Im Rahmen des Yale Ancient Pharmacology Program wurde ein über 100 Jahre altes Alabastergefäß mit Inschriften von Xerxes I. untersucht. Die Analyse wies eindeutig Opium-Biomarker nach – darunter Morphin und Papaverin. Ähnliche Spuren fand man auch in Gefäßen aus dem Neuen Reich, was darauf hindeutet, dass Opiummissbrauch in Ägypten weit verbreitet war.
Funde & Fakten : „Drogen im Alten Ägypten?“
Christopher Kramp · Funde & Fakten ·Themen: ArchäologiePodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Funde & Fakten
Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.
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Serie: Funde & Fakten
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Transkript
[0:20] Wie sehr waren die alten Ägypter den Drogen erlegen? Dazu gibt es jetzt brandaktuelle neue Erkenntnisse, die wir in diesem Video kennenlernen wollen. Damit herzlich willkommen zu Funde und Fakten, einer Serie über aktuelle archäologische Entdeckungen. Heute geht es um etwas ganz Frisches vom September 2025: Drogen im alten Ägypten.
[0:46] Es geht um dieses Alabastergefäß. Das sieht erst mal ganz unschuldig aus. Beim näheren Hinblicken erkennt man dort Inschriften, sogar einige. Dieses Alabastergefäß steht schon seit über 100 Jahren im Museum in Yale, ist auch nicht besonders groß – 22 × 10 cm –, ist allerdings doch sehr wertvoll, denn solche intakten Gefäße aus Alabaster mit Inschrift gibt es nur sehr, sehr wenige auf der Welt – weniger als zehn überhaupt.
[1:22] Wenn man sich die Inschriften anschaut, stellt man fest, dass sie in vier verschiedenen Sprachen alle dasselbe sagen. Es sind drei Keilschriftsprachen oben, nämlich Akkadisch, Elamisch und Altpersisch, die alle verschiedene Keilschriftsysteme verwendet haben. Und dann, unschwer zu erkennen mit der Kartusche für den Königsnamen, das hieroglyphische Ägyptisch. Daneben links, diese etwas gekritzelten Zeichen – das ist eine kleine Notiz auf Demotisch. Das ist die Sprache des ägyptischen Volkes in der späten ägyptischen Zeit, mit einer kursiven Schrift, deswegen nennt man das Demotisch. Dort steht im Wesentlichen nur, wie viel in diesem Gefäß enthalten war – also das Volumen.
[2:15] Und wenn man eine Inschrift hat mit Akkadisch, Elamisch, Altpersisch und Ägyptisch, dann weiß man eigentlich ziemlich genau: Das muss persisch sein. Denn die Perser haben genau das getan – mindestens drei Sprachen im Kernland, immer Akkadisch, Elamisch, Altpersisch, und wenn sie in Ägypten waren, auch noch auf Ägyptisch. Tatsächlich wird hier der Name von Pharao/König Xerxes I. erwähnt, den wir auch aus anderen historischen Quellen natürlich reichlich gut kennen.
[2:49] Was man bei antiken Gefäßen oft nicht genau weiß, ist, was da eigentlich drin war – die sind ja schon viele Jahrhunderte, oft über 2000 bis 3000 Jahre, ohne diesen Inhalt. Es gibt ein interessantes Programm an der Yale-Universität: das Yale Ancient Pharmacology Program. Das benutzt modernste wissenschaftliche Methoden, um kleinste organische Überreste noch zu identifizieren – Chromatografie, Massenspektrometrie. Das hat man mit diesem Alabastergefäß getan. Man hatte einen Verdacht.
[3:29] Hier sehen wir die Veröffentlichung im Journal of Eastern Mediterranean Archaeology and Heritage Studies – verschiedene Wissenschaftler, die daran beteiligt gewesen sind, eine ganze Reihe von naturwissenschaftlichen Untersuchungen und Daten. Die Ergebnisse sind äußerst brisant, denn man konnte eindeutig Noskapin, Hydrokotarnin, Morphin, Thebain und Papaverin nachweisen – allesamt Biomarker für Opium. Dieses Gefäß hat aller Wahrscheinlichkeit nach Opium enthalten.
[4:13] Bei weiterem Nachforschen hat man festgestellt: Das ist gar kein Einzelfall. Drei der gerade genannten Opium-Marker hat man auch in diesen Gefäßen hier gefunden, die aus einem Grab stammen, das in das Neue Reich datiert. Diese Gefäße sind also circa 1000 Jahre älter. Unser Alabastergefäß ist ja aus der persischen Zeit, als die Perser in Ägypten regierten, aber jene Gefäße datieren in die Zeit des Neuen Reiches – die Zeit, die den zeitlichen Hintergrund für den Exodus und die Zeit von Mose liefert.
[4:54] Die Forscher haben sogar eine weiterreichende Vermutung: Wir alle kennen das berühmte Grab von Tutanchamun, und dort hat man auch große Alabastergefäße gefunden. Das ist ja schon ein ganzes Jahrhundert her, als man das entdeckte – damals hatte man natürlich nicht die Möglichkeiten, das so genau zu analysieren. Aber die Vermutung ist jetzt geäußert worden, dass auch diese Gefäße allgemein dafür verwendet worden sind, Opium aufzubewahren.
[5:27] Interessant ist, dass die Bibel uns sagt, in 2. Mose 15, Vers 26: „Wenn du der Stimme des Herrn, deines Gottes, eifrig gehorchen wirst und tust, was vor ihm recht ist, und seine Gebote zu Ohren fasst und alle seine Satzungen hältst, so will ich keine der Krankheiten auf dich legen, die ich auf Ägypten gelegt habe; denn ich bin der Herr, dein Arzt." Wir wissen heute, dass Opium mit einer ganzen Reihe von Krankheitsbildern zusammenhängt. Langzeitfolgen beim Opiummissbrauch sind Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Entkräftung, Kreislaufstörungen, Muskelschmerzen, Abhängigkeit, Antriebsschwäche, sogar Persönlichkeitsveränderungen – und wer Opium überdosiert, kann sogar eine tödliche Atemlähmung bekommen.
[6:15] Was nehmen wir heute mit? Ägyptologen beginnen erst langsam zu verstehen, dass möglicherweise der Missbrauch von Opium in der ägyptischen Gesellschaft weitaus verbreiteter gewesen ist, als man bisher angenommen hat. Gottes Warnungen im Alten Testament vor dem Lebensstil der Ägypter sind also tatsächlich äußerst berechtigt.
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