[0:00] Hallo und herzlich willkommen zur Cannstatt Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Herzliches Willkommen natürlich auch allen Zuschauern auf Amazing Discoveries zur vorletzten Folge unseres Studiums des Buches Jeremia. Das Thema, das wir heute behandeln, ist ein relativ ungewöhnliches, weil selten besprochenes Kapitel der biblischen Geschichte und trotzdem eines, das sehr aktuell ist und viele interessante Lektionen für uns beinhaltet. Es geht um die letzten Momente, die aus dem Leben Jeremias uns überliefert sind in diesem Buch und der Titel ist: Zurück nach Ägypten.
[1:02] Wir wollen uns damit vorbereiten auf das Bibelgespräch am 19. Dezember 2015 und wollen, bevor wir beginnen mit dem Bibelstudium, gemeinsam beten. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen, dass wir heute dein Wort lesen dürfen und dass wir darin Dinge erkennen dürfen, die uns in der jetzigen Zeit betreffen und die uns Wegweisungen sein sollen auf unserem Weg. Wir möchten dich bitten, dass du uns hilfst, diese Dinge so zu verstehen, wie du sie gemeint hast und dass wir als die Übrigen dieser letzten Zeit von den Fehlern lernen, die damals die Übrigen getan haben. Im Namen Jesu beten wir. Amen.
[1:49] Wir beginnen unser Bibelstudium im Prinzip dort, wo wir vor zwei Wochen aufgehört hatten. Vor zwei Wochen haben wir über die Zerstörung Jerusalems gesprochen und festgestellt, dass die Babylonier, nachdem sie Jerusalem eingenommen hatten und viele Leute gefangen genommen haben, Menschen umgebracht haben, die Stadt zerstört haben, den Tempel verbrannt haben, den Propheten Jeremia gerechtfertigt hatten und ihn als wahren Propheten gelobt hatten und ihm Freiheit gegeben haben. In Jeremia 40, in den ersten Versen, hatten wir gesehen, dass Nebusaradan, der Oberste der Leibwache, entsprechend mit Jeremia gesprochen hatte und ihn als wahren Propheten anerkannte. Wir hatten gesehen, das war eine kuriose Situation, dass das Volk Gottes diesen selben Jeremia über Jahrzehnte abgelehnt hat. Und dann kamen die Babylonier und haben festgestellt, das ist ein wahrer Prophet, denn was er gesagt hat, traf ein. Und während alle anderen eine Katastrophe erlebten, war es eigentlich für Jeremia, muss man fast sagen, eine Befreiung, die er natürlich trotzdem mit traurigen Gefühlen erlebte, weil er für sein Volk betete und für sein Volk einstand und natürlich immer gehofft hatte, dass es doch noch irgendwie die Wende schaffen würde.
[2:58] In Jeremia 40, und dort Vers 4, sehen wir, was der Nebusaradan dem Jeremia angeboten hatte. Es heißt hier: „Und nun sagt er: Siehe, ich löse dich heute von den Ketten, die an deinen Händen sind.“ Interessanterweise sind die jüdischen Prinzen als freie Männer jetzt nach Babylon in Ketten gekommen. Sie waren frei in Jerusalem, wurden jetzt zu Sklaven in Babylon. Der Prophet Gottes war ein Gefangener in Jerusalem und wurde jetzt unter babylonischer Herrschaft frei. Er hat also die Ketten abgenommen. Dann heißt es hier, dass Nebusaradan zu ihm sagt: „Gefällt es dir, mit mir nach Babel zu ziehen? So komm, ich will Sorge für dich tragen. Gefällt es dir aber nicht, mit mir nach Babel zu ziehen? So lass es bleiben. Siehe, das ganze Land steht dir offen. Wohin es dir gut und recht erscheint zu gehen, dahin geh.“ Also während der Rest der Bevölkerung im Wesentlichen gezwungen war, entweder nach Babylon zu gehen oder dort zu bleiben – die Babylonier hatten für jeden festgelegt, was er zu tun hatte –, war offensichtlich Jeremia der Einzige, der so wirklich selbst entscheiden konnte, was er tun wollte. Er war tatsächlich frei und er hätte nach Babylon gehen können. Er hätte dort wahrscheinlich Hesekiel getroffen, vielleicht auch Daniel. Und das wäre sicherlich sehr interessant gewesen für ihn.
[4:12] Der nächste Vers ist einigermaßen interessant. Das heißt in Vers 5: „Da er sich aber noch nicht entschließen konnte.“ Jeremia war unschlüssig. Und da heißt es hier, dass der Nebusaradan gesagt hat: „So kehre zurück zu Gedalja, dem Sohn Achikams, des Sohnes Schafans, den der König von Babel über die Städte Judas gesetzt hat, und bleibe bei ihm unter dem Volk, oder gehe, wo es dir gefällt.“ Und der Oberste der Leibwache gab ihm Wegzehrung und ein Geschenk und entließ ihn. Also da der Nebusaradan selbst wieder zurück muss, und Jeremia sich nicht entscheiden konnte, nach Babylon zu gehen, sagt er: „Pass auf, bleib hier, oder du kannst auch hingehen, wo du willst, du bist frei. Aber ich werde jetzt gehen und du musst dich dann selbst entscheiden.“ Und Jeremia scheint sich entschieden zu haben, bei dem geringen Volk in Juda zu bleiben. Es wäre sicherlich für ihn das Leichtere gewesen, nach Babylon zu gehen. Er hätte dort den Worten von Nebusaradan folgend wahrscheinlich eine sehr gute Behandlung gehabt. Der König Nebukadnezar war ja durchaus gut zu sprechen auf jüdische Propheten, wenn wir uns die Geschichten in Daniel anschauen. Es wäre ihm sicherlich einfacher gegangen in Babylon, aber er entschied sich, bei dem Überrest des Volkes Gottes in Judäa zu bleiben.
[5:25] Bei denen, die zurückgeblieben waren, weil sie einfach zu arm waren oder weil sie zu den Geringen des Volkes gehörten. Das waren die untersten Gesellschaftsschichten, die der Nebukadnezar dort in Judäa zurückgelassen hatte. So heißt es hier in Vers 6: „Da kam Jeremia zu Gedalja, dem Sohn Achikams, nach Mizpa und wohnte bei ihm unter dem Volk, das im Land übrig geblieben war.“ Mizpa war nicht weit entfernt von Jerusalem, das natürlich zerstört war und nicht mehr wirklich zum Wohnen geeignet war. Und diese Formulierung hier, „die im Land übrig geblieben war“, ist interessant, denn die folgenden Kapitel beschreiben die Geschichte der Übrigen. Wenn man zum Beispiel in Jeremia 42, Vers 2 liest, da sagen sie selbst: „Lass doch unser Flehen vor dir gelten und bete für uns zu dem Herrn, deinem Gott, für diesen ganzen Überrest. Denn es sind nur wenige übrig geblieben von den vielen, wie deine Augen uns hier sehen.“ Es sind die Übrigen, auf die sich jetzt die Geschichte konzentriert. Der große Löwenanteil der Menschen Judäas, die große Mehrheit, ist nach Babylon gefangen genommen worden, aber es gibt einen kleinen Überrest, die Übrigen, die jetzt hier die Stellung halten sollen in Israel.
[6:38] Und es scheint so zu sein, dass auch dies wieder ein Gnadenbeweis Gottes ist, der, nachdem er so viel gewarnt hatte und dann am Ende tatsächlich die Babylonier mit voller Gewalt auf Jerusalem loslassen musste, trotzdem immer noch diesen Fünkchen Hoffnung ihnen geben wollte, dass sie zurückkehren können aus Babylon, indem er einen kleinen Teil an Menschen einfach dort ließ, die sozusagen als ständiges Zeugnis für die Gnade Gottes dort wohnen sollten. Und diese Übrigen, die kommen jetzt alle zusammen und konstituieren sich quasi. Wir lesen das in Vers 7: „Als nun alle Heerführer, die sich mit ihren Männern noch im Landesinneren aufhielten, hörten, dass der König von Babel Gedalja, den Sohn Achikams, über das Land gesetzt hatte, also so eine Art Stadthalter, so ein Satrap vielleicht, und ihm die Männer, Frauen und Kinder übergeben hatte, auch solche von den Geringen des Landes, die nicht nach Babel weggeführt worden waren.“ Wir sehen an der Politik des Babyloniers, dass bei der ersten Wegführung hat er nur die absolute Oberschicht, einige der führenden Leute mitgenommen, Daniel und seine Freunde, aus königlichem Geblüt. Dann in der zweiten Wegführung waren das schon mehr Menschen, aber immer noch Leute aus den oberen Gesellschaftsschichten, wie Hesekiel, der Priester zum Beispiel, und Leute, die sehr nützlich waren für Nebukadnezar. Und selbst jetzt nach der dritten Wegführung ließ er die Menschen zurück, die keinen echten wirtschaftlichen Nutzen vielleicht in Babylon bringen konnten, ja, die Geringen des Landes.
