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Christopher Kramp setzt in der Vortragsreihe „Magna Conflictio“ die Kirchengeschichte fort und beleuchtet die entscheidenden Momente der Reformation. Im Fokus steht die dramatische Reise und das Auftreten Martin Luthers vor dem Reichstag zu Worms im Jahr 1521. Der Vortrag analysiert die politischen und religiösen Spannungen, Luthers mutige Haltung trotz aller Widerstände und die weitreichenden Konsequenzen seiner elf Worte, die eine Zeitenwende einleiteten.

In diesem Vortrag aus der Reihe „Magna Conflictio“ beleuchtet Christopher Kramp die dramatischen Ereignisse rund um den Reichstag zu Worms im Jahr 1521. Er schildert die Herausforderungen, denen sich Martin Luther gegenübersah, die politischen Ränkespiele und die entscheidenden Momente, die zur Zeitenwende der Reformation führten. Der Vortrag betont die Bedeutung von Luthers standhaftem Glauben und seinen elf Worten, die die Welt veränderten.


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Serie: Magna Conflictio (Vortragsreihe über die Kirchengeschichte und die Endzeit)

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Transkript

[1:21] Einen wunderschönen guten Abend. Schön, Sie heute Abend hier zu sehen zu unserem vierten Abend und fünften Thema von Magna Conflictio. Herzlich willkommen auch all denjenigen, die jetzt live zugeschaltet sind auf www.magnaconflictio.de oder aber die unsere Aufnahme später, zu einem späteren Zeitpunkt auf joelmedia.tv betrachten. Schön, dass Sie da sind.

[1:49] Und wir haben hier angekündigt, dass wir heute Abend Fragen beantworten werden. Nun ist es leider so, dass wir keine Fragen bekommen haben zu den bisherigen Themen, jedenfalls nicht zum letzten. Dass ich keine Frage beantworten kann. Deswegen werde ich einfach selbst eine Frage beantworten. Und zwar möchte ich ganz kurz darauf hinweisen, wir hatten das letzte Mal ja das Thema 95 Thesen. Und wenn ich diesen Vortrag vor 10 Jahren gehalten hätte, dann hätte es bestimmt jemanden gegeben, der dort sich beschwert hätte. Vor ungefähr 10 Jahren war es noch absolut gängige, wissenschaftliche These, dass diese 95 Thesen niemals an die Schlosstürkirche von Wittenberg angenagelt worden sind. Das galt als Legende, überholt. Der Grund darin liegt, dass diese Geschichte von dem Anschlag der Thesen erst nach der Zeit von Luther jemals aufgeschrieben worden ist. Und man weiß, dass es diese 95 Thesen gab, aber man hat das als Legende bezeichnet, dass die jemals dort angenagelt worden sind. Und die Frage stellt sich natürlich, ist das überhaupt glaubwürdig? Und interessanterweise hat man vor wenigen Jahren, 2006 ist es her, eine Notiz gefunden vom Sekretär von Luther, die bestätigt, dass tatsächlich diese 95 Thesen an die Tür angenagelt worden sind. Das heißt, die Wissenschaft musste sich jetzt wieder korrigieren. Das ist relativ neu. Und wenn Sie da neuste Publikationen zu lesen werden, dass viele mit so einem kleinen Knirschen im Magen das zugeben mussten, dass es jetzt doch wahr ist.

[3:21] Wenn Sie Fragen haben, die vielleicht etwas spannender sind, als die, die ich gerade gestellt habe, dann können Sie uns gerne eine Frage stellen. Wenn Sie auf der Internetseite bei Magna Conflictio jetzt nach links schauen, genau da ist so ein kleiner schwarzer Button, da steht Feedback und Fragen, da können Sie draufklicken und eine Frage stellen. Wenn Sie hier vor Ort eine Frage haben, scheuen Sie sich nicht, kommen Sie direkt nach dem Vortrag zu mir und stellen Sie Ihre Frage und dann werden wir sie morgen Abend oder wann auch immer hier behandeln.

[3:49] Kommen wir zu unserem Quiz. Wir haben ja jeden Abend fünf Fragen, die wir im Laufe des Vortrags dann beantworten. Wir wollen sehen, wer von Ihnen war eigentlich am Dienstag da gewesen? Oh, eine ganze Menge. Da werden wir jetzt, glaube ich, gute Antworten bekommen. Die erste Frage, die wir am Dienstag gestellt haben, vor dem Vortrag war, in welchem Königreich war Jan Hus als Reformator tätig? Wer hat aufgepasst? In welchem Königreich war er tätig? In Böhmen, nicht wahr? Damals hieß das noch nicht Tschechien, das war Böhmen. Die zweite Frage war, wo wurde Jan Hus verbrannt? Und jemand hat es damals schon gleich hinausgerufen? Konstanz, ganz genau. Und wir haben gesehen, das war eine sehr, sehr berührende Geschichte, sowohl von ihm als auch von seinem Genossen. Wie hieß der nochmal? Hieronymus von Prag, ganz genau. Die dritte Frage war, wie hieß der Beichtvater von Martin Luther? Wer hat aufgepasst? Gibt es jemanden, der sich erinnern kann? Der Mann war gar nicht so unwichtig, denn dieser Mann hatte ja in diesem Kampf, in dem Luther steckte, um seinen Seelenheil, ihm den Hinweis gegeben: Schau nicht auf deine eigenen Werke, schau auf Jesus Christus. Dieser Mann ist eigentlich so der Mann hinter den Szenen, der sozusagen Luther Richtung Reformation geschubst hat. Sein Name war, vielleicht erinnern wir uns, also nicht unwichtig, dieser Mann. Die vierte Frage war, in wessen Auftrag handelte der Ablassprediger Tetzel? Von dem haben wir gehört. In wessen Auftrag hat er gehandelt? Wer hat aufgepasst? Ja, in letzter Instanz dann irgendwo im Auftrag des Papstes, das stimmt. Aber konkreter war da, da gab es jemanden, der ihn beauftragt hat. Haben wir auch erwähnt. Und zwar war das der Erzbischof Albrecht von Mainz. Und der war auch zuständig für Magdeburg und deswegen kamen die sich da bald in die Quere. Mit Luther in Wittenberg.

[6:02] Und die letzte Frage, wo begegnete Luther dem päpstlichen Legaten Kardinal Cajetan? Da gab es diese Verhandlung, nicht wahr? In Augsburg, ganz genau. Im Jahre 1518 auf diesem ersten Reichstag, wo im Zuge des Reichstags Luther sich verantworten musste. Und dann so eine Disputation entstand. Und dann haben wir gesehen, dass Luther entkommen ist. Und dass ihm dann der Bann angedroht worden ist. Und was hat er mit der Bannbulle getan? Er hat sie verbrannt. Und daraufhin ist er exkommuniziert worden. Und da haben wir aufgehört. Und da werden wir genau an dieser Stelle heute Abend weitermachen.

[6:29] Unser Thema wird nämlich sein: 11 Worte, Zeitenwende. Und wie immer haben wir heute 5 Fragen. Also passen Sie gut auf. Und dann werden wir morgen diese Fragen gut beantworten können. Erste Frage. Und wie gesagt, nicht jetzt laut hinausrufen, sondern einfach in Gedanken erstmal durchgehen, ob wir das jetzt schon wissen könnten. Und wenn nicht, dann heute gut aufpassen. Wo fand der Reichstag 1521 statt? Ich denke, die meisten von Ihnen können diese Frage wohl beantworten. Die zweite Frage ist auch nicht so schwer. Wo liegt die Wartburg? Auch bitte noch nicht antworten, sondern auf den Vortrag warten. Und dann heißt es in der dritten: In wie viele Kategorien teilte Luther seine Schriften vor dem Reichstag ein? Ich bin wieder gespannt. Ohne laut zu antworten, wer könnte das beantworten? Wie viele Kategorien? Gut. Dann sind Sie heute am richtigen Ort. Und dann haben wir hier noch: In welcher Stadt begann die Schweizer Reformation? Gibt es Schweizer unter uns heute hier? Wir werden sehen. Wir haben ja mehrere Antworten bekommen. Und bitte, ich weiß, es ist schwierig, wenn man die Antwort schon auf den Lippen hat, nicht zurückzuhalten. Aber vielleicht schaffen wir es uns im Zaum zu halten. Wer vertrat Zwingli in der Disputation 1529? Und diese Fragen und viele mehr werden wir gleich besprechen und beantworten.

[8:07] Aber wie jedes Mal wollen wir zunächst mit einem Gebet starten. Denn dieses Thema wird nicht nur die Zeitenwende beschreiben, sondern kann auch eine Wende in unserem Leben sein. Und dazu brauchen wir Gottes Hilfe. Ich lade Sie ein mit mir zu beten. Lieber Vater im Himmel, wir danken dir so sehr, dass du uns alle hergebracht hast an diesem Abend. Wir bitten, dass dein Wort auch heute unser Herz berührt. Und wenn wir zurückschauen in die Geschichte, fast 500 Jahre zurück, dann bitten wir dich, dass wir lernen aus dem, was Menschen dort mit dir erlebt haben. Und wir danken dir, dass du auch heute noch derselbe Gott bist, wie in jenen Zeiten. Und dass du auch heute noch denselben Glauben in uns inspirieren kannst. Wir bitten dich, dass du alle Störungen fernhältst. Dass wir auf dich achten dürfen und dass du zu uns sprichst. Im Namen Jesu beten wir dies. Amen.

[8:55] Was haben Sie gemacht, als Sie 19 Jahre alt waren? Können Sie sich erinnern, als Sie 19 Jahre alt waren? Manche würden sagen, oh, das ist schon eine lange Zeit her. Als ich 19 war, da ging ich noch in die Schule, ich war in der 13. Klasse und habe mich vorbereitet auf mein bald beginnendes Studium. Vielleicht können Sie sich noch erinnern. Was haben Sie gemacht mit 19? Können Sie sich noch erinnern?

[9:21] Stellen Sie sich vor, Sie sind 19 Jahre alt und Sie bekommen als Geschenk sozusagen die Herrschaft über all diese farblich markierten Länder zugesprochen. Da finden Sie Deutschland, Böhmen, die österreichischen Erblande, Niederlande, die Schweizer Eidgenossenschaft hier, große Teile Italiens, das Königreich Sizilien, Spanien, inklusive natürlich dem Heiligen Deutschen Reich römischer Nation. Klingt schon ganz schön furchteinflößend, nicht wahr? Er war 19 Jahre alt. Nicht er, er. Kaiser Karl V. Und er wurde zum Kaiser ernannt. Wir hatten ja gesehen, dass am Ende des letzten Vortrages, eine der Gründe war, warum Luther ein Zeitfenster hatte für seine Reformation, dass der alte Kaiser gestorben war. Und jetzt war dieser neue da. Karl V. Und sobald dieser neue Kaiser gefunden worden war, im Jahre 1519, da hat Rom die Möglichkeit gesehen, die Sache mit Luther wieder aufzugreifen. Junger Kaiser heißt natürlich beeinflussbar, das heißt, man kann da vielleicht was drehen und so hat man auf ihn eingeredet: Du musst jetzt diese Sache mit Luther hier beenden. Du musst ein Machtwort sprechen. Das Dumme war nur, es gab jemanden, der dem Karl sehr behilflich gewesen ist, auf den Thron zu kommen und das war hier. Weißt du, immer noch, wer das war? Das war Karl Friedrich der Weise, der Kurfürst von Sachsen. Und der war sozusagen der Landesherr in dem Land, in dem Luther gelebt hat und hatte, obwohl er mit Luther noch nicht so viel am Hut hatte, doch so ein bisschen eine kleine Sympathie für diesen Professor aus Wittenberg und wollte unter keinen Umständen, dass sein Professor hier ohne Verhör einfach verbrannt wird. Und so war Karl V. seit seiner Regierungsbeginn in der Zwickmühle. Auf der einen Seite Rom, die gesagt haben: Weg mit Luther. Auf der anderen Seite Friedrich der Weise, der Kurfürst von Sachsen, dem er ja den Thron verdankte, der gesagt hat: Also, mach mal halblang. Ein ordentliches Verhör. Und so war der Arme nicht zu beneiden.

