In dieser bewegenden Predigt spricht Christopher Kramp über die Geschichte des verlorenen Sohnes und beleuchtet dabei die tiefgreifende Rolle des Heiligen Geistes in unserem Leben. Er nutzt den Anlass, um auf eine persönliche Vergangenheit zurückzublicken und ein ehrliches Bekenntnis abzulegen, das zeigt, wie Gottes Gnade selbst in schwierigen Momenten einen Neuanfang ermöglicht.
Der Verlorene Sohn im Alten Testament
Christopher Kramp · Predigten ·Themen: Bibel, BibelstudiumWeitere Aufnahmen
Serie: Predigten
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Transkript
[0:01] Ja, einen wunderschönen guten Abend. Schön, dass ihr da seid. Schön, dass ihr jetzt auch live zugeschaltet seid, dem Sender „Das Wort“ oder auch dem YouTube-Kanal der Adventgemeinde Nürnberg Marienberg oder vielleicht später das Video anschaut.
[0:20] Das ist der zweite Teil einer kleinen Serie mit dem Titel „Siehe, ich mache alles neu“. Gestern Abend haben wir über den zweiten Vers der Bibel nachgesonnen. Ein Vers, der die Situation beschreibt, bevor Gott geschaffen hat. Wir haben festgestellt, der Heilige Geist hat nicht nur ein bisschen den Platz gehalten, hat nicht einfach nur ein bisschen was vorbereitet. Der Heilige Geist war als allererstes da, um zu bleiben, um zu führen, um zu leiten, um zu instruieren. Und ich bin mir sicher, ich weiß, dass auch heute der Heilige Geist hier anwesend ist, um zu uns zu sprechen.
[1:12] Bevor ich beginne, habe ich mir überlegt, möchte ich noch etwas ganz Kurzes Persönliches sagen. Eigentlich wollte ich es gestern Abend schon sagen, aber irgendwie war gestern nicht so richtig der passende Zeitpunkt. Vor vier Jahren, da stand ich auch hier. Es war ja auch ein Donnerstagabend damals und wahrscheinlich habt ihr auch daran gedacht, das bleibt nicht aus. Ich habe ganz sicher daran gedacht und ich möchte die Gelegenheit hier nutzen, weil ich euch als Adventgemeinde Nürnberg Marienberg seitdem ja nie wieder so gesehen habe, mich von ganzem Herzen persönlich bei euch zu entschuldigen.
[2:08] Es war ja auch eure Evangelisation. Ihr hattet auch Gäste und es hat euch auch betroffen. Und ich weiß, dass man Dinge nicht wieder gut machen kann. Man wünscht sich später einfach noch mal in der Zeit zurückzugehen oder diese unfassbar dummen Gedanken vom Heiligen Geist abschneiden zu lassen. Und ich kann euch sagen, der Heilige Geist hat damals auch zu mir gesprochen: „Christopher, hör auf, geh nicht weiter“, aber der Heilige Geist, der verhindert halt nicht, wenn wir uns gegen ihn entscheiden.
[2:50] Und ich stehe heute hier, um mich bei euch zu entschuldigen und euch auch um Vergebung zu bitten, auch wenn es schon vier Jahre her ist, in dem Bewusstsein, dass allein Jesus und allein seine Gnade einen Menschen wiederherstellen kann. Amen. Und ich möchte, dass ihr wisst, und das habt ihr jetzt deutlich vor Augen bekommen, dass auch wenn ich hier vorne stehe, ohne den Geist Gottes, ohne den Schutz Jesu bin ich, Christopher, alleine für mich eine Katastrophe. Es gibt keinen Grund, auf mich besonders zu hören. Der einzige Grund, warum man überhaupt hier vorne sprechen sollte, ist, weil es um Jesus geht.
[3:35] Und ich möchte heute mit euch über vielleicht eines der Themen nachdenken, die mir allerallerwichtigsten am Herzen liegen. Gestern hatten wir schon das Lieblingsthema von Jesus oder der Heilige Geist. Heute kommt mein Lieblingsthema, aber ich glaube, es ist auch eines der Lieblingsthemen von Jesus. Das Thema heißt: „Der verlorene Sohn im Alten Testament“. Und du hast ja schon ein paar Vermutungen angestellt. Da gibt es ja einige Kandidaten, oder? Vielleicht am klassischsten Juda. Wenn ihr mal die Geschichte von Juda studiert, dann werdet ihr feststellen, wow, eine wirklich beeindruckende Geschichte. Oder Manasse, das ist auch so ein Kandidat. Ich beschäftige mich jetzt momentan auch durch mein Studium viel mit den Assyrern. Da hätte ich auch einiges zu erzählen zu Manasse, aber heute geht es nicht um Absalom und nicht um Adam oder Manasse oder Juda. Es geht noch ein Stückchen tiefer, sozusagen.
[4:39] Bevor wir aber das Thema beginnen, möchte ich euch, wenn es euch möglich ist, einladen, mit mir kurz niederzuknien und dann gehen wir direkt in das Thema hinein.
[4:59] Lieber Vater im Himmel, ich möchte von Herzen Danke sagen, dass wir heute hier gemeinsam sein dürfen, dass ich heute hier vor dir knien darf und dass du heute hier anwesend bist, um zu jedem Einzelnen von uns persönlich zu sprechen. Herr, wir werden vielleicht einige Texte lesen, die bekannt sind, einige, die wir auch nicht so oft lesen. Aber in allem möchte ich dich bitten, dass die Botschaft deines unfassbar kraftvollen Evangeliums unser Herz persönlich erreicht. Wir alle haben schon viel gehört. Manchmal sind wir auch vielleicht ein bisschen übersättigt. Aber Herr, heute wollen wir deine Stimme auf ganz neue Weise, ganz frisch und direkt zu uns hören. Erfülle du uns mit deinem Heiligen Geist, der hier anwesend ist, aber wir wollen dir die Tür öffnen, dass er auch wirklich in unserem Herzen wirken kann. Du hast versprochen, dass dein Wort nicht leer zurückkehrt, sondern ausführen wird, wozu du es gesandt hast. Und auf diese Verheißung berufen wir uns heute Abend im Namen Jesu. Amen.
[6:23] Schlagt mit mir eure Bibeln auf: Jeremia 31 und dort ab Vers 1. Ich weiß nicht, welches Buch du aufschlägst, wenn es dir schlecht geht. Hast du eine Lieblingsstelle, ein Lieblingskapitel, ein Lieblingsbuch? Wir werden heute ein wenig das Kapitel anschauen, das ich für mich persönlich als mein Lieblingskapitel betrachte. Das ist nicht Jeremia 31, aber Jeremia 31 wäre auch ein guter Kandidat. Ich weiß nicht, wie es euch geht, wenn ich mal wirklich Sorgen habe, wenn ich Vergebung brauche, wenn ich Trost brauche, ich schlage eigentlich immer das Alte Testament auf. Jesaja, Jeremia, Hosea 14, Sacharja. Es gibt so unfassbare Schätze im Alten Testament. Jeremia 31 ist so einer.
[7:20] Wir lesen ab Vers 1: „Zu jener Zeit, spricht der Herr, werde ich der Gott aller Geschlechter Israels sein und sie werden mein Volk sein. So spricht der Herr: Ein Volk, das dem Schwert entflohen ist, hat Gnade gefunden in der Wüste. Ich will gehen, um Israel zur Ruhe zu bringen.“ Und den Vers kennt ihr bestimmt, oder? „Von ferne her ist mir der Herr erschienen: Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt; darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Gnade.“
[7:57] Wer von euch kennt die Geschichte vom verlorenen Sohn? Eine der bekanntesten und berühmtesten Gleichnisse, die Jesus jemals erzählt hat. Wir werden sie heute gar nicht lesen, diese Geschichte. In Lukas 15 steht sie, ihr könnt sie zu Hause nachlesen. Sie ist schnell erzählt: Ein Mann hat zwei Söhne und einer hat keinen Bock auf zu Hause, keinen Bock auf Papa. Er hat Lust, die Welt zu erobern. Er nimmt sein Erbe, das er eigentlich hätte bekommen sollen, wenn der Vater stirbt. Er nimmt es und verprasst es und vergeudet es und endet an einem Schweinetrog. Ein Mann, der alle Segnungen, die ihm begegnet sind und die er bekommen hat, vergeudet für den Schmutz dieser Welt, um festzustellen: Es war alles umsonst. Ein Mann, der sich dann entscheidet zurückzugehen, in der Hoffnung, vielleicht irgendwo einen kleinen Platz zu bekommen, und der, als er zurückkommt, es kaum fassen kann, dass sein Vater ihm entgegenrennt, ihn umarmt und ihn mit Geschenken und Segen überhäuft und eine große Freude das Haus erfüllt. Ich glaube, wir alle haben diese Geschichte schon mal gelesen, gehört und sind dankbar gewesen für diese Botschaft: Ich kann zurückkehren.
