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Manuskript zur Sendung   >>>  CSH_Manuskript_2026 3rd Nr 8

In dieser Folge der Christ Study Hour widmen wir uns intensiv dem 15. Kapitel des ersten Korintherbriefs, das als eines der bedeutendsten Zeugnisse über die Auferstehung gilt. Christopher Kramp beleuchtet die tiefgründige Botschaft des Paulus und zeigt auf, welche lebensverändernde Bedeutung diese biblischen Wahrheiten für unseren persönlichen Glauben in der heutigen Zeit haben.


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Serie: Christ Study Hour – Spezial 2026 - Q3: Die Korintherbriefe

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Transkript

[0:32] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Wie immer möchten wir alle Zuschauer auf dem Sender das Wort auch recht herzlich begrüßen zur mittlerweile achten Folge unserer Spezialserie über die Korintherbriefe des Paulus. Heute haben wir ein ganz besonders gewichtiges Kapitel vor uns. Wir wollen uns in dieser Folge tatsächlich nur einem einzigen, aber dafür recht langen Kapitel widmen. Eines, das enorm viel wichtige Botschaft auch für uns heute ganz besonders enthält. Es ist 1. Korinther 15, das berühmte Kapitel über die Auferstehung. Aber dazu werden wir gleich eine ganze Menge uns noch anschauen. Bevor wir hineintauchen in dieses so wichtige und so spannende und sehr besonders beeindruckend geschriebene Kapitel, möchten wir Gott einladen, dass er unser Studium segnet und dass wir gut verstehen können, was wir jetzt gleich lesen werden.

[1:36] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir dein Wort haben und dass du in deinem Wort zu uns sprichst und dass du uns Wahrheit offenbarst, die für unser persönliches Leben, für unsere Familien, unsere Gemeinden gerade jetzt in dieser letzten Zeit so unfassbar wichtig ist. Herr, wir möchten dich bitten, dass du uns jetzt zeigst, was die Worte, die wir lesen werden, die Gedanken, die der Paulus dort ausdrückt in 1. Korinther 15, dass wir verstehen, was das für uns persönlich bedeutet und dass wir es nicht nur begreifen, sondern durch deine Kraft auch ergreifen für unser Leben, dass wir es annehmen für uns persönlich und durch deinen Heiligen Geist auch umsetzen, Herr. Wir möchten dich bitten, dass du jetzt unser Lehrer bist und hab Dank dafür im Namen Jesu. Amen.

[2:27] Paulus gibt uns hier einen ganz entscheidenden Punkt. Es heißt hier in 1. Korinther 15, Vers 1: "Ich erinnere euch aber, ihr Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch feststeht." Hast du schon mal eine Predigt zweimal gehört, einen guten Gedanken mehrmals angehört? Unser Gehirn ist in der Regel so strukturiert, dass wenn wir merken, ich kenne das schon, dass dann unsere Aufmerksamkeit herabgesetzt ist und wir vielleicht nicht mehr ganz so aufmerksam darauf achten. Manchmal geht es uns so wie den Athenern, von denen es in der Apostelgeschichte 17 heißt, dass sie den ganzen Tag mit nichts anderem zubrachten, als etwas Neues zu hören oder zu sagen. Paulus hätte sicherlich eine ganze Reihe von neuen Dingen offenbaren können, aber Paulus entscheidet sich hier in 1. Korinther 15, die Korinther an etwas zu erinnern, das sie schon wissen.

[3:36] Diese Idee ist nicht nur beim Paulus zu finden. Immer wieder sehen wir im Neuen Testament, dass Schreiber genau das tun. Petrus zum Beispiel im zweiten Petrusbrief, Kapitel 1, Vers 12 und 13: "Darum will ich es nicht versäumen, euch stets an diese Dinge zu erinnern, obwohl ihr sie kennt und in der bei euch vorhandenen Wahrheit fest gegründet seid. Ich halte es aber für richtig, solange ich in diesem Leibeszelt bin, euch aufzuwecken, indem ich euch erinnere." Erinnerung also als eine Erweckung. Erweckung geschieht nicht durch unerhörte neue Wahrheiten, sondern durch ein Erinnern an das, was man eigentlich auch schon gut weiß. Ein anderer Schreiber im Neuen Testament, der dieselbe Idee hier uns präsentiert, ist Judas ganz am Ende des Neuen Testamentes in Judas, Vers 5: "Ich will euch aber daran erinnern, obgleich ihr dies ja schon wisst, dass der Herr, nachdem er das Volk aus dem Land Ägypten gerettet hatte, das zweite Mal diejenigen vertilgte, die nicht glaubten."

[4:47] In jedem Fall lesen wir, dass diese Schreiber an etwas erinnern, von dem sie wissen, dass die Leser, die Zuhörer sozusagen, das wissen. Und Paulus hat nicht den Eindruck, dass die Korinther alles vergessen hätten, was er über das Evangelium gesagt hat. Er hatte ja in Kapitel 11, Vers 2, sie dafür gelobt, die Überlieferungen, die er ihnen gegeben hatte, auch daran festzuhalten. Und so sagt er hier in 1. Korinther 15, Vers 1, dass ihr es auch angenommen habt, in dem ihr auch feststeht. Paulus wiederholt die Sachen nicht, weil sie in Vergessenheit geraten sind, sondern er wiederholt sie, weil es wichtig ist, weil es lebensnotwendig ist, weil es absolut entscheidend ist, dass wir die Dinge, die wir schon wissen, uns immer wieder vor Augen führen. Die Wahrheit rettet uns nicht, weil wir sie in einer Checkliste für wahr halten und dann irgendwo ablegen. Sie rettet uns, wenn sie unsere Aufmerksamkeit hat. Mit anderen Worten: Wenn ich sage, ja, ich halte das für richtig und dann denke ich nicht mehr drüber nach, hat die Wahrheit keinen wirklich heiligenden Einfluss auf mich. Ich muss mich an die Dinge erinnern. Und so sehen wir das in der Bibel von Mose an, dass immer wieder die Wahrheiten, die bereits gesagt worden sind, wiederholt worden sind, damit Leser, Hörer, Menschen, die das dann mitbekommen haben, sich erneut daran erinnern und darüber nachdenken.

[6:18] Gerettet werden wir, wenn wir bei dem Evangelium bleiben. In Vers 2: Es heißt ja in Matthäus 24, Vers 13: "Wer ausharrt bis ans Ende, wird gerettet werden." Also schauen wir noch mal 1. Korinther 15, Vers 1 an und dann Vers 2: "Ich erinnere euch aber, ihr Brüder" – wieder nennt er sie Brüder, wie schon öfter in diesem Brief – "an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch feststeht, durch das ihr auch gerettet werdet." Und jetzt kommt die Bedingung: "Wenn ihr an dem Wort festhaltet, das ich euch verkündigt habe, es sei denn, dass ihr vergeblich geglaubt hättet." Paulus hat nicht "einmal gerettet, immer gerettet" überhaupt. Paulus hat verstanden, man kann etwas annehmen, glauben und später wieder sein lassen, später wieder verwerfen. Und er möchte, dass die Korinther das, was sie angenommen haben, was sie geglaubt haben, worin sie jetzt auch noch feststehen, dass sie das nicht aufgeben. Er möchte, dass sie es behalten. Und wir können aus diesen beiden Versen schon enorm viel für uns mitnehmen, denn Gott möchte, dass wir über sein Wort nachdenken, auch wenn wir es schon gut kennen, damit unser Alltag davon durchdrungen wird.

[7:42] Sozusagen in 5. Mose, Kapitel 6, ab Vers 4 lesen wir: "Höre, Israel: Der Herr ist unser Gott, der Herr allein! Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit deiner ganzen Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du auf dem Herzen tragen und du sollst sie deinen Kindern einschärfen, davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst. Und du sollst sie zum Zeichen auf deiner Hand binden und sie sollen dir zum Erinnerungszeichen über den Augen sein und du sollst sie auf die Pfosten deines Hauses und an deine Tore schreiben." Diese Worte soll man nicht nur für wahr halten, nicht nur sagen: "Aha, die Zehn Gebote, ich habe kein Gegenargument, ich halte das für richtig", sondern man soll drüber nachdenken, darüber reden, immer wieder es vor Augen haben. Die Wahrheit der Bibel rettet uns nicht, weil wir kein Gegenargument haben und zustimmen, sondern indem wir darüber nachdenken, indem das Wort Gottes in uns wirken kann, indem der Heilige Geist, der dieses Wort inspiriert hat, unser Leben verändern kann, indem Jesus, der ja das personifizierte Wort Gottes ist, in unserem Herzen sein kann.

[8:46] Denn wann kann der Geist Gottes an uns wirken? Dann, wenn wir uns mit Dingen gedanklich beschäftigen, die vom Geist Gottes sind und wo der Geist Gottes durch uns zu uns sprechen kann. Das können auch Dinge der Natur sein, das können auch Ereignisse sein in unserem Leben, Dinge, in denen Gottes Vorsehung uns führt. Aber natürlich ist es auch insbesondere die Botschaft der Bibel, die uns das Evangelium besonders deutlich zeigt. Paulus erinnert die Brüder an das Evangelium und er sagt jetzt, worin die Kernelemente dieses Evangeliums bestehen. Sehr wertvolle Verse, Vers 3 und dann auch Vers 4: "Denn ich habe euch zuallererst das überliefert, was ich auch empfangen habe: nämlich, dass Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften." Element des Evangeliums ist die Lehre, dass Jesus Christus für unsere Sünden gestorben ist, so wie es schon das Alte Testament vorhergesagt hat. Für Paulus ist ganz klar: Das Evangelium ersetzt nicht das Alte Testament, es modifiziert auch nicht das Alte Testament, sondern es erfüllt die Vorhersagen des Alten Testamentes. Das Evangelium basiert auf dem Alten Testament und letztlich, wenn wir das Neue betrachten, auf der gesamten Bibel.

