In dieser Folge von „Sola Veritas“ taucht Christopher Kramp in die prägenden Ereignisse der Jahre 1485 bis 1487 ein. Er beleuchtet das Schicksal von Andreas von Hartung, die Nachwirkungen der Hussitenkriege und die religiösen Spannungen in Böhmen. Darüber hinaus werden bedeutende politische Umwälzungen wie der Krieg der Rosen in England und die Leipziger Teilung Sachsens thematisiert. Auch die Anfänge des Humanismus und die frühe Bedeutung des Buchdrucks werden thematisiert, bevor ein Blick auf die Entdeckungsreisen und die politischen Entwicklungen im Heiligen Römischen Reich geworfen wird.
Sola Veritas: 2. Prägende Ereignisse (1485-1487)
Christopher Kramp · Sola Veritas - Die wahre Chronik der ReformationPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Sola Veritas – Die Wahre Chronik der Reformation
500 Jahre ist die Reformation alt: wird sie fortgeführt oder begraben? Wie verhalten sich Luthers Erben und was wird aus seinen (Wieder)entdeckungen? All das sind wichtige Fragen. Doch beantworten kann sie nur, wer das Reformationsgeschehen selbst gründlich kennt. „Sola Veritas – Die wahre Chronik der Reformation“ bietet weitaus mehr als die üblichen bekannten Zusammenfassungen und Anekdoten. Ausgehend vom Jahre 1482 wird alles chronologisch erzählt, was weltgeschichlich und biographisch (sowohl bezüglich Luther als auch vieler anderer, zum Teil sehr unbekannter Reformatoren) wichtig war. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt des Spätmittelalters, erleben sie das zaghafte Aufblühen von Wissenschaft und Kultur, verfolgen sie die Debatten um philosophische und theologische Streitfragen und entdecken sie Schritt für Schritt mit Luther und seinen Mitkämpfern befreiende biblische Wahrheiten. So wird Kirchengeschichte lebensnah und endlich gut verständlich…. Neue Folgen wöchentlich, bzw. wenn es die Zeit erlaubt. Ein Programm von www.joelmediatv.de
Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:
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Serie: Sola Veritas - Die wahre Chronik der Reformation
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Transkript
[0:37] Herzlich willkommen zu Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation. Stadt eingestellt haben zur zweiten Folge unserer Geschichte über die Ereignisse der großen Reformation. Wir haben angefangen im Jahr 1482, haben viele verschiedene Ereignisse der Weltgeschichte betrachtet, die zunächst einmal fast etwas zusammenhanglos erscheinen mögen. Die aber, wenn man je länger die Geschichte verfolgt, immer mehr zusammenwirken zu einem großen Ganzen. In die dunkle Zeit des ausgehenden Mittelalters und des anbrechenden Humanismus wurden einige Menschen geboren. Wir haben die Geburt von Martin Luther, von Ulrich Zwingli und einigen anderen notiert. Und noch haben wir nicht genau gesehen, wie ihre Leben mit dieser Welt zusammenhängen werden, aber das wird jetzt kommen von Folge zu Folge. Wollen wir ihr Leben betrachten und auch die Ereignisse der Welt, die alle zusteuerten auf diesen großen Climax der Reformation. Es ist eine Geschichte, die vor allem um den Glauben und die persönliche Überzeugung sich dreht. Deswegen wollen wir auch diese Folge mit einem Gebet beginnen. Ich lade Sie dazu ganz recht herzlich ein.
[1:52] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen für das Vorrecht, zurückschauen zu können und zu sehen, wie du in der Geschichte gewirkt hast. Wie du Menschen, Männer und Frauen, unterschiedlichen Ranges, unterschiedlicher Begabung, unterschiedlichen Alters verwendet hast, um dein Werk voranzubringen. Lass uns lernen daraus und schenk uns deinen Heiligen Geist in der Betrachtung dieser heiligen Geschichte. Im Namen Jesu. Amen.
[2:37] 1485 bis 1487 – prägende Ereignisse. Das Jahr 1485 begann damit, dass nach etlichen Wochen endlich der Leichnam von Andreas von Hartung aus dem Kerker in Basel, dort in diesem Turm, herausgenommen worden war. Man hatte ihn ja, so erinnern wir uns in der letzten Folge gegen Ende des vorigen Jahres, dort tot entdeckt. Bis heute ist unklar, ob er sich selbst umgebracht hat oder ob er doch das Opfer eines Mordanschlags gewesen ist. Er, der als Erzbischof von Mainz gegen den Papst und die Missstände in Rom protestiert hatte und ein allgemeines Konzil dort in Basel einberufen wollte. Er war tot und war jetzt etliche Wochen lang dort im Turm tot liegen gelassen worden. Erst am 12. Januar wurde er aus dem Turm geschleift, in ein Fass gelagert und in den Rhein geworfen.
[3:39] Aufgrund dessen wurden dann elf Tage später das Interdikt über die Stadt Basel aufgehoben und die Stadt konnte wieder zur Normalität zurückkehren. Das Werfen der sterblichen Überreste in den Rhein, ein Interdikt liegt gegen eine unterstützende Stadt – all das klang dem geneigten Beobachter doch recht ähnlich wie die Umstände Jahrzehnte zuvor bei der berüchtigten Verurteilung von Jan Hus und Hieronymus. Noch immer galten die Böhmen als die Pest der Christenheit. Fast ganz Böhmen hatte sich vom katholischen Glauben losgesagt. Noch war ganz frisch in Erinnerung, wie Jahrzehnte zuvor beim Konzil in Konstanz zunächst Jan Hus und dann Hieronymus gegen das Versprechen, dass man ihnen eigentlich ein sicheres Geleit gegeben hatte, verbrannt worden waren. Daraufhin hatten sich die Böhmen nach oben, viele von ihnen hatten die Lehren von Jan Hus angenommen und man nannte sie die Hussiten. Ein Krieg war ausgebrochen, mehrere Kreuzzüge gegen die Hussiten waren erfolglos gewesen. Und diese Hussiten hatten einige wichtige theologische Forderungen. Eine der Hauptforderungen war die Forderung nach dem Laienkelch. Die katholische Kirche hatte sich entschlossen, beim Abendmahl nur das Brot auszuteilen, die Hostie, aber den Kelch mit dem Wein für den Priester zurückzuhalten. Jan Hus und seine Anhänger hatten gefordert, dass jeder Gläubige in der Kirche an dem vollständigen Abendmahl teilnehmen sollte. Hatte nicht Jesus in Matthäus 26 bei der Einsetzung des Abendmahls gesagt: „Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen denselben und sprach: Trinkt alle daraus; denn das ist mein Blut, das des neuen Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ Dafür hatten die Hussiten gekämpft.
[5:39] Ziska und andere hatten die Armeen der Böhmen gegen den Kaiser in das Feld geführt. Aber dann hatten sich die Hussiten theologisch gespalten. Die gemäßigteren, kompromissbereiten unter den Christen, genannt nach ihrer Forderung nach dem Laienkelch, waren bereit, grundsätzlich mit Rom zusammenzuarbeiten und hatten dann auf dem Konzil von Basel einen Kompromiss zugestimmt. Während die konsequentere Fraktion das ablehnte. Sie sahen in Rom den Antichristen und konnten ein Zusammengehen mit der katholischen Kirche nicht mehr befürworten. So kam es dann zum Bürgerkrieg, und die Fraktion unterlagen und die letzten Überreste von den versprengten sich in Böhmen und Mähren. Und aus diesen letzten Überresten entstand dann die Brüder-Unität.
[6:36] Im Jahre 1485 kam es nun zu einem weiteren wichtigen Ereignis, eben nach Klang dieser Hussitenkriege, und zwar in Kuttenberg, einer Stadt in Böhmen. Guttenberg auf Deutsch, ein Königssitz der böhmischen Könige. Gab es einen Landtag, eine Zusammenkunft der verschiedenen böhmischen Stände unter Vorsitz von Vladislav dem Zweiten, dem König von Böhmen. Tatsächlich waren bis zu diesem Zeitpunkt die böhmischen Könige die einzigen Könige in Europa, die nicht katholisch waren. Und das war natürlich der restlichen katholischen Welt ein schweres Dorn im Auge. Der Begriff Böhmen war so etwas wie ein Schimpfwort, gleichbedeutend mit Ketzer oder Irlehre. Und dort in Kuttenberg kam es zu einem Ausgleich, eine Religionsfrieden wurde schriftlich vereinbart zwischen der katholischen Partei und den Utraquisten, die ja schon in Basel auf die katholische Kirche zugegangen waren. Damit sollten letzte Streitigkeiten beigelegt werden. Wie gesagt, die Utraquisten, das waren vor allem Adlige, mussten die durchaus zu Kompromissen bereit waren. Die Unierten Brüder waren die konsequenteren Hussiten, die die Gemeinschaft mit Rom verweigerten. Aber die waren ausgeschlossen von diesem Religionsfrieden und wurden weiter schwer verfolgt und bekämpft. Und trotz dieses Religionsfriedens ist er, zumindest mal in Böhmen, die zerstrittenen Parteien der Utraquisten und der Katholiken harmonisieren und versöhnen sollte. Tat dieses Dekret nicht dazu bei, dass das Ansehen der Böhmen in der restlichen theologischen Welt irgendwie sich gebessert hätte. Zumindestens brachte es ein gewisses Stück Frieden erst einmal für das von Krieg und inneren Zwistigkeiten zerrissene Land in Böhmen.
[8:38] Derweil ging der Krieg der Ungarn gegen die habsburgischen Erben, gegen Österreich, mit voller Vehemenz weiter. Vier Monate hatte König Matthias Corvinus, der König der Ungarn und Kroaten, die Hauptstadt Österreichs, Wien, belagert, als am ersten Juni er in Wien einzog und sich jetzt zu allem Überfluss auch noch den Namen und Titel Erzherzog von Österreich zulegte. Das war natürlich ein immenser Schlag für den regierenden habsburgischen Kaiser Friedrich den Dritten. Ihm blieb nur noch die einstige Kaiserresidenz Wiener Neustadt, die noch immer in der Kontrolle der Österreicher lag.
[9:25] Dreieinhalb Wochen später, am 24. Juni, wurde im Herzogtum Pommern an der Ostsee ein Kind geboren. Sein Name: Johannes Bugenhagen. Und auch er sollte später eine große Rolle in der Reformationsgeschichte spielen. Im Sommer brach der Krieg der Rosen wieder aus. Die beiden Häuser Lancaster und York waren ja seit Jahrzehnten in der Fehde um den englischen Königsthron. Kaum hatte sich Richard der Dritte, wie in der letzten Folge gesehen, durch Intrigen und Ränke sich des Thrones bemächtigt, schon wurde seine Macht herausgefordert durch aufständische Adelige, angeführt von Henry Tudor aus dem Haus Lancaster. Es kam zur Schlacht hier in Zentralengland, auf den Bosworth Field, und Richard der Dritte, gerade mal erst König geworden und auch einige Schicksalsschläge hatte er erlebt, dann ist das letzte Mal gesehen, mit 33 Jahren starb er hier auf dem Schlachtfeld und damit ging seine Regierung auch schon wieder zu Ende. Das übernahmen der Sieger der Schlacht, Henry Tudor, und damit hatte sich das Blatt in diesen Rosenkriegen noch einmal gewendet.
