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In diesem zweiten Teil der Predigtreihe „Es hat begonnen“ beleuchtet Christopher Kramp die Geschichte der Siebenten-Tags-Adventisten im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Er thematisiert die Bedeutung der Gesundheitsarbeit als integralen Bestandteil des Evangeliums und die Herausforderungen bei ihrer Umsetzung. Anhand von Beispielen wie Dr. John Harvey Kellogg wird gezeigt, wie Missverständnisse und Konflikte die Verbreitung dieser wichtigen Botschaft behindern konnten. Die Predigt ermutigt dazu, aus der Geschichte zu lernen und die Verbindung von Evangelium und Heilung im eigenen Leben praktisch umzusetzen.


Weitere Aufnahmen

Serie: Predigten

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Transkript

[0:00] Gesegneten Sabbat. Wer von euch war letzten Sabbat mit beim Josol-Camp? Oh doch, eine ganze Menge, fantastisch. Also ich muss selbst sagen, das ganze Wochenende hat mich sehr gestärkt, sehr gesegnet. Und wenn ihr nicht da gewesen seid oder nicht die ganze Zeit da gewesen seid, dann schaut euch wirklich die Aufnahmen an. Ganz besonders möchte ich euch empfehlen auch die Vorträge von dem Dave Fiedler über die Adventgeschichte, die waren äußerst interessant. Da gab es eine ganze Menge von Geschichten zu erfahren. Was ihr auf jeden Fall verpasst habt und was ihr nicht mehr nachschauen könnt, sind die Andachten, die er am Nachmittag gehalten hat in der Natur. Also ich weiß nicht, wer am Freitagnachmittag dabei war, als er mit seinem Übersetzer auf diesem Kletterfelsen saß und alle anderen so in den Felsen drumherum. Das war ganz gigantisch. Man kann wirklich etwas lernen aus unserer Geschichte. Ellen White sagt uns: "Wir haben nichts zu befürchten für die Zukunft, es sei denn, wir vergessen, wie Gott uns in der Vergangenheit geführt hat." Und in der Regel und auch so beim Josol-Camp beschäftigen wir uns vor allem mit der Frühgeschichte der Adventgemeinde, mit den Milleriten und wie dann der Sabbat und Ellen White und all das kam. Aber in dieser kleinen Predigt-Serie, von der wir heute den zweiten Teil haben wollen, wollen wir uns mit einer Geschichte unserer Gemeinde beschäftigen, die nicht ganz so weit zurückliegt, sondern eher so Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts sich abgespielt hat. Wir hatten vor, ich glaube vor drei Wochen, den ersten Teil dieser Predigt. Es hat begonnen. Wer von euch war damals beim ersten Teil mit dabei? Okay, doch einige, aber doch so viele nicht dabei, dass wir zumindest mal fünf Minuten uns gleich nehmen werden, um nochmal eine kurze Wiederholung zu machen, was wir dort studiert haben, was wir festgestellt haben, damit wir dann alle auf der selben Seite sind, um dann weiterzugehen. Wenn man sich unsere Geschichte anschaut, dann findet man viele interessante Persönlichkeiten. Und ihr werdet feststellen, vieles von dem, was damals passiert ist, lässt sich oftmals fast eins zu eins übertragen in unsere Zeit. Es lohnt sich, von unserer Geschichte zu lernen. Es lohnt sich auch, wie soll ich sagen, freundlich zu sein, die viele Fehler gemacht haben in unserer Geschichte. Und Gott hat uns diese Geschichte gegeben, damit wir vorbereitet sind für den lauten Ruf, wie wir sehen werden.

[2:46] Bevor wir also beginnen, würde ich euch einladen, wo ihr seid und wo es möglich ist, dass wir kurz hinterknien für ein Anfangsgebet und dann beginnen. Lieber Vater im Himmel, wir kommen jetzt zu dir, so wie wir sind. Wir haben viele Ideen über das, was dein Werk eigentlich bedeutet. Aber heute wollen wir erneut lernen, wie du dir vorstellst, wie dieses Werk abgeschlossen wird, was dein Plan eigentlich schon immer gewesen ist. Wir möchten nicht bitten, dass uns die Worte, die wir lesen werden aus der Bibel und aus dem Geist der Weissagung von unseren Pionieren, dass uns das inspirieren wird, darüber nachzudenken, wie wir noch vollständiger deinem Ideal nahe kommen können. Wir möchten nicht bitten, dass du uns Weisheit schenkst, aus der Geschichte die Lektionen herauszuziehen, die wirklich nötig sind für uns. Und wir danken dir, dass du alles Störende fernhalten wirst und dass du zu uns sprechen wirst, dass wir nichts zu befürchten haben für die Zukunft. Es sei denn, wir vergessen, wie du uns in der Vergangenheit geführt hast. Sei du jetzt bei uns und segne uns. Im kostbaren und teuren Namen Jesu. Amen.

[3:55] Also nehmen wir uns fünf Minuten für alle, die letztes Mal nicht da gewesen sind und für alle, die letztes Mal da gewesen sind, dass wir uns kurz vor Augen führen, was wir bisher gelernt haben in dieser interessanten Geschichte vom Holzhacken und dem lauten Ruf. Wir hatten angefangen damit, dass vor fast 2000 Jahren zwei Menschen angeklagt worden sind, weil sie einen Menschen gesund gemacht haben. Ihr erinnert euch? Petrus und Johannes standen vor dem Sanhedrin, weil sie einen Menschen gesund gemacht hatten. Und sie wurden angeklagt und in ihrer Verteidigungsrede sagten sie: "Wenn wir heute wegen der Wohltat an einem kranken Menschen verhört werden, durch wen er geheilt worden ist, dann fährst zwölf weiter unten und es ist in keinem anderen das Heil, denn es ist kein anderer Name unter dem Himmel, den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden sollen." Und wir haben damals festgestellt, dass im Griechischen das Wort für "geheilt" und das Wort für "gerettet" im Sinne von Evangelium dasselbe Wort ist. Im Denken der Bibel gibt es keinen großen Unterschied zwischen der körperlichen Heilung und der seelischen Heilung, der Heilung des Herzens. Wir haben dann festgestellt, dass Ellen White unsere Aufgabe so genau definiert, dass man fast schon erstaunt ist, wie genau sie das tut. Sie sagt: "Unsere Aufgabe ist klar definiert, nicht irgendwie, sondern klar definiert. So wie der Vater seinen einzigen geborenen Sohn in die Welt sandte, ebenso sendet Christus uns seine Jünger als seine medizinischen Missionare." Also Ellen White sagt, jeder von uns hat eine klar definierte Aufgabe, wir sollen medizinische Missionare sein. Wir haben auch festgestellt, dass sie gesagt hat, dass Gott uns ein Werk gegeben hat, das identisch ist mit dem Werk, das Christus tat. Und wir haben festgestellt, dass wenn die Arbeit der Prediger und der Evangeliumsmitarbeiter und die der Gesundheitsmissionare getrennt ist, sagt Ellen White, dass dann das schlimmste Übel auf unsere Gemeinden gelegt wird. Mit anderen Worten, wenn man die Gemeinde wirklich lahmlegen will, wenn man wirklich ihr schaden will, muss man zusehen, dass die Prediger und die Evangelisten und Bibelarbeiter eine Sache machen und die Gesundheitsleute eine andere Sache, dass die getrennt sind. Mit dem als Ausgangspunkt haben wir festgestellt, dass der wirkliche Hintergrund der große Kampf ist. Satan hatte sich gefragt, ob Jesus wirklich Gott ist und ob das, was Jesus tut, wirklich gut ist. Wir hatten festgestellt, dass Gott diese Anfrage, diesen Zweifel auf eine doppelte Weise beantwortet hat und zwar durch Worte und durch Taten. Zunächst einmal hat er Jesus auf den Thron gebeten und hat erklärt mit Worten, er ist Gott. Aber dann hat Jesus durch seine Taten der Schöpfung demonstriert, dass die Worte Gottes wahr waren. Wir hatten gesehen, dass Gott immer so arbeitet, dass er Dinge sagt und dann auch demonstriert. Die Bibel sagt sogar, dass durch die Werke Gottes die Theologie deutlich wird. Durch das, was Gott getan hat, wird deutlich, wie er ist. Sein Wesen, sein Charakter wird durch seine Werke, durch Nachdenken wahrgenommen. Jesus selbst, das Wort wurde Fleisch. Er demonstrierte den Charakter Gottes ganz handgreiflich sozusagen. Schon immer hatte Gott gesagt, dass er barmherzig und gütig und gnädig von großer Gnade und Treue ist. Aber diese Worte wurden erst wirklich interpretiert, erfahrbar in einem vollständigen Sinne, als Jesus das in die Tat umsetzte als Fleisch gewordenes Wort. Wir hatten gesehen, dass die Aufgabe von Jesus die war, zu lehren, zu verkündigen und zu heilen. Und wenn wir gerufen sind, ein identisches Werk wie Jesus zu tun, dann ist auch unsere Aufgabe, zu predigen, zu lehren und gesundheitsmissionarische Arbeit zu tun. Wir hatten gesehen, dass am Kreuz von Golgatha der größte Beweis, die größte Demonstration des Charakters Gottes stattfand. Gott war schon immer so, wie das Kreuz es offenbarte. Aber das Kreuz demonstrierte das, was schon immer wahr war. Und dann haben wir einige interessante Zitate von Ellen White gelesen. Nämlich: "Selbstverleugnende Liebe ist das Gesetz des Lebens. Der Kreislauf der Wohltätigkeit ist das Gesetz des Lebens. Das große Gesetz des Lebens ist ein Gesetz des Dienstes. Geben bedeutet Leben. Selbstaufopferung ist das Gesetz der Selbsterhaltung. Selbstverleugnung ist das große Gesetz der Selbsterhaltung. Und Selbsterhaltung ist das Gesetz der Selbstzerstörung." Gedanken, die alles weltliche Denken auf den Kopf stellen. Im Himmel, im Reich Gottes existiert alles aufgrund dieses Gesetzes. Und wenn wir der Welt das Reich Gottes predigen wollen, haben wir gesagt, reicht es nicht, gute Theorien, wahre Theorien, korrekte Informationen weiterzugeben. Wir müssen das Gesetz des Lebens den Menschen interpretieren, demonstrieren durch unser Tun.

