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Präsentation zur Sendung   >>>  CSH Q 3 2025 Nr. 3   <<<

In dieser Folge der CSH Spezialserie über das Buch Exodus beleuchtet Christopher Kramp die Kapitel 5 und 6. Er analysiert die erste Konfrontation zwischen Mose, Aaron und dem Pharao, dessen harte Reaktion die Arbeitsbedingungen der Israeliten drastisch verschärft. Anhand archäologischer Funde und historischer Kontexte wird die Bedeutung des Strohs für die Ziegelproduktion und die Auswirkungen der erhöhten Lasten auf das Volk Israel veranschaulicht. Die Episode zeigt, wie diese Krise die Israeliten an den Rand der Verzweiflung treibt und ihren Glauben auf die Probe stellt.


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Serie: CSH 2025 Q3 Spezial: Exodus

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Transkript

[0:05] [Musik] [Applaus]

[0:34] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Ein herzliches Willkommen gilt wie immer allen Zuschauern auf dem Sender Das Wort zur dritten Folge unserer CSH Spezialserie über das Buch 2. Mose. Wir wollen in dieser Serie, in diesen Wochen uns von verschiedenen Perspektiven, unter anderem auch aus dem Blickwinkel der Archäologie und der antiken Geschichte, den Exodus, den Ausweg, Gottes Rettung für sein Volk aus Ägypten, wie es in diesem wunderbaren Buch beschrieben ist, genauer anschauen. Und wir wollen uns heute mit Kapitel 5 und 6 näher beschäftigen. Wir haben bereits gesehen, dass dieses Buch eine Fundgrube ist. Zum einen für interessante Parallelen zu außerbiblischem Material, aber insbesondere für eine echte, lebendige Begegnung mit unserem Schöpfer und Erlöser. Wir lernen in diesem Buch, wie Gott unser Leid sieht, wie er uns retten möchte, uns rettet und dann auch ans Ziel führt.

[1:54] Wir möchten euch einladen, unser Bibelstudium und unser Studium der Geschichte zu den biblischen Texten heute besonders zu segnen. Und ich lade dich ein, dass wir gemeinsam mit einem Anfangsgebet beginnen. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen, dass du uns immer richtig führst, immer so wie es das Beste für uns ist, auch wenn das nicht immer für uns gleich so sichtbar ist. Herr, wir möchten lernen, dir zu vertrauen, koste es, was es wolle. Wir möchten dich bitten, dass du jetzt mit deinem Heiligen Geist an unseren Herzen wirkst, dass wenn wir dein Wort lesen, wir es so verstehen, wie du es gemeint hast. Wir möchten dich bitten, dass du direkt zu mir und zu jedem von uns persönlich sprichst, dass deine Botschaft unser Herz erreicht. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.

[2:56] Heute soll es, wie gesagt, um 2. Mose Kapitel 5 und 6 gehen. Wir haben aufgehört in 2. Mose 4 damit, dass Mose und Aaron in Ägypten angekommen sind und mit dem Volk Israel gesprochen haben, dass diese Botschaft von Gottes Rettung dankbar glaubend annimmt und anbetet. Nun gehen die beiden zum Hof des Pharao. Wir lesen in "Patriarchen und Propheten" Seite 234: "Die beiden Brüder betraten daher den Palast der Pharaonen als Gesandte des Königs der Könige und verkündigten in seinem Namen."

[3:42] Und hier haben wir die Geschichte, 2. Mose Kapitel 5, Vers 1 bis 5. Aaron und Mose sahen vielleicht wie einfache Männer aus, aber sie waren Gesandte des Königs der Könige. Und wenn wir uns bewusst machen, dass Jesus auf unserer Seite ist, dann ist es vollkommen egal, wo wir sind. Auch wenn wir vor Menschen stehen, vor denen wir vielleicht aus menschlicher Perspektive uns fürchten müssten. Wenn wir wissen, dass der König der Könige uns beauftragt, dann müssen wir vor keinem Menschen zittern.

[4:26] 2. Mose 5, Vers 1 bis 5: "Danach gingen Mose und Aaron hinein und sagten zu dem Pharao: 'So spricht der Herr, der Gott Israels, lass mein Volk ziehen, damit es mir in der Wüste ein Fest hält.' Der Pharao antwortete: 'Wer ist der Herr, dass ich auf seine Stimme hören sollte, um Israel ziehen zu lassen? Ich kenne den Herrn nicht und ich will Israel auch nicht ziehen lassen.' Und sie sprachen: 'Der Gott der Hebräer ist uns begegnet. Wir wollen drei Tage reisen, in die Wüste ziehen und dem Herrn, unserem Gott, Opfer darbringen, damit er uns nicht mit der Pest oder mit dem Schwert schlägt.' Da sprach der König von Ägypten zu ihnen: 'Mose und Aaron, warum zieht ihr das Volk von ihren Pflichten ab? Geht hin an eure Lasten.' Weiter sprach der Pharao: 'Siehe, es ist schon zu viel Volk im Land und ihr wollt sie noch von ihren Lasten ausruhen lassen.'"

[5:28] Interessant ist, dass die hebräische Wurzel dieses Wortes "ausruhen" letztlich das Wort Sabbat ist, das Wort, das letztlich uns auch den, also hinter dem Wort Sabbat steht. Hier haben wir bereits eine Andeutung, dass Mose und Aaron nicht einfach nur dem Volk gesagt haben, dass sie frei werden, sondern dass sie ihnen auch die Prinzipien Gottes und die Lehren Gottes und die Gebote Gottes nahegelegt haben. Und das werden wir jetzt gleich noch ein bisschen ausführen.

[6:05] Freie Tage waren im alten Ägypten eigentlich nicht mal etwas Ungewöhnliches. Es gibt einige Ostraka, das sind so beschriebene Tonscherben, wenn man etwas schnell schreiben wollte, nicht besonders feierlich aufsetzen musste. Dann hat man so Tonscherben genommen, die gab's ja überall. Es gab überall Tonkrüge; wenn die kaputt gingen, hat man sozusagen die Scherben recycelt, äh, wiederverwendet, besser gesagt, und da so als Notizzettel dann gebraucht. Diese Ostraka haben alle möglichen Texte. Wir finden Ostraka aus Deir el-Medina und dem Tal der Könige, und dort zeigt sich, dass die Arbeiter, die dort an den Bauwerken gearbeitet haben, zu der Zeit im Neuen Reich wird ja nicht mehr an Pyramiden gebaut. Pyramiden, äh, das ist eine vergangene Epoche, aber es werden große Tempel gebaut, es werden Paläste und Grablagen und all so etwas gebaut. Und es zeigt sich, dass die Arbeiter dort durchaus freie Tage nehmen konnten, sagen konnten: "Ich möchte gerne jetzt hier ein paar Tage frei haben", teilweise sogar eine Woche oder sogar bis zu zwei Wochen am Stück. Und was für unsere Zwecke hier so interessant ist, ist, dass man dabei immer wieder religiöse Gründe angeführt hat. Das heißt also, der Arbeiter so und so arbeitet jetzt drei Tage nicht, weil er seiner Gottheit so und so ein Opfer bringen möchte.

