Veröffentlicht am
8 Klicks

Podcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts

Funde & Fakten

Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


Entdecke die faszinierende Welt der Elamer und ihre geheimnisvolle Schrift zur Zeit Abrahams. Christopher Kramp beleuchtet in „Funde & Fakten“ ein Schriftsystem, das lange Rätsel aufgab und nun endlich entschlüsselt wurde. Erfahre mehr über dieses vergessene Reich und seine Bedeutung im Alten Orient.


Weitere Aufnahmen

Serie: Funde & Fakten

  • 0:0
  • 0:0
  • 0:0

Transkript

[0:17] Bis heute gibt es noch etliche unentzifferte Schriftsysteme, die den Forschern große Rätsel aufgeben, aber eines konnte vor kurzem endlich entschlüsselt werden. Und in diesem Video wollen wir uns diese Geschichte etwas genauer anschauen. Und damit herzlich willkommen zu Funde und Fakten.

[0:38] Heute mit der Frage: Wie schrieben eigentlich die Elamer zur Zeit Abrahams? Es geht um ein geheimnisvolles Schriftsystem, das wir hier sehen, und zwar aus der Kultur Elams. Wenn man an den alten Orient denkt, da denkt man natürlich an Babylon, man denkt an die Assyrer, man denkt natürlich an Ägypten oder vielleicht auch an die Hethiter. Die Elamer sind so ein bisschen eher am Rande, nicht nur geographisch. Und doch war das elamische Reich eine ganz entscheidende Größe über einen sehr langen Zeitraum. Auch im Alten Testament spielen sie eine nicht unbedeutende Rolle. In der Geschichte von Abraham in 1. Mose 14, Vers 1, da gibt es einen Kedor Laomer, den König von Elam, der eine Koalition von verschiedenen mesopotamischen Königen anführt, die dann nach Palästina kommen, dort Sodom und Gomorra besiegen, aber dann von Abrahams Truppe wieder vertrieben werden oder besiegt werden, besser gesagt.

[1:48] Elam war ein altorientalisches Reich südöstlich von Babylonien, im Westen begrenzt durch die Sümpfe Südbabyloniens, im Osten begrenzt durch das Zagros-Gebirge. Ähm, in der ersten oder in der Mitte des ersten Jahrtausend vor Christus ist es dann im Reich der Meder und Perser aufgegangen. Die Perser haben dann sehr viel von der elamischen Kultur übernommen, unter anderem auch die ganze Bürokratie und das ganze Verwaltungswesen. Das antike Elam spielt also über viele Jahrhunderte eine ganz entscheidende Rolle dort im alten Orient.

[2:31] Die Sprache ist bis heute nicht vollständig verstanden. Wir wissen zumindestens so viel, dass Elamisch keinerlei Verwandtschaft hat mit den semitischen Sprachen, also mit Arabisch, Hebräisch, Akkadisch und so weiter, aber auch nicht mit den indoeuropäischen Sprachen, also nicht mit Hethitisch oder Griechisch oder Römisch, Latein, auch nicht mit dem äh sonst für sich alleinstehenden Sumerischen. Manche glauben, dass das Elamische irgendwie eine gewisse Verwandtschaft mit den dravidischen Sprachen Indiens haben könnte. Das ist aber noch längst nicht bewiesen. Man kann zwar einige Texte ganz gut verstehen, aber man ist noch längst nicht so weit, die gesamte Grammatik wirklich durchdrungen zu haben. Man nennt diese Sprache, wie einige andere Sprachen in der Alteristik, auch sogenannte Trümmersprachen, weil nur wenig von ihnen übrig geblieben ist.

[3:22] Wir kennen das Elamische vor allem durch Keilschrifttexte, z.B. hier die berühmte Behistun-Inschrift von dem großen persischen König Darius dem Ersten, der da auch äh im Buch Esra eine Rolle spielt und dem Buch ähm Hagai, der nach der Niederschlagung zahlreicher Aufstände in dieser riesigen Inschrift, viele Meter über dem Erdboden, drei verschiedene Sprachen benutzt hat, nämlich Babylonisch und Elamisch und dann erst nachträglich auch noch Altpersisch, dass man dann eine extra Keilschrift erfunden hat. Das Elamische ist, wie hier, wie in den meisten anderen Texten, die wir kennen, in Keilschrift geschrieben. Die Elamer haben irgendwann im Laufe der Geschichte die mesopotamische Keilschrift von den Babyloniern übernommen, ein bisschen adaptiert, ein eigenes System draus gemacht und da man dann babylonische Texte und ähm elamische Texte nebeneinander hatte, konnte man das Elamische ganz gut verstehen.

