In dieser Folge von „Die Zeit des Endes“ werden die Ereignisse zwischen 1832 und 1833 beleuchtet, die einen bedeutenden Meilenstein in der Adventgeschichte darstellen. Der Fokus liegt auf den Reisen des Missionars Joseph Wolff durch Indien und den Himalaya, den theologischen Entwicklungen in der katholischen Kirche unter Papst Gregor XVI. und den Anfängen der Predigttätigkeit von William Miller. Ein zentrales Ereignis ist der spektakuläre Sternschnuppenfall im November 1833, der als prophetisches Zeichen gedeutet wird und die Erwartung der baldigen Wiederkunft Jesu verstärkt.
Die Zeit des Endes: 22. Wenn Sterne fallen (1832 – 1833)
Christopher Kramp · Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er) ·Themen: AdventgeschichteWeitere Aufnahmen
Serie: Die Zeit des Endes (Eine chronologische Darstellung der Adventgeschichte von 1798 bis in die 1850er)
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Transkript
[0:00] Einen wunderschönen guten Abend hier aus Stuttgart-Bad Cannstatt. Ich freue mich, dass ihr alle wieder den Weg hierher gefunden habt und dass auch ihr wieder eingeschaltet habt oder zu einem späteren Zeitpunkt euch das Video anschaut. Die Serie "Die Zeit des Endes" geht weiter heute mit einer weiteren Folge, in der wir uns mit einem gewaltigen Ereignis unter anderem beschäftigen werden, das ein Meilenstein in der Adventgeschichte gewesen ist. Dazu gleich noch mehr.
[0:30] Zuvor wollen wir wie jeden Abend gemeinsam den Heiligen Geist einladen, unsere Gedanken zu führen, und dazu lade ich euch ein, mit mir gemeinsam zu beten. Lieber Vater im Himmel, wir danken dir so sehr, dass wir jetzt zu dir kommen können, dass wir aus deinem Wort und aus der Geschichte lernen dürfen. Und wir möchten dich bitten, dass wir die Lektionen, die du darin bereithältst für uns, dass wir sie lernen und dass wir sehen, wie auch du uns führen wirst als dein Volk. Und wir danken dir von ganzem Herzen, dass du bei uns bist. Im Namen Jesu, Amen.
[1:03] Unsere Folge heißt heute "Wenn Sterne fallen". Wir haben ja das letzte Mal ziemlich in der Mitte von 1832 aufgehört, nicht wie sonst ein Jahr zu Ende geschafft. Aus Zeitgründen haben wir dort im Sommer 1832 einen Bruch gemacht und werden jetzt dort den Faden aufnehmen im Sommer 1832. Für alle, die schon längere Zeit nicht mehr da gewesen sind: William Miller ist, weiß jemand eigentlich, wie alt William Miller zu diesem Zeitpunkt ungefähr ist, 1832? Noch nicht? 50! Er ist mittlerweile 50 und Joseph Bates ist 40 und dementsprechend Joseph Wolff 37. Und mit dem fangen wir gleich wieder an. Den hatten wir beim letzten Mal zurückgelassen hier an der Grenze zu Hindustan. Er war ja, nachdem er über ein Jahr lang durch die Türkei, Persien, dann Turkmenistan und Usbekistan und Afghanistan und all die anderen Stans, die es da noch gibt, alleine gewandert war, war er dann so 1832 heil und unversehrt, obwohl wir gesehen haben, er war mehrmals fast des Todes, dort in Hindustan angekommen, wo die Zivilisation wieder etwas freundlicher ist, wo die Menschen wieder etwas zivilisierter sind, in Lahore. Und wo auch Britisch-Indien nicht mehr weit war, die britischen Kolonien. Und da hat er jetzt seinen Weg hingesucht. In dieser Gegend reist man nicht mehr auf Kamel, sondern vor allem meistens auf Elefanten, was er dann auch getan hat. Und hat dann eine Audienz gehabt beim Maharadscha von Lahore mit Namen Runjit Singh, der einäugig war und mit dem ein sehr interessantes Gespräch über Religion gehabt hat. Und festgestellt hat, dass sogar die Sikhs, die dort regieren, einige Gemeinsamkeiten mit der Bibel haben. Aber der Maharadscha sagt ihm, er freut sich, dass Wolff gekommen ist, aber er möchte nicht, dass Wolff dort große Proklamationen macht und irgendwelche Schriftstücke verteilt. Und dementsprechend kann Wolff nicht so sehr missionieren, wie er gedacht hatte. Er weigert sich, die angebotene Unterhaltung mit Tänzerinnen und mit Alkohol anzunehmen. Und im Gespräch mit dem Maharadscha, nachdem er erklärt hat, dass er an den allmächtigen Gott des Himmels glaubt, fragt ihn der Maharadscha: "Warum haben Sie dann Angst bei der Überquerung von Flüssen?" Weil es dem Maharadscha zu Ohren gekommen, dass Wolff immer, wenn es über Wasser geht, ziemlich nervös ist. Und Wolff antwortet mit einer schönen Antwort: "Ich bin so schwach und in meiner Schwachheit kommt Gottes Stärke zum Tragen." Dann nur wenige Tage später erreicht er tatsächlich hier Britisch-Indien und ist auf britischem Boden sozusagen, obwohl in Indien und hat jetzt nichts mehr zu befürchten. Die langen, langen, gefahrvollen Abschnitte sind erst einmal vorbei. Und er dankt Gott, dass er so viele Monate in so gefährlicher Gegend bewahrt worden ist, ohne dass ihm letztendlich etwas passiert ist. Er erhält dort auch viele Vorträge, überall, wo er hinkommt, gibt es jetzt nämlich wieder auch Briten, britische Bürger und Offiziere, Soldaten, die dort wohnen und entsprechend wird er dort auch herzlich aufgenommen und behandelt. Dann ist sein Ziel Tibet. Er möchte über das Himalaya-Gebirge nach Tibet. Das ist seine nächste Herausforderung und entsprechend begibt er sich in den nächsten Tagen hier im Spätsommer Richtung Himalaya-Gebirge, wo er für einige Zeit dort hier in Simla auch Vorträge hält und dann weiter möchte, um nach Tibet zu gelangen.
