[0:05] [Musik] [Applaus]
[0:35] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Wie immer gilt ein herzliches Willkommen auch allen Zuschauern auf dem Sender Das Wort. Wir sind mittendrin in unserer Spezialserie über das 2. Buch Mose. Wir studieren den Exodus, den Weg hinaus aus der Sklaverei aus Ägypten auf dem Weg zum gelobten Land.
[0:59] Und heute haben wir einen ganz interessanten Abschnitt. Wir werden uns mit den Kapiteln 2. Mose 21 bis 23 beschäftigen. Viel berühmter sind natürlich die Kapitel 19 und 20, die wir in der letzten Folge uns angeschaut haben, wo Gott die Zehn Gebote hörbar für das gesamte Volk gegeben hat.
[1:21] In den darauffolgenden Kapiteln werden wir sehen, gibt es eine ganze Reihe von weiteren Gesetzen, Rechtsbestimmungen, wie sie genannt werden. Und wir wollen uns dort heute etwas näher, etwas genauer diese Rechtsbestimmungen anschauen, uns hineinvertiefen, warum sie da sind, was sie uns sagen und was sie auch für uns heute persönlich bedeuten.
[1:41] Bevor wir damit beginnen, möchten wir Gott einladen, wie immer unser Studium zu segnen. Und ich lade dich ein, lieber Freund, liebe Freundin, dass wir gemeinsam mit einem Gebet starten. Lieber Vater im Himmel, danke, dass du uns lieb hast. Danke, dass du für uns da bist und dass du auch heute uns mit deinem Wort segnen möchtest. Wir möchten dich bitten, dass du unser Lehrer bist, dass wir wertvolle Erkenntnisse gewinnen über dich und dein Wort, aber vor allem, dass wir in unserer Beziehung, in unserer Freundschaft zu dir wachsen, dass unsere Wurzeln immer tiefer in deiner Liebe ähm ja hineinwurzeln. Wir möchten dich bitten, dass dein Wort direkt zu uns spricht und habe Dank dafür im Namen Jesu. Amen.
[2:32] 2. Mose Kapitel 21 bis 23. Es geht los in Vers 1 von Kapitel 21 und das sind die Rechtsbestimmungen, die du ihnen vorlegen sollst.
[2:46] Warum reichen nicht die Zehn Gebote? Warum ist nach 2. Mose 20 nicht Schluss mit Vorschriften und Gesetz? Wir lesen hier, dass das durch Sklaverei und Heidentum abgestumpfte und erniedrigte Volk nicht darauf vorbereitet war, die Tragweite der Zehn Gebote ganz zu erfassen. Sie haben zwar die Zehn Gebote gehört, aber waren noch gar nicht so richtig in der Lage zu sehen, was das alles im Einzelnen im Alltag bedeutet.
[3:19] Damit sie nun die Verpflichtungen des Dekalogs, also der Zehn Gebote, besser verstünden und auch erfüllten, es geht also nicht nur um ein besseres intellektuelles Durchdringen, sondern auch um den Gehorsam durch den Glauben. Damit sie es also auch erfüllten, wurden ihnen zusätzliche Vorschriften gegeben, die die Grundsätze der Zehn Gebote veranschaulichten und anwanden.
[3:43] Was wir also jetzt finden, sind also Illustrationen und Anwendungsbeispiele der Zehn Gebote oder der Prinzipien der Zehn Gebote. Wir dürfen also nicht erwarten, dass die Gesetzesvorschriften, die wir jetzt in Kapitel 21 bis 23 lesen, dass die sozusagen jeden erdenklichen Fall abdecken, sondern sie sind Veranschaulichungen, Illustrationen, mit denen wir die Prinzipien, die durch die Zehn Gebote ausgedrückt werden sollen, besser praktisch verstehen können.
[4:21] Diese Gesetze nannte man Rechtsordnungen. Einmal, weil sie in unendlicher Weisheit und Gerechtigkeit ersonnen waren. Also auch diese Rechtsbestimmungen, diese Rechtsordnungen aus Kapitel 21 bis 23 sind von göttlicher Weisheit und göttlicher Gerechtigkeit. Zum anderen, weil die ehrenamtlichen Richter danach Recht sprechen sollten. Es war also nicht nur eine intellektuelle Übung, was das jetzt theoretisch bedeuten würde, sondern eine konkrete Handlungsanweisung für die Richter. Dadurch, dass es natürlich nur Veranschaulichungsbeispiele waren, musste man trotzdem immer wieder das Prinzip dahinter verstehen und auch auf andere ähnlich gelagerte Fälle dann natürlich anwenden.
[5:01] Zum Unterschied von den Zehn Geboten wurden sie Mose persönlich von Gott übergeben, damit er sie dem Volk mitteilte. Wir erinnern uns daran, dass die Israeliten ja ausdrücklich gesagt hatten, dass sie nicht mehr weiter die Stimme Gottes hören wollten und explizit gebeten hatten, dass Mose alles Weitere direkt von Gott empfängt und ihnen dann sozusagen als Vermittler weitergibt. Das war am Ende von 2. Mose 20 und auch in 5. Mose 5 wird das hier ganz deutlich.
[5:30] Wir lesen weiter. Mose sollte diese Gesetze niederschreiben und als Grundlage des nationalen Rechts sorgfältig aufbewahren. Es geht also nicht nur um geistliche Angelegenheiten im engeren Sinne, sondern auch ähm das Volk Israel sollte jetzt ja auch als eine Nation existieren und brauchte entsprechend auch ähm diesbezügliche Gesetze.
[5:54] Zusammen mit den Zehn Geboten, zu deren Erläuterung sie gegeben worden waren, enthielten sie die Bedingung zur Erfüllung der göttlichen Verheißung für Israel. Sie waren also nicht nur das Kleingedruckte oder Nebensächlichkeiten. Sie waren zwar die Erläuterung der Zehn Gebote, aber mit diesen zusammen enthalten diese Rechtsbestimmungen die Bedingung, damit Gott seine Verheißung für Israel auch ähm ja wahr machen kann.
[6:20] Mit anderen Worten, auch wir sollten, wenn wir Gottes Segen in unserem Leben haben wollen, nicht nur die Zehn Gebote studieren, sondern auch diese Erläuterungen, diese Anwendungsbeispiele aus dem praktischen Leben der Israeliten gut durchdenken, auch wenn sich die sozialen und kulturellen Bedingungen geändert haben mögen. Wir werden das gleich sehen in einigen Beispielen. Äh wir haben heute kaum noch das Problem, dass unsere eigenen Ochsen andere Ochsen stoßen, können wir doch in diesen konkreten Anwendungsbeispielen sehr viel Praktisches lernen für unseren Glauben im 21. Jahrhundert.
[6:57] Das Interessante nun ist, dass diese Rechtsordnungen aus Kapitel 21 und 23 eine ganze Reihe von Parallelen zu den altorientalischen Gesetzen haben. Das werden wir heute immer wieder sehen. Es gibt schon aus der Zeit vor Mose einige Gesetzeswerke, die wir aus Mesopotamien, also der Gegend um den Euphrat und den Tigris kennen. Ähm, wir kennen tatsächlich keine Gesetzestexte in diesem Sinne aus Ägypten. Das wäre natürlich sehr interessant, das auch damit zu vergleichen.
[7:28] Was wir haben, sind sumerische und akkadische Gesetzeskodizes, z.B. den Kodex Ur-Nammu, der älteste erhaltene Text über Gesetze, die verfasst worden sind von dem ersten großen König der sogenannten Ur III Dynastie. Das geht dann schon einige Jahrhunderte vor Mose zurück. Dann den Kodex Lipit-Ischtar, ebenfalls noch auf Sumerisch geschrieben, allerdings in der Zeit, wo das Sumerische dann schon im Aussterben begriffen war, nachdem bereits die neu-sumerische Renaissance auch politisch bei der Ur-Zeit vorbei gewesen ist. Und dann den Kodex Ešnunna, der wie der Kodex Lipit-Ischtar nur sehr fragmentarisch erhalten ist, und dann der sehr gut erhaltene und von allen wohl am berühmtesten und bekannteste Kodex Hammurapi, den wir hier auch abgebildet sehen, der heute im Louvre steht, aus ganz vielen Kopien auch bekannt. Und ja, der Kodex Ur-Nammu ist auch äh recht wichtig und auch bekannt. Manchmal nennt man ihn noch Kodex Ur-Nammu. Das äh ist unterschiedlich von der Vokalisierung, ist aber für uns heute hier nicht so wichtig.
[8:34] Nun, warum sind diese Parallelen für das Alte Testament so wichtig? Alle diese Gesetze, diese Gesetzeswerke dieser Könige und diese, die sich erhalten haben, sind alle kasuistisch. Das bedeutet, sie sprechen immer konkrete Fälle an: Wenn das und das und das gegeben ist, dann soll das und das und das die Strafe sein. Wenn dann, das ist das Thema. Äh, also Fall für Fall sozusagen. Deswegen spricht man von Kasuistik.
[9:03] Was interessant ist, ähm Verzeihung, 2. Mose 21 bis 23 hat genau dieses gleiche Schema. Äh und deswegen lässt sich das so wunderbar mit diesen altorientalischen Gesetzen vergleichen. Was es aber in den altorientalischen Gesetzen sonst nicht gibt, sind die Zehn Gebote. So etwas Grundsätzliches, etwas Allgemeines. Die Zehn Gebote sind ja nicht dem Wenn-dann-Schema verfasst, sondern sie sind allgemein, sind transzendent. Sie gelten immer, sie sind die Grundlage.
[9:31] Man hat also den Eindruck, dass es in den anderen Kulturen, mit denen Israel konfrontiert war, es zwar auch ähnliche Gesetze gab, aber die eigentlich zugrunde liegende, das zugrunde liegende moralische Fundament entweder nicht durchdacht war, nicht bekannt war und das Ganze dann sozusagen an der Oberfläche des Verhaltens blieb. Und Exodus durch die Verbindung der Zehn Gebote mit solchen kasuistischen Gesetzen plötzlich eine ganz neue Perspektive auf das Thema Recht im Alltag gebracht hat und auch das Thema Moralität. Und wir werden sehen, obwohl es viele Parallelen gibt, geht es in 2. Mose dann auch noch ganz weiter. Äh, da werden Dinge angesprochen, die im alten Orient sonst nie angesprochen worden sind, aber dazu gleich noch mehr.
[10:20] Vielleicht noch ein kurzer Gedanke hierzu. Äh, was auch auffällt an den altorientalischen Gesetzen ist, dass sie offensichtlich in der Praxis selten bis gar nicht umgesetzt worden sind. Man kennt nämlich sowohl sumerische als auch babylonische Gerichtsurkunden, wo dann konkrete Fälle tatsächlich abgehandelt und äh entsprechend entschieden worden sind. Und die dort verfassten Urteile sind eigentlich nie in irgendeiner Weise in Korrelation mit dem, was in diesen Gesetzen steht. Also, man fragt sich, kannten die Richter diese Gesetze gar nicht, haben sie die einfach ignoriert? Und auch das ist ein interessanter Vergleich, weil wir gerade gelesen haben, die Gesetze, die israelitischen Gesetze in 2. Mose 21 bis 23 sollten tatsächlich auch umgesetzt werden. Sie sollten nicht einfach nur ein Propagandastück sein, sondern tatsächlich für den Alltag gebraucht werden. Und das ist eine große Diskussion, inwieweit das bei dem Kodex Hammurapi überhaupt so gedacht war oder dann zumindest praktiziert worden ist.
[11:16] Nun fangen wir an, uns diese Rechtsordnungen anzuschauen. Wir lesen z.B. hier gleich als erstes ein Gesetz über die Frage der Freiheit. Wenn du einen hebräischen Sklaven kaufst, soll er sechs Jahre lang dienen und im siebten soll er unentgeltlich freigelassen werden. Wir werden nicht immer alles lesen, einfach aus Zeitgründen. Es wird dann der Fall hier durchgesprochen. Wenn aber der Sklave seine Freiheit gar nicht haben möchte, weil er z.B. also, weil er jetzt hier seinen Herrn so lieb hat und weil er verheiratet ist und von dem Herrn eine Frau bekommen hat und Söhne und Töchter hat und er möchte lieber für alle Zeit Sklave sein und dieses Vorrecht, die Freiheit zu bekommen, nicht nutzen, dann sollte er mit einem besonderen Merkmal ausgestattet werden. Ihm sollte das Ohr durchgebohrt werden, damit alle Menschen wussten, dies ist nun ein Sklave für alle Zeit. Das war sicherlich kein Ehrenzeichen an dieser Stelle.
[12:10] Nun, wie kam es überhaupt zur Sklaverei? Äh, das hat natürlich nichts eigentlich mit dem zu tun, was man jetzt aus der Neuzeit in Amerika z.B. kennt. Ähm, es heißt, im Altertum verkauften die Richter Übeltäter zuweilen in die Sklaverei. Das war dann also einfach eine Art Abbüßung von Strafe. Es gab ja dann damals doch kaum wirklich Gefängnis in dem heutigen Sinne. In manchen Fällen traten Gläubiger mit ihren Schuldnern. Also, man konnte einen Kredit nicht wieder ähm äh zurückzahlen und hat dann entsprechend ist diese Schuldsklaverei dann angetreten. Und hin und wieder trieb die Armut Menschen dazu, sich und ihre Kinder zu verkaufen.
[12:48] Wie wir gesehen haben, das war eigentlich zeitbegrenzt und wir finden so etwas auch im Kodex Hammurapi z.B., wenn jemandem eine Schuldverpflichtung ergriffen oder er seine Ehefrau, seinen Sohn oder seine Tochter verkauft hat und sie für Schuldendienste gegeben hat, drei Jahre lang bewirtschaften sie den Haushalt ihres Käufers oder desjenigen, bei dem sie sich zum Schuldendienst befinden. Im vierten Jahr jedoch wird ihre Freilassung verfügt. Und wir stellen erstaunt fest, dass in dem mosaischen Gesetz tatsächlich die Zeit sogar länger ist. Ja, in Babylon kam man schon im vierten Jahr frei. In 2. Mose dann erst im siebten Jahr. Und ich habe jetzt einfach beispielhaft äh mal den Text hier rechts daneben äh dazu getan, damit man so einen Eindruck bekommt, wie das dann aussieht. Aber da werden wir uns heute jetzt nicht so sehr damit beschäftigen.
[13:32] 2. Mose 21 dann anders als der Kodex Hammurapi auch ähm zwischen einem Sklaven und einer Sklavin. Und äh für die Sklaven ist es jetzt hier eigentlich gar nicht so weiter möglich, freigelassen zu werden, aber es gibt äh auch ähm Fälle, wo das möglich ist. Das wird jetzt hier ein bisschen genauer erklärt. Und da gibt es diese interessante ähm diese interessante Formulierung: "Wenn sie sich ihrem Herrn, der sie für sich bestimmt hat, missfällt, so soll er sie loskaufen lassen. Aber er hat keine Macht, sie unter ein fremdes Volk zu verkaufen, weil er treulos an ihr gehandelt hat. Verheiratet er sie aber mit seinem Sohn, so soll er sie nach dem Recht der Töchter mit ihr handeln. Wenn er sich aber eine andere nimmt, so soll er jener nicht schmälern an Nahrung, Kleidung und der ehelichen Beiwohnung. Wenn er diese drei Dinge nicht tut, so soll sie umsonst frei werden ohne Lösegeld."
[14:25] Also die Idee ist, eine Frau wird als Sklavin verkauft an jemand und der nimmt sich dann aber eine andere äh Frau, Sklavin, wie auch immer. Und äh wenn er dann nicht bereit ist, drei Dinge für diese erste Frau, diese also diese Sklavin zu tun, dann kann sie ohne Lösegeld frei werden. Er muss also sozusagen ihre Mindestanforderung an sie erfüllen. Und diese drei Dinge sind Nahrung. So steht es hier in der Schlachter 2000, Kleidung und die eheliche Beiwohnung.
[14:53] Nun ist es so, dass die gesamte Phrase extrem schwierig ist, weil alle drei Worte hier eher seltene Worte sind und vor allem dieses letzte Wort Onah, das man traditionell auch dann in der jüdischen Auslegung als eheliche Beiwohnung interpretiert hat, sehr unklar ist, was das eigentlich wirklich bedeutet. Und die Frage stellt sich, ähm heißt es jetzt wirklich, dass wenn jemand eine Frau nimmt, er trotzdem seiner ersten Sklavin immer noch sozusagen die eheliche Beiwohnung schuldig ist?
[15:23] Ähm und wenn man sich das ähm dann und hier ist es tatsächlich interessant, einmal die altorientalischen Gesetze anzuschauen. Da finden wir z.B. im Kodex Hammurapi, und hier ist ein bisschen ein anderer Kontext, aber da geht es auch um eine Frau, die sozusagen einen gewissen Mindestanspruch hat, und zwar auch Folgendes, nämlich es heißt: "Wir geben ihr gemäß dem Wert ihres Anteils Kost, Salböl und Kleidung", also Nahrung, Kleidung und nicht eheliche Beiwohnung, das in dem Fall sowieso sinnlos wäre, sondern Salböl, also Kosmetik.
[15:58] Und wir finden dasselbe auch im Kodex Lipit-Ischtar. Da heißt es: "Wenn jemandes Ehefrau ihm keine Kinder geboren hat und eine Dirne ihm Kinder geboren hat und er mit der Dirne auf der Straße lebt", also auch ganz seltsame Umstände, man kann in den Gesetzen ja mal so ein bisschen auch rekonstruieren, wie das Leben damals so gewesen ist, "wird er dieser Dirne ihre Gerstenöl- und Kleidungszuteilung, ihre Gerstenöl- und Kleidungszuteilung geben." Ähm, das heißt, er hat zwar eine Ehefrau, lebt mit einer mit der Dirne und diese Dirne hat dann sozusagen einen Mindestanspruch, aber der Mindestanspruch ist immer Nahrung, Kleidung und Öl. Also Gerste für die Nahrung, Kleidung und ähm Öl für Kosmetik sozusagen.
[16:42] Und diese Idee, die findet sich auch in der Bibel. Da sehen wir in Hosea 2, Vers 7 z.B. Da heißt es doch: "Ich will doch meinen Liebhabern nachlaufen, die mir mein Brot und Wasser geben, meine Wolle, mein Flachs, mein Öl und meinen Trank." Also haben wir das äh das Essen, die Nahrung, Brot, Wasser und Trank, wir haben die Kleidung, Wolle und Flachs und wir haben wieder das Öl. Und obwohl die also die Worte, das ist Onah, hat jetzt nicht was direkt zu tun mit den bekannten Worten für Öl im akkadischen z.B., ist es aufgrund dieser Parallelen doch durchaus nachdenkenswert, dass es hier in Wirklichkeit darum geht, dass jemand, der eine Sklavin dann gekauft hat, jetzt eine andere Frau hat, dass sie ihr trotzdem sozusagen das geben muss, was sie zum Leben braucht, nämlich und das ist Nahrung, Kleidung und Kosmetik, die in der also Salböl, weil in der damaligen Kultur, in der damaligen Hitze dort das Einsalben, das Einbalsamieren der Haut ganz, ganz entscheidend ist auch für die Gesundheit. Also das als ein sehr interessanter Erklärungsansatz für diesen Vers.
[17:47] Wir lesen weiter in 2. Mose 21 ab Vers 12: "Wer einen Menschen schlägt, dass er stirbt, der soll unbedingt sterben." Hier haben wir einige Gebote, äh einige Rechtsvorschriften, die ähm zeigen, in welchen Fällen jemand unbedingt auf jeden Fall getötet werden muss.
[18:10] Auch ähm wir haben dann den Fall, dass äh wenn er es unabsichtlich getan hat, ja, also äh hat ihm nicht nachgestellt, so soll es einen Ort geben, an dem er fliehen kann, einen Zufluchtsort, eine Zufluchtsstadt. Äh die werden ja später dann auch in den Mosebüchern bestimmt, aber wenn er vorsätzlich gehandelt hat, dann soll man ihn sogar von dem Altar wegholen. Das ist ja eine Idee, die es dann auch später immer wieder gibt, dass man quasi in der Kirche z.B. oder damals im Tempel so Asyl hat, aber Gott sagt, wenn jemand vorsätzlich äh jemanden tötet, dann muss das auf jeden Fall geahndet werden.
