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Manuskript zur Sendung   >>>   CSH_Manuskript_2024 1st Nr 1

In dieser ersten Folge der Serie „Die Psalmen“ gibt Christopher Kramp eine Einführung in das Liederbuch der Bibel. Er beleuchtet die Bedeutung der Psalmen im Alten und Neuen Testament, ihre Funktion als Ausdruck persönlicher Erfahrungen und Gebete sowie ihre Rolle in der Begegnung mit Gott. Zudem werden die verschiedenen Autoren der Psalmen vorgestellt, darunter David, Asaf, die Söhne Korahs, Etan, Salomo und Mose.


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Serie: CSH 2024 Q1 - Die Psalmen

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Transkript

[0:35] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Wie immer gilt auch ein herzliches Willkommen allen Zuschauern auf dem Sender Das Wort.

[0:46] Wir haben ein neues Jahr und wir haben eine neue Lektion, ein neues Quartal, und wir dürfen uns sehr freuen über das, was wir in den nächsten drei Monaten gemeinsam in der Bibel studieren werden. Wir werden uns nämlich mit den Psalmen beschäftigen, vermutlich nicht mit allen 150, das würde wahrscheinlich den Rahmen sprengen, aber doch mit einer ganzen Reihe von ihnen, und zwar so, dass wir auch hinterher mit viel Freude und vertieftem Verständnis uns diesem großen Schatz widmen können, den wir alle in unserer Bibel haben: den Psalmen, dem Liederbuch der Bibel sozusagen, auch wenn wir leider nur noch die Texte und nicht mehr die Musik dazu haben.

[1:34] Wir wollen heute in dieser ersten Folge uns einführend mit der Frage beschäftigen, und so ist der Titel dieses Themas: „Wie man die Psalmen liest“. Wir wollen ein bisschen etwas lernen über die Psalmen grundsätzlich, ein paar Hintergründe und Informationen bekommen und dann uns hineindenken, wie wir mit den Psalmen umgehen können, was wir alles erwarten können, wenn wir die Psalmen aufschlagen und wie Gott dadurch zu unserem Herzen persönlich sprechen möchte.

[2:02] Bevor wir das tun, möchten wir Gott einladen, unser Denken zu führen durch seinen Heiligen Geist, und ich lade dich, lieber Freund, liebe Freundin, ein, mit mir gemeinsam ein kurzes Gebet zu sprechen.

[2:16] Lieber Vater im Himmel, ich möchte dir danksagen, dass deine Gnade höher als der Himmel ist, dass deine Liebe tiefer ist als alles, was wir sonst in menschlichen Herzen erleben und erfahren können. Danke, dass du unser bester Freund bist, dass auch wenn wir in die Irre gehen, du immer treu zu uns stehst, uns zurückführst, zurückhilfst, uns wiederherstellst, und das ganz egal, welche verschiedenen Emotionen wir gerade durchleben und durchmachen, dass du die große Konstante bist, die uns ständig segnen möchte, wenn wir es zulassen wollen. Herr, wir möchten jetzt auf deine Stimme hören. Wir möchten dir danke sagen, dass du zu uns sprichst. Das ist keine Selbstverständlichkeit, und wir wollen lernen, die Psalmen so zu sehen und so zu lesen und so zu beten, so wie du sie gedacht hast. Herr, halte jetzt alles Störende fern und gib, dass wir im Glauben auf dich und dein Wort schauen können, um gestärkt und ermutigt und gefestigt zu werden. Danke für deine Erlösung, danke für deine Liebe und danke für dein Wort. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.

[3:47] Lasst uns gemeinsam aufschlagen das Lukasevangelium, Lukas Kapitel 24 und dort Vers 27. Jesus ist noch unerkannt gemeinsam auf dem Weg mit zwei seiner Jünger nach Emmaus, kurz nach der Auferstehung, die die Jünger noch nicht als solche so richtig realisiert und geglaubt haben. Und im Zuge dieses Gespräches kommt es dazu, dass Jesus ihnen erklären möchte, dass all das, was passiert ist – das Leiden, die Kreuzigung, der Tod Jesu und die Auferstehung – nicht ein Unfall gewesen sind, sondern genau das, was die Bibel im Alten Testament deutlich vorhergesagt hat. Wir lesen in Vers 27: „Und er, Jesus, begann bei Mose und bei allen Propheten und legte ihnen in allen Schriften aus, was sich auf ihn bezieht.“

[4:50] Das Alte Testament, die hebräische Bibel, so wie Jesus sie damals auch zur Verfügung hatte, bestand aus drei Hauptteilen. Es gab das Gesetz, das waren die fünf Bücher Mose, die Torah. Dann gab es die Propheten, das waren die Bücher von Josua, Samuel und Könige – all das galten als die Propheten. Es gab die früheren und die späteren Propheten, von Josua bis zu Maleachi, das waren die Propheten. Und dann gab es einen dritten Teil, das waren die sogenannten Schriften. Dort war die poetische Literatur, dort waren die Weisheitsbücher wie die Sprüche zum Beispiel, da war das Buch Hiob, Klagelieder, kleinere Bücher wie Ruth zum Beispiel, und auch die Bücher Daniel, Esra, Nehemia und am Ende die Chronik. Und wir sehen hier, dass Jesus aus allen drei Teilen der Bibel über sich gesprochen hat, über den Messias, über den Erlösungsplan. Wir haben gelesen: „Er begann bei Mose und bei allen Propheten und legte ihnen in allen Schriften aus, was sich auf ihn bezieht.“

[6:05] Kurze Zeit später finden wir Jesus erneut, diesmal mit einer größeren Gruppe an Jüngern, denen er erscheint, und dann ebenfalls wieder auf das Zeugnis des Alten Testamentes zu sprechen kommt. Im selben Kapitel in Vers 44 lesen wir: „Er aber sagte ihnen: Das sind die Worte, die ich zu euch geredet habe, als ich noch bei euch war.“ Jesus hatte ja selbst mehrfach sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung angekündigt. „Dass alles erfüllt werden muss, was im Gesetz des Mose und in den Propheten und den Psalmen von mir geschrieben steht.“ Wir haben dieselbe Dreiteilung, die Jesus hier voraussetzt: das Gesetz Mose, die fünf Mose, die Torah, dann die Nevi'im, die Propheten, und dann die Ketuvim, die Schriften. Da allerdings bei diesen Schriften das erste und für viele auch das gewichtigste Buch gleich am Anfang die Psalmen gewesen sind, hat man diese Psalmen manchmal auch stellvertretend für alle anderen Schriften erwähnt. Die Psalmen waren also schon ein wichtiges, ein hervorgehobenes Buch in der hebräischen alttestamentlichen Bibel.

