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In dieser ersten Folge der Serie „Die Zeit des Endes“ wird die dramatische Periode von 1798-1799 beleuchtet. Der Vortrag beginnt mit der historischen Gefangennahme des Papstes durch französische Truppen, was als „tödliche Wunde“ für das Papsttum interpretiert wird. Gleichzeitig wird die Geburt von William Miller, einer Schlüsselfigur der Adventbewegung, thematisiert und die politischen Umwälzungen in Europa und den USA werden detailliert dargestellt.

Die Serie „Die Zeit des Endes“ bietet eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er Jahre. Diese Episode konzentriert sich auf die entscheidenden Ereignisse des späten 18. Jahrhunderts, die das Fundament für zukünftige Entwicklungen legten.


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Serie: Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er)

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Transkript

[0:00] Einen wunderschönen guten Abend allen, die wir hier live vor Ort sind und einen wunderschönen guten Abend allen, die jetzt live zugeschaltet sind auf www.joelmedia.de zu unserer Serie "Die Zeit des Endes". Jemand hat einmal gesagt: Wir haben nichts zu befürchten, was die Zukunft angeht, es sei denn, wir vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat. Und so wollen wir uns in den nächsten Wochen, in den nächsten Monaten, ja, wahrscheinlich sogar in den nächsten Jahren gemeinsam Zeit nehmen, um chronologisch einmal anzuschauen, wie eine große Bewegung entstanden ist aus den Wirren der Zeit. Wir haben eine Geschichte zu erzählen, und diese Geschichte beginnt vor ganz genau 215 Jahren. Aber das ist eine Geschichte, die nicht eben nur Weltgeschichte und Kaiser und Könige und Schlachten mit sich bringt, sondern vor allem auch die Bibel und die Entstehung einer letzten Botschaft an die Welt. Es ist, glaube ich, nur recht und gut, wenn wir diesen Abend gemeinsam unter Gottes Segen stellen, für ein kurzes Gebet. Vielleicht einfach kurz den Kopf neigen und dann wollen wir gemeinsam in diese spannende Geschichte eintauchen. Herr Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen für die Gelegenheit, jetzt gemeinsam uns ein bisschen damit zu beschäftigen, was wir aus der Geschichte lernen können, und wir danken dir, dass wir deine Hand in der Geschichte sehen dürfen. Wir bitten dich jetzt um deinen Heiligen Geist, dass wir verstehen, was wir hören, und dass wir unsere praktischen Schlussfolgerungen daraus ziehen können. Amen.

[1:31] Wie gesagt, wir haben eine Geschichte zu erzählen, und diese Geschichte führt uns 215 Jahre zurück in das Jahr 1798. Heute haben wir die erste Folge. Sie ist überschrieben mit dem Titel "Die tödliche Wunde". Und wenn man so eine Geschichte beginnt, sollte man immer vorne beginnen, richtig? Und 1798 vorne begonnen, das ist der 1. Januar. Wir schreiben den 1. Januar 1798. Wir befinden uns in Norditalien, unsere Geschichte beginnt in Mailand. Bist du jemals mal in Mailand gewesen? Und unsere Geschichte beginnt mit einer interessanten Figur, mit einem Franzosen. Sein Name ist Louis-Alexandre Berthier, seines Zeichens General in der französischen Armee. Und an diesem 1. Januar, am 1. Januar ist ein Tag, wo man sich meistens neue Vorsätze fürs neue Jahr nimmt. Man überlegt, was bringt das neue Jahr. Und viele Menschen haben es in dieser Zeit sich gefragt, was bringt das neue Jahr. Es war das erste Jahr seit etlichen Jahren, wo Frieden in Europa herrschte. Seit 1792 war Europa von Krieg durchschüttelt worden, und an diesem 1. Januar bekommt General Berthier einen interessanten Befehl. Der Befehl lautet: Marschiere nach Rom, nimm den Papst gefangen und löse den Kirchenstaat auf. Er hat sich wahrscheinlich nicht wirklich gedacht, was für eine weitreichende Bedeutung dieser Befehl hat.

[3:13] Und jede Geschichte hat auch diese Geschichte eine Vorgeschichte, und die wollen wir uns kurz anschauen. Das ist der Papst, um den es ging: Papst Pius VI. 1798 war er schon 81 Jahre alt. Und um ein bisschen zu verstehen, was da eigentlich vor sich ging, wollen wir ein bisschen den Hintergrund anschauen. Das war die Landkarte von Europa Anfang 1798 oder Ende 1797. Hier sehen wir Frankreich. Frankreich war 1789 erschüttert worden von einer großartigen Revolution, die das ganze Land erfasst hat, und dann ab 1792 begann ein großer Revolutionskrieg. Die Hauptgegner, die sich Frankreich in den Weg gestellt haben, waren Österreich. Weiß jemand, wie dieses Land hier heißt? Das ist Preußen, ganz genau. Das ist einfach hier, oder? Das war Großbritannien, inklusive Irland, und dann hier, das war Russland. Interessanterweise gab es damals auch kein Norwegen, sondern Dänemark hatte hier ein großes Königreich. Das war Schweden natürlich. Spanien und Portugal sind uns bekannt. Deutschland war ziemlich zersplittert mit vielen, vielen kleinen Staaten. Hier haben wir die Schweiz, die Eidgenossenschaft. Und die Franzosen hatten in diesen letzten Jahren, von 1792 bis 1797, etliche Gebiete erobert. Sie hatten hier die österreichischen Niederlande erobert, die Batavische Republik, sie hatten die linksrheinischen Gebiete erobert, und sie hatten eine ganze Reihe von Republiken hier gegründet in Norditalien: die Piedmont und die Ligurische Republik und die Cisalpine Republik und so weiter. Und sie wollten lauter solche kleinen Staaten gründen, um damit die Französische Revolution sozusagen nach Europa zu tragen. All diese kleinen Staaten, die hier gegründet worden waren von den Franzosen, waren alles Tochterrepubliken, die auf den gleichen Prinzipien aufbauen sollten. Und Frankreich hatte sich überlegt, auch den Kirchenstaat aufzulösen, der hier ist. Das ist der Kirchenstaat, hier ist Rom. Auch hier sollte eine Republik entstehen. Schon 1796 sollte das geschehen. Napoleon, der hier diese ganzen Gebiete erobert hatte, hatte schon vorgehabt, den Papst abzusetzen, hatte dann aber Frieden geschlossen. Und das allerdings immer wieder zu Revolutionen auch in Rom gekommen war, hatte dann 1797 das französische Direktorium, die Regierung, beschlossen: Wir setzen den Papst ab, und es soll nie wieder einen Papst geben. Und das war sozusagen die Ausgangssituation.