[18:41] Das geht natürlich zurück auf die berühmte Stelle in 1. Mose Kapitel 9, wo Gott nach der Sintflut ganz deutlich ähm festlegt in Vers 5: "Wer doch euer eigenes Blut will ich fordern. Von der Hand aller Tiere will ich es fordern und von der Hand des Menschen, von der Hand eines Bruders will ich das Leben des Menschen fordern. Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll auch durch Menschen vergossen werden, denn im Bilde Gottes hat er den Menschen gemacht." Das war also nicht einfach eine drakonische Strafe, sondern Gottes Wunsch, das Leben des Menschen so weit wie möglich zu bewahren, dass andere nicht denken, na ja, ich bin reich, ich kann mich dann rauskaufen. Ähm, wenn man weiß, man verliert sein eigenes Leben, dann ist die Hürde, einen anderen Menschen umzubringen, doch äh sehr, sehr viel größer, als wenn man nur irgendwie anderweitig bestraft wird.
[19:28] Und so finden wir diesen Grundsatz auch schon. Äh ganz am Anfang bei dem Kodex Ur-Nammu: "Wenn jemand mordet, wird dieser Mensch durch Hinrichtung sterben." Auf Sumerisch: "Dukug-bi-in-ra lu-bi-a-si-dam." Das ist also von Anfang an hier immer in den Gesetzen auch so festgehalten. Es gab auch in Mesopotamien Zufluchtsstätten, wo jemand, der ein schweres Verbrechen begangen hatte, dann trotzdem vor der Strafverfolgung gerettet gewesen ist. Das war Nippur. Das war so die heilige Stadt der Sumerer, das war Sippar. Und das war interessanterweise auch Babylon galt seit ältester Zeit als eine Zufluchtsstätte, wo man sozusagen Rettung finden könnte.
[20:08] Und hier haben wir noch weitere solche Gesetze, die unbedingt mit der Todesstrafe ähm nach 2. Mose 21 zu geahndet werden. Wer seinen Vater oder seine Mutter schlägt, wer einen Menschen raubt oder seinem Vater oder seiner Mutter flucht, jedes Mal heißt es, soll unbedingt sterben. Und hier sehen wir einen Unterschied zu den altorientalischen Gesetzen. Beim Kodex Hammurapi ähm ist es zwar auch sehr ist sehr, sehr drakonisch und und und strikt: "Wer seinen Vater schlägt, dem wird die Hand abgeschnitten." Ähm oder wenn ein äh Adoptivsohn, eine Adoptiv äh ja, wenn ein Adoptivsohn dann äh einfach so aus ja aus frecher Revolte sozusagen sagt: "Du bist nicht mein Vater, du bist nicht meine Mutter", dann schneidet man ihm seine Zunge ab. Ja, also das das wird dann sozusagen, also die Hand und das Wort, das wird dann ganz bildlich ähm dargestellt, die Strafe, aber die Menschen sterben nicht.
[21:10] Es gibt einen interessanten Brief aus der altbabylonischen Zeit von einem Stadthalter namens Iddin-Anu und der schreibt einen König von Mari mit Namen Zimri-Lim und der erzählt von einem Fall, wo jemand Menschen...
[21:25] Von einem Fall, wo jemand Menschenhandel betrieben hat, und dieser Täter sollte exekutiert werden, sollte also zum König gesandt werden, um wegen diesem Kapitalverbrechen getötet zu werden. Und dessen Bruder hat dann vorgeschlagen: "Könnten wir nicht einfach quasi eine hohe Kaution bezahlen, können wir einfach Geld bezahlen und damit die Sache auf sich beruhen lassen?" Und dann schreibt ja dieser Idinu seine Reaktion. Er sagt: "Wird man Silber bezahlen für ein Kapitalverbrechen? Silber?" Und damit wird deutlich, wie man damals allgemein auch empfunden hat: Wenn ein solches schlimmes Verbrechen begangen worden ist, dann gibt es nichts anderes als die Todesstrafe. Da kann man nicht einfach mit Geld das wieder gut machen.
[22:07] Wir haben dann einen weiteren Fall: Wenn Männer miteinander streiten, einer schlägt den anderen mit einem Stein und mit einer Faust, dass er nicht stirbt, aber im Bett liegen muss. Wenn er so weit wiederhergestellt wird, dass er auf einem Stock gestützt ausgehen kann, so soll der, welcher ihn geschlagen hat, straflos bleiben. Nur soll er ihn für das Versäumte entschädigen und für seine völlige Heilung sorgen. Also, er soll die Wiedergutmachung voranbringen, aber er soll keine extra Strafe bekommen.
[22:30] Dann haben wir auch den Fall, was passiert, wenn Sklaven geschlagen werden, so dass sie sterben: Dann sollen sie bestraft werden. Wenn sie allerdings nicht sterben, dann gibt es keine extra Strafe, weil der Sklavenhalter bereits selbst sich dadurch geschädigt hat.
[22:45] Und hier haben wir interessante Parallelen im Kodex Hammurabi, zum Beispiel im Paragraph 206: "Wenn jemand jemanden bei einer Rauferei geschlagen und ihm absichtlich eine Wunde beigebracht hat, dieser Mensch schwört, nicht absichtlich habe ich ihn geschlagen, und bezahlt den Arzt. Wenn er aber infolge seines Zuschlagens gestorben ist, er schwört ebenso, und wenn er sich um einen so einierten Handel zahlt eine halbe Mine Silber." Und so weiter. Das wird ein bisschen differenziert. Aber hier sehen wir, dass die Menschen mit ganz ähnlichen Fällen zu tun gehabt haben.
[23:18] Nun, was einzigartig ist in 2. Mose 21, ist die Todesstrafe auf den Mord an einem Sklaven. Ja, in den anderen Gesetzen in Mesopotamien werden Sklaven eher als Dinge behandelt. Ja, man muss dann eventuell irgendwie eine Geldstrafe bezahlen. Aber in 2. Mose 21, das ist ein entscheidender Unterschied, obwohl es so viel parallel von den Formulierungen ist, werden die Sklaven tatsächlich wie vollwertige Menschen behandelt. Und das werden wir sehen, ist ein großes Anliegen hier in 2. Mose 21 bis 23. Bei allen inhaltlichen Parallelen wird die volle Menschenwürde des Sklaven und auch des Fremden hergestellt.
[23:57] Und dann haben wir diesen, ja, dramatischen Fall: Männer streiten sich, eine schwangere Frau wird gestoßen, es tritt eine Frühgeburt ein, und dann muss eine Geldstrafe bezahlt werden, die der Ehemann festsetzt, aber auf richterliche Entscheidung hin.
[24:11] Das heißt, wir sehen hier, es ist eigentlich keine Frage der Selbstjustiz, sondern diese Dinge müssen richterlich entschieden werden. Und dann kommt diese berühmte Formulierung: "Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß" und so weiter, die wir ja sehr gut kennen. Wichtig hier ist, dass es keine Selbstjustiz ist. Also nicht: Jemand hat mir ein Auge ausgeschlagen, jetzt werde ich mal gleich zur Tat schreiten.
[24:36] Es ist immer eine richterliche Entscheidung. Es ist hier also sozusagen die Grundlage eines Zivilgesetzes, eines Strafgesetzbuches sozusagen.
[24:45] Und wir haben denselben Fall auch im Kodex Hammurabi: Wenn jemand eine Tochter eines Privilegierten geschlagen hat und sie dadurch ihre Leibesfrucht verloren hat, er zahlt 10 Schekel Silber für ihre Leibesfrucht. Da wird die Strafe, also der Betrag, gleich festgelegt. Wenn die betreffende Frau gestorben ist, man tötet sie und so weiter. Dann wird das differenziert, je nachdem welchem Stand, ob es ein Privilegierter ist oder ein sogenannter Muschkenu des unteren Standes oder eines Sklaven, dann ist der Preis jeweils anders.
[25:14] Und hier haben wir das berühmte, den berühmten Abschnitt aus dem Kodex Hammurabi, Paragraph 196: "Wenn jemand das Auge eines Sohnes eines Privilegierten zerstört, man zerstört sein Auge." Ja, und dann "Knochen für Knochen, Auge für Auge". Aber das gilt im Kodex Hammurabi immer nur zwischen den Angehörigen desselben Standes, der Privilegierten. Wenn es das Auge eines Angehörigen desselben Standes ist, des sogenannten Muschkenus, dann zahlt man einfach nur Geld. Und auch hier sehen wir, wir haben zwar dieselbe Formulierung, aber die Idee dahinter ist eine andere. Das, was im Kodex Hammurabi so eine Kastengesellschaft aufgemacht wird, wird in 2. Mose 21 gesagt, das gilt für alle Menschen. Das ist nicht verhandelbar nach Klassen oder nach irgendwelchen Rangordnungen.
[25:59] Dieses Prinzip "Auge um Auge, Zahn um Zahn, Knochen für Knochen", das nennt man diesen Rechtsgrundsatz, den nennt man Lex Talionis, also so ein Vergeltungsrecht.
[26:10] Und den gibt es in dieser Form vor allem eigentlich erstmal nur in der Bibel und im Kodex Hammurabi. Die anderen Gesetze, vor allem die sumerischen, die kennen dann immer nur so Geldstrafen in vergleichbaren Fällen. Und da sieht man, dass hier durchaus auch unterschiedlich damit umgegangen worden ist. Wie ich betonte: Es geht immer ausdrücklich um richterliche Entscheidung, niemals um Selbstjustiz. Auch im Alten Testament gibt es keinen einzigen Raum für Rache. Das heißt, auch dort im Alten Testament Gott sagt: "Die Rache ist mein."