[8:04] Und sie kommen jetzt alle zusammen hier, und das heißt, da kamen Vers 8: „sie zu Gedalja nach Mizpa, nämlich Ismael, der Sohn der Tanja, Johanan und Jonathan, die Söhne Kareas, die jetzt auch gleich eine Rolle spielen werden, Sacharja, der Sohn des Hammetal, und die Söhne des Netofatiters, Jefaja, die Söhne des Maachatis, sie und ihre Leute.“ Und interessant ist, was jetzt der Stadthalter Gedalja zu ihnen sagt in Vers 9. „Und Gedalja, der Sohn Achikams, des Sohnes Schafans, schwor ihnen und ihren Leuten und sprach: Fürchtet euch nicht davor, den Chaldäern zu dienen. Bleibt im Land und dient dem König von Babel, so wird es euch wohl ergehen.“ Das ist ja im Prinzip die Botschaft gewesen, die Jeremia die ganze Zeit schon gepredigt hatte. Gott hatte aber an einem bestimmten Zeitpunkt festgelegt, dass Babylon jetzt die Weltmacht übernehmen sollte. Und Gehorsam gegenüber Gott bedeutete auch Gehorsam gegenüber Babylon in dieser Zeit der Weltgeschichte. Und die Israeliten wollten das ja lange Zeit nicht glauben und haben dagegen rebelliert. Und jetzt sagt der Gedalja, der von Nebukadnezar eingesetzt ist: „Pass auf, wenn ihr Nebukadnezar dient, so wie es auch Jeremia immer gesagt hat, dann wird es euch gut ergehen.“
[9:07] „Versehen Sie, ich wohne zu Mittwoch, um den Chaldäern zu Befehl zu stehen.“ Also er war verantwortlich dafür, dass in Judäa jetzt alles ruhig bleibt. Die Babylonier wollten ihre Weltherrschaft ja auch stabilisieren. Sie hatten kein Interesse daran, dass in jeder Stadt ständig Aufstände niederzuschlagen sind. Zumal damals das Ganze ja auch durch Feldzüge organisiert worden ist. Das heißt, man musste jedes Jahr wieder nach Syrien und nach Indien und relevante mit Feldzügen einfallen, um zu kontrollieren, dass alles ruhig ist. So sagt er also: „Ich stehe den Chaldäern zu Befehl, die zu uns kommen werden, die also nachschauen werden, ob alles beim Rechten ist.“ Und dann sagt er: „Erntet nun Wein, Obst und Öl und tut es in eure Gefäße und wohnt in euren Städten, die ihr in Besitz genommen habt.“ Mit anderen Worten: Lebt ein normales Leben und seid friedlich. Dann werdet ihr Segen erleben.
[9:59] Und wir sehen auch, dass tatsächlich das erst mal so gewesen ist. Vers 11 und 12 sagen: „Als auch alle Juden, die in Moab und unter den Ammonitern, in Edom und allen Ländern wurden, hörten, dass der König von Babel einen Überrest, also Übrige in Juda gelassen und Gedalja, den Sohn Achikams, des Sohnes Schafans über sie gesetzt hat.“ Übrigens, das ist ganz interessant hier zu sehen, dass Juden aus Moab, Edom und Ammon erwähnt sind. Wer Daniel 11 kennt, Moab, Edom und Ammon spielen am Ende auch eine Rolle. Interessant vor allem heißt es hier, Vers 12: „Da kehrten alle diese Juden wieder zurück von den Orten, wohin sie vertrieben worden waren. Und sie kamen in das Land Juda zu Gedalja nach Mizpa und sie ernteten Wein und Obst in sehr großer Menge.“ Also wir haben hier Juden, Menschen, die zum Volk Gottes gehören, die aber zu der Zeit nicht in Juda sind, sondern in Edom, in Moab und in Ammon. Und sie kehren zurück nach Juda, weil es dort Übrige gibt.
[11:04] Und das ist doch wirklich eine interessante Parallele zu Daniel 11, wo wir auch das so ähnlich sehen, dass dort Menschen aus genau diesen Gruppen, symbolisch gesprochen, sich dem Überrest auf dem Berg Zion offensichtlich anschließen, weil sie dem König des Nordens entfliehen.
[11:26] Schauen wir mal weiter ab Vers 13. „Johanan aber, der Sohn Kareas, und alle Heerführer, die sich im Landesinneren aufhielten, kamen zu Gedalja nach Mizpa und sie sprachen zu ihm: Weißt du auch, dass Baalis, der König der Ammoniter, Ismael, den Sohn Netanjas, gesandt hat, um dich zu ermorden?“ Also hier kommen jetzt Menschen zu dem Stadthalter und sagen: „Pass auf, du bist in Gefahr, es gibt eine Verschwörung gegen dich.“ Aber dann sagt der Vers weiter: „Aber Gedalja, der Sohn Achikams, glaubt ihnen nicht.“ Er hielt das alles für eine Verschwörungstheorie.
[12:06] Vers 15. „Da redete Johanan, der Sohn Kareas, heimlich mit Gedalja in Mizpa und sprach: Lass mich doch hingehen, ich will Ismael, den Sohn Netanjas, erschlagen, ohne dass es jemand erfährt. Warum soll er dich ermorden, sodass alle Juden, die dich versammelt haben, zerstreut werden und der Überrest von Juden umkommt?“ Dieser Johanan sagt: „Wir müssen Sorge tragen, dass der Überrest, dass die Übrigen nicht attackiert werden von innen.“ Denn der Ismael hatte vorgegeben, jetzt auch hier zu den Übrigen zählen zu wollen. Aber er war, so seine Aussage, im Auftrag des Königs von Ammon dort, um die Führung der Übrigen zu zerstören. Das ist jetzt zweimal an den Gedalja herangetragen worden.
[12:48] Auch das zweite Mal sagt er in Vers 16: „Du sollst diesen Anschlag nicht ausführen, denn du redest Lügen über Ismael.“ Gedalja konnte sich nicht vorstellen, dass jemand, der jetzt in seinem inneren Kreis dort war, dass der in Wirklichkeit das Ziel hatte, ihn umzubringen und das Ziel hatte, die Leitung der Übrigen zu zerstören. Und so tat er es mit sehr deutlichen Worten als ein Gerücht, als eine Verschwörungstheorie, als etwas Unglaubwürdiges ab.
[13:21] Ich finde das ganz interessant, weil wir heute in einer Situation stecken, dass Dinge gesagt werden, die ganz schnell und ganz brüde als krude Verschwörungstheorien abgetan werden und als völlig unsinnig. Man würde sich ja wünschen, dass das Kabel jetzt hier aufhört, und das tut es auch, und dass danach diese Geschichte nicht weitergeht. Aber sie geht weiter, und sie geht dann sehr interessant weiter, sodass man sich schon fragen muss, was das für uns heute bedeutet.
[13:48] In Kapitel 41, und dort Vers 1 und 2 lesen wir es: „Geschah aber im siebten Monat, da kam Ismael, der Sohn Netanjas, des Sohnes Elishama, aus königlichem Samen und von den Vornehmen des Königs in Begleitung von zehn Männern zu Gedalja, dem Sohn Achikams, nach Mizpa, und sie aßen dort in Mizpa miteinander.“ Also Ismael erweckt den Eindruck, Freund zu sein. Vers 2: „Aber Ismael, der Sohn Netanjas, und die zehn Männer, die bei ihm waren, standen auf und erschlugen Gedalja, den Sohn Achikams, des Sohnes Schafans, mit dem Schwert, und so tötete er den, welchen der König von Babel über das Land gesetzt hatte.“ Die schockierende Nachricht ist: Die Verschwörungstheorie war Wahrheit. Und Gedalja stirbt unter anderem deswegen, weil er die Warnungen nicht beachtet hatte.
[14:37] Nun, es wäre natürlich zu diskutieren, ob es wirklich eine gute Idee war, von dem Johanan den Ismael einfach umzubringen. Aber eins ist sicher: Der Gedalja hat Warnungen, die offensichtlich nicht unbegründet waren, als Verschwörungstheorie abgetan, und dann kamen sie doch so in der Realität wie angekündigt. Und das bewirkte dann eine ganze Reihe von weiteren Schwierigkeiten. Alles, was jetzt kommt, alles, was jetzt an Negativgeschichten uns jetzt weiter verfolgt in diesem Abschnitt, lässt sich darauf zurückführen, dass der Gedalja tot war. Wenn er gelebt hätte, wäre wahrscheinlich vieles von dem, was jetzt kommt, nicht so passiert. Weil Gedalja war ein treuer Mann. Er wollte in Babylon bleiben. Er wollte das tun, was Jeremia, was Gott durch Jeremia gesagt hatte. Er wollte dem König, dem König zu treu sein. Weil er die Warnungen vor einem inneren Feind als Verschwörungstheorie abgetan hatte, hat er unwissentlich Tür und Tor für den späteren Abfall geöffnet.
[15:39] Interessant. Und ich lasse es jedem jetzt darüber nachzudenken, wo und wie es parallel vielleicht auch in unserer Zeit, in unserer Situation zu unseren Übrigen, die es heute gibt, geben mag.
[15:58] Ab Vers 3 sehen wir dann, dass der Ismael sich damit nicht begnügte, sondern eine regelrechte, blutige Revolution anstellte. Leute umbrachte. Es heißt hier in Vers 3 auch: „Alle Juden, die in Mizpa bei Gedalja waren und die Chaldäer, die Kriegsleute, die sich dort befanden. Er schlug Ismael.“ Also da hatten die Babylonier natürlich Soldaten zurückgelassen als Besatzung, und die wurden jetzt alle umgebracht. Vers 4: „Und es geschah am zweiten Tag, nachdem er Gedalja getötet hatte, was aber noch unbekannt war, da kamen Männer aus Sichem, aus Silo und Samaria, 80 Mann, die das Haar geschoren, die Kleider zerrissen und sich Einschnitte gemacht hatten. Die hatten Speisopfer und Weihrauch bei sich, um es zum Haus des Herrn zu bringen.“ Da ging Ismael, der Sohn Netanjas, von Mizpa hinaus ihnen entgegen und weinte beim Gehen. Also er hat auch hier wieder Täuschung angewandt. Er hat vorgegeben, mit ihnen zu sein. Ein Feind von innen, der Schauspieler, der heuchelt, der den Eindruck erweckt, auf der Seite der Gläubigen zu sein. Als er aber mit ihnen zusammen traf, sprach er zu ihnen: „Kommt herein zu Gedalja, dem Sohn Achikams.“ Er lügt sogar offensichtlich, behauptet, dass Gedalja noch lebt, während er weiß, dass er tot ist.
[17:05] Und Vers 7: „Und es geschah, als sie mitten in die Stadt gekommen waren, da ermordete sie Ismael, der Sohn Netanjas, und warf sie in die Zisterne, er und die Leute, die bei ihm waren.“ Interessanterweise lässt er ein paar Leute übrig, weil die, wie es hier heißt, in Vers 8 sagen: „Tötet uns nicht, denn wir haben noch verborgene Vorräte in Acker, Weizen, Gerste, Öl und Honig.“ Also wenn es um das Überleben ging, dann hat er hier Kompromisse gemacht, dieser feige Ismael. Und es heißt dann in Vers 9, dass die Zisterne angefüllt wurde von den Leichnamen der Leute, die er hat umbringen lassen. Man könnte ja denken, es hat noch nicht genügend Tote gegeben durch diese schreckliche Katastrophe. Wie kann das nur sein, dass nachdem Jerusalem so brutal zerstört worden ist, tausende Menschen umgebracht worden sind, dass man jetzt gleich wieder anfängt hier mit Mord und Totschlag. Aber man sieht, der große Kampf tobte weiterhin.
[17:56] Und dann heißt es in Vers 10: „Ismael führte den ganzen Überrest des Volkes, deren Mizpa war, gefangen weg.“ Also Gott hatte vorgesehen, dass ein Großteil des Volkes Israels gefangen nach Babylon geführt wird. Er hatte nicht vorgesehen, dass der Überrest, die Übrigen, als Gefangene nach Ammon weggebracht werden, wie es jetzt hier steht. Da heißt es nämlich: „Die Töchter des Königs und das ganze Volk, das in Mizpa übrig geblieben war, das Nebusaradan, der Oberste der Leibwächter, Gedalja, dem Sohn Achikams, anvertraut hatte. Ismael, der Sohn Netanjas, führte die Gefangenen weg und machte sich davon, um zu den Ammonitern hinüberzuziehen.“ Nun, das war offensichtlich nicht Gottes Plan.
[18:44] Und Gott war nicht um eine Möglichkeit verlegen, das zu verhindern. In Vers 11 lesen wir: „Als aber Johanan, der Sohn Kareas, und alle Heerführer, die bei ihm waren, von all dem Bösen erfuhren, das Ismael, der Sohn Netanjas, begangen hatte, da nahmen sie alle Männer und zogen hin, um gegen Ismael, den Sohn Netanjas, zu kämpfen. Und sie fanden ihn an dem großen Wasser von Gibeon.“ Also das ganze Volk, das bei Ismael war, Johanan, der Sohn Kareas, sah, und alle Heerführer, die bei ihm waren, da wurden sie froh. Das ist eine Formulierung, die kennen wir auch aus dem Neuen Testament, wo es heißt, dass die Jünger Jesus sahen, und sie wurden froh. Das Volk realisierte: Johanan ist unser Retter. Er wird uns befreien aus der Hand Ismaels, dieses Gewaltherrschers, der jetzt die Macht hier an sich gerissen hat, mit Intrige, Gewalt und Mord. Johanan tritt hier also eigentlich auf als der Befreier des Volkes.
[19:37] Das Volk, das jetzt gerade gegen Gottes Willen in die Gefangenschaft nach Ammon geführt werden soll, wird befreit durch diesen Johanan. Und es heißt in Vers 14: „Das ganze Volk, das Ismael von Mizpa weggeführt hatte, machte kehrt und lief zu Johanan, dem Sohn Kareas, über.“ Vers 15: „Ismael aber, der Sohn der Tanja, entkam vor Johanan mit acht Männern und zog zu den Ammonitern.“ Also es sind wirklich nicht viele, die ihm gefolgt sind. Also wir reden sowieso hier dieser Geschichte von kleinen Kontingenten von Menschen. Die allergrößte Masse des jüdischen Volkes war ja ohnehin in Babylon und an anderen Orten verschleppt worden.
[20:15] Und dann heißt es hier, das ist interessant, dass die nun wieder befreiten Juden unter Johanan, dem dritten Anführer, nach Gedalja, der ermordet worden ist, und nach Ismael, der das sich erschlichen hatte durch Mord und jetzt nach Ammon geflohen war, jetzt unter Johanan, dem dritten Herrscher, dem dritten Stadthalter sozusagen, in einer misslichen Lage war. Und sie zogen hin und blieben bei der Herberge Kimhams, die neben Bethlehem liegt, um von dort nach Ägypten zu ziehen.
[20:50] Das ist jetzt sehr wichtig. Sie verändern also ihren Ort von Mizpa, das etwas nördlich von Jerusalem liegt, Richtung Bethlehem, das etwas südlich von Jerusalem ist. Damit ist bereits die Richtung angedeutet. Sie sind Richtung Süden gezogen und wenn sie weiter Richtung Süden ziehen, werden sie irgendwann in Ägypten ankommen. Sie haben bereits das Ziel, das ist sehr deutlich hier, das ist sehr wichtig jetzt für die nächsten Kapitel, sie haben den Plan, nach Ägypten zurückzugehen.