[9:56] Das hat uns zur Adventgeschichte gebracht. Wir haben festgestellt, wie Gott der Adventgemeinde nicht nur eine dreifache Engelsbotschaft, eine Theorie der Wahrheit gab, sondern in der Gesundheitsbotschaft auch eine Möglichkeit, das ganz praktisch auszuleben. Wir hatten festgestellt, und ihr erinnert euch vielleicht an diesen Fall von der Hannah Moore, dass die frühen Adventisten manchmal Probleme hatten, würdige Menschen, die Hilfe brauchten, überhaupt anzunehmen. Und wenn ihr euch da nicht in alle Details erinnert, ihr könnt die Aufnahmen anschauen. Wir haben dann festgestellt, dass 1888 Gott diese beiden jungen Prediger antrieb, Jones und Wegener, die die Gemeinde zurückgerufen haben zu wahrer Glaubensgerechtigkeit, zur wahren Liebe, zum wahren Evangelium. Aber, und das ist vielfach untergegangen in der Adventgeschichtsschreibung, dass zum gleichen Zeitpunkt Gott einen anderen Mann berief, nicht nur die Theorie zu predigen, sondern die Praxis der Gemeinde nahezubringen. Und dieser Mann war John Harvey Kellogg, den meisten bekannt als Erfinder der Kellogg's Cornflakes. Der vielleicht brillanteste und genialste Mensch, der die Adventgemeinde jemals bevölkert hat. Also Kellogg war jemand, vielleicht kennt ihr die Geschichte, wenn er ein Buch geschrieben hat, wer von euch hat schon ein Buch geschrieben? Wenn Kellogg ein Buch schrieb, dann hat er sich nicht an den Schreibtisch gesetzt und hat jetzt geschrieben, er hat sich auf sein Fahrrad gesetzt, ist im Kreis gefahren und hat dabei sein Buch diktiert, einem Sekretär, der mitgeschrieben hat. So ein Typ war das. Unglaublich brillant, hat tausend Ideen gehabt und Ellen White sagt uns, wir haben das letzte Mal gelesen, dass 1888 Kellogg sich bekehrte, obwohl er schon lange Adventist war, schon lange getauft, schon Doktor im Krankenhaus, im Sanitarium der Adventisten, aber 1888 verstand er das Evangelium und das erste, was er tat war: "Wir müssen gute Werke tun, wir müssen irgendetwas tun für die Menschen." Erinnert euch an die Geschichte, wie dann dieses Waisenhaus gegründet worden ist, könnt ihr euch erinnern, wo dort angeblich 222 Waisen an der Adventgemeinde waren, aber Kellogg fand raus, es sind 500 mehr und die Adventgemeinde irgendwie gar nicht so richtig in Schwung kam, irgendwie dafür zu spenden, bis dann eine Nicht-Adventistin kam und eine Riesenbatzen Geld auf den Tisch legte und sagte: "Davon bauen wir jetzt das Waisenhaus." Und ihr erinnert euch vielleicht auch, wie dann Kellogg auf die Idee kam und sagte: "Okay, Waisenhaus schön und gut, aber wir müssen den Menschen in der Stadt helfen, wir müssen nach Chicago gehen und dort den Armen und den Bedürftigen und den Besoffenen helfen." Und dann haben wir gelernt, wie er diese Idee der sogenannten Christian Help Bands gestartet hat. Kleine Gruppen, hier nochmal eine kleine Übersicht, neun Personen, die gemeinsam als kleine Gruppe in die Stadt gehen, so als mobile Einsatztruppe, nach Menschen suchen, die Hilfe brauchen, medizinische Hilfe, einfach verschiedene Dinge. Nur nochmal als Erinnerung, was sie getan haben: Sie haben Holz gespalten für zwei alte Damen, sie haben Räume gefunden, sie haben Untermieter gefunden für Leute, die was zum Vermieten suchten, sie haben medizinische Hilfe angeboten, sie haben manche Leute einfach zum Krankenhaus gebracht oder einem Mann geholfen, dessen Frau im Krankenhaus war, sie haben Patienten besucht, Bibellesungen gehalten, manchmal einfach nur Medizin von der Apotheke geholt. Dinge, die wir vielleicht als völlig unspektakulär bezeichnen würden, aber just in jenen Monaten, als diese Dinge in Battle Creek anfingen, sich zu vermehren, systematisch umgesetzt zu werden, als die Gemeinde anfing, systematisch Hilfsarbeit zu leisten, sagte Ellen White, und das war der Kernsatz letztes Mal, sie sagte einen Satz, den es vorher von ihr nie gegeben hatte und den sie später nie wieder gesagt hat. Sie sagte: "Die Zeit des Testes steht vor uns, denn der laute Ruf des dritten Engels hat bereits in der Offenbarung der Gerechtigkeit Christi dem Sünden vergebenden Erlöser begonnen." Ende 1892 sagt Ellen White, der laute Ruf hat begonnen. Jahrzehntelang hat sie geschrieben: "Bald kommt der laute Ruf", und Ende 1892 sagt sie: "Der laute Ruf hat begonnen." Ja, natürlich, Jones und Wegener haben Gerechtigkeit aus Glauben gepredigt, aber gleichzeitig hatte Kellogg der Gemeinde gelehrt: "Wir müssen die Gerechtigkeit aus Glauben, die wir in Seminaren und Predigten darlegen, die müssen wir ins alltägliche Leben übertragen, ansonsten ist es nur blanke Theorie."

[14:37] Vielleicht erinnert ihr euch auch, das war der letzte Punkt, den wir letztes Mal hatten, dass Kellogg dann die Idee hatte, anlässlich der Weltausstellung in Chicago ein Riesending aufzuziehen, und dass wieder eine gewaltige Spende kam, fast eine Million Dollar umgerechnet, und er Gott gepriesen hat als Gebetserhöhung, aber es stellte sich raus, dass diesmal Ellen White ihn in etwas getadelt hat. Dieses Geld hätte für Afrika verwendet werden sollen, und wir haben damals schon gesehen, es gibt so einen feinen Grad zwischen Nichtstun und Zuvieltun. Es gibt so einen feinen Grad, christliche Hilfsarbeit zu tun, ohne alles Geld in eine Sache zu stecken und dabei andere Felder zu vernachlässigen. Genau an dieser Stelle wollen wir weitermachen, wir wollen uns die Frage stellen, was ist passiert in der Adventgemeinde, dass bis heute diese Idee zu kämpfen hat, das Evangelium und die Gesundheit zusammenzubringen. Ende 1892, wie gesagt, sagt Ellen White, der Lautruf hat begonnen. Ein Jahr später, wenige Monate später, gab es eine neue Generalkonferenz, 1893 Generalkonferenz. Stellt euch vor, ihr seid eingeladen zur Generalkonferenz der Siebenten-Tags-Adventisten, und ihr wisst, vor wenigen Monaten hat der Prophet gesagt, der Lautruf hat begonnen. Das wäre doch eine spannende Generalkonferenz, oder? Da würde man doch erwarten, das ist bestimmt die letzte, oder? Und die Konferenz ist relativ berühmt, E.T. Jones hat dort einen Haufen von Predigten gehalten, sehr gute Predigten, aber auch Kellogg bekam das Recht, achtmal auf dieser Generalkonferenz zu sprechen. Er hatte einen Plan, er wollte der Gemeinde etwas mitteilen. Das Problem war, dass schon zu dem Zeitpunkt Kellogg und die Prediger nicht gerade die besten Freunde waren. Die Prediger hatten immer das Gefühl, der Kellogg betont die Gesundheitsarbeit zu sehr, und der Kellogg hat gleichzeitig sich beschwert, dass die Prediger nicht so richtig hinterherkommen mit der Gesundheitsbotschaft. Um mal Ellen Whites Kommentar dazu zu hören: "Der Herr hat seinen Diener, Dr. Kellogg, sehr erhöht und gesegnet." Sie nennt ihn manchmal auch "Gottesarzt". Er hat ihn gebraucht, seinen Namen auf der Erde zu verherrlichen und dem Werk Charakter zu verleihen, aber es gibt einige, die handeln, als ob sie beauftragt wären, gegen ihn zu arbeiten. Da gab es also mitten, als der laute Ruf erschall, Leute in der Gemeinde, die irgendwie das Gefühl hatten, man müsste ein bisschen gegen den Kellogg arbeiten, ein bisschen ihn sticheln und gegen ihn sein. Und sie sagt relativ unverblümt: "Sie wissen nicht, dass sie auf Satans Seite arbeiten."