[7:32] Als Mose also diese Bitte vorträgt: "Bitte gib uns die Gelegenheit, dass wir drei Tage reisen, in die Wüste gehen, um unserem Gott zu opfern", dann war das also nichts Außergewöhnliches. Es war nichts, was man noch nie gehört hätte, sondern etwas, das andere Arbeiter immer und immer wieder auch ja ermöglicht bekamen.

[7:57] In etwas späterer Zeit, in der Zeit von Ramses II., schon im 13. Jahrhundert vor Christus, da haben wir so eine Lederrolle aus dieser Zeit, und die berichtet ebenfalls von freien Tagen. Da gibt es zum Beispiel dann den Monat Schemu I, also Schemu ist eine Jahreszeit. Es gab drei wesentliche Jahreszeiten und dann jeweils vier Monate dieser Jahreszeit zugeordnet, sag mal so Schemu 1, 2, 3 und 4. Und am ersten Tag des ersten Schemu-Monats war zum Beispiel das Erntefest einer Göttin, und entsprechend finden wir in dieser Lederrolle, dass zum Beispiel am ersten Tag und auch am 7. und 8. Tag dieses Schemu-I-Monats freie Tage waren, dass dort keine Ziegelabgaben notwendig gewesen sind. Also wir finden, dass diese Idee durchaus etwas ist, was in der Zeit des Neuen Reiches Gang und Gäbe gewesen ist. Und doch möchte der Pharao den Hebräern diese Bitte nicht gewähren.

[9:03] Wir lesen hier: "Die Kunde von diesen beiden Männern und von der Erregung, die sie beim Volk erweckt hatten, war schon bis zum König gedrungen." Wir hatten am Ende von Kapitel 4 gesehen, dass das Volk glaubte und anbetete. Und wenn wir das hier dazunehmen, dann sehen wir, es hat wohl tatsächlich so eine Art religiöse Erweckung gegeben, eine Begeisterung, eine Erwartung, dass Gott Großes für das Volk tun wird. Und das hatte sich verbreitet im Land Ägypten und war bis zum Pharao gedrungen. "Schon hatte das Reich durch die Einmischung dieser Fremden Einbußen erlitten." Offensichtlich haben Menschen angefangen, bereits zum Beispiel den Sabbat wiederzuhalten.

[9:43] Nächste Seite: "In der Knechtschaft hatten die Israeliten das Verständnis für das göttliche Gesetz bis zu einem gewissen Grade verloren und waren davon abgewichen." Die Väter, die Patriarchen des Volkes Israel, Abraham, Isaak, Jakob, kannten ja das Gesetz Gottes. Das wird ganz deutlich, wenn man zum Beispiel in 1. Mose 26 liest, was Gott dort über Abraham zu Isaak sagt. Vielleicht kann ich das kurz hier einmal vorlesen, in 1. Mose 26 und dort in Vers 5 sagt Gott: "Weil Abraham meiner Stimme gehorsam gewesen ist und meine Rechte, meine Gebote, meine Satzungen und meine Gesetze gehalten hat." Also Abraham kannte schon das Gesetz Gottes. Es ist nicht so, wie viele denken, dass erst dann am Sinai Gott zum allerersten Mal diese Prinzipien der Zehn Gebote den Menschen mitgeteilt hätte. Den Sabbat kannte man ja schon seit den Tagen von Adam und Eva. Die Israeliten wussten eigentlich davon, aber das Verständnis, sagt sie hier, war bis zu einem gewissen Grade verloren gegangen. Man hatte das nicht mehr so gehalten. Man hat es vielleicht noch ein bisschen im Hinterkopf gehabt, dass da man früher da diese Tradition vielleicht gehabt hat, wie man es dann empfunden haben mag. Es heißt jedenfalls: "Der Sabbat wurde allgemein vernachlässigt. Man hat das nicht mehr so für voll genommen, nicht mehr so ernst genommen, und die Forderung der Frondvögte machten seine Beobachtung, wie es schien, unmöglich."

[11:22] "Aber Mose zeigte seinem Volk, dass Gehorsam gegenüber Gott die erste Bedingung für die Befreiung war." Das ist ein sehr interessantes Konzept hier. Halten wir fest: Es sagt, dass Gehorsam gegenüber Gott die erste Bedingung für die Befreiung war. Es ist nicht so, dass Gott sagt: "Okay, ihr könnt sündigen, wie ihr wollt, und mache ich euch frei, und dann vielleicht irgendwann später werdet ihr vielleicht mal gehorsam sein."

[11:54] Wichtig dabei ist zu betonen, dass aller Gehorsam gegenüber Gott letztlich nur, was heißt letztlich, überhaupt nur möglich ist durch Gottes Kraft und durch seinen Heiligen Geist, und dass wir niemals durch eigenen Gehorsam, durch eigene Werke aus eigener Kraft Gott erst beeindrucken müssen oder überstimmen müssen oder irgendwie veranlassen müssen, uns zu befreien. Das heißt, Gott rettet uns nicht, weil wir gehorsam gewesen sind. Aber wenn wir gar nicht zeigen, dass wir ihm gehorsam sein möchten, wenn wir kein Interesse an seinem Wort haben, dann kann er auch keine großen Dinge für uns tun.

[12:34] Die erste Bedingung für die Befreiung war Gehorsam gegenüber Gott. Und das Bestreben, den Sabbat wiederzuhalten, war ihren Unterdrückern bekannt geworden. Die Erweckung, von der wir gerade gesprochen haben, der Glaube, das hat ja, das haben wir gesehen in 2. Mose Kapitel 4, dass das Volk glaubte und anbetete. Das hatte eben halt auch Auswirkung. Das war ein Glaube, der sich in der Tat zeigte. Das war keine Werksgerechtigkeit, mit der man jetzt versuchte, den Sabbat zu halten, um zu denken, na ja, dann können wir Gott überreden, dass er uns rettet. Nein, Gott hat ja bereits versprochen, sie zu retten, und der Glaube an die Verheißung führte jetzt zu einem Bestreben, den Sabbat wieder zu halten und entsprechend zu Konflikten mit den Aufsehern und letztlich damit dem ägyptischen Staat. Die Krise in Ägypten damals war auch eine Sabbatkrise, eine Krise um das Halten des Sabbats.

