[0:34] Hallo und herzlich willkommen zur Christudy Hour hier auf www.yolmedia.de. Ein ganz herzliches Willkommen auch allen Zuschauern auf dem Sender Das Wort.
[0:49] Wir beginnen eine ganz neue CSH-Spezialserie. Es geht um ein Buch, das eine ganz besondere Bedeutung für die gesamte Bibel hat, ein Buch, das fundamental ist, um das Wesen Gottes und sein Handeln in der Geschichte und in unserem Leben zu verstehen. Es geht um das Buch Exodus.
[1:13] Und wir haben uns vorgenommen, in den nächsten drei Monaten diese besondere Studienreihe über das 2. Buch Mose zu begleiten mit einer besonderen Spezialserie, in der wir nicht einfach nur Vers für Vers und Kapitel für Kapitel dieses Buch studieren wollen, sondern in der wir insbesondere auch ein bisschen den historischen Kontext, archäologische Entdeckungen und dergleichen mehr hinzufügen wollen, damit wir dieses Buch von verschiedenen Seiten besser verstehen können, dass es lebendig wird und wir sehen können, dass wir einen Gott haben, dem wir vertrauen können.
[1:50] Ich möchte euch am Anfang auch darauf aufmerksam machen, dass wir ein CSH-Spezial haben direkt zu diesem Quartal, in der wir uns der jahrhundertealten Frage widmen: "Wer war der Pharao des Exodus?"
[2:11] Während wir hier in den regulären Folgen uns am Text entlanghangeln werden und die einzelnen Themen betrachten werden, so wie sie im Bibeltext vorkommen, haben wir in diesem Spezial die Möglichkeit, einmal den großen historischen Kontext anzuschauen, die Frage zu stellen, wann genau war der Exodus und was genau passierte damals in der ägyptischen Geschichte und was ist von den verschiedenen Theorien zu halten, die es gibt in der Frage der Datierung des Exodus. Könnt ihr alles in diesem Spezial dann einzeln nachschauen und studieren.
[2:46] Und wir wollen heute beginnen mit dem ersten Thema, mit den ersten beiden Kapiteln dieses so interessanten Buches. Mit diesen beiden ersten Kapiteln decken wir bereits zeitlich gesehen den allergrößten Abschnitt dieses Buches ab. Die ersten beiden Kapitel handeln von 80 Jahren Geschichte, die restlichen 38 dann nur noch von einigen Monaten, aber diese Monate, die haben es in sich. Ihr merkt schon, in diesen ersten beiden Kapiteln geht es um die Grundlagen, den historischen Kontext, die Vorgeschichte, wenn man so möchte, zum Exodus-Geschehen.
[3:26] Bevor wir beginnen und hineintauchen in dieses spannende Studium, in dem wir alle viel Neues und auch Bekanntes neu auffrischen werden, möchten wir Gott einladen, dass er unser Studium segnet, dass wir bei allem, was wir vielleicht auch historisch und an interessanten Daten und Fakten dazulernen werden, dass wir als allererstes und wichtigstes unseren Erlöser Jesus Christus in diesem Buch auf jeder Seite entdecken und dass wir in unserem Glauben gestärkt werden und ihn als unseren Erlöser annehmen, der auch für uns den Ausweg, den Exodus geschaffen hat. Wollen wir gemeinsam durch ein Gebet ihn einladen, unser Studium zu segnen?
[4:14] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen, dass wir uns in den kommenden Wochen diesem so beeindruckenden Buch Exodus widmen dürfen. Wir werden bei weitem nicht alles ausschöpfen können, was in diesem Buch drin ist, aber wir bitten dich, dass wir im Studium dieses Buches gestärkt werden, dass wir dein Wesen und deine Botschaft besser verstehen. Wir möchten dich bitten, dass wir in unserem Vertrauen zu deinem Wort und zu deiner Führung in der Geschichte gefestigt werden und dass du uns Freude schenkst, Freude am Bibelstudium, Freude an der Beschäftigung auch mit der Geschichte und Freude daran zu sehen, wie das, was damals passiert ist, ein Vorbild ist für uns in unserer Zeit. Herr, wir möchten dich bitten, sei du unser Lehrer, erfüll uns mit deinem Heiligen Geist und hab Dank für dieses wunderbare Buch. Wir wollen deine Schüler sein und danken dir dafür, dass du für uns da bist im Namen Jesu. Amen.
[5:21] Beginnen wir mit 2. Mose Kapitel 1 und 2, und wir fangen natürlich ganz vorne an. Das Buch beginnt tatsächlich mit einem "und", und dadurch wird schon ganz deutlich, dass es eigentlich eine Fortsetzung ist: "Und dies sind die Namen der Söhne Israels, die nach Ägypten gekommen waren. Sie kamen mit Jakob, jeder mit seinem Haus."
[5:46] Die ersten Verse des Buches 2. Mose verbinden 1. Mose und 2. Mose. Wir werden noch einmal an die Geschichte von Jakob erinnert, der mit seiner Familie in den letzten Kapiteln von 1. Mose nach Ägypten kam. Und obwohl ein gewisser Zeitraum zwischen diesen beiden Büchern historisch ist, verbindet dieser Anfang die Bücher ganz eng zusammen.
[6:09] Wo wir bei Jakob sind: Was wir in dieser Serie machen wollen, wir wollen noch immer nach außerbiblischen Quellen schauen, um zu sehen, was sich hier an interessanten Dingen findet. Natürlich können wir nicht immer biblische Personen als Individuen belegen. Wir können zum Beispiel zeigen, dass der Name Jakob in dieser Zeit, im zweiten Jahrtausend vor Christus, ein ganz geläufiger Name gewesen ist. Also etwas sehr Realistisches, dass Menschen so hießen.
[6:39] Zum Beispiel finden wir im Amoritischen Personennamen wie Jakub-El oder Jakub-An, also dieses Element Jakob oder Jakob und dann der Name des Himmelsgottes hinten dran, oder im Ugaritischen Jakob-Baal – da ist also dann der Wettergott, Verzeihung, Baal noch mit dran. Oder wir finden im Ägyptischen einen Namen, der auch wohl so ähnlich wie Jakob geklungen haben muss. Wir finden noch einen Ortsnamen wie Jakub-Ilu, und wir haben sogar hier unten auf der Folie entsprechende ägyptische, ja, Aufzeichnungen, wo dieser Name vorkommt.
[7:19] Tatsächlich hat es wohl sogar einen ägyptischen Hyksos-Herrscher gegeben. Wenn ihr das Spezial anschaut, dann lernt ihr auch mehr über diese Hyksos und welche Bedeutung sie haben. Und der hieß Jakob-Har. Man hat 27 Skarabäen gefunden. Es gibt sogar den einen oder anderen, der meint, vielleicht könnte es sich ja sogar um den biblischen Jakob handeln. Das ist vielleicht eher unwahrscheinlich. Widerlegen kann man es nicht, beweisen auch nicht wirklich. Aber wir finden zumindestens in Ägypten hier jemanden, der offensichtlich aus Palästina, aus Asien kam und Jakub hieß. Und man hat, wie gesagt, hier 27 Skarabäen von ihm gefunden an verschiedenen Orten. Er kommt aus dieser Zweiten Zwischenzeit, die wir im Spezial genauer erklären, aber man kann ihn chronologisch sehr schwer zuordnen, weil das dort alles sehr chaotisch ist, und deswegen können wir im Bezug auf den biblischen Jakob hier keine weiteren Aussagen machen.
[8:21] Vielleicht ganz kurz auch für alle, die das Spezial nicht gesehen haben oder keine Zeit dafür haben: Die Zweite Zwischenzeit, das ist die Zeit zwischen dem Mittelreich, wo die 12. Dynastie so eine ganz klassische Herrschaft in Ägypten gehabt hat. Eine Zeit, in der es dann ganz viele Könige in rascher Folge gibt und wo die Reihenfolge oft unklar ist, wo das Reich auch wieder schrittweise kleiner wird und wo dann vor allem im Norden Eindringlinge aus dem asiatischen Raum kommen, die dann dort eigene kleine Königreiche bilden. Also diese Zwischenzeiten sind in der ägyptischen Geschichte immer gekennzeichnet davon, dass nachdem eine Zeit lang Ägypten eine große Macht gewesen ist, wie im Alten Reich oder im Mittleren Reich oder im Neuen Reich, die Zwischenzeiten, dass alles auseinanderbricht und so einzelne Dynastien gleichzeitig nebeneinander existieren. Also die 14. neben der 13. Von vielen von denen ist gar nichts bekannt, so gut wie nichts. Da gehört auch dieser Jakob-Har hin. Und wir werden gleich noch mehr über diese Zeit erfahren.