[10:48] Als Henry nach London kam, brach dort eine bis heute nicht ganz aufgeklärte, große Epidemie aus. Die englische Krankheit war schon aufgetreten dort, wo die Armee des Henry Tudor zuvor gekämpft hatte. Und diese Epidemie raffte eine ganze Menge von englischen Landsleuten hinweg.
[11:12] Am 27. Oktober 1485 starb Rudolf Agricola in Heidelberg. Er war erst etwas mehr als 40 Jahre alt geworden und er war tatsächlich der Vater des deutschen Humanismus. Er hatte von den Italienern haben diese neue Geistesströmung, diese neue Art Wissenschaft zu betreiben, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, gelernt und in den deutschsprachigen Raum verbreitet. Streng genommen war er Niederländer, was damals mit in das Heilige Römische Reich deutscher Nation fiel. Als er starb, gab es noch kein einziges gedrucktes Buch von ihm. Der Buchdruck war ja immer noch in den Kinderschuhen. Es gab nur etliche handschriftliche Aufzeichnungen, die sich aber sehr schnell verbreitet hatten. Er wirkte zuletzt im Umfeld der Heidelberger Universität. Er verkörperte dieses neue Modell eines Universalgelehrten, der in Literatur, Philosophie, Musik, Kunst überall gebildet war. Und von diesem Typus haben wir eine Renaissance sehr viele gehabt. Vor allem hat er sich dafür eingesetzt, die Erziehung der Jugend, das Programm an den Universitäten wieder zu verändern, wieder auf eine klassischere Grundlage zu stellen, wieder mehr die Originalquellen in den Mittelpunkt zu rücken. Er schrieb die erste wirkliche pädagogische Abhandlung des deutschen Humanismus, übersetzte viele griechische Werke und auch lateinische Werke und setzte sich sehr dafür ein, die Antike wieder zu studieren.
[12:50] Sechs Tage später, am 30. Oktober, wurde Henry der Siebte gekrönt. König von England war er jetzt und das Haus Tudor sollte diese Krone zunächst einmal auch behalten. Noch ein wichtiges politisches Ereignis prägte nicht nur das Jahr 1485, sondern die kommenden Generationen. Ja, diesem Fall muss man sagen, die restliche deutsche Geschichte. Und das war zunächst einmal eine recht brüderlich aussehende Aktion der Brüder Ernst, der Kurfürst von Sachsen, und Albrecht der Beherzte, sein Bruder. Die kamen auf die Idee, das bisherige Kurfürstentum des Herzogtums Sachsen zwischen sich aufzuteilen, so dass beide einen Herrschertitel haben könnten und beide dann regieren könnten über jeweils die Hälfte des Territoriums. Beide waren etwas älter als 40. Und diese Teilung des bisher so mächtigen Herzogtums Sachsen, dann der Stärke der wichtigsten Territorien im gesamten Heiligen Römischen Reich. Diese Teilung wurde bekannt als die sogenannte Leipziger Teilung von 1485. Sie ist von großer Bedeutung, wenn man später die genaueren Details der Reformationsgeschichte verstehen will. Weil ab diesem Zeitpunkt, ab 1485, es jetzt zwei Fürstentümer Sachsen gab. So einmal das Kurfürstentum hier auf der Karte als rotes Gebiet markiert und dann das Herzogtum Sachsen als unabhängig, davon hier mit gelb markiert. Auf der Karte kann man auch schön sehen, wie das Mansfeld, Mansfeld und Eisleben außerhalb dessen lagen, in der Grafschaft Mansfeld, aber es war es in der unmittelbaren Nähe von der Gegend, in der Martin Luther aufwuchs.
[14:55] Diese Leipziger Teilung, das schien zunächst einmal als etwas sehr Sinnvolles, ging auch sehr friedlich vonstatten. Ernst durfte die Gebietsaufteilung vornehmen und Albert durfte dann als erster wählen. Aber im Nachhinein haben Historiker festgestellt, dass diese Leipziger Teilung die deutsche Geschichte maßgeblich beeinflusst hat. Nur dadurch, durch diese letztendliche Schwächung von Sachsen, ist dann später möglich gewesen, dass Brandenburg aufschlug und später Preußen eine so große Vormachtstellung in Deutschland kam. Also ein ganz fast schon weltgeschichtlich bedeutsames Ereignis hier im Jahre 1485. Zunächst einmal waren aber beide Territorien sehr eng miteinander verbunden und man gab auch gemeinsam noch heraus. Aber von jetzt an darf man in der weiteren Erzählung dieser Geschichte das Kurfürstentum Sachsen und das Herzogtum Sachsen nicht nur miteinander verwechseln. Sind zwei verschiedene Territorien gewesen.
[15:51] Ein interessantes Buch, das in jener Zeit gedruckt wurde, das erste deutsche gedruckte Kräuterbuch, der sogenannte "Gart der Gesundheit", der noch über Jahrzehnte und Jahrhunderte eine gigantische, gigantischen Einfluss haben sollte, in die Heilkraft, auf die Heilkunde in deutschen Landen. Sei hier auch verzeichnet als aus dem Jahre 1485 kommend.
[16:22] Und etwas, was besonders spannend ist, ist ein weiteres Buch, das 1485 begonnen wurde, obwohl es heute davon keinen einzigen, kein einziges Exemplar mehr gibt. Ein gewisser Johann Hilten, ein Franziskaner, begann sich intensiv mit dem Buch Daniel zu beschäftigen. Damit, der letzten Folge schon gesehen, dass es auch in jener Zeit schon immer wieder Menschen gab, sowohl in der Christenheit als auch außerhalb der Christenheit, die sich mit diesen mit den Prophezeiungen des Propheten Daniel beschäftigt hatten. Hilten war ebenfalls sehr in die Prophetie vertieft und schrieb dieses Buch über Daniel. Hat auch einiges über die Offenbarung kommentiert. In diesem Buch macht er mehrere kühne Vorhersagen. Er sagt z.B. für das Jahr 1600 den Sieg der Türken voraus und für 1651 das Ende der Welt. Damit lag er natürlich, wie wir heute wissen, knapp daneben.
