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Funde & Fakten

Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


Kann man durch Social Media auf archäologische Sensationen stoßen? Christopher Kramp zeigt dir, wie eine Schieferplatte aus Südspanien, die mit der biblischen Stadt Tarsis in Verbindung gebracht wird, durch das Internet entdeckt wurde. Tauche ein in die faszinierende Welt der tartessischen Kultur und erfahre mehr über dieses rätselhafte Reich der Eisenzeit.


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Serie: Funde & Fakten

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Transkript

[0:18] Hast du beim Scrollen auf deinem Handy schon mal eine archäologische Entdeckung gemacht? Du denkst, das geht nicht? In diesem Video wollen wir dir das Gegenteil beweisen und damit herzlich willkommen zu Funde und Fakten.

[0:33] Heute geht es um eine interessante Entdeckung, die durch Social Media möglich geworden ist. Es geht um diese Schieferplatte. Gefunden wurde sie in Casas del Turunello. Das liegt in Südspanien. Dort werden seit über 10 Jahren Ausgrabungen durchgeführt und man findet dort Dinge aus dem 5. Jahrhundert vor Christus. Und zwar ist das die letzte Phase der sogenannten tartessischen Kultur. Wenn du sagst, das habe ich noch nie gehört, wollen wir uns kurz anschauen, was es damit auf sich hat.

[1:12] Es gab in der Eisenzeit an der Straße von Gibraltar zwischen dem Mittelmeer und dann dem Atlantik in Südspanien ein Reich namens Tartessos. Das lag am Meer. Der Fundort, um den es heute geht, war allerdings mehr im äußersten Norden, dann schon mehr im Inland des heutigen Spanien. Aber dieses Reich Tartessos ist sehr interessant, denn es kommt höchstwahrscheinlich in der Bibel vor als Tarsis.

[1:39] In Jona Kapitel 1, Vers 3 wird berichtet, wie der Prophet vor Gott weglaufen möchte und zwar an einen möglichst weit entfernten Ort, nämlich nach Tarsis. Das heißt dort: „Da machte sich Jona auf, um von dem Angesicht des Herrn weg nach Tarsis zu fliehen. Und er ging nach Jafo hinab und fand dort ein Schiff, das nach Tarsis fuhr. Da bezahlte er sein Fahrgeld und stieg ein, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren, weg von dem Angesicht des Herrn.“ So weit weg, dass Jona dachte, vielleicht findet mich dort Gott nicht. Das ist natürlich nicht aufgegangen, die Geschichte geht anders aus.

[2:13] Es gab immer wieder Überlegungen, was könnte dieses Tarsis sein? Es gab auch andere Ideen, dass es mehr in der Ägäis ist, vielleicht in Kilikien in äh Kleinasien, aber die Befunde sprechen doch vor allem dafür, dass das weit im Westen zu suchen sei. In erste Könige heißt es zum Beispiel, dass dort eine Flotte von Tarsis-Schiffen zur Zeit von Salomo alle drei Jahre beladen mit Gold, Silber, Elfenbein, Affen und Pfauen nach Israel gekommen ist. Das wird eine Flotte gewesen sein, die irgendwie in Afrika gewesen ist und das spricht natürlich für einen Handel, der dann über die Straße von Gibraltar gegangen ist und nicht irgendwo in der Ägäis.

[3:01] Bestätigung dafür kommt auch aus der assyrischen Keilschrift. Der König Assahadon schreibt hier in Text 60 äh nach der Zählung in der Rinab-Ausgabe: „allen Königen inmitten des Meeres von Jadnadna, das ist Zypern und Ionien, das ist also die Westküste von Kleinasien bis Tarsisi und das ist wohl Tarsus.“ Die Idee ist hier sozusagen, dass er sich an Könige wendet, die das gesamte Mittelmeer äh bewohnen, sowohl im Osten, Zypern und Ionien bis zum äußersten Punkt bis nach Tarsus. Und auch deswegen denkt man, dass Tarsus wohl dieses Tartessos ist und man kann beide Sprachformen von einer iberischen Wurzel ableiten. Iberer waren ja die Einwohner dort in Südspanien.

[3:57] Die Schieferplatte, die man gefunden hat, die wurde 2024 entdeckt und sie enthält Abbildungen von Kriegern und ein paar andere geometrische Formen. Die Archäologen waren ganz stolz, dass sie es gefunden haben, haben Fotos gemacht, haben eine Pressemitteilung veröffentlicht und das Ganze dann auch auf X, also ehemals Twitter, veröffentlicht. Und jemand hat sich dafür interessiert und hat beim Runterscrollen bei Twitter diese Bilder angeschaut und plötzlich etwas entdeckt auf seinem Handy. Sein Name war Juan Fer Jané. Er ist eigentlich Programmierer aus Barcelona, aber forscht nebenberuflich auch zu allen Sprachen an der Universität von Barcelona.

[4:42] Und ihm fiel auf beim Betrachten des Fotos auf seinem Handy, was den Archäologen, die das Original vor Augen hatten, nicht aufgefallen war, dass dort nämlich ein ganz bestimmter Buchstabe zu sehen war, der an das spätere keltiberische Alphabet erinnert hat. Und das war deswegen noch bemerkenswert, weil er das Ganze auf dem Kopf gesehen hat. Er hat das dann entsprechend bekannt gemacht, hat die Archäologen kontaktiert, hat sich dann die Schieferplatte zeigen lassen und war in der Lage sogar noch eine ganze Reihe von weiteren Buchstaben zu entziffern.

[5:17] Wir sehen hier diese Buchstaben. Man geht davon aus, dass auf dem abgebrochenen Teil der Schiefertafel noch mehr Buchstaben gestanden haben müssen. Es war wohl ein ziemlich vollständiges Alphabet, das, so kann man deutlich sehen, irgendwie aus dem phönizischen Alphabet entwickelt worden ist. Man weiß, dass die Kultur von Tartessos äh einen großen Input von den Phöniziern bekommen hat. Es ist gut möglich, dass es auch ein phönizisches Schiff gewesen ist, auf dem sich Jona Richtung Tarsis, also vermutlich Tarsus, bewegt hat. Und von diesem phönizischen Alphabet hat man dann entsprechend das ein bisschen angepasst auf die eigene Sprache und man konnte bereits 15 Buchstaben identifizieren.

[6:04] Jetzt sind die Forscher ganz äh interessiert und suchen auch auf weiteren Funden, ob sie noch weitere Buchstaben finden können. Und der besagte Programmierer aus Barcelona ist eingeladen worden, den Archäologen weiter bei diesem Projekt zu helfen.

[6:22] Was nehmen wir mit? Heute hat ein Teilzeitforscher beim Scrollen auf dem Handy ein antikes Alphabet der Tartessos-Kultur identifiziert und das gibt uns Aufschluss über die Kultur, in die, soweit wir sehen können, vermutlich Jona ursprünglich fliehen wollte. Schön, dass ihr heute wieder dabei gewesen seid und wir freuen uns, wenn ihr das nächste Mal wieder einschaltet, wenn es hier heißt: Funde und Fakten.


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