[9:24] Schauen wir uns ganz kurz die Namen an, die hier von den Söhnen Jakobs erwähnt werden. Und das heißt Ruben, Simeon, Levi und Juda, Issachar, Sebulon und Benjamin, Dan, Naftali, Gad und Ascher. Und es fällt auf, diese Namen sind hier nach den Frauen Jakobs geordnet. Also nicht in der Reihenfolge, wie sie geboren worden sind, sondern so wie auch in 1. Mose 35. Also erst die Söhne von Lea, dann die Söhne von Rahel – Josef war ja schon in Ägypten –, dann die Söhne Bilhas und die Söhne Silpas.
[10:01] Es geht weiter in Vers 5 und 6: "Und die ganze Nachkommenschaft Jakobs betrug damals 70 Seelen. Josef aber war schon vorher in Ägypten. Und Josef starb und alle seine Brüder und jene ganze Generation."
[10:16] Nun, wenn man 1. Mose 46 anschaut, dann wird uns gesagt, dass ausgenommen den Frauen Jakobs 66 Seelen zusammen mit Jakob dort nach Ägypten kamen, und wenn man die vier Frauen der Söhne Jakobs dazu nimmt, dann kommt man eben auf jene 70.
[10:34] Am Ende von Genesis, von 1. Mose, haben wir diesen Hinweis, dass Josef starb, als er 110 Jahre alt war. Und man balsamierte ihn ein und legte ihn in einen Sarg in Ägypten. Das war eine ganz bekannte Bestattungsmethode im alten Ägypten gewesen. Das war 71 Jahre nach der Ankunft Jakobs in Ägypten. Also das Buch 1. Mose endet ja eigentlich, was die Geschichten so betrifft, mit der Ankunft Jakobs, und dann stirbt er da noch, und dann geht's noch sozusagen einige Jahrzehnte bis zum Tod von Josef, und dann endet das Buch dort erst einmal.
[11:13] 2. Mose zeigt uns, was jetzt danach passiert ist, was also quasi zwischen der Zeit von Josef und Mose vor sich gegangen ist. Das heißt in 2. Mose 1, Vers 7: "Aber die Kinder Israels waren fruchtbar, regten und mehrten sich und wurden so zahlreich, dass das Land voll von ihnen wurde."
[11:32] Und das ist eine sehr interessante Formulierung, denn sie erinnert uns an den Segen Gottes bei der Schöpfung für Adam und Eva. Dort hatte Gott gesagt: "Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer, über die Vögel des Himmels und über alles Lebendige, das sich regt auf der Erde." Mose hatte ja auch diesen Schöpfungsbericht geschrieben, und es ist wohl kein Zufall, dass er hier bei dieser wundersamen Vermehrung des Volkes Israel auch eine ganz ähnliche Sprache verwendet, die auf den Segen Gottes hinweist.
[12:04] Ein kleines Gedankenexperiment, das natürlich letztlich spekulativ ist in gewisser Weise, aber das uns mal so ein bisschen versuchen soll, uns das mal so auch vor Augen zu führen, wie das gewesen sein kann. Wir wissen also, es gab eine Anfangspopulation der Israeliten, als sie nach Ägypten kamen, von 82 Personen. Wir haben die 70 Personen ja schon erwähnt. Da kommen noch die 12 Frauen der Söhne dazu. Und wir wissen aus den späteren Berichten im Buch 4. Mose, dass dann etwa 600.000 waffenfähige Männer Ägypten verlassen haben. Also man schätzt, das ist natürlich jetzt nur ein Schätzwert, dass man ungefähr bei 2 Millionen Israeliten dann ist, die den Exodus erlebt haben.
[12:50] Wir haben in dem Spezial deutlich gezeigt, dass es zwei verschiedene Varianten gibt. Das erklären wir jetzt hier nicht. Also, wer sich dafür interessiert, der kann sich das Spezial anschauen. Da wird das ausführlich erklärt. Ob die Israeliten jetzt tatsächlich exakt 400 Jahre dann in Ägypten waren oder nur 215, weil in diesem Fall dann auch schon die Zeit der Patriarchen in Kanaan mitgerechnet wird. Für beide Fälle haben wir das mal versucht auszurechnen.
[13:18] Wenn also Israeliten 400 Jahre dort gewesen sind, dann entspräche das einer Wachstumsrate von 2,56%. Also das wäre für 400 Jahre lang so, wie es momentan in Äthiopien, Syrien, Kamerun, Senegal an der Tagesordnung ist. Also eine gar nicht unrealistische Vorstellung. Das heißt übrigens aber auch, dass bei der Geburt von Mose nach etwa 320 Jahren wir erst ungefähr noch nicht einmal 300.000 Israeliten gehabt hätten. Also eine Größenordnung wie die Stadt von Gelsenkirchen heute oder so. Das heißt, wir sehen hier, dass auch nach der Geburt von Mose – das ist sozusagen der Punkt, den ich hier machen möchte – die Wachstumsrate natürlich noch sehr in die Höhe geschnellt ist und am Ende noch sehr viel mehr Israeliten da waren, als zu dem Zeitpunkt, als der Pharao sie ausrotten wollte.
[14:06] Was wir natürlich hier nicht wirklich einberechnen können, ist, wie viel – also wie der Knick gewesen ist nach dem Tod der vielen Jungs, die dann getötet worden sind. Da fehlen uns die Zahlen. Das können wir jetzt hier nicht wirklich mit einkalkulieren.
[14:25] Aber als Gegenvergleich: Sollten es 215 Jahre gewesen sein, dann müssen wir von einer Wachstumsrate ausgehen, die tatsächlich überdurchschnittlich ist, die es heute auch in der Welt so nicht gibt: 4,81%. In dem Fall hätte aber trotzdem die Population zur Zeit von Mose noch deutlich geringer gewesen. Das wäre dann ein noch steilerer Anstieg ganz gegen Ende gewesen. Also das als kleines Gedankenexperiment.
[14:48] Wer waren diejenigen, die zur Zeit der Israeliten am Anfang in Ägypten gewesen waren, als sie dort geherrscht haben? Das waren die Hyksos. Eigentlich nannten die Ägypter sie die Hikau Hasut, die Herrscher der Fremdländer. Das waren keine Ägypter, das waren kriegerische Eliten aus Asien, und die Griechen haben sie später Hyksos genannt, deswegen nennen wir sie heute Hyksos. Sie gründeten dort die 15. Dynastie, die zeitgleich mit den anderen wieder auch zum Teil regiert hat. Die waren aber nur die Oberschicht, die die Ägypter dort beherrscht haben.
[15:22] Hier sehen wir ein bisschen auf der Karte auch ihr Gebiet. Die Hauptstadt – das wird noch wichtig werden – war die Stadt Auaris. Und sie übten ihre Macht bis weit in den Süden aus, und sie haben sich den gewalttätigen Gott Set wohl als Variante zu ihrem eigenen Gott Baal zu eigen gemacht. Ihre Herkunft ist nicht ganz gesichert. Viele Namen klingen semitisch. Vielleicht waren es Amoriter, Kanaaniter, zum Teil gibt's auch hurritische Namen. Manche haben die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass wir es hier eigentlich auch mit den biblischen Amalekitern vielleicht zu tun haben könnten. Das bleibt aber letztlich unsicher.
[16:01] Interessant ist, dass die Hyksos die Streitwagen und die Pferde in Ägypten eingeführt haben, die es dort vorher nicht gegeben hat. Ist eines der Hinweise, die wir auch im Spezial betrachten, dass der Exodus nicht in dem Mittleren Reich stattgefunden haben kann. Es gibt zwar vorher natürlich Wagen, was keine Streitwagen waren und wohl auch nicht von Pferden gezogen.
