Veröffentlicht am
575 Klicks

Manuskript zur Sendung   >>>   CSH_Manuskript_2024 3rd Nr 12   <<<

In dieser Folge der CSH Spezialserie zum Markusevangelium beleuchtet Christopher Kramp die dramatischen Ereignisse von Markus 14:32-15:15. Der Fokus liegt auf Jesu Gebet in Gethsemane, seiner tiefen emotionalen Not und der Bedeutung des Wachens und Betens für die Jünger. Die Episode behandelt auch die Gefangennahme Jesu durch Judas‘ Verrat und die Flucht der Jünger, und zieht wichtige Lehren für die persönliche Vorbereitung auf Krisen.


Weitere Aufnahmen

Serie: CSH 2024 Q3 Spezial – Das Markusevangelium

  • 0:0
  • 0:0
  • 0:0

Transkript

[0:35] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Ein herzliches Willkommen wie immer auch allen Zuschauern auf dem Sender Das Wort. Wir sind fast am Ende unserer CSH Spezialserie über das so faszinierende, kompakte Markusevangelium. Wir haben schon so viel gelernt und studiert über unseren Erlöser Jesus Christus. Und heute wollen wir uns Abschnitte anschauen, die uns ganz besonders in diese letzten Stunden seines Leidens und dann auch das nächste Mal Sterbens für uns hineinführen. Wir bereiten uns vor auf das Bibelgespräch am 21. September. Aber wie immer werden wir hier den gesamten Bibeltext des Buches Markus uns anschauen, in gleich etwa gleich große Teile aufgeteilt. Heute soll es um die zweite Hälfte von Markus 14 gehen, beginnend mit der Geschichte von Gethsemane und dann auch noch das erste Drittel ungefähr von Markus 15, bevor wir dann nächste Woche dieses besondere Buch mit den wichtigsten Abschnitten ganz am Ende beenden werden.

[2:01] Heute haben wir Szenen vor uns, über die es sich lohnt, immer nachzudenken. Es sind dies Szenen, die zu den wichtigsten gehören, über die ein Christ überhaupt nachdenken kann. Szenen, die wir uns eigentlich täglich zur Gemüte führen sollten und wo es sich besonders lohnt, intensiv nachzudenken, aber vor allem auch zu beten, dass Gottes Geist durch sein Wort zu mir persönlich und zu dir persönlich spricht. Wir möchten das Evangelium nicht nur intellektuell verstehen, wir möchten Jesus als unseren Freund in unserem Herzen wohnen haben, und damit die Worte nicht an uns einfach vorbeirauschen, sondern dass sie uns wirklich in unserem tiefsten Innern packen, dass sie uns berühren, dass sie uns herausfordern, dass sie uns verändern und vorbereiten. Das wollen wir jetzt beten.

[3:08] Und ich lade dich, lieber Freund, liebe Freundin, ein, dass wir mit einem Anfangsgebet starten. Lieber Vater im Himmel, kein menschliches Wort, kein menschlicher Bericht kann wirklich im vollen Umfang beschreiben, was du gelitten hast, was Jesus gelitten hat in den Stunden, die wir jetzt heute und nächste Woche betrachten werden. Herr, und wenn wir diese Verse und Geschichten lesen, dann schenk uns einen Sinn dafür, dass wir auf besonders heiligen Boden stehen, dass wir Dinge lesen und durchdenken, die seit ja, Tausenden die Engel beschäftigen, die Dinge beschäftigen, die direkt unser ewiges Leben betreffen. Schenk du uns Demut, dass wir angesichts dieser Ereignisse erkennen, wie sündhaft die Sünde ist. Wir wollen unsere Herzen öffnen, damit dein Heiliger Geist uns überführen kann von Sünde, dass er uns von Gerechtigkeit belehren kann und zeigen kann, dass ein Gericht gibt, dass unsere einzige Hoffnung in dir liegt. Ich möchte dich bitten, dass du in den kommenden Minuten zu mir persönlich sprichst und zu jedem, der dieses Video sieht, und dass Jesus vor unseren Augen so dargestellt wird, dass wir ihn von Herzen lieb haben. Das bitten wir in seinem Namen. Amen.

[5:00] Wir sind in Markus Kapitel 14. Jesus hat mit den restlichen elf Jüngern, nachdem Judas bereits den Raum vorher verlassen hatte, das Obergemach, wo sie das Passah vorgezogener Weise, so haben wir rekonstruiert, zu sich genommen haben, wo Jesus das Abendmahl eingesetzt hat, auch die Fußwaschung stattgefunden hat, wie wir sie aus Johannes dann kennen. Und Jesus ist mit ihnen aus diesem Saal gegangen, ist durch Jerusalem gegangen Richtung Ölberg und hat dort auch noch einmal seine Jünger gewarnt. Er hatte sie darauf vorbereitet, dass sie ihn alle verlassen werden. Er hatte Petrus zum zweiten Mal angekündigt, nachdem er schon einmal im Obergemach getan hatte, er hatte angekündigt, dass Petrus ihn dreimal verleugnen würde und diesmal sogar einen zweimaligen Hahnenschrei entsprechend vorhergesagt.

[6:00] Wir kommen jetzt zu dieser so bedeutsamen Geschichte von Gethsemane, die sich wirklich lohnt, mit Andacht und mit, ja, auch Ehrerbietung nachzudenken. Wir beginnen in Markus 14 und dort lesen wir ab Vers 32. Diese Geschichte ist im Wesentlichen ähnlich überliefert auch in Matthäus 26, und Lukas hat in Kapitel 22 dann eine etwas kompaktere Darstellung, aber auch wichtige neue Details. Vers 32, da heißt es: "Und sie kommen zu einem Grundstück namens Gethsemane." Das ist aramäisch Gethsemane, die Kelter des Öls, die Ölkelter, wo Oliven gepresst worden sind. Und wenn man Oliven presst, kommt Öl heraus. Sehr interessanter Name, wenn man sich drüber nachdenkt, dass in Gethsemane Jesus unter einem unvorstellbaren Druck stand. Die Sünden aller Menschen aller Zeiten, ungeschönt und unvermindert, wurden auf ihn gelegt. Unter dem Druck kamen aus seinem Mund, aus seinen Worten, aus seinen Gedanken nur reine Gedanken hervor, Dinge, die dem Wirken des Heiligen Geistes entsprechen. Das Öl floss aus der Ölkelter, wenn man dieses Bild verwenden möchte.

[7:48] Sie kommen zu einem Grundstück namens Gethsemane, und er spricht zu seinen Jüngern: "Setzt euch hierhin, bis ich gebetet habe." Es handelt sich um ein Grundstück. Johannes 18 Vers 1 sagt dann auch, es war ein Garten. Die meisten Jünger sollen zurückbleiben. Vers 33: "Und er nahm Petrus und Jakobus und Johannes mit sich, und er fing an zu erschrecken und ihm graute sehr." Sind wieder die engsten Jünger dabei. Wir haben gesehen, es gibt so einen Kreis von vier Jüngern: Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas, die bei der Endzeitpredigt bei Jesus waren. Dann gibt es einen Kreis von drei Jüngern ohne Andreas, der noch ein bisschen enger ist, die die auch dabei gewesen sind. Und wenn man dann Jakobus noch wegnimmt, hat man Petrus und Johannes, die dann zum Beispiel ja auch das Abendmahl alleine vorbereitet haben. Und von den beiden ist wohl Johannes, so können wir in den Texten immer wieder sehen, am allernächsten bei Jesus gewesen. Er wollte diejenigen, die ihn am besten verstehen konnten, bei sich, besonders also bei sich haben. Er nimmt die engsten Jünger mit, und Jesus hat schreckliche Angst. Er hat wirklich tiefe, tiefe Angst vor dem, was vorliegt. Das heißt, es graute ihm, er erschreckte. Er fühlt die unfassbare Schwere der menschlichen Sünde und Schuld. Jesus hat nicht einfach ein Theaterstück geschauspielert. Er hat sich mit allen meinen Sünden, das sind mehr als ich aufzählen könnte, hier identifiziert. Und er hat genau verstanden, was die Konsequenzen, was die Strafe, was der Sold, wie die Bibel das in Römer 6 sagt, all dieser Sünden ist. Und nicht nur meiner Sünden, sondern auch deiner Sünden, aller Sünden. Er hatte schrecklich Angst davor, vom Vater getrennt zu werden. Und er sprach zu ihnen: "Meine Seele ist tief betrübt bis zum Tod. Bleibt hier und wacht."

[10:00] Jesus hat einen solchen tiefen emotionalen Schmerz gehabt, dass er das Bedürfnis hatte, mit seinen Jüngern darüber zu reden. Auch wir dürfen unsere emotionalen Herausforderungen mit anderen Menschen teilen. Jesus hatte eine furchtbare Angst, und er hat seine Jünger gebeten zu wachen. In Lukas 22 ergänzt er, er hat sie auch gebeten, dass sie beten sollten, damit sie auch selbst nicht in Versuchung geraten. Vers 35: "Und er ging ein wenig weiter, warf sich auf die Erde und betete, dass, wenn es möglich wäre, die Stunde an ihm vorüberginge." Ist etwas ausführlicher berichtet als in Matthäus 26. Markus hat das neue Detail, dass Jesus sich auf die Erde wirft. Er hat nicht einfach im Stehen gebetet, sondern es hat ihn so gepackt, dass er auf die Erde geworfen, sich an die Erde geklammert und seinen tiefen Schmerz hinausgebetet.

[11:03] Und er sprach: "Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir. Doch nicht, was ich will, sondern was du willst." Auch die Anrede "Abba" ist neu im Vergleich zu Matthäus. Und mehr noch als Matthäus wird hier deutlich, dass er nicht einfach nur sagt: "Wenn es dir möglich", sondern er sagt: "Ich weiß, alles ist dir möglich." Hier geht es nicht um die Frage, ob Gott den Kelch wegnehmen kann. Hier geht es um die Frage, was Gottes Wille ist. Wir kommen auch in Situationen in unserem Leben, die nicht so krass sind wie die, die Jesus hier erlebt hat. Niemand muss das erleben, was Jesus erlebt hat. Niemand muss alle Sünden der Welt tragen. Aber auch wir kommen in Situationen, in denen wir emotional nicht weiterwissen, in denen wir Angst haben, in denen wir uns zerdrückt fühlen.

[12:00] Wir kommen in Situationen, in denen wir den Eindruck haben, es könnte ja vielleicht noch eine Alternative geben, vielleicht gibt es einen anderen Weg als den, den Gott gerade weist. Jesus hat sich entschieden, seinen Schmerz mit seinem Vater zu teilen und dann wie ein Kind darauf zu vertrauen, dass Gottes Weg dennoch der Beste ist. Und das ist das Vorbild für uns alle. Wir dürfen alle unsere Nöte, unsere Sorgen, unsere emotionalen Herausforderungen hinausschreien. Wir dürfen sie zu Gott bringen, wir dürfen ihm alles erzählen, und dann ist es unser Vorrecht zu glauben, dass nicht unsere Perspektive, sondern Gottes Perspektive die richtige ist. Denn Gott sieht die Dinge vom Ende her. Er weiß, was alles passieren wird. Gott der Vater wusste ja, dass es Jesu eigener Wunsch war, für die Menschen zu sterben. Wenn er ihn jetzt einfach in den Himmel genommen hätte, dann hätte er nicht den eigentlichen Wunsch von Jesus erfüllt, den Jesus eigentlich gehabt hat, auch wenn er jetzt in diesem Moment emotional überwältigt nicht mehr sehen konnte, wie alles ausgehen wird. Gott der Vater hat ihn den Weg geführt, den Jesus hinterher auch nach seiner Himmelfahrt ohne Zweifel als den absolut richtigen und besten Weg empfunden hat, als den besten Weg empfunden hat.

[13:37] Nur Lukas berichtet dann in Kapitel 22, dass ein Engel vom Himmel kommt, der Jesus stärkt. Er berichtet auch von dem intensiven Ringen von Jesus, dass der Schweiß wie Blutstropfen auf die Erde fällt. Vers 37: "Und er kommt und findet sie schlafen, und er spricht zu Petrus: 'Simon, schläfst du? Konntest du nicht eine Stunde wachen?'" Gegenüber Matthäus 26 fällt hier auf, dass die Anrede noch persönlicher an Petrus direkt gerichtet ist. Er war es ja, der mehrmals gesagt hatte, in dem Obergemach und dann noch auf dem Weg zum Ölberg, dass unter keinen Umständen Jesus verlassen wird. Ohne Zweifel wird Petrus in seinem Bericht, von dem Markus ja so profitiert hat, auch dieses Detail hier besonders hervorgehoben haben. Jesus hatte ihn persönlich angesprochen, er muss wachen, er muss beten. Vers 38: "Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach." Jesus macht deutlich, dass der Heilige Geist uns gerne helfen möchte. Der Heilige Geist ist bereit, der Heilige Geist kann und will uns helfen, aber nur wenn wir beten und wenn wir wachen, sind wir auch bereit, den Geist wirken zu lassen. Wenn wir die Zeit verschlafen, kann Gottes Geist uns auch nicht stärken. Wenn wir in einen Gottesdienst gehen, eine Predigt hören, dann ist Gottes Geist da, um uns zu sprechen. Aber wenn wir während der Predigt schlafen, kann der Geist nicht gegen unseren Willen uns verändern. Wir müssen wachen, wir müssen beten, wir müssen aufmerksam sein auf das, was der Geist mir sagen möchte. Dann kann er mich vorbereiten auf die Krisen, die kommen, dann kann er mich für die Versuchung stärken. Wenn wir nicht aufmerksam sind, kann der Geist uns nicht so vorbereiten, wie es notwendig ist, auch im Hinblick auf die Endzeit.

[15:38] Vers 39: "Und er ging wiederum hin, betete und sprach dieselben Worte." Hier fasst Markus das, was in Matthäus 26 noch ausführlicher wiederholt wird, einfach kurz zusammen. Vers 40: "Und als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn die Augen waren ihnen schwer geworden, und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten." Dieser letzte Satz ist auch ein neues Detail bei Markus. Sie haben keine Entschuldigung, und hier ist interessant: Sie wissen, dass sie keine Entschuldigung haben, und doch ändert das nichts an ihrem Verhalten. Sie wissen nicht, was ihm antworten sollen, und doch bleibt es dabei, dass sie schlafen. Vers 41: "Er kommt zum dritten Mal, nachdem er noch einmal gebetet hat, und spricht zu ihnen: 'Schlaft ihr noch immer und ruht? Es ist genug. Die Stunde ist gekommen. Siehe, der Sohn des Menschen wird in die Hände der Sünder ausgeliefert. Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, der mich verrät, ist nah.'"

[16:41] Diese drei Jünger, sowohl Johannes als auch Petrus als auch Jakobus, haben diese unfassbar enorm wichtige Situation buchstäblich verschlafen. Und wir erinnern uns dabei an eine ganz ähnliche Situation auf dem Verklärungsberg, wo sie auch beinahe die Verklärung von Jesu fast vollständig verschlafen haben, erst dann mittendrin aufgewacht sind. Und weil sie diese Gelegenheit verschlafen haben, sind sie auf das, was jetzt kommen wird, als die Krise hereinbricht, nicht richtig vorbereitet. Jesus hatte das gewusst, und Jesus wollte seine Jünger auf die Krise vorbereiten. Er hat das sehr gründlich getan. Er hatte viele Monate vorher begonnen, ihnen zu sagen, was kommen wird. Er hat das immer wieder wiederholt zum richtigen Zeitpunkt. Er hat durch Gleichnisse und durch Predigten sie immer wieder darauf vorbereitet. Er hat sich hier sogar explizit darauf angesprochen, dass eine große Krise kommen wird. Er hat ihnen Gelegenheit gegeben zum Gebet und zum Wachen, zu sehen, wie selbst Jesus selbst ringt. Denn wenn sie genau gesehen hätten und beobachtet hätten, wie Jesus ringt, dann hätten sie gewusst, dass auch sie ringen müssen.