[26:42] Und manchmal hat man den Eindruck, dass Christen glauben, dieses Lex Talionis, Auge um Auge, Zahn um Zahn, wäre irgendwie abgeschafft, wäre nicht mehr gültig, wäre irgendwie alttestamentlich. Aber im Neuen Testament sehen wir, wie Gott am Ende der Zeit direkt vor der Wiederkunft nach diesem Prinzip Gericht halten wird. Es heißt hier in Offenbarung 16 ab Vers 5: "Und ich hörte den Engel der Gewässer sagen: 'Gerecht bist du, oh Herr, der du bist und warst und der Heilige bist, dass du so gerichtet hast, denn das Blut der Heiligen und Propheten haben sie vergossen, und Blut hast du ihnen zu trinken gegeben, denn sie verdienen es.'" Ist Blut für Blut sozusagen. Das ist ein ganz klares Auge um Auge, Zahn um Zahn, Blut für Blut. Man kann sich dann noch überlegen, warum sie auch von der Sonne so gestochen werden. Das wäre aber dann im Zuge der Offenbarungsthematik natürlich ganz klar, aber ist heute hier nicht das Thema und haben wir nicht die Zeit, das ausführlich zu erklären. Aber das sehen wir, dass Gott dieses Prinzip nie abgeschafft hat. Und wenn Jesus am Kreuz für uns stirbt, hat er exakt genau die Strafe auf sich genommen, die unsere Sünden verdient haben. Auge um Auge, Zahn um Zahn ist nie abgeschafft worden. Die Erlösung durch Christus besagt nur, dass Jesus die gerechte Strafe auf sich genommen hat und wir deswegen diese Strafe nicht erleiden müssen.
[28:00] Die gerechte Strafe ist nicht aufgehoben. Sie ist nur auf jemand anderes übertragen worden. Und das dürfen wir niemals vergessen.
[28:08] Schauen wir hier in 2. Mose 21, Vers 26: "Wenn jemand seinem Knecht oder seiner Magd ein Auge ausschlägt, soll er sie freilassen für das Auge." Wer sie so schlecht behandelt, muss ihr die Freiheit geben. Im Kodex Hammurabi ist das nicht so: Wenn er das Auge eines Sklaven eines Privilegierten zerstört oder den Knochen eines Sklaven eines Privilegierten gebrochen hat, er zahlt die Hälfte seines Kaufpreises. Der Sklave selbst, obwohl er so geschädigt worden ist, erhält nicht seine Freilassung. Es gibt dann immer nur Geldstrafen, womit der Eigentümer der Sklaven dann befriedigt wird sozusagen. Aber der Sklave selbst bekommt keine Freiheit. Anders in der Bibel.
[28:46] Lesen wir noch einmal zum Thema Sklaven hier. Es war erlaubt, Nicht-Israeliten als Sklaven zu halten, aber sie standen unter strengem Schutz, und dieser Schutz der Sklaven ist in der Bibel insbesondere viel stärker als in den altorientalischen Gesetzen. Grundsätzlich besser. Der Mörder eines Sklaven wurde bestraft. Jede ihm durch seinen Herrn zugefügte Verletzung, und sei es nur ein ausgeschlagener Zahn, berechtigte ihn dazu, freigelassen zu werden. Ja, das ist also eine ganz interessante Sache, die wir sonst im alten Orient so nicht kennen.
[29:17] Jetzt kommt das berühmte Gesetz von dem Rind, und das ist ein Beispiel dafür, dass natürlich diese Sachen sehr auf die damalige Kultur zugeschnitten sind und wir dadurch auch natürlich ein bisschen Einblick bekommen, was sind so die typischen Streitfälle, die das Volk Israel dort im Lager haben könnte oder später auch in seinem Land in Kanaan.
[29:37] Und wir müssen uns natürlich überlegen, was es jetzt konkret im Einzelnen für uns dann in der Übertragung bedeutet.
[29:42] Wenn ein Rind einen Mann oder eine Frau zu Tode stößt, ja, so soll man das Rind steinigen. Der Eigentümer soll eigentlich unbestraft bleiben. Es sei denn, man wusste schon, dass das Rind stößig ist und man hat den Eigentümer verwarnt, dann soll auch der Eigentümer sterben. Aber man kann ihm mit einem Lösegeld sozusagen, ja, das Leben sozusagen weiter ermöglichen.
[30:06] Denselben Fall haben wir auch im Kodex Hammurabi: Wenn ein Rind, während es auf der Straße geht, jemanden gestoßen und dadurch dessen Tod verursacht hat, in diesem Rechtsfall besteht kein Klageanspruch. Wenn jedoch jemandes Rind stößig ist, sein Wohnviertel mit ihm geteilt hat, dass es... und Verzeihung, sein Wohnviertel, also die Nachbarschaft, ihm mitgeteilt hat, dass es stößig ist, er seine Hörner aber dennoch nicht gestutzt, auch sein Rind nicht festgebunden hat und dann dieses Rind den Sohn von jemandem anders gestoßen, dadurch dessen Tod verursacht hat, es ergibt eine halbe Mine Silber.
[30:36] Also hier wird er nicht umgebracht, er muss nur Geld bezahlen. Aber wir sehen dieselben Prinzipien.
[30:41] Dann die Zisterne, die aufgedeckt ist. Es fällt ein Esel oder ein Rind hinein. Was macht man jetzt mit dem Totentier? Was macht derjenige, der dafür verantwortlich ist? Wenn jemand das Rind eines anderen zu Tode stößt, so sollen sie das lebendige Rind verkaufen, das Geld teilen und das tote Rind auch teilen. Ja, also ein Rind tötet ein anderes, und ist die Frage, was macht man jetzt? Das lebendige wird verkauft, Eigentümer und der Geschädigte bekommen die Hälfte, und sie teilen sich auch das tote Rind.
[31:12] Und wenn man jetzt den Kodex Ešnunna liest, dann liest man in dem Paragraph 53: "Wenn ein Ochse einen Ochsen gestoßen und getötet hat, werden beide Ochsenbesitzer den Preis für den lebenden Ochsen als auch den Kadaver des toten Ochsen teilen." Das ist quasi fast wörtlich das, was auch in 2. Mose 21 steht.
[31:30] Und hier komme ich nicht drum herum, einfach einen bekannten Vers hier dazu zu nehmen, nämlich aus Römer 2, Vers 14: "Wenn nämlich Heiden, die das Gesetz nicht haben, die nie am Berg Sinai standen, die nie von Mose gehört haben, weil der Kodex Ešnunna ist ziemlich sicher vor Mose gewesen, wenn sie, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur aus tun, was das Gesetz verlangt, auch wenn sie die Zehn Gebote kennen, trotzdem jetzt in den praktischen Regelungen des Alltags solche Dinge dann verordnen, die auch in der Bibel dann später stehen. Sie sind, die das Gesetz nicht haben, sich selbst ein Gesetz, da sie ja beweisen, dass das Werk des Gesetzes in ihre Herzen geschrieben ist."
[32:09] Es gibt zwar immer wieder Wissenschaftler, die behaupten, diese Parallelen würden bedeuten, die Israeliten hätten einfach nur von den altorientalischen Gesetzen abgekupfert, einfach das so ein bisschen sich zusammenkopiert. Aber ich glaube, es ist genau das Gegenteil. Es zeigt, dass Gottes Geist an den Menschen nicht nur in Israel gewirkt hat, sondern dass Gottes Geist auch an anderen Kulturen gewirkt hat und bis zu einem gewissen Grad sie auch bestimmte Prinzipien der Gerechtigkeit verstanden haben.
[32:33] Natürlich ist das nie so rein wie in der Bibel. Es gibt dann immer Dinge dazwischen, wo man sagt: "Okay, das geht jetzt zu weit" oder "Das geht nicht weit genug."
[32:40] Das ist natürlich alles auch vom Götzendienst überlagert, vom Polytheismus. Aber wir finden dort Prinzipien, und solche Prinzipien, die mit der Bibel übereinstimmen, da dürfen wir glauben, dass der Heilige Geist auch hier an Menschenherzen und Richterherzen und Königsherzen gewirkt hat, um zumindestens ansatzweise die Prinzipien der Gerechtigkeit auch dort bekannt zu machen, so dass, wenn sie von den israelitischen Gesetzen gehört hätten, wenn die Israeliten mehr Missionen gemacht hätten, sie gesagt hätten: "Aha, das kennen wir auch schon, da haben wir gute Parallelen."
[33:11] Und was ihr da noch habt, das ist ja eigentlich ganz großartig. Das hebt ja die Würde des Menschen noch viel mehr. Ich glaube, das war Gottes Plan.
[33:19] Dann haben wir hier diese interessante Vorschrift: Wenn jemand ein Rind stiehlt oder ein Schaf und es schlachtet oder verkauft, so soll er fünf Rinder für eines erstatten und vier Schafe für eines. Interessant. Ja, man würde ja vielleicht denken, umgekehrt, ja, weil Rinder sind größer als Schafe. Aber ganz interessante Vorschrift, die eine Parallele, aber auch einen, ja, etwas anderen Maßstab hat im Kodex Hammurabi.
[33:41] Wenn jemand entweder ein Rind, ein Schaf, ein Schwein – das ist in der Bibel natürlich nicht wichtig – oder ein Schiff – manche übersetzen auch Kamel, das ist dann unterschiedlich von der Deutung des Wortes – gestohlen hat: Falls es einem Gott, falls es dem Palast gehört, er gibt das 30-Fache davon. Falls es einem Angehörigen des unteren Standes gehört, also einem Muschkenu, ersetzt es zehnfach.
[34:03] Also da ist der Maßstab jetzt sehr viel größer. In der Bibel ist es nur fünffach oder vierfach. Und interessant ist an dieser Stelle die Geschichte von David, der vom Propheten Nathan sozusagen durch das Gleichnis auf seine Sünde aufmerksam gemacht worden ist. Bevor er das erkennt und nur diese Geschichte, die sich Nathan ausgedacht hat, hört, sagte er über den Mann, der das Lamm des Armen genommen hat, das einzige Lamm:
[34:30] Er sagt hier: "So wahr der Herr lebt, der Mann, der dies getan hat, ist ein Kind des Todes. Dazu soll er das Lamm vierfach bezahlen, weil er das getan hat und kein Erbarmen geübt hat." Und wir kennen die Geschichte von David. David durfte aufgrund seiner Reue leben, aber sind doch vier seiner Söhne gestorben.