[13:40] Wir lesen weiter in 2. Mose 5, Vers 6 bis 9: "Und der Pharao gab an demselben Tag den Treibern des Volkes und seinen Aufsehern Befehl und sprach: 'Ihr sollt dem Volk kein Stroh mehr geben zum Ziegelstreichen wie gestern und vorgestern. Lasst sie selbst hingehen und sich Stroh zusammensuchen. Ihr sollt ihnen aber dennoch die bestimmte Zahl Ziegel auferlegen, die sie gestern und vorgestern gemacht haben, und davon nichts nachlassen, denn sie sind faul. Darum schreien sie und sprechen: 'Wir wollen hingehen und unserem Gott Opfer darbringen.' Schwer soll die Arbeit auf den Leuten lasten, sodass sie damit zu schaffen haben und nicht auf trügerische Worte achten.'" Das Mittel des Pharao gegen diese Erweckungsbewegung, die durch Mose und Aaron hier in das Volk gekommen ist, war Unterdrückung, mehr Arbeit.

[14:40] Entsprechend lesen wir hier: "Ganz erregt antwortete der König. Die Israeliten planten Empörung gegen ihre Dienstpflicht. Da Unzufriedenheit meistens die Folge von Müßiggang sei, wollte er schon dafür sorgen, dass ihnen keine Zeit zu gefährlichen Plänen blieb. Schlagartig traf er Maßnahmen, die Zügel noch straffer anzuziehen und die Neigung zur Unabhängigkeit zu unterdrücken. So erließ er noch am selben Tage Befehle, wodurch der Dienst der Hebräer noch grausamer und drückender wurde. Das übliche Baumaterial jenes Landes war der sonnengetrocknete Ziegel. Die Mauern der vornehmsten Häuser wurden daraus gebaut und dann mit Stein verkleidet. Die Ziegeleien beschäftigten dazu eine große Anzahl Sklaven. Zu ihrer Arbeit brauchten sie riesige Mengen geschnittenes Stroh, das man mit Lehm vermischte, um das Ganze zusammenzuhalten."

[15:29] Wir haben bereits dieses Grab des Wesir Rechmire gesehen in der ersten Folge und haben damals schon festgestellt, dass hier zur Zeit von Thutmosis III., also ziemlich genau in der Zeit, die wir hier im Exodus vor Augen haben, Kriegsgefangene aus Palästina, aus Syrien, sogar im Süden Ägyptens in Oberägypten diese Sklavenarbeit verrichten mussten und die Ziegel herstellen mussten. Dazu benutzten die Ägypter einheimische Aufseher und Vorarbeiter aus den jeweiligen gefangenen Gruppen.

[16:06] Hier sehen wir das ganze Bild noch einmal in einer wissenschaftlichen Ausgabe als Umriss. Wir sehen links oben den Teich, aus dem das Wasser geholt wird, um dann mit dem Wasser den Lehm entsprechend formbar zu machen. Und dann werden, das sieht man oben in der Mitte, diese Ziegel dort hergestellt und dann getrocknet, bevor sie dann weiter verarbeitet werden. Ganz berühmte Illustration, die uns zeigt, wie die Israeliten ungefähr hier gearbeitet haben, und die Hieroglyphen kommentieren das entsprechend über diese Kriegsgefangenen. Und hier haben wir weiter oben das Bild von diesen Arbeitern, die diese Ziegel dann auch schleppen und an ihren jeweiligen Ort bringen.

[17:01] Aus etwas späterer Zeit stammt der Papyrus Anastasi 3. Das ist ungefähr die Zeit von Merenptah, 1220 vor Christus ca. Das ist dann also die Zeit, wo die Israeliten schon in Israel sind. Aber auch hier finden wir einen interessanten Hinweis auf diese Idee von täglichen Ziegelrationen, die abgeliefert werden müssen. Es heißt im Text unter anderem: "Im gesamten Bereich der Bautätigkeiten machen die Männer Ziegel in ihren..." Dann kommt ein Wort, das nur ein einziges Mal im gesamten ägyptischen Korpus belegt ist, wo man nicht genau weiß, was es heißt. Aber dann heißt es: "Sie machen ihre bestimmte Zahl täglich." Also wir sehen hier diese Idee, dass die Sklaven, die Arbeiter, eine bestimmte Ration erfüllen müssen auf einer täglichen Basis, ist tatsächlich auch in ägyptischen Quellen gut belegt.

[17:51] Aus derselben Zeit stammt auch Papyrus Anastasi 4, und dort haben wir den Bericht eines Ägypters, der an einem Außenposten sich ziemlich verloren vorkommt und sich beschwert und dann Folgendes sagt: "Ich befinde mich in Kenkento ohne Ausrüstung, und es gibt weder Männer hier, um Ziegel zu machen, noch Stroh in der Umgebung." Und auch hier haben wir einen Hinweis darauf, wie wichtig das Stroh gewesen ist, um Ziegel überhaupt zu machen. Also ein Ägypter beschwert sich: "Es gibt ja nicht mal Stroh. Wie soll man da sozusagen Ziegel machen?" Wir können also verstehen, warum die Israeliten, die Hebräer, warum das so eine große Dramatik für sie war, als man ihnen plötzlich sagte, sie erhalten kein Stroh und müssen es erstmal selber suchen.

[18:41] Aus der Zeit von Ramses II., die schon gerade erwähnte und kurz zitierte Lederrolle, sie zeigt, dass damals jeder Aufseher für 2000 Ziegel täglich sorgen musste. Das heißt natürlich, dass der Aufseher die nicht selbst gemacht hat. Das hätte er gar nicht geschafft und zeigt uns also, dass es hier so ein hierarchisches System gegeben hat. Auch hier lernen wir, dass das Stroh verwendet wird, und zwar, weil dadurch der Lehm besser bearbeitet werden kann. Also, wenn man in den Lehm dieses Stroh reinstreut, dann kann man letztlich dann halten die Ziegel auch besser zusammen, dann haben sie eine bessere Qualität. Also das sozusagen der Hintergrund.