[17:14] Aber sehr viel knapper war das bei einer anderen Vorhersage, die ziemlich erstaunlich ist. Er sagte nämlich in jener Zeit voraus, dass 1615/16 jemand auftreten würde, der dem Mönchtum die Stirn bieten würde und gegen das man nichts tun würde und das erstaunt natürlich, wenn man so ein bisschen schon die Reformationsgeschichte kennt, über die wir noch mehr erfahren werden.
[17:40] Ungefähr im Jahre 1485 die genauen, das genaue Geburtsdatum, Geburtsdaten sind nicht ganz bekannt, wurden auch geboren. Louis de Bakker in der Grafschaft, aus ritterlichem Geschlecht stammte er, geboren in York. Und ebenfalls ungefähr dieser Zeit geboren: Thomas Cromwell in Sydney, das in der Nähe von London lag und liegt. Und auch diese beiden noch mit großer wichtiger Rolle in der künftigen Geschichte. Genauso auch wie Nikolaus de Cusa, der um diese Zeit im Territorium von Brandenburg-Bayreuth, den Hof an der Saale geboren worden ist.
[18:25] Frustriert verließ 1485 Christoffel Colombo, besser bekannt als Christoph Kolumbus, den portugiesischen Hof. Sein Vorschlag, die Welt umrunden zu wollen, um einen Seeweg nach Indien zu finden auf der Westroute, hatte dort keinen Anklang gefunden. Und so zog er jetzt nach Spanien, in der Hoffnung, dort die sogenannten katholischen Könige, das Königs-Ehepaar, für seine Pläne gewinnen zu können. Und das sollte ihn für die nächsten Jahre beschäftigen.
[19:09] Kommen wir zum Jahr 1486. Letzten Folge ist sahen wir, dass mehrmals das Erzbistum Mainz neu besetzt werden muss durch Todesfälle. Und der letzte, der jetzt an die Macht dort kam, als der Reichskanzler, einer der sieben Kurfürsten war, der Erzbischof von Mainz war Berthold von Henneberg. Und der machte von sich reden im Jahre 1486, gleich zu Beginn, durch einen ziemlich interessanten Erlass.
[19:39] In Mainz war ja die Buchdruckkunst erfunden worden. Gutenberg war in Mainz tätig gewesen, als über 30 Jahre zuvor, dass diese neuartige Technologie des Buchdrucks mit beweglichen Lettern erfunden worden war. Über 30 Jahre war es her, dass die Gutenberg-Bibel, eine besonders wertvolle und kunstvoll hergestellte Bibel, gedruckt worden war. Seitdem hatte sich, wenn auch zögerlich, diese Technologie mehr und mehr verbreitet und immer mehr Menschen sahen die Möglichkeit, jetzt auch relativ viel Bücher unter das Volk bringen zu können. Und man begann damit auch religiöse Schriften, unter anderem auch die Bibel in deutscher Sprache zu veröffentlichen.
[20:27] Und genau hier trat jetzt der so mächtige Erzbischof von Mainz dagegen an. Anfang Januar 1486 erließ er folgenden Befehl, den wir hier in Auszügen zitieren: "Die göttliche Buchdruckerkunst macht aller Welt den Gebrauch von Büchern zur Belehrung und Erbauung zugänglich. Viele aber missbrauchen, wie wir gesehen haben, diese Kunst aus Ruhmesucht und Geld, so dass sie die Menschheit verderben, statt sie aufzuklären. So finden sich zur Herabsetzung der Religion und ihrer Spitzen-Schriften in den Händen des Volkes, welche aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt sind. Diese Übersetzer nun, ob sie in gutem oder schlechtem Glauben handeln, können nicht behaupten, dass die deutsche Sprache fähig sei, das genau wiederzugeben, was jene ausgezeichneten griechischen und lateinischen Autoren mit der sorgfältigsten Genauigkeit des Ausdrucks und der vollsten Kenntnis des Gegenstandes über die erhabenen Spekulationen des christlichen Glaubens geschrieben haben. Sie müssen vielmehr einräumen, dass die Armut unserer Sprache ihre Bemühungen final mit anderen Worten, auf Deutsch gesagt, ihr Leben übersetzt. Das Deutsch ist nicht geeignet für religiöse Themen, schon gar nicht von Übersetzung der Bibel."
[21:40] Und dann geht es weiter: "Und dass sie aus diesem Grunde gezwungen sind, ihr Hirn zur Erfindung neuer Ausdrücke zu machen oder bei einzelnen alten Schriftstellern den Sinn zu entstellen, was wir wegen der damit für die heiligen Schriften verbundenen Gefahren noch mehr fürchten. Denn wir besorgen sehr, dass, wenn sie nur die alten gebrauchen, sie den Inhalt der offenbarten Wahrheit ändern. Voraus eine ungeheure Gefahr für die heiligen Schriften entsteht." Wenn die weitere Geschichte der Reformation kennt, muss natürlich etwas schmunzeln, weil wir später sehen werden, haben die stolze Sprache tatsächlich sehr dazu gewonnen, hat durch die Übersetzung der Bibel ins Deutsche. Aber genau aus diesem Grunde, weil man meinte, nicht alles genau präzise übersetzen zu können, sollte die Übersetzung ins Deutsche unterbleiben.