[34:55] Interessant ist auch im Neuen Testament, wie Zachäus der Zöllner war und deswegen fast von Berufswegen auch unehrlich gewesen ist, jetzt nach seiner Begegnung mit Jesus, seiner Bekehrung, Folgendes sagt: "Siehe Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und wenn ich jemand betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück." Also, da schwingt dieses Gesetz aus 2. Mose 21 noch nach. Natürlich geht's hier nicht um Rinder oder Schafe, es geht hier um Geld, aber das Prinzip ist immer noch gültig. Ganz interessant. Und ich glaube, es lohnt sich, wenn wir da mehr vielleicht drüber nachdenken, in welchem Umfang diese Gebote aus 2. Mose 21 bis 23 auch heute ihre praktische Kraft und bindende Kraft in unserem Alltag haben und wie das konkret aussieht.
[35:44] Wie ist es beim Einbruch? 2. Mose 22. "Wenn ein Dieb beim Einbruch ertappt und geschlagen wird, so dass er stirbt, so hat man keine Blutschuld. Ist aber die Sonne über ihm aufgegangen, ja, man hat es alles sehen können, so hat man Blutschuld." Man muss den Dieb nicht unbedingt zu Tode prügeln. Im Dunkeln ist es etwas anderes. Und der Dieb soll, wenn er dabei ertappt wird, das Gestohlene doppelt wieder erstatten.
[36:09] Jetzt im Kodex Ešnunna finden wir auch diese Differenzierung zwischen: Ist es im Tageslicht oder bei Nacht geschehen? Ja, wird der Mann, der Dieb, im Haus eines Muschkenu ergriffen, muss er zehn Schekel Silber abwiegen, wenn es Tag ist. In der Nacht allerdings soll er sterben und nicht leben. Also, da wird auch so ein Unterschied gemacht in der juristischen Bewertung der Tat.
[36:31] Dann in Vers 4: Jemand hat ein Feld, ein Weinberg. Er lässt ein Feld oder Weinberg abweiden, und das Vieh hat freien Lauf und geht jetzt auf das Feld eines anderen und weidet das ab. So soll er das Beste seines eigenen Feldes und das Beste seines Weinbergs dafür geben.
[36:47] Und wenn ein Feuer jetzt ausbricht und das Feld eines anderen vernichtet, so soll der Verursacher des Feuers den Schaden ersetzen.
[36:56] Auch hier haben wir wieder Parallelen zum Kodex Hammurabi, zum Beispiel Paragraph 57: "Wenn ein Hirt über das Beweiden durch eine Schafherde mit dem Eigentümer eines Feldes nicht übereingekommen ist, er dann aber ohne Genehmigung des Eigentümers des Feldes das Feld durch eine Schafherde abgrasen lässt. So. Der Eigentümer des Feldes erntet sein Feld ab. Der Hirte, der ohne Genehmigung des Eigentümers des Feldes das Feld durch seine Schafherde hat abgrasen lassen, gibt außerdem pro Iku 1420 Kur Gerste" und so weiter. Also, da sehen wir ähnliche Probleme und eine ähnliche Herangehensweise.
[37:30] Und auch über das Feuer finden wir hier ein Beispiel bei den hethitischen Gesetzen, die haben wir am Anfang gar nicht erwähnt, aber die gibt es auch bei den Hethitern in Kleinasien, Paragraph 105: "Wenn jemand Feuer legt. Die sind also möglicherweise vielleicht sogar dann zur Zeit von Mose oder etwas später. Wenn jemand Feuer legt und es einen fruchtragenden Weinberg erfasst, wenn ein Weinstock, ein Apfelbaum, ein Birnenbaum oder ein Pflaumenbaum brennen, wird er sechs Schekel Silber für jeden Baum zahlen. Er soll neu anpflanzen." Also eine ganz ähnliche Sache hier.
[38:03] Einer gibt seinem Nächsten Geld oder Hausrat zur Verwahrung, und es wird dann gestohlen, dann soll es doppelt ersetzt werden. Aber ist der Dieb nicht zu finden, dann soll der Hausherr – und jetzt interessant – vor Gott treten und sozusagen, ja, also beteuern, dass er sich nicht am Gut seines Nächsten vergriffen hat. Es soll bei der Aussage vor Gott gelangen, bei jedem Fall von Veruntreuung. Und wen Gott schuldig spricht, der soll es seinem Nächsten doppelt ersetzen.
[38:29] Haben wir also diese Idee: Wenn man jetzt nicht genau weiß, wer schuldig ist, dann soll man damit vor Gott treten.
[38:35] Und entsprechend haben wir hier auch weiter diesen Fall in Vers 9 bis 12: Ein Eid bei dem Herrn zwischen beiden soll entscheiden, wenn also hier ein Schaden entsteht, ohne dass es jemand sieht.
[38:50] Und der Eigentümer soll das dann hinnehmen und keine Entschädigung erhalten.
[38:55] Und interessanterweise haben wir Ähnliches auch im Kodex Hammurabi. Dort natürlich nicht den Gott Israels, sondern die Götter Babylons. "Wenn in einem Viehhof eine Seuche ausgebrochen ist oder ein Löwe getötet hat, der Hirte leistet vor einem Gott einen Reinigungseid, also dass er unschuldig ist. Und der Eigentümer des Viehhofs akzeptiert das Ergebnis – Verzeihung, das Ereignis im Viehhof." Also, auch hier sehen wir, dass sozusagen die konkreten Rechtsvorschriften durchaus vergleichbar sind mit dem, was auch in Babylon üblich war. Nur, dass natürlich die Babylonier dann zu irgendeinem Gott gebetet haben, und Gott sagt: "Nein, ihr kommt in solchem Fall zu mir."
[39:33] 2. Mose 22: "Leiht jemand etwas von seinem Nächsten, und es wird beschädigt oder kommt um, ohne dass der Eigentümer dabei ist, so muss er es ersetzen. Ist der Eigentümer dabei, so braucht jener es"
[39:44] Eigentümer dabei, so braucht jener es nicht zu ersetzen. Also hier sieht man sozusagen, wie die Umstände jeweils auch eine andere Bewertung nach sich ziehen.
[39:53] Und dann kommt die Stelle mit der Jungfrau. Wenn ein Mann eine Jungfrau verführt, die noch nicht verlobt ist und er liegt bei ihr, so muss er sie durch Bezahlung des Brautpreises zur Ehefrau nehmen. Will aber ihr Vater sie ihm überhaupt nicht geben, also es gibt die Frau hat sozusagen über ihren Vater die Möglichkeit, das auch noch abzuwehren, wenn sie das nicht möchte.
[40:15] Aber wenn er, wenn die quasi verliebt sind und er hat sie jetzt quasi dann verführt, aber will noch nicht die Verantwortung übernehmen, dann muss er die volle Verantwortung tragen und muss sie zur Frau nehmen und auch den Brautpreis bezahlen. Das ist natürlich auch eine gewisse Sicherheit, die die Frauen dadurch bekommen.
[40:34] Eine Zauberin sollst du nicht am Leben lassen. Sowas gibt es natürlich eben im alten Orient jetzt nicht so in diesem Maße. Ja, Zauberei ist dort natürlich viel praktizierter, obwohl das oft dann mehr Gegenzauber ist gegen den bösen Zauber von irgendjemand anderem.
[40:54] Jeder, der bei einem Vieh liegt, soll unbedingt sterben. Da gibt es nicht viel. Es gibt in hethitischen Gesetzen auch ähnliche Gesetze, wobei allerdings Ausnahmen bei bestimmten Tieren gemacht werden, aber da wollen wir gar nicht jetzt weiter drauf eingehen.
[41:06] Und dann heißt es: "Jeder, der den Göttern opfert und nicht dem Herrn allein, der soll dem Bann verfallen werden." Sowas ist natürlich in den altorientalischen Gesetzen überhaupt gar nicht vorgesehen, weil sie dort ja den Polytheismus haben.
[41:17] Und dann heißt es: "Den Fremdling sollst du nicht bedrängen, noch bedrücken, denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen im Land Ägypten." Hier kommen wir jetzt in einen Bereich von Vorschriften, die ganz einzigartig sind, die es so in dieser Form im alten Orient sonst nicht gibt.
[41:32] Und hier sehen wir, wir sehen sozusagen eine Zeit lang, dass die Gesetze, was das Strafrecht betrifft und das Familienrecht und solche Dinge, dass das ziemlich ähnlich ist mit kleineren Unterschieden manchmal im Maßstab und dass wir dort schon eine ganz deutliche Kehrtwende haben in der Bewertung von Sklaven.
[41:52] Aber jetzt sehen wir, es gibt dann allgemeine Grundsätze, die im alten Orient schon gar nicht mehr so wahrgenommen worden sind in Gesetzen, die jetzt aber Gott hier hervorbringt und sagt: "Schaut mal, neben diesen Strafgesetzen braucht ihr auch das. Es ist genauso wichtig für euer nationales Zusammenleben. Ausländer sollen nicht unterdrückt werden, denn ihr seid selbst einmal Ausländer gewesen."
[42:12] Hier dieser Gedanke mit "Erinnere dich, wie es dir ging und füge anderen nicht das zu, was du selbst nicht mochtest."
[42:19] Wir hören hier schon die goldene Regel so ein bisschen anklingen, die wir aus der Bergpredigt berühmterweise kennen, aus Matthäus Kapitel 7, wo es dort heißt in Vers 12: "Alles nun, was ihr wollt, dass die Leute euch tun sollen, das tut auch ihr ihnen ebenso, denn dies ist das Gesetz und die Propheten." Und das sehen wir ganz deutlich hier an diesem Beispiel.
[42:46] Soll auch die Waisen und Witwen bedrücken? Gott sagt, dass er sich um die kümmern wird, wenn es doch geschieht. Hier haben wir dieses Prinzip, das heißt, sie so behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte.
