[0:32] Hallo und herzlich willkommen zur Christ Study Hour auf www.joelmedia.de. Wie immer möchten wir auch alle Zuschauer auf dem Sender das Wort ganz recht herzlich begrüßen zu einer weiteren Folge unserer Spezialserie über die Korintherbriefe des Paulus. Heute ist eine besondere Folge, weil wir gleichzeitig mit dem letzten, dem 16. Kapitel, den ersten Korintherbrief abschließen werden und uns dann auch schon mit dem ersten Kapitel aus dem zweiten Korintherbrief beschäftigen werden. Es wird heute um Abschied gehen, um die Zeit zwischen den beiden Briefen und um die erneute Kontaktaufnahme, die Paulus vorgenommen hat. Wir werden einige interessante Themen ansprechen. Bevor wir uns aber da ganz hineinbegeben, möchten wir Gott einladen, dass er unser Studium heute in besonderer Weise segnet.
[1:32] Lieber Vater im Himmel, hab Dank, dass wir wieder die Gelegenheit haben, dein Wort zu studieren. Es macht so viel Freude, dich besser kennenzulernen und dein Wort zu verstehen. Herr, wir möchten dich bitten, dass du uns hilfst, die Dinge wirklich so zu verstehen, wie du sie gemeint hast und wie sie sich in unserem Leben bewahrheiten. Wir möchten dich bitten, dass du uns deinen Heiligen Geist schenkst, dass du uns erfüllst mit aller Weisheit und dass du uns jetzt in die Dinge hineinführst, die für unseren Alltag entscheidend sein werden. Wir möchten dich bitten, dass du uns segnest nach deiner Verheißung und sei du unser Lehrer. Hab Dank dafür. Amen.
[2:15] 1. Korinther 16 hat einige organisatorische Punkte, die Paulus am Ende dieses Briefes noch anspricht. Einer betrifft die Sammlung. Es heißt in Vers 1: „Was aber die Sammlung für die Heiligen anbelangt, so sollt auch ihr so handeln, wie ich es für die Gemeinden in Galatien angeordnet habe.“ Es gibt eine besondere Sammlung für die Gläubigen in Jerusalem. Das kann man dann auch später in Römer 15, Vers 25 lesen: „Jetzt aber reise ich nach Jerusalem im Dienst für die Heiligen.“ Das schreibt Paulus übrigens im Römerbrief, als er noch einmal in Korinth gewesen ist.
[3:01] Vers 26: Es hat nämlich Mazedonien, also die Provinz Makedonien, und Achaja, der anderen südlichen Provinz, gefallen, eine Sammlung für die Armen unter den Heiligen in Jerusalem zu veranstalten. So sehen wir es dann auch in der Apostelgeschichte 24, Vers 17. Wir wissen aus dem Galaterbrief, aus Galater 2, Vers 10, dass Paulus damals, als er von den anderen Aposteln als Mitapostel anerkannt worden ist, auch den Auftrag bekommen hatte, bei aller Predigt des Evangeliums auch diese karitativen Aufgaben nicht zu vernachlässigen und für die Armen zu wirken. Galater 2, Vers 10: „Nur sollten wir an die Armen gedenken, und ich habe mich auch eifrig bemüht, dies zu tun.“ Also Paulus hat sich das wirklich zu Herzen genommen und er kommt jetzt auf die praktische Vorbereitung dieser Sammlung zu sprechen.
[3:53] Er sagt hier, dass er das, was er jetzt sagen wird, auch in Galatien angeordnet hat. Galatien war eine Gegend im Zentrum der heutigen Türkei. Paulus war auf dem Weg der dritten Missionsreise auch dort persönlich gewesen, wie uns Apostelgeschichte 18, Vers 23 zeigt, bevor er dann nach Ephesus kam, wo er eine ganze lange Zeit gewesen ist und wo er auch jetzt diesen Brief schreibt. 1. Korinther 16, Vers 2: Jetzt kommt die Anordnung selbst. „An jedem ersten Wochentag, also an jedem Sonntag, lege jeder unter euch etwas beiseite und sammle, je nachdem er Gedeihen hat, damit nicht erst dann die Sammlung durchgeführt werden muss, wenn ich komme.“ Die Sammlung soll also systematisch vorbereitet werden. Es soll nicht so sein, dass dann plötzlich Leute sagen: „Ah, wir würden gerne so viel geben, aber jetzt haben wir gerade das Geld woanders investiert und haben gar nicht so viel zur Hand“, sondern die Gläubigen sollen sich von langer Hand geplant vornehmen, wie viel sie geben möchten, und dann Stück für Stück das ansammeln. Jeden Sonntag etwas Geld bei sich zu Hause beiseitelegen, sodass der Paulus dann nur noch das bereits vorgesehene Geld entgegennehmen kann. Die Gabe soll sich nach dem Einkommen richten, so wie derjenige Gedeihen hat. Das ist natürlich eine faire Sache. Es sollen nicht alle gleich viel geben, sondern alle entsprechend ihren Möglichkeiten. Was vielleicht hier ganz kurz noch betont werden sollte: Es handelt sich dabei natürlich nicht um einen Gottesdienst. Es geht hier nicht um eine Gottesdienstkollekte, sondern um ein privates Geldzurücklegen zu Hause, um dann entsprechend vorbereitet zu sein.
[5:33] Vers 3: „Wenn ich aber angekommen bin, will ich die, welche ihr als geeignet achtet, mit Briefen absenden, damit sie eure Liebesgabe nach Jerusalem überbringen.“ Ich habe gerade gesagt, Paulus wird es an sich nehmen. Vielleicht war das gar nicht so gedacht, sondern bei seiner Ankunft sollten dann andere, nicht er selbst, dieses Geld nach Jerusalem bringen. Paulus hat das also gar nicht selbst in seine eigene Hand genommen. Die Korinther sollten selbst vertrauenswürdige Leute auswählen und Paulus hätte dann bestätigende Briefe mitgegeben.
[6:06] Vers 4: „Wenn es aber nötig ist, dass auch ich hinreise, sollen sie mit mir reisen.“ Die Möglichkeit ist also weiterhin offen, dass er auch selbst mitreisen wird. Und wir wissen aus Römer 15, Vers 25, dass das tatsächlich so eingetroffen ist, dass Paulus mit dieser Gabe nach Jerusalem gereist ist, wo er dann gefangen genommen worden ist und sich die ganze lange Geschichte mit der Reise nach Rom anschließen wird.
[6:35] Vers 5: „Ich werde aber zu euch kommen, wenn ich Makedonien durchzogen habe, denn durch Makedonien werde ich ziehen.“ Paulus kündigt sein Kommen an. Er wird aber zuvor noch durch die nördlich gelegene Provinz Makedonien, also im heutigen Nordgriechenland, ziehen und dabei andere Gemeinden besuchen. Da gibt es Gemeinden wie Philippi, Thessalonich oder Beröa.
