In dieser Folge der Serie „Die Zeit des Endes“ beleuchtet Christopher Kramp die turbulenten Jahre 1829 und 1830. Er beschreibt, wie sich die Adventbewegung in Großbritannien formierte und wie wichtige Prophezeiungen studiert wurden. Gleichzeitig zeigt er auf, wie der Satan mit verschiedenen Verführungen wie Spiritismus und Irrlehren versuchte, die aufkommende Bewegung zu untergraben. Die politischen Umwälzungen in Europa und die Entstehung neuer religiöser Bewegungen wie die Mormonen werden ebenfalls thematisiert.
Die Zeit des Endes: 19. Die Revolution kehrt zurück (1829 – 1830)
Christopher Kramp · Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er) ·Themen: AdventgeschichteWeitere Aufnahmen
Serie: Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er)
-
0:0
-
0:0
-
0:0
Transkript
[0:00] Einen wunderschönen guten Abend! Herzlich Willkommen zu unserer Serie „Die Zeit des Endes“. Schön, dass ihr da seid und schön, dass ihr auch live zugeschaltet seid auf joelmedia.de oder wenn ihr zu einem späteren Zeitpunkt die Aufnahme euch anseht, fühlt euch auch herzlich begrüßt. Wie jeden Abend wollen wir mit einem Gebet starten und dann hineingehen in unser heutiges Thema, wo wir die Jahre 1829 und 1830 betrachten wollen, und im Titel: „Die Revolution kehrt zurück“. Aber zuerst möchte ich euch einladen, gemeinsam mit mir ein kurzes Gebet zu sprechen. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen für diesen wunderbaren Tag, für alles, was du uns geschenkt hast, für die Erfahrungen, die wir machen durften. Und wir möchten dich bitten, dass, wenn wir auch jetzt studieren, wie du dein Volk geführt hast und wie bestimmte Dinge auch in der Weltgeschichte zusammengekommen sind, dass du uns durch deinen Heiligen Geist zeigst, was wir daraus lernen können für unsere Zeit, damit wir vorbereitet sind auf die Dinge, die noch kommen werden. So bitten wir dich jetzt, dass du bei uns bist nach deiner Verheißung. Amen.
[1:06] „Die Revolution kehrt zurück.“ Die heutige Folge ist eine besonders dramatische, denn ich glaube, heute werden wir so an einen Schlüsselpunkt kommen, um zu verstehen, warum die Adventbewegung so weiter ging und nicht anders. Wir haben sehr viel heute vor und wir wollen gleich damit beginnen. Im Jahre 1829 und dort ziemlich am Anfang des Jahres, im Januar, gab es in Amerika eine recht große Diskussion unter den verschiedenen Kirchen. Das hing damit zusammen, dass etliche Kirchen sich zusammengeschlossen hatten im Zuge dieser gewaltigen Erweckungsbewegung, die es ja gab. Und immer mehr Menschen wurden gerade in diesen Jahren 1827, 1828, 1829 sind zigtausende, hunderttausende Menschen in die christlichen Kirchen gekommen. Und im Zuge dieser Erweckungsbewegung haben sich die christlichen Kirchen, viele von ihnen, gedacht: „Wir sollten auch den Sonntag beschützen und wir sollten sozusagen christliche Werte auch durch den Staat hier schützen lassen.“ Und so hat man versucht, durchzudrücken, dass am Sonntag keine Post mehr zugestellt werden darf. Man hat das den entsprechenden gesetzgebenden Versammlungen vorgelegt. Und am 19. Januar ist dann vom Kongress ein Bericht angenommen worden, der Folgendes beinhaltete. Schaut mal her, was es hier heißt. Da heißt es: „Was andere Nationen Toleration nennen, nennen wir religiöse Rechte. Sie werden nicht als Duldung der Regierung ausgeführt, sondern als Rechte, von der keine Regierung – hätte es sein müssen – ihren Bürgern auch nur einen Teil vorenthalten kann.“ Der Kongress hat damals entschieden, dass so ein Gesetz nicht angenommen werden kann, weil man dann Menschen, die nicht den Sonntag halten, dieses Recht der eigenen Bestimmung vorenthalten müsste, oder ihnen halt einfach, dass die tolerieren müsste. So wie in Europa das oft war, dass eine Nation gesagt hat, das ist unsere Staatsreligion, aber wir tolerieren die anderen auch. Aber damals hat Amerika entschieden: Wir wollen nicht einfach nur Andersdenkende tolerieren, sondern alle sollen die gleichen Rechte haben. Und dieses Gesetz ist nicht durchgekommen.
[3:11] Dann im Februar gab es ein überraschendes Ereignis: Papst Leo XII. starb im Alter von nur 68 Jahren. Er hatte nur fünfeinhalb Jahre lang sein Amt ausgeführt. Er war der zweite Papst nach der tödlichen Wunde gewesen, ein besonders Eifriger, und er ist gestorben. Und so musste man sich schon wieder nach einem neuen Papst umsehen. Es war ebenfalls im Frühjahr, als Josef Wolf nach sieben Monaten Aufenthalt in Jerusalem dieselbe Stadt jetzt verlassen hat. Er war immer noch sehr, sehr schwach. Er war ja etliche Monate zuvor vergiftet worden dort in Jerusalem in einem Kaffeehaus und hat aber trotzdem viel erreichen können, hat mit vielen Juden dort sprechen können und hat das Evangelium gepredigt. Jetzt reist er in einer Karawane Richtung Jaffa zusammen mit seiner Frau.
[4:03] Im März 1829 beginnen dann die britischen Adventgläubigen, die wir vielleicht sogar als britische Adventisten bezeichnen könnten, also all jene, die an diesen berühmten Albury Park Konferenzen teilgenommen haben, ein gemeinsames, oder viele von ihnen ein gemeinsames Projekt herauszubringen: eine Zeitschrift mit dem Titel „The Morning Watch“, die Morgenwache, wo auf die baldige Wiederkunft hingewiesen werden soll. Initiiert wird sie unter anderem von Edward Irving, jenem bekannten Prediger aus London, finanziert von Drummond, seinem Freund. Sie erscheint alle drei Monate und bringt zu einige der wichtigsten Themen, die man dort studiert hat, gemeinsam jetzt unter die Massen. Themen sind zum Beispiel die Zeiten der Prophetie oder die Pflicht, unerfüllte Prophezeiungen zu studieren, oder die Vision von Zacharias, die erste Auferstehung. Auch andere Dinge wie die menschliche Natur Jesu und viele solcher Dinge, die jetzt hier gemeinsam weitergegeben werden. Interessanterweise ist zu dieser Zeit ein besonderer Trend für die britischen Adventgläubigen: die Offenbarung gemeinsam mit dem Heiligtumsdienst zu studieren. Auch das sehr bemerkenswert, dass nicht einfach nur Daten studiert werden, sondern dass ein immer größeres Bewusstsein dafür entsteht, dass man den großen Versöhnungstag studieren muss, um die Offenbarung zu verstehen, dass man das Laubhüttenfest studieren muss. Und einige von ihnen bringen tatsächlich die Offenbarung mit dem kompletten Heiligtumsdienst übereinander und studieren das gleichzeitig. Also hier sieht man, wie Gott das vorbereitet hat, diese Adventbewegung Richtung Heiligtum zu bringen, denn die 2300 Abend und Morgen haben natürlich was mit dem Heiligtum zu tun und mit nichts anderem. Und so sehen wir hier diese ersten Anzeichen auch davon.