[5:45] Um 1798 herum gab es auch große Revolutionen hier in der Schweiz. Wie gesagt, ganz Europa waren ein Riesenaufruhr, weil diese Prinzipien der Französischen Revolution, die Philosophien überall begeisterte Anhänger fanden. Und so wollten auch viele Kantone der Schweiz jetzt solch eine französische Tochterrepublik werden. Und so kam es dann im Januar 1798, am 28. Januar, zum sogenannten Franzoseneinfall. Die Franzosen gingen auf breiter Front vor und eroberten die Schweiz. Und dann sollte es, wie gesagt, nach Rom gehen. Der Papst hatte einige nicht so schöne Sachen über die Französische Revolution gesagt. Er hatte zum Beispiel gesagt: Kann man etwas Unsinnigeres ausdenken, als eine derartige Gleichheit und Freiheit für alle zu dekretieren? Also es ging um die französische Erklärung der Menschenrechte, wo alle gleich und frei und brüderlich sein sollten, und der Papst war da nicht so dafür. Und als die französische Regierung ihn aufgefordert hatte: Kannst du das bitte zurücknehmen? hat er gesagt: Natürlich kann ich das nicht zurücknehmen, weil ich habe gesprochen als Papst. Und so erhielt dann Berthier den Auftrag, diesen Papst abzusetzen. Nicht zuletzt deswegen, weil im Dezember der französische Gesandte in Rom von einigen römischen Soldaten, von einem päpstlichen Soldaten, erschossen worden war.

[7:09] Und so erreicht am 9. Februar General Berthier die Außenposten von Rom. Jetzt die Franzosen hat eine interessante Taktik: Sie wollten eigentlich nicht die Stadt mit Gewalt erobern, sondern sie warteten immer darauf, dass eine Revolution innen einbricht, losgeht, und sie dann quasi nur von außen unterstützend eingreifen, so wie sie es auch in der Schweiz gemacht haben. Das Dumme war nur: Diesmal hier in Rom, in den päpstlichen Städten, fing so wirklich keine Revolution an. Als, wie gesagt, am 9. Februar Berthier vor den Toren Roms stand, kam nur ein einziger Patriot heraus, und das war natürlich zu wenig für eine Revolution. Und er hat sich entschieden: Naja, da muss ich halt doch wohl Gewalt anwenden, und hat am 10. Februar mit der Einnahme Roms begonnen. Die Stadt hat relativ schnell kapituliert, und Berthier hat auch versprochen, obwohl er es besser wusste, dass er dem Papst nichts tun würde. Und dann hat man halt die Stadt eingenommen.

[8:14] Und am 15. Februar, das war ein Donnerstag, hat er sich überlegt, dann ein besonderes Exempel zu statuieren. Warum ausgerechnet der 15. Februar? Es gab einen besonderen Grund. Am 15. Februar war das 23-jährige Thronjubiläum von Papst Pius VI. Und der war schon 81 Jahre alt. Und anlässlich dieses großen Tages gab eine große Prozession durch Rom, und es wurden Reliquien nochmal ausgestellt, der ganze Prunk und der ganze Pomp der katholischen Kirche wurde hier nochmal ausgespielt. Gleichzeitig haben die katholischen Priester an jeder Straßenecke gepredigt, die Welt würde untergehen, weil jetzt die ungläubigen, atheistischen, französischen Soldaten in der Stadt sind. Und es war eine sehr merkwürdige Stimmung. Und während dieser Feierlichkeiten zum 23-jährigen Thronjubiläum von Papst Pius VI. hörte man dann, wie Äxte an der Tür der Sixtinischen Kapelle geklopft haben.

[9:14] Und dann ist Folgendes passiert. Der Gesandte Haller aus der Schweiz, ein Abgesandter von General Berthier, der sich für die Finanzen der ganzen Expeditionen zu kümmern hatte, übrigens ein Protestant, der muss wohl wahrscheinlich viel Freude daran gehabt haben, hat die Feierlichkeiten unterbrochen und hat dem Papst einfach erklärt, er sei jetzt abgesetzt. Bei der Gelegenheit hat man auch gleich sechs Kardinäle festgesetzt und die anderen dazu aufgefordert, bei einer öffentlichen Zeremonie Gott zu danken, dass man ihm jetzt sämtliche weltliche Macht abgenommen hat. Und da man ihn mit dem Tod gedroht hat, haben sie es natürlich auch gerne gemacht. Sie haben sich dann öffentlich vor der gesamten römischen Bevölkerung hingestellt und Gott gelobt und gedankt, dass man ihm jetzt endlich alle Macht genommen hat und dass sie jetzt endlich frei sind von aller weltlichen Macht und auch kein Geld mehr eintreiben können und so weiter. Und sie haben ihr Leben mehr geliebt als vielleicht die Kirche, und in dem Moment haben sie es natürlich dann gerne getan.

[10:15] Interessanterweise, der Papst wurde sehr rüde behandelt. Man hat ihn auch ausgelacht und verspottet. Die französischen Soldaten waren nicht besonders nett zu ihm, und ein Zeitzeuge hat beobachtet, wie man ihn dann durch die Gänge der Sixtinischen Kapelle förmlich gezerrt hat und unter anderem auch durch einen besonderen Raum, an dem, wenn der, ich weiß nicht genau, ob der Papst dort Zeit gefunden hat, noch die Gemälde an den Wänden zu betrachten, aber in einem Gemälde, da war eine Darstellung der Bartholomäus-Nacht. Gehört von der Bartholomäus-Nacht? Bartholomäus-Nacht im 17. Jahrhundert, als französische Soldaten auf Geheiß des Papstes zigtausende Protestanten haben umbringen lassen. Frankreich galt für Jahrhunderte als der beste Sohn der katholischen Kirche. Es waren französische Armeen, die dem Papst schon im 6. Jahrhundert zu seinem Thron verholfen haben. Es waren französische Armeen, die die Reformation in Frankreich zunichte gemacht haben, und es war nicht ohne Ironie der Geschichte, dass es jetzt eine französische Armee war, die den Papst gefangen gesetzt hat. Am 15. Februar 1798.

