Eine neue archäologische Entdeckung aus Lachisch könnte ein langjähriges Argument von Bibelkritikern widerlegen. Erfahre in dieser Folge von „Funde & Fakten“, wie eine unscheinbare Inschrift aus der Spätbronzezeit unser Verständnis von historischen Texten verändern könnte.
Funde & Fakten : „Ist dieses Wort älter als man dachte?“
Christopher Kramp · Funde & Fakten ·Themen: Archäologie, BibelPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Funde & Fakten
Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.
Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:
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Serie: Funde & Fakten
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Transkript
[0:18] Dieser Fund ist erst wenige Wochen alt und er hat das Potenzial, ein Argument von Bibelkritikern zunichte zu machen. In diesem Video erfährst du mehr genau darüber und damit herzlich willkommen zu Funde und Fakten. Heute geht es um diese kleine, etwas unscheinbare Inschrift, die vor wenigen Wochen publiziert worden ist. Gefunden wurde sie bei Ausgrabungen in Lachisch, einem ganz berühmten archäologischen Ort, wo schon seit ungefähr einem Jahrhundert immer wieder gegraben wird, verschiedene Schichten ausgehoben werden und entsprechende Funde gemacht werden. Der Ort ist bekannt aus der Bibel als der Ort, der von den Assyrern unter Sanherib zerstört worden ist. Aber mit dem heutigen Fund bewegen wir uns in einer anderen Zeit.
[1:23] Lachisch, wie gesagt, ist in mehreren Kampagnen immer wieder erforscht worden. Heutzutage ist der Ort bekannt als derjenige, an dem die größte Anzahl von kananitischen Schriftzeugnissen gefunden worden ist. Die Inschrift ist hier dort, wo dieser Stern äh zu sehen ist, gefunden worden, ähm ziemlich im Zentrum des antiken Tells. Und die Veröffentlichung dieser kleinen Inschrift, das sind nur einige Buchstaben, stammt von Daniel Weinstup von der Ben-Gurion-Universität. Den haben wir hier schon an anderer Stelle auch schon kennengelernt, als es um die Inschrift auf Sabeisch in Jerusalem ging, an in unserer ersten Folge, wer sich daran erinnern kann. Hier ist die Publikation im Jerusalem Journal of Archaeology, Late Bronze Age Canaanite Jar Inscription, von die 2025 Excavation Season at Lachish. Ähm, Josef G. Finkel, den wir auch schon kennengelernt haben, ist einer der Hauptausgräber dort und einige andere haben ebenfalls dazu beigetragen.
[2:34] Hier mit dem Pfeil markiert sieht man den genauen Fundort dieses äh dieser Inschrift. Bei dem Gebiet FF gefunden wurde sie in einer Abfallgrube in Level 6. Das ist die letzte Siedlungsschicht in der Spätbronzeit im 12. Jahrhundert, bevor dann ungefähr in der Mitte des Jahrhunderts die Stadt zerstört worden ist.
[3:03] Und das ist archäologisch auch ganz deutlich so zu datieren. Hier sehen wir ein Bild von diesem Bereich FF und man sieht dort so mit der gestrichelten schwarzen Linie äh den Bereich, wo diese Abfallgrube sich befunden hat und dort haben wir eine Reihe von Tonscherben gefunden von verschiedenen Keramikgefäßen und eine dieser Tonscherben trug diese Inschrift. Hier sehen wir ein paar Beispiele dieser Keramik. Auch diese Keramik hilft natürlich äh dabei, das Ganze zu datieren.
[3:42] Und hier ist diese Inschrift, sie ist tatsächlich nur fragmentarisch erhalten. Wenn man genau sieht, sieht man, dass der obere Teil der Buchstaben fehlt. Sie ist geschrieben, wie gesagt, auf einem Keramikgefäß mit einem rötlichen Pigment und mit verschiedenen Einstellung. Multispektraler äh Bildgebung kann man verschiedene äh Facetten und Nuancen dieser Inschrift sichtbar machen, wie man das hier auch schön deutlich sehen kann. Obwohl die obere Hälfte abgebrochen ist, kann man ziemlich sicher diese sechs Buchstaben, zumindestens wird von rechts nach links gelesen, rekonstruieren. Nur beim ersten Buchstabe gebe theoretisch mehrere Möglichkeiten, aber aufgrund der restlichen fünf Buchstaben ist auch der erste relativ sicher äh zu rekonstruieren. Die anderen fünf sind so, dass so wie die erhaltenen Reste aussehen, eigentlich ganz klar, es kann nur dieser Buchstabe und kein anderer sein.