[17:58] Jesus hatte eine perfekte Vorbereitung vorbereitet, aber die Jünger haben diese Vorbereitung, die Jesus ihnen geben wollte, nicht in Anspruch genommen, wie es möglich gewesen wäre und wie es nötig gewesen wäre. Und das, liebe Freunde, ist eine wichtige Lektion für uns. Wir reden immer davon, dass wir uns vorbereiten wollen, aber ich glaube, eigentlich ist es so, dass Gott uns vorbereiten möchte. Die Frage ist nicht: "Habe ich mich vorbereitet?", die Frage ist: "Habe ich die von Gott bestimmte Vorbereitung in Anspruch genommen?" Gott hat ganz spezielle Angebote, mit denen er uns Tag für Tag vorbereiten möchte. Passen wir darauf auf, bemerken wir diese Angebote, bemerken wir die Gelegenheiten zur Vorbereitung, oder verschlafen wir sie und sind dann erstaunt, wenn die Krise über uns hereinbricht, dass wir einen so schwachen Glauben haben? Wenn die letzte Endzeitkrise über uns hereinbricht, müssen wir vorher die Gelegenheiten zur Vorbereitung in Anspruch genommen haben. Die Worte von Jesus: "Wacht und betet", die gelten für mich heute und sie gelten für dich, lieber Freund, liebe Freundin. Wollen wir uns vornehmen, die Gelegenheiten, wo man sich trifft, um die Bibel zu studieren, wo man sich trifft, um zu beten, wo man sich trifft, um den Glauben zu bezeugen, wo es Gelegenheiten gibt, direkt von Jesus zu profitieren, dass wir diese Gelegenheiten in Anspruch nehmen und nicht verschlafen?

[19:29] Nun war die Krise da. Ab Vers 43 berichtet Markus die Gefangennahme, und das ist einer der ganz zentralen Berichte überhaupt. Sowieso das, was jetzt folgt im Markusevangelium, die allermeisten der Berichte sind jetzt der Art, dass sie von allen vier Evangelisten, Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, dargestellt werden, oft mit verschiedenen Details. Aber das sind so diese letzten Stunden jetzt, die keiner mehr ausgelassen hat. In dem Fall sind sogar die vier Berichte in etwa gleich lang, aber alle bieten eigene wichtige Details. Erst wenn man alle vier Evangelien zusammen kombiniert, kann man das eigentliche Gesamtgeschehen richtig rekonstruieren. Vers 43: "Und sogleich, als er noch redete, erschien Judas, der einer der Zwölf war, und mit ihm eine große Schar mit Schwertern und Stöcken, gesandt von den obersten Priestern und den Schriftgelehrten und den Ältesten." Markus ergänzt hier noch die Schriftgelehrten. Lukas weiß noch zusätzlich, dass Judas voranging, weil er ja wusste, wo Jesus sich aufhielt. Vers 44: "Der ihn verriet, hatte ihm aber ein Zeichen gegeben und gesagt: 'Der, den ich küssen werde, der ist es. Den ergreift und führt ihn sicher ab.'" Das neue Detail von Markus ist hier, dass sie ihn sicher abführen sollen. Der Plan ist, dass Judas mit einem Kuss Jesus in der Dunkelheit identifiziert. Doch das ist eigentlich dann gar nicht mehr nötig. Nur Johannes berichtet, dass bevor Judas überhaupt dazu kommt, Jesus mit einer übernatürlichen Demonstration seiner Göttlichkeit jeden Zweifel daran beseitigt, dass er sich nun freiwillig in die Hände der Feinde begeben wird. Alle seine Gegner fallen zunächst auf den Boden, nachdem er gefragt hat, wen sie suchen und er sich selbst als Jesus identifiziert hat und sogar für seine Jünger freies Geleit, Freiheit gefordert hat. Vers 45: "Und als er nun kam, trat er sogleich auf ihn zu und sprach: 'Rabbi, Rabbi!', und küsste ihn." Erst nach diesen Ereignissen von Johannes 18, Vers 4 bis 9, kommt Judas auf ihn zu und gibt vor, in Wirklichkeit sein Freund zu sein, gibt vor, hier mit dieser ganzen Sache mit den Soldaten nichts zu tun zu haben. Markus ist der einzige, der diese doppelte Anrede "Rabbi, Rabbi" uns überliefert.

[22:16] Vers 46: "Sie legten ihre Hände an ihn und nahmen ihn fest." Markus ist hier sehr kurz. Matthäus und Lukas berichten noch, wie Jesus auf diesen Verrat, diese Heuchelei reagiert hat und ihn mit rhetorischen Fragen darauf aufmerksam gemacht hat. Aber Judas war mittlerweile vom Satan so erfüllt, auch das hat ihn nicht mehr berührt. Vers 47: "Einer aber von denen, die dabeistanden, zog das Schwert, schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm ein Ohr ab." Wir wissen aus Johannes 18, Vers 10, dass dieser Jemand Petrus gewesen ist. Interessanterweise sagt Markus nicht den Namen, aber auch Matthäus und Lukas sagen das nicht. Entsprechend wird auch nicht der Tadel von Jesus oder auch der Tadel von Jesus an Petrus wird hier nicht erwähnt. Matthäus 26 hat diesen Hinweis, oder hat diesen Tadel, wo Jesus auch darauf hinweist, dass sich die Prophezeiung im Alten Testament im Leben von Jesus erfüllen müssen. Johannes 18 sagt uns noch, wie der Knecht heißt: Er hieß nämlich Malchus. Und Lukas 22 ergänzt noch, dass Jesus diesen Malchus wieder geheilt hat. Markus ist hier sehr knapp und, ja, zusammengefasst.

[23:40] Vers 48 und 49: "Und Jesus begann und sprach zu ihnen: 'Wie gegen einen Räuber seid ihr ausgezogen mit Schwertern und Stöcken, um mich gefangen zu nehmen? Täglich war ich bei euch im Tempel und lehrte, und ihr habt mich nicht ergriffen. Doch damit die Schrift erfüllt werde.'" Dieses "täglich" bezieht sich natürlich auf die zurückliegende Woche. Jeden Tag, am Sonntag, am Montag, am Dienstag, war Jesus im Tempel gewesen, hatte dort gelehrt, aber wie wir gesehen haben, wurde er nicht gefangen genommen, weil die Priester Angst hatten vor der Volksmenge. Deswegen hatten sie dann das Angebot von Judas, Jesus im Geheimen zu verraten, so gerne angenommen. Jesus hatte dann auch zusätzlich hier noch gesagt in Lukas 22, Vers 50: "Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis." Jesus wusste, dass die Prophezeiung sich jetzt erfüllte. Die Schrift wird erfüllt. Vers 50: "Da verließen ihn alle und flohen." Genau das, was er vorher in Vers 27 vorhergesagt hatte, was sich keiner vorstellen konnte, aber Jesus wusste, wie stark die Krise sein würde. Die Jünger kannten sich selbst nicht wirklich.

[24:58] Dann kommt noch eine interessante Begebenheit, die nur von Markus erwähnt wird in Vers 51 und 52. Vers 51 und 52: "Und ein gewisser junger Mann folgte ihm, der ein Leinengewand auf dem bloßen Leib trug. Die jungen Männer griffen ihn, er aber ließ das Leinengewand zurück und entblößt floh er von ihnen." Eine interessante Geschichte.

[25:20] Ihnen eine interessante Geschichte. Und es wird nicht gesagt, wer dieser junge Mann war. Es ist immer wieder darüber spekuliert worden, und es ist ja nicht unplausibel, dass es sich bei diesem jungen Mann um Johannes Markus selbst gehandelt haben könnte, der dann natürlich diese Geschichte wusste, weil er sie selbst erlebt hat. Das ist also nicht unwahrscheinlich.

[25:39] Auch andere Evangelisten, Johannes zum Beispiel, der spricht auch nur indirekt von sich selbst als der Jünger, den Jesus liebte. Also wäre es jetzt also kein Argument zu sagen, hier steht ja nicht Markus. Also es wäre durchaus auch zu erwarten, dass auch Johannes Markus mehr so indirekt von sich spricht. Aber wir können es natürlich jetzt aufgrund dieser beiden Verse nicht definitiv beweisen.

[26:01] Was jetzt chronologisch folgt und bei Markus nicht berichtet ist, sondern nur bei Johannes, ist ein erstes informelles Verhör vor dem ehemaligen Hohepriester Hannas. Das wird nur in Johannes 18, Vers 12 bis 23, berichtet. Hannas war in den Jahren 6 bis 5 amtierender Hohepriester gewesen, also schon über 15 Jahre zurück. Einige seiner Söhne waren Nachfolger im Amt. Kajafas, der amtierende Hohepriester, war sein Schwiegersohn. Hannas lebte aber noch und war so was wie die graue Eminenz. Man wollte also von Anfang an diesen Prozess in sichere Bahnen leiten aus Sicht der Pharisäer und Schriftgelehrten. Man wollte auf jeden Fall sicherstellen, dass Jesus ihnen nicht entkommt, und niemand anderes als der erfahrene Hannas sollte jetzt schon mal für die ersten Beweise sorgen, diesen Prozess informell starten.

[27:13] Für alle, die das in Johannes 18 dann nachlesen: Nur hier die kurze Bemerkung: Johannes 18, Vers 24, ist in der Schlachter 2000 nicht gut übersetzt, weil dort der Eindruck entstehen könnte, dass das, was in Johannes 18 dort berichtet ist, eigentlich schon bei Kajafas ist. Aber der Satz muss eigentlich so übersetzt werden: „Nun sandte ihn Hannas gebunden zum Hohepriester Kajafas.“ Das heißt, bis Johannes 18, Vers 23, befindet sich Jesus bei Hannas und wird dann in Vers 24 zu Kajafas gebracht.

[27:48] Und dort findet dann das nächtliche Verhör vor dem Sanhedrin statt, dass wir jetzt in Markus 14 ab Vers 53 haben. Das ist dieses Verhör vor dem Hohen Rat der Juden. Es wird auch in Matthäus 26, Vers 57 bis 68, berichtet: „Und sie führten Jesus ab zum Hohen Priester.“ Das ist jetzt Kajafas. „Und alle obersten Priester und die Ältesten und die Schriftgelehrten kamen bei ihm zusammen.“ Also diese Sanhedrin-Sitzung, die findet mitten in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag statt.

[28:23] Vers 54: „Und Petrus folgte ihm von ferne bis hinein in den Hof des Hohenpriesters.“ „Und er saß bei den Dienern und wärmte sich am Feuer.“ Durch Johannes 18, Vers 15 und 16, wissen wir, dass Petrus durch den Jünger Johannes in den Hof gelangte, weil Johannes mit dem Hohepriester persönlich bekannt gewesen ist und dann der Türhüterin – das wird gleich noch wichtig werden für die Geschichte von der Verleugnung – der Türhüterin sozusagen gut zugeredet hat, damit sie auch Petrus hineinlässt. Sie haben dann, Johannes und Petrus, aus der Distanz versucht, ein bisschen in der Nähe von Jesus zu bleiben.

[29:05] Parallel zu diesem Verhör findet die Geschichte von Petrus statt, die Verleugnung durch Petrus. Aber Matthäus und Markus erzählen diese Geschichte natürlich nacheinander.

[29:17] Vers 55: „Die obersten Priester aber und der ganze Hohe Rat suchten ein Zeugnis gegen Jesus, um ihn zu töten, und sie fanden keines.“ Also von einem fairen Prozess kann hier keine Rede sein. Matthäus 26 sagt noch deutlicher in Vers 59: „Sie suchten ein falsches Zeugnis.“ Sie möchten ihn töten und suchen jetzt irgendeinen Vorwand, damit sie ihn töten können.

[29:40] Vers 56: „Denn viele legten ein falsches Zeugnis gegen ihn ab, doch stimmten die Zeugnisse nicht überein.“ Man musste schon irgendwie den Formalitäten entsprechen. Die Zeugnisse, auch wenn sie falsch waren, hätten ja wenigstens irgendwie übereinstimmen müssen, dass man sagen kann, weil es ja in der Bibel heißt: „Im Mund von zwei oder drei Zeugen ist eine Sache bestätigt.“ Aber das gelang nicht. Man fand einfach nicht falsche Zeugen, zwei oder drei, die dasselbe falsch aussagten.

[30:07] Vers 57 und 58: „Und etliche standen auf, legten ein falsches Zeugnis gegen ihn ab und sprachen: ‚Wir haben ihn sagen hören: Ich will diesen mit Händen gemachten Tempel zerstören und in drei Tagen einen anderen aufbauen, der nicht mit Händen gemacht ist.‘“ In Matthäus wird berichtet, in Matthäus 26, dass es zunächst zwei Zeugen waren, die das gesagt haben. Offensichtlich sind dann andere noch dazugekommen. Bezug nehmen sie natürlich auf die Aussage von Johannes 2, Vers 19, als Jesus drei Jahre zuvor zum Beginn seines Dienstes bei der ersten Tempelreinigung gesagt hatte: „Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn aufrichten.“

[30:55] Vers 59 (Markus 14): „Aber auch so war ihr Zeugnis nicht übereinstimmend.“ Selbst als sozusagen die gleiche Grundaussage von den falschen Zeugen kolportiert wird, gelingt es nicht, ihr Zeugnis irgendwie wirklich zu harmonisieren. Im Grunde genommen ist der Prozess eine reine Farce. Man sieht, wie verzweifelt man versucht, irgendwie etwas zu finden, und es ist eigentlich – man kriegt nicht das, was man möchte. Es ist offensichtlich für jeden, der unvoreingenommen hier zuschaut, dass Jesus völlig unschuldig ist.

[31:38] Vers 60: „Kajafas interveniert.“ Und: „Der Hohepriester stand auf, trat in die Mitte, fragte Jesus und sprach: ‚Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich aussagen?‘“ Kajafas versucht jetzt direkt mit einer Konfrontation Jesu, ihn irgendwie zu einer Aussage zu bringen. „Er aber schwieg und antwortete nicht.“ Angesichts dieser größten denkbaren Ungerechtigkeit, dass Leute ihm einfach etwas anhängen wollen, nur damit sie ihn endlich töten können, verhält er sich vollkommen still. Wir denken da an Jesaja 53 und dort Vers 7: „Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut.“

[32:34] Wir sind noch immer in Vers 61: „Wieder fragte ihn der Hohepriester und sagte zu ihm: ‚Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten?‘“ Mit anderen Worten: „Der Sohn Gottes, bist du der Messias?“, ist die Frage. Wichtig ist hier, dass man Matthäus 26 mit dazunimmt, in Vers 63, denn dort wird deutlich, dass der Hohepriester ihn beschwört. Das heißt, er nimmt ihn als höchste formale Autorität Israels unter Eid. Jesus soll jetzt also vor dem höchsten Richter unter Eid Stellung beziehen, und das macht Jesus, denn er kann die Wahrheit sagen unter Eid. Und dieses Beispiel zeigt uns, dass, wenn wir vor Gericht stehen und für die Wahrheit Zeugnis geben, dann dürfen wir das auch unter Eid tun. Niemand kann so sehr die Wahrheit sagen wie ein Christ, dessen Gewissen rein ist.

[33:30] Die Aussage von Jesus in der Bergpredigt, dass wir nicht schwören sollen, bezieht sich auf den Missbrauch, als die Pharisäer die Ideen hatten, dass man, wenn man bei etwas schwört, dann nicht gebunden ist, weil man eine bestimmte Formel verwendet hat oder so. Das darf man nicht durcheinanderbringen.

[33:51] Vers 62: „Jesus aber sprach – und er antwortet jetzt also unter Eid –: ‚Ich bin’s, und ihr werdet den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen mit den Wolken des Himmels.‘“ Jesus ist bereit, öffentlich klar und deutlich sich zur Wahrheit zu bekennen. Er erfüllt damit, was in Matthäus Kapitel 10 steht, Verse, die mir ganz wichtig sind, meine persönlichen Taufverse, Matthäus 10, Vers 32 und 33: „Jeder nun, der sich zu mir bekennt vor den Menschen, zu dem werde auch ich mich bekennen vor meinem Vater im Himmel. Wer mich aber leugnet vor den Menschen, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater im Himmel.“ Jesus selbst hat sich vor den Menschen, als er dazu aufgefordert worden ist, ganz klar zu seinem Vater, zu seiner Beziehung zu Gott, bekannt, obwohl er wusste, dass das ihm den sicheren Tod bringen wird. Und so wie Jesus sich zu dem Vater bekannt hat vor dieser mörderischen Gruppe von Menschen, so möchte er uns Kraft geben, dass wir auch vor den Menschen, egal ob sie uns mögen oder nicht, dass wir uns zu Jesus, unserem Erlöser, bekennen, der bereit war, für uns Erlöser zu sein, der sich vor den Menschen dazu bekannt hat, Erlöser der Menschen zu sein. In gewisser Weise kann man sagen, dass er vor dem Sanhedrin sich dazu bekannt hat. Er hat sich zu Gott bekannt und hat sich dazu bekannt, dein und mein Erlöser zu sein. Wenn Jesus sich dazu bekennt vor den Menschen, dass er unser Erlöser ist, dann dürfen auch wir nicht Angst haben, uns vor den Menschen dazu bekennen, dass er unser Erlöser ist. So wird Jesus dann im Himmel vor den Engeln bekennen, dass er mein Freund und mein Erlöser ist. Das ist ein wunderbarer Gedanke. Ich glaube, wir denken zu wenig drüber nach, dass Jesus sich zu uns bekennt, koste es, was es wolle.

[34:48] Nun, die Juden erwarteten einen machtvollen Messias. Sie erwarteten jemand, der die Römer vertreiben würde mit militärischer Macht. Und Jesus bezeugt hier interessanterweise, dass er tatsächlich als der Messias, der König der Könige, ist und dass er tatsächlich einmal mit aller Macht und Gewalt des Universums wiederkehren wird, aber nicht, um die Römer zu vertreiben, sondern der Weltgeschichte, wie wir sie kennen, ein Ende zu bereiten. Und dann werden auch die hier Anwesenden dabei sein, denn die spezielle Auferstehung, die in Daniel 12, Vers 2, beschrieben wird und die auch in Offenbarung 1, Vers 7, impliziert ist, wird dazu führen, dass noch bevor Jesus wiederkommt, auch die Teilnehmer dieses Verhörs auferweckt werden, um Jesus als König in seiner Herrlichkeit zu sehen. Das sind, wie gesagt, nur einige der größten Feinde Jesu und des Evangeliums, die vor der Wiederkunft bei dieser speziellen Auferstehung auferweckt werden. Alle anderen Gottlosen werden ja erst nach den 1000 Jahren auferweckt. Und die Worte von Jesu implizieren – das ist sehr interessant –, dass Jesus natürlich nicht alleine wiederkommen wird. Wir wissen, er kommt mit allen Engeln des Himmels, aber er kommt auch mit dem Vater selbst, und das wird auch deutlich in Offenbarung 6, Vers 14 bis 16, und ist auch in Matthäus 16 mitgedacht, wenn das heißt, dass der Sohn des Menschen in der Herrlichkeit des Vaters kommen wird.

[37:18] Vers 63: „Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sagte: ‚Was brauchen wir weitere Zeugen?‘“ Nach 3. Mose 10, Vers 6, durfte der Kajafas seine Kleider gar nicht zerreißen. Aber das Wort Gottes lag ihm auch nicht wirklich am Herzen. Für Kajafas war Jesu Selbstidentifizierung als der Messias bereits ein ausreichender Anklagegrund. Damit braucht man keine weiteren Zeugen. Der Prozess wird abgekürzt. Eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit!

[37:51] Vers 64: „Ihr habt die Lästerung gehört. Was meint ihr? Und sie fällten alle das Urteil, dass er des Todes schuldig war.“ Weil er sich als Messias bezeichnet hat, wird Jesus zum Tode verurteilt. Die Obersten der Juden verurteilen ihn, weil er die Erfüllung der alttestamentlichen Prophetie ist und dazu öffentlich steht. In der Endzeit werden wir auch von Gerichten verurteilt werden, weil wir uns zur biblischen Prophetie bekennen und zu unserem Erlöser Jesus Christus.

[38:25] Vers 65: „Und etliche fingen an, ihn anzuspucken und sein Angesicht zu verhüllen und ihn mit Fäusten zu schlagen und zu ihm zu sagen: ‚Weissage!‘ Und die Diener schlugen ihm ins Angesicht.“ Jesus wird für dich und für mich – er hat für dich und für mich all das erlitten. Er wird erniedrigt und gequält, und es war für ihn ja eine besondere Herausforderung, denn er hätte weissagen können, wer es war, den geschlagen hat. Er hätte das gesamte Leben dieser Person wiedergeben können, alle Sünden aufdecken können. Aber Jesus hat nicht zurückgeschlagen, weder mit Fäusten, noch mit Wissen, noch sonst irgendwie. Es hätte dem Evangelium nicht geholfen. Das entscheidende Prinzip, nachdem Jesus seine Handlungen ausgerichtet hat, das entscheidende Motiv, das darüber bestimmt hat, ob er etwas tat oder nicht tat, etwas sagte oder nicht sagte, war immer, ob es dem Evangelium hilft oder das Evangelium verhindern würde.

[39:44] Während Jesus all dies erleidet, ungerechterweise hier angeklagt, durch falsche Zeugen verleumdet und dann so gedemütigt wird, während das geschieht, geschieht gleichzeitig die Geschichte, die jetzt einfach aus Gründen der Fassbarkeit nacheinander erzählt wird, danach erzählt wird, findet statt, was Petrus währenddessen erlebt, in Vers 66 bis 72. Auch Matthäus und Lukas haben diese Geschichte natürlich. Johannes verbindet sogar die erste der drei Verleugnungen mit dem ersten informellen Verhör bei Hannas, und wo Jesus damals schon gesagt hat: Hannas möge doch seine Jünger fragen, die können ihm alles sagen. Er möge seine – also besser gesagt, er ist von Hannas nach seinen Jüngern gefragt worden, und Jesus hat dann gesagt, er soll die fragen, die alles gehört haben. Das impliziert wohl auch, dass Jesus gesagt hat: „Auch meine Jünger können Zeugnis geben.“ Und indem Johannes dann die erste Verleugnung damit korreliert, zeigt er, wie dramatisch eigentlich diese Verleugnung durch Petrus gewesen ist. Jesus selbst hat sich in seiner Verteidigung, in seiner Rede, darauf bezogen, dass andere für ihn auch sprechen können, und Petrus hat sich genau geweigert, das zu tun.

[41:09] Vers 66: „Und während Petrus unten im Hof war, kam eine von den Mägden des Hohenpriesters.“ Das ist die, die in Johannes 18, Vers 15 bis 17, als Türhüterin Petrus in den Hof hineingelassen hat. Deswegen weiß sie, wer er ist, sie hat ihn ja gesehen. Johannes hat sich für ihn eingesetzt. „Und als sie Petrus sah, der sich wärmte, blickte sie ihn an – es wird auch in Lukas betont, dieses Anblicken, Anschauen – und sprach: ‚Auch du warst mit Jesus, dem Nazarener!‘“ „Er aber leugnete und sprach: ‚Ich weiß nicht und verstehe auch nicht, was du sagst.‘ Und er ging in den Vorhof hinaus, und der Hahn krähte.“

[41:50] Jesus – diesen Namen will er nie gehört haben. Er meint, von Jesus nichts zu wissen. Er verleugnet seine Beziehung, seine Freundschaft mit Jesus. Er hat offensichtlich Angst. Er verlässt den Ort und meint, indem er einfach woanders hingeht, sei er sicher. Und das Alarmzeichen wird ihm gegeben. Der Hahnenschrei ist das Alarmsignal, das Jesus ihm gegeben hatte, aber er beachtet es nicht. Er hätte an dieser Stelle aufhören können, hätte umkehren können, aber er geht nur an einen anderen Ort. Wir können der Versuchung und der Sünde nicht entweichen, indem wir einfach nur uns örtlich woanders hinbegeben und hoffen, das geht dann schon von alleine weg. Wir müssen die Warnungen Gottes annehmen. Ich habe in meinem Leben erlebt, was passiert, wenn man die klaren Warnungen Gottes ignoriert, und Petrus hat das erlebt. Vielleicht hast du das auch erlebt in deinem Leben. Jede Warnung ist dazu da, um uns vor schlimmeren Dingen zu bewahren.

[43:05] Vers 69: „Und als die Magd ihn sah, begann sie wieder und sprach zu den Umstehenden: ‚Dieser ist einer von ihnen!‘“ Johannes Markus betont, dass auch bei der zweiten Verleugnung es dieselbe Magd ist, die schon bei der ersten Verleugnung Jesus angesprochen hat. Matthäus 26, Vers 71, ergänzt daraufhin, dass es noch eine weitere Magd dabei war, die ebenfalls Petrus als Jünger identifiziert. Und wenn man die griechische Grammatik genau nimmt, dann sieht es so aus, dass in Lukas 22 auch noch ein Mann erwähnt wird, der hier die Initiative mit den beiden Mägden ergriffen hat. Das heißt, auf jeden Fall hat mehr als eine Person mit Petrus diesmal gesprochen, und das geht auch aus Johannes 18, Vers 25, deutlicher hervor. Petrus hat das Warnsignal ignoriert, und nun wird die Schlinge – Verzeihung – die Schlinge des Satans enger. Das Zeugnis von zwei oder drei Personen ist jetzt nämlich schon gewichtiger als das eine Zeugnis der Türhüterin am Anfang. Wenn wir nicht zu Jesus umkehren, dann zieht der Satan die Schlinge immer enger. Das werden wir jetzt noch sehen.