[9:31] Oder im Alten Testament gibt es diese Botschaft auch. Ich habe tatsächlich festgestellt über die Jahre, seit ich das Leben Jesu intensiv studiere: Ich finde keine Geschichte in der Bibel, keine Geschichte in den Evangelien, keine Predigt von Jesus, kein Gleichnis, das nicht in irgendeiner Art und Weise das Alte Testament aufgreift – ständig, überall. Und auch das Gleichnis vom verlorenen Sohn ist eigentlich nur Jesu besondere Art, ein biblisches Kapitel nachzuerzählen.
[10:05] Ihr alle habt gehört von der Geschichte vom verlorenen Sohn. Wer von euch kennt den Bund in Moab? Schon mal gehört, eine Predigt über den Bund in Moab? Das sind schon 1,5 oder so. Der Bund in Moab – ich würde sagen, der Bund in Moab klingt irgendwie jetzt nicht nach Evangelium, oder? Moab klingt so nach einem komischen Land in der Nähe von Israel. Aber ich möchte heute behaupten: Der Bund in Moab ist die Geschichte vom verlorenen Sohn. Wusstet ihr, dass die Geschichte vom Bund in Moab die größte Erweckung in der Geschichte der israelitischen Königszeit ausgelöst hat?
[10:56] Schaut mit mir in 2. Könige 22. Wahrscheinlich kennt ihr die Geschichte, oder? Das Haus wird renoviert. Der Tempel wird wieder frisch gemacht, nachdem er eine Zeit lang vernachlässigt worden ist. Man sucht im Tempel nach all den Dingen, die da herumliegen, und plötzlich kommt jemand und sagt: „Hey, ich habe etwas gefunden.“ In Vers 8 heißt es: „Und Hilkija, der Hohepriester, sprach zu Schafan, dem Schreiber: Ich habe das Buch des Gesetzes im Haus des Herrn gefunden.“ Und dieses Manuskript geht von Hand zu Hand und kommt zum König, zum König Josia. Der liest das Buch. Der ist schon ein guter König, der ist schon dabei, Reformen durchzuführen. Als er dieses Manuskript liest, zerreißt es ihm das Herz und er zerreißt seine Kleider, und es kommt die größte Reformation, die es seit Jahrhunderten gegeben hat.
[12:08] Kennt ihr das Manuskript? Wisst ihr, welches Buch das war? Im Buch „Propheten und Könige“ spricht Ellen White von einem Manuskript, das 100 Jahre zuvor sozusagen bereitgestellt worden ist, weil schon Hiskia in einer Reform die Gesetze Moses sozusagen wieder an den Mann bringen wollte. Es sollte täglich vorgelesen werden, und sie sagt hier, dass es die Statuten waren, die von Mose aufgeschrieben waren, besonders diejenigen, die in dem Bundesbuch gegeben worden waren. Das Bundesbuch. Kennt ihr das Bundesbuch? Das Bundesbuch, das einen Teil des Buches 5. Mose bildet. Es sieht so aus, dass das ein besonderes Manuskript war. Das war nicht einfach ein Bibelbuch, sondern der Hiskia hatte, wie wir das manchmal auch machen, vielleicht eine Zitatensammlung, ein Predigtmanuskript für den täglichen Gebrauch, das Beste zusammengestellt, vielleicht wie auch immer einen Teil aus dem Buch 5. Mose. Das hatte schon zur Zeit von Hiskia einiges bewirkt. Es war in Vergessenheit geraten und 100 Jahre später, beim Durchwühlen durch die ganzen Nebenkammern und den ganzen Wust und Grust und durch den ganzen Staub, findet man dieses Manuskript.
[13:36] Das Manuskript bewirkt eine Reformation so tief, dass ich glaube, es lohnt sich, dieses Manuskript, dieses Bundesbuch, mal genauer anzuschauen. Ich weiß nicht, wer von euch schon mal das Buch 5. Mose studiert hat. Kleiner Werbeblock: Es ist eines der tollsten Bücher der Bibel, wahrscheinlich Jesu Lieblingsbuch gewesen. Ich könnte euch die ganze Reihe von Argumenten geben, aber die Zeit reicht nicht aus. Wenn ihr 5. Mose wenigstens mal durchgelesen habt, weil das auch in jedem herkömmlichen Bibelleseplan vorkommt – 5. Mose ist Teil davon –, weiß jemand von euch, wo dort das Bundesbuch sich befindet? Wo dort der Bund in Moab beschrieben wird? Habt ihr eine Idee?
[14:36] Wir reden hier nicht von irgendeiner Nebensächlichkeit, okay? Wir reden nicht von irgendwas, was ein verrückter Alttestamentler irgendwo ausgegraben hat, was man auch mal lesen könnte. Wir reden hier von etwas, das die größte Erweckung der israelitischen Königszeit ausgelöst hat. Das Bundesbuch in 5. Mose. Wisst ihr, wo das ist? In 5. Mose 6 wird auch über einen Bund gesprochen, aber das ist der Bund in Horeb, ja, der Bund am Sinai. Kapitel 1 auch nicht schlecht. Schaut mit mir in 5. Mose Kapitel 28. Das Bundesbuch ist ziemlich am Ende. 5. Mose 28. Das ist nicht der Anfang, aber da seht ihr, dass es diesen Bund in Moab wirklich gibt. Okay? Für den Fall, dass ihr mir das nicht glauben solltet.
[15:23] 5. Mose 28, Vers 69: „Dies sind die Worte des Bundes, von dem der Herr dem Mose gebot, ihn mit den Kindern Israels zu schließen im Land Moab.“ Und jetzt kommt etwas Interessantes: „... außer dem Bund, den er mit ihnen am Horeb geschlossen hatte.“ Kleine Geografiekunde: Ein anderer Name für den Horeb ist Sinai. Wir alle kennen den Bund am Sinai, oder? Zehn Gebote, Donner, Wolken, Geschichte mit dem goldenen Kalb. Heiligtum spielt eine große Rolle in 2. Mose, 3. Mose, 4. Mose, auch in 5. Mose. Aber hier wird gesagt: Neben diesem Bund am Sinai gibt es einen zweiten Bund, nicht am Sinai, sondern in Moab. Ihr wisst wahrscheinlich, 5. Mose ist das Buch, das handelt von den letzten Wochen von Mose. Wo befinden sich die Israeliten dort, kurz bevor Mose stirbt? Ihr werdet sagen: In Moab. Ihr habt recht. Deswegen heißt es so: „In Moab.“ Wo ist Moab? Moab ist an der Grenze zum gelobten Land. Sinai ist eine andere Debatte, wo der Sinai ist, ja, könnt mich hinterfragen, was ich denke, aber die Israeliten sind an der Grenze zum gelobten Land und Gott macht einen neuen Bund. In 5. Mose wird zwar auch der Bund vom Sinai wiederholt, die Zehn Gebote werden wiederholt und die ganzen Dinge werden wiederholt und es wird alles bestätigt. Gott ändert nicht seine Theologie und doch gibt es einen neuen Bund.
[17:03] Die neue Generation, die jetzt in das gelobte Land gehen soll, soll nicht nur museal sozusagen das, was früher war, lernen. Sie sollen einen eigenen Bund mit Gott machen. Es ist wirklich wichtig, dass wir nicht vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat. Es ist wirklich wichtig, dass wir die Kirchengeschichte kennen, die Reformatoren, die Adventgeschichte, dass wir das alles wissen. Aber wir brauchen alle selbst einen eigenen Bund. Wenn wir Experten sind in den Bündnissen von früher, aber nie einen Bund selbst mit Gott geschlossen haben, dann fehlt uns etwas. Die Israeliten sollten nicht nur wissen, wie Gott früher geführt hat, sie sollten selbst Gottes Botschaft in einem eigenen Bund kennen. Der Bund in Moab. Ich habe euch gesagt, dieser Bund in Moab, das ist die Geschichte vom verlorenen Sohn.
