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Manuskript zur Sendung >>> CSH_Manuskript_2016 4th Nr 7

In dieser Folge der Cannstatt Study Hour über das Buch Hiob, mit dem Titel „Ausgleichende Strafe“, analysiert Christopher Kramp die Reden von Hiobs Freunden Bildad und Zofar. Er beleuchtet, wie ihre Aussagen über Leid und göttliche Gerechtigkeit oft von einem falschen Verständnis geprägt sind und wie sie Hiobs Charakter zu Unrecht in Frage stellen. Die Lektion betont die Wichtigkeit, Gottes Gerechtigkeit im Licht seiner Liebe und Gnade zu verstehen und wie wahre Hoffnung auch aus schwierigen Situationen erwachsen kann.


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Serie: Cannstatt Study Hour 2016 Q4: Das Buch Hiob

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Transkript

[0:00] Hallo und herzlich willkommen zur Cannstatt Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Herzlich willkommen auch allen Zuschauern auf Amazing Discoveries zur mittlerweile siebten Folge unserer Serie über das Buch Hiob.

[0:36] Wir wollen uns mit der heutigen Folge vorbereiten auf das Bibelgespräch am 12. November 2016. Und wir haben es wieder mit einem äußerst gewichtigen Thema zu tun. Wir haben schon gemerkt in den letzten Wochen, das Buch Hiob ist keine leichte Kost. Es ist nicht umsonst schon als das Matterhorn der Bibel bezeichnet worden. Gründige, ja fast philosophische Fragen werden dort erörtert. Dinge, die wirklich an die Existenz der menschlichen Erfahrung hineinreichen. Und das Thema heute in dieser siebten Folge ist ein Thema, das zu den wesentlichen Kern- und Angelpunkten dieses Buches Hiob gehört. Nämlich die Frage, warum es Leid gibt und inwiefern Leid als Strafe gesehen werden kann und soll. Der Titel ist Ausgleichende Strafe. Wir wollen uns zwei beispielhafte Reden der Freunde Hiobs anschauen. Aber bevor wir das tun, möchten wir, wie es unsere gute Gewohnheit ist, mit einem Gebet beginnen. Und dazu lade ich dich lieber Freund, liebe Freundin ganz recht herzlich ein.

[1:36] Lieber Vater im Himmel, danke, dass wir durch das Buch Hiob Einblicke bekommen können in die ewigen Realitäten deines Charakters und in die Realität dieses großen Kampfes, in den wir alle hineingeworfen sind. Wir möchten dich bitten, dass wenn wir jetzt das Wort studieren, dass wir neue Dinge erkennen und in Alten auch gefestigt werden, dass wir vor allem lernen, auf deine Stimme zu hören und dein Wesen besser begreifen können. All das bitten wir im kostbaren und teuren Namen Jesu. Amen.

[2:16] Die beiden Freunde von Hiob, die heute im Mittelpunkt stehen sollen, sind Bildad und Zofar. Von beiden heißt es genauso wie von Eliphas, dass das, was sie gesagt haben, nicht in allem der Wahrheit entspricht. Also bevor man ihre Reden analysiert, sollte man sich noch einmal ins Gewissen rufen oder in die Erinnerung rufen, dass Gott selbst ihre Reden nicht als makellos empfunden hat in Hiob 42 und dort Vers 7. Lesen wir. Und es geschah, als der Herr diese Worte an Hiob vollendet hatte. Da sprach der Herr zu Eliphas dem Themaniter: Mein Zorn ist entbrannt über dich und deine beiden Freunde. Er hat nicht recht von mir geredet, wie mein Knecht Hiob. Also wir haben hier die autoritative Aussage Gottes, dass die Worte von Eliphas und auch seiner beiden Freunde, das heißt von Bildad und auch Zofar, den Charakter Gottes nicht richtig wiedergeben.

[3:24] Wenn wir also ihre Worte lesen, dürfen wir nicht davon ausgehen, dass alles, was sie sagen, tatsächlich echte Wahrheit ist. Trotzdem finden wir ihre Worte in der Bibel inspiriert. Ein Heiligen Geist hat Mose ihre Worte aufgeschrieben und durch ein genaues Studium dessen, was sie gesagt haben und ein Vergleich ihrer Aussagen mit anderen inspirierten Aussagen der Bibel, werden wir feststellen, was tatsächlich Gottes Charakter widerspiegelt und wo sie daneben gelegen haben. Und ich denke, wenn wir das tun, werden wir auch eine ganze Menge über uns selbst lernen, wie sich gleich zeigen wird.

[4:01] Hiob Kapitel 8, dort finden wir die erste Rede des Bildad und wir wollen das ein bisschen Vers zu Vers durchgehen, um es ein bisschen genauer zu verstehen. Hiob 8, Vers 1, da antwortete Bildad der Schuchiter und sprach. Das Wort Bildad, der Name Bildad ist nicht so leicht zu übersetzen. Es gibt einige moderne Theologen, die eine Ableitung von semitischen Gottheiten vorschlagen. Anderswo liest man auch die interessante Übersetzungsvariante verwirrte Liebe, was vielleicht gar nicht so weit hergeholt ist. Denn dieser Freund Hiobs war durchaus in gewissen Punkten verwirrt, aber dazu jetzt gleich mehr.

[4:41] Vers 2, hier sind seine ersten Worte an Hiob. Wie lange willst du solche Reden führen? Wie lange sollen die Worte deines Mundes wie heftiger Wind sein? Schon diese ersten Worte lassen aufhorchen, denn Hiob selbst hatte etwas ähnliches ausgedrückt, als er in Hiob 6, Vers 26 gesagt hatte: Gedenkt ihr Worte zu bekritteln und haltet die Reden eines Verzweifelten für Wind? Hiob hatte das als rhetorische Frage formuliert, um deutlich zu machen, kein Freund würde doch die Worte eines Verzweifelten einfach für Wind halten. Doch das fast unfassbare passiert nur wenige Momente später, als Bildad zu reden anfangen, behauptet er tatsächlich, dass die Worte des Verzweifelten Hiobs Wind sind. Und zwar heftiger Wind. Er hat kein Verständnis dafür, dass Hiob reden will. In Hiob 7 und dort Vers 11, da hatte Hiob noch gesagt: Darum will auch ich meinen Mund nicht zurückhalten. Ich will reden in der Bedrängnis meines Geistes, in der Verbitterung meiner Seele will ich klagen. Er hatte lange geschwiegen, aber dann war es aus ihm herausgebrochen und er wollte reden. Aber genau diese Tat, dass Hiob redet und redet und redet, die scheint den Bildad zu nerven. Er hat kein Verständnis dafür, dass Hiob so viel über sein Unglück redet.

