Entdecken Sie faszinierende Ausgrabungen am See Genezareth, die ein neues Licht auf die Taufpraxis der frühen Christenheit werfen. Christopher Kramp nimmt Sie mit nach Hippos, einer antiken Stadt der Dekapolis, und beleuchtet ihre mögliche Verbindung zu Jesu Worten über die Stadt auf dem Berg.
Funde & Fakten : „Eine Taufhalle am See Genezareth?“
Christopher Kramp · Funde & Fakten ·Themen: ArchäologiePodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Funde & Fakten
Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.
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Serie: Funde & Fakten
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Transkript
[0:18] Wie wurden Menschen in den ersten Jahrhunderten der Christenheit eigentlich getauft? Faszinierende Ausgrabungen am See Genezareth werfen interessantes Licht auf diese Frage und damit herzlich willkommen zu Funde und Fakten. Heute soll es um eine Taufhalle am See Genezareth gehen.
[0:37] Es geht um Ausgrabungen in Hippos, einer Stadt in Nordisrael am Ostufer des Sees Genezareth. Eine antike Stadt, die, wie man hier gut sehen kann, ziemlich hoch gelegen gewesen ist. Hippos, das ist der griechische Name der Stadt, aramäisch hieß sie Susita. Das ist in beiden Fällen dieselbe Bedeutung, heißt nämlich Pferd. Und diese Stadt Hippos war eine der zehn Städte der sogenannten Dekapolis, die auch im Neuen Testament immer wieder erwähnt wird. Eine Region östlich von Galiläa, in der zehn besondere Städte, vor allem auch eine griechisch-hellenistische, teils dann auch römische Bevölkerung gehabt haben und sich doch sehr deutlich in der Kultur von den Juden in Galiläa und Judäa unterschieden haben.
[1:33] Interessant ist diese Stadt auch deswegen, weil sie so nahe am See Genezareth liegt und auf einem Hügel gelegen ist. Und es gibt nicht wenige Forscher, die davon ausgehen, dass als Jesus in seiner berühmten Bergpredigt in Matthäus 5, Vers 14, von einer Stadt sprach, die auf dem Berg liegt, er als er dort am See Genezareth wahrscheinlich eher am Westufer oder im Nordufer sitzend mit all den vielen tausend Menschen um ihn herum, dass er dort seinen Blick genau nach Hippos hat schweifen lassen, als er gesagt hat: "Ihr seid das Licht der Welt. Kann eine Stadt, die auf einem Berg liegt, nicht verborgen bleiben."
[2:12] Bei den Ausgrabungen, die seit langem schon laufen und in den letzten Jahren unter der Leitung von Dr. Michael Eisenberg von der Universität Haifa und seinem Team organisiert werden, sind schon sehr viele verschiedene interessante Dinge zutage gefördert worden. Erst kürzlich ein Goldschatz und auch viele Dinge aus der römischen Zeit. Aber heute soll es um ein besonderes Gebäude gehen aus der Spätantike und zwar um eine gewaltige Kathedrale dort in Hippos.
[2:41] Im 6. Jahrhundert nach Christus ist so die Zeit, in der Kaiser Justinian das oströmische Reich regiert, eine große Macht entfaltet, noch einmal versucht das weströmische Reich zurückzuerobern. Das ist die Zeit, in der im Westen auch das Papsttum große Macht gewinnt und dann zum Oberhaupt über die gesamte Christenheit von Justinian äh gemacht wird. In dieser Zeit gibt es in Hippos am See Genezareth sieben große Kirchen und darunter eine gewaltige für die damaligen Verhältnisse, eine gewaltige Kathedrale, 28 x 18 Meter.
[3:14] Und die neuesten Erkenntnisse tendieren dazu, dass man sagt, dass diese Kathedrale dazu genutzt worden ist, um alle Neubekehrten in der gesamten Region dort an diesem Ort zu taufen. Es gibt dort nämlich eben direkt in der Nähe dieser Kathedrale eine eigene Taufhalle und zwar die größte, die man überhaupt jemals in Israel gefunden hat. Auf dieser Skizze sieht man schwarz, das was von der Kathedrale ausgegraben worden ist und direkt dort drüber das sogenannte Baptisterium, eine Taufhalle, die auch noch einmal beträchtliche Maße hat und in deren Mitte dann dieses Taufbecken zu sehen ist.
