In diesem Video taucht Dörthe Meisel tief in die Ursachen von Depressionen ein und beleuchtet, was wir selbst für unsere Regeneration tun können. Basierend auf persönlichen Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen, gibt sie Einblicke, die über das hinausgehen, was man vielleicht vom Hausarzt erfährt. Entdecken Sie neue Perspektiven und praktische Ansätze, um den Weg aus der Depression zu finden.
Wege aus der Depression: 1. Ursachenforschung und Regeneration
Dörthe Meisel · Wege aus der Depression ·Themen: Depression, Gesundheit, KrankheitenWeitere Aufnahmen
Serie: Wege aus der Depression
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Transkript
[0:30] Ja, ich freue mich, dass ich hier sein kann. Mein erstes Mal in Bad Cannstatt und ich habe schon gestaunt, was es hier für eine herrliche Gegend gibt, diese schönen Weinberge. Ich komme eher aus dem Norden, aus Waren. Die Mecklenburgische Seenplatte hat auch so ihren Reiz, aber es ist toll, so das Abwechslungsreiche zu sehen.
[1:15] Thema Depression ist etwas, was mich selber persönlich sehr interessiert hat. Ich kann mich noch gut erinnern, zu Beginn meines Studiums erhielt ich einen Anruf von der Mutti meiner besten Freundin, die sagte, sie ist in der Psychiatrie, vielleicht willst du mal vorbeischauen. Und ich habe sie dort besucht und sie hat mich zwar erkannt, aber ich war völlig schockiert, wie es ihr dort ging, wie sie aussah, wie sie abgenommen hatte. Und ich habe auch miterlebt, wie sie dort Hilfe erlebt hat, Heil, ja Besserung erlebt hat. Und habe aber auch gemerkt, dass es Dinge gab, die sie verändert hatten, dass sie nie wieder so war, wie sie zuvor gewesen war. Und ich habe mich sehr gefragt, was gibt es für Dinge, die wir tun können, könnte vielleicht auch mehr getan werden, gibt es Dinge, dass das von vornherein vielleicht auch vermeiden können. Und bin sehr froh gewesen, als ich auch einen Arzt kennengelernt habe, da ich selber nicht Doktor bin, jemanden kennenzulernen, der sich damit beschäftigt hat, was ist alles noch wichtig. Und da möchte ich Sie heute Abend gerne so ein Stück mit hinein nehmen, zu schauen, was gibt es vielleicht noch für Dinge, die mein Hausarzt mir noch nicht mitgeteilt hat oder die ich noch nicht weiß, aber die hilfreich sein können.
[2:43] Vielleicht generell erst mal so eine Frage: Wenn wir zum Beispiel Halsschmerzen haben, dann wissen wir, der Schmerz, der sitzt hier im Hals. Oder wir haben Bauchschmerzen, dann können wir sagen, oh, das ist der Magen. Was würden Sie sagen, wo sitzt der Schmerz oder wo merken wir es bei Depressionen? Sie können es mir einfach zurufen.
[3:08] Antriebslos?
[3:12] Die können überall sein, sozusagen.
[3:20] Wo ist denn jetzt die Ursache oder wo sitzt der Schmerz oder wo müssen wir hinschauen? Im Kopf, genau. Also ich denke, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Aber wir merken insgesamt, es ist viel schwieriger als bei manch anderen Schmerzen, weil bei jedem ist es auch ein Stück anders, wo wir es spüren. Manche merken es vielleicht auch tatsächlich noch im Magen, wieder andere merken es überall im Körper. Aber ich denke, eine große Rolle spielt auch unser Gehirn. Deswegen möchte ich gern zum Anfang ein paar Dinge über unser Gehirn sagen.
[3:58] Das ist jetzt einfach mal so eine Nervenzelle und davon haben wir ja Milliarden in unserem Gehirn. Und jede Nervenzelle hat so ganz viele Verästelungen, mit denen sie mit anderen Nervenzellen verbunden ist. Und diese Verbindungen im Gehirn, man sagt ja, das sind eine Billiarde vielleicht, also so eine Zahl mit mindestens zwölf Nullen dran. So sieht es in unserem Gehirn aus, ganz, ganz komplex. Und diese Verbindung zwischen den Nervenzellen, das nennt man sozusagen Synapse. Und da gibt es verschiedene Botenstoffe, die so ausgetauscht werden. Und wenn dort was mit diesen Botenstoffen nicht stimmt, dann ist es so ähnlich wie beim Telefon, wenn man mit jemandem telefoniert und manchmal knackt es in der Leitung oder ein Wort kommt nur halb an. So kann das bei einer Depression sein, dass Dinge nicht mehr so gut funktionieren wie vorher, weil hier zum Beispiel zu wenig von diesen Botenstoffen da sind. Und da versuchen natürlich besonders auch die Psychiater, die Neurologen durch Medikamente, das wieder zu verändern. Es gibt zum Beispiel die Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, die versuchen, dass so ein Botenstoff, dieses sogenannte Serotonin, mehr in diesem Spalt hier erhalten bleibt, damit dann die Kommunikation zwischen den Nervenzellen wieder besser funktioniert. Oder es gibt Medikamente, die generell versuchen, die Konzentration gewisser Botenstoffe im Gehirn wieder zu erhöhen. Also man schaut ins Gehirn und überlegt, können wir dort was beeinflussen.
[5:44] Generell ist es so, dass Depression auch ein ganz wichtiges Thema ist, weil die Statistiken zeigen, dass seit 1915 Depression immer mehr zunimmt. Und wenn wir früher mal gesagt haben, naja, es gibt so eine Midlife-Crisis, die erwischt einen vielleicht so zwischen 40 und 50, dann ist es heute doch so, dass Depressionen immer früher auftreten. Und es ist auch keine Seltenheit, dass Kinder oder Jugendliche unter Depressionen leiden. Und die Depressionen, die wir erleben, sind auch immer schwerer, als sie früher waren. Deswegen ist es eine große Frage, was können wir dagegen tun.
[6:21] Und wenn wir gucken, wie viele erleiden sozusagen eine Depression, dann ist es ungefähr eine von vier Frauen, die im Laufe ihres Lebens an einer Depression leidet, und einer von acht Männern. Und auch bei Männern nimmt es sozusagen zu. Das heißt, wenn wir hier durchzählen würden, 1, 2, 3, 4, 1, 2, 3, 4, ganz viele von uns sind betroffen. Vier Millionen ungefähr in Deutschland direkt. Und wenn wir überlegen, Familienangehörige, Freunde, Bekannte, die ja auch mitleiden, dann sind mindestens zehn Millionen Menschen in Deutschland betroffen.
