Entdecke in dieser Folge der Christ Study Hour, wie das Buch Josua auch für unsere heutige Zeit relevante Glaubenslektionen bereithält. Christopher Kramp beleuchtet die überraschende Geschichte der Rahab und vergleicht sie mit einer weiteren, oft übersehenen Begebenheit, um die Bedeutung von Gnade und Glauben hervorzuheben. Lass dich inspirieren und lerne, wie auch du von Gottes Gnade überrascht werden kannst.
Christ Study Hour – Das Buch Josua: 2. Überrascht durch Gnade
Christopher Kramp · Christ Study Hour 2025 Q4: Das Buch Josua ·Themen: 2. Mose, 4. Mose, Bibelstudium, Hebräer, Josua, NehemiaWeitere Aufnahmen
Serie: Christ Study Hour 2025 Q4: Das Buch Josua
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Transkript
[0:31] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt und schön, dass auch ihr dabei seid, die auf dem Sender das Ganze hier verfolgt. Zur zweiten Folge unserer neuen Serie über das Buch Josua – Glaubenslektionen wollen wir aus diesem wunderbaren, wichtigen Buch des Alten Testamentes lernen.
[0:55] Wir haben das letzte Mal gesehen, dieses Buch beschreibt die Erfüllung dessen, was Gott in den fünf Büchern Mose verheißen und prophezeit hat. Zumindest einige dieser Prophezeiungen und Verheißungen, die können wir hier in Josua ganz deutlich in Erfüllung gehen sehen. Und so gibt es eine ganze Reihe von Parallelen auch für unsere Zeit, die wir am Ende dieser Weltgeschichte leben, wo all die Verheißungen und Prophezeiungen der Bibel letztlich so auf einen großen Höhepunkt, die Wiederkunft zulaufen. Und auch wir Teil dieser Bewegung sind, die sich aktiv an der Verbreitung des ewigen Evangeliums beteiligt. Wir wollen lernen aus dem Buch Josua für unsere Zeit. Wir wollen aus den Glaubenserfahrungen wichtige Erkenntnisse schöpfen, aber vor allem wir wollen lernen, wie wir auch solche Erfahrungen machen können, vielleicht sogar größere.
[2:07] Das Thema heute, bei dem es auch insbesondere um eine Glaubensheldin gehen wird, das werden wir gleich sehen. Wir werden uns intensiv auch mit der Geschichte der Rahab beschäftigen in Josua 2 und werden das dann vergleichen und auch in Bezug setzen zu einer anderen interessanten Geschichte, die oft weniger gepredigt wird in Josua Kapitel 9. Das Bibelgespräch, auf das wir uns vorbereiten wollen am 11. Oktober, trägt den Titel „Überrascht durch Gnade“. Überrascht durch Gnade und Gnade und Glaube werden einen ganz großen Schwerpunkt bilden in dieser Lektion. Es gibt einiges Interessantes zu entdecken. Ich bin auch ganz begeistert von dem, was wir hier heute gemeinsam studieren wollen.
[3:00] Bevor wir beginnen, möchten wir Gott einladen, dass er uns die Augen öffnet für die Dinge, die er uns zeigen möchte, die uns vielleicht auch bisher nicht so klar gewesen sind. Es gibt in dieser Geschichte noch einige Fragezeichen vielleicht, die wir haben. Gerade auch die Geschichte von Rahab wird immer wieder ein bisschen auch hinterfragt. Wie ist das jetzt mit ihrer Lüge und ist das jetzt gut oder richtig? Wir werden auf diese Dinge auch versuchen, oder wollen auch diese Dinge dann biblisch Antworten geben, damit wir das alles wirklich gut verstehen. In dem Sinne, wie Gott es gemeint hat, wollen wir ihn einladen, dass er durch den Heiligen Geist jetzt uns lehrt, uns erfüllt und uns ermutigt. Wollen wir gemeinsam beten?
[3:45] Lieber Vater im Himmel, danke, dass wir dein Wort haben und dass du in diesem Wort so deutlich zu uns sprichst. Herr, wir möchten dich bitten, nicht, dass wir einfach nur jetzt Erkenntnisse sammeln, sondern dass wir, wie wir es schon so oft erlebt haben, schon so oft diese Verheißung in Anspruch nehmen durften und du es so oft schon erfüllt hast, dass du mit deinem Heiligen Geist direkt zu unserem Herzen sprichst, dass wir deine Wahrheit erkennen und dass du unser Herz anrührst. Herr, wir möchten dich von Herzen bitten, dass diese Gedanken, die wir jetzt durchdenken wollen, nicht spurlos um uns vorbeigehen, sondern dass du uns zeigst, was du für uns vorbereitet hast. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.
[4:40] Bevor wir zu Josua Kapitel 2 gehen, wollen wir mit einer berühmten Stelle im Hebräerbrief beginnen, denn die Rahab, um die es heute ja auch ganz besonders gehen soll, wird in einer langen und illustren Liste von Glaubensheldinnen und Helden erwähnt. Hebräer 11 gibt uns so einen Überblick über Menschen des Alten Testamentes, angefangen bei Abel, die durch Glauben besondere Erfahrungen mit Gott gemacht haben. Die Liste hört dann irgendwann auf, ja, genau genommen hört sie bei Rahab auf, weil dann der Paulus in Vers 32 sagt: „Was soll ich noch sagen? Die Zeit würde mir fehlen, wenn ich jetzt von den Richtern und den Königen und Propheten anfange.“ Überall finden wir den Glauben. Sein Punkt ist ja, dass der Glaube des Evangeliums, der so stark und deutlich in den Evangelien, in den Briefen des Paulus so in den Fokus gestellt wird, dass das derselbe Glaube ist, der schon im Alten Testament die Männer und Frauen Gottes geprägt hat.
[5:57] Und im Zuge dieser Aufzählung von Glaubensheldinnen und Helden lesen wir in Hebräer 11, Vers 31: „Durch Glauben ging Rahab, die Hure, nicht verloren mit den Ungläubigen, weil sie die Kundschafter da mit Frieden aufgenommen hatte.“ Zweifelsohne ist die Geschichte von Rahab eine Geschichte des Glaubens. Wenn wir also, wie wir uns vorgenommen haben, im Buch Josua nicht einfach nur geschichtliche Erkenntnisse suchen, sondern Glaubenslektionen für unser Leben lernen wollen, dann können wir an Rahab nicht vorbei. Denn Paulus sagt unter Inspiration des Heiligen Geistes, dass wir in ihrer Geschichte Glauben in Aktion sehen können. Wir können rettenden, glaubenden, rettenden, wahren Glauben kennenlernen und verstehen in der Geschichte von Rahab, der Hure. Ganz interessant, er betont das noch mal. Und nicht nur lernen wir hier den Glauben kennen, sondern der Kontrast wird von ihm herausgestellt zwischen dem Glauben der Rahab und dem Unglauben der anderen. Es ist nicht nur eine Geschichte von einer Frau, die gerettet worden ist, sondern auch die Geschichte von vielen anderen Menschen, die nicht gerettet worden sind, die aber – und das ist jetzt die Implikation – gerettet werden hätten können, wenn sie denselben Glauben gehabt hätten wie Rahab. Bedenken wir das, wenn wir später zu der Geschichte von Josua 9 kommen. Halten wir das im Hinterkopf. Rahab, eine Geschichte des Glaubens. Und ich kann euch versprechen, was wir heute studieren werden, ist sehr, sehr interessant und ich glaube, hat mich persönlich beeindruckt. Und ich hoffe, dass auch du, liebe Freunde, einen Segen davon empfangen wirst, was Gottes Wort uns hier zeigt.
[7:46] Josua Kapitel 2 und dort Vers 1. Offensichtlich ist das sozusagen jetzt der geschichtliche Zusammenhang, der Rahmen, der jetzt gar nicht so sehr im Fokus stehen soll, aber den wir brauchen, um das, was wir jetzt lesen, besser einordnen zu können. Vielleicht ganz kurz zur zeitlichen Einordnung dieser Geschichte. Man würde ja vielleicht auf den ersten Blick denken, na ja, das passiert nach Josua 1. Aber aus meiner Sicht gibt es gute Gründe zu glauben, dass diese Spionage, diese Kundschaft ausgesandt worden sind, schon kurz vor den Ereignissen von, zumindest von Josua 1, Vers 10 und folgenden.