[21:13] Und man würde denken, warum möchten die Juden jetzt nach Ägypten zurück? Weil das war doch überhaupt gar nicht Gottes Plan. Gottes Plan war, dass sie in Israel bleiben, in Palästina dort, um ein Hoffnungsschimmer zu sein für all die Israeliten, die in der Gefangenschaft sind. Sie sollten dort Weinberge pflanzen, sie sollten das Obst genießen, sie sollten ein Hoffnungsschimmer sein, ein Überrest, als Unterpfand der Verheißung, dass Gott ganz Israel zurückführen würde, wenn sie denn wollten. Aber jetzt möchten sie nach Ägypten ziehen, dorthin, wo Gott sie gar nicht gesandt hat.
[21:45] Warum? Vers 18. „Aus Furcht vor den Chaldäern, denn sie fürchteten sich vor ihnen, weil Ismael, der Sohn Netanjas, Gedalja, den Sohn Achikams, erschlagen hatte, den der König von Babel über das Land gesetzt hatte.“ Sie hatten gute Gründe. Der König Nebukadnezar hat viel Trubel mit uns gehabt. Ein König nach dem anderen hat sich widersetzt. Jedes Mal haben die Könige versprochen, dass sie loyal sind und dann haben sie rebelliert. Und jedes Mal musste der Nebukadnezar wieder eine Armee senden, hat Ausgaben gehabt, hat Energie hinein investiert, um diese Aufstände zu beruhigen und hat am Ende ganz Jerusalem zerstören müssen und hat dann diesen Stadthalter eingesetzt, in der Hoffnung, dass jetzt endlich Frieden ist. Und schon wieder gibt es Aufstand in Palästina. Was wird er wohl jetzt mit uns machen? Wird er nicht völlig ausrasten und wird uns alle, die wir noch übrig geblieben sind, auch alle umbringen? Menschlich gesehen kann man nachvollziehen, denn wenn man schon mehrmals dasselbe Verbrechen begangen hat und es wieder tut, dann kann man nicht wirklich auf Gnade hoffen, dann kann man nicht wirklich denken, dass man jetzt mit einem blauen Auge davon kommt. Und wozu die Chaldäer fähig waren, das hatten sie bei der Zerstörung Jerusalems unter Beweis gestellt. Sie waren zu größter Grausamkeit in der Lage.
[23:02] Und für die Übriggebliebenen war jetzt die Situation, dass sie fürchten, wenn sie Gott treu sind und im Land bleiben, dann bekommen sie es erneut mit den Babyloniern zu tun. Und ob die dann genau differenzieren, wer jetzt diesen Aufstand gemacht hat, und dass es nur ein Spion von Ammon war, und ob sie dann wirklich recht sprechen oder ob sie nicht einfach alles niedermachen aus lauter Frust, das kann das schon sagen. Deswegen war die Überlegung: Warum nicht lieber gleich nach Ägypten gehen, wo wir in Frieden und Sicherheit sind?
[23:34] Ägypten war ja fast wie ein Magnet für die Israeliten der damaligen Zeit. Schon vorher hatten wir gelesen, in Jeremia 37 vor zwei Wochen, dass noch bevor Jerusalem zerstört worden ist, all die Könige, die gegen Nebukadnezar rebellierten und den Tribut nicht mehr zahlen wollten, immer wieder auf Ägypten gesetzt hatten und gehofft hatten, dass der Pharao Apries ihnen helfen würde. Was ja zum Teil auch scheinbar so war, als Nebukadnezar die Stadt belagert hatte und der Pharao mit seinem Heer kommt und Babylon sich zurückzieht und scheinbar die Ägypter eine echte Hilfe waren, um dann nur wieder abzuziehen und Babylon dann doch die Stadt Jerusalem eingenommen hatte. Sie hatten also offensichtlich nichts aus der Geschichte gelernt.
[24:22] Und was jetzt hier abspielt, ist absolut interessant und ich glaube sehr wichtig für uns heute als Gemeinde. Bevor sie nach Ägypten gehen, fassen sie den Entschluss, sich vom Propheten Rat und Weisheit zu holen. Jeremia 42, Vers 1 und 2: „Und alle Fürsten des Heeres traten dazu, Johanan der Sohn Kareas und Jesaja der Sohn Hosaias und das ganze Volk vom Kleinsten bis zum Größten. Und sie sprachen zu dem Propheten Jeremia: Lass doch unser Flehen vor dir gelten und bete für uns zu dem Herrn, deinem Gott, für diesen ganzen Überrest, für die Übrigen. Denn es sind nur wenige übrig geblieben, eine kleine Gruppe von den vielen, wie deine Augen uns hier sehen. Der Herr, dein Gott, möge uns doch den Weg zeigen, den wir gehen sollen und uns sagen, was wir zu tun haben.“
[25:13] Also hier sind die Übrigen, die schon einen Plan gefasst haben: Wir wollen zurück nach Ägypten. Aber sie wissen, es wäre doch eigentlich eine gute Idee, erst mal den Propheten zu fragen. Und so gehen sie zu Jeremia, diesem Propheten, der Jahrzehnte immer wieder Gottes Botschaft gesagt hat und so selten überhaupt gehört worden ist. Und sie sagen jetzt: „Pass auf, Jeremia, bete für uns. Und egal, was der Herr dir zeigt, egal, welchen Weg wir gehen sollen, Norden, Süden, Osten, Westen, den wollen wir gehen. Und was er uns sagt, das wollen wir tun.“
[25:44] Interessanterweise ist das ja ziemlich genau die Verheißung, die Gott gegeben hat in der Bibel. In Psalm 32 lesen wir in Vers 8: „Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, auf dem du wandeln sollst. Ich will dir raten, mein Auge auf dich richten.“ Jetzt Achtung, Vers 9: „Seid nicht wie das Ross und das Maultier, die keinen Verstand haben. Mit Zaum und Gebiss ihrem Geschirr muss man sie bändigen, weil sie sonst nicht zu dir nahen. Der Gottlose hat viele Plagen. Wir haben dem Herrn vertraut. Denen wird er mit Gnade umgeben. Freut euch an dem Herrn und seid fröhlich, Gerechte, und jubelt alle, die ihr aufrichtigen Herzens seid.“ Vorher geht es darum, dass David berichtet, wie er diese Verheißung bekommen hat, als er seine Sünde bekannt hat, bereut hat und Gott ihm vergeben hatte. Das heißt, Gott führt sein Volk. Aber die Bedingung, dass Gott uns wirklich führen kann, ist, dass wir unsere Sünden bereuen und dass wir bereit sind, ihm zu folgen. Und wenn wir das nicht tun, werden wir viele Plagen haben. Und wenn wir es tun, wenn wir Gott folgen, dann wird es uns gut gehen.
[26:51] Und so willigt ihr mir ein, für sie zu beten. „Jedes Wort, das euch der Herr zur Antwort gibt, will ich euch mitteilen und euch kein Wort vorenthalten.“ Ich werde euch keine einfache Botschaft geben. Ich werde sie nicht kürzen. Der Prophet wird keine halbe Botschaft geben, sondern das, was Gott spricht, das findet sich bei den Propheten. Vers 5: „Da sprachen sie zu Jeremia: Der Herr sei ein wahrhaftiger und zuverlässiger Zeuge gegen uns.“ Das ist eine interessante Formulierung. Die finden Sie interessanterweise auch in Offenbarung, wo es heißt, dass Jesus Christus der wahrhaftige, der treue Zeuge ist. Auch bei einer Gemeinde der Übrigen. „Wenn wir nicht nach dem ganzen Wort handeln, mit dem der Herr, der Gott, dich zu uns sendet.“ Also sie sagen: „Pass auf, Gott wird eine Botschaft an dich senden. Das wird dann die Botschaft des Geistes der Weissagung sein. Und wir werden, wie heißt es hier, nach allem handeln, nach dem ganzen Wort, egal was der Herr durch den Propheten sagt. Wir wollen es tun.“
[27:54] Und zwar Vers 6: „Es scheine uns gut oder böse.“ Also egal, ob es uns gefällt oder nicht. Wir wollen es tun. „So wollen wir der Stimme des Herrn, unseres Gottes, zu dem wir dich senden, gehorchen, damit es uns wohler gehe, wenn wir der Stimme des Herrn, unseres Gottes, gehorchen.“ Hier macht die Gemeinde der Übrigen zu der damaligen Zeit eine gewaltige Aussage. Sie sagt: „Wir wollen zu den Propheten gehen. Und was der Prophet uns sagt, was der Geist der Weissagung uns sagt, egal was es ist, ob es uns sinnvoll erscheint oder nicht sinnvoll. Wir werden gehorchen. Koste es, was es wolle.“ Was für ein wunderbares Glaubensbekenntnis. Das könnte in die 28 Glaubenspunkte kommen. Dem eine völlige Loyalität dem Geist der Weissagung gegenüber.