[11:49] Zwei Jahre später wurde dann der Reichstag wieder einberufen. Und der fand statt in Worms. Und zum Reichstag kommen alle Staaten des Deutschen Reiches, sowohl die weltlichen Staaten als auch die geistlichen Staaten, alle Stände, die Ritter, die Herzöge, die Fürsten und so weiter und so fort. Und große Themen standen auf der Tagesordnung, denn Karl brauchte einen Vizeregenten, denn er hatte vor, die nächsten Jahre nicht im Reich zu sein. Er hatte viele Länder zu betreuen. Und nach diesem Reichstag wird er für fast 10 Jahre lang nicht mehr zurückkommen ins Reich. Also da waren gewaltige Themen zu besprechen, aber ein Thema, das immer im Hintergrund lauerte, war diese Sache mit Luther. Und Karl hat angeordnet, dass auch Luther dort vor dem Reichstag verhört werden soll. Das Problem war nur, dass Luther zu diesem Zeitpunkt sehr, sehr krank war. Aber er schreibt trotzdem: Ich werde, wenn man mich ruft, kommen, soweit an mir liegt, ob ich mich auch krank müsste hinfahren lassen, denn man darf nicht zweifeln, dass ich von dem Herrn gerufen werde, wenn der Kaiser mich ruft. Greifen wir zur Gewalt, was wahrscheinlich ist, denn dazu, um belehrt zu werden, lassen sie mich nicht rufen. Ja, der wusste schon ziemlich genau, worum es geht. So muss man dem Herrn die Sache befehlen. Dennoch lebt und regiert derselbige, der die drei Knaben im Feuerofen des Königs von Babylon erhalten hat. Will er mich nicht erhalten, so ist um meinen Kopf eine geringe Sache. Man muss nur dafür sorgen, dass wir das Evangelium, das wir begonnen, den Gottlosen nicht zum Spott werden lassen. Dann sagt er, und das beeindruckt mich immer wieder: Wir wollen lieber unser Blut dafür vergießen. Wir können nicht wissen, ob durch unser Leben oder unseren Tod dem allgemeinen Wohle mehr genutzt werde. Nimm von mir alles, nur nicht, dass ich fliehe oder widerrufe. Fliehen will ich nicht, und widerrufen, noch viel weniger. Weißt du, noch viel weniger als nicht? Ganz und gar nicht.

[13:55] Also nun hat sich seine Sache klar, aber er war krank. Und dann ist folgendes passiert: Es gab jemanden, der überhaupt nicht begeistert war über diese Idee, dass Luther nach Worms kommen sollte. Und das war Moment, der hier. Weiß jemand, wer das war? Das war Aleander. Hat man den Namen Aleander gehört? Aleander war der päpstliche Legat, der Nuntius, sozusagen der Abgesandte, der die Sache des Papstes hier in Worms vertreten sollte. Und er hat ein gewichtiges Argument. Er hat zum Kaiser gesagt: Wie kannst du jemanden vorladen lassen, der bereits verdammt ist? Denn der Papst hat ja bereits die Exkommunikation ausgesprochen. Wenn du Luther einlädst und dass er sich frei verteidigen darf vor dem Reichstag, wodurch der Papst ihn schon verurteilt hat, dann ist es eine Beleidigung für den Papst. Das lassen wir uns nicht gefallen. Und der Reichstag, der am 27. Januar eröffnet worden ist, sollte nach seiner Vorstellung ohne Luther stattfinden. Denn so ein bisschen hat er schon Angst gehabt, was passieren würde, wenn Luther kommen würde. Und so hat sich dann Karl breitschlagen lassen und gesagt: Okay, wir wollen ja den Papst nicht verärgern. Luther darf nicht kommen. Wurde wieder ausgeladen und man hat ihm gesagt: Du kannst nur kommen, wenn du wieder rufen willst, ansonsten Wittenberg, wir wollen dich hier nicht haben. Aber damit war Aleander nicht zufrieden. Wo er jetzt schon mal in Worms war und all die verschiedenen Prinzen und Fürsten und Herzöge bei sich hatte, hat er die Chance genutzt und hat in persönlichen Gesprächen, in Ausschüssen, wo auch immer, Stimmung gemacht gegen Luther. Er wusste ja, dass dieser Luther, anders als die anderen Reformatoren, die es vor ihm gab, schon eine gewaltige Unterstützung im deutschen Volk hatte. Und er musste fürchten, dass schon einige der Fürsten angefangen hatten, mit Luther zu sympathisieren. Und so hat er wirklich Stunk gemacht, würde man auf Deutsch sagen, gegen Luther. Und er wollte gern auch den ganzen Reichstag adressieren und hat immer wieder gebohrt und gebohrt und gebohrt und schließlich hat Karl V. gesagt: Okay, hast du deinen Willen, du darfst vor dem Reichstag sprechen. Und was Luther verwehrt worden war, ist jetzt Aleander gegönnt worden und bekam am 13. Februar die Gelegenheit, eine dreistündige Rede zu halten.

[16:31] Und Aleander war nicht auf den Mund gefallen. Das war seine Chance. Ein Kommentator hat es folgendermaßen, ein Historiker folgendermaßen kommentiert: Es war ein großer Tag für den Nuntius. Die Versammlung war groß, noch größer war die Sache. Aleander sollte für Rom, die Mutter und Herren aller Kirchen, das Wort führen. Er hatte die Gabe der Beredsamkeit und zeigte sich der Erhabenheit des Anlasses gewachsen. Die Vorsehung wollte es, dass Rom vor dem erlauchtesten Tribunal erscheinen und seine Sache durch den begabtesten seiner Redner vertreten werden sollte, ehe es verdammt würde. Aleander nutzt die Gelegenheit. Er hält eine Rede voller Brillanz, voller Rhetorik und überzeugt den Reichstag. Mit guten Argumenten. Er beschreibt, wie seit über tausend Jahre das Reich und der Papst gut zusammengearbeitet haben. Und wie viele, all der Gelehrten durch all die Jahrhunderte, die Kirchenväter, alle in Übereinstimmung waren mit dem, was der Papst sagt. Und dass es doch vollkommen absurd wäre, so einem dahergelaufenen Mönch dort aus Wittenberg jetzt plötzlich Gehör zu schenken, wodurch eine so gewaltige Menge von erlauchten und illustren Menschen dem Papst Recht geben. Und mit allen Kniffen der Rhetorik, mit allen Mitteln des Glanzes überzeugt er den Reichstag. Einige seiner Worte sind hier: Was sind all die Lutheraner? Eine Bande frecher Schulmeister, verdorbene Priester, liederlicher Mönche, unwissende Advokaten und herabgekommene Adlige zusammen mit dem Pöbel, den sie fehlgeleitet und verdorben haben. Und Achtung, er spricht dazu den großen Staatsmännern seiner Zeit, was er jetzt sagt: Wie viel überlegener ist Ihnen gegenüber die katholische Partei an Zahl, Fähigkeit und Macht? Das Argument, das er vorbringt, ist ein Argument, das wir heute noch oft hören. An der Sache kann nichts dran sein, denn es gibt zu viele Leute, die dagegen sind. Deine Theorie, die du da predigst oder die du glaubst, das kann nicht die Wahrheit sein. Schau mal, wie viele andere was anderes glauben. Du willst doch nicht etwa im Ernst sagen, dass all die Kirchenväter, all die Leute, all diese großen Theologen im Irrtum sind, oder? Leute, die stärker sind als du, klüger sind als du, größer sind als du, sind zu einem Schluss gekommen. Wie kannst du es wagen, etwas anderes zu glauben? Es ist das Argument Roms und es war schon immer erfolgreich. Allein mit diesen Politikern, die genau auf diese Argumente achten, auf Zahl, Größe, Macht, Einfluss. Und dann macht er einen Aufruf. Aleander macht einen Aufruf und sagt: Ein einstimmiger Beschluss. Diese erlauchten Versammlungen wird die Einfältigen erleuchten, die Unklugen warnen, die Wankelmütigen entscheiden machen und die Schwachen stärken. Er richtet sich direkt an die Fürsten und sagt: Ihr habt die Wahl. Wenn ihr einstimmig entscheidet, wird die Sache gut ausgehen.

[19:43] An jenem Tag hat in drei Stunden der päpstliche Legat alles zusammengefasst, was Rom jemals sagen konnte. Mit anderen Worten, alles, was überhaupt nur denkbar war, wurde auf den Tisch gelegt. Rom hatte eine lange Erfahrung im Kampf gegen Ketzer. Sie waren nicht der erste Ketzer, der aufgestanden ist, und bisher hatten sie jedes Mal gewonnen. Und sie hat auch diesmal alle Argumente präsentiert, auf den Tisch gelegt, zuversichtlich, dass Rom siegen würde. Aber an diesem Tag war es der letzte Tag. War es der letzte Tag, an dem Rom sicher stand. An dem Tag, als alle Argumente auf den Tisch gelegt wurden, begann die Erde zu beben. Nicht buchstäblich. Etwas passierte, womit niemand, aber auch wirklich niemand gerechnet hätte. Jemand erhob sich, keiner von denen, von denen man meinte, mit Luther zu sympathisieren. Es erhob sich jemand, der Luther absolut Feind war. Es war der Herzog von Sachsen. Damals gab es das Kurfürstentum Sachsen, und es gab das Herzogtum Sachsen. Und friedlicherweise war der Kurfürst von Sachsen, aber dann gab es noch einen Herzog von Sachsen, und das war ein Feind von Luther. Und er erhebt sich. Sein Name war übrigens Georg der Bärtige. Hat seinem Namen alle Ehre gemacht, wie wir sehen. Und erhebt sich und beginnt, die Missstände in Rom offenzulegen. Er sagt: Da ist keine Scham in Herausstreichung und Erhebung des Ablasses. Man suchet nur, dass man viel Geld zusammenbringe. Also geschieht, dass die Priester, welche die Wahrheit lehren sollten, nichts als Lügen und Betrug den Leuten vorschwatzen. Das duldet man, und diesen Leuten lohnet man, weil je mehr Geld in den Kasten kommt, je mehr die Leute beschwatzt werden. Aus diesem verderbten Brunnen fließt ein Großärgernis in die Bäche hinaus. Plagen die Armen mit Bußen ihrer Sünde wegen, verschonen die Reichen, übergehen die Priester. Und jetzt Achtung, was sagt er? Daher nötig ist eine allgemeine Reformation anzustellen, welche nicht füglicher als einem allgemeinen Konzil zu erhalten ist. Darum bitten wir alle, solches mit höchstem Fleiß zu fördern.

[22:17] In jenem Moment, als Aleander den Sieg einstreichen wollte, erhebt sich ein Feind Luthers und sagt: Moment mal, wir brauchen eine Reformation. Luther selbst hätte nicht so mutig und offen sprechen können. Und man kann davon ausgehen, dass das die klügsten Worte waren, die Georg der Bärtige jemals in seinem Leben gesagt hat. Er hat vor gegen Luther gekämpft, hinter gegen Luther, aber in diesem Moment hat er etwas für Luther getan, was ihm nicht mehr bewusst war. Und das zeigt, dass hier ein Größerer im Spiel war, als nur ein Mönch von Wittenberg. Jemand war im Spiel und fügte sozusagen diese Schachfiguren auf diesem Magna Conflictio in einer Art und Weise, wie selbst die größten Geschichtskenner es nicht hätten erwarten können. Denn in diesem Magna Conflictio war ein entscheidender Schach zugekommen. Nach all den Jahrhunderten der Unterdrückung sollte eine Zeitenwende entstehen. Und Georg der Bärtige unwissentlich hat sie gefördert. Aufgrund seiner Rede wird ein Ausschuss einberufen, der jetzt all die Missstände, nicht die theologischen, die Missstände in der katholischen Kirche aufdecken soll. Die kommt zurück nach ihrer Ausschussarbeit nach einigen Tagen und legen einen Katalog mit 101 Punkten vor. In ihrem Abschlussbericht sagen sie: Es gehen so viele Seelen verloren, so viele Räubereien, Bestechungen finden statt, weil das geistliche Oberhaupt der Christenheit sie gestattet. Es muss dem Untergang und der Schande unseres Volkes vorgebeugt werden. Wir bitten euch untertänigst und inständigst, dahin zu wirken, dass eine Besserung und eine was? Gemeine? Reformation geschieht.

[23:57] Wir sind hier am Reichstag von Worms. Luther ist nicht eingeladen, ist gar nicht da. Aber die Fürsten selbst fordern eine Reformation. Und als das passiert, gibt es keine Wahl. Der Reichstag entscheidet sich, man muss Luther einladen. Denn er spricht ja genau über das Thema. Das ist ja einer seiner Kritikpunkte. Und die Luther-Freunde setzen sich durch und Luther bekommt eine Einladung und er bekommt sogar etwas, was sehr wichtig ist, nämlich ein Geleitbrief vom Kaiser, das er nämlich sicher in seiner Hand hat. Und das ist ein Geleitbrief, vom Kaiser, das er nämlich sicher hin und zurück kann. So heißt es zumindest auf dem Papier. So wird ein Reichsherold ausgesandt, nicht irgendjemand, der Reichsherold wird ausgesandt, nach Wittenberg und am 29. März kommt der Reichsherold in Wittenberg an und sagt, was auch immer er gesagt hat: Sie sind vorgeladen zum Reichstag von Worms. 29. März.