[43:02] Wenn du meinem Volk Geld leihst, also wenn man einem Armen, der bei dir wohnt, einen Kredit vergibt, sollst du an ihm nicht handeln wie ein Wucherer. Du sollst ihm keinen Zins auferlegen. Ja, sich nicht bereichern an der Not des anderen.
[43:13] Wenn du je das Obergewand deines Nächsten als Pfand nimmst, so sollst du es ihm wiedergeben bis zum Sonnenuntergang, weil die Barmherzigkeit und das Erwägen, was jetzt dem anderen mindestens nottut, was er braucht zum Überleben, wichtiger ist als die Frage, ob ich jetzt bis auf den letzten Heller und Pfennig Gerechtigkeit erfahre, dass der an mir alles zurückgibt, was er schuldig ist.
[43:44] So und Gott sagt hier sehr interessant, denn ich bin gnädig. Ich werde mich für diesen Armen einsetzen.
[43:51] Das heißt dann weiter in Vers 27: "Gott sollst du nicht lästern und einem Obersten deines Volkes sollst du nicht fluchen." Auch interessant. Wir haben ja gesehen, dass das Gebot, das fünfte Gebot, "Du sollst Vater und Mutter ehren", auch andere Personen mit Autorität mit einschließt, natürlich immer in einem gewissen Rahmen, nicht allumfassend.
[44:16] Es gibt immer Dinge, also Gottes Wort steht immer über allem, was andere Menschen uns sagen. Aber hier sehen wir ganz deutlich, man soll der Obrigkeit, man soll den damals den Königen, den Obersten des Volkes, heute dem Staat, man soll ihm nicht fluchen. Das ist eine ganz konkrete Rechtsbestimmung und ich glaube, sie gilt bis heute noch, denn auch Gott nicht zu lästern ist bis heute noch gültig.
[44:39] Den Ertrag deines Feldes und den Überfluss deiner Ernte sollst du nicht zurückbehalten. Deinen erstgeborenen Sohn sollst du mir geben. Das ist natürlich dann jetzt ganz direkt aus dem Passah-Geschehen, aus der zehnten Plage der Befreiung aus Ägypten heraus zu verstehen, auch mit dem Rind und mit dem Schaf.
[44:57] Und dann heißt es hier: "Und ihr sollt mir heilige Leute sein." Auch dieser Gedanke ist natürlich den altorientalischen Gesetzen ganz fremd.
[45:04] Also wir sehen, das geht am Anfang los mit Dingen, die sehr ähnlich sind: vergleichbare Fälle, vergleichbare Probleme, ähnliche Regelungen, zum Teil ein bisschen anders. Mit einem Schwerpunkt auf grundsätzlichen Prinzipien schon. Und diese grundsätzlichen Prinzipien werden immer deutlicher jetzt und immer klarer, weil jetzt Themen angesprochen werden, die so im alten Orient sonst nie in Gesetzen vorkommen.
[45:25] Wir sollen nicht einfach nur wissen, was man bei Mord und bei Totschlag und bei Diebstahl machen soll. Wir sollen grundsätzlich im Leben heilige Menschen sein. Und das hat dann auch konkrete Auswirkung, z.B. dass man kein zerrissenes Fleisch isst, wie in diesem Vers hier.
[45:42] So lesen wir denn auch, der Sinn all dieser Anordnungen wurde ihnen genannt. Sie entstammten keinem willkürlich ausgeübten Herrschaftsanspruch.
[45:50] Gott sagt nicht einfach: "Ich überlege jetzt mal Sachen, die ihr machen sollt", sondern sie dienten dem Wohle Israels. Alle diese Gebote, auch wenn sie uns manchmal ein bisschen auf den ersten Blick drakonisch vorkommen, sind sie immer zum Schutz der Armen, zum Schutz der Frauen, zum Schutz der Sklaven, zum Schutz derer, die sonst mit Gewalt unterdrückt werden.
[46:09] Der Herr sagte: "Ihr sollt mir heilige Leute sein", würdig – das ist jetzt ihr Kommentar – würdig von einem heiligen Gott anerkannt zu werden. Wir sollen so leben, dass wir würdig sind, dass ein heiliger Gott uns als seine Kinder anerkennt.
[46:23] Und das hat etwas mit diesen Rechtsordnungen, Rechtsbestimmungen zu tun, in denen wir die Zehn Gebote sozusagen ins alltägliche Leben ausgemünzt sehen. Wir sehen sozusagen, was das konkret jetzt in ihrer Kultur bedeutet und wir könnten daran ein Beispiel nehmen, zu sehen, was es auch in unserer Kultur dann konkret bedeutet und viele Dinge lassen sich ja sehr klar sofort übertragen.
[46:44] Ebenfalls vollkommen einzigartig ist hier 2. Mose 23 Vers 1: "Du sollst kein falsches Gerücht verbreiten." Es gilt auch in Zeiten von Telegram und Instagram und Facebook. Es gilt für jeden bekennenden Christen: keine falschen Gerüchte verbreiten. Und wenn ich mir nicht sicher bin, ob das wirklich stimmt, wenn ich selbst kein Augenzeuge und Ohrenzeuge gewesen bin von der Sache, dann lasse ich es lieber bleiben, statt es weiterzuleiten und damit Menschen zu schaden und gegen Gottes Wort zu sündigen.
[47:20] Und dann heißt es – und auch das ist sehr interessant, ist eine Anweisung an die Richter: "Du sollst nicht der Menge folgen zum Bösen und sollst vor Gericht deine Aussagen" – also nicht nur für die Richter, sondern auch natürlich für die Zeugen – "deine Aussagen nicht nach der Menge richten, um das Recht zu beugen."
[47:36] Und jetzt kommt es: "Du sollst auch den Armen nicht begünstigen in seinem Rechtsstreit." Also erstens sollen wir uns nicht einfach danach orientieren, okay, was sagt die Menge? und dann vielleicht Leute dafür über die Klinge springen lassen. Zum anderen soll auch ein Richter nicht aus falsch verstandener Empathie jetzt einem Menschen Unrecht widerfahren lassen, nur weil die andere Partei so arm ist. Ja, das Recht soll trotzdem gerecht bleiben.
[48:08] Und dann kommt ein ganz tolles Gesetz: "Wenn du das Rind deines Feindes oder seinen Esel antriffst, der sich verlaufen hat, so sollst du ihm denselben auf jeden Fall wiederbringen." Ja, nicht vielleicht, wenn du dich ganz heilig fühlst, sondern auf jeden Fall. Siehst du den Esel deines Feindes unter seiner Last erliegen? Könntest du es unterlassen, ihm zu helfen? Das ist eine rhetorische Frage. "Du sollst ihm" – das heißt dem Feind – "samt jenem unbedingt aufhelfen."
[48:46] Also Esel und Feind. Und hier merken wir schon, obwohl unsere Feinde meistens keine Rinder haben und auch keine Esel, wie sehr uns das eigentlich trifft, mich und uns alle wahrscheinlich, dass wir, wenn Menschen, die uns nicht wohlgesonnen sind, ein Missgeschick haben, dass wir dann nicht einfach sagen: "Nein, jetzt habe ich leider keine Zeit", sondern ganz besonders ihnen helfen.
[49:08] Jesus hat das gleiche Prinzip so ausgedrückt, Matthäus 5, ab Vers 44: "Ich aber sage euch, liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen und bittet für die, welche euch beleidigen und verfolgen." Mitten in diesen mosaischen Gesetzen, von denen viele Christen denken, dass sie jetzt gar nicht mehr wichtig sind, weil sie vielleicht schon die Tora als abgeschafft betrachten und erst recht diese mosaischen Gesetze, die scheinbar nur für die Kultur von damals gewesen sind, finden wir stattdessen genau das, was Jesus in der Bergpredigt – jeder Christ wird das ja nun als zentrale Lehre anerkennen – finden wir genau dasselbe. Es hat sich nichts geändert.
[49:44] Die Formulierungen sind anders, die Umstände sind ein bisschen anders, aber die Prinzipien, das Evangelium, ist immer noch genau dasselbe in der Bergpredigt, wie auch in 2. Mose 23 in den Rechtsordnungen.
[49:54] Und Jesus sagt: "Wenn ihr das tut, dann seid ihr Söhne eures Vaters im Himmel, denn er macht auch das." Jesus ist sogar für uns gestorben. Der Vater hat ihn gegeben, als wir seine Feinde waren.
[50:07] Und dann kommt der berühmte Satz: "Darum sollt ihr vollkommen sein, gleich wie euer Vater im Himmel vollkommen ist." Wenn wir uns fragen, was heißt es vollkommen zu sein, dann hilft uns 2. Mose 23: "Wenn der Esel deines Feindes sich verlaufen hat, bring ihn zurück zu deinem Feind."
[50:29] 2. Mose 23: konkrete Beispiele, was es da heißt, im Glauben zu wachsen, Heiligung zu erleben und Charaktervollkommenheit im christlichen Sinne.
[50:44] Hier haben wir jetzt noch mal die Frage von Arm und Reich in der Rechtsmaterie. Also wenn es zu einem Gerichtsfall kommt, Vers 6 heißt es: "Du sollst das Recht deines Armen nicht beugen in seinem Rechtsstreit."
[51:01] "Von einer betrügerischen Sache halte dich fern und den Unschuldigen und Gerechten bringe nicht um, denn ich spreche keinen Gottlosen gerecht." Das ist eine Anweisung an die Richter, auf jeden Fall sich nach dem Recht zu richten und nicht nach gesellschaftlichen – ausgesprochenen oder unausgesprochenen – Entwicklungen und Dingen, die man so zwischen den Zeilen spürt, sondern einfach dem zu folgen, was die Wahrheit ist.
[51:30] Und Gott sagt hier, er spricht keinen Gottlosen gerecht. Das ist interessant auch für das Evangelium. Ein Mensch, der in seiner Gottlosigkeit verharrt, wird von Gott nicht gerecht gesprochen werden.
[51:43] Die einzige Möglichkeit, gerecht gesprochen zu werden, ist, wenn wir die gerechte Strafe akzeptieren, dass Jesus die gerechte Strafe bereits bezahlt hat. Aber wenn wir dann weiter in der Gottlosigkeit verharren, dann haben wir es nicht verstanden und Gott spricht keinen Gottlosen gerecht.