[44:14] Vers 70: „Er aber leugnete wiederum.“ Diese zweite Leugnung wird von Markus nur ganz knapp erwähnt. In Matthäus 26 wird aber ergänzt, dass Petrus bereits diesmal fluchte. Das heißt, er hat eine stärkere Bedrohung, weil jetzt zwei oder drei Zeugen ihn bedrohen. Das führt jetzt auch zu einer stärkeren Verleugnung, und die Dynamik ist ganz deutlich: Der Satan hat ihn dazu bekommen, erst einmal zu leugnen. Petrus hat die Warnung in den Wind geschlagen, und jetzt kann Satan durch immer größeren Druck immer stärkere Verleugnung hervorbringen sozusagen, oder ihn damit ködern, ihn dazu versuchen, in die Richtung zu drängen. Er kann es ja nicht ihn zwingen, aber er kann den Druck erhöhen in der Hoffnung, dass Petrus sich irgendwann ganz von Jesus lossagt. So arbeitet der Satan, und deswegen warnt uns die Bibel davor.

[45:18] Dann heißt es hier weiter: „Und ein wenig später.“ Lukas macht das noch präziser, er sagt: „Eine Stunde ist etwa vergangen.“ Das heißt, zwischen der zweiten und der dritten Verleugnung hatte Petrus eine Stunde lang Zeit nachzudenken. Was wird ihm wohl durch den Kopf gegangen sein, nachdem er jetzt zweimal, das zweite Mal schon unter Eid, seinen Freund und Lehrer, seinen Meister, verraten hat? Hat nicht der Heilige Geist an seinem Herzen gewirkt? Sicherlich! Wie oft haben wir schon nach Sünde nicht gleich sofort Reue gezeigt, sondern einfach gedacht: „Na, wir warten jetzt mal, und wird vielleicht schon irgendwie.“ Petrus nutzt diese Zeit nicht, um sein Herz zu erforschen, dabei ist es wirklich kurz vor zwölf sozusagen. Und dann kommt es zur dritten Situation. Der Satan zieht die Schlinge noch enger.

[46:14] „Ein wenig nachher sprachen die Umstehenden noch mal zu Petrus: ‚Wahrhaftig, du bist einer von ihnen, denn du bist ein Galiläer, und deine Sprache ist gleich!‘“ Jetzt sind es nicht nur zwei oder drei Personen, es sind auch offenbar etliche, das wird auch in Matthäus 26 deutlich, es sind noch mehr Personen. Und jetzt werden konkrete Beweise vorgelegt, namentlich seine Sprache. Dazu kommt noch als besondere Bedrohung für Petrus, dass in Johannes 18 deutlich wird, dass ein Verwandter des Malchus, der ihn in Gethsemane gesehen hatte, ihn jetzt wiedererkennt. Und jetzt wird es wirklich gefährlich. Petrus schwebt in massiver Gefahr, denn wenn er das zugibt, könnte er ja wegen Widerstand gegen die Obrigkeit angeklagt werden und auch noch sterben.

[47:02] Vers 71: „Diese noch größere Steigerung führt jetzt zu einem ganz massiven Schritt. Er aber fing an, sich zu verfluchen und zu schwören: ‚Ich kenne diesen Menschen nicht, von dem ihr redet!‘“ Nicht nur leugnet er jetzt unter Eid, er spricht einen Fluch über sich aus. Das ist eine sehr definitive Form der vollständigen Leugnung. Außerdem sollen diese Fluchworte zeigen, dass er kein Jünger sein kann, denn Jesus und seine Jünger waren bekannt für ihre edle Ausdrucksweise, die nicht so vulgär war wie bei anderen Menschen. Indem er jetzt so vulgär sich verflucht, möchte er zeigen, dass er auf jeden Fall nicht zu Jesus gehört.

[47:49] Vers 72: „Der krähte der Hahn zum zweiten Mal.“ Es ist nur Markus, der dieses besondere Detail erwähnt und damit einen Blick auf diese Dynamik zeigt, dass ein Warnzeichen überfahren worden ist, Zeit – das hat Lukas gezeigt – vergeudet worden ist, und jetzt kräht der Hahn das zweite Mal. Mittlerweile hat sich Petrus in eine massive Krise bewegt. Er hat unter Eid und Fluch sich öffentlich von Jesus distanziert, steht kurz vor dem Abgrund. „Und Petrus erinnerte sich an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte: ‚Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.‘“ Der Grund, der eigentliche Grund, wird dann von Lukas erwähnt: Jesus schaut ihn an. Petrus weicht diesem Blick nicht aus, und der Blick von Jesus schmilzt diese Mauer der Rebellion.

[48:57] Jesus schmilzt diese Mauer der Rebellion. Er erinnert sich an die Worte. Er weiß, er hat seinen besten Freund massiv enttäuscht. Jetzt lässt er seinen Emotionen freien Lauf und er begann zu weinen. Matthäus 26 und Lukas 22 sagen, dass er bitterlich geweint hat. Matthäus und Lukas berichten auch, dass Petrus den Ort verlässt.

[49:31] Er hat es wirklich ernst gemeint, dass er Jesus nicht verlassen würde. Er hat es wirklich ernst gemeint, dass er für Jesus kämpfen würde. Er hat es sogar gezeigt mit dem Schwert. Aber Petrus kannte sich nicht selbst.

[49:43] Hast du dich schon mal gefragt, wie es sein kann, dass du von ganzem Herzen eine Entscheidung für Jesus fällst und dann später ihn doch enttäuschst, obwohl du doch von ganzem Herzen das gemeint hast, was du gesagt hast? Mir ist das in meinem Leben schon oft so gegangen.

[50:03] Was wir hier lernen, ist sehr profund und enorm wichtig und praktisch. Wenn wir von ganzem Herzen sagen: „Ich möchte dir folgen“, freut sich Jesus und er nimmt es auch von ganzem Herzen an. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns selbst nicht kennen, dass, obwohl wir sagen „von ganzem Herzen“, wir unser ganzes Herz ja gar nicht kennen und es passieren kann, dass dort – oder anders gesagt, dass dort Dinge sind, von denen wir gar nicht ahnen, dass wir dazu fähig sind. Das einzige Mittel dagegen ist, dass Gott uns darauf hinzuweisen hat. Und vielleicht geht es euch auch mal so, dass, wenn wir von ganzem Herzen uns Jesus hingegeben haben, dann verstehen wir gar nicht, warum wir jetzt noch Warnungen brauchen, warum wir jetzt immer noch so herzenserforschende Botschaften [brauchen]. Und wir haben doch unser Leben ihm gegeben. Aber genau weil wir unser Herz nicht kennen, braucht es diese Warnungen, damit wir sie ernst nehmen, damit wir eben nicht das erleben, was Petrus erlebt hat, was wir so oft erleben, dass wir plötzlich mit Dingen in unserem Herzen konfrontiert werden, die wir gar nicht für möglich gehalten [hätten].

[51:22] Jetzt weiß er, er ist schlimmer, als er gedacht hat. Und Jesus wollte ihm das vorher zeigen, bevor es solche schlimmen Konsequenzen [hatte].

[51:36] Aber Jesus hat Petrus nicht aufgegeben. Er hat ihm schon vorher in Lukas gesagt, dass er für ihn gebetet hat. Er hat ihm vorher gesagt, dass er sich bekehren wird. Und in Johannes 21 sehen wir dann später, wie Petrus wieder in den Dienst einsetzt, ihn dreimal fragt am Kohlenfeuer. So wie Petrus hier dreimal am Kohlenfeuer verleugnet hat, hat Jesus ihn vor den anderen öffentlich am Kohlenfeuer wieder eingesetzt. Jesus ist ein Gott der Wiederherstellung. Unser Gott, dem wir dienen, ist ein Gott der Wiederherstellung. Das weiß ich von ganzem Herzen.

[52:27] Markus 15, Vers 1: „Und gleich in der Frühe fassten die obersten Priester mit den Ältesten und Schriftgelehrten und dem ganzen Hohen Rat einen Beschluss und führten Jesus gebunden hin und lieferten ihn dem Pilatus aus.“ Nur sehr knapp, so wie auch Matthäus 27, Vers 1, entschuldigung, berichtet Markus hier diesen offiziellen Beschluss jetzt des obersten Rats am frühen Morgen, dass Jesus durch die Römer umgebracht werden soll. Die Reaktion des Judas darauf wird nur von Matthäus berichtet. Judas erkennt so spät, dass er sich völlig getäuscht hat. Er hatte gedacht, dass Jesus sich bestimmt befreien wird, dass er bestimmt irgendwie wieder nicht gefasst werden kann, wie auch sonst bisher nicht gefasst worden war. Jetzt realisiert er, er hat einen unschuldigen Menschen umgebracht oder ausgeliefert, den Messias. Und Judas tötet sich selbst.