[10:10] Wir haben bereits gesehen, dass Paulus sich vorgenommen hatte, in Korinth diesen Punkt des gekreuzigten Jesus als großes Zentrum der Verkündigung zu haben (1. Korinther 2, Vers 2). Er sagte dort: "Denn ich hatte mir vorgenommen, unter euch nichts anderes zu wissen als nur Jesus Christus und zwar als Gekreuzigten." Und so sagt er mit Recht hier: "Ich habe euch zuallererst genau das überliefert, was ich auch empfangen habe." Er war ja selbst nicht dabei als Jünger oder Apostel bei der Kreuzigung Jesu. Aber er – und da werden wir gleich zu kommen – hat natürlich ebenfalls von Jesus Offenbarung diesbezüglich erhalten. Aber nicht nur, dass er gestorben ist, sondern wir lesen weiter in Vers 4: "und dass er begraben worden ist und dass er auferstanden ist am dritten Tag nach den Schriften." Untrennbar von der Kreuzigung ist die Auferstehung von den Toten. Und das ist natürlich der Punkt, wie wir jetzt gleich sehen werden, warum Paulus an das Evangelium erinnert, weil es dort, das werden wir sehen, einige Menschen in Korinth gibt, die diesen zweiten Teil des Evangeliums, die Auferstehung, vielleicht nicht ganz wirklich durchdacht und minimiert haben und sozusagen geschwächt haben.

[11:24] Jesus ist für unsere Sünden gestorben. Er ist auferstanden am dritten Tag, ebenfalls in Übereinstimmung mit dem Zeugnis des Alten Testamentes. Man kann das zum Beispiel nachlesen auch in der Apostelgeschichte, Kapitel 2, wie zu Pfingsten Petrus unter der Inspiration des Heiligen Geistes auch mit dem Alten Testament begründet hat, warum Jesus auferstanden ist. Und jetzt beginnt Paulus eine Reihe von Augenzeugen anzuführen, die die Auferstehung Jesu verbürgen können. Er führt hier keine Augenzeugen für die Kreuzigung an, sondern für die Auferstehung, weil das, wie wir jetzt gleich sehen werden, das Thema der nächsten Verse sein wird: das Thema der Auferstehung. Und er möchte, bevor er in die eigentliche Diskussion dann hineingeht, sagen: Das, was ich euch verkündigt habe, das Evangelium, ist nicht eine wohlerdachte Fabel, sondern es ist eine historische Wahrheit. Jesus ist, wie man in der orthodoxen Kirche noch heute sagt, wenn man sich zu Ostern trifft: Er ist wahrhaftig auferstanden. Er ist wirklich auferstanden.

[12:28] Er führt eine Reihe von Zeugen an, ab Vers 5: "und dass er Kephas erschienen ist", also dem Petrus. Ja, Kephas ist das Aramäische für Petrus. "dass er Kephas erschienen ist, dann den Zwölfen." Ich vermute, dass die Bezeichnung "die Zwölf" hier sozusagen einfach ein Synonym ist für die Apostel. Denn beim Zeitpunkt der Erscheinung Jesu nach seinem Tod und seiner Auferstehung waren natürlich nicht alle zwölf Apostel da, weil Judas ja mittlerweile gestorben war nach seinem Selbstmord. Und das ist ein bisschen so, vielleicht ein schwacher Vergleich, aber wenn man heute von einer Fußball-Elf redet, selbst wenn sie dann durch eine rote Karte eine Person verliert, dann ist es immer noch eine Elf, die spielt, auch wenn es dann tatsächlich in dem Moment nur zehn sind. Also in dem Sinne ist "Zwölf" hier wohl einfach als Bezeichnung für die Apostel zu verstehen.

[13:30] Vers 6: "Danach ist er mehr als 500 Brüdern auf einmal erschienen, von denen die meisten noch leben, etliche aber auch entschlafen sind." Eine besondere Erscheinung des auferstandenen Jesus. Paulus weiß von ihr und er weiß auch, dass viele von denen, die das damals miterlebt haben – das ist ja auch schon ca. 25 Jahre her zu dem Zeitpunkt –, dass viele noch leben. Etliche sind schon gestorben, aber viele sind noch lebendig. Also jeder, der das anzweifelt, jeder, der das genauer studieren möchte, der hat die Gelegenheit noch viele von diesen Leuten zu treffen, die Jesus lebendig gesehen haben. Das ist das Argument, das Paulus hier bringt, und er hört hier noch nicht auf. Vers 7: "Danach erschien er dem Jakobus." Wird nicht genau gesagt, welcher Jakobus es ist. Technisch könnten natürlich beide sein: der Apostel Jakobus als auch der Bruder Jesu, Jakobus, der ja dann jahrzehntelang die Urgemeinde in Jerusalem geleitet hat, während der Apostel Jakobus ja dann schon in Apostelgeschichte 12 durch das Schwert getötet wird. Die Tatsache, dass hier... das können wir nicht genau sagen, aber auf jeden Fall heißt es dann weiter: "hierauf sämtlichen Aposteln." Noch einmal alle Apostel.

[14:41] Und dann Vers 8: "Zuletzt aber, vor allem, erschien er auch mir, ich, der ich gleich einer unzeitigen Geburt bin." Auch Paulus gehört zu den Augenzeugen der Auferstehung. Die Apostelgeschichte macht das deutlich in Kapitel 9 und dann gibt es ja später in den 20ern auch noch Kapitel, in denen Paulus diese Geschichte dann noch mal bei seinen Verhören erzählt und entsprechend auch diese Punkte noch mal bestätigt. Es heißt hier in Apostelgeschichte 9, ab Vers 1: "Saulus aber, der noch Drohung und Mord schnaubte gegen die Jünger des Herrn, ging zum Hohenpriester und erbat sich von ihm Briefe nach Damaskus an die Synagogen, in der Absicht, wenn er irgendwelche Anhänger des Weges fände" – also des Christentums – "ob Männer oder Frauen, sie gebunden nach Jerusalem zu führen. Als er aber hinzog, begab es sich, dass er sich Damaskus näherte und plötzlich umstrahlte ihn ein Licht vom Himmel und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die zu ihm sprach: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Er aber sagte: Wer bist du, Herr? Der Herr aber sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Es wird dir schwer werden, gegen den Stachel auszuschlagen. Da sprach er mit Zittern und Schrecken: Herr, was willst du, dass ich tun soll? Und der Herr antwortete ihm: Steh auf und geh in die Stadt hinein. So wird man dir sagen, was du tun sollst."

[15:58] Paulus hat nicht nur etwas weitergegeben, was er in Büchern gelernt hatte oder was ihm erzählt worden war. Er hatte Jesus selbst gesehen, den Auferstandenen. Und deswegen reiht er sich hier in die Reihe der Augenzeugen ein. Er ist selbst einer von denen, die bestätigen können: Jesus lebt. Ich habe lange geglaubt, dass diese Formulierung hier in 1. Korinther 15, Vers 8, "der ich gleich einer unzeitigen Geburt bin", sich darauf bezieht, dass er halt sozusagen später als die anderen Jesus gesehen hat, ja, also quasi etwas verspätet. Aber das ist tatsächlich gar nicht der Gedanke im Griechischen. Dieser Ausdruck "eine unzeitige Geburt" meint im Griechischen ein Kind, das zu früh geboren worden ist oder vielleicht sogar abgetrieben worden ist. Also ein Kind, das so früh kommt, das so unzeitig kommt, dass es stirbt und nicht überlebt. Also eine Fehlgeburt, sei sie jetzt sozusagen einfach aufgrund eines natürlichen Umstandes, weil das Kind zu früh kommt, oder sogar einer Abtreibung. Und so ein totgeborenes Kind war damals auch in der griechischen Kultur etwas, was jetzt keine Ehre gehabt hat, sondern das war halt etwas Unbrauchbares sozusagen.

[17:17] Und der Punkt ist, den Paulus machen möchte: Er möchte nicht sagen, ich kam halt zu spät oder später als die anderen. Er möchte sagen: Jesus hat sich mir offenbart, obwohl ich so unwürdig bin. Ich bin unwürdig, so geistlich so unwürdig gewesen, als wie quasi eine geistliche Fehlgeburt. Und wir sehen auch, dass genau das der Gedanke ist, wenn wir Vers 9 anschauen, denn Vers 9 begründet das. Er sagt ja in Vers 9 – eine Begründung –: "denn ich bin der Geringste von den Aposteln, der ich nicht wert bin, ein Apostel zu heißen, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe." Jesus ist ihm ja nicht erschienen, als er ein Apostel war, wie bei Petrus oder bei den Zwölfen, auch nicht als er einer von den Jüngern war, wie es bei den 500 Brüdern war, sondern er ist ihm erschienen, als er gerade dabei war, Christen zu verfolgen. Er ist ihm erschienen, als Paulus in Anführungsstrichen eine Fehlgeburt, geistlich gesehen, war. Eine, für die man eigentlich keine Hoffnung haben könnte, geistlich tot sozusagen.

[18:21] Er hat die Gemeinde Gottes massiv verfolgt. Wir haben gerade schon gelesen Apostelgeschichte 9, wie er Mord und Drohung schnaubte. In Apostelgeschichte 8 wird das noch ergänzt durch die Aussage in Vers 1 bis 3: "Saulus aber hatte seiner Ermordung zugestimmt und an jenem Tag erhob sich eine große Verfolgung gegen die Gemeinde in Jerusalem und alle zerstreuten sich in die Gebiete von Judäa und Samaria, ausgenommen die Apostel. Saulus aber verwüstete die Gemeinde, drang überall in die Häuser ein, schleppte Männer und Frauen fort und brachte sie ins Gefängnis." Er war also im Bezug auf das Evangelium gar nicht lebendig. Er war wie eine Totgeburt. Aber genau ihm, in diesem geistlich toten Zustand, ist Jesus als Auferstandener erschienen. Das ist sozusagen der Punkt. Deswegen sagt er, er hätte eigentlich den Titel Apostel gar nicht verdient, ist auf jeden Fall der geringste Apostel, weil er die Gemeinde so sehr verfolgt hat.

[19:30] Aber nun kommt Vers 10: "Aber", sagt er, "durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin." Das ist eine existentielle Erfahrung. Er sagt nicht: Gottes Gnade hat an mir ein bisschen gearbeitet. Er sagt nicht: Gottes Gnade hat mich doch ein Stück weit verändert. Er sagt: Ich war, bevor ich Jesus zum ersten Mal begegnete, eine Fehlgeburt. Mein ganzes Leben war sozusagen umsonst. Es war in die völlig falsche Richtung gelaufen. Aber alles, was ich jetzt bin, bin ich durch die Gnade Gottes. Ich habe mich nicht verbessert. Ich bin eine neue Kreatur. Er sagt an anderer Stelle in Galater 2, Vers 20: "Nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir." Sagt: Der alte Paulus ist mit Christus gekreuzigt. Nicht mehr eine geistliche Fehlgeburt, sondern ein Kind Gottes. Christus in ihm und Christus in uns die Hoffnung der Herrlichkeit. Egal wie fehlgeleitet wir gewesen sind, und wenn wir wieder Paulus wie eine geistliche Fehlgeburt waren, durch die Gnade Gottes können wir völlig neue Menschen werden.

[20:38] Der gefürchtete Verfolger der Gemeinde ist ihr mutigster Auslandsmissionar geworden, so wie das auch Galater 1, Vers 22 andeutet, wo es heißt, dass die Gemeinden Gottes in Judäa hörten, dass der, der sie einst verfolgte, plötzlich das Evangelium mutig verkündigt. Die Kraft, die Jesus in dem Paulus gezeigt hat, die zeigt sich jetzt daran, wie viel er wirkt. Das heißt in Vers 10: "Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und seine Gnade, die er an mir erwiesen hat, ist nicht vergeblich gewesen." Ja, also sagt er, er möchte, dass die Korinther in Vers 2 nicht vergeblich glauben. Die Gnade ist nicht vergeblich gewesen, sondern: "ich habe mehr gearbeitet als sie alle." Und "als sie alle" dürfte sich auf alle davor beziehen, also auf die Apostel, den Jakobus, falls es sich hier um den Gemeindeleiter von Jerusalem, den Bruder Jesu handelt, wie auch immer. Er hat mehr als alle anderen Apostel gearbeitet. "Hier doch nicht ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir ist."

[21:45] Paulus ist nicht nur... hat nicht nur Vergebung bekommen, nicht nur Wiederherstellung, er ist völlig neu geschaffen worden und hat dadurch auch eine Kraft bekommen, dass er sogar mehr gewirkt hat für die Gemeinde als die anderen Apostel. Tatsächlich, wenn wir das Neue Testament aufschlagen, gibt es niemanden, der so viele Briefe geschrieben hat wie der Paulus. Ja, man muss feststellen, er ist überhaupt der Mensch mit den meisten biblischen Büchern überhaupt in der gesamten Bibel. Aber das war nicht seine Leistung, denn er selbst ohne Jesus war nur eine geistliche Fehlgeburt. Es war Gottes Leistung, seine Gnade, Christus in ihm die Hoffnung der Herrlichkeit. Er konnte den Ephesern sagen, der Paulus: "Denn wir sind seine Schöpfung." Lesen wir Vers 8, Epheser 2, Vers 8: "Denn aus Gnade seid ihr errettet worden durch den Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit niemand sich rühme, denn wir sind seine Schöpfung, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen." Und Paulus hat das wirklich an seinem eigenen Leben exemplarisch dargestellt. Er ist völlig umgestaltet worden und er ist in den Werken Jesu, in den Werken Gottes gewandelt, sodass Gott durch ihn wirken konnte in einem ganz besonderen Maße. Wir sehen also: Gottes Gnade, wenn sie in Fülle angenommen wird, befähigt zu einem unermüdlichen Dienst für die Verbreitung des Evangeliums. Wer immer nur von der Gnade redet, aber nie etwas tut dafür, dass das Evangelium sich auch wirklich verbreitet, wenn die Gnade nur für sich haben will, der hat die Gnade Gottes nicht verstanden. Paulus kannte die Gnade Gottes, die in ihm und mit ihm und durch ihn gewirkt hat.

[23:31] Vers 11: "Ob nun aber ich sei oder jene, so verkündigen wir und so habt ihr geglaubt." Letztlich ist es ja für die Gläubigen in Korinth unerheblich, wer das Evangelium verkündet hat. Ob es jetzt Paulus oder Petrus oder Apollos gewesen ist. Wir erinnern uns an die ganze Auseinandersetzung, die in Kapitel 1 bis 4 von Paulus bearbeitet worden ist und wo er ihnen dann geistliche Wegweisung gegeben hat und sie zur Einheit gerufen hat. Entscheidend ist, dass sie das Evangelium bekommen haben, dass sie es angenommen haben und dass sie es auch wirklich glauben und den Glauben ausleben.

[24:09] Nun, nachdem Paulus noch einmal wiederholt hat, worin das Evangelium wirklich besteht und noch einmal ganz deutlich durch Zeugen und inklusive sich selbst belegt hat: Jesus ist wirklich auferstanden, kommt er zu dem Thema, das er jetzt ansprechen möchte, nämlich das Thema der Auferstehung. Vers 12: "Wenn aber Christus verkündigt wird, dass er aus den Toten auferstanden ist" – was, wie er gesagt hat, ein wesentlicher Kernbestandteil des Evangeliums ist –, "wieso sagen denn etliche unter euch, es gäbe keine Auferstehung der Toten?" Wir sehen jetzt, warum er die Verse vorher geschrieben hat. Es gibt offensichtlich in Korinth einige Gemeindeglieder, die die Auferstehung der Toten leugnen. Das kann verschiedene Gründe haben; möglicherweise, und das wäre hier naheliegend, waren sie von gewissen griechischen philosophischen Ideen beeinflusst. Wir wissen aus Apostelgeschichte 17, als Paulus in Athen mit den Philosophen diskutiert hat und ihnen das Evangelium präsentiert hat, da war es gerade das Thema der Auferstehung, was bei einigen sozusagen die Blockade dann war, wo sie gesagt haben: "Okay, wenn man an die Auferstehung der Toten glaubt, dann ist es für uns Quatsch." Vers 32 dort steht: "Als sie aber von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen. Die anderen aber sprachen: Wir wollen dich darüber nochmals hören." Also einige haben durchaus Interesse gezeigt, aber für andere Philosophen war das dann etwas, womit sie sich nicht mehr beschäftigen wollten. Es kann natürlich gut sein, dass die Gläubigen in Korinth, die so ein Faible auch für weltliche Weisheit gehabt haben, wie wir aus Kapitel 1 und 2 deutlich entnommen haben, dass sie sich auch dort haben beeinflussen lassen. Möglicherweise ist auch ein Einfluss von der sadduzäischen Richtung theoretisch denkbar, wobei das vielleicht eher so ist, dass die Sadduzäer ebenfalls von der griechischen Philosophie beeinflusst gewesen sind, die eben als Sadduzäer auch geglaubt haben, dass es keine Auferstehung der Toten gebe. Man sieht also, wie sozusagen dieses griechisch-philosophische Denken durchaus auch an verschiedenen Stellen am Wirken war.

[26:17] Vers 13: "Wenn es wirklich keine Auferstehung der Toten gibt, so ist auch Christus nicht auferstanden." Paulus geht direkt auf das Hauptproblem dieser Irrlehre ein. Viele Gemeindeglieder haben – vielleicht haben die Gemeindeglieder, die das geglaubt haben, gar nicht wirklich zu Ende gedacht und haben einfach das erstmal so angenommen, ohne wirklich die Konsequenz zu durchdenken. Die Tragweite ihrer Theorie haben sie nicht durchdacht, aber Paulus macht das sofort deutlich: Wenn sie recht haben, dann ist Jesus ja auch nicht auferstanden, und das hat weitreichende Konsequenzen. Vers 14: "Wenn aber Christus nicht auferstanden ist, so ist unsere Verkündigung vergeblich und vergeblich auch euer Glaube." Mit anderen Worten: Wenn ihr das weiterglaubt, dann war mein ganzer Dienst umsonst. Wir brauchen noch keine Gemeinde mehr, dann könnte die Gemeinde quasi auflösen. Ohne Auferstehung gibt es für die Gemeinde in Korinth gar keine Daseinsberechtigung, weil das Evangelium dann nichtig ist. Der Dienst von Paulus wäre völlig umsonst. Sie haben also quasi am eigenen Ast gesägt, ohne es gemerkt zu haben, weil sie sich gar keine Gedanken gemacht haben, was das alles mit sich bringt.

[27:16] Und so ist es heute übrigens oft auch. Man wird von klug erscheinenden Leuten, vielleicht auch im Internet, von bestimmten Theorien überzeugt, die erstmal scheinbar ganz logisch sind, und man macht sich keine Gedanken, was dann die Konsequenzen daraus sind auf andere Gebiete. Man sieht dann oft gar nicht, wie das Evangelium eigentlich um die Ecke herum angegriffen wird, weil man nicht durchdenkt: Was hat das für Konsequenzen? Statt eine Sache schnell anzunehmen, sollte man erstmal auf Pause drücken, sozusagen erst einmal das langsam und gründlich durchdenken: Was hat denn die Annahme dieser Theorie für Konsequenzen für meinen Glauben an Jesus, für das Evangelium, für die verschiedenen Dinge, die die Bibel sagt? Ist das wirklich mit allem kompatibel? Und viele Irrlehren könnte man heute vermeiden, wenn Geschwister sich erst einmal Gedanken machen würden: Was bedeutet das alles? Was ist der Rattenschwanz, den das alles mit sich zieht? Und dann würden sie drauf kommen, dass vieles, was heute als Wahrheit verkauft wird, auch im Internet, in Wirklichkeit Irrlehre ist. Aber das ist nur eine praktische Anwendung hier auch für uns, damit wir daraus lernen können, dass wir nicht den gleichen Fehler machen wie die Gläubigen hier in Korinth, die das betraf.

[28:28] Vers 15: "Wir werden aber auch als falsche Zeugen Gottes erfunden." Paulus sagt, es gibt noch mehr Probleme, die sich daraus ergeben, weil wir von Gott bezeugt haben, dass er Christus auferweckt hat, während er ihn doch nicht auferweckt hat, wenn wirklich Tote nicht auferweckt werden. Also nicht nur ist das Evangelium dann nichtig, nicht nur hat die Gemeinde keine Daseinsberechtigung, sondern Paulus sagt: Dann sind wir quasi schuldig vor Gott, weil wir haben etwas behauptet, was gar nicht stimmt. Wir sind ja dann Lügner. Diese Theorie würde Paulus und seine Mitarbeiter zu Lügnern machen. Vers 16: "Denn wenn Tote nicht auferweckt werden, so ist auch Christus nicht auferweckt worden." Er macht das ganz deutlich: Wenn man glaubt, es gibt keine Totenauferstehung, dann gilt das auch für Jesus. Und weil ihm das so wichtig ist, wiederholt er das jetzt gleich noch mal. Man kann also nicht Jesus als Erlöser in Anspruch nehmen und gleichzeitig sagen, es gibt keine Auferstehung der Toten.