[11:27] Und um die Sache noch schlimmer zu machen, wurde jetzt eine feierliche Erklärung erzeugt. Das ist ein Originaldokument hier. Das ist General Berthier noch mal, auf Französisch und auf Italienisch. Und der entscheidende Satz, der steht hier. Ich weiß nicht, ob man das lesen kann, wahrscheinlich nicht, deswegen haben wir die Essenz in Deutsch hier. Es heißt: Jede temporäre Autorität des Papstes ist unterdrückt, und er wird hinfort keinerlei Funktion mehr ausüben. Und da war das Papsttum eigentlich mausetot. Der Papst hatte keine Macht mehr. Der Staat wurde jetzt umgemodelt, und zwar in die sogenannte Römische Republik, die wurde prompt ausgerufen. Es wurde ein Baum der Freiheit gepflanzt. Das haben die Franzosen überall gemacht, wo sie hinkamen, haben sie so einen Baum der Freiheit gepflanzt, um zu sagen: Hier gibt es jetzt keine Aristokratie, keine Kirche mehr, nur noch Gleichheit, Freiheit und natürlich Atheismus. Und aller Besitz des Vatikans ging auf diese Römische Republik über. Und was das faktisch bedeutete, war, dass es kein Papsttum als weltliche Macht mehr gab. Es war ausgelöscht, war nicht mehr da. Das war alles am 15. Februar 1798.

[12:43] Und es ist wahrscheinlich nur ein Zufall der Geschichte, aber an demselben Tag auf der anderen Erdhalbkugel. Wir wissen ja, es gibt ja so eine Zeitverschiebung. Während hier schon die Sonne unterging unter dieser Fahne der neu gegründeten Römischen Republik, da feierte auf der anderen Erdhalbkugel in Nordamerika ein Junge seinen 16. Geburtstag. Am selben Tag. Und sein Name war William Miller. Just an diesem Tag hat er seinen 16. Geburtstag gehabt. Er lebte in Lowhampton. Wir werden noch so viel von William Miller in den nächsten Wochen und Monaten hören, deswegen wollen wir uns hier schon mal kurz über ihn Gedanken machen. Er lebte in Lowhampton, was im Bundesstaat New York liegt, in der Nähe zu Vermont. Damals allerdings sah die USA ungefähr so aus. Das waren so die Bundesstaaten der USA. Der größte Teil von dem, was wir heute als USA kennen, gab es damals noch gar nicht oder gehörte anderen. Zum Beispiel, das war eine französische Kolonie hier, der ganze mittlere Westen, oder spanische Kolonie hier bis runter nach Mexiko. Auch Florida war alles in der Hand von Spanien. Manche Gebiete waren noch gar nicht betreten, außer von Indianern. Und selbst das, was den USA gehörte, war zum Teil noch sehr unorganisiert. Das waren so die Bundesstaaten. Aber selbst hier in New York war eigentlich noch unberührte Wildnis. Da, wo Miller aufwuchs, da gab es außer Indianern und Wölfen und Bären nicht viel. Er wuchs dort wirklich am Rande der Zivilisation auf. Sein Vater war ein angesehener Bürger und ein Veteran der amerikanischen Revolution. Seine Mutter war eine Treubaptistin. Sein Vater war nicht wirklich ein Christ. Seine Mutter war eine Treubaptistin, und beide kamen eigentlich aus Massachusetts, was hier an der Küste liegt, und waren dann in Richtung Westen gezogen, um eine Farm zu kaufen. Sie waren bitterarm. Sie mussten viel Geld bezahlen, um die Farm halten zu können. Und dementsprechend war klein William einem harten Leben ausgesetzt.

[14:49] Es war eine schöne Natur, aber das hat ihm nicht wirklich ausgereicht. William Miller war ein unglaublich kluges Kerlchen. Hier im Schwäbischen sagt man, glaube ich, so ein Käpsel, nicht wahr? Jemand, der immer mehr lernen wollte. Und das Problem war nur: In seiner Familie gab es genau drei Bücher: eine Bibel, ein Psalter und ein Gesangbuch. Für einen kleinen Jungen ist das nicht so das, was er sich wirklich mit beschäftigen wollte. Und er hat sich so dringend Bücher gewünscht und hat in jeder freien Minute gearbeitet, um ein bisschen Geld zu verdienen, einen kleinen Penny hier, einen kleinen Penny da, um sich ein Buch zu kaufen. Weiß jemand, was sein erstes Buch war, das er sich gekauft hat? Robinson Crusoe. Das war sein erstes Buch. Und er hat sich viele andere Bücher gekauft. Er liebt es zu lesen, und sein Vater hatte nicht viel übrig fürs Lesen. Das war ja nur Zeitvertreib. Und so durfte er des Tages über nicht so viel lesen. Und was hat er gemacht? Er hat abends gelesen. Kennt das jemand? Abends lesen? In der Nacht, wenn alle Familienmitglieder im Bett waren, kam aus dem Bett gekrochen, hat sich an den Kamin gesetzt und hatte so Kiefernadeln sich genommen und hat die dann angezündet, hat so kleine Kerzen sich gebastelt und hat dann diesen kleinen Lichtschein gelesen. Hat sich seine Augen auch ein bisschen kaputt gemacht dadurch. Aber das traf natürlich nicht auf Vorliebe bei seinem Vater. Eines Abends ist er mal erwischt worden, und sein Vater hat ihn mit Flüchen in sein Zimmer zurückgeschickt.

[16:26] Und so war es ziemlich schwierig für unseren kleinen Miller, eine Schulausbildung zu bekommen. Eine Schule gab es nicht wirklich, denn das ganze Jahr über musste man auf der Farm helfen. Es gab nur in den Wintermonaten drei Monate Schule. Ich glaube, viele von uns wären froh darüber gewesen. Miller war völlig, wie soll man sagen, völlig unterfordert. Schon nach wenigen Jahren war er weitaus besser als alle seine Lehrer. Und nach einiger Zeit hat er dann die Erlaubnis bekommen, seinem Vater auch in der Umgebung, in Nachbarstädten, gebildete Männer anzufragen, ob er denn Bücher bekommen kann. Und so hat er Bücher gelesen, Bücher gelesen, immer mehr Bücher gelesen, und hat dadurch allerdings auch ein bisschen Einfluss bekommen vom sogenannten Deismus. Hast du was vom Deismus gehört? Deismus war eine ganz besondere Philosophie, die damals aufkam in England und vor allem auch in Frankreich, die besagt: Es gibt zwar noch Gott, aber er kümmert sich nicht um uns. Er hat die Welt geschaffen und dann hat er sie quasi aufgezogen wie so ein Uhrwerk, und seitdem gibt es ihn nicht mehr. War so eine Vorform vom Atheismus, der dann in der Französischen Revolution sehr sich verbreitet hat. Und das begann so langsam in diesem kleinen William sich zu entwickeln.

[17:41] Wir werden in den nächsten Monaten und Wochen, wie gesagt, noch sehr viel mehr über ihn hören. Jetzt erst mal wieder zurück nach Frankreich. Drei Tage später, am 18. Februar, sucht dann dieser Gesandte Haller den Papst Pius auf und sagt, dass er Rom verlassen muss. Jetzt Papst Pius VI. sagt: Na, Moment mal, ich bin 81 Jahre alt, ich werde sowieso bald sterben, kann ich nicht hier in Rom sterben? Antwort von Haller: Nein, du hast zwei Tage Zeit, dann musst du Rom verlassen. Bisschen unfreundlich, nicht wahr? Und der Papst sagt: Also, das ist wirklich ziemlich schwierig. Aber Haller sagt: Nein, du hast jetzt zwei Tage Zeit, kümmere dich um alle Angelegenheiten der Kirche. In zwei Tagen musst du Rom verlassen, und du musst übrigens auch deine beiden Ringe abgeben. Wir wissen ja, der Papst hat zwei Ringe. Einer ist besonders wichtig, der sogenannte Fischerring, und der hat damit zu tun, dass er dem nächsten Papst übergeben wird, von einem Papst zum nächsten. Und Haller sagt zu ihm: Diese beiden Ringe musst du abgeben. Und zwar jetzt. Der Papst weigert sich und sagt: Nein, die sind wichtig, ansonsten kann ich ja kein Nachfolger dann krönen oder küren, oder kann keiner gekrönt werden. Und wie wir schon gesagt haben, die französische Regierung hatte geplant, dass es nie wieder einen Papst geben soll. Das Papsttum sollte ausgerottet werden. Und so hat man den Fischerring mit Gewalt vom Papstfinger abgezogen.

[19:01] Und jetzt kommt einer der Momente, die man nicht wirklich begreifen kann in der Geschichte. Es scheinen nur unbedeutende Momente der Geschichte zu sein, aber doch sind sie irgendwie merkwürdig. Am nächsten Tag hat Papst Pius nochmal den Haller aufgesucht und gesagt: Könnte ich bitte wenigstens diesen einen Ring zurück haben, diesen Fischerring? Und der Haller hat sich wahrscheinlich gedacht: Naja, was soll der Papst noch groß damit machen? Er wird jetzt bald abtransportiert, morgen wird abtransportiert, raus aus seinem Papststaat, und er wird keinen Nachfolger mehr wählen können. Was soll's, wenn es ihm noch Freude macht für seine restlichen Lebensjahre, geben wir ihm den Ring zurück. Und so bekam der Papst am 19. Februar den Ring wieder zurück.

[19:51] Es ist ja so, wenn man eine Wunde bekommt, im allernächsten Moment fangen schon die ersten Blutkörperchen an mit der Gegenreaktion. Man sieht es noch gar nicht, sieht immer noch aus, als wenn die Wunde nur bluten würde. Aber schon am nächsten Tag nach dieser tödlichen Wunde begann so die Gegenreaktion. Noch hat es kaum einer mitbekommen. Und am 20. Februar, am Dienstag, dann muss er tatsächlich Rom verlassen. Und um welche Uhrzeit würden wir wahrscheinlich den Papst wegschicken? Welche Uhrzeit würden wir wählen? 7 Uhr morgens. Es war noch, es war noch finster. Zeitzeugen berichten, es hat geströmt, es hat geregnet in Strömen, es hat geblitzt, es hat gedonnert, und Hunderte von Menschen waren auf den Straßen, um jetzt herauszufinden, was passiert ist. Viele von ihnen haben ihn verflucht, den Papst, als er da in diese Kutsche gestiegen ist, und inmitten dieses Donners und Regens in der Dunkelheit der Nacht ist er abtransportiert worden. Einige haben auf ihn gebetet, nicht alle waren gegen ihn.

[20:53] Und einen Tag später hat dann die römische Interimsregierung einen Aufruf erlassen an alle Soldaten des Papstes, sich jetzt der französischen Armee anzuschließen. Vier Tage später, am 25. Februar, ist der Papst dann angekommen in Siena, in einem Augustinerkloster. Und was jetzt passiert, ist auch sehr merkwürdig. Das hört man selten. Aber während seines Aufenthalts ist das Kloster von einem Erdbeben zerstört worden. Daraufhin musste der Papst umquartiert werden in ein Haus mit dem Titel "Inferno". Weiß jemand, was "Inferno" auf Italienisch heißt? Hölle. Jetzt wohnte der Papst in der Hölle. Und das hat natürlich den Sarkasmus von manchen Ungläubigen noch geschürt. Und am 28. Februar, Verzeihung, am 26. Februar ist dann ein Handzettel in Rom ausgeteilt worden, dass ab jetzt Kirche und Staat in Rom strikt getrennt sind. Zwei Tage später hat dann der neue römische Außenminister den französischen Außenminister informiert, was alles passiert ist. Damals gab es ja noch kein Internet, es gab noch keinen Live-Ticker, auch keine Breaking News auf BBC. Das hat alles Wochen gedauert, bis man da an die Informationen rankam. Und so hat es auch bis zum 5. März gedauert, bis die ersten Londoner Zeitschriften davon berichtet haben.

[22:04] Am 14. März ist übrigens in Paris sogar eine Begräbnisansprache auf das Papsttum gehalten worden. Man hat es für tot erachtet, es war tot, nicht mehr da. Und das geht und das kann uns nochmal zurückbringen nach Amerika, denn dort war auch einiges tot. Nicht das Papsttum, sondern das allgemeine religiöse Empfinden. Seit ungefähr zehn Jahren hat der französische Atheismus, der Deismus, so einen Einfluss gehabt auf die noch junge USA, die war ja erst vor etlichen, vor zehn Jahren ungefähr, gegründet worden, so stark, dass der Präsident, das ist dieser gute Mann hier, sein Name ist John Adams, er war der zweite Präsident der USA, dass er am 14., Verzeihung, am 23. März zu einem nationalen Gebetstag aufgerufen hat. Können wir uns das vorstellen, dass heute der US-Präsident zu einem nationalen Gebets- und Fastentag aufruft, weil die gesamte Nation sich von Gott entfernt hat? Hat zu einer Reformation aufgerufen und hat den 9. Mai auserwählt, um dort einen speziellen Fastentag zu haben.

[23:11] Im April ist auch einiges passiert. Im April ist dann die Schweizer Republik ausgerufen worden, die Helvetische Republik. Die meisten Kantone waren ja sowieso für die Franzosen, aber die Berner haben sich dagegen gestellt. Aber dann wurde die alte Republik Bern unter der Macht der Invasion Frankreichs ebenfalls ausgerottet. Und so ist dann die Helvetische Republik als Tochterrepublik Frankreichs gegründet worden. Frankreich hat auch Genua annektiert, also Frankreich war im Vormarsch, hat militärisch ein Gebiet nach dem anderen erobert. Und dann kam es am 9. Mai zu diesem besagten Gebets- und Fastentag. Und an diesem Tag wurden viele Predigten gehalten, besonders über Prophetie. Das ist interessant, weil die jüngsten Ereignisse, die gerade in Frankreich stattgefunden hatten, bei vielen doch jetzt zum Nachdenken geführt haben, wie soll das weitergehen. Ein Beispiel dafür ist die Predigt "Das Werk Gottes für die Französische Republik", gehalten von Samuel Eusebius McCorkley. Er war ein presbyterianischer Pastor in North Carolina hier. Und in seiner Predigt hat er darauf hingewiesen, dass schon seit über 100 Jahren immer wieder Ausleger der Bibel darauf hingewiesen haben, dass zwischen 1760 und 1810 das Papsttum zugrunde gehen müsste. Das heißt, schon seit etlichen Jahrzehnten hatten Prophetieausleger gewusst: Irgendwann ist das Papsttum jetzt bald zu Ende. Und dass es in dem Jahr passiert ist, war natürlich besonders spannend für ihn.

[24:37] Und in einer Fußnote schreibt er, und er ist wahrscheinlich der Erste, der es entdeckt hat. Er schreibt, er habe entdeckt, dass 538 Rom von den Goten befreit worden sei. Und das ist sehr signifikant, denn 538 bis 1798 sind genau 1062 Jahre. In dieser Predigt ist zum ersten Mal erkannt worden hier in North Carolina. Ein anderer Prediger, Jeremy Belknap, hat an diesem Tag in Boston gepredigt. Und er hat gepredigt über Daniel 2, Daniel 7 und Daniel 8, hat gezeigt, dass Europa in einem sehr unsicheren Zustand ist. Und er hat vorhergesagt, dass auch das unbezwingbare Frankreich, das momentan ein Gebiet nach dem anderen erobert, auch zugrunde gehen wird, weil Daniel 2 es sagt. Und so haben also viele an diesem Tag über Prophetie gepredigt.

[25:32] Am 19. Mai ist dann Napoleon nach Ägypten aufgebrochen. Die Franzosen wollten Ägypten erobern, um dort auch die Wissenschaft zu erforschen, die alte Kultur. Fünf Tage später begann dann auch die Revolution in Irland. Und am 26. Mai wurde Papst Pius VI. weitergebracht nach Florenz.

[25:56] Eine andere interessante Predigt, die gehalten worden ist, nicht nur in Amerika, sondern auch in England. Hier sehen wir einige Traktate aus der Zeit, aus England. Hier eine Predigt mit dem Titel "Rome is Fallen", auch ein Originaldokument aus der Zeit. Sie wurde gehalten von Francis Brangham über Offenbarung 14, Vers 8. Und in dieser Predigt hat er gezeigt, dass offensichtlich die 1260 Jahre der Prophetie zu Ende gegangen sind. Und er beruft sich auf ein Buch von Edward King. Edward King hier, das war das Buch von ihm: "Bemerkungen über die Zeichen der Zeit", auch gedruckt 1798 in London. Er war Anwalt, 53 Jahre alt. Und hier haben wir mal einige Bibelstellen, auf die sie sich bezogen haben. In Daniel 7, alle Protestanten waren sich einig, dass Daniel 7 von dem Papsttum spricht, von einer Zeit, zwei Zeiten, eine halbe Zeit, oder auch von 1260 Tagen, die nach der Prophetie ein Jahr sein sollten.

[27:02] Und was das Besondere an King war: Nachdem schon so viele gewusst haben, es werden 1260 Jahre sein, niemand hatte wirklich gewusst, wann ist der Anfangszeitpunkt für diese 1260 Jahre. Und viele hatten Vermutungen angestellt. Und wie gesagt, in diesem Jahr hat man entdeckt, und King war einer derjenigen, dass 538 das Jahr war, wo Rom tatsächlich, wo das päpstliche Rom seine Macht entfalten konnte. Und dann schreibt er hier etwas: "We have reason to apprehend them", also wir haben Grund anzunehmen, dass die 1260 Jahre nun vollendet sind. Und an einer anderen Stelle im Buch schreibt er: "Während ich dies schreibe, zittere ich." Um uns das vorzustellen, wie das gewesen ist, an dem Jahr zu erleben, wie Prophetie sich vor den eigenen Augen erfüllt. Und nun ja, er hat auch geglaubt, dass die Plagen schon ausgegossen werden. Und er schreibt hier dann: "Wenn das so ist, dann ist Babylon gefallen, ist gefallen, es ist herabgestürzt und soll nicht mehr gefunden werden." Und er sagt dann: "Es bleibt nichts anderes für uns, als dass wir warten auf das Ende." Die ersten Prediger haben angefangen, schon diesem Jahr zu erkennen, dass 1798 die Zeit des Endes ist. Viele haben das noch nicht gesehen, aber es gab hier und da schon Prediger, die es in ihren Predigten gepredigt haben.