[7:24] Wenn wir uns mit den Psalmen beschäftigen, dann stellen wir fest, dass es dort eine ganze Reihe von interessanten Dingen zu beobachten gibt. Psalmen sind persönliche Erfahrungen. Einer der berühmtesten Psalmdichter, David, von dem lesen wir in Psalm 18 und dort Vers 1: „Für den Vorsänger von dem Knecht des Herrn, von David, der dem Herrn die Worte dieses Liedes sang an dem Tag, als der Herr ihn aus der Hand aller seiner Feinde errettet hatte, auch aus der Hand Sauls.“ David hatte Erfahrungen mit Gott gemacht, und seine Lieder, seine Psalmen drückten das aus. In 1. Chronik 16 und dort Vers 7 finden wir wieder David, allerdings in einer anderen Situation, wo es ebenfalls um die Produktion, um die Komposition von Psalmen, von geistlichen Liedern geht. In 1. Chronik 16 und dort Vers 7 heißt es im Zusammenhang mit der nun erfolgreichen Zurückführung oder Hinführung der Bundeslade nach Jerusalem: „Zu derselben Zeit gab David zum ersten Mal Asaf und seinen Brüdern den Auftrag, dem Herrn zu danken.“ Dann kommt ein sehr, sehr poetischer, ein eigener Psalm sozusagen für sich, indem David Asaf und den anderen Tempelmusikern den Auftrag gibt, geistliche Lieder, Psalmen zu komponieren und für den Gottesdienst zur Verfügung zu stellen. Manche dieser Psalmen sind tatsächlich für konkrete Situationen komponiert worden. Den Psalm 30 zum Beispiel, Vers 1, wiederum ein Psalm von David, lesen wir: „Ein Psalm, ein Lied zur Einweihung des Hauses.“ Als der Tempel eingeweiht werden sollte, oder für die Einweihung des Tempels, den David selbst gar nicht mehr miterlebt hat, hat er, der ja viele Baumaterialien für den Tempel bereitgestellt hat, die Pläne schon sozusagen gezeichnet hatte, auch einen Psalm komponiert, ein Lied. Manche Psalmen sind für bestimmte Zeiten gedacht. In Psalm 92 und dort Vers 1 heißt es: „Ein Psalmlied für den Sabbattag.“ Psalmen haben also bestimmte Hintergrundsituationen und auch bestimmte Intentionen. In Psalm 95 und dort Vers 1 lesen wir: „Kommt, lasst uns dem Herrn zujubeln und jauchzen dem Fels unseres Heils! Lasst uns ihm begegnen mit Lobgesang und mit Psalmen ihm zujauchzen!“ Hier haben wir eine ganz interessante Idee, dass durch den Lobgesang, durch das Psalmensingen, Studieren, Beten wir Gott begegnen. In den Psalmen begegnen wir Gott. Durch das Beten, durch das Singen, durch das Gott loben begegnen wir unserem Schöpfer und Erlöser. Es geht also beim Studium der Psalmen nicht nur um eine theologische Auseinandersetzung mit interessanten alten geistlichen Texten, es geht um nichts weniger als um eine reale Beziehung und Begegnung mit unserem persönlichen Erlöser Jesus Christus.

[11:07] Weil Gott so viel Wunderbares tut und getan hat, finden wir viele Psalmen, die Gott für die Größe seiner Taten loben. In Psalm 105 und dort Vers 1 und 2 heißt es: „Dankt dem Herrn, ruft seinen Namen an, macht unter den Völkern seine Taten bekannt!“ Mit anderen Worten, die Mission, allen Völkern von Gott zu erzählen, ist nicht eine Mission, bei der man einfach nur theologische Wahrheiten weitergeben möchte, sondern erzählen möchte, was Gott alles getan hat. „Singt ihm Lob, singt ihm, redet von allen seinen Wundern!“ Die Psalmen, und für sehr viele gilt das ganz besonders, die Psalmen erheben Gott als den, der Großes getan hat und Großes immer noch tut und tun wird. Wenn wir erlebt haben, dass Gott in unserem Leben Großes tut – und ich kann das von ganzem Herzen sagen, Gott hat in meinem Leben schon so viel Großartiges getan, mir würde die Zeit fehlen, das alles aufzuzählen –, wenn wir diese Erfahrung gemacht haben, dann können wir uns auch hineinversetzen in die Lage der Psalmisten, die das ausdrücken wollten.

[12:19] Psalmen sind auch ein Thema im Neuen Testament. Sie sind auch von der christlichen Gemeinde als ein großer Schatz empfunden worden. Gleich mehrmals finden wir Bezüge zu dem Umgang mit den Psalmen in den neutestamentlichen Büchern, zum Beispiel in Kolosser Kapitel 3 und dort Vers 16. Dort heißt es: „Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen in aller Weisheit, lehrt und ermahnt einander und singt mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern dem Herrn lieblich in eurem Herzen.“ Wir sollen als Christen uns mit dem Wort Gottes beschäftigen. Wir sollen das Wort des Christus reichlich in uns wohnen lassen. Wir sollen einander belehren und auch ermahnen, und wir sollen geistliche Musik machen. Die Psalmen sollen dazu dienen, dass wir Gott in unserem Herzen lieblich singen. Es geht also nicht darum um eine äußerliche Zeremonie, um kultische Handlung, es geht tatsächlich um eine Herzensbeziehung. Die Psalmen führen uns ja in ganz existenzielle, individuelle Erfahrungen, tiefe emotionale Abgründe, in großartige Freudenausbrüche. In den Psalmen wird der Glaube sehr persönlich und lebensnah auf besondere Weise dargestellt. Die Psalmen sollen dazu dienen, dass wir Gott in unserem Herzen tragen. Es geht um eine persönliche Beziehung zu Jesus auch in den Psalmen.