[5:46] Es ist in dieser Zeit, dass schon die nächste Generation von jungen Predigern aufsteht, die jetzt nicht mehr das selbst gefunden haben, aber schon von erfahrenen Prophetieauslegern diese Ansichten übernommen haben. Leute zum Beispiel wie Alfred Addis mit seinem Titel „Heaven Opened“, der Himmel, der geöffnet ist. Auch er sagt in diesem Buch, dass 1843 die 2300 Jahre zu Ende gehen werden. Dann würde das Papsttum ausgedehnt werden. Alle wichtigen Prophezeiungen enden bei ihm 1843. Ganz interessanter Mann. Und noch spannender ist der hier, James A. Beck. Der war auch 29 Jahre alt, junger Mann. Ein ewig langen Titel hat dieses Buch. Es heißt: „Ein zusammenhängender Schau einiger der schriftlichen Beweise der baldigen Wiederkunft, der persönlichen Wiederkunft unseres Erlösers und seiner Herrschaft auf der Erde mit seinen verherrlichten Heiligen während des Millenniums und die Wiederherstellung Jerusalems in Palästina und die Zerstörung der antichristlichen Nation mit einigen Bemerkungen über verschiedene Autoren und so weiter und so fort.“ Und das ist ein äußerst interessantes und wichtiges Buch. Dieser James A. Beck, der das geschrieben hat, wird später noch ganz, ganz interessant werden in den nächsten Jahren. Er hat seine Ansichten zum Teil auch von Archibald Mason übernommen und predigt ebenfalls 1843, während die 2300 Abend und Morgen zu Ende gehen.
[7:22] Am 22. März 1829 kommen die Großmächte Europas zusammen: die Briten, die Franzosen und die Russen, und sie legen jetzt die Grenzen von Griechenland fest. Was heute Griechenland ist, war damals noch nicht Griechenland, sondern nur dieses zentrale Teil hier sollte das neu entstehende Griechenland sein, das sich von dem osmanischen Joch befreit hat. Wie gesagt, die Zeit damals war eine sehr spannende Zeit. All die Prophetieausleger schauten gebannt darauf, wie das Osmanische Reich, die Türken zurückgedrängt wurden vom europäischen Festland.
[7:50] Und dann am 31. März hieß es dann wieder: „Habemus Papam“. Diesmal wurde es Francesco Saverio Castiglione, im Alter von 67 Jahren, damals schon recht krank. Und er wird der nächste Papst und er nennt sich jetzt Papst Pius VIII., also in der Reihenfolge von Papst Pius VI. bis zum siebten, versucht er sich da in diese Linie hineinzusetzen. Und es dauert nicht lange, nur, naja, einige Wochen später, da wird auch schon bekannt, was sein Programm ist. Am 24. Mai schreibt er in seiner Enzyklika, was so seine Vorstellungen sind, wie die Kirche weiter zu führen sei. Und er möchte die katholische Religion beschützen und vor allem warnt er vor den Ketzern, die die Bibel in fremden Sprachen verteilen. Und die Bibelgesellschaften sind eine große Schande. Und so tut auch er das, was seine Vorgänger getan haben und kämpft dagegen an. Er warnt übrigens auch vor Geheimbünden, vor den Freimaurerorden und so weiter. Ganz interessant.
[9:02] Es ist zu jener Zeit, als er gekrönt wird, im April, dass in Großbritannien zum ersten Mal seit 1534 Katholiken wieder zu Staatsämtern zugelassen werden. Der sogenannte Catholic Relief Act, der es auch Andersgläubigen außerhalb der anglikanischen Kirche ermöglicht, Staatsämter innezuhaben, wird erlassen. Und so kann die katholische Kirche innerhalb kürzester Zeit dann wieder eine Präsenz in Großbritannien aufbauen. Das war genau in dieser Zeit.
[9:31] Der Mann hier, den haben wir schon öfter in den letzten Wochen kennengelernt, das ist Alexander Campbell, der zu dem Zeitpunkt 41 Jahre ist, jener Hauptvertreter der Christian Connection, Disciples of Christ, wie sie sich nennen, einer Bewegung, die aus allen verschiedenen Gruppierungen der verschiedenen Protestanten herausruft und sagt: „Wir haben nur die Bibel als unseren Maßstab.“ Und er hat im April eine ganz berühmte Debatte mit einem Atheisten, mit einem Deisten mit Namen Robert Owen. Und in dieser Debatte, die über mehrere Tage geht, sagt er auch in Cincinnati damals, dass 1843 Jesus wiederkommen wird und bringt es als ein Beweis für die Prophetie und war davon also ebenfalls ganz überzeugt.
[10:12] Im Juni, in einer weiteren Ausgabe der Morning Watch, wird gesagt, dass nach dem Verständnis einiger Prophetieausleger 1843 gleich vier verschiedene Prophezeiungen enden würden. Dieses Datum, 1843, 1844, 1847, je nachdem, man ist immer nicht ganz sicher, aber dieses Datum hat eine enorme Anziehungskraft, gerade in Großbritannien. Owen wird dort eifrig verkündet. Und einer von denen, die es besonders mit Enthusiasmus verkündigen, ist er hier, Edward Irving, der kein Jahr auslässt, um nicht immer wieder nach Schottland zu reisen, seine Heimat, um dort im Sommer zu predigen. Vor Zehntausenden, er reist auch nach Irland, in Dublin predigt er in großen Hallen von der baldigen Wiederkunft. Er glaubt ja, dass die Wiederkunft 1847 sein wird, weil er nicht an 2300, sondern an 2400 Jahre glaubt und die er früher beginnen lässt. Und in diesem Jahr, 1829, schreibt er ein Buch über Daniel.
[11:15] Und es passiert etwas, was äußerst bemerkenswert ist und was jetzt für unser Verständnis der britischen Adventbewegung von größtem Interesse ist. Wie wir schon in den letzten Wochen nämlich angedeutet haben, haben wir hier, lange bevor Miller überhaupt noch eine Predigt gehalten hat, in Großbritannien eine ganze Reihe von wirklich äußerst fähigen Leuten, die die Wiederkunft um 1844 verkündigen, predigen und alles in Bewegung setzen. Und just in dieser Zeit, 1829, beginnt einer ihrer besten Prediger, Edward Irving, Folgendes zu sagen: Er sagt, bevor Jesus wiederkommt, werden auch die Geistesgaben der Kirche wieder sich manifestieren. Mit anderen Worten, es wird dann auch wieder Heilung geben, es wird Wunder geben und es wird auch Prophetie geben. Noch bevor er selbst so etwas sieht oder erlebt, predigt er aus dem Wort Gottes, dass vor der Wiederkunft Jesu es da einen Geist der Weisbarung geben wird und so weiter. Jetzt ist es eine biblische Tatsache, ohne Frage. Und das ist eine sehr interessante Situation. Ich glaube, dem Satan haben tatsächlich hier die Knie geschlottert, als da Menschen im wichtigsten Land der ganzen Welt, damals Großbritannien, mit einem Enthusiasmus nicht nur predigen: „Jesus kommt bald wieder, die Prophezeiungen erfüllen sich“, sondern auch erkennen: „Die Geistesgaben sind noch relevant“, während die meisten anderen Christen das ablehnen und Wunder nur in die Zeit der Apostel zurückversetzen. Gibt es hier Leute, die wirklich sagen: „Diese britischen Adventisten, wir sollten darauf warten, dass bald diese Geistesgaben sich wieder in der Kirche manifestieren.“ Aber das war ein entscheidender Moment, wir werden gleich noch darauf zurückkommen, warum.