[7:01] Dann teilt er hier weiter seine mittelfristigen Pläne mit. Vers 6: „Bei euch aber werde ich vielleicht verweilen, also etwas länger bleiben oder auch überwintern, damit ihr mich geleitet, wohin ich reise.“ Zu dem Zeitpunkt ist Paulus noch gar nicht sicher, ob er dann wieder nach Jerusalem zurückreist, sondern vielleicht hat er eine andere Reise vor. Auf jeden Fall erwägt er einen längeren Aufenthalt und möchte dann von den Geschwistern dort unterstützt werden für die nächste Reise, wohin auch immer sie gehen wird.
[7:30] Vers 7: „Denn ich will euch jetzt nicht nur im Vorbeigehen sehen, sondern ich hoffe, einige Zeit bei euch zu bleiben, wenn der Herr es zulässt.“ Er hat sich auf jeden Fall vorgenommen, genügend Zeit für Korinth einzuplanen, aber er weiß aus eigener Erfahrung: Wenn man sich Pläne macht, kann es sein, dass Gott andere Pläne hat. Wir lesen das in der Apostelgeschichte 16, Vers 6 bis 8: Als sie aber Phrygien und das Gebiet Galatiens durchzogen, wurde ihnen vom Heiligen Geist gewehrt, das Wort in der Provinz Asia zu verkündigen. Als sie nach Mysien kamen, versuchten sie nach Bithynien zu reisen, und der Geist ließ es ihnen nicht zu. Sie hatten Pläne gemacht und Gott hatte andere Pläne, weil er wollte sie nach Europa bringen, nach Makedonien und dann nach Achaja.
[8:15] Erinnern wir uns auch an Paulus' großen Wunsch, einmal nach Rom zu gehen. Er sagt es in Römer 1, Vers 13 ja auch: „Ich will euch aber nicht verschweigen, Brüder, dass ich mir schon oftmals vorgenommen habe, zu euch zu kommen. Ich wurde aber bis jetzt verhindert, um auch unter euch etwas Frucht zu wirken, gleich wie unter den übrigen Heiden.“ Paulus weiß, seine Pläne können durchkreuzt werden durch Dinge, die er nicht absehen kann. Und deswegen gilt natürlich auch für ihn wie für uns das, was Jakobus in Kapitel 4, Vers 13 schreibt: „Wohlan nun, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die und die Stadt reisen und dort ein Jahr zubringen, Handel treiben und Gewinn machen. Und doch wisst ihr nicht, was morgen sein wird. Denn was ist euer Leben? Es ist doch nur ein Dunst, der eine kleine Zeit sichtbar ist, danach aber verschwindet. Stattdessen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will und wir leben, wollen wir dies und das tun.“ Es ist zwar nicht verkehrt, grundsätzlich Pläne zu haben, aber wir sollten diese Pläne immer Gott übergeben und uns bewusst machen, dass Gott andere Pläne haben kann, als wir sie uns gemacht haben, und wir bereit sein müssen, die Pläne aus Gottes Hand zu nehmen. Das fällt uns manchmal nicht leicht, mir auch nicht. Aber Tatsache ist: Wenn wir die Bibel anschauen und unser eigenes Leben betrachten, dann wissen wir, Gottes Pläne sind am Ende immer viel besser als unsere. Wir müssen lernen, Gottes Pläne so zu nehmen, wie er sie uns Tag für Tag offenbart. Und das hat Paulus auf jeden Fall getan. Er sagte: Das ist meine Überlegung, mein Plan, wenn der Herr will, dann würde ich zu euch kommen und bei euch eine längere Zeit bleiben.
[10:11] Wir gehen zurück zu 1. Korinther 16, Vers 8: „Ich werde aber bis Pfingsten in Ephesus bleiben.“ Wir wissen natürlich nicht ganz genau, zu welchem Zeitpunkt er den Brief verfasst hat, aber er war schon in Ephesus und er sagt: Ich bleibe hier noch etwas. Warum? Vers 9: „Denn eine Tür hat sich mir aufgetan, weit und vielversprechend, und es gibt viele Widersacher.“ In Ephesus gibt es also ganz großartige Möglichkeiten. Das Evangelium verbreitet sich dort sehr schnell und sehr gut. Wir lesen in der Apostelgeschichte, dass die ganze Provinz Asia davon profitiert.
[10:49] Die Tatsache, dass sich Türen geöffnet haben für die Evangeliumsverkündigung, bedeutet aber nicht, dass es nicht auch zum Teil krassen Widerstand gibt. Paulus hat einiges zu erdulden. Wir erinnern uns letzte Woche an 1. Korinther 15, Vers 32: „Wenn ich als Mensch in Ephesus mit wilden Tieren gekämpft habe...“ Und wir lesen in der Apostelgeschichte natürlich auch von dem großen Aufruhr, der dort vonstatten ging. Im Umkehrschluss heißt das allerdings auch: Dass es Widerstände gibt, dass Leute sich mir und meiner Mission entgegenstellen, bedeutet nicht, dass Gott nicht Türen geöffnet hat. Wir dürfen nicht jeden Widerstand als eine geschlossene Tür missinterpretieren. Auch das können wir hieraus lernen.
[11:37] Vers 10: „Wenn aber Timotheus kommt, so seht zu, dass er ohne Furcht bei euch sein kann, denn er arbeitet im Werk des Herrn, wie ich auch.“ Paulus weist die Korinther an, sie sollen seinen Mitarbeiter Timotheus freundlich aufnehmen. Sie kennen ihn ja noch aus der Zeit, als Paulus dort die Gemeinde gegründet hat. In Apostelgeschichte 18, Vers 5 wird deutlich, dass auch er dort bei ihnen gewesen ist. Vers 11: „Darum soll ihn niemand geringschätzen. Geleitet ihn vielmehr in Frieden, damit er zu mir kommt, denn ich erwarte ihn mit den Brüdern.“ Angesichts der Tatsache, dass Paulus selbst von einigen in Korinth durchaus geringschätzig angesehen worden ist, so wie wir das in Kapitel 1 bis 4 sehen konnten, ist es nachvollziehbar, dass Paulus sich jetzt darum sorgt, ob sein Mitarbeiter Timotheus gut aufgenommen wird. Er macht ganz deutlich: Timotheus ist ein Mitarbeiter im Werk Gottes, so wie ich, und ihr sollt ihn achten und ihn unterstützen, damit er wieder zu Paulus zurückreisen kann.