[18:02] Schaut mit mir ganz kurz in 2. Mose Kapitel 4. Wir gehen gleich wieder zu 5. Mose. In 2. Mose Kapitel 4, Vers 22, schaut, wie Gott sein Volk Israel nennt. Gott spricht zu Mose, bereitet ihn vor für den Auftrag beim Pharao, die Entlassung Israels zu bewirken. Und er sagt zu ihm: „Und du sollst zum Pharao sagen: So spricht der Herr: Israel ist mein was?“ Mein erstgeborener Sohn. Israel war für Gott nicht nur das Volk, die Gemeinde. Israel war für Gott sein echtes Kind. „Israel ist mein erstgeborener Sohn.“ Und für den Fall, dass jemand denken würde, ah, das ist nur so rein theologisch abstrakt, metaphorisch gemeint, sagt Gott hinten dran: „Und wenn du meinen Sohn nicht loslässt, werde ich deinen Sohn töten.“ Um deutlich zu machen: Ich meine das wirklich bitterernst, Israel ist mein Kind, ist mein Sohn.
[19:19] Später in 5. Mose, schaut mal ganz kurz zu 5. Mose 1. Da seht ihr, wie Mose dem Volk deutlich macht, wie Gott sie geführt hat. 5. Mose Kapitel 1 und dort in Vers 30 und 31: „Denn der Herr, euer Gott, zieht vor euch her und wird vor euch kämpfen, ganz so, wie er es für euch in Ägypten getan hat vor euren Augen. Und in der Wüste, wo du gesehen hast, wie der Herr, dein Gott, dich getragen hat, wie ein Mann seinen Sohn trägt auf dem ganzen Weg.“ Wie nennt man einen Mann, der einen Sohn hat? Wer von euch ist Mann und hat einen Sohn? Kennt ihr das Gefühl, wie es sich anfühlt, seinen Sohn zu tragen? Ich habe jetzt das Vorrecht seit ein paar Jahren: Jedes Mal, wenn ich Zähne putze, kommt mein kleiner Titus mit seinen vier Jahren ins Schlafzimmer, ins Bad gelaufen und streckt seine Arme hoch. Ja, und dann muss ich ihn hochnehmen und dann hält er seine Wange an meine Wange, während ich die Zähne putze. Er mag das irgendwie. Ja, und ich muss ihn die ganze Zeit beim Zähneputzen tragen. Ja, es gibt kaum was Schöneres, als seinen Sohn zu tragen. Und Mose beschreibt das, um deutlich zu machen: Gott ist nicht einfach nur der ferne Gott, der recht hat und der zur Not immer eingreift. Er ist nicht nur die Lebensversicherung, die man anzapfen kann. Er ist nicht nur die Polizei, die man anrufen kann. Er ist der Vater Israels und damit der Vater von jedem Einzelnen im Volk.
[21:17] Was also ist dieser Bund in Moab? Schaut mit mir jetzt zu 5. Mose 27. 5. Mose 27. Wir lesen nicht alles, keine Angst. Wir lesen aber ein paar richtig entscheidende Verse in diesem Bundesbuch. Das hat mehrere Kapitel. 5. Mose 27, Vers 9: „Und Mose und die Priester und Leviten redeten mit ganz Israel und sprachen: Seid still und höre, Israel. An diesem heutigen Tag bist du zum Volk des Herrn, deines Gottes, geworden.“ Frage: Was war denn das Volk Israel vorher? Kurz vor dem gelobten Land, im 40. Jahr der Wüstenwanderung, sagt Mose, inspiriert von Gott: „Heute bist du Gottes Volk geworden.“ Was waren sie denn vorher? Waren sie vorher Gottes Volk? Natürlich waren sie Gottes Volk. Gott hat ja schon noch vor dem Auszug aus Ägypten gesagt: „Israel ist mein erstgeborener Sohn.“ Oder vielleicht kennt ihr die Geschichte von Abraham, wo Gott sagt – müsst ihr nicht nachschauen, nur so als Illustration – in 1. Mose 17: „Abraham, ich möchte gerne einen Bund mit dir machen, denn wir haben schon einen Bund miteinander.“ Könnt nachlesen. Er sagt: „Ich bin der Gott, der mit dir im Bund steht, und deswegen würde ich gern mit dir einen Bund machen.“ Das ist so, als wenn du deinem Ehepartner sagst: „Hey, wir sind ja verheiratet. Lass uns also heiraten.“ Ja, sind wir doch schon, oder? Aber Gott sagt: „Heute seid ihr das Volk Gottes geworden.“ Heute sagt er zu Abraham: „Machen wir einen Bund.“
[23:03] Ich weiß, wahrscheinlich die allermeisten von uns, die heute hier sitzen, die allermeisten, die zuschauen, wir haben mal einen Bund mit Gott geschlossen, oder? Wir können zurückschauen auf 5 Jahre, 15 Jahre, 50 Jahre, vielleicht auch 3 Wochen Bund mit Gott. Aber können wir heute sagen, dass wir einen Bund neu mit Gott geschlossen haben? Oder ist der Bund nur etwas von früher? Die Israeliten machen hier in 5. Mose im Bund in Moab eine Erfahrung, die so tief ist, dass Gott sagt: „Ihr seid heute zu meinem Volk geworden.“ Nicht, weil sie es vorher nicht gewesen sind. Da wird etwas bestätigt, erneuert, vertieft.
[23:48] Schaut mal weiter, nächster Vers: „Darum sollst du der Stimme des Herrn, deines Gottes, gehorchen und seine Gebote und Satzungen tun, die ich dir heute gebiete.“ Und dann kommt ein Kapitel, das ihr alle ausgezeichnet kennt. Ein berühmtes Kapitel. Das Kapitel ist so einfach, dass man eigentlich fast nur die Überschrift braucht, um den Inhalt des Kapitels zu verstehen. 5. Mose 28 heißt wahrscheinlich auch in eurer Übersetzung: „Segen und Fluch“. Das ist eines der einfachsten Kapitel der Bibel. Ja, meistens sind ja diese biblischen Kapitel, die haben irgendwelche großen Strukturen, ja, die Redner versuchen das immer irgendwie darzustellen – der Chiasmus hier und die Parallelen dort, nicht? – aber Segen und Fluch ist super einfach. Es gibt zwei Teile, nämlich erstens Segen und zweitens Fluch. Total simpel. Und ihr könnt mir sicher auch sagen, was sorgt für den Segen und was sorgt für den Fluch. Gehorsam. Oder das Kapitel kann man in einem oder zwei Sätzen zusammenfassen: Bist du gehorsam, hast du Segen. Bist du ungehorsam, hast du Fluch. Habt ihr das schon in eurem Leben erlebt? Ich habe in meinem Leben erlebt, wie sehr Gott mich gesegnet hat, wenn ich ihm wirklich vertraut habe, wenn ich ihm wirklich gehorcht habe, wenn ich wirklich auf seine Stimme gehört habe. Ich kann mich an Situationen im Leben erinnern, da wollte ich nicht aufstehen von der Andacht, weil es so tief und so schön war. Ich hätte 10 Stunden Andacht machen können, oder? Ich habe mich so gesegnet gefühlt. Die Nähe Gottes so stark gespürt. Habt ihr schon mal erlebt? Wenn ihr plötzlich merkt, Gott tut Dinge für euch, mit denen ihr nie gerechnet hättet, die weit über das hinausgehen, was ihr hättet bitten können. Gott hat mich schon unfassbar gesegnet in meinem Leben.
[25:40] Aber zumindestens ich kann heute hier sagen: Ich habe auch ganz schön viel Fluch in meinem Leben erlebt, und zwar immer, wenn ich auf die eine oder andere Weise Gottes Stimme zwar gehört, aber geflissentlich ignoriert habe. Das können manchmal dramatische Katastrophen sein, wie vor vier Jahren. Das können manchmal auch scheinbar Nebensächlichkeiten sein, wie dass man sich halt mit einem Bruder, einer Schwester in der Gemeinde dauerhaft verstreitet und sich nicht mehr anschaut – ist auch ein Fluch. Gibt’s viele Dinge, die einfallen könnten.