[29:17] Vers 17: "Ist aber Christus nicht auferweckt worden, so ist euer Glaube nichtig. So seid ihr noch in euren Sünden." Das bedeutet: Ohne Auferstehung Jesu gibt es keine Erlösung von der Sünde. Das Kreuz ist tot alleine, ohne Auferstehung, macht Paulus ganz deutlich, würde noch keine Erlösung von der Sünde bringen. Die Auferstehung ist also wirklich ein unumgänglicher Bestandteil des Evangeliums und kann von der Kreuzigung Jesu nicht getrennt werden. Vers 18: "Dann sind auch die in Christus Entschlafenen verloren." Das heißt, dann haben auch die, die im Glauben gestorben sind, keine Hoffnung auf die Auferstehung. Keine Hoffnung, dann ist alles verloren und alles vorbei. Vers 19: "Wenn wir nur in diesem Leben auf Christus hoffen, so sind wir die elendesten unter allen Menschen." Paulus sagt ganz deutlich: Wenn unser Glaube sich nicht auf die Ewigkeit erstreckt, wenn wir nicht über den Tod hinausschauen im Glauben sozusagen, dann sind wir unter allen Menschen die Erbärmlichsten.

[30:17] Das Wort, das hier für "elendig" steht, ist dasselbe Wort, was in Offenbarung 3, Vers 17 für "elend" steht in einer sehr berühmten und wichtigen und für unsere Zeit unfassbar wichtigen Passage, nämlich der Laodizäer-Botschaft. Da heißt es in Vers 17: "Denn du sprichst: Ich bin reich und habe Überfluss und mir mangelt es an nichts, und du erkennst nicht, dass du elend und erbärmlich bist." Dort steht das Wort von 1. Korinther 15: "arm, blind und entblößt". Und wenn man ein Wortstudium macht dieses Verses – wir haben vor nicht allzu langer Zeit auf Joel Media eine sehr ausführliche Betrachtung dieser Verse hier gehabt im Seminar, Offenbarung Vers für Vers, da gibt es zu jedem einzelnen Vers hier teilweise mehrere Videos –, das würde ich euch ans Herz legen, wenn ihr dazu kommt, euch das anzuschauen, da das eine sehr wichtige Botschaft ist. Und da wird deutlich, dass all diese Begriffe – elend, erbärmlich, arm, blind und entblößt – letztendlich alle auf den gleichen Punkt hinausgehen: dass jemand noch in Sünde lebt, in Sünde ist und zwar vielleicht ein frommes äußerliches Bekenntnis abgibt und sich für reich hält, aber das Problem der Sünde gar nicht gelöst ist. Und das ist, was Jesus, was Paulus hier deutlich macht: Wenn ihr die Auferstehung leugnet, dann hat das Evangelium keine wirkliche Schlagkraft mehr für euer Leben. Dann seid ihr noch in euren Sünden, und wenn ihr dann quasi nur versucht, in diesem Leben ein gutes Leben zu leben mit Hilfe der ethischen Prinzipien des Christentums, dann seid ihr elend. Das ist nicht das, wofür das Evangelium gegeben worden ist. Das Evangelium ist gegeben als eine Kraft, die Sünde in unserem Leben vergibt, überwindet und uns Hoffnung auf ein ewiges Leben gibt. Daran ist ein ganz wesentlicher Teil des Evangeliums.

[32:02] Vers 20: "Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt." Also er bestätigt das jetzt noch einmal, was er schon in den Versen 4 bis 8 deutlich gesagt hat. Jesus ist auferstanden. Diese Idee ist eine Irrlehre, wenn man sagt, es gebe keine Auferstehung. Er sagt weiter hier in Vers 20: "Er ist der Erstling der Entschlafenen geworden." Das heißt, die Auferstehung Jesu ist auch kein Ausnahmefall. Es ist nicht eine Ausnahme von der Regel. Man kann nicht sagen: "Eigentlich stehen Tote nicht auf, aber Jesus ist eine Ausnahme." Er sagt: "Nein, nein, nein, er ist der Erstling." Das heißt, es folgen noch viele andere. Viele werden ihm noch folgen. Vers 21: "Denn weil der Tod durch einen Menschen kam" – also durch Adam, durch den Sündenfall, ist ja der Tod in die Welt gekommen, so auch in Römer 5 –, "so kommt auch die Auferstehung der Toten durch einen Menschen." Paulus macht einen sehr interessanten Punkt: Es war ein Mensch, der durch seine Sünde den Tod in die Welt gebracht hat, und es ist ein Mensch, nämlich Jesus Christus, der jetzt die Auferstehung bringt und damit die Lösung des Problems des Todes.

[33:05] Vers 22, die Erklärung: "Denn gleich wie in Adam alle sterben" – durch die Sünde Adams sind alle Menschen dem Tod unterworfen. Natürlich gibt es, wenn man jetzt ganz technisch genau hinschaut, kleine Ausnahmen, eng umgrenzt, nämlich Henoch und Elia sind nicht gestorben. Aber das ändert nichts an der Wahrheit dieser Aussage, denn die Tatsache, dass Henoch und Elia nicht gestorben sind, liegt nur an der Gnade Gottes und der Tatsache, dass Gott für die 144.000 sozusagen einen Typus, ein typologisches Vorbild schon geben wollte, damit am Ende auch die Gläubigen wissen: Auch die, die lebendig Jesus entgegengehen werden, werden dann auch ewiges Leben haben können. Also ohne das Evangelium und ohne diesen speziellen Wunsch Gottes, dieses typologische Beispiel zu geben, wären natürlich auch Henoch und Elia gestorben. Also gar keine Frage, sie waren an sich erst einmal sterblich natürlich.

[34:10] Also: "Denn gleich wie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht." Und das ist sehr interessant, weil Paulus hier etwas sehr Wichtiges betont, was auch die Bibel anderswo sagt: Alle Menschen werden in Christus wieder lebendig, nicht nur die Gläubigen, sondern auch die Ungläubigen. Johannes 5, Vers 25 bis 29 zeigt das ganz deutlich, wenn Jesus dort in Vers 25 sagt: "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Die Stunde kommt und ist schon da, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden und sie hören werden und leben." Und dann gibt es zwei Auferstehungen in Vers 29: "Und sie werden hervorgehen: die das Gute getan haben zur Auferstehung des Lebens" – also die dann ewig leben werden –, "die aber das Böse getan haben zur Auferstehung des Gerichts." Sie werden dann auch wieder sterben. Aber es werden tatsächlich von dem, was die Bibel den ersten Tod nennt, alle Menschen erst einmal auferstehen. So als Grundsatz.

[35:00] Vers 23: "Ein jeder aber in seiner Ordnung." Also Paulus sagt jetzt, das hat eine gewisse Ordnung. Es gibt verschiedene Auferstehungen und die haben mit bestimmten Zeitpunkten im großen Erlösungsplan zu tun. "Als Erstling, also als Erster, Christus" – er ist der Erstgeborene aus den Toten, so sagt es auch Kolosser 1, Vers 18. "Danach die, welche Christus angehören bei seiner Wiederkunft." Das ist dann, wenn Jesus in den Wolken des Himmels wiederkommt, dann werden die Gläubigen, die in Christus gestorben sind, auferstehen. 1. Thessalonicher 4, Vers 16 macht das ganz deutlich. Können vielleicht hier auch noch mal kurz lesen: "Denn der Herr selbst wird, wenn der Befehl ergeht und die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallt, vom Himmel herabkommen und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen."

[36:01] Und dann lesen wir weiter in 1. Korinther 15, Vers 24: "Danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, wenn er jede Herrschaft, Gewalt und Macht beseitigt hat." Schließlich werden auch nach den 1000 Jahren alle anderen Menschen auferstehen, um dann allerdings im Gericht endgültig gerichtet und vernichtet zu werden, wie es Offenbarung 20, ab Vers 7, ganz deutlich beschreibt. Vers 25: "Denn er muss herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat." Das spielt offensichtlich auf den berühmten Psalm 110 an. In Psalm 110, Vers 1 heißt es: "Ein Psalm Davids: Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setz dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde hinlege als Schemel für deine Füße." Und dass das sich auf Jesus Christus bezieht, ergibt sich deutlich aus dem Hebräerbrief, Hebräer 10, Vers 12 bis 13: "Er aber, also Jesus Christus, hat sich, nachdem er ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht hat, am Kreuz von Golgatha für immer zur Rechten Gottes gesetzt und er wartet hinfort, bis seine Feinde als Schemel für seine Füße hingelegt werden."

[37:27] Mit anderen Worten: Jesus sitzt nach seiner Auferstehung von den Toten zur Rechten Gottes und ist dort ein königlicher Priester oder ein priesterlicher König, ein König nach der Weise Melchisedeks, wie das der Hebräerbrief deutlich macht. Das heißt, bis alle seine Feinde zum Schemel seiner Füße gemacht werden, heißt: bis alle Feinde endgültig besiegt sind. Er ist also dort zur Rechten Gottes zunächst bis zur Wiederkunft und dann mit den Gläubigen, die ja dann während der 1000 Jahre mit ihm im Himmel sind, auch in der Zeit danach. Der endgültige Sieg über die Feinde ist erst errungen, wenn nach den 1000 Jahren alle Ungläubigen erstens, wie es Philipper 2, Vers 9 bis 11 deutlich macht, bekennen, dass ihre Rebellion völlig nichtig war und Jesus tatsächlich Herr ist. Und zweitens sie dann, weil sie trotzdem keine Liebe zu Gott haben, vernichtet werden und die gerechte Strafe für ihre Sünden erhalten, wenn der große Kampf sozusagen beendet ist, wenn die Sünde selbst – nicht nur Sünder, sondern die Sünde selbst – endgültig besiegt ist. Bis dahin sitzt Jesus zur Rechten Gottes. Wie gesagt, jetzt schon als Hohepriester und dann während der 1000 Jahre mit den Gläubigen, die er zu sich in den Himmel geholt hat.