[6:14] Und er schließt gleich eine rhetorische Frage an in Vers 3, in Hiob 8 Vers 3. Beugt denn Gott das Recht oder verkehrt der Allmächtige die Gerechtigkeit? Die Frage der Gerechtigkeit Gottes ist ja so ein roter Faden, der auch durch dieses Buch hindurch geht. Und auch an anderer Stelle ist der Bibel, ist dieses Thema von großer Bedeutung. Man könnte zum Beispiel erinnern an 1. Mose 18 und dort Vers 25. Das ist die berühmte Geschichte, wo Jesus Christus, der Sohn Gottes, in menschlicher Gestalt dem Abraham mit zwei Engeln erscheint und die Zerstörung von Sodom ankündigt. Und in diesem Zusammenhang ist es Abraham, der sagt in Vers 25: Das sei ferne von dir, dass du eine solche Sache tust und einen Gerechten tötest mit dem Gottlosen, dass der Gerechte sei wie der Gottlose. Dass sei ferne von dir, sollte der Richter der ganzen Erde nicht gerecht richten. Ein Thema, das die Menschen zu allen Zeiten bewegt hat, die Gerechtigkeit Gottes. Und wir sehen an der Geschichte von Sodom und auch an anderen Geschichten, Gott richtet immer gerecht. Also insofern ist die rhetorische Frage natürlich in sich korrekt. Gott ist keine Beugung des Rechts vorzuwerfen.

[7:35] Schauen wir zum Beispiel in 5. Mose 32, da sehen wir eine weitere Bestätigung dieses Gedankens. In 5. Mose 32 und dort Vers 4, da heißt es über Gott: Er ist der Fels, vollkommen ist sein Tun. Ja, alle seine Wege sind gerecht, ein Gott der Treue und ohne Falsch, gerecht und aufrichtig ist er. Und ähnlich sehen das auch die himmlischen Wesen. Wenn wir ins letzte Buch der Bibel gehen, Offenbarung 16 und dort Vers 7, im Zusammenhang der sieben letzten Plagen, also die Strafe Gottes ohne Gnade ausgegossen wird über eine unbewusstfertige Welt am Ende der Zeit, kurz vor der Wiederkunft, wenn die Gnadenzeit vorbei ist. Dann hört man einen Engel hier sagen, in Vers 7: Und ich hörte einen anderen vom Altar her sagen: Ja, oh Herr Gott, du Allmächtiger, wahrhaftig und gerecht sind deine Gerichte. Irgendwann werden auch die Menschen all das erkennen. Es heißt zum Beispiel in Offenbarung 15, Vers 3: Und sie singen das Lied Moses, das Knecht des Gottes und das Lied des Lammes und sprechen: Groß und wunderbar sind deine Werke, oh Herr Gott, du Allmächtiger, gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Heiligen. Die große Idee des Heilsplans ist es ja zu zeigen der Welt, den Menschen, allen Welten, dem Universum, dass Gott gerecht ist.

[9:02] Also Bildad hält fest an dem Gedanken, dass Gott gerecht ist und dass der Fehler nicht bei Gott liegt. Soweit können wir ihm also Recht geben. Aber Bildad schlussfolgert aus dieser wahren Erkenntnis jetzt etwas, das uns etwas den Atem verschlägt. In Hiob 8, Vers 4 sagt er: Wenn deine Kinder gesündigt haben, gegen ihn gesündigt haben, so hat er sie dahin gegeben in die Gewalt ihrer Missetat. Mit anderen Worten, Hiob, deine Kinder sind gestorben, die Wahrscheinlichkeit ist, dass sie gesündigt haben, das ist die Strafe. Und was bedeuten würde, dass sie für immer verloren sind. Das ist ein ziemlich hartes Wort für einen Freund, der gekommen ist, um seinen Freund zu trösten.

[9:57] Nun, das Hebräische sagt eigentlich: in die Hand der Missetat gegeben. Und das erinnert ein bisschen an Formulierungen, die bei den Propheten und in den Geschichtsbüchern sehr oft vorkommen. Zum Beispiel als eines von vielen Beispielen in Richter 6, Vers 1: Die Kinder Israels taten wieder, was böse war in den Augen des Herrn. Da gab sie der Herr in die Hand der Midianiter, sieben Jahre lang. Und diese Idee kommt immer wieder vor, egal ob es die Midianiter sind oder die Ammoniter oder die Philister oder später die Assyrer oder Babylonier. Gott gibt Sünde in die Hand des Feindes. Und das ist diese Idee, die hier auch ausgedrückt wird. Die Kinder könnten gesündigt haben und Gott hat sie in die Hand der Sünde gegeben.

[10:45] Nun, es ist absolut biblisch wahr, dass Sünder, die nicht Buße tun wollen, leiden werden. Dafür gibt es viele, viele Bibelstellen, die das belegen. Es ist allerdings auch wahr, und hier ist jetzt das Problem an diesem Vers, dass Menschen leiden, ohne widerspenstige Sünder zu sein. Was Bildad nicht versteht und was wir verstehen müssen, wenn wir das Buch Hiob und überhaupt unser Leben richtig verstehen wollen, ist, dass Sünde nicht nur den Schuldigen trifft. Sünde betrifft auch diejenigen, die nichts dafür können. Sünde ist im buchstäblichsten Sinne eine Grenzüberschreitung. Sünde als Überschreitung des Gesetzes überschreitet die angemessenen Grenzen. Wenn Sünde nur die betreffen würde, die gesündigt haben, wenn die Konsequenzen der Sünde nur die treffen würden, die sich schuldig gemacht haben, dann würden wir vielleicht die Sünde gar nicht so schlimm empfinden, weil die würde sich quasi selbst auslöschen. Aber Sünde hat Konsequenzen auch für die, die nichts dafür können. Und das ist präzise der Punkt, warum Gott die Sünde hasst und sie eigentlich nicht dulden kann. Das ist genau dieser Punkt, den die Freunde Hiobs nicht sehen. Sünde übertritt alle Grenzen des Angemessenen und Menschen leiden, obwohl sie selbst nicht an dieser speziellen Sünde beteiligt gewesen sind.

[12:28] Wir müssen dieses Prinzip verstehen, um die Gerechtigkeit Gottes besser erkennen zu können. Wir werden das gleich noch weiter ausführen. Interessanterweise ist es ja so, dass die Bibel explizit sagt, dass Hiob für seine Kinder gebetet hat. Hiob 1 und dort Vers 5 lesen wir. Wenn dann die Tage des Festmals zu Ende waren, ließ Hiob sie holen und heiligte sie. Er stand früh am Morgen auf und brachte Brandopfer da für jeden von ihnen. Denn Hiob sagte sich: Vielleicht könnten meine Kinder gesündigt und sich in ihrem Herzen von Gott losgesagt haben. So macht es Hiob alle Zeit. Der Bildad scheint dieses Konzept von Fürbitte nicht wirklich hoch geachtet zu haben. Und auch darin zeigt sich, warum er das Wesen Gottes so unvollkommen so verzerrt beschreibt.

