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Präsentation zur Sendung   >>>  CSH Q 3 2025 Nr. 2   <<<

In dieser Folge der CSH Spezialserie über das zweite Buch Mose beleuchtet Christopher Kramp die Begegnung Moses mit Gott am brennenden Dornbusch (Exodus 3-4). Er erklärt, wie dieses zentrale Ereignis Gottes ewige und unaufhörliche Liebe offenbart und Jesus Christus als den Erlöser vorstellt. Der Sprecher betont, dass Gott das Leid seines Volkes sieht und jeden Einzelnen zur Erlösung beruft, unabhängig von menschlicher Schwäche, da Gott verspricht: „Ich will mit dir sein.“


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Serie: CSH 2025 Q3 Spezial: Exodus

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Transkript

[0:35] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Ein herzliches Willkommen natürlich wieder auch allen Zuschauern auf dem Sender Das Wort zur zweiten Folge unserer CSH Spezialserie über das zweite Buch Mose, der Exodus. Das ist das, was wir uns vorgenommen haben für diese drei Monate. Wir wollen gemeinsam sehen, wie historische Belege und Indizien die Glaubwürdigkeit der Exodusgeschichte bestätigen. Wir wollen das Buch Kapitel für Kapitel chronologisch durchgehen und die wichtigen Themen studieren. Aber vor allem möchten wir Gott begegnen, der in dieser so beeindruckenden Geschichte auf eine ganz konkrete Weise seine Macht, seine Herrlichkeit und seine Gnade zeigt, damit wir auch in unserem Leben den Exodus, den Ausweg – was das Wort ja im Griechischen bedeutet – sehen, den Jesus Christus für uns bereitet hat. Wir wollen uns heute mit Kapitel 3 und 4 beschäftigen und damit einem ganz zentralen Ereignis im Buch 2. Mose, nachdem wir das letzte Mal die ersten beiden Kapitel angeschaut haben, die im Wesentlichen so eine ganz knappe historische Skizze gewesen sind, letztlich eigentlich die Vorgeschichte gewesen sind zu dem, was jetzt beginnt. Betreten wir jetzt buchstäblich heiligen Boden mit Mose in der Begegnung mit Gott, der nicht nur am brennenden Dornbusch Mose begegnet, sondern in dem biblischen Text durch den Heiligen Geist auch uns dort, wo wir jetzt gerade sind. So wollen wir uns vor ihm beugen und ihn einladen, zu uns zu sprechen und unser Lehrer zu sein.

[2:38] Lieber Vater im Himmel, danke, dass du in deinem Wort zu uns heute sprichst. Du bist Mose begegnet, um ihm zu erklären, was Erlösung bedeutet. Und du möchtest uns begegnen, um uns das auch zu erklären, damit wir es nicht nur für uns selbst in Anspruch nehmen, sondern so wie Mose auch bereit sind, anderen davon zu erzählen. Herr, wir möchten dich bitten, dass egal, was in unserem Leben passiert ist und egal, wie es uns gerade geht, dass wir dir begegnen dürfen in deinem Wort, dass dein Heiliger Geist zu uns spricht und wir gestärkt, herausgefordert, getröstet und aufgebaut werden und wissen dürfen, dass du alles siehst, unser Elend, unser Leid, unser Wehklagen, dass du es gehört hast und dass du für uns eintrittst, dass du dich unserer Sache annimmst, dass du unser Gott bist. Dafür danken wir dir und möchten dich bitten, dass du unser Studium jetzt segnest. Wir wollen deine Schüler sein, zu deinen Füßen sitzen und hab Dank dafür im Namen Jesu. Amen.

[4:04] 2. Mose Kapitel 3 und 4. Wir beginnen in 2. Mose Kapitel 3, Vers 1: "Mose aber hütete die Schafe Jetros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian. Und er trieb die Schafe über die Wüste hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb." Jetro, wir haben letztes Mal schon über seinen anderen Namen Reguel gesprochen. Jetro, also Hebräisch eigentlich Jethro, heißt wörtlich wohl "sein Rest". Das ist eine Variante von dem auch sonst bezeugten Namen Jeter, was "Rest" heißt. Ist eigentlich ein typischer Name, wenn andere Geschwister gestorben sind, also da bleibt jemand übrig. Wir finden ähnliche Namen auch bei den Amoritern: Yatarum oder Yata. Und dann mein Gottesname dazu ist ein Name, der einem vermutlich bei der Geburt oder im Laufe des Kindeslebens gegeben ist. Möglicherweise ist also Jetro – das ist nur eine Vermutung, die wir anstellen können – der eigentliche Geburtsname oder der eigentliche Rufname von diesem Mann gewesen, während Reguel vielleicht dann eher etwas mit seinem Amt als Priester zu tun gehabt haben könnte, dass man ihn deswegen auch "Freund Gottes" – was wahrscheinlich Reguel heißt – genannt hat. Und wir erinnern uns daran, dass auch Abraham, der auch sein Patriarch gewesen ist, dass er, so sagt uns Jakobus 2,23, auch "Freund Gottes" genannt worden ist. Also vielleicht so eine Art Ehrentitel, eine Bezeichnung, die man dem Jetro entsprechend gegeben hat. Aber das nur eine Vermutung, wie gesagt.

[5:42] Mose kommt mit seinen Schafen bis an den Berg Gottes, den Horeb. Heute werden wir hier noch nicht viel sagen über die Identifizierung dieses Berges. Die Lokalisierung ist eines der ganz großen, heiß diskutierten Themen, wo dieser Berg jetzt genau gewesen sein soll. Halten wir erstmal fest, dass das hebräische Horeb "der austrocknende" oder "der verwüstende" bedeutet, und es gibt uns schon eine Idee, wie diese Landschaft dort gewesen ist. Und dann lesen wir Folgendes in 2. Mose 3, Vers 2 bis 6: "Da erschien ihm – Achtung – der Engel des Herrn in einer Feuerflamme mitten aus dem Dornbusch. Und als er hinsah, siehe, da brannte der Dornbusch im Feuer und der Dornbusch wurde doch nicht verzehrt." Wahrscheinlich hat Mose schon des Öfteren mal einen Dornbusch brennen sehen. Möglicherweise in 40 Jahren Wüstenleben ist es vielleicht durchaus mal vorgekommen, aber noch nie ein Dornbusch, der nicht verbrannte. "Da sprach Mose: Ich will doch hinzutreten und diese große Erscheinung ansehen, warum der Dornbusch nicht verbrennt." Und jetzt kommt Vers 4: "Als aber der Herr" – und hier wird der Name Gottes verwendet – "sah, dass er hinzutrat, um zu schauen, rief ihm Gott mitten aus dem Dornbusch zu und sprach: Mose, Mose!" Eine der zehn Stellen in der Bibel, in denen Gott zweimal ruft: 1. Mose 22, Abraham, Abraham; 1. Mose 46, Jakob, Jakob; hier jetzt Mose, Mose. Es gibt da noch zum Beispiel Ariel, Ariel in Jesaja oder Simon, Simon in Lukas; Saul, Saul in Apostelgeschichte Kapitel 9; Jerusalem, Jerusalem – Jesus selbst sagt das. Er sagt auch Martha, Martha im Lukasevangelium. Wir haben dann noch Samuel, Samuel im ersten Samuel und schließlich am Kreuz von Golgatha: Eli, Eli, als Gott zweimal ruft, und zwar zu seinem Vater, zu Gott. Ganz bewegende Geschichten, aber das nur als Randnotiz.

[8:00] Wir halten fest, es ist der Engel des Herrn, der ihm erscheint. Aber in wenigen Versen wechselt "Engel des Herrn" mit "der Herr" und mit "Gott". Er rief ihm zu, Gott rief ihm zu mitten aus dem Dornbusch: "Mose, Mose!" Er antwortete: "Hier bin ich." Diese Antwort finden wir auch in 1. Mose 22, in 1. Mose 46, in 1. Samuel 3. Wenn Gott zweimal redet, zweimal ruft: "Hier bin ich." Da sprach er: "Tritt nicht näher heran, ziehe deine Schuhe aus von deinen Füßen, denn der Ort, wo du stehst, ist heiliges Land." Lieber Freund, liebe Freundin, wenn Gott uns begegnet, sollten wir ganz demütig ihm begegnen. Heute gibt es viele Menschen, die meinen, über Gott alles Mögliche zu wissen und sich über seine Natur und sein Wesen zu zerstreiten. Aber Gott spricht zu Mose: "Zieh deine Schuhe aus, denn der Ort, wo du stehst, ist heiliges Land." Und er sprach: "Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, der Engel des Herrn." Da verbarg Mose sein Angesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.

[9:37] Der Staub war genauso staubig wie zwei Kilometer weiter entfernt. Doch war das heiliger Staub, heiliges Land. Warum? Weil Gott gegenwärtig war. Der Dornbusch selbst war völlig unbedeutend. Er war nicht besonders groß, nicht besonders schön, nicht besonders wohlriechend, aber Gott war gegenwärtig und das macht ihn so bedeutend, dass Mose seine Schuhe ausziehen musste. Lieber Freund, liebe Freundin, es kommt nicht darauf an, wie groß wir sind, wie schön wir sind oder ob wir gut riechen. Der entscheidende Punkt ist, ob Gott in unserem Leben ist. Wir sind nur Staub, gemacht aus dem Staub der Erde, aber wir werden heilig durch die Gegenwart Gottes in unserem Leben.

[10:37] Der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs – auch das wieder ein Zurückgreifen auf das, was wir in 1. Mose gesehen haben. Auch hier sehen wir, wie 1. und 2. Mose ganz eng ineinandergreifen und 2. Mose letztlich die Fortsetzung von 1. Mose ist. Immer wieder finden wir in der Bibel, dass der Engel des Herrn auch Gott selbst meint. Nicht immer. Es gibt Fälle, wo "Engel des Herrn" auch tatsächlich einen Engel meint, aber es gibt viele Fälle, wie hier zum Beispiel. Zum Beispiel sagt der Engel des Herrn zu der Hagar: "Ich will deinen Samen so mehren, dass er vor großer Menge unzählbar sein soll." Weil das ist natürlich etwas, was Gottes Zusage ist, schon in 1. Mose Kapitel 1. Wir haben 1. Mose 22, den Engel des Herrn, der vom Himmel ruft und sagt: "Abraham, Abraham", und der antwortet: "Hier bin ich." Er sprach: "Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm gar nichts, denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest, weil du deinen einzigen Sohn nicht verschont hast, um meinetwillen." Als Abraham nach Moria ging, hat er nicht gedacht: "Ich tue das für einen Engel." Er hat das getan für Gott. Und der Engel des Herrn sagt: "Du hast es um meinetwillen getan." Richter Kapitel 2, Vers 1, der ein ganz deutliches Beispiel: "Und der Engel des Herrn kam von Gilgal herauf nach Bochim und sprach: Ich habe euch aus Ägypten heraufgeführt und euch in das Land gebracht." Das ist das, was Gott der Herr sagt. 2. Mose 20: "Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Haus der Knechtschaft herausgeführt habe." Der Engel des Herrn immer wieder im Alten Testament als derjenige, der Gott selbst ist. Und wir kommen nicht drumherum, hier Beispiele zu sehen, in denen sich unser Erlöser Jesus Christus, der Sohn Gottes, offenbart als der Engel des Herrn. Er wird an anderer Stelle auch der Michael genannt.

[12:53] Warum das Bild von einem brennenden Dornbusch? Wir haben schon gesehen, der Dornbusch ist unscheinbar und doch ist dort die Gottheit offenbar geworden. Schauen wir uns ein paar Bibeltexte an: In Hoheslied Kapitel 8, Vers 6 heißt es: "Setze mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm, denn die Liebe ist stark wie der Tod und ihr Eifer unbezwinglich wie das Totenreich. Ihre Glut ist Feuerglut, eine Flamme des Herrn." In der Bibel wird immer wieder die Liebe Gottes als ein Feuer dargestellt. Deswegen wird die Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfingsten in der Apostelgeschichte 2 dargestellt als Feuerzungen. Denn der Heilige Geist bringt die Liebe Gottes in unsere Herzen. Römer 5, Vers 5 sagt: "Der Dornbusch brennt als Beweis dafür, dass Gott sein Volk liebt." Und es heißt in Maleachi 3, Vers 6: "Denn ich, der Herr, verändere mich nicht." Es gibt zwei Grundgedanken, die wir über Gott wissen müssen. Aus denen speisen sich letztlich alle anderen Gedanken. Der erste ist: Gott ist die Liebe. Der zweite ist: Gott verändert sich nicht, denn ich, der Herr, verändere mich nicht. Deshalb seid ihr, die Kinder Jakobs, nicht zugrunde gegangen. Der Dornbusch brannte nicht nur, er brannte beständig. Es war nicht ein Strohfeuer, das auflammt und schnell wieder vergeht. Keine Stichflamme, die einmal hochschlägt und dann wieder ausgeht. Es war ein unaufhörliches Feuer, denn Gott sagt: "Von Ferne her ist mir der Herr erschienen, mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt. Darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Gnade." Lieber Freund, liebe Freundin, wenn du dir die Frage stellst: "Ich weiß, dass Gott mich mal geliebt hat. Ich weiß, dass er mich eigentlich liebt, aber liebt er mich jetzt?", dann darfst du heute wissen: Der Dornbusch brannte und brannte und brannte und brannte. Es war gar nicht so verwunderlich, dass er brannte. Es war verwunderlich, dass er immer noch brannte und immer noch brannte und immer noch brannte. Mose hat wohl offensichtlich das so richtig realisiert, als er irgendwann merkte: "Der brennt ja immer weiter, der hört gar nicht auf zu brennen." Das merkt man nicht in einer Sekunde. Das Verwunderliche war nicht, dass er brannte, das Verwunderliche war, dass er immer brannte. Lieber Freund, liebe Freundin, so viele von uns können sich vorstellen, dass Gott den einen oder anderen liebt, dass er ab und zu die Liebe ist. Das, was uns verwundert, ist, dass Gott uns immer liebt, dass seine Liebe nicht aufhört. Sie ist nicht wie eine Stichflamme, die emotional mal zu uns kommt und dann vielleicht wieder weggeht. Und das ist das, was wir so lernen müssen. Deswegen sagt Gott es von der ersten bis zur letzten Seite der Bibel, immer wieder versucht er, das durch viele Bilder uns deutlich zu machen: Seine Liebe ist unaufhörlich.

[16:01] Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt. Und er liebt das Volk Israel, das unter der Macht der Ägypter leidet, mit ewiger Liebe. Genauso wie er die Sünder, die unter der Macht der Sünde leiden und klagen, mit ewiger Liebe liebt. Das heißt nicht, dass alle am Ende gerettet werden. Die Israeliten, die unter der Sklaverei der Ägypter klagten, wurden von Gott mit ewiger Liebe geliebt. Leider sind trotzdem viele am Ende verloren gegangen, aber es lag nicht daran, dass Gott sie nicht geliebt hätte. Und du darfst wissen, lieber Freund, liebe Freundin, es ist egal, was heute ist, egal wie du dich heute fühlst, Gottes Liebe, das Brennen seines Feuers, hört nicht auf.

[16:56] Das ist die Offenbarung Gottes, die wir brauchen. Das ist die Offenbarung, die Mose plötzlich realisierte: Dieser Dornbusch hört nicht auf zu brennen. Es war ein Dornbusch. Nach dem Sündenfall hatte Gott zu Adam und Eva gesagt: "Dornen und Disteln soll er, der Acker, dir tragen und du sollst das Gewächs des Feldes essen." Dornen sind ein Symbol für die Folgen der Sünde. Dornen hätten eigentlich in einer perfekten Welt ohne Sünde, weil sie hätten eigentlich ein Blatt sein sollen. Aber statt sich zu entfalten zu dem, was Gott eigentlich ursprünglich gedacht hat, haben sie sich verkümmert durch den Sündenfall. Sind so pickige Dornen geworden, die andere verletzen. So ist die Sünde. Wir sind nicht das, was wir hätten eigentlich sein können. Wir verletzen andere durch unser Verhalten, durch unser Denken, durch unsere Worte. Und Jesus kam, er kam auf diese Welt. Es heißt in Johannes 19, Vers 5: "Nun kam Jesus heraus und trug die Dornenkrone."

[18:05] Derselbe Jesus, der die Dornenkrone trug, um als Erlöser der Welt für dich und für mich zu sterben, offenbarte sich schon ungefähr 1500 Jahre vorher dem Mose als vor Liebe brennender Erlöser sozusagen in einem Dornbusch. Scheinbar unscheinbar. Aber inmitten dieser Dornen war die brennende, unaufhörliche Liebe des Erlösers. Inmitten der Dornenkrone, dort wo das Gehirn von Jesus war, wo seine Gedanken waren, wo seine Motive, seine Pläne und Ziele, seine Emotionen waren, dort ist das Herz der unauslöschlichen Liebe Gottes. So wie damals der Dornbusch brannte, so war der Kopf Jesu von Dornen umgeben, voller Liebe, unauslöschlicher Liebe, die so stark war, dass er sogar denen Vergebung erbat, die ihn so zurichteten und ihn bespuckten und verschmähten und verspotteten. Lieber Freund, liebe Freundin, 2. Mose 3 ist eine Offenbarung Jesu für dich und für mich. Wollen wir nicht lieber unsere Schuhe ausziehen und demütig hören, was dieser Jesus uns zu sagen hat?

[19:59] Und der Herr sprach: "Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten sehr wohl gesehen und ich habe ihr Geschrei gehört über die, welche sie antreiben. Ja, ich kenne ihre Schmerzen und ich bin herabgekommen, um sie zu retten aus der Hand der Ägypter." Lieber Freund, liebe Freundin, Gott hat dein Elend gesehen. Er hat dein Geschrei gehört. Er hat deine Schmerzen, er kennt sie, und er ist herabgekommen auf diese Welt, um dich zu erretten. Nicht aus der Hand der Ägypter, aus der Hand der Sünde. Es ist derselbe Jesus, der das Geschrei damals gesehen hat, der es auch heute sieht, der das Geschrei damals gehört hat, der es auch heute hört. Derselbe Jesus, der damals die Schmerzen kannte, er kennt sie heute noch. Und er ist nicht nur einmal in den Dornbusch gekommen, er ist auf diese Erde gekommen, Mensch geworden für alle Ewigkeit, um dich und mich aus den Fängen der Sünde zu retten. Und es heißt weiter: "Uns hier aus diesem Land zu führen in ein gutes und weites Land." Er rettet uns nicht nur von der Sünde, er führt uns auch in ein gutes Land, in ein weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließt, an den Ort der Kanaaniter, Hethiter, Amoriter, Perisiter, Hewiter und Jebusiter. "Und nun siehe, das Geschrei der Kinder Israels ist vor mich gekommen und ich habe auch ihre Bedrängnis gesehen, wie die Ägypter sie bedrücken. So, geh nun hin." Gott sagt: "Ich weiß genau, wie es hingeht und ich möchte, dass sie wissen, dass ich sie erlöse. Geh nun hin, denn ich will dich zu dem Pharao senden, dass du mein Volk, die Kinder Israels, aus Ägypten führst." Gott sagt, Jesus sagt: "Das ist mein Volk, ich habe es gesehen, ich möchte es erlösen. Ich möchte, dass du ihnen die gute Botschaft predigst."

[21:46] Lieber Freund, liebe Freundin, Jesus kam auf diese Welt nicht nur circa 1500 vor Christus oder 1446 vor Christus in einem brennenden Dornbusch. Er kam auf diese Welt, um immer für immer Mensch zu bleiben, um uns zu erlösen. Und so wie Jesus damals im brennenden Dornbusch jemanden brauchte, der es dem zermarterten Volk Gottes sagt, sucht er heute Menschen, die dem Volk Gottes sagen: "Siehe, Jesus kennt deine Schmerzen. Jesus kennt deine Not. Er braucht jemand, der allen, die geknechtet sind von der Sünde, sagt: Jesus kennt dich und er ist herabgekommen, um dich zu erlösen."

[22:42] Jesus ruft Mose und Jesus ruft dich und mich. 2. Mose, Kapitel 3, Vers 11 und 12. Mose aber sprach zu Gott: "Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen und dass ich die Kinder Israels aus Ägypten führen sollte?" Da sprach er: "Ich will mit dir sein." Mose hat keine große Meinung mehr von sich, vergessen, dass er einmal der Oberbefehlshaber der ägyptischen Armeen war, einer der mächtigsten Männer der gesamten Welt, wahrscheinlich bekannt auch in Babylon und in Hattusa und in Mittani. Einer der ganz großen Generäle, einer der ganz großen Gelehrten, einer der ganz genialen Poeten seiner Zeit, der ganzen Welt, letztlich der ganzen Weltgeschichte. Aber als er diese Aufgabe sieht, sagt er: "Wer bin ich?" Ist uns bewusst, dass selbst wenn wir der brillanteste Kopf der Welt wären, wie Mose es war, wir für diese Aufgabe, die Jesus uns geben möchte, menschlich gesehen völlig unzureichend sind? "Wer bin ich?" Aber auf die Frage: "Wer bin ich?", antwortet Gott nicht: "Du bist der." Er sagt nicht: "Du bist ein großer Poet." Er sagt nicht: "Du bist ein großer Gesetzgeber." Er sagt nicht: "Du bist doch ein großer General." Er sagt: "Ich will mit dir sein." Wenn wir die Frage stellen: "Wer bin ich denn schon?", antwortet Gott nicht und sagt: "Ah, du bist toll, du bist groß." Er sagt: "Ich bin mit dir." Denn wenn Gott mit uns ist, müssen wir nicht mehr die Frage stellen: "Wer bin ich?", dann ist die Frage nämlich irrelevant, weil Gott mit uns ist. Und Jesus soll das Zeichen sein, dass ich dich gesandt habe. "Wenn du das Volk aus Ägypten geführt hast, werdet ihr an diesem Berg Gott dienen." Merken wir uns das? Gott beruft den Mose hier am Horeb und er will sie wieder zum Horeb zurückführen, dass sie ihm dort dienen. Das werden wir im Laufe der Folgen noch brauchen. Auf die Frage: "Wer bin ich?", antwortet Gott mit: "Ich will mit dir sein." Und es ist genau das, was in der Menschwerdung Jesu sich realisiert. In Matthäus 1, Vers 23 heißt es: "Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn geben und man wird ihm den Namen Immanuel geben. Das heißt, übersetzt: Gott mit uns." Das ist nicht das Privileg von Mose, weil er so klug war, denn er sagt: "Wer nicht?" Und lieber Freund, liebe Freundin, wenn du heute sagst: "Wer bin ich? Ich habe doch nichts. Ich kann nichts. Ich habe keinen Einfluss. Ich bin nichts.", dann darfst du heute wissen: In Jesus ist Gott mit dir. Und wenn Jesus in deinem Leben ist, steht Gott auf deiner Seite und du musst nicht mehr fragen: "Wer bin ich?" Das ist

[25:16] nicht mehr fragen: Wer bin ich? Das ist völlig irrelevant. Denn wenn Gott mit dir ist, spielt keine Rolle, ob du groß oder klein bist. Verglichen mit Gottes Macht sind wir eh nur klein, aber wenn Gott mit uns ist, ist das völlig irrelevant.

[25:38] Und Mose sprach zu Gott: „Siehe, wenn ich zu den Kindern Israels komme und zu ihnen sage: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt!, und sie mich fragen werden: Was ist sein Name?, was soll ich ihnen sagen?“

[25:50] Gott sprach zu Mose: „Ich bin, der ich bin.“ Und er sprach: „So sollst du zu den Kindern Israels sagen: Ich bin, der hat mich zu euch gesandt.“

[26:03] Und dieser Gedanke wird im Neuen Testament immer wieder aufgegriffen. Es ist niemand anderes als Jesus sagt: „Ich bin der wahre Weinstock, ich bin das Brot des Lebens, ich bin das Licht der Welt, ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Jesus sagt zu Mose: „Ich bin, ich existiere, ich bin der, ich bin.“ Im Neuen Testament erklärt uns, was das bedeutet, wer er ist und warum er so ist. Und auch im Alten Testament können wir das schon sehen und werden es auch sehen.

[26:35] Das heißt, weiter und weiter sprach Gott zu Mose: „So sollst du zu den Kindern Israels sagen: Der Herr – hier steht jetzt, wie so oft im Hebräischen, JHWH – der Name Gottes, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs hat mich durchgesandt. Das ist mein Name ewiglich. Verzeihung, das ist der Name, mit dem ich an mich gedenken soll von Geschlecht zu Geschlecht. Geh hin und versammle die Ältesten von Israel und sprich zu ihnen: Der Herr, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, ist mir erschienen und hat gesagt: Ich habe genau Acht gegeben auf euch und auf das, was euch in Ägypten geschehen ist. Und ich habe gesagt, ich will euch aus dem Elend Ägyptens herausführen.“

[27:30] Gottes Name JHWH. Wie viel ist darüber schon diskutiert worden? Vielleicht hier ein paar interessante Gedanken.

[27:38] Wenn wir uns diese vier Buchstaben anschauen, dann stellen wir fest, dass der erste, das Jod, eigentlich ein grammatisches Element ist.

[27:52] Dieses Jod markiert die dritte Person Singular Imperfekt. Das heißt, die Wurzel, wie bei so vielen anderen hebräischen und auch semitischen Worten, ist He-Waw-He, also auf Deutsch HWH. Das ist die eigentliche Bedeutungswurzel, während das Jod am Anfang sozusagen die „er macht“ oder „er ist“ dann etwas.

[28:17] Nun, wenn man sich das Hebräische anschaut, dann bedeutet „sein“ – also „ich bin“ zum Beispiel oder „er ist“.

[28:37] Zum Beispiel in Vers 13, wenn es heißt „Ich bin“, dann steht dort die Wurzel nicht mit HWH, sondern mit HJH.

[28:45] Das heißt, „er ist“ oder „er wird sein“ in klassischem Hebräisch hätte eigentlich die Buchstaben J-H-J-H gebraucht, aber das ist nicht der Name, wie im Konsonantentext steht. Und das hat möglicherweise damit zu tun, dass es im Hebräischen einen Lautwandel gegeben hat.

[29:09] Es gibt eine Reihe von Wörtern, wo ursprüngliches W, das W zu Jod, zu J geworden ist.

[29:19] Und wenn man sich andere semitische Sprachen anschaut, wo das Wort „sein“ vorkommt, dann findet man, dass sie immer als zweiten Radikal, als zweiten Konsonanten, der sozusagen bedeutungstragend ist, so ein Waw haben, so ein wawisches Ewum. Das ist ein sehr, sehr besonderes Verb, aber das ist tatsächlich – also man müsste es einfach so glauben, dass das tatsächlich so ist. Ähm, aber ist ganz, ganz offensichtlich amoritisch das HWJ, aramäisch HWJ, im Bibelaramäischen sogar HWH. Ähm, das heißt, dass es später im Hebräischen aus HWH zu HJH wird, es ist eine sekundäre Entwicklung. Und zudem haben wir tatsächlich in wenigen Bibelversen tatsächlich auch HWH als Nebenform, sozusagen zu HJH als Variante.