[13:54] In Jakobus 5 und dort Vers 13 wird das enge Verhältnis von Gebet und Psalm noch einmal beleuchtet. In Jakobus 5 Vers 13 dort sagt Jakobus: „Leidet jemand von euch Unrecht? Er soll beten. Ist jemand guten Mutes? Er soll Psalmen singen.“ Gerade dann, wenn es uns auch gut geht, wenn wir fröhlich sind, kann geistliche Musik ein ganz wunderbares Mittel sein, diese Freude im Herrn konkret auszudrücken. Viele Psalmen sind tatsächlich auch konkrete Gebete. Wir haben hier im Sendemanuskript ganz viele Beispiele dafür aufgeschrieben. Hier soll jetzt mal eines genügen: In Psalm 17 und dort Vers 1 lesen wir: „Ein Gebet Davids.“ Viele Psalmen sind tatsächlich echte Gebete, und man merkt das an den Formulierungen, dass hier zu Gott gesprochen wird, mit Gott gerungen wird und eine ganz persönliche, direkte Kommunikation mit dem Schöpfer und Erlöser stattfindet.

[15:04] Wer sind also die Menschen, die die Psalmen geschrieben haben? Die Psalmen sind ja nicht nur von einer Person verfasst worden, sondern von einigen. Wir wollen sie ein bisschen besser kennenlernen. Der wahrscheinlich wichtigste oder sicherlich wichtigste aller Psalmenschreiber ist der, der fast die Hälfte aller Psalmen sicher geschrieben hat, nämlich David. 73 Psalmen tragen seinen Namen. In 2. Samuel 23 und dort Vers 1 heißt es: „Und dies sind die letzten Worte Davids. Spricht David, der Sohn Isais, es spricht der Mann, der hoch erhoben wurde, der Gesalbte des Gottes Jakobs, also der König, der liebliche Psalmdichter in Israel.“ Er war der Psalmdichter schlechthin. Heute gibt es immer wieder auch kritische Stimmen, die meinen, dass nicht alle David-Psalmen wirklich von David geschrieben worden sein, aber im Neuen Testament wird immer und immer wieder bestätigt, dass die Psalmen, von denen es in dem Alten Testament heißt, dass sie von David stammen, auch wirklich von David geschrieben worden sind. Als ein Beispiel von mehreren sei hier Matthäus 22 angeführt, wo Jesus selbst in Matthäus 22 Vers 43 und 44 sagt: „Er spricht zu ihnen: Wieso nennt ihn denn David im Geist Herr, indem er spricht: Der Herr hat zu meinem Herrn gesagt: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde hinlege als Schemel für deine Füße.“ Im Sendemanuskript haben wir auch noch Beispiele dafür, wie die Apostel in der Apostelgeschichte bestätigen, dass David die Psalmen geschrieben hat, und auch Paulus das in Römer 4 getan hat.

[16:57] Nachdem David, der mit knapp der Hälfte der mit Abstand den größten Beitrag geleistet hat, müssen wir doch einige andere nennen. Unter ihnen ist am wichtigsten Asaf. Asaf hat zwölf Psalmen geschrieben. Einen finden wir in Psalm 50 und dort Vers 1, dort heißt es: „Ein Psalm Asafs.“ Ansonsten sind alle Psalmen von Psalm 73 bis 83, also eine ganze Gruppe an Psalmen, die so als eigene Sammlung vor allem im dritten Buch der Psalmen vorhanden sind, ihm zugeordnet. Asaf muss, wie wir schon in 1. Chronik 16 gesehen haben, ein Zeitgenosse von David gewesen sein, also auch diese Psalmen sind zur selben Zeit ungefähr wie die von David entstanden.

[17:40] Dann finden wir eine weitere Gruppe von Autoren in Psalm 42 und dort Vers 1, dort heißt es: „Dem Vorsänger von den Söhnen Korachs.“ Und das ist sehr interessant. Diese Söhne Korachs haben Psalmen geschrieben. Wir haben sie alle hier im Sendemanuskript aufgeschrieben. Wir wissen, dass Korah einer der großen Rebellen war, die gegen Mose in der Wüste aufgestanden sind, aber es heißt in 4. Mose 26 Vers 11: „Interessanterweise aber die Söhne Korachs starben nicht.“ Wir erinnern uns, dass Korah und seine ganze Rotte, die sich mit ihm dort zusammengetan hat, gestorben ist, als sie Feuer vor dem Herrn, also Räuchern wollten, Verzeihung, vor dem Herrn. Aber die Söhne Korachs starben nicht. Es gab also in seinem engsten Familienkreis Mitglieder, die Gott treu waren. Wir lesen dann später in 1. Chronik 9 Vers 19 über diese Söhne Korachs, dass sie eine besondere Aufgabe an der Stiftshütte, am Heiligtum hatten. 1. Chronik 9 und dort Vers 19 dort heißt es: „Und Schallum, der Sohn Kores, des Sohnes Asas, des Sohnes Korachs, und seine Brüder vom Haus seines Vaters, die Korahiter, waren über das Werk des Dienstes gesetzt als Schwellenhüter des Zeltes, und ihre Väter waren im Lager des Herrn Hüter des Eingangs gewesen.“ Die Söhne Korachs hatten also die besondere Aufgabe, den Eingang zum Heiligtum zu bewachen und zu hüten. Es ist durchaus möglich, dass viele der Psalmen, die jetzt von den Söhnen Korachs geschrieben worden sind, dann von Nachkommen dieser ersten Söhne Korachs geschrieben sind. Es gibt bei mindestens einem Psalm auch den Eindruck, dass da schon Jerusalem als Stadt Teil des Reiches Israel ist, also das müsste auch wieder in die Zeit Davids hineinpassen. Aber wir haben zu ihnen keine großartig nähergehenden Informationen. Interessanterweise gibt es bei einem Psalm von ihnen den Hinweis auf eine konkrete Person. In Psalm 88 Vers 1 dort heißt es: „Ein Psalmlied von den Söhnen Korachs, dem Vorsänger nach Machalat Leanot, ein Maskil Hemans des Esrachiters.“ Also möglicherweise ist der Heman einer dieser Söhne Korachs gewesen, oder es handelt sich um eine andere Person, die an der Komposition dieses Psalmes auf die eine oder andere Weise mitgewirkt hat.