[17:32] Nun, um fair zu sein, muss man sagen, dass der Kellogg auch nicht gerade vielleicht der demütigste Mensch auf Erden war. Er hatte so diese Gabe, sehr gut zu reden und entsprechend manchmal auch seinen Predigern so ein mitzugeben, wenn die dann mal wieder nicht so wirklich hinterherkamen mit der Gesundheitsreform. Zum Beispiel hatte er nur zwei Jahre vorher auf der Generalkonferenz vor der versammelten Predigerschaft Folgendes gesagt: "Die Verpflegungsstände auf unseren Campmeetings in den letzten zehn Jahren haben aufgehört, Gleichnisse für unser Volk und Außenstehende bezüglich gesunder Ernährung zu sein. Schmalzkräcker, Ingwerbissen, verschiedene Torten und Kuchen, getrocknetes Rindfleisch, geräucherter Heilbutt, Dorsch, geräucherter Hering, gefärbte Süßigkeiten und ungesunde Knappereien, eine ausreichende Menge an Käse, reif genug, um begraben zu werden und lebendig genug, um sich zu bewegen, wenn nicht in einem Käfig gehalten. Und im Hintergrund kann man für gewöhnlich eine Ansammlung von Würstchen sehen, angeblich Bologna, was bedeutet, dass es sich ganz sicher nicht um reines Schweinefleisch, sondern um eine Mischung der verschiedenen Tiersorten handelt." Das stellt er sich hin und predigt das vor den Predigern und sagt: "Ihr seid verantwortlich, was ist da los? Unsere Campmeetings sollen doch Gesundheitsbotschaft predigen." Und Ellen White sagt an anderer Stelle, die Prediger, die hatten die Angewohnheit, dann oftmals, wenn er predigte, gar nicht überhaupt erst zur Predigt zu kommen und sich dann später bei den Geschwistern zu entschuldigen und sagen: "Naja, der Kellogg, der ist halt immer so extrem, wir sind nicht so extrem, wir essen noch mal ein bisschen Fleisch, wir essen noch mal ein bisschen Kaffee, es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird." Und der Kellogg hat dann ziemlich einen Rabatz gemacht. Und Ellen White sagt Folgendes hier: "Ich spreche zu meinen Geschwistern in Amerika: Warum zeigen unsere Prediger so wenig Interesse an der Gesundheitsbotschaft? Die Botschaften, die über dieses große und wichtige Thema gegeben wurden, schienen einigen Predigern nicht zu schmecken. Sie haben ein paar schwache Bemühungen gemacht, sich zu reformieren, aber weil sie es nicht wirklich umsetzen wollten, fielen sie in eine Gleichgültigkeit dem Thema gegenüber. Und jetzt Achtung, dann begannen sie Fehler bei denen zu suchen, die diese Reform vertraten, um ihren eigenen Kurs zu rechtfertigen." Das ist ein ganz typischer Mechanismus und wenn ihr nur ein bisschen mal euch umschaut, findet ihr den tausendmal, auch in unserer Zeit. Da gibt es eine Reform, die Ellen White sagt, und dann sagt man: "Irgendwie gefällt es mir nicht, aber ich versuche es mal." Und man macht so ein paar halbherzige Bemühungen, klappt gar nicht. Dann sagt man: "Naja, ist ja egal, wird schon nicht so wichtig sein." Aber dann sind diese anderen Leute, die ständig davon reden, das geht einem auf die Nerven. Wenn da ständig von diesen Sachen geredet wird, die man selbst noch gar nicht so richtig umsetzt und dann um eine Entschuldigung zu finden, fängt man an Fehler zu suchen bei dem anderen. Und ob ihr es glaubt oder nicht, das ist relativ einfach, weil jeder hat Fehler. Und wenn man nur lang genug nach Fehlern sucht, findet man welche. Und wenn man das Vergrößerungsglas nur nah genug dran hält, werden die Fehler ganz groß. Und wenn man die noch weiter erzählt, werden sie noch größer. Und das begann schon in jener Zeit.

[20:43] Nun, Ellen White sagt, diese Männer wurden die erbittertsten Feinde der Gesundheitsbotschaft. Und das war nicht nur ein Prediger oder zwei Prediger damals, das war so, man würde fast sagen, so fast die Mehrheit der Prediger. Jetzt stellt euch vor, also 1893, Ellen White sagt, der laute Ruf hat begonnen. Generalkonferenz angefüllt mit lauter Predigern, die der Meinung sind, wir müssen jetzt Daniel-Offenbarung predigen, der laute Ruf hat begonnen. Und Kellogg stellt sich hin und will zu jenen Predigern seinen Plan der Gesundheitsmission präsentieren. Also er hatte ganz schön was vor sich. Die erste große Überraschung ist, wenn man seine Predigten lesen will, man muss dazu sagen, damals wurden alle Predigten mitgeschrieben. Damals gab es noch keine Videokameras, also das, was der Thomas und der Erik und so weiter und der Savas heute machen, das waren damals Stenografen, die haben alles mitgeschrieben. Dann wurde das abgedruckt und dann konnte man das lesen. Von jeder Generalkonferenz wurde jede Predigt aufgeschrieben, jede Morgenandacht, jede Organisationssitzung. Man nimmt sich also die Predigten von 1893 und sucht die Vorträge von Kellogg. Und die Überraschung ist, die sind nicht da. Die offizielle Begründung ist, das Geld hätte nicht ausgereicht, die auch noch abzudrucken. Aber Historiker sind sich heute fast sicher, irgendjemand hatte entschieden: "Wir haben keine Lust schon wieder irgendwelche Kommentare über lebendigen Käse zu hören. Wir drucken das einfach nicht ab." Was bedeutet, dass für die letzten 100 Jahre fast niemand wusste, was Kellogg 1893 auf der Generalkonferenz über Gesundheitsmissionen gepredigt hat. Er bekam einige Predigten, von denen wir zumindest heute durch andere Quellen dann die Originalmanuskripte haben. Seine erste Predigt am 5. Februar war einfach: "Bedarf und Gelegenheiten für medizinische Missionsarbeit." Er hat ein bisschen erzählt, welche Erfahrungen er gemacht hat. Er hat erzählt von einem Mann, der so begeistert war von der Gesundheitsbotschaft, dass er seine Frau nach Battle Creek gesandt hat, um zu sagen: "Lern mal richtig kochen." Und dann hat der Kellogg dieser Frau beigebracht, wie man gesund kocht und da war der Mann ganz begeistert. So hat er Geschichten erzählt und schaut mal, die Leute sind begeistert für unsere Gesundheitsbotschaft. Dann die zweite Predigt war über den medizinischen Missionar selbst. Also wenn ich anderen die Gesundheitsbotschaft predige, dann muss ich ja selbst die Gesundheitsbotschaft annehmen, oder? An der Stelle gab es schon manche Sticheleien gegen die Prediger, weil die waren, wie gesagt, nicht die größten Freunde der Gesundheitsbotschaft. Und dann kam es zur dritten Predigt und dieser dritten Predigt hieß: "Die Pflicht, gute Werke der Nächstenliebe und Wohltätigkeit zu tun." Und hier tat Kellogg etwas sehr Simples. Er nahm die Bibel und ging von einem Vers zum nächsten, um zu zeigen, wie deutlich die Bibel über gute Werke spricht. Schauen wir mit mir zum Beispiel einige Verse an, die er zitiert hat.

[24:46] 1. Timotheus 6, und dort ab Vers 17. 1. Timotheus 6, und dort ab Vers 18. 1. Timotheus 6, ab Vers 18. Da heißt es von diesen Menschen hier: "Sie sollen Gutes tun, reich werden an guten Werken, freigebig sein, bereit mit anderen zu teilen, damit sie das ewige Leben ergreifen und so für sich selbst eine gute Grundlage für die Zukunft sammeln." Also Gutes tun, reich werden an guten Werken, freigebig sein, bereit mit anderen zu teilen. Weiter zum Beispiel in 2. Timotheus 3, Vers 17: "Damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet." Nächstes Buch, Titus. Titus 3, und dort Vers 8: "Glaubwürdig ist das Wort, und ich will, dass du dies mit allem Nachdruck bekräftigst, damit die, welche an Gott gläubig wurden, darauf bedacht sind, eifrig gute Werke zu tun. Dies ist gut und nützlich für die Menschen." Oder Vers 14: "Die Unseren sollen aber auch lernen, zur Behebung der dringenden Nöte eifrig gute Werke zu tun, damit sie nicht unfruchtbar sind." 1. Johannes, ein bisschen weiter. 1. Johannes, Kapitel 3, und dort ab Vers 17. 1. Johannes 3, Vers 17: "Wer aber die Güter dieser Welt hat und seinen Brüdern Not leiden sieht und sein Herz vor ihm verschließt, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm? Meine Kinder, lasst uns nicht mit Worten lieben, noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit."