[39:01] Vers 26: "Als letzter Feind wird der Tod besiegt." Das finden wir dann auch in der Offenbarung sehr genau beschrieben, Offenbarung 20, Vers 14: "Und der Tod und das Totenreich wurden in den Feuersee geworfen. Das ist der zweite Tod." Der Tod selbst verliert seine Existenz, weil es von da an nur noch ewiges Leben geben wird. Vers 27: "Denn alles hat er seinen Füßen unterworfen." Das ist hier ein Zitat aus Psalm 8, Vers 7. Und wenn man sich Psalm 8 anschaut, dann stellt man fest, dass es eigentlich hier in Psalm 8 um den Menschen geht. Interessanterweise Psalm 8, dort heißt es in Vers 5: "Was ist der Mensch, dass du an ihn gedenkst, und der Sohn des Menschen, dass du auf ihn achtest? Du hast ihn ein wenig niedriger gemacht als die Engel, mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrscher über die Werke deiner Hände gemacht. Alles hast du unter seine Füße gelegt." Und dann geht das so weiter. Und jetzt nimmt Paulus diesen Vers hier und bezieht ihn auf Jesus. Das hat er auch in Hebräer 2 gemacht.

[40:19] In Hebräer Kapitel 2, dort ab Vers 5 heißt es: "Denn nicht Engeln hat er die zukünftige Welt, von der wir reden, unterstellt, sondern... diese die neue Erde wird einem König gehören. Der König ist dann nicht Adam, der ursprüngliche Mensch, sondern Jesus." "Sondern an einer Stelle bezeugt jemand ausdrücklich und spricht..." – jetzt kommt das Zitat aus Psalm 8 – "Und in dem er ihm aber alles unterworfen hat, hat er nichts übrig gelassen, dass ihm nicht unterworfen wäre. Jetzt aber sehen wir noch nicht, dass ihm alles unterworfen ist." Also das ist noch nicht erfüllt, dass Jesus quasi... dass die Rebellion beendet ist. Aber Vers 9: "Wir sehen aber Jesus, der ein wenig niedriger gewesen ist als die Engel wegen des Todesleidens, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt. Er sollte ja durch Gottes Gnade für alle den Tod schmecken." Wir sehen also: Paulus sagt, wir sehen schon, Jesus ist Mensch geworden, er hat für uns den Sieg errungen. Wir sehen noch nicht, dass er das Ganze, also auch diese Erde, komplett beherrscht, weil die Sünde noch nicht ausgerottet ist. Aber das kommt. Er wird irgendwann... irgendwann werden alle seine Feinde Schemel seiner Füße sein. Irgendwann wird der Tod selbst ausgelöscht sein, es wird ihm alles unterworfen sein.

[41:29] Der Vers bezieht sich also auf Jesus als Mensch, der als auferstandener Mensch, als Sohn des Menschen, einmal auch König über alle Völker sein wird. So wie es in Daniel Kapitel 7, Vers 13 und 14 ja auch deutlich vorhergesagt ist: "Ich sah in den Nachtgesichten und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels gleich einem Sohn des Menschen und er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn gebracht und ihm wurde Herrschaft, Ehre und Königtum verliehen und alle Völker, Stämme und Sprachen dienten ihm. Ihm ist alles unterworfen. Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergeht, und sein Königtum wird nie zugrunde gehen." Wir sehen also hier, dass Paulus in dieser ganzen Passage den Menschen Jesus auch ganz besonders in den Mittelpunkt rückt. Er hat ja schon in Vers 21 gesagt: "Denn weil der Tod durch einen Menschen kam, so kommt auch die Auferstehung der Toten durch einen Menschen." Jesus ist Mensch geworden, ist als Mensch für uns gestorben, ist als Mensch auferstanden, sitzt als Sohn des Menschen zur Rechten Gottes als unser Bruder und wird als Sohn des Menschen – so sagt auch Offenbarung 14, ab Vers 14, ganz deutlich – wiederkommen und wird als Sohn des Menschen einmal über alle Völker, Nationen, Stämme regieren. Ihm wird tatsächlich alles unterworfen werden. Er ist jetzt zur Rechten Gottes, bis ihm alles unterworfen wird und er dann als König der Könige auf der neugeschaffenen Erde als Mensch regieren wird. Davon ungeachtet ist er natürlich bei allem immer auch gleichzeitig Gott. Das sind andere Bibelstellen, die das deutlich machen. Aber hier, um zu verstehen, warum Paulus auch diesen Psalmentext so auswertet, geht es um die Menschlichkeit Jesu auch nach seinem Tod, nach seiner Auferstehung und seinem Königtum im Himmel und dann auf der neuen Erde.

[43:33] Jetzt kommt aber noch ein interessanter Gedanke: "Denn alles hat er seinen Füßen unterworfen." Das ist das Zitat aus Psalm 8. "Wenn es aber heißt, dass ihm alles unterworfen ist, so ist offenbar, dass derjenige ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat." Also, wenn Jesus als König dann einmal alles unter sich hat, dann wird er nicht sich über den Vater erheben. Er wird nicht irgendwie im Triumph sich über den Vater erhöhen oder so, sondern er ist auch als menschlicher König, auch dann, wenn er König der Könige und Herr der Herren ist, immer noch seinem Vater unterworfen. Gott der Vater ist diesem König Jesus natürlich nicht unterworfen. Das macht dieser Vers ganz deutlich. Vers 28: "Wenn ihm aber alles unterworfen sein wird, dann wird auch der Sohn selbst sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allem sei."

[44:35] Jesus wird also, wie gesagt, in diesem äußersten Triumph in der Gegenwart des versammelten Universums, wenn er zum König gekrönt wird, sich nicht über Gott erheben, sondern er wird auch dann, im Moment der äußersten Macht, die man sich nur vorstellen kann, dieselbe Unterordnung unter seinen Vater zeigen, die auch sein Leben auf Erden gekennzeichnet hat. Ja, wie wir in Philipper 2 deutlich sehen, wo uns gesagt wird in Philipper Kapitel 2, ab Vers 5: "Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war, der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen. Und in seiner äußeren Erscheinung als ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum Tod am Kreuz." Jesus wird auf dem Thron des Universums, wenn der König für alle Zeiten sein wird, nicht anders sein in seinem Charakter und seinem Wesen und seiner Unterordnung unter den Vater, als er es gewesen ist, als er in Galiläa als der Prediger gelebt hat. Jesus wird durch die enorme Macht, die ihm dann übertragen wird, nicht in seinem Charakter verändert werden. Es ist immer noch derselbe und er wird immer noch der liebevolle, der Demütige sein und dadurch immer noch den Charakter auch des Vaters offenbaren, der genau dieselben Eigenschaften hat. Also eine ganz interessante, ein ganz interessanter Gedanke, den der Paulus hier skizziert.

[46:18] Vers 29: Jetzt kommen noch einige Fragen, mit denen Paulus noch mal deutlich machen möchte, wie welche katastrophalen Konsequenzen es hätte, wenn man diese Lehre annimmt, dass es keine Totenauferstehung gebe. Vers 29: "Was würden sonst die tun, die sich für die Toten taufen lassen, wenn die Toten gar nicht auferweckt werden? Weshalb lassen sie sich denn für die Toten taufen?" Dieser Vers ist oft missverstanden worden, aber die Bedeutung scheint einfach die zu sein, dass einige sich bei ihrer Taufe auch ganz explizit den Wunsch hatten, dann einmal als Erlöste mit ihren verstorbenen Familienmitgliedern oder Freunden vereint zu sein, dass sie dann sozusagen sich haben taufen lassen, weil sie sich auch so sehr gewünscht haben. Das sind Menschen, die an Jesus geglaubt haben, die sind gestorben und sie wissen: Wenn sie jetzt Jesus nachfolgen und ein Leben mit ihm führen, werden sie auch diese Verstorbenen wiedersehen. Wenn es aber gar keine Auferstehung der Toten gäbe, dann wäre diese so starke Hoffnung, die auch so eine große Motivation darstellt, die wäre dann null und nichtig.

[47:21] Vers 30: "Und warum begeben auch wir uns stündlich in Gefahr?" Es wäre auch für Paulus völlig unsinnig, ständig sein Leben für eine falsche Hoffnung aufs Spiel zu setzen. Vers 31: "So wahr ihr mein Ruhm seid, den ich habe in Christus Jesus, unserem Herrn: Ich sterbe täglich." Paulus setzt jeden Tag sein Leben aufs Spiel und das impliziert, dass er jeden Tag auch sein Leben komplett in Gottes Hand legt. Das heißt, wir können diesen Vers, obwohl er natürlich erstmal im Kontext bedeutet, dass Paulus ständig in Gefahr war, wir können ihn auch darauf anwenden, dass wir unser Leben jeden Tag in Gottes Hand legen möchten und legen sollen. Vers 32: "Wenn ich als Mensch in Ephesus" – er schreibt gerade von Ephesus diesen Brief – "mit wilden Tieren gekämpft habe, was nützt es mir, wenn die Toten nicht auferweckt werden?" Ob er tatsächlich möglicherweise sogar in der Arena in Ephesus mit wilden Tieren gekämpft hat, ist die Frage. Es ist nicht unvorstellbar, das ist durchaus auch passiert, dass römische Bürger zu so etwas verurteilt werden konnten, ist nicht ganz ausgeschlossen.

[48:34] Andersrum ist es so, dass es eine Reihe von Bibeltexten gibt, gerade bei Paulus und bei Petrus und auch überhaupt im Neuen Testament, wo Menschen, böse Menschen, feindliche Menschen als wilde Tiere beschrieben werden. Beispielsweise der Kaiser Nero als Löwe in 2. Timotheus 4, Vers 17. Wir haben auch die Kreter als böse Tiere in Titus 1, Vers 12. Wir haben auch allgemein in 1. Korinther 4, Vers 9 schon gesehen, dass Paulus sein Leben als Apostel, sein Wirken als Apostel, als eine Art Gladiatorenkampf beschreibt. Es kann also gut sein, dass es hier eher als eine Metapher gemeint ist, also dass er mit großen Schwierigkeiten, mit bösen Leuten zu tun hatte, die ihm wirklich zugesetzt haben. Aber Paulus macht – der Punkt ist auf jeden Fall –: Wenn es keine Auferstehung der Toten gäbe, könnte ich mir all diese Mühen sparen. Und dann zitiert er noch aus dem Alten Testament, aus Jesaja 22, Vers 13: "Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot." Dann könnte man das Leben einfach verprassen, dann hat's ja eh keinen Sinn und hätte keine Bedeutung, dann irgendwie etwas zu erhoffen.