[26:29] Ist euch mal aufgefallen, wie viel Kapitel, wie viel Verse in diesem Kapitel der Segen beschrieben wird? Schaut mal, das kann man ja relativ leicht zählen. Wie viel Verse wird vom Segen gesprochen? Das erfordert im Prinzip eigentlich nur ein kurzes Ablesen, oder? Wie viel Verse? 14 Verse Segen. Und jetzt schaut mal, wie viel Verse werden dem Fluch gewidmet? Jetzt muss man ein bisschen subtrahieren sozusagen. Ja, also ich würde sagen, der 69. ist ein eigener Vers für sich, aber 68 minus 14 – 54 Verse Fluch. Das Kapitel ist nicht Segen und Fluch. Das Kapitel ist eigentlich Segen und Fluch, oder? Also allein die Menge an Text zeigt: Das ist nicht ausgewogen, oder das ist nicht ein bisschen Segen, ein bisschen Fluch. Da ist zwar Segen angesprochen, aber vor allem geht es um Fluch. Oder rein statistisch, ich fand das Kapitel immer ein bisschen deprimierend. Ja, auch wenn man die Überschrift liest, klar, Segen/Fluch, aber wenn man es von vorne nach hinten liest, man hat 14 Verse Segen und dann hat man 54 Verse Fluch und dann endet das Kapitel im Fluch. Bisschen deprimierend, oder?
[28:12] War das passend für die Geschichte Israels? Wenn ihr die Geschichte Israels anschaut, so von vorne bis hinten, wie oft hatten die Segen? Es gab Zeiten, oder? König David, Anfang von König Salomo, wo sie wirklich an der Spitze der Völker standen. Steht hier in 5. Mose 28, Vers 10: „Dann werden alle Völker auf Erden sehen, dass der Name des Herrn über dir ausgerufen ist, und werden sich vor dir fürchten.“ Das ist mal passiert im Volk Israel. Aber wenn ihr die Geschichte Israels anschaut, Richter, Saul, Salomo zweiter Teil und dann die Könige, dann ist es eigentlich vor allem Fluch. Oder wir schauen auf das Volk Israel, denken: „Ja, wie konnten die nur?“ Wenn man ganz ehrlich zurückschaut in unser Leben: Wie oft waren wir treu? Und wie oft waren wir untreu? Vielleicht ist manches, was wir als Realität in unserem Leben wahrnehmen, gar nicht Gottes Plan. Vielleicht ist manches von dem, was wir als „so ist es halt“ wahrnehmen, gar nicht notwendig, weil wir vielleicht eigentlich im Fluch leben, so geistlich gesehen. Das Volk Gottes jedenfalls, das der Sohn Gottes war, sozusagen – „Israel ist mein geliebter Sohn, ja, mein erstgeborener Sohn“ – das hat im Wesentlichen vor allem viel im Fluch gelebt.
[30:06] Aber der Bund in Moab endet nicht in Kapitel 28. Ich glaube, es gibt wenig Stellen in der Bibel, wo die Kapiteleinteilung so viel Schaden anrichtet wie hier. Kapiteleinteilung in der Bibel ist eine tolle Sache. Man findet die Textstellen schneller, oder? Preis den Herrn dafür. Aber leider tut sie oft uns auch sozusagen unseren Blick auf die Bibel ein bisschen so einschränken oder lenken. Wir denken: Kapitel zu Ende, Thema zu Ende oder neues Kapitel. Das ist in der Offenbarung auch ein riesen Problem. Ja, da kommt ein neues Kapitel, man denkt, es geht was Neues los, aber nein, nein, nein, nein. Das ist rein zufällig manchmal. Ja, 5. Mose 28 scheint im Fluch zu enden, aber eigentlich ist es noch gar nicht zu Ende.
[31:00] Schaut mal mit mir zu 5. Mose 30. Ich würde behaupten, das ist meine persönliche Meinung, ihr könnt mit mir anderer Meinung sein: Dass 5. Mose 30 das wahrscheinlich schönste Kapitel der gesamten Bibel ist. 5. Mose 30 und dort Vers 1: „Es wird aber geschehen, wenn alle diese Worte über dich kommen werden, der Segen und der Fluch, die ich dir vorgelegt habe...“ Ich weiß nicht, ob du es schon mal in deinem Leben erlebt hast, dass du dich wirklich von Gott gesegnet gefühlt hast und hinterher völlig abgerutscht bist. Es ist ja eine Sache, wenn man so tief in der Welt gewesen ist und Gott einen herausgerettet hat; es ist eine ganz andere Sache, wenn man weiß: Ich bin auf die Nase gefallen, obwohl Gott mich schon vorher so stark gesegnet hat. Du warst in der Gemeinde, du hast mitgesungen: „All I surrender all“, ja, alles will ich Jesus weihen. Du hast es von Herzen gemeint. Du warst gesegnet. Du warst ein Licht für die Welt in deiner Umgebung und du hast wirklich die Gegenwart Gottes erlebt. Und drei Tage später, 5 Wochen später, 7 Monate, wann auch immer, bist du völlig weg von Gott. Vielleicht nur im Herzen, hast immer noch deine Sabbatmaske auf, gehst immer noch in die Gemeinde, aber deine Aktivität ist zum Erlahmen gekommen, weil du eigentlich nur noch – wie sagen die neudeutschen Jugendlichen? – du fakst es nur noch. Ist nur noch eine Show, damit halt die Verwandten nicht fragen, was los ist.
[32:51] Und der Satan ist nicht doof. Der Satan sagt uns: „Na ja, du hast halt den Segen gehabt, jetzt hast du ihn verloren. So wie damals wird es nie wieder werden.“ Kannst du dich noch erinnern an deine erste Liebe? Zum ersten Mal Jesus kennengelernt hast, zum ersten Mal gebrannt hast? Manchmal denken wir: „Na ja, schön war es damals, oder? Dann kamen halt die Sorgen des Lebens, die Schwierigkeiten. Ja, ich habe gemerkt, so toll bin ich ja doch nicht. Viele Fehler bleiben irgendwie. Ja, das muss halt vielleicht irgendwie so sein.“ Wäre schon schön, wieder zurückzukehren, oder? Wenn du den Segen und den Fluch erlebt hast, wenn du wie der Sohn im Haus des Vaters groß geworden bist, alles bekommen hast und dann es alles vergeudet hast, den Segen Gottes, den er gegeben hat, vergeudet hast, verschwendet hast, verprasst hast, vor den Schweinen sitzt und nicht mal ihr Futter bekommst, dann Segen und Fluch.
[34:04] Da kommt noch was. Das Kapitel sollte nicht „Segen und Fluch“ heißen. Ich sag euch gleich, wie es heißen sollte. Es heißt hier in Vers 1: „Es wird aber geschehen, wenn alle diese Worte über dich kommen werden, der Segen und der Fluch, die ich dir vorgelegt habe, und du es dir zu Herzen nimmst unter all den Heidenvölkern, unter die dich der Herr, dein Gott, verstoßen hat.“ Wisst ihr, wie es in Lukas heißt, was der verlorene Sohn sagt? Was sagt er? Wie heißt es da? Als er zu sich kam – könnt euch dran erinnern, Lukas 15? Als er dort bei den Schweinen sitzt, heißt es: „Als er zu sich kam“, gedacht: „Moment, ich bin doch eigentlich ein Kind und ich sitze hier bei den Schweinen.“ Gibt’s etwas in deinem Leben, wo du realisierst: „Was mache ich eigentlich hier? Warum tue ich das? Warum denke ich so? Ich bin noch in der Gemeinde, ich bin noch ein Christ, ich bin noch ein Nachfolger Jesu. Warum kann ich mich mit dieser Person nicht versöhnen? Warum denke ich immer diese Gedanken? Warum habe ich diese Lust nach verbotenen Dingen? Warum kann ich nicht aufhören beim Scrollen bei TikTok oder bei Instagram? Warum sitze ich hier bei den Schweinen? Warum lästere ich ständig über andere?“ Als er zu sich kam, sagt Lukas 15. Hier heißt es: „Wenn du es dir zu Herzen nimmst unter all den Heidenvölkern, unter die dich der Herr, dein Gott, verstoßen hat.“ Kennst du dieses Gefühl? „So kann es nicht weitergehen.“ Ich glaube, wir brauchen den Heiligen Geist, der uns manchmal sagt: „Christopher, so kann es nicht weitergehen. Wach auf.“
[36:09] Vers 2: „Und wenn du umkehrst zu dem Herrn, deinem Gott, und seiner Stimme gehorchst in allem, was ich dir heute gebiete, du und deine Kinder, von ganzem Herzen und von ganzer Seele...“ Sag mir, was hat der verlorene Sohn gemacht, als er bei den Schweinen dort saß und nicht mehr ein noch aus wusste und als es ihm zu Herzen drang, als er zu sich kam? Was hat er gemacht? Er hat gesagt: „Ich will mich aufmachen und umkehren“ oder „Ich will zurückgehen.“ Ist euch aufgefallen, was hier steht? „Und wenn du umkehrst zu dem Herrn, deinem Gott, und seiner Stimme gehorchst in allem.“ Ihr Lieben, was wir alle haben, ist, dass wenn wir Fehler gemacht haben, wir sagen: „Ah, nee, das ist ja doof.“ Das haben wir alle, oder? Wenn wir uns selbst schämen, dann ärgern wir uns über uns. Was aber nicht natürlich ist, ist, dass man sagt: „So geht es nicht weiter. Ich möchte jetzt Gott ganz treu sein.“ Wir fürchten ja meistens die Strafe, oder? Aber fürchten wir eigentlich, dass wir einfach die Sachen weitermachen?