[4:39] Wenn man sich die Schrift anschaut, ähm wie sie ähm so geschrieben ist, dann ist das recht bedeutsam. Das ist eine eindeutig kursive kananitische Schrift und deswegen interessant, weil das bisher älteste bekannte Exemplar einer solchen kursiv kananitischen Schrift erst etwa 100 Jahre später äh bekannt gewesen ist, aus der Mitte des 11. Jahrhunderts vor Christus. Also mit anderen Worten, das ist hier das älteste bekannte Exemplar für diese Schriftform.
[5:14] Und das ist deswegen interessant, weil man immer auch gedacht hat, das Ganze wäre vor allem in Phönizien an den großen Handelshäfen äh dann so entwickelt worden und und weiter ausgebaut worden. Und jetzt findet man hier weit entfernt von Phönizien im Süden Palästinas eine ganz ausgebildete kursiv kananitische Schrift. Das zeigt erneut das, was Forscher seit längerem vermuten, dass diese alte Theorie, dass das Alphabet so richtig in Phönizien entstanden ist, nicht länger aufrecht zu halten ist, sondern dass auch im Süden Palästinas man längst gut schreiben konnte mit diesem Alphabet, wie man eigentlich sagen müsste, ähm dem Alphabet der semitischen Sprachen.
[5:57] Hier ist die Inschrift und wenn man die Buchstaben von rechts nach links liest, hat man ein Bet, ein Aleph, ein Lamet, ein Schin, noch mal ein Lamet und ein Tet. Und die ersten drei Buchstaben ergeben dann das Wort Baal. Und deswegen äh ist man sich ziemlich sicher, dass es hier wirklich äh beim ersten Buchstaben sich um ein B, also um ein Bet handeln muss. Dieser Gott ist dem kananitischen Pantheon und auch dann ja bei den Israeliten sehr gut bekannt, wird immer wieder verwendet. Die äh alttestamentlichen Schreiber klagen immer wieder rüber, dass Baal seine große Rolle auch in der Zeit der Richter, in der Zeit der Könige gespielt hat. Das 1200 vor Christus ist ja ähm die Zeit der Richter im Alten Testament.
[6:46] Interessant ist das äh zweite Wort in diesem Namen. Das ist wohl ein Name, der äh hier aufgeschrieben ist. Das ist ganz typisch, dass man so auf Gefäßen den Namen wahrscheinlich des ähm Besitzers äh notiert hat. Dieses Schin-Lamet-Tet heißt vermutlich B herrscht oder herrschte oder auch ist der Herrscher, weil es ja keine Vokale gibt in der Schrift ist die genaue Vokalisierung nicht genau klar und dann ist nicht sicher, ist es jetzt als Verb oder als Partizip mit nominaler Bedeutung gemeint. Das sind halt die verschiedenen Möglichkeiten, die sich ergeben. Man könnte eventuell auch die Alternative in Betracht ziehen, dass hier ein anderes Wort gemeint ist, das Wort mein Schild oder irgendeine andere Art von Kriegsausrüstung. Das wäre aber nur eine zweite Möglichkeit.
[7:37] Baal, wie bereits erwähnt, ist ein die vielleicht die wichtigste kananitische Gottheit in der Zeit. Sehr viel überraschender und spektakulärer ist dieses zweite Wort, das Schin-Lamet-Tet geschrieben wird, weil dieses Wort bisher im Westen des semitischen Sprachraums bisher nur aus dem Aramäischen bekannt war und dort aus sehr viel späteren Zeitepochen.