[28:34] Und wie oft sagen wir so etwas ganz ähnliches. Wir wollen Gott vertrauen. Wir wollen der Bibel vertrauen. Wir wollen auch dem Geist der Weissagung vertrauen. Egal, ob es unserem Verstand entspricht oder nicht. Oder?
[28:46] Und dann kommt die Botschaft. Ab Vers 7. Jeremia holt alle nach 10 Tagen das Volk zusammen, insbesondere auch die Führer. Und er sagt zu ihnen, Vers 9: „Und er sprach zu ihnen: So spricht der Herr, der Gott, zu dem ihr mich gesandt habt, um euer Flehen vor sein Angesicht zu bringen.“ Vers 10: „Wenn ihr in diesem Land bleibt – das war Gottes Plan von Anfang an –, so werde ich euch bauen und nicht niederreißen, pflanzen und nicht ausreißen, denn mich reut das Unheil, das ich euch zugefügt habe.“
[29:18] Das ist interessant. Zuerst einmal ist das eine interessante Parallele zum Anfang des Buches Jeremia, wo in Jeremia 1, Vers 10 er den Auftrag erhält: „Siehe, ich setze dich am heutigen Tag über die Völker und über die Königreiche, um auszurotten und niederzureißen und um zu zerstören und abzubrechen, um zu bauen und zu pflanzen.“ Und an anderer Stelle ist mir erklärt worden, dass es davon abhängt, wie das Volk, welches Volk auch immer er anspricht, auf seine Botschaft reagiert, ob es ein Niederreißen oder ein Aufbauen wird, ein Ausreißen oder ein Pflanzen. Und Gott sagt: „Ich wünsche mir, dass es wieder positiv mit dem Volk Juda aufwärts geht. Ich wünsche mir, dass ihr Segen habt und dass ihr in der Gnade wachsen könnt. Ich wünsche mir, dass es euch gut geht. Bleibt im Land. Denn mich reut das Unheil.“
[30:05] Und das wäre ein eigenes Thema für sich. Die Bibel macht sehr deutlich in den Büchern Samuel, dass Gott kein Mensch ist, dass er reuen könnte. Das heißt, Gott reut nicht wie ein Mensch. Er sagt nicht: „Oh, hätte ich es nur anders gemacht.“ Sondern Gottes Reue wird sehr deutlich beschrieben in der Bibel. Wir können das auch in der Sintflutgeschichte und anderen Geschichten nachvollziehen. So wie es auch in Jeremia an anderer Stelle beschrieben ist, nämlich, dass wenn er eine Gerichtsbotschaft gibt und das Volk, das diese Gerichtsbotschaft hört, sich bekehrt, dann ändert Gott auch seinen Plan mit diesem Volk. Gott hat also in Bezug auf Erweckung und Reformation, in Bezug auf Bekehrung immer einen zweifachen Plan. Einen Plan, was passiert dem Volk, wenn es treu ist. Und was passiert dem Volk, wenn es sich bekehrt. Und was passiert dem Volk, wenn es untreu ist. Wenn es widerspenstig ist. Und bisherhin musste Gott in diesen letzten Jahren hier in Jeremia immer dem Plan B folgen. Immer: Was tue ich, wenn das Volk widerspenstig ist? Er hatte sich immer gewünscht, dass das Volk treu ist. Ursprünglich sollten sie ja die Weltherrschaft haben. Als das nicht mehr möglich erschien, sollten sie zumindest ein friedliches Leben unter babylonischer Oberherrschaft haben. Als das nicht mehr möglich war, sollten sie leichten Tribut zahlen. Als das nicht mehr möglich war, schweren Tribut. Und irgendwann musste immer wieder ein neuer Plan B geschaffen werden, weil sie so widerspenstig waren.
[31:26] Und jetzt sagt Gott: „Ich möchte nicht weiter diesen Plan B haben, wo ich auch immer strafen muss. Ich würde gerne wieder auf Plan A switchen, wo er gesegnet werden soll. Wo so schnell wie möglich es dem Land wieder gut gehen soll und ihr eigentlich die Herrlichkeit Gottes darstellen sollt.“
[31:42] Vers 11: „Fürchtet euch nicht vor dem König von Babel, vor dem ihr Angst habt. Fürchtet euch nicht vor ihm, spricht er, denn ich bin mit euch, Immanuel, Gott mit uns. Um euch zu helfen und euch aus seiner Hand zu erretten.“ Was die Juden damals vielleicht nicht ahnten oder nicht in vollem Umfang ahnten, war, wie sehr Gott bereits an der Bekehrung von Nebukadnezar zu diesem Zeitpunkt schon arbeitete. Der war ja mit Daniel schon längst in Kontakt, hatte den Traum schon längst gehabt und hatte die ersten sehr tiefen Eindrücke von der Weisheit und Größe Gottes gehabt.
[32:18] Nun, und in Vers 12 heißt es dann: „Ich will euch mit Herzlichkeit zuwenden, dass er sich über euch erbarmen und euch wieder in euer Land bringen wird.“ Also Gottes Barmherzigkeit würde zur Barmherzigkeit in Nebukadnezar führen. Und was man sich kaum vorstellen kann eigentlich, dass so ein blutrünstiger Weltherrscher Barmherzigkeit erlangen würde. Aber wie wir wissen aus der späteren Geschichte, tatsächlich hat er sich bekehrt. Gott wusste, was er sagt. Er wusste ganz genau, dass es sehr gut möglich war und dass es passieren würde, dass der König Nebukadnezar ein Volk, das tatsächlich so lebt wie Daniel, sehr fördern würde. Aber irgendwie haben das die Israeliten dort nicht geglaubt.
[33:07] Werden wir gleich sehen. Vers 13: „Wenn ihr aber sagt: Wir wollen nicht in diesem Land bleiben, so dass ihr der Stimme des Herrn, eures Gottes, nicht gehorcht, indem ihr sagt: Nein, sondern in das Land Ägypten wollen wir ziehen, wo wir weder Krieg sehen, noch den Schall des Schofahorns hören, noch Hunger leiden werden, dort wollen wir wohnen.“
[33:23] Das ist so interessant, weil das ist fast die identische Wiederholung einer Geschichte, die Jahrhunderte vorher passierte. Hier sagen die Israeliten: „Wir wollen nicht im Land Kanaan bleiben, weil wir hier Krieg erleben und Hunger, aufgrund bestimmter Situationen. Deswegen wollen wir zurück nach Ägypten.“ Schauen wir uns mal 4. Mose 14 an. Einige Jahrhunderte vorher. Als das Volk Israel an der Grenze zu Kanaan stand. 4. Mose 14. „Und alle Kinder Israels mochten gegen Mose und Aaron. Die ganze Gemeinde sprach zu ihnen: Dass wir doch im Land Ägypten gestorben wären oder noch in dieser Wüste sterben würden. Und warum führt uns der Herr in dieses Land, dass wir durch das Schwert fallen und dass unsere Frauen und unsere kleinen Kinder zum Raub werden? Ist es nicht besser für uns, wenn wir wieder nach Ägypten zurückkehren? Und sie sprachen zueinander: Wir wollen uns selbst einen Anführer geben und wieder nach Ägypten zurückkehren.“ Damals sagten die Israeliten: „Wir wollen gar nicht erst nach Kanaan hinein, weil wir fürchten das Schwert und wir fürchten den Hunger. Wir wollen wieder zurück nach Ägypten.“
[34:33] Man kann es fast gar nicht wirklich glauben. Aber ungefähr fast 900 Jahre später hat das Volk Israel nicht einen einzigen Zentimeter dazugelernt. Nachdem eine Herrschaft von Propheten über Generationen zu ihnen gesprochen hatte, nach all den Segnungen, die sie erlebt haben, ist der Überrest des Volkes Israel wieder an dem selben Punkt, dass sie exakt dasselbe sagen, wie die erste Generation in der Wüste, die damit ihr Recht verwirkt hatte, nach Kanaan hinein zu gehen. Und ihr Typus ist dafür, was passiert, wenn man Gott so sehr ungehorsam ist, dass er seinen Plan für diese Generation nicht ausführen kann. Die Geschichte wiederholt sich. Ein bisschen andere Umstände, aber im Kern und an dieser Stelle sogar sehr detailliert. Letztlich genau dasselbe.
[35:32] Und Gott warnt sie: Tu das nicht. Er sagt in Vers 15: „Dann hört das Wort des Herrn, du Überrest von Juda. So spricht der Herr, der Herrscher und der Volk, Gott Israels. Wenn ihr euer Angesicht wirklich darauf richtet, nach Ägypten zu ziehen und hinzieht, um euch dort als Fremdlinge aufzuhalten, so wird es geschehen, dass das Schwert, welches ihr fürchtet, euch dort im Land Ägypten erreichen wird und der Hunger, vor dem ihr euch hier graut, euch dort in Ägypten verfolgen wird. Und dort werdet ihr sterben. Und es wird geschehen, alle die Männer, die ihr Angesicht darauf richten, nach Ägypten zu ziehen, um dort zu wohnen, werden durch Schwert, durch Hunger und Pest umkommen. Keiner von ihnen wird übrig bleiben. Keiner wird im Unheil kommen, das ich über sie bringen werde. Denn so spricht der Gott, der Herr, der Herrscher und der Gott Israels, wie mein Zorn und mein Grimm sich über die Einwohner von Jerusalem ergossen hat, so wird sich mein Grimm auch über euch ergießen, wenn ihr nach Ägypten zieht. Und ihr sollt zur Verwünschung und zum Entsetzen, zum Fluch und zum Hohn werden und sollt diesen Ort nicht mehr sehen.“
[36:26] Er sagt: Tut es nicht. Seid nicht schon wieder ungehorsam. Seid doch endlich mal gehorsam. Lernt doch endlich die Lektion.
[36:37] Und dann sagt Vers 19: „Der Herr sagt zu euch, ihr Überrest, die Übrigen von Juda, ihr sollt nicht nach Ägypten ziehen. Merkt euch wohl, dass ich es euch heute ernstlich bezeugt habe.“ Gott lässt keinen Zweifel. Der Prophet spricht klare, deutliche Worte. Lasst euren Plan, der so gut politisch aussieht, der so sinnvoll aussieht, der so plausibel ist, lasst den Plan und folgt dem Wort Gottes, auch wenn es gefährlich aussieht.
[37:07] Wie oft passiert es, dass wir sagen: „Oh, wir folgen dem Wort Gottes“, und dann stellen wir fest, in einer bestimmten Situation in der Gemeindearbeit müssten wir dann das tun. Aber politisch gesehen oder wirtschaftlich gesehen oder überhaupt vom gesunden Menschenverstand her gesehen, wäre etwas anderes viel sinnvoller. Und dann sagen wir: „Ja, wir folgen dem Geist der Weisheit und wir folgen dem Wort Gottes, aber wir sind nicht bereit dafür, das zu tun. Wir machen erstmal das andere.“
[37:31] Für sonstiges sagt er, der Jeremia: „Denn ihr habt euch selbst um den Preis eures Lebens in die Irre geführt, denn ihr habt nicht zu dem Herrn, eurem Gott, gesandt und gesprochen: Bete für uns zu dem Herrn, unserem Gott, und alles, was der Herr, unser Gott, dir zur Antwort gibt, das verkünde uns, so wollen wir es tun.“ Nun, habe ich es euch heute verkündet, aber ihr habt nicht auf die Stimme des Herrn, eures Gottes, gehört, noch auf alles das, womit er mich zu euch gesandt hat.
[37:55] Mit anderen Worten, was der Jeremia sagt ist: Ihr habt euch selbst in die Brille gebracht, indem ihr gesagt habt: „Wir wollen dem Herrn folgen, wir wollen dem Geist der Weisheit und Glauben.“ Und jetzt spricht er etwas, was euch nicht gefällt, etwas, was eure Pläne durchkreuzt, etwas, was eurem Eigenwillen entgegensteht, und jetzt wird sich zeigen, ob ihr es ernst gemeint habt. Gott hat es gehört, was ihr gesagt habt, und ihr solltet besser folgen.
[38:20] Liebe Freunde, liebe Freunde, das reicht nicht aus, wenn wir Bekenntnis ablegen und sagen: „Oh, wir folgen dem Geist der Weisheit und wir folgen der Bibel, was immer sie sagt.“ Und dann stellen wir Dinge fest, die dort stehen, die unserem eigenen persönlichen Eigenwillen entgegenstehen, und wir sagen: „Später vielleicht.“ Wenn wir einer Gemeinde sagen: „Wir folgen dem Geist der Weisheit und wir tun nicht das, was er sagt, sondern genau das Gegenteil, wissentlich, dann sind wir letztendlich nicht besser als dieser Überrest hier, als die Übrigen damals.“ Besondererweise nennen wir sie auch die Übrigen, oder?
[38:54] Die Übrigen, die die Stellung halten, damit dann später all die Gläubigen aus Babylon kommen können. Gott hatte ja deswegen Übrige gelassen, damit, wenn die babylonische Gefangenschaft vorbei ist, sein Volk aus Babylon fliehen kann. Ja, wohin denn? Dort, wo bereits die Übrigen die Stellung halten, um ein Anlaufpunkt zu sein für all die Gläubigen in Babylon, die dann nach der prophetischen Zeit zurückkommen würden, und sie würden gemeinsam das Volk Gottes bilden.
[39:29] Sind wir nicht heute diese Übrigen, die Gott zurückgelassen hat, nicht in Babylon, während all die anderen, die meisten Gläubigen, die allermeisten Gläubigen heute sich in Babylon befinden, in babylonischen Kirchen? Hat Gott einen Überrest, Übrige, die sich nicht in Babylon befinden und die ein Anlaufpunkt sein sollen für die Gläubigen in Babylon, dass wenn sie fliehen, sie wissen, wo sie hinkommen können? Und deswegen müssen wir die Stellung halten. Wir müssen dort bleiben, wo Gott uns hingestellt hat, mit der Botschaft, mit den Methoden, mit der Identität, die Gott uns gegeben hat. Wenn wir sagen: „Oh, das ist zu gefährlich, wir müssen hier aufpassen, da aufpassen, politisch das und wirtschaftlich jenes und solches, wir müssen einige Dinge ändern, wir müssen zurück nach Ägypten und zu der Welt anpassen, gegen den Rat des Geistes der Weissagung, dann verspielen wir unseren eigentlichen Auftrag.“
[40:24] Interessant ist, wie jetzt das Volk mit dieser prophetischen Botschaft umgeht. Sie waren so begeistert von den Propheten, haben so hohe Worte gelobt, aber jetzt, als es ihnen entgegen geht, da sehen wir den wahren Charakter, den sie hatten. Vers 2, da sprachen Assaja, Kapitel 43, Vers 2: „Da sprachen Assaja, der Sohn Hosaias und Johanan, der Sohn Kareas, und alle frechen Männer zu Jeremia: Du redest Lügen. Der Herr, unser Gott, hat dich nicht gesandt, zu sagen: Ihr sollt nicht nach Ägypten ziehen, um euch dort als Fremde aufzuhalten.“ Mit anderen Worten: Du bist ein Lügner, du bist kein wahrer Prophet, du bist nicht inspiriert. Gott hat dich nicht gesandt. Du bist vielleicht ab und zu inspiriert, aber das, was du hier sagst, ist nicht inspiriert.