[20:21] Gleich daneben finden wir Psalm 89, noch einen weiteren Psalmdichter, nämlich Etan den Esrachiter in Psalm 89 Vers 1. Und dieser Etan muss ein sehr kluger Mensch gewesen sein, ein sehr weiser Mensch, denn in 1. Könige Kapitel 5 und dort Vers 11 heißt es: „Und die Weisheit Salomos war größer als die Weisheit aller Söhne des Ostens und als alle Weisheit der Ägypter. Ja, er war weiser als alle Menschen, auch weiser als Etan, der Esrachiter, und Heman.“ Vielleicht ist das auch der Heman, den wir hier in Psalm 88 gesehen haben, „und Kalkol und Darda, die Söhne Mahols, und er wurde berühmt unter allen Völkern ringsum.“ Also von diesem berühmten weisen Etan, Verzeihung, der also auch mindestens zur Zeit von Salomo oder etwas früher gelebt haben muss, haben wir den Psalm 89.

[21:19] Auch von Salomo gibt es Psalmen, auf jeden Fall einen in Psalm 127. Psalm 127 haben wir einen Psalm, da heißt es: „Ein Wallfahrtslied von Salomo.“ Und wahrscheinlich auch Psalm 72. Das ist nicht ganz hundertprozentig sicher, denn dort steht „für Salomo“, aber diese Übersetzung „für Salomo“ ist eigentlich normalerweise wird dieses „für“ in den Psalmen, es ist eigentlich richtig übersetzt mit „für Salomo“, aber in den Psalmen wird das immer „von“ übersetzt, auch immer wenn das heißt „von David“, dann steht dieses „l“, das hier „für“ übersetzt wird. Es könnte also ganz genau auch von Salomo sein. Wir wissen auch, dass Salomo ein Liedschreiber gewesen ist, das wird uns auch in 1. Könige 5 Vers 12 gesagt. Allerdings steht dann am Ende des Psalmes in Vers 20: „Zu Ende sind die Gebete Davids, des Sohnes Isais.“ Und das könnte darauf hinweisen, dass vielleicht doch dieser Psalm von David geschrieben ist, eben für Salomo.

[22:20] Es gibt auch drei andere Psalmen, von denen es einen Autor gibt und dann eine Person, für die diese Psalmen geschrieben sind. Das sind Psalm 39, 62 und 77. Die sind nämlich für einen gewissen Jedutun komponiert, der ebenfalls als Tempelmusiker zur Zeit Davids belegt ist, wie uns 1. Chronik 16 Vers 41 und 42 sagt.

[22:44] Dann gibt es noch einen Psalm, der deutlich älter ist als all die anderen, die wir bisher hier gesehen haben, und das ist Psalm 90, denn das ist ein Gebet von Mose. Kommt also aus der frühesten Zeit der israelitischen Geschichte, als die ersten Bücher überhaupt verfasst worden sind.

[22:59] Dann gibt es eine ganze Reihe von Psalmen, fast ein Drittel von ihnen, bei denen kein Autor verzeichnet ist. Das könnten natürlich Psalmen sein, die auch von den bereits genannten verfasst worden sind, oder auch von anderen, die sich nicht mit Namen haben nennen wollen. Es gibt ja einige andere Bücher auch in der Bibel, wo kein Autor direkt verzeichnet ist. Wir denken an den Hebräerbrief, der ja sicherlich von Paulus geschrieben ist, oder auch an das Johannesevangelium, wo auch Johannes sich nicht als Autor selbst identifiziert hat.

[23:31] Interessant ist, dass das Buch der Psalmen schon sehr früh in fünf Bücher eingeteilt worden ist, in fünf Teilbücher, so fünf Bücher, die – und das ist eine interessante Idee – sozusagen das Gegenstück bilden sollen zu den fünf Büchern Mose. Die Idee ist also: In den fünf Büchern Mose spricht Gott zu dem Volk mit seinen Geboten, mit seiner Lehre, mit der Darstellung des Evangeliums, und in den fünf Büchern der Psalmen antwortet das Volk Gottes, antwortet die Gemeinde, antwortet der Gläubige auf das, was Gott im Gesetz in den Büchern Mose gesagt hat.

[24:11] den Büchern Mose gesagt und aufgeschrieben hat, hat aufschreiben lassen. Das erste Buch der Psalmen besteht quasi ausschließlich aus Psalmen von David, und es gibt einige wenige anonyme Psalmen dort auch.

[24:26] Dann das zweite Buch beginnt mit etlichen Psalmen von den Söhnen Korachs, und dann gibt es vor allem wieder Psalmen von David. Das dritte Buch hat vor allem erst einmal, wie schon erwähnt, die Psalmen Asafs und dann einige Psalmen von den Söhnen Korachs. Dann gibt es nur vereinzelt mal einen Psalm von David und von Etan.

[24:48] Im vierten Buch gibt es nach dem Mosepsalm, mit dem es beginnt, fast nur noch anonyme Psalmen, vereinzelt mal Psalmen von David. Und in Buch 5 gibt es auch weitere anonyme Psalmen, dann allerdings wieder auch eine ganze Reihe von Psalmen Davids.

[25:04] Einige der Psalmen sind eigentlich Teil einer zusammenhängenden Gruppe. Zum Beispiel sind Psalm 120 bis 134 alles Wallfahrtslieder. Das scheint so eine Sammlung zu sein. Oder auch die letzten fünf Psalmen, 146 bis 150, die sogenannten Halleluja-Psalmen, die alle mit diesem Halleluja beginnen, die bilden einen großen Zusammenhang.

[25:24] Manchmal hat man den Eindruck, dass zwei nebeneinander stehende mit ganz besonders engem Zusammenhang gehören. Zum Beispiel scheinen Psalm 42 und 43 inhaltlich fast wie ein Lied zu sein. Psalm 105 und 106 sind wie Teil 1 und 2 einer Gesamterzählung.

[25:43] Was sind die Hintergründe für die Psalmen? Wir haben schon gesehen, dass David vor allem auch in seinen Psalmen vieles aus seinem eigenen Leben verarbeitet hat. Wir wollen noch ein paar Beispiele dafür anführen.

[25:53] In Psalm 3 zum Beispiel finden wir einen kurzen und sehr beeindruckenden Psalm über seine Erfahrung, als er geflohen ist. Das heißt hier in Vers 1: "Ein Psalm Davids, als er vor seinem Sohn Absalom floh." Er hat dabei die Erfahrung verarbeitet, dass Menschen ihn schon aufgegeben haben und sich in großer Masse um ihn, mit großer Masse, ihn bedrängt haben.

[26:20] Teilweise gibt es dabei Situationen, die uns anderswo in der Bibel gar nicht berichtet werden, wo wir also den historischen Kontext gar nicht so rekonstruieren können. Zum Beispiel in Psalm 7, wo es heißt in Vers 1: "Ein Klagelied Davids, dass er dem Herrn sang wegen der Worte Kusch, des Benjaminiten." Und den kennen wir aber sonst nicht und wissen also nicht ganz genau, worauf sich David hier im Einzelnen bezieht. Allerdings ist der Psalm selbst auch sehr eindrucksvoll, und man kann eine ganze Menge lernen und auch so ein bisschen ahnen, was dieser Kusch wohl so behauptet haben könnte.

[26:50] Andere Beispiele zum Beispiel sind Psalm 34, wo der Hintergrund Davids Besuch am Hof des Philisterkönigs Abimelech ist, wo er sich dann wahnsinnig gestellt hat, um da der gefährlichen Situation zu entgehen.

[27:07] Ganz besonders berühmt und besonders wichtig und sehr empfehlenswert für uns alle, wann immer wir in Sünde gefallen sind, ist Psalm 51, der die tiefe Reue und Buße Davids zeigt, nachdem er mit Batseba diese schwere Sünde begangen hat und dann noch deren Mann hat umbringen lassen, sodass dann der Prophet Nathan ihn mit Gottes Wort ermahnen musste und zur Umkehr rufen musste. Das heißt hier in Psalm 51: "Dem Vorsänger. Ein Psalm Davids, als der Prophet Nathan zu ihm kam, weil er zu Batseba eingegangen war." Also immer wieder hat David auch ganz konkret hingewiesen, in welcher Situation diese Psalmen geschrieben worden sind, um besser verstehen zu können, was er dort emotional und auch aus seinem Glaubensleben heraus ausdrücken und beschreiben wollte.

[28:04] Eine ganze Reihe von Psalmen haben die Flucht Davids vor Saul zum Hintergrund. Wir haben hier einige aufgezählt, das sind vor allem Psalm 54, 56, 57 und auch 59.

[28:17] Und Psalm 60 ist dann ein interessantes Beispiel, weil dort sozusagen ein geschichtliches Ereignis, nämlich militärische Erfolge gegen die Aramäer und die Edomiter, im Hintergrund stehen. Psalm 60, ab Vers 1: "Dem Vorsänger. Nach der Melodie 'Lilie'. Ein Zeugnis. Ein Miktam von David zum Lehren, als er mit den Aramäern von Naharajim und mit den Aramäern von Zoba gekämpft hatte und Joab zurückkehrte und die Edomiter im Salztal schlug, 12.000 Mann." Da kann man also dann in den entsprechenden Passagen in 2. Samuel nachlesen, was dort passiert ist, um den Hintergrund für diesen Psalm besser zu verstehen.

[28:55] Es gibt aber auch einige Psalmen, die offensichtlich sehr viel später entstanden sind. Zum Beispiel der nicht mit Autor gekennzeichnete Psalm 137, wo es in Vers 1 steht: "An den Strömen Babels saßen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten." Dieser Psalm ist also ganz offensichtlich erst viele Jahrhunderte später nach David während des babylonischen Exils entstanden und hat das dort Erlebte zum inhaltlichen Schwerpunkt. Auch ein sehr bewegender und sehr herausfordernder Psalm, dieser Psalm 137.

[29:30] Wenn man sich die Psalmen anschaut, dann sieht man, dass sie verschiedene thematische Schwerpunkte haben. Es gibt zum Beispiel Naturpsalmen, in denen die Natur beschrieben und Gott als Schöpfer gelobt wird. Es gibt historische Psalmen, die zum Beispiel die Geschichte Israels näher beleuchten und in poetischer Sprache verarbeiten, wie zum Beispiel Psalm 105 und 106.

[29:53] Es gibt didaktische Psalmen, die sozusagen pädagogisch dem Leser nahelegen, ein gutes und gottgeführtes Leben zu leben.

[30:03] Es gibt messianische Psalmen, denen es ganz besonders um den kommenden König, den kommenden Erlöser geht, wie zum Beispiel Psalm 2 oder auch Psalm 22 und andere, Psalm 72, auch Psalm 110, den Jesus ja dann gegenüber den Pharisäern und Sadduzäern, über den Schriftgelehrten in Matthäus erwähnt hat und daraus eine Frage abgeleitet hat.

[30:28] Es gibt die Bußpsalmen, wie zum Beispiel Psalm 51. Auch Psalm 32 zum Beispiel ist ein sehr schöner Bußpsalm, der vor allem Psalm 32 beschreibt dann mehr schon auch die Erfahrung, wie Gott auf die Buße reagiert hat, und das ist ein sehr ermutigender Psalm, um deutlich zu machen, dass wenn wir zu Gott kommen und um Vergebung bitten, er uns auch vergeben wird und dass es nichts Schöneres gibt und kein größeres Glück, als wenn unsere Sünden zugedeckt sind und vergeben sind durch Gottes Gnade, weil Jesus für uns am Kreuz gestorben ist.

[31:01] Dann gibt es die Fluchpsalmen, die durchaus auch Herausforderungen bilden, weil in ihnen der Psalmist dann sich auch wünscht, dass die Gottlosen leiden und ja, vernichtet werden. Und das ist ganz wichtig, sich auch ein bisschen damit genauer dann zu beschäftigen und zu sehen, wie das im Gesamtbild der biblischen, das Gesamtbild der biblischen Botschaft zu verstehen ist. Aber trotzdem sehr wichtige und auch sehr eindrückliche und emotional sehr packende Psalmen.

[31:33] Dann haben wir ganz viele Gebetspsalmen und Lobpreispsalmen, die eine ganz große Menge ausmachen. Natürlich, wir haben, wie schon erwähnt, die Wallfahrtslieder, die wohl gesungen worden sind von den Israeliten bei ihren jährlichen Wallfahrten nach Jerusalem.