[24:57] Jetzt, wie wird sich Luther wohl gefühlt haben? Seine Freunde jedenfalls haben die Gefahr gesehen. Sie wussten genau, das mit dem Geleitbrief, das ist so eine unsichere Sache. Das hat man dem Jan Hus schon versprochen. Wenn sie am Dienstag da waren, wissen sie, wovon ich rede. Und sie haben auf ihn eingerichtet und gesagt: Geht dort nicht hin, das ist zu gefährlich. Aber Luther sagt: Jener wie der Sache Christi setzt alle Kräfte ein, mich zu verderben, der Wille Gottes geschehe. Christus wird mir den Geist geben, dass ich diese Widersache verachte im Leben, besiege im Tode. Sie arbeiten, dass ich viele Artikel widerrufe. Aber jetzt Achtung, sehr entspannt. Aber mein Widerruf wird also lauten. Wird er widerrufen? Doch, er sagt: Ich werde widerrufen. Jetzt kommt der Widerruf. Ich habe früher gesagt, der Papst sei der Statthalter Christi. Jetzt bestehe ich darauf, dass der Papst der Widersacher unseres Herrn ist und der Apostel des Satans. Wow. Das war sein Widerruf, den er geplant hat.

[26:03] Luther war entschieden. Es wird entschieden, dass er nicht alleine gehen darf, sondern dass drei Freunde ihn begleiten sollen. Einer von ihnen ist Nikolaus von Amsdorf, und Melanchthon, sein bisher engster Mitarbeiter, möchte auch mitgehen und sagen: Lass mich mitgehen. Aber Luther sagt: Nein, du bleibst hier. Denn wenn ich sterbe, brauchen wir jemanden, der das Werk fortführt. Und Melanchthon war der Fähigste von allen. Der beste Mitarbeiter von Luther. Und obwohl Melanchthon ihn anfleht, sagt er: Bleib hier. Und wir haben ja gesehen, was passiert, wenn der Mitarbeiter unnötigerweise mit zum Verhör geht. Wenn sie am Dienstag da gewesen sind bei Hieronymus, haben sie gesehen, dass das nicht klug ist. Melanchthon sollte zurückbleiben, um im Notfall die Reformation weiterzuführen.

[26:49] Sie machen sich auf den Weg. Eine weinende Menge steht am Tor von Wittenberg und geleitet ihn hinaus. Am 2. April begibt sich Luther auf die Reise. Und er muss schnurstracks nach Worms gehen. Sein Weg führt ihn hier zunächst einmal durch das Herzogtum Sachsen und dann nach Chursachsen hier. Und auf dem Weg erhält er natürlich Informationen darüber, dass seine Lehre überall verbreitet ist. Aber er hält auf dem Weg hier diese ersten Tage die Informationen, dass in der Zwischenzeit der Reichstag seine Schriften bereits verdammt habe. Stellen Sie sich vor, Sie sind eingeladen, sich vor dem Reichstag zu verteidigen. Sie wissen, das kann auch auf dem Scheiterhaufen enden. Und auf dem Weg bekommen Sie die Nachricht: Der Reichstag hat bereits entschieden, dass die Schriften verkehrt sind. Der Reichsherold jedenfalls hat ihn gefragt: Möchtest du noch weiter gehen? Das hat Luther gesagt: Vorwärts.

[27:49] Am 6. April, vier Tage später, zieht er im Triumph in Erfurt ein. Die Leute sind begeistert, ihn zu sehen. Und Erfurt, das ist ja die Stadt gewesen, wo er Jahre zuvor als Student durch Kasteiung versucht hat, ewiges Seelenheil zu bekommen. An jenem Tag geht er noch einmal in das Kloster, schaut sich noch einmal die Zelle an. Und schon interessant, wie innerhalb von wenigen Jahren aus diesem Mönch, der nicht wusste, ob er mal im Himmel sein wird, ein Mann geworden ist, der sich auf den Weg macht, vor Kaiser und Reich und dem Evangelium Gottes zu stehen. Er besucht noch einmal das Kloster, spricht mit den Leuten und er bekommt von dem Herold sogar die Erlaubnis, gegen den Befehl des Kaisers, dort in Erfurt zu predigen. Und am 7. April, frühmorgens, wird eine Predigt angekündigt, die fast die gesamte Stadt möchte teilnehmen. Die Kirche ist so überfüllt, noch voller als heute, dass die Kirchenfenster eingeschlagen werden, weil man Angst hat vor einer Panik. Und Luther kann nur mit Mühe die Leute beruhigen und sagen: Bleibt mal ruhig, wir werden nicht sterben. Und er predigt eine Predigt. Jetzt nehmen wir mal an, Sie sind vorgeladen zum Reichstag und sollen für Ihren Glauben einstehen und Sie wissen wahrscheinlich, Sie werden in wenigen Wochen sterben. Worüber würden sie predigen? Wäre es nicht nur natürlich, dass er ein bisschen auf Bezug nehmen würde auf seine Situation, die Leute warnen sollte vor denen, die ihm Böses tun? Aber Luther spricht an jenem Tag nicht mit einem Satz über sich selbst. Nicht über seine Sache. Nicht über Worms. Er hat nur ein Ziel. Er möchte die Menschen zu Jesus führen. In dieser Kirche predigt er nur einige Ausschnitte aus seiner Predigt. Er sagt: Ihr wisset auch, dass alle Philosophen, Doktoren und Skribenten, also Schriftgelehrte, oder Schreiber, sich beflissen zu lehren und schreiben, wie sich der Mensch zur Frömmigkeit halten soll, haben sich das sehr bemüht, aber wie man sieht, wenig ausgerichtet. Denn Gott, der hat auserwählt einen Menschen, den Herrn Jesum Christ, dass der soll den Tod, was? Zerknirschen, schönes Wort, den Tod zerknirschen, die Sünden zerstören und die Hölle zerbrechen. Also, dass wir durch seine Werke und nicht mit unseren Werken selig werden. Unser Herr Christus hat gesagt: Habt Frieden und seht eure Hände. Sie, Mensch, ich bin der allein, der deine Sünden hat weggenommen, der dich erlöste. Nun habe Frieden. Obwohl er auf dem Weg zum Tod ist, hat er nur ein Ziel, wo immer er predigt, er möchte die Menschen zu Jesus bringen. Jesus ist für dich gestorben. Das ist seine Botschaft. Interessiert es gar nicht, was mit ihm passiert. Er hat sich selbst völlig aus den Augen verloren. Das ist seine Botschaft. Er bringt die Menschen direkt zu dem Einzigen, der ihre Sünden nehmen kann, nämlich Jesus Christus.

[30:43] Leute warnen ihn und sagen, sie werden dich verbrennen. An einer Stadt bekommt er ein Bild gereicht von Savonarola. Es war ein Italiener, der Ende des 15. Jahrhunderts verbrannt worden ist. So, wegen dem Zaunfall, nicht wahr? Aber Luther sagt: Und wenn sie ein Feuer machten, das zwischen Wittenberg und Worms bis an den Himmel reicht, weil es aber gefordert wäre, so wollte ich doch im Namen des Herrn erscheinen und dem Behemoth zwischen seine großen Zähne treten und Christum bekennen und denselben walten lassen. Er sagt: Wenn sie den ganzen Weg mit Feuer legen würden, ich würde trotzdem nach Worms gehen.

[31:21] Und was sich jetzt abspielt in diesen Tagen, ist vollkommen unglaublich. Denn in jenen Tagen versuchen sowohl seine Freunde als auch seine Feinde ihn zu überreden, nicht nach Worms zu gehen. Die Freunde sagen: Es ist zu gefährlich, vielleicht kannst du da noch umkehren. Die bringen dich um. Aber er hört nicht auf sie. Die Feinde versuchen auch ihn abzulenken und sagen: Es gab übrigens den Plan, dass man ihn auf dem Weg einlädt, auf eine Burg eines lutherfreundlichen Ritters und dort Geheimverhandlungen führt, um die Sache zu klären, ohne vor dem Reichstag sprechen zu müssen. Luther lehnt ab. Und es zeigt sich später, dass das klug war. Denn hätte er eingewilligt, hätte er seinen Geleitbrief verloren. Und so gab es etliche Fallen. Seine Freunde haben Angst um ihn. Seine Feinde haben Angst vor ihm. Und alle sagen: Geh nicht nach Worms. Aber Luther sagt: Hier der Weg, dann von Erfurt über Gotha Eisenach bis nach Worms. Er sagt: Ich will gern Worms. Vielleicht kennen Sie das Zitat: Wenn gleich so viel Teufel drin wären als immer Ziegel auf ihren Dächern.

[32:29] Es gibt Situationen, liebe Freunde, liebe Freundinnen, da gibt es kein Zurück. Es gibt Situationen in unserem Leben, da können wir es uns nicht erlauben, einen Kompromiss zu machen. Ja, es gibt Situationen, da sind Kompromisse gut und wichtig. Es gibt Situationen, da muss man weise sein. Es gibt Situationen, da muss man einen Ausgleich herbeibringen. Aber wenn es um das Wort Gottes geht, dürfen wir keinen Kompromiss machen. Egal ob Freunde uns raten oder Feinde uns raten. Egal ob Gefahr für uns ist oder für andere. Das Wort Gottes gilt keinen Kompromiss. Ich will dorthin. Unser Reich ist schließlich Worms.

[33:09] Und als er an die Stadttore kommt, kündigen ihn Trompeten an. Man sagt, dass 2000 Menschen, das war ein Drittel der gesamten Stadtbevölkerung damals, auf den Straßen ist, um ihn zu begrüßen. Das waren mehr Menschen, als als der Kaiser persönlich kam. Die Stadt steht Kopf. Die Leute sind vollkommen außer sich. Luther ist da. Und was das für eine Wirkung auf den Kaiser hatte und auf die anderen hohen Tiere, die jetzt Männer gesagt, die hohen wie sagt man Würdenträger, kann man sich ja vorstellen. Aleander ist an diesen Tagen seines Lebens in Wittenberg, Verzeihung, in Worms, nicht mehr sicher. Er sagt, er schreibt einen Brief an Rom: Neun Zehntel der Wormser Bevölkerung sind pro Luther. Und das ein Zehntel, das von Luther nichts hält, ist immer noch gegen Rom.

[33:57] Gegen 10 Uhr am 16. April zieht er unter Trompeten gemeldet in Worms ein. Und die Romanisten drängen jetzt auf den jungen Kaiser, 21 Jahre alt ist er zu diesem Zeitpunkt, und sagen: Jetzt haben wir ihn, wir müssen ihn verbrennen. Moment mal, ich hab doch mein Geleitwort gegeben. Moment mal, das weißt du doch. Er ist ein Heretiker, der Papst hat schon exkommuniziert, und einem Heretiker sind wir nicht verpflichtet. Das war das Argument, mit dem man Hus umgebracht hat, nicht wahr? Aber Karl war dann doch ein bisschen anders, als Sigismund hat gesagt: Nein, nein, wir müssen unsere Versprechen halten. Wenn nicht Prinzen ihre Versprechen halten, so hat er gesagt, wer dann? Und, naja, sehr interessant.

[34:43] Und Luther kommt an. Er ist nach zwei Wochen Reise völlig erschöpft. Aber alle wollen was von ihm. Der niedere Adel, der hohe Adel, Freund, Feind, Neugierige, alle kommen in seine Wohnung, wo er dort wohnt, und wollen mit ihm sprechen, wollen eine Unterschrift, nicht wahr? Sein neuestes Buch. Und er kommt gar nicht zur Ruhe. Aber statt zu sagen: Lasst mich alle in Ruhe, hört er sich alles geduldig an, redet, und predigt ein bisschen. Und hat kaum Zeit, sich auf den nächsten Tag vorzubereiten.

[35:19] Am nächsten Tag, am 17. April 1521, ein Mittwoch, wird Luther gegen 16 Uhr vor den Reichstag gebracht. Die Straßen sind so überfüllt, dass man zum Teil Geheimwege gehen muss, um ihn dort sicher hinzubringen. Aber selbst da geht es immer noch langsam vor sich. Und kurz bevor er in das Reichstagsgebäude eintritt, kommt ein alter General zu ihm und sagt zu ihm folgendes: Mönchlein, Mönchlein, du gehst jetzt einen Gang, einen Stand zu tun, der gleich in ich und mancher Oberster, auch in unseren allerernstesten Schlachtordnung nicht getan haben. Bist du auf rechter Meinung und deiner Sache gewiss, so fahre in Gottes Namen fort und sei nur getrost. Gott wird dich nicht verlassen. Mit diesen Worten geht er in diese Halle hinein.