[12:43] Vers 12: „Was aber den Bruder Apollos betrifft, den wir in den ersten Kapiteln so oft gesehen haben, oder von dem wir gehört haben, weil es dort in Korinth eine Partei gab, die sich an den Apollos gehängt hat, während andere sich an Paulus gehalten haben: So habe ich ihm viel zugeredet, mit den Brüdern zu euch zu kommen, doch er war durchaus nicht bereit, jetzt zu kommen. Er wird aber kommen, wenn er die rechte Gelegenheit findet.“ Paulus hatte sich sehr gewünscht, dass Apollos wieder an seine alte Wirkungsstätte nach Korinth zurückkehrt. Wir haben das bei den ersten Themen zu 1. Korinther ausführlich angeschaut. Paulus war zuerst in Korinth gewesen, hat die Gemeinde gegründet. Apollos kam dann später als jemand, der in Ephesus die vertiefenden Wahrheiten des Evangeliums kennengelernt hatte, und war dann als Missionar in Korinth, und dort hat es Spaltungen gegeben. Leute haben sich mehr an Apollos, mehr an Paulus oder dann an Kephas berufen. Apollos selbst war über diese Spaltung nicht glücklich und hat dann Korinth verlassen. Er wollte jetzt offensichtlich noch nicht zu schnell wieder zurückgehen, weil er diesen Parteigeist nicht unterstützen wollte. Wir können also von Apollos einiges lernen. Er war nicht nur sehr redegewandt und ein mächtiger Verkündiger, sondern er war auch, als er gesehen hat, dass Leute ihn über Gebühr loben und damit Streit auslösen, nicht bereit, das zu unterstützen. Er hat sich lieber zurückgezogen und woanders gewirkt. Und obwohl Paulus ihm gut zuredet, sagt er: Jetzt noch nicht. Er ist also nicht völlig dagegen, irgendwann mal wieder nach Korinth zu kommen, aber erst wenn die Zeit dafür aus seiner Sicht reif ist.
[14:27] Vers 13: „Wacht, steht fest im Glauben, seid mannhaft, seid stark.“ Hier haben wir noch mal eine weitere Aufforderung, geistlich stark zu bleiben, im Evangelium zu bleiben, so wie wir sie in 1. Korinther 15, Vers 58 gelesen haben: „Darum, meine geliebten Brüder, seid fest, unerschütterlich, nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist im Herrn.“ Also diese Aufforderung hier in 1. Korinther 16, Vers 13 betont den geistlichen Heldenmut, die Wachsamkeit, die Stärke, die geistliche Festigkeit.
[15:01] Aber dann kommt Vers 14 und macht das Bild rund: „Lasst alles bei euch in Liebe geschehen.“ Die theologische Wachsamkeit, der mannhafte Eifer, das theologische Festhalten an der Wahrheit muss sich mit echter göttlicher Liebe verbinden. Wenn die Liebe fehlt, nützt auch die theologische Erkenntnis nicht. Das haben wir in 1. Korinther 8, Vers 1 gesehen. Wir haben gesehen, dass dieses Thema, dass alles in Liebe geschehen muss, dass man auf den anderen achten soll, nicht den eigenen Nutzen suchen soll, sondern für die anderen da zu sein, ein Refrain ist, der durch den ganzen ersten Korintherbrief hindurchgeht und in 1. Korinther 13 kulminiert. Paulus hat es sicherlich vor Augen, wenn er zusammenfassend sagt: Was immer geschieht, sei es in der Frage des Fleischessens, sei es in der Frage der verschiedenen Evangelisten, die dort gewirkt haben – was immer es ist, tut alles in Liebe. Lasst die Liebe das leitende Motiv sein bei aller Wachsamkeit, bei allem mannhaften Eifer, bei aller theologischen Festigkeit. Nur dann ist es wirklich das wahre Evangelium.
[16:23] Vers 15 und 16: „Ich ermahne euch aber, ihr Brüder – ihr wisst, dass das Haus des Stephanas der Erstling von Achaja ist und dass sie sich dem Dienst an den Heiligen gewidmet haben.“ Stephanas war offensichtlich der erste getaufte Christ in der ganzen Provinz Achaja, also im Süden Griechenlands. Er war einer der wenigen in Korinth, die Paulus selbst getauft hat, wie wir in Kapitel 1, Vers 16 gelernt haben. Er und seine ganze Familie wurden damals getauft und sind jetzt aktiv im Dienst für die Gemeinde. Paulus ermahnt jetzt die Korinther: „Ordnet auch ihr euch solchen unter und jedem, der mitwirkt und arbeitet.“ Das ist also nicht nur eine Ermahnung spezifisch auf Stephanas, sondern grundsätzlich soll man sich als Gemeindeglied auch den Mitarbeitern unterordnen, die sich im Werk Gottes einsetzen. Das heißt nicht, dass man ihre Fehler kopieren soll oder Irrlehren glauben soll, aber es heißt, wenn Menschen vom Geist Gottes geführt sich einsetzen, dass man sich auch unterordnet und gemeinsam an einem Strang zieht. Auch ein wichtiger Punkt für unsere Gemeinden heute.
[17:54] Vers 17: „Ich freue mich aber über die Ankunft des Stephanas und Fortunatus und Achaikus, denn diese haben mir ersetzt, dass ich euch entbehren muss.“ Diese Korinther haben offensichtlich den Paulus in Ephesus besucht und ihm Nachrichten aus Korinth mitgebracht. Vers 18: „Denn sie haben meinen und euren Geist erquickt. Darum erkennt solche an.“ Diese Männer, Stephanas, Fortunatus, Achaikus, das waren ein Segen für den Paulus und für die Gemeinde. Die Gläubigen sollen anerkennen, wenn es Menschen gibt in der Gemeinde, die wirklich gesegnet sind und ein Segen für die Gemeinde sind, und sie entsprechend achten.
[18:38] Vers 19: „Es grüßen euch die Gemeinden in Asia.“ Paulus ist dort gerade aktiv am Wirken und alle nehmen Anteil an Korinth. „Weiter heißt es: Es grüßen euch vielmals im Herrn Aquila und Priszilla samt der Gemeinde in ihrem Haus.“ Das ist nicht verwunderlich, weil Aquila und Priszilla in Korinth waren, als Paulus dort als Missionar ankam. Sie kamen aus Rom, waren von Claudius ausgewiesen worden, das haben wir in Apostelgeschichte 18, Vers 1 lesen können. Aquila und Priszilla waren Menschen der ersten Stunde, als die Gemeinde in Korinth gegründet worden ist. Sie haben jetzt in Ephesus auch eine Hausgemeinde, wie wir hier hören. Vers 20: „Es grüßen euch alle Brüder. Grüßt euch untereinander mit einem heiligen Kuss.“ Das ist der allgemeine Gruß und die Aufforderung, sich untereinander durch dieses Zeichen des Kusses zu begrüßen. Dieser drückt sowohl große Herzlichkeit aus, deswegen Kuss, aber auch einen angemessenen Anstand, deswegen heiliger Kuss.
[19:43] Vers 21: „Das ist mein, des Paulus, handschriftlicher Gruß.“ Wie so oft hat Paulus diesen Brief gar nicht selbst geschrieben, sondern ihn diktiert und dann eigenhändig unterschrieben. Vers 22: „Wenn jemand den Herrn Jesus Christus nicht liebt, der sei verflucht.“ Das entscheidende Kriterium für die Mitgliedschaft in der Gemeinde und für die Erlösung überhaupt ist eine echte Liebe zu Jesus Christus. Wer diese nicht hat, wer Jesus Christus nicht aufrichtig liebt, der kann nicht gerettet werden. Und dann kommt ein berühmtes Wort, das wir auch heute noch gerne verwenden: „Maranatha“, sagen wir meistens, im Aramäischen ungefähr so ausgesprochen. Ein aramäischer Ausspruch, der höchstwahrscheinlich unter den aramäischsprachigen Christen in der Levante eine Art Losung gewesen sein könnte. „Mar“ ist der Herr auf Aramäisch, „Marana“ ist unser Herr, und das „tha“ heißt entweder „ist gekommen“ oder „wird kommen“ oder auch als Imperativ „komm“. Und das ist möglicherweise die beabsichtigte Bedeutung: „Unser Herr, komm.“ Das entspricht dann ziemlich genau dem, was wir am Ende der Offenbarung lesen. In Offenbarung 22, Vers 20: „Es spricht, der dies bezeugt: Ja, ich komme bald. Amen. Komm, Herr Jesus.“ Das entspricht innerlich genau diesem „Maranatha“ – unser Herr, komm. Ein Wunsch, dass Jesus Christus bald wiederkommen möge.
[21:30] Vers 23: „Die Gnade des Herrn Jesus Christus sei mit euch.“ Das ist ein Briefschluss, den es auch genauso in Römer 16, Vers 20 und 24 gibt. Und dann gibt es noch ein persönliches Schlusswort. Vers 24: „Meine Liebe mit euch allen in Christus Jesus. Amen.“ Paulus hat einen sehr intensiven Brief geschrieben mit sehr vielen Themen, auch vielem Tadel und vielen Dingen, die er korrigieren muss. Und jeder, der schon mal in der Gemeinde aus Liebe deutlich tadeln musste, weiß, dass man sich manchmal die Frage stellt: War das vielleicht zu doll? Bin ich zu deutlich gewesen? Und Paulus möchte auf gar keinen Fall, dass das Band zwischen ihm und den Korinthern reißt. Er hat geschrieben, aber er kennt jetzt noch nicht die Reaktion. Er weiß nicht, wie sie darauf reagieren werden, und so möchte er sie noch einmal versichern: Auch wenn ich deutlich geschrieben habe, auch wenn ich euch getadelt habe für so manchen Missstand, ich habe euch wirklich von Herzen gerne lieb. Erinnern wir uns an 1. Korinther 4, Vers 14 und 15: „Nicht zu eurer Beschämung schreibe ich das, sondern ich ermahne euch als meine geliebten Kinder. Denn wenn ihr auch zehntausend Lehrmeister hättet in Christus, so habt ihr doch nicht viele Väter, denn ich habe euch in Christus Jesus gezeugt durch das Evangelium.“ Er fühlt sich als geistlicher Vater für diese Gemeinde und er muss manchmal wie ein Vater deutlich eingreifen. Es ändert nichts an seiner Liebe für diese Gemeinde. Die Deutlichkeit des Tadels ist kein Beweis für Lieblosigkeit. Aber wir müssen tatsächlich, wenn wir deutlich tadeln, auch die gleiche tiefe, selbstaufopfernde Liebe an den Tag legen, die Paulus gehabt hat.
[23:21] Der Brief endet hier, und was in der Zwischenzeit zwischen dem ersten und zweiten Brief passiert, da gibt es nur wenige Bibelverse, die uns das skizzieren. Paulus bleibt noch etwas in Ephesus, wie er am Ende des Briefes angekündigt hat, und ist dann nach langem Aufenthalt weitergereist. Das heißt in Apostelgeschichte 20, Vers 1 und 2: „Nachdem sich aber der Tumult gelegt hatte, rief Paulus die Jünger zu sich, und als er Abschied von ihnen genommen hatte, zog er fort, um nach Makedonien zu reisen. Und nachdem er jene Gebiete durchzogen und sie mit vielen Worten ermahnt hatte, kam er nach Griechenland.“ Sehr kurz zusammengefasst. Aber wir können tatsächlich noch ein bisschen mehr herausfinden, wenn wir den zweiten Korintherbrief dazunehmen. 2. Korinther 2, Vers 12: „Als ich aber nach Troas kam, um das Evangelium von Christus zu verkündigen – also von Ephesus an die Westküste der heutigen Türkei – und mir eine Tür geöffnet war im Herrn, also er hat eine Möglichkeit, das Evangelium effektiv zu verkündigen, aber er kann dort nicht lange bleiben.“ Er trifft dann – und das werden wir sehen, wenn wir den zweiten Korintherbrief weiter studieren – auf dem Weg Richtung Griechenland, Richtung Achaja, Titus, der ihm eine Nachricht bringt. Titus ist in Korinth gewesen und bringt die Nachricht, dass die Korinther den Brief gut aufgenommen haben. Und das war Balsam auf seine Seele, weil er ja nicht wusste: Werden sie das annehmen? Werden sie den Tadel annehmen? Werden sie sich bekehren an den Punkten, die er angesprochen hat? Oder werden sie sich weiter von ihm wegbewegen, abdriften und am Ende vielleicht verloren gehen für die Gemeinde Gottes? Bevor er also den zweiten Brief schreibt, erhält er die Nachricht: Der erste Brief hat wirklich gut getan in Korinth, hat sein Ziel in vielen Punkten erreicht, und Titus kann ihm das versichern.
[26:02] Mit diesem Hintergrund können wir uns jetzt an den zweiten Korintherbrief heranbegeben und uns heute noch das erste Kapitel anschauen, das Paulus jetzt auf dem Weg, mittlerweile schon in Europa, wahrscheinlich irgendwo in der Provinz Makedonien, schreibt als Vorbereitung auf sein baldiges Erscheinen in Korinth.
[26:33] 2. Korinther 1, Vers 1: „Paulus, Apostel Jesu Christi durch Gottes Willen, und Timotheus, der Bruder, an die Gemeinde Gottes, die in Korinth ist, samt allen Heiligen, die in ganz Achaja sind.“ Wenn man das vergleicht mit dem Beginn des ersten Briefes, fällt natürlich auf, dass jetzt hier Timotheus erwähnt ist und nicht mehr der sonst nicht weiter genau erklärte Sosthenes in 1. Korinther 1, Vers 1. Der Brief richtet sich hier natürlich an die Gläubigen in Korinth, aber auch an alle Christen in der ganzen Provinz Achaja. Vers 2: „Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.“ Das ist identisch, derselbe Briefgruß wie in 1. Korinther 1, Vers 3. Paulus hat das immer grundsätzlich als Gruß gehabt, dass er den Gemeinden Gnade und Frieden von Gott und von Jesus wünscht.