[13:17] Und dann hat er einen Rat an Hiob in Vers 5. Bist du es aber, so suche Gott ernstlich und flehe um Gnade zu dem Allmächtigen. Nun, Gott zu suchen war auch schon der Rat des Eliphas gewesen in Kapitel 5. Und dort Vers 8 hat er gesagt: Ich jedoch würde Gott suchen und Gott meine Sache darlegen. Hier sehen wir, dass die drei Freunde Hiobs prinzipiell einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgen. Dass also das, was sie sagen, nur Varianten desselben Grundgedankens sind. Die Idee, Gott ernstlich zu suchen, ist wiederum eine sehr biblische und sehr richtige. Erinnern wir uns allein an Jesaja 55 und dort Vers 6 und 7. Solange er zu finden ist, ruft ihn an, während er nahe ist. Der Gottlose verlasse seinen Weg und er übeltete seine Gedanken und er kehre um zu dem Herrn. So wird er sich über ihn erbarmen und zu unserem Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung.

[14:17] Das ist also beim Bildad diese unausgesprochene, aber sehr deutliche Botschaft, die mitschwingt. Hiob, das liegt auch an dir. Es ist deine Sünde, die dafür verantwortlich ist. Und das ist natürlich am Kern der Problematik vorbei argumentiert, wie wir es schon in anderen Folgen gesehen haben.

[14:47] Dann kommt Vers 6 und der hat es wirklich in sich. Dort heißt es: Wenn du lauter und aufrichtig bist, so wird er sich um deinen Willen aufmachen und dein gerechtes Heim wiederherstellen. Nun, hier werden einige Begriffe gebraucht, lauter und aufrichtig, auch gerecht, die einen Charakter beschreiben. Und wir wissen aus den vorherigen Kapiteln, dass Gott bereits autoritativ diesen Charakter beim Hiob festgestellt hat. Insbesondere in Kapitel 1 und dort Vers 8. Dort heißt es: Da sprach er zum Satan: Hast du meinen Knecht Hiob beachtet? Denn seinesgleichen gibt es nicht auf Erden, einen so untadeligen und rechtschaffenden Mann, der Gott fürchtet und das Böse meidet. So ja auch schon im allerersten Vers des Buches. Das heißt, Gott sagt, dieser Mensch ist gerecht, er ist untadelig, er meidet das Böse. Und jetzt kommt Bildad und sagt: Wenn du aufrichtig und lauter bist.

[15:50] Das erinnert ganz offensichtlich an die Worte in Matthäus 4, Vers 3, als viele Zeitalter später. Ein vermeintlicher Engel des Himmels, der in Wirklichkeit Satan selbst war. Dem fast toten Jesus die Worte hinein ins Ohr flüstert in Matthäus 4, Vers 3. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich, dass diese Steine Brot werden. Gott hatte vorher autoritativ bei der Taufe Jesu gesagt, dass Jesus Gottes Sohn ist: Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich wohlgefallen habe. Aber dann kam die Krise in der Wüste und der vermeintlich freundliche Engel, der vermeintlich als Unterstützung und Trost gekommen war, bringt diese Worte an Jesus heran. Er soll sich doch mal überlegen, ob er wirklich dieser wohlgeliebte Sohn ist, von dem er meinte, dass das der Fall ist.

[17:00] Ganz ähnlich argumentiert der Bildad und sagt: Wenn du es wirklich bist, dann würde ja das und das geschehen. Wir sehen also, dass Bildad hier letztlich zu einem Instrument des Satans wird. Und den Charakter Hiobs in Frage stellt. Das hatte schon Eliphas getan, nur ein paar Kapitel vorher in Hiob 4, Vers 6 und 7. Da hatte er gesagt: Ist nicht deine Gottesfurcht, deine Zuversicht und die Tadellosigkeit deines Weges deine Hoffnung? Du vertraust darauf, dass du einen guten Charakter hast. Aber Vers 7: Bedenke doch, ist je ein Unschuldiger umgekommen und wo wurden Rechtschaffende verzögert? Also Eliphas hatte das schon in Frage gestellt und Bildad macht das jetzt noch deutlicher.

[17:51] Vers 7, da wird dein früheres Glück im Vergleich zu deinem späteren klein sein. Nun, das Kuriose an der Geschichte ist natürlich, dass das genauso eingetreten ist, wenn wir an das Ende des Buches springen. Hiob hat am Ende noch mehr gehabt als am Anfang. Er war tatsächlich rein und lauter und gerecht. In Hiob 42, Vers 12 heißt es: Und der Herr segnete das spätere Leben Hiobs mehr als sein früheres. Er bekam 14.000 Schafe, 6.000 Kamele, 1.000 Jochrinder und 1.000 Eselin. Er bekam alles doppelt. Und dann heißt es in Vers 13: Er bekam auch sieben Söhne und drei Töchter. Das war genauso viel, wie er vorher gehabt hatte. Die Tatsache, dass er das nicht doppelt bekommen hat, ist ein starker Hinweis darauf, dass er diese Söhne und Töchter nicht wirklich verloren hat. Sie sind zwar gestorben, aber sie werden bei ihm im Himmel sein. Und damit ist auch dieser Zweifel, den Bildad über ihren Charakter gestreut hat, letztlich durch die Bibel wohl widerlegt.

[18:48] In Hiob 8, und dort Vers 8, gibt der Bildad einen an sich sehr guten Rat. Er sagt: Denn frage doch das frühere Geschlecht und beherzige das, was ihre Väter erforscht haben. Das ist etwas, was uns in der Bibel immer wieder begegnet, der Rat, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Zum Beispiel finden wir das in 5. Mose 32, und dort Vers 7. 5. Mose 32, und dort Vers 7. Denke an die Tage der Vorzeit. Achte auf die Jahre der vorhergehenden Geschlechter. Frage deinen Vater, der wird es dir verkünden. Deine Alten, die werden es dir sagen.

[19:31] Aber Bildad scheint etwas vergessen zu haben. So wichtig wie es ist, die Geschichte immer wieder lebendig nachzuerzählen und Lektionen aus der Vergangenheit zu lernen, Bildad scheint vergessen zu haben, dass das Ganze einem bestimmten Zweck wegen geschieht. Dass Geschichte kein Selbstzweck ist, sondern dass Gott die Vergangenheit hat aufbewahren lassen, aus einem ganz bestimmten Grund, der dem Bildad offensichtlich nicht vor Augen steht. Was ist dieser Grund? Wofür sollen wir die alten Geschichten immer wieder durchdenken?