[36:07] Und da sitzen sie: Kaiser, Kurfürsten, die weltlichen Stände, die geistlichen Stände, die Vertreter der freien Reichsstädte. Man sagt, dass Luther sich am Anfang etwas unbeholfen benommen hat. Er hat wohl angefangen, Leute anzusprechen. Er wusste nicht, dass man das nicht tut, im Gegenwart des Kaisers ungefragt. Aber schon sehr bald wird ihm klar, wo er sich hier befindet. Das ist keine kleine Versammlung. Das ist die größte Versammlung, die es zu jener Zeit auf der Weltpolitik gibt. Hier wird Weltpolitik entschieden, haben wir gesehen, wobei der Kaiser allein herrscht. Und ziemlich bald wird er äußerst schüchtern. Und er wird dort vorgeladen und er kommt an seinen Tisch und auf diesem Tisch liegen all seine Bücher, die er geschrieben hat. Die 95 Thesen und an den christlichen Adel deutscher Nation und von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche und all diese Bücher. Und ihm werden zwei Fragen gestellt. Der Offizial stellt sich hin und sagt: Wir haben zwei Fragen. Sind das deine Bücher? Erstens. Und zweitens: Möchtest du sie widerrufen?

[37:23] Schaut sich die Bücher an und sagt dann eine Zeit: Ja, das sind meine Bücher. Jetzt kommt die zweite Frage. Willst du sie widerrufen? Und man sagt, er war relativ schüchtern. Er stand da und hat wohl auch nach unten geschaut und relativ leise gesprochen. Man hat ihn kaum richtig verstehen können. Viele deuten das als Zeichen von Schwäche und von Angst. Und dann sagt er folgendes: Weil dies eine Frage vom Glauben und der Seelenseligkeit sei und das göttliche Wort betreffe, was das höchste sei im Himmel und auf Erden, da wäre es vermessen und sehr gefährlich, etwas Unbedachtes auszusprechen. Ich könnte ohne folge Überlegungen leicht weniger behaupten, als die Sache erfordere oder mehr als der Wahrheit gemäß ihre und durch das eine oder andere jenem Urteile Christi verfallen, wer mich verleugnet vor den Menschen, den werde ich von meinem himmlischen Vater auch verleugnen. Deshalb bitte ich von kaiserlicher Majestät aufs Alleruntertänigste um Bedenkzeit, damit ich ohne Nachteil für das göttliche Wort und ohne Gefahr für meine Seele dieser Frage genug tue.

[38:29] Jetzt sind alle überrascht. Da kommt er zwei Wochen von Wittenberg nach Worms, mit Trompeten angekündigt, die ganze Stadt im Aufruhr. Dieser Mann, der es nicht gescheut hat, wirklich in der schärfsten Sprache gegen Rom zu sprechen, steht hier und sagt: Kann ich ein bisschen Bedenkzeit haben? Jetzt, seine Feinde legen das natürlich sofort als Unsicherheit aus und sagen sich: Naja, den haben wir schon. Aber er war sehr klug. Warum? Jetzt stellen wir uns vor, wir sind keine Lutheraner und nicht Luther irgendwie positiv gesonnen, wir haben keine Ahnung von ihm, wir sind ein Fürst. Wir hören, da gibt es diesen Luther, der machte Aufruhr in Wittenberg. Und wir sind aus einem anderen Fürstentum. Und uns wird angekündigt, jetzt kommen dieser Luther und dieser Luther, der schimpft gegen den Papst und der Luther macht das und jenes und solches und die ganze Bevölkerung ist für ihn. Da hatten wir so ein Bild im Kopf. Was für ein Bild hätten die da im Kopf? Was für eine Art von Mensch ist das wahrscheinlich? Ein Aufwiegler, so ein Revolutionär, so ein Agitator, der so die Massen begeistern kann. So ein halb Verrückter, mit dem man gar nicht vernünftig reden kann. Wahrscheinlich haben das die meisten erwartet und sind völlig baff, dass hier jemand steht, der genau überlegt und dann sagt: Zu diesem Zeitpunkt kann ich keine klare Antwort geben, ich brauche ein bisschen Bedenkzeit. Ich möchte nicht zu viel sagen und nicht zu wenig sagen, ich möchte das Richtige sagen. Könnte ich ein bisschen Bedenkzeit haben? Das passt so gar nicht ins Konzept. Und das war sehr weise, denn viele, die ihm überhaupt nicht wohlgesonnen waren, haben jetzt verstanden: Das ist kein Revolutionär, das ist kein Fanatiker, das ist ein ziemlich kluger, gebildeter, demütiger Mann.

[40:09] Und naja, da die Papisten gedacht haben, wir haben ihn sowieso, wenn er schon so ängstlich wird, wird er auch bald wieder rufen, hat man dann den Kaiser beeinflusst und gesagt: Okay, also einen Tag geben wir ihm. Einen Tag. Und der Kaiser hat es dann so dargestellt als Akt der Milde und der Barmherzigkeit. Wir geben dir noch einen Tag. Man hat ihn aber auch darauf hingewiesen, dass er Professor der Theologie ist und eigentlich wissen sollte, was er sagt. Und es hat er noch einen Tag oder vielmehr eine Nacht.

[40:37] Und in jener Nacht hat er nicht viel geschlafen. Er sagt, selbst in jener Nacht hat er vor allem gebetet und in jener Nacht kamen ihm erhebliche Zweifel. Wir kennen immer die Geschichte, wie spät er ausgegangen ist. Wir kennen die Geschichte, wo er da stand und dann die berühmten Worte gesagt hat. Wir werden sie nachher noch sprechen. Aber wir kennen so selten die Geschichte, was vorher passiert ist, dass Gott es erlaubt hat, dass er vorher, bevor er dort stand und seine große Rede gehalten hat, seine Schwachheit gefühlt hat. Seine Unwürdigkeit. Er war völlig verzweifelt. Er wusste nicht, ob es richtig ist, hier zu stehen. Er sagt folgendes: Allmächtiger, ewiger Gott, wie ist es nur ein Ding um die Welt? Wie sperrt sie den Leuten die Mühle auf, wie klein und gering ist das Vertrauen der Menschen auf Gott und sieht nur allein bloß an, was prächtig und gewaltig, groß und mächtig ist und ein Ansehen hat. Er sagt: Schau mal Gott, diese Welt, die achtet sowieso nur darauf, was der Kaiser sagt und was der Papst sagt und was die Fürsten sagen. Wer bin ich denn? Das macht doch gar keinen Sinn. Wenn ich auch nur meine Augen dahin wenden soll, so ist es mit mir aus. Die Glocke ist schon gegossen, das Urteil gefällt. Und dann sagt er: Ach Gott, oh du mein Gott, stehe du mir bei, wie der alle verhält, Vernunft und Weisheit. Tue du es, du musst es tun, du allein. Ist es doch nicht mein, sondern deine Sache. Habe ich doch für meine Person hier nichts zu schaffen und mit diesen großen Herren der Welt zu tun? Aber deine ist die Sache, Herr, die gerecht und ewig ist. Stehe mir bei, du treuer, ewiger Gott. Ich verlasse mich auf keinen Menschen. Es ist umsonst und vergebens. Es hinket alles, was fleischlich ist. Hast du mich dazu erwähnt? Ich frage dich, wie ich es denn gewiss weiß? Ei, so wald es Gott, stehe mir bei in dem Namen deines lieben Sohnes Jesus Christi, der mein Schutz und Schirm sein soll. Ja, meine feste Burg. Meine feste Burg ist unser Gott. Er hat die ganze Nacht durch gebetet, gerungen, bis ihm klar war, Gott steht auf seiner Seite. Er wusste, da ist niemand, der ihm helfen wird.

[42:47] Liebe Freunde, bist du schon mal in einer Situation gewesen, wo du weißt, es gibt keine menschliche Unterstützung mehr? Niemand, auf den du dich verlassen kannst? Bist du von allen hintergangen worden? Luther das erlebt. Und Luther ist durch Gebet und durch Lesen der Bibel zu einem Schluss gekommen: Wenn mich alles in dieser Welt verlässt, Gott verlässt mich nicht. Und mit ihm kann ich in den Löwenrachen hineingehen. Er betet weiter, studiert die Bibel und macht sich einen Plan, was er sagen wird.

[43:23] Am nächsten Morgen, am nächsten Tag, 18. April, wird er gegen 18 Uhr erneut vor den Reichstag gebracht. Diesmal in größeren Räumlichkeiten. Noch mehr Leute sind gegenwärtig. Es ist jetzt der gesamte Reichstag in seiner vollen Pracht und seinem Ganzen. Es hatte schon einige Verhandlungen vorgegeben, die sich in die Länge gezogen haben. Die Leute sind zum Teil ungeduldig schon. Aber er wird vor sie gebracht. Wieder wird ihm die Frage gestellt, ob er widerrufen möchte. Und jetzt macht Luther etwas Interessantes. Er steht dort und sagt, dass er seine Schriften in drei Kategorien einteilen muss. Da gibt es zuerst mal die Schriften, die einfach von christlichen Werten sprechen, vom Evangelium, von guten Dingen. Die sind so gut, dass selbst die Feinde nichts dagegen finden könnten. Wenn er die widerrufen würde, würde er die Wahrheit widerrufen. Selbst die Papisten, die Romanhänger, die kann er nicht widerrufen. Und dann die zweite Kategorie. Das sind die Schriften, die sich gegen die missbräuchlichen katholische Kirche wenden. Da war ja einige Wochen vor die Diskussion im Reichstag. Und er sagt: Die kann ich auch nicht widerrufen, weil das sind Fakten und gut bekannt. Und wenn ich das widerrufen würde, dann würde ja diese Tyrannei weitergehen. Und dann sagt er, es ist eine dritte Gruppe. Und dieser dritten Gruppe von Schriften wende ich mich gegen Einzelpersonen, die diese Tyrannei unterstützen. Und ja, es stimmt, in dieser dritten Gruppe habe ich mich manchmal etwas zu scharf ausgedrückt. Es tut mir leid. Ich nehme zurück, wo ich mich ausfällig, und der Luther konnte manchmal ausfällig werden, wo ich mich ausfällig über Leute ausgelassen habe.

[45:01] Und dann schließt er und sagt: Weil aber ich ein Mensch und nicht Gott bin, so mag ich meine Büchlein anders nicht verteidigen. Denn mein Herr Jesus Christus hat seine Lehre unterstützt. Habe ich übel geredet? So beweise es. Derhalb bitte ich, durch die Barmherzigkeit Gottes, eure kaiserliche Majestät und Gnaden, oder aber alle anderen Höchsten und Niedrigen mögen mir Zeugnis geben, mich Irrtums überführen, mich mit was? Mit prophetischen und evangelischen Schriften überwinden. Also, altes neues Testament auf Deutsch. Ich will auf das Allerwilligste bereit sein, so ich dessen überwiesen werde, alle Irrtümer zu widerrufen und der Allererste sein, meine Bücher in das Feuer zu werfen. Aus welchem allem ist, meine ich offenbar, dass ich genügsam Bedacht erwogen und ermessen habe, die Gefahr, Zwietracht, Aufruhr und Empörung, so wegen meiner Lehre in der Welt erwachsen ist. Wahrlich, mir ist das Liebste zu hören, dass wegen des göttlichen Wortes sich Misshelligkeit und Uneinigkeit erheben.

[45:55] Wow. Er steht da im Reichstag und sagt: Ich freue mich, dass es Streit gibt. Ich freue mich, dass es einen Konflikt gibt. Hat der Mann was vom Magna Conflictio verstanden? Aber hallo. Denn das ist der Lauf, Fall und Ausgang des göttlichen Wortes. Wie der Herr selbst gesagt hat: Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert. Puh. Darum müssen wir bedenken, wie wunderbar und schrecklich unser Gott ist in seinen Gerichten, auf das nicht, das, was jetzt unternommen wird, um die Uneinigkeit beizulegen, hernach, so wie wir den Anfang dazu mit Verdammung des göttlichen Wortes machen, vielmehr zu einer Sinnflut und unerträglicher Übel ausschlagen. Was er sagt ist: Wenn wir jetzt einfach versuchen, den Konflikt zu bedecken, dann gibt es hinterher viel größere Probleme. Wenn es um die Wahrheit geht, kann man nicht einfach Einigkeit anstreben. Das sagt er vor dem Reichstag. Er sagt: Ich freue mich, wenn es Uneinigkeit gibt, solange es um die Wahrheit geht.

[46:47] Und dann sagt er: Bedenken müssen wir und fürsorgen, dass nicht diesem jungen, edlen Kaiser Karl, kleine politische Bemerkung, von welchem nächst Gottes viel zu hoffen ist, ein seliger Eingang und ein unglücklich Regiment zuteil werde. Ich könnte dafür reichlich Exempel bringen aus der Heiligen Schrift, von Pharao, vom König zu Babel und von den Königen Israels, welche gerade dann am meisten Verderben sich bereitet haben, wenn sie mit den klügsten Reden und Anschlägen ihr Reich zu befrieden und zu befestigen dachten. Er sagt mit anderen Worten durch die Blume: Karl, wenn du einfach nur Frieden willst, dann erntest du Katastrophe. Du musst zur Wahrheit stehen. Magna Conflictio.