[8:43] Warum? Weil in Josua 1, Vers 11 lesen wir: „Geht mitten durch das Lager, gebietet dem Volk und sprecht: Bereitet euch Wegzug, denn in drei Tagen werdet ihr über den Jordan gehen.“ Und wenn man dann in Josua 3, Vers 2 liest, heißt es: „Nach drei Tagen, aber gegen die Vorsteher durch das Lager.“ Also wir lesen in Vers 1: „Da machte sich Josua früh auf und sie zogen aus Schittim und kamen an den Jordan, er und alle Kinder Israels, und sie rasteten dort, sie hinüberzogen nach drei Tagen, aber gegen die Vorsteher durch das Lager.“ Wenn ich das richtig verstehe, dann sieht das so aus, dass das direkt anknüpft, dass also Kapitel 1 ziemlich deutlich an Kapitel 3 anknüpft und das könnte dafür sprechen, dass in Josua 2 so eine Art Einschub ist, dass das vielleicht schon ein paar Tage vorher passiert ist und uns jetzt allerdings hier erst berichtet wird. Vielleicht deswegen, weil die Worte in Josua 1, Vers 18: „Sei stark und mutig“, die von den Stämmen Gad, Ruben und dem halben Stamm Manasse gesagt worden sind, ebenso gut zu dem gepasst haben, was Gott in den ersten Versen von Josua 1 direkt schon nach dem Tod des Mose gesagt hat und dass deswegen diese beiden Geschichten, die Worte Gottes und dann die Rede mit den zweieinhalb Stämmen zusammengefasst worden ist. Das ist also vielleicht hier zum Bedenken.
[10:15] Die Spione sind heimlich ausgesandt worden. Das Volk befand sich hier immer noch in Schittim und zwar seit 4. Mose 25. Dort wird berichtet, wie man dort nach Schittim gekommen war. Das war dann die Geschichte von Baal, auch die Volkszählung. Die zweite Volkszählung im 4. Buch Mose ist dort passiert. Die gesamte Abschlusspredigten von Mose, das Buch, das wir 5. Mose nennen, das waren ja letztlich die letzten Reden, die letzten Worte Mose vor seinem Tod. All das ist hier passiert und von hier aus sind die beiden Kundschafter losgezogen, noch bevor das Volk an den Jordan gezogen ist und das vielleicht auch noch mal eine interessante, für die zeitliche Einordnung ganz interessant.
[11:03] Jericho, da gehen wir jetzt nicht sehr lang und breit auf die Archäologie, aber Jericho ist eine sehr alte Stadt und dürfte schon relativ kurz nach der Sintflut auch dann gegründet worden sein, nachdem sich dann die Völker zerstreut haben. Es ist eine der ältesten Städte. In Jericho selbst sagt man, es sei die älteste Stadt. Da gibt es andere Städte, die auch ähnlich alt sind. Interessant vielleicht noch, der Name Jericho leitet sich von dem nordwestsemitischen Mondgott ab und all das aber ist nur hier für uns Beiwerk. Es wird explizit gesagt, dass Rahab eine Hure ist und auch das wollen wir im Hinterkopf behalten. Wir lesen jetzt weiter ab Vers 2.
[11:51] Es gab ja damals in Kanaan nicht einen großen Territorialstaat mit einem König über ganz Kanaan. Es gab eine ganze Reihe von Stadtkönigtümern, also jede größere Königsstadt hatte ihren eigenen König. Das sieht man dann, wenn man im weiteren Verlauf von Josua die Eroberungen der Landesteile sieht, da trifft man auf eine ganze Reihe von Königen: den König von Lachisch, den König von Debir, den König von Hazor und von Jerusalem und so weiter und so fort. So gibt es auch einen König von Jericho. Nicht alle Städte hatten Könige, Gibeon zum Beispiel nicht, aber das war so die gängige politische Gegebenheit dort.
[12:40] Eins ist sicher hier in dieser Geschichte, das Leben der beiden Kundschafter ist hier schon gleich am Anfang der Geschichte in höchster Gefahr. Man wird wahrscheinlich kurz einen Prozess mit ihnen gemacht haben, hätte man sie hier gefangen. Und dann kommt jene relativ oft diskutierte Passage in Vers 4 und 5.
[13:05] „Die Frau aber hatte die beiden Männer genommen und verborgen und sprach nun: Es sind freilich Männer zu mir hereingekommen, aber ich wusste nicht, woher sie waren. Und als man die Tore schließen musste, bei Einbruch der Dunkelheit, da gingen die Männer hinaus. Ich weiß nicht, wohin die Männer gegangen sind. Jagt ihnen rasch nach, denn ihr werdet sie einholen.“ Nun, das ist nach allen Standards der Wahrheit und Gerechtigkeit eine Lüge. Und immer wieder wird diese Textstelle aufgebracht und mit dem Argument: „Naja, aber die Rahab ist doch eine Glaubensheldin. Ist es denn also okay zu lügen, wenn das hier so eine Art Notlüge ist? Ist das okay?“
[13:38] Nun, zunächst einmal müssen wir ganz deutlich sagen, dass die Bibel das Lügen verbietet. Manchmal wird behauptet, das würde ja nicht in den Zehn Geboten stehen, aber es steht in der Bibel. In 3. Mose Kapitel 19 und dort Vers 11: „Ihr sollt nicht stehlen und nicht lügen noch einander betrügen.“ Und die Bibel erzählt diese Geschichte nicht, um plötzlich die Lüge zu legalisieren. Wir lesen die Geschichte ja in der Regel als solche, die das Ende kennen, die die ganze Geschichte vielleicht schon seit Kindestagen kennen, die den Hebräer-Text kennen und deswegen das positive Ende auf den Anfang gleich zurück projizieren. Aber nichts im Bibeltext deutet darauf hin, dass die Rahab jetzt hier deswegen eine Frau des Glaubens ist, weil sie lügt.
[14:38] Wenn die Geschichte hier abbrechen würde in Vers 5, würde niemand sie als eine Glaubensheldin bezeichnen. Alles, was wir wissen bisher ist: Sie ist eine Kanaaniterin, sie ist eine Hure und sie lügt. Der Punkt ist hier nicht: „Naja, Lüge ist doch okay.“ Der Punkt ist, diese Frau ist wirklich sehr, sehr sündig. Sie ist eine Kanaaniterin, sie ist eine Hure obendrauf noch und dann lügt sie auch noch.
[15:07] Zudem dürfen wir nicht vergessen, auch bei der Beurteilung, dass sie das Gesetz Gottes auch noch gar nicht kannte, das Lüge verbietet. Das kommt dann, wenn sie später zum Volk Gottes dazu gezählt wird, dass sie natürlich auch die Zehn Gebote kennenlernt und all die anderen Dinge, die das Wort Gottes sagt. Aber an diesem Punkt ist sie eigentlich eine Frau, die nach menschlichem Ermessen die vielleicht unwahrscheinlichste Person ist, um von Gott begnadigt zu werden. So hätte ein Israelit ja denken können: „Eine Kanaaniterin. Vielleicht hätte jemand sogar noch gesagt: „Eine Frau, auf jeden Fall eine Hure und dann sagt sie nicht die Wahrheit.“
[15:59] Aber der Punkt an der Geschichte hier ist und das Thema ist „Überrascht von Gnade“, dass all dies – ihre ethnische Identität, ihr Geschlecht, ihr Beruf, obwohl der so schlimm und sündig ist, und ihr zweifelhafter moralischer Charakter, dass sie nicht mal die Wahrheit sagt – dass all dies kein Hindernis für Gott ist, ihr zu vergeben und sie zu retten, wenn sie sich im Glauben an ihn wendet. Mit anderen Worten, diese Verse am Anfang sollen nicht die Hurerei oder die Lüge legalisieren, sie sollen nur zeigen, dass Gott jeden Menschen retten kann. Wenn er die Rahab retten kann, hätte jeder Kanaaniter gerettet werden können. Das ist der Punkt.
[16:46] Wir lesen im Buch Josua noch sehr viele, sehr ernste Kapitel. Wir werden noch uns Gedanken machen müssen über die ganze Frage, wie das mit der Ausrottung der Kanaaniter ist. Aber was man manchmal übersieht ist, dass diese Geschichte hier deutlich macht, dass jeder Kanaaniter hätte gerettet werden können. Rahab ist der Beweis. Noch im letzten Moment, mit all dem, was sie hier an Lasten, an Schuld mit sich mitbringt. Noch im letzten Moment war die Gnade Gottes mehr als ausreichend für sie. Wenn andere ihren Glauben gehabt hätten, den wir jetzt gleich kennenlernen werden, dann hätten auch sie gerettet werden können.