[16:25] Wir lesen jetzt in 2. Mose 1, Vers 8 bis 10: "Da kam ein neuer König auf über Ägypten, der nichts von Josef wusste." Und wir kennen die Geschichte, dass er jetzt Angst hat, dass das Volk zu groß wird. Er sprach zu seinem Volk: "Siehe, das Volk der Kinder Israels ist zahlreicher und stärker als wir. Wohl an, lasst uns kluge Maßnahmen gegen sie ergreifen, dass sie nicht zu viele werden. Sie könnten sonst, wenn sich ein Krieg erhebt, womöglich zu unseren Feinden übergehen und gegen uns kämpfen und uns aus dem Land ziehen."
[16:53] Was passiert? Die Hyksos werden vertrieben. Kamosis ist jemand, der dort die Hauptstadt der Hyksos, Auaris, von Süden aus angreift, erobert, aber dann nach kurzer Regierung stirbt. Das Werk der Befreiung der Ägypter von den Hyksos vollendet sein Bruder mit dem Namen Ahmose. Und damit enden die Hyksos.
[17:16] Gleichzeitig sind in Nordsyrien die Hethiter und Mitanni eingefallen. Die Hyksos sind jetzt von zwei Fronten bedroht, und letztendlich geben die Hyksos ihre Hauptstadt auf, und Ägypten wird wieder geeint, ist wieder unter einer starken Regierung, und das ist eine ganz neue Dynastie, ist sogar ein ganz neues Reich. Kein Wunder, dass jetzt eine Epoche anbricht, wo die Herrscher nichts mehr von Josef wissen oder auch wissen wollen.
[17:43] Die neue Hauptstadt ist Theben, wie schon in der 17. Dynastie, oder das Zentrum der 17. Dynastie ist das gewesen, und man lässt jetzt traditionell hier die 18. Dynastie beginnen, obwohl auch die 17. Dynastie weiter zählen können, das Neue Reich. Und das ist deswegen ganz wichtig. Jetzt werden die Hyksos vertrieben. Diese 18. Dynastie, die fördert ausdrücklich die Furcht vor Ausländern, mehr als es früher in der ägyptischen Geschichte gewesen ist. Einen nationalistischen Touch hat diese 18. Dynastie. Da gibt es Ethnien, die sind nicht Ägypter, aber die haben seit Jahrhunderten in Ägypten gelebt, die werden plötzlich verachtet, und wir wissen, dass es in dieser Zeit sehr viele Ausländer aus dem syropalästinensischen Raum gegeben hat. Das wissen wir durch Inschriften.
[18:32] Wir lesen jetzt: "Darum setzte man Sklaventreiber über sie, um sie durch Lasten zu bedrücken, und sie bauten dem Pharao die Vorratsstädte Pitom und Ramses. Je mehr sie aber das Volk bedrückten, desto zahlreicher wurde es, und es desto mehr breitete sich aus, so dass ihnen vor den Kindern Israels graute. Darum zwangen die Ägypter die Kinder Israels mit Gewalt zum Dienst. Sie machten ihnen das Leben bitter mit harter Zwangsarbeit an Lehm und Ziegeln und mit allerlei Feldarbeit, lauter Arbeiten, zu denen man sie mit Gewalt zwang."
[19:01] Also, wo haben die Israeliten gelebt? Es ist ziemlich sicher, dass sie sich in der Gegend des Nil-Deltas, also in Unterägypten im Norden, aufgehalten haben, und zwar wohl im Osten. Das Land Gosen wird meistens mit dem Wadi Tumilat identifiziert. Später ist dort der Kanal der Pharaonen gegraben worden. Ist noch nicht in der Zeit gewesen, aber dort, wo hier "Canal of the Pharaohs" eingezeichnet ist, diese rote Linie, da ist dieses Wadi. Und in dieser Gegend, dieser Umgegend, werden die Israeliten wohl gelebt haben.
[19:36] Dort im Delta, das ist jetzt sehr wichtig, gibt es keine Steine, so gut wie keine Steine. Und die Häuser waren aus Lehmziegeln. Das heißt, es hat da auch ständig Überflutung gegeben, weil im Delta natürlich das Wasser dann auch ständig über die Ufer tritt. Und deswegen haben die Behausungen dort die Jahrtausende nicht überdauert. Es gibt immer die Behauptung, na ja, man hat ja die Israeliten in Ägypten nie gefunden, aber die Wahrheit ist, man hat auch von den ägyptischen Bewohnern in der Zeit so gut wie nichts gefunden, weil dort einfach – also das, was man ägyptisch meistens hat, die Pyramiden, die großen Tempel, die sind eben nicht im Delta am Wasser, die sind irgendwo dann weiter höher gelegen aus Steinen und so weiter. Das ist hier nicht der Fall. Man wird also auch nie große archäologische Beweise für die Israeliten dort im reichen Maße finden können. Es gibt auch fast gar keine Papyri. Die ganz wenigen, die man findet dort, sind aus späterer Zeit. Es ist einfach zu feucht. Die ägyptischen Papyri, die sich erhalten haben, die kommen dann aus der Wüste, aber dort haben die Israeliten natürlich nicht gelebt.
[20:42] Deswegen hat man für die gesamte ägyptische Geschichte fast gar keine Texte, die jetzt über die Administration dort im Ostdelta etwas sagen würden. Man hat sie gar nicht. Also, wenn man jetzt sagen würde, okay, die Israeliten, die hat's in Ägypten nie gegeben, weil wir haben ja keine Texte, dann müsste man behaupten, dass es zu keiner Zeit der ägyptischen Geschichte dort irgendwelche Menschen gegeben hat. Aber das ist Unsinn. Ja, wir wissen, warum wir dort keine Texte finden können. Das liegt an den Bedingungen.
[21:10] Nun, die Ägypter haben immer – oder anders gesagt, dieses Thema der ausländischen Sklavenarbeit ist deswegen interessant, weil es uns auch bei der Einordnung in der ägyptischen Geschichte...
[21:21] Einordnung in der ägyptischen Geschichte hilft. Im Alten Reich gab es nämlich ganz am Anfang noch gar keine Sklavenarbeit durch Ausländer. Im Mittleren Reich finden wir dann etliche Semiten in Ägypten, die aber meistens in den Haushalten eingesetzt werden. Das passt perfekt zu dem, was wir bei Josef finden. Auch er ist ja im Haushalt eingesetzt worden. Erst im Neuen Reich, jetzt in der 18. Dynastie, gibt es diese neue Strategie, dass Kriegsgefangene im großen Stil für Bauarbeiten rangezogen werden. Das ist genau das Bild, das wir in 2. Mose finden.
[21:49] Ganz berühmt dabei sind Bilder aus dem Grab des Wesirs Rechmire, das in diese Zeit datiert. Und hier werden Kriegsgefangene dargestellt. Es ist gar nicht im Ostdelta, das ist weiter im Süden Ägyptens, in Oberägypten. Aber wir werden Kriegsgefangene, die aus Asien, aus dem syrischen Raum, palästinensischen Raum kommen, Asiaten werden dargestellt, wie sie hier Lehmziegel machen.
[22:17] Der Text dazu heißt in Hieroglyphen ägyptisch: „Gefangene, die seine Majestät für den Bau des Tempels des Amun herbeigebracht hat.“ Das ist Thutmosis III., einer der Pharaonen, die jetzt in diese Zeit hier datieren, die für uns interessant ist. Und die Ägypter benutzen dann einheimische Aufseher und sie benutzen auch Vorarbeiter aus den Gefangenengruppen dazu. In einer späteren Folge noch mehr.
[22:40] Interessant ist, dass die Israeliten auch zur Feldarbeit nach Vers 14 herangezogen werden und tatsächlich belegen Gräber aus dem Neuen Reich, dass Semiten auch bei verschiedenen Feldarbeiten, also nicht nur beim Ziegelmachen, eingesetzt worden sind.
[22:56] Die Kriegsgefangenen galten als das Eigentum des Pharao. Im Grab des Intef in Theben gibt es sogar einige Arbeiter, die explizit als Apiru bezeichnet werden. Eine langanhaltende Diskussion, die wir heute hier nicht aufmachen können, ob diese Apiru auch später dann in Palästina bei den Amarna-Briefen sind, aber das nur so als Hinweis am Rande.