[30:14] Das heißt, JHWH könnte also tatsächlich eine sehr alte Form von „er ist, er wird sein“ darstellen. Wir haben ja gesehen, dass im Laufe der ähm schon der letzten Folge, dass im Laufe der Abschriften dann immer wieder mal die Orthografie und Grammatik und manchmal auch Ortsnamen angepasst worden sind, und zwar an das dann jeweils gesprochene Hebräisch.

[30:38] Also vieles von dem, was wir in der Bibel lesen, entspricht im Wesentlichen dem Hebräischen, wie man es im ersten Jahrtausend, also in der Zeit der Könige, gesprochen hat. Ähm, und das ist durch die Abschriften dann immer wieder sozusagen orthographisch-grammatisch angepasst worden, aber natürlich gerade in der Poesie zum Beispiel, also in Gedichten, was man nicht so leicht anpassen kann, äh als auch in Namen, ähm erhalten sich dann sozusagen die älteren Formen, die bleiben sozusagen als Relikte stehen.

[31:08] Und so wäre es also möglich, also eine mögliche Erklärung, dass wir bei dem Namen JHWH diese alte Form beibehalten haben, während dann im eigentlichen Text, wenn es dann heißt „Ich bin, der ich bin“, äh man das entsprechend mit der neueren Form HJH geschrieben hat.

[31:26] Interessant ist, dass es auch amoritische Namen gibt mit dem Element Yahwi. Und früher gab es die Theorie: Na, das ist einfach der Gottesname Jahwe, und den gab es schon vor den Israeliten, und die Israeliten haben ihn sozusagen dann irgendwo geklaut.

[31:40] Aber Michael Streck hat in seinem Artikel „Der Gottesname Yahwe und das amoritische Onomastikon“ – ist einer der absoluten weltweiten Experten, was ähm vielleicht der Experte überhaupt zu amoritischen Namen – nachgewiesen, dass es sich dort bei den amoritischen Namen eben nicht um einen Gottesnamen handelt, sondern einfach um die finite Verbform „er ist“ oder Streck denkt eher an „er lebt“, weil er dann nicht von Yahwi ausgeht.

[32:06] Ist aber eine andere Frage. Beides ist denkbar, und äh das also zeigt, dass tatsächlich diese Form Yahwi oder Jahwe dann ähm tatsächlich bedeutet:

[32:18] Er existiert oder „er lebt“, wenn man jetzt äh Strecks Variante annimmt, aber „er existiert“ ist eine Aussage, sozusagen ein Verb, und Gott nimmt diese Aussage als seinen Namen.

[32:37] Er existiert, er lebt im Gegensatz zu allen anderen Göttern, die alle nur tot sind, die Erfindung sind, wo falsche Dämonen dahinter stehen, die falsche Dinge über sich und diese vermeintlichen Götter sagen, ist Gott tatsächlich der, er ist – genauso wie er sagt: Er ist der, er ist, er existiert.

[32:54] Gott ist nicht nur ein Konzept. Gott ist nicht nur eine Philosophie, eine Theorie, ein schönes Konstrukt, sondern Gott existiert jetzt, wo wir hier sprechen.

[33:03] Und das kommt in diesem Namen Yahwe, wie er wahrscheinlich ausgesprochen worden ist. Ähm, wir können das letztlich nicht genau äh rekonstruieren. Wir wissen aber wohl, dass der Anfang „Ja“ gewesen sein muss, weil in vielen Abkürzungen ja in den Namen dann ja immer vorkommt.

[33:24] Wir wissen auf jeden Fall: Sein Name bedeutet, Gott ist gegenwärtig.

[33:31] Schauen wir weiter. 2. Mose 3, Vers 18 und 19. „Und wenn sie auf dich hören, so sollst du und die Ältesten von Israel zum König von Ägypten hineingehen und zu ihm sagen: Der Herr, der Gott der Hebräer, ist uns begegnet. So, lasst uns nun – Achtung! – drei Tage reisen, weit in die Wüste gehen, damit wir dem Herrn unserem Gott Opfer darbringen.“

[33:48] Nun, wenn wir davon ausgehen, dass damit tatsächlich der Berg gemeint ist, bei dem Mose ja steht, der Berg Horeb – denn wir hatten ja in Vers 12 gesehen, ihr werdet an diesem Berg Gott dienen –, dann müssen wir uns die Frage stellen, wie weit kommt man in drei Tagesreisen, wenn man in die Wüste geht, von dem Ostdelta? Und das würde man im Altertum in der Regel so mit 30 bis 40 km pro Tagesreise rechnen. Das ist mit einem großen Volk und mit Kindern und Alten schon ziemlich sportlich, dann kommt man so maximal auf 120 km.

[34:19] Und wenn man sich hier diese Google Maps Karte anschaut, ich habe ganz rechts unten den Maßstab sieht, und dann sich das anschaut vom Ostdelta, dann sieht man schon, ähm man ahnt dann schon, dass nicht alle oft als Theorien angegebenen Lokalisierungen für den Sinai so gut dazu passen.

[34:44] Ja, das also wir belassen es mal hier an dieser Stelle bei dieser Beobachtung. Wir werden ja später dann noch mehr über den Sinai sprechen in späteren Folgen und versuchen uns ein bisschen diesem Problem zu nähern, wo dieser Sinai wirklich gewesen ist.

[34:54] Aber wenn wir hier diese Stellen zusammennehmen – und ich denke, das ist nicht unerlaubt –, äh „ihr werdet an diesem Berg Horeb dienen“ und „drei Tage in die Wüste“, ähm dann äh ist es schon eine gewisse Eingrenzung, wo dieser Berg möglicherweise zu finden ist.

[35:08] Wir behalten das im Hinterkopf und sehen aber in Vers 19, dass Gott sagt: „Aber ich weiß, dass euch der König von Ägypten nicht ziehen lassen wird, auch nicht durch eine starke Hand.“

[35:17] Er bereitet ihn also schon auf die Schwierigkeiten vor. Es heißt weiter: „Aber ich werde meine Hand ausstrecken und Ägypten schlagen mit allen meinen Wundertaten, die ich in seiner Mitte tun will. Danach wird er euch ziehen lassen.“

[35:30] Also Gott sagt: „Pass auf, erwarte keinen schnellen Erfolg. Es wird eine Auseinandersetzung geben, es wird einen Konflikt geben, es wird Widerstand geben, aber Gott wird euch – der Pharao wird euch ziehen lassen. Am Ende werdet ihr frei sein.“

[35:41] „Und ich will diesem Volk Gunst verschaffen bei den Ägyptern, sodass ihr nicht leer ausziehen müsst, wenn ihr auszieht, sondern die Frau eines jeden von euch soll von ihrer Nachbarin und Hausgenossin – Achtung! – silberne und goldene Geräte und Kleider fordern.“

[35:55] Nun, was hat's damit auf sich? Wir finden hier zum Beispiel von der dritten Ehefrau von Tutmose dem Dritten, der Manuai, ein silbernes Trankopfergefäß. Solche Gefäße könnten das zum Beispiel sein. Das ist nur ein Beispiel, das sind Beispiele, die wir hier anführen könnten, auch ein teils vergoldetes Gefäß hier, das die Kartusche von Tutmose dem Dritten trägt.

[36:20] Aber Mose hat immer noch Einwände. Das heißt, er antwortete und sprach: „Aber siehe, sie werden mir nicht glauben und nicht auf mich hören, sondern sagen: Der Herr ist dir nicht erschienen.“

[36:29] Da sprach der Herr zu ihm: „Was hast du in deiner Hand?“ Eine interessante Frage.

[36:33] Wenn wir uns vorstellen, was alles nicht geht und warum die Leute uns nicht glauben werden und warum das alles nicht funktionieren wird, dann fragt uns Gott: „Was hast du in deiner Hand?“ Und er antwortete: „Einen Stab.“

[36:41] Da sprach er: „Wirf ihn auf die Erde!“ Und er warf ihn auf die Erde. Da wurde er zu einer Schlange. Das ist die Macht Gottes, die aus lebloser Materie durch schöpferische Kraft ein Geschöpf machen kann.

[36:52] Und Mose floh vor ihr. Er wusste ganz genau, er hatte lange genug in der Wüste gelebt. Er wusste: Schlangen sind gefährlich.

[36:57] Aber der Herr sprach zu Mose: „Strecke deine Hand – Verzeihung! – Strecke deine Hand aus und ergreife sie beim Schwanz.“ Das ist eigentlich ein Todesurteil, wenn die Schlange giftig genug ist.

[37:09] Wenn man eine Schlange unter Kontrolle kriegen will, dann muss man sie überall anfassen, aber nicht am Schwanz. Das ist das Gefährlichste, was es gibt – ein Glaubenstest.