[20:08] Schauen wir in den Römer, in den Römer 15, und dort Vers 4. Römer 15, und dort Vers 4. Denn alles, was zuvor geschrieben worden ist, wurde zu unserer Belehrung zuvor geschrieben, und jetzt kommt es: damit wir durch das Aussagen und den Trost der Schriften Hoffnung fassen. Das heißt, Gott möchte, dass wir uns mit der Vergangenheit beschäftigen, dass wir die Lehren der Alten studieren, damit wir Hoffnung haben können und getröstet werden. Doch genau dieser eigentliche Sinn des Geschichtsstudiums geht dem Bildad ab. Er ist ein bisschen wie die Pharisäer, die die Bibel studieren, ohne den Sinn der Bibel, nämlich auf Christus hinzuweisen, verstanden haben. Er rät dem Hiob, die Ratschläge und Sprüche der Alten zu studieren, ohne darüber nachzudenken, dass er selbst ihn trösten sollte.

[21:10] Es ist genau diese Hoffnung, die ja Hiob fehlt. Schauen wir in Hiob 7, und dort Vers 6. Meine Tage gleiten schneller hin als ein Weberschiffchen, sie entschwinden ohne Hoffnung. Wie sehr hätte es gebraucht, dass ihm jemand aus der heiligen Geschichte, die sich schon abgespielt hat, Hoffnung vermittelt, dass Gott noch nicht ans Ende gelangt ist, dass Gott noch nicht ihn aufgegeben hat, sondern dass vielmehr Gott die Kontrolle hat. Wie sehr hätte das gebraucht?

[21:43] Diese Idee von der Kürze des Lebens, die wir gerade in Hiob 7, Vers 6 gesehen haben, die kommt auch in Hiob 8 vor, in Vers 9. Dort sagt er Bildad: Denn von gestern sind wir und wissen nicht sein Schatten, nur sind unsere Tage auf Erden. Diese Kürze des menschlichen Lebens finden wir auch in der Bibel immer wieder ausgedrückt, auch gerade in den poetischen Büchern, wie in den Psalmen.

[22:05] Und dann kommt Vers 10. Gemeint sind die Väter, die wir in Vers 8 gesehen haben. Jetzt kommt in den nächsten beiden Versen ein Bild, ein poetisches Bild, das der Bildad verwendet. Vers 11.

[22:38] Hier ist ein interessantes Bild. Er sagt, stell dir vor, du hast Papyrus, du hast dieses Gras, das am Ufer wächst, aber es hat keine wirkliche Wasserzufuhr. Es ist ohne Wasser. Dann steht es, scheinbar noch in vollem Triebe, aber im nächsten Moment verdorrt es vor allem anderen Gras. Ein Bild für ein plötzliches Verderben, das darauf zurückzuführen ist, dass, obwohl äußerlich alles gut zu sein scheint, innerlich der Kontakt zum lebensspendenden Wasser fehlt. Interessanterweise ist ja Papyrus eine sehr nützliche Pflanze gewesen, die ja dann auch gerade zum Schreiben für Bücher und für Papyrusrollen verwendet worden ist.

[23:27] Jetzt ist die Analogie sehr offensichtlich. Hiob stand sichtbar in vollster Blüte und er ist plötzlich dahingedorrt. Er hat plötzlich alles verloren. Und dieses Bild, das er verwendet, suggeriert also, dass das deswegen ist, weil es dem Hiob an der inneren Verbindung zum lebensspendenden Wasser, zum Wasser des Lebens, gefehlt hat. Er hat ein nützliches Leben gelebt, aber ihm fehlt es an echter Verbindung zum Wasser des Lebens.

[24:11] Und dann sagt er sogar in Vers 13: Das ist ja der Weg aller derer, die Gott vergessen. Er sagt das zwar nicht direkt, aber er meint letztlich, dass Hiob im Laufe seines guten Lebens und seiner Berühmtheit als Mann Gottes, Gott selbst vergessen hat. Ja, die Hoffnung des Ruchlosen geht zugrunde. Dieses Wort ruchlos ist sehr interessant. Interessanterweise wird es in der King James Version der englischen protestantischen Übersetzung als Heuchler übersetzt. Das heißt, da schwingt diese Idee mit, dass Hiob mit all seinem frommen Leben mehr zur Schau gestellt hat, als dass er wirklich innerlich gewesen sei. Und das ist ja letztlich auch irgendwo die Anklage des Satans im Himmel gewesen, als er über den Hiob gesprochen hat.

[25:01] Und das wird jetzt noch deutlicher in den nächsten Versen. Vers 14 zum Beispiel, 14 und 15. Da sagt er, Bildad seine Zuversicht, er spricht von den Gottlosen, wird abgeschnitten. Sein Vertrauen ist ein Spinnengewebe. Er stützt sich auf sein Haus, aber es hält nicht stand. Er hält sich daran fest, aber es bleibt nicht stehen. Und damit deutet er an, dass der Gottlose, der so plötzlich alles verliert, der so plötzlich einen Zusammenbruch erlebt, dass der sich auf seinen materiellen Besitz, auf seine irdische Zuversicht allein verlassen hat und die konnte ihm nicht retten.

[25:35] Und jetzt ist es interessant, darüber nachzudenken, was der Satan damals in der Begegnung mit Gott, dem Rat der Gottessöhne, gesagt hat. Wir schauen nochmal zurück in Hiob 1 und dort Vers 9. Da hatte der Satan nämlich gesagt zu dem Herrn: Ist Hiob umsonst gottesfürchtig? Hast du nicht ihn und sein Haus und alles, was er hat, ringsum eingehegt? Das Werk seiner Hände hast du gesegnet und seine Herden breiten sich aus im Land. Das heißt, dass dich Bildad jetzt zwischen den Zeilen suggeriert, Hiob, dass du so plötzlich alles verloren hast, wie so eine Papyrusstaube, die plötzlich zusammenbricht, weil das Wasser fehlt, deutet an, dass du dich zu sehr auf das Äußerliche verlassen hast, dass du deine Zuversicht auf irdischen Gewinn, auf dein Haus und auf alles mögliche, was du hattest, gestützt hast. Sein Vorwurf ist nichts weiter als eine Variante dessen, was der Satan behauptet hat, dass Hiob allein deswegen Gott treu ist, weil Gott ihn materiell gekauft hat.