[17:36] Es sieht so aus, als ob, bevor das Volk jetzt über den Jordan schreitet und dann die Eroberung beginnt, dass quasi noch gleich am Anfang eingeschoben werden soll, dass was immer wir jetzt lesen werden über das Schicksal der Ungläubigen, es hätte verhindert werden können, wenn sie Glauben gehabt hätten, wie die Rahab ihnen jetzt demonstriert.
[17:56] Wir lesen weiter, Vers 6. „Sie aber hatte die Männer auf das Dach steigen lassen und sie unter den Flachstängeln versteckt, die sie für sich auf dem Dach ausgebreitet hatte. Die Leute nun jagten ihnen nach auf dem Weg zum Jordan bis zu den Furten.“ Der Jordan ist, wenn man sich das auf Google Maps anschaut, so vielleicht knapp zehn Kilometer Luftlinie von Jericho entfernt. Wir wissen natürlich genau, wo die Furt dort gewesen ist. Der heutige Jordan ist kaum noch mit dem zu vergleichen, was in der Antike dort gewesen sein muss als Fluss. Das wird schon ein bisschen gedauert haben, aber interessanterweise ist die Tatsache, dass hier von Furten die Rede ist und dass man sozusagen auch einen Übergang über den Jordan relativ plausibel hier voraussetzt, noch ein Hinweis darauf, dass das durchaus ein bisschen früher vor Josua 3 stattgefunden hat, wo es ja dann in Vers 15 heißt: „Als die, welche die Lade trugen, an den Jordan kamen und die Priester, welche die Lade trugen, ihre Füße am Flussrand in das Wasser tauchten. Der Jordan aber war überall über die Ufer getreten während der ganzen Zeit der Ernte.“ Also ganz gut möglich, dass wir hier vielleicht noch kurz vor dieser Überschwemmungsperiode in Josua 2 sind. Aber das nur am Rande.
[19:21] Jetzt kommt nämlich das, worum es eigentlich in dieser Geschichte geht. In Josua Kapitel 2 Vers 8 und 9. Sie sind für euch verzagt. Sie eröffnet jetzt diesen beiden Kundschaftern, deren Namen wir hier nicht einmal richtig erfahren, was sie über den bevorstehenden Einfall der Israeliten denkt. Interessanterweise hat sie nicht nur Angst, sie ist überzeugt davon, dass Gott das Land den Israeliten gegeben hat. Für sie ist es keine Frage: Der Gott der Hebräer ist der Sieger und die Israeliten werden in diesem Kampf als Sieger hervorgehen. Wahrscheinlich haben nicht mal alle Israeliten das so ganz klar und mit voller Überzeugung geglaubt, wie sie.
[20:30] Aber sie war sich sicher und sie gibt jetzt die Gründe an, warum. Vers 10: „Denn, denn ist der Grund, denn wir haben gehört, wie der Herr das Wasser des Schilfmeeres vor euch ausgetrocknet hat, als ihr aus Ägypten gezogen seid.“ Das war ja schon fast 40 Jahre her. Aber nicht nur das, auch die neuesten Ereignisse auf der anderen Seite des Jordan und was ihr den beiden Königen der Amoriter, Sihon und Og, jenseits des Jordan getan habt, an denen ihr den Bann vollstreckt habt. Diese gigantischen Ereignisse, die großen Siege, die Gott geschenkt hat gegen die Ägypter und gegen die Amoriter, sind Grund genug, dass sie überzeugt ist. Gott hat euch das Land gegeben.
[21:16] Nun interessanterweise, wenn man sich das genau anschaut, ist sie nicht die Einzige, die davon gehört hat. Offensichtlich haben alle Einwohner von Jericho davon gehört. Sie sagt: „Denn wir haben gehört.“ Alle Einwohner des Landes haben davon gehört und alle Einwohner des Landes sind verzagt. Es muss also noch etwas geben, was diese Rahab hat. Denn obwohl alle Einwohner von diesen Dingen gehört haben und alle Einwohner verzagt gewesen sind und deswegen also auch durchaus überzeugt gewesen sind, dass hier Gott am Wirken ist, sind nicht alle Einwohner gerettet worden, sondern tatsächlich nur diese eine Frau.
[22:00] Das Wissen um die Macht Gottes, das Hören der heilsamen Lehre, das Überzeugtsein, dass Gott da am Wirken ist, reicht noch nicht aus. Menschen werden verloren gehen, obwohl sie die Wahrheit gehört haben und überzeugt waren, dass es die Wahrheit ist. Lasst uns niemals Teil dieser Gruppe sein, die die Wahrheit kennen, überzeugt sind, dass es die Wahrheit ist und trotzdem verloren gehen. Da gab es tausende von Kanaanitern, die gehört hatten, dass Gott die Ägypter besiegt hat, die gehört hatten, dass die Israeliten Sieger über die Amoriter gewesen sind, die geglaubt haben, dass das wahre Botschaften sind, die überzeugt waren, dass das wahre Botschaften sind, die trotzdem alle untergegangen sind.
[23:02] Vers 11: „Und als wir dies hörten, da wurde unser Herz verzagt, und es ist kein rechter Mut mehr in irgendjemand vor euch, denn der Herr, euer Gott, ist Gott oben im Himmel und unten auf Erden.“ Die Erkenntnis hat sich durchgesetzt. Der Gott der Hebräer ist der wahre Gott. Sie spricht hier nicht von ihrer persönlichen Überzeugung, nur sie spricht von dem, was mehr oder weniger alle denken, wenn sie es sich vielleicht sogar sagen. Aber diese Frau hat mehr.
[23:32] Diese Frau hat nicht nur das Wissen über das, was Gott getan hat. Sie hat nicht nur die Überzeugung, dass die Botschaft wahr ist und Gott Kraft hat. Diese Frau hat Glauben und dieser Glaube zeigt sich in Vers 12.
[23:40] „Und nun schwört mir doch bei dem Herrn, dass so wie ich an euch Güte erwiesen habe, auch ihr am Haus meines Vaters Güte erweisen werdet und gebt mir ein sicheres Zeichen, dass ihr meinen Vater, meine Mutter, meine Brüder und meine Schwestern samt allen ihren Angehörigen am Leben lassen und unsere Seelen vom Tod erretten werdet.“ Sie glaubt, dass es noch Rettung geben kann. Gegen alle Erwartungen, gegen allen Anschein glaubt sie, dass es Leben für sie geben kann. Sie bittet um Gnade und Verschonung. Das hat kein anderer Kanaaniter getan. Die standen zitternd auf der Mauer, hofften, dass irgendwas passiert, dass die Israeliten von alleine gehen. Manche haben sich im Spott gerettet, aber keine andere hat um Gnade und Vergebung gebeten und Verschonung.
[24:42] Diese Frau hat noch nie eine Predigt von Mose gehört, noch nie die Zehn Gebote gelesen oder das Heiligtum gesehen. Alles, was sie wusste, waren Gerüchte. Vielleicht hat sie sie noch niemals zu dem wahren Gott des Himmels gebetet. Vielleicht wusste sie gar nicht, wie das geht. Aber sie trifft zwei Repräsentanten des Königreiches Gottes und sie bittet um Gnade und Verschonung.
[25:12] Und eine der größten Lektionen des Buches Josua, lange bevor eine Mauer fällt und lange bevor irgendjemand stirbt, ist das ein Mensch wie die Rahab – eine Kanaaniterin, eine Hure, die selbst dann, wenn sie noch Gutes tun möchte, aus guter Intention, letztlich jetzt erstmal nur durch Lüge tun kann – dass sie gerettet wird. Einfach, weil sie um Gnade bittet.
[25:53] Die Männer sagen nicht: „Du musst erstmal lernen, die Wahrheit zu sagen.“ Sie sagen nicht: „Du musst erstmal jetzt für eine längere Zeit beweisen, dass du eine gute Israelitin sein wirst.“ Sie bittet um Gnade und sie empfängt Gnade. Aber sie bittet nicht nur um Rettung, sie bittet um ein sicheres Zeichen. Sie möchte eine Rettungsgewissheit. Sie bittet nicht nur um Verschonung, sie möchte Verschonungsgewissheit. Ihr Glaube soll nicht auf einem „hoffentlich vielleicht, man weiß ja nie“ basieren, sondern auf einer Gewissheit. Und sie möchte nicht nur sich selbst retten.
