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Funde & Fakten

Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


Eine neue Studie der Universität Toronto hinterfragt die verbreitete These, dass die Statuen der Pharaonin Hatschepsut aus Hass durch Thutmosis III. zerstört wurden. Jun Yi Wang zeigt anhand der Funddokumentation, dass viele Statuen offenbar „deaktiviert“ wurden, um ihr Material wiederzuverwenden – ein pragmatischer Vorgang und keine blinde Zerstörungswut. Das Video beleuchtet auch die mögliche Verbindung Hatschepsuts zu den biblischen Exodus-Ereignissen.


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Serie: Funde & Fakten

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Transkript

[0:20] Hatschepsut ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten der altägyptischen Geschichte. Aber warum sind so viele ihrer Statuen zerstört worden? In diesem Video wollen wir dieser Frage genauer nachgehen. Und damit herzlich willkommen zu Funde und Fakten – heute mit der Frage: Was geschah mit den Statuen der Hatschepsut?

[0:43] Es geht heute um die zerstörten Statuen dieser berühmten Pharaonin, die in der 18. Dynastie im Neuen Reich eine ganz außergewöhnliche Rolle eingenommen hat. Diese Statuenfragmente sind seit Langem bekannt und geborgen worden. So sah sie vielleicht aus – auf YouTube gibt es einen interessanten Kanal, „Ancient Egyptians Pha Real Faces". Es ist ein Video, wo mit KI aufgrund der Statuen die Originalgesichter nachempfunden werden, und vielleicht hat sie so ähnlich ausgeschaut.

[1:23] Sie war eine Königin der 18. Dynastie und hat die Regentschaft nach Thutmosis I. für den minderjährigen Thutmosis III. übernommen, der als Sohn einer Nebenfrau für sie wahrscheinlich etwas suspekt gewesen ist. Sie hat aber nicht lange gewartet und hat sich selbst zum König krönen lassen. Das war an sich nicht so ungewöhnlich – es hat auch vorher schon Frauen als Pharao gegeben. Aber diesmal gab es erstmals zwei Könige, denn sie hat den eigentlich zum Regenten vorgesehenen Thutmosis III. auch formal als Mitregenten bestimmt. Der hatte allerdings als Kind gar nichts zu sagen.

[2:10] Ihre Herrschaft wird immer wieder als besonders friedlich bezeichnet, und ihr Totentempel im Tal der Könige ist eines der berühmtesten noch erhaltenen Monumente in der altägyptischen Archäologie. Er befindet sich weiter im Süden in Oberägypten, in Deir el-Bahari. Sie hat damals diesen Tempel direkt neben der Grabstätte von Mentuhotep gebaut, dem Pharao, der nach der Ersten Zwischenzeit Ägypten wieder vereint und damit eine neue Blütezeit – die des Mittleren Reiches – initiiert hatte.

[2:53] Genau dort, in der Nähe ihres Totentempels, sind auch besonders viele zerstörte Statuen der Hatschepsut gefunden worden. Man geht seit Langem davon aus, dass nach ihrem Tod ihre Statuen systematisch zerstört worden sind. Ihr Name ist auch aus Tempelmauern entfernt worden, genauso wie Bilder von ihr. Das ist traditionell als ein Akt des Thutmosis III. interpretiert worden, und das ist sicherlich nicht allzu weit von der Wahrheit entfernt. Man hat allerdings aufgrund dieser zerschlagenen Statuen regelrechte Wutausbrüche unterstellt und gemeint, Thutmosis III. – der dann später als erwachsener Mann tatsächlich Nachfolger der Hatschepsut wurde – müsse einen großen Hass auf sie gehabt haben. Daraus hat man einen sehr intensiven emotionalen Konflikt zwischen ihr und Thutmosis III. konstruiert.

[3:52] Eine neue Studie von Jun Yi Wang, der seine Doktorarbeit an der Universität von Toronto über diese Frage schreibt, mit dem Titel „The Afterlife of Hatshepsut Statuary in Antiquity" (2025), geht dieser Frage neu nach – unter anderem dadurch, dass er alle Funddokumentationen von diesen zerbrochenen Statuen noch einmal gründlich angeschaut hat und auf manche Ungereimtheiten gestoßen ist.

[4:23] Hier auf dieser Illustration sehen wir, wo die meisten dieser zerstörten Statuen gefunden worden sind, und hier ist das noch einmal genauer aufgedröselt. Er konnte zeigen, dass erstens – und das ist nicht so unbekannt – es auch von anderen Herrschern immer wieder Beispiele gibt, wo Statuen zerstört worden sind, obwohl man dort keinen direkten Konflikt geschichtlich nachweisen konnte. Seine These ist, dass die Statuen gar nicht wutentbrannt zerschlagen worden sind, sondern dass sie sozusagen „deaktiviert" worden sind. Die Idee dahinter ist, dass so eine Statue etwas sehr Heiliges gewesen ist, denn der Pharao hatte immer auch eine besondere religiöse Funktion. Wenn man aber das Material der Statue nach seinem Tod weiterverwenden wollte – die Ägypter haben da auch einen gewissen Pragmatismus an den Tag gelegt –, dann konnte man diese Statue nicht einfach so weiterverwenden. Man musste sie sozusagen erst in ihrer religiösen Funktion abschalten. Das war natürlich recht abergläubisch aus unserer heutigen Sicht, aber so hat die Religion der Ägypter funktioniert. Man musste der Statue erst etwas abbrechen, um sie funktionslos zu machen, und dann konnte man das Material einfach neu verwenden.