[26:44] Vers 16 und 17 präsentieren jetzt ein poetisches Bild des Gottlosen in seiner kurzen Zeit, wo es ihm gut geht. Er steht voll Saft im Sonnenschein und seine Ranken überziehen seinen Garten, über Steinhaufen schlingen sich seine Wurzeln, auf sein Haus von Steinen schaut er hin. Dieses kurze Glück wird mit mehreren interessanten Symbolen hier beschrieben. Das Haus von Steinen deutet vermeintliche Sicherheit und Stabilität an, die Ranken, die den Garten überziehen, die deuten so ein Überfließen, so ein Ausgreifen an. Das Glück der Gottlosen, dieses temporäre Glück, scheint stabil zu sein, es scheint weit ausufernd zu sein und auch Eliphas hatte ja ähnlich schon argumentiert in Hiob 5 Vers 3, als er sagt: Ich selbst habe einen Narren gesehen, der Wurzeln schlug.

[27:44] Und dann lesen wir in Vers 18: Doch wenn man ihn von seiner Stätte wegreißt, so verleugnet sie ihn, ich habe dich nie gesehen. Auch das ist letztlich eine Wiederholung eines Gedankens, den schon Eliphas gehabt hat in Kapitel 7 und dort Vers 10, wo Eliphas sagt: Er kehrt nicht mehr in sein Haus zurück und seine Stätte kennt ihn nicht mehr. Hier sehen wir also, wie die Freunde auch diese Gedanken immer wieder wiederholen, um sie dem Hiob einzutrichtern.

[28:12] Vers 19, siehe, das ist die Freude seines Weges und aus dem Staub werden andere wachsen. Das heißt mit anderen Worten, der vermeintliche Segen Hiob, den du gehabt hast, so suggeriert es der Bildad, war in Wirklichkeit nur die kurzzeitige Freude eines Gottlosen, die immer bald zu Ende ist. Und interessanterweise kann man da vielleicht noch Kapitel 20, Vers 5 hinzunehmen, wo Zofar später sagt: So ist das Verlocken der Gottlosen kurz und die Freude der Freveler währt nur einen Augenblick. Ja, es gibt Freude, aber die ist nur kurz und Hiob, was du als Segen Gottes empfunden hast, war in Wirklichkeit nur die Freude eines Gottlosen. Eine wirklich fast schon unglaubliche Anklage, die sich hier formuliert und die aufgrund ihres falschen Verständnisses des Charakters Gottes innen fast unausweichlich erscheint.

[29:07] Und jetzt kommen wir zu Vers 20 und das ist ein Schlüsselvers hier überhaupt im ganzen Buch Hiob. Und vor allem zum Verständnis auch der Gedankenwelt des Bildad. Hiob 8, Vers 20: Siehe, Gott verwirft den Unschuldigen nicht und reicht auch keinem Übeltäter die Hand. Ein scheinbar sehr klarer, deutlicher Vers, da gibt es die Unschuldigen und da gibt es die Übeltäter. Ein Unschuldiger wird nicht verworfen und ein Übeltäter wird von Gott nicht irgendwie gefördert. Er reicht ihm nicht die Hand. Und das ist ein klares, gerechtes Bild. Das ist die Gedankenwelt des Bildad. Wer unschuldig ist, der wird nicht verworfen und wer schuldig ist, dem reicht Gott nicht die Hand.

[29:55] Und demzufolge kann man sehr einfach anhand der äußeren Dinge, die man beobachtet, zuordnen, wer unschuldig und wer Übeltäter ist. Bildad verteidigt sehr energisch die Gerechtigkeit Gottes. Aber er verteidigt eine Gerechtigkeit Gottes, in der es keinen Platz für Liebe und Gnade gibt. Und deswegen wird er, ohne es selbst zu wollen, zu einem so ungerechten Tröster. Denn das, was er sagt, ist extrem ungerecht, denn es passt überhaupt nicht und es schuldigt ja den Hiob zu Unrecht. Mit anderen Worten, jemand, der für die Gerechtigkeit Gottes kämpft, ohne dessen Liebe und Gnade mitzubedenken, wird selbst ungerecht und tut anderen Unrecht.

[30:45] Tatsächlich sind beide Ideen in diesem Vers eigentlich falsch. Es gibt einen Fall, in dem Gott tatsächlich den Unschuldigen verworfen hat. Jesus Christus war unschuldig und er wurde von Gott als Sünder behandelt. Er hat das gerechte Gericht über die Sünde empfangen und wurde von Gott entsprechend behandelt. Das tat Gott aus Liebe. Und es ist auch so, dass Gott auch dem Gottlosen die Hand reicht, ihn zurückgewinnen will. Matthäus 6, Vers 45. Damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel seid, denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte, so wie die Sünde auch diejenigen betrifft, die unschuldig sind. Gott selbst wird ja durch die Sünde in Mitleidenschaft gezogen in seinem äußerst wahren, äußerst tiefgründigen Sinne. Genauso ist auch die Liebe Gottes. Sie geht über die Grenze des scheinbar Angemessenen. Sie betrifft auch diejenigen, die es nicht verdient haben. So wie die Sünde Konsequenzen hat für die, die unschuldig sind und die Strafe nicht verdient haben, wie im Fall von Hiob hier, das Leid nicht verdient haben, so hat auch die Liebe Gottes etwas über die Grenzen gehendes. Sie streckt sich aus. Gott gießt seine Liebe über die aus, die seine Gnade und Güte, ein ewiges Leben nicht verdient haben. Und nur so wird die Gerechtigkeit Gottes wirklich verteidigt. Nur so kann man Fälle wie den Fall hier verstehen und Gott als gerecht bezeichnen.

[32:47] Er beendet seine Worte mit diesen, seine Rede mit diesen Worten: Während er deinen Mund mit Lachen füllen wird und deine Lippen mit Freuden geschrei, während deine Hasser mit Schande bekleidet werden und das Zelt der Gottlosen wird nicht mehr sein.

[33:01] Noch eine Rede wollen wir kurz betrachten und das ist die von Zofar, etwas kürzer in Hiob 11. Zofar, dieser Name bedeutet vielleicht so viel wie kleiner Vogel oder Spatz, sagt folgendes ab Vers 2. Soll die Menge der Worte unbeantwortet bleiben und der Schwätzer Recht behalten? Soll deinen geschwätzten Männern den Mund stopfen, dass du spottest und niemand dich beschämt?

[33:31] Der Zofar wirft dem Hiob vor mit Rhetorik, die keinen Halt in der Realität hat, den Sachverhalt falsch darzustellen. Der beschuldigt eigentlich den Hiob der Manipulation. Und das Wort, das hier mit Geschwätz steht, kann auch mit Lüge übersetzt werden. Interessanterweise, wenn man genau hinliest, hinschaut, dann sieht man, dass diese Worte auch eine subtile Anklage an seine beiden Freunde Bildad und Eliphas sind, denn die haben offensichtlich noch nichts Wirkliches bewirken können. Wenn er sagt hier: Und niemand dich beschämt und die Menge der Worte ist unbeantwortet geblieben. Also wird jetzt Zofar etwas Neues beitragen können? Das ist die Frage.