[37:53] Wenn du umkehrst und seiner Stimme gehorchst in allem... Wisst ihr, was der verlorene Sohn, als er dort steht, er legt sich eine Rede zurecht, oder? Er sagt: „Ja, Vater, ich bin nicht würdig mehr, deinen Sohn zu heißen. Mache mich wie einen deiner Knechte.“ Nun, wir lesen die Geschichte und denken: „Ach, dieser Sohn, der hat’s ja gar nicht verstanden, oder? Der hat ja gar nicht verstanden, wie sehr Gott ihn liebt. Warum will der ein Knecht sein? Das ist doch gar nicht nötig.“ Ich möchte heute für ein paar Minuten eine Lanze brechen für diesen Satz: „Ich möchte so sein wie deine Knechte.“ Wisst ihr, wie nach der Bibel ein Knecht sich verhalten sollte? Schaut mit mir: Epheser Kapitel 6. Epheser Kapitel 6, Vers 5: „Ihr Knechte, gehorcht euren leiblichen Herren.“ Das ist natürlich jetzt ein sehr unpopulärer Vers, nicht wahr? Weil es nicht Sklaverei und so weiter, aber schauen wir aufs Prinzip. „Ihr Knechte, gehorcht euren leiblichen Herren mit...“ Was sind die nächsten drei Worte? „... mit Furcht und Zittern in Einfalt eures Herzens als dem Christus.“
[39:10] Ein Knecht kommt nicht zu seinem Herrn wie heute vielleicht ein Arbeitnehmer zum Arbeitgeber und sagt: „Hey, ich brauch ein bisschen mehr Urlaub, ansonsten bin ich woanders.“ Ein Knecht geht zu seinem Herrn, bildlich gesprochen, mit Furcht und Zittern. Das bedeutet nicht, dass der Herr ihn ständig schlägt. Kennt ihr noch eine Geschichte, wo jemand mit Furcht und Zittern spricht? Schaut mit mir zur Apostelgeschichte Kapitel 9. Ein Mann namens Saulus trifft auf dem Weg nach Damaskus wen? Jesus. Und schaut, was er sagt, als er Jesus begegnet, als er sich bekehrt. Was sind seine ersten Worte sozusagen? Vers 6: „Da sprach er mit Zittern und Schrecken: Herr, was willst du, dass ich tun soll?“ Der Paulus, Saulus, der Jesus begegnet und plötzlich zu Sinnen kommt, dessen erste Frage ist: „Herr, was willst du, dass ich tun soll?“ Das sind die Worte eines Knechtes, oder? Der Knecht kommt zum Herrn und sagt: „Herr, was willst du, dass ich tun soll?“ Damit ist nicht das Zittern gemeint im Sinne von „Ich habe Angst, der wird mich schlagen“. Damit ist gemeint, dass man quasi bereit ist, auf das zu hören, was der andere sagt.
[40:39] Kennt ihr noch eine berühmte Bibelstelle, wo es um Furcht und Zittern geht? Die kennt ihr bestimmt. Die versuchen wir immer irgendwie wegzuerklären. Schaut mal mit mir in Philipper Kapitel 2, wird auch demnächst in der Sabbatschule dran sein. Dann könnt ihr euch vielleicht an das heute erinnern. Philipper Kapitel 2, Vers 12: „Darum, meine Geliebten, wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel mehr in meiner Abwesenheit: Verwirklicht eure Rettung mit Furcht und Zittern.“ Jetzt denkt noch mal an den Paulus, der sagt: „Herr, was soll ich tun?“, an den Knecht, der zu seinem Herrn kommt und sagt: „Sag mir, was ich tun soll.“ Der Gedanke übrigens hier ist nicht, dass wir Angst haben vor Gott. Der Gedanke hier ist: Paulus sagt, egal ob ich anwesend bin oder abwesend bin, verwirklicht eure eigene Errettung mit Furcht und Zittern. Man kann sich halbwegs erlöst fühlen in einer Gemeinde wie Nürnberg Marienberg oder tolle Prediger, tolle Seminare, tolle Sabbatschule, alles wunderbar, Livestream, Mission, wir sind ja mit dabei. Aber was ist, wenn die Paulusse und Petrusse dieser Gemeinde nicht plötzlich da sind, wenn du alleine im Urlaub bist? Paulus sagt: Ob ich dabei bin oder nicht, verwirkliche deine eigene Bekehrung, deine eigene Rettung mit Furcht und Zittern, mit dieser Einstellung: „Herr, was soll ich tun?“
[42:30] Dies Wort „verwirklichen“ – dahinter steckt die Idee, dass du wirklich etwas tust. Und ihr werdet sagen: „Moment mal, nein, nein, nein, falsch, falsch, falsch. Es ist doch Gott, der es tut, oder?“ Ja, ja, ja, ja. Steht im nächsten Vers, können wir gleich lesen. Aber ich möchte, dass ihr wisst, dass Jesus gesagt hat: „Ringt darum, durch die enge Pforte zu gehen.“ Und Jesus hat gesagt: „Das Reich Gottes leidet Gewalt und die Gewalttätigen reißen es an sich.“ Ich kann es nicht besser erklären als mit der Geschichte von Jakob, der zu sich kam am Jabbok, der realisiert hat: „Mein ganzes Leben, obwohl ich meistens ja auch dann irgendwie gläubig war und ich hatte halt meine Familie, war Stress in der Familie, nicht wahr, vier Frauen, wer soll da auch durchsehen, nicht wahr, und die ganzen Kinder und zum Teil gewalttätig sind alle Spielsüchtigen, das nicht, aber das war ja, also es war eine Katastrophe die Familie, oder? Ist immer zum Gottesdienst gegangen, hat auch versprochen, seinen Zehnten zu zahlen, und irgendwann am Jabbok kommt er zu sich und wisst ihr, was er sagt? Als Jesus sagt: „Ich lasse mich gehen“, er sagt: „Nein, nein, nein, nein, Jesus, ich lasse dich nicht gehen.“ Reicht es dir, ein passiver Beobachter des Evangeliums zu sein in der besten Arena, die Nürnberg zu bieten hat? Reicht es dir, dabei zu sein, wenn andere von ihren Erfahrungen erzählen, wenn andere predigen? Reicht es dir, wenn gute Theologie gepredigt wird? Oder hast du Jesus angefasst und gesagt: „Ich lasse dich nicht, es sei denn, du segnest mich.“ Verwirklicht eure eigene Errettung mit Furcht und Zittern. Der junge Mann, der verlorene Sohn, der war „determined“, sagt man im Englischen, der war entschieden: „Ich werde zu meinem Vater gehen und ich lasse mich nicht abwimmeln, wenn ich nicht mehr sein Sohn bin, egal, aber ich möchte tun, was er sagt. Ich möchte wieder von seinem Segen haben.“
[44:33] Zurück zu 5. Mose 30. Was wird passieren, wenn ein Mensch von ganzem Herzen den Segen Gottes haben möchte, unwürdig wie er ist, der nicht wartet, dass irgendwann mal ein besserer Prediger kommt, irgendwann ein tolleres Andachtsbuch rauskommt, irgendwann die Vereinigung mal ein Programm auflegt, das ihn anspricht? Wenn jemand wirklich von ganzem Herzen zu sich kommt und sagt: „Herr, ich möchte jetzt hier heute ein echter Christ sein, einer der wirklich Christus [folgt], egal ob die Scheinwerfer an sind oder die Türen zu.“ Was hat Jesus gesagt? Was sagt Jeremia? „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, dann werdet ihr mich finden.“ Jeremia 29 ist eine direkte Anspielung auf 5. Mose 30. Könnt ihr mal zu Hause nachschauen, der zitiert das förmlich. In 5. Mose 30 steht: „Wenn du umkehrst zu dem Herrn, deinem Gott, und seiner Stimme gehorchst in allem, was ich dir heute gebiete, du und deine Kinder, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, so wird der Herr, dein Gott, dein Geschick wenden und sich über dich erbarmen und wird dich wieder sammeln aus allen Völkern, wohin dich der Herr, dein Gott, zerstreut hat.“