[7:03] Jetzt ist die Frage vielleicht auch erstmal zur Klärung: Worüber sprechen wir? Woran erkennt man jetzt eine Depression? Und wenn Sie vielleicht für sich selber hergekommen sind oder für eine Person, an die Sie denken, können Sie einfach in Gedanken das mit hier durchgehen und mal so abzielen, wie viele Punkte davon treffen auf Sie zu.
[7:22] Der erste Punkt ist typischerweise eine tiefe Traurigkeit oder auch ein Gefühl der Leere. Und zwar an beinahe jedem Tag der vergangenen zwei Wochen oder auch länger. Das heißt, Depression ist nicht unbedingt etwas, was man mal kurzzeitig bekommt, was mal so eine Bedrückung ist, oder weil man gerade in Stress ist, sondern es ist wirklich eine tiefe Traurigkeit oder Leere, die für einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen anhält. Wenn Sie sagen, ja, das trifft für mich oder für die Person zu, die ich kenne, geben Sie sich in Gedanken in den Punkt.
[8:00] Das zweite: Teilnahmslosigkeit oder Apathie. Das heißt, Dinge, an denen man früher Freude hatte, für die man sich interessiert hat, die machen einem auf einmal keinen Spaß mehr. Leute sagen auch, früher, ich bin so gern Rad gefahren, jetzt steht es in der Ecke, ich kann mich nicht aufraffen. Oder ich habe gern getöpfert, mache ich jetzt gar nicht mehr. Wenn Sie das feststellen bei sich oder bei der Person, an die Sie denken, wieder in den Punkt.
[8:32] Dann die Ruhelosigkeit oder Reizbarkeit. Ganz oft ist es so, dass Menschen berichten, also ich gehe viel schneller an die Luft oder wäre viel schneller aggressiv, nehme Dinge viel persönlicher als vorher. Ich habe so eine Unruhe in mir. Das wäre so ein Merkmal.
[8:51] Oder Schlafstörungen. Da ist die Frage, ist es Ihnen vielleicht aufgefallen, dass Sie weniger als sonst üblich schlafen? Da würde man sagen, so unter sechs Stunden Schlaf in der Nacht ist schon etwas, was so in diesen kritischen Bereich kommt. Oder dass Sie ein größeres Schlafbedürfnis haben und zwar über neun Stunden, also auch Mittagsschlaf und Nachtschlaf zusammengezählt. Manchmal ist es auch oft so, dass man Einschlafstörungen hat oder nachts aufwacht und nicht wieder einschlafen kann. Auch das wäre so ein Punkt.
[9:31] Ein weiterer Punkt: Veränderung im Appetit oder im Körpergewicht. Dort ist es so, gerade bei schweren Depressionen verliert man oft an Gewicht oder aber man nimmt zu ungewollt. Gewichtsabnahme wäre vielleicht so, wer um die 50 Kilo wiegt, wären so zweieinhalb Kilo schon entscheidend. Oder wer um die 80 Kilo wiegt, da zählen schon vier Kilogramm Körpergewicht zu einer bedeutsamen Veränderung. Das kann Hinweise sein.
[10:01] Sechstens: Konzentrationsschwierigkeiten, dass man feststellt, ich will irgendwas lesen, nach ein, zwei, drei Seiten kann ich das nicht mehr mitverfolgen. Oder ich merke, ich weiß gar nicht mehr, was ich gelesen habe. Oder auch zum Beispiel Entscheidungsschwierigkeiten. Früher habe ich aus dem Bauch heraus eine Entscheidung getroffen, die war gut. Jetzt grüble ich ganz lange und intensiv und wenn ich die Entscheidung getroffen habe, habe ich immer noch Zweifel. Das können so Hinweise sein.
[10:36] Siebter Punkt: Gefühl der eigenen Wertlosigkeit. Das kann auch so Gedanken betreffen wie, naja, ob ich noch zur Arbeit gehe oder nicht, würde ja keinen Unterschied machen. Oder ob ich jetzt für meine Familie noch da bin oder nicht, spielt ja keine Rolle mehr. Das sind oft so Hinweise, dass da mit unserem Selbstwertgefühl etwas nicht stimmt.
[11:01] Der achte Punkt: Selbstmordgedanken oder ein sehr häufiges Nachdenken über den Tod. Das ist ein Punkt, der zeigt dann schon an, dass es sehr ernst geworden ist. Also, wenn das auf Sie selber zutrifft, möchte ich Sie auch bitten, ruhig nach dem Vortrag direkt mich anzusprechen oder zu sagen, ich wende mich an den Arzt oder an eine Vertrauensperson, weil das oft zeigt, dass man an einem Punkt ist, wo man selber nicht mehr sieht, was es noch für Möglichkeiten gibt und man braucht einfach Hilfe, um zu sehen, es gibt noch Hoffnung.
[11:38] Und der neunte Punkt: Eine starke Erschöpfung ist auch ein Hinweis, kann ein Hinweis sein für Depression, dass man sagt, ich mache irgendeine kleine Sache und bin schon so erschöpft. Oder ich brauche für eine Sache zwei Stunden, wo ich früher vielleicht nur 30 Minuten gebraucht habe. Jetzt kann natürlich eine Erschöpfung, eine Müdigkeit auch Signal für irgendwas anderes sein, für eine Grippe oder eine Überarbeitung. Deswegen müssen wir immer das Gesamtbild anschauen. Aber der Arzt, der in die Diagnose stellt, der macht nichts anderes, als diese neun Punkte bei Ihnen abzuchecken. Und wenn mindestens Symptom 1 oder 2 zutrifft und dann noch vier weitere, also das heißt, Sie fünf Punkte bei sich gezählt haben, dann sagt der Arzt, es ist eine Depression. Und wenn man feststellt, naja, zwei bis vier der genannten Symptome treffen zu, dann heißt es, es sind ein paar Faktoren da. Wenn es zu einer Krise kommt, kann es sein, dass ziemlich schnell mal eine Depression ausbricht, aber es zeigt auch, dass es sich auf jeden Fall lohnt, auch was dagegen zu tun.
[12:50] Also Sie können so ein Stück schauen, wo stehen Sie oder die Person, für die Sie gekommen sind.
[12:59] Jetzt ist es natürlich so, Depression hat noch viel mehr Auswirkungen, als nur einfach diese neun Punkte. Generell kann Depression zum Beispiel zu chronischen Kopfschmerzen führen. Ich habe es schon erlebt, dass Menschen kommen und sagen, ich habe schon mindestens acht Jahre lang Kopfschmerzen, die treten wieder und wieder auf. Und da war ich beim Internisten und da war ich beim Neurologen und die haben alle nichts gefunden. Und es ist ein Hinweis, dass eine Depression da ist, vielleicht nicht so stark, dass man nicht mehr aus dem Bett kommt, aber zumindest so, dass die Kräfte deutlich geschwächt sind.
[13:36] Reizbarkeit, Konzentrationslosigkeit oder auch, wenn man Veränderungen im Leben vorgenommen hat, wenn man vielleicht früher mal geraucht hat oder getrunken hat, irgendeine schlechte Angewohnheit, dann erhöht eine Depression auch die Gefahr, dass ich in so ein Verhalten wieder zurückfalle. Viele sagen dann, da gab es eine Zeit, ich musste einfach wieder anfangen mit rauchen.
[14:04] Das Risiko für Asthma wird erhöht durch Depressionen, also auch die Asthma-Zahlen in unserem Land gehen nach oben, ähnlich wie die Depressionsraten. Und ganz oft, wenn man im höheren Alter Symptome einer Depression hat, ist auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass man pflegebedürftig wird oder dass man zum Beispiel in ein Altenheim gehen muss. Man hat festgestellt, das hängt nicht so sehr davon ab, wie körperlich gesund oder krank jemand ist, sondern wie es einem sozusagen psychisch geht.
[14:33] Und die Gedächtnisleistung leidet auch bei Depressionen. Ganz viele sagen, ich habe mich schon gefragt, habe ich Alzheimer, ich kann mich ganz schlecht erinnern und ganz oft ist eine Depression die Ursache. Und weil Depressionen so vielfältige Auswirkungen hat, es können Rückenschmerzen zunehmen, andere körperliche Symptome, ist es wichtig, dass wir es uns anschauen, um zu wissen, wie kann ich es vermeiden oder auch bewältigen.
[14:58] Und die Diagnose allein, dass man Depressionen hat oder dass der Arzt vielleicht auch sagt, es ist ein Burnout oder es gibt ja verschiedene Begriffe dafür, sagt ja noch nichts, wie es behandelt werden muss. Es sagt nur, dass von diesen neun möglichen Symptomen mindestens fünf auf Sie zutreffen. Und wie das Bild hier so ein Stück weit zeigt, wir können uns damit beschäftigen, so ein Stück weit das Wasser aufzuwischen, ein Stück weit vielleicht versuchen, uns besser zu konzentrieren, paar Trainings im Internet zu machen, oder wir können gucken, wo ist die Ursache, wo ist dieser tropfende Wasserhahn. Und in dem Beispiel sehen wir recht gut, wie wichtig es ist, herauszufinden, wo sind die Ursachen.
[15:48] Und das hat sich auch ein Arzt gefragt, der Internist ist, also es kommt so nicht aus der Psychologenrichtung, leider. Der hat gefragt, was können Ursachen sein und hat die Literatur studiert, hat geguckt, wo sind Aufzeichnungen und er hat gesagt, er wäre selber fast depressiv geworden, weil er festgestellt hat, es gibt hunderte von Ursachen für Depressionen. Und dann hat er aber etwas genauer hingeschaut und hat gesagt, die meisten dieser Ursachen lassen sich in eine von zehn möglichen Kategorien einordnen. Und diese zehn möglichen Ursachen möchte ich mit Ihnen heute Abend ein Stück genauer anschauen.
[16:27] Es werden jetzt dazu auch Bögen ausgeteilt, wo Sie für sich einfach beim Zuhören vielleicht auch ein Kreuz machen, wenn Sie sagen, das trifft auf mich zu, um zu sehen, welche Ursachenmöglichkeit ist das, was in meinem Leben eine Rolle spielt oder wo ich etwas verändern kann. Haben Sie vielleicht schon so paar Ideen oder Gedanken, was könnten so Ursachen für Depressionen sein, was spielt eine Rolle bei der Entstehung von Depressionen?
[17:01] Verlust eines Menschen, ganz klar, so ein Trauerfall ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt, den werden wir auch mit so behandeln.
[17:15] Chronische Schmerzen, wenn man andauernd unter einem Schmerz leidet. Wir merken es ja schon, wenn sowas wenige Stunden anhält, wie es einen verändert, wie es zu schaffen macht. Was vermuten Sie noch als Ursachen für Depressionen?
[17:46] Also so ein ganz typisches Beispiel sind ja vielleicht die Gene, oder, dass man manchmal sagt, die Eltern hatten Depressionen, die Ur-Eltern hatten Depressionen, das heißt, ich habe wahrscheinlich auch deswegen Depressionen, weil so die Gene da sind. Okay, wir lösen das mal jetzt ein bisschen auf, auch für die am Bildschirm, die jetzt den Zettel nicht vor sich haben. Die zehn Kategorien, auf die unser Arzt gekommen ist, sind die hier genannten. Das heißt, ganz vorn dran sozusagen die Erbanlagen. Zu diesen zehn Punkten wäre ich praktisch im Laufe des Abends noch zu jedem kurz was sagen, so dass Sie dann auf den Zettel gucken können, trifft es auf mich zu oder trifft es nicht auf mich zu.
[18:33] Also Erbanlagen spielen eine Rolle, Entwicklungsumstände, wie bin ich aufgewachsen, spielen eine Rolle, mein Lebensstil spielt eine Rolle, der Schlaf-Wach-Rhythmus. Jetzt steht hier Sucht, man könnte auch sagen, irgendwelche Abhängigkeiten oder schlechte Gewohnheiten. Ernährung spielt eine Rolle, mögliche Gifte, soziale Beziehungen. Das wäre auch der Punkt, so kritische Lebensereignisse, stressreiche Lebensereignisse, Verluste, Trauerfälle. Das wäre alles so in dieser achten Kategorie. Erkrankungen, auch oft verbunden eben mit chronischen Schmerzen, spielen eine Ursache. Und im zehnten Punkt unser sogenanntes Frontalhirn.
[19:22] Vielleicht ein Punkt erst mal zu den Erbanlagen, da können Sie auch auf dem Zettel schauen für sich. Man hat bisher so circa 22 unterschiedliche Gene für Depressionen gefunden. Jetzt können wir natürlich noch keine DNA-Analyse machen und einfach sagen, okay, der und der hat die Gene, also trifft diese Kategorie zu. In der Klinik stelle ich das dadurch fest, dass ich die Patienten befrage, ob ein Verwandter ersten Grades Depressionen hat. Wenn es bei Ihnen der Fall ist, machen Sie einfach da ein Kreuzchen auf dem Zettel, dann ist es ein Hinweis darauf, dass die Wahrscheinlichkeit, eine Depression selber zu haben, um das anderthalb bis dreifache erhöht ist, im Vergleich zur Normalbevölkerung. Das ist so der Hauptpunkt, an dem wir es heutzutage festmachen. Also Erbanlagen, hoffen wir vielleicht, dass wir es in Zukunft ein bisschen besser bestimmen können, wer hat dieses Risiko. Aber selbst wenn sich sozusagen in der Familie noch nie gezeigt hat, können wir nicht davon ausgehen, dass die Gene nicht da sind, sondern die wurden eben nicht aktiviert oder es gab gute Mechanismen, dass man das bisher so überstanden hat. Also sicher ausschließen können wir den Punkt nicht.