[47:35] Als er es gesagt hat, und dann sagt er noch: Denn der Herr ist, der die Klugen erhascht in ihrer Klugheit und die Berge umkehrt, ehe sie es inne werden, darum tut es Not, Gott zu fürchten. Als er es gesagt hat, und er war ziemlich erschöpft schon, das ist nur ein Ausschnitt aus seiner Rede, heißt es: Okay, das Ganze nochmal auf Latein. Musste alles nochmal auf Latein sein. Und das war natürlich als Schikane gedacht, aber er konnte gut Latein natürlich. Und es war deswegen brillant, weil jetzt viele, die beim ersten Mal das gar nicht verstanden haben, was will der denn, das Ganze nochmal gehört haben. Und durch die doppelte Botschaft ist vielen klargeworden, was der sagt, ist ja gar nicht dumm.

[48:17] Aber der Offizial, als er dann fertig ist, wird ganz wütend auf ihn und sagt: Du hast die Frage nicht beantwortet, und er sagt: Ja oder nein. Und er sagt: Er gibt eine Antwort ohne Hörner, also ohne Tricks, ohne drumherum. Und sagt Luther, und jetzt kommen die berühmten Worte: Weil dem eure Majestät und die Herrschaft eine einfache Antwort begehren, so will ich eine geben, die weder Hörner noch Zähne hat, dermaßen, wenn ich nicht durch Schriftzeugnisse oder helle Gründe werde überwunden werden, denn ich glaube weder dem Papst noch den Konzilien allein, weil feststeht, dass sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben, so bin ich überwunden durch die von mir angeführten Schriften und mein Gewissen gefangen in Gottes Worten. Widerrufen kann ich nichts und will ich nichts, weil wieder das Gewissen zu handeln beschwerlich, unsicher und nicht lauter ist. Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen.

[49:15] Es war todenstill. Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Es waren elf Worte. Und diese elf Worte brachten eine Zeitenwende. Er stand da und stand da und er ließ sich einfach nicht kleinkriegen. Man hat ihn rausgebracht, was viele nicht wissen, man hat ihn später nochmal reingebracht und hat ihn nochmal versucht zu bearbeiten und hat gesagt: Ich weiß keine Antwort zu geben, wie bereits vorgebracht. Das ist ja manchmal auch so der Trick vom Satan, dass wenn wir uns einmal entschieden haben, er uns danach nochmal angreift und nochmal die gleiche Entscheidung hinterfragt. Luther hat nicht nur einmal den Helden gespielt, Luther stand zu seiner Entscheidung. Mehrmals wurde er gefragt: Ich kann nicht anders.

[50:23] Und jetzt war natürlich, jetzt war die Bombe geplatzt. Sogar der Kaiser hatte ausgerufen: Mensch, der ist ganz schön mutig. Selbst der Kaiser war beeindruckt von dem Mut dieses Mönches. Etliche der Fürsten waren echt beeindruckt. Einige haben sogar offen gesagt: Wow. Viele waren stolz, was ein Deutscher dem Papst so entgegen gesteuert hat. Naja. Aber ich glaube, ich muss nicht weiter betonen, dass es einige gab, die geschäumt haben. Er vor allem, Aleander. Und während Friedrich das Ganze aus dem Hintergrund beobachtet hat, ohne sich groß einzumischen, hat Aleander den Kaiser bearbeitet und hat gesagt: Hör mir jetzt gut zu. Du wirst doch nicht etwa 1000 Jahre Geschichte, die guten Beziehungen zwischen dem Heiligen Römischen Reich und Rom aufs Spiel setzen wegen einem Mönch. Oder nimmt ihn in die politische Mangel.

[51:21] Und Karl V. knickt ein. Am nächsten Tag lässt er folgendes veröffentlichen: Es sei offenkundig, dass ein durch seine eigene Torheit verleiteter Mönch der Lehre der ganzen Christenheit widerstreite, so bin ich fest entschlossen, jetzt Achtung, alle meine Königreiche, das Kaisertum, Herrschaften, Freunde, Leib, Blut und das Leben und mich selbst daran zu setzen, dass diese gottlose Vornehmen nicht weiter um sich greife. Gebiete demnach, dass er sogleich nach der Vorschrift des Befehls wieder heimgemacht werde und sich laut des öffentlichen Geleites in Acht nehme, nirgends zu predigen noch dem Volk seine falschen Lehren weiter hervorzutragen, denn ich habe fest beschlossen, wieder ihn als einen offenbaren Ketzer zu verfahren.

[52:01] Karl V. hatte sich entschieden. Er hatte die Botschaft gehört. Die große Frage war jetzt, soll man ihn gleich verbrennen oder soll man ihm noch das freie Geleit lassen? Aleander und seine Anhänger haben gesagt: Was nützt es jetzt, wenn wir ihn eh schon verdammt haben, wenn er eh schon die Reichsacht bekommt, können wir ihn auch gleich verbrennen. Übrigens, wissen wir, welcher Fluss in der Nähe von Worms fließt? Der Rhein. Und da hat es ja schon mal jemanden gegeben, der in den Rhein geschüttet worden ist. Ist ein Arsch, nicht wahr? Und so macht man den Vorschlag: Warum ihn nicht gleich verbrennen? Aber dann gibt es etliche deutsche Fürsten, die sagen: Moment mal, vielleicht erinnert ihr euch noch, was auf die Verbrennung von Hus passiert ist. Da gab es nämlich jahrelang Hussitenkriege. Und Hus war nicht mal so beliebt im Volk, wie Luther in Deutschland ist. Wenn ihr ihn jetzt verbrennt, dann gibt es einen Aufstand. Und Karl V., so viel muss man ihm lassen, er soll gesagt haben: Ich möchte nicht erröten wie Sigismund. Ich möchte meinen Geleit lassen. Und so bekommt Luther die Möglichkeit, nach Hause zu fahren, zu gehen, nach Wittenberg und ab dann ist er vogelfrei. Jeder kann ihn umbringen. Jeder kann ihn ermorden, ohne dafür belangt zu werden.

[53:19] Lass uns eine Minute nachdenken über diesen Karl. Er war 21 Jahre, als er vor die Entscheidung seines Lebens geführt wurde. Manchmal glauben wir, naja, die großen Entscheidungen unseres Lebens, die kommen, wenn wir alt sind. Nicht wahr? Wenn wir Lebensweisheit haben. Aber er war 21 Jahre alt, als er vor die größte Entscheidung seines Lebens gebracht worden ist. Als das Evangelium gehört hat aus dem Mund eines der größten Reformatoren aller Zeiten. Jesus sagt: Wenn ich nicht gekommen wäre und so Ihnen geredet hätte, so hätten Sie keine Sünde. Nun aber haben Sie keinen Vorwand für Ihre Sünde. Und es gibt Historiker, die vermuten, dass Karl sich bereits vorher mit den Schriften von Luther beschäftigt hatte. Er war nicht auf den Kopf gefallen. Er wusste, dass dort vieles Gutes drin enthalten ist. Er hat den Luther nicht gehasst. Es war Politik. Ganz ähnlich wie der hier. Der auch eigentlich nichts gegen Jesus hatte. Aber dem er vorgeworfen hat: Wenn du dich für Jesus entscheidest, bist du nicht mehr der Freund des Kaisers. Man hat ihn in die Mangel genommen. So wie Karl V. gesagt worden ist: Wenn du dich für Luther entscheidest, bist du nicht mehr der Freund des römischen Papstes.

[54:35] Die Bibel ist voll von Menschen, vor allem von Führern und von Staatsoberhäuptern, die sich beinahe für Christus entschieden haben. Zum Beispiel er hier. In Apostelgeschichte 24, da finden wir Felix, der sagt: Wenn ich aber gelegene Zeit finde, will ich dich widerrufen lassen. Für Karl V. war jetzt nicht gerade die gelegene Zeit, sich für die Reformation zu entscheiden. Das kam ungelegen. Aber Gott fragt nicht, lieber Freund, liebe Freundin, wann die Botschaft in dein Leben kommt. Er fragt nicht, ob es gelegen dir gerade ist. Wenn sie kommt, musst du dich entscheiden. Ein anderer Agrippa hatte gesagt: Es fehlt nicht viel. Und überredest nicht, dass ich ein Christ werde.

[55:23] Karl V. reiht sich ein in eine ganze Reihe von Monarchen, gewaltigen Männern, die die Welt verehrt haben, die die Welt besessen haben und doch Schaden nehmen werden an ihrer Seele. Weil sie die Zeit, als Gott zu ihnen gesprochen hat, diesen einfachen Mönchen nicht wahrgenommen haben. Karl hat wohl gesagt, nach dem ersten Tag, als Luther gesprochen hat: Dieser Mönch macht mich nicht zum Ketzer. Er hat erwartet, dass dort ein eloquenter Professor kommt. Als er den Mönch gesehen hat, der am ersten Tag auch noch so schüchtern gesprochen hat. Da habe ich gedacht: Deswegen mit Rom brechen, das schadet meinem Ansehen. Könnte es sein, dass wir eine gewaltige Lektion von Karl V. zu lernen haben? Wie viele von uns entscheiden sich gegen Wahrheit? Weil die, die die Wahrheit verkünden, so eine kleine Gruppe sind. Weil es gerade nicht gelegen ist. Oder aus irgendwelchen anderen Gründen. Oder weil wir glauben, der vielleicht später. Karl V. war 21. Aber das Evangelium kam zu ihm und ging an ihm wieder vorbei. Er hatte sich entschieden, das Evangelium auszurotten.

[56:41] Es wurden Plakate in ganz Worms aufgestellt. Eines dieser Plakate hatte folgende Aufschrift aus Prediger 10 Vers 16: Wehe dir, du Land, dessen König ein Knabe ist. Es wurde sogar bis in die schlafgemachte Königs geschmuggelt. Ganz Worms war plakatiert. Plakate für Luther, gegen Luther. Er war das Gespräch Nummer 1. Nach dem Verhör sind Leute noch zu ihm gekommen. Viele Artige haben versucht, ihn noch zu überreden. Deine Sache ist so gut. Mach nur ein bisschen Zugeständnisse. Dann können wir das politisch regeln und du bekommst Freiheit. Und dies und jenes. Luther hat immer nur gesagt: Ich werde nicht widerrufen. Ich unterstelle mich einem Konzil nur dann, wenn das Konzil nach dem Wort Gottes urteilt.

[57:25] Und dann wurde ihm befohlen, abzureisen. Und einer hatte sich merkwürdig neutral verhalten. Das war Friedrich der Weise. Hat sich nie groß mit Luther abgegeben. Hat immer auf Distanz. Hat nie für ihn gesprochen. Er hat es immer nur beobachtet. Aus einem bestimmten Grund. Und er wollte nicht zu viel Verdacht erregen. Luther bekommt dann am 25. April den Befehl, Worms zu verlassen. Und Luther sagt dann: Der Teufel hat auch wohl Verwahre des Papstes Regiment und wollte es verteidigen. Aber Christus machte ein Loch da rein. Und er geht. Und der Zug zurück ist noch triumphaler als der Zug nach Worms. Und dann kommt Predigt her. Und der Herold erlaubt es auch. Die Leute sind begeistert. Einer hat es gewagt, sich gegen den Papst zu stellen. Und viele der Adlige sagen: Wir verteidigen dich mit unserem Leben.

[58:27] Am 26. Mai erlässt dann der Reichstag ein Edikt, das sogenannte Wormser Edikt. Es wird dann rückdatiert auf den 8. Mai und es fängt die Reichsacht. Hat nichts mit der Zahl Acht zu tun, sondern es bedeutet, wenn Luther gefunden wird, egal von wem, kann er umgebracht werden, auf egal welche Art und Weise, ist kein Problem. Er war jetzt vogelfrei. Und er war in höchster Gefahr. Und so passiert etwas, was im Kopf von Friedrich dem Weisen entstanden war. Auf dem Weg nach Wittenberg kommt es zu einem Überfall. Dieser Überfall, das war kein echter Überfall, das war ein Scheinüberfall. Friedrich der Weise hatte geplant, Luther zu beschützen. Die Sache war so geheim, dass selbst Friedrich der Weise nicht einmal wusste, wohin Luther gebracht werden wird. Sowas muss man geschickt anlegen. Weil er wollte unter keinen Umständen, selbst wenn gefragt, Preis geben können, wo Luther ist. Und so wird Luther, übrigens neuste Forschungen zeigen wohl, dass Luther das gewusst hat. Also es gibt immer die Vorstellung, er ist überrascht worden und wusste nicht, wohin er gebracht wird. Er hat es wohl gewusst. Er schreibt einen Brief von Worms und sagt: Ich werde jetzt eingesackt werden und ich weiß noch nicht genau, wo es hingeht. Also es war so ein bisschen gespielt, die ganze Sache. Und alle seine Freunde werden dann vertrieben, er wird eingesackt, im wahrsten Sinne des Wortes, und wird über viele Umwege durch den Thüringer Wald hierhin gebracht.