[46:03] Und jetzt kommt’s. Ich weiß, ihr denkt wahrscheinlich: „Na ja, ist ganz toll. 5. Mose 30, eine gute theologische Grundlage für die Geschichte vom verlorenen Sohn, oder? Aber die Geschichte von Jesus ist halt einfach noch ein bisschen anschaulicher oder ein bisschen lieblicher, ein bisschen schöner.“ Wusstet ihr, dass Ellen White sagt, dass das Gleichnis vom verlorenen Sohn, berührend und empfindsam, wie es ist, die Liebe Gottes nicht vollständig richtig wiedergibt? Wusstet ihr das? Das steht in „Bilder vom Reiche Gottes“, ja, „Christ’s Object Lessons“. Tolles Gleichnis, aber sie sagt, da gibt es einen Aspekt, der kommt in dem Gleichnis nicht rüber. Wisst ihr welcher? Es gibt einen Aspekt, der kommt da nicht ganz rüber, denn der verlorene Sohn muss was machen: Er muss zum Vater gehen, oder? Und der Vater kommt ihm dann entgegen. Der Vater öffnet seine Türen. Der Vater öffnet seine Arme. Aber es gibt eine Geschichte, in der das besser dargestellt wird. Schaut in 5. Mose 30 und den nächsten Vers. Dort heißt es nämlich: „Und wenn du auch bis an das Ende des Himmels verstoßen wirst, bis an den letzten Schweinetrog des Universums, so wird dich doch der Herr, dein Gott, von dort sammeln und dich von dort holen.“
[47:39] Ihr Lieben, du musst nicht einen Schritt alleine auf Gott zumachen. Was man im Gleichnis vom verlorenen Sohn halt wegen der Geschichte nicht so gut darstellen konnte: Die Realität ist, der Vater wartet nicht nur und der rennt nicht nur entgegen. In Wirklichkeit, wenn man das im Gleichnis hätte darstellen können – das ging halt nicht –, aber eigentlich kommt der Vater direkt bis zum Schweinetrog. Der steht dort. Wir haben gestern gesehen, der Heilige Geist ist in der Finsternis. Könnt ihr euch erinnern, wir haben am Anfang gelesen, Jeremia 31: „Ich will gehen, um Israel zur Ruhe zu führen. Mit ewiger Liebe habe ich dich zu mir gezogen.“ Ellen White zitiert diesen Vers und sagt: „Das ist eigentlich das, was noch im Gleichnis vom verlorenen Sohn fehlt.“ Gott ist nicht nur der, der sagt: „Ah, du hast dich bekehrt, ja natürlich, ich nehme dich gerne auf“, sondern Gott ist es eigentlich, der vom allerersten Schritt an, ja, noch davor, an uns wirkt, an uns wirbt und in uns... Wie sagt das Philipper? „Er bewirkt das Wollen und Vollbringen.“ Nicht wir. Aber was er braucht, sind Menschen, die wie Jakob sagen: „Es reicht. Ich will nicht mehr so weitermachen. Segne du mich und zwar von ganzem Herzen. Segne du mich.“ Dann kann Gott Dinge tun, die er niemals tun kann, wenn wir halbwegs zufrieden sind mit unserem Zustand, wie er gerade ist.
[49:20] Schaut, wie es weitergeht in Jeremia, in 5. Mose 30: „Und wenn du auch bis an das Ende des Himmels verstoßen wirst...“ Das ist ein Vers, da lohnt es sich, den aufzuschreiben, an die Küchentür zu tun oder wo auch immer, ans Bett. „Und wenn du auch bis an das Ende des Himmels verstoßen wirst, so wird dich doch der Herr, dein Gott, von dort sammeln und dich von dort holen.“ Wisst ihr, die Jakobsleiter, die ging ja nicht bis ungefähr so, dass man da hingreifen konnte, oder? Die Jakobsleiter ging bis runter an den Kopf, an den Stein, wo er lag. Jesus hat nicht am Eingang vom Garten Eden gerufen: „Na, wo seid ihr denn?“ Er ist mitten hineingegangen, dort, wo sie waren. Wenn dein Problem, warum du nicht ganz hundertprozentig im Alltag mit Gott gehst, XY ist, dann wisse: Jesus kommt direkt zu XY. Er kommt direkt dorthin. Ist vollkommen egal, was es ist: Unzufriedenheit, Unversöhnlichkeit, unreine Gedanken, Ärger. Jesus kommt genau dorthin und sagt: „Hier bin ich. Was möchtest du, dass ich für dich tue? Was soll ich für dich sein?“
[50:40] Schaut mal Vers 5: „Und der Herr, dein Gott, wird dich in das Land zurückbringen.“ Wenn Gott uns vergibt, dann sagt er nicht: „Okay, war halt schlecht. Schwamm drüber. Mach’s besser.“ Wenn Gott uns vergibt, dann sagt er nicht: „Okay, ich vergebe dir. Leider kann man jetzt an den ganzen Sachen noch nichts mehr ändern.“ Wenn Gott dir vergibt, bringt er dich zurück. Ja, es gibt Narben. Ja, es gibt Konsequenzen. Manche Dinge werden erst in der Ewigkeit wieder gut sein. Aber Gott bringt dich wieder zurück. Ich möchte heute vorschlagen: 5. Mose 28 sollte erstens bis Kapitel 30 gehen und es sollte den Titel tragen: „Segen, Fluch und Wiederherstellung“. Das ist der Bund in Moab. Das ist die Wahrheit hinter der Geschichte vom verlorenen Sohn: Segen, Fluch und Wiederherstellung.
[51:46] Aber wir sagen ja: „Natürlich, klar, Gott stellt uns wieder her, aber natürlich nicht ganz so wie am Anfang oder nicht ganz so wie als ich mich zum ersten Mal bekehrt habe, als ich 5 Stunden die Bibel studiert hab, nicht wahr, als ich jedes YouTube-Video gesehen habe, was ich finden konnte, als ich so begeistert war, als ich jedem erzählte...“ So wird es nicht mehr sein, oder? Es wird dann halt so ein bisschen sein wie ein Bedröppelter, nicht wahr, den man irgendwie so aus dem Schlamm zieht und dann: „Na ja, okay, jetzt versuchen wir mal wieder ein bisschen mehr.“ So? 5. Mose 30, Vers 5: „Und der Herr, dein Gott, wird dich in das Land zurückbringen, das deine Väter besessen haben, und du wirst es in Besitz nehmen und er wird dir Gutes tun und dich mehren...“ Jetzt kommt das nächste Wort: „... mehr als deine Väter.“ Ihr wisst, ein Knochen, der bricht, der wächst an der Stelle, wo er gebrochen ist – wenn man ihn lässt, wenn man ihn in Ruhe lässt –, dann wächst er dort dicker zusammen als jemals zuvor. Wenn Gott uns in die Ruhe führen darf, dann können unsere schwächsten Punkte unsere stärksten werden. Und dann können die Dinge, von denen wir dachten, dass sie einfach hier so unser Los sind, weil man das nicht überwinden kann, die kann er tatsächlich verändern. „Mehr als deine Väter.“ Lieber Freund, liebe Freundin, lieber Bruder, liebe Schwester, deine größte geistliche Zeit liegt noch vor dir, wenn du es glaubst. Da ist noch mehr Segen, als du bisher jemals erlebt hast, wenn du es Gott glaubst, wenn du den Geist an dir wirken lässt.