[5:47] Zudem konnte er nachweisen, dass einige Schäden, die man zuvor als bewusste Zerstörung interpretiert hat, vielleicht auch einfach nur auf Transportumstände zurückzuführen sind. Jeder, der schon einmal umgezogen ist, weiß: Wenn man Dinge von A nach B transportiert, können sie auch schnell kaputt gehen. Einige dieser Fragmente wurden in einer Grube gefunden, die letztlich Füllmaterial dargestellt hat für den Bau einer Zufahrt zu einem neuen Tempel. Man sieht nämlich auf dieser Illustration, dass links neben dem großen Totentempel der Hatschepsut Thutmosis III. – ihr Nachfolger – einen eigenen Tempel gebaut hat, von dem nicht mehr allzu viel übrig ist. Man sieht, dass der zu rekonstruierende Weg dorthin genau über diese Fundstelle all dieser Statuenfragmente gegangen sein muss. Man geht jetzt also davon aus, dass man einige Statuen einfach deswegen zerkleinert hat, weil man Füllmaterial brauchte und dann einfach dieses Loch aufgefüllt hat. Man kann das auch daran sehen, dass nur die Einzelteile von besonders kleinen Statuen verwendet wurden, weil die für Arbeiter einfacher zu transportieren waren. Allgemein konnte man feststellen, dass bei kaputten Statuen oft die Teile fehlten, die man besonders gut weiterverwenden konnte, wie zum Beispiel die Basen, auf denen die Statuen gestanden haben.

[7:20] All das ist für Bibelleser natürlich auch deswegen interessant, weil Hatschepsut schon seit Langem mit der Geschichte in Verbindung gebracht wird, die in der Bibel als Exodus bezeichnet wird. Wir lesen in Hebräer 11, Vers 24: „Durch Glauben weigerte sich Mose, als er groß geworden war, ein Sohn der Tochter des Pharao zu heißen." Immer wieder haben Forscher überlegt, ob nicht Hatschepsut genau diese Person sein könnte. Es gibt dazu sehr verschiedene Theorien, die sich nicht gut beweisen oder widerlegen lassen, weil man auch abhängig ist von den verschiedenen chronologischen Modellen zur ägyptischen Geschichte. Teilweise liegen die verschiedenen ägyptischen Chronologien Jahrzehnte auseinander, und je nachdem, für welche Chronologie man sich entscheidet, kommt man auf einen Synchronismus mit Mose – oder auch nicht.

[8:14] Auch biblisch gesehen gibt es dort Spielraum. In 1. Könige 6, Vers 1 – dem klassischen Vers, um den Exodus biblisch zu datieren – heißt es, dass der Bau des Tempels Salomos im 480. Jahr nach dem Auszug der Kinder Israels begann. Damit kann man berechnen, dass der Auszug aus Ägypten im Jahre 1446 vor Christus gewesen sein muss. Aber in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments findet sich statt des 480. das 440. Jahr – das bringt also eine Verschiebung um 40 Jahre.

[8:55] Was bedeutet das? Wenn man die hebräische Lesung annimmt, dann wäre Hatschepsut entweder möglicherweise die Pharaonin gewesen, die Mose vertrieben hat – wenn man die sogenannte hohe ägyptische Chronologie annimmt –, oder sie hätte regiert, während Mose gerade in Midian sich aufgehalten hat, wenn man die momentan gängigste Chronologie vom Handbuch der Orientalistik zugrunde legt. Wenn man allerdings die Septuaginta-Lesung favorisiert, dann könnte man tatsächlich argumentieren, dass Mose zur Zeit der Regierung von Hatschepsut am Königshof aufgewachsen ist und dann in der Zeit von Thutmosis III. – der die Statuen der Hatschepsut hat zerstören lassen – geflohen ist. Das wäre natürlich durchaus interessant.

[9:45] Wer sich darüber mehr informieren möchte – über die ganze Frage des Exodus und der Datierung und den Pharaonen –, der findet hier auf Joel Media in dem Video „Wer war der Pharao des Exodus?" noch sehr viel mehr Hintergrundinformation.

[10:00] Was nehmen wir heute mit? Die These von der systematischen Auslöschung der Statuen von Hatschepsut durch Thutmosis III. muss differenzierter betrachtet werden. Thutmosis hat ihren Namen entfernt – er wollte ihr Andenken nicht wirklich in Ehren halten –, aber vieles von dem, was man als blinde Zerstörung bezeichnet hat, war wahrscheinlich einfach nur Pragmatismus. Und die Frage, welche Rolle Hatschepsut in den Jahrzehnten vor dem Exodus genau gespielt hat, können wir bis heute nicht genau definieren. Es bleibt weiter spannend und es gibt Raum für weitere Forschung.


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