[20:38] Der zweite Punkt, der eine Rolle spielt, sind Entwicklungsumstände. Dort ist es so, dass man festgestellt hat, dass zum Beispiel auch eine frühe Pubertät bei Mädchen, also im Alter von elf Jahren oder zuvor, auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie später Depressionen erleiden, besonders halt dann in der Teenagerzeit oder in der frühen Erwachsenenzeit. Und man hat festgestellt, dass eng damit zusammenhängt, wie die Zufuhr von tierischem Eiweiß war im Alter von drei bis fünf Jahren. Also es ist erstaunlich, wie weit es zurückreicht. Wenn wir an so ein dreijähriges Mädchen denken, da denkt noch niemand an Depressionen und da denken wir, naja, was die ist, ist jetzt vielleicht nicht so entscheidend. Aber es gibt Studien, die zeigen, je höher der Anteil an tierischem Eiweiß im Alter von drei bis fünf Jahren ist, umso eher setzt sozusagen die Pubertät ein.
[21:35] Ein anderer Punkt, den Sie auch auf dem Zettel finden, ist auch die Frage, bin ich bei beiden leiblichen Eltern aufgewachsen? Wenn nicht, ist das auch ein Punkt, der sozusagen das Risiko für Depressionen erhöht. Und Sie finden noch zwei weitere Punkte auf diesem Zettel auch. Das eine wären, wer eine Depression im Jugendalter schon hatte, hat auch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, später wieder eine Depression zu erleben. Und auch sowas wie Alkohol- oder Drogenmissbrauch erhöht ebenfalls die Wahrscheinlichkeit. Also Sie sehen, diese Punkte, schauen Sie einfach, was auf Sie zutrifft.
[22:18] Jetzt merken Sie schon, dass, worüber ich jetzt gesprochen habe, sind Dinge, die wir leider nicht mehr verändern können. Es sind Dinge, auf die wir keinen Einfluss nehmen können. Die gute Nachricht daran ist natürlich, es gibt zehn mögliche Ursachenkategorien und alle anderen acht können wir sozusagen verändern. Nur diese beiden sind diejenigen, die wir sozusagen so hinnehmen müssen, wo andere für uns entschieden haben.
[22:45] Was hat aber auch der Arzt festgestellt? Unser Gehirn ist sehr widerstandsfähig. Also niemand von uns lebt wahrscheinlich unter diesen völlig idealen Bedingungen, dass wir sagen können, alles in unserem Leben ist okay. Aber selbst wenn Sie feststellen, auf mich trifft es zu, dass in meiner Familie Menschen depressiv sind, oder auf mich trifft es zu, dass meine Entwicklung nicht optimal war, so heißt es noch nicht, dass man deswegen zwangsläufig eine Depression bekommt, sondern erst, wenn mindestens sozusagen drei oder mindestens vier Ursachenkategorien zutreffen von diesen zehn, macht sich das ganz deutlich im Wohlbefinden bemerkbar. Das heißt, auch wenn Ihre Entwicklungsumstände Fehler hatten und Schwierigkeiten gab und auch wenn Verwandte Depressionen haben, also die Gene zutreffen, müssen Sie noch keine Depressionen bekommen, wenn diese anderen acht Kategorien Sie positiv beeinflussen. Und das ist der Punkt, zu dem ich jetzt kommen möchte, der mir auch ganz viel Hoffnung macht und ich hoffe, dass ich Ihnen das so ein Stück vermitteln kann. Was kann ich sozusagen in den anderen Bereichen tun, was hilft Depressionen zu vermeiden?
[24:03] Ein wichtiger Punkt ist der Lebensstil und da geht es vor allem auch darum, Bewegung zu haben, körperliche Bewegung. Ideale Empfehlung wäre regelmäßig eine Bewegung am Tag von 30 Minuten, regelmäßig sozusagen helles Tageslicht und auf frische Luft, so als ganz wichtige Lebensstilfaktoren. Jetzt sehen Sie oder merken Sie vielleicht schon, wenn wir jetzt an diese dunkle Jahreszeit denken, manche gehen im Dunkeln zur Arbeit, wenn sie wieder von der Arbeit kommen, ist es schon wieder dunkel, arbeiten vielleicht noch im Büro, da hat man schon das helle Licht nicht und man hat keine frische Luft, dann ist das oft schon ein Hinweis, dass das ein Punkt ist, der gefährdend ist für Depressionen.
[24:50] Das beste Mittel dagegen sind die langen, flotten Spaziergänge. Also das heißt, man muss gar nicht unbedingt jetzt joggen oder schwimmen oder Radfahren, sondern wer sagt, ich habe auch gar nicht so, was ich richtig machen soll, allein schon ein flottes Spazierengehen ist ganz hilfreich. Und das Tolle beim Spazierengehen ist, man geht und beim Gehen schwenkt man ja auch richtig schön die Arme und Beine, so dass es gut ist für den ganzen Körper. Wer natürlich sagt, ich will das ein bisschen beschleunigen, den Trainingseffekt, der kann auch gerne joggen oder schwimmen oder Radfahren. Das wäre eine Sache, die sehr hilfreich sein kann. Und das Tolle ist, man braucht keine aufwendige Ausrüstung des Spazierengehens, kann einfach mit normalen Turnschuhen passieren.
[25:45] Was ich noch sagen möchte ist, es erfordert Ausdauer. Das heißt, von einmal bewegen verändert sich noch nicht die Depression. Man sagt, meist dauert es circa sieben Tage, bevor man selber merkt, dass Bewegung eine positive Auswirkung hat. Und da sehen Sie schon, wie wichtig bei Depressionen Unterstützung ist. Man fühlt sich nicht gut und dann rafft man sich vielleicht auf, weil jemand sagt, komm, beweg dich mal, geh mal raus. Dann macht man das und dann hat man das Gefühl, wozu, ich fühle mich immer noch nicht besser. Und vielleicht macht man das noch ein zweites Mal, weil man vielleicht jemanden hat, der sagt, es lohnt sich und merkt, es hat immer noch nichts bewirkt. Und dann ist so der Punkt, wo wahrscheinlich die meisten von uns aufgeben. Aber es ist wichtig durchzuhalten. Also so nach sieben Tagen ist dann eine Veränderung spürbar.
[26:43] Treffer beim Schlaf-Wach-Rhythmus. Das ist so der Bereich, der sich durch Schlafstörungen bemerkbar macht. Die meisten, die dort ein Treffer haben, sind diejenigen, die zum Beispiel Schichtarbeit machen, sind besonders gefährdet, weil dort ja der Rhythmus immer wieder wechselt. Man schläft zu unterschiedlichen Zeiten. Oder es ist auch so, wenn man keine regelmäßigen Mahlzeiten am Tag hat. Also zu unterschiedlichen Zeiten sind es Punkte, die unserem Körper sozusagen aus dem Gleichgewicht bringen. Oder wer eben weniger als sechs Stunden oder mehr als neun Stunden am Tag schläft, hat mit Sicherheit so einen Hinweis, dass dieser körpereigene Rhythmus verschoben ist.