[28:25] Währenddessen war, wie gesagt, Napoleon auf Reise nach Ägypten. Hat am 12. Juni Malta besetzt. Der Großmeister des Malteserordens musste deswegen fliehen, ist nach Russland geflohen. Und am 1. Juli hat Napoleon dann Ägypten erreicht. In dem Zusammenhang, vielleicht noch ganz kurz die Erwähnung: Am 8. Juli feierte noch ein kleiner Junge Geburtstag. Sein Name war nicht William Miller, sondern Joseph Bates. Mal von Joseph Bates was gehört? Joseph Bates wurde damals sechs Jahre alt. Und er hat von all dem noch nicht viel mitbekommen, aber er hatte einen großen Traum. Welchen großen Traum haben die männlichen Zuschauer unter uns, als sie sechs Jahre alt gewesen sind? Was hat man so als Junge mit sechs Jahren für einen Traum? Er wollte Seefahrer werden. Er wollte unbedingt Seefahrer werden. Und ob das was geworden ist, werden wir in den nächsten Wochen und Folgen feststellen.

[29:22] Aber zurück zu Napoleon. Er hat einige Schlachten geschlagen dort in Ägypten, unter anderem die Schlacht bei Schubrakit am 13. Juli und auch die Schlacht bei den Pyramiden am 21. Juli. Beides mal eine große Siege für die Franzosen. Und am 24. Juli haben sie dann Kairo eingenommen. Und damit hatten sie die Briten dort aus diesem Gebiet vertrieben. Und das war deswegen interessant, weil wir gesehen haben, das Osmanische Reich in dieser ganzen Gegend regiert hat und viele Prophetieausleger auch immer auf die Türkei geschaut haben und auf das Osmanische Reich. Und dass plötzlich die ganze Weltgeschichte hier auf Ägypten geschaut hat. Und es war sicherlich ein interessanter Anblick, große Kriegstiere direkt an den Pyramiden von Gizeh zu sehen, die dort gekämpft haben. Und es sah so aus, als ob Frankreich jetzt sogar den Nahen Osten erobern würde.

[30:13] Als dann am 1. August etwas Signifikantes, also wirklich Unglaubliches passiert ist: Die Briten hatten sich auf den Nil gewagt mit ihrer gesamten Flotte und haben dort auf dem Nil in der Seeschlacht von Aboukir die gesamte französische Mittelmeerflotte vernichtet. Und das bedeutet, dass Napoleon mit seiner gesamten Armee in Ägypten abgeschnitten war. Und das war natürlich eine große Katastrophe. War eine der berühmtesten Seeschlachten in der Geschichte der Menschheit. Und wir werden später nochmal kurz darauf eingehen.

[30:46] Am 13. August gibt es auch eine interessante Predigt zu vermerken, hier von Richard Valpy. Und auch er hat davon gesprochen, dass die 1260 Jahre von 1538 bis 1798 gehen. Es gab also verschiedene Leute, er ist auch in England gewesen, hat eine Predigt gehalten mit Matthäus 24, Vers 44. Und er sagt, man sollte sich unbedingt mit der Prophetie beschäftigen. Viele Leute zu der Zeit haben sich mehr mit den französischen Philosophien beschäftigt, aber diese Prediger und diese Männer Gottes haben deutlich gemacht: Schaut her, Prophetie erfüllt sich, es ist Zeit, sich vorzubereiten auf die Wiederkunft.

[31:24] Es gibt noch einige andere Predigten, die interessant waren, die wir nur ganz kurz hier erwähnen wollen. Eine besondere Predigt war die Predigt "The Sermon on the Dangers of the Times", eine Predigt über die Gefahren der Zeit, wo ein amerikanischer Prediger in Massachusetts darüber gepredigt hat, dass der Deismus und der Atheismus und der Materialismus und all die anderen Ismen der Französischen Revolution Amerika bedrohen und dass diese französischen Philosophien, die drei Frösche aus Offenbarung 16 sind, die jetzt die ganze Welt in ihren Beschlag nehmen.

[32:00] Und noch etwas wollen wir für das Jahr 1798 beobachten, und zwar, das ist die Gründung von Missionsgesellschaften. Schon seit einigen Jahren hatten protestantische Kirchen damit begonnen, Missionsgesellschaften zu gründen. Ich weiß nicht, wer diesen Mann hier kennt, dieses Zitat: "Erwarte Großes von Gott und unternimm Großes für Gott." Schon mal gehört? Ganz berühmtes Zitat. William Carey. Er hatte 1792 die Baptisten Missionsgesellschaft gegründet. Er war 1793 als erster Missionar der modernen Zeit nach Indien gegangen. Und daraufhin gab es eine ganze Reihe anderer Gründungen. 1795 wurde die London Missionary Society gegründet, 1796 eine Missionsgesellschaft in New York, 1797 eine Missionsgesellschaft in den Niederlanden, und jetzt 1798 eine in Amerika, in Connecticut, die sich vor allem damit beschäftigte, den Nordwesten Amerikas zu erreichen.

[32:59] Und so sah also 1798 am Ende des Jahres Europa aus. Europa hatte sich nur unwesentlich verändert. Statt dem Kirchenstaat gibt es jetzt hier die Römische Republik.

[33:17] In den letzten Minuten wollen wir ganz kurz noch einige wenige Ereignisse aus dem Jahr 1799 anschauen, die wichtig sind. Gleich im Januar des nächsten Jahres, 1799, haben die Franzosen angefangen auch Neapel anzugreifen, haben dort die sogenannte Parthenopäische Republik ausgerufen. Ihre Philosophie fängt in der Revolution hier an und gründet dann eine kleine Republik, sodass da viele kleine Republiken sind, die keine große Macht haben, die aber alle inhaltlich sozusagen abhängig sind von den Franzosen.

[33:49] Am 10. Februar gab es eine berühmte Predigt von George Stanley Faber. Er war 26 Jahre alt, er war ein Gelehrter von der Oxford Universität. Und in seiner Predigt hat er versucht zu erklären, wie die jüngsten Ereignisse der Französischen Revolution die Erfüllung der fünf ersten Plagen sind. Und das war ein bisschen abenteuerlich, wie er das gemacht hat, aber seine Schlussfolgerung ist ganz interessant. Er sagt: "Im Ganzen ist es nicht unsinnig zu schlussfolgern, dass wir in einer Periode leben und dass die Periode sich ganz schnell nähert, wenn Himmel und Erde schließlich vergehen werden, und wir werden bald vor dem Richterstuhl Christi allesamt versammelt werden." Also da gab es schon um diese Zeit eine ganz große Wiederkunftserwartung in vielen Kreisen.

