Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt der Archäologie Jerusalems und entdecken Sie, welche spannenden Geheimnisse die Grabungen von 2023 am Berg Zion enthüllen. Christopher Kramp erklärt, warum die komplexe Schichtung der Stadt selbst Experten vor Rätsel stellt und welche historischen Erkenntnisse sich hinter den neuesten Funden verbergen.
Funde & Fakten :„Was bedeuten diese Funde vom Berg Zion?“
Christopher Kramp · Funde & Fakten ·Themen: ArchäologiePodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Funde & Fakten
Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.
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Serie: Funde & Fakten
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Transkript
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[0:17] Kein anderer Ort der Welt wird so intensiv archäologisch erforscht wie Jerusalem. Jedes Jahr werden dort neue Objekte geborgen, neue Erkenntnisse gewonnen. Und in diesem Video wollen wir uns einige Ergebnisse einer Grabungskampagne von 2023 gemeinsam anschauen. Und damit herzlich willkommen zu Funde & Fakten, heute mit der Frage: Was bedeuten diese Funde vom Berg Zion?
[0:46] Es geht um Ausgrabungen in Jerusalem, und das ist für jeden Archäologen etwas ganz Besonderes, nicht nur wegen der massiven historischen und religiösen Hintergründe, die mit dieser Stadt verbunden sind und die diese Stadt auch eben symbolisch so aufladen, sondern auch rein handwerklich, rein archäologisch, denn die Stratigraphie in Jerusalem ist unfassbar komplex. Mit Stratigraphie meinen die Archäologen, dass man die einzelnen Schichten der verschiedenen Zeitalter entsprechend identifiziert und benennt. Es ist ja so, dass wenn die Stadt zerstört ist oder wenn mit der Zeit Gebäude eingeebnet werden, dass da drauf gebaut wird, und so entsteht Schicht über Schicht. In der Regel sind natürlich die ältesten Schichten ganz unten und die jüngsten Schichten ganz oben. So ist es ja auch logisch nachvollziehbar.
[1:45] Da hat man also vielleicht ganz unten Schichten aus der Bronzezeit, dann darüber Schichten aus der Eisenzeit und dann kommt die hellenistische Zeit, die römische Zeit, die byzantinische Zeit, die osmanische Zeit und so weiter. In Jerusalem ist allerdings alles komplett durcheinander. Man findet also zum Beispiel eine römische Schicht und gräbt dann tiefer, findet aber jetzt keine Funde aus der griechischen Zeit, sondern zum Beispiel aus der byzantinischen oder osmanischen Zeit, wo man sie eigentlich gar nicht erwarten würde. Das liegt daran, dass in Jerusalem ständig auf engstem Raum gebaut worden ist, die verschiedenen Gebäudereste dann wieder neu verwertet worden sind und Schuttmaterial an andere Stellen verfüllt worden ist, wobei die Schichten völlig durcheinandergeraten sind. Archäologen müssen also extrem sorgfältig und vorsichtig alles genau beobachten und können keineswegs sagen, nur weil hier eine Reihe von zum Beispiel römischen Funden gemacht worden sind, dass deswegen die Schicht römisch ist. Das muss alles sehr genau interpretiert werden, und deswegen stellt das eine hohe Anforderung an die Ausgräber.
[2:58] Hier sehen wir die Ausgrabungsstelle am sogenannten Berg Zion in Jerusalem, und der Chefausgräber dieser Kampagne, Professor Shimon Gibson, fährt mit einem Kran so ein bisschen darüber, um sich dort von weiter oben ein Bild von der Lage zu machen. Bei diesen Ausgrabungen hat man einiges Interessantes gefunden. Hier die Auswahl der wichtigsten Dinge: Man hat unter anderem Gewichte gefunden, die vier Schäkel darstellen – eine Gewichtseinheit, die auch im Alten Testament vorkommt – und die haben so kleine Inschriften. Außerdem hat man noch hier so eine Öllampe gefunden. Das Interessante ist: Die stammen aus der Eisenzeit, also aus der Zeit der israelitischen Könige, die dort in Jerusalem regiert haben. Und das ist deswegen interessant, weil die berühmte Archäologin Kathleen Kenyon vor Jahrzehnten die These aufgestellt hatte, dass das Jerusalem der Eisenzeit im Wesentlichen nur die Davidstadt und dann so ein bisschen auch der Tempelbezirk gewesen sei. Auf dieser Karte sieht man rot umrandet die Davidstadt ganz im Osten von Jerusalem, im Südosten, und darüber dann den Tempelbezirk. Das, was gelb umrandet ist, hat man lange Zeit für eine Erweiterung zur Zeit von Hiskia gehalten. Man sieht hier, dort wo der rote Pfeil hinzeigt, dort ist ungefähr das Gebiet von dem sogenannten Berg Zion, und dort findet man diese eisenzeitlichen Befunde, die deutlich machen: Auch in der Eisenzeit, in der Zeit der Könige, ist diese Gegend hier bewohnt worden und war Teil von Jerusalem.
[4:50] Wie wir alle wissen, ist Jerusalem in der Antike zweimal massiv zerstört worden: Einmal 586 vor Christus durch die Babylonier unter Nebukadnezar II. und dann noch einmal 70 nach Christus von den Römern, als General Titus dort den Oberbefehl führte. Und erstmals in archäologischen Ausgrabungen konnten Zerstörungsschichten, die zu den beiden Ereignissen gehören – also sowohl zu der Zerstörung durch die Römer als auch zu der Zerstörung durch die Babylonier –, übereinander gefunden werden. Man hat bisher entweder an irgendeiner Stelle Zerstörungsschichten gefunden, die man mit den Babyloniern in Verbindung gebracht hat, oder an einer anderen Stelle Zerstörungsschichten, die mit den Römern zu assoziieren waren. Aber erstmals konnte man quasi übereinander den endgültigen Beweis bringen, dass diese Stadt tatsächlich zweimal zerstört worden ist, was vorher natürlich auch im Wesentlichen klar war, aber jetzt sozusagen gar nicht mehr hinterfragt werden kann, weil beide Schichten übereinander identifiziert werden konnten.
[5:55] Im Buch Nehemia wird berichtet, wie Nehemia nach dem babylonischen Exil, zur Zeit der Perser, die Mauer Jerusalems wieder aufgebaut hat, und zwar in 52 Tagen. Die Ausgrabungsergebnisse von 2023 haben jetzt auch in dieser Hinsicht ein paar interessante Beobachtungen erbracht. Traditionell hat man meistens angenommen, dass Nehemia nur die Mauern der sogenannten Davidstadt aufgebaut habe. Die Ergebnisse zeigen allerdings, dass man auf dem Berg Zion, also außerhalb der Davidstadt, auch eine ganze Reihe von persischer Keramik findet, die darauf hindeutet, dass zur Zeit der Perser, das heißt zur Zeit von Esra und Nehemia, die Stadt dort bewohnt gewesen ist. Das legt nahe, dass auch die Mauern der gesamten alten Eisenzeit wieder errichtet worden sein könnten, inklusive des Berges Zion.
[6:53] Was nehmen wir heute mit? Die Ausgrabungen am Berg Zion im Jahre 2023 haben interessanterweise Belege geliefert, dass Jerusalem tatsächlich zweimal zerstört worden ist. Sie legen auch nahe, dass die von Nehemia wieder aufgebaute Stadt doch größer war, als die meisten bisher angenommen haben. In diesem Sinne freuen wir uns, dass ihr dabei gewesen seid, und laden euch ein, wieder einzuschalten, wenn es hier heißt: Funde & Fakten.
[7:25] [Musik]
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