[25:43] Der ging so weit zu sagen, dass er manchmal gesagt hat: "Schaut her, der Jakobus sagt, wir werden ja nicht nur aus Glauben gerechtfertigt, sondern auch durch Werke." Wohlgemerkt zur selben Generalkonferenz, wo A.T. Jones sagt: "Wir werden durch Glauben allein gerechtfertigt." Der Fokus war: Gerechtigkeit aus Glauben, Glauben, Glauben, Glauben, Glauben. Alle wollten hören: Glauben. Und Kellogg sagt: "Ja, ja, das stimmt schon, aber wir müssen auch gute Werke tun. Wir müssen was für unsere Nächsten tun. Wenn wir nur reden", sagt er den Predigern, "wenn wir nur predigen, dann werden wir es nie vollenden."

[26:11] Jesaja 1, Vers 16, noch ein Beispiel. Jesaja 1, Vers 16. Dort sagt er: "Wascht, reinigt euch, tut das Böse, das ihr getan habt, von meinen Augen hinweg. Hört auf, Böses zu tun, lernt Gutes tun, trachtet nach dem Recht, helft dem Bedrückten, schafft der Weise Recht, führt den Rechtsstreit für die Witwe." Also die Delegierten waren wahrscheinlich erstaunt, wie viele Verse es gibt, die davon sprechen, dass wir gute Werke tun sollen. Ist eine offensichtliche Pflicht des Christen.

[26:50] Nun, Kellogg bekam eine weitere Gelegenheit und das war am 12. Februar desselben Jahres. Diesmal predigt er über Glaube und Werke und diesmal hat er erst auf die Gleichnisse Jesu abgesehen. Also wenn ihr an die Gleichnisse Jesu denkt, dann fallen euch bestimmt viele Gleichnisse ein, wo es darum geht, dass man gute Werke tun soll, oder? Manche Gleichnisse waren so offensichtlich, die brauchten keine Auslegung mehr. Stellt euch vor, ihr predigt über den barmherzigen Samariter zu einer Gruppe von Predigern, die kaum Gesundheitsarbeit tun möchte. Das erklärt sich von alleine. Der Priester, der vorbeigeht, der Levite, der vorbeigeht und dann kommt der ungläubige Samariter. Die Eigentümer und Adventisten tun kaum was für die Gesundheitsarbeit und die Fremden bezahlen uns zu Waisenhäusern. Peinlich. Und der Kellogg hatte diese Angewohnheit, das immer wieder zu betonen und zu betonen und zu betonen und zu betonen und zu betonen. Und manch einer wurde schon etwas ungeduldig. Und als er dann zu Matthäus 25 kam und deutlich gemacht hat: "Schaut her, wenn ihr in den Himmel kommen wollt, was wird das entscheidende Kriterium sein, wenn die Schafe und die Böcke getrennt werden? Wird das Kriterium sein: Hast du die richtige Prophetieauslegung gehabt? Hast du die richtige Botschaft von Gerechtigkeit aus Glauben gehabt?" Was ist das Kriterium bei den Schafen und Böcken? Helft mir, was ist das Kriterium? Ja? Ja, hast du die Hungrigen gespeist? Hast du die Nackten gekleidet? Hast du die Gefangenen besucht?

[28:25] Und er war fast fertig mit seiner, das ist die längste Predigt von allen gewesen, die ging über 70 Minuten oder so. Und als er fast fertig war, kam er dann zu der Passage, die Ellen White wahrscheinlich mit am häufigsten zitiert, wenn es um Gesundheitsarbeit in der Endzeit geht. Weiß jemand, welche Passage der Bibel das ist, die Ellen White wie keine andere zitiert, wenn es um Gesundheitsarbeit in der Endzeit geht? Ganz genau, Jesaja 58. Dort heißt es: "Warum fasten wir und du siehst es nicht? Warum kasteien wir unsere Seelen und du beachtest es nicht. Seht, an euren Fastentagen geht ihr euren Geschäften nach und treibt alle eure Arbeite an. Seid ihr fastet, um zu zanken und zu streiten und drein zu schlagen mit gottloser Faust. Ihr fastet gegenwärtig nicht so, dass euer Schreien in der Höhe Erhöhung finden könnte. Meint ihr, dass mir ein solches Fasten gefällt, wenn der Mensch sich selbst einen Tag lang quält und seinen Kopf hängen lässt, wie ein Schilfhalm und sich in Sacktuch und Asche bettet. Willst du das ein Fasten nennen und einen den Herrn wohlgefälligen Tag?" Jetzt kommt der entscheidende Punkt, hört genau zu. "Ist nicht das ein Fasten, an dem ich gefallen habe, dass ihr ungerechte Fesseln losmacht, dass ihr die Knoten des Joches löst, dass ihr die Unterdrückten freilasst und jegliches Joch zerbrecht. Besteht es nicht darin, dass du dem Hungrigen dein Brot brichst und du Arme verfolgt in dein Haus führst, dass wenn du einen Entblößten siehst, du ihn bekleidest und sich von deinem eigenen Fleisch nicht entziehst." Und was ist das nächste Wort, das hat Kellogg fasziniert. Was ist das nächste Wort? Dann. Was heißt dann? Das ist Bedingung und Folge, oder?

[30:07] Also Kellogg liest das, Kellogg studiert das und dann predigt er den Predigern dort: "Schaut mal, wenn wir wollen, dass das Licht hervorbricht, wie die Morgenröte, dann müssen wir das, was davor steht, zuerst getan haben, oder? Erst wenn wir das tun, was Jesaja 58 sagt, dann wird das Licht hervorbrechen." Jetzt alle von euch, die sich ein bisschen auskennen mit biblischer Prophetie, wo in der Offenbarung wird beschrieben, dass das Licht sich ausbreitet und die ganze Erde erfüllt? In Offenbarung 18 beim lauten Ruf. Als der laute Ruf um die Erde geht, das heißt, es erfüllt, wird die ganze Erde erfüllt von der Herrlichkeit Gottes. Und Kellogg scheint anzudeuten, dass der laute Ruf erst beginnen kann, wenn das geschieht. Und sein Punkt in der Predigt ist: "Leute, wir tun das nicht. Wir machen das nicht, was hier steht. Demzufolge kann es keinen lauten Ruf geben."

[31:17] Es gab eine Mittagspause, am Nachmittag war er wieder dran und in diesem Nachmittagsvortrag sagt er dann genau das. Er sagte wörtlich: "Wir brauchen nicht zu erwarten, dass der laute Ruf beginnt, solange wir nicht tun, was der Herr von uns möchte." Frage, wenn ihr gut mitgedacht habt, was haben wohl die Delegierten gedacht in dem Moment? Der laute Ruf hat doch schon begonnen. Hier sagt der Kellogg, der laute Ruf wird nicht beginnen, bevor wir nicht diese Werke tun. Aber Ellen White hatte wenige Wochen vorher gesagt: "Der laute Ruf hat schon begonnen." Und jetzt passierte, was passieren musste. Jemand meldet sich und sagt: "Entschuldigung, Dr. Kellogg, der laute Ruf hat schon begonnen." In der Generalkonferenz. Und Kellogg war ein bisschen irritiert, hat gesagt: "Naja, dann sollten wir diese Werke ja auch sehen. Dann wird das jetzt wahrscheinlich gerade beginnen." Aber er hat in der Predigt immer wieder gesagt: "Nein, der hat noch nicht begonnen." Und gegen Ende der Predigt meldet sich wieder jemand sagt: "Entschuldigung, Dr. Kellogg, glaubst du, der laute Ruf hat schon begonnen?" Und dann sagt Kellogg: "Ich weiß nicht, also ich weiß nicht, also es sieht nicht so aus."

[32:37] Und jetzt hat natürlich die Delegierten ihr gefundenes Fressen. Der Kellogg glaubt nicht an Ellen White. Ellen White sagt, der laute Ruf hat begonnen. Und hier sagt Kellogg: "Ist noch nichts los." Jetzt hast du das Problem. Ellen White hatte tatsächlich gesagt, der laute Ruf hatte begonnen. Was war Kelloggs Problem? Irgendwie konnte er nicht sehen, wie dieses Zitat mit der Realität übereinstimmt. Die Prediger waren sich ganz sicher: "Klar, Ellen White sagt, der laute Ruf hat begonnen. Jetzt gehen wir bald nach Hause. Wunderbar." Kellogg sah: "Wir müssen etwas tun. Das Werk ist noch gar nicht getan. Dann kann der laute Ruf ja gar nicht begonnen haben." Kellogg übersah zwei Worte in dem Zitat. Und zwar die: "Begonnen" und "dies ist der Anfang."