[19:28] Wir lesen weiter ab Vers 10: "Da gingen die Treiber des Volkes und seine Aufseher hinaus, redeten mit dem Volk und sprachen: 'So spricht der Pharao: Ich gebe euch kein Stroh mehr. Geht ihr selbst hin, holt euch Stroh, wo ihr es findet, aber von eurem Tagewerk wird euch nichts erlassen.' Da zerstreute sich das Volk im ganzen Land Ägypten, um Stoppeln zu sammeln, damit sie gehacktes Stroh hätten. Und die Treiber trieben sie an und sprachen: 'Erfüllt euer bestimmtes Tagewerk, wie zuvor, als ihr noch Stroh hattet.'" Dieser Befehl brachte große Not über alle Israeliten im Land.

[20:05] Die ägyptischen Frondvögte hatten hebräische Aufseher dazu bestimmt, das Volk zu überwachen, und sie waren für die Arbeit ihrer Untergebenen verantwortlich. Das ist genau dieses System. Man hatte also hebräische Aufseher, die sozusagen einer kleinen Arbeitsgruppe vorstehen, und dann die Frondvögte, die eigentlichen ägyptischen Aufseher, die sozusagen die entsprechenden Rationen dann abgeben mussten.

[20:27] Als nun die harte Verordnung des Königs in Kraft trat, zerstreute sich das Volk Israel über das ganze Land, um an Stelle von Stroh die Stoppeln vom Felde zu sammeln. Dadurch aber war es ihnen unmöglich geworden, dasselbe Arbeitspensum wie bisher zu leisten. Für diesen Ausfall wurden die hebräischen Aufseher grausam geschlagen, und Grausamkeit war damals in der Antike natürlich ein großes alltägliches Thema.

[20:53] Das hat eine Folge: Die Hebräer sind völlig verzweifelt, und die Aufseher der Kinder Israels, welche die Treiber des Pharao über sie gesetzt hatten, wurden geschlagen, und es wurde zu ihnen gesagt: "Warum habt ihr weder heute noch gestern euer Maß an Ziegeln erfüllt, wie zuvor?" Da gingen die Aufseher der Kinder Israels hinein und schrien zu dem Pharao und sprachen: "Warum behandelst du deine Knechte? Man gibt deinen Knechten kein Stroh und spricht zu uns: 'Macht die Ziegel!' Und siehe, deine Knechte werden geschlagen. Dein Volk versündigt sich." Er aber sprach: "Ihr seid faul. Faul seid ihr. Darum sprecht ihr: 'Wir wollen hingehen und dem Herrn Opfer darbringen.' So geht nun hin. Arbeitet. Stroh soll man euch nicht geben, aber die bestimmte Anzahl Ziegel sollt ihr liefern."

[21:34] Offensichtlich, und das wird hier von Ellen White auch so kommentiert, haben die Israeliten zunächst gar nicht verstanden, dass das tatsächlich eine Anordnung von ganz oben vom Pharao selbst gewesen ist. In der Meinung, diese Härte käme von den Frondvögten und nicht vom König selbst, beschwerten sie sich bei ihm, aber Pharao wies ihren Einspruch höhnisch zurück.

[21:56] Wir lesen weiter in Vers 19: "Da sahen die Aufseher der Kinder Israels, dass es mit ihnen schlimm stand, weil man sagte, ihr sollt nichts nachlassen von der Zahl der Ziegel, die ihr täglich zu liefern habt. Und als sie von dem Pharao hinausgingen, trafen sie Mose und Aaron an, die dort standen und auf sie warteten. Da sprachen sie zu ihnen: 'Der Herr sehe auf euch und richte es, dass ihr uns verhasst gemacht habt vor dem Pharao und seinen Knechten und ihnen das Schwert in die Hand gegeben habt, um uns zu töten.'"

[22:23] Die Hebräer sind aufgebracht. Sie waren begeistert gewesen, als Mose und Aaron davon sprachen, dass Gott sie befreien möchte, dass er sie in das gelobte Land bringen möchte, waren begeistert, dass die alten Verheißungen, die Abraham, Isaak und Jakob weitergegeben hatten, dass sie sich jetzt erfüllen sollten. Aber als dann plötzlich es ganz anders kommt, als statt der erwarteten Befreiung es alles noch viel schlimmer kommt, sind sie völlig aufgebracht. Und vielleicht hast du das auch schon erlebt, lieber Freund, liebe Freundin, dass man die Verheißung Gottes in Anspruch nimmt...

[22:55] Verheißung Gottes in Anspruch nimmt, dass man eine persönliche geistliche Erweckung erlebt und plötzlich geht das Leben noch weiter bergab. Die Schwierigkeiten nehmen noch zu. Das Leben wird nicht einfacher, sondern noch schwerer. Und es stellt sich die Frage: Was ist hier los? Hat Gott uns etwas Falsches versprochen?

[23:18] Die Hebräer sind aufgebracht, weil statt der versprochenen Verheißung der Befreiung ihr Leben jetzt wirklich kaum noch zu ertragen ist.

[23:33] Bekümmert hörte sich Mose diese Vorwürfe an. Die Leiden seines Volkes waren inzwischen noch größer geworden. Wir müssen uns mal in die Lage von Mose versetzen. Der kommt mit dieser Botschaft, predigt mit Begeisterung, sieht, dass das Volk glaubt und möchte, und dann wird alles nur schlimmer. Im ganzen Land hob sich ein Verzweiflungsschrei von Jung und Alt, und alle waren sich darin einig, ihn für die unheilvolle Änderung ihrer Lage verantwortlich zu machen. Denn ohne die Erweckung, ohne diese Aufbruchstimmung, ohne den Versuch, den Sabbat zu halten – all die Dinge, die wir gerade gelesen haben – hätte es ja einfach keine Verschlechterung gegeben. Es wäre einfach so schlimm weitergegangen wie bisher.

[24:23] Die Israeliten sahen nicht, dass sie Teil dieses großen Kampfes waren, dass der Satan versuchte, die Rettung, die Gott versprochen hatte, irgendwie aufzuhalten. Und manchmal sehen wir nicht auch in unserem Leben, dass wenn Gott anfängt Großes zu tun, es der Satan ist, der mit Schwierigkeiten uns entmutigen möchte, bevor es richtig losgeht.