[4:51] Wir haben das letzte Mal gesehen, dass zu dieser Zeit, 1832, das Hambacher Fest die Einheit Deutschlands gefordert hat und als Gegenreaktion ist Deutschland dann die Pressefreiheit, die Vereinsfreiheit, die Versammlungsfreiheit, alles eingeschränkt worden. Also gerade in dieser Zeit gab es da ganz enorme Auseinandersetzungen in Bezug auf die einzelnen Nationen Europas. Da werden wir gleich noch mehr dazu erfahren. Den haben wir letztes Mal auch kurz angesprochen. Das war Otto von Wittelsbach, der dann am 8. August ganz formal zum König von Griechenland gekrönt worden ist. Und nur eine Woche später, am 15. August, hat dieser Mann, der amtierende Papst damals, Papst Gregor XVI., eine neue Enzyklika herausgebracht und die hat es in sich gehabt. Und deswegen wollen wir kurz daraus zitieren, um so den Stand der katholischen Kirche in diesem Jahr einmal uns vor Augen zu führen. Er schreibt dort unter anderem: "Wir kommen nun zu einer anderen, folgenreichsten Ursache von Übeln, von denen die Kirche gegenwärtig zu unserem Kummer heimgesucht wird, nämlich dem Indifferentismus, beziehungsweise der verkehrten Meinung, man könne mit jedem beliebigen Glaubensbekenntnis das ewige Seelenheil erwerben, wenn man den Lebenswandel an der Norm des rechten und sittlich guten ausrichte. Und aus dieser höchst abscheulichen Quelle des Indifferentismus fließt jene widersinnige und irrige Auffassung, beziehungsweise vielmehr der Wahn, einem jeden müsse die Freiheit des Gewissens zugesprochen und sichergestellt werden." Und weiter sagt er: "Es ist völlig absurd, unter dem höchsten Maß eine Verleumdung zu sagen, die Kirche bedürfe einer Erneuerung." Interessant, nicht wahr? Als ob man glauben könnte, die Kirche wäre Fehlern, Unwissenheit oder irgendeiner anderen menschlichen Unvollkommenheit ausgesetzt. Wer auch immer auf diese Idee gekommen ist, sowas zu behaupten. Es ist noch nicht so lange her, dass die Päpste durchaus ein anderes Selbstbewusstsein nach außen getragen haben in ihren Schriften. Das war die Enzyklika Mirari Vos dort am 15. August. Und mit solchen Verlautbarungen war natürlich nicht schwer zu begreifen, dass viele Protestanten ganz deutlich erkannt haben, immer noch, dass die katholische Kirche den Antichristen der biblischen Prophetie darstellt.
[7:15] Genau, Wolff hat sich dann auf den Weg gemacht, weiter durchs Himalaya-Gebirge, hier durch diese Gegend Richtung Kaschmir, wo die berühmte Kaschmir-Wolle herkommt. Er benennt diese Gegend, er sagt, es ist wie die Schweiz Asiens. So schön soll es gewesen sein, so romantisch. Kommt dort zu verschiedenen Orten. Er wird zum Teil von Maharadschas mit sechs Soldaten ausgestattet, die ihn dann sicher über die höheren Berge bringen. Ist ja nicht ganz ungefährlich dort. Und manche dieser kleinen Ortschaften, die dort auf dem Weg sind, werden auch von kleinen Tyrannen regiert. Also es ist nach wie vor nicht ganz ungefährlich. Da haben wir noch so einen Weg nach Kaschmir. Sieht schon ganz beeindruckend aus. Das ist so diese Gegend, wo dann die 6000er und die 7000er anfangen und so weiter. Es ist in jener Zeit im September, am 22. September 1832, dass Darwin seine allerersten Fossilien entdeckt. Er ist ja unterwegs mit der HMS Beagle und in Argentinien trifft er dort auch seine ersten Fossilien. Wie gesagt, gerade in der Zeit, wo Miller beginnt zu predigen, wie wir schon angesprochen haben, beginnt Darwin seine Entdeckung zu machen. Und das wird noch einige Zeit dauern, bis das dann in ihm reift, diese Überzeugung der Evolutionstheorie.
[8:36] Am 24. September, zwei Tage später, auf dem Weg hier durch das wilde Hindustan, hat Wolff eine interessante Unterhaltung mit Fakiren. Es gibt ja im Islam die sogenannten Derwische. Das sind die quasi Propheten oder Lehrer des Volkes, die ständig durch die Gegend laufen und meistens nackt sind und sich berauschen. Ja, so eine merkwürdige Art von Menschen. Und so etwas gibt es in Hindustan auch für die Hindus. Das sind die sogenannten Fakire. Heute kennen wir Fakire meistens als diejenigen, die so auf Nägeln liegen können. Aber ein Fakir ist mehr, ein Fakir ist quasi wie ein Prophet, ein Eremit, jemand, der die ganze Zeit nur Gott dient. Und diese drei Fakire, die er dort trifft, leben in einer Höhle am Fluss und sind alle drei nackt. Und leben dort nackt in dieser Höhle und dienen Gott die ganze Zeit, wie sie das so benennen. Und Wolff beobachtet, dass diese Fakire trotz all ihrer Askese und ihrem sonstigen Tun doch sehr unfreundlich und herablassend sind zu ihm. Und ihm fällt auf, dass egal in welcher Religion, sei es im Katholizismus oder im Islam oder im Hinduismus, wo überall Askese gepredigt wird, wird das Herz der Menschen doch nicht besser. Überall gibt es auch Moslems, zu denen er predigt, die da in Hindustan zwar in der Minderheit sind, aber doch gegenwärtig.
[9:54] Ebenfalls im September wird in einer christlichen Zeitschrift in Irland ein Artikel geschrieben über die 2300 Jahre aus Daniel 8, Vers 14. Und dort wird ebenfalls gesagt, dass die 490 Jahre aus Daniel 9 die Begründung für die 2300 Jahre in Daniel 8 sind. Und dort steht ebenfalls, dass das Ganze 1843 zu Ende gehen wird. Und das erwähnen wir immer wieder, um zu zeigen, wie zu dieser Zeit, als Miller angefangen hat zu predigen, an ganz anderen Gegenden der Welt, wie zum Beispiel in Irland, haargenau dasselbe in Zeitschriften stand, die von Christen herausgegeben worden sind.