[31:50] Und wir haben die besonders interessante Gruppe auch der sogenannten alphabetischen Psalmen. Am berühmtesten ist da natürlich Psalm 119. Das sind Psalmen, in denen zum Beispiel jeder Vers mit einem Buchstaben des Alphabets beginnt, oder wie im Fall von Psalm 119, immer acht Verse mit demselben Buchstaben beginnen und dann das ganze Alphabet hindurchgeht. Hier scheint das auch einen sehr pädagogischen Zweck gehabt zu haben, dass man sich dann diese Psalmen besser merken kann, dass man sozusagen auch das ABC lernt, das gleich mit etwas Geistlichem verbindet. Das kommt natürlich in den deutschen Übersetzungen dann nie so wirklich raus. Man sieht das dann in Psalm 119 an den Aufteilungen, die dort abgedruckt sind. Aber das gibt's bei mehreren Psalmen, zum Teil auch in verschiedenen Variationen. Manchmal wird das in den Anmerkungen auch erklärt.

[32:38] Das sind also dann auch so stilistische Mittel, Spielereien, mit denen die Psalmschreiber arbeiten, die jetzt für den theologischen Gehalt nicht immer von entscheidender Bedeutung sind, die uns aber zeigen: Es handelt sich auch um Kunstwerke, um Kunstwerke, die auch abgesehen davon, dass hier Gott zu uns spricht und uns persönlich in unserem Glaubensleben stärken will, auch unseren ästhetischen Sinn und unseren Kunstsinn ansprechen. Und auch dafür hat Gott Platz in der Bibel, und das ist sehr schön, weil das zeigt uns wieder mal, dass Gott auch das Schöne und das Wohlgestaltete liebt.

[33:13] Wenn man die Psalmen liest, stellt man fest, dass es verschiedene Arten von Psalmen gibt, wobei nicht immer ganz klar ist, was damit verbunden ist. Es handelt sich vermutlich auch um gewisse musikalische Differenzierungen, die uns heute nicht mehr so zugänglich sind, weil wir, wie gesagt, den Notentext dieser Psalmen nicht kennen.

[33:34] Da gibt's zum Beispiel den Psalm, erstmal, das ist der hebräische *Mismor*, griechisch ist das Übersetzung *Psalmos*, daher kommt das Wort Psalm. 57 der Psalmen sind solche technischen Psalmen. Das sind Lieder, die mit Saiteninstrumenten begleitet wurden. Das zugrunde liegende Verb *samar* heißt singen, loben oder auch ein Instrument spielen.

[33:56] Dann gibt es sogenannte Lieder, das ist ein anderer Begriff, *Schir* ist ein Lied, und das sind 29 Psalmen. In einem Fall wird sogar von einem Liebeslied gesprochen, einem Lied der Liebe, das ist in Psalm 45. Oder auch die Wallfahrtslieder, die schon erwähnten, in Psalm 120 bis 134.

[34:13] Dann gibt es das sogenannte *Maskil*. Das sind 13 Psalmen, die so genannt werden. Das Wort kommt von dem Hebräischen *sakal*, einsichtig sein, was wohl offensichtlich möglicherweise so einer pädagogisch-didaktischen Intention nahelegt. Allerdings passt das nicht immer hundertprozentig wohl bei allen Psalmen auf den Inhalt, deswegen kann es sich auch einfach vielleicht um eine musikalische Gattung handeln. Das ist nicht ganz klar.

[34:41] Genauso gilt das für das Wort *Miktam*. Es sind sechs Psalmen, die so genannt werden. Auch hier ist nicht ganz klar, was das bedeutet.

[34:47] Es gibt dann ausdrücklich sogenannte Gebete, hebräisch *Tefila*. Das sind fünf Psalmen. Es gibt dann auch ein *Tehilla*, also *Tefila* ist das Gebet, *Tehilla* ist der Lobpreis. Nur Psalm 145 wird explizit so genannt. Allerdings wird das gesamte Buch, das wir als Psalmen beschreiben, im Hebräischen *Tehillim* genannt, das heißt die Lobgesänge, die Lobpreisung. Also das ganze Buch heißt im Hebräischen sozusagen das Lobpreisbuch, wenn man so möchte.

[35:18] Es gibt dann noch in Psalm 7 das *Schigajon*. Das scheint ein Klagelied zu sein, ist aber auch unklar, wird manchmal auch so mit wilden Leidenschaften, Emotionen verbunden.

[35:30] Ansonsten haben wir noch die Formulierung "zum Lehren" in Psalm 60, das also für didaktische Zwecke gedacht war, "zum Gedenken" in Psalm 38 und 70, oder auch "zum Dankopfer". Psalm 110 ist ein Dankpsalm, der wohl offensichtlich bei der Ausübung auch des Dankopfers am Heiligtum vorgetragen worden ist.

[35:48] Die Psalmen sind aber nicht einfach nur verschiedene musikalische Gattungen und interessante, kunstvoll gestaltete Texte. Es sind biblische Aussagen, die wir als das Wort Gottes verstehen dürfen.

[36:09] In 2. Samuel Kapitel 23, wir hatten schon Vers 1 gelesen, wo David sich selbst als den lieblichen Psalmdichter beschreibt. 2. Samuel 23, dort heißt es dann, wo er also sagt, der liebliche Psalmdichter in Israel, dann sagt er weiter in Vers 2: "Der Geist des Herrn hat durch mich geredet, und sein Wort war auf meiner Zunge."

[36:39] Obwohl in den Psalmen sehr viel menschliche Emotionen hindurchscheint, herausbricht, wohl mehr als in jedem anderen biblischen Buch, die menschliche Seite der Bibel wird nirgendwo so stark in den Fokus genommen wie in den Psalmen, sagt David dennoch: "Durch mich hat der Heilige Geist gesprochen, der Geist des HERRN." Und das wird immer wieder bestätigt.

[37:07] Interessanterweise finden wir gleich mehrere ganz eindrückliche Zeugnisse dafür im Hebräerbrief. Paulus hat mehrfach aus den Psalmen auch im Hebräerbrief zitiert, und er sagt dann Folgendes, zum Beispiel in Hebräer 3, als er Psalm 95 zitiert, leitet er dieses Zitat ein mit den Worten in Vers 7: "Darum, wie der Heilige Geist spricht: Heute, wenn ihr seine Stimme hört..." Und dann kommt dieses Zitat aus Psalm 95. Also hier sagt Paulus, was in Psalm 95 dort steht, diese Passage, die hat der Heilige Geist gesprochen.