[12:52] Im Juli 1829 ist dann Josef Wolf mit seiner Frau von Tel Aviv, von Jaffa nach Zypern gereist. Dort ist seine Frau erneut sehr schwer krank geworden und als sie dann gesund geworden ist, ging es zurück nach Alexandria, nach Ägypten. Und dort hat er regelmäßig Gottesdienste gehalten für Engländer, für Italiener, für Deutsche und etwas ganz Spannendes gemacht: Er hat einen schriftlichen Aufruf formuliert, ein Plakat formuliert an die Moslems dort in Ägypten und gesagt: „Jesus kommt 1847 wieder, macht euch bereit, das Osmanische Reich wird untergehen.“ Und das hat natürlich für eine Sensation gesorgt dort im ganzen Nahen Osten förmlich und auch für größte Tumulte. Der Josef Wolf war ja nicht auf den Mund gefallen, hat da kein Blatt vor den Mund genommen, hat alle Zeitungen, die er finden konnte, dafür instrumentalisiert. Er hat dann auch diese Botschaft an den Gouverneur von Alexandria bringen lassen und der Bote, der das überbringen sollte, diese Botschaft, ist dann verprügelt worden dort und ging zurück zu Josef Wolf und hat gesagt: „Was hast du für einen Unsinn mir gegeben, was für eine schlimme Botschaft musst du dich überbringen? Und ich möchte Schmerzensgeld haben.“ Und Josef Wolf gibt ihm dann zwei Dollar Schmerzensgeld dafür. Das Ganze wird so heiß, dass irgendwann – hier haben wir Josef Wolf, wie er predigt zu den verschiedenen Moslems – das Ganze wird so heiß, dass der Pascha von Ägypten, der Vizekönig unter den osmanischen Sultanen, Muhammad Ali, davon Wind bekommt und Wolf über den britischen Konsul wissen lässt, dass er wünscht, dass Wolf das Land Ägypten verlasse. Wolf denkt sich erstmal nichts Böses, sagt: „Wer ist schon der Pascha von Ägypten?“ und schreibt zurück: „Er möchte eine schriftliche Aufforderung vom Pascha haben, dass er das Land verlassen soll.“ Muhammad Ali lässt ihn dann wissen: „So eine schriftliche Aufforderung wird es nicht geben, und wenn er nicht bald das Land verlässt, wird er die Konsequenzen spüren.“ Und da merkt Josef Wolf, das ist wirklich ernst und so muss er mit seiner Frau Ägypten verlassen, weil sonst eine Staatskrise in Ägypten droht. So gewaltig war sein missionarischer Input damals.
[15:04] Und dann ist er mit seiner Frau Richtung Griechenland gereist, dort gemeinsam mit einem jungen Mann mit Namen Yusuf. Yusuf war vor kurzem erst zum Protestantismus bekehrt worden von einem anderen Missionar namens Goba und Yusuf ist jetzt der Assistent von Wolf und macht gleich seinen ersten schweren Fehler. In Rhodos, das auch noch von vielen Moslems bewohnt ist, als er dort bei der Ankunft den Kasten mit den Bibeln offen stehen lässt, sodass alle Moslems in wenigen Minuten feststellen, dass der Wolf dort Bibeln anbringt und so können sie genau eine Stunde auf Rhodos verbringen und müssen dann weiterreisen. Das war nicht so clever. Und so geht es weiter nach Tenedos in der Nähe von Troja, dann zur Insel Mytilene, er predigt auf Griechisch, auf Italienisch zu den Griechen, verteilt Bibeln und dann geht es nach Lemnos, da verteilt er ebenfalls Bibeln und dann geht es zum Berg Athos, zum heiligen Berg der Griechen, auch dort verteilt er Bibeln und dann geht es weiter auf dem Berg, auf dem Seeweg zum Berg Kartalia. Und als sie auf diesem Weg sind, werden sie verfolgt und zwar von Piraten. Und Yusuf Wolf hat ja keine Angst vor nichts und niemandem und sagt: „Wir warten einfach auf die Piraten und schauen wir mal, was die machen.“ Aber die griechischen Bootsmänner sagen: „Wolf, wenn du nicht sofort ins Wasser springst und fließt, werden sie dich erschießen. Die griechischen Piraten kennen da nichts.“ Und dann wird es ihm doch ein bisschen mulmig zumute und er springt mit einem Mal aus dem Boot und versucht dann ans Ufer zu schwimmen und ruft dann seinem Assistenten Yusuf zu: „Komm bitte auch mit!“ Und Yusuf kriegt dann die Krise und ruft aus: „Mein Geld, mein Geld!“ und offenbart damit etwas, was Wolf schon lange Zeit vermutet hatte, aber jetzt für sicher weiß, dass Yusuf das Geld, das für die Mission gedacht ist, sich selbst in die Tasche steckt, denn jetzt, wo er das Boot verlassen soll, traut er sich nicht und will es nicht, weil er sein Geld nicht zurücklassen will. Und so nimmt er das Geld sogar in seine Hosentaschen und springt ebenfalls ins Wasser und beide fliehen dann ans Land und trennen sich dort und die Piraten kommen näher und feuern auf sie und unter Kugelbeschuss rennen sie dann beide ins Gebirge. Wolf versucht dort in diesem Gebirge, das von dem er später erfährt, noch kein Eingeborener betreten hat, sich zu verstecken, wird auch dort weiter beschossen. Zudem ist es extrem heiß, es ist hier Juli und er ist ungefähr 30 Stunden dort im Gebirge auf der Flucht. Irgendwann kann er nicht mehr, weil sein ganzes Hemd, alles zerrissen ist, voll Dornen, seine Füße sind voller Dornen, er hat noch drei Monate später Dornen in seinen Fußsohlen gefunden und er findet nichts zu trinken, 30 Stunden lang auf der Flucht dort im Gebirge. Irgendwann verstecken sie sich in Feldspalten, die Piraten sind zum Teil ins Gebirge nachgefolgt, haben sie aber nicht gefunden und als die Piraten dann endlich sich zurückgezogen haben, kommen sie dann wieder zurück an den Fuße des Berges und finden ein wenig Wasser, werden dann sogar von Einwohnern dort begrüßt, bekommen Milch und Brot und werden dann von den Einwohnern nach Thessaloniki, dem alten Thessalonich, begleitet. Und von dort, von Thessaloniki reist er dann weiter nach Smyrna und dann nach Malta. Wir werden ihn in einigen Minuten nochmal später dort weitersehen, was er dort gemacht hat.
[18:41] Jetzt aber zurück zu einigen anderen Dingen. Übrigens am 22. Juli, nur so nebenbei, ist jemand geboren worden, den wir viele Monate später mal kennenlernen werden, nämlich John Nevins Andrews, der spätere Jan Andrews. Der ist damals, 22. Juli, geboren worden in Polen, in Maine.
[19:08] Im September, ebenfalls in „The Morning Watch“, bringen die britischen Adventisten heraus, dass Offenbarung 14 das wichtigste Kapitel der Offenbarung ist und verbreiten das durch ihr Magazin. Und dann am 14. September ist der Krieg zwischen Russland und dem Osmanischen Reich zu Ende. Russland erhält einige Gebiete, Serbien wird autonom, Griechenland wird jetzt endgültig unabhängig und der Machtverfall der Türkei geht weiter. Das Osmanische Reich wird immer geringer in Europa. Und für diese britischen Prophetieausleger ist das natürlich ein, wie sie meinen, eine Erfüllung der Prophetie. Und natürlich, wenn man Offenbarung 9 betrifft oder anschaut, dann kann man das schon auch als ein Indiz werden.
[19:52] Am 26. November hat dann ein kleines Mädchen ihren zweiten Geburtstag, nämlich Ellen Gould Harmon. Und mit zwei Jahren kann man noch nicht so viel sagen über den Charakter eines Menschen, aber so viel wird deutlich: Ihre Zwillingsschwester Elizabeth ist, naja, sehr weinerlich und ein bisschen schüchtern und immer wenn was passiert, dann fängt sie an zu weinen. Aber Ellen ist ganz anders. Ellen ist sehr sonnig und robust und freut sich, wenn sie mit anderen zusammen ist und hat einen sehr sonnigen und aufgeschlossenen Charakter.