[33:29] Ellen White hatte nicht gesagt, der laute Ruf ist gerade in vollstem Erschallen. Sie sagte, der laute Ruf hat gerade begonnen. In den wenigen Dingen, die Kellogg bereits getan hatte, hatte Ellen White die Verkündung des lauten Rufes schon erkannt. Aber Kellogg hatte diesen Hang zur Gigantomanie. Und solange das Werk nicht absolut um die ganze Erde ging, konnte er den lauten Ruf gar nicht erkennen. Die Frage ist, wann beginnt ein Anfang? Was ist ein Anfang? Für Kellogg war das noch kein Anfang, aber für Ellen White war schon ein Anfang. Und auch das eine interessante Lektion für uns. Manchmal glauben wir, da müssen gewaltige Dinge passieren, wenn es schon längst begonnen hat.

[34:21] Nun, Ellen White sagte zu diesem Zeitpunkt auch: "Wir werden sehen, wie die medizinische Missionsarbeit sich mit jedem Schritt erweitern und vertiefen wird durch das Zusammenfließen von hunderten und tausenden Strömen, bis die ganze Erde bedeckt ist." Ellen Whites Idee war, überall kommen kleine Dinge dazu, wie so ein Strom, wenn so von den Bergen ein Bach und noch ein Bach und noch ein Bach alle zusammenfließen. Irgendwann hat man einen breiten Strom, der in den Ozean fließt. Aber Kellogg wollte lieber, dass es gleich von Anfang an ein breiter Strom ist. Nun, Ellen White machte deutlich, dass die Verbindung von Christus-ähnlicher Arbeit für den Körper und Christus-ähnlicher Arbeit für die Seele die wahre Interpretation des Evangeliums ist. Und so wie der laute Ruf sich im Evangelium ausbreitet, so muss sich auch die Gesundheitsarbeit ausbreiten, immer mehr werden, statt weniger.

[35:09] Kellogg hielt dann noch zwei Predigten und in seiner letzten entwickelte er eine Vision für Chicago. Und das ist mal wieder so ein Punkt, wo man sich anschnallen kann. Thomas Kellogg sagte über Chicago: "Chicago ist eine Weltstadt. Es gibt Dänen, Schweden, Norweger, Deutsche, Böhmen, Ungarn, Franzosen, Polen, Russen, Juden, Syrer, Araber, Mexikaner, Kubaner, Afrikaner, Chinesen, Japaner. Fast jede Nation des Globus ist in Chicago repräsentiert." Wäre interessant, mal über Stuttgart nachzudenken. Was für ein herrlicher Ort für eine Missionsschule. Der Herr, und jetzt hört zu, das ist was Kellogg, Kellogg war nicht einfach zufrieden mit Kleindenken. Schau mal, was für ein Mann gewesen ist. Der Herr sagt, dass wir weitreichendere Ideen brauchen. Was wir in Chicago wollen, wollen wir in New York, in Brooklyn, in Albany, in Buffalo, in Pittsburgh, Philadelphia, Cincinnati, Cleveland, Columbus, Kansas City, Omaha, St. Louis, New Orleans, San Francisco, Atlanta, Nashville, Detroit und in hundert anderen großen Städten und in tausend kleineren Städten und zwar, sagt er, jetzt sofort. Stellt euch vor, ihr seid so ein armer Delegierter, der gerade noch damit beschäftigt ist, irgendwie so theologische Debatten zu führen über Gerechtigkeit und Glauben. Froh, dass wir überhaupt ein kleines Sanitarium in Battle Creek haben, ein paar Krankenschwestern, die in Chicago gehen und denken: "Oh wunderbar, alles nicht wahr." Da kommt der Kellogg und sagt: "Wir müssen das alles tun. Wo sollen wir denn anfangen? Hilfe!" Und es geht noch weiter. Schau mal, was er sagt: "Während sich unsere Feinde vorbereiten, uns zu verfolgen und einzusperren, lasst uns uns vorbereiten, das edelste Werk auf Erden zu tun. Wenn unsere Feinde kommen, uns zu holen, lasst sie uns an der Seite der Kranken und Leidenden finden. Lasst sie uns finden, wie wir die Hungrigen sättigen und die Nackten kleiden. Die Aufrichtigen werden sehen, dass wir echte Christen sind und keine Fanatiker." Also seine Idee ist: Lasst das Sonntagsgesetz kommen. Wenn sie uns ins Gefängnis sperren, dann sollen sie uns vom Krankenbett wegzerren. Wow, was für eine Idee, nicht wahr? Und dann sagt er: "Es muss natürlich Predigten geben und Traktatverteilung, aber unsere Werke werden lauter predigen als unsere Worte." Und jetzt achtet auf den nächsten Satz. Der Mann hatte wirklich. Nun Geschwister, er predigt zu den Delegierten, der Generalkonferenzpräsident, die ganzen Leute, Vereinigungspräsidenten und so weiter. Nun Geschwister, wenn ihr wollt, dass die gesamte Siebenten-Tags-Adventistische Denomination, das heißt alle, in den nächsten zwei Jahren, nicht 20, zwei Jahren zu medizinischen Missionaren ausgebildet werden, dann könnt ihr das bewerkstelligen. Und es ist genauso ein Teil der dritten Engelsbotschaft, wie die Warnung vor dem Tier und seinem Bild und dem Mahlzeichen. 1893 sagt Dr. Kellogg, bekehrt und voll Eifer für den Herrn, liebe Geschwister, liebe Vereinigungsverbände, gab es noch nicht, liebe Prediger, liebe Buchevangelisten, liebe Evangelisten, liebe Administratoren, lasst uns die gesamte Mitgliedschaft der Adventisten in zwei Jahren zu medizinischen Missionsarbeitern ausarbeiten, ausbilden und dann gehen wir nach Hause. Aber diese Predigten wurden nicht einmal abgedruckt. Ein paar Leute hatten ihnen vielleicht die Kommentare über den Käse zu böse genommen. Es ging in die Schublade.

[38:32] Nun, vielleicht sagt ihr, aber das ist auch ein bisschen extrem, oder? Die gesamte Mitgliedschaft der Adventgemeinde zu medizinischen Missionaren ausbilden? Wir haben doch die Gesundheitsleute, oder? Wir haben doch die Krankenschwestern und die Ärzte, die sollen das doch machen, oder? Wir haben die Prediger und die Gesundheitsleute, oder? Gut, dass ihr gefragt habt. Ellen White sagt Folgendes: "Unsere Prediger, die Erfahrung haben, das Wort zu predigen, sollten lernen, einfache Behandlung zu geben und intelligent als medizinische Evangelisten zu arbeiten. Alle Evangeliumsarbeiter sollten wissen, wie man einfache Behandlung gibt, die so viel tun können, um Schmerzen zu lindern und Krankheiten zu heilen. Wenn der Buchevangelist von Ort zu Ort geht, wird er viele Kranke finden. Er sollte eine praktische Kenntnis der Krankheitsursachen haben und sollte verstehen, wie man einfache Anwendungen macht, die den Leidenden helfen." Wir gehen weiter. Im 58. Kapitel von Jesaja sagt der Herr uns deutlich, welches Werk er von uns erwartet. "Damit unsere jungen Leute für diese Aufgabe völlig vorbereitet sind, sollten kleine Sanatorien mit unseren Schulen verbunden werden." Jetzt werdet ihr sagen: "Meine Güte, wir haben ja nicht mal Schulen." Aber Gottes Plan war, dass die Schulen gleich verbunden werden mit kleinen Gesundheitszentren, dass die Schüler der adventistischen Schulen schon gleich ausgebildet werden in der Gesundheitsmission. "Die Schüler sollten lernen, wie man einfache natürliche Heilmittel in der Behandlung von Krankheiten verwendet. Gottes Volk soll aus echten medizinischen Missionaren bestehen."

[40:01] Das Problem war nur, dieser Plan ist so nie umgesetzt worden und das lag nicht nur an der Gemeinde, das lag auch an Kellogg. Wie gesagt, Kellogg und die Prediger, das war erst eine Hassliebe, bei der im Laufe der Jahre die Liebe immer weniger wurde. Schon gegen 1896 war es ein enormer Konflikt, der dort brodelte. Ellen White musste sogar dem Generalkonferenzpräsidenten Folgendes schreiben: "Es wird einmal offenbar werden, dass unsere Brüder und Schwestern in ihrem Umgang mit Dr. Kellogg nicht vom Geist Christi inspiriert waren. Deine Einstellung ihm gegenüber wird von Gott nicht gut geheißen. Dr. Kellogg hat seine Fehler wie andere Menschen, aber Gott hat durch ihn ein Werk vollbracht. Es gibt keinen Grund, warum die Geschwister sich von ihm distanzieren und ihn kritisieren und verurteilen sollen. Es könnte dazu führen, dass er schlussendlich dorthin getrieben wird, wofür man ihn jetzt verurteilt." Mit anderen Worten, wenn ihr Fehler sucht und ihn kritisiert und kritisiert und übertreibt und ihn extrem verurteilt, dann wird er irgendwann tatsächlich das tun, wofür ihn jetzt verurteilt. Ihr treibt ihn aus der Gemeinde raus und ich frage mich ganz ehrlich, ob wir alle uns nicht auch manchmal schuldig machen, wenn wir mit Menschen in der Gemeinde umgehen, die ein bisschen in Anführungsstrichen zu extrem in unseren Augen sind. Dass wir sie immer so auf Armlänge halten, bis sie tatsächlich so extrem werden, wie wir vorher behauptet haben. "Wenn der Doktor versagen sollte, seine Pflicht zu tun und ein Überwinder zu werden, werden jene Brüder zu einem großen Teil verantwortlich sein."