[26:37] Wenn nichts anderes, ist das vielleicht das sicherste Zeichen, dass der Geist Gottes an ihrem Herzen gewirkt hat. Sie wollte ihren Vater, ihre Mutter, ihre Brüder, ihre Schwestern, ihre Angehörigen, so viele wie möglich retten. In der Geschichte von Rahab, einer Hure im totgeweihten Jericho, zeigt sich der Geist wahren Glaubens. Und hier kann man sehen, warum.
[27:09] Erstens, sie anerkennt Gott als den wahren Gott. Sie anerkennt, dass Gott Sieger ist und dass sich das, was er versprochen hat, erfüllt. Sie anerkennt, dass sie sich in einem verlorenen Zustand befindet und dass sie Gnade benötigt. Sie braucht Güte, sie braucht Rettung und sie bittet um Gnade und sie bittet um die Gewissheit der Gnade, um die Gewissheit der Rettung. Sie gibt sich nicht mit einem „eventuell vielleicht“ zufrieden. Diese Frage ist eine Frage für sie um Leben und Tod und sie möchte leben und sie bittet um eine Gewissheit und sie will auch andere retten.
[27:50] Lieber Freund, liebe Freundin, wenn das auf dich zutrifft, wenn du Gott als den wahren Gott anerkennst, wenn du weißt und glaubst, dass er Sieger ist und dass sein Wort sich erfüllen wird, wenn du anerkennst, dass du Gnade brauchst und darum bittest und zwar nicht nur: „Naja, hoffentlich könntest du mir vielleicht vergeben“, sondern wenn du wirklich die Gewissheit haben willst, dass Gott dir vergibt und dich rettet und wenn du den Wunsch hast, dass auch andere gerettet werden, dann ist das rettender Glaube.
[28:18] Es gibt eine Bedingung für die Errettung. Vers 14. „Und die Männer sprachen zu ihr: Wir bürgen mit unserem Leben für das eurige, sofern – Bedingung – sofern ihr diese unsere Sache nicht verratet. Und es soll geschehen, wenn der Herr uns dieses Land gibt, so wollen wir an dir Güte und Treue erweisen.“ Die Bedingung für die Errettung ist Treue zur Sache Gottes. Wenn Rahab um Gnade gebeten hat, aber danach die Sache der Botschafter verraten hätte, wäre ihre Zusage nichtig gewesen. Wenn wir rettenden Glauben haben wollen, wenn wir rettenden Glauben haben, dann werden wir uns auch treu zur Sache Gottes stellen, zu seinem Werk.
[29:15] Die Kundschafter sind ganz deutlich: Die Güte, die Gnade, die hängt davon ab, ob du treu bist. Treu zu dem, zu dieser Sache. Wir können uns durch Treue Gottes Gnade nicht verdienen. Gottes Gnade ist ein freies Geschenk, aber Gottes Gnadenangebot kann uns nur retten, wenn wir uns dann auch treu auf seine Seite stellen, wenn wir uns auf seine Seite stellen.
[29:45] Die Frau kann jetzt nicht buchstäblich die Seiten wechseln. Sie kann nicht aus der Stadt heraus, aber sie kann durch ihr Leben und durch ihr Verhalten deutlich machen, dass sie ab jetzt auf der Seite Israels steht, auch wenn sie noch physisch in Jericho lebt. Indem sie diese Sache nicht verrät und treu zur Sache Gottes steht.
[30:16] Jetzt achten wir auf das, was passiert. Vers 15 und 16, ganz interessante Geschichte. Total spannend. „Da ließ sie dieselben an einem Seil durch das Fenster hinunter, denn ihr Haus war an der Stadtmauer und sie wohnte an der Mauer.“ Dieses Seil bewirkte die Rettung für die Kundschafter, die physische Rettung. Das Seil war sozusagen das Instrument, durch das sie frei wurden, gerettet wurden, aus der Gefahr des Todes befreit wurden.
[30:54] Vers 16: „Und sie sprach zu ihnen: Geht in das Bergland, dass euch eure Verfolger nicht begegnen und verbergt euch dort drei Tage lang, bis eure Verfolger zurückgekehrt sind. Danach geht eures Weges.“ Das ist ein Hinweis darauf, dass die Geschichte im Frühjahr stattgefunden hat, weil hier allein drei Tage die Kundschafter im Gebirge sind.
[31:10] Vers 17: „Und die Männer antworteten ihr: Unter diesen Bedingungen werden wir frei sein von deinem Eid, den du uns hast schwören lassen. Siehe, wenn wir in das Land kommen, so sollst du diese Schnur aus Karmesinrotem Faden in das Fenster knüpfen, durch das du uns hinabgelassen hast und deinen Vater, deine Mutter, deine Brüder und das ganze Haus deines Vaters zu dir in das Haus versammeln.“
[31:55] Vers 19: „Und wer dann zur Tür deines Hauses hinaus auf die Straße geht, dessen Blut sei auf seinem Haupt, wir aber unschuldig. Wenn aber Hand gelegt wird an jemand von denen, die bei dir im Haus sind, so soll ihr Blut auf unserem Haupt sein.“ Das Zeichen der Rettung war das Seil und zwar genau das Seil, mit dem sie die Kundschafter befreit hatte. Sie hatte vielleicht noch nie etwas vom Heiligtum gehört, vielleicht hatte sie keine gute Vorstellung vom Opferdienst, aber sie hatte eine ganz klare Bedeutung, was dieses Seil symbolisieren konnte.
[32:32] Dieses Seil symbolisierte die Rettung und die Kundschafter machen genau das zum Zeichen der Erlösung, weil die Frau das verstehen konnte. Sie sollte sich sozusagen zur Rettung bekennen. Dieses Seil war ja gut sichtbar, karmesinrot. Durch dieses Sichtbarmachen der Schnur sagte Rahab, dass sie diese Rettung, die sie den Kundschaftern gewährt hat, auch für sich in Anspruch nehmen wollte, für sich und ihr Haus. Sie musste sich also sichtbar zur Rettung bekennen.
[33:19] Offenbarung Kapitel 12, und dort Vers 11 sagt uns über die Erlösten. Lesen wir Vers 10: „Und ich hörte eine laute Stimme im Himmel sagen: Nun ist gekommen das Heil und die Macht und das Reich unseres Gottes und die Herrschaft seines Christus. Denn hinabgestürzt wurde der Verkläger unserer Brüder, der sie vor unserem Gott verklagte, Tag und Nacht. Und sie haben ihn – den Satan – überwunden, besiegt, um des Blutes des Lammes und um des Wortes ihres Zeugnisses willen, und haben ihr Leben nicht geliebt bis in den Tod.“
[34:04] Rettender Glaube zeigt sich immer daran, dass man öffentlich dazu steht. Es mag Situationen geben, in denen man durchaus auch überlegen muss, was man wann sagt. Aber rettender Glaube zeigt sich immer auch in einem Bekenntnis zur Rettung. Und wie wir gerade gelesen haben, alle, die gerettet werden wollten, mussten sich in diesem Haus befinden.
[34:32] Wenn jemand gesagt hat: „Ich möchte auch gern gerettet werden, aber ich würde gern, wenn dann es soweit ist, erstmal noch Party feiern, ihr könnt ja mich dann holen“, dann wäre diese Person oder den Mauern Jerichos oder der dann folgenden Invasion zugrunde gegangen. Wer gerettet sein wollte, musste dort sein, wo das Zeichen der Rettung war.
[35:05] Und damit finden wir im Prinzip, dass wir in der Bibel immer und immer wieder finden: Wer zur Zeit von Noah gerettet werden wollte, musste in die Arche hinein. Es reicht ja nicht zu glauben: „Ich glaube, es gibt ein Regen, ich glaube, die Arche ist gut.“ Man musste in der Arche sein. Wer zur Zeit von Hiskia angesichts des Angriffs von Sanherib gerettet werden wollte, der musste in Jerusalem sein. Wie uns Jesaja 4, Vers 3 sagt: „Und es wird geschehen, jeder übrig gebliebene in Zion und jeder übrig gelassene in Jerusalem wird heilig genannt werden. Jeder, der zum Leben eingeschrieben ist in Jerusalem.“ Wer draußen vor der Stadt war, hatte keine Chance gegen die Assyrer.