[49:33] Vers 33: "Lasst euch nicht irreführen: Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten." In dem Zusammenhang der Verse ist dieser Satz enorm interessant, weil dieser Vers andeutet, dass es schlechter Umgang war, der dazu geführt hat, dass die Gläubigen in ihrem Verständnis des Evangeliums hier in eine Schieflage geraten sind. Und möglicherweise ist das tatsächlich eine Warnung davor, sich mit der griechischen Philosophie so viel zu beschäftigen, denn bei der gibt es diese Vorstellung einer Totenauferstehung nicht. Für griechische Philosophen war das irgendwie unvorstellbar, und wir haben gesehen, wie Paulus selbst das in Athen zu spüren bekommen hat. Paulus warnt hier also auf eine ganz eindringliche Weise, eine Warnung, die wir auch beachten sollen. Denn wenn wir ständig uns mit Leuten umgeben und von Leuten quasi auch lernen wollen, die wesentliche Dinge des Evangeliums ablehnen, dann werden auch wir in unserer Theologie in eine Schieflage geraten. Wir müssen darauf achten, mit wem wir Umgang haben.

[50:41] Der Vers ist aber deswegen auch interessant, weil er eine enorme Pointe hat, denn der Satz "Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten" ist quasi wortwörtlich ein griechisches Zitat, nämlich von dem bekannten griechischen Komödiendichter Menander. Nun ist damit keinesfalls gesagt, dass Paulus in seiner Freizeit Komödien gelesen hat, sondern man geht davon aus, dass dieser Satz "Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten", der dort in der Komödie "Thais" – die nur als Bruchstücke bekannt, die von anderen Autoren dann überliefert worden sind – vorkommt, man geht davon aus, dass dieser Satz wie so ein geflügeltes Wort die griechische Gesellschaft durchzogen hat. Man kannte das sozusagen so, wie man vielleicht den Satz kennt: "Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage." Wenn man das sozusagen zitiert und in der Predigt einbaut als Brücke zu irgendetwas, dann heißt es nicht, dass man damit jetzt den Hamlet komplett gelesen hat oder ihn vielleicht sogar noch gut heißt, sondern es ist einfach ein geflügeltes Wort, das man in der Kultur dann halt kennt. Die Korinther kannten das als Griechen natürlich sehr gut, und Paulus schlägt quasi jetzt die Korinther mit ihren eigenen Waffen. Er sagt also, indem er eine griechische Redewendung aus der Literatur zitiert, sagte er ihnen: "Beschäftigt euch nicht so viel mit der griechischen Philosophie, weil das führt dazu, dass ihr dann entscheidende Elemente des Evangeliums aufgebt, auch wenn ihr es vielleicht im ersten Moment gar nicht merkt, weil ihr gar nicht durchdenkt, wie weit die Konsequenzen dann von dieser Irrlehre sind." Übrigens dieses Zitat kann man auch dann finden als das Menander-Fragment 218, für alle, die sich dafür interessieren sollten.

[52:27] Vers 34: "Werdet doch wirklich nüchtern." Also, es ist fast ein bisschen wie eine Betrunkenheit, wenn man so sich mit der Philosophie einlässt. Sie sollen sich davon distanzieren, wieder nüchtern werden. Er sagt: "Werdet doch wirklich nüchtern und sündigt nicht, denn etliche haben keine Erkenntnis Gottes. Das sage ich euch zur Beschämung." Die Korinther hatten sich einer großen Erkenntnis gerühmt. Sie hatten behauptet, eine so große Erkenntnis zu haben, dass sie sogar auf andere Gläubige herabgeschaut haben. Jetzt stellt sich heraus: Einige von ihnen haben eine Unkenntnis Gottes. Hier geht's also nicht darum, dass ihnen etwas noch irgendwie gefehlt hat, sondern sie haben aktiv etwas angenommen, was ihnen Gott verdunkelt hat, das ewige Evangelium quasi unklar gemacht hat. Und er sagt es ihnen zur Beschämung, wie auch schon in 1. Korinther 6, Vers 5.

[53:25] Aber Paulus weiß, es gibt da wahrscheinlich Einwände im Kopf, und er antizipiert sie. Vielleicht hat er sie auch anderswo in der Form schon gehört. Und so sagt er jetzt in Vers 35: "Aber jemand könnte einwenden: Wie sollen die Toten auferstehen und mit was für einem Leib sollen sie kommen?" Also die Frage ist: Wie soll man sich das jetzt konkret vorstellen? Vers 36: "Du Gedankenloser! Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt." Paulus antwortet jetzt mit ganz großer Brillanz. Er verwendet ein Bild aus der Natur, so wie es auch sein großes Vorbild Jesus gemacht hat. Und er macht Folgendes: Jedes Samenkorn stirbt, ja, und wird danach eine große Pflanze. Der Tod des Samenkorns ist also nicht das Ende. Die lebendige Pflanze sieht übrigens nach dem Tod des Samenkorns offensichtlich nicht mehr aus wie ein Samenkorn. Vorher ist trotzdem immer noch dieselbe Pflanze.

[54:12] Vers 37: "Und was du säst, das ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn." Du säst ja nicht die Weizenpflanze, sondern du säst ein Korn, also etwa von Weizen oder von einer anderen Saat. Man sieht das Korn, das Korn stirbt und dann kommt eine Pflanze hervor, die dem Korn nicht direkt ähnlich sieht, aber trotzdem eine ganz reale Pflanze ist. Vers 38: "Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er es gewollt hat, und zwar jedem Samen nach seinen besonderen Leib." Gott hat für jede Pflanze, egal ob Emmer oder Gerste oder Weizen oder was auch immer, ein eigenes reales Aussehen geschaffen. Und Vers 39: "Nicht alles Fleisch ist von gleicher Art, sondern anders ist das Fleisch der Menschen, anders das Fleisch des Viehs, anders das der Fische, anders das der Vögel." Schon in der jetzigen Welt, sagt Paulus, wenn ihr euch umschaut in der Natur, nicht alle Körper sehen gleich aus, nicht alle haben dieselbe Körperstruktur, dasselbe Fleisch. Menschen, Tiere sind alle sehr unterschiedlich. Also es wäre schon bei der Betrachtung der Natur allein unlogisch zu sagen, es kann nicht etwas anderes für den menschlichen Körper geben als nur den menschlichen Körper, den wir jetzt haben. Er sagt: "Schaut euch um, es gibt auch viele andere Varianten, wie ein Körper gebaut sein kann", schon jetzt.

[55:29] Vers 40: "Und es gibt himmlische Körper und irdische Körper, aber anders ist der Glanz der Himmelskörper, anders der der irdischen." Er erweitert jetzt das Argument und sagt: "Schaut mal in den Himmel, da gibt's auch Gegenstände, die sehen noch mal anders aus als hier auf der Erde." Vers 41: "Einen anderen Glanz hat die Sonne und einen anderen Glanz der Mond und einen anderen Glanz haben die Sterne, denn ein Stern unterscheidet sich vom anderen im Glanz. Sie alle sind unterschiedlich." Paulus möchte einen Punkt machen: Wenn ihr die Schöpfung anschaut, seht ihr, Gott ist doch sicherlich nicht auf den einen menschlichen Körper beschränkt, den wir jetzt gerade haben. Es gibt so viel Unterschiedliches, was Gott geschaffen hat.

[56:05] Vers 42: "So ist es auch mit der Auferstehung der Toten. Es wird gesät in Verweslichkeit und auferweckt in Unverweslichkeit." Also ein vergänglicher Körper wird... wir haben vor dem Tod den Körper, der wird quasi gesät, ja. Und dann gibt's den Tod des Samenkorns und dann, so wie das Samenkorn stirbt, aber dann eine Weizenpflanze daraus wächst, so kommt jetzt ein unvergänglicher Körper nach der Auferstehung der Toten. Vers 43: "Es wird gesät in Unehre und wird auferweckt in Herrlichkeit. Es wird gesät in Schwachheit, wird auferweckt in Kraft." Also der vergängliche Körper, der hat keine Ehre, der ist von Sünde geprägt, der ist schwach. Der Körper nach der Auferstehung ist unvergänglich, der ist stark, der ist herrlich.

[56:52] Vers 44: "Es wird gesät ein natürlicher Leib." Das ist vielleicht ein bisschen missverständlich. Das Wort "psychikos", das hier steht, ist im Gegensatz zu dem Geistlichen. Das heißt, es wird auferweckt ein geistlicher Leib. Das bedeutet nicht, dass sozusagen wir dann Geistwesen sind im Sinne von, dass wir keine Materie mehr haben, nicht mehr irgendwie greifbar sind, sondern es sind in beiden Fällen Leiber. Es ist ein Körper. Es gibt einen Körper vor dem Tod, es gibt einen Körper nach dem Tod. Das eine ist ein "psychikos"-Leib. Diesen Gegensatz von "psychikos" und "pneumatikon", also seelisch oder natürlich und geistlich, den finden wir in 1. Korinther 2, Vers 14: "Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt werden muss. Der geistliche Mensch dagegen beurteilt zwar alles, er selbst jedoch wird von niemand beurteilt." Der Gedanke ist also: Es gibt einen Körper, der einfach sozusagen der vergängliche, sterbliche, sündhafte Körper ist, den wir so haben, mit dem sündigen Fleisch und so weiter. Dann gibt's aber einen Körper, der ist sozusagen geistlich. Der entspricht dem...