[10:28] Wo wir schon bei Miller gerade gewesen sind, am 1. Oktober schreibt er einen Brief an seinen Brieffreund Hendricks. Und da man bei Miller meistens ja sich fokussiert auf sein Verständnis der Prophetie und der Wiederkunft und der Daten in Daniel und Offenbarung, ist es vielleicht mal ganz interessant, wie hat er gedacht über das Thema Erlösung? Hier haben wir eine ganz interessante Aussage von ihm. Er sagt: "Das Licht bricht kontinuierlich hinein und ich bin mehr und mehr von den Dingen überzeugt, die ich dir sagte. Nämlich, und jetzt gut aufpassen: Erlösung durch Gnade, die Genügsamkeit des Blutes Christi, Rechtfertigung durch uns angerechnete Gerechtigkeit, Heiligung durch das Wirken des göttlichen Geistes und Verherrlichung bei unserer Sammlung, wenn er erscheint." Mit anderen Worten, er vertritt eine ganz, ganz bibeltreue, ganz selbstverständliche Theorie der Erlösung. Nichts Besonderes, nichts Außergewöhnliches, etwas, was schon Martin Luther oder John Wesley und all die anderen vor ihm vertreten hätten und vertreten haben. Und es ist ganz interessant zu wissen, dass gutes Prophetiestudium niemals ein richtiges Verständnis des Evangeliums außer Kraft setzt, sondern er war da ganz klar und hat das entsprechend gepredigt. In Wirklichkeit war es sogar so, dass sein eigentliches Ziel war, Menschen zu Jesus zu führen und die Prophetie war nur das Mittel zum Zweck.
[11:58] Wolff ist weiterhin auf dem Weg durch den Himalaya und dort außerhalb der Gegenden, die nicht mehr zu Britisch-Indien gehören, trifft er auf Hindus, die ihren Schülern aus dem Lukas-Evangelium vorlesen. Und das erstaunt ihn, denn das ist ein Beweis dafür, dass diese Missionsgesellschaften und die Bibelgesellschaften, die seit einigen Jahren, Jahrzehnten, die am Entstehen waren, tatsächlich echten Erfolg haben. Die Bibeln verbreiten sich über die Grenzen der Kolonien hinaus und man kann im Himalaya wandern und auf Hindus treffen, die durch diese Missionsgesellschaften und Bibelgesellschaften irgendwie an Bibeln gekommen sind und dort ihren Schülern vorlesen. Da ist er ganz begeistert von.
[12:40] Am 8. Oktober, eine Woche später, trifft er wieder nackte Fakire auf der Straße. Der eine fängt an zu tanzen und der andere ist völlig blau angemalt. Die waren alle völlig blau angemalt und haben auf der Straße nur gelegen. Und jeder vorbeikommende Hindu hat ausgerufen: "Oh, der Herr segne euch!" und hat ihn quasi halb angebetet. Das war so die Situation, in der er sich dort befunden hat. Dieses Gebirge hier ist das sogenannte Gebirge Pir Panjal und da ist Wolff drüber, irgendwo hier, keine Ahnung genau wo, weil auf der anderen Seite liegt dann Kaschmir und so musste er durch dieses Gebirge hindurchsteigen. Das hat er am 14. Oktober dann hinter sich gebracht und kam dann in der Stadt Kaschmir an. Das ist hier die Gegend von Kaschmir. Sieht eigentlich ganz schön aus. Kaschmir war eine der berühmtesten Städte der Welt. In der Antike hat man geglaubt, dass dort vielleicht der Garten Eden gewesen wäre. Und so hat er sich also vorgestellt, dass er, wenn er da hinkommt, wirklich ein prächtiges Land findet mit ganz wunderbaren Menschen. Aber er sagt, er war so schwer enttäuscht wie niemals zuvor auf seiner Reise, als er dort in Kaschmir ankommt, ist alles in Ruinen und er sagt, das Einzige, was man in Kaschmir finden kann, sind hässliche, verhungerte, blinde Frauen. Der Grund liegt darin, dass die Sikhs dort in Hindustan die Moslems so sehr unterdrückt haben, dass alles in Schutt und Asche liegt. Die Viertelmillionen Einwohner leiden sehr stark unter Auswanderung, alle fliehen. Er hat dort eine Audienz beim Herrscher, der nimmt ihn freundlich auf und er hört von den Moslems und auch von den Hindus, dass noch niemals in der Geschichte der Stadt ein Europäer dort war, um über Jesus Christus zu sprechen. Dementsprechend nutzt er natürlich die Gelegenheit, genau das zu tun. Und er versucht dann von dort aus Erlaubnis zu bekommen, nach Tibet zu gehen, und das wird allerdings unmöglich sein, wie er erfährt, weil durch die Jahreszeit der Schnee das verhindern wird. Er erfährt übrigens von Leuten, die aus Tibet gekommen sind und dort zur Zeit leben, dass sogar die Tibeter Legenden über Abraham haben und dass gewisse Elemente des jüdischen Glaubens sogar bis nach Tibet Einzug gehalten haben, allerdings nicht viel, denn die Tibeter sind wohl offensichtlich ein ganz weit heruntergekommenes Volk. Er erfährt, dass sie Inzest treiben, Polygamie treiben und ihre eigenen Kinder für zwei Dollar verkaufen. Also wirklich, da müsste das Evangelium hin, das ist ihm ganz deutlich.
[15:25] Jetzt kommt die Geschichte, dass er eines Tages dort in Kaschmir zwei Fakire auf sich zukommen sieht. Der eine ist nackt und fängt an zu tanzen, um seine Hingabe zu Gott auszudrücken. Der andere hat Staub auf dem Gesicht mit der Begründung: "Der Mensch kommt vom Staub und deswegen muss er Staub auf dem Gesicht tragen." Und Wolff predigt ein wenig ihnen und erklärt ihnen, dass das alles großer Quatsch ist und sie geben ihm dann schon recht. Nach und nach hat er immer wieder die Gelegenheit, einige der Hindus dort vom Götzendienst wegzureißen, sozusagen. Auf dem Weg dann, er macht sich dann wieder zurück auf den Weg nach Britisch-Indien, klauen ihm Affen das Brot aus der Hand. Nur mal so nebenbei. Er hat eine ganz interessante Erfahrung gemacht. Er trifft auf dem Weg dann im November immer wieder auch auf Mullahs, islamische Mullahs, die reisen von einem Ort zum anderen, um den islamischen Glauben zu predigen. Und er schreibt in seinem Journal dann: "Ich warte auf die Zeit, dass in diesem Land christliche Missionare das ganze Land durchziehen und das Christentum predigen." Und wenn man sich die Gegend anguckt, wo er gewesen ist, das heutige Pakistan, dann hat sich sein Wunsch immer noch nicht wirklich erfüllt. Jedenfalls schafft es, wie gesagt, einigen Hindus und einigen Moslems dort das Evangelium näher zu bringen.