[53:27] Vers 6: „Und der Herr, dein Gott, wird dein Herz und das Herz deiner Nachkommen beschneiden, dass du den Herrn, deinen Gott, liebst von ganzem Herzen und von ganzer Seele, damit du lebst.“ Ihr alle wisst, das Herz in der Bibel ist nicht das hier, oder? Wenn die Bibel von dem Herzen spricht, dann meint sie was? Ihr seid gute Bibelkenner. Was meint sie dann? Die Gedanken. Das ist so wie wenn ich zu meiner Frau sage: „Schatz, ich denke an dich, du bist in meinem Herzen.“ Oder wo ist sie dann? Hier. Also vielleicht schlägt das Herz auch schneller, nicht? Aber hier ist das Herz. Habt ihr mal drüber nachgedacht, was es bedeutet, das Herz zu beschneiden? Ich meine, woher kommt das Bild? Das kommt doch aus der Geschichte von der Beschneidung, oder? Wisst ihr, wer der erste war, der in der Bibel die Beschneidung empfangen hat? Wer war der erste? Fast, knapp daneben hätte ich beinahe gesagt. Wer war der erste, der die Beschneidung empfangen hat? Das war Abraham. Und zwar genau in der Geschichte, die ich gerade vorhin erwähnt hatte, als Gott sagte: „Wir haben einen Bund. Lass uns einen Bund machen.“
[54:41] Ihr wisst vielleicht, wir fassen das nur kurz zusammen aus Zeitgründen: In 1. Mose 15 macht Gott mit Abraham einen Bund und zwar nach allen Regeln der Kunst. Die teilen Tiere. Gott selbst läuft durch die Tiere. Das ist wie als wenn man mit Gott zum Notar geht und Gott unterschreibt. Er macht einen Bund mit ihm und verspricht ihm: „Du wirst einen Sohn haben.“ Und die Bibel sagt: „Und Abraham glaubte dem Herrn und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet.“ Hatte Abraham Glauben? Ja oder nein? War er gerecht? Ja oder nein? War er erlöst? Hatte er Segen? Ja, genau. Aber warum kommt Gott in Kapitel 17 und sagt: „Hey, wir haben einen Bund. Ich muss einen Bund mit dir machen.“ Was liegt zwischen Kapitel 15 und Kapitel 17? Kapitel 16. Und in Kapitel 16 rutscht Abraham vom Segen in den Fluch. Hagar. Auch eine gute Idee, scheinbar. Und 13 Jahre lebt Abraham als ein Sabbat haltender, Gottes Gebote haltender, Gottesdienst feiernder Proto-Adventist und glaubt, alles ist in Ordnung. 13 Jahre lang. Abraham war nicht tief in der Welt und doch war er im Fluch. Und Gott kommt und sagt: „Weißt du was? Wir haben ja einen Bund gemacht, oder? Und ich bin treu, aber ich würde gerne diesen Bund erneuern. Ich würde ihn gerne erneuern. Und weißt du was? Als Zeichen dafür würde ich dich gern beschneiden lassen.“
[56:26] Ich weiß nicht, ob irgendjemand von euch mal Fußball geschaut hat. Wisst ihr was? Die Fußballer beim Freistoß, wenn sie eine Mauer bilden, wisst ihr, was die beschützen? Halten ihre Augen zu, die Ohren, die machen so. Es gibt nichts, was uns wertvoller ist und was wir mehr beschützen. Und Gott sagt: „Ich würde dich gerne beschneiden.“ Und jetzt, was meint denn Gott? Aber er erklärt’s im selben Kapitel. Er sagt nämlich dann zu Abraham: „Übrigens, ich würde dir gerne einen Sohn geben und zwar durch deine eigentliche, echte Frau Sara.“ Wisst ihr, was Abraham dann sagt? „Äh, ich hätte auch eine Idee. Oh, dass doch Ismael vor dir leben würde, oder?“ Ich habe seit 13 Jahren, der geht zur Sabbatschule, macht immer fleißig mit. Ist ein toller Junge. Kann doch auch funktionieren, oder? Kann er gibt diesen Gedanken zu Gott und sagt: „Kann das nicht auch dein Plan sein?“ Und Gott sagt – wisst ihr, was er sagt? Gott sagt: „Nein.“ Er schneidet den Gedanken ab. Nein. Das ist die Herzensbeschneidung.
[57:41] Herzensbeschneidung ist, wenn ich auf Telegram oder Instagram oder TikTok gerade am Scrollen bin und plötzlich der Geist Gottes zu mir sagt: „Christopher, hör auf, du verschwendest deine Zeit.“ Aber irgendwas in mir sagt: „Das ist interessant.“ Herzensbeschneidung ist, wenn ich Gott den Gedanken wegschneiden lasse. Herzensbeschneidung ist: Ich sitze am Sabbatnachmittag mit Leuten am Essenstisch und wir reden über jenen Prediger und fangen an, ein bisschen über ihn schlecht zu reden, weil er sowieso keine so gute Theologie hat und überhaupt und nicht wahr und ein bisschen... und dann kommt der Geist Gottes und sagt: „Christopher, du solltest so nicht über ihn reden.“ Mache ich jetzt weiter oder sage ich vor allen an: „Es tut mir leid, ich sollte so nicht reden“? Das ist Herzensbeschneidung. Und die Bibel sagt im Bund von Moab, dass wenn wir von Herzen Gott annehmen wollen, dass er unser Herz beschneidet. Weil wisst ihr was? Wenn du erstmal beim Scrollen bist, von alleine hörst du nicht auf. Wenn du erstmal am Lästern bist und deine Freunde alle mitmachen, von alleine sagst du nicht: „Äh, ach übrigens, es tut mir leid, ich bin ein Christ, so sollte man nicht reden.“ Das braucht eine Intervention von außen.
[59:20] Die Ellen White hat mal folgendes Gebet gebetet. Sie hat gesagt: „Herr, nimm du mein Herz, denn ich kann es dir nicht geben. Halte du es rein, denn ich kann es nicht reinhalten.“ Herzensbeschneidung. Und im Bund von Moab sagt Gott: „Ich werde euer Herz beschneiden, wenn ihr wollt, dann kann ich das machen.“ 5. Mose 30: „Und der Herr, dein Gott, wird dein Herz und das Herz deiner Nachkommen beschneiden, dass du den Herrn, deinen Gott, liebst von ganzem Herzen und von ganzer Seele, damit du lebst.“ Erst wenn Gott unser Herz beschneidet, können wir ihn von ganzem Herzen lieben.
[1:00:15] Die Zeit ist fast vorbei. Ich möchte ganz kurz – ich habe euch ja gesagt, in Jeremia 31, 32, Jeremia 29 wird diese Stelle aufgegriffen. Ich möchte euch noch eine Stelle zeigen, in der Gott dieses Versprechen – „wenn ihr auch sonst wohin verstreut seid, dann hole ich euch wieder zurück“ – [gibt]. Schaut mit mir zu Hesekiel. Hesekiel 36. Tolles Kapitel. Hesekiel 36 und dort heißt es ab Vers 20: „Als sie nun [die Heidenvölker] kamen, wohin sie gezogen waren, da entweihten sie meinen heiligen Namen, indem man von ihnen sagte: Das ist das Volk des Herrn, die mussten aus seinem Land ausziehen.“ Kann das heute auch noch passieren, dass Leute sagen: „Schau mal, das ist das Volk des Herrn. Schau mal, wie sie sich streiten. Schau mal, wie sie leben. Schau mal, wie sie griesgrämig dahergehen. Das sollen die Christen sein? Das soll das Volk des Herrn sein?“, oder? Vers 21: „Da tat es mir leid um meinen heiligen Namen, den das Haus Israel entweiht hatte unter den Heidenvölkern, zu denen es gekommen ist. Darum sprich zum Haus Israel: So spricht Gott der Herr: Nicht um euren Willen...“ Also nicht, weil ihr das verdient hättet, tue ich dies, Haus Israel, „... sondern wegen meines heiligen Namens, den ihr entweiht habt unter den Heidenvölkern, zu denen ihr gekommen seid.“
[1:01:44] Ich habe mal vor einigen Jahren ein Telefongespräch gehabt mit einer Frau aus einer anderen Denomination, die mir gesagt hat: „Christopher, wenn du den Namen Gottes heiligen möchtest, dann musst du ihn so und so aussprechen.“ Ich habe gesagt: „Liebe Schwester, schau zu Hesekiel 36 und schau mal, wer den Namen heiligt.“ Vers 23: „Darum will ich meinen großen Namen wieder heilig machen.“ Wir können zwar den Namen Gottes entheiligen, aber Gott allein kann ihn wieder heiligen. Wie macht er das? „... der vor den Heidenvölkern entheiligt worden ist, den ihr unter ihnen entheiligt habt, und die Heidenvölker sollen erkennen, dass ich der Herr bin, spricht Gott der Herr, wenn ich mich vor ihren Augen an euch heilig erweisen werde.“ Was macht Gott? Vers 24: „Denn ich will euch aus den Heidenvölkern herausholen und aus allen Ländern sammeln und euch wieder in euer Land bringen. Ich will reines Wasser über euch sprengen und ihr werdet rein sein. Von all eurer Unreinheit und von all euren Götzen will ich euch reinigen und ich will euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres legen. Ich will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ja, ich will meinen Geist in euer Inneres legen und werde bewirken, dass ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechtsbestimmungen befolgt und tut. Und ihr sollt in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gegeben habe, und ihr sollt mein Volk sein und ich will euer Gott sein...“
[1:03:15] Sagt mir, wer macht das alles? Gott sagt: „Ich mache das. Ich hole euch raus. Ich befreie euch. Ich reinige euch. Ich vergebe euch. Ich tue meinen Geist in euer Leben. Ich gebe euch...“ Ich tue das alles. Was hat der verlorene Sohn erlebt, als er nach Hause kam? Er wurde überschüttet mit Geschenken, mit Gewändern, mit Ringen, mit allen möglichen. Gott tut alles, was er kann. Wenn ein Mensch von Herzen sagt: „Herr, ich will so nicht weiterleben.“ Nicht länger in der Finsternis, nicht länger nach Heuchelei, nicht länger im Formalismus, nicht länger einfach nur so tun, damit die Verwandten nicht fragen. Ich will wirklich von meinem ganzen Herzen ein vollständiger Christ sein. Nicht länger so Gott dienen und gleichzeitig meine eigenen Pläne vollführen, so wie Abraham 13 Jahre lang. Ich will Gott von ganzem Herzen dienen. Die Gewalttätigen reißen es an sich, wenn wir wie Jakob sagen: „Herr, es sei denn, du segnest mich.“ Dann sagt die Bibel, dass es absolut nichts gibt, nichts, was Gott nicht für uns tun könnte.