[37:17] Da streckte er seine Hand aus und er griff sie, und sie wurde zum Stab in seiner Hand. „Darum werden sie glauben, dass der Herr dir erschienen ist, der Gott ihrer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.“

[37:28] Nun ist es interessant, dass in der ägyptischen Kultur Hirten an sich jetzt nicht so besonders beliebt waren zur Zeit von Josef zum Beispiel, ja, und auch Mose. Aber dass der Hirtenstab seit den Anfängen der ägyptischen Geschichte, dieser Krummstab, mit dem man quasi die Schafe so lenken kann, ein Zeichen königlicher Macht ist.

[37:51] Also, wenn der Mose dort mit so einem Krummstab aufgetreten ist, dann war das schon auch ein Zeichen königlicher Macht. Es war nur ein ganz anderes Königreich, nicht das ägyptische Königreich, sondern das Königreich Gottes, das er vertreten hat durch diesen Stab.

[38:09] Aus diesem Krummstab haben sich ja dann in späteren Dynastien diese kürzeren Zepter entwickelt.

[38:16] Wir lesen weiter. Und der Herr sprach weiter zu ihm: „Stecke doch deine Hand in deinen Gewandbausch.“ Da steckte er seine Hand in seinen Gewandbausch, und als er sie herauszog, siehe, da war seine Hand aussätzig wie Schnee.

[38:27] Und er sprach: „Stecke deine Hand wieder in deinen Gewandbausch.“ Und er steckte seine Hand wieder in seinen Gewandbausch. Und als er sie aus dem Gewandbausch herauszog, siehe, da war sie wieder geworden wie sein übriges Fleisch.

[38:40] Wieder sagt Gott: „Wenn sie dir nun nicht glauben und nicht auf die Botschaft des ersten Zeichens hören, so werden sie doch der Botschaft des zweiten Zeichens glauben. Wenn sie aber auch diesen beiden Zeichen nicht glauben und nicht auf deine Stimme hören, dann nimm Wasser aus dem Nil und gieß es auf das trockene Land, so wird das Wasser, das du aus dem Nil genommen hast, auf dem trockenen Land zu Blut werden.“

[39:05] Nun, dieses zweite Zeichen mit dem Aussatz ist bemerkenswert.

[39:11] Es wird dann später, wenn wir sehen, nicht mehr explizit erwähnt. Also Mose kommt ja dann zum Pharao und er wirft die Schlange auf die Erde. Ähm, wir sagen, er wirft den Stab natürlich, der zur Schlange wird, auf die Erde.

[39:29] Ähm, aber sicherlich wird Mose auch dieses zweite Zeichen entweder vor dem Volk oder auch vor dem Pharao ähm gezeigt haben.

[39:37] Warum ist es interessant? Viel, viel später, circa 3. Jahrhundert vor Christus, also über 1000 Jahre später, hat zur Zeit der griechischen Ptolemäer ein Ägypter namens Manetho eine Geschichte seines Landes verfasst auf Griechisch.

[39:51] Es ist eine der wesentlichen Quellen, auch wenn es darum geht, dann die ägyptischen äh Dynastien ein bisschen zu ordnen und so weiter, dass Manetho eine wichtige, aber auch eine sehr problematische Quelle natürlich, weil sehr spät ist und auch viele durcheinanderbringt und äh dann die Dynastien nebeneinander aufreiht, obwohl sie teilweise ja gerade in den Zwischenzeiten gleichzeitig gewesen sind.

[40:10] Jedenfalls erzählt der Manetho folgendes: Er erzählt, wie unter Amenophis – das ist dann Amenophis II. für alle, die das Spezial gesehen haben, vielleicht interessant – wie unter diesem eine große Menge an – Achtung! – aussätzigen Ägyptern verlassen hätten, und zwar angeführt von einem Priester namens Osarseph, nachdem sie zuvor 13 Jahre in der Stadt Avaris – das ist also ja das spätere Ramses – revoltiert und regiert hatten.

[40:39] Das ist also die Fassung von Manetho. Sie erhalten Unterstützung von Hirten aus Palästina, und Pharao Amenophis, also Amenhotep, vermeidet jeden Krieg mit ihnen.

[40:50] Ihr Anführer Osarseph – also jetzt meine Zusammenfassung – kommt als ägyptischer Priester eigentlich aus Heliopolis. Also, der ist eigentlich ein Ägypter, der sich dann quasi auf die Seite dieser Aufständischen schlägt.

[41:00] Und jetzt Achtung: Nachdem er aber der Anführer der Aussätzigen geworden ist, wird sein Name in Mose geändert. Also, wir haben hier sozusagen eine ägyptische Legende, möchte man fast sagen, in der allerdings einiges historisches Material noch irgendwie zu erkennen ist.

[41:16] Der Manetho weiß: Da gab es so einen Mose, und der war eigentlich ja vorher quasi ein Ägypter. Der Name ändert sich in Mose. Der war natürlich nicht geändert, aber ja, das ist so diese Idee, und er benennt dieses Volk als ein Volk von Aussätzigen.

[41:33] Ich vermute, der Kern hinter dieser Legende ist, dass dort tatsächlich Mose dieses Zeichen gemacht hat und dass, als dann später die Ägypter sich von diesem Mose distanzieren wollten, als sie irgendwie ihn verächtlich machen wollten, weil sie letztlich durch den Exodus so gedemütigt worden sind, dass man sozusagen dieses Zeichen des Aussatzes dann irgendwie verallgemeinert hat und gesagt: Das war eh alles Aussätzige, ja, wie so Menschen dann in ihrer Gemeinheit Dinge verdrehen und dann äh Leuten anhängen.

[42:01] Dann vertreibt der Pharao die Aussätzigen mit großer Heeresmacht. Also, das ist natürlich eine ägyptisch gewendete Geschichte, weil ich glaube, wenn man die Bibel gut kennt, erkennt man eine Reihe von interessanten Parallelen, die so durchschimmern, und man sieht sozusagen, wie die Ägypter versucht haben, diese Geschichte dann viele Jahrhunderte später so umzuformen, dass es dann für sie besser passt.

[42:22] Da wird sicherlich auch ein bisschen was noch von der Vertreibung der Hyksos mitschwingen. Ja, das sind Ereignisse wohl auch miteinander verwoben. Das kann man nicht mehr als historische Quelle so auswerten, dass man sagen kann, ja, das ist jetzt dann und dann passiert ist.

[42:34] Aber es zeigt zumindest, dass man wusste, es gab da irgendwie so einen Vorfall. Ägypter hatten ein Problem mit so Leuten, die unter Mose waren, die wurden dann vertrieben. Ja.

[42:44] Ähm, dieser Mose war ursprünglich in einer ägyptischen Kultur, ja, mit der aufgewachsen. Sehr interessant, was dieser Manetho da sagt, und das sollten wir im Hinterkopf auch behalten, wenn es um die Frage der Historizität des Exodus geht.

[43:01] Aber Mose hat immer noch mehr Ausreden. Trotz dieser Zeichen, die Gott ihm jetzt gezeigt hat, sagt Mose aber zum Herrn: „Ach, mein Herr, ich bin kein Mann, der reden kann. Ich bin es von jeher nicht gewesen und bin es auch jetzt nicht, seitdem du mit deinem Knecht geredet hast.“

[43:14] Nun, wir dürfen nicht vergessen. Er sagt: „Ich habe einen schwerfälligen Mund und eine schwere Zunge.“

[43:19] Wir dürfen nicht vergessen, dieser Mose war mal Oberbefehlshaber der ägyptischen Armeen. Der wird schon Befehle gegeben haben.

[43:28] Er sagt hier: „Ich habe eine schwere Zunge, ich kann nicht reden.“ Aber die Antwort von Gott ist so interessant.

[43:34] Egal, was für einen Einwand wir haben, Gott kann sagen: „Wer hat dem Menschen den Mund gemacht? Du kannst nicht reden? Ich bin der Schöpfer des Mundes.“

[43:43] „Du kannst nicht laufen? Ich habe Beine geschaffen. Du kannst nicht denken, du kannst dir nichts merken? Ich habe das Gehirn geschaffen.“

[43:51] Es gibt kein Hindernis in unserem Leben, keine Schwierigkeit, was wir als Schwierigkeiten sehen, was für Gott eine Schwierigkeit wäre. Er ist der Schöpfer.

[43:59] Und so sagt dann Vers 12: „Geh nun hin, ich will mit deinem Mund sein und dich lehren, was du sagen sollst.“

[44:04] Als Mose fragte: „Wer bin ich?“, hat Gott gesagt: „Ich will mit dir sein.“ Als Mose sagte: „Aber ich kann ja nicht reden“, sagt Gott: „Ich will mit deinem Mund sein.“

[44:15] Wenn wir sagen: „Ich kann ja nicht arbeiten“, dann sagt Gott: „Ich will mit deinen Händen sein.“ Wenn wir sagen: „Ich kann nicht gehen“, sagt Gott: „Ich will mit deinen Füßen sein.“ Wenn wir sagen: „Ich kann nicht so lange denken“, dann sagt Gott: „Ich will mit deinem Gehirn sein und dich lehren, was du sagen sollst.“

[44:32] Ellen White kommentiert in „Patriarchen und Propheten“, Seite 231: Er sei so lange von Ägypten fort, dass er die Sprache nicht mehr ganz beherrscht. Es war ja wohl auch nicht seine Muttersprache. Seine Muttersprache war ja ähm ja die Sprache Israels, sondern altes Hebräisch. Ja, das wahrscheinlich – also wir wissen heute, dass Hebräisch letztlich ein Dialekt des Kanaanäischen ist.