[41:45] Noch ein Kommentar: "Es ist ein Fakt, dass unsere Prediger nur so langsam Gesundheitsreformer werden, trotz all dem Licht, das Gott ihnen gegeben hat über das Thema. Das hat dazu geführt, dass Dr. Kellogg sein Vertrauen in sie verloren hat. Ihr halbherziges Werk in der Gesundheitsreform hat in ihm einen Kritikgeist geschaffen und er hat sie schonungslos unterdrückt, was der Herr nicht gut geheißen hat. Er hat den Predigtdienst klein gemacht und in seinen Ideen die medizinische Missionsarbeit über den Predigtdienst gestellt." Also Kellogg rennt jetzt ins Antraxt zu ihm. Er sagt: "Lasst die Prediger Ding machen, die raffen es nicht. Ich mache einfach meine eigene Sache und beginne jetzt groß angelegte medizinische Missionsarbeit zu machen, größtenteils abgetrennt von der Gemeinschaft." Es hat zu tun vor allem mit Chicago. Ein großes Gebäude nach dem anderen wird errichtet. Ellen White sagt: "Mach das nicht, mach das nicht. Wir brauchen das Geld auch woanders." Aber Kellogg fängt an sein eigenes Babylon zu bauen. Sie schreibt ihm einmal: "Von dem Werk, das du in Chicago angefangen hast, sagt der Herr John, wer hat dies von deiner Hand gefordert? Du hast in Amerika Institutionen, die du deiner eigenen Ambitionen wegen geschaffen hast." Naja, es wurde immer schlimmer. Um 1900 konnten sich Prediger und Kellogg und seine Ärzte kaum noch treffen, ohne sich ständig zu streiten. Einmal schreibt Ellen White an einen befreundeten Mann: "Versuche Dr. Kellogg von sich selbst zu retten. Er beachtet nicht den Rat, auf den er hören sollte. Er ist nicht zufrieden, weil der Herr deutlich gemacht hat, dass die Missionsarbeit nicht allein darin besteht, in den Slums von Chicago zu arbeiten. Dieses Werk, angeblich die große Sache unserer Zeit, ist eine sehr teure und fehlerhafte Sache. Es hat Mittel verschlungen und unseren armen Missionsfeldern die Hilfe versagt, die Gott eigentlich dafür vorgesehen hat." Satan wusste, wenn er schaffen kann, Gesundheitsarbeit und Evangeliumsarbeit zu trennen, bringt er das größte Übel auf die Gemeinden. Die Prediger hat er inspiriert mit so einer Halbherzigkeit gegenüber der Gesundheitsbotschaft. Den Kellogg inspiriert mit so einer Gigantomanie und Kritikgeist. Und Jahr für Jahr hat sich alles getrennt und getrennt und getrennt und getrennt.

[43:59] Die Dinge wurden ziemlich dramatisch. Vielleicht kennt ihr die Geschichte. Das Krankenhaus in Battle Creek brannte. Es ist abgebrannt, die Feuerwehr kam, um es zu löschen. Vergeblich. Kellogg hatte eine Idee und sagte: "Um das Krankenhaus wieder aufzubauen, schreibe ich ein Buch und mit dem Einkommen können wir das Krankenhaus wieder aufbauen." Vielleicht kennt ihr die Geschichte. Das war dieses berühmte Buch "The Living Temple". Wenn jemand von euch das Buch kennt, kennt ihr das Buch Omega? Wenn das kennt, da wird die gesamte Geschichte erzählt, können wir heute nicht erzählen. Kellogg hatte angefangen mittlerweile Pantheismus zu glauben und Pantheismus, vielmehr genauer gesagt Panentheismus, also die Lehre, dass Gott in der Natur ist, zu predigen. Dieses Buch war voll davon. Ellen White sagt: "Lohnt sich gar nicht zu lesen." Aber dieses Buch löste eine gewaltige Krise aus, bis Ellen White irgendwann sagte: "Wir müssen wie einen Eisberg rammen dieses Problem." Kellogg nahm nicht nur sich selbst mit ins Verderben, er nahm mit Jones und Wegener, die beiden Prediger mit, von denen Ellen White sagte, dass sie Gerechtigkeit aus Glauben besser predigen können als sie selbst. Die waren irgendwann nur noch die hörigen Adjudanten von Kellogg. Man würde denken, zu dem Zeitpunkt, als er schon Irrlehren predigt, die Gemeinde spaltet, dass sie jetzt wirklich sich von ihm distanziert und nichts mehr mit ihm zu tun haben will. Aber ein Jahr später, nach diesem häretischen Buch, sagt sie der Generalkonferenz: "Gott unterstützt, der Herr stand an der Seite, als Dr. Kellogg schwierige Operationen durchführte. Gott unterstützt nicht die Bemühungen von verschiedenen, die Arbeit von Dr. Kellogg so schwer wie möglich zu machen, um sich selbst aufzubauen." Da war jemand, der hat mittlerweile Häresie gepredigt, die Gemeinde gespalten und Ellen White bittet die Generalkonferenz: "Lasst uns doch gemeinsam ihm helfen, lasst uns ihn zurückbringen." Herr De Fiedler hat beim Joseph Kemp ein Zitat von Ellen White gebracht, wo sie sagt: "Wenn Dr. Kellogg verloren geht, dann soll er verloren gehen mit unseren Händen auf seiner Schulter, die ihn versuchen zurückzuholen." Das ist der Geist, mit dem man mit Problemen in der Gemeinde umgehen sollte. Aber außer Ellen White hatte so gut wie niemand diesen Geist.

[46:16] Battle Creek hatte seinen Namen durchaus zurecht. "Gott unterstützt nicht die Bemühungen. Gott gab das Licht über die Gesundheitsreform und diejenigen, die es ablehnen, lehnen Gott ab." Krasses Zitat. "Einige, die es besser wussten, sagten, es käme alles von Dr. Kellogg und sie haben Krieg gegen ihn geführt. Dies hat einen schlechten Einfluss auf den Doktor. Er zog das Gewand der Irritation und der Vergeltung an. Gott wollte nicht, dass er in einer Kriegsposition steht und er möchte das auch von euch nicht." Diese Jahre sind eine Falschstudie, wie man Gottes Plan zunichte machen kann, indem jeder glaubt, dass er im Recht ist und dass er sein eigenes Ich verteidigen muss und dass er dem anderen mal so richtig deutlich sagen muss, wo er falsch liegt. Alle hatten Fehler, alle hatten durchaus richtige Positionen, aber es ging dem Bach hinunter.

[47:18] 1804 gab es nochmal ein Treffen und Ellen White schrieb Briefe an die leitenden Brüder: "Bitte, bitte gebt euch einen Ruck, behandelt den Kellogg freundlich. Ja, er hat viele Fehler gemacht, aber lasst ihn uns zurückgewinnen. Bitte greift ihn nicht an." Sie war bei dem Treffen dabei und alles, was sie erlebte, war Anklage, Anklage, war völlig verzweifelt. Sie konnte nichts tun. Kellogg hatte gesagt: "Ach, lass mich doch in Ruhe." 1807 wurde er aus der Gemeinde ausgeschlossen. Er kam nicht mal selbst zur Versammlung und Gottesarzt hatte die Gemeinde verlassen. Er hat noch viel Geld gemacht mit seinen Kellogg's Cornflakes und mit der Erdnussbutter und solchen Dingen. Aber der Plan, den Gott hatte, war zunichte.

