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Sola Veritas – Die Wahre Chronik der Reformation

500 Jahre ist die Reformation alt: wird sie fortgeführt oder begraben? Wie verhalten sich Luthers Erben und was wird aus seinen (Wieder)entdeckungen? All das sind wichtige Fragen. Doch beantworten kann sie nur, wer das Reformationsgeschehen selbst gründlich kennt. „Sola Veritas – Die wahre Chronik der Reformation“ bietet weitaus mehr als die üblichen bekannten Zusammenfassungen und Anekdoten. Ausgehend vom Jahre 1482 wird alles chronologisch erzählt, was weltgeschichlich und biographisch (sowohl bezüglich Luther als auch vieler anderer, zum Teil sehr unbekannter Reformatoren) wichtig war. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt des Spätmittelalters, erleben sie das zaghafte Aufblühen von Wissenschaft und Kultur, verfolgen sie die Debatten um philosophische und theologische Streitfragen und entdecken sie Schritt für Schritt mit Luther und seinen Mitkämpfern befreiende biblische Wahrheiten. So wird Kirchengeschichte lebensnah und endlich gut verständlich…. Neue Folgen wöchentlich, bzw. wenn es die Zeit erlaubt. Ein Programm von www.joelmediatv.de

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In dieser Folge von Sola Veritas werden die turbulenten Jahre 1488 bis 1490 beleuchtet, eine Zeit, die von Aufständen, politischen Umwälzungen und religiöser Verfolgung geprägt war. Erfahren Sie mehr über den gescheiterten Kreuzzug gegen die Waldenser, die Gründung des Schwäbischen Bundes und die Geburt wichtiger Persönlichkeiten wie Ulrich von Hutten.


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Serie: Sola Veritas - Die wahre Chronik der Reformation

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Transkript

[0:38] Herzlich willkommen zu Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation. Schön, dass Sie wieder eingeschaltet haben hier auf joelmedia.de zur dritten Folge unserer Serie über die Geschichte der Reformation. Und bevor wir jetzt gleich einsteigen in die nächste Folge, nächste Episode, um zu sehen, wie das Leben von Martin Luther und auch die Weltgeschichte weitergegangen ist, wollen wir, wie wir es schon gewohnt sind, mit einem kurzen Gebet starten. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen, dass wir aus der Geschichte lernen können. Wir möchten dich bitten, dass, wenn wir jetzt uns einige Jahre besonders betrachten und anschauen, was dort passiert ist, dass du uns durch den Heiligen Geist zeigst, worauf es wirklich ankommt, die Lektionen lernen, die du für uns vorbereitet hast, dass wir verstehen, wie du die Weltgeschichte und auch unser persönliches Leben lenkst und leitest. Im Namen Jesu. Amen.

[1:51] Teil 3: 1488 bis 1490 – Bedrängnis. Das Jahr 1488 begann ziemlich spektakulär. Gleich im Januar brach in Braunschweig ein schwerer Aufstand aus, eine Unruhe aufgrund einer neuen Verordnung. Eine Wirtschaftskrise in Braunschweig ist öfter mal in jener Zeit die Bürgerschaft auf die Barrikaden gegangen, und so auch im Jahre 1488. Zwei Tage später, am 8. Januar, ließ der designierte neue Kaiser, der vor kurzem erst als römisch-deutscher König gewählte Maximilian der Erste, ein Dekret zur Schaffung einer neuen Streitmacht für die Niederlande erlassen. Und das war natürlich ein weltgeschichtlich bedeutsamer Schritt, denn etliche Zeit später sollten die Niederlande eine der großen Seemächte sein. Das war aber 1488 noch nicht wirklich abzusehen.

[2:54] Die große Seemacht dagegen war natürlich Portugal. Und dort versuchten verschiedene Seefahrer immer weiter nach Afrika, in den Süden Afrikas vorzustoßen, um doch irgendwie den Seeweg nach Indien zu finden. Und niemand gelangte weiter bis Süden. Zu dem Zeitpunkt, als Bartholomäus Diaz es tatsächlich gelang, im Februar, Anfang Februar 1488, das Kap der Guten Hoffnung zu umschiffen, obwohl er das auf dem Hinweg nicht einmal gesehen hat. Und dann östlich dieses Kaps, vermutlich in der Mosambik, wie man hier auf der Karte das angedeutet findet, zu halten. Er hat dann trotz Protest seiner Mannschaft weiter nach Osten gesegelt, hat versucht, diesen Seeweg zu finden, und er kam dann bald schon in Gewässer, wo anhand des Küstenverlaufs sichtbar wurde, dass die Küste jetzt Richtung Nordosten sich wendet und man schon fast um das südafrikanische, um Südafrika herum gefahren war.

[3:56] Als das passierte, waren die Mannschaft meiner, die war an Skorbut erkrankt und zwangen dann den Bartholomäus Diaz zur Umkehr. Aber er war jetzt schon relativ weit gekommen. Es war klar, höchstwahrscheinlich ist das der richtige Weg, um auf der See nach Indien zