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Funde & Fakten

Archäologie trifft Bibelgeschichte: Christopher Kramp stellt in Funde & Fakten echte Ausgrabungen und historische Entdeckungen vor – von den Schriftrollen vom Toten Meer bis zu König Davids Königreich. Kompakt, spannend und erhellend.

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In dieser Folge von „Funde & Fakten“ untersucht Christopher Kramp einen unscheinbaren Stein aus Tel Eton, der als faszinierendes Indiz für eine tiefgreifende religiöse Reformation im biblischen Juda dient. Anhand archäologischer Spuren eines zerstörten Vierraumhauses beleuchtet das Video die historischen Ereignisse rund um den Feldzug Sanheribs und zeigt, wie moderne Funde die biblische Überlieferung lebendig werden lassen.


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Serie: Funde & Fakten

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Transkript

[0:05] [Musik]

[0:17] Hast du schon mal den Eindruck gehabt, es muss sich wirklich etwas ändern in deinem Leben? Du brauchst eine wirkliche Reform, eine Reformation. In diesem Video wollen wir uns brandaktuelle, frische archäologische Hinweise anschauen auf eine solche tiefgreifende Reformation in biblischen Zeiten. Und damit herzlich willkommen zu Funde & Fakten.

[0:41] Es geht heute um diesen Stein. Auf den ersten Blick scheint er nicht besonders zu sein. Er hat keine Inschrift. Er sieht nicht besonders schön aus, jetzt nicht mal irgendwie gerade gehauen. Ein ganz gewöhnlicher Stein. Man würde vielleicht gar nicht denken, dass der irgendwie eine Bedeutung hat, und doch ist er ein ganz wichtiges Indiz für die Sache, um die es heute geht. Gefunden wurde er bei Ausgrabungen in Tel Eton, das ist im heutigen südlichen Israel gelegen, unter der Leitung von Professor Avraham Faust. Er ist Professor für Archäologie an der Bar-Ilan-Universität in Israel.

[1:31] Bei den Ausgrabungen ging es vor allem – oder was uns heute hier besonders beschäftigen soll – um dieses Vierraumhaus. So ein Vierraumhaus ist eine ganz typische Bauform im alttestamentlichen Israel und gebaut worden ist es ungefähr – kann man natürlich nicht aufs Jahr genau sagen, aber ungefähr gegen Ende des 11. oder Anfang des 10. Jahrhunderts vor Christus. Dahin weisen die Datierungsmethoden. Das Haus ist offensichtlich mehrmals umgebaut worden und war dann zum Teil auch recht luxuriös, dafür, dass es sich um einen relativ kleinen Ort dort im Königreich Juda gehandelt hat.

[2:05] Man kann ziemlich genau sagen, dass dieses Haus im 8. Jahrhundert vor Christus zerstört worden ist durch Feuer. Und damit ist eigentlich klar, es kann sich nur um den berühmten Feldzug von Sanherib handeln, der 701 vor Christus im Wesentlichen das ganze Königreich Juda – mit Ausnahme von Jerusalem – mehr oder weniger dem Erdboden gleichgemacht hat. Diese Zerstörung mit Feuer ist archäologisch sehr gut nachweisbar, auch bei diesem Haus. Und hier in diesem Haus hat man im größten Raum diesen Stein gefunden, der dort auf dem Boden lag. Viel größer als die anderen. Man hat zuerst einmal gar nicht richtig gewusst, was es damit auf sich hat. Gefunden wurde er schon vor einigen Jahren bei den Ausgrabungen 2014 und 2015. Und man hat auf dem Stein dort im größten Raum des Hauses noch einen Kochtopf oben drauf gefunden und man war, wie gesagt, sich nicht ganz im Klaren, was man eigentlich davon zu halten hat.

[3:11] Bis jetzt eine neue Studie vor einigen Wochen im Grunde genommen eine sehr interessante und logische Erklärung gebracht hat. Es handelt sich nämlich um eine sogenannte Mazsebe. Das kommt vom Hebräischen „Matseba“, das sind solche Steinmale, große Steine, die aufgestellt werden zum Gedenken. Die sind ganz bewusst rau geschlagen, also nicht irgendwie poliert und nicht sehr genau, sondern ein bisschen rau, so natürlich. Sie werden aufgestellt und dienen dann oft als Symbol für die Gottheit. Also man stellt da nicht ein Götzenbild auf, das irgendwie wie ein Tier oder Mensch aussieht, sondern einfach so einen Stein. Man spricht auch von einem anikonischen Kultbild, also weil es eben kein Bild darstellt, sondern einen Kultgegenstand, an dem dann Gottesdienst ausgeführt wird. Hier in dem Bild sieht man solche Matseben in einem Tempel in Tel Arad, der zeitweise dort benutzt worden ist und wo diese Kultgegenstände so andeuten, dass das sozusagen das Allerheiligste dort gewesen ist.

[4:20] Man kennt solche Steine auch aus der Bibel. Ursprünglich sind sie wohl Steine einfach des Gedenkens gewesen. So ist das in der Geschichte von Jakob nachzulesen, wo es heißt: Jakob stand am Morgen früh auf nach dem berühmten Traum, den er gehabt hat, mit den Stufen, die vom Himmel auf die Erde reichen und dort die Engel Gottes auf- und niedergingen. Da heißt es: „Und Jakob stand am Morgen früh auf und nahm den Stein, den er unter sein Haupt gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Gedenkstein und goss Öl auf seine Spitze.“ Und dieser Stein, sagt er dann ein paar Verse weiter, „dieser Stein, den ich als Gedenkstein aufgerichtet habe, soll ein Haus Gottes werden und von allem, was du mir gibst, will ich dir gewisslich den Zehnten geben.“ Da sieht man also, dass dieser Stein sozusagen assoziiert ist mit der Anbetung Gottes. Er ist ein Gedenkstein. Jakob wollte dann sozusagen, wenn er später einmal in die Gegend zurückkommt, sich daran erinnern, was er erlebt hat.