[27:26] Und deswegen ist es wichtig, dass man dem Körper auch immer wieder so Anhaltspunkte gibt, wann ist denn Schlafzeit, wann ist Tagzeit. Hier sehen Sie so eine kleine Hilfe für die dunkle Jahreszeit. Es gibt sogenannte Lichtlampen. Die gibt es manchmal in den Supermärkten als weißes Licht oder eben das blaue Licht hat sich als besonders effektiv erwiesen, wo geraten wird, dass man einfach zehn Minuten nach dem Aufwachen, also vielleicht gegen sechs Uhr oder gegen sieben Uhr, mal so eine Viertelstunde sich vor so einer Lampe setzt und damit über das Auge diese Helligkeit aufgenommen wird und der Körper merkt, aha, jetzt ist Tag, jetzt schalte ich in den Tagrhythmus. Bei Schlafstörungen hilfreich.
[28:11] Allerdings ist es genauso gut, wenn Sie in der Zeit ins Freie gehen oder gleich nach dem Erwachen, vorausgesetzt es ist draußen hell, schön die Fenster öffnen und helles Sonnenlicht reinlassen, dass der Körper merkt, jetzt ist Tag. Deswegen ist es gut, zumindest im Sommer ist es möglich, dass wir mit der Sonne aufwachen oder dass wir so ein helles Morgenlicht haben zwischen sechs und sieben Uhr morgens. Und es wird darauf achten, regelmäßige Zeiten für Essen, Schlaf und Bewegung, damit unser Körper sich sozusagen darauf einstellen kann, was sind Ruhezeiten, was sind Aktivitätszeiten. Und da merken Sie natürlich, wer im Schichtdienst ist, ist da besonders herausgefordert. Da gibt es nochmal so auch ein paar extra Regeln, um diese Übergänge zu erleichtern.
[29:04] Eine wichtige Rolle beim Schlaf, will ich mal kurz darauf eingehen, ist das Hormon Melatonin. Das ist ein Hormon, was sozusagen unseren Körper schützt, was auch Krebs vorbeugt, was Tumore bekämpft, was auch Alterserscheinungen sozusagen verzögert. Deswegen hat man zum Zeitpunkt seiner Entdeckung gesagt, das ist das Verjüngungshormon. Allerdings weiß man, dass heute noch andere Dinge notwendig sind. Aber dieses Melatonin hilft bei der Stressbewältigung. Alles Dinge, die wir brauchen in der Depression. Es steigert auch die Fähigkeit, Freude zu empfinden.
[29:44] Und wenn man mal schaut, als das entdeckt wurde, sah es so aus. Man hat mal geschaut, wie ist im nächtlichen Spiegel das Hormon Melatonin. Und da sehen Sie schon, bei 10-Jährigen ist dieser Melatonin-Spiegel relativ hoch in der Nacht. Es ist dort so, dass wir ungefähr 130 Picogramm pro Milliliter Blut haben. Das heißt, 10-Jährige schlafen relativ gut und wachen am Morgen erholt und frisch auf, haben eigentlich keine Schlafstörungen, haben viel von diesem Hormon Melatonin. Und Sie sehen schon, im Laufe des Lebens sinkt es rapide ab. Und wenn wir mal bei den 60-70-Jährigen gucken, dann ist es kaum noch im nächtlichen Blutstrom nachweisbar. Allerdings hat man festgestellt, das muss nicht so sein, zumindest auch mit 50 oder 60 oder 70 kann man einen nächtlichen Melatonin-Spiegel haben, wie vielleicht so ein 30-Jähriger, durch gewisse Lebensstilmaßnahmen.
[30:49] Eine Maßnahme können wir ergreifen, wenn wir sehen, wie wird Melatonin gebildet. Ganz unten sehen Sie mal so die Tageszeiten und so diese Kurve des Melatonins. Das heißt, tagsüber ist der Spiegel im Blut relativ niedrig und mit Beginn der Dunkelheit beginnt die Melatonin-Produktion und erreicht dann ungefähr zwei Uhr nachts so einen gewissen Höhepunkt und in den Morgenstunden sinkt es wieder deutlich ab. Was passiert jetzt? Draußen ist es dunkel geworden, unsere Melatonin-Produktion will einsetzen und jetzt haben wir hier gute Beleuchtung von allen Seiten. Das heißt, die Melatonin-Produktion setzt noch nicht ein oder sehr gering nur. Und wenn wir spät ins Bett gehen, also stellen Sie sich vor, Sie gehen vielleicht erst elf Uhr ins Bett oder zwölf Uhr, dann fängt der Körper langsam an, den Melatonin-Spiegel hochzufahren und erreicht vielleicht erst bei zwei Uhr die Spitze, aber da geht es ja dann schon danach gleich wieder runter. Also anstatt so ein schönes Plateau hier, haben Sie dann nur so eine Spitze der Melatonin-Produktion. Und am Morgen wacht man auf und hat das Gefühl, ich habe zwar geschlafen, aber ich bin nicht so munter.
[32:05] Das beste Beispiel ist vielleicht Silvester. Da geht man vielleicht zwei Uhr ins Bett und dann schläft man ganz lang und wenn man die Stunden zählt, schläft man vielleicht sogar acht oder neun Stunden am Stück. Aber man fühlt sich nicht so erholt oder erfrischt, als ob man jetzt vielleicht neun oder zehn Uhr ins Bett gegangen wäre und dann um sechs aufgestanden wäre. Das heißt, ein ganz wichtiger Punkt ist, wenn man sich regenerieren will, gerade auch dieser Schlaf vor Mitternacht, um dieses Plateau der Melatonin-Bildung mitzuerhalten.
[32:38] Deswegen ein wichtiger Punkt ist, viel im Licht sich aufhalten, auch tagsüber, weil dann unser Körper Stoffe aufnimmt, die nachts umgewandelt werden in Melatonin. Kennen Sie vielleicht, wenn Sie den ganzen Tag an der frischen Luft waren, sagt man, frische Luft macht müde. Das liegt daran, wenn Sie schlafen, versuchen Sie den Raum möglichst völlig dunkel zu halten. Wichtig ist es, Dinge auch zu essen, die reich sind an Melatonin, an Vitamin B6 und zum Beispiel Tryptophan ist so eine Aminosäure. Das finden Sie in Gemüse wie Paprika, Mais, verschiedene Samen und Kerne, ob Kürbiskerne, ob Sesam, ob Dinge aus Sojabohnen, also Getreide, Hülsenfrüchte enthalten das in guter Menge. Calcium spielt eine Rolle mit, dass man gut schlafen kann.