[20:28] Dann, Ende des Jahres, treffen sich einige der Prophetieausleger der britischen Adventisten wieder in Albury Park und studieren einige Ergebnisse, die sie haben und bringen das ja dann regelmäßig auch durch ihre Zeitschrift „The Morning Watch“ heraus. Sie zeigen auch, dass Prophetie nicht etwas ist, was erst im 19. Jahrhundert erfunden worden ist, sondern was über die Jahrhunderte hinweg von den verschiedenen treuen Bibelkennern gepredigt worden ist.
[20:56] Übrigens, am 26. Dezember wird in Berlin etwas ganz Merkwürdiges beobachtet. Man sieht dort am Himmel so merkwürdige Himmelszeichen. Wir erwähnen das hier immer wieder auch mal mit, obwohl wir das nicht bestätigen können. Keiner ist dabei gewesen von uns, aber in den Tageszeitungen in Berlin zum Beispiel wird das ganz ausführlich berichtet und die Bibel sagt, es sollen Zeichen sein am Himmel von dem kommenden Stern. Das wurde natürlich da mit großem Interesse aufgenommen.
[21:21] Auch in Deutschland war das kommende Stern immer spürbarer, zum Beispiel hier sogar von einigen Adligen ausgedrückt. Landgraf Karl von Hessen-Kassel 1829 sagt vor der schleswig-holsteinischen Bibelgesellschaft: „Ist nicht die Wiederkunft, von der unser Herr zu seinen Jüngern gesprochen hat, nicht jetzt nahe, da das von ihm erwählte Zeichen erschienen ist?“ Also selbst die Adligen haben dort keinen Hehl daraus gemacht, dass sie glaubten, Jesus kommt wieder.
[21:47] Und diese britische Adventbewegung schwappt jetzt über auch nach Deutschland. 1829 erscheint das Buch „Versuch einer Erklärung der Offenbarung Johannes“, geschrieben von Pastor Sander. Und wo ist es erschienen? In Stuttgart. Also, wie wir schon oft gesehen haben, war Baden-Württemberg, war Stuttgart ein Zentrum. Nicht zuletzt deswegen, weil hier schon seit einiger Zeit die Anhänger Bengels, dessen Theorien verkündigt hatten. Bengel hatte ja schon etliche Jahrzehnte zuvor geglaubt, Jesus würde 1836 kommen. Und bis dahin hatten all die württembergischen Pietisten das hochgehalten, das Datum 1836. Und jetzt um 1829 herum sind es die ersten Deutschen, die durch die Kenntnis der britischen Auslegung ihre Position überdenken und sagen: „Vielleicht stimmt das mit 1836 nicht, vielleicht war das keine gute Idee von Bengel, die 666 als Jahre zu deuten. Vielleicht haben die Briten recht.“ Und sie fangen an, das Datum zu verschieben auf 1843.
[22:48] So sehen wir, wie die britische Adventbewegung jetzt auch auf dem Kontinent überschwappt und hier auch bei uns in Deutschland verkündigt worden ist. Ziemlich deutlich. Ein anderes Land, wo es ebenfalls sehr deutlich wurde, war die Schweiz. Alphonse Nicole bringt seinen Traktat heraus, „Recherche sur Daniel“, wo er über Daniel 8, Vers 13 und 14 schreibt und wiederum sagt, es wird sich ungefähr 1846, 1847 erfüllen. Also, wir sehen jetzt mittlerweile in den letzten Wochen eine unerhörte Anzahl von Leuten, die alle zum Teil abhängig voneinander, zum Teil unabhängig, immer wieder das gleiche sagen. Lange bevor Miller auch nur einen Schritt vor die Tür gemacht hat. Sehr, sehr wichtig und sehr, sehr interessant. Gerade dieser Nicole war einer der wichtigsten überhaupt, denn er zeigt ganz deutlich, warum es 2300 heißen muss in Daniel 8, Vers 13.
[23:36] Noch einige Bücher aus dem Jahr, nur so als Ergänzung noch. Hier zum Beispiel von Reverend William Pym. Und wir zeigen die einfach nur zu sehen, wie viele verschiedene Leute es gab. Es war nicht nur ein oder zwei, sondern es war eine breite Masse. Pym schreibt „Thoughts on Millennialism“, Gedanken über den Millennialismus. Und ein anderes Buch hier ist „A Key to the Revelation of St. John the Divine“, ein Schlüssel in die Offenbarung des Johannes von Reverend Philip Allwood, auch 1829 in London erschienen. Oder hier haben wir „The Believer's Guide to the Study of Unfulfilled Prophecy“, der Führer für den Gläubigen zu den unerfüllten Prophezeiungen. Und wir sparen uns den ganzen langen Titel, das war von einem sogar einem Militärmann, von Lieutenant G. H. Woods, ebenfalls in der ersten Ausgabe 1829 erschienen. Und sie alle haben gemeinsam, dass sie Prophezeiungen auslegen und im Sinne dieser britischen Prophetieausleger verbreiten.
[24:46] Aber einer gibt keine Ruhe und das ist Maitland, der vor einigen Jahren zuvor bereits der erste gewesen war, vielleicht erinnern wir uns daran, der den Futurismus in den Protestantismus einbringen wollte. Das heißt, die Idee, dass all die Prophezeiungen deiner Offenbarung sich erst in der Zukunft erfüllen würden, dass die 1260 Tage nur buchstäbliche Tage sind in der Zukunft, die 2300 Tage buchstäbliche Tage in der Zukunft. Und er ist scharf dafür kritisiert worden für sein erstes Buch, alle haben das abgelehnt. Aber er gibt nicht auf und schreibt ein zweites Buch, „A Second Inquiry“, und bringt mehr Gründe vor, warum er glaubt, dass der Papst niemals der Antichrist sein kann, sondern der Antichrist erst in der Zukunft sein wird. Und so sehen wir, wie der Satan beginnt in dieser kritischen Zeit jetzt, Irrlehren stärker und deutlicher zu betonen.
[25:35] Ein ganz tolles Buch, das noch entstanden ist 1829, kam von ihm hier, von einem, wie er sich selbst nennt, einem Prediger des Landes, Country Pastor. In Wirklichkeit war er der Erzbischof von Dublin. Einer der wichtigsten Menschen seiner Zeit, hochintellektuell, und er schreibt eines der besten Bücher der Zeit über den Zustand der Toten. Es heißt: „Eine Ansicht der biblischen Offenbarung über den zukünftigen Status, also der Toten.“ Und er ist so klar in diesem Buch, dass allein durch dieses Buch zahlreiche Christen in Europa, vor allem in Großbritannien, sich zu der Ansicht bekehren, dass die Toten, wenn sie sterben, wirklich tot sind und schlafen und nicht ewig leben in einem Himmel oder einer Hölle. Und dass auch die Ungläubigen, wenn sie einmal gerichtet werden, völlig vernichtet werden. Das ist ein ganz wichtiges Buch, das von vielen anderen zitiert wurde und imitiert wurde. Aber auch er ist nicht der Einzige. Auch in Deutschland zum Beispiel der deutsche Theologe Karl Immanuel Nitzsch sagt genau das Gleiche in seinem Buch „System der christlichen Lehre der Wahrheit“.
[26:38] 1829 ist auch das Datum, wo zwei Gruppen der amerikanischen Erweckungsbewegung sich verbinden. Einmal die Disciples of Christ unter Campbell und dann die sogenannten Stoneites, die Anhänger von Stone, einem anderen Erweckungsprediger. Sie alle, wie gesagt, lehnen die Methodisten, Baptisten, all diese Denominationen ab. Sie wollen eine Kirche Christi sein, nur anhand der Bibel. Und sie finden Prophetie ganz toll und es sind ungefähr 10.000 Leute in dieser Gruppierung, die sich 1829, 1830 jetzt ganz formal gründet. Sie bringen dann auch eine Zeitschrift heraus, die heißt „The Millennial Harbinger“, das heißt: „Der Bote für das Millennium“. Und in diesem Journal stellen sie ihre Überzeugung dar. Sie sind die ersten Christen, die ganz deutlich sagen: „Das Alte Testament ist nicht mehr wichtig, das Gesetz ist abgeschafft, wir leben nur noch in der Dispensation des Neuen Testaments.“ Und sie warten auf das Millennium. Interessanterweise haben sie auf ihrem Magazin den Leitspruch Offenbarung 14, Verse 6 und 7, weil sie glauben, dass durch ihre Bemühungen das Millennium kommen wird. Sie denken, sie sind der fliegende Engel aus Offenbarung 14. Und sie sind sehr missionarisch aufgebaut, sie bezahlen ihre Prediger nicht, sie müssen sich selbst unterhalten und haben einen sehr demokratischen Aufbau, wie gesagt.