[24:54] In der Bitterkeit seines Herzens wandte er sich an Gott und flehte ihn an. Und das ist ein guter Grundsatz: Wenn wir mit Begeisterung für Gottes Wort in der Gemeinde wirken wollen, aber statt, dass es besser wird, wird alles noch scheinbar schlimmer und Menschen machen uns verantwortlich dafür, dann können wir uns immer an Gott wenden.

[25:16] Wir lesen weiter, Vers 22: „Da wandte sich Mose an den Herrn und sprach: ‚Herr,‘“ und jetzt kommt die Frage, die Gott wahrscheinlich wie keine andere Frage schon seit Jahrtausenden immer und immer wieder gehört hat: „‚Warum, Herr, warum lässt du dein Volk so schlecht behandeln? Warum hast du mich hergesandt?‘“

[25:38] Der Exodus hat gar nicht richtig begonnen, und schon stellt Mose diese Frage: Warum? Warum bin ich eigentlich hier?

[25:52] „Denn seit ich hineingegangen bin zum Pharao, um in deinem Namen zu reden, hat er dieses Volk schlecht behandelt, und du hast dein Volk gar nicht errettet.“ Mose war gekommen als Botschafter der Befreiung, aber wo war die Befreiung? Hast du auch schon erlebt, dass du Erlösung gepredigt hast, das Evangelium gepredigt hast, aber den Menschen, die es im ersten Moment mit Freude aufgenommen haben, ging es danach schlechter? Und sie fragten sich: Wo ist denn jetzt die Errettung?

[26:27] Mose fragt: „Warum? Warum bin ich hier? Ich bin doch nicht von dir hergesandt, nur damit es dem Volk noch schlechter geht als vorher. Aber das ist das, was augenscheinlich das Resultat ist.“ Und hier ist ein Punkt, an dem wir lernen müssen, wie Mose Glauben zu haben, dass wenn die Augen und die Ohren und unsere Sinne uns den Eindruck vermitteln, dass alles schlechter geht, dass Gott keinen Fehler gemacht hat.

[26:54] Da sprach der Herr zu Mose: „Nun sollst du sehen, was ich dem Pharao tun will.“ Gott hat seinen Plan nicht aufgegeben. Er sagt: „Durch eine starke Hand gezwungen wird er sie ziehen lassen und durch eine starke Hand gezwungen wird er sie aus seinem Land treiben.“

[27:13] Und Gott redete mit Mose und sprach zu ihm: „Ich bin der Herr.“ Und hier steht wieder der Name Gottes JHWH. Wir haben in der letzten Folge etwas darüber gesprochen. „Ich bin Abraham, Isaak und Jakob erschienen als Gott der Allmächtige, El Shaddai, aber mit meinem Namen Herr habe ich mich ihnen nicht geoffenbart.“ Mit anderen Worten, Gott sagt: Was du jetzt erleben wirst, ist etwas ganz Außergewöhnliches. Ihr werdet etwas, ihr erfahrt jetzt etwas über mich, was selbst Abraham, Isaak und Jakob nicht gewusst haben.

[27:56] Manchmal, wenn wir in solchen Situationen stecken wie die Israeliten, dann ist es einfach zurückzuschauen und sagen: Gott war damals mit Abraham und er war mit Isaak und mit Jakob. Und wir fragen uns, wo die Verheißungen geblieben sind, ob Gott immer noch derselbe ist wie früher, als alles so viel besser war. Aber Gott sagt nicht nur: „Schau her, ich werde für euch wirken, wie ich mit Abraham und mit Isaak und mit Jakob umgegangen bin.“ Er sagt nicht nur, ich bin derselbe. Er sagt sogar: „Ich zeige euch noch Dinge über mich, die Abraham, Isaak und Jakob noch nicht wussten.“

[28:29] Lieber Freund, liebe Freundin, wenn in der Auseinandersetzung deines Lebens Gott eingreift und der Satan versucht, dich zu entmutigen, dann wisse, dass Gott dir noch Dinge zeigen möchte über sich selbst, die andere vielleicht vorher noch nie verstanden haben.

[28:56] Gott möchte sein Wesen noch deutlicher, noch klarer, noch stärker dem israelitischen Volk offenbaren, als er es den Patriarchen getan hat. „Mit meinem Namen Herr habe ich mich ihnen nicht geoffenbart.“

[29:08] Und dann sagt er auch: „Habe ich meinen Bund mit ihnen aufgerichtet, dass ich ihnen das Land Kanaan geben will, das Land ihrer Fremdlingschaft, indem sie Fremdlinge gewesen sind?“ Gott sagt: Ich habe es ihnen versprochen, und mein Bund gilt. Und auch wenn momentan der Pharao die Daumenschrauben noch mehr anzieht, ändert das nichts an der Tatsache, dass ich Abraham, Isaak und Jakob geschworen habe, dass ihre Nachkommen nach Kanaan kommen werden.

[29:34] Er sagt weiter: „Und ich habe auch das Seufzen der Kinder Israels gehört, weil die Ägypter sie zu Knechten machen, und habe an meinen Bund gedacht.“ Gott sagt: Ich kenne das Seufzen der Israeliten. Wir haben das letzte Mal gesehen, wie Gott im brennenden Dornbusch genau das zu Mose gesagt hat: Ich habe es gesehen, ich habe es gehört, ich weiß es. Gott hat es selbstverständlich mitbekommen, dass die Schwierigkeiten jetzt noch größer wurden. Das ist nicht an Gott vorbeigegangen. Das ist nicht an Gott irgendwie vorbeigegangen, ohne dass er es gemerkt hätte. Er weiß es ganz genau, und so sagt er darum: „Sage den Kindern Israels: Ich bin der Herr und ich will euch aus den Lasten Ägyptens herausführen und will euch aus ihrer Knechtschaft erretten und will euch erlösen durch einen ausgestreckten Arm und durch große Gerichte. Und ich will euch als mein Volk annehmen und will euer Gott sein.“

[30:37] Wenn wir denken, alles ist nur schlimmer geworden, wo bleibt die Verheißung, sagt Gott: Ich stehe noch immer zu meinem Wort. Meine Absicht, mein Plan, dich zu retten, ist nicht geringer geworden, hat sich nicht geändert.

[30:50] Gott plant noch immer die Erlösung seines Volkes. Und hier haben wir das Wort direkt vor Augen. Wir sehen, der Exodus ist eine Erlösung und damit eine Illustration für die Erlösung aus der Sünde, die Gott uns allen anbietet.

[31:08] Er streckt seinen Arm aus und durch große Gerichte über die Ägypter erlöst er die Israeliten.