[23:20] 2. Mose 1, Vers 11: Die Vorratsstädte Pithom und Ramses. Ist eine große Frage, was hat es damit auf sich? Pithom ist ziemlich sicher Pi-Atum, das Haus des Atum, also ein zusammengeschriebenes Wort, und damit ist es wohl gleichzusetzen mit Tell el-Retaba, wo es einen Tempel des Atum gegeben hat.
[23:43] Ramses, und das ist eines der großen Argumente, warum Leute immer sagen, na ja, der Auszug der Israeliten kann nicht im 15. Jahrhundert vor Christus, in der 18. Dynastie, gewesen sein, weil Ramses ja erst unter Ramses II. als Pi-Ramesse gebaut worden ist. Aber quasi ein Steinwurf entfernt, in der gleichen Gegend, liegt halt eben Avaris, die alte Hauptstadt der Hyksos. Und es ist durchaus möglich und sehr wahrscheinlich, dass wenn die Israeliten zunächst einmal eigentlich in Avaris gebaut haben, dass dann im Laufe der Zeit später der Bibeltext entsprechend aktualisiert worden ist, weil der Ort dann nicht mehr Avaris genannt worden ist, sondern diese Gegend als Ramses bekannt geworden ist. Genauso wie wir heute von der Geschichte von New York reden und nicht mehr erwähnen, dass die Stadt ursprünglich New Amsterdam hieß.
[24:31] Und wir haben andere Beispiele in der Bibel. Zum Beispiel hat Abraham hier Leuten nachgejagt bis zum Ort Dan. Aber der Ort hieß zur Zeit von Abraham sicher nicht Dan, weil der Ort wurde erst nach dem Stamm Jahrhunderte später benannt, der sich aus dem Urenkel Abrahams Dan entwickelt hatte. Also ist eine spätere Aktualisierung des Textes, wo man einfach einen neuen, also den mittlerweile aktualisierten Namen, eingesetzt hat. Sowas dürfen wir bei Ramses auch vermuten.
[24:59] Schauen wir uns das ein bisschen genauer an hier. Tell el-Dab'a ist Avaris. Wir sehen das auf der Karte rechts im Osten des Deltas unter Tanis. Das war die Hauptstadt der Hyksos gewesen, hat einen wichtigen Seehafen und ist dann zeitweise umbenannt worden in der 18. Dynastie von Thutmosis III. in Per-nefer.
[25:22] Und dort sind große Lagerräumlichkeiten und Militäranlagen ausgegraben worden. Der Hauptausgräber dort ist der Österreicher Manfred Bietak, und der hat das ausgegraben, hat eine große Festung ausgegraben, die an den Anfang der 18. Dynastie datiert, und Keramik aus nahegelegenen Lagerräumlichkeiten weist auf die Zeit von Thutmosis III., den wir ja in dieser Zeit hier auch verordnen. Er hat mehrere Lagerräume identifiziert, und das ist auch das, was im Hebräischen gemeint in 2. Mose: Speicher, Magazine, Vorräte. Das könnte also direkt hier etwas damit zu tun haben.
[26:04] Der andere Ort Pithom, den wir gesagt haben, der ist wohl wahrscheinlich Tell el-Retaba. Es ist ungefähr 40 Kilometer entfernt von Avaris, und diese Gleichsetzung ist von sehr vielen berühmten Archäologen und Ägyptologen vorgenommen worden: Sir Alan Gardiner, ein großer Archäologe, Manfred Bietak, Kenneth Kitchen, einer der wichtigsten Gelehrten des 20. Jahrhunderts, was um biblische Archäologie geht, genauso auch William F. Albright.
[26:30] Hier auf dieser Google Maps Karte habe ich mal diese beiden Orte miteinander verbunden. Also sowohl Pithom als auch Ramses/Avaris. Das ungefähr sind die beiden Hauptorte, an denen die Israeliten gebaut haben. Und entsprechend dürfen wir uns vorstellen, dass hier in dieser Umgegend im Osten des Deltas sie ihre Heimat gehabt haben.
[26:52] Wir finden dann die berühmte Geschichte, die werden wir jetzt nicht ausführlich lesen, aber von den beiden Hebammen, die vom König angehalten werden, dort die Söhne zu töten. Sie heißen Schifra und Pua.
[27:02] Und tatsächlich finden wir diese Namen auch. Schifra finden wir auf einer Liste von asiatischen Sklaven schon aus der 13. Dynastie auf dem Papyrus Brooklyn. Dort ist der Name so geschrieben, hier mit Sch-i-p-r-a. Und das heißt vermutlich hebräisch-aramäisch irgendwie "leuchten" oder "scheinen". Und auch Pua ist ein ganz bekannter kanaanäischer Name, "Mädel" oder "Mädchen" heißt das wörtlich.
[27:31] Nun heißt es ja hier in 2. Mose 1, Vers 16: "Wenn ihr die Hebräerinnen entbindet und ihr seht auf die beiden Steine", so heißt es wörtlich. Man hat sich mal gefragt, was bedeutet das? Es ist so, dass die Ägypter auf Gebärsteinen geboren haben.
[27:49] Also nicht im Bett oder heutzutage gibt's alle möglichen Varianten, in der Badewanne, alles Mögliche, was heute gemacht wird. In Ägypten hat man auf Steinen geboren, und diese werden auch in Papyri mehrmals erwähnt. Man hat sie allerdings erst 2001 zum ersten Mal archäologisch nachgewiesen.
[28:09] Geburtshilfe war damals in Ägypten etwas fast schon Magisches. Das war religiös sehr bedeutsam. Deswegen hatten Hebammen einen extrem hohen gesellschaftlichen Stand, weitaus höher als der vielleicht heute ist. Und das ist auch ein Grund, warum, vielleicht wundert man sich, warum der Pharao direkt mit den Hebammen spricht, aber die waren damals, das war eine sehr hohe, geistlich sehr angesehene Tätigkeit.
[28:33] Hier haben wir einen Artikel über diese jetzt vor einigen Jahren gefundenen magischen Geburtssteine. Das heißt, die Hebammen sollten tatsächlich auf die Steine schauen und gucken, was jetzt quasi dort bei der Geburt hervorkommt, ob ein Junge oder ein Mädchen.
[28:48] Dann heißt es hier: "Werft alle Söhne, die geboren werden, das ist dann der nächste Schritt, den der Pharao geht, in den Nil, aber alle Töchter lasst leben." Und wir wissen aus der Zeit, da gibt es tatsächlich Pharaonen mit auch anders, also in anderen Fällen, radikalen Ausrottungsmaßnahmen. Thutmosis I. zum Beispiel in seiner Assuan-Inschrift im Feldzug gegen Nubien sagt: "Seine Majestät sagte: So wahr ich lebe, so wahr Re mich liebt, so wahr mein Vater mich preist, der Herr der Götter Amun, der Herr der Throne der Zwei Länder: Ich werde ihre Männer nicht leben lassen, ich werde sie töten." Und dann wird weiter in dieser Inschrift berichtet, wie er auch tatsächlich fast alle hat umbringen lassen, die männlich gewesen sind dort in Nubien.
[29:34] Und dann kommt die berühmte Geschichte. Auch die lesen wir nicht ganz. Ihr kennt sie sicherlich. Ihr könnt sie noch mal nachlesen. Von der Jochebed, die mit Amram, wir werden die Namen in einer anderen Folge noch mal uns anschauen, ein Kind bekommt. Tatsächlich ist es schon dann ihr drittes Kind, und sie können dieses Kind nicht verbergen, und sie nehmen dieses Kästchen aus Schilfrohr. Die berühmte Geschichte: Mose wird als Baby ausgesetzt, und Gott sorgt dafür, dass er dann letztendlich an den Hof des Königs kommt.