[4:23] Das Interessante ist allerdings, dass die Elamer vor der Keilschrift ein anderes Schriftsystem verwendet haben. Und hier sehen wir noch ein ähm eine Inschrift mit dieser typischen Keilschrift, z.B. aus dem 12. Jahrhundert vor Christus. Aber hier, einem sehr alten äh Fund oder einem sehr alten archäologischen Fundstück, ähm finden wir eine Inschrift auf der rechten Seite in Keilschrift, auf der linken Seite in einer anderen Schrift, die nicht wirklich als Keilschrift zu identifizieren ist, sondern es handelt sich um die sogenannte elamische Strichschrift. Das ist ein eigenes Schriftsystem, das die Elamer verwendet haben, bevor sie dann die Keilschrift von den Babyloniern übernommen haben.

[5:03] Und man hat lange Zeit gerätselt, wie man diese Strichschrift lesen soll. Man hat sie erstmals schon 1901 auf archäologischen Objekten entdeckt, die man in Susa, äh der der der wichtigsten Metropole in Elam natürlich, ähm dort entdeckt hat. Und diese Schrift datiert ungefähr aus der Zeit der frühen biblischen Patriarchen. Also in der Zeit, in der Abraham gelebt hat, in der Kedor Laomer diese Koalition angeführt hat, da haben die Elamer tatsächlich noch nicht die Keilschrift verwendet, sondern diese Strichschrift.

[5:45] Man hat, wie gesagt, lange gerätselt, was das genau, wie man das lesen soll. Man hat dann die verschiedenen Schriftzeichen gezählt, geordnet, hat über 60 identifizieren können, aber konnte sie nicht entziffern. Das lag vor allem auch daran, dass es sehr wenig Texte überhaupt in dieser Schrift gab und man, wenn man wenig Text hat, dann kann man halt wenig damit anfangen.

[6:12] Vor kurzem hat der französische Archäologe François Dessaint, der jahrelang im Iran in Teheran Archäologie gelehrt hat, die Entzifferung der elamischen Strichschrift angekündigt und entsprechend bekannt gemacht. Er hat dabei auf neues Textmaterial zugreifen können, so Silbergefäße, die Inschriften hatten, teilweise mit Keilschrift und teilweise mit dieser elamischen Strichschrift. Und das hat natürlich dann den Schlüssel geliefert. Das Ganze ist in der sehr renommierten Zeitschrift für Assyriologie 2022 dann veröffentlicht worden unter dem Titel "The Decipherment of Linear Elamite Writing". Ganz ausführlich und dabei ist herausgekommen, nachdem man 72 Zeichen identifiziert hat.

[7:02] Ähm, das ist mehr als 96% aller bekannten Zeichen. Es gibt also einige ganz wenige, die man noch nicht genau lesen kann, aber das meiste kann man jetzt lesen. Und man hat herausgefunden, dass anders als in der Keilschrift und anders auch als bei den ägyptischen Hieroglyphen, diese elamische Strichschrift tatsächlich nur Silben darstellt. Keine Worte, keine Determinative, durch die jetzt Worte bestimmten Klassen zugeordnet werden. Also eine Vereinfachung des Schriftsystems sozusagen, eine echte Innovation, die die Elamer hier geleistet haben, Jahrhunderte, bevor dann im Westen das Alphabet erfunden worden ist.

[7:41] Was immer noch ungelöst ist, das ist die Schrift, die vor der elamischen Strichschrift Strichschrift dort verwendet worden ist, die sogenannte protoelamische Schrift. Das ist so aus den allerersten Anfängen, gar nicht lange nach dem Turmbau zu Babel. Eine Schrift, die ganz viele Ähnlichkeiten hat mit den äh allerersten Keilschrift-Protokalschrifttexten, die man aus Uruk kennt. Und ich habe vor nicht allzu langer Zeit mal den weltweit führenden Experten, den Jakob Dahl ähm, Professor in Oxford, dazu befragen können, als ich ihn getroffen habe, und der sagte, er ist sich nicht sicher, ob man es jemals herausfinden wird. Wir werden sehen, was die Zukunft diesbezüglich bringt.

[8:25] Wir halten fest heute. Wir nehmen mit, die elamische Strichschrift ist wohl weitgehend entziffert worden. Eine echte Innovation. Sie wurde im Reich Elam in etwa zur Zeit der frühen Patriarchen, zur Zeit von Abraham verwendet. Und wenn man noch mehr Texte mit dieser Strichschrift findet, dann wird man vielleicht sogar noch mehr Details über das elamische Reich herausfinden, das damals von Kedor Laomer angeführt worden ist. So viel für heute. Wir freuen uns, wenn ihr nächstes Mal wieder einschaltet, wenn es hier heißt Funde und Fakten.


Lizenz

Copyright ©2026 Joel Media Ministry e.V.
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.