[31:17] Gott streckt seinen Arm aus. Er greift uns, wo wir sind. Und durch das Gericht über den Satan am Kreuz von Golgatha erlöst er uns.

[31:31] Und er sagt: „Ihr sollt mein Volk sein und ich will euer Gott sein.“ Wir werden im Zuge von 2. Mose 19 noch viel mehr darüber nachdenken, aber schon hier dürfen wir wissen: Das ist eine Beziehung. Gott sagt: Ich will einen Bund machen. Ihr sollt mein Volk sein, ich will euer Gott sein.

[31:47] Es sieht so aus, dass in altbabylonischer Zeit Ehen dadurch geschlossen worden sind, dass der Mann sagte: „Du bist meine Frau.“ Und die Frau sagte: „Du bist mein Mann.“ Das kann man aus den erhaltenen Dokumenten erahnen, ableiten, weil auch die Scheidungsformeln entsprechend sind: „Du bist nicht mehr mein Mann, du bist nicht mehr meine Frau“, weil die Adoptionsformeln so sind: „Du bist mein Kind, du bist mein Vater, meine Mutter“ und so weiter und so fort. Und jedes Mal, wenn die Bibel, oder oft wenn die Bibel davon spricht: „Mein Volk, ich will euer Gott sein“, dann schwingt diese Idee eines Ehebundes mit. Wir werden das noch genauer anschauen, wenn wir 2. Mose 19 anschauen, aber wir wollen das hier schon mal mit als Gedanken aufnehmen.

[32:49] Gott möchte einen ganz tiefen, engen Bund mit uns allen schließen. Er sagt: „Und ich will euch als mein Volk annehmen und will euer Gott sein, und ihr sollt erkennen, dass ich der Herr, euer Gott, bin, der euch aus dem Land – verzeih – der euch aus den Lasten Ägyptens herausführt. Und ich will euch in das Land bringen, um dessen Willen ich meine Hand zum Schwur erhoben habe, dass ich es Abraham, Isaak und Jakob gebe. Das will ich euch zum Besitz geben. Ich, der Herr.“

[33:19] Gott weist erneut auf diesen Bund hin, den er mit den Vätern geschlossen hatte, und er versicherte ihm, dass er ihn erfüllen werde. Nun, was war der ganze Grund? Warum lässt Gott das zu? Warum geht es nicht gleich sofort in die richtige Richtung und sofort so, wie wir uns das gedacht haben?

[33:38] „Patriarchen und Propheten“, Seite 237: „Die Hebräer hatten nicht damit gerechnet, dass sie ihre Freiheit erst nach außergewöhnlichen Glaubensprüfungen durch Leiden oder gar Not gewinnen würden.“

[33:51] „Sie waren auch noch gar nicht darauf vorbereitet. So glaubten sie nur ungenügend an Gott und wollten ihre Anfechtung nicht so lange geduldig ertragen, bis er sich bereit fände, ihnen zu helfen.“ Ja, wir haben gesehen, sie glaubten Gott, aber ihr Glaube war schwach und noch ungenügend.

[34:09] Ist dir bewusst, lieber Freund, liebe Freundin, dass Gott unseren Glauben wachsen lassen möchte, dass Gott unseren Glauben trainieren möchte? Unser Glaube ist sozusagen wie eine Art Muskel, der muss trainiert werden.

[34:27] „Viele wollten sogar lieber in der Knechtschaft bleiben, nur um den Schwierigkeiten zu entgehen, die der Auszug in ein fremdes Land mit sich brächte. Auch hatten sich manche den ägyptischen Sitten so stark angepasst, dass sie es vorzogen, in Ägypten zu bleiben. Darum errettete der Herr sie nicht gleich durch die erste Bekundung seiner Macht vor Pharao. Er fügte die Ereignisse sogar derart, dass der tyrannische Sinn des ägyptischen Königs erst die Oberhand gewann und er sich auch seinem Volke offenbaren konnte.“

[34:57] „Wenn sie dann seine Gerechtigkeit, Macht und Liebe sehen, würden die Hebräer Ägypten verlassen und ihm dienen wollen.“ Die Schwierigkeiten, die scheinbar ein Widerspruch waren zu der Verheißung, waren in Wirklichkeit Gottes Mittel, um das Volk auf die Befreiung vorzubereiten.

[35:15] Und wenn wir mit Begeisterung Gottes Wort annehmen, wenn wir es in Anspruch nehmen, was Gott uns verheißen hat, und plötzlich enorme Schwierigkeiten auf uns treffen, dann dürfen wir wissen: Gott hat uns nicht vergessen. Er hat uns nicht verlassen. Er will unseren Glauben stärken, testen und uns vorbereiten, damit wir dann die Erlösung umso mehr schätzen und verstehen, wie sehr er uns liebt.

[35:48] Die Schwierigkeiten, die wir uns oft nicht erklären können, sind Gottes Mittel, um uns auf die Erlösung vorzubereiten.

[35:59] Aber das sahen die Israeliten jetzt so noch nicht. In 2. Mose 6, Vers 9 heißt es: „Und Mose sagte dies den Kindern Israels, aber jetzt heißt es, sie hörten nicht auf ihn vor Missmut und harter Arbeit.“ Bei der ersten Begegnung mit Mose waren sie begeistert gewesen. Sie hatten geglaubt, sie hatten angebetet, aber die Schwierigkeiten führten jetzt zu echtem Unglauben. Sie hörten nicht auf ihn vor Missmut.

[36:23] Die Arbeit lag so stark auf ihnen. Da redete der Herr mit Mose, Vers 10, und sprach: „Geh hinein, sage dem Pharao, dem König von Ägypten, dass er die Kinder Israels aus seinem Land ziehen lassen soll.“

[36:43] Jetzt hat selbst Mose seine Fragen. Mose aber redete vor dem Herrn und sprach: „Siehe, die Kinder Israels hören nicht auf mich. Wie sollte denn der Pharao auf mich hören?“ Beim ersten Mal hatte er noch den Rückenwind, dass die Israeliten geglaubt hatten, dass sie angebetet hatten, dass sie anfingen, den Sabbat halten zu wollen. Da war so eine Bewegung entstanden, so eine Erweckung, und mit diesem Schwung, den man hat, wenn man weiß, ah, das Wort Gottes ist auf fruchtbaren Boden getroffen, das Wort Gottes bringt Frucht, man ist begeistert, man geht in die Schwierigkeit hinein. Das ist eine Sache.

[37:18] Aber jetzt, nachdem der Pharao ihn bereits weggeschickt hatte, wo beim ersten Mal bereits die Botschaft nur zu einer Verschlechterung geführt hat, jetzt noch mal hingehen, dasselbe sagen, obwohl jetzt das Volk Israel nicht mehr hinter ihm stand.

[37:39] Die Ausgangslage hatte sich deutlich verschlechtert.

[37:43] Mose versucht, das Gott deutlich zu machen: „Siehe, die Kinder Israels hören nicht auf mich. Wie sollte denn der Pharao auf mich hören, wenn selbst sie nicht glauben? Wie um alles in der Welt wird der Pharao auf Mose hören?“

[38:02] „Dazu habe ich unbeschnittene Lippen.“ Wir neigen dazu, mutig zu sein für den Glauben, wenn wir in so einer religiösen Begeisterung sind, wenn wir erlebt haben, dass Gottes Wort uns und andere segnet. Wenn wir sehen, wie Erweckung geschieht, wenn Menschen ihr Leben Gott übergeben, wenn sie positive Entscheidungen fällen, dann haben wir Mut, für das Wort Gottes einzustehen und vor den Pharao zu treten.

[38:23] Aber wenn in unserer eigenen Gemeinde niemand mehr auf Gottes Wort hört, wenn wir missmutig geworden sind, weil wir sagen: „Na ja, Gott hat verheißen, dass er das und jenes tun wird, aber in meinem Leben funktioniert das nicht.“ Wenn wir im Sabbatgottesdienst nur noch hören, dass Leute enttäuscht sind und die Frage stellen, ob Jesus jemals wiederkommt, wo nehmen wir dann den Mut her, trotzdem vor den Pharao zu gehen und mutig für die Wahrheit einzustehen?

[38:59] Mose sagt: „Dazu habe ich unbeschnittene Lippen.“

[39:06] So redete der Herr mit Mose und Aaron und gab ihnen Befehl an die Kinder Israels und an den Pharao, den König von Ägypten, dass sie die Kinder Israels aus dem Land Ägypten führen sollten. Es ist fast so, als ob die Geschichte, bevor sie richtig losgeht, in eine Sackgasse geraten ist, als ob sie irgendwie nicht weitergeht.

[39:25] Mose selbst stellt die Frage: Wie soll das gehen? Es ist nichts von dem eingetroffen, was du gesagt hast. Und jetzt habe ich nicht mal Rückhalt mehr.

[39:33] Und genau an der Stelle gibt es einen interessanten Einschub.

[39:41] Hier an dieser Stelle, wo die Geschichte sich quasi in eine Sackgasse, so scheint es, manövriert hat, kommt etwas, was man meistens als extrem langweilig empfindet: ein Geschlechtsregister.

[39:54] 2. Mose 6 und dort ab Vers 14: „Dies sind die Söhne ihrer Vaterhäuser: Die Söhne Rubens, des erstgeborenen Sohnes Israels, sind diese: Hanoch und Pallu, Hezron und Karmi. Das sind die Geschlechter von Ruben. Die Söhne Simeons, des zweiten, sind diese: Jemuel und Jamin und Ohad und Jachin und Zohar und Schaul, der Sohn der kanaanäischen Frau. Das sind die Geschlechter Simeons. Dies sind die Söhne – verzeih – die Namen der Söhne Levis nach ihren Geschlechtern.“

[40:28] Und wer das Spezial gesehen hat, weiß, dass dieser Abschnitt hier in 2. Mose 6 auch für die Frage der Länge des Aufenthaltes der Israeliten in Ägypten von Interesse ist und sehr interessant und aufschlussreich.

[40:46] „Die Namen der Söhne Levis nach ihren Geschlechtern: Gerschon und Kehat und Merari. Und Levi wurde 137 Jahre alt.“

[40:55] Levi, der Stammvater der Leviten, aus dem ja dann auch Mose und Aaron – diese Sippe, die zum Volk wird – dann herauskommen, aus der sie kommen. Levi kommt von *lawa*, begleiten. Im Nifal, einer Stammform im Hebräischen, heißt das dann sich jemandem anschließen. Entsprechend sehen wir das ja bei Lea, als sie den Levi gebiert, dass sie sagt: „Jetzt wird sich mein Mann mir anschließen.“ Dieser Name gibt es auch außerhalb der Bibel, zum Beispiel im Amoritischen. Dort finden wir ihn zumindestens auch als Lawi mit einem Götternamen dann jeweils zusammengesetzt.

[41:43] Von Gerschon heißt es jetzt: „Die Söhne Gerschons sind diese: Libni und Schimi nach ihren Geschlechtern.“

[41:51] „Die Söhne Kehats seines Bruders sind diese: Amram und Jizhar und Hebron und Usiel.“ Die Bedeutung von Kehat ist unsicher. Könnte vielleicht was mit *yikhat* – Gehorsam – zusammenhängen, aber das ist unklar. „Und Kehat wurde 133 Jahre alt.“

[42:13] Auch von Kehat gibt es Namen, die vielleicht der gleiche Name sind in ähnlichen Sprachen imischen zum Beispiel.

[42:23] Aber warum erzählen wir das alles? Erstens, weil es hier in 2. Mose 6 der Reihe nach aufgezählt wird und weil wir dann als Sohn von Kehat den Amram haben.

[42:36] Amram bedeutet wörtlich: „Der Verwandte ist hoch“ oder „der Verwandte ist erhöht“. So ähnlich wie bei Abram. Abram bedeutet: „Der Vater ist erhöht“ oder „der Vater ist hoch“, und entsprechend Amram eben der Verwandte. Und es heißt in 2. Mose 6, Vers 20: „Und Amram nahm Jochebed, die Schwester seines Vaters, zur Frau, also seine Tante. Die gebar ihm Aaron und Mose, eigentlich Hebräisch Aharon.“

[43:08] Und dieser Name – über den Namen Mose haben wir schon einiges in der ersten Folge gesagt. Der Name Aaron ist unsicher, was er bedeutet, woher er kommt. Wahrscheinlich hat er möglicherweise ägyptische Wurzeln.