[48:08] Aber Gott ist nicht Gott. Gott wäre nicht Gott, wenn er das nicht schon gewusst hätte, oder? Gott braucht nicht Dr. Kellogg. Gott hatte einen Plan B und der hatte in diesem Land begonnen. Weiß jemand, wo das ist? Das ist nicht Deutschland. Im fernen Australien. Die Geschwister bei der Generalkonferenz waren so irritiert von Ellen White und ihrer Unterstützung von Johnson & Leckern, dass sie meinten, man müsste Ellen White mal auf einen neunjährigen Urlaub schicken nach Australien. Weit genug von der Generalkonferenz, dass sie nicht ständig diese Leute unterstützt, die man eigentlich bekämpfen wollte. Und man hat Ellen White nach Australien gesandt und vielleicht kennt ihr die Geschichte. Ellen White sagt: "Gott hat mir nicht gezeigt, nach Australien zu gehen." Und sie ging trotzdem. Auch eine interessante Lektion, über welche Autorität Gemeinde haben kann. Und ihr Plan war, dort im fernen Australien, fern vom Trubel von Battle Creek, den Plan Gottes noch mal ganz von vorne aufzuziehen. Auch dort schreibt sie: "Gestern ist es mir ganz klar geworden, dass genau mit dieser Art der Gastfreundschaft, die gute Werke tun, mir wiederholt gezeigt worden ist, dass wir Menschen mit uns verbinden können und einen doppelten Einfluss auf sie ausüben können." Dort in Australien entwickelte sie zwischen 1893, 94 bis 1900 ein neues Modell von Gesundheitsarbeit. Auch dort gab es wieder die Christian Help Bands, die die Aufgaben hatten, Kranken zu dienen, Bedürftigen zu helfen, Niedergedrückten zu trösten, Gefallenen aufzuhelfen, Unbekehrten zu Christus zu bringen. Einer von denen, der besonders ein Pionier dieser Arbeit war, war ein Mann namens A. W. Sammons. Hier habe ich ein Bild von ihm gefunden. Links sitzt er, seine Frau sitzt daneben. Sammons war bei Kellogg ausgebildet worden, als medizinischer Missionar, kam jetzt nach Australien und dachte: "Ich mache jetzt das genauso wie bei Kellogg, gute Werke für die Armen." Aber in Australien, durch Einfluss von Ellen White und anderen, wurde er gezwungen, neben seiner medizinischen Missionsarbeit auch gleichzeitig Bibelstunden zu geben. Das hat ihn irritiert, weil er sagt: "Ich bin medizinischer Missionar, ich kann Wasseranwendungen machen, ich kann Kräuteranwendungen machen, aber muss ich Bibelstunden geben, dafür bin ich noch nicht ausgebildet." Aber genau das war das Modell. Nicht Prediger und Gesundheitsarbeiter, nein, er sollte ein Modell dafür sein, wie beides sich in einer Person verbinden kann. Und es gab Kritik, und zwar nicht von der Generalkonferenz, sondern von Kellogg, der gesagt hat: "Was ist das denn? Das ist keine richtige Missionsarbeit, keine medizinische Missionsarbeit. Wenn er Bibelstunden gibt, dann hat er keine Zeit für die Wassertherapie." Und Ellen White und Willie White haben gesagt: "Nein, nein, nein, du verstehst das falsch." Willie White schrieb aus jener Zeit: "Wir haben versucht, von Anfang an ein Werk zu haben, das sich selbst trägt und das Gelegenheit geben würde, die Kranken unter uns rational zu versorgen und den Weg öffnen würde, christliche Hilfsarbeiter auszubilden." Wenn man die beiden Modelle vergleicht, bei Kellogg kostete alles viel Geld, weil riesige Institutionen, das Geld wurde ausgegeben ohne Überlegung und es war meistens unabhängig von der Denomination. In Australien fing man an, selbst unterhaltend zu arbeiten, dass es möglichst wenig Geld kostet, dass die Ausgaben möglichst rational limitiert werden und dass es immer Teil der Gemeindestruktur ist. Edward Caro sagt, in einem Gespräch mit Ellen White wurde auch die Bemerkung gemacht, dass die medizinische Arbeit hier in Australien ein Beispiel sein soll für die Art und Weise, wie gearbeitet werden soll. Es sollte eine Art Blueprint sein. In welcher Hinsicht? Offensichtlich in der harmonischen Beziehung, die zwischen der medizinischen Arbeit und den anderen Zweigen der Missionsarbeit hätte bestehen müssen. Verzeihung, unser Werk soll keine Vorurteile schaffen, sondern in Kräften. Wir wollen Krankenpfleger haben, die Bibelarbeiter sind und wir brauchen Bibelarbeiter und Buchevangelisten, die Krankenpfleger sind. Das war die Idee, das Australienmodell und Ellen White schrieb irgendwann an die GK mit der Bitte: "Hört auf, so viel Geld in die Projekte von Kellogg zu investieren, sondern wir brauchen eine breite Unterstützung auch in Australien, denn damals gab es eine Finanzkrise in Australien."

[52:49] Die Frage war schon damals wie heute, wenn man Missionsarbeit macht, vor allem Missionsarbeit, die vielleicht nicht direkte Ernte-Evaluation ist, wer bezahlt? Wo kommen die Finanzen her? Und 1991 auf der Generalkonferenz stellte Daniels dann das Prinzip vor und sagte: "Unsere Gesundheitsarbeiter sind Teil der Predigerschaft." Jemand fragt und sagt: "Moment mal, werden die vom Zehnten bezahlt?" Spannung im Raum. Daniels sagt: "Ja." Noch mehr Spannung im Raum. Kommentiert hat das Ellen White mit folgendem Satz: "Einige sagen, dass der Zehnte nicht verwendet werden sollte, um medizinische Missionare zu bezahlen, die ihre Zeit damit verbringen, Kranke zu behandeln. Ich antworte darauf: Ich bin unterwiesen zu sagen, dass wir nicht so engstirnig werden sollen, dass wir die Wahrheit der Situation nicht erfassen. Ein Prediger des Evangeliums, der auch ein medizinischer Missionar ist, ist weitaus effektiver. Sein Werk als Prediger des Evangeliums ist viel kompletter." Jetzt hört mir gut zu und zitiert mich nicht falsch. Weder ich noch Ellen White, noch der Caro haben gesagt, dass man den Zehnten irgendjemandem gibt, der so frei durch die Gegend läuft und außerhalb der Gemeinde Missionen macht. Jeder von uns darf außerhalb der Gemeinde Missionen machen, der Zehnten gehört in die Gemeinde. Was Ellen White sagt, ist: Warum denken wir, dass festangestellte Evangeliumsarbeiter immer nur reine Prediger sein müssen? Was wäre, wenn die Prediger auch gleichzeitig medizinische Missionare wären und deswegen auch vom Zehnten bezahlt werden?

[54:41] Und dann sagt Ellen White an derselben Generalkonferenz: "Ich möchte euch sagen, dass bald keine Arbeit mehr getan werden kann, außer medizinischer Gesundheitsarbeit. Was machen wir dann mit dem Zehnten?" Ihr Lieben, lasst mich euch was sagen. Anatomie und Physiologie gehören nicht zu meinen Lieblingsgebieten. Ich hatte in Biologie am Ende eine 4 in der 11. Klasse. Nicht auf dem Zeugnis, aber in der letzten Arbeit. Wenn ich könnte, würde ich gerne die gesamte Zeit meines Lebens nur verbringen mit Prophetie und Geschichte. Das schlägt mein Herz dafür. Aber es tut mir leid, ich muss das zu mir selbst predigen. Irgendwo müssen wir alle verstehen, egal ob Generalkonferenzpräsident oder einfaches Glied in der Gemeinde, ob es uns interessiert oder nicht. Es kommt der Zeitpunkt, da können wir nichts anderes mehr tun als medizinische Missionsarbeit. Irgendwann müssen wir anfangen, uns damit zu beschäftigen. Wir müssen jetzt anfangen, es so zu machen, wie Ellen White es gemacht hat. Nicht wie Kellogg, jetzt machen wir irgendwas. Sondern nach diesem Modell, das Evangelium mit der Medizin zu verbinden. Und wie gesagt, wie wir gelernt haben letztes Mal, Holzhacken kann medizinische Missionsarbeit sein. Hier ein paar Ratschläge von Ellen White bezüglich der Finanzen: "Priorität für dringende Angelegenheiten. Viele Aufgaben können im persönlichen Dienst verrichtet werden und brauchen keine Institution." Wir neigen immer dazu, dass alles ein Verein braucht, eine Institution, dafür noch eine Satzung. Ellen White sagt: "Das meiste, was getan werden muss, kann jeder persönlich tun." Das spart Geld. "Innerhalb des Gesamtwerkes muss immer Ausgewogenheit und Symmetrie herrschen. Klare Budgetgrenzen und Wohltätigkeitszwecke vor allem von Außenstehenden finanzieren lassen." Ellen White und ihre Kollegen haben in Australien das Modell ausprobiert für die Gesundheits-Missionswerke, Spenden von Nicht-Adventisten zu bekommen.