[52:00] Und nimmt kein Bestechungsgeschenk an, denn das Bestechungsgeschenk macht die Sehenden blind und verkehrt die Sache der Gerechten. Alle Korruption ist von einem Christen zu meiden.
[52:11] Und dann geht es wieder um die Ausländer: "Bedrücke den Fremdling nicht, denn ihr wisst" – und indem Gott das wiederholt und dadurch betont, zeigt er, wie wichtig es ihm ist, dass auch die Ausländer in Israel gut behandelt werden – "denn ihr wisst, wie es den Fremdlingen zumute ist." Ja, schon grundsätzlich, wenn man irgendwo im Ausland lebt und nicht Teil der Kultur, der Sprache vielleicht auch nicht mächtig ist, dann soll man sie erst recht nicht noch unterdrücken.
[52:36] Und dann kommt das Sabbatjahr: "Sechs Jahre sollst du dein Land besäen und seinen Ertrag einsammeln, aber im siebten sollst du es brachliegen und ruhen lassen." Und auch das hatte einen karitativen Zweck für die Armen des Volkes und sogar für die Tiere.
[52:51] Und dann haben wir noch einmal den Sabbat auch: "Sechs Tage sollst du deine Werke verrichten, aber am siebten Tag sollst du ruhen, damit dein Rind und dein Esel ausruhen und der Sohn deiner Magd und der Fremdling sich erholen können." Das, was wir im vierten Gebot haben, wird hier noch mal wiederholt, um deutlich zu machen: Auch deine Mitarbeiter brauchen entsprechend Ruhe.
[53:11] Und dann heißt es: "Habt sorgfältig Acht auf alles, was ich euch befohlen habe und die Namen der fremden Götter sollt ihr nicht erwähnen."
[53:20] Es geht nicht nur darum, keine fremden Götter zu haben, deren Namen sollen nicht einmal erwähnt werden. Gott sagt sogar, sie sollen gar nicht über eure Lippen kommen. Denn was man nicht erwähnt und worüber man gar nicht spricht, das ist vielleicht auch keine so große Verführung. Wenn man ständig über etwas spricht und ständig etwas im Gedanken hat und sagt: "Ich tu es dann halt doch nicht", dann ist es ja viel schwieriger.
[53:44] Wir sehen also, wie auch hier in dem Fall das erste Gebot noch einmal praktisch heruntergebrochen wird, was das bedeutet.
[53:56] Und dann fasst Gott die drei großen Feste zusammen. Wir werden das hier nicht mehr in der Serie sehen, aber in 3. Mose werden ja dann insgesamt sieben Feste beschrieben. In 2. Mose 23 dreimal sollen die Israeliten auch dort dann an den Ort kommen, an den Gott seinen Namen wohnen lässt. Also der Ort des Heiligtums, wie wir später sehen werden.
[54:17] Dreimal im Jahr sollst du mir ein Fest feiern: das Fest der ungesäuerten Brote. Ja, sieben Tage lang im Monat Abib, da haben wir schon drüber gesprochen. Das war ja die Erinnerung an den Auszug aus Ägypten und ein Typus auf die Erlösung durch Jesus.
[54:33] So dann das Fest der Ernte, und dabei muss es sich um das Fest der Wochen handeln, das ungefähr wohl zeitlich mit dem Geben der Zehn Gebote auch in Korrelation steht und das dann im Neuen Testament in 2. Mose – Verzeihung – in Apostelgeschichte 2 Pfingsten ist und auch dort finden wir eine Ernte. All das, was Jesus gesät hat, wird jetzt von den Jüngern geerntet, als der Heilige Geist ausgegossen wird und 3000 sich an einem Tag bekehren und dann diese Ernte immer weitergeht. Und dann das Fest der Einbringung am Ausgang des Jahres.
[55:09] Und das ist dann das Fest der Gelegenheit im 7. Monat, im Tischri, das Laubhüttenfest, aber das würde heute jetzt hier zu weit führen, das jetzt im Einzelnen alles zu erklären. Aber das sind die drei großen Gelegenheiten, wo Israeliten dann auch später nach Jerusalem gehen sollten oder beziehungsweise hier erstmal grundsätzlich das eingeprägt werden soll. Das soll diese drei großen Feste geben.
[55:41] Dann Vers 18: "Du sollst das Blut meiner Opfer nicht zusammen mit Sauerteig darbringen und das Fett meiner Festopfer soll nicht bleiben zum anderen Morgen." Ich habe schon gesehen, auch im Zuge des Passahfestes: Der Sauerteig in diesem Zusammenhang ist immer ein Symbol auch für die Sünde, für die Schlechtigkeit, und das Opfer soll nicht gleichzeitig vergesellschaftet sein, sozusagen mit einem Symbol für die Sünde, weil das Opfer ja symbolisch die Sünde trägt.
[56:08] Jesus ist unser Sündenträger, aber wenn wir gleichzeitig dann weiter sündigen und dabei beim Sündigen quasi Jesus in Anspruch nehmen und dabei weiter sündigen, dann ist das etwas, was Gott auf keinen Fall möchte. Wer das Opfer bringt, soll nicht gleichzeitig Sauerteig dazu bringen.
[56:24] Die frühesten Erstlinge deines Ackers sollst du in das Haus des Herrn, deines Gottes, bringen. Das ist also diese Idee: die Erstlinge, das erste, was wir sozusagen erwerben, das erste, was Gott uns schenkt eigentlich, das gehört dann auch ihm.
[56:39] Und dann dieses interessante Gebot, über das man viel nachdenken kann: "Du sollst dein Böcklein nicht in der Milch seiner Mutter kochen." Das ist viel drüber diskutiert worden. Ich habe auch keine endgültige Antwort bisher darauf gefunden, aber ich denke, der Hauptgedanke ist ja eigentlich, dass wenn man wirklich mit Gott lebt und der Heilige Geist das Herz verändert und man so ein Gespür bekommt auch für Dinge, für etwas, was grausam ist und was lieb ist, dann, wenn man schon ein Böcklein unbedingt essen möchte und es kochen möchte, dann wird man doch nicht extra die Milch nehmen, die die Mama eigentlich produziert, um ihr Böcklein zu ernähren. Ja, das wird man dann nicht übers Herz bringen. Das ist ein Beispiel. Also, wer das macht, der zeigt eigentlich eine ziemliche Abgestumpftheit, eine Grausamkeit in gewisser Weise, eine Herzenshärte, und das ist ein Beispiel dafür eigentlich, wie weich unsere Herzen sein sollen. Ich glaube, das ist der Gedanke hier dahinter.
[57:36] Und dann sagt Gott durch Mose: "Siehe, ich sende einen Engel vor dir her." Gott bringt sie nicht zum Sinai und schickt sie dann weg und sagt: "Jetzt macht, versucht mal euer Glück." Wir werden noch sehen, das ist ein großes Thema, wie die Israeliten dann vom Sinai nach Kanaan kommen sollen. Es wird uns doch beschäftigen. Gott sagt: "Ich sende einen Engel vor dir her, damit er dich behüte auf dem Weg und dich an den Ort bringe, den ich bereitet habe."
[58:01] Gott führt uns nicht nur den halben Weg, er möchte uns bis ans Ziel bringen. "Hüte dich vor ihm und gehorche seiner Stimme und sei nicht widerspenstig gegen ihn, denn er wird eure Übertretung nicht ertragen, denn mein Name ist in ihm."
[58:17] Wer ist dieser Engel? Ich glaube, es ist niemand anderes als der Engel, der auch Mose im brennenden Dornbusch erschienen ist, der sich selbst dann genannt hat: "Ich bin der ich bin", und den auch 2. Mose 3 dann schon Gott nannte, der Engel des Herrn Jesus, denn Gottes Name ist in ihm.
[58:39] Und es heißt hier: "Wenn du aber seiner Stimme wirklich gehorchen und alles tun wirst, was ich sage." So hatten wir es ja auch in 2. Mose 19. Wenn wir wirklich auf Gottes Stimme hören und ihm gehorchen, dann kann er uns segnen. Dann kann dieser Bund bestehen. Dann kann er uns zum königlichen Priestertum machen.
[58:58] Dann heißt es hier: "So will ich der Feind deiner Feinde sein und der Widersacher deiner Widersacher." Mit anderen Worten, dann werde ich auf deiner Seite stehen, komme, was da wolle, in jeder Auseinandersetzung. Wenn nun mein Engel vor dir hergeht und dich zu
[59:11] mein Engel vor dir hergeht und dich zu den Amoritern, Hethitern, Perisitern, Kanaanitern, Hiwitern und Jebusitern bringt und ich sie vertilge, so sollst du ihre Götter nicht anbeten noch ihnen dienen und du sollst es nicht machen wie sie, sondern du sollst sie vollständig zerstören und ihre Säulen ganz niederreißen.
[59:34] Gott sagt ihnen: "Folgt Jesus, der euch erlöst hat, der euch bis hier gebracht hat in der Wolken- und Feuersäule und der euch bis ans Ende vorangehen möchte." Was ist das anderes als eine alttestamentliche Beschreibung dessen, was in Hebräer Kapitel 12 steht und dort in Vers 1 und 2: "Da wir nun eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, so lasst uns jede Last und die Sünde, die uns so leicht umstrickt, ablegen und lasst uns mit Ausdauer laufen in dem Kampf, der vor uns liegt, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens."
[1:00:17] Jesus ist Anfänger und Vollender des Glaubens. Er hatte den Exodus begonnen. Er hatte, er hatte sich Mose offenbart. Er hat gesagt, ich schicke *dich* nach Ägypten. Er hat am Pharao und an den Ägyptern gewirkt. Er hat den Sieg errungen in der zehnten Plage. Er hat die Israeliten herausgeführt. Er hat sie durchs Rote Meer durchgeführt. Er bringt sie mit der Wolken- und Feuersäule durch die Wüste bis an den Berg Sinai, wo er zu ihnen spricht.