[43:33] Wir lesen weiter in 2. Mose 6, dort ab Vers 20: „Und Amram nahm Jochebed, die Schwester seines Vaters, zur Frau; die gebar ihm Aaron und Mose. Und Amram wurde 137 Jahre alt. Die Söhne Jizhars sind diese: Korach und Nefeg und Sichri. Die Söhne Usiels sind diese: Mischaël und Elzafan und Sitri. Aaron aber nahm Elischeba, die Tochter Amminadabs, die Schwester Nachschons; die gebar ihm Nadab und Abihu, Eleasar und Itamar. Das sind die Söhne Korachs. Auch das ja interessant, wie eng die hier verwandt sind. Das wird ja später dann in 4. Mose auch wichtig. Die Söhne Korachs sind diese: Assir und Elkana und Abiasaf. Das sind die Geschlechter der Korachiter. Eleasar aber, der Sohn Aarons, nahm sich eine Frau von den Töchtern Putiëls; die gebar ihm Pinehas. Das sind die Häupter unter den Vätern der Leviten nach ihren Geschlechtern.“

[44:28] Und da endet jetzt dieser kleine Einschub, dieses kleine Geschlechtsregister in Vers 26 und 27 mit diesem bestimmten Hinweis: „Das ist jener Aaron und jener Mose, zu denen der Herr sprach für die Kinder Israels nach ihren Heerscharen, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen. Sie sind es, die mit dem Pharao, dem König von Ägypten, redeten, um die Kinder Israels aus Ägypten herauszuführen, jener Mose und jener Aaron.“ Und dann geht die Geschichte im Grunde genommen dort weiter, wo sie ein paar Verse vorher aufgehört hat, bevor dieses kleine Geschlechtsregister eingefügt worden ist.

[45:12] „Das geschah an demselben Tag, an dem der Herr mit Mose im Land Ägypten redete. Da sprach der Herr zu Mose: ‚Ich bin der Herr, rede zum Pharao, dem König von Ägypten, alles was ich dir sage.‘ Und Mose antwortete vor dem Herrn: ‚Siehe, ich habe unbeschnittene Lippen. Wie sollte da der Pharao auf mich hören?‘“ Das ist genau das, was wir gerade zuvor in Vers 10 und 12 gehört haben. Man hat den Eindruck, als ob in Verse 28 bis 30 jetzt sozusagen die Stelle dort weitergeführt wird, wo wir sie in 10 bis 12 zurückgelassen hatten. Und zwischendrin ist dieses interessante Geschlechtsregister, wo ein bisschen was über Ruben und Simeon, aber dann vor allem über Levi gesagt wird mit besonderem Bezug auf Aaron und Mose und ein bisschen auch ihre Nachkommen, also die von Aaron zumindestens, dieses Geschlechtsregister so hervorgehoben, und dann geht’s genau an der Stelle weiter, wo wir quasi aufgehört haben, wie es hier steht: „Siehe, die Kinder Israels hören nicht auf mich. Wie sollte denn der Pharao auf mich hören? Dazu habe ich unbeschnittene Lippen.“

[46:18] Die Geschichte scheint in der Sackgasse zu sein. Doch das nächste Kapitel offenbart, dass Gott seine Verheißung ernst meint.

[46:33] Und es offenbart nicht das nächste Kapitel, sondern die ganzen nächsten Kapitel zeigen jetzt, mit welch einer Kraft und Wucht Gott alles beiseiteschiebt, was sich der Erlösung der Israeliten entgegenstellt.

[46:51] In der Mitte von Kapitel 6 scheint die Geschichte unrettbar sozusagen in die Sackgasse geraten zu sein, aber das ist erst der Anfang.

[46:59] ist erst der Anfang. Ein kleines Geschlechtsregister wird eingefügt, scheinbar auf den ersten Blick ohne direkten Bezug zu dem, was vorher und nachher kommt.

[47:10] Aber was jetzt kommt, das ist der Exodus. Wir werden in der nächsten Folge uns mit den Plagen beschäftigen und sehen, wie Gott eingreift und wie Gott alles übertrumpft, was die Ägypter mit ihrer menschlichen Weisheit und ihren okkulten Fähigkeiten ins Feld führen. Wir werden sehen, wie stark Gott ist und wie er sein Volk aus aller Knechtschaft herausführt.

[47:32] Wir wollen heute für uns diesen Gedanken mitnehmen: Wenn wir Gott vertrauen, dann kann es sein, dass aufgrund dieses großen Konfliktes und weil auch wir noch Glauben lernen müssen und Geduld lernen müssen, nicht sofort all das sehen, was wir uns gewünscht haben und was wir uns erhofft haben. Es kann sogar sein, dass ein Moment die Daumenschrauben noch stärker angezogen werden, aber Gott lässt es nur zu, damit die Erlösung und die Befreiung umso klarer, umso herrlicher, umso größer sind und wir ihm von ganzem Herzen dann für alle Zeit vertrauen.

[48:11] Lasst uns, wenn es zunächst einmal Schwierigkeiten zu geben scheint, nicht aufgeben, sondern fest davon ausgehen, dass Gott sein Wort wirklich meint, wie er es gesagt hat.

[48:27] Wollen wir noch gemeinsam beten?

[48:29] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen, dass du auch heute durch dein Wort zu uns gesprochen hast. Wir haben gesehen, dass wenn wir dir glauben und in deinem Namen vorwärts gehen, nicht immer sofort alles so geschieht, wie wir es uns vielleicht erhofft haben. Wir haben gesehen, dass du niemanden einfach so leiden lässt und dass wenn Schwierigkeiten im ersten Moment sogar noch größer werden, dann nur deswegen, weil es ein großer Plan ist und weil du unseren Glauben testest und uns vorbereiten möchtest auf die Erlösung und Befreiung, die du alleine geben kannst.

[49:15] Und Herr, wir möchten dich bitten, dass wir heute diesen Glauben für uns in Anspruch nehmen, dass wenn es sich in unserem Leben so anfühlt, als ob alles in eine Sackgasse geraten sei, dass wir trotzdem vorwärts gehen auf dein Wort hin und erkennen, dass du plötzlich Türen öffnest, mit denen wir nicht gerechnet haben. Herr, das bitten wir im Namen Jesu. Amen.

[49:39] Nächste Woche geht es hier weiter. Wir werden dann gleich vier Kapitel anschauen: Kapitel 7, 8, 9 und 10 und uns der spannenden Frage widmen: Warum hat Gott gerade diese Plagen ausgewählt? Was hat das den Israeliten über Gott gesagt und was haben auch die Ägypter dadurch verstehen können?

[50:00] Bis dahin wünsche ich euch Gottes reichen Segen im Studium seines Wortes und in der Erfahrung, dass Gott uns durch alle Schwierigkeiten durchführt. Amen.


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