[27:33] Vers 3: Der Brief beginnt jetzt mit einem echten, tief empfundenen Lob. „Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.“ Wir haben gesehen, dass Paulus seine Briefe oft mit einem Dank beginnt, und hier ist es jetzt ein ganz besonderes Lob: „Der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes.“ Paulus lobt Gott den Vater für all die Barmherzigkeit und den Trost, den er selbst auch empfangen hat. Vers 4: „Der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden.“ Paulus hat selbst erfahren, wie Gott tröstet, und er kann deswegen auch andere trösten. Wenn Gott uns also tröstet, dann immer auch, damit wir mit dieser Erfahrung für andere da sein können.
[28:32] Vers 5: „Denn wie die Leiden des Christus sich reichlich über uns ergießen, so fließt auch durch Christus reichlich unser Trost.“ Paulus hat im Dienst sehr viel Leid erlebt, und er war sich bewusst, dass er dieses Leid nicht erlebt, weil Gott nicht aufpasst, sondern weil Jesus auf der Erde auch gelitten hat und so seine Nachfolger ebenfalls leiden werden. Matthäus 10 hat das angedeutet, Jesus in seiner Predigt zu den Jüngern, die er aussendet in das Missionsfeld. Er sagt dort in Vers 24 und 25: „Der Jünger ist nicht über dem Meister, noch der Knecht über seinem Herrn. Es ist für den Jünger genug, dass er sei wie sein Meister und der Knecht wie sein Herr. Haben sie den Hausherrn Beelzebul genannt, wie viel mehr seine Hausgenossen.“ Paulus weiß, Jesus nachzufolgen bedeutet, sich der Feindschaft der Welt auszusetzen, und das bedeutet Leid in vielen Facetten. Aber er sagt: So wie das Leid, das auch Christus erlebt hat, sich über uns ergießt, und zwar reichlich, so fließt auch durch Christus reichlich unser Trost. Wir haben durch denselben Jesus auch großen Trost. Wir leiden zwar als Nachfolger Jesu, werden aber im gleichen Maße auch reich getröstet.
[29:48] Vers 6: „Haben wir Bedrängnis, so geschieht es zu eurem Trost und eurer Rettung, die sich wirksam erweist in standhafter Erduldung derselben Leiden, die auch wir leiden. Werden wir getröstet, so geschieht es zu eurem Trost und eurer Hoffnung.“ Paulus sagt: Egal, ob ich selbst Leid erlebe oder getröstet werde, all das ist ein Segen für euch in Korinth. Wenn ich leide, dann werdet ihr insofern getröstet, als ihr wisst: Ihr seid nicht alleine mit eurem Leid, ihr seid nicht alleine mit euren Anfechtungen, sondern ihr seht, dass es auch mir, dem Paulus, ganz ähnlich geht, und ihr seht, dass Gott für mich eintritt und mich rettet. Und dann erweist sich das als wirksam. Es führt dazu, dass ihr standhaft ausharrt in denselben Leiden. Das standhafte Ausharren, Offenbarung 14, Vers 12, das sich bei den Endzeitgläubigen zeigt, wird also, wenn wir diesen Vers hier ernst nehmen, auch dadurch Realität, dass wir sehen, wie Gott im Leben von anderen, die leiden, wirkt. Wenn wir sehen, wie Gott andere tröstet, wenn wir sehen, dass im Leid Gott ihnen nahe gewesen ist und sie nicht verlassen hat, dann bewirkt das in uns, dass auch wir standhaft ausharren, wenn wir ähnliches oder gleiches Leid erleben.
[31:12] Vers 7: „Und unsere Hoffnung für euch ist gewiss, da wir wissen: Gleichwie ihr Anteil an den Leiden habt, so auch am Trost.“ Paulus macht sich in dieser grundsätzlichen Frage keine Gedanken. Er sagt: Ich habe wirklich gute Hoffnung für euch als Gemeinde, weil, obwohl ihr zwar auch leidet, habt ihr auch Anteil an demselben Trost, den unser Vater im Himmel uns gibt. Er weiß, die Gläubigen leiden zwar auch mit, aber sie werden auch getröstet. Das Evangelium sagt uns nirgendwo, dass wir nie Schwierigkeiten haben werden. Das Evangelium der Bibel sagt uns nicht, dass es nie Probleme geben wird, aber es sagt uns auch: Selbst wenn wir reichlich leiden, wird Gott uns reichlich trösten. Und ich denke, es lohnt sich, an diesem Gedanken wirklich festzuhalten.
[32:02] 2. Korinther 1, Vers 8: „Denn wir wollen euch, Brüder, nicht in Unkenntnis lassen über unsere Bedrängnis, die uns in Asia widerfahren ist, dass wir übermäßig schwer zu tragen hatten, über unser Vermögen hinaus, sodass wir selbst am Leben verzweifelten.“ Paulus erzählt ihnen jetzt, welche schwere Zeit hinter ihm liegt. Er war ja fast drei Jahre in Ephesus gewesen, und dort hat sich das Evangelium zwar massiv ausgebreitet, die ganze Provinz Asia hatte davon profitiert, wie uns Apostelgeschichte 19, Vers 10 zeigt, aber es hat auch massiven Widerstand gegeben. Wir haben letztes Mal in 1. Korinther 15 von dieser Gefahr gelesen, Vers 32: „Wenn ich als Mensch in Ephesus mit wilden Tieren gekämpft habe...“ Und wir haben in Apostelgeschichte 19 einen Bericht von so einem großen Auflauf, einem Aufruhr, der ganz am Ende seiner Zeit in Ephesus noch stattgefunden hat. Auf jeden Fall sagt Paulus: Das war so krass, das Wasser stand mir so bis zum Hals, ich habe nicht gedacht, dass ich da noch lebend rauskomme.
[33:02] Vers 9: „Ja, wir hatten in uns selbst schon das Todesurteil, damit wir nicht auf uns selbst vertrauten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt.“ Paulus hatte tatsächlich schon den Eindruck, er wird hier möglicherweise in Ephesus sterben, und hat sich dann ganz auf Gott verlassen, der die Toten auferweckt. Das ist vielleicht sogar ein Hinweis noch einmal auf 1. Korinther 15, wo Paulus so ausführlich über die Totenauferstehung gesprochen hat und dort auch deutlich geschrieben hat, dass, wenn die Toten nicht auferstehen, es keinen Sinn machen würde, sich so viel abzumühen und in solche Gefahr zu begeben. Aber weil er weiß, es gibt eine Totenauferstehung, kann er das schreiben.