[28:07] Bevor wir zu 1830 kommen, vielleicht noch etwas über Joseph Bates, der ja mittlerweile aufgegeben hatte, sein Seefahrerleben und jetzt als Farmer gelebt hat. Als Farmer hat er nicht so viel Erfolg gehabt wie als Seefahrer. Das lag vor allem daran, weil er keine Erfahrung hatte. Er hat vor allem aus Büchern gelebt, hat immer geschaut, was muss ich tun, hat es dann getan, hat trotzdem keinen Erfolg gehabt. Ihm hat so ein bisschen die praktische Kenntnis gefehlt, wie sie ein William Miller hatte. Aber Joseph Bates hat sowieso noch ganz andere Interessen. Er widmet sich jetzt dem Lesen und vor allem den verschiedenen moralischen Reformen, die es so gibt. Zum Beispiel setzt er sich ein für die Seemänner. Nachdem er lange selbst ein Kapitän gewesen ist, gründet er mit einigen Gleichgesinnten die Fairhaven Seamen's Friends Society, mit der er sich für das Wohl anderer Matrosen einsetzt. Außerdem interessiert sich Joseph Bates für die Heidenmission und für die Arbeit der American Tract Society. Das ist diese Gesellschaft, die amerikanische Traktate verteilt. Traktate über das Evangelium, Traktate über die Gesundheit. Und Joseph Bates gehört zu denjenigen, die gerne Traktate verteilen. Überall, wo er ist, verteilt er Traktate und hilft somit in der Heimatmission. Und dann beginnt er sich zu interessieren für das Thema der Sklaverei. Das war damals ein ganz heißes Thema. Man konnte damals noch viel Ärger bekommen, wenn man gegen die Sklaverei gesprochen hat. Und Joseph Bates wusste, er wird noch mehr Freunde verlieren, wenn er sich dafür interessiert. Er hat schon einige Freunde verloren wegen der Sache mit dem Alkohol, weil er keinen Alkohol mehr trinkt. Und dann wegen all den anderen Reformen. Aber Joseph Bates ist so ein Reformer und er möchte das Gute fördern und ist nicht nur damit zufrieden, einfach nur Schlechtes zu kritisieren, sondern er steht offen dafür ein für diese Anti-Sklaverei-Bewegung und wird da später noch einiges bewegen.
[29:50] Es ist in diesem Jahr 1829 übrigens, dass auch die Jesuiten verboten worden sind in Großbritannien und in Irland. 1830, und das ist das Jahr, wo es jetzt wirklich dramatisch wird um die Adventbewegung. Der Satan zittert, denn er weiß, was los ist. Er sieht, wie in Großbritannien Hunderte die Botschaft verkündigen, Tausende durch die Zeitschriften davon angesprochen werden, wie es auf andere Nationen übergreift, und jetzt muss etwas her. Und das Jahr 1830 ist wie kein anderes Jahr in dieser Zeit ein Wendepunkt in der Adventgeschichte. Wir wollen uns kurz angucken, warum.
[30:20] Zunächst im Januar wird durch solche Zeitschriften wie den Christian Observer weiter verbreitet, was in den Albury Park Konferenzen gefunden worden ist: Jesus kommt bald wieder, noch vor dem Millennium. Es wird nicht erst ein Friedensreich geben, sondern Jesus kommt wieder, es wird Gerichte geben, und das wird verbreitet und hier gedruckt. Aber es ist auch im Christian Observer, dass die ersten kritischen Stimmen aufkommen, zum Beispiel an dem Dienst von Josef Wolf. Er wird kritisiert dafür, dass er so vehement das Datum 1847 verkündigt. Er wird dafür kritisiert, dass er noch an moderne Wunder glaubt, und man hält ihn für ein bisschen exzentrisch oder ein bisschen wild.
[31:05] Im Jahr 1830 versuchen es dieselben Kirchen, die 1829 gescheitert sind, noch einmal in Amerika, so ein Sonntagsgesetz durchzukriegen, dass man Post nicht am Sonntag verteilen darf. Und wieder ist es der US-Kongress, der in seinem Postkomitee Folgendes sagt, 1830: Und ich finde das interessant, weil diese Prinzipien aus dieser Zeit sind wirklich wert, sich im Gedächtnis behalten zu lassen. Wir schauen vergeblich zu diesem Instrument der Verfassung, um mit Autorität sagen zu können, ob der erste Tag, der siebte Tag oder irgendein anderer Tag der Woche vom Allmächtigen heilig gemacht worden ist. Was der US-Kongress damals den christlichen Kirchen gesagt hat, ist so wichtig. Der US-Kongress hat gesagt: „Wir können nicht entscheiden, welchen Tag der Herr heilig gemacht hat. Ihr sagt vielleicht, es ist der erste Tag, aber es gibt auch die Juden, die sagen, es ist der siebte Tag. Dann gibt es andere, die sagen, es ist vielleicht ein anderer Tag. Und wir können“, sagt der US-Kongress 1830, „wir können nicht uns an die Verfassung wenden, um zu entscheiden, welcher Tag gefördert werden soll.“ Und nachdem sie zweimal gescheitert sind, lassen sie es erstmal für einen längeren Zeitpunkt.
[32:13] Und dann geht es los. Es ist im Jahre 1830 im März, dass in Schottland eine junge Dame mit Namen Mary Campbell zum ersten Mal anfängt, unverständliche Laute aus ihrem Mund zu produzieren. Sie fängt an zu lallen und eine Sprache zu sprechen, die keiner verstehen kann. Sie gehört zu denjenigen, die begeistert sind von Edward Irving und seinen Predigten von der baldigen Wiederkunft und von der Erkenntnis, dass hier die Geistesgaben wieder hergestellt werden sollen. Und so glaubt sie, dass das die Gabe der Zungenrede ist, von der die Bibel spricht.
[33:15] Der Ausgeber ist dieser Mann, Joseph Smith, der behauptet, er habe Goldplatten gefunden von einem Engelwesen. Moroni sei angewiesen worden, diese zu übersetzen und das sei das Buch. In diesem Buch werden eine ganze Reihe von völlig unchristlichen und spiritistischen Lehren verkündigt, die aber einen äußerst endzeitlichen Charakter haben. Und so gründet sich nur wenige Tage später, am 6. April, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage. Wieder eine Endzeitkirche, die entsteht, die an den Geist der Weissagung glaubt, wie man hier an Joseph Smith erkennen kann. Ganz, ganz interessant, innerhalb von wenigen Tagen nur, dass diese beiden Dinge sowohl in Schottland als auch in England aufbrechen. Und dann ebenfalls im April, nur wenige Wochen später, behauptet eine weitere Schottin, dass sie eine Prophezeiung empfangen hat und sie sich für eine Prophetin hält. Wir haben also innerhalb von wenigen Wochen drei außergewöhnliche Ereignisse, die alle in die gleiche spiritistische Richtung gehen, die allesamt für sich in Anspruch nehmen, Erfüllung von Endzeit-Prophezeiungen zu sein. Und so wie diese Dinge in Schottland auftreten, diese Zungenrede und diese Prophezeiung, fangen die Anhänger Irvings an, dieser britischen Adventbewegung, das zu untersuchen: Könnte das wahr sein? Ist das die Wahrheit oder nicht? Und jetzt beginnt eine sehr kritische Zeit für die britische Adventbewegung. Wir werden gleich sehen, wie es weitergeht.
[34:34] Am 13. Mai wird Ecuador unabhängig und löst sich von Groß-Kolumbien. Und dann im Mai kommt Edward Irving immer weiter unter Beschuss, unter anderem deswegen, wegen seiner Lehre von der Natur Jesu, dass Jesus eine gefallene Natur nach Adams Fall gehabt hat. Er wird der Häresie bezichtigt. Er schreibt dann ein Buch, wo er seine Lehre verteidigt. Aber das bringt ihm nur noch mehr den Vorwurf der Häresie entgegen.
[35:02] Es ist in jener Zeit, nur wenige Wochen später, am 26. Juni, dass Wilhelm IV. britischer König wird. Und in dieser Zeit, interessanterweise auch, haben die Franzosen Algerien eingenommen. Es gab eine ganz interessante Geschichte, wie das passiert ist. Einige Jahre zuvor war ein französischer Abgesandter in Algerien gewesen. Es war so gewesen, dass Algerien unter anderem, die reichen Sultanate dort, die französischen Revolutionskosten mitbezahlt hat. Die haben sich da horrende Summen ausgeliehen. Und so nach ungefähr 20 Jahren hat der Sultan gesagt: „Naja, wo kommt das Geld zurück?“ Und es war nur drei Jahre vorher gewesen, dass ein französischer Botschafter gesagt hat, vor dem Sultan: „Wir denken gar nicht daran, das zurückzuzahlen.“ Daraufhin hat der Sultan dann mit seinem Palmwedel dem französischen Botschafter drei Schläge auf den Kopf gegeben, was die Franzosen als Anlass genommen haben, Algerien einzunehmen. Und dadurch wurde Algerien französische Provinz, also Kolonie. Das war auch in dieser Zeit.
[36:13] Aber was dann die Welt völlig erschüttert hat, war im Juli, am 27. Juli, beginnt die Juli-Revolution in Frankreich. Ungefähr 30 Jahre nach der Französischen Revolution, erneut Revolution in Frankreich. Das Bürgertum begehrt auf. Der König wird abgesetzt, es kommt zu Barrikadenkämpfen und Europa steht plötzlich wieder unter Schock. Der Satan zieht also alle Register innerhalb von wenigen Wochen: Spiritismus in Nordamerika, Spiritismus in Schottland und politischer Aufruhr in Zentraleuropa. Ganz, ganz interessant. Der französische König Karl X. muss fliehen nach Großbritannien, da haben wir ihn, und ein neuer König wird eingesetzt, der sogenannte Bürgerkönig Louis-Philippe I., der jetzt sozusagen vor allem mit dem Bürgertum regiert und die liberalen Forderungen umsetzen soll.
[37:11] Und es ist in jener Zeit, im Sommer 1830, dass Edward Irving, jener fantastische Prediger und großer Rhetoriker und Verkündiger der Adventbotschaft, zu dem Schluss kommt, dass jene Phänomene in Schottland biblisch echt sind. Er erkennt sie an als die wahre Erfüllung dessen, was er vorher gesagt hat. Er hat ja gepredigt, es wird bald einen Geist der Weisheit geben, es wird bald Wunder geben, und er erkennt diese Zungenrede dort in Schottland als die Erfüllung an. Und das ist der Anfang vom Ende und eine der vielleicht traurigsten Geschichten dieser ganzen britischen Adventbewegung, weil damit einer der fähigsten Leute innerhalb kürzester Zeit sich von der Bühne verabschieden wird und endlich mit sich reißen wird. Da können wir etwas Wichtiges daraus lernen: Leute, die selbst hervorragende Predigten halten, cutting edge sozusagen, an der Speerspitze der Reformation stehen, können verführt werden. Und der Irving war nicht mal selbst drauf gekommen, er war einfach schlichtweg verführt durch diese Sache.
[38:19] Die Unruhen in Frankreich brechen dann in ganz Europa aus. Am 30. August Unruhen in Aachen, 7. September Aufruhr in Braunschweig, im gleichen Monat September Schneider-Revolution in Berlin. Gleichzeitig bricht in Brüssel im September die Revolution aus. Außerdem Aufstände in der Schweiz, in den meisten Kantonen, überall gibt es neue Verfassungen, überall gibt es Aufstände, überall gibt es Barrikadenkämpfe. Europa gleicht einem Pulverfass plötzlich nach den vielen Jahren des Friedens. Und ich glaube, das alles ist kein Zufall, dass es alles so plötzlich aufeinander kam.
[38:55] Es war übrigens in dieser Zeit, dass auch die zweite Eisenbahnstrecke Englands eingeweiht wurde, zwischen Liverpool und Manchester, die übrigens zu einem der ersten großen Eisenbahnunglücke geführt hat. Ein Politiker ist von der Lokomotive „The Rocket“ überfahren worden. Das ist natürlich eine große Tragödie. Venezuela wird unabhängig und Belgien entsteht. Aufgrund dieser Revolution in Brüssel trennt sich der Südteil vom Königreich der Niederlande ab und gibt sich den Namen Belgien und entsteht dadurch als eigener unabhängiger Staat.
[39:32] Es ist dann im November, dass übrigens sogar ein Meteoritenregen zu sehen ist. Noch ein kleiner, noch nicht so stark wie der, der einige Jahre später zu sehen sein wird, aber schon im November 1830 ein Meteoritenregen. Dann am 29. November Aufstand in Warschau. Die Polen demonstrieren gegen die Russen, die sich daraufhin völlig zurückziehen.
[39:55] Und um es noch krasser zu machen, am 30. November stirbt der gerade erst gewählte Papst, stirbt schon wieder. Er war schon sehr krank gewesen, er hat eineinhalb Jahre regiert und schon muss wieder ein neuer Papst gesucht werden. Also in dieser Zeit ging alles drunter und drüber. Dann am 30. November wird Edward Irving von der schottischen Kirchenleitung zum Häretiker gestempelt und sozusagen abgelehnt, vor allem wegen seiner Auffassung über die Natur Jesu. Seine Auffassung über diese ganzen Wunder da und diese komischen Dinge in Schottland ist noch nicht so bekannt geworden. Die wird jetzt immer mehr bekannt und immer mehr Menschen, die Irving gern gehört haben, sind auch der Meinung, dass diese komischen Zungenreden dort tatsächlich echte biblische Zungenrede ist und fallen darauf hinein.
[40:48] In München kommt es dann im Dezember zu den Weihnachtstumulten und auch in Aarau in der Schweiz gibt es schwerste Ausschreitungen. All das in einem Jahr. Das Jahr 1830 ist eine Scheidewand in der Adventgeschichte. Es ist das letzte Jahr, in dem William Miller inaktiv ist. Und es sieht fast so aus, dass er kein Jahr hätte länger warten können. Alles bricht zusammen, selbst in der britischen Adventbewegung fallen plötzlich die Säulen zusammen. Und die Frage ist: Wer kann da noch etwas für Gottes Werk tun? Wir werden das nächste Mal sehen.