[4:01] Und das ist sehr groß. Man sieht hier eine Person daneben stehen. Da ist diese runde Vertiefung. Die Menschen sind dort nicht so getauft worden, dass man sie nach hinten hat zurückfallen lassen, sondern indem sie quasi so vertikal untergetaucht worden sind. Man sieht, wenn man genau hinschaut, in der Mauer noch bei dem roten Pfeil das Rohr, durch das Wasser dann kam, um dort das Wasser entsprechend einzuleiten.
[4:34] Auch sonst ist die Kathedrale sehr bemerkenswert. Es gibt einen ganz kostbaren Fußboden, den man hier ausgegraben hat. Man findet andere Dinge wie einen Kerzenleuchter, der 1 Meter groß ist aus Bronze und man hat jetzt erstmals nach Jahren der Ausgrabung die Kathedrale als solche rekonstruieren können und festgestellt anhand der Befunde, dass sie sehr bunt bemalt gewesen ist. Also, ich weiß nicht genau, wie wir uns vielleicht sonst die spätantiken Kirchen vorgestellt haben, aber sie müssen sehr fröhlich und bunt ausgesehen haben, zumindestens was diese Kathedrale hier in Hippos betrifft.
[5:11] Mittlerweile ist das Ganze auch ein Nationalpark in Israel. Die Säulen liegen dort schon seit langer Zeit. Im 8. Jahrhundert ist dann diese Kathedrale durch ein Erdbeben zerstört worden und wer möchte, kann noch immer dort ausgraben. Es gibt auch im Jahr 2026 neue Ausgrabungen. Es gibt noch viele interessante Dinge dort zu entdecken.
[5:32] Warum sind die Menschen damals auch noch im sechsten Jahrhundert durch Untertauchen getauft worden? Ganz einfach deswegen, weil der biblische Bericht genau das nahelegt. In Johannes 3, Vers 23 heißt es, dass Johannes der Täufer, der erste, von dem wir in der Bibel berichten, dass er Menschen mit einer Glaubenstaufe getauft hat, dass er am Jordan in Enon nach Salem taufte, weil dort viel Wasser war. Das wäre nicht notwendig, wenn man einfach nur das Wasser an die Person gesprengt hätte.
[6:06] Man hat die Personen untergetaucht und zwar hatte das dann auch in der Christenheit einen ganz tiefen theologischen Grund. In Römer 6, Vers 3 und 4 heißt es: "Oder wisst ihr nicht, dass wir alle, die wir in Christus Jesus hineingetauft sind, in seinen Tod getauft sind? Wir sind also mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod." Das Untertauchen ist also ein Symbol, dass der Neubekehrte, der Gläubige sagt, ich glaube, dass Jesus für mich gestorben ist und auch für mich auferstanden ist, deswegen ja aus dem Wasser dann wieder herausgeholt wird.
[6:39] Und ob man dabei nun nach hinten unter das Wasser gedrückt wird, wie das heute bei modernen Glaubenstaufen meistens durchgeführt wird oder einfach vertikal sich unter das Wasser begibt. Das spielt für die Symbolik letztlich keine Rolle. Und wir sehen das auch im sechsten Jahrhundert, als schon so manche theologischen Veränderungen in der Christenheit von Statten gegangen sind. Das Thema Taufe noch sehr deutlich hier am urbiblischen, am urchristlichen biblischen Prinzip man dort festgehalten hat.
[7:09] Was nehmen wir heute mit? Die noch immer andauernden Ausgrabungen von Hippos am See Genezareth zeigen, dass es dort eine sehr große Taufhalle gegeben hat, direkt neben der Kathedrale und dass so können wir heute sicher sagen, auch im sechsten Jahrhundert nach Christus am Übergang von der Antike in das frühe Mittelalter dort Neubekehrte durch Untertauchen getauft worden sind. Das war nicht eine Ausnahme, sondern das war die Regel, denn wie wir gesehen haben, geht die Forschung davon aus, dass all die Bekehrten der Umgebung dort nach Hippos kamen, um dort getauft zu werden.
[7:51] In diesem Sinne freuen wir uns, dass ihr dabei gewesen seid und laden euch ein auch nächstes Mal wieder einzuschalten, wenn es hier heißt Funde und Fakten.
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