[16:47] Ein ganz interessanter Brief, den Mullah schreibt am 17. November inmitten seiner Predigten, die ab und zu hält, ist folgender. In seiner eigenen Gemeinde wird die Stelle des Predigers vakant. Man sucht einen neuen Prediger. Und ich dachte, es ist mal interessant zu wissen, was Mullah über die Fähigkeiten eines guten Pastors gesagt hat oder was die ganze Gemeinde damals dort gedacht hat. Er schreibt hier Folgendes. Und treu zu seiner Berufung. Finde ich ist eine ganz gute Liste, die er hier aufschreibt.
[17:42] Genau, zurück zu Wolff. Wolff hat eine Audienz beim afghanischen Ex-König, der dort nach Hindustan geflohen ist, vor seinem eigenen Volk. Und der afghanische Ex-König sagt: "Wenn ich nur wieder an die Macht komme, dann mache ich mein Land auf für die Missionare." Wo immer Wolff hingeht, predigt er in überfüllten Kapellen, sofern dort irgendwo Briten sind, die Kapellen gebaut haben. Und erreicht dann immer neue Orte. Er gibt sich dann auf den Weg Richtung Delhi, dort im Norden von Indien. Was er sogar dann am 6. Dezember erreicht und dort vom Großmogul, das ist der hier, bei dem Großmogul eine Audienz erhält. Der Mogul ist recht reich und schenkt ihm dann entsprechend Geld. Das er gut gebrauchen kann, weil er einiges Geld verloren hat durch einen Zusammenbruch einer Bank, bei der er Geld gehabt hat.
[18:46] Wie auch immer. Am 21. Dezember 1832 hat dieser Mann hier Mohammed Ali die ganze Welt unter Schock versetzt. Denn in seinem Krieg für sein Land Ägypten gegen die osmanische Herrschaft, gegen die Türken, hat er einen so entscheidenden Sieg errungen, dass jetzt der Weg für ihn offen ist nach Konstantinopel. Und es nur noch eine Frage von Monaten ist, bis das ganze Osmanische Reich in sich zusammenfällt, was für die Welt damals eine absolute Sensation war. Und natürlich für all diejenigen, die in der Prophetie studiert haben, ein absolut heißes Ereignis. Und für die europäischen Mächte war das so heiß, dass ein ägyptischer Pascha quasi an der Grenze zu Europa regieren sollte, dass sie jetzt mit Diplomatie versucht haben, das Ganze noch irgendwie abzuwenden. Und im nächsten Jahr haben sie dann dort auch eine entsprechende Lösung gefunden.
[19:46] Im Dezember 1832 bringt diese Zeitschrift, "The Morning Watch", eine interessante Interpretation von Babylon. Bis dahin war es ja das ganz felsenfeste Verständnis der Protestanten, dass Babylon die römisch-katholische Kirche ist. Aber in dieser Zeit mehren sich jetzt die Stimmen, unter anderem in dieser Zeitschrift, dass zu Babylon auch die meisten abgefallenen protestantischen Kirchen zu zählen haben. Also diese Idee entsteht jetzt zu dieser Zeit auch unter den britischen Adventgläubigen. Ganz interessant, wie ich finde.
[20:16] Und neben all der Mäßigkeitsbewegung, die sich gegen den Gebrauch von Kaffee und Alkohol und Tee, also grünem und schwarzem Tee, wendet, beginnt auch die Arbeit der echten Gesundheitskost sozusagen. Das hier zum Beispiel ist Sylvester Graham, der in jenem Jahr 1832 damit beginnt, Vorträge zu halten über gesunde Ernährung. Er ist der Pionier der Gesundheitsbotschaft sozusagen in der christlichen Welt. Er predigt sozusagen, dass man sein eigenes Vollkornbrot machen sollte und dass man viel Obst und Gemüse und Korn zu sich nehmen sollte und dass man keinen Pfeffer und keinen Senf und keinen Essig überhaupt nehmen sollte. Er hat später auch Bücher geschrieben und wurde so zu einem Vorreiter dieser Bewegung.
[21:04] Diese Frau haben wir vor einigen Wochen schon mal kurz angesprochen. Das ist Harriet Livermore, eine der Advent-Predigerinnen in Amerika, die durch die Lektüre von Joseph Wolffs Artikeln selbst inspiriert worden ist, zu reisen. Ich glaube, ich habe das letzte Mal schon kurz angedeutet. Im Jahre 1832 macht sie sich auf den Weg, 6000 Meilen reist sie durch den Wilden Westen und predigt zu den Indianern. Und predigt, dass Jesus bald wiederkommt. Sie bringt auch ein zweites kleines Traktat heraus, "Die Botschaft vom Millennium Teil 2". Und im Wesentlichen übernimmt sie all das von den britischen Adventgläubigen und versucht, das nach Amerika zu bringen. Also diese Verbindung England-Amerika war schon gegeben.
[21:48] Ansonsten entstehen immer fleißig weiter Mäßigkeitsgesellschaften, Missionsgesellschaften, zum Beispiel in Großbritannien in diesem Jahr und auch in Holland. Der Antikatholizismus nimmt immer mehr zu, weil in Amerika ab und zu immer mehr Katholiken einwandern. Und dann entstehen Zeitschriften, wie zum Beispiel "The Reformation Advocate", der antikatholisch eingestellt ist und die Reformation hochhalten möchte.
[22:16] Noch ein interessanter Artikel habe ich jetzt hier nicht gefunden im Internet, aber der auf jeden Fall gedruckt worden ist 1832. In einer Zeitschrift im "Jewish Expositor" sagt, dass die drei Zeitketten aus Daniel 8, Vers 14, dann aus Offenbarung 9 in der 6. Posaune und auch die 1290 Jahre allesamt in 1844 enden würden und danach würde das Millennium kommen. Und so finden wir immer mehr Leute, die das sagen.
[22:48] Jetzt gehen wir ins Jahr 1833 und springen zunächst einmal wieder zu unserem deutsch-englischen Missionar Joseph Wolff, der Anfang des Jahres am 2. Januar dieses Gebäude besucht. Das kennen wir, oder? Das ist Taj Mahal, ganz genau. Er ist nicht besonders begeistert, weil so Gebäude interessieren ihn nicht, ihn interessieren nur die Menschen. Aber zumindest ist er da gewesen. Ansonsten kommt er weiter gut rum. Auf seinem Weg jetzt Richtung Ostindien findet er in einer muslimischen Schule ein arabisches Buch, in dem drinsteht, dass Jesus 1855 wiederkommen würde. Überall, wohin kommt, findet er Hinweise, dass in verschiedenen Kulturen so eine ähnliche Idee da ist, dass um die Mitte des 19. Jahrhunderts da irgendetwas passieren muss.