[33:33] Und das Interessante ist, Melatonin wird einmal sozusagen auf der Netzhaut des Auges gebildet und eine andere Möglichkeit ist, dass es im Darm gebildet wird. Aber nur, wenn der Darm leer ist. Deswegen ist es empfehlenswert, wenn man nach 18 Uhr zum Beispiel nichts mehr isst, dass man damit auch diese Melatoninproduktion erhöht. Der Magen ist dann bis zum Schlafen gehen leer und der Darm und dadurch kann man zusätzlichen Erholungseffekt haben. Das wären so ein paar Punkte, wie man auch Schlafstörungen vorbeugen kann oder das zusätzlich unterstützen kann.
[34:10] Ursachen können weiterhin sein, Abhängigkeiten oder Süchte. Da ist es einfach ganz klar auch so, dass zum Beispiel Alkohol auch unsere Gehirnleistung ja beeinträchtigt. Und da ist es so, noch ehe wir vielleicht das Äußerliche an jemandem merken, dass er vielleicht einen komischen Gang hat oder ein bisschen lustiger wird oder so, ist das Erste, was beeinträchtigt wird, das Urteilsvermögen. Das heißt, wenn wir manchmal vielleicht von Unfällen lesen unter Alkoholeinfluss, liegt es oft daran, dass jemand zum Beispiel beim Autofahren die Geschwindigkeit überschätzt hat oder dass er eine Kurve falsch angefahren ist. Das heißt, der erste Punkt, wo es wirkt, ist in unserem Gehirn und zwar genau hier vorne bei diesem Punkt des Frontalhirns, wo unser Entscheidungsvermögen sitzt. Und wenn wir an Depressionen denken und die Schwierigkeiten Entscheidungen zu treffen, dann wird es durch Alkohol sozusagen noch vertieft. Bei Rauchen ist es ähnlich, hat Auswirkungen auf unser Gehirn und ich denke, dass Drogen auf jeden Fall Auswirkungen haben, kann sich jeder vorstellen. Deswegen ist oft auch ein guter Weg zu sagen, wenn ich mich darin befinde, ich gucke, wie kann ich da rauskommen, was kann mir helfen, um somit auch meine Gefahr für Depressionen zu verringern.
[35:33] Ein Punkt, der oft übersehen wird, liegt in der Ernährung. Ich finde es ganz interessant, es sind nicht nur die Frauen, aber oft höre ich es von Frauen, die sagen, auch gerade im Winter, ich habe manchmal so einen richtigen Heißhunger auf Schokolade und Schokolade macht mich dann glücklich. Und der Punkt ist, dass sie tatsächlich gar nicht so falsch damit liegen, denn oft ist es so, oder Schokolade an sich führt zu einer Serotoninausschüttung und Serotonin ist so ein kleiner Botenstoff in unserem Gehirn, der bei Depressionen erniedrigt ist. Und wenn man generell einen niedrigen Serotonin-Spiegel hat, sei es aufgrund der Jahreszeit oder aufgrund von Depressionen, fühlt sich das natürlich gut an, wenn nach dem Stück Schokolade dieser Spiegel steigt. Es ist also keine Einbildung, sondern es passiert tatsächlich. Und es kann oft auch ein Hinweis darauf sein, dass dieser Serotonin-Spiegel relativ gering ist.
[36:31] Jetzt ist Schokolade natürlich nicht das beste Mittel, um unsere Stimmung dauerhaft zu heben, weil irgendwann gibt es auch wieder einen Einbruch im Blutzuckerspiegel, aber es kann ein Hinweis darauf sein. Und es gibt etliche Nahrungsmittel, die wichtig sind. Zum Beispiel Folsäure spielt eine große Rolle in der Ernährung. Das heißt, wenn der Folsäurespiegel zu niedrig ist, gibt es gewisse Antidepressiva, die da nicht richtig wirken. Man nimmt eins und wundert sich, warum es nicht wirkt. Folsäure ist etwas, was finden wir in vielen Hülsenfrüchten oder auch in Hirse.
[37:08] Omega-3 haben Sie wahrscheinlich schon gehört, ist ein ganz wichtiger Stoff auch bei Depressionen für unser Gehirn. Wissen Sie, wo Omega-3 drin ist? Im Fisch, genau, also diese Kaltwassermeeresfische. Leinsamen, genau, Leinsamen ist eine sehr gute pflanzliche Quelle. Spinat, Mandeln, Walnüsse, genau. Also das sind wunderbare Mittel, um sozusagen auch da dem Gehirn die wichtigen Stoffe zuzuführen. B-Vitamine sind generell gut für unser Gehirn, das ist alles so, was Sie im Obst und Gemüse finden.
[37:49] Und es gibt auch eine gute Mischung, die man sich machen kann, die sogenannten gute-Laune-Streusel, dass man sich einfach ein paar Leinsamen malt, ein paar Walnüsse malt, das miteinander vermixt und dann sagt, okay, das mache ich mir in meinem Salat oder streue es in meinen Müsli oder mache es in meinen Kakao oder mache es auf mein Brot mit. Es hat einen hohen Omega-3-Gehalt. Und wer sagt, am Tag schaffe ich es von diesen gemahlenen Leinsamen und Walnüssen vielleicht so ein Kompottchen davon zu essen, der erreicht eine medizinisch wirksame Dosis. Wo Studien sogar zeigen konnten, dass so eine Omega-3-Einnahme ganz deutlich Depressionen reduziert und bei Menschen, die mit Manie zu tun haben und Depressionen, also diese bipolaren Störungen, wo es so hoch und runter geht, werden so die krankheitsfreien Zeiten auch länger. Also wir können tatsächlich mit so einfachen Dingen in unserer Ernährung viel verändern. Und Sie sehen auch auf Ihrem Zettel so ein paar Abfragen, wie häufig haben Sie in den letzten zwei Wochen das und das gegessen. Wenn das sozusagen nicht auf Sie zutrifft, ist es ein Punkt, wo es sich lohnt, da was zu verändern.
[39:04] Eine Ursache können auch Gifte sein. Das ist allerdings etwas, was oft die wenigsten von uns zutrifft. Wie können Gifte in unsere Ernährung kommen? Manchmal kann es passieren, jetzt durch Industrieanlagen, dass zum Beispiel Blei ins Wasser kommt oder Quecksilber kann eine Rolle spielen. Allerdings ist es so, der häufigste Weg, wie Menschen zum erhöhten Quecksilberspiegel kommen, ist, dass wenn sie zu viel Fisch essen, weil Fisch oft oder mittlerweile durch die Umweltverschmutzung teilweise einen erhöhten Quecksilbergehalt haben. Ich kann mich bisher nur an einen Patienten erinnern, den ich hatte, der kam eben von der Ostsee und hat viel Fisch gegessen, so als typisch norddeutscher, und der hatte tatsächlich einen erhöhten Quecksilberspiegel. Ansonsten ist das etwas, was man beim Arzt nicht unbedingt prüfen würde. Also das heißt, zu viel Fisch könnte zum Beispiel eine Quelle sein oder Abfälle aus der Industrieproduktion.