[58:07] Bekommen dann die Menschen diesen Körper, die dann vom Heiligen Geist erfüllt sind. Also der erste Körper ist sozusagen der natürliche, den alle Menschen haben. Alle menschlichen Körper der sündigen Menschen sind so. Und durch die Erlösung haben wir die Hoffnung auf einen neuen Körper, der dann dem Erfülltsein mit dem Heiligen Geist entsprechen wird nach der Auferstehung. Vers 45: "So steht auch geschrieben: Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer lebendigen Seele." Das ist natürlich aus 1. Mose Kapitel 2, Vers 7. Gemeint ist hier der Körper von Adam, ja, der ist durch den Atem Gottes lebensfähig gewesen. Das ist dieser atmende Körper, den wir jetzt alle als Menschen haben. Aufgrund der Sünde ist der der Vergänglichkeit unterworfen. Und dieses Fleisch kann von sich aus nichts ausrichten. Deswegen sagt Jesus in Johannes 3 dem Nikodemus auch: "Das Fleisch ist nichts nütze." Dass das Fleisch, was vom Fleisch geboren ist, ist halt eben nur Fleisch. Um ins Reich Gottes zu kommen, müssen wir vom Geist neu geboren werden. Wir brauchen eine Wiedergeburt durch den Heiligen Geist und die bringt Jesus. Er ist derjenige, der das ewige Leben bringt. "In ihm war das Leben, das Leben war das Licht der Menschen" (Johannes 1, Vers 4). Wir haben schon gesehen, wie er derjenige ist, der die Auferstehung initiieren wird, die die Menschen auferwecken wird. In Johannes 6 lesen wir in Vers 54: "Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat ewiges Leben und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag." Vers 57: "Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und ich um des Vaters willen lebe, so wird auch der, welcher mich isst, um meinetwillen leben." Und dazu noch Vers 63: "Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt gar nichts. Die Worte, die ich zu euch rede, sind Geist und sind Leben."

[1:00:03] Das steckt also hier dahinter. Nach der Auferstehung bekommen wir einen Körper, der dem ewigen Leben entspricht, das Jesus uns durch den Tod am Kreuz gegeben hat und uns schenkt.

[1:00:21] Wir sind erst in 1. Korinther 15 und dort gleich am Ende in Vers 45: Der erste Mensch Adam wurde zu einer lebendigen Seele. Der letzte Adam, also der zweite Adam, könnte man auch sagen, der Jesus, wurde zu einem lebendig machenden Geist. Er macht lebendig und er sendet uns seinen Geist. Vers 46: Aber nicht das Geistliche ist das erste, sondern das natürliche. Danach kommt das Geistliche. Es gibt also erst den natürlichen Körper, den Gott uns bei der Schöpfung gegeben hat, und danach den geistlichen Körper, den er uns bei der Wiederkunft aufgrund des Evangeliums geben wird, den verherrlichten Körper.

[1:01:03] Vers 47: Der erste Mensch ist von der Erde, irdisch. Der zweite Mensch ist der Herr aus dem Himmel. Diese Reihenfolge ergibt sich aus der Heilsgeschichte, weil der erste Körper ja von Adam kommt, dem ersten Menschen, der, wenn man das so sagen darf, Vater aller Menschen ist. Alle Menschen, die mit diesem natürlichen Leib leben, haben alle Adam als ihren Ahnherrn. Aber dann kommt Jesus, der König des Himmels, er wird Mensch im Neuen Testament und gibt der Menschheit damit eine grundsätzlich neue Chance. Wir kommen zwar alle von Adam, aber wer jetzt an Jesus glaubt, kann Jesus quasi zu seinem neuen Adam machen. Er kann sozusagen ihn zum zweiten Vater, zum neuen Vater einer Menschheit machen, nämlich von allen Menschen, die das Evangelium annehmen und dadurch doch noch ewiges Leben erhalten können. Denn die Bibel sagt uns: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat“ (Johannes 3,16).

[1:01:57] Vers 48: Wie der Irdische beschaffen ist, so sind auch die Irdischen. Und wie der Himmlische beschaffen ist, so sind auch die Himmlischen. Alle Menschen ähneln dem irdischen Adam, aber alle geistlichen Gläubigen, die jetzt schon ihr Bürgerrecht im Himmel haben, wie es in Philipper 3,20 steht: „Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus erwarten als den Retter.“ Sie alle werden dann verwandelt werden und Jesus in seinem verherrlichten Körper, den er seit der Auferstehung hat, gleich sein. Es heißt in Vers 21: „... der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird, dass er gleichförmig wird seinem Leib der Herrlichkeit, vermöge der Kraft, durch die er sich selbst auch alles unterwerfen kann.“ Da sehen wir ganz deutlich, dass Paulus hier beim Philipperbrief auch ähnliche Gedanken hat, wie er sie in 1. Korinther 15 ausgedrückt hat.

[1:02:52] Vers 49 in 1. Korinther 15: „Und wie wir das Bild des Irdischen getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen.“ Also so wie wir das Bild unseres irdischen Vaters Adam getragen haben, nämlich seinen Körper, werden wir auch das Bild, das heißt den Körper unseres verherrlichten Vaters Jesus Christus tragen, der durch seine Erlösung quasi für uns zum zweiten Adam geworden ist. Wir haben also jetzt den Körper, den wir von Adam erhalten haben. Nach der Auferstehung werden wir den Körper haben, den wir von Jesus erhalten. Das ist der ganze Punkt, den Paulus hier sehr schön und deutlich erklärt.

[1:03:32] Vers 50: „Das aber sage ich, Brüder“ – er nennt sie wieder Brüder –, „dass Fleisch und Blut, das heißt unser Körper, wie wir ihn jetzt haben, dass der irdische Körper, der von Adam ererbte, das Reich Gottes nicht erben können. Auch erbt das Verwesliche nicht die Unverweslichkeit.“ Er macht also ganz deutlich: Unser jetziger Körper, wie wir ihn jetzt haben, der kann nicht in den Himmel kommen. Wir werden mit einem vergänglichen Körper nicht in der Ewigkeit leben können, weil das ein Widerspruch in sich ist. Wir brauchen einen unvergänglichen Körper, und der Körper, den wir jetzt haben, der ist vergänglich.

[1:04:02] Vers 51: „Siehe, ich sage euch ein Geheimnis. Wir werden zwar nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden.“ Paulus offenbart jetzt noch mehr. Es werden ja gar nicht alle sterben, sondern es wird eine Generation geben, die dann Jesus lebendig wiederkommen sehen wird. 1. Thessalonicher 4, Vers 15 bis 18 macht ganz deutlich, dass das alles dann zusammen sein wird. Die einen werden verwandelt, die anderen werden auferstehen mit dem verwandelten Körper. Egal, ob wir sterben oder nicht, wir werden alle verwandelt werden, um den neuen Körper zu erhalten. Also, die Geschwister in Korinth lagen völlig daneben. Sie dachten, es gäbe nur den jetzigen Körper, den wir haben. Aber Paulus sagt: „Nein, nein, es gibt einen anderen Körper und der ist so wichtig, dass sogar die, die nicht sterben, ihn trotzdem erhalten werden.“

[1:04:48] Vers 52: „Wann wird das geschehen? Wie wird das geschehen? Plötzlich in einem Augenblick“, also ein Bruchteil einer Sekunde, „werden wir verwandelt werden. Es wird keine lange Operation sein, zur Zeit der letzten Posaune, denn die Posaune wird erschallen und die Toten werden auferweckt werden unverweslich und wir werden verwandelt werden.“ Genau das, was auch in 1. Thessalonicher 4 beschrieben steht. Bei der Wiederkunft Jesu wird der Körper verwandelt werden.

[1:05:12] Vers 53: „Denn dieses Verwesliche muss Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche muss Unsterblichkeit anziehen.“ Unser Körper muss verwandelt werden von einem vergänglichen zu einem unvergänglichen Körper. Das ist eine absolute Notwendigkeit.

[1:05:28] Vers 54: „Wenn aber dieses Verwesliche Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: ‚Der Tod ist verschlungen in Sieg.‘“ Paulus bringt jetzt zwei Zitate aus dem Alten Testament, die wir uns ganz kurz anschauen wollen. Das eine ist aus Jesaja 25, Vers 8, wo in unserer deutschen Schlachter-2000-Übersetzung z. B. steht: „Er wird den Tod auf ewig verschlingen.“ Da geht es tatsächlich im Kontext auch um die Endzeit, um die Wiederkunft. Da heißt es weiter: „Und Gott der Herr wird die Tränen abwischen von jedem Angesicht und die Schmach seines Volkes hinwegnehmen von der ganzen Erde.“ Wir denken dann auch an Offenbarung 21. Ja, der Herr hat es gesprochen. Vers 9: „Und an jenem Tag wird man sagen: Seht, das ist unser Gott, auf den wir gehofft haben, dass er uns rettet. Das ist der Herr, auf den wir hofften. Nun lasst uns frohlocken und fröhlich sein in seiner Rettung.“ Es geht also dort tatsächlich um die Wiederkunft Jesu.

[1:06:23] Paulus übersetzt jetzt hier nicht – also in der Schlachter 2000 heißt es: „Er wird den Tod auf ewig verschlingen“ – Paulus sagt: „Er wird ihn in Sieg verschlingen.“ Diese Übersetzung geht nicht auf die Septuaginta zurück, die griechische Übersetzung des Alten Testaments, die ist hier auch weniger brauchbar, sondern er hat es offensichtlich aus dem Hebräischen selbst übersetzt. Das Wort in Jesaja 25, Vers 8, das dort mit „ewig“ übersetzt wird, heißt „netsach“. Das kann man auch mit „Glanz“ oder „Ruhm“ übersetzen und bedeutet dann im Mittelhebräischen – das ist das Hebräische zur Zeit von Paulus und dann auch später – so etwas wie „Sieg“ oder „Preis“. Diese Bedeutung „Sieg“ gibt es auch für das verwandte Wort im Ugaritischen, schon zur Zeit der Richter, und entsprechend auch im Aramäischen zur Zeit der Perser, schon auch ein abgeleitetes Wort davon als „ruhmvoll“ und „siegreich“. Also es ist durchaus möglich, dass auch schon zur Zeit von Paulus oder schon zur Zeit von Jesaja dieses Wort auch tatsächlich „Sieg“ gemeint hat und Paulus das hier also ganz korrekt übersetzt.