[34:43] Und am 12. März diesen Jahres 1799 begann dann der Krieg in Europa wieder. Österreich, Russland und Großbritannien haben sich zusammengeschlossen, um dieses Vorwärtsdrängen Frankreichs zu unterbinden. Die Zeit war ja günstig, Napoleon war ja abgeschnitten in Ägypten, konnte nicht eingreifen, und so hat man angefangen Krieg zu führen. Die erste Schlacht fand hier in der Nähe von Stuttgart statt. Das war das Winterquartier der Franzosen, das war das Winterquartier der Österreicher, und hier in der Nähe von Ostrach, in der Nähe von Tuttlingen, fand die erste Schlacht statt. Die Österreicher haben die Franzosen besiegt. So auch vier Tage später bei Stockach. Das war eine wirklich bewegende Zeit, eine Schlacht nach der anderen, Europa war in totalem Aufruhr.

[35:30] Und zwei Tage später nach dieser Schlacht ist dann Papst Pius wieder umgesiedelt worden, weil jetzt die Österreicher und die Russen in die Schweiz eindrangen und nach Norditalien eindrangen, musste man ihn retten Richtung Frankreich. Man hat ihn dann erstmal nach Parma verschifft und dann ist er einige Zeit später nach Valence gekommen, nach Frankreich. Das war am 14. Juli. In der Zwischenzeit hatten die Österreicher noch viele andere Schlachten gewonnen, hatten Norditalien erobert, hatten auch die Schweiz mittlerweile in der ersten Schlacht von Zürich.

[36:21] Und hier kam nun der Papst nach Frankreich. Das war am 14. Juli. Und einen Tag später hat man diesen Stein hier entdeckt. Weiß jemand, wer das für ein Stein ist? Das ist der Rosetta-Stein. Und da sieht man die Bedeutung der französischen Ägypten-Expedition. Die waren dann nach Ägypten gegangen mit Napoleon. Und in diesem Zuge sind viele Wissenschaftler und Archäologen und Geschichtsschreiber da hingegangen. Und die haben da gebuddelt und haben unter anderem diesen Stein gefunden mit Hieroglyphen und mit Demotisch und mit Griechisch.

[37:03] Und zwei Tage später, Verzeihung, drei Tage, nein, stimmt nicht, 13 Tage später, am 28. Juli, am 28. Juli stirbt Pius VI. in elenden Umständen. Verlassen von allen, er durfte auf der letzten Reise nicht mal mehr seine besten Freunde mitnehmen. Krank, alt, ohne echte Versorgung, stirbt er am 28. Juli. Und ganz Europas überzeugt, das Papsttum ist ausgelöscht, ist tot.

[37:41] Währenddessen, wie gesagt, diese Koalition aus Russland und Österreich erobert viele Gebiete, die die Franzosen erobert hatten, wieder zurück. Hier eine Schlacht bei Novi in Norditalien, wo die Franzosen wieder geschlagen werden und jetzt die Russen, die die Österreicher unterstützen, die Franzosen wieder zurückdrängen Richtung Schweiz, Richtung Frankreich. Und als das Napoleon beobachtet hat, ist er unruhig geworden. Er saß da mit seiner Armee in Ägypten, konnte nichts machen, und all die Gebiete, die er erobert hatte, er hatte ja Norditalien erobert, er hatte die ganzen Republiken dort gegründet, es gingen alle wieder zurück an die Österreicher. Sogar die Römische Republik ging wieder unter, die gerade erst gegründet worden war im Jahr davor. Also diese ganzen Republiken, das war eine sehr wechselvolle Zeit, war jetzt wieder zugrunde gegangen.

[38:28] Und so hat er sich gesagt: Ich muss was unternehmen. Und hat er was Interessantes gemacht. Napoleon hat seine Armee im Stich gelassen. Hat sich einfach auf das nächstbeste Schiff gesetzt und ist losgefahren. Hat nicht mal seiner Armee Bescheid gesagt, hat seine Armee in Ägypten gelassen und ist dann nach Richtung Frankreich gereist.

[38:50] In der Zeit, als er unterwegs war, haben die Franzosen bereits ein bisschen wieder Land gewinnen können. In der zweiten Schlacht von Zürich haben sie ein bisschen wieder die Österreicher zurückgedrängt. Und dann am 9. Oktober kam er an. Napoleon erreicht das Festland und einen Monat später, am 9. November 1799, lässt er sich zum ersten Konsul krönen. Der Staatsstreich des Napoleon. Denn Frankreich war so ein bisschen in die Krise geraten. Und obwohl das Parlament nicht wirklich dafür war, was unter anderem daran lag, dass Napoleon zwar ein begnadeter Feldherr war, allerdings überhaupt nicht reden konnte. Er konnte keine Rede halten, konnte niemand begeistern. Er hat nur gesagt: Lass mich doch endlich regieren. Und er hat nur gesagt: Weg mit dir, du Diktator. Und dann kam das Militär und hat das durchgedrückt, dass er die Macht an sich reißen konnte.

[39:46] Und kurze Zeit später, am 13. Dezember hat dann Napoleon die Revolution für beendet erklärt. Er hat gesagt: Wir hatten eine 10 Jahre Revolution, das ist schön und gut. Ab jetzt bin ich der Herrscher. Ab jetzt geht es nach meiner Fasson. Und das hat dazu geführt, dass die Russen ein bisschen kalte Füße bekommen haben und nicht Frieden geschlossen haben, aber sich aus der Koalition gegen Frankreich verabschiedet haben. Und Napoleon hat einige Dinge vorbereitet. Er befand sich immer noch im Krieg mit Österreich. Wie das weiterging, werden wir nächste Woche sehen.