[1:00:48] Mit Gott dem Vater natürlich immer mit dabei. Ich glaube, dass Gott der Vater und Jesus beide auf dem Berg Sinai gewesen sind. Die Stimme war die von Jesus, aber natürlich war Gott der Vater mit all dem hundertprozentig einverstanden. Es war ja sein Gesetz auch.
[1:01:07] Und so sagt Gott jetzt zu Mose: "Jesus wird euch bis ans Ende führen, aber ihr müsst ihm gehorchen." Und lieber Freund, liebe Freundin, wenn wir erlebt haben, dass Jesus uns freigemacht hat von Sünde, wenn wir erlebt haben, dass er uns aus der Knechtschaft herausgeführt hat, wenn wir erlebt haben, dass er uns bekehrt hat, dass wir uns zu ihm bekehren durften, dass wir Erlösung erlebt haben und er uns geführt hat bis hierhin. Und wir wissen, wir sind noch nicht im Gelobten Land, wir sind noch nicht am Ziel angekommen, dann müssen wir verstehen, derselbe Jesus, der uns bis heute geführt hat, muss uns auch bis ans Ende führen.
[1:01:47] Wir lesen in Patriarchen und Propheten Seite 286: "Auf allen Wanderungen ging Christus den Israeliten in der Wolke und Feuersäule wegweisend voran. Sie hatten wohl Sinnbilder, Typologien, die auf einen künftigen Erlöser verwiesen in den Opfern und den verschiedenen Dingen. Doch war er ihnen auch gegenwärtig, da er ihnen durch Mose Anweisung gab und ihnen als die einzige Quelle des Segens dargestellt wurde."
[1:02:10] Jesus ist genauso gegenwärtig im Alten Testament, genauso gegenwärtig sogar im mosaischen Gesetz, wie im Neuen Testament und wie heute.
[1:02:29] Wir lesen weiter, Vers 25: "Und ihr sollt dem Herrn eurem Gott dienen. So wird er dein Brot und dein Wasser segnen und ich will die Krankheit aus deiner Mitte hinwegnehmen. Es soll keine fehlgebärende oder unfruchtbare in deinem Land sein. Ich will die Zahl deiner Tage vollmachen."
[1:02:42] Hier sehen wir, dass Gehorsam Gott gegenüber und seinem Wort auch Auswirkung auf die Gesundheit hat. Nun, wir wissen aus der Bibel, wir haben das an anderer Stelle, denke ich, schon gesagt, das bedeutet nicht, dass ein Christ niemals krank werden kann. Das bedeutet nicht, dass Menschen, die krank sind, nicht gläubig sind. Wir wissen, Elisa, der große Prophet, ist in der schlimmen Krankheit gestorben, aber wir sehen, dass das Thema Gesundheit und Krankheit auch in Gottes Hand liegt. Wir sehen, dass Gehorsam zu ihm uns hilft, viele Krankheiten zu vermeiden, zu mildern oder wieder auch gesund zu werden. Wir hatten das schon in 2. Mose 15 gesehen und immer wieder bringt Gott diesen Punkt auch.
[1:03:25] Seine Führung beinhaltet nicht nur theologische Wahrheit, sondern praktische Hinweise für den ganzen Lebensalltag. Und das ist auch das Tolle an 2. Mose 21 bis 23. Wir sehen, wie die Prinzipien der Zehn Gebote in die verschiedensten Lebensbereiche hineinwirken, im sozialen, im familiären, im Miteinander bis in das Strafrecht, in die Gesundheit. Die verschiedenen Bereiche des Lebens werden alle von den Prinzipien des Gesetzes Gottes durchdrungen.
[1:03:58] Gegen Ende, Vers 27: "Gott sagt: 'Ich will meinen Schrecken vor dir her senden und will alle Völker in Verwirrung bringen, zu denen du kommst und will alle deine Feinde vor dir fliehen lassen. Ich will die Hornisse vor dir her senden, damit sie die Hethiter, die Kanaaniter und die Hiwiter vor dir her vertreibt. Ich will sie aber nicht in einem Jahr vor dir vertreiben, damit das Land nicht zur Einöde wird und die wilden Tiere sich nicht vermehren zu deinem Schaden.'"
[1:04:21] Gott sagt, ihr selbst wenn ihr das Land erobert, dürft ihr nicht erwarten, dass alles gleich sofort weg ist. Es wird Schritt für Schritt vertrieben werden.
[1:04:30] "Nach und nach will ich sie vor dir vertreiben in dem Maß, wie du an Zahl zunimmst, sodass du das Land in Besitz nehmen kannst."
[1:04:38] Gott schenkt die Siege nicht alle auf einmal auch in unserem Leben, sondern Stück für Stück, so wie wir auch im Glauben wachsen.
[1:04:47] Und am Ende, Vers 31 bis 33, die letzten Verse für heute: "Und ich setze deine Grenze vom Schilfmeer, also eigentlich vom Roten Meer – wir nennen uns Jam Suf, ist eigentlich dann das Rote Meer – bis zum Meer der Philister und von der Wüste bis zum Strom." Wenn euch das noch mal interessiert mit dem Jam Suf, dem Schilfmeer, Rotes Meer, das hatten wir in einer früheren Lektion, als wir über 2. Mose 13 bis 15 gesprochen haben, als es um die Frage des Durchzugs ging. "Gott sagt: 'Denn ich will die Bewohner des Landes in eure Hand geben, dass du sie vor dir vertreibst. Du sollst mit ihnen und mit ihren Göttern keinen Bund schließen. Sie sollen nicht in deinem Land wohnen bleiben.'"
[1:05:28] Und Gott sagt jetzt hier, was dieses gelobte Land, ähm ja, was das geografisch sozusagen, äh wie das einzugrenzen ist: vom Roten Meer bis zum Meer der Philister, also bis zum Mittelmeer, von der Wüste bis zum Strom Euphrat. Das heißt, das sind zwei Richtungen. Einmal hier vom Roten Meer, also dann in dem Fall vom Golf von Akaba, denn die werden ja jetzt vom Sinai, von der Sinai-Halbinsel nach Norden ziehen bis zum Mittelmeer. Das ist so die eine Stoßrichtung, ja, ähm quasi letztlich zwischen dem Mittelmeer und dem Grabenbruch, also dem Jordan dann auch und so. Ähm, das wäre dann so wahrscheinlich die Anwendung, obwohl wir später sehen werden, dass auch teilweise im Ostjordanland dann Stämme sich angesiedelt haben. Und dann von der Wüste, das heißt von der Sinai-Halbinsel, bis ganz in den Norden bis zum Strom Euphrat.
[1:06:20] Und wir realisieren schon hier, die Israeliten haben das fast nie in diesem Umfang, fast nie tatsächlich als ihr Gebiet gehabt. Es gibt eine kurze Phase unter Salomo, wo das tatsächlich ähm eine Zeit lang so ist. Es dürften höchstens ein paar Jahrzehnte gewesen sein, aber für die allermeiste Zeit der vielen Jahrhunderte der Geschichte Israels, also von dem Zeitpunkt bis zur Geburt Jesu sind ja ungefähr noch über fast anderthalb Jahrtausende, haben die Israeliten das nie ganz erfüllt, nie ganz realisiert.
[1:06:53] Gottes Pläne für sie sind fast nie so vollständig umgesetzt worden. Und es ist auch eine traurige Note hier am Ende, die uns zeigt, die Israeliten hätten einen viel größeren Einfluss auch haben können, eine viel größere Nation sein können, mit denen andere Nationen dann auch viel anders umgegangen wären, wenn sie im Glauben vorangegangen wären.
[1:07:19] Und das gibt uns das Stichwort für uns heute, die Entscheidung neu zu überdenken und zu fällen. Wollen wir im Glauben vorangehen? Wollen wir die Dinge, die Gott uns in seinem Wort zeigt, auch die praktischen Dinge in 2. Mose 21 bis 23, unter der Führung des Heiligen Geistes, so in unser Leben übertragen, dass wir diesen Dingen auch folgen, so dass Menschen sehen, dass die Zehn Gebote nicht nur unsere Lehrmeinung sind, sondern tatsächlich im Alltag veranschaulicht werden, so wie wir leben?
[1:07:48] Wir werden sehen, wenn wir die Bergpredigt ernst nehmen und die Dinge, die Jesus gesagt hat und sein Wort studieren und umsetzen, dann wird genau das geschehen.
[1:07:56] Ist das dein Wunsch, dass in deinem Leben die Zehn Gebote durch Gottes Gnade, durch seinen Heiligen Geist sichtbar werden für andere Menschen?
[1:08:05] Mein Wunsch ist es auf jeden Fall. Wollen wir gemeinsam noch beten? Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen, dass du uns durch dein Wort gesegnet hast, dass du uns geholfen hast, dass du zu uns gesprochen hast. Wir möchten dich bitten, dass du uns hilfst, im Alltag die Prinzipien deines Gesetzes durch den Glauben zu veranschaulichen, weil du in uns wirkst, weil du in unserem Leben lebst, Herr. Das bitten wir dich von ganzem Herzen. Wir danken dir, dass wir sehen konnten, dass dein Geist sogar in fremden Kulturen wirkt und so manches auch ihnen beigebracht hat, was wir aus der Bibel kennen. Aber wir sehen auch deutlich, dass es noch viel weiterzugeben gibt. So wie damals auch die Israeliten eine vollständige Offenbarung deiner Liebe hatten, als es die Babylonier oder Sumerer jemals gehabt haben.
[1:08:56] Herr, lass uns erkennen, dass wenn Menschen heute schon so manche gute Ideen haben, so manche guten Rechtsgrundsätze, dass ihnen aber das eigentliche Fundament fehlt, das alles begründen würde und auch viel weiterführen würde, nämlich die Offenbarung deiner Liebe am Kreuz von Golgatha und auch in den Zehn Geboten. Lass uns Menschen sein, die das verkörpern. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.
[1:09:23] Nächste Woche wollen wir uns dann den nächsten Kapiteln widmen. Es wird dann um den Bundesschluss gehen und um das Zelt, dass Gott als seine Wohnung inmitten der Israeliten aufschlagen möchte. Das wird sehr interessant werden. Bis dann wünschen euch Gottes reichen Segen und viel Freude im Studium seines Wortes. Amen.