[22:28] Und dann heißt es hier noch: "Wer Arbeit gibt den ungebildeten Männern und Frauen, welche die heiligen Bücher in die Hände fallen, die Fähigkeit, den richtigen Sinn herauszufinden. Mit anderen Worten, der normale Mensch ist nicht in der Lage, heilige Bücher wie die Bibel überhaupt zu verstehen. Wenn man zum Beispiel den Text des Evangeliums oder die Briefe des heiligen Paulus prüft, so wird jeder unterrichtete Mensch sich leicht davon überzeugen, dass viele Stellen durch andere Schriften ergänzt werden müssen. Und da die Laien angeblich zu dumm dazu sind, das herauszufinden, muss man ihnen die Bibel vorenthalten." Also ich hier fast schon am Ende des 15. Jahrhunderts, wie vor Helm Fans, sondern alle immer wieder ein klares Verbot für die Bibel in deutscher Sprache.
[23:11] Das war die Realität im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Und so müssen wir davon ausgehen, dass die allermeisten Christen, die dort lebten, von der Bibel überhaupt gar nicht kannten. Außerdem, was sie vielleicht gelegentlich hier an Ansätzen lateinischer Sprache im Gottesdienst aufgeschnappt hatten.
[23:38] Derweil drängen die Portugiesen, wie schon in der letzten Folge gesehen, immer weiter nach Süden vor. Der portugiesische Seefahrer Diego Cao erreichte 1486 im Januar das Kreuzkap in Namibia. Sie haben wir die Besetzung, dass er dort gewesen ist, schon fast vor die Südspitze Afrikas erreicht.
[24:06] Der neue König in England, Henry der Siebte, wurde vom englischen Parlament dann gebeten, damit endlich diese Rosenkriege zwischen den verschiedenen Häusern beendet würden, eine Frau aus dem entgegengesetzten Haus, dem Haus York, zu heiraten. Er beugte sich dem Druck und heiratete Elisabeth von York, und damit wurden die Rosenkriege im Grunde genommen eigentlich endgültig beigelegt. England hoffte auf eine neue Periode des Friedens.
[24:43] Im Februar gelang es dem deutschen Kaiser Friedrich dem Dritten, schon zu Lebzeiten die Kurfürsten, die sieben Kurfürsten in Frankfurt am Main, davon zu überzeugen, seinen Sohn Maximilian zum nächsten römisch-deutschen König zu wählen. Maximilian war ja der Ehemann der, wie wir in der vergangenen Folge sehen haben, einige Jahre zuvor verstorbenen Herzogin Maria von Burgund. Er hat sehr schwer gelitten oder diesen Schlag, sie so früh zu verlieren. Er war 26, Erzherzog von Österreich und auch Herrscher über die Niederlande. Und mit dieser Wahl, die natürlich so bedeutet, dass er erst regieren würde, wenn sein Vater sterben würde, war die Kontinuität der Politik durchaus erst einmal gesichert. Maximilian war noch jemand, der wirklich im alten, ritterlichen Geist erzogen worden war.
[25:36] ritterlichen Tugenden stand ein gewisser Weise, also eher etwas altmodisch für seine Zeit schon, keiner dieser sieben Kurfürsten. Albert Achilles, Kurfürst von Brandenburg, starb kurze Zeit später. Er hatte schon an der Wahl nur noch krankheitsbedingt nur noch teilnehmen können. Er war 71 Jahre alt geworden, ein stolzes Alter für die damalige Zeit. Und sein ältester Sohn Johannes Cicero wurde sein Nachfolger. Am 11. März im April wurde dann Maximilian bereits gekrönt, wie das damals üblich war, in Aachen im Kaiserdom. Und da kamen dann alles, was Rang und Namen hatte, und dem neuen römisch-deutschen König, der in Zukunft die Geschicke des Heiligen Römischen Reiches lenken würde, Gottes Segen zu wünschen und sich auch gleich schon mal politisch ins Spiel zu bringen.
[26:40] Noch ein kurzes sollte in diesem denkwürdigen Jahr 1486 sterben, und zwar Ernst von Sachsen, der gerade im Jahr zuvor das ganze sächsische Kurfürstentum halbiert hatte. Und er hatte als der älteste der beiden Brüder die Kurwürde behalten. Er starb, das schien davon jetzt öfter vorzukommen, weil er vom Pferd gefallen war und gestürzt war. Und so wurde sein Sohn, neuer Kurfürst Ernst, war jetzt 45 Jahre alt gewesen. Und so weit war sein Sohn Friedrich erst 23 Jahre. Bei dieser Friedrich der Dritte, Kurfürst von Sachsen mit der Hauptstadt Wittenberg, Sachsen-Wittenberg, also der würde eine ganz entscheidende, wirklich entscheidende Rolle in der weiteren Geschichte spielen. Das werden wir von Folge zu Folge ganz gründlich entfalten.
[27:42] Am 13. November desselben Jahres wurde Johannes Mayer in Egg an der Günz geboren. Und weil in jener Zeit das so üblich war, sich oftmals nach der Herkunft, Stadt zu benennen, kennt man ihn später aus der Reformationsgeschichte als Johann Eck. Das gleiche gilt für Andreas Bodenstein, der dann später nach seinem Geburtsort Karlstadt auch als Andreas Karlstadt bekannt sein würde. Auch er wurde ungefähr in diesem Jahr geboren, allerdings ist auch hier das Geburtsdatum sehr unsicher, schwankt bis zu sechs Jahre in den Angaben. Er wurde in einer bürgerlichen Familie, einer besser gestellten Familie hineingeboren.
[28:29] Ein ganz besonderes Talent, je nach Zeit vielleicht, dann ist das das größte Genie der Menschheitsgeschichte, wenn es um die Verschiedenartigkeit der Begabung geht, war mit Sicherheit Leonardo da Vinci. Der 83-jährige in jener Zeit in den Diensten des Herzogs von Mailand begann ganz außergewöhnliche Dinge zu entwickeln, viele von denen wurden nie realisiert, zum Beispiel seine Art Helikopter. Er war von einer solchen außergewöhnlichen Begabung, dass noch von ihm zu reden sein wird an anderer Stelle. Aber er verkörperte wie kaum ein anderer das Ideal der Renaissance: vielfältiges Interesse, ein starker Fokus auf Literatur, auf Kunst, auf Wissenschaft.