[30:09] Was schon vielen Forschern aufgefallen ist, ist, dass es eine ganz ähnliche Legende mit dem sogenannten Sargon gibt. Eigentlich muss man ihn Scharrukin oder Scharru-kin nennen. Er wird meistens etwas nicht ganz hundertprozentig korrekt als Sargon auch bezeichnet, weil man ihn dann – das ist eine andere Geschichte, würde zu weit führen. Er jedenfalls sagt Folgendes, oder er sagt das nicht selbst, aber es gibt eine Legende über ihn, und die besagt Folgendes. Das hat man ihm später in den Mund gelegt: "Sargon, der starke König, der König von Akkade bin ich. Meine Mutter war eine Verstoßene. Meinen Vater kannte ich nicht. Die Verwandtschaft meines Vaters wohnt im Gebirge. Meine Geburtsstadt ist die Stadt Azupiranu, die am Ufer des Euphrat liegt. Und jetzt kommt's: Es empfing mich die Mutter, die Verstoßene, gebar mich heimlich. Sie legte mich in einen Korb aus Schilf. Mit Asphalt verschloss sie meine Öffnung. Sie ließ mich auf dem Fluss nieder, aus dem ich nicht mehr selbst emporsteigen konnte. Der Fluss trug mich zu Akki, dem Wasserschöpfer."
[31:12] Zu Akki, dem Wasserschöpfer, brachte er mich, und er holt ihn dann raus und zieht ihn auf, und am Ende wird er dann Gärtner und schließlich König. Und hier haben wir einen dieser Texte, in denen das aufgeschrieben ist.
[31:29] Nun, Sargon, der sogenannte Sargon, regierte Jahrhunderte vor Mose, und deswegen haben Forscher gesagt, na ja, also wenn das schon von Sargon von Akkad gesagt wird, dann ist sicherlich die Mose-Geschichte sozusagen eine Kopie. Da haben die biblischen Schreiber versucht, diese schon längst bekannte, berühmte Geschichte sozusagen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.
[31:53] Tatsache ist, dass alle Texte von dieser Legende, die wir kennen, deutlich später sind, und zwar deutlich nach Mose. Sie kommen alle im Wesentlichen aus der Bibliothek des Assurbanipal, des letzten neuassyrischen Königs, oder aus dem neubabylonischen Dilbat. Deswegen gehen heute Assyriologen davon aus, dass diese Geschichte erst in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrtausends überhaupt entstand, also nach der Geburt von Mose, und vermutlich erst überhaupt in neuassyrischer Zeit aufgeschrieben ist.
[32:27] Also, wenn, dann wäre es interessant darüber nachzudenken, ob nicht hier die Assyrer und Babylonier die Geschichte von Mose kannten und entsprechend dann eine eigene Legende erfunden haben von einem Herrscher, der ja schon früher regiert hat, um so vielleicht den Eindruck zu wecken, dass ihre Geschichte älter ist.
[32:45] Auf jeden Fall ist das kein Argument gegen die Historizität der Geschichte von Mose, wie wir sehen können. Das Kästchen.
[32:55] Einige Lehnwörter in dieser Geschichte. Das heißt, im Hebräischen gibt es in dieser Geschichte einige Worte, die gar nicht hebräisch sind, sondern die ägyptisch sind. Zum Beispiel "Teba", der Kasten, kommt von ägyptisch *dbt*. Oder das Schilf/Papyrus (*gomeh*) kommt von ägyptisch *qmr*. Oder das ägyptische *tjufi* wird als Süßwasserschilf dann im Hebräischen *Suf* genannt.
[33:18] Das zeigt uns, dass der Schreiber sich sehr gut in der ägyptischen Sprache auskannte und entsprechend so ja geläufige ägyptische Worte hier eingestreut hat, wenn man das so sagen möchte. Das einzige Mal, dass es noch vorkommt, das Wort "Teba" (Kasten), ist natürlich die berühmte Arche. Das ist auch ein Kasten. Ja, so wie auch dieses kleine Kästchen von Mose. Und das ist natürlich auch derselbe Autor, der diese Geschichte schreibt.
[33:43] Gab es einen Palast im Ostdelta, wenn doch die Könige in der 18. Dynastie im Süden in Oberägypten regiert haben? Manfred Bietak hat bei seinen Ausgrabungen, wir sehen das hier rechts, gesehen, dass genau zu der Zeit, in der wir die Geburt von Mose datieren würden, es tatsächlich so einen kleinen Palast neben diesen ganzen Lagerräumlichkeiten gegeben hat.
[34:05] Also es ist sehr gut möglich, dass dort zum Beispiel eine Prinzessin oder auch andere, vielleicht noch mal der König ab und zu dort sich eine Zeit lang aufgehalten haben und deswegen auch im direkten Kontakt hier mit den dort arbeitenden Israeliten stehen konnten.
[34:21] Der Name, den Mose bekommt, ist natürlich Mose, denn sie sprach: "Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen."
[34:27] Nun ist interessant, meistens wird davon ausgegangen, dass der Name Mose aus dem Ägyptischen kommt von *Mes(i)*, wahrscheinlich ausgesprochen, "gebären" oder auch "Kind". In der Zeit, das ist ja sehr auffällig, gerade in der 18. Dynastie haben wir ganz viele Herrscher mit diesem *Mes(i)*. Wir haben Thutmosis I., II., III., den IV. dann auch. Das heißt "Kind des Thot" oder "Thot hat gezeugt". Es gibt auch Ahmose, Kamose. Auch bei Ramses dieses *ms* (M-S) und dann noch mal S. Das ist auch, also das ist auch diese Wurzel, das der Göttername Ra vor dem *Mes(i)* sozusagen.
[35:04] Es gibt übrigens den Namen auch ohne Götternamen. Also, es gab früher Forscher, die gesagt haben, na ja, wahrscheinlich hatte Mose irgendeinen Namen mit einem ägyptischen Gottesnamen, und dann hat man später das irgendwie so wegretuschiert. Aber wir wissen heute, dass es auch viele Ägypter gab, die einfach *Mes(i)* hießen. Zum Beispiel ein Schreiber des Ptah-Tempels in Memphis zur Zeit von Ramses II.
[35:25] Jetzt ist aber interessant, dass im Hebräischen der Name Moscheh heißt, und das Schin hier eigentlich ein anderer Konsonant ist als das Sin (das S), also "sch", wie wir es aussprechen.
[35:39] Und das kommt im Hebräischen von der Wurzel Mem-Schin-He, "herausziehen". Und Kenneth Kitchen hat diese interessante Theorie vorgeschlagen, dass es wohl ein Wortspiel gewesen sein könnte, dass er also gar nicht *Mes(i)* hieß mit dem ägyptischen Namen, sondern tatsächlich Moscheh als hebräischer Name, dass man aber dabei im Blick hatte, dass der Name so ähnlich klingt halt wie das bekannte ägyptische *Mes(i)*, und dass das so eine Doppeldeutigkeit dann geführt haben könnte.
[36:10] Das ist eine interessante Theorie.
[36:12] Wir lesen im Buch der Propheten, dass er ungefähr 12 Jahre alt war, als er dann zu der Prinzessin Ägyptens kam.
[36:23] Er wurde, so sagt uns die Apostelgeschichte, in alle Weisheit der Ägypter unterrichtet. Und was das bedeutet, das lehren uns die Papyri, zum Beispiel der Papyrus Edwin Smith, das sogenannte Wundenbuch, das eine Abhandlung medizinisch-chirurgisch über verschiedene Wunden ist, und sie zeugt von einem extrem hohen, also für die damalige Zeit extrem hohen medizinischen Niveau.
[36:46] Da gibt es also ganz klare Unterteilung: die Untersuchung, die Diagnose, die Prognose, die Therapie. Sehr, also verglichen auch mit dem, was es dann Jahrhunderte später gab, sehr fortschrittlich.
[36:58] Wir finden auch den Papyrus Ebers, einer der ältesten Papyri überhaupt. Eine Abschrift kommt aus der Zeit des Ahmose. Dürfte also etwas sein, was auch der Mose in seiner Ausbildung mal gelesen und gehört hat.
[37:09] Da finden wir so Abhandlungen über Darmleiden, über Parasiten, die Chirurgie bei Tumoren. Wir hören, dass man bei Verstopfung Wacholderbeeren nehmen soll. Es wird sogar über Opium und Cannabis gesprochen, über Depressionen. Man stellt fest, dass Leute, die als Steinmetze arbeiten, dass die Staublungen bekommen.