[59:53] Ja, da sagt schon jemand, weißt du, wo das ist? Das ist bei Eisenach, das ist die Wartburg. Ganz, ganz imposantes Gebäude. Er hatte vor wenigen Tagen tatsächlich die Gelegenheit, dort zu sein. Ich kam gerade mit meiner Frau von einer Tagung aus Berlin, da sind wir noch vorbeigefahren. Hier ist der Südturm, hochgekraxelt. Sehr, sehr spannend. Deswegen.

[1:00:21] Und naja, in Worms, auf der Wartburg hat er sich dann versteckt, für eine ganze Zeit lang. Und da wurde er ganz genau, da wurde er Junker Jörg genannt. Und der entscheidende Punkt hier ist der folgende: Als Luther versteckt wurde, wusste am Anfang keiner, wo er ist. Was haben wohl die meisten gedacht? Tod, nicht wahr? Und in diesem Moment musste die Reformation von anderen weitergetragen werden. Hier ist eine extrem interessante Lehre für uns. In dem Moment seines größten Triumphes wurde er von der Bildfläche gezogen. Aus welchem Grund wohl? Wenn er zurückgekehrt wäre nach Wittenberg, wie wäre er wohl empfangen worden? Man hätte ihn wahrscheinlich gleich zum nächsten Papst gemacht, nicht wahr? Unser Held Luther, du bist der Größte, du bist der Beste, du bist so toll, du bist so mutig. Was hätte er mit ihm gemacht? Gott wusste, warum er ihn zurückzieht. Manchmal lässt Gott uns die Triumphe unseres Lebens nicht auskosten. Sondern es sollte deutlich werden, dass dieses Werk nicht von Luther ist, sondern von Gott. Und so musste er etliche Monate dort als Junker Jörg sich auf dieser Wartburg zurechtführen und hat dort ein Projekt, mehrere Projekte ins Auge gefasst. Er hat zunächst mal Traktate geschrieben und in die Welt verbreitet. Und dann hat er das Neue Testament übersetzt. Weiß man in wie vielen Wochen? Wie viele Wochen braucht man so zum Durchlesen des Neuen Testaments? Wie gesagt, zum Übersetzen. Hat jemand mal versucht, das Neue Testament am Stück durchzulesen? Wie lange? Zwei Wochen? In zehn Wochen hat er es übersetzt gehabt. Aus dem Griechischen. Ich weiß nicht, wer von uns das ganze Neue Testament durchgelesen hat, da sind ein paar ganz schön komplizierte Stellen drin. Zehn Wochen, dann war es übersetzt. Aber mit der Zeit war es ihm dann doch ziemlich ungemütlich, weil er wollte etwas tun, aber er konnte nicht. Und so musste er da bleiben. Denn Gott wollte zeigen, dass diese Sache nicht Luthers Sache war, sondern Gottes Sache. Und durch die Entfernung von Luther für einen Zeitpunkt wurde plötzlich der Blick des reformierten Deutschlands frei auf jemand anderes, den bisher niemand wahrgenommen hatte. Naja, da bin ich. Nämlich auf Zwingli.

[1:03:01] Nun, wer war Zwingli? Ist es nicht interessant, dass Gott bei der Auswahl seiner Reformatoren meistens eben nicht die großen Leute gewählt hat? Keine Fürsten, keine Herzöge, keine Erzbischöfe? Genauso wie Jesus nicht den führenden Theologen seiner Zeit gebrauchen konnte für seine Reformer? Die Apostel? So hat auch Gott im 16. Jahrhundert nicht die großen Leute gebrauchen können, sondern die, die einfach geboren waren. Luther war einfach geboren, Hus war einfach geboren und auch Zwingli war einfach geboren. Vielleicht denkst du, lieber Freund, liebe Freundin, ich bin nur ein ganz normal Sterblicher, so ein Otto-Normalverbraucher, also Gott kann mit mir bestimmt nichts Großes vorhaben. Hab keine Theologie studiert, hab nicht das, nicht jenes. Täuscht dich nicht. Es waren die einfachen Menschen, die Gott für die gewaltigen Aufgaben gebraucht hat. Als Jesus zu den Jüngern gesagt hat: Folgt mir nach, welchen Beruf haben die Jünger gehabt? Waren Fischer, andere waren Zöllner, das waren zwielichtige Berufe zum Teil. Weiß nicht, was Ihr Beruf ist, aber Gott hat eine Aufgabe, auch für Sie, auch für dich, lieber Freund, liebe Freundin, lieber Zuschauer, Gott hat eine Aufgabe, wenn du bereit bist, ihm zu folgen, so wie Hus ihm gefolgt ist, so wie

[1:04:21] Lotta ihm gefolgt ist und so wie auch Zwingli ihm gefolgt ist. Hier ist Zwingli geboren. Schön, oder? In der Schweiz. Und das ist seine Geburtshütte. In dieser Holzhütte ist er geboren. Also das war jetzt kein Königspalast, oder? Aber vielleicht auch schöner als ein Königspalast, ich weiß nicht. Das Ganze hier im Glarus. Er wurde in Wildhaus geboren am 1. Januar 1484. Übrigens nur wenige Wochen nach Martin Luther, die beiden waren fast zeitgleich auf die Welt gekommen.

[1:05:01] Und Ulrich war genauso wie Luther ein ziemlich helles Köpfchen, auf Deutsch gesagt, er war super intelligent. Und er ist bald auf die Schule gegangen. Seine Großmutter hat ihn in der Natur unterrichtet, hat ihm biblische Geschichten erzählt von dem, was sie so wusste, aus den Erzählungen der Bischöfe. Und naja, er hat ganz schnell Anzeigen gegeben, dass er wirklich eine Karriere vor sich haben könnte. So hat man ihn hier, hier ist die Gegend, wo er herkommt, das Glarus, hat man ihn 1497 auf die Schule nach Bern geschickt. Das Problem war nur, man hat kaum noch Lehrer gefunden, die ihn unterrichten konnten. Er war 13 Jahre alt und es gab kaum noch Lehrer in der ganzen Schweiz, die klug genug waren für ihn. Weiß nicht, ist ein schönes Problem zu haben, oder?

[1:05:49] Naja, wie auch immer. Er kommt dort nach Bern, hier, altes Bild von Bern, und in Bern gibt es zwei Orden, zwei Mönchsorden, die um die Rivalität der Bevölkerung kämpfen. Das eine sind die Augustiner, das andere sind die Dominikaner, das andere sind die Franziskaner. Und dieser junge, geniale Ulrich Zwingli wäre für beide eine große Bereicherung. Und so versuchen die Dominikaner, ihn ins Kloster zu locken, als einen großen Gelehrten, ihn aufzubauen. Als das der Vater hört, sagt er, Ulrich, du kommst zurück. Nix da, im Kloster. Ist interessant, dass sowohl Zwingli als auch Luther beide Kontakt zu den Mönchen hatten. Und Luther selbst wäre um ein Haar für die Welt verloren gegangen, wenn er dort im Kloster geblieben wäre. Hätte es keine Reformation in der Maße so in der Form gegeben, wie wir sie heute kennen. Aber im Fall von Zwingli war der Vater noch ein bisschen energischer als der von Luther. Und er hat ihn zurückgeholt, hat ihn da nach Basel geschickt, erst nach Wien, dann nach Basel. Dort hat er sein Studium fortgesetzt.

[1:06:59] Hier haben wir die alte Universität in Basel. Und in Basel hat er einen Lehrer gehabt. Ein Lehrer für Hebräisch und Griechisch. Dieser Lehrer hieß Wittenbach. Und Wittenbach hatte im Studium des Hebräischen und des Griechischen etwas entdeckt. Nämlich, dass die Lehren der Bibel nicht völlig übereinstimmen mit dem, was in der Kirche gelehrt wird. Und das hat er so subtil im Unterricht den Studenten eingeflößt. Da gibt es andere Dinge. Er nannte das die ganz alte Wahrheit, die noch älter ist als die Philosophen und die Theologen und so weiter. Die alte Wahrheit. Und das ging so in das Gehirn vom Zwingli hinein. Er hat dort das Evangelium kennengelernt. Er wurde 1506 Magisteratium. Wurde zum Priester geweiht und ging dann als Pfarrer zurück in seine Heimat. Und hat dort gepredigt.

[1:07:47] Und als er als Pfarrer tätig war, musste er natürlich viel in der Bibel lesen. Und je mehr die Bibel studiert hat, desto mehr hat er Christus erkannt. Ich weiß nicht, wer von uns diese Erfahrung gemacht hat, selbst die Bibel zu lesen. Und wir haben es ja schon öfter empfohlen in dieser Serie. Das Beste, was Sie machen können in Ihrem Leben ist, fangen Sie einfach mal an, die Bibel selbst zu lesen, lieber Zuschauer. Fangen Sie einfach mal an, selbst zu lesen. Als Zwingli die Bibel selbst liest, entdeckt er den Plan der Lösung. Er deckt einen Christus, der für ihn gestorben ist. Der alle Schuld von ihm nimmt.

[1:08:25] Er sagt später, als ich vor sieben oder acht Jahren anhob, mich ganz an die Heilige Schrift zu lassen, wollte mir die Philosophie und Theologie der Zenker immer da ihre Einwürfe machen. Vielleicht kennen Sie das auch, dass Sie sagen, naja, die Bibel kann man ja gar nicht verstehen, weil der eine legt sich so aus, der andere legt sich so aus, die Kirchen streiten sich alle miteinander. Schon mal gehört? Jeder hat so seine eigene Auslegung und wer soll da durchsehen? Außerdem, ich weiß gar nicht, bin ich nicht trainiert. Und mit dem gleichen Problem zwingen die zu kämpfen. Er wusste, wie soll ich jetzt ran an dieses Buch? Und dann sagt er, da kam ich zuletzt dahin, dass ich dachte, doch mit Schrift und Wort Gottes dazu geleitet, du musst das alles lassen liegen. Und die Meinung Gottes lauter, aus seinem eigenen, einfältigen Wort lernen. Mit anderen Worten, weg mit den Kommentaren, weg mit den Theologen, weg mit all dem klugen Zeug. Lies die Bibel mal einfach selbst und vergleiche die Bibel mit der Bibel. Dann sagt er, da hub ich an, Gott um sein Licht zu bitten und fing mir an, die Schrift viel heller zu werden. Brauchst du Licht in deinem Leben? Lies die Bibel mal einfach ohne, dass jemand anderes dir erklärt, worum es geht. Einfach mal selbst. Und schau, ob nicht auch in deinem Leben dein Herz heller und heller wird. So wie es Zwingli erlebt hat. Das Licht des Evangeliums wurde immer klarer und heller in seinem Licht.

[1:09:45] Später hat man gefragt, ja Moment mal, wie kann es sein, dass du dasselbe sagst wie Luther in Wittenberg? Wissen Sie, was er gesagt hat? Er sagt, trädigt Luther Christus, so tut er ihm dasselbe, was ich tue. Wiewohl Gott sei gelobt, durch ihn eine unzählbare Welt mehr als durch mich und andere zu Gott geführt werde. Dennoch will ich keinen anderen Namen tragen als den meines Hauptmanns Christi. Er sagt, ich bin kein Lutheraner, dessen Kriegsmann ich bin. Der wird mir Amt und Sold geben, so viel ihm gut dünkt. Dennoch bezeuge ich vor Gott und allen Menschen, dass ich keinen Buchstaben alle Tage meines Lebens Luther geschrieben habe, noch er mir, noch habe ich solches veranstaltet. Wissen Sie, was da steht? Dort steht, dass zwei Menschen zur selben Zeit, ohne voneinander gewusst zu haben, auf dieselbe revolutionäre Erkenntnis gestoßen sind, nur durch Bibelstudium. Ein Beweis dafür, dass es eben nicht Luthers Sache war, der einfach was entdeckt hat und dann andere Leute angeschimpft hat. Es gab andere, und wir werden morgen Abend noch mehr von anderen hören, die zu der gleichen Zeit überall dieselben Botschaften entdeckt haben, dieselbe Wahrheit entdeckt haben. Ein Beweis dafür, dass hier nicht einfach nur jemand was Interessantes herausgefunden hat, sondern dass Gott in diesem Magna Conflictio einen Schritt machen wollte.

[1:10:55] Er sagt, solches habe ich nicht unterlassen aus Menschenfurcht, sondern weil ich dadurch habe, allen Menschen offenbaren wollen, wie einhellig der Geist Gottes sei. Dass wir so weit voneinander wohnen, dennoch so einhellig die Lehre Christi lehren, obwohl ich ihm nicht anzuzielen bin, denn jeder von uns tut so viel, wie Gott weiß. Ein Beweis dafür, dass Gott gewirkt hat in der Reformation ist, dass Leute, die nichts voneinander gewusst haben, zur selben Erkenntnis gekommen sind. Wisst ihr, was mich immer erstaunt ist? Dass wenn ich was in der Bibel lese und denke, meine Güte, das hat bestimmt noch kein Mensch herausgefunden, hat das von keinem gelernt, und dann finde ich einige Zeit später jemand, der genau das gleiche sagt. Meine Güte. Das muss der Heilige Geist sein. Das ist sehr spannend. Solltet ihr auch mal die Erfahrung machen. Wir müssen einfach nur die Bibel lesen. Luther und Zwingli, zwei Leute, die sich gar nichts kannten und die zur selben Zeit geboren werden, zur selben Zeit die Wahrheit erkennen und zur selben Zeit mit der Reformation beginnen. Der eine in Norddeutschland, Ostdeutschland, der andere in der Schweiz.

[1:11:51] 1516 wird er zum Prediger berufen, in das Kloster Einsiedeln. Das ist ein besonderes Kloster. Hier haben wir den Eingang zur Kirche. Ganz gewaltig, nicht wahr? Und da sieht man das ganze Kloster. Das war keine kleine Stelle hier, hier der Prediger zu sein. Er war ein sogenannter Leutschpriester. Er sollte zu den Leuten predigen. Und dieses Kloster war ein besonderes Kloster, denn dieses Kloster war ein Wallfahrtsort. Wisst ihr, was ein Wallfahrtsort ist? Da kommen die Leute auf Wallfahrten und erwarten besondere Dinge. Warum erwarten die besondere Dinge? Weil dieses Kloster eine Besonderheit hatte. Da gab es so einen Schrein und in diesem Schrein gab es die hier. Wisst ihr, was das ist? Eine schwarze Madonna, ja. Also ich habe bis heute nicht ganz verstanden, warum manche Madonnen schwarz sind. Was der genaue Grund dahinter ist. Es gibt so eine auch in Deutschland. Wisst ihr, wo? Hm? Ich kenne eine in Altötting zumindest. Da gibt es auch die schwarze Madonna. Und natürlich war das mit besonderen Ablässen verboten. Wer da hinkommt, der bekommt Vergebung seiner Sünden und der Sünden seiner Eltern und Neffen und Onkels und Tanten und von der Vergangenheit und der Zukunft und überhaupt.

[1:12:59] Und jetzt sollte er da predigen. Durch das Studium der Bibel war er aber zu der Überzeugung gekommen, das macht ja gar nichts. Da kann man gar keinen Ablass bekommen. Keinen echten. Und so predigt er. Gegen die Pilgerei. Er sagt, der Ablass, die Wallfahrt und die Gelübde, die Geschenke, die nur man den Heiligen macht, haben was? Wenig Wert. Gottes Gnade und Hilfe sei allen Orten gleich nahe und erhöre das Gebet anderswo nicht weniger als zu einen Siedeln. Manchmal gibt es so die Vorstellung, ich muss einen bestimmten Ort gehen, nicht wahr? Und dort kann ich beten. An einem bestimmten Ort, wo es besonders heilig ist. Wisst ihr, dass Gott überall, dass man zu Gott überall beten kann? Dass man nicht zu einem bestimmten Schrein gehen muss, an einer bestimmten Kirche, an einem heiligen Ort. Gott ist überall. Wir ehren Gott mit Plappergebeten, mit auswendigem Scheinen der Kutten, mit weißem Geschleife, mit säuberlich geschorenen Glatzen, mit langen, schön gefalteten Röcken, mit wohlvergülteten Mauleseln. Aber das Herz ist fern von Gott. Und ich glaube, diese Botschaft von Zwingli ist eine aktuelle Botschaft, denn auch heute noch gibt es so viele Menschen, die ehren Gott. Vielleicht nicht mit wohlvergülteten Mauleseln, aber doch mit Plappergebeten und mit einem Schein von Fremdigkeit, nicht wahr? Wir gehen ab und zu in die Kirche und glauben, wir sind eine christliche Nation. Aber wo ist unser Herz? Lieber Freund, liebe Freundin, wo ist dein Herz heute Abend? Ist dein Herz nahe zu Gott oder fern von Gott?

[1:14:23] Er sagt, Christus, der sich einmal für uns geopfert hat, ist ein in Ewigkeit wehrendes und bezahlendes Opfer für die Sünden aller Gläubigen. Jetzt was ist passiert, als er das gepredigt hat? Stellen wir uns vor, da kommen jetzt all diese Hunderten und Tausende Pilger auf ihren Wallfaden, hoffend von der schwarzen Madonna irgendeine Seelenfrieden zu bekommen und der Prediger predigt in der Kirche, hat alles keinen Wert. Hätte doch ruhig zu Hause bleiben können. Er hätte doch dort beten können. Wir können uns vorstellen, dass die meisten ziemlich erbost waren. Warum habe ich denn die Reise gemacht? Diese lange Pilgereise durch die Schweiz in den Alpen. Nur um hier zu erfahren, es war alles umsonst. Die schwarze Madonna macht gar nichts, sie hört nichts, sie sieht nichts, sie riecht nichts, sie kann gar nichts. Die meisten waren ziemlich böse auf ihn. Aber einige haben sich auch bekehrt und haben dann gesagt, okay, dann hast du wohl recht.

[1:15:17] Und was war wahrscheinlich das notwendige Resultat der ganzen Sache? Das ist nicht ganz. Das notwendige Resultat war, es gab weniger Pilger. Und jetzt mal ökonomisch denken, weniger Pilger, immer weniger Pilger bedeutet? Weniger Spenden, weniger Geld. Was bedeutet wiederum? Weniger Gehalt für Zwingli. Das hat er gewusst. Er hat eine Botschaft gepredigt, von der er wusste, dass sein Gehalt kürzen wird. Und zwar direkt. Er wusste, je mehr er gegen die Pilger predigt, desto weniger Pilger kommen, desto weniger gaben, desto weniger Gehalt. Es ist eine Sache, für die Wahrheit einzustehen und sagen, ja, das ist die Wahrheit. Eine andere Sache ist es, für die Wahrheit einzustehen, wenn ich weiß, dass wenn ich dafür einstehe, ich einen direkten Nachteil habe. Und manchmal können finanzielle Nachteile besonders schmerzhaft sein. Hättest du das auch gemacht, lieber Freund, liebe Freundin? Gegen etwas zu predigen, wo du weißt, es führt dazu, dass dein Lohn...

[1:16:13] Historiker sagen, Zwingli hat sich darüber gefreut. Das war ein Beweis dafür, dass seine Predigt erfolgreich war. Wenn der Lohn der Predigt darin besteht, weniger Geld zu bekommen. Das ist eine Lehre für uns. Dass die Wahrheit die Wahrheit ist, auch wenn sie uns nicht gerade gut tut. Finanziell gesehen. Es ist so einfach, für die Wahrheit einzustehen, wenn man dafür Lob bekommt. Es ist ganz anders, wenn man vor Kaiser und Reich steht oder wenn der Lohnzettel gekürzt wird. Was wir brauchen heute, sind Männer und Frauen, die für die Wahrheit einstehen, weil es die Wahrheit ist. Nicht, weil man dafür in den Himmel kommt oder etwas Gutes bekommt oder angesehen wird oder Mitglied einer Kirche wird oder dies oder jenes. Alles schön und gut. Trifft auch alles zu. Aber würdest du für die Wahrheit auch einstehen, wenn das alles nicht zutreffen würde? Liebst du die Wahrheit, weil es die Wahrheit ist? Oder liebst du die Wahrheit, weil der, der die Wahrheit liebt, einen Lohn bekommen wird? Das ist der Unterschied. Zwingli liebt dir die Wahrheit, auch wenn sein Lohn gekürzt worden ist.

[1:17:11] Nach drei Jahren wurde abgerufen. In Rom hatte man das schon gehört. Aber man hat ja auch gemerkt, dass in der Sache mit Luther, dass Gewalt nicht wirklich was bringt, sondern dass Deutschland am Rand eines Aufbruchs war. So hat man versucht, ihn jetzt wegzuloben an eine höhere Stelle. Und zwar nach Zürich. Zürich an dieser großen Kirche. Zürich war damals die gewaltigste und wichtigste Stadt der gesamten Eidgenossenschaft. Und dort sollte jetzt Prediger sein. Und da hat man gehofft, da wird er untergehen. Im Großen und Ganzen. Und nichts mehr tun können. Am 1. Januar tritt er seine Predigerstelle dort an. Am Züricher Großmünster. Und er bekommt eine Einweisung, was er denn zu predigen haben, was sein Job ist. Das ist interessant. An die größte Stelle war ja ein Karriereschub. An der gewaltigsten Kirche des Landes Prediger sein.

[1:18:05] Er bekommt jetzt eine Instruktion. Du musst nicht versäumen, für die Einkünfte des Domkapitels zu sorgen und auch das Geringste nicht verachten. Er mahne die Gläubigen von der Kanzel eine Weichstuhle, alle Abgaben und Zehnten zu entrichten und durch Gaben ihre Anhänglichkeit an die Kirche zu bewähren. Auch die Einkünfte von Kranken, von Opfern und jeder anderen Kirche in Handlung musst du zu mehreren suchen. Ziemlich deutlich, nicht wahr? Du bist hier, um das Geld reinzutreiben. Und jetzt Achtung, auch gehört zu deinen Pflichten die Verwaltung des Sakramentes, die Predigt und die Seelsorge. In mancher Hinsicht, besonders in der Predigt kannst du dich durch einen WK ersetzen lassen. Interessant, nicht wahr? Hier hast du die tollste Stelle, die es gibt in der ganzen Schweiz, aber Predigt brauchst du nicht. Schaff das Geld heran. Und dann heißt es, die Sakramente brauchst du nur den Vornehmen, wenn sie dich fordern zu reichen, du darfst es sonst ohne Unterschied der Personen nicht tun.

[1:19:01] Zwingend hat sich das angehört, hat seine Instruktoren ausreden lassen und hat Folgendes gesagt. Ich werde was ganz anderes machen. Ich werde Wochenende für Wochenende das Evangelium auslegen. Er sagt, von der Geschichte Christi des Erlösers, wie sie der Evangelist Matthäus beschrieben hat, sei wohl schon der Titel länger bekannt, aber deren Vortrefflichkeit sei schon lange Zeit nicht ohne Verlust des göttlichen Ruhmes und der Seelen verborgen geblieben. Dasselbe sei nicht nach menschlichem Gutdüngen zu erklären, sondern im Sinne des Geistes mit sorgfältigem Vergleich und in dem Gebet. Ich werde Woche für Woche die Bibel auslegen. Ich fange bei Matthäus an. Er hat durch Matthäus gepredigt, dann Markus, Lukas, Johannes, weil er seit Jahren keinen Menschen mehr gepredigt hatte.

[1:19:53] Und heute steht an dieser Kirche, kann es jemand lesen? In diesem Gotteshaus nahm die Reformation Huldrich Zwinglis ihren Anfang in Zürich. Nicht, dass er vorher nicht schon reformiert gewesen wäre, für alle sichtbar, in der Hauptstadt sozusagen der Schweiz die Reformation auszubrechen. Er predigt so begeisternd, dass viele, die schon seit langem nicht mehr zur Kirche kommen, wieder kommen. Heute gibt es ja auch viele Menschen, die die Kirche verlassen. Es gibt viele Gründe, warum man die Kirche verlassen kann. Vielleicht ist man enttäuscht worden von den Menschen, man findet keine geistliche Nahrung mehr oder aus irgendwelchen anderen Gründen. Zwingli hat die Menschen wieder zurückgerufen zur Kirche, weil endlich haben sie etwas verstanden, endlich war es ihnen klar. Zwingli hat nicht alles auf einmal gepredigt, Zwingli hat Stück für Stück die Wahrheit entfaltet. Sehr intelligent hat er das gemacht.

[1:20:47] Er sagt, Christus aus der Quelle zu predigen und den reinen Christus in die Herzen einzupflanzen, das war sein Ziel. Liebe Freunde, ist Christus in dein Herz eingepflanzt? Oder bist du ein Schwächgänger? Zwingli hatte einen Wunsch, er wollte, dass Christus im Herzen eingepflanzt ist. Und dabei ist ihm viel Böses widerfahren. Man hat ihn ausgelacht, man hat ihn geschlagen, aber er sagt, wenn man die Bösen zu Christus führen will, so muss man bei manchem die Augen zudrücken. Vor allem, wenn man schlecht behandelt wird.

[1:21:23] Und dann kam jemand aus einer anderen Stadt, und zwar aus Basel und brachte Schriften von Luther mit. Und jetzt kam so langsam der Kontakt her. Und Zwingli hat erlaubt, dass diese Schriften jetzt von Buchevangelisten Haus zu Haus in der Schweiz verbreitet worden sind. Und plötzlich wirkte Luther und Zwingli wirken quasi zusammen. Und die Reformation breitete sich aus. Zur selben Zeit, wie wir es schon bei Luther gesehen haben, gab es auch in der Schweiz Ablasshandel. Dort gab es keinen Tetzel, sondern einen Samson. Der war zwar nicht besonders stark, aber besonders erfolgreich. Und er ist auch im Auftrag eines italienischen Kardinals dort durch die Lande gezogen, Samson war auch Italiener, und hat Geld eingesammelt für Ablassbriefe. Aber Zwingli hat genauso wie Luther so stark dagegen gepredigt, schon in Einsiedeln und dann vor allem in Zürich, dass in Zürich der Samson nicht einen einzigen Cent verkauft hat. Er ist rein in die Stadt, hat da seine Ablassbriefe beworben und gesagt, Ablass für das und jenes und solches, und hat sich einen einzigen verkauft. Die Leute waren so gründlich unterwiesen im Wort Gottes, dass sie sofort erkannt hatten, was das für jemand ist.

[1:22:37] Und das ist das Ziel, glaube ich, das immer sein muss. Und das wir auch hier verfolgen. Nicht, dass wir ihnen einfach was erzählen, sondern, dass sie so gründlich die Wahrheit kennen lernen, dass sie selbst entscheiden können, auf welcher Seite sie stehen wollen. Dann kam die Pest. Und die Pest war so stark, 1519, dass Zwingli fast gestorben wäre. Er war schon aus seinem Totenbett. Er war bereit zu sterben. Und das Gerücht ging schon durch die Schweiz, Zwingli ist tot. Aber er kam zurück. Auch auf dem Totenbett wusste er, dass Christus ihn gestorben ist.

[1:23:11] Und als er zurückkam, da zeigte sich, dass die Pest ein Segen war für die Reformation. Denn während der Pest haben so viele Menschen Leute verloren, die sich gefragt haben, was passiert? Wo kann ich ewiges Heil erwerben? Im Haus des Todes, wenn ich Menschen verliere, die mir lieb und wert sind, dann stelle ich plötzlich andere Fragen, als was gibt es morgen zu essen und was ziehe ich übermorgen an. Dann stellte ich Fragen wie, wo kann ich ewiges Leben bekommen? Und plötzlich waren die Menschen noch viel mehr offen. Und Zwingli hat durch dieses ganze Thema vor allem den Erlösungsplan immer deutlich verstanden. Er hat verstanden, was passiert ist damals, als Adam gesündigt hat und Eva. Und was passiert ist, als Jesus am Kreuz gestorben ist. Und diesen Erlösungsplan, dieses Konzept eines großen Planes, den Gott erworben hat und sich erdacht hat, um jeden Menschen zu retten, den predigt er Woche für Woche dort in Zürich.

[1:24:07] Und dann im 1522 kommt es dann im März zu einer Konfrontation. Viele haben keine Lust mehr, die vorgeschriebenen Fastenzeiten zu beachten. Und da gibt es einige in seiner Gemeinde, die einfach provokativ während der Fastenzeit Würste essen. Ob das jetzt unbedingt Würsten sein müssen, das ist eine andere Frage. Aber das haben sie gemacht und Zwingli hat sie unterstützt. Er hat gesagt, ja, wir brauchen keine Fastentage, die vorgeschrieben sind. Jeder kann fasten, wann er will. Und das hat dann zum offenen Bruch geführt. Und ab dem Zeitpunkt zählt man die offizielle Reformation. Aber das war natürlich nur der Ausbruch von einer viel längeren Entwicklung.

[1:24:47] Er sagt dann auf die Anklage, dass er mit seinen Lehren die ganze Stadt in Aufruhr bringen würde. Ich habe schon beinahe vier Jahre lang das Evangelium Jesu mit saurer Mühe und Arbeit gepredigt. Und was ist das Resultat? Zürich ist ruhiger und friedlicher als jeder andere Ort der Eidgenossenschaft. Und dies schreiben alle guten Bürger dem Evangelium zu. Gerade als die Papisten kamen und gesagt haben, schaut mal, deswegen die Machtunruhe, dann haben sie gesagt, schau dir doch mal um. Frag mal die Bürger, wie es friedlich hier zugeht. Ist es nicht interessant, dass der Frieden ein Beweis war für das Evangelium? Ja, es gab einen Konflikt mit denen, die außerhalb waren. Aber untereinander, die, die das Evangelium angenommen hatten, hatten Frieden miteinander. Und das ist genau das Wesen des großen Konfliktes. Frieden innen, Konflikt nach außen.

[1:25:45] Bald schon werden Disputationen abgehalten. 1523 die erste Zürcher Disputation. Und der Konstanzer Bischof sendet drei Abgesandte. Einer von ihnen ist Eck, Dr. Eck, den kennt man ja auch aus der Geschichte mit Luther nicht. Und sie sollen miteinander disputieren und Gespräche führen. Und Zwingli ist so überzeugend, dass sogar einer der Abgesandten sich an Ort und Stelle bekehrt und reformiert wird.

[1:26:17] Und dann 1526 hat Rom eine andere Idee. Man möchte eine neue Disputation haben, aber nicht in Zürich. Denn Zürich war mittlerweile so fest in der Hand von Zwingli, dass der Rat der Stadt komplett zur Reformation übergegangen war. Die gesamte Stadt war reformiert worden, innerhalb von wenigen Jahren. Und Zwingli wäre gerne gegangen nach Baden, was in einem katholischen Kanton gewesen ist. Aber der Rat der Stadt hat es ihm verboten und gesagt, wenn du da hingehst, dann werden sie dich umbringen. Also mussten zwei andere Leute gefunden werden, die vom 19.5. bis zum 8.6. dort in Baden disputieren sollten. Einer von ihnen war Johannes Öko Lampard. Hat man gehört? Und das andere war Halle. Aber Öko Lampard war im Wesentlichen der Hauptvertreter für Zwingli. Und ihre Gegner, das war Dr. Eck und noch einige andere. Und hier sollte das Ganze stattfinden, in der großen Kathedrale von Baden und so sah das aus.

[1:27:19] Das Interessante war, hier haben wir ungefähr eine Entfernung von Zürich nach Baden. Zwingli war ja nicht erlaubt, in Baden dabei zu sein. Aber er wollte so gern wissen, was dort passiert. Was hat man gemacht? Das Problem war, man konnte nicht ohne weiteres dem Zwingli sagen, was los ist. Denn es gab folgende Politik. Während dieser Disputation zwischen den Katholiken und den Reformierten durften nur Katholiken Mitschriften anfertigen. Es gab bestimmte Sekretäre, die von Rom bestellt waren und die mussten mitschreiben, Protokolle machen. Das Mitschreiben war bei Todesstrafe verboten. Okay, also war die Sache gegessen. Aber es gab einen Studenten, der jeden Tag drin saß und am späten Abend dann die gesamte Disputation des Tages aus dem Gedächtnis rekonstruiert hat, aufgeschrieben hat. Dann wurde dieser Brief einem anderen Studenten übermittelt, der dann nachts, also Anfang nachts, sozusagen späten Abend diese 23 Kilometer von Baden nach Zürich zurückgelegt hat, in der Nacht dann in Zürich angetroffen ist, Zwingli die Disputation übergeben hat, Zwingli sich die Argumente angeschaut hat, die ganze Nacht eine Brieffortgeschrieben hat, die besten Argumente dagegen und dann am frühen Morgen sie wieder überreicht hat und dann ist dieser Student wieder 23 Kilometer zurück nach Baden, hat sich als Flügelhändler verkauft mit einem großen ver... ausgegeben, genau, und hat mit einem großen Korb mit Geflügel, und da drin waren die Briefe, in die Stadt hineingeschmuggelt und was meinen Sie, wie sich die Katholiken immer wieder gewundert haben, dass St. Barth jeden Tag hervorragende Argumente hatte auf die Argumente vom Tag davor. Die haben das einfach nicht begriffen.

[1:29:13] Naja, das war übrigens derjenige, der sie geschmuggelt hat. Wie auch immer. Es wurde dann ziemlich deutlich, vielen Beobachtern, im Vergleich, der Lebensstil der katholischen Abgesandten und der einfachen Reformierten. Das war in allen Zeiten eines der größten Zeugnisse für die Wahrheit. Und kurze Zeit später war die halbe Schweiz reformiert.

[1:29:41] Wir sind am Ende angekommen für heute und ich möchte Ihnen einfach diese Frage stellen. Was kostet es heute für Sie, sich für die Wahrheit zu entscheiden? Wir haben gesehen, Martin Luther, wie er bereit war, dort vor dem Reichstag, gegen Freund und gegen Feind für die Wahrheit einzustehen. Wir haben gesehen, wie Zwingli bereit war, die Wahrheit zu verteidigen, selbst dann, wenn es Einbußen für ihn bedeutet hat. Was bedeutet es für dich, lieber Freund, liebe Freundin, für die Wahrheit einzustehen? Hast du Mut zur Wahrheit?

[1:30:17] So sehr hat Gott die Welt geliebt. Seinen eingeborenen Sohn gab, auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das Leben haben. Das war die Wahrheit, die dazu geführt hat, dass John Wycliffe gesagt hat, ich muss die Bibel übersetzen, es war die Wahrheit, die dazu geführt hat, dass Jan Hus gesagt hat, egal was passiert, und wenn ich verbrannt werde, ich kann das nicht widerrufen. Es war diese Wahrheit, die Martin Luther die Festigkeit gegeben hat, vor Kaiser und Reich zu sagen, hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen. Es war diese Wahrheit, die dazu geführt hat, dass Zwingli gepredigt hat, auch wenn es zu seinem eigenen Nachteil war. Es ist die Wahrheit, die heute zu mir und zu dir spricht, auf das alle, egal ob Schweizer oder Engländer oder Böhme oder Deutscher oder aus welcher Nation sie auch kommen mögen. Liebe Freund, liebe Freundin, Jesus ist für dich gestorben und er wünscht sich, dass genauso mutig wie die Waldenser und die Reformatoren, über die wir schon gesprochen haben, auch wir einen Stand machen für ihn. Deswegen möchte ich heute einen Aufruf machen. Wir haben am Anfang gesehen, der Alejandro hat auch einen Aufruf gemacht, nicht wahr? Aber dieser Aufruf wird ein besseres Ziel haben, als das, was Alejandro davor hatte. Unser Aufruf wird einfach der sein. Gibt es jemanden heute unter uns, der sagt, ich möchte zur Wahrheit stehen. Ich möchte sagen, hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Aber wenn das ihr Wunsch ist und ihr Ziel, dann nehmen sie heute nicht ihre Hand, sondern zeigen sie das Buch stetig und sagen hier stehe ich. Stehen sie auf und tun sie ihren Stand für Gott. Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir.

[1:32:13] Lass uns gemeinsam beten. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir dein Wort und das Leben deiner Nachfolger studieren konnten. Dass wir sehen konnten, was eine unglaubliche, transformierende Kraft dein Wort hat. Wie es aus einfachen Männern und Frauen, die alle Fehler hatten und die alle auch geirrt haben, Menschen gemacht hat, die treu zur Wahrheit standen, egal was die Konsequenz war. Wir wissen aus unserem eigenen Leben, wir alle sind manchmal ein bisschen wie Hieronymus oder Huss oder Wycliffe oder Luther. Wir alle haben unsere Probleme, unsere Sorgen, unsere Nöte. Aber so wie Luther dort gebetet hat in der Nacht von Mittwoch zum Donnerstag und sicher geworden ist, dass du mit ihm gewesen bist und er dann sicher stehen konnte, so wollen auch wir Sicherheit haben, dass du mit uns bist und dass du unser Leben veränderst. Hab Dank, Herr Jesus, dass du zu jedem Einzelnen gesprochen hast, zu denen, die die Wahrheit vielleicht schon gekannt haben und zu denen, die sie heute zum ersten Mal gehört haben, zu jedem Zuschauer, zu jedem, der hier persönlich da war. Wir möchten dich bitten, dass du unsere Entscheidung bewahrst und dass du uns so bewahrst, wie du auch den Martin Luther bewahrt hast, der den Stand für dich gemacht hat und bewahrt worden ist und zu einem großen Zeugen für die Wahrheit wurde und auf vielen Menschen sie vergeben gebracht hat und noch Jahrhunderte später zur Inspiration für uns wird. So danken wir dir, dass du bei uns bist, uns führst und leitest und uns morgen wieder gesund zusammenbringen wirst. Im Namen Jesu. Amen.


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