[35:56] Oder wie es so eindrücklich beim Propheten Joel beschrieben ist in Joel Kapitel 3 und dort Vers 5: „Und es wird geschehen, jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden. Denn auf dem Berg Zion und in Jerusalem wird Errettung sein, wie der Herr verheißen hat. Und bei den übrig gebliebenen, die der Herr beruft, auf dem Berg Zion ist Errettung.“ Dort, wo das Zeichen der Gnade ist, dort, wo das Zeichen der Erlösung ist. Auf dem Berg Zion war damals das Heiligtum, das Zeichen der Erlösung.
[36:33] Aber vielleicht gibt es keine Geschichte, die so deutlich eine Parallele ist, wie die Geschichte vom Auszug aus Ägypten, vom Passah. Auch dort mussten die Israeliten selbst ja ein rotes Zeichen an die Tür, nicht ans Fenster, aber an die Tür tun: das Blut des Lammes. Und das, was das Blut des Lammes in der schon fortgeschrittenen Theologie der Israeliten ausdrücken sollte, das sollte für diese arme Hure Rahab das simple rote Seil ausdrücken, mit dem sie alles, was sie wusste und konnte, war diesen Männern Freiheit zu geben.
[37:09] Es wurde zum Zeichen der Freiheit für sie selbst. Sie wollte sich für diese Freiheit, für das Leben, zum Leben bekennen. Sie wollte diesen Männern helfen, weil sie die Männer des wahren Gottes sind. Sie wollte auf der Seite Gottes stehen. All das war ausgedrückt durch dieses Knüpfen des Seils ins Fenster.
[37:24] Die Hure Rahab erlebt in Josua 2 und dann Josua 6 – wandern, als dann wirklich die Mauern fallen – ihr persönliches Passah. Denn so wie in Ägypten der Todesengel jede Erstgeburt tötete, aber in dem Haus der Israeliten vorbeiging, weil dort das Zeichen der Erlösung an den Türen zu sehen war, so haben die Engel Gottes unter der Führung Jesu die Mauern Jerichos zum Einsturz gebracht. Aber das eine Haus, an dem das Zeichen der Erlösung zu sehen war, die karmesinrote Schnur, es blieb stehen. Sie wurde verschont. Die Engel gingen an diesem Haus, die Zerstörung bringenden Engel gingen an diesem Haus vorbei. Sie wurde verschont. Es war quasi ihr Passah.
[38:30] Diese Frau Rahab wurde genauso gerettet wie die Israeliten. Das gleiche Prinzip, das gleiche Evangelium, andere Umstände, ein anderes Symbol. Das selbe Evangelium, dasselbe Prinzip. Jeder, der gerettet werden wollte, musste sich zu diesem Prinzip bekennen. Wer sich dazu bekannte, sich durch den persönlichen Glaubensakt in dieses Haus zu begeben, wissend, dass dort das Zeichen der Erlösung ist, der wurde gerettet. Wer das nicht glaubte, wer das für Quatsch hielt, wer das vielleicht nicht hören wollte, wer nicht gerettet werden wollte, der ging aufgrund seines Unglaubens zugrunde.
[39:07] Wenige Tage später, als Jericho fiel. Vers 20. „Und wenn du etwas von dieser unserer Sache verraten wirst, so werden wir frei sein von deinem Eid, den du uns hast schwören lassen.“ Sie hatte jetzt die Gelegenheit, mehrere Tage lang treu zu sein, treu zu Gott.
[39:28] Drei Tage lang würden diese Kundschafter im Gebirge sein. Und dann mindestens noch mal drei Tage würde es dauern, nachdem die Israeliten von Schittim aufgebrochen sind zum Jordan. Und dann, drei Tage später, war der Übergang zum Jordan. Und dann war der zehnte Tag des ersten Monats in Josua 4, Vers 19. Und dann wurde Passahfest gehalten am 14. Tag. Und dann kam ja noch die Einnahme Jerichos, erst nachdem man sechs Tage lang um die Mauer gegangen war. Also da sind noch ein paar Tage zusammengekommen.
[40:15] Diese Frau hat nicht nur über Nacht die Schnur in dem Fenster gehabt. Wenn wir Vers 21 lesen, da heißt es hier: „Da sprach sie: Es sei, wie ihr sagt, und ließ sie gehen, und sie gingen hin.“ Sie aber knüpfte die karmesinrote Schnur ins Fenster. Dann habe ich den Eindruck, sie hat das noch in derselben Nacht getan. Sie hat tagelang, während drei Tage lang die Botschafter im Bergland waren, dann als die Israeliten von Schittim an den Jordan kamen, drei Tage dort gerastet haben, dann über den Jordan gegangen sind, dann dort beschnitten worden sind, drei Tage lang in ihren Schmerzenlagen, dann das Passah gefeiert haben, nach dem Passahfest noch tagelang um die Mauern gelaufen sind – so lange hatte sie die karmesinrote Schnur in ihrem Fenster. Es war nicht eine emotionale Entscheidung, schnell. Es war eine Entscheidung, bei der sie blieb.
[41:16] Hast du schon mal darüber nachgedacht, was es bedeutet hat für die Hure Rahab, ein rotes Seil im Fenster geknüpft zu haben? Ich habe da früher nie darüber nachgedacht, aber als ich jetzt noch mal neu darüber nachgedacht habe, ist mir bewusst geworden, wie gefährlich das überhaupt war. Es war ja das Wissen aus der Geschichte so, dass sogar der König davon gehört hatte, dass sie Kontakt zu diesen Kundschaftern gehabt hat. Man wusste, dass Kundschafter da gewesen waren. Man wusste, dass militärische Gefahr war und wann immer in einer militärischen Gefahr jemand im Verdacht steht, mit dem Feind zu kooperieren, dann kann man sich ja eins und eins zusammenrechnen, dass man besonders beobachtet wird, oder?
[42:07] Sie hatte zwar ihr falsches Zeugnis gegeben, dass sie die Leute wieder weggeschickt hätte und nicht gewusst hätte, woher sie seien. Aber ich gehe mal davon aus, dass auch damals das Zeugnis einer Hure vielleicht nicht das übermäßig größte Vertrauen genossen hat. Man wusste ja auch, dass sie an der Stadtmauer lebt. Die Leute waren ja bei ihr. Wenn irgendjemand dann eine Schnur aus dem Fenster hängen sieht, dann musste man kein Meisterdetektiv sein, um sich zusammenzurechnen: Okay, wir wissen, dass die Leute bei ihr gewesen sind. Sie hat zwar behauptet, sie hätte sie vorher weggeschickt, aber wir haben sie auch nie wieder gefunden. Da hängt eine Schnur aus dem Fenster, das Fenster ist direkt an der Stadtmauer. Man muss nicht lange überlegen, um auf die Idee zu kommen, sie könnte die Kundschafter von der Stadtmauer gelassen haben. Sie könnte mit den Kundschaftern kooperiert haben, sie könnte quasi auf die Seite Israels gestellt haben und dann sogar noch den eigenen König belogen haben. Hochverrat nennt man sowas. Das ist nicht nur bei den Kanaanitern todesstraffenwürdig.
[43:30] Was ich versuche zu sagen: Eine karmesinrote Schnur, die jeder sehen kann, im Fenster zu haben und das über Wochen oder über Tage bedeutet, sich einer enormen Gefahr auszusetzen. Es war ein Glaubenszeugnis. Sie hatte die Seiten gewechselt. Sie konnte nicht aus der Stadt heraus und über den Jordan gehen, aber sie hatte die Seiten gewechselt. Sie hatte sich zu der Rettung der Israeliten bekannt und Gott hat sie diese Tage lang beschützt. Obwohl jeder wusste, wo sie wohnte und wenn man nur ein bisschen nachgedacht hätte, auf den Schluss kommen könnte, sie hat den Kundschaftern geholfen. Sie hat sich zu ihrem Glauben bekannt, koste es, was es wolle.
[44:25] Sie hat nicht damit gewartet. Sie hat gesagt: „Naja, jetzt warte ich mal, ob die kommen. Wenn die kommen, wenn die dann ein paar Mal um die Stadtmauer gelaufen sind, dann kann ich ja vielleicht im letzten Moment noch schnell das raushängen.“ Sie knüpfte die Schnur an das Fenster und es ist diese Tat, nicht die Lüge aus Vers 4 und 5, nein, nein, nein, nein, nein. Diese Tat, diese Worte ab Vers 12 und diese Tat, die ihren Glauben so eindrucksvoll illustrieren. Diese Tat ist der Grund, warum sie in Hebräer 11 erwähnt wird, dass sie die Seiten gewechselt hat, dass sie sich zu Gott bekannt hat, auf die Art und Weise, die es ihr möglich war. Und ihre Geschichte beweist, dass das ausgereicht hat. Denn als alles andere zugrunde ging, stand ihr Haus. Sie hat ihr persönliches Passah erlebt. Sie hat getan, was sie konnte im Glauben. Das getan, was andere als Todesurteil gesehen hätten: sich zum Glauben Israels sozusagen bekannt, zur Rettung. Und sie wurde gerettet.