[23:40] Am 21. Januar ist er dann hier in Lucknow, auch ein größerer Ort in Nordindien. Dort gibt es viele Engländer, viele französische Bewohner, weil das ja Kolonie ist. Und dort hat er eine Audienz beim König. Muss ich mich korrigieren, hier war die Geschichte, wo er viel Geld bekommen hat. Der König von Oudh, so hieß das Königreich dort, schenkt ihm 1000 Pfund Sterling, die er, wie gesagt, dringend gebrauchen kann. Es gibt dort sogar einen Juden, den er direkt zum Christentum führen kann und zum Christen machen kann. Er hält dort viele Vorträge und wenn Wolff Vorträge hält, dann ist es vielleicht interessant zu wissen, worüber er eigentlich gepredigt hat. Am liebsten hat er gepredigt über die Wiederkunft Jesu und dass, wenn Jesus wiederkommt, er auf der Erde sein Königreich aufrichten wird. Die Idee von Wolff war ein bisschen anders, als wir das heute sehen würden. Er hat geglaubt, dass Jesus buchstäblich nach Jerusalem wiederkommen wird und dort das neue Reich Gottes aufbauen wird. Und dass demzufolge dann alle Juden nach Palästina kommen werden und sich dort zu Christus bekehren werden. Er hat auch an die Auferstehung der Heiligen geglaubt und hat Maleachi 4 sogar buchstäblich genommen. Interessanterweise hat er gepredigt, dass der buchstäbliche Elia nochmal wiederkommen wird. Interessanterweise hat er auch gepredigt, dass der Tempel nochmal aufgebaut werden wird. Und natürlich, dass es Gerichte geben wird über alle Nationen und großes Chaos und Durcheinander in den Gerichten Gottes.
[25:11] Interessanterweise war immer gepredigt, kommen auch Moslems zu ihm, die Bibelstunden haben wollen und von ihm hören wollen, wie man Christ werden kann. Hier, das ist in Lucknow. Zu jener Zeit im Januar hat Miller zum ersten Mal Kontakt zu einem anderen Prediger mit Namen Henry Jones, der neben Hendricks dann für die nächsten Jahre ein weiterer wichtiger Briefkontakt von ihm werden wird. Aus diesen Briefen, die Miller schreibt in jener Zeit, wissen wir eigentlich fast alles aus seinem Leben und auch seiner Vortragstätigkeit. Und wir bekommen ein bisschen Einblick, wie er so gedacht hat zu jener Zeit. Deswegen sind diese Briefe, die er schreibt, für uns heutzutage ziemlich wichtig.
[25:51] Am 2. Februar dann war ein großer Tag für Wolff. Der König von Oudh hatte eingeladen. Er hatte auf seinen eigenen Wunsch hin alle Mullahs des Landes, weil in dieser Gegend waren mehr Moslems als Hindus vertreten, alle Mullahs in seinem Königreich versammelt und hat dann Wolff gebeten, in einer großen Zeremonie mit Protokoll und mit allem möglichen, Vorträge zu halten über das Christentum mit anschließender Diskussion mit allen Mullahs. Und vor dem König, also diese Vorhersage von Jesus: "Ihr werdet vor Königen stehen", hat sich im Leben von Joseph Wolff mehrmals ganz außergewöhnlich bewahrheitet. Er hält seine Vorträge auf Persisch und predigt über Jesaja 53, er predigt über die Dreieinigkeit. Und es gibt später eine ganz interessante Auseinandersetzung mit den Moslems dort. Denn die Mullahs weisen ihn auf Jesaja 21 hin. Ich weiß gar nicht, ob jemand von uns weiß, was in Jesaja 21 steht. Dort steht, da gibt es eine Prophezeiung über Arabien. Und die Mullahs behaupten, das heißt nicht Prophezeiung über Arabien, sondern Prophezeiung aus Arabien. Und es ist damit ein biblischer Hinweis auf Mohammed. Und er verbringt dann einige Zeit, ihnen zu zeigen, dass das eine Missauslegung der Bibel ist.
[27:14] Nach dem Gottesdienst wird er am nächsten Tag von drei Moslems besucht, die unbedingt Bibelstunden haben wollen. Und er bekommt einen Brief von einem wirklich gelehrten Mullah. Und ich möchte nur ganz kurz ein paar Dinge daraus erwähnen. Der Mullah hat sich sehr beschäftigt mit Wolffs Vorträgen. Und dann fragt er Folgendes. Erst einmal sagt er zu Wolff in dem Brief: "Du behauptest aus Daniel 8, Vers 14, dass nach den 2300 Jahren Jesus wiederkommt. In Daniel 8, Vers 14 steht weder Jesus noch Wiederkunft. Woher weißt du, dass es die Wiederkunft Jesu ist?" Zweitens: "Hat nicht Jesus gesagt, dass man Tag und Stunde nicht weiß?" Und drittens: "Wie kannst du behaupten, dass diese 2300 Jahre im Jahre 453 v. Chr. anfangen, wenn noch Daniel zu einer ganz anderen Zeit gelebt hat?" 453, weil Josef Wolff nicht an 1843, sondern an 1847 geglaubt hat. Und deswegen, es gab so vier Jahre Unterschied. Der Grund liegt darin, dass Josef Wolff und viele andere geglaubt haben, dass Jesus im Jahre 0 geboren worden ist, während wir heute wissen, er war wahrscheinlich im Jahre 4 v. Chr. Und diese wenigen Jahre machen eine Differenz aus. Aber das ist ein anderes Thema für sich. Jedenfalls schreibt der Mullah weiterhin: "Matthäus 24 hat nur Zeichen, die es schon zu allen Zeiten gab. Du kannst sie nicht verwenden für die heutige Zeit." Und so weiter und so fort. Und außerdem zweifelt er das Jahr-Tag-Prinzip an, dass das einfach nur eine komische Theorie ist, die man nicht belegen kann.
[28:50] Und Wolff antwortet darauf, und das ist auch sehr interessant. Er erklärt, dass Daniel 8 doch von der Wiederkunft spricht, weil Daniel 2 schon von der Wiederkunft spricht. Und Daniel 7 von der Wiederkunft spricht. Also muss Daniel 8 auch von der Wiederkunft sprechen. Was eine gewisse Logik hat. Nicht ganz stimmt, aber zumindest in eine gewisse richtige Richtung geht. Und er erklärt ihm, was mit den 453 gemeint ist, dass damit der Befehl von Artaxerxes gemeint ist. Und er erklärt ihm das Jahr-Tag-Prinzip aus Hesekiel 4 und aus Daniel 9. Und auch wenn es um Matthäus 24 geht, wenn man das liest, was Wolff dort schreibt. Und dann liest, was Miller schreibt. Wir werden nächste Woche uns anschauen, was Miller in seinem Buch geschrieben hat, das er 1833 herausgebracht hat. Da hat man den Eindruck, es ist ein und dasselbe Autor. Obwohl weder Miller jemals was von Wolff gehört hatte zu dieser Zeit, noch Wolff was von Miller. Also es war wirklich sehr erstaunlich, wie bestimmte Argumente bei all diesen Männern, egal wo sie gewesen sind in der Welt, immer wieder auftauchen. Und entsprechend die Fragen beantworten.