[29:21] Ganz ähnlich begabt, ganz ähnlich genial war auch Johannes Reuchlin, einer dieser jungen deutschen Humanisten der ersten Generation, von dem in der letzten Folge schon gehört haben. Er begann ungefähr in dieser Zeit, sich nicht mit der Wissenschaft zu beschäftigen, sondern mit einer alten Sprache, die bisher auch vor den Humanisten kaum richtig angegangen war. Man hatte sich viel mit Griechisch beschäftigt, mit dem klassischen Latein, aber das alte Hebräisch des alten Testaments kannte so gut wie niemand. Und man musste im Zweifelsfall auf jüdische Gelehrte zurückgreifen. Er war im Grunde kaum einer der ersten überhaupt, der sich als Christ ganz intensiv mit der hebräischen Sprache beschäftigte und bald zu einem Hebräisch-Gelehrten wurde. Ja, eigentlich der Begründer, der Begründer der modernen Hebraistik gelten kann. Und dadurch natürlich auch einen entscheidenden Dienst lieferte für das weitere Verständnis und die Entwicklung des Verständnisses der Bibel.
[30:25] Derweil predigte Savonarola immer mehr über die Prophezeiung. Jener Dominikanermönch, von dem wir in der letzten Folge schon einiges gehört haben, war als ein feuriger Prediger bekannt. Und er predigte sehr gern, vor allem nach dem Studium der Offenbarung, über den kommenden Zorn Gottes. In einer Stadt wie Florenz, wo er in San Marco predigte, an Unmoral, alles ging. Wer ich war, sowohl in der Kirche unter den Prälaten und Kardinälen als auch unter den Humanisten, die auch, wenn sie sozusagen intellektuell der Kirchen, den Kirchenführern oftmals weit überlegen waren mit ihrer Beschäftigung mit den antiken Klassikern, auch genauso viel unmoralische Literatur hassten und fabrizierten. In einem, in einer solchen Umgebung kreiert natürlich seine Predigten eine absolute Sensation.
[31:19] Savonarola forderte eine allgemeine und zwar sofortige Reformation. Und er wagt es sogar zu behaupten, dass wenn es keine Reformation gäbe, die Verwerfung des Christentums drohe, genauso wie das Volk Israel zur Zeit von Jesus, als das besondere Volk Gottes verworfen worden war. Und immer mehr Menschen wurden in seinen Bann gezogen. Es entstand eine regelrechte Bewegung dort in Florenz.
[31:57] Noch ein anderer interessanter Mann ist jederzeit zu erwähnen: ein junger Mann, Giovanni Pico della Mirandola. Und er war ebenfalls äußerst brillant, aber im Gegensatz zu den meisten anderen Humanisten interessierte er sich auch sehr für die Metaphysik und für die Theologie. Er war der erste christliche Gelehrte, der sich mit der Kabbala beschäftigte und infolgedessen sehr mystische Denkansätze entwickelte. Er war der Verfasser einer der berühmtesten Programmschriften über die zentrale Stellung des Menschen in der Schöpfung. Und bei ihm verband sich das sogar mit Ideen, dass der Mensch sich mit Gott vereinigen, könnte, zu Gott werden könnte.
[32:41] Und ja, ein Humanist, wie er im Buche stand, in gewisser Weise. Er hatte aufgrund seines Studiums 900 Thesen, kein Scherz, 900 Thesen verfasst, die er in Rom auf einem großen Gelehrtenkongress, den er selbst finanzieren wollte und Gelehrte aus ganz Europa einladen wollte, vor dem Papst und vor allem Kardinälen diskutieren wollte. Zu diesem Zwecke reiste er dann 1486 nach Rom. Es gab allerdings einige Komplikationen, weil er sich auf dem Weg nach oben in eine Frau verliebte, die schon verheiratet war. Weil die sich auch in ihn verliebte, ließ er mit ihrer Zustimmung diese Frau entführen. Das kam allerdings heraus, er wurde in der Verfolgungsjagd verletzt, musste sich dann erst mal verstecken. Nur aufgrund des mächtigen Schutzes der Medici wurde er nicht weiter belangt, kam dann tatsächlich nach Rom und veröffentlichte Ende 1486 seine 900 Thesen.
[33:48] Allerdings wurde schon bald klar, dass einige von denen nicht ganz mit der katholischen Lehre übereinstimmen. Obwohl seine Idee die gewesen war, dass letztendlich alle Philosophien und alle Weltanschauungen eine zugrundeliegende Harmonie haben und die alle im Christentum gipfeln. Also etwas, was uns auch im modernen Ohr auch sehr bekannt vorkommt. Das war damals schon ganz Mode. Solche Ideen. Er glaubte, damit einen weltweiten Frieden erzeugen zu können. Aber die Inquisitoren in Rom kam zunächst einige Fragen über einige seiner Thesen. Und als dann Papst Innozenz der Achte eine Bulle als theoretisch bezeichnete, dann ging es im Alter nicht krank. Er musste fliehen und konnte allerdings in Florenz im freien Florenz weiter wirken.