[37:29] Und die Ägypter kennen auch schon Blutgefäße, die den ganzen Körper durchziehen. Also ist nicht abwegig, dass Mose solche Dinge auch tatsächlich gelernt hat, zumindest davon auch gewusst hat.
[37:42] Vor allem war seine Ausbildung, aber so sagt uns Ellen White, eine juristische und eine militärische.
[37:48] Wir wissen leider über die Gesetzeslage der Ägypter sehr, sehr wenig, weil wir im Gegensatz zu den Sumerern und Babyloniern keine tatsächlichen Gesetzestexte aus Ägypten haben. Deswegen können wir da nicht so viel zu sagen.
[38:00] Wir wissen aber einiges über das Militär. Sie sagt auch, er hätte Thronfolger sein sollen oder wurde zum Thronfolger bestimmt und war Liebling der ägyptischen Armee.
[38:12] Ganz kurzer Einblick in die ägyptische Armee im Neuen Reich: Die war völlig neu strukturiert nach diesem Sieg über die Hyksos. Erstmals gab es eine professionelle stehende Armee mit Wehrpflicht, und der Pharao, unter dem Pharao gab es einen Oberbefehlshaber, und das war meistens der Sohn des Pharao, und das könnte also Mose gewesen sein, der ja als Sohn des Pharao dann gelten sollte und als Oberbefehlshaber dann über die Truppen bestimmt hat.
[38:41] Es gab eine sehr ausgeklügelte Militärhierarchie.
[38:46] Die Haupteinheiten waren natürlich die Infanterie und die gefürchteten Streitwagen, die wir dann im Exodus ja noch mal kennenlernen werden.
[38:51] Es gab auch Garnisonstruppen, Außenposten, Elitesoldaten und so weiter, und so eine Armeedivision hatte ungefähr 5.000 bis 10.000 Soldaten.
[38:59] Die politische Situation war so, dass die Ägypter zu dem Zeitpunkt tatsächlich die größte Macht im Alten Orient waren.
[39:07] Es gab Außenposten bis in die Nordlevante. Also, das heißt nicht, dass Ägypter dort gelebt haben in Kanaan und in Amurru, aber dort waren überall, vor allem im Flachland an der Küste und in den Tälern, nicht so sehr in den Bergen, aber in den Tälern überall diese ägyptischen Posten stationiert.
[39:24] Man hatte dann in Anatolien die Hethiter, bei Hattuscha, man hatte das Mittani-Reich, ja, das immer noch ein bisschen schwer für uns zu greifen ist, weil wir die Hauptstadt noch nicht ausgegraben haben. Und wir haben die Babylonier, wo die fremden Kassiten Jahrhunderte regiert haben zu der Zeit, die aus dem Bergland kamen, und natürlich noch Elam.
[39:47] Aber die Ägypter sind hier eigentlich der größte Player in der Geopolitik gewesen.
[39:53] Ellen White sagte uns: "Engel unterrichteten die Ältesten Israels, und sie unterwiesen auch Mose, dass Jahwe ihn dazu ausersehen habe, die Knechtschaft seines Volkes zu beenden."
[40:04] Er wurde auch in die Geheimnisse der Staatsreligion eingeführt werden und sollte auch in die Religion, in die priesterlichen Pflichten eingeführt werden. Hat er aber abgelehnt. Und es heißt hier, er blieb unerschütterlich bei seinem Entschluss, nur den einen Gott, den Schöpfer Himmels und der Erden, zu ehren. Er suchte Priester und Anbeter zu überzeugen und zeigte ihnen die Torheit abergläubischer Verehrung toter Dinge.
[40:34] Es gab also einen sehr prominenten Mann, nämlich Mose, mitten in der ägyptischen Throngesellschaft, der die Idee eines biblisch, also eines wahren Monotheismus, vertreten hat.
[40:50] Und es ist bemerkenswert, dass es dann nicht lange nach dem Exodus zu theologischen Strömungen kommt, so als die Israeliten dann weg sind.
[41:03] Die in Richtung Monotheismus erst einmal gehen. Da gibt es Priester, die sagen über den Sonnengott: "Du bist der Eine, der alles geschaffen hat, der Eine Einsame, der alles schuf", und so weiter.
[41:14] Das führt zu einer Krise, die dann irgendwann dazu führt, dass der spätere Pharao Amenophis IV. dann nur noch einen einzigen Gott verkündet, die Lichtscheibe Aton, und er sich dann Echnaton nennt.
[41:33] Das führt zu diesem gewaltigen Konflikt. Wir haben heute nicht Zeit, das ausführlich zu beschreiben.
[41:38] Und dieser Gott Echnatons, der sehr interessant – Forscher sprechen bei dieser Religion von einer Religion der Liebe. Es sei der eine liebende Gott, der unerforschlich ist, der sich um die
[41:50] unerforschlich ist, der sich um die gesamte Schöpfung bemüht und dessen Liebe Anlass ist, dass die Menschen sich auch lieben sollen. In dieser Religion gibt es jetzt keine Mythen mehr, sondern der König ist der Prophet und der Mittler dieses Gottes. Also nicht, dass wir uns missverstehen, das ist natürlich nicht exakt die wahre biblische Religion. Es ist ein bisschen abgewandelt, aber man spürt sozusagen viele Parallelen und man hat den Eindruck, dass hier jemand auf etwas reagiert hat. Die traditionelle Götterverehrung wird regelrecht verboten. Sie kann auch im Geheimen stattfinden und das typische ägyptische Jenseits gilt nicht mehr. Er ist der einzige Gott der ganzen Welt. Auch ausländische Götter werden dann nicht mehr toleriert. Sogar in den Inschriften wird die Pluralform „Götter“ ausgelöscht, also eine richtig monotheistische Revolution. Man spricht von einem Todesschlaf und nur wer die Gnade des Königs hat, kann dann ewig leben und so weiter. Und wenn wir uns die Könige anschauen, dann sehen wir Thutmosis II, Thutmosis III, Amenhotep II, das sind so die, die wir mit der Zeit Moses und des Exodus so vor allem in Verbindung bringen. Und dann wenige Generationen später haben wir plötzlich diese kurze, aber krasse Entwicklung in Ägypten, die dann aber schon bald wieder ins Gegenteil umschlägt.
[43:14] Über Mose sagt Ellen White: „Durch seine intellektuelle Größe zeichnet er sich vor den großen Männern aller Zeiten aus. Als Geschichtsschreiber, Dichter, Philosoph, Heerführer und Gesetzgeber sucht er seinesgleichen.“ Das darf man nicht vergessen, Mose ist einer der genialsten Männer aller Zeiten gewesen und trotzdem weigerte er sich durch Glauben, wie es Hebräer 11,25 sagt, als er groß geworden war, ein Sohn der Tochter des Pharao zu heißen, also Pharao letztlich zu werden. Und wir lesen hier, dass er zu den Brüdern hinausging und ihre Lasten sah und dass er dann diesen Ägypter erschlagen hat. Der hat offensichtlich durchaus sein charakterliches Problem mit seinem Temperament gehabt. Der meinte, durch eigene Kraft und durch eigene Initiative jetzt diese Befreiung herbeibringen zu können. Er war damals 40 Jahre alt, so sagt uns die Apostelgeschichte, aber das scheiterte. Wir kennen die Geschichte. Die Israeliten haben diesen Gedanken nicht aufgegriffen, ihn am nächsten Tag sogar dann zur Rede gestellt. Deswegen hat es sich verbreitet. Mose floh vor dem Pharao und hielt sich im Land Midian auf.
[45:01] Das Interessante ist, es gibt eine literarische Geschichte, ganz berühmt, eine der berühmtesten Geschichten Ägyptens, die Geschichte von Sinuhe schon im Mittleren Reich, und dort ist genau eine ähnliche Geschichte. Dieser Sinuhe, der flieht nach dem Mord an einem Pharao, aus Angst offenbar. Es wird in der Geschichte gar nicht deutlich, wie er damit zusammenhängt. Er flieht nach Asien, wird dort von Beduinen aufgenommen, reist dann quer durch die Levante, also durch Palästina, und kehrt nach vielen Jahren nach Ägypten zurück, nachdem er vom Pharao rehabilitiert worden ist. Vielleicht ist das Zufall, vielleicht kannte auch Mose diese Geschichte und hat vielleicht dann auch einfach intuitiv dasselbe getan und ist dann zu den Beduinen erstmal nach Osten geflohen. Jedenfalls bemerkenswert.