[45:49] Die Rahab ist eine erstaunliche Frau. Nicht zuletzt, wenn wir ihre Geschichte vergleichen mit der Geschichte aus Josua 9. Es gibt ja noch eine Gruppe von Menschen, die, obwohl sie in Kanaan lebten und obwohl sie aufgrund ihres Lebenswandels und ihrer fortgesetzten Ablehnung des Geistes Gottes vernichtet werden sollten, nach Gottes Ratschluss. Das sind die Gibeoniter. Über ihre Geschichte hört man selten eine Predigt, weil wenn man die Geschichte liest, ist man auf den ersten Moment oft ein bisschen vielleicht verwirrt, was da jetzt von zu halten sei. Wir wollen uns das kurz biblisch anschauen und mit der Geschichte der Rahab vergleichen.
[46:35] In Josua 9 sind wir schon ein bisschen weiter. Wir sind nach der erfolgreichen Einnahme Israels, die ja dann stattfand, nachdem es erst dort die Niederlage gab und dann die Geschichte mit Achan stattfand, seine Steinigung. Und nach der Eroberung Aij hat es dann diese eindrucksvolle Zeremonie auf dem Berg Ebal und Garizim gegeben, wo die Stämme sich aufgestellt hatten, so wie Mose in 5. Mose schon befohlen hatte und das Gesetz verlesen hatten und Segen und Fluch ausgesprochen hatten. All das ist gerade geschehen und jetzt lesen wir in Josua 9 Vers 1 und 2: „Als dies nun alle Könige hatten, die diesseits des Jordan auf dem Bergland und in der Schefela, dem Hügelland, das so zwischen Bergland und Küste liegt, und der ganzen Küste des großen Meeres, also des Mittelmeers, wohnten, dem Libanon gegenüber, die Hethiter, Amoriter, Kanaaniter, Perisiter, Hewiter und Jebusiter, da versammelten sie sich einmütig, um gegen Josua und gegen Israel zu kämpfen.“
[47:37] Wir sehen also, als die Kanaaniter realisieren, Jericho ist geschlagen und vernichtet, Ai ist erobert worden, realisieren sie jetzt, das wird ernst und sie beginnen, Allianzen zu formen. Wir sehen dann in den späteren Kapiteln Josua 10 und auch 11, wie diese Allianzen dann auch gegen Josua und Israel kämpfen.
[47:55] Lesen wir Josua 9 Vers 3: „Als aber die Einwohner von Gibeon hörten, was Josua mit Jericho und Ai getan hatte, da gebrauchten sie eine List.“ Es gibt eine Stadt, die hat eine andere Idee. Während alle anderen sich in Allianzen zusammentun, um zu kämpfen, wollen diese Gibeoniter Verbündete Israels werden. Sie wollen nicht kämpfen, sie wollen einfach leben, aber ihnen fehlt der Glaube, dass das durch ein offenes Bekenntnis möglich ist. Niemand von ihnen glaubt, dass sie einfach am Leben gelassen werden würden, wenn sie einfach sagen: „Wir möchten auch Gott dienen, wir möchten unser altes Leben hinter uns lassen, wir möchten verschont werden.“
[48:46] Dabei ist Rahab genau so gerettet worden. Sie hatte gesagt: „Ich glaube, dass Gott der Gott, der wahre Gott ist und dass er gewinnen wird und ich möchte Güte und Gnade erleben.“ Die Rahab ist so gerettet worden, aber die Gibeoniter gehen nicht diesen Weg. Sie wollen nicht das Risiko eingehen, auf die Gnade des Gottes der Hebräer zu vertrauen. Sie wollen durch eine List sich das Leben erschleichen.
[49:19] So lesen wir in Vers 4: „Da gebrauchten sie eine List und sie gingen hin und verstellten sich als Abgesandte. Sie nahmen alte Säcke auf ihre Esel und alte, zerrissene und geflickte Weinschläuche, auch alte und geflickte Schuhe an ihre Füße und zogen abgenutzte Kleider an und alles Brot ihres Speisevorrats war hart und schimmelig. Sie gingen zu Josua ins Lager nach Gilgal und sprachen zu ihm und zu den Männern von Israel: Wir sind aus einem fernen Land gekommen, so macht nun einen Bund mit uns.“ Sie erwecken den Eindruck, dass sie gar keine Kanaaniter sind und dass sie aus einem weit entfernten Land kommen, einen Bund mit Israel schließen wollen.
[50:04] Nun, die Israeliten sind nicht ganz naiv. Vers 7: „Da sprachen die Männer von Israel zu den Gibeonitern: Vielleicht wohnt ihr in unserer Nähe, wie könnten wir da einen Bund mit euch machen?“ Sie aber sprachen zu Josua: „Wir sind deine Knechte.“ Sie verneinen die entsprechende Frage nicht einmal. Wenn man ein bisschen genauer hingehört hätte, sie verneinen nicht einmal, dass sie eigentlich die nächsten Nachbarn fast sind.
[50:37] Josua fragt noch einmal und Josua sprach zu ihnen: „Wer seid ihr und woher kommt ihr?“ Und jetzt interessant, weil die Argumente, die die Gibeoniter präsentieren, uns bekannt vorkommen. Vers 9: „Und sie sprachen zu ihm: Deine Knechte sind aus einem sehr fernen Land gekommen, um des Namens des Herrn, deines Gottes willen. Denn wir haben die Kunde von ihm vernommen und alles, was er in Ägypten getan hat, auch alles, was er den beiden Königen der Amoriter jenseits des Jordan getan hat, Sihon dem König von Heschbon und Og dem König von Baschan, der in Aschtarot wohnte.“
[51:22] Genau das hat die Rahab auch gesagt. Und hier wird deutlich, der Beweis ist erbracht, dass sie recht hatte, als sie sagte: „Alle Einwohner haben davon gehört und alle haben Angst.“ Aber während die meisten kämpfen wollten, um das irgendwie zu verhindern, gibt es einige, die sagen: „Okay, das stimmt, vielleicht können wir durch menschliche List uns aus der Schlinge ziehen.“ Und nur eine Frau hat erkannt, dass sie um Gnade, um Güte bitten muss.
[51:59] Diese Männer wissen von Gottes Kraft, sie glauben, dass es wahr ist, aber sie haben kein Vertrauen, dass dieser Gott ihnen Gnade und Güte und Leben schenken würde, wenn sie bereit sind, ihm einfach zu folgen und ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Sie präsentieren dieselben Argumente, aber in dieser Geschichte gibt es nie einen Moment, wo die Gibeoniter einen Glaubensakt durchführen. Nirgendwo präsentieren sie in irgendeiner Weise etwas, das man rettenden Glauben nennen kann. Sie haben zwar die Wahrheit gehört, sie sind auch von der Wahrheit überzeugt, sie wollen auch ihr Leben retten, aber sie bitten nicht um Leben und legen nicht ihr Leben in die Hand Gottes, wie das Rahab gemacht hat, sondern versuchen durch eigene menschliche Schachzüge klüger zu sein als die Israeliten.
[53:09] Vers 11: „Darum sprachen unsere Ältesten und alle Einwohner unseres Landes zu uns und sagten: Nehmt Speise mit euch auf den Weg und geht ihnen entgegen und sprecht zu ihnen: Wir sind eure Knechte, so macht nun einen Bund mit uns. Dieses unser Brot, das wir als Speisevorrat aus unseren Häusern mitnahmen, war noch warm, als wir auszogen, um zu euch zu gehen, nun aber, siehe, ist es hart und schimmelig. Diese Weinschläuche waren neu, als wir sie füllten und siehe, sie sind zerrissen und diese unsere Kleider und unsere Schuhe sind abgenutzt worden von der sehr langen Reise.“
[53:35] Jetzt kommt ein Schlüsselfers. „Dann nahmen die Männer Israels von ihrer Speise, aber den Mund des Herrn befragten sie nicht.“ Die Israeliten verlassen sich auf die Beweise ihrer Sinne und nicht auf das Wort Gottes. Hier ist eine ganz große Warnung für uns: Wir dürfen niemals den Eindruck, den wir durch Augen, Ohren und Geschmackssinn bekommen, über das Wort Gottes stellen. Die Israeliten denken hier für einen Moment, die Sache ist ja klar, die Beweislage ist ja offensichtlich, das wird wohl schon die Wahrheit sein und sie glauben, dass es nicht notwendig ist, in dieser so scheinbar offensichtlichen Sache Gott zu befragen. Selbst Josua fragt nicht. Gott hätte die Täuschung aufdecken können, aber es gibt viele Dinge, die Gott für uns nur dann tut, wenn wir ihn auch danach fragen.