[33:46] Vers 10: „Er hat uns denn auch aus solch großer Todesgefahr gerettet und rettet uns noch, und wir hoffen auf ihn, dass er uns auch ferner retten wird.“ Wenn man das hier liest, hat man den Eindruck, vielleicht ist das doch in 1. Korinther 15, Vers 32 mit den wilden Tieren real so gewesen. Das können wir nicht mehr genau rekonstruieren. Auf jeden Fall muss es sehr gefährlich gewesen sein, und wir können uns sicher sein, dass es in Ephesus auch Gefahren gab, die in dem kurzen Bericht, den wir in der Apostelgeschichte haben, nicht aufgeschrieben worden sind. Er sagt und bezeugt: Gott hat ihn aus großer Gefahr gerettet. Das war für ihn kein Einzelfall, denn er wird immer wieder aus Todesgefahr gerettet. Er sagt an anderer Stelle einmal, was er alles erlebt hat: gesteinigt worden, Schiffbruch erlitten und viele andere Dinge. Und aus diesen Erfahrungen, die er gemacht hat, immer wieder, dass Gott für ihn da ist, schöpfte er die Hoffnung und den Mut, dass Gott auch in der Zukunft für ihn da sein wird. Wir wissen zwar nicht, was die Zukunft bringt, aber wir können sehen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat. Und wie jemand mal so wunderbar gesagt hat: Wir haben nichts für die Zukunft zu befürchten, es sei denn, wir vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat. Das gilt für unser persönliches Leben, für unsere Familien, für unsere Gemeinden, für unsere weltweite Gemeinde. Wenn wir das nicht vergessen, dann haben wir Hoffnung und Zuversicht, dass er auch in der Zukunft weiter für mich und für dich wirken wird. Lass uns festhalten und das wirklich im Herzen im Glauben annehmen.
[35:27] Vers 11: „Wobei auch ihr mitwirkt durch eure Fürbitte für uns, damit wegen der von vielen Personen für uns erbetenen Gnadengabe auch von vielen gedankt werde um unseretwillen.“ Paulus weiß natürlich, die Korinther haben auch für ihn gebetet und das hat auch einen Unterschied gemacht. Sie und viele andere Gläubige haben um seine Rettung gebetet. Und Paulus sagt jetzt: Weil ich gerettet worden bin, habt ihr als Korinther und viele andere einen Grund, deswegen Gott zu loben und zu danken.
[36:00] Vers 12: „Denn dies ist unser Ruhm, das Zeugnis unseres Gewissens, dass wir in Einfalt und göttlicher Lauterkeit, nicht in fleischlicher Weisheit – wir haben das schon viel in 1. Korinther 1 und 2 gelesen –, sondern in göttlicher Gnade gewandelt sind in der Welt, besonders aber bei euch.“ Der Ruhm, den Paulus für sich in Anspruch nimmt, ist sein unverletztes Gewissen. Er sagt das auch später in der Apostelgeschichte 24, Vers 16, wo er in seiner Verteidigungsrede vor Felix sagt: „Daher übe ich mich darin, allezeit ein unverletztes Gewissen zu haben gegenüber Gott und den Menschen.“ Und das ist ihm ganz wichtig, ein reines Gewissen zu haben. Das macht er natürlich nicht durch eigene Kraft, das geschieht durch das Kreuz Jesu, denn das Blut Jesu reinigt unser Gewissen, wie der Hebräerbrief uns so wunderschön sagt.
[37:12] In Kapitel 9, Hebräer 9, Vers 14: „Wie viel mehr wird das Blut des Christus, der sich selbst durch den ewigen Geist als ein makelloses Opfer dargebracht hat, euer Gewissen reinigen von Totenwerken, damit ihr dem lebendigen Gott dienen könnt.“ Paulus kann dem lebendigen Gott dienen, weil er es zugelassen hat, dass das Blut Jesu sein Gewissen gereinigt hat, und er möchte dieses Gewissen auch rein erhalten. Er lebt in Einfalt. Das bedeutet nicht irgendwie Dummheit, wie wir das manchmal heute verwenden, sondern es bedeutet ganz wörtlich: Wenn etwas nur einmal gefaltet ist, dann ist es einfach. Es hat keinen doppelten Boden. Es ist nicht irgendwie so: Ich sage das, meine aber eigentlich noch das und will dir noch irgendwas anderes, was du nicht weißt, sondern wirklich durchschaubar, einfach. Das Wort, was er damit sagen möchte, das, was ich sage, das meine ich auch. Da ist keine Zwischenschicht. Und nicht in fleischlicher Weisheit. Er erinnert daran, dass er auch gerade in Korinth diesen Lebenswandel ihnen gezeigt hat. Sie können sich daran erinnern, wie er die Gemeinde gegründet hat und dass er tatsächlich mit göttlicher Gnade bei ihnen gelebt hat und in Lauterkeit und dass wirklich Gottes Charakter in ihm auch sichtbar gewesen ist.
[38:32] Vers 13: „Denn wir schreiben euch nichts anderes, als was ihr lest oder auch erkennt.“ Das ist im Griechischen ein Wortspiel. Das kann man jetzt im Deutschen nicht so wiedergeben. „Ich hoffe aber, dass ihr uns auch vollständig erkennen werdet.“ Er möchte deutlich machen: Was ihr lest und was ihr erlebt bei mir, das ist alles das Gleiche. Ihr sollt nicht denken, dass ich das eine sage, aber dann etwas anderes tue. Und ich hoffe, dass ihr mich wirklich kennenlernt und versteht und seht, dass das wirklich auch mein Charakter ist.
[39:03] Vers 14: „Wie ihr uns zum Teil schon erkannt habt, nämlich, dass wir euch zum Ruhm gereichen, so wie auch ihr uns am Tag des Herrn Jesus.“ Er wünscht sich, dass die Gläubigen, die ihn schon teilweise kennengelernt haben, ihn noch besser kennenlernen, damit sie verstehen, dass es sich nicht um ihn selbst dreht, sondern sein ganzes Streben, sein ganzer Wunsch besteht darin, dass die Korinther einmal bei der Wiederkunft Jesu vorbereitet sein werden. Das ist ein großer Wunsch, und das sehen wir auch beim ersten Thessalonicherbrief in 1. Thessalonicher 2, Vers 19 und 20: „Denn wer ist unsere Hoffnung oder Freude oder Krone des Ruhms? Seid nicht auch ihr es vor unserem Herrn Jesus Christus bei seiner Wiederkunft? Ja, ihr seid unsere Ehre und Freude.“ Paulus möchte also mit anderen Worten sagen: Wenn ich euch schreibe, wenn ich bei euch bin, hat es immer einen einfachen Grund. Ich möchte, dass ihr einmal den Himmel und die neue Erde erleben könnt, und ihr könnt darauf vertrauen, dass ich nichts anderes im Schilde führe.