[44:55] Also äh ich persönlich gehe davon aus, dass Abraham, Isaak, Jakob, dass sie in diesen Zeiten, als sie in Kanaan gelebt haben, auch das Kanaanäische – vielleicht haben sie vielleicht einen anderen westsemitischen Dialekt ursprünglich gesprochen, aber sie haben wohl das Kanaanäische aufgenommen – und die Sprache Hebräisch im Alten Testament ist auch ein Dialekt Kanaans, deswegen wird sie die Sprache Kanaans genannt.

[45:19] Das ist ein kurzer Exkurs, um zu sagen, wahrscheinlich war Kanaanäisch/Hebräisch – sprich Hebräisch – der äh die die

[45:26] ...sprich Hebräisch, die Muttersprache von Mose, aber er hat natürlich auch Ägyptisch gelernt. Nun ist es so, aber gehen wir erst noch kurz weiter. Es kommt gleich in 2. Mose 4,13.

[45:35] Da erwiderte Mose: „Ach Herr, sende doch, wen du senden willst.“ Mit anderen Worten: Ich nicht. Such dir jemand anders aus. Und Gott hat ihm mehrmals gesagt: „Ich bin bei dir.“ Er hat ihm mehrmals gesagt: „Ich will bei deinem Mund sein.“ Er hat ihm Zeichen gegeben. Er hat ihn am Leben gelassen, als er die Schlange am Schwanz gefasst hat. Und wie oft sagen wir, nachdem wir so viele Wunder Gottes gesehen haben: „Ach Herr, jemand anders!“ Es ist auch schon so gegangen. Mir ist es schon so gegangen. Und ich glaube, wir machen Gott damit traurig, so wie auch Mose.

[46:06] Ellen White kommentiert: „Zuerst entsprang diese Entschuldigung echter Demut und Zaghaftigkeit. Aber nachdem der Herr verheißen hatte, alle Hindernisse zu beseitigen und ihm schließlich Erfolg zu schenken, bewies alles weitere Zurückschrecken und Beklagen seiner Untauglichkeit offensichtliches Misstrauen gegen Gott.“

[46:23] Liebe Freunde, es ist gut, wenn wir demütig sind. Es ist gut, wenn wir auch nicht vorsprechen und schnell und unüberlegt handeln, aber wir dürfen auch Gottes Verheißung nicht misstrauen. Und ich möchte neu lernen, dass wenn Gott mir etwas gezeigt hat, dann möchte ich daran glauben, egal wie ich mich fühle. Das ist auch dein Wunsch. Lass uns das fest vornehmen und im Hinterkopf und im Herzen behalten.

[46:51] Gott wurde wirklich zornig über Mose, heißt es hier in Vers 14. Ab Vers 14: „Da wurde der Herr sehr zornig über Mose und sprach: ‚Weiß ich denn nicht, dass dein Bruder Aaron, der Levit, gut reden kann?‘“ Aaron war sogar drei Jahre älter, war die ganze Zeit in Ägypten. Der kann immer noch gut Ägyptisch. „Und siehe, er zieht dir entgegen, und wenn er dich sieht, so wird er sich von Herzen freuen. Du sollst zu ihm reden und ihm die Worte in den Mund legen. So will ich mit deinem Mund und mit seinem Mund sein und euch lehren, was ihr tun sollt. Und er soll für dich zum Volk reden, und so wird er dein Mund sein, und du sollst für ihn an Gottes Stelle sein.“

[47:29] Sehr interessante Stelle. Aaron sollte quasi der Übersetzer Moses' sein. Mose sagt etwas auf Kanaanäisch und Aaron übersetzt dann zum Beispiel ins Ägyptische. Und das ist ein Bild, das werden wir noch sehen. An anderer Stelle wird es noch mal wiederkommen, wie Propheten, inspirierte Schreiber der Bibel, Gottes Gedanken in unsere menschliche Sprache sozusagen übersetzen.

[47:59] „Und nimm diesen Stab in deiner Hand, mit dem du die Zeichen tun sollst.“ Hier also noch mal der Kommentar: „Aber nun wurde Mose auf Aaron, seinen älteren Bruder, hingewiesen, der im täglichen Umgang mit den Ägyptern deren Sprache vollkommen beherrschte.“

[48:12] Übrigens ist zu dieser Zeit eine relativ neue Sprache in Ägypten, also eine relativ neue Sprache entstanden. Die ägyptische Sprache ist ja nicht immer gleich. Wir wissen es auch: Auch die deutsche Sprache, also das Deutsch im Nibelungenlied im Mittelhochdeutsch ist völlig anders als das von Martin Luther, wieder anders als das heute. Auch die ägyptische Sprache hat sich weiterentwickelt, und in der Zeit der 18. Dynastie im Neuen Reich kommt jetzt mit einem ziemlichen Wumms das Neuägyptische. Vorher gab es das Mittelägyptische, das war so die klassische Sprache, die auch später noch beibehalten worden ist für große, wichtige, monumentale Texte. Aber so im Alltag setzt sich jetzt das Neuägyptische durch, und manche Sprachforscher vergleichen Mittelägyptisch mit Neuägyptisch wie mit Latein und Italienisch. Ja, Italienisch ist dann quasi so die Umgangssprache gewesen, was die Leute im Alltag gesprochen haben, während man Latein dann vielleicht noch für religiöse Texte, für wichtige Dokumente verwendet hat. So ist auch Mittelägyptisch nicht ausgestorben und hat es dann aber quasi als tote Sprache weiter verwendet, während Neuägyptisch jetzt gesprochen worden ist. Und man sieht das dann vor allem in den Briefen, in den Wirtschaftstexten, aber das ist noch im Übergang. Man sieht da auch noch viele mittelägyptische Elemente. Und das ist die Sprache, die jetzt zu der Zeit dann gesprochen worden ist. Wenn man Ägyptologie studiert, dann muss man diese ganzen Sprachen alle einzeln lernen, ja, also das Mittelägyptische und das Neuägyptische und so weiter und so fort.

[49:40] Schließlich hat Mose die richtige Entscheidung gefällt.

[49:42] Wir lesen in „Patriarchen und Propheten“, Seite 232, also da heißt es: „Aber nachdem er die Aufgabe einmal angenommen hatte, stellte er sich mit ganzem Herzen darauf ein: voller Vertrauen auf den Herrn.“

[49:57] Wir sollten von Moses' Fehler lernen und nicht zu zaghaft sein, aber wir dürfen von ihm das Positive lernen, dass als er einmal den Entschluss gefasst hat, dann hat er das nicht zu 60 % gemacht, nicht zu 90 %. Er hat es von ganzem Herzen gemacht, voller Vertrauen auf den Herrn. Und das dürfen auch wir tun: Wenn wir uns einmal für Gott entschieden haben und seinem Ruf zu folgen, dann dürfen wir ihm ganz und mit vollem Vertrauen folgen.

[50:22] „Die Bedeutung seiner Sendung erweckte in ihm die höchsten Geisteskräfte.“ Und das waren bei Mose nicht wenige, wie wir gesehen haben. „Und Gott segnete seinen bereitwilligen Gehorsam. Wenn wir bereit sind, alles zu geben für Gott, dann segnet er uns. Er wurde belehrt und hoffnungsvoll, sodass er gefasst und bestens vorbereitet an das größte Werk ging, das jemals einem Menschen übertragen wurde.“

[50:48] Was wir hier studieren in den kommenden Monaten, ist keine Nebengeschichte.

[50:53] Kein Julius Cäsar, Alexander der Große, Augustus, Kyros, Nebukadnezar, wie sie auch alle heißen, Sokrates, Aristoteles, keiner von denen, Konfuzius, hat so ein Werk getan, wie es Mose getan hat. Mit dem kann sich niemand vergleichen.

[51:18] Gott hat Mose besonders gesegnet.

[51:26] Hier war ein Mann, der sich völlig ohne etwas zurückzuhalten in Gottes Dienst gegeben hat und all die vielen Talente Gott übergeben hat, und Gott durfte die Talente nutzen. Wollen wir das auch machen? Wollen wir Gott, ganz egal, ob wir ein Talent, zwei oder fünf haben, wollen wir alle unsere Geisteskräfte in willigem Gehorsam Gott weihen?

[51:47] Passt mal auf, was dann passiert.

[51:55] 2. Mose 4 ab Vers 18: „Da ging Mose hin und kam zurück zu Jetro, seinem Schwiegervater, und sprach zu ihm: ‚Lass mich doch gehen und zu meinen Brüdern zurückkehren, die in Ägypten sind, und sehen, ob sie noch leben.‘ Und Jetro sprach zu Mose: ‚Geh hin in Frieden.‘ Der Herr sprach zu Mose in Midian: ‚Geh nach Ägypten zurück, denn die Leute sind alle tot, die nach deinem Leben trachteten.‘ So nahm Mose seine Frau und seine Söhne und ließ sie auf einem Esel reiten und zog wieder in das Land Ägypten. Mose nahm auch den Stab Gottes in seiner Hand.“

[52:27] Das war vermutlich einer der Hauptpunkte, die den Mose so ängstlich sein lassen. Er war ja gesucht als ein vermeintlicher Revolutionär, der sich auf den Thron setzen wollte. Er wusste ganz genau, was das politisch bedeutet. Ist es nicht interessant, dass Gott erst nachdem Mose sich völlig Gott ausgeliefert hat, dann gesagt hat: „Übrigens, ist gar keine Gefahr, also nicht diese Gefahr.“ Gefährlich war ja trotzdem, aber diese Gefahr ist nicht mehr da.

[53:05] Mose wäre auch dann gegangen, wenn immer noch derselbe Pharao auf dem Thron gesessen hätte, der ihn töten wollte. Das hätte bedeutet, seinem eigenen Todesurteil quasi aus der Sicherheit heraus entgegenzugehen. Mose wäre dazu bereit gewesen. Er wäre bereit gewesen, sein Leben aufs Spiel zu setzen.

[53:29] Und damit wird er ein Vorbild, ein Typus auf Jesus.

[53:33] Aber jetzt sagt Gott ihm: Er sagt ihm: „Sie sind schon alle tot, die dir nach dem Leben trachteten.“ Hier der Kommentar von Ellen White: „Heimliche Furcht vor Pharao und Ägyptern, deren Zorn vor 40 Jahren gegen ihn entbrannt war, verstärkten zunächst Moses' Widerstand, nach Ägypten zurückzugehen. Aber nachdem er sich entschieden hatte, Gottes Befehl zu gehorchen, offenbarte ihm der Herr, dass seine Feinde tot seien.“ Auch sie betont das: nachdem er sich entschieden hat.

[54:01] Manchmal sehen wir Schwierigkeiten und wissen gar nicht, dass sie schon gelöst sind. Aber Gott sagt uns nicht immer, dass sie schon gelöst sind, weil er möchte, dass wir lernen, dass wir ihm vertrauen, dass wir ihm nicht folgen, weil schon alles klar ist, sondern dass wir ihm auch dann folgen, wenn wir noch nicht wissen, wie es ausgeht. Wir werden das in der Geschichte des Exodus immer wieder sehen. Die Israeliten mussten auf das Wasser zulaufen, und dann hat es sich geteilt. Vorwärts gehen, und dann löst Gott das Problem, oder es ist schon gelöst, und wir erfahren es dann.

[54:35] Er hatte nicht gewagt, den Grund der Reise zu nennen. Das bezieht sich auf sein Gespräch mit Jetro, aus Furcht, dass sie – also seine Frau Zippora – ihn dann nicht begleiten durfte. Also er und seine Kinder.

[54:50] Wir lesen weiter.

[54:52] „Und der Herr sprach zu Mose: ‚Wenn du wieder nach Ägypten kommst, so achte darauf, dass du vor dem Pharao all die Wunder tust, die ich in deine Hand gegeben habe. Ich aber will sein Herz verstocken, dass er das Volk nicht ziehen lassen wird.‘ Und du sollst zum Pharao sprechen: ‚Der Herr sagt: Israel ist mein erstgeborener Sohn.‘“

[55:08] Was für eine Botschaft! Die Israeliten waren verachtete Sklaven in einem nationalistisch gefärbten, ausländerfeindlichen Neuen Reich Ägyptens der 18. Dynastie. Und jetzt soll dieser Mose kommen und sagen, der Gott der Hebräer sagt: „Israel ist mein erstgeborener Sohn, ein besonderes Volk.“

[55:26] „Darum sage ich dir: Lass meinen Sohn ziehen, damit er mir dient. Wenn du dich aber weigern wirst, ihn ziehen zu lassen, siehe, so werde ich deinen eigenen erstgeborenen Sohn umbringen.“ Und wir kennen die Geschichte. Wir wissen, es ist bis zu diesem Höhepunkt gekommen.

[55:47] Israel war zwar von den Ägyptern verachtet.

[55:50] Kommentar von Ellen White: „Doch von Gott für würdig befunden und dazu auserwählt, Hüter seines Gesetzes zu sein. Dieses unter der Knechtschaft leidende Volk war von Gott würdig befunden, auserwählt, Hüter seines himmlischen Gesetzes zu sein.“

[56:07] Wir mögen denken, wir sind unwürdig. Die Menschen mögen auf uns herabschauen, uns verachten, aber Gott befindet uns für würdig und wählt uns dazu aus, Hüter seines Gesetzes zu sein.

[56:26] Hier, die wir einmal sagen sollen in Offenbarung 14, Vers 12: „Das sind die, die die Gebote Gottes halten und den Glauben Jesu haben.“

[56:35] „Durch die besonderen Segnungen und Vorzüge, die sie empfingen, nahmen sie eine vorrangige Stellung unter den Völkern ein, etwa wie der Erstgeborene unter seinen Brüdern.“ Diese Geschichte vom Erstgeborenen in der Bibel findet sich ja an mehreren Stellen und die ganzen Dramen, die sich daraus abgeleitet haben, weil der Erstgeborene eben eine besondere Stellung gehabt hat.

[56:55] Wir denken zum Beispiel an Jakob und Esau.

[57:02] Und im Neuen Testament sehen wir, dass dieses Bild von dem geliebten Sohn, von dem erstgeborenen Sohn auf Jesus selbst angewendet wird. Bei seiner Taufe ertönt aus dem Himmel eine Stimme, nicht von einem Engel, sondern von Gott, dem Vater selbst. Zum ersten Mal seit den Tagen Adams spricht der Vater mit einer für Menschen hörbaren Stimme: „Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Paulus nennt Jesus das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene, der über aller Schöpfung ist. Hier ist nicht die Idee, dass er mal nicht existiert und dann später zukam. Hier ist diese Idee dieses Vorranges...

[57:38] ...wichtiger.

[57:40] Die Israeliten sind nicht die Erstgeborenen, weil das Volk Abrahams älter ist als die anderen Völker. In der Tat dürfen sich fast alle anderen Völker auf frühere Vorfahren zurückführen lassen. Das Volk Israel geht eben nur bis Abraham, weil Abraham sich ja von seiner Familie getrennt hat. Das Volk Israel beruft sich nie auf Terach. Historisch gesehen ist das Volk Israel sogar etwas später entstanden als die meisten anderen Völker wie die Babylonier, Sumerer oder Ägypter. Das heißt, „Erstgeborene“ schon hier an dieser Stelle bedeutet nicht einen zeitlichen Aspekt, sondern einen Vorrang. Und so dürfen wir auch nicht in den Stellen, wo es um Jesus geht, an einen zeitlichen Aspekt denken und sagen, er ist der Erstgeborene, deswegen hat es ihn früher nicht gegeben.

[58:28] Es geht um seinen Rang.

[58:31] Und weil die Israeliten das Volk waren, das von dem kommenden Messias wusste durch den Opferdienst, den sie ja schon seit Abraham und Isaak und Jakob und auch schon davor gehabt haben, durch die Offenbarung, die Verheißung, die Gott dem Abraham gegeben hat, durch ihre Verbindung mit dem Erstgeborenen Jesus werden auch sie das Erstgeborene der Völker.

[59:00] David war der achte von acht und wurde trotzdem der Erstgeborene in Psalm genannt. Durch seine Verbindung mit Jesus ist er der Erstgeborene. Wenn wir mit dem Erstgeborenen, mit Jesus, dem Höchsten, dem König der Könige in einem Bund sind, dann ist das Volk Gottes das Erstgeborene unter allen Völkern.

[59:24] Und dann kommt noch eine ganz dramatische Geschichte am Ende von 2. Mose 4: „Es geschah aber, als Mose unterwegs in der Herberge war, da trat ihm der Herr entgegen und wollte ihn töten. Dann nahm Zippora einen scharfen Stein und beschnitt ihrem Sohn die Vorhaut und warf sie ihm vor die Füße und sprach: ‚Fürwahr, du bist mir ein Blutbräutigam.‘ Da ließ er von ihm ab.“ Sie sagte aber „Blutbräutigam“ wegen der Beschneidung.

[59:48] Mose war von seiner Frau Zippora, so sagt Ellen White dazu, überredet worden, die Beschneidung an seinem jüngsten Sohn nicht zu vollziehen. Er hatte sie bisher nicht vollzogen.

[1:00:03] Aber der Bund, den Gott mit Abraham gemacht hat, bestand genau darin. 1. Mose 17,10: „Das ist aber mein Bund, den ihr bewahren sollt zwischen mir und euch und deinem Samen nach dir: alles, was männlich ist unter euch, soll beschnitten werden.“

[1:00:16] Wie soll Mose dem Volk ein Vorbild sein, wenn er selbst sich nicht an das hält, was Gott gesagt hat? Und das zeigt uns: Ein echter Leiter kann noch so begnadet sein, noch so talentiert sein. Er kann solch große Erfahrung mit Gott gemacht haben. Wenn er sich nicht an das hält, was Gottes Wort sagt, kann Gott ihn nicht als Leiter gebrauchen. Die Frage ist nicht nur, wie brillant ist jemand, wie toll kann jemand predigen, was für großartige Erfahrungen er gemacht hat. Die Frage ist immer auch: Tut er das, was Gottes Wort sagt?