[29:46] Apropos Miller. Am 8. Februar schreibt er einen Brief wieder an seinen Freund Hendricks. Und da sagt er Folgendes: Er ist jetzt seit anderthalb Jahren unterwegs, hier und dort zu predigen, entweder in seinem Bundesstaat in New York oder im Nachbarbundesstaat in Vermont. Und da sagt er: "Der Herr sät den Samen. Ich kann jetzt acht Prediger benennen neben dir, die jetzt mehr oder weniger diese Lehre predigen." Also nach anderthalb Jahren gibt es ungefähr zehn Leute, die das schon predigen. "Ich weiß von mehr als 100 Gemeindegliedern, die meine Ansicht übernommen haben." Das zeigt uns, dass diese Predigten von Miller nicht gleich sofort Tausende bekehrt haben, sondern es hat auch eine gewisse Zeit gedauert. Das finde ich auch sehr interessant. Das Werk Gottes war noch niemals. Plötzlich war alles da. Es hat immer klein angefangen. Aber schon erstaunlich, nicht wahr? Nach anderthalb Jahren 100 Leute, die quasi Millers Sicht der Dinge übernommen haben.
[30:40] Einer seiner Brieffreunde, wie gesagt, dieser Jones, ist auch ein Gesundheitsreformer und versucht Miller auch davon zu überzeugen, von der Gesundheitsreform und von der Kleidungsreform. Also Miller hat auch zu diesem Zeitpunkt schon Kontakt mit diesen Ideen.
[30:55] Übrigens, sehr interessant, im März 1833 kommt dann ein Jurist und Politiker in Mexiko auf die Idee, dass Daniel 8 bis 1843 gehen könnte oder 1847. Auch dieser mexikanische Jurist verbindet Daniel 8 mit Daniel 9 und kommt wieder auf dieselben Ideen, ohne dass er was von Wolff oder von Miller oder von irgend solchen Leuten weiß.
[31:25] Währenddessen ist Wolff unterwegs Richtung Kalkutta. Was wir kennen, das war später der Wirkungsplatz von Mutter Teresa, aber die hat es damals natürlich noch nicht gegeben. Und auf diesem Weg hält er enorm viele Predigten. Denn je mehr man an der Küste ist, desto mehr gibt es jetzt Briten, die dort wohnen. Und er predigt vor überfüllten Kirchen. Er predigt unter den Kolonialsoldaten und er trifft auch etliche andere Missionare, die dort in jenen Gebieten schon sehr am Wirken sind. Durch die Missionsgesellschaften sind ja etliche Missionare ausgesandt worden. Die meisten halten sich aber eher in den sicheren Gebieten auf. Und kaum einer kommt auf die Idee, durch Turkmenistan zu laufen, wie Wolff. Das ist schon besonders gewesen.
[32:13] Währenddessen ist in Deutschland immer noch keine Ruhe. Während sich Preußen und Hessen und Bayern und Württemberg zusammenschließen, um ein gemeinsames Zollgesetz zu haben, um die Einheit Deutschlands voranzutreiben, gibt es in Frankfurt einen weiteren revolutionären Aufstand, den sogenannten Wachensturm, aber auch der scheitert am 3. April. Und entsprechend werden dann wieder Gesetze verschärft.
[32:40] Hier haben wir nochmal den ägyptischen Pascha Muhammed Ali, der von Ägypten aus ausgegangen war, jetzt seinen eigenen Herrscher, der über ihm ist, den Sultan von Konstantinopel, abzusetzen. Und er hatte ja militärisch schon alle Karten in der Hand, aber er lässt sich überzeugen von Diplomatie, dass es vielleicht keine gute Idee wäre, weil sonst die Russen kommen würden aus strategischem Interesse. Und er lässt sich zurückfallen, geht wieder zurück nach Ägypten, bekommt dafür aber ganz Palästina und Libyen zu seinem Besitz. Und dadurch wird der Pascha von Ägypten sehr gestärkt gegenüber dem Sultan von Konstantinopel. Und wir werden in den nächsten Jahren sehen, dass das noch auch für die Prophetie von wirklich echtem Interesse ist. Und nicht vergessen, dieser Krieg war ja der Krieg, der, weiß jemand noch, wodurch ausgelöst worden ist, dieser Krieg? Das war der Krieg, der durch die Bibelstunde ausgelöst worden ist, einige Jahre zuvor, nicht. Dieser Krieg endet hier 1833, zunächst.
[33:35] Wolff reist dann weiter von Kalkutta hier Richtung Südindien und verbringt dort auch einige Tage und geht dann weiter ins Landesinnere. Und dann hier Richtung Hyderabad und dann nach Madras. All diese bekannten großen Städte von Indien.
[34:08] Es ist zu jener Zeit, 1833, dass auch bestimmte andere Reformen durchgesetzt werden. Zum Beispiel in Amerika gründet sich eine Gesellschaft, die Werkarbeiten, sozusagen Manual Labor, also Arbeiten mit der Hand in der Erziehung fordern möchte. Zu jener Zeit greift die Idee Raum, dass man, wenn man in eine Schule geht, nicht nur Kopfwissen haben sollte, sondern man sollte auch wirklich arbeiten. Man sollte einen Beruf lernen während der Schule. Man sollte vielleicht Gartenarbeit haben in der Schule und so. Eine Idee, die später in der Adventgeschichte noch große Bedeutung haben wird und die wird hier zum ersten Mal auch mit vertreten.