[40:07] Man sagt, vielleicht auch ist ein bisschen Vorsicht geboten gegenüber Salben oder Cremes, die jetzt so ein bisschen von weit her kommen, wo man nicht immer so genau sagen kann, was haben die da jetzt reingemacht. Da gab es auch schon Cremes, die schadstoffbelastet waren.
[40:27] Ein weiterer wichtiger Punkt, den wir ja schon angesprochen haben, ist so stressreiche Lebensereignisse. Das heißt, wenn in meiner Familie zum Beispiel jemand vielleicht drogenabhängig ist oder eine starke Sucht hat, kann das ein ganz wichtiger Faktor sein, unter dem man selber leidet. Oder ein stressreiches Ereignis kann selbst sowas sein wie ein Umzug, ein Arbeitsplatzwechsel und eine der wahrscheinlich schwierigsten oder treffendsten Formen auch ein Trauerfall.
[40:58] Und da ist es auch so, einmal gibt es das Gefühl Kummer, das ist meine Reaktion sozusagen auf den Verlust eines Menschen oder einer Sache, die mir viel wert war. Und Trauer ist sozusagen dieser Prozess, der dann stattfindet, nachdem man einen Verlust erlitten hat. Und da dieser Trauerprozess nichts ist, was einfach mal automatisch passiert, erfordert das sozusagen auch eine gewisse Trauerarbeit. Und ganz oft ist es so, Menschen erzählen mir auch, ja, da habe ich einen schlimmen Trauerfall erlebt. Dann war die Beerdigung und irgendwann haben alle erwartet, dass wieder alles so ist wie vorher. Ich musste zur Arbeit oder ich musste mich um die Familie kümmern. Und es blieb gar keine Zeit, irgendwie sich noch damit zu beschäftigen oder das zu bearbeiten. Und in solchen Fällen kann es natürlich dazu kommen, dass sich eine Depression entwickelt, als eine Komplikation dieser Trauer. Dass man in irgendeinem Punkt nicht weiterkommt, darin festhängt.
[42:06] Woran kann man das jetzt merken? Wer einen Trauerfall hatte und hinterher zum Beispiel feststellt, dass er ganz starke Gefühle von Wertlosigkeit hat oder vielleicht sogar Selbstmordgedanken hat, völlig antriebslos ist und das über mehrere Wochen, gibt es starke Hinweise, dass diese Trauer zu einer Depression geworden ist und dass es wichtig ist, Hilfe zu suchen, um dort wieder herauszukommen. Also es fühlt sich so ähnlich an, Trauer wie Depression, aber bei Trauer sollte es normalerweise über einen gewissen Zeitraum dann allmählich besser werden. Es dauert seine Zeit, aber wenn man merkt, da hänge ich drin und ganz oft sind es Zeiträume von vier, fünf, sechs Jahren und Leute sagen, ich fühle mich, als wäre es gestern gewesen, dann ist es ein Hinweis, dass man da irgendwo feststeckt. Also ein ganz wichtiger Punkt auch, wie gehe ich mit Trauer um, mit Verlusten um.
[43:06] Also auch dieser Punkt, wenn ich einen Arbeitsplatz verliere oder wenn ich Freunde verliere oder selbst auch nach Dingen wie Scheidung, Trennung. Ich denke, es ist ein ganz wichtiger Punkt für uns alle, denn Verluste erlebt irgendwann jeder von uns. Und wenn man sich mal Menschen im Alter von 70 Jahren anschaut, da ist es so, dass 95 Prozent dieser Menschen schon irgendwann einmal so eine Art reaktive Depression hatten, weil sie einen Verlust erlebt haben. Und je älter man wird, umso wahrscheinlicher ist es natürlich auch, dass man solche Verluste miterlebt.
[43:45] Und Erkrankungen spielen eine Rolle. Das heißt, wer zum Beispiel, das ist Punkt Nummer eins, Probleme hat mit der Schilddrüse, also eine Schilddrüsenüberproduktion oder Unterproduktion, der sollte gucken, dass das gut geregelt und eingestellt ist. Und das ist eigentlich auch für jeden Arzt und Psychiater der Hauptpunkt, wenn jemand zum Arzt geht, weil er an Depressionen leidet und er hat Probleme mit der Schilddrüse und es ist nicht gut eingestellt, darf man nicht die Diagnose Depression geben, sondern es muss zuerst das Schilddrüsenproblem geklärt werden, weil das sehr eng auch mit unserer Stimmung, mit unserem gesamten Energiehaushalt zusammenhängt.
[44:27] Andere Erkrankungen, zum Beispiel Diabetes, wenn der Blutzucker schlecht kontrolliert ist, kann auch Depressionen hervorrufen. Oder wer eine schwere Kopfverletzung erlitten hat, gestürzt ist, vielleicht gar nicht mal irgendwie ein Schädel-Hirn-Trauma hatte, nur eine Erschütterung, kann gewisse Zeit danach ein erhöhtes Risiko dafür haben. Und der zehnte Punkt, also bei Erkrankungen wäre natürlich wichtig, dass man eine entsprechende Behandlung dafür sorgt, um eine entsprechende Ursache auszuschalten.
[45:02] Und der zehnte Punkt ist einer, der erst in den 90er Jahren so erforscht wurde und da geht es sozusagen um unser Frontalhirn. Das ist direkt der Bereich unseres Gehirns, der so hinter unserer Stirn sitzt. Und wenn Sie hier mal schauen, hier ist so eine Aufnahme, das ist jetzt kein MRT, wie es vielleicht einige von Ihnen kennen, diese bekannte Röhre, sondern das ist ein Positronen-Emissions-Tomogramm. Das heißt, hier kann man die Aktivität des Gehirns ablesen. Jemand hat praktisch einen Stoff injiziert bekommen und dann sollte er eine Aufgabe lösen und dann hat man geguckt, welche Teile im Gehirn sind aktiv. Und diese hellen Punkte sollen Aktivität anzeigen. Und wenn Sie sehen, bei der depressiven Person ist es so, dass diese hellen Punkte deutlich weniger sind und bei dieser geheilten Person sehen wir ganz helle Abschnitte oder Flächen. Und der Frontallappen oder Frontalhirn ist ja gerade dieser vordere Bereich und da sehen wir ganz deutliche Unterschiede.