[40:15] Vers 15: „In dieser Zuversicht nahm ich mir vor, zuerst zu euch zu kommen, damit ihr eine weitere Gnade empfangt.“ Er erklärt jetzt, warum es eine Planänderung gegeben hat. Möglicherweise gab es einige in Korinth, die verstimmt darüber waren, dass der ursprüngliche Plan, wie er angekündigt war, so nicht umgesetzt worden ist. Er sagt: Ich habe mir vorgenommen, zuerst nach Korinth zu kommen, Vers 16, und über euch durchzureisen nach Makedonien und von Makedonien wieder zu euch zu kommen, um von euch nach Judäa geleitet zu werden. Also sein ursprünglicher Plan war es wohl, von Ephesus erst nach Korinth zu kommen, in den Süden Griechenlands, und von dort dann nach Makedonien und dann wieder nach Süden, nach Achaja, zurück nach Korinth und von dort nach Judäa, um das Geld nach Jerusalem zu bringen. Die Frage ist jetzt natürlich: Sind das die ursprünglichen Pläne? Weil wir in 1. Korinther 16, Vers 5 und 6 schon gelesen haben: „Ich werde aber zu euch kommen, wenn ich Makedonien durchzogen habe, denn durch Makedonien werde ich ziehen. Bei euch aber werde ich vielleicht verweilen und euch auch überwintern, damit ihr mich geleitet, wohin ich reise.“ Es macht den Eindruck, als ob das, was er hier in 2. Korinther 1 andeutet, der ursprüngliche Plan war, der mal kommuniziert war, und er dann mit 1. Korinther 16 ankündigt, dass er es doch anders reisen wird, dass er doch erst nach Makedonien reisen wird und dann über den Norden Griechenlands zu ihnen kommen wird. Das hat möglicherweise zu Enttäuschung bei einigen in Korinth geführt.
[41:55] Vers 17: „Habe ich nun leichtfertig gehandelt, als ich mir dies nahm? Oder mache ich überhaupt meine Pläne nach dem Fleisch, sodass bei mir das Ja, Ja und Nein, Nein wäre?“ Offenbar hat es wohl Leute in Korinth gegeben, die ihm vorgeworfen haben, nicht zu seinem Wort zu stehen, deswegen er auch noch mal in Vers 12 bis 14 auf seinen Charakter hinweist und auf seine Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit, die er auch bei ihnen selbst, als er damals die Gemeinde gegründet hat, gezeigt hat. Dieses „Ja, Ja und Nein, Nein“, das erinnert natürlich an die berühmten Worte Jesu aus der Bergpredigt, wo Jesus uns aufgefordert hat, wirklich auch, wenn wir Ja sagen, Ja zu meinen, und wenn wir Nein sagen, Nein zu meinen. Matthäus 5, Vers 37: „Es sei aber eure Rede: Ja, Ja; Nein, Nein. Was darüber ist, das ist vom Bösen.“ Jesus hat deutlich gesagt: Wenn wir ein Ja sagen, dann soll auch wirklich Ja gemeint sein. Wir können nicht Ja sagen und dann später sagen: „Ah, es war so ein Ja mit Fußnote, vielleicht unter Umständen.“ Entsprechend finden wir auch eine ganz ähnliche Aussage bei Jesu Bruder Jakobus in Kapitel 5, Vers 12: „Vor allem aber, meine Brüder, schwört nicht, weder bei dem Himmel noch bei der Erde noch mit irgendeinem anderen Eid, sondern euer Ja sei ein Ja und euer Nein ein Nein, damit ihr nicht unter ein Gericht fallt.“
[43:27] Paulus geht jetzt offensichtlich auf Vorwürfe ein, dass sein Ja angeblich ein Nein gewesen sei. Er hätte also etwas angekündigt und dann nicht durchgezogen. Und so fragt er: Habe ich nur leichtfertig gehandelt? Oder mache ich überhaupt meine Pläne nach dem Fleisch? Sein Punkt ist hier, dass er, wie wir uns erinnern können, 1. Korinther 16, bei all seinen Plänen ja nicht einfach nur einen menschlichen Plan macht, sondern sich immer bewusst ist: Es könnte auch anders kommen. Er hat es ja entsprechend auch gesagt in 1. Korinther 16, Vers 7: „Denn ich will euch jetzt nicht nur im Vorbeigehen sehen, sondern ich hoffe, einige Zeit bei euch zu bleiben, wenn der Herr es zulässt.“ Wenn Paulus seine Pläne kommuniziert hat, dann hat er das nie so getan: „Ich werde auf jeden Fall, komme was wolle, bei euch sein“, sondern es ist immer mit dem Verständnis: „Wenn der Herr es will.“ Es sind nicht Pläne nach dem Fleisch, sondern es sind Überlegungen, Gedanken, Pläne, die er dem Herrn vorlegt, und der Herr kann Dinge entsprechend auch ändern.
[44:55] Vers 18: „Doch Gott ist treu, sodass unser Wort an euch nicht Ja und Nein gewesen ist.“ Paulus hat sich in seinen früher kommunizierten Plänen nicht eindeutig festgelegt, und er macht ganz deutlich: Ich habe euch nicht irgendwie hinters Licht geführt. Ich mache keine Pläne nach dem Fleisch. Das heißt, ich behaupte nicht einfach irgendwas felsenfest, um dann plötzlich als Lügner dazustehen, sondern diese Pläne, die er ankündigt, sind immer so zu verstehen, wie es in der Apostelgeschichte auch zu sehen ist und wie er es hier in 1. Korinther 16 gesagt hat: „Wenn der Herr es will.“
[45:32] Vers 19: „Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der durch uns unter euch verkündigt worden ist, durch mich und Silvanus – also Silas – und Timotheus, der war nicht Ja und Nein, sondern in ihm ist das Ja geschehen.“ Paulus wendet jetzt den Blick weg von sich hin auf Jesus, denn er war ja in Korinth damals schon bei der Gemeindegründung einfach nur deswegen da, um Christus zu verkündigen. Um ihn geht es, und auf Jesus können wir uns immer hundertprozentig verlassen. Wenn Jesus Ja sagt, dann ist das immer ein Ja. Das ist kein „vielleicht“ oder „doch nicht“. Nein, auf Jesu Ja können wir uns verlassen.
[46:23] Und dann kommt Vers 20, ein besonders wertvoller und wunderschöner Text: „Denn so viele Verheißungen Gottes es gibt – mit anderen Worten, jede Verheißung im Alten und Neuen Testament, wo immer sie ist –, in ihm ist das Ja und in ihm auch das Amen, Gott zum Lobe durch uns.“ Jede Verheißung wird, wenn sie im Glauben an Jesus angenommen wird, eine feste Zusage. Es ist kein „vielleicht, eventuell könnte passieren“, sondern in Christus ist es ein Ja. Durch Jesus wird jedes Versprechen Gottes, jede Verheißung Gottes an uns tatsächlich erfüllt. Und in ihm ist das Amen. Das erinnert uns auch an Offenbarung 3, Vers 14, wo Jesus auch der Amen genannt wird.