[41:34] Um zusammenzufassen, was in den letzten 30 Jahren geschehen ist, bis 1830 kann man Folgendes sagen: Über eine Million US-Bürger, und wir wissen, damals gab es viel weniger als heute, sind in den letzten Jahren zum Glauben gekommen. Einige zu den Kongregationisten, einige zu den Presbyterianern, einige zu den Baptisten. Diese Erweckungsbewegung, die 30 Jahre anhielt, hat aus einem revolutionären, deistischen, atheistischen Land ein christliches Land gemacht. Amerika ist heute deswegen christlich, wegen dieser Erweckungsbewegung von 1800 bis 1830. Und dieser starke Einfluss des Deismus, den noch William Miller in seinen Jugendjahren erlebt hat, der ist fast völlig zurückgedrängt. Gleichzeitig verschiebt sich der Schwerpunkt jetzt immer mehr von der persönlichen Erweckung und Reformation hin zur gesellschaftlichen Durchdringung, von moralischen Reformen. Deswegen gibt es ja solche Dinge wie zum Beispiel die Mäßigkeitsgesellschaften, für die Joseph Bates arbeitet und wirkt. Er ist einer seiner großen Ziele, die Mäßigkeitsgesellschaften voranzubringen. Er war einer der ersten Pioniere, und zu diesem Zeitpunkt, 1830, gibt es schon 1000 Mäßigkeitsgesellschaften in ganz Amerika. Innerhalb von wenigen Jahren sind die entstanden. In 11 Bundesstaaten gibt es sogar staatenweite Mäßigkeitsgesellschaften. Ein anderes Beispiel sind die Sonntagsschulen, die auch in diesen Jahren entstanden sind. 6000 Sonntagsschulen gibt es 1830, 60.000 Lehrer, 400.000 Schüler. Das Christentum wird den Kindern ganz systematisch jetzt beigebracht. Gleichzeitig gibt es solche Leute wie den Arzt Professor Edward Hitchcock, der als einer der ersten für die körperliche Bewegung eingeht und das Fitnessprinzip in der Bevölkerung bekannt macht.
[43:19] Und dann gibt es den hier, der war damals noch nicht so alt, das ist Georg Müller. Wer hat den Namen Georg Müller mal gehört? Zu diesem Zeitpunkt ist er 24, 25 Jahre alt, kommt nach London und erfährt 1830 von den britischen Adventisten, dass Jesus bald wiederkommen wird, 1847, wie sie glauben. Und er sagt: „Ich habe noch 17 Jahre Zeit, was soll ich tun? Ich muss etwas tun.“ Und er beginnt damit mit der Waisenarbeit. Er war derjenige, der die Waisenhäuser gegründet hat, diese fünf großen Waisenhäuser ohne Geld zu haben. Jener große Glaubensheld, der gebetet hat für das Geld und unglaubliche Gebetserfahrungen gemacht hat, dieser Georg Müller. Er war auch so ein Produkt genau dieser Zeit, dieser Weckungsbewegung und dieser britischen Adventbewegung. Da haben wir einige dieser Häuser, die entstanden sind.
[44:10] Einige der englischen Bücher werden sogar ins Deutsche übersetzt, wie hier das Buch von Louis Way. „Die Prophetieauslegung“, die britischen Adventisten verbreiten sich. Noch hat dieser Fehler von Irving noch nicht so viel Konsequenz in diesem Jahr, aber er beginnt schon Frucht zu tragen. „The Theory of Prophecy“, die Theorie der Prophetie von Alfred Addis. „Die Zeiten und die“, und das ist ein interessantes Buch hier. Und das zeigt noch ein Beispiel dafür, wie der Satan in diesem Jahr 1830 gearbeitet hat. Nicht nur den Spiritismus durch die Mormonen in Amerika, nicht nur diese falsche Zungenrede mitten in die britische Adventbewegung hinein injiziert, nicht nur den Futurismus, wie wir ihn von Maitland kennen, sondern im Jahre 1830 ist der erste britische Protestant auf dem Plan, der jetzt den Präterismus verkündigt. So viele verschiedene Begriffe. Der Futurismus ist die Ansicht, dass alles sich in der Zukunft erfüllen wird. Der Präterismus ist die Ansicht, dass Daniel Offenbarungen sich schon alle erfüllt haben, zur Zeit von Antiochus IV. Epiphanes, zur Zeit von Kaiser Nero und Domitian und so weiter. Und in diesem Jahr 1830 ist es der erste britische Protestant, der das verkündigt. Das ist übrigens ein Professor, ein Professor von Cambridge für Arabisch und Hebräisch, Samuel Lee. Und er sagt mit seinem Buch im Wesentlichen: „All das, was diese britischen Adventisten verkündigen, ist unbiblisch, weil man darf diese Tage gar nicht als Jahre auslegen. Und dieser Antichrist ist schon längst da gewesen. Alles halb so schlimm, Jesus kommt gar nicht wieder. Das hat sich alles schon erfüllt.“
[45:43] Also fassen wir zusammen 1830: Spiritismus, also Mormonentum in Amerika. Dann Spiritismus in die britische Adventbewegung hinein. Präterismus nur wenige Jahre zuvor. Der Futurismus zum allerersten Mal in Großbritannien. All das kommt zusammen und bricht sozusagen der Adventbewegung früher oder später dort in Großbritannien das Genick. Denn etliche von denen, die zu dem Zeitpunkt noch an die baldige Wiederkunft glauben, werden später entweder vom Futurismus oder Präterismus mitgerissen. Und das ist der Grund, warum heute an fast allen Universitäten in der Welt diese beiden Theorien gelehrt werden. Damals fing es an, genau in jenen Jahren. Zu dem Zeitpunkt, als der Satan am meisten gezittert hat, dass die Prophetie verstanden werden könnte. Eigentlich eine ziemlich traurige Geschichte.
[46:32] Es ist übrigens auch in diesen Tagen, wir werden es nächstes Mal noch ausführlicher anschauen, dass ein gewisser John Nelson Darby zum ersten Mal auf die Idee kommt, dass es da eine geheime Entrückung geben könnte. Diese Theorie von einer geheimen Entrückung, die heute von Millionen und Abermillionen Christen vertreten wird, stammt auch aus genau diesen Jahren. In Plymouth hat er sich mit einigen Brüdern aus der Brüdergemeinde getroffen und das dort studiert und ist dann kurze Zeit später damit an die Öffentlichkeit gegangen. In dieser Zeit also eine ganze Reihe von hochinteressanten Irrlehrern, die gleichzeitig entstehen, um die Adventbewegung dort in Europa einzukreisen und kaputt zu machen.
[47:09] Und dann gab es noch etwas. Und das war dieses Buch hier. Also ich glaube, das ist kein Zufall. So viele Dinge, die gleichzeitig passiert sind. Neben der Revolution noch, die ganz Europa wieder in Schutt und Asche gelegt hat. Weiß niemand, wer das ist? Das ist George Lyell. Und er veröffentlicht im Jahre 1830 das Buch „Principles of Geology“, Prinzipien der Geologie. Und dieses Buch ist wirklich das Fundament der Evolutionstheorie. In diesem Buch erklärt er zum ersten Mal seiner Meinung nach, dass es niemals eine weltweite Sintflut gegeben hat, was bis dahin alle Christen und auch alle Geologen geglaubt haben. Dass es niemals eine große Katastrophe gab, sondern dass in Wirklichkeit all die verschiedenen Schichten alle Jahrmillionen Jahre bedeuten. Noch gibt es niemanden, der erklären könnte, wie jetzt die verschiedenen Tiere evolviert sind. Aber dieses Buch von Lyell bietet die Grundlage dann später für Darwin. Und auch dieses Buch kommt 1830 auf den Markt. Und da sieht man, wie der Satan 1830 tatsächlich alle Register auf einmal gezogen hat, um irgendwie einen Fuß hineinzubekommen. Und ich denke, die Geschichte von Lyell ist nicht nur die Geschichte von Darwin. Und ich denke, die Engel haben jetzt wirklich Druck bekommen in ihrem Herzen: Wie lange wird dieser William Miller noch warten? Denn zu jenem Zeitpunkt gab es keinen Menschen auf der Erde, der klarer wusste, was die Bibel über die Prophetie sagt. Kein anderer von den britischen Prophetieauslegern wusste, dass gleichzeitig die 2300 die letzte Prophezeiung sind, dass Israel keine Rolle mehr spielt, dass Jesus vor dem Millennium wiederkommt. Und all diese verschiedenen Dinge, die Miller zusammengetragen hatte. Die einzelnen Punkte waren von anderen auch erkannt worden, aber keiner hatte das alles zusammen. Nur William Miller. Und seit dem Zeitpunkt, wo er das erkannt hatte, waren jetzt schon 12, 13 Jahre vergangen. Und es blieben noch einmal 12, 13 Jahre bis zu dem Datum 1849. Die Hälfte der Zeit hat er geschwiegen. Mal zu seinem Nachbarn gesprochen, mal zu irgendjemand anders. Aber jetzt wird deutlich, er kann nicht mehr länger warten, denn die Welt steht wirklich Kopf. Und die, von denen man geglaubt hätte, dass sie fähig sind, diese Adventbotschaft in die ganze Welt zu tragen, Leute wie Edward Irving oder wie andere, die fallen auf die Verführung Satans hinein.