[53:29] Judas hatte den Blick von Jesus mit der Rebellion, hatte den Blick von Jesus am letzten, beim Abendmahl, nur Rebellion entgegengesetzt. Während Petrus, schlimm wie seine Sünde war, den Blick von Jesus sich geöffnet hat. Beide waren enorm weit gegangen, aber der eine konnte wiederhergestellt werden, der andere ging für immer verloren.

[53:59] Vers 2 bis 5: Hier wird jetzt das erste Verhör vor Pilatus im Morgengrauen, früh am Morgen des Freitags, berichtet. Auch Matthäus gibt, nur so wie Markus, ganz summarisch ein paar wesentliche Details. Vor allem Johannes 18 ist es dann, der noch einen ausführlicheren Bericht gibt.

[54:19] Vers 2: „Und Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden? Er aber antwortete und sprach zu ihm: Du sagst es! Und die obersten Priester brachten viele Anklagen gegen ihn vor. Er beantwortete ihnen nichts. Pilatus aber fragte ihn wieder und sprach: Antwortest du nichts? Sieh, wie viele Dinge sie gegen dich aussagen! Jesus aber antwortete nichts mehr, sodass sich Pilatus verwunderte.“

[54:50] Jesus schweigt gegenüber seinen Anklägern, weil diese nicht lernen wollen. Sie wollen ja gar nicht die Wahrheit kennen. Und es wird dann erst in Johannes 18 berichtet: Diese Verse hier in Markus sind der erste Teil des Verhörs vor den obersten Priestern. Dann finden wir in Johannes 18 ab Vers 28 noch einen zweiten Teil des Verhörs, wo Pilatus privat alleine mit Jesus ist und wo Jesus tatsächlich dann auf die Fragen von Pilatus auch wieder reagiert, weil Pilatus noch nicht seine Gnadenzeit – also Pilatus, anders gesagt, weil Pilatus durchaus ja die ganze Sache noch kaum richtig kennt und durchaus ehrliche Fragen hat und die Möglichkeit besteht, dass sich Pilatus bekehrt. Und so gibt ihm Jesus sehr wertvolle Gedanken mit. Und Pilatus hätte wahrscheinlich noch viel mehr mitnehmen können, wenn er auf die berühmte Frage „Was ist Wahrheit?“ noch einen Moment geblieben wäre und sich nicht gleich umgedreht hätte, um zu sagen: „Ich finde keine Schuld an ihm.“ Jesus hätte ihm noch wesentliche Dinge sagen können, die gerettet hätten, wenn er sie angenommen hätte.

[55:57] Nach diesem ersten Verhör wird Jesus von Pilatus zu Herodes Antipas gebracht. Das wird nur von Lukas 23, Vers 5 bis 12, berichtet. Dort schweigt Jesus die gesamte Zeit. Herodes Antipas hat durch den Mord an Johannes dem Täufer bereits sein Schicksal besiegelt. Dann wird er wieder zurückgebracht zu Pilatus und da geht es hier weiter in Vers 6.

[56:25] Vers 6: „Aber anlässlich des Festes pflegte er ihnen einen Gefangenen freizugeben.“ Das ist eine Erklärung für den Leser, die sich auch in Matthäus 27, Vers 15, findet. Es gibt noch eine weitere Erklärung, um das Folgende besser zu verstehen: „Es lag aber ein gewisser Barabbas gefangen samt den Mitaufrührern, die im Aufruhr einen Mord begangen hatten.“ Barabbas ist Aramäisch und heißt interessanterweise „Sohn des Vaters“. Er gehörte zu einer Gruppe von Männern, die eine Revolution anzetteln wollten und dabei offensichtlich einen wohl politisch motivierten Mord begangen haben. Und zwar – das macht Lukas 23 deutlich – in Jerusalem selbst. Das heißt, die Leute, die Bewohner von Jerusalem kannten ihn. Der war also nicht irgendein Schwerverbrecher, den man aus der Ferne hergebracht hatte, sondern er hat in Jerusalem einen Aufruhr angezettelt und Mord begangen.

[57:20] Vers 8: „Und die Menge erhob ein Geschrei und fing an, das zu verlangen, was er ihnen jedes Mal gewährt hatte.“ Also es scheint so zu sein, dass die – dass sie es sind, die diese Menschenmenge, die hier zum ersten Mal jetzt so in größerem Umfang erscheint, dass sie jetzt diesen Brauch einfordern, weil es Passah ist. Und das passt auch zu der Tatsache, dass hier am Freitag, dem 14. Nisan, das Passahfest beginnt. Sie fordern diesen Brauch ein. Und in Lukas 23 erfahren wir dann in Vers 13 bis 16, dass Pilatus diesen Brauch nutzen will, um Jesus freizulassen. Er sieht die Möglichkeit, durch diese Forderung jetzt einen Ausweg zu finden, um irgendwie diplomatisch Jesus wieder zu entlassen. Also informiert er entsprechend die Obersten, dass die Anklagen nicht erhärtet worden sind, ja, also durch keines der Verhöre. Und dadurch wissen die Obersten, dass Pilatus die Freilassung plant und sie das nur verhindern können, wenn sie es schaffen, die Volksmenge dazu zu bringen, jemand anderes zu wählen als Jesus. Das Problem ist natürlich, die Alternative zu Jesus ist ein stadtbekannter Mörder, der sich da als Möchtegern-Messias aufgespielt hat.

[58:42] Vers 9: „Pilatus aber antwortete ihnen und sprach: Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden freigebe?“ Er möchte mit seiner Menschenmenge, er möchte mit seiner Frage natürlich die Menschen bewegen, dass Jesus gefordert wird. Und in Matthäus 27 sehen wir ganz konkret noch ergänzend, dass er Jesus und Barabbas zur Auswahl gestellt hat. Die Volksmenge wusste also, dass sie sich zwischen den beiden entscheiden konnten.

[59:12] Vers 10: „Denn er wusste, dass die obersten Priester ihn aus Neid ausgeliefert hatten.“ Er hatte das Spiel der Obersten durchschaut und das war das Problem. Er fällt trotzdem keine klare Entscheidung. Er hätte nämlich Jesus hier schon längst ohne Weiteres sofort freilassen müssen. Wenn es keinen Anklagepunkt gab, den man erhärten konnte, gab es keinen Grund, überhaupt ihn zur Wahl zu stellen, ihn einfach so freilassen müssen. Stattdessen versucht Pilatus, das Ganze, so wie er dachte, elegant zu lösen und mit einer offensichtlichen – er hatte wahrscheinlich damit gerechnet, dass das Volk ja offensichtlich nicht den Barabbas wählen will – sich so diplomatisch aus der Affäre zu ziehen. Aber er hat nicht mit dem Satan gerechnet, der schafft aus menschlichen Kompromissen eine Katastrophe zu stricken.

[1:00:04] In Matthäus 27 dann noch von dem Traum der Ehefrau des Pilatus, die ihn warnen lässt, er solle nichts gegen Jesus unternehmen.

[1:00:15] Vers 11: „Aber die obersten Priester wiegelten die Volksmenge auf, dass er ihnen lieber den Barabbas losgeben solle.“ Die Obersten sehen ganz genau, dass der vermeintlich diplomatische Schachzug von Pilatus, dieser faule Kompromiss, ihre Chance ist. Denn jetzt können sie durch Manipulation der Volksmenge Jesus in ihre Hand oder das Urteil bekommen, dass sie sich für Jesus wünschen. Also manipulieren sie, beeinflussen die Volksmenge, und diese wählt sich Barabbas. So auch in Johannes 18, Vers 40, wo sie schreien, dass sie Barabbas haben wollen. Was Markus hier weglässt, was Matthäus 27, Vers 26, noch berichtet, ist, dass Pilatus dann noch einmal die Volksmenge fragt, weil er offensichtlich sich nicht ganz sicher ist.

[1:00:58] Vers 12: „Und Pilatus antwortete und sprach wiederum zu ihnen: Was wollt ihr nun, dass ich mit dem tue, den ihr König der Juden nennt?“ Er nennt ihn immer wieder „König der Juden“, um offensichtlich so ein bisschen auch ihnen zu zeigen: „Hey, er gehört zu euch, er ist doch ein wichtiger Mann.“ Er will ihn freilassen, das wird ganz deutlich in Lukas 23, Vers 20. Aber die Tatsache, dass er als der Vertreter Roms, der alleinige Inhaber von der Macht über Leben und Tod, dass er einfach das Volk entscheiden lässt, was jetzt das Urteil sein soll, das zeigt seine Unfähigkeit, das zeigt die Ungerechtigkeit des Prozesses. Das sonst so gefeierte römische Rechtssystem ist unfähig, einen sündlosen Menschen vor dem Tod zu bewahren. Das zeigt uns, wie wenig wir uns auf Menschen verlassen können.

[1:01:52] Vers 13: „Sie aber schrien wiederum: Kreuzige ihn!“ Aufgehetzt fordert das Volk den Tod seines Schöpfers, die Verurteilung des Erlösers.

[1:02:05] Vers 14: „Und Pilatus sprach zu ihnen: Was hat er denn Böses getan?“ Da schrien sie noch viel mehr: „Kreuzige ihn!“ Ist es nicht ein absurdes Bild? Der Richter kann kein Verbrechen finden und er fragt das Volk, aber das Volk will gar keinen Grund geben. Es will ein Todesurteil, obwohl es keinen Grund gibt. Hier wird das Wesen der Herrschaft Satans deutlich. Hier wird deutlich, was passiert, wenn Ungerechtigkeit überhandnimmt, wenn Gott abgelehnt wird. Kennt die Ungerechtigkeit keine Grenzen. Wann immer das in der Geschichte geschehen ist, denken wir an das Dritte Reich, denken wir an die Französische Revolution, die Schreckensherrschaft. Wo immer Gott abgelehnt worden ist, hat sich die Ungerechtigkeit breitgemacht.

[1:03:00] Was Markus hier auslässt, ist, dass Pilatus dann nach der Auspeitschung, die jetzt in Markus erst in Vers 16 bis 20 berichtet wird, dass Pilatus dann noch einmal einen Versuch unternommen hat, Jesus zu retten, indem er ihn dann mit der Dornenkrone noch einmal dem Volk präsentiert, ausgepeitscht, um das Mitleid des Volkes zu erregen. Dieser letzte Versuch wird dann nur noch von Johannes in Johannes 19, Vers 4 bis 15, berichtet.

[1:03:34] Vers 15: „Weil nun Pilatus die Menge befriedigen wollte, gab er ihnen den Barabbas frei und übergab Jesus, nachdem er ihn hatte auspeitschen lassen – das ist dann eine weitere Auspeitschung gewesen – damit er gekreuzigt werde.“

[1:03:56] Warum hat Pilatus sich so entschieden? Sein Ansehen beim Volk war ihm wichtiger als die Wahrheit und die Gerechtigkeit. Und wenn wir in unserem Leben, wenn für uns unser Ansehen bei anderen Menschen uns wichtiger ist als Wahrheit und Gerechtigkeit, dann werden wir wie Pilatus schwere Fehler machen. Das Leben von Pilatus hat einen Knick bekommen hier, der bis zu seinem Lebensende nicht mehr geheilt worden ist.

[1:04:33] Dieser Vers 15 spielt, wie gerade erwähnt, zeitlich nach Vers 16 bis 19. Also chronologisch muss man Vers 16 bis 19, diese Auspeitschung und Demütigung, zwischen Vers 14 und 15 schieben, weil danach noch einmal dann dieser letzte Versuch von Johannes 19, Vers 4 bis 5, stattfindet.

[1:04:54] Was Markus hier auch weglässt, ist die Episode, die Matthäus 27 noch berichtet, dass Pilatus sich durch symbolisches Händewaschen als unschuldig zeigt, also vermeintlich unschuldig. So unschuldig war er letztlich nicht, indem er durch falsche Kompromisse dazu beigetragen hat, dass Jesus hier verurteilt wird. Und Matthäus erwähnt dann auch noch explizit, dass die Volksmenge die volle juristische Verantwortung für das Todesurteil übernimmt: „Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder.“

[1:05:27] Und dann ist die finale Entscheidung gefallen. Pilatus will Macht, Ansehen und Einfluss behalten. Bei diesem letzten Versuch, als er Jesus mit Dornenkrone noch einmal präsentiert hat, hat man ihn – hat man ihm gedroht und gesagt: „Wenn du ihn, wenn du dich für Jesus einsetzt, bist du kein Freund des Kaisers.“ Es hat ihn an einem schwachen Punkt getroffen.

[1:05:52] Pilatus wusste, er hatte zwei Möglichkeiten: Entweder Macht, Ansehen und Einfluss aufzugeben, um einen gerechten Menschen freizulassen, oder Macht, Ansehen und Einfluss behalten und dafür einen sündlosen Menschen, von dem er mittlerweile genügend Hinweise hatte, dass er mehr als nur ein Mensch war, ihn zum Tode zu verurteilen, ihn zu opfern für die eigene Position. Das Wesen der Sünde: andere Menschen zu opfern, damit wir selbst unsere Position behalten. Das Wesen des Evangeliums, das Wesen Gottes, ist es, die eigene Position aufzugeben, damit andere leben.

[1:06:35] Pilatus hatte die Wahl. Lieber Freund, liebe Freundin, auch du und auch ich, wir haben die Wahl. Wir haben die Wahl, entweder an unserer Position, an unserem Einfluss uns festzuklammern und dafür vielleicht – oder dann anderen Menschen über Leichen zu gehen, andere Menschen zu opfern, damit wir zuerst im Fokus bleiben. Oder dass wir bereit sind, auf Dinge zu verzichten, Dinge zu opfern, damit ein anderer leben kann. Jesus hat die zweite Wahl getroffen, Pilatus die erste. Welche Entscheidung möchtest du treffen?

[1:07:30] Wollen wir uns vornehmen, unserem Erlöser zu folgen? Es gibt dieses Lied: „I have decided to follow Jesus, not turning back, not turning back.“ Möchtest du dich entscheiden, deinem Erlöser Jesus zu folgen? Möchtest du dir vornehmen, über die letzten Tage und Stunden von Jesus mehr nachzudenken, damit du die Prinzipien des Evangeliums immer besser verstehen kannst? Möchtest du dich entscheiden, lieber Macht, Ansehen und Einfluss aufzugeben, damit du Jesus nicht verrätst, nicht verleugnest und ihn nicht opferst, sondern dass du das Opfer von Jesus für dich in Anspruch nimmst und zu ihm stehst und für andere Menschen lebst, weil er für dich gestorben ist und jetzt im Himmel für dich lebt? Ist das dein Wunsch? Dann lass uns auch gemeinsam zum Abschluss beten.

[1:08:40] Lieber Vater im Himmel, ich möchte von ganzem Herzen persönlich Dank sagen, dass du zu uns gesprochen hast. Ich möchte dich bitten, dass diese Worte in uns bleiben, dass deine Liebe in uns bleibt, dass wir heute – heute die richtige Entscheidung fällen, weil heute der Tag des Heils ist und wir heute wissen dürfen, dass wir heute Vergebung haben und du heute in uns und durch uns wirkst, dass du uns heute mit deinem Heiligen Geist erfüllst. Und morgen wollen wir wieder „heute“ sagen. Wir möchten dich von ganzem Herzen einladen, Herr Jesus, dass du unser Denken veränderst, mit deinem Heiligen Geist in uns wohnst. Und wir möchten uns vornehmen – ich möchte mir vornehmen –, über dich und diese letzten Stunden nachzudenken, die du für mich erlitten hast. Das bitten wir in deinem Namen, Herr Jesus.

[1:09:43] Amen. Nächste Woche werden wir die entscheidenden letzten Seiten im Markus-Evangelium anschauen: die Kreuzigung, die Auferstehung und der Auftrag, in die ganze Welt zu gehen, das Evangelium zu verbreiten. Das wird ein ganz besonderer und wichtiger und schöner und bewegender Abschluss werden. Wir sehen uns nächste Woche wieder, wenn ihr dann einschaltet. Bis dahin wünsche ich euch Gottes reichen Segen, wenn wir über Jesu Nacht, über Jesus und seinen Tod nachdenken. Amen.


Lizenz

Copyright ©2024 Joel Media Ministry e.V.
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.