[1:04:28] Schaut mit mir zum 2. Petrus. 2 Minuten haben wir noch. 2. Petrus Kapitel 1, dort steht in Vers 3 und 4: „Da seine göttliche Kraft uns alles geschenkt hat, was zum Leben und zum Wandel in Gottesfurcht dient, durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Tugend, durch welche uns die überaus großen und kostbaren Verheißungen gegeben hat, damit ihr durch dieselben göttliche Natur teilhaftig werdet, nachdem ihr dem Verderben entflohen seid, das durch die Begierde in der Welt herrscht.“ Also, weil Gott uns alles schenkt, lehnen wir uns zurück, oder? Weil Gott uns alles schenkt, können wir sitzen und zuschauen, oder? Wie geht’s weiter? „Deshalb...“ Wie geht’s weiter? „... setzt allen euren Eifer daran.“ Verwirklicht eure eigene Rettung mit Furcht und Zittern, weil Gott in euch das Wollen und Vollbringen vollführt. Er hat die Energie, das „Energeo“ im Griechischen. Er tut es alles, aber er sucht Menschen, die es wirklich wollen. Er sucht Menschen, die wieder nach Hause wollen.
[1:05:54] Der letzte Vers, letzter Abschnitt, ganz Ende, zurück zu 5. Mose 30. 5. Mose 30. Vielleicht sagst du: „Kann ich das in meinem Leben heute anwenden?“ Gott hat diese Frage antizipiert. Im Bund von Moab in 5. Mose 30 sagt Gott durch Mose in Vers 11: „Denn dieses Gebot, dass ich dir heute gebiete, ist nicht zu wunderbar...“ Hier meint „wunderbar“ nicht toll, sondern so kompliziert, ne? „... für dich und nicht zu fern.“ Das ist nicht Quantenphysik. Wenn es Quantenphysik wäre, dann müssten wir einen Physikprofessor fragen. Das ist nicht Ernährungslehre, da bräuchten wir jemanden, der sich mit Nährstoffen auskennt. Das ist Evangelium. Vers 11: „Denn dieses Gebot, dass ich dir heute gebiete, ist nicht zu wunderbar für dich und nicht zu fern. Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Oh, wer will für uns zum Himmel fahren und es uns holen und es uns hören lassen, dass wir es tun? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen möchtest, wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen und es uns hören lassen, dass wir es tun?“
[1:07:20] Ihr Lieben, zu oft merke ich, dass Geschwister in den Gemeinden denken: „Wow, ich würde ja so gern die Bibel richtig lesen, aber ich kann kein Hebräisch, ich habe diese ganzen Techniken nicht, wie die Leute die Bibel so studieren. Wie lerne ich das überhaupt?“ Oder ich merke, für viele ist das Wort Gottes da hinten über dem Teich sozusagen. Ja, es braucht einen Experten, der auf YouTube uns zeigt, wie man da hinkommt. Oder so oft denken wir: „Na ja, so eine richtig tolle Erfahrung mit Gott, das ist da irgendwo im Himmel. So groß bin ich nicht. Ich bin kein Riese. Da muss jemand mir erstmal eine Leiter hinstellen, damit ich hinkomme, oder?“ 5. Mose sagt: Das, worum es hier geht, ist nicht so hoch. Es ist nicht zu fern. Dieser Gedanke, diese Botschaft ist wo? Schaut den letzten Vers an: „Sondern das Wort ist sehr nahe bei dir.“ Wisst ihr, wie nahe? „In deinem Mund.“
[1:08:18] Wisst ihr, warum Gott Menschen zum Predigen beruft? Er beruft Menschen zum Predigen, dass während sie predigen, das Wort in ihrem Mund ist, sie sich selbst daran erinnern. Das ist seine Methode, diese Menschen zu retten. Deswegen beruft Gott Menschen auch, Bibelstunden zu geben, Hauskreise zu führen, mit dem Nachbarn über den Glauben zu reden. Wenn wir darüber reden, wird es uns selber klar. Wenn es in unserem Herzen ist, wenn wir darüber nachdenken, dann ist die Kraft bereits da, es zu tun. Was ich euch heute erzählt habe, ist nicht Theologie, die man auswendig lernen kann, sondern wenn ihr das heute verstanden habt, dann könnt ihr es auch tun, weil der Geist Gottes ist und sein Wort gerade an euch und in euch wirken. Was ihr tun müsst, was ich tun muss, ist täglich zu sagen: „Herr, segne du mich. Ich möchte heute von ganzem Herzen ein echter Christ sein. Ich möchte heute von ganzem Herzen, dass du meine Gedanken beschneidest, wenn es mal wieder brenzlig wird. Ich möchte heute von ganzem Herzen, dass du mich wiederherstellst.“
[1:09:50] Wer von euch realisiert, na, ihr seid nicht an den Futtertrögen der Schweine gewesen, ich weiß schon, wer von euch realisiert heute: „Ich glaube, ich muss wieder zurück, zurück zu meinem Vater.“ 13 Jahre wie Abraham so halbwegs mit Gott, es kann nicht so weitergehen. Ich wünsche mir, dass Gott mein Herz beschneidet. Gibt’s jemand heute hier, der sagt: „Das ist mein Wunsch“, ich melde mich hier. Also, das ist nicht für euch, ich melde mich. Ist noch jemand? Wollen wir aufstehen und beten?
[1:10:43] Lieber Vater im Himmel, danke, dass wir sehen, dass im Alten Testament das Evangelium, das Jesus in Gleichnissen und Predigten gezeigt hat, genauso gleich vorhanden ist, dass jeder Mensch, der von Herzen sich danach sehnt, wirklich mit dir in Übereinstimmung zu leben, nicht nur ein paar Schritte auf dich zumachen muss, sondern dass du uns dort erreichst, wo wir sind. Herr, du hast heute zu uns gesprochen und ich weiß, dass jeder Einzelne von uns an irgendeiner anderen Stelle Kämpfe hat, vielleicht Sieg erlebt, vielleicht Niederlagen erlebt hat. Jeder Einzelne von uns hat in seinem Leben erlebt, was Segen und Fluch ist. Und Herr, wenn wir momentan gerade im Fluch stecken, Herr, dann danken wir dir, dass du heute zu uns gesprochen hast, dass du heute uns gezeigt hast, dass du neben uns stehst, dass du uns das Wollen und Vollbringen schenken möchtest, wenn wir es denn wirklich von Herzen wünschen. Herr, ich wünsche mir für mich und für jeden von uns, dass wir dieses Bewusstsein, dass du gegenwärtig bist, dass du an uns ziehst, an uns wirkst, uns nicht einfach überrumpelst, aber dass du dort, wo wir sind, mit deiner ganzen Liebe ziehst, wie wir in Jeremia 31 gelesen haben. Ich wünsche mir, dass uns das ganz bewusst wird, dass wir das nicht vergessen, dass wir morgen, übermorgen, in einer neuen Woche im Alltag erleben, wenn der Satan uns herausfordert, dass wir dann dieses Gebet vor Augen haben: „Herr, halte du mein Herz rein, denn ich kann es alleine nicht reinhalten. Tue das für mich, was ich selbst nicht tun kann. Reinige mich, schenk mir den Gehorsam, erfülle mich mit deinem Heiligen Geist. Ich will mich von ganzem Herzen auf dich verlassen.“ Das bitten wir im Namen Jesu. Amen. Amen.
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