[49:38] Der letzte Punkt für heute ist die Geschichte von Josef Wolf. Was ist mit ihm passiert? Als er 1830 in Malta ist, fasst er den Schluss, er fragt sich: „Was soll ich weiter tun? Ich bin ja schon so oft hier im Nahen Osten gewesen, war schon dreimal in Jerusalem.“ Und er kommt auf die Idee: „Ich würde gerne nach Timbuktu reisen.“ Da nach Afrika. Zu diesem Zeitpunkt war erst ein Mensch, ein Europäer, jemals in Timbuktu gewesen. Denn ich weiß gar nicht, ob Wolf das gewusst hatte. Aber als er dort auf Malta seinem Freund und britischen Offizier davon berichtet, sagt er: „Josef, mach das nicht. Wenn du jetzt nach Timbuktu reist, dann wirst du irgendwann nur noch ein Weltenbummler werden, aber du bist Missionar. Da in Timbuktu hast du jetzt nichts, was du missionarisch erreichen könntest. Du solltest deinen missionarischen Charakter nicht verlieren.“ Und er macht ihm einen interessanten Vorschlag und sagt: „Warum gehst du nicht nach Buchara?“ Weiß jemand von uns, wo Buchara liegt? Wahrscheinlich da, wo der Punkt ist. Im heutigen Usbekistan. Buchara ist eine der ältesten Zivilisationen der Welt, heute ungefähr 5000 Jahre alt, so schätzen einige, zumindest seit der Sintflut sozusagen. Gehörte lange Zeit zum Persischen Reich. Und hier in Usbekistan und dann in Afghanistan gibt es viele, viele Stämme, von denen man damals vermutete, dass sie die Nachfahren der verlorenen zehn Stämme Israels sind. Und dieser britische Offizier sagt ihm: „Schau mal auf der Landkarte, wie dieses Dorf heißt, wie das heißt, wie diese Gegend heißt. Siehst du da diesen Namen? Das sind Anklänge an israelitische Stämme.“ Und Wolf sieht das und sagt: „Ja, ich gehe nach Buchara, ich gehe nach Afghanistan. Was damals wirklich das Ende der Welt war sozusagen. Ich reise dorthin, um dort das Evangelium zu verkünden, um möglicherweise die zehn Stämme Israels wiederzufinden, von denen man ja glaubte, sie müssen nach Jerusalem kommen, damit Jesus wiederkommen kann.“ Und das wird das Abenteuer seines Lebens. Eines Lebens, das sowieso nicht arm an Abenteuern war.
[51:45] Übrigens hat er noch kurz gefragt, also er hat nicht gefragt, er hat nach London geschrieben, an die Gesellschaft zur Förderung des Christentums unter den Juden, die ja sozusagen sein Auftraggeber waren. Er hat gesagt: „Ich gehe nach Buchara.“ Und sie schreiben ihm zurück und sagen: „Wolf, weißt du, dass gegen dich ganz schön geschossen wird, dass in den Zeitschriften du als verrückt bezeichnet wirst? Komm erst mal zurück, wir geben dir Anweisungen, was du als nächstes zu tun hast. Komm nach London.“ Was macht Wolf? Wolf schreibt zurück: „Ich werde nach London kommen, ich werde dabei über Buchara reisen.“ Und sagt: „Wenn ihr mich nicht schickt, ganz egal, ich gehe halt auf eigene Kosten, auf eigenes Risiko, es stört mich gar nicht.“ Und so geht er auf eigene Kosten los und so am 31. Dezember 1830 macht er sich auf den Weg von Malta Richtung Mittelosten, in Gebiete, von denen die meisten Missionare gar nicht gedacht haben, dass er überhaupt dahin gehen kann, in die tiefsten Tiefen des Islam hinein. Und Wolf wird da noch einiges erleben, wenn wir uns dieses Mal anschauen. Denn nächstes Mal, übrigens das letzte Mal vor der Sommerpause, geht dann wirklich die zweite große Propheten-Advent-Bewegung los: Millers erste Predigten.
[52:58] Bis zum Jahre 1830 haben wir jetzt gesehen, dass der Tisch ist buchstäblich gedeckt. 30 Jahre Erweckungsbewegung haben Amerika zu einem christlichen Land gemacht. Reformbewegung überschwemmen das ganze Land gegen den Alkohol, gegen die Sklaverei, für die Mission, für den Frieden, für die Sonntagsschule, für ich weiß nicht was, für die Frau, alles Mögliche. In England ist eine Adventbewegung entstanden, die wirklich äußerstes Format gehabt hat. In vielen anderen Ländern wie in der Schweiz, in den Niederlanden, in Deutschland gibt es Leute, die das gleich verkündigen. Überall gibt es Leute, die darauf warten, dass das Ganze zusammengeführt wird. Und gleichzeitig hat der Satan begonnen im Jahr 1830 alle Register zu ziehen, um Verführungen zu streuen. Wenn der Miller jetzt nicht losgeht, dann wäre es vielleicht zu spät. Was er gemacht hat und warum er losgegangen ist und wie das begonnen hat und warum das so wichtig ist für die Adventbewegung, lernen wir das nächste Mal, wenn es heißt: „Millers erste Predigten 1831 bis 1832.“ Und darauf freue ich mich schon sehr, denn es wird sehr, sehr spannend werden. Denn eigentlich, ihr Lieben, ob ihr es glaubt oder nicht, eigentlich beginnt jetzt erst die Adventbewegung. Alles andere war eine lange und gründliche Vorbereitung, aber das zeigt uns eine Sache: Gott schickt niemanden auf eine Mission, es sei denn, er hat vorher über Jahre oder wenn nicht Jahrzehnte das Ganze gründlich vorbereitet. Gott hat den Miller nicht einfach losgeschickt, sondern hat durch etwas, was man eigentlich kaum menschlich beschreiben kann, über Jahre und Jahrzehnte dafür gesorgt, dass der Same, der ausgestreut werden sollte, auf möglichst fruchtbaren Boden fällt. Ja, es gab natürlich große Gegenbewegungen durch den Satan. Der große Kampf, den haben wir deutlich gesehen in den letzten Malen. Aber das Feld ist bestellt und mit kleinen Anfängen wird es beginnen, aber wir werden das nächste Mal sehen, wie das dann von Schatten gegangen ist. Vor allem könnt ihr euch schon die Frage stellen, wo wir das erste Mal gepredigt haben. Das ist ja eine erste Predigt. Das werden wir uns das nächste Mal anschauen, wenn es heißt: „Millers erste Predigten, die Zeit des Endes.“ Seid herzlich eingeladen, nächstes Mal wieder dabei zu sein und dann wieder einzuschalten auf joelmedia.tv.de.
[55:10] Jetzt werden wir eine kurze Pause haben und dann geht es direkt in unser Offenbarungsseminar über, wozu wir euch ganz herzlich einladen. Gottes Segen. Amen.
Lizenz
Copyright ©2013 Joel Media Ministry e.V.Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.