[34:22] Er sagt in Vers 4: Und du hast gesagt, meine Lehre ist lauter und ich bin vor deinen Augen rein. Damit spielt er auf mehrere Aussagen Hiobs an, die der in den folgenden Kapiteln getätigt hat. Zum Beispiel in Hiob 6 und dort Vers 10. Er hat Gottes Wort gepredigt. Vers 29. Kehrt doch um. Tut nicht Unrecht. Ja, kehrt um. Noch bin ich im Recht. Ist dein Unrecht auf meiner Zunge? Oder 7 Vers 20: Habe ich gesündigt? Oder 10 Vers 7: Obwohl du doch weißt, dass ich unschuldig bin und mich niemand aus deiner Hand erretten kann. Also Hiob hat das immer wieder deutlich gemacht, dass er tatsächlich hier in diesem konkreten Fall sich keiner Sünde, keiner Schuld bewusst war.

[35:12] Das ist natürlich eine wichtige Typologie, ist zunächst einmal auf Jesus, aber dann natürlich auch auf die letzte Zeit. Die Zeit nach der Gnadenzeit, wo Menschen, die auch Sünder gewesen sind, durch Gottes Gnade verändert worden sind. Und tatsächlich nicht mehr sich erinnern können, nach dem Ende der Gnadenzeit Sünden getan zu haben. Die aber trotzdem in eine große Krise gestürzt werden, weil es ihnen in der Zeit der Trübsal äußerst schlecht gehen wird. Und Menschen das als Anlass nehmen werden, zu behaupten, dass sie von Gott abgeschnitten sind. Also insofern lesen wir Dinge, die wir vielleicht schneller als wir glauben auch selbst erleben werden.

[35:57] Und dann kommt es zu einer wirklich bemerkenswerten Aussage hier in Hiob 11 und dort Vers 5. Also der erste Teil des Verses ist ja wirklich ein schöner Wunsch. Ein Verlangen nach dem Wort Gottes, aber dann die Motivation dahinter ist wirklich bemerkenswert. Er sagt: Ich wünsche mir, dass Gott rede und zwar gegen dich. Wie oft kommt es vor, dass wir uns das Wort Gottes wünschen als Waffe gegen jemand anderes, um zu beweisen, dass wir recht haben und der andere falsch liegt. Nun, Gott würde sehr bald antworten. Er würde sehr bald reden. Aber und so haben wir gelesen in Hiob 42 Vers 7, nicht gegen Hiob, sondern gegen Zofar. Wie oft glauben wir im Recht zu sein und Gott auf unserer Seite zu haben, während das Wort Gottes gerade uns verdammt. Könnte es sein, dass wir an einem bestimmten Punkt, einer bestimmten Sache, einer Lehre, einer Lebensbefragung, irgendetwas uns sicher sind, dass Gottes Wort auf unserer Seite ist. Und wir uns wünschen, dass das Wort Gottes schnellstmöglich die anderen auf der anderen Seite bestraft, während wir vielleicht nicht realisieren, dass das Wort Gottes gegen uns gerichtet ist. Das war die Situation mit Zofar.

[37:17] Vers 6. Und dass er dir doch die Geheimnisse der Weisheit verkündete. Denn es gibt noch doppelt so viele, wie du weißt. So würdest du erkennen, dass Gott dir noch nachlässt von deiner Schuld. Hier sind einige prinzipiell richtige Beobachtungen gemacht. Natürlich gibt es eine unergründliche Weisheit, die nicht nur doppelt so viele ist, wie was wir wissen können, sondern noch viel mehr. Und da gibt es viele Bibelverse, die das behandeln. Und es stimmt auch, dass Gott nicht nach unserer Sünde immer gleich so mit uns handelt. Psalm 103 ist da ein wichtiger Vers. Vers 10.

[38:02] Also wir sehen hier wieder, dass viele wirklich gute Wahrheiten, die auch biblisch begründbar sind, zusammenkommen, mit aber zum Teil falscher Motivation. Und dadurch diese äußerst angespannte Situation, diese ungute Situation erzeugen. Also all die Wahrheiten, die der Zofar hier sagt und ausdrückt, können ihre eigentliche Wirkung nicht entfalten, weil er nicht gekommen ist, um hier wirklich zu helfen, sondern um Recht zu haben. Könnte es sein, dass wir manchmal mit viel Wahrheit durch die Welt gehen, aber diese Wahrheit nicht ihr Potenzial entfalten kann, weil wir nicht helfen wollen, sondern weil wir Recht haben wollen und dadurch selbst ungerecht werden.

[38:45] Vers 7. Wichtig ist hier an dieser Stelle, dass das Wort Vollkommenheit sich auf das vollkommene Wissen Gottes bezieht und nicht auf den Charakter Gottes. Hier gibt es ja eine interessante Aussage in Matthäus 5, Vers 48, wo es um den Charakter geht und Jesus sagt, dass wir vollkommen sein sollen, wie unser Vater im Himmel vollkommen ist. Hier geht es um das, was man von Gott wissen kann, um die Erforschbarkeit seiner Wege und seines Wesens. Und da hatte schon Eliphas in Kapitel 5, Vers 9 einiges dazu gesagt, als er sagte: Der große unerforschliche Dinge tut, Wunder, die nicht zu zählen sind. Etwas, das man immer wieder findet im Buch Hiob, auch Hiob selbst hat ihm zugestimmt, zum Beispiel Hiob 26 und dort Vers 14. Siehe, das sind die Umrisse seiner Wege, wie leise ist das Wort, das wir davon vernehmen, aber den Donner seiner Macht, wer versteht ihn? Etwas, das wir auch dann im Neuen Testament wiederfinden, diese Idee, dass Gottes Wege unerforschlich sind, hat auch der Paulus zu Papier gebracht, in Römer 11, Vers 33. Oh, welche Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes, wie unergründlich sind seine Gerichte und wie unausforschlich seine Wege.

[40:02] Nur einer kann all das erforschen, und das ist der Heilige Geist, 1. Korinther 2, Vers 10. Uns aber hat es Gott offenbar durch seinen Geist, denn der Geist Gottes erforscht alles, auch die Tiefen Gottes. Das, was wir als Menschen ohne den Geist Gottes nie erforschen können, wird offenbar durch den Heiligen Geist, denn der Heilige Geist erforscht alles.