[5:12] Es ist aber so gewesen, dass im Laufe der Zeit solche Gedenksteine auch selbst sozusagen verehrt worden sind. Statt ein Symbol zu sein und ein Hinweis auf die Anbetung des wahren Gottes, sind sie dann selbst verehrt worden. Das ist ein bisschen ähnlich wie auch mit der ehernen Schlange, die als Symbol von Mose aufgerichtet worden ist, aber wo es dann heißt in 2. Könige 18, dass dann ihr später selbst geräuchert worden ist. Die Israeliten haben angefangen, dann diese Schlange selbst irgendwie zu verehren, und entsprechend ist es auch mit diesen Matseben, diesen Kultsteinen, passiert, sodass wir in 5. Mose 16 auch lesen können: „Du sollst dir auch keine Gedenksäule“, das ist diese Matseba, diese Mazsebe, „aufrichten, die der Herr, dein Gott, hasst.“ Und entsprechend ist es dann auch so gewesen, dass wenn es in Israel Abfall gab von Gott und Götzen angebetet worden sind, immer wieder auch diese Steinstehlen, diese Gedenksäulen, aufgerichtet worden sind.

[6:11] Wenn man sich den Fund noch mal genau anschaut, dann kann man ein paar interessante Beobachtungen machen, die wirklich auch von der Chronologie sehr aufschlussreich sind. Die Archäologen konnten nämlich sehr genau festlegen, aufgrund ihrer Methode und ihrer Arbeitsweise, dass der Stein nicht erst bei der assyrischen Zerstörung umgefallen ist. Ja, also der liegt dort auf dem Boden, aber er ist nicht umgefallen aufgrund dieser Feuersbrunst, die durch die Zerstörung ausgelöst worden ist, sondern er ist – so die Archäologen ganz deutlich – er ist vorher von den Bewohnern bewusst auf den Boden des Hauses gelegt worden. Mit anderen Worten: Es handelt sich um einen Kultstein, der zu irgendeinem Zeitpunkt dann nicht mehr als Kultstein verwendet worden ist. Er ist sozusagen gewisserweise entweiht worden. Man hat ihn dann einer anderen Nutzung zugeführt. Man hat ihn einfach als Unterlage genommen, auf den Boden gelegt, was anderes draufgestellt. Ein Stein, der ursprünglich mal als Kultstein verwendet worden ist, ist dann nicht mehr als Kultstein verwendet worden und dann später sind erst die Assyrer gekommen.

[7:12] Und das deutet darauf hin, dass hier eine Veränderung stattgefunden hat, eine Reform stattgefunden hat, dass diese Verehrung dieser Matsebe, die dann in der Bibel verboten worden ist, dass die tatsächlich beendet worden ist. Und es gibt im Alten Testament eigentlich zwei Perioden, die besonders dadurch gekennzeichnet sind, dass ein König solche Form der Anbetung ausgemerzt hat. Es ist einmal natürlich der berühmte König Josia, aber der ist später. Der ist erst im 7. Jahrhundert und dieses Haus ist ja schon im 8. zerstört worden, und deswegen ist es eigentlich ziemlich sicher. Es gibt eigentlich keine andere wirkliche Option, zumindest wenn es sich um eine staatliche Reform gehandelt hat, dass es sich um König Hiskias Reform gehandelt hat. Denn die Bibel berichtet davon, wie König Hiskia im Königreich Juda vor der Zerstörung durch die Assyrer eine solche Reform durchgeführt hat, bei der die Anbetung wieder allein auf den Tempel in Jerusalem konzentriert worden ist.

[8:12] Der Tempel war ja zuvor von seinem Vater Ahas sogar zugenagelt worden. Er hat den Tempel wieder geöffnet, hat den Tempel gereinigt, hat dort den Tempeldienst wieder aufleben lassen und hat im Zuge dessen auch diese anderen Formen der Anbetung, den Götzendienst und diese Matseben, beseitigen lassen. Und so heißt es hier in 2. Könige 18, Vers 3 und 4 interessanterweise: „Und er tat, was recht war in den Augen des Herrn, ganz wie es sein Vater David getan hat.“ Es geht also hier um den Hiskia. „Er schaffte die Höhen ab“, wo auch so Gottesdienste stattgefunden haben, „und er zerbrach die Steinmale“, er zerbrach die Matseben wörtlich, „und hieb die Aschera-Standbilder um und zertrümmerte die eherne Schlange“, von der wir gerade schon gesprochen haben.

[8:57] Wir haben also einen ganz interessanten Befund hier archäologisch, der exakt mit dem übereinstimmt, was die Bibel auch über diese Zeit sagt: einen König, der dafür gesorgt hat, dass diese Matseben nicht mehr kultisch verehrt worden sind. Das nehmen wir also heute mit. Diese Matseben werden nicht oft gefunden. Ein seltener Fund, und die Art und Weise, wie er gefunden worden ist, zeigt, dass er bereits im 8. Jahrhundert sozusagen ohne äußeren Druck von den Assyrern oder so entweiht worden ist, nicht mehr als Kultgegenstand verwendet worden ist. Und das entspricht ziemlich genau dem biblischen Bericht, den wir von der Gottesdienstreform unter König Hiskia haben. Dieser unscheinbare Stein ist also ein echtes Indiz für die Glaubwürdigkeit dieses biblischen Berichtes. Und in diesem Sinne freuen wir uns, wenn ihr nächstes Mal wieder einschaltet, wenn es hier dann wieder heißt: Funde & Fakten.

[9:54] [Musik]


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