[37:43] Nur kurz zuvor in Hebräer 1 spricht Paulus darüber, wie Gott der Vater zu Jesus redet, und er zitiert mehrere Bibeltexte, unter anderem aus den Psalmen. Zum Beispiel in Vers 8: "Aber von dem Sohn: Dein Thron, o Gott, währt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Das Zepter deines Reiches ist ein Zepter des Rechts. Du hast Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehasst; darum hat dich, o Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl mehr als deine Gefährten." Und dann und Vers 10: "Du, o Herr, hast im Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind das Werk deiner Hände. Sie werden vergehen, du aber bleibst. Sie alle werden veralten wie ein Kleid, und wie ein Mantel, wie einen Mantel wirst du sie zusammenrollen, und sie sollen ausgewechselt werden. Du aber bleibst derselbe, und deine Jahre nehmen kein Ende." Das zitiert aus Psalm 45 und aus Psalm 102. Und Paulus sagt hier, dass diese Zitate Worte sind, die Gott der Vater zu Gott dem Sohn, zu Jesus, gesprochen hat. Also gleich zwei Beispiele, wo in den Psalmen Gott der Vater auch zu uns spricht, und wir das sehen und hören können.

[39:02] Und dann in Hebräer 10 haben wir noch ein Beispiel, wo Paulus deutlich macht, dass es Psalmen gibt, wo Jesus direkt spricht. Zum Beispiel in Hebräer 10 und dort ab Vers 5: "Darum spricht er bei seinem Eintritt in die Welt – also als Jesus Mensch wurde: Opfer und Gaben hast du nicht gewollt; einen Leib aber hast du mir bereitet. An Brandopfern und Sündopfern hast du kein Wohlgefallen. Da sprach ich: Siehe, ich komme – in der Buchrolle steht von mir geschrieben –, um deinen Willen, o Gott, zu tun." Das ist aus Psalm 40.

[39:41] Also zum einen können wir sagen, dass David gesagt hat, das war immer er Psalmen geschrieben hat, Gottes Geist durch ihn gesprochen hat. All die Psalmen sind inspiriert.

[39:47] Und dann sagt uns Paulus hier, es gibt bestimmte Abschnitte in Psalmen, da spricht der Heilige Geist ganz konkret: "Heute, da seine Stimme hört, verstockt eure Herzen nicht." Es gibt Stellen, da spricht Gott der Vater, wenn er sagt: "Dein Thron, o Gott." Das spricht Gott der Vater zu Jesus. Und es gibt Stellen wie hier, wo Jesus selbst über seine eigene zukünftige Menschwerdung spricht. Im Alten Testament spricht er darüber in den Psalmen, in Psalm 40. Und so sehen wir hier, wie alle drei Personen der Gottheit von Paulus als sprechende sozusagen in den Psalmen bestätigt werden.

[40:30] Wie sollen wir also diese Psalmen verstehen? Wir haben schon Lukas 24 Vers 27 gelesen. Wir haben dort gesehen, und wir können es noch einmal uns anschauen, dass wir hier die Methode von Jesus finden, wie er die Bibel studiert hat und wie er demzufolge auch die Psalmen studiert hat. Man kann die Psalmen nicht besser studieren, als wie Jesus sie studiert hat.

[40:55] Es heißt hier in Lukas 24 Vers 27: "Und er begann bei Mose und bei allen Propheten und legte ihnen in allen Schriften aus, was sich auf ihn bezieht." Jesus hat die ganze Bibel als Kontext genommen. Wenn wir einen Psalm studieren, sollten wir immer beachten, was sagt die Bibel über die dort angesprochenen Themen auch anderswo? Und das gibt uns einen guten, festen Rahmen. "Alle Schrift", das ist das A des Bibelstudiums und auch des Psalmenstudiums.

[41:23] Dann sehen wir, dass Jesus systematisch vorging. Er begann bei Mose. Das bedeutet dann für die Psalmen, dass wir auch nicht einfach wild irgendeinen Vers mal rausgreifen, sondern den Psalm auch von vorne nach hinten in seiner Entwicklung systematisch studieren. Und das bedeutet das B: "Beginne von vorn."

[41:41] Und dann sehen wir, dass Jesus in dem, was er studierte, immer auf sich selbst, das heißt auf den Messias und auf das Erlösungswerk hingewiesen hat. Also Christus C im Zentrum. Wenn wir diese drei Dinge beachten, das ABC des Bibel- und des Psalmenstudiums: "Alle Schrift, beginne von vorn und Christus im Zentrum." Wenn wir also den Psalm immer im Kontext der gesamten biblischen Lehre sehen, wenn wir die Psalmen systematisch, gründlich von vorne nach hinten studieren, und wenn wir bei all dem, was wir lesen, uns immer fragen: "Was hat das mit Jesus zu tun? Was sagt Jesus über das Thema? Wird hier Jesus vorgeschattet? Spricht der Jesus in einer besonderen Weise zu mir?", dann werden wir die Psalmen so verstehen, wie Gott sie gedacht hat.

[42:29] In Esra 7 und dort Vers 10 finden wir noch ein grundlegendes Prinzip, das nicht nur für die Psalmen, sondern für alles Bibelstudium gilt. Es ist immer wieder vermutet worden, dass Menschen wie Esra nach dem babylonischen Exil letztendlich die Schlussfassung, die Schlussredaktion dieser Psalmen durchgeführt haben und dann diese fünf Bücher geordnet haben, weil, wie gesagt, manche Psalmen auch erst sehr viel später, wie Psalm 137, dazugekommen sind. Und möglicherweise sind noch einige der anonymen Psalmen erst in dieser Zeit entstanden, und Menschen wie Esra können dafür verantwortlich gewesen sein, dass auch diese Bücher dann ihre endgültige Form bekommen haben, die entsprechenden Psalmen auch zusammengestellt worden sind zum Teil noch.