[1:07:24] Vers 55: „Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg?“ Das ist auch ein interessantes Zitat aus Hosea 13, Vers 14. Ganz kurz dazu etwas: Im Hebräischen steht dort in der Schlachter: „Ich will sie lösen aus der Gewalt des Totenreichs. Vom Tod will ich sie loskaufen. Tod, wo ist dein Verderben? Totenreich, wo ist dein Sieg? Doch der Trost ist von meinen Augen verborgen.“ Allerdings ist die Schlachter hier ein bisschen ... hat ein bisschen eine andere Textgrundlage. Man muss das vielleicht anders ausdrücken. Da spielen verschiedene Überlegungen hinein in diese Übersetzung. Wörtlich steht im Hebräischen: „Wo ist deine Pest oder deine Seuche, Tod? Wo ist dein Stachel, deine Seuche, Totenreich?“ So wird es auch von Luther 2017 oder von der Menge übersetzt. Was dieses zweite Wort, eine Stachel oder eine Seuche, bedeuten soll, ist etwas unklar. Kommt auch in 5. Mose 32 vor, dort Vers 24, und dürfte wahrscheinlich auch so eine Art Seuche sein, so eine Art Pest. Offensichtlich ist da ein Parallelismus gemeint im Originalhebräischen in Hosea 13, Vers 14. Der Tod und das Totenreich haben quasi eine Seuche, eine hochansteckende Krankheit, und dass man dafür auch die Metapher eines Stachels verwendet, ist jetzt nicht so unpassend. So wie man quasi gestochen wird, wird man ja bei Ansteckungskrankheiten auch angesteckt.

[1:08:53] Und das könnte das also in diesem Wort „Stachel“ dann mit enthalten. Das heißt, der Paulus hat das so im Hebräischen vorgefunden. In der griechischen Übersetzung, der Septuaginta, heißt es dann: „Wo ist deine Gerechtigkeitsstrafe, Tod? Wo ist dein Stachel, Totenreich?“ Und Paulus macht jetzt Folgendes: Er verändert ein bisschen die Stoßrichtung des Zitats, oder er verändert die Worte des Zitats, besser gesagt, um das Ganze noch auf die Spitze zu treiben. Er sagt: „Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg?“ Dieses Wort „Sieg“ steht eigentlich im Hebräischen und auch in der Septuaginta nicht. Das ist quasi Paulus’ Interpretation, weil das bedeutet es ja. Es bedeutet: Totenreich, wo ist dein Stachel, deine Pest, deine Epidemie, wo ist deine hochansteckende Krankheit, die alle infiziert? Das ist eine rhetorische Frage. Diesen Stachel, diese Pest gibt es nicht mehr. Demzufolge kann der Tod nicht mehr gewinnen. Wo ist dein Sieg? Also Paulus hat sozusagen das ein bisschen komprimiert, indem er das zweimalige Vorkommen eines Wortes für eine Seuche sozusagen auf eins beschränkt hat: „Tod, wo ist dein Stachel?“ – wobei Stachel, wie gesagt, eine Metapher ist für so eine Pest – und dann in der zweiten Frage die Interpretation daraus gemacht hat, die richtige: „Totenreich, wo ist dein Sieg?“

[1:10:12] Und das ist deswegen jetzt alles wichtig, weil das uns hilft, Vers 56 zu verstehen: „Der Stachel des Todes aber ist die Sünde.“ Ich habe lange Zeit früher nicht verstanden, was das eigentlich wirklich bedeutet, aber wenn man versteht, dass das Wort „Stachel“ im Hebräischen eigentlich – dort in Hosea 13 – eigentlich um eine hochansteckende Krankheit geht und das Wort „Stachel“ quasi nur eine Metapher dafür ist, dann wird deutlich, was hier eigentlich der Punkt ist: Das, was sozusagen den Tod in alle Welt ausbreitet, die hochansteckende Krankheit sozusagen, die den Tod herbeiführt, die Epidemie sozusagen, das ist die Sünde. Die Sünde ist sozusagen wie die Pest. Es ist der Krankheitserreger des Todes oder der Virus des Todes sozusagen. Die Sünde steckt halt alle an und durch die Sünde kommt halt der Tod.

[1:11:04] Und dann sagt Paulus: Also nicht nur ist die Sünde sozusagen der Krankheitserreger, die Pest, der Virus des Todes, er sagt auch, es gibt eine Kraft der Sünde und das ist das Gesetz. Diesen Gedanken hat Paulus dann später im Römerbrief genauer erläutert. Ich gebe das nur ganz kurz hier. Man kann das im Sendemanuskript noch mal nachschauen. In Römer 4 z. B. sagt er ganz deutlich: „Ohne Gesetz wäre die Sünde keine Übertretung.“ Römer 5,13: „Ohne Gesetz würde die Sünde nicht angerechnet werden.“ Das Gesetz kam hinzu, damit das Maß der Übertretung voll wird. Die Idee ist: Die Sünde ist sozusagen der Krankheitserreger des Todes und das Gesetz zeigt uns überhaupt erst einmal, wie stark und verbreitet dieser Virus ist. Ohne Gesetz würden wir sozusagen den Virus gar nicht kennen. Man könnte also sagen: Das Gesetz ist sozusagen das Mikroskop, unter dem man diesen Virus erst richtig erkennt und sagt: „Aha, da ist ja etwas, was so gefährlich ist.“ Das Gesetz kann den Virus, den Krankheitserreger, nicht besiegen, sondern nur sichtbar machen und deutlich machen, dass er existiert und wie schwerwiegend er ist. Der Sieg, die Heilung sozusagen, die Behandlung kommt von etwas anderem, von jemand anderem.

[1:12:16] Vers 57: „Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus.“ Eine wunderbare Verheißung. Obwohl die Sünde eine große Stärke hat – das Gesetz zeigt uns, wenn wir das Gesetz richtig studieren, dann sehen wir, wie weit verbreitet die Sünde in unserem eigenen Leben, in der Gesellschaft, überall ist, wie sehr sie in alle Bereiche des Lebens vordringt –, wir dürfen trotzdem wissen: Obwohl sie so stark ist, obwohl sie so hochansteckend ist, gibt es Sieg über sie. Und dieser Sieg ist sogar ein Geschenk Gottes, für das wir danken sollen. Durch Jesus Christus können wir Sieger über die Sünde sein. Er schenkt uns den Sieg.

[1:13:04] Und deswegen sagt Paulus in Vers 58, womit er jetzt diesen ganzen Abschnitt zusammenfasst, in einer wunderbaren Ermutigung: „Darum, meine geliebten Brüder, seid fest, unerschütterlich“ – wörtlich im Griechischen: „unbeweglich“ – „nehmt immer mehr zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist im Herrn.“ Er nennt sie nun zum ersten Mal in diesem Brief nicht nur Brüder, sondern geliebte Brüder. Das finden wir häufiger auch bei Jakobus. Und er ermutigt sie, fest mit dem Evangelium zu bleiben. Wir erinnern uns an Vers 1 und 2: „Ich erinnere euch aber, ihr Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, dass ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch feststeht, durch das ihr auch gerettet werdet, wenn ihr an dem Wort festhaltet, das ich euch verkündigt habe. Es sei denn, dass ihr vergeblich geglaubt hättet.“ Also er sagt: „Hütet euch vor der Philosophie, hütet euch vor diesen Irrlehren.“ Auch wenn ihr etwas vielleicht nicht immer gleich sofort begreifen könnt, glaubt das, was das Evangelium sagt. Es gibt eine Auferstehung und Jesus schenkt uns den Sieg.

[1:14:05] Er wünscht sich, dass die Geschwister mehr noch in die Gemeindearbeit investieren, dass das Werk in Korinth wächst. Und sie dürfen wissen, dass wenn sie so für Gott arbeiten, dann ist das nicht vergeblich. Es ist eben nicht so, dass das Wirken für die Gemeinde letztlich sinnlos ist, weil es angeblich keine Totenauferstehung gibt, sondern weil die Toten auferstehen, weil es ein Leben nach dem Tod gibt in der Auferstehung, wenn Jesus wiederkommt, ist das Werk für Jesus, die Verbreitung des Evangeliums, nicht vergeblich. Es lohnt sich, das Evangelium in alle Welt zu tragen und selbst daran festzuhalten.

[1:14:43] Ich möchte mich heute entscheiden, an Jesus Christus festzuhalten, mich auf sein Evangelium zu konzentrieren, immer wieder daran zu erinnern, die großen, die fundamentalen Grundwahrheiten, auch wenn ich sie als wahr erkannt habe, immer wieder in meinem Gedächtnis zu haben, immer wieder nachzudenken, damit sie mein Denken und mein Handeln prägen. Ich möchte mich von weltlichen und falschen Ansichten nicht verwirren lassen. Und ich danke Gott, dass Jesus Christus durch seinen Tod und seine Auferstehung, durch das Wirken seines Heiligen Geistes und durch seinen Dienst im Himmel, durch das wunderbare Evangelium, mir und dir den Sieg über die Sünde schenkt.

[1:15:24] Möchtest du auch Gott dafür Danke sagen? Dann lass uns auch gemeinsam beten.

[1:15:29] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir Danke sagen, dass du in diesem wunderbaren und so tiefgehenden Kapitel durch dein Wort zu uns besonders gesprochen hast. Herr, gib, dass wir niemals aus den Augen verlieren, wie wichtig und wie zentral das Evangelium für unser Leben ist. Lass uns nicht durch falschen Umgang auf geistliche und theologische Abwege geraten. Hilf, dass wir die Kraft des Evangeliums sehen und verstehen und in unserem eigenen Leben erfahren, dass egal wie stark die Sünde noch sein mag – und das Gesetz zeigt uns deutlich, wie stark sie ist –, dass wir umso mehr darauf vertrauen, dass der Sieg am Kreuz von Golgatha und durch die Auferstehung uns wirklich echten Sieg schenkt über die Sünde und dass wir einmal bei der Auferstehung mit sagen dürfen: „Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg?“ Herr, das bitten wir und danken, dass du uns eine echte, reale und begründete Hoffnung über den Tod hinaus schenkst. Die wollen wir festhalten und nicht mehr loslassen. Hab Dank dafür. Amen.

[1:16:36] Nächste Woche wollen wir dann den 1. Korintherbrief abschließen und schon in den 2. Korintherbrief hineinschauen und uns dann dort mit den nächsten Gedanken beschäftigen. Bis dann wünsche ich euch Gottes reichen Segen und Freude im Studium seines wunderbaren Wortes. Amen.


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