[1:00:50] Es war ein ewiger Bund. Es sollte alle in dem Haus Geborenen unbedingt beschnitten werden. Gott hatte gesagt in 1. Mose 17,14: „Und ein unbeschnittener Mann, einer der sich nicht beschneiden lässt am Fleisch seiner Vorhaut, dessen Seele soll ausgerottet werden aus seinem Volk, weil er meinen Bund gebrochen hat.“ Das war eine ernste Sache, und Mose hatte das schleifen lassen.

[1:01:18] Diese Beschneidung war auch ein Bild auf Jesus hin.

[1:01:21] Abraham wollte ja, dass Ismael der verheißene Sohn ist, aber Gott hat einen anderen Plan, nämlich den Sohn der Verheißung, Isaak. „Sie soll dir einen Sohn gebären, den sollst du Isaak nennen.“ Die gleiche Formulierung kommt noch mal in Matthäus 1,21: „Sie wird einen Sohn gebären. Du sollst ihm den Namen Jesus geben.“ Isaak war der Typus auf Jesus. Die Beschneidung sollte äußerlich zeigen, dass der innere Gedanke der Beschneidung – dieser Gedanke: „Ismael ist mein Favorit. Ismael wird die Heilslinie weiterführen“ – dass der abgeschnitten wird. Die Beschneidung ist ein Symbol dafür, dass wir bereit sind, unsere eigenen liebgewordenen Ideen aufzugeben.

[1:02:04] Wenn wir dazu nicht bereit sind, können wir Gottes Auftrag nicht erfüllen. Mose konnte nicht Gottes Leiter für Gott sein, wenn er nicht seine liebgewordenen Ideen aufgegeben hätte.

[1:02:17] Und so sagt Ellen White: „Mit seiner Sendung zu Pharao in eine Lage, die nicht ungefährlich war. Zwar waren die tot, die ihm nach dem Leben trachteten, aber trotzdem war das gefährlich. Nur unter dem Schutz heiliger Engel blieb sein Leben darin bewahrt. Aber bei nachlässiger Erfüllung der ihm gut bekannten Pflichten hätte er sich nicht sicher fühlen dürfen, denn dann konnten ihn die Engel Gottes nicht mehr schützen.“

[1:02:38] Lieber Freund, liebe Freundin, wir dürfen nicht Dinge einfach schleifen lassen, obwohl wir wissen, dass sie wichtig sind.

[1:02:44] In der Zeit der Trübsal, unmittelbar vor der Wiederkunft Christi, werden auch die Gerechten durch himmlische Engel behütet, aber die Übertreter des Gesetzes Gottes können nicht mit Schutz rechnen. Wir können nicht sagen: „Na ja, ist auch egal, was ich mache. Gott wird immer für mich da sein, mich immer behüten, immer beschützen.“ Nein, nein, nein, nein, nein. Die Geschichte von Mose ist ganz deutlich: Wir müssen auch Gottes Wort halten.

[1:03:05] Er gibt die Kraft. Er zeigt uns, was er von uns möchte. Aber wir müssen auch bereit sein, es zu tun.

[1:03:12] „Wenn sie auch nur eine göttliche Verordnung unbeachtet lassen, können nicht einmal Engel sie beschützen.“

[1:03:18] Das sagt übrigens auch etwas darüber aus, was der Heilige Geist in uns tun möchte bezüglich des Haltens des Gesetzes in der Endzeit.

[1:03:27] „Und der Herr sprach zu Aaron: ‚Geh hin, Mose entgegen in die Wüste.‘ Da ging er hin und traf ihn am Berg Gottes.“ Halten wir fest.

[1:03:36] Gott beruft den Mose, und er beruft den Aaron. Wenn Gott dich beruft, beruft er auch noch andere, die dir helfen. Gott beruft uns selten ganz alleine. Er beruft Menschen mit verschiedenen Gaben, verschiedenen Fähigkeiten, damit wir zusammenarbeiten für ihn. Und er beruft uns so, dass wir uns auch treffen. Die treffen sich am Berg Gottes. Sie küssen sich. Und Mose verkündete Aaron alle Worte des Herrn, der ihn gesandt hatte, auch alle Zeichen, die er ihm befohlen hatte.

[1:03:59] Und wenn wir uns jetzt vorstellen, dass Mose dort in Midian, wahrscheinlich irgendwo so im heutigen Südjordan, gelebt hat, irgendwo dort, und der Aaron aus dem Ostdelta kommt, aus Ostägypten, und die sich auf dem Weg treffen, dann ist das sehr merkwürdig, wenn der Berg Sinai, an dem sie sich treffen, in Nord-Nordwest-Saudi-Arabien liegen soll, wie das immer wieder ja behauptet wird. Wir werden heute nicht ausführlicher darüber sprechen. Ich will es auch schon mal andeuten. Wir werden uns die Lage damit genau beschäftigen. Nicht halsnotwendig. Ich möchte darauf hinweisen, dass nach der Bibel – das ist so ein Kapitel, das man meistens übersieht, man schaut dann nach der Exodus-Route, man liest das alles und überlegt, was am besten passen könnte – aber schon in 2. Mose 4 wird deutlich: Der Sinai muss irgendwo dort liegen, dass jemand, der aus Ägypten kommt, und jemand, der aus Midian kommt, dass sie sich dort auf dem Weg treffen.

[1:04:59] Das sagt der Bibeltext.

[1:05:01] Mose ist ja nicht in die andere Richtung gelaufen, um dann Aaron zu treffen.

[1:05:07] Das scheint schon ein bisschen vielleicht für die Sinai-Halbinsel zu sprechen, aber dazu dann ein anderes Mal mehr.

[1:05:17] Das heißt, auf die Weisung von Engeln machte sich Aaron auf, um seinem Bruder zu begegnen, von dem er schon so lange getrennt war. Sie trafen sich in der Wüste unweit des Horeb. Ehe sie Ägypten erreichten, schien es Mose doch geraten, Zippora und seine Söhne aus Sicherheitsgründen nach Midian zurückzuschicken.

[1:05:37] Und dann heißt es: „Da gingen Mose und Aaron hin und versammelten alle Ältesten der Kinder Israels. Und Aaron redete alle Worte, die der Herr zu Mose gesprochen hatte. Und er tat die Zeichen vor den Augen des Volkes. Da glaubte das Volk.“ Und als sie hörten, dass der Herr sich...

[1:05:54] Und als sie hörten, dass der Herr sich der Kinder Israels angenommen und ihr Elend angesehen habe, dann neigten sie sich und beteten an. Die Botschaft der Erlösung führt zur Anbetung.

[1:06:09] Jetzt geht's los, und in der nächsten Woche werden wir sehen, wie dieses Geschehen sich jetzt in Ägypten entfaltet. Aber halten wir fest: Heute begegnet Jesus uns, um uns zu senden.

[1:06:16] Wir haben heute so viel Interessantes gelernt. Gott hat zu uns gesprochen. Wollen wir am Ende noch einladen, dass er durch den Heiligen Geist unsere Entscheidung, seinem Ruf zu folgen, unsere Entscheidung nach bestem Wissen und Gewissen in seiner Kraft durch seinen Heiligen Geist auch zu halten, was er sagt, dass er diese Entscheidung versiegelt und er uns segnet, wenn wir alle unsere Kräfte in seine Hand legen? Wollen wir ihn darum bitten?

[1:06:43] Lieber Vater im Himmel, danke, dass du in deinem Wort zu uns sprichst. Danke, dass du uns so lieb hast. Danke, dass wir uns auf dich verlassen können, so viele interessante Dinge uns zeigst und auch ermahnst. Und Herr, wir möchten aus der Geschichte von Mose lernen. Wir möchten von all den guten Entscheidungen lernen, die er getroffen hat, auch von seinen Fehlern lernen, die du aufgeschrieben hast, damit wir sie nicht alle wiederholen oder wenn wir sie schon getan haben, dass wir sie endlich sein lassen und bleiben lassen.

[1:07:13] Herr, wir möchten dir heute, weil du zu uns gesprochen hast – das haben wir ganz deutlich gehört –, möchten wir alle unsere Geisteskräfte, unsere Talente, Gaben, Fähigkeiten, unseren Einfluss, was immer wir sind, in deine Hand legen und sehen, was du bewirken kannst, was wir alleine niemals hätten schaffen können. Wenn wir Zweifel haben, dann erinnere uns daran, dass du mit uns bist, dass du mit unserem Mund bist, mit unseren Ohren, mit unseren Augen, mit unseren Händen, Füßen, unserem Gehirn, dass du mit uns bist und dass du andere berufst, die uns helfen in unserem Auftrag, den wir zusammenarbeiten, zu deiner Ehre. Hab Dank dafür von ganzem Herzen. Lass uns deine Diener und deine Boten sein im Namen Jesu. Amen.


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