[40:21] Hiob 11, und dort Vers 8. Sie, die Tiefe Gottes, die Weisheit Gottes, sie ist himmelhoch, was willst du tun? Tiefer als das Totenreich, was kannst du wissen? Nun, wenn Gottes Wissen so überwältigend ist, und Zofar in diesem Punkt absolut recht hat, jetzt ist ein wichtiger Punkt, den wir verstehen müssen, dann stellt sich die Frage, warum er sich nicht selbst an seine Erkenntnis hält. Er sagt hier dem Hiob, Gottes Wege sind unergründlich, und obwohl er das theoretisch weiß, nimmt er für sich in Anspruch, genauso wie seine beiden Freunde, trotz der Unergründlichkeit der Wege Gottes, ein exaktes moralisches Urteil über Hiob fällen zu können. Diese Inkonsequenz gibt es heute auch noch. Wir wissen manche Dinge theoretisch, sagen sie auch und tun trotzdem etwas anderes. Zofar wusste, die Wege Gottes sind unergründlich, meint aber trotzdem genau bestimmen zu können, dass aufgrund dieser und dieser Dinge, die er gesehen hat, Gott so und so über Hiob denkt. Zofar handelte gegen die Wahrheit, die er selbst dem Hiob verkündigt. Und wie oft tun wir das?

[41:54] Denn die Unergründlichkeit der Wege Gottes hat eigentlich einen sehr tröstlichen Aspekt. Wir haben ja gerade schon Jesaja 55 gelesen, wo es heißt: Such den Herrn, solange er zu finden ist, ruft ihn an, während er nahe ist, versieben. Der Gottlose verlasse seinen Weg, und er übeltete seine Gedanken, und er kehre um zu dem Herrn, so wird er sich über ihn erbarmen und zu unserem Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung. Und jetzt kommen diese Verse, Vers 8: Denn meine Gedanken, denn, das heißt als Begründung für diesen Erlösungsgedanken, denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, sondern so hoch der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind meine Wege als eure Wege, und meine Gedanken als eure Gedanken. Wenn wir denken, dass da keine Hoffnung mehr ist, ist bei Gott eine ganz andere Sichtweise vorhanden.

[42:41] Die Unerforschlichkeit der Gedanken Gottes, das Wissen darüber, hätte Zofar und seine Freunde dazu bringen sollen, dem Hiob Mut zu machen. Es war ja eigentlich der perfekte Punkt, die perfekte theologische Erkenntnis, Hiob zu helfen, dass hier vielleicht etwas im Spiel ist, das wir nicht als Menschen verstehen können, dass etwas dort im Himmel passiert ist, was wir nicht begreifen können, was aber trotzdem real ist, das hätte geholfen zu verstehen, dass Hiob auch als Unschuldiger vielleicht leiden muss, dass er nicht unbedingt Schuld ist, aber dass Gott auch das Ganze nicht gebracht hat. Man hätte anhand dieses Gedankens darüber nachdenken können, dass es eine andere Ursache gibt, die man noch nicht bedacht hat. All das hätte helfen können, all das ist nicht geschehen, weil die Wahrheit, die verkündet worden ist, nicht selbst durchdacht worden ist.

[43:29] Übrigens, der Zofar, der breitet dieses Bild von der Unerforschlichkeit Gottes noch weiter aus, in Vers 9: Ihre Ausdehnung ist größer als die Erde und breiter als das Meer. Das ist übrigens ein sehr guter Punkt, wenn die Weisheit Gottes größer als die Erde und größer als das Meer, also größer als unser Erdball ist, dann ist es kein Wunder, dass egal wohin wir fliehen, wir immer auf Gott treffen werden. So wie es Psalm 139 und dort Vers 9 und 10 ausdrücken, Psalm 139 und dort Vers 9 und 10. Nähme ich Flügel der Morgenröte und ließe mich nieder am äußersten Ende des Meeres, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. Gott ist überall anzutreffen.

[44:11] Und wenn der Zofar sagt hier in Vers 11: Denn er kennt die nichtswürdigen Leute und er sieht auch die Schuld, ohne dass er darauf Acht haben muss, dann ist das wahr. Springen wir zu Vers 13: Wenn du nun dein Herz fest ausrichtest und zu ihm deine Hände ausstreckst, hier kommt wieder dieser Gedanke, suche doch Gott. Zofar, der einen dritten Versuch startet, sagt genau dasselbe.

[44:32] Dann Vers 14: Und wenn Unrecht an deinen Händen ist, so entferne es und lass in deinem Zelt nichts Böses wohnen. Ein wirklich schöner Aufruf, ein bisschen gerade an der Thematik vorbei, aber an sich sehr gut.

[44:56] Und dann kommen die Verse 15 bis 20 und die sind interessant. Denn ohne es vielleicht sogar wirklich richtig zu wollen, beschreibt der Zofar hier eine Botschaft der Hoffnung. Es ist so, als ob er fast gegen seinen Willen, dem Hiob, die Möglichkeiten einer segensreichen Zukunft vor Augen führt. Diese Worte sind sehr bedeutsam für das Buch Hiob. Es sind Worte wie diese, die dem Hiob wieder helfen, aus dieser äußersten Depression herauszukommen und festzuhalten an der Erkenntnis.

[45:41] Und die Frage ist, die wir daraus lernen können, sind wir in der Lage, Worte der Hoffnung wahrzunehmen, wenn sie aus dem Mund dessen kommen, der uns vorher zu Unrecht beschuldigt hat, der sich als Besserwisser aufgespielt hat, der uns theologisch angegriffen hat. Könnte es sein, dass auch unsere theologischen Feinde, um es zugespitzt zu formulieren, manchmal Dinge sagen, die uns sehr helfen könnten, wenn wir nur richtig zuhören würden? Diesen Vers 15.

[46:11] Ja, dann darfst du ohne Scheu dein Angesicht erheben und fest auftreten ohne Furcht. Johannes hat einiges geschrieben über dieses Leben ohne Furcht, 1. Johannes 2, Vers 28 zum Beispiel. Dann wirst du deine Mühsal vergessen, wie man das Wasser vergisst, das vorüber geflossen ist. Es ist dem Zofar wohl nicht aufgefallen, dass Hiob dasselbe Bild eines vergänglichen Wasserbaches benutzt hat, um seine Freunde zu beschreiben, die ihm tatsächlich zu einer Mühsal geworden sind, jetzt hier in diesem Gespräch. Dieses Vergessen der Mühsal ist ein Bild, das auf die neue Erde auch zutrifft, wenn man Offenbarung 21 und andere Stellen denkt, nur als Beispiel hier Offenbarung 21 und dort Vers 4. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein, denn das Erste ist vergangen.