[54:17] Und so machen sie einen Bund. Vers 15: „Und Josua machte Frieden mit ihnen und schloss einen Bund mit ihnen, dass sie am Leben bleiben sollten und die Obersten der Gemeinde schworen ihnen.“ Sie tun das aus bester Intention. Sie sind getäuscht worden, sie tun es aus bester Intention. Nach bestem Wissen sozusagen, vielleicht nicht nach bestem Gewissen, weil das hätte durchaus das Wort Gottes noch einmal fragen sollen.
[54:43] Vers 16: „Es geschah aber nach drei Tagen, nachdem sie mit ihnen einen Bund gemacht hatten, da hörten sie, dass jene aus ihrer Nähe waren und mitten unter ihnen wohnten.“ Der Betrug kommt sehr schnell ans Licht. Vers 17: „Denn als die Kinder Israels weiterzogen, kamen sie am dritten Tag zu ihren Städten. Die hießen Gibeon, Kephira, Beerot und Kirjat-Jearim.“ Die Lügen haben kurze Beine. Die Israeliten stehen bald vor den Toren. Und jetzt realisieren sie, dass sie getäuscht worden sind.
[55:24] Vers 18: „Und die Kinder Israels schlugen sie nicht, weil die Obersten der Gemeinde ihnen geschworen hatten bei dem Herrn, dem Gott Israels.“ Die ganze Gemeinde murrte gegen die Obersten. Ein Fehler der Leitung. Und dieser überhastet geschlossene Bund aus bester Intention, aber ohne das Wort Gottes zu befragen, führt zu einer Vertrauenskrise, weil plötzlich das einfache Fußvolk Misstrauen bekommt gegenüber der Leitung. Kommt dir das bekannt vor? Das Fußvolk realisiert: Leute in der Leitung sind Bündnisse eingegangen, die nicht gut sind. Man fängt an, über sie zu murren. Kommt dir das bekannt vor? Das Buch Josua ist aktueller, als sie glauben.
[56:13] Dieser Bund hätte nie eingegangen werden sollen, aber die Leitung wurde auch nicht komplett ausgewechselt. Sie hatten das in bester Intention gemacht. Hier gab es Leiter, die einen Fehler gemacht haben, aber nicht das Volk ruinieren wollten. Die gibt es manchmal auch, auch in der Geschichte Israels. Keine Frage, die müssen ausgewechselt werden. Aber es passiert, dass auch die besten Leiter Fehler machen. Echte Fehler. Und dass man dann aber auch zu seinem Wort steht, auch wenn es unter suboptimalen Bedingungen geschlossen worden ist. Man hätte diesen Bund nicht schließen sollen, aber jetzt war er geschlossen und er ist gültig und er muss auch gehalten werden.
[57:18] Vers 19 und 20: „Das sprachen alle Obersten zu der ganzen Gemeinde: Wir haben ihnen geschworen bei dem Herrn, dem Gott Israels, darum können wir sie nicht angreifen. So wollen wir an ihnen handeln. Wir wollen sie leben lassen, damit nicht ein Zorn über uns kommt um des Eides willen, den wir ihnen geschworen haben.“ Und dass das keine beschönigenden Worte sind, sondern Realität ist, wird deutlich, wenn man die Bibel weiterliest. Im Buch 2. Samuel, Jahrhunderte später. Da lesen wir in 2. Samuel 21, wie sehr Gott diesen Bund, obwohl er überhastet geschlossen worden ist, trotzdem geachtet hat. Gott selbst.
[57:57] 2. Samuel 21: „Es war aber zu Davids Zeiten drei Jahre lang eine Hungersnot, Jahr für Jahr. Und David suchte das Angesicht des Herrn. Und der Herr sprach: Es ist wegen Saul. Auf seinem Haus liegt eine Blutschuld, weil er die Gibeoniter getötet hat.“ Nicht alle, wird es lesen werden. Aber es heißt ja: „Da ließ der König die Gibeoniter rufen und redete mit ihnen. Die Gibeoniter aber gehörten nicht zu den Kindern Israels, sondern waren von den Amoriter übrig geblieben. Die Kinder Israels aber hatten ihm geschworen. Dennoch hatte Saul versucht, sie auszurotten in seinem Eifer für die Kinder Israels und Juden.“
[58:38] Hier lernen wir mehrere Dinge. Erstens, die Gibeoniter sind nie echte Israeliten geworden. Aber sie sind am Leben geblieben und Gott hat jetzt eine Hungersnot gesahnt, weil Saul in seinem Übereifer dachte: „Da müssen wir jetzt nochmal so richtig, diese Gibeoniter hätten ja eh nicht am Leben bleiben sollen, jetzt müssen wir die mal so richtig vernichten.“ Interessant, weil derselbe Saul an einer anderen Stelle, als Gott ihm geboten hatte, die Amalekiter zu vernichten, sie am Leben gelassen hat. Ein König zum Beispiel. Einen König hat er am Leben gelassen und das ist ein entscheidender Punkt, dass er sein Königtum verliert. Saul, der die, die er töten soll, am Leben lässt und die, die er am Leben lassen soll, tötet. Und das macht deutlich, dass Gott auch Jahrhunderte später diesen Bund aufrechterhält.
[59:33] Gott hatte gesagt, die Gibeoniter sollen getötet werden, aber die Israeliten haben sich täuschen lassen. Sie haben, statt Gott zu befragen, einfach aufgrund der Beweislage, der scheinbaren Beweislage, aus bestem Wissen, bester Intention, einen Bund mit ihnen gemacht und dieser Bund sollte gültig bleiben. Man konnte ihn nicht einfach brechen, man konnte sozusagen jetzt nur entsprechend reagieren.
[59:57] Vers 21: „Und die Obersten sprachen zu ihnen: Lasst sie leben, damit sie Holzhauer und Wasserschöpfer für die ganze Gemeinde werden, wie ihnen die Obersten gesagt haben.“ Und das sind sie geworden. Die niedrigsten Dienste haben sie getan, für Jahrhunderte.
[1:00:17] Wir lesen weiter, Vers 22: „Und Josua rief sie zu sich und redete mit ihnen und sprach: Warum habt ihr uns betrogen? Und gesagt, wir wohnen sehr weit von euch weg, während ihr doch mitten unter uns wohnt. Darum sollt ihr verflucht sein und nicht aufhören, Knechte und Holzhauer und Wasserschöpfer zu sein für das Haus meines Gottes.“ Wir lesen später in Josua 10, in Vers 3, dass diese Stadt eigentlich eine sehr große Stadt war. Vers 2, Josua 10, Vers 2: „Da fürchteten sie sich sehr, denn Gibeon war eine große Stadt, wie eine der Königsstädte. Es war größer als Ai und alle seine Männer waren tapfere Krieger.“ Für sie war das jetzt ein ziemliches Downgrade, eine Erniedrigung, Wasserschöpfer und Knechte und Holzhauer zu sein.
[1:00:53] Vers 24: „Da antworteten sie Josua und sprachen: Es ist deinen Knechten als gewiss berichtet worden, dass der Herr, dein Gott, seinem Knecht Mose geboten hat, euch das ganze Land zu geben und alle Einwohner des Landes vor euch her zu vertilgen. Da fürchteten wir uns sehr um unser Leben wegen euch und haben darum so gehandelt.“ Menschlich kann man das gut nachvollziehen und es hat ja, sie haben ja sozusagen auch, wenn man so sagen möchte, Glück gehabt. Es hat ja funktioniert, weil die Israeliten nicht Gott befragt haben. Es hätte ganz anders ausgehen können, wenn sie Gott befragt hätten, hätte er gesagt, sie müssen getötet werden.