[45:50] Der Grund war natürlich, dass man Mose vorgehalten hat, sagt Ellen White, er habe die Absicht, sein Volk gegen die Ägypter zu führen, die Regierung zu stürzen und sich selbst auf den Thron zu setzen. Natürlich hatten diese frühen Könige der 18. Dynastie noch die Hyksos in Erinnerung. Das war also noch präsent. Er flieht nach Midian, ob das mit dem späteren Meunu Sjet in ägyptischen Quellen gleichzusetzen ist, ist völlig spekulativ, aber dort im Osten ist er gewesen und er kommt zu einem Mann durch die Frauen, die er trifft, die sieben Töchter dieses Priesters. Er kommt zu Reguel, das heißt wahrscheinlich so etwas wie Freund oder Gefährte Gottes. Wir werden in der nächsten Folge auch noch mehr über seinen anderen Namen erfahren. Und diese Töchter sagen zu ihm, sie sprachen: „Ein ägyptischer Mann.“ Also, der Mose muss tatsächlich auch in seinem ganzen Aussehen wie ein Ägypter ausgesehen und gewirkt haben, „hat uns aus der Hand der Hirten gerettet und er schöpfte uns auch Wasser genug und tränkte die Schafe.“ Er sprach zu seinen Töchtern: „Und wo ist er? Warum habt ihr den Mann dort gelassen? Ruft den Herrn, dass er mit uns Brot isst.“ Und Mose willigte ein, bei dem Mann zu bleiben. Und der gab Mose seine Tochter Zippora zur Frau.
[47:09] Und sie gebar einen Sohn, dem gab er den Namen Gerschom, denn er sprach: „Ich bin ein Fremdling geworden in einem fremden Land.“ In diesem Namen Gerschom steckt die Wurzel „vertreiben“. Ja, vertrieben sein, ein Fremdling geworden.
[47:31] Wir lesen hier, der Herr aber zeigte ihm den Weg, sodass er seine Heimat bei Jethro fand, dem Priester und Fürsten Midians, also eine bedeutende Person, der auch ein Anbeter Gottes war. Es war nicht so, dass nur die Israeliten von diesem einen Gott wussten. Später heiratete Mose eine Tochter Jethros und blieb 40 Jahre im Dienst seines Schwiegervaters als Hüter seiner Herden.
[47:49] Wir haben also 40 Jahre in Ägypten, 40 Jahre in Midian. Und das sind diese ersten beiden Kapitel von Mose, die größtenteils sozusagen die Lebensgeschichte von Mose wirklich ganz knapp skizzieren, bevor dann ab 2. Mose 3 die eigentliche Exodusgeschichte so richtig losgeht.
[48:13] Warum waren diese 40 Jahre so wichtig? Wir lesen: „In der harten Einfachheit seines Wüstenlebens verschwanden die Folgen des bequemen Wohllebens in Ägypten.“ Mose war zwar treu zu Gott gewesen in Ägypten, hat sich geweigert, der ägyptischen Religion zu huldigen, aber trotzdem war natürlich das Anleben dort sehr angenehm. Als Sohn des Pharao, als Oberbefehlshaber, hatte man viele Annehmlichkeiten.
[48:42] Und jetzt hat dieses Wüstenleben ihn auf eine ganz große und wichtige Aufgabe vorbereitet. Manchmal macht unser Leben seltsame Knicke und wir wundern uns, warum Gott das zulässt. Wir würden doch denken, na ja, wenn man als ein treuer Mensch inmitten des ägyptischen Hofes ist, man ist treu und es geht einem gut. Ist doch das Beste, was einem passieren kann. Aber Gott wusste auch, dass Mose so wie er war, die Aufgabe noch nicht hätte erfüllen können. Er hat zwar vieles Gutes gelernt, was er auch gebrauchen konnte, musste wahrscheinlich noch mehr verlernen.
[49:14] Er brauchte die Disziplin des Wüstenlebens 40 Jahre lang. Und so lesen wir die Folgen: Mose wurde geduldig, anspruchslos und bescheiden. Ein sehr demütiger Mensch, mehr als alle Menschen auf Erden. Dennoch stark im Glauben an den mächtigen Gott Jakobs. Das wünsche ich mir für mich und du dir wahrscheinlich auch, oder? Dass wir geduldig werden, anspruchslos, bescheiden, einfache Menschen, die aber dennoch einen starken Glauben an den mächtigen Gott im Himmel haben.
[49:48] Er denkt jetzt über die Geschichte auch nach, es heißt: „Die Jahre vergingen. Wenn er mit den Herden in einsamen Gegenden wanderte, grübelte er oft über die Bedrückung seines Volkes.“ Na, hat sich Gedanken gemacht, wie kam das? Wie ist das möglich? Er überdachte Gottes Tun mit den Vätern. Also er muss natürlich auch durch mündliche Überlieferung die Geschichten von Jakob, von Isaak und von Abraham gekannt haben und die Verheißungen, das Erbe des erwählten Volkes. Er wusste also davon und seine Gebete für Israel stiegen Tag und Nacht zu Gott empor.
[50:23] Dann brachten himmlische Engel ihm Erleuchtung. Hier in der Wüste schrieb er unter der Eingebung des Heiligen Geistes das erste Buch Mose, das ein absolutes Meisterwerk und Grundlage letztlich der ganzen Bibel. Ja, also ohne das erste Buch Mose kann man den Rest der Bibel eigentlich nicht wirklich richtig verstehen.
[50:45] Die jahrelange Einsamkeit in der Wüste war reich gesegnet, nicht nur für Mose und sein Volk, sondern für die ganze Welt in späteren Zeiten, was auf den ersten Blick vielleicht wie Verschwendung aussieht. So ein brillanter Mann mit solch vielen Fähigkeiten, der doch in Ägypten so viel Gutes tun kann, der 40 Jahre lang Schafe hütet.
[51:11] Aber hätte in Ägypten wahrscheinlich nie das Buch Erste Mose geschrieben. Und was wäre die Welt ohne das Buch Erste Mose? Vielleicht gibt es in deinem Leben Situationen, wo du dich fragst, warum bin ich jetzt hier? Ist das wirklich der beste Platz, wo mein Potenzial sich entfalten kann? Aber für Mose war für diese 40 Jahre der beste Ort in der Wüste von Midian.
[51:31] Das Buch Erste Mose ist die Frucht dieser Zeit. Und das, was danach kommt, ist erst recht die Frucht dieser Zeit, denn hier wurde Mose vorbereitet für sein eigentliches Lebenswerk.
[51:42] Man hat die Frage gestellt und die stellt sich: In welcher Schrift hat denn Mose das erste Buch Mose geschrieben? Überhaupt die Bücher Mose, denn das Hebräisch, was heute in hebräischen Bibeln ist, das gab es natürlich zu der Zeit noch gar nicht. Das ist übrigens gar keine hebräische Schrift, sondern aramäische Schrift, die sich erst sehr viel später durchgesetzt hat für das Hebräische, auch zur Zeit des Alten Testamentes dann später, also Jesaja, Jeremia, auch schon David. Da gab es noch eine andere Schrift, das kanaanäische.
[52:19] Welche war die Schrift zur Zeit von Mose? Und da ist der offensichtlichste Kandidat die sogenannte protosinaitische Schrift. Das ist das erste echte Alphabet, entstanden aus Hieroglyphen und auch aus Zeichen des Ägyptischen. Das würde jetzt zu weit führen, das hier ausführlich darzustellen. Das erste Alphabet entstand in der ersten Hälfte des zweiten Jahrtausends. Es wird also möglicherweise schon ein paar Jahrhunderte alt gewesen sein, als Mose das erste Buch Mose schrieb, gefunden wohl von semitischen Arbeitern in ägyptischen Diensten.
[52:57] Und da haben wir folgendes Prinzip. Wir haben für jeden Konsonanten ein Zeichen und das ist also wie im Deutschen. Ich sage V wie Vogel, also Vogel V, ja, oder B wie Berta. So hat man sozusagen für jeden Konsonanten – das semitische gibt nur die Konsonanten wieder, nicht die Vokale in der Schrift, anders als in unseren Sprachen im Neoeuropäischen. Man hat sich immer ein typisches Wort ausgesucht, z.B. B wie Bet.