[41:04] Warum? Es gefällt uns nicht. Kennen wir, oder? Wie oft kommt es vor, dass Dinge in der Bibel, die uns nicht gefallen, dass man sagt: „Naja, aber ist das jetzt wirklich Gottes Wort? Vielleicht war das nur der Paulus, der das irgendwie aus kulturellen Gründen geschrieben hat. Das muss man halt im Kontext des ersten Jahrhunderts sehen. Das ist nicht mehr inspiriert für uns, das gilt nicht mehr für uns, weil das passt nicht in unsere gesellschaftliche, politische, weltanschauliche Welt hinein. Dieser Ratschlag von Paulus dort, das mögen wir nicht, das ist nicht inspiriert.“ Oder wenn Ellen White eine bestimmte Sache schreibt, die uns nicht passt, dann sagen wir vielleicht: „Naja, also ob das jetzt, da steht ja nicht genau, Gott hat mir gezeigt, das ist vielleicht gar nicht inspiriert.“
[41:46] Und dann, interessanterweise steht da sogar, in Vers 3, „sondern Baruch, der Sohn Nerias, hetzt dich gegen uns auf, um uns in die Hand der Chaldäer zu bringen, damit sie uns töten oder nach Babel wegführen.“ Jeremia, du hast doch dort diesen literarischen Assistenten, den Baruch, du bist beeinflusst von ihm, der hetzt dich auf. Du sagst gar nicht Gottes Wort, sondern du bist nur ein Instrument in den Händen deines literarischen Assistenten. Wie viele Anklagen gibt es gegen Ellen White? Dass angeblich sie beeinflusst worden ist von anderen Leuten, dass sie Plagiat betrieben hätte und dass literarische Assistenten Dinge gefälscht haben. Ja, manche Leute versuchen nachzuweisen, dass manche Aussagen, das können wir nicht glauben, wenn hier steht, dass der Heilige Geist eine Person ist oder dass Jesus ganzer Gott ist, das können wir nicht glauben, weil das widerspricht unserer Meinung und ganz bestimmt hat irgendjemand hier das gefälscht und hat als literarischer Assistent da was gemacht und deswegen ist es nicht inspiriert.
[42:38] Und dann realisieren wir nicht, dass wir tatsächlich dieselbe Geschichte wiederholen wie hier in Jeremia. 1888 haben einige der konservativsten Adventisten in Battle Creek, der Butler und der Uriah Smith, viele Delegierte gewarnt: „Hütet euch davor, zu sehr auf Ellen White als bei der Generalkonferenz zu vertrauen, denn Jones und Wagner haben sie beeinflusst und das war einer der Hauptgründe, warum es dann so eine Katastrophe gab in Minneapolis.“ Aber das ist ein eigenes Thema für sich. Aber dieses Thema, der Prophet ist beeinflusst von jemand anderem, das Thema ist nicht neu. Der Satan lässt sich nichts Neues einfallen. Hat schon damals gut funktioniert.
[43:21] Und so lesen wir ab Vers 4, dass sie ihren Plan durchsetzen und sie gehen nach Ägypten und sie nehmen den Jeremia sogar mit. Vers 8 sehen wir dann, wie Jeremia eine Prophezeiung ausspricht, dort in der Nähe der ägyptischen Grenze, in Tachpanhes, wo sie sich dann niederlassen. Das ist das Grenzgebiet Ägyptens. Er sagt ab Vers 9: „Nimm große Steine in deine Hand, das Wort des Herrn Jeremia. Nimm große Steine in deine Hand und senke sie in den Lehmboden bei der Ziegelterrasse, die sich in Tachpanhes am Eingang des Hauses des Pharao befindet, vor den Augen der jüdischen Männer und sage zu ihnen: So spricht der Herr, der Herrscher, der Gott Israels: Siehe, ich will meinen Knecht Nebukadnezar – interessant, er wird Knecht genannt, obwohl er selbst Gott noch gar nicht wirklich sich dazu bekehrt hatte – holen lassen und seinen Thron über diesen Steinen aufrichten, die ich allen gesenkt habe, und er wird seinen Prachtteppich über ihnen ausbreiten.“
[44:13] Dann kommt Vers 11, der ist interessant. „Und wenn er kommt, wird er das Land Ägypten schlagen. Wer zum Tod bestimmt ist, den wird er töten. Wer zur Gefangenschaft bestimmt ist, den wird er gefangen wegführen, und wer für das Schwert bestimmt ist, den wird er mit dem Schwert umbringen.“ Das ist eine Formulierung. Wer sich in der Prophetie auskennt, der weiß, das ist Offenbarung 13, Vers 10, dort auch bezogen auf die Gefangennahme des Papstes. Ganz interessant, nur als kleiner Hinweis für die, die Offenbarung mehr gründlich auseinandersetzen wollen. Hier haben wir eine Vorlage für die Formulierung in Offenbarung.
[44:43] Und dann heißt es in Vers 12: „Und ich werde in den Tempeln der Götter Ägyptens ein Feuer anzünden, und er wird sie verbrennen und wegführen, und er wird das Land Ägypten um sich werfen, wie ein Hirte sein Obergewand um sich wirft, und er wird in Frieden von dort wegziehen.“ Das ist auch sprachlich sehr interessant, dass es heißt, er wird Ägypten wie ein Hirte sein Obergewand um sich werfen, um sich werfen. Deswegen, weil in Ägypten Hirten ein Gräuel waren. Das war so die unterste Schicht. Man wollte keine Hirten haben. Und Gott sagt: Der Nebukadnezar wird kommen, er wird wie ein Hirte sein und er wird die Ägypter besiegen.
[45:18] Und dann in Vers 13: „Dazu wird er die Obelisken von Beth-Chemisch, die im Land Ägypten sind, zerbrechen und die Tempel der Götter Ägyptens mit Feuer verbrennen.“
[45:30] Interessanterweise lässt Gott sein Volk selbst dort in Ägypten nicht allein. Er spricht wieder zu ihnen. Und er sagt auf Vers 2 in Jeremia 44: „Und jetzt kommt der entscheidende Punkt. Obwohl ich alle meine Knechte, die Propheten, zu euch gesandt habe.“ Wenn das Volk treu gewesen wäre, vielleicht hätte Gott seine Knechte in die Welt senden können, so wie den Jeremia auch. Aber alle seine Propheten mussten auch zum Volk sprechen. Indem er mich früh aufmachte. Gott hat nicht erst gewartet, bis das Kind in den Brunnen gefallen war. Gott wusste, was kommen würde und er hat so früh wie möglich sie gewarnt. Und oft ist es ja so, dass die frühe Warnung wir für unsinnig halten, bis es dann eintritt. Gott hatte sie früh gewarnt.
[46:30] Und Gott warnt auch uns heute früh. Wenn Gott uns Warnungen gibt, dann nicht um uns einzuengen, sondern er weiß, wohin wir natürlicherweise tendieren und er weiß, wohin dies führen würde, wenn wir nicht gleich sofort auf die richtige Bahn gelenkt werden würden. Manche Warnung, die so scheinbar hart ist, ist nur deswegen so hart, weil wir noch nicht unsere eigene Sündhaftigkeit in diesem Punkt so deutlich sehen. Wir halten es für überzogen. Wenn wir aber wissen würden, wo wir enden würden, wenn wir diese Warnung nicht annehmen, dann würden wir dankbar sein, dass Gott uns diese scheinbar harte Warnung gleich zu Anfang gibt, damit wir gar nicht erst dieses Leid der Sünde erleben.
[47:07] Dem ich mich früh aufmachte und sie immer wieder sah und euch sagen ließ: Begeht doch diesen Gräuel nicht, den ich hasse. Und dann sagte er, wie sie nicht hören wollten und wie sie sich geweigert haben. Das heißt interessanterweise in Vers 7: „Und nun, so spricht Gott der Herr, der Herr, der Gott, der Herrscher und der Gott Israels. Warum begeht ihr ein so großes Übel gegen euch selbst, indem euch Männer und Frauen, Kinder und Säuglinge aus Juda ausrottet?“ Er sagt: Ihr sündigt gegen euch selbst. Ihr rottet euch selbst aus. Ungehorsam ist suizidal. Ungehorsam ist selbstzerstörerisch, sodass euch kein Überrest mehr bleiben wird. Wenn ihr weiter so macht, werdet ihr die Übrigen vernichten.