[56:42] Nun, in der kürzesten Zeit war das Werk in Australien am Blumen, am Blühen. Australien, September 1899 in Sydney. Ein Sanatorium, ein Waisenhaus, ein Frauenhaus in Kurangbung, ein Gesundheitszentrum, eine Gesundkostfabrik, eine medizinische Mission, ein Altersheim, ein Gesundheitshaus, ein Haus für Gefangene, ein hydropathisches Institut und zwei andere Institutionen, wo Leute sogar selbst helfen konnten und dafür einen kleinen Obolus bekommen haben. Es funktionierte. Und Ellen White sagt, das ist das Modell, nach dem gearbeitet werden sollte überall auf der Welt. Dieser Sammons, von dem ich euch berichtet habe, der eigentlich ja nur Gesundheitsarbeit machen wollte und dann gezwungen wurde, auch Bibelstunden zu geben, der wurde unterrichtet von einem Mann namens Corliss. Und Bruder Corliss ging dann zurück nach Amerika und meinte: "Okay, es reicht ja nicht, wenn wir das in Australien machen. Wir müssen das auch ausprobieren in Amerika. Funktioniert das auch außerhalb von Australien?" Und er kam nach San Francisco. Wir sind gleich am Ende angelangt, nur noch diese eine Geschichte. Er erzählt von seiner Erfahrung. Er sagt: "Ich wurde vor vielen Jahren unterrichtet, dass die richtige Methode für Zeltversammlungen darin bestand, die Symbolie aus Daniel 2 und 7 zu erklären, dann die Symbole der Offenbarung durchzugehen und dann fast ausschließlich über den Sabbat und das Gesetz zu sprechen, damit die Menschen eine bestimmte Theorie annehmen." Klingt bekannt, nicht wahr? Klingt sehr bekannt. Ich bin seit langem mit dieser Methode unzufrieden. Ich fand, dass obwohl ich viele Menschen zu einer Annahme dieser Theorie bringen konnte, ich in ihrem Leben nicht das sah, was ich mir wünschte. Und dann erzählt er, was er vorhat. Ich lese es nicht alles vor. Er hat gebetet, hat gesagt: "Herr, ich möchte dich so predigen, dass, wenn sie dich annehmen, sie den Sabbat und die Prophetie alles annehmen." Und er benutzte dazu die Gesundheitsarbeit. Er hat sich von Kellogg diese Karten besorgen lassen mit der Physiologie und der Hygiene und der Anatomie und hat dann, was wir heute nennen würden, Gesundheitsbotschaften gehalten. Er war quasi der Erfinder davon. Mit der Bibel und der Anatomie hat er gezeigt, welche Beziehung zwischen dem Körper und der Seele und dem Geist ist und so weiter und so fort. Und daraus entstand etwas, was Ellen White beschreibt im Jahre 1900. Von Bruder O'Carlis, der Prediger der Gemeinde in San Francisco, erfahren wir: Jetzt hört gut zu: "Dass unsere Brüder und Schwestern sich in verschiedenen Zweigen christlicher Bemühungen in San Francisco betätigen. Dies beinhaltet Krankenbesuche, für Waisen Heimesuchen und für Arbeitslose Arbeit, die Krankenversorgung, die Liebe Christi von Haus zu Haus lehren, die Verteilung von Literatur und das Abhalten von Klassen für gesundes Leben und Krankenpflege. Eine Schule wird im Untergeschoss des Versammlungsraumes abgehalten. In einem anderen Teil der Stadt gibt es ein Arbeiterhaus und eine medizinische Mission. In der Marktstraße nahe der Stadthalle gibt es eine Badeeinrichtung, die als Zweig des St. Helena Sanatoriums operiert. Am selben Ort befindet sich ein Depot des Gesundkostwerkes, wo die Lebensmittel nicht nur verkauft werden, sondern auch die Ernährungsreform unterrichtet wird. Näher dem Stadtzentrum betreiben unsere Geschwister ein vegetarisches Café, das sechs Tage in der Woche geöffnet und am Sabbat vollständig geschlossen ist. Hier werden täglich 500 Mahlzeiten serviert und Fleisch kommt nicht zur Anwendung. Dr. und Mrs. Dr. Lamb verrichten viel medizinische Arbeit für die Armen in Verbindung mit ihrer regulären Praxis." Also sie hatten eine Praxis und haben gleichzeitig für die Armen gesorgt. Und Dr. Bachenen macht viel Gratisarbeit im Arbeiterhaus. Ungefähr 20 unserer jungen Leute besuchen die zahnärztlichen Trainingsprogramme. Hier ist eine Gemeinde in San Francisco. Sie haben ein vegetarisches Restaurant, sie haben eine medizinische Mission, sie haben ein kleines Krankenhaus, sie haben eine Gesundheitsschule und eine Zahnarztschule für ihre eigenen Jugendlichen. Sie haben ein Gesundkostwerk, sie haben Kochkurse, sie geben von Haus zu Haus, sie machen alles mögliche. Man würde denken, meine Güte. Das ist übrigens innerhalb von wenigen Monaten alles hochgezogen.

[1:00:54] Und jetzt wisst ihr, was Ellen White dazu sagt? Ellen White kommentiert: "Wir hoffen ernstlich, dass die zukünftigen Schritte in der Arbeit in San Francisco Schritte des Fortschritts sein werden. Das Werk, das dort getan wurde, ist erst ein Anfang." Ich glaube, wir alle würden uns einen Keks freuen, wenn wir schon so viel hätten wie die da. Sie sagt, das ist nur der Anfang. Und sie meint nicht, die Welt muss erreicht werden. Sie meint, San Francisco muss erst wirklich erreicht werden. Vielleicht geht es euch so ein bisschen wie den Delegierten, als Kellogg sagt: "Wir müssen 1000 Städte erreichen." Die Vision ist so viel größer, als unser kleines Gehirn das wahrhaben will. Sie sagt: "Ein viel weitreichenderes Werk sollte in dieser großen und gottlosen Stadt getan werden."

[1:01:59] Herr, das ist unmöglich. Und genau das ist der Grund, warum Gott diese Aufgabe gibt. Es ist eine unmögliche Aufgabe und Gott liebt es uns unmögliche Aufgaben zu geben, damit deutlich wird, dass er es getan hat. Für wenige Jahre war San Francisco das wahrscheinlich beste Modell dessen, was Ellen White wirklich vorgehabt hat. Diese Jahre in San Francisco sind wie ein Blueprint. Leider gab es 1906 ein Erdbeben in San Francisco und alles war zerstört. Und wenn ihr wissen wollt, wo wir heute stehen und was heute getan werden muss, dann sehen wir uns, ich glaube, in drei Wochen zu Teil drei. Denn es gibt noch ein paar Geschichten, die so interessant sind, dass sie es kaum glauben können, was noch passiert ist. Nicht nur mit Kellogg, sondern auch mit unseren Gesundheitseinrichtungen. Wir müssen anfangen, aus unserer Geschichte zu lernen. Es gibt einen klaren Plan Gottes und der ist schon mindestens einmal durch Streit und Eifersucht und Egoismus und "Ich mag dich nicht, weil du redest immer so extrem" und "Ich mag dich nicht, weil du scheinst mir zu liberal zu sein" schon einmal zerstört worden. Und diese simple Idee, dass das Erlösungswerk Christi und sein Heilungswerk verbunden sind, die will nicht so richtig in unseren Kopf hinein. Ellen White hat so viel Mühe gehabt, dass der Gemeinde beizubringen. Und wenn wir heute schließen an dieser Stelle, dann hoffe ich, dass wir so viel verstanden haben, dass Gottes Plan derjenige ist, nicht ein Experten für das Evangelium zu haben und ein Experten für die Gesundheitsarbeit, sondern jeder von uns kann so viel verstehen von Gottes Gesundheitsbotschaft, dass wir es mit dem Evangelium verbinden können. Und dann wird der Lautruf nicht nur wieder beginnen, sondern auch bis ans Ende gehen. Der laute Ruf hatte begonnen, aber er wurde gestoppt. Bevor er sich richtig entfalten konnte, war er wieder zu. Wer von euch möchte sagen: "Ich möchte von der Geschichte lernen. Ich möchte wirklich lernen, so zu arbeiten, wie du es möchtest." Und wenn es das bedeutet, dass ich Holzhacken für meinen Nachbarn aus Liebe zu ihm, das Evangelium dem anderen zu demonstrieren. Lass uns gemeinsam beten.

[1:04:54] Lieber Vater im Himmel, so lange Zeit wünschte dir, dass wir diese einfachen Dinge verstehen. Im Grunde genommen ist es ja nicht schwer zu begreifen, aber wie damals sehen wir auch oft in unseren Herzen, dass wir dagegen ankämpfen, die Dinge einfach so zu nehmen, wie sie sind. Einfach so stehen zu lassen, wie du sie gesagt hast. Ich bitte dich von ganzem Herzen, dass du mir und jedem Einzelnen von uns Gnade schenkst und Weisheit, wie wir diesen einfachen Gedanken, das Evangelium praktisch zu demonstrieren, wir das wirklich umsetzen können. Dass wenn wir Projekte anfangen, dass wir von Anfang an uns Gedanken machen, wie du es getan hättest und was deine Prinzipien sind. Dass wir die Fehler vermeiden, die unsere Pioniere gemacht haben und dass wir von ihnen lernen und uns selbst erkennen, dass wir oftmals genau dieselben Fehler schon getan haben. Bitte bewahre uns vor solchen Katastrophen, wie sie damals mit Kellogg passiert sind und bitte hilfe uns, dass wir lernen, miteinander zusammenzuarbeiten, auch wenn wir nicht immer alles genau gleich sehen können. Dass die Menschen nicht nur eine Theorie der Wahrheit hören, sondern sehen, dass dein Evangelium wirklich unser Herz, unser Leben transformiert. Schenkt uns die Bereitschaft, denen, die sich für Gesundheit interessieren, sich auch endlich für die Prophetie zu interessieren und die, die sich für die Prophetie interessieren, sich endlich auch für die Gesundheit zu interessieren. Dass wir ein harmonisches, symmetrisches

[1:06:52] Werk tun können, als ganze Gemeinde mit all den Gaben und Fähigkeiten, die du uns gegeben hast. All das bitten wir im kostbaren und teuren Namen Jesu. Amen.


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