[40:21] Abschließend noch ganz kurz einige Bemerkungen zu dem, was in diesem Jahr in Amerika passiert ist. Hier in Kentucky, im äußersten Westen, das ist das, was wir so aus Wild-West-Filmen kennen. Da, wo es noch keine Sheriffs gab, wo Gesetzlosigkeit überhandnahm, Trunkenheit. Da begann im Jahre 1799 etwas anzufangen, was die nächsten 30 Jahre in Amerika für Aufregung sorgen sollte, nämlich eine gewaltige Erweckung, und zwar das erste Camp-Meeting der Geschichte. Camp-Meeting bedeutet, damals gab es so Prediger, die als Evangelisten in die Weiten des Westens gereist kamen, um dort wieder das Christentum zu verbreiten, weil es gab keine wirklichen Kirchen, die man hier gegründet hatte, weil es einfach noch keine richtige Zivilisation gab. Und bei einem dieser Predigten kamen so viele Menschen zusammen, so viele Siedler, die Hunger hatten nach dem Wort Gottes, dass sie zu Tausenden, teilweise zu Zehntausenden, sich draußen versammelten. Und die Idee geboren wurde, warum sich nicht tatsächlich im Sommer immer zu solchen großen Lagerversammlungen draußen zusammenfinden. Und das war das erste Camp-Meeting 1799 hier in Logan County in Kentucky. Und weil das so ein Riesenerfolg war, hat man sich gedacht, für das nächste Jahr, für 1800, müssen wir unbedingt eins organisieren.

[41:47] Es gab auch in den Neuenglandstaaten hier, in Massachusetts und in Rhode Island und in New Hampshire usw. gab es auch viele Erweckungen. 1799-1800 war so die Schwelle, wo nach unglaublichem Atheismus in Amerika jetzt plötzlich wieder Religion eine Rolle gespielt hat und es zu großen Erweckungen kam.

[42:10] Und die letzte Bemerkung für heute, vielleicht noch ganz kurz dazu: Es wurden weiter Missionsgesellschaften gegründet. Nachdem letztes Jahr Connecticut 1798 gegründet wurde, wurde jetzt eine in Massachusetts gegründet, ebenfalls mit dem Ziel hier, das Evangelium in den Westen zu bringen, das Evangelium auch zu den Indianern zu bringen, das Evangelium zu den Siedlern zu bringen. John Henry Livingstone hielt eine Predigt in New York vor der Missionsgesellschaft über Daniel 2 und sagt: Jesus kommt bald wieder, die Ereignisse in Europa zeigen, die Plagen werden ausgegossen, wir müssen uns vorbereiten, wir müssen Missionen machen. Und das hat es bis kurz vor 1800 nicht gegeben. In den Jahrhunderten vorher gab es kaum Missionsgesellschaften und kaum Missionsbemühungen überhaupt in der Christenheit. Und 1800-1799 ist so ein Turning Point, sagt man in der Geschichte, wo plötzlich in der gesamten Christenheit, egal ob bei den Methodisten, Presbyterianern, Kongregationalisten, in ganz verschiedenen Denominationen, die Idee einsetzte: Menschen meint, warum bringen wir das Evangelium nicht anderen?

[43:15] Und das Ganze gab es sogar in Deutschland. Deutschland, wie gesagt, war ja eigentlich eine Ansammlung von vielen kleinen Staaten, kein Mensch weiß, wie viele es genau waren, aber alles war zusammengehalten durch dieses Heilige Römische Reich Deutscher Nation, zum Thema ein Teil Österreichs gehörte, ein Teil Preußens. Alle, die deutsch sprachen, waren hier so da mit drinnen. Und hier im Westen Deutschlands wurde die erste deutsche Missionsgesellschaft gegründet. Und zwar in Elberfeld, der Ort, wo auch die Elberfelder Bibel übersetzt wird. Die Elberfelder Missionsgesellschaft durch lutherische und reformierte Pastoren.

[43:58] Und der allerletzte Punkt für heute, den finde ich am allerbesten. Und der betrifft dieses kleine Herzogtum. Weiß jemand, wie das heißt? Steht auch da, nicht wahr? Schwerin, Mecklenburg. Mecklenburg ist ein schönes Land, nicht wahr? Liegt unheimlich daran, dass ich da herkomme. Und hier in Mecklenburg gab es einen Prediger, von dem, glaube ich, noch nie ein Mensch etwas gehört hat. Na, das stimmt nicht, es haben schon einige von ihm gehört, aber es ist relativ unbekannt. Sein Name ist Christian Gottlob Tubbe. Er war Prediger in Baumgarten in Mecklenburg-Strelitz und Schwerin. Und er hatte bereits 1775 auf besonderen Wunsch des Herzogs eine Predigt gehalten und hatte gesagt, dass innerhalb der nächsten 15 Jahre eine Revolution stattfinden würde. Hat das aus der biblischen Prophetie begründet. Und was passierte? Innerhalb der nächsten 15 Jahre gab es eine große Revolution, nämlich die Französische Revolution. Dementsprechend war der Herzog recht begeistert von diesem Christian Gottlob Tubbe. Und er hat dann ein Buch herausgegeben, das heißt "Anleitung zum richtigen Verstande der Offenbarung Johannes". Und in diesem Buch sagt er natürlich, dass die wahre Gemeinde, die Gemeinde aus Offenbarung 12 ist. Und er schreibt auch von dem ersten Tier Offenbarung 13, dass das Papsttum wäre, das übrigens eine recht neue Erkenntnis war. Die meisten hatten geglaubt, das zweite Tier Offenbarung 13 sei das Papsttum damals. Aber dieser kleine mecklenburgische Prediger macht eine Entdeckung, die vor ihm keiner gemacht hat und auch nach ihm noch lange keiner machen wird. Er entdeckt nämlich im Text von Offenbarung 13 etwas, was keiner hier in Europa für möglich hält. Er entdeckt in seinem Buch, dass es heißt, dass das Tier zu Tode verwundet ist, aber dass die tödliche Wunde auch wieder geheilt werden wird.

[45:51] Und so schreibt er im Jahre 1799 in Mecklenburg, dieser Pastor, obwohl nichts danach aussieht und alle politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen dagegen sprechen, der Papst tot ist, der Kirchenstaat aufgelöst ist, aller Besitz nach Frankreich gegangen ist, schreibt er in seinem kleinen Büchlein, das Papsttum wird wieder zurückkommen. Und ob das passiert ist und was Napoleon an der Spitze Frankreichs so getan hat und ob William Miller, der mittlerweile erwachsen geworden ist, eine Frau gefunden hat, das sehen wir alles nächste Woche. Und da wird unser Thema heißen: "Ein neues Jahrhundert", und wir werden unsere Geschichte weiter erzählen. Denn wir haben nichts für die Zukunft zu befürchten, es sei denn, wir vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat.


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