[53:31] Bet ist das Haus. Und dann hat man folgendes gemacht: und hat sich die ägyptische Hieroglyphe für Haus genommen, das heißt auf ägyptisch „per“, hat sie ein bisschen abgewandelt und das war dann jetzt der Buchstabe B. Jetzt ganz wichtig, es gibt immer wieder Verwirrung darum und weil wenig Aufklärung darüber existiert, haben Schwärmer oft leichten Unsinn zu erzählen.
[53:54] Der Buchstabe B wird mit einem Haus, das aussieht wie ein Haus, geschrieben, weil die Semiten dachten B wie Bet, so wie wir sagen B wie Berta oder Vogel V. Die haben damit, Achtung, nicht gemeint, dass immer wenn sie ein B schreiben, sie auch den Gedanken von Haus ausdrücken wollen. Wir sagen ja auch nicht, dass ein Versicherungsangestellter in Wirklichkeit ein Ornithologe ist, nur weil er mit einem Vogel V beginnt. Ja, leider gibt es immer wieder solche Theorien, dass man sozusagen, dass die Bilder des Hebräischen irgendwelche Geheimbotschaften enthalten. Das ist, ich möchte das ganz deutlich sagen, ist absoluter Unsinn. Wirklicher Unsinn hat mit der Entstehung des Alphabets nichts zu tun. Bitte so etwas nicht glauben. Es ist wirklich falsch, ganz, ganz falsch. Es ist einfach sozusagen eine Art Erinnerung zum Lernen des Alphabets: B wie Bet, aber nicht jedes Mal, wenn ein B geschrieben wird, ist damit ein Haus gemeint.
[54:57] Hier finden wir einige der ältesten Inschriften in dieser Schrift. Wadi el-Hol, wahrscheinlich 1900, möglicherweise 1800 vor Christus, also Jahrhundert ist eher so die Zeit von Abraham. Und da kann man diese Buchstaben hier sehen. In Serabit el-Chadim in einem ägyptisch betriebenen Bergwerk auf der Sinai-Halbinsel finden wir etliche dieser kurzen Inschriften. Die Entzifferung ist extrem umstritten. Das hat natürlich damit zu tun, wenn man sich fragt, ist das jetzt Hebräisch, ist das Aramäisch, ist das irgendwie Kanaanäisch, Amoritisch? Das ist nicht unser Thema heute, aber wir wissen, dass es diese Buchstaben gab und Mose problemlos sein Buch Erste Mose in solchen Buchstaben hätte schreiben können. Das wäre also ganz unproblematisch gewesen. Hier noch so ein Beispiel hier, z.B. Das Alef kann man ganz deutlich sehen, der Stierkopf, weil Alef ist dann der Stierkopf.
[55:59] Und dann heißt es hier in 2. Mose 2, Vers 23 bis 25: „Aber viele Tage danach geschah es, dass der König von Ägypten starb und die Kinder Israels seufzten über ihre Knechtschaft und schrien und das Geschrei über ihre Knechtschaft kam vor Gott und Gott erhörte ihr Wehklagen und Gott gedachte an seinen Bund mit Abraham, Isaak und Jakob und Gott sah auf die Kinder Israels und Gott nahm sich ihrer an.“
[56:27] Man könnte die ersten beiden Kapitel so zusammenfassen. Wir sehen, wie die Israeliten, die jetzt in Ägypten sind, sich vermehren und unter die Herrschaft der grausamen Ägypter geraten, versklavt werden. Und zwar wird ihnen ein Retter geboren, aber dieser Retter versucht es aus eigener Kraft und das scheitert total.
[56:45] 80 Jahre lang zusammengefasst in wenigen Ereignissen und nichts davon hilft. Aber dann heißt es: Gott erhört und Gott gedenkt und Gott sieht und Gott nimmt sich an. Und jetzt folgen 38 Kapitel, die fast täglich, wöchentlich in kürzesten Ereignissen ein Ereignis nach dem anderen präsentieren, mit denen Gott eingreift, Schritt für Schritt, bis er das Volk ganz aus Ägypten herausgeführt hat, zu sich geführt hat und ihnen sogar beigebracht hat, wer er ist, um dann bei ihnen mitten unter ihnen zu wohnen.
[57:33] Diese Geschichte ist nicht nur historisch interessant, obwohl uns das so interessiert, welcher Pharao gewesen sein mag und welche Buchstaben verwendet worden sind und welche anderen außerbiblischen Parallelen es gibt. Der entscheidende Punkt ist: Dieses Buch, 2. Mose, existiert nicht deswegen, um unser Geschichtsinteresse zu befriedigen, sondern weil wir alle Knechte sind. Zwar nicht in Ägypten, aber wir sind Knechte der Sünde. Wir werden noch sehen, dass die zehn Gebote in ihrem Prolog genau diesen Gedanken aufgreifen, weil Gott uns frei macht von der Knechtschaft der Sünde, aus der Knechtschaft Ägyptens, weil er uns frei macht aus der Knechtschaft der Sünde. Deswegen gibt er uns dann die zehn Gebote.
[58:17] Lieber Freund, liebe Freundin, wenn du den Eindruck hast, die Sünde knechtet dich und du kommst nicht los, dann möchte ich dir heute sagen: Gott erhört dein Wehklagen. Ich möchte dir sagen: Gott gedenkt daran, dass er versprochen hat, schon bevor du gelebt hast, den Vorvätern und Vormüttern im Glauben, er hat versprochen, dass er Befreiung auch dir geben möchte.
[58:46] Und Gott sieht auf dein Leben und Gott nimmt sich deiner an.
[58:53] Wir werden in der nächsten Folge uns anschauen, was Gott unternimmt, um sein geknechtetes Volk zu befreien. Nicht nur aus den Fesseln Ägyptens, sondern auch schon damals ist es sein Wunsch gewesen, sie aus den Fesseln der Sünde zu befreien.
[59:15] Und dazu möchte er jemanden gebrauchen, der gelernt hat, auf Gott zu vertrauen. So wie wir auch, wenn wir gelernt haben, auf Gott zu vertrauen, seine Boten sein sollen, um anderen Menschen zu erklären und zu helfen, frei zu werden, dass Gott sie frei machen kann. So wird Mose zu einem Mitarbeiter Gottes und wir werden in der nächsten Folge sehen, wie diese Geschichte sich entwickelt. Wir wollen dann sehen, was Gott alles tut und wie wir mit ihm zusammenarbeiten können in dieser enorm spannenden und lehrreichen Geschichte, die historisch wirklich wahr ist, die Geschichte vom Exodus.
[59:56] Und noch gemeinsam beten.
[1:00:00] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass du in deinem Wort zu uns gesprochen hast. Danke, dass wir sehen können, dass dein Wort vertrauenswürdig ist, aber vor allem, dass du auch unsere Not siehst, dass du unser Wehklagen hörst, dass du dich unserer Probleme annimmst. Herr, wir möchten heute diese Entscheidung fällen, dass wir nicht auf Menschen vertrauen. Wir haben gesehen, selbst ein brillanter, genialer, hochbegabter Mann wie Mose kann aus eigener Kraft das Problem nicht lösen. Nur du, nur du kannst es lösen. Wir wollen die Entscheidung fällen, dass wir nicht auf Menschen schauen, weder auf uns noch auf andere, sondern dass wir auf dich schauen und mit dir zusammenarbeiten, damit dein Wirken uns frei macht, uns frei lässt und uns befähigt, anderen deine Freiheit, die du schenkst, zu erklären, sie einzuladen und es vorzuleben. Herr, segne unser Studium und hab Dank für deine Erlösung. Im Namen Jesu. Amen.
[1:01:12] Nächste Woche werden wir uns Kapitel 3 und 4 anschauen und ich freue mich, wenn ihr dann wieder einschaltet und wir gemeinsam dieses spannende Buch, diese spannende Geschichte hindurchgehen, historische Parallelen anschauen und vor allem die biblische Botschaft für uns persönlich anwenden wollen. Gottes Segen bis dahin und Gott mit euch. Amen.