[8:05] Und das hat dazu geführt, da es auch in der Bibel an manchen Stellen vorkommt, ist nicht das typische Wort für herrschen oder Herrscher, was man vor. Das hat dazu geführt, weil es sonst außer biblischen nur in diesem späteren Aramäisch bekannt ist, dass Textkritiker, Wissenschaftler behauptet haben, diese Stellen in der Bibel können deswegen erst sehr spät geschrieben worden sein, als dann in der Zeit der Perser, das Aramäische sich verbreitet hat, die allgemeine Handelssprache geworden ist. Und dieses Wort kommt in der Bibel tatsächlich an vielen Stellen vor. Äh wie z.B. im Buch Ester, wo man tatsächlich die Perserzeit vor Augen hat. Es kommt aber auch z.B. in 1. Mose 2, Vers 6, also die Wurzel Schin-Lamet-Tet. Josef aber war Regent, Haschalit.
[8:56] Ähm, übrigens, diese Wurzel Schin-Lamet-Tet, die hat sich über das Arabische bis in unsere deutsche Sprache erhalten. Wenn wir von einem Sultan reden, einem Herrscher, dann ist das genau dieselbe semitische Wurzel des Wortes. Josef aber war Regent. Hier haben wir genau diese diese Wortwurzel auch im Buch 1. Mose und dann auch in den Psalmen, in Psalm 119. Mache meine Schritte fest durch dein Wort und lass nichts Böses über mich herrschen. Al Tajelet heißt das im Hebräischen.
[9:32] Und bisher haben Forscher gesagt, na ja, dieses Wort kommt im Aramäischen nur sehr viel später vor. Deswegen müssen diese Stellen Psalm 119, 1. Mose 42 geschrieben worden sein zur Zeit der Perser nach dem babylonischen Exil. Nun finden wir aber in Lachisch aus der Zeit der Richter einen Namen auf einem Keramikgefäß, das genau diese Wurzel enthält und die ganze Theorie der Bibelkritiker, die das Buch 1. Mose hier dann auch wieder in die Zeit des Exils oder danach verlegen wollen, zumindest dieses Argument fällt in sich zusammen.
[10:15] Interessanterweise gibt es diese Wurzel auch im Akkadischen und zwar sowohl im Assyrischen als auch im Babylonischen, das sind die beiden Dialekte des Akkadischen und zwar vor allem in der ersten Hälfte des zweiten Jahrtausends vor Christus, also noch älter als diese Inschrift aus Lachisch. Da gibt es so Worte wie Schalatu, das heißt also herrschen oder schaltanisch und schaltisch. Schaltisch ist mit Autorität etwas tun. Das ist ein Adverb oder schaltanisch, ähm, das ist dann ein, wenn man äh in ein in der Gegend äh einmarschiert oder marschiert und dann herrschend dort auftritt. Schalatu ist auch einfach Autorität habend.
[11:00] Das bedeutet, diese Wurzel Schin-Lamet-Tet muss tatsächlich allgemein semitisch sein und ist nicht nur aramäisch. Das gesamte Argument, das äh benutzt worden ist, also um das Vorkommen dieser Wurzel in der Bibel zu benutzen, um zu sagen, das ist alles sehr viel später, fällt durch diesen Fund letztendlich vollständig in sich zusammen.
[11:22] Was nehmen wir heute mit? Eine fragmentarische kananitische Inschrift aus dem 12. Jahrhundert wirft erstens neues Licht auf die Entwicklung der Schrift. Das ist nicht auf die Phönizier im Norden Palästinas beschränkt, sondern findet auch im Süden statt, dort, wo wir in der Zeit des 12.00 jetzt auch die Hebräer schon in der Richterzeit sehen. Und das Wort und die Wurzel Schin-Lamet-Tet, das in verschiedenen Worten vorkommt, kann nicht länger als ein Beweis dafür genommen werden, dass bestimmte Texte wie 1. Mose 42, Vers 6 erst spät verfasst worden sind, weil offensichtlich dieses Wort auch schon in früher Zeit bekannt gewesen ist.
[12:10] Damit verabschieden wir uns heute und freuen uns, dass ihr dabei gewesen seid und vor allem, wenn ihr nächste Woche wieder einschaltet, wenn es hier heißt Funde und Fakten. Uff.
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