[1:01:26] Denn sie haben eines nicht getan. Sie haben nicht getan, was die Rahab getan hat. Sie haben nicht im Glauben um Gnade gebetet, nicht im Glauben um Güte gebeten. Das haben sie nicht getan.
[1:01:42] Vers 25: „Nun aber, siehe, wir sind in deiner Hand, wie du es für gut und recht hältst, mit uns zu verfahren, so sollst du verfahren.“ Und er verfuhr auf diese Weise mit ihnen und er rettete sie aus der Hand der Kinder Israels, da sie sie nicht töteten. Und Josua machte sie an jenem Tag zu Holzhauern und Wasserstöpfern für die Gemeinde und für den Altar des Herrn an dem Ort, den er wählen würde. Und so ist es bis zu diesem Tag.
[1:02:14] Es gibt zwei Geschichten im Buch Josua, wo Menschen der Vernichtung durch das Gericht Gottes entkommen sind. Im Buch Josua wird Kanaan gerichtet, nachdem Jahrhunderte Gott gewartet hatte. Wir lesen in 1. Mose, Kapitel 15, dass die Schuld der Amoriter noch nicht voll war. Wir lesen in 1. Mose 15 und dort Vers 16: „Sie aber sollen in der vierten Generation wieder hierher kommen, denn das Maß der Sünden der Amoriter ist noch nicht voll.“ Gott hatte Jahrhunderte Geduld mit diesem Volk, aber jetzt sollte es vernichtet werden.
[1:02:52] Zwei Geschichten finden wir, wo Leute dem entkommen sind. Die eine Geschichte hier in Josua 9 von Männern, die versucht haben, mit menschlicher Klugheit und List und Schachzügen irgendwie sich das Leben zu erschleichen. Und sie hatten das Glück, dass die Israeliten so naiv waren, darauf einzufallen und sie haben das Leben bekommen. Und Gott hat dafür gesorgt, dass sie am Leben geblieben sind. Aber ihr Leben war geprägt von den niedersten Diensten und sie sind nie echte Israeliten geworden.
[1:03:25] Und dann ist da Rahab, die Hure aus Jericho, die im Glauben um Güte gebeten hat, die echten Glauben gezeigt hat, die das Zeichen der Rettung in ihr Fenster hing und alle ihre Lieben überzeugte, sich zu diesem Zeichen der Rettung zu halten. Sie hat nicht nur ihr Leben bekommen.
[1:03:55] In Matthäus Kapitel 1 und dort Vers 4 und 5 lesen wir: „Aram zeugte den Amminadab, Amminadab zeugte den Nachschon, und diese Namen tauchen auch in den Büchern Mose auf. Nachschon zeugte den Salmon, Salmon zeugte den Boas mit der Rahab, und Boas, ihr Sohn, zeugte den Obed mit der Ruth, Obed zeugte den Isai, Isai zeugte den König David.“
[1:04:36] Rahab hat nicht nur ihr Leben gerettet. Rahab wurde eine echte Israelitin. Sie wurde Teil des Volkes, anders als die Gibeoniter. Rahab, die Hure, wurde zu einer Vorfahrin von König David. Sie hat einen der bedeutendsten Männer im Stamm Juda, dem besonders gesegneten Stamm, geheiratet und so wurde sie eine Vorfahrin des Messias selbst.
[1:05:14] Es macht einen großen Unterschied, ob man durch menschliche List, durch Glück sein Leben gerettet oder ob man durch den Glauben Leben gewinnt. Diese beiden Leben waren nicht dasselbe Leben. Das eine – ein Leben in Sklaverei ohne Zugriff zum Volk Gottes. Das andere war über alle Maßen gesegnet.
[1:05:38] Lieber Freund, liebe Freundin, vielleicht haben wir manchmal Glück im Leben und durch menschliche Klugheit, durch Schlauheit, durch unseren Witz, durch unsere Schachzüge können wir so manchen Vorteil erringen, aber das ist nicht Glaube. Wir haben vielleicht einen Vorteil errungen. Wir haben vielleicht tatsächlich Geld gewonnen. Wir haben tatsächlich etwas verhindert. Wir haben vielleicht tatsächlich unser Leben verlängert, aber das macht das Leben nicht besser und gibt dem Leben nicht die Qualität, die Glaube geben kann.
[1:06:08] Diese beiden Geschichten haben Parallelen und Kontraste und sie zeigen uns, dass es nicht darauf ankommt, durch eigene Schlauheit und durch Pläne und durch Verschlagenheit irgendwie sich einen Vorteil zu ergattern, sondern es darauf ankommt, durch Glauben zu leben. Im Glauben das zu tun, was wir tun können und uns ganz zu vertrauen auf die Gnade Gottes, auf seine Rettung, selbst wenn das bedeutet, dass wir uns in feindlicher Umgebung zu ihm bekennen.
[1:06:43] Rahab ist das große Beispiel des Glaubens im Buch Josua. Das, was sie gemacht hätte, hätten auch die Gibeoniter machen können. Sie wären allzumal wie die Rahab aufgenommen worden. Sie hätten nicht als Holzhauer ihr ganzes Leben lang als Sklaven gedient. Sie hätten Teil des Volkes Gottes werden können, wie Rahab Teil des Volkes Gottes wird.
[1:07:01] So wie es später in Jesaja steht, dass Assyrien und Ägypten Teil des Volkes Gottes werden sollten. Steht da in Jesaja 20, 19, 25: „Denn der Herr, der Herrscher, segnete es, indem er sagen wird: Gesegnet bist du, Ägypten, mein Volk, und du, Assyrien, das Werk meiner Hände, und du, Israel, mein Erbteil.“ Jeder, der im Glauben Gott angenommen hätte, selbst in dieser letzten Minute vor der Zerstörung, so wie Rahab, hätte mit offenen Armen empfangen werden können.
[1:07:46] Die Kanaaniter hätten nicht sterben müssen. Sie starben wegen ihrem Unglauben und Rahab lebte. Möchtest du heute diese Entscheidung fällen? Ich möchte auf Gottes Gnade vertrauen. Die größte Tragödie in der Geschichte von Josua ist nicht, dass so viele Menschen sterben, sondern dass so viele hätten gerettet werden können, die es nicht geglaubt haben und die, als Gottes Macht vor ihren Toren auftaucht, sie dagegen kämpfen wollen und andere sich für ihren eigenen Verstand verlassen haben und nur ein einziger Mensch Glauben gezeigt hat. Also eine einzige Familie, muss ich sagen, Rahab und ihre Familie.
[1:08:29] Möchtest du aus Glauben leben und nicht aufgrund deines Verstandes und deiner Pläne? Möchtest du im Glauben auf Jesus vertrauen, auf seine Rettung? Bibel sagt: „Der Gerechte wird durch seinen Glauben leben.“ Das ist die Kraft des Evangeliums, wie es im Buch Josua hier deutlich wird. Das ist dein Wunsch? Dann lass uns doch gemeinsam beten.
[1:09:00] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass du auch heute durch dein Wort zu uns gesprochen hast. Und Herr, wir sehen, dass wir manchmal mit menschlicher Schlauheit ein paar Dinge erreichen können, vielleicht, aber das ist niemals auch nur annäherungsweise das, was Glaube in unserem Leben bewirken kann. Was du in unserem Leben bewirkst, wenn wir dir glauben. Herr, lass uns nicht sein wie die Gibeoniter, die mit eigenem Verstand versucht haben, sich zu retten. Lass uns sein wie Rahab, mit all unseren Fehlern, mit all unseren Sünden und all dem, was noch nicht richtig läuft. Lass uns das Zeichen der Gnade erbitten. Lass uns diesen Geist haben, andere retten zu wollen. Und lass uns diesen Glauben haben, zur Rettung zu stehen, die du anbietest. Koste es, was es wolle, bis du uns rettest. Herr, hab Dank, dass wir diese Geschichte haben. Fülle uns mit deinem Heiligen Geist, schenke uns diesen rettenden Glauben. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.
[1:10:22] Es gibt noch viel zu studieren im Buch Josua. Wir werden in den nächsten Wochen weitermachen. Wir werden sicherlich auch das ein oder andere Gesicht hier wieder dann auch vor der Kamera haben. Ich wünsche euch von Herzen, dass wir Gottes Wort, das Buch Josua, ganz neu für uns entdecken, Lehren des Glaubens für unser Leben daraus ziehen. Bis dahin wünsche ich Gottes reichen Segen. Bis zum nächsten Mal. Gott sei mit euch. Amen.
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