[34:49] 1833 ist deswegen auch ein interessantes Jahr, weil ein weiterer Angriff auf die britische Adventbewegung stattfand in Form dieser Männer hier. Indirekt zumindest. Das ist, wie heißt der, da haben wir John Kebel, der eine Predigt hält mit dem Titel "National Apostasy", nationaler Abfall. Er ist ein Vertreter der sogenannten Oxford Bewegung. Die Oxford Bewegung ist eine Bewegung, die die anglikanische Kirche deprotestantisieren möchte. Sie sind der Meinung, dass die anglikanische Kirche zu protestantisch ist und dass sie wieder zurückgeführt werden muss in den Mutterschoß der Kirche. Und so werden Traktate gedruckt, die jetzt den Protestanten in England einreden sollen: "Eigentlich war doch alles gar nicht so schlimm. Die wahre Kirche ist immer noch die Kirche in Rom. Ja, da gab es vielleicht Missstände im Spätmittelalter, aber früher, im frühen Mittelalter war das alles wunderbar. Und wir müssen zurück, wenn wir wirklich zur wahren Kirche gehören wollen." Einer der ganz großen Vertreter war der hier, mit Namen Newman. Er ist später sogar Katholik geworden. Und eine der Mittel, mit der man die Protestanten versucht hat zu überzeugen, war die gerade aufkommende futuristische Prophetieauslegung, wo man gesagt hat: "Der Antichrist kommt noch." Wir glauben an den Antichristen, aber er kommt noch in der Zukunft. Und wenn der Antichrist in der Zukunft kommt, kann er antichristlich im Mittelalter gewesen sein. Und dann gibt es schon mal ein Hindernis weniger, die katholische Kirche anzuerkennen. Und das hat im Laufe der nächsten Jahre der anglikanischen Kirche sehr, sehr zugesetzt. Das war eine ganz enorme Bewegung, die da in Gang gesetzt worden ist. Und die auch einer der Gründe ist, warum die britische Adventbewegung so in Schleudern geraten ist, wie wir schon an anderer Stelle gesehen haben.
[36:54] Während Wolff weiter nach Indien reist, finden wir William Miller am 14. September mit jenem Dokument. Das ist das originale Zertifikat, das er von seiner eigenen Gemeinde bekommen hat, dass er jetzt offiziell bestätigter Prediger ist, sozusagen. Er darf jetzt Vorträge halten. Ich kann mal ein paar Sätze hier lesen, wenn man das lesen kann. Wir haben gleich noch die deutsche Übersetzung. "The Baptist Church of Christ in Hampton and Whitehall does certify that Brother William Miller is a member in regular standing in this church. And Brother Miller has been improving his gifts with us in expounding the word of divine truth", und so weiter. Heißt auf deutsch: "Lass die brüderliche Liebe weiter bestehen. Die Baptistenkirche Christi in Hampton and Whitehall zertifiziert, dass Bruder William Miller ein reguläres Glied dieser Gemeinde ist. Bruder Miller hat in der Vergangenheit seine Gaben im öffentlichen Auslegen der Worte der göttlichen Wahrheit zum Aufbau der Gemeinde genutzt. Wir sind überzeugt, dass Bruder Miller die Gabe zum öffentlichen Vortragen hat. Ausgeführt in der Gemeinde Stunde, Samstag, 14. September 1833 im Auftrag der Gemeinde." Jetzt hatte er eine Lizenz, jetzt konnte er überall hingehen und sagen: "Ich bin lizenzierter Prediger für die Baptisten." Und er wurde natürlich nicht nur von Baptisten eingeladen, sondern auch von anderen Denominationen. Es war damals nicht ganz unwichtig, so ein Zertifikat zu haben, denn es gab auch eine ganze Reihe von Leuten, die behaupteten, sie könnten predigen. Und man konnte sich damals nicht so sehr informieren über Leute. Es gab kein Internet, kein Facebook und so weiter. Und da war es gut, so ein Zertifikat zu haben. Das zeigt, man hat da etwas Erfahrung drin in dem, was man tut.
[38:43] Währenddessen hat Wolff zu Fuß von Hyderabad in einigen Monaten quasi ganz Indien durchstreift und ist jetzt an der Südspitze Indiens angekommen. Immer bei jeder Gelegenheit predigte er über die Wiederkunft Jesu und über entsprechende Themen. Es ist in jener Zeit übrigens auch, dass Miller ein Buch herausbringt, 1833, über das wir nächste Woche dann mehr erfahren werden. Hier sehen wir noch, wie Wolff auf der einen Seite von Indien marschiert ist und dann hier Richtung Goa, die berühmte Stadt, die Jahrhunderte vorher Sitz der indischen Inquisition gewesen ist. Dort in Goa dann sein Ziel erreicht für 1833.
[39:31] Und dann am 12. November, eigentlich in der Nacht zum 13. November, passiert es. Es hatte seit einigen Jahren immer schon besondere Sternschnuppenfälle, immer so um diese Zeit Mitte November gegeben. Aber was in dieser Nacht passiert, hat es vorher und hinterher in der Geschichte der Menschheit niemals gegeben. Es beginnt schon gegen 23 Uhr, dass dort Sternschnuppen fallen und dann gegen den frühen Morgen des 13. November, so gegen 4 Uhr morgens oder 3 Uhr morgens, je nachdem, wie man fragt, scheinen förmlich ganze Bälle zu explodieren. Und man zählt bis zu 200.000 Sternschnuppen pro Stunde. Und dieses Ereignis wird gesehen von der atlantischen Küste, zum Teil vom Atlantik selbst, kurz vor Europa, bis zu den Rocky Mountains und zum Teil noch bis zur Pazifikküste, von Nordkanada bis zur Nordküste Südamerikas. Und hier haben wir einige Berichte. Zum Beispiel Professor Olmsted vom Yale College sagt: "Es war die größte Demonstration von himmlischem Feuerwerk, das seit Grundlegung der Welt da gewesen ist." Oder hier: "Das ganze Himmelsgewölbe über den gesamten Vereinigten Staaten war damals stundenlang in feuriger Bewegung. Noch nie hatte sich von der ersten Ansiedlung an in jenem Land eine Naturerscheinung gezeigt, die von dem einen Teil der Bevölkerung mit so großer Bewunderung und von dem anderen mit so viel Schaudern und Bestürzung betrachtet wurde. Die Erhabenheit und feierliche Pracht lebt noch heute in manchem Gedächtnis. Niemals ist Regen dichter zur Erde gefallen als jene Meteore. Und in allen Himmelsrichtungen ist die gleiche Erscheinung. Mit einem Wort, das ganze Himmelsgewölbe schien in Bewegung zu sein." Das Schauspiel, wie Professor Sillimans Journal es schildert, war in ganz Nordamerika sichtbar. Bei vollkommen klarem und heiterem Himmel dauerte das unaufhörliche Spiel blendend glänzender Lichtkörper am ganzen Himmel von zwei Uhr sogar bis zum Tagesanbruch. Leute berichten, wie sie mit dem Ruf: "Schau aus dem Fenster!" aufgewacht sind und gesehen haben, wie der ganze Himmel mit Sternschnuppen überseht war. Einige berichten, dass in den Südstaaten die Negersklaven, die nicht wussten, was passiert, die dachten, die Welt geht unter, so laut geschrien haben und so laut auf den Boden sich geworfen haben, dass die Besitzer gar nicht mehr wussten, was sie mit ihnen tun sollen. Es war wirklich eine außergewöhnliche Nacht.