[43:15] Und in Esra 7 Vers 10 finden wir folgendes Prinzip von Esra: "Denn Esra hatte sein Herz darauf gerichtet, das Gesetz des Herrn zu erforschen und zu tun und in Israel Gesetz und Recht zu lehren." Er hat sein Herz darauf gerichtet, er hatte sein Herz erforscht und gründlich vorbereitet. Wir müssen uns unsere Herzen erforschen und unsere Intention prüfen, wenn wir die Psalmen studieren. Wir müssen die Texte selbst erforschen, wir müssen gründlich suchen, wir müssen wie ein Forscher versuchen, die Texte immer besser zu verstehen. Aber dann müssen wir auch das Verstandene im eigenen Leben umsetzen. Er hat nämlich nicht nur geforscht, er hat es auch getan. Er hat sein Herz darauf gerichtet, das Gesetz des Herrn zu erforschen und zu tun. Wir müssen also die in die Praxis umsetzen. Und dann, wie es hier heißt: "Und in Israel Gesetz und Recht zu lehren." Wir müssen anderen davon erzählen, erzählen, was wir in den Psalmen gefunden haben und ihnen auch diesen Schatz öffnen, dass auch sie dort Gottes Stimme zu ihrem Herzen finden können.

[44:17] Wenn wir die Psalmen sehen, dann sehen wir, dass da doch vieles vorkommt, was ungeschönt ist. Menschliche Emotionen werden in all ihrer, in ihren Abgründen, all ihr himmelhoch jauchzen und tief betrübten Zuständen dargestellt. Es gibt immer wieder Beispiele, wo – und das werden wir im Laufe der nächsten Wochen sehen – wo Psalmen auch ganz ausdrücklich die subjektiven Empfindungen des Psalmisten in Notsituationen ausdrücken, die nicht notwendigerweise die objektive Realität beschreiben.

[44:48] Ich gebe mal ein kurzes Beispiel in Psalm 13 und dort in Vers 2, da heißt es zum Beispiel: "Wie lange, o Herr, willst du mich ganz vergessen? Wie lange verbirgst du dein Angesicht vor mir?" Natürlich hat Gott den David nicht vergessen. Es war nur der Eindruck, den David hatte, aber es war ein ganz realer Eindruck und ein Eindruck, den er auch Gott sagen durfte und auf den Gott dann geantwortet hat. Wir werden in der nächsten Woche auch diesen Psalm uns genauer anschauen.

[45:23] Es ist also wichtig, dass wir nicht so einen Vers nehmen und dann daraus konstruieren, dass es Momente gibt, wo Gott uns gar nicht an uns denkt. Wir brauchen dann das gesamte biblische Bild, um zu sehen, dass natürlich Gott immer an uns gedenkt. Wir denken an Jesaja 49 zum Beispiel, wo er das ganz deutlich sagt. Aber dann verstehen wir, was hier vor sich geht, dass nämlich David sich in einer Situation befand, wo er diesen Eindruck hatte. Selbst Jesus hatte diesen Eindruck am Kreuz, als er ausrief: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?", obwohl sein Vater neben ihm am Kreuz in der Finsternis stand. Es gibt...

[45:58] Kreuz in der Finsternis stand. Es gibt also diesen Moment der subjektiven Wahrnehmung, und es ist wichtig, das zu verstehen und keine falschen Ideen daraus zu konstruieren, sondern das sind Verse, die uns deutlich machen: Hier spricht die Bibel zu unserem Herzen. Auch wir kennen solche Momente. Wir fühlen uns dann verstanden und abgeholt und wissen, dass, wenn die Bibel dann Lösungen und Auswege zeigt, dass diese wirklich der Realität entsprechen und wirklich uns helfen, wo wir sind.

[46:26] Oft natürlich enthalten die Psalmen auch eine poetische Bildersprache, die dann nicht wörtlich zu verstehen ist. Wenn die Ströme in die Hände klatschen, dann ist das ein poetisches Bild, und auch das muss beim Psalmenlesen bedacht werden. Aber wenn wir den biblischen Kontext als Ganzes betrachten, wenn wir systematisch vorgehen und wenn wir Christus im Zentrum haben, wenn wir dieses ABC des Bibelstudiums auf die Psalmen anwenden, dann werden wir all das gut verstehen können. Dann werden wir uns von solchen Dingen oder dann werden wir nicht auf Abwege geraten und können auch die besonderen Merkmale und die besonderen Schönheiten der Psalmen erst so richtig begreifen.

[47:07] Meine Frage heute an dich ist: Bist du bereit und würdest du dich darüber freuen, mehr über die Psalmen zu erfahren? Bist du bereit, dieses Buch, diese fünf Bücher der Psalmen, besser zu studieren, tiefgehend anzuschauen und darin die Stimme Gottes zu deinem Herzen zu hören? Wir wollen in den nächsten Wochen uns eingehend mit diesen Psalmen beschäftigen und wollen lernen, nicht nur, was Gott zu uns sagt dadurch, sondern auch, wie wir in einer geistlich heilsamen Art und Weise mit Gott sprechen, zu ihm beten, ihn loben, preisen, Fragen stellen, Verzweiflung ausdrücken und Vertrauen lernen.

[47:47] Lasst uns gemeinsam beten. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen, dass du durch dein Wort heute zu uns gesprochen hast, dass wir die Psalmen besser verstehen dürfen, dass wir diesen Schatz mehr schätzen, den du uns gegeben hast. Hilf uns in den kommenden Wochen und Monaten, insbesondere die Psalmen neu zu lesen, neu kennenzulernen, neue Wahrheiten und vor allem neue Tiefen der Wahrheit und neue Schönheiten der Wahrheit dort zu entdecken und vor allem, dass wir in unseren Herzen dir begegnen, was das Grundanliegen aller Psalmen ist. Bei aller Schönheit und aller Kunstfertigkeit ist es immer am Ende am allermeisten und zu allererst um die Beziehung zu dir geht. Herr, hab Dank für die Psalmen und gib, dass wir sie so lesen und verstehen, wie Jesus sie verstanden hat. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.

[48:53] Amen. Nächste Woche wollen wir dann beginnen, uns mit den Psalmen als Gebeten zu beschäftigen. Wir werden gleich schon einige Psalmen uns genauer anschauen und studieren, und ich lade euch ein, dann wieder einzuschalten, dabei zu sein. Schaut euch auch das Sendemanuskript an mit einigen weiteren Bibelversen, und ich wünsche euch Gottes Segen bis zum nächsten Mal. Gott sei mit euch.

[49:24] Amen.


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