[34:49] Apropos Innozenz. Das Jahr 1487 brachte ein wichtiges Ereignis für die Geschichte der Reformation. Im April entschied sich dieser Papst, der bereits in der letzten Folge zu sehen hatten, eine die die berüchtigte Hexenbulle herausgegeben hatte, zur Herausgabe einer weiteren Bulle, die er diesmal wohl auch selbst verfasst hatte, um einem anderen, einer anderen Gruppe von Verrätern den Garaus zu machen. Es ging um die Waldenser. In der letzten Folge haben wir gesehen, wie gerade in jener Zeit dieser alte Glaube, der fast ein ganzes Jahrtausend schon in den Wäldern und in den Tälern der Westalpen piano überlebt hatte, der ursprünglich noch mit großen Verbindungen zur Christenheit, noch ist der Glaube wieder aufgelebt war, dass dort nach einer längeren Zeit auch des verborgenen Seins wieder mehr kühne Verkündiger zu hören waren. Und dieses neu aufkeimende Waldenser-Tun sollte jetzt ausgelöscht werden. Nicht nur, wie sonst üblich, mit einigen Razzien und verschiedentlich Verfolgung, sondern mit einem regelrechten legalen Kreuzzug.
[36:02] Zu dem rief Papst Innozenz der Achte jetzt auf. Und hier sind einige seiner Worte, die hier zitiert werden. Er sagte an den Legaten, den er damit beauftragte, den Erzpriester von Cremona, Kardinal, dass die Autorität mit dir und dem erwähnten Inquisitor haben sollen, um gegen die erwähnten Waldenser und andere Häretiker mit Waffen vorzugehen, sie wie giftige wie Würmer zu zerquetschen und ihre ganze Sorgfalt für solch eine heilige und notwendige Ausrottung aufzubringen. Wir geben die Vollmacht, das ist der Kreuzzug durch fähige Männer gepredigt wird, dass alle Personen, die sich dem Kreuzzug anschließen oder den unterstützen, vollständigen Ablass und Vergebung aller ihrer Sünden einmal zu Lebzeiten und zum Zeitpunkt ihres Todes erhalten können. Allen Trägern des Wortes Gottes zu gebieten, bei Androhung der Exkommunikation, die Gläubigen zu animieren, diese Pastoren ohne Gnade durch Waffen und Gewalt auszurotten. Soweit der Papst Innozenz, was übersetzt heißt, der Unschuldige, der Achte, der Stellvertreter Christi, wie er sich nannte, der hier zu einem Kreuzzug gegen Christen aufrief, die es wagten, an dem Primat des Papstes zweifelten, dieses wagten, Gott nach dem Diktat ihres eigenen Gewissens anzubieten.
[37:33] Es dauerte einige Zeit, bis dieser Kreuzzug zustande kam. In der nächsten Folge werden wir sehen, was aus diesem Kreuzzug wurde. Die Bibel hatte solche Dinge vorhergesehen. Offenbarung lesen wir: "Als der Drache sah, dass er auf die Erde geworfen war, verfolgte er die Frau."
[37:54] Am 28. April 1487 kam es zur Schlacht von Kerbela, wo die Schweizer Eidgenossen, angeführt von Valess, das Ziel hatten, das Herzogtum Mailand anzugreifen. Aber sie unterlagen und so wurde der Expansionsdrang der Schweizer, die ein großes Territorium erringen wollten, erst einmal gestoppt.
[38:17] Am 7. Mai machte sich ein weiterer portugiesischer Seefahrer, ein Forscher, auf den Weg. Er wollte nicht den Seeweg nach Indien finden. Er suchte eine Legende. Seit dem 12. Jahrhundert ging die Nachricht in Europa herum, dass es irgendwo im Osten, irgendwo bei Persien oder Armenien ein gigantisches christliches Reich gäbe, das von dem sogenannten Priesterkönig Johannes regiert werde. Der sei ein Nachfahre von den Weisen aus dem Morgenland. Und dass das der Garten Eden sei dort und an seltsame Tiere vor der Tür und Bitten, die ganzen Zyklopen, Vampire, gehörten Menschen. Ein wahres Wunderland, an das viele Menschen damals in Europa glaubten. Päpste schrieben darüber, weil man hoffte, diesen Priesterkönig, muss ein gigantisches Reich dort im Osten irgendwo zu finden, um dann von zwei Seiten den verhassten Islam ausrotten zu können. Man schrieb davon, dass er, dass niemand diesen König attackieren könnte. Das ist dort Quellen gäbe, wenn man daraus tränke, würde man mindestens 300 Jahre leben. Wenn man in den Tempel, in den Palast des Königs käme, würde man sich so gesättigt führen, dass man gar nichts essen braucht. Und der König würde aufgrund von Spiegeln sehen können, dass in seinem gesamten Reich vor sich ging. Also wirklich ein großes Märchen im Grunde genommen, das vielleicht den Kern der Wahrheit aufgegriffen hatte, dass tatsächlich im fernen Osten unter den sogenannten ostsyrischen Christen und auch unter den Thomaschristen in Indien große Komplikationen von Christen in China, in Zentralasien, nach Indien über die Jahrhunderte gegeben hatte.
[40:00] Aber nach diesem sagenhaften Priesterkönig forschen jetzt die Portugiesen.
[40:08] Noch einmal ganz kurz die Auseinandersetzungen der Rosenkriege. Auf einen Betrüger mit Namen Lambert Simnel gab sich als Gegenkönig Edward der Sechste aus und überzeugte eine ganze Reihe von Adligen, auf seine Seite zu kommen. Es kam noch einmal zur Schlacht in Mittelengland, die Schlacht von Stoke, konnte aber der neu gekrönte König Heinrich der Siebte gewinnen. Und damit war es jetzt endgültig aus. England konnte einer neuen Periode des Friedens entgegenschauen.
[40:43] Am 5. Juli wurde in Neustadt an der Aisch Johann Kramer Grammann, sozusagen geboren. Und er entstammte einer Handwerkerfamilie. Die Handwerker waren in dieser Zeit auch eine durchaus aufstrebende Zunft.
[41:03] Noch einmal zurück zu den Portugiesen, die dieser Jahre mehrere gigantische Expeditionen ins Leben gerufen hatten. In geheimen Auftrag war es im Sommer 1487, Bartholomäus Diaz, der Gesandte von Johann dem Zweiten, portugiesischen König, tatsächlich die Afrika-Route finden sollte nach Indien. Er sollte weiter vorstoßen als alle portugiesischen Expeditionen vor ihm. Und das gelang ihm auch schon in jenem besagten Sommer. Er stellte einen neuen Rekord auf. Und lange kommt es nicht mehr dauern, bis irgendwann jemand dieses Kap segeln würde.
[41:49] Am 18. August 1487 feierten die katholischen Könige von Spanien, Isabella die Erste und Ferdinand der Zweite, einen weiteren gigantischen Erfolg. Wichtiger Erfolg, als Malaga, eine der wichtigsten Städte des Emirats Granada, eingenommen werden konnte. Die letzten übrig bleibenden Moslems auf der Iberischen Halbinsel verloren Stück für Stück ihr Territorium. Und das natürlich eine wichtige Entwicklung.
[42:19] Derweil stieg das Großfürstentum Moskau zu immer größerer Macht auf. Iwan der Dritte hatte sich erfolgreich gewehrt gegen diverse mongolische Khanate und Horden in Zentralasien. Und in diesem Jahr begann er am Kreml umzubauen. Der erste Teil sollte jetzt als in Stein gebaut werden, nachdem vor dem Kreml, wenn man es auch durch Brand beschädigt worden war. Der bis heute stehende Facettenpalast wurde 1487 gebaut. Und ungefähr dieser Zeit fällt auch die Geburt von Johannes Bader in der freien Reichsstadt Straßburg und von Gabriel Zwilling im sächsischen Bergbaugebiet in Annaberg.
[43:12] Stichwort Bergbau, Stichwort sächsisches Gebiet in Mansfeld wuchs in jenen Jahren der kleine Martin Luther heran. Wenn er draußen spielen war, konnte er auf der gegenüberliegenden Seite auf dem Hügel das große, mächtige Schloss, die Burg der Grafen von Mansfeld sehen. Sein Vater war ein sehr aufrichtiger, gradliniger Mann. Manche geben an, dass er, einige Biographen machten, dass er ein großes Interesse an Büchern hatte, aber wenig Zeit zum Lesen hatte. Manche andere Biographen, vor allem der moderneren Schulen, bezweifelt, dass er lesen konnte. Wie dem auch sei, er war jemand, der tatsächlich wirklich mit beiden Beinen im Leben stand, sehr klar und logisch denken konnte und nicht viel übrig hatte für die manchmal sehr märchenhafte, legendenhafte Frömmigkeit seiner Zeit. Er verachtete die Bettelmönche, weil er glaubte, dass das unwirtschaftlich sei, einfach nur von anderen zu leben und selbst nichts zu tun.
[44:27] Er arbeitete im Bergbau dort im Südharz. Gab es große Vorkommen, und das war eine schwere Arbeit. Es gab dort verschiedene Gesteinsschichten, die abgebaut wurden. Und er war ein äußerst strenger Vater. Martin Luther hat später gesagt, dass er manchmal auch zu streng gewesen war. Es gibt die Nachricht auch, dass er erst wirklich fröhlich wurde, wenn er mal einen Schluck Alkohol getrunken hat und dann noch gescherzt und gesungen hat. Aber er war ein sehr aufrichtiger und sehr gottesfürchtiger Mann.
[45:00] Nichtsdestotrotz, Martins Mutter Margarete muss wohl etwas zurückhaltend gewesen sein, ein bisschen verhärmt, verbittert auch. Hat wohl offensichtlich nicht die allergrößten sozialen Kontakte gehabt. Die beiden waren äußerst arm, und Martin wuchs in wirklich schwerer Armut auf, und das hat ihn tief geprägt. Vieles nicht haben zu können, was vielleicht andere sogar hatten, und immer wieder auch mit der Frage nach dem Überleben, der Existenz konfrontiert zu sein.
[45:33] Aber das, was ihn vielleicht am meisten geprägt hat, mehr noch als die Erfahrungen der Strenge, der Aufrichtigkeit seiner Eltern und auch der ja, der Armut, war der Glaube, dass seine Eltern. Es war nicht unüblich, dass er mit seinen Eltern immer wieder auch in die Kirche ging dort in Mansfeld. Und oftmals hörte er, wie sein Vater ganz ähnlich für ihn und für die ganze Familie betete. Für den kleinen Martin muss das sehr bewegend gewesen sein. Er wusste ja nicht, was sein Leben bringen würde. Genauso wenig wusste das auch Hans Luther. Aber die Bibel sagt uns, das Gebet erhört wird. Und dieses Gebet, dieses Gebet dieses aufrichtigen Bergmannes, der Fehler hatte, der manchmal über die Stränge schlug, der manchmal eine zu harte Hand hatte, wenn es darum ging, den den den kleinen Martin zurechtzuweisen, der aber trotzdem den Wunsch hat, dass aus seinem Sohn etwas wirklich ein wirklich ein wertvoller Mensch wird, dann, wenn Städte der Menschheit etwas Gutes tut und der zur Ehre Gottes heranwächst. Dieses Gebet wurde erhört.
[46:46] Die Bibel sagt uns, das Gebet eines Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich das. Und ernst war es dem Hans Luther auf jeden Fall. Und so wuchs Martin in diesen äußerst einfachen, simplen Verhältnissen auf. Von all den Ereignissen, die heute besprochen haben, hat er wahrscheinlich so gut wie nichts mitbekommen. Aber die Hand, es ist ein wichtiges Gut, ist die all diese Ereignisse lenkte, lenkte auch sein Leben.
[47:20] In der nächsten Folge, wenn wir sehen, wie das weitergeht, dann heißt es 1488 bis 1490: Bedrängnis. Bis dahin, Zuschauer, Gottes Segen. Freuen uns, wenn Sie das letzte Mal wieder einschalten.
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