, dass wir in unserem alltäglichen Handeln und Erleben durch unsere Worte und Taten das Evangelium aufleuchten lassen, so wie Paulus hier. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.
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