[47:01] Und dann kommt Vers 17, dann Hiob 11. Heller als der Mittag wird dein Leben dir aufgehen, das Dunkel wird wie der Morgen sein. Das ist nicht so ähnlich, wie auch die Sprüche sagen in Sprüche 4 und dort Vers 18, wo es so wunderschön heißt, dass der Pfad der Gerechten wie der Glanz des Morgenlichts ist, das immer heller leuchtet bis zum vollen Tag. Man mag vielleicht auch an Maleachi 3 Vers 20 denken, wo die Sonne der Gerechtigkeit aufgeht.

[47:33] Und dann kommt Vers 18, dann wirst du getrost sein, weil es Hoffnung gibt. Und wirst um dich blicken und in Sicherheit dich niederlegen. Der Zusammenhang zwischen Hoffnung und Anfechtung, der ist von Paulus sehr schön beschrieben worden. In Römer 5, von dort Vers 3 bis 5. Dort lesen wir in Römer 5 Vers 3 bis 5: Aber nicht nur das, sondern wir rühmen uns auch in den Bedrängnissen. Die Bedrängnis, die Hiob erlebt hat, war eine außergewöhnliche. Weil wir wissen, dass die Bedrängnis, Achtung, standhaftes Ausharren bewirkt. Das standhafte Ausharren, aber Bewährung, die Bewährung, aber Hoffnung. Die Hoffnung aber lässt nicht zu Schanden werden, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen, durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist. Paulus zeigt, wie es gerade die Anfechtungen sind, die Bedrängnisse, die, wenn sie im Glauben angenommen werden, wenn Christus nicht verstoßen wird aus unserem Herzen, trotz der Krisen, trotz der Enttäuschung, trotz der Schwierigkeiten, dass gerade das zu einem standhaften Ausharren führt, zu einer Bewährung, zu einem festen Fundament, das durch alle Krisen hindurchträgt, zu einer echten, wirklichen, stabilen Hoffnung.

[48:53] Und der Jakobus stimmt mit ein in diesen Gedanken. Wenn der Jakobus 5 tatsächlich den Hiob sogar als Kronzeugen für diesen Gedanken anführt, in Jakobus 5 und dort Vers 11: Siehe, wir preisen die glückselig, welche standhaft ausharren. Und jeder, der die Offenbarung kennt, dem schwingen die Worte aus Offenbarung 14, Vers 12 hiermit, wo es heißt: Hier sind die da, halten die Gebote Gottes und haben den Glauben Jesu. Hier ist die Geduld der Heiligen, das standhafte Ausharren der Heiligen. Siehe, wir preisen die glückselig, welche standhaft ausharren. Von Hiobs standhaftem Ausharren habt ihr gehört. Und ihr habt das Ende gesehen, das der Herr für ihn bereitet hat. Denn der Herr ist voll Mitleid und Erbarmen.

[49:39] Diese segensreiche Zukunft ist der Kern dieser letzten Worte von Zofar in seiner ersten Rede. In Vers 19 heißt es dann in Hiob 11: Du legst dich zur Ruhe und niemand schreckt dich auf und viele werden dann deine Gunst suchen. Auch das ist schneller eingetroffen, als der Zofar sich das hätte träumen können. Nur einige Kapitel später lesen wir, wie es in Vers 8 und 9 in Hiob 42 heißt: So nehmt nun sieben Jungstiere und sieben Widder und geht zu meinem Knecht Hiob und bringt sie als Brandopfer dar für euch selbst. Mein Knecht Hiob, aber soll für euch bitten, denn nur ihn werde ich erhören, dass ich gegen euch nicht nach eurer Tora handle, denn ihr habt nicht recht mit mir geredet, wie mein Knecht Hiob. Und Bildad der Schuchiter und Zofar der Naamathiter und macht es so, wie der Herr es ihm befohlen hatte und der Herr erhöhte Hiob. Dieser selbe Zofar, der sagt hier in Hiob 11, Vers 19: Viele werden dann deine Gunst suchen, kommen kurzer Zeit später mit der entsprechenden Opfergabe zu Hiob und suchen die Gunst, dass dieser für ihn bitten wird.

[50:45] Und als Kontrast für diese Hoffnung, die er fast unwissentlich dem Hiob präsentiert, dann Vers 20: Aber die Augen der Gottlosen verschmachten, ihre Zuflucht geht ihnen verloren und ihre Hoffnung ist das Aushauchen der Seele. Da gibt es zwei Hoffnungen. Die Hoffnung der Gottlosen ist, dass die Seele, hebräische Nefesch, also das Leben, aushaucht. Alles, was der Gottlose hoffen kann, ist, dass er irgendwann nicht mehr existiert. Da gibt es keine Hoffnung über den Tod. Aber wenn die Hoffnung der Gottlosen mit dem Tod vorbei ist, dann folgt daraus, dass die Hoffnung der Gläubigen, die an Gott festhalten, über den Tod hinausgeht. Das heißt, all die Dinge, die dir Vers 15 bis 19 beschrieben sind, sind die Hoffnung, die Zuversicht, das, was der Gläubige annehmen darf im Glauben, all das, was über den Tod hinausgeht.

[51:38] Lieber Freund, liebe Freundin, vielleicht befindest du dich heute in einer Krise. Und vielleicht kann es sein, dass diese Krise auch zum Teil dein Verschulden ist. Das wäre nicht außergewöhnlich. Aber es kann auch sein, es passiert sehr oft, dass wir auch leiden aufgrund der Sünden anderer. Dass wir leiden aufgrund von Umständen, die wir nicht beeinflussen konnten. Und dass vielleicht andere sogar glauben, dass es ein Strafgericht Gottes ist, eine ausgleichende Strafe. In Wirklichkeit ist es nur eine dieser vielen Konsequenzen der Sünde, die immer auch die Unschuldigen betreffen.

[52:16] Dann halte fest an Gott. Lass dich nicht beirren von Menschen, die viel Wahrheit reden, aber trotzdem ungerecht handeln und denken. Höre auf die wahren Worte, die sie sagen. Verwirf nicht die Worte der Wahrheit, selbst wenn sie aus dem Mund derer kommen, die dich verletzen. Halte fest an dem Wort Gottes. Und du wirst in diesem standhaften Aussagen das Fundament der Hoffnung legen. Und du wirst eine Hoffnung haben, die weit über das Ende, weit über den Tod hinaus reichen wird. Gott segne dich darin.

[53:00] Nächste Woche wollen wir das Buch hier weiter studieren, weitere Gedanken durchdenken und uns weiter hinein vertiefen, dieses wunderbare Buch. Und bis dahin wünsche ich euch Gottes Segen und viel Freude im Studium seines Wortes. Amen.


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