[47:21] Vers 21: „Gott aber, der uns zusammen mit euch in Christus festgegründet und uns gesalbt hat.“ Also Gott hat sowohl Paulus als auch die Korinther in Christus festgemacht, festgegründet, ihnen den Heiligen Geist gegeben als Salbung. Vers 22: „Er hat uns auch versiegelt und das Unterpfand des Geistes in unsere Herzen gegeben.“ Er hat ihnen den Heiligen Geist quasi als eine Anzahlung auf die Ewigkeit jetzt schon gegeben. Diesen gleichen Gedanken finden wir auch in Epheser 1, Vers 13 und 14. Dort heißt es: „In ihm seid auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eurer Errettung, gehört habt – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der Verheißung, der das Unterpfand unseres Erbes ist, bis zur Erlösung des Eigentums zum Lob seiner Herrlichkeit.“
[48:19] Vers 23: „Ich berufe mich aber auf Gott als Zeugen für meine Seele, dass ich um euch zu schonen noch nicht nach Korinth gekommen bin.“ Er erklärt jetzt: Es war keine Vergesslichkeit. Er hat auch seine Pläne nicht irgendwie durcheinandergebracht. Es war auch keine Unzuverlässigkeit, sondern was ihn abgehalten hatte, nach Korinth bisher zu kommen, war der Wunsch, die bestmögliche Entscheidung für sie zu fällen. Er ruft Gott dazu als Zeugen. Er sagt: Ich wollte euch schonen. Ich dachte, es wäre besser, wenn ich jetzt noch nicht komme, sondern erst etwas später.
[48:56] Und dann kommt ein sehr interessanter und sehr wichtiger und schöner Vers, denn es heißt hier Vers 24: „Nicht, dass wir Herren sein wollten über euren Glauben, sondern wir sind Gehilfen eurer Freude, denn ihr steht fest im Glauben.“ Paulus möchte kein Diktator des Glaubens sein. Er will nicht mit Zwangsmaßnahmen die Gemeinde gegen ihren Willen reformieren, sondern er möchte ihr wirklich helfen, sodass sie aus eigenen freien Stücken den guten Weg erkennt und geht. Und deswegen kommt er nicht schnell und versucht da alles gerade zu rücken, sondern er lässt sich Zeit. Und diejenigen, die jetzt seine Zurückhaltung falsch interpretieren, die sagen: „Ah, man kann sich auf sein Wort nicht verlassen“, die irren. Paulus sagt: Ich möchte das Beste für euch. Wenn ich das Beste für euch möchte, habe ich mir überlegt, ich warte. Ich komme ja zu euch, aber ich warte noch ein bisschen. Und es zeigt sich, dass das die richtige Entscheidung war.
[49:59] „Ihr steht fest im Glauben.“ Das erinnert uns an 1. Korinther 15, Vers 1 und 2: „Ich erinnere euch aber, ihr Brüder, an das Evangelium, dass ich euch verkündigt habe, dass ihr auch angenommen habt, indem ihr auch feststeht, durch das ihr auch gerettet werdet, wenn ihr an dem Wort festhaltet, dass ich euch verkündigt habe.“ Paulus sagt: Ich weiß, ihr kennt das Evangelium. Im neuen Bund bin ich kein Guru. Er möchte kein Guru sein, der ihnen alles vorschreibt, sondern das Ziel des neuen Bundes ist ja, dass jeder Gläubige aufgrund echter Sündenvergebung Jesus persönlich kennt und eine persönliche Beziehung zu Gott hat, sodass er sein Gesetz in unsere Herzen schreiben kann.
[50:44] So steht es in Hebräer 8, Vers 10 bis 12, womit wir heute enden wollen: „Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel schließen werde nach jenen Tagen, spricht der Herr: Ich will ihnen meine Gesetze in den Sinn geben und sie in ihre Herzen schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein. Und es wird keiner mehr seinen Nächsten und keiner mehr seinen Bruder lehren und sagen: Erkenne den Herrn! Denn es werden mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten unter ihnen, denn ich werde gnädig sein gegen ihre Ungerechtigkeiten, und an ihre Sünden und ihre Gesetzlosigkeiten werde ich nicht mehr gedenken.“ Paulus möchte nicht als Oberdiktator gegen den Willen der Korinther da alles bereinigen. Er möchte ihnen Zeit lassen, damit sie vom Geist Gottes angesprochen sehen, dass das, was er ihnen geschrieben hat, wirklich wichtig ist. Er möchte, dass die Buße und die Umkehr wirklich Zeit bekommt und Frucht bringt, sodass, wenn er dann zu ihnen kommt, es ein profitables Treffen sein wird. Paulus hat nicht einfach leichtfertig Pläne umgeschmissen, aber er hat auch verstanden, dass es etwas Wichtigeres gibt, als einfach nur einen einmal gemachten Plan gedankenlos durchzuziehen, sondern man muss alle Pläne Gott vorlegen und dann ihn fragen, was das Beste ist. Und eins ist sicher: Gottes Verheißungen sind in Christus immer Ja.
[52:03] In diesem Sinne möchte ich mir vornehmen, fest zu glauben, dass in Christus Jesus jede einzelne Verheißung Gottes ein festes, ein unverbrüchliches, ein zuverlässiges Ja ist. Ich möchte mir auch vornehmen, das Werk Gottes systematisch zu fördern, nicht nur schnell, wenn ich gerade etwas greife, sondern mit mehr Systematik. Ich möchte mir vornehmen, dass alles in Liebe geschehen soll. Alle Eifer, alle Dankbarkeit, alle Festigkeit, alles Wachsamsein, alles soll in Liebe geschehen. Auch in meinem Leben. Ich möchte dankbar sein für den vielen Trost, den Gott inmitten so mancher Anfechtung und Schwierigkeit schenkt. Ich möchte an Jesus Christus festhalten, der das Ja für jede Verheißung ist, der Amen, der sich uns auch der Gemeinde lauter so vorstellt. Ist das auch dein Wunsch? Dann wollen wir noch gemeinsam mit einem Gebet enden.
[53:07] Lieber Vater im Himmel, hab Dank, dass wir Jesus haben, dass in ihm und durch ihn jedes deiner Versprechen in unserem Leben sich erfüllt. Herr, vergib uns, dass wir das oft gar nicht wirklich bedenken, dass wir oft nur auf uns schauen, auf unsere Gefühle schauen, auf die Umstände, die Schwierigkeiten. Aber danke, Herr, dass du auch bei allen Schwierigkeiten, die wir haben, uns reichlich tröstest und dass du für uns da bist. Und Herr, wir wollen festhalten an dir, wollen lernen, aus freien Stücken dir zu folgen, das Evangelium selbst zu verstehen, nicht einfach nur einem Guru zu folgen, sondern vielmehr das Wort Gottes an uns wirken lassen, bis wir zur Einsicht gelangen, dass das, was es an uns tadelt und was es uns sagt, dass es daran immer recht hat. Herr, wir möchten dich bitten, dass du uns segnest und dass du uns auch bei dem weiteren Studium dieses zweiten Korintherbriefes noch tiefe Einsichten in dein Wesen und in deinen Plan für uns schenkst. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.
[54:17] Nächste Woche wollen wir dann weitermachen im zweiten Korintherbrief, einige spannende Kapitel uns anschauen, und bis dahin wünschen wir euch Gottes reichen Segen und viel Freude im Studium seines Wortes. Amen.