[42:13] Noch ein Zitat dazu. "Keine Sprache kann der Pracht jenes herrlichen Schauspiels gerecht werden. Niemand, der es nicht selbst gesehen hat, kann sich eine entsprechende Vorstellung von seiner Herrlichkeit machen. Es schien, als ob der ganze Sternenhimmel sich in einem Punkt gesammelt hätte und mit Blitzeschnelle gleichzeitig nach allen Richtungen des Horizontes hin seine Sterne hervorschlöße. Und doch hörte es nicht auf. Tausende folgten schnell der Bahn, die Tausende schon durchlaufen hatten, als seien sie für diese Gelegenheit erschaffen gewesen." Es war übrigens das größte von etlichen Sternschnuppenereignissen in jener Zeit. Nur wenige Tage später übrigens hat es einen ähnlichen, wenn nicht ganz so brillanten, aber doch ganz ähnlichen Fall auch in Europa gegeben. Das ist heutzutage nicht mehr so bekannt. Es gibt etliche Berichte, zum Beispiel aus Schlesien, aus Österreich, wo Pferde angesichts dieser Sternschnuppen vor Angst niedergefallen sind. Und Menschen krank geworden sind, buchstäblich vor Furcht. Also es war nicht der einzige, sondern nur der Höhepunkt von etlichen solcher Zeichen.
[43:22] Hier eine säkulare Zeitschrift, ein Wirtschaftsjournal aus New York, 15. September, zwei Tage später. "Kein Weiser oder Gelehrter hat je, wie ich annehme, eine Erscheinung wie die von gestern Morgen mündlich oder schriftlich berichtet. Vor 1800 Jahren hat ein Prophet sie genau vorausgesagt." Kein Prophet, keine religiöse Zeitschrift, das ist eine Wirtschaftszeitschrift. So wir uns nur die Mühe nehmen wollen, unter einem Sternfall fallende Sterne in dem allein möglichen Sinne, in dem es buchstäblich war, sein kann, zu verstehen. Das Ereignis war so, so eindeutig, dass selbst säkulare Menschen erkannten, das muss etwas mit der Bibel zu tun haben. Das ist kein Zufall.
[44:11] Und 1833 markiert so einen gewissen Wendepunkt. Nicht nur, weil Miller jetzt ganz offiziell Prediger war, sondern weil jetzt Gott auch durch ein himmlisches Zeichen gesagt hat: "Es ist bald so weit." Warum? Als Jesus damals gefragt worden ist: "Wann wird dies geschehen und was wird das Zeichen einer Wiederkunft des Endes der Weltzeit sein?", da wissen wir, hat er viele Zeichen gegeben. Aber es ist interessant, was er sagte, Matthäus 24, Vers 29. Er sagte dort: "Sogleich aber nach der Bedrängnis jener Zeit", also nach dem Mittelalter, "wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren." Was sich ja erfüllt hatte 1780 am finsteren Tag. "Und die Sterne werden vom Himmel fallen, die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen." Und dann sagte er nur kurze Zeit später: "Ebenso auch, wenn ihr das alles seht, so wisst, dass er nahe vor der Tür ist." Ich könnte Stunden füllen mit Zitaten aller möglichen Leute, die all das gesehen haben und geschrieben haben, weil wir diesen Sternenfall jetzt gerade vor uns haben, wissen wir: Jesus ist nahe vor der Tür. Er ist das letzte, eines der letzten Zeichen, die vorhergesagt sind, er muss jetzt wirklich bald kommen. Denn Offenbarung 6, Vers 13 sagt, im sechsten Siegel, das direkt ins siebte Siegel die Wiederkunft einleitet: "Und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, wie ein Feigenbaum seine Feigen abwirft, wenn er von starkem Wind bewegt wird."
[45:44] Dazu kommentiert folgende Tageszeitung, "Portland Evening Advertisement", 26. November: "Ein genaueres Bild von einem Feigenbaum, der seine Feigen abwirft, wenn ein heftiger Wind durch ihn hindurch fährt, hätte man nicht sehen können." Selbst die Abendzeitung, die weltlichen Zeitungen in Amerika haben gesagt, man hätte es nicht besser beschreiben können, als Johannes es beschrieben hat. Und mit diesem Zeichen war plötzlich klar, irgendetwas Großes steht bevor.
[46:19] Nur einer hat nichts davon mitbekommen, oder vielmehr. Während die Menschen draußen das beobachten, hat sie ganz fest geschlafen in genau jener Stadt in Portland. Ellen Harmon, die zu diesem Zeitpunkt fast sechs Jahre alt war. War noch zu klein, um aufzustehen. Und sie war nämlich vor kurzem nach Portland gezogen. Wir wissen nicht genau wann, es muss in den Jahren 1831 bis 1833 gewesen sein. Was genau sie dort erlebt hat, sehen wir das nächste Mal. Da werden wir eine Sonderausgabe haben, wir werden uns beschäftigen mit der Kindheit von Ellen Harmon. Da haben wir nicht so viele Daten, wir wissen nicht genau in welchem Jahr das genau gewesen ist. Aber ungefähr in dieser Zeitperiode, so zwischen 1830 und 1833, werden wir noch da eine ganze Menge erfahren, wie sie gelebt hat, was so ihre Kindheitserlebnisse waren. Und wir werden anschauen, was war der Inhalt von dem Buch, das William Miller 1833 herausgebracht hat. Und das wird eine sehr spannende Sache sein. Denn dieses Buch ist sozusagen die Grundlage dessen, was später Miller überall verkündigt hat.
[47:25] Bis dahin sind wir Gott dankbar, dass er uns gezeigt hat, wie er sein Volk geführt hat. Und dass durch dieses Zeichen des Sternfalls die Adventbewegung ganz ordentlich aufzubekommen hat. Und wie gesagt, das nächste Woche. Bis dahin können wir unseren alten Spruch auch diesmal wieder sagen: Wir haben nichts für die Zukunft zu befürchten, es sei denn, wir haben vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat. Und damit wollen wir eine kurze Pause einlegen von 5 Minuten und uns gleich wieder treffen zum Offenbarungsseminar, dann mit Offenbarung 12, Vers 17, Teil C.
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