[46:09] Das heißt, man hat festgestellt, die Ursachen für Depressionen können bei jedem anders liegen, aber eine Ursache, die alle Depressiven miteinander verbindet, ist, dass in der Depression dieser Bereich des Gehirns, insbesondere der Frontallappen, geringer durchblutet ist. Und diese Minderdurchblutung sozusagen auch die Symptome der Depression mit beeinflusst. Denn dieser Bereich, dieser Stirnlappen oder Frontallappen, Frontalhirn, ist der Sitz von unserem Willen, von unserer Moral und von unserer Geistlichkeit. Das heißt, Dinge umzusetzen, dran zu bleiben an dem, was ich mir vorgenommen habe, Entscheidungen zu treffen, die Folgen meiner Entscheidungen vorauszusehen, mich in andere hineinzufühlen, die etwas erlebt haben, was ich selber vielleicht noch nie erlebt habe, sind alles Fähigkeiten von diesem Hirnbereich. Und der ist weniger durchblutet, deswegen haben wir Entscheidungsschwierigkeiten in der Depression, deswegen fällt es uns schwerer, Dinge durchzuziehen.
[47:19] Und weil das nochmal so ein ganz großer Extra-Bereich ist, wo natürlich der Lebensstil und all die anderen Ursachen mit reinspielen, soll das ein Teil sein, wo ich morgen Abend noch genauer was zu diesem Punkt sagen will. Zu dem, was können wir für unseren Frontallappen tun? Was können wir tun, damit dort die Durchblutung sozusagen erhöht wird oder auch hoch bleibt? Sie sehen auf Ihrem Zettel so ein paar Punkte, die dort mit reinspielen, weil es ein ganz entscheidender Punkt ist. Da können Sie schon für sich so mal ein bisschen gucken, was trifft so auf mich zu.
[47:57] Und wenn Sie dann den Zettel für sich anschauen, wissen Sie, überall dort, wo Sie ein Kreuz gemacht haben, außer in diesen ersten beiden Kategorien, sind es Punkte, wo es sich lohnt, etwas zu verändern. Und am besten fängt man in einer Kategorie an, wo man feststellt, da habe ich ganz viele Kreuze. Das heißt, da gibt es ganz viele Dinge, die ich vielleicht so noch nicht praktiziere oder die ja nicht so auf mich zutreffen.
[48:26] Insgesamt, was ich Ihnen gern mitgeben möchte, es gibt so viele Heilungsmöglichkeiten wie Ursachen. Was denken Sie, was ist so Hauptbehandlungsmethode Nummer 1 bei uns hier in Deutschland?
[48:42] Genau, die Medikamente, das ist so Hauptbehandlungsmethode 1.
[48:46] Was macht man da noch?
[48:50] Therapien, genau.
[48:53] Was ist das, wenn jetzt die Medikamente vielleicht nicht so wirken und Leute sagen, auch die Therapie hat mir nicht so geholfen, was kann man noch machen?
[49:07] Genau, Lebensstil verändern. Das heißt, ganz oft gibt es so zwei, drei Dinge, die man probiert oder vielleicht auch einzelne Sachen und man hat das Gefühl, das wirkt nicht, jetzt habe ich schon alles ausprobiert. In Wirklichkeit gibt es ganz viele Heilungsmöglichkeiten und es ist gut, wenn man sogar so einen Mehrfronten-Angriff starten kann, wenn man sagen kann, ich versuche so viel wie möglich zu tun von allen Richtungen.
[49:36] Das heißt, die Anstrengung lohnt sich auf jeden Fall, weil es sich auf jeden Fall etwas verändert. Eine Hilfe dabei kann sein, ich weiß nicht, wer dieses Buch kennt, Depressionen, ein Ausweg. Dieses Buch beschreibt nochmal auch, was sind diese einzelnen Ursachenkategorien, was kann ich dagegen tun. Und wer sagt, ich brauche ein bisschen Unterstützung, Anleitung. Es gibt jährliche Programme, auch hier in einem der Kur- und Lebensstilhäuser in Deutschland, ganz in der Nähe dort, wo ich wohne, in Sissloh, gibt es solche Programme von 14 Tagen, wo man ganz gezielt versucht, gleichzeitig alles das zu beeinflussen, was auf Sie persönlich zutrifft. Und das ist manchmal schon ein wertvoller Kick sozusagen, um das daheim weiterzuführen.
[50:28] Warum lohnt sich das? Man konnte feststellen, das Programm läuft schon einige Jahre, dass diejenigen, die an den Sachen gearbeitet haben, die auf sie zugetroffen haben, 90% Erfolgsrate hatten. Also ich selber habe schon einige Seminare gemacht, so in 8-Wochen-Programmen und kann mich erinnern, auch Patienten zu haben. Ein Patient letztes Jahr kam, sagte, ich war im Uniklinikum, die haben zu mir gesagt, ich bin einer der wenigen Fälle, wo die Medikamente nicht helfen, das ist bei mir erblich bedingt und man hat mir keine Hoffnung gemacht, dass es mir jemals wieder besser geht. Und er war in einem sehr schlechten allgemeinen Zustand. Und er hat begonnen, sich dieses Programm anzuschauen, sich damit auseinanderzusetzen. Ich sage mal, er ist seine Depression jetzt nicht ganz losgeworden, aber er ist aktiver geworden, er hat in seinem Garten gearbeitet, hat an seinen Beziehungen gearbeitet und hat gesagt, also, ich fühle mich besser als zuvor, ich hätte nie gedacht, dass es mir wieder so gut gehen kann.
[51:31] Und oft ist es sogar, dass Menschen berichten, sie schaffen wieder mehr, sie fühlen sich effizienter und auch zwischenmenschliche Probleme verschwinden und sie können sich wieder besser konzentrieren, im Voraus denken und gezielt planen. Also so diese Eigenschaften, die unser Frontallappen sozusagen hat. Und das ist eine Sache, die ich sehr, sehr mutmachend finde. Und ich habe noch niemanden getroffen, wo ich sagen muss, dass das Programm überhaupt nicht geholfen hat, sondern für jeden sozusagen etwas. Zu gucken, was sind Ihre Ursachen. Es gibt Behandlungsmöglichkeiten. Ich habe das Buch auch mit. Wer will, kann auch gerne da mal reinschauen. Ich habe gesehen, dass es auch hier vorrätig ist, sowas zu erwerben, wer Interesse hat, um zu sehen, es gibt eine ganze Menge, was uns helfen kann und was wirklich wirkungsvoll ist. Auch in Ergänzung zu laufenden Therapien oder gerade auch in Ergänzung zu medikamentösen Einnahmen.
[52:31] Okay, soviel heute Abend zu diesem Punkt. Es war eine ganze Menge und viel Verschiedenes. Ich hoffe, es gibt so ein paar Punkte, die Sie für sich mitnehmen können. Es gibt Hoffnung und das lohnt sich.
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