[47:56] Dadurch nämlich, dass ihr mich durch die Werke eurer Hände zöhnt, indem ihr anderen Göttern räuchert im Land Ägypten, wohin ihr gegangen seid, um euch dort aufzuhalten, euch selbst zum Verderben und damit ihr zum Fluch und Schimpfwort werdet unter allen Heidenvölkern der Erde. Gottes Plan war doch, dass sie das Missionsvolk sind, dass sie die Herrlichkeit Gottes in die Welt tragen. Aber ihr beständiger Ungehorsam, der sich scheinbar nicht mal heilen lässt, macht es immer schlimmer und schlimmer.
[48:20] Und dann sagt er: „Sie sind noch nicht gedemütigt bis zum heutigen Tag. All das, was sie erlitten haben, hat ihr Herz nicht gebrochen.“ Das ganze Drama der Zerstörung Jerusalems hatte keine Buße gezeigt. Und so sendet Gott eine Gerichtsbotschaft an diese Übrigen. Eine sehr dramatische Gerichtsbotschaft, von der wir aber zumindest den Vers 14 lesen wollen, weil er einen kleinen Hoffnungsschimmer enthält.
[48:46] „Und von dem Überrest von Juda, der in das Land Ägypten gekommen ist, um sich dort als Fremdling aufzuhalten, wird niemand übrig bleiben, noch entkommen. Und wieder ins Land Juda zurückkehren, wie sie sich vorgenommen haben, sich wieder dort anzusiedeln. Sie werden nicht zurückkehren, außer einigen Entkommen.“ Ja, sie hatten schon vor, wieder nach Israel zurückzugehen, wenn nach ihrem Plan gepasst hat. Aber Gott sagt: Es wird nicht geschehen. Bis auf einige. Da wird es also wieder einige Menschen geben, die doch gehorsam sind, die doch die Gnade Gottes annehmen, ein treues Leben führen und die Gott zurückbringen kann.
[49:21] Gott gibt sein Volk nicht auf. Und wenn er von den Übrigen, die Übrigen, von denen die Übrigen und davon den Übrigen seine Verheißung wahrmachen kann, aber er findet jemanden. Gott gibt sein Volk nicht auf.
[49:38] Und was dann passiert, ist so traurig, dass man es eigentlich kaum sagen möchte. Aber die Israeliten, die werfen jetzt ihrem Jeremia vor, dass gar nichts Falsches zu sehen. Da sagen sie nämlich Vers 16: „Was das Wort angeht, dass du im Namen des Herrn zu uns geredet hast, so wollen wir nicht auf dich hören, sondern wir wollen gewiss nicht alles tun, was wir gelobt haben. Wir wollen der Himmelskönigin – das war die Maria der damaligen Zeit, also die vermeintliche Maria nicht mehr natürlich – wir wollen der Himmelskönigin räuchern und ihr Trankopfer ausgießen, wie wir unsere Väter, unsere Könige und unsere Fürsten erst in den Städten Judas und auf den Straßen Jerusalems getan hatten. Damals hatten wir Brot in Fülle und es ging uns gut. Wir lebten kein Unheil.“ In anderen Worten: Solange wir den Götzen dienten, ging es uns gut. Als wir anfingen auf dich zu hören, ging es uns schlecht. Und wenn wir der Himmelskönigin, Vers 18, sobald wir aufhörten, der Himmelskönigin zu räuchern und Trankopfer auszugießen, hat es uns überall gefehlt und wir wurden durch Schwert und Hungersnot aufgerieben.
[50:33] Also hier, was hier im Wesentlichen steht ist, ein offenes Bekenntnis zum Heidentum. Und das ist so krass. Der Ungehorsam führt so weit, dass irgendwann Gutes Böses und Böses Gut genannt wird. Und man sagt: „Uns ging es deswegen gut, weil wir Götzendienst getan haben. Und als wir aufhörten mit dem Götzendienst, ging es uns schlecht. Und deswegen machen wir jetzt Götzendienst. Und wir wollen mit Gott nichts mehr zu tun haben.“
[51:02] Jeremia antwortet darauf und wiederholt seine Gerichtsbotschaft und sagt dann in Vers 28: „Es wird zwar ein zählbares Häuflein mit dem Schwert entkommen, aus dem Land Ägypten ins Land Juda zurückkehren. Aber der ganze Überrest von Juda, der in das Land Ägypten gekommen ist, um sich dort aufzuhalten, wird erfahren, wessen Wort sich bestätigen wird, das meine oder das ihre.“ Er sagt: Von den Übrigen wird die Mehrheit verloren gehen.
[51:34] Das finde ich interessant. Das finde ich sehr interessant. Ellen White sagt etwas sehr ähnliches. Sie sagt, die Mehrheit wird die Gemeinde verlassen und nur eine Minderheit wird bleiben. Und so wie damals diese Minderheit dann nach Jerusalem zurückkehrte und dann die Plätze aufgefüllt worden sind von Juden, die dann zurückkehrten aus Babylon, so sagt uns Ellen White, dass wenn die Mehrheit die Gemeinde verlässt, die Plätze aufgefüllt werden von Menschen aus anderen Kirchen, aus Babylon. Es scheint so zu sein, dass diese Geschichten hier in Jeremia 40 bis 44 eine größere typologische Bedeutung haben, als sie es vielleicht realisieren.
[52:18] Und dann gibt es eine letzte Prophezeiung, in Vers 29 und 30, dass Babylon tatsächlich Ägypten besiegen wird. Interessanterweise gab es 4582 dann einen Feldzug Nebukadnezars gegen Ägypten. Auf diesem Zug wurden auch Moab und Ammon von Babylon erobert, dort, wo Ismael ja sich hinbringen wollte. Und all das, was Gott sagte, erfüllte sich am Ende, mussten auch die Ägypter sich Babylon beugen. Es gibt keine Möglichkeit, vor Gottes Wort zu fliehen.
[52:47] Und Gott ist so gnädig, dass er sich früh aufmacht und uns warnt vor der Selbstzerstörung. Wir können uns noch so klug und weise halten und denken, wir können einen Weg finden außerhalb der Inspiration, um ein glückliches Leben zu haben. Wir werden feststellen, es wird immer und immer daneben gehen. Warum nicht heute aus der Geschichte lernen? Warum nicht heute kehrt machen, solange wir noch kehrt machen können? Warum nicht heute einfach umdrehen und sagen: Wir wollen nicht weiter auf diesem Weg ins Verderben gehen, wir wollen nicht nach Ägypten, wir wollen das tun, was Gott sagt. Und wenn es uns in Probleme mit irgendjemandem bringt, aber selbst der König Nebukadnezar ist in der Hand von Gott, dann gibt es keinen Menschen, der uns etwas schaden kann, was uns wirklich schadet. Lasst uns treu sein zu Gott. Lasst uns auf seine Propheten hören. Lasst uns auf den Geist der Weisung hören und das tun, was er sagt, egal, ob es uns gefällt oder nicht. Lasst uns das nicht nur sagen, sondern auch tun. Denn das wäre die größte Lektion, die wir lernen können aus dem Buch Jeremia. Es ist dein Wunsch, dem Propheten zu folgen, dem Wort Gottes zu folgen, dem Geist der Weisung zu folgen, egal, ob es dir sinnvoll erscheint oder nicht. Gott segne deine Entscheidung.
[53:56] Nächste Woche werden wir abschließend uns fragen, was wir lernen können aus dem Buch Jeremia und das Ganze zusammenfassen. Und ich hoffe, dass dieses Studium uns alle ein wenig näher zu Gott gebracht hat und ein wenig mehr die Augen geöffnet hat, welche Bedeutung und Wichtigkeit das prophetische Wort auch in unserem Leben hat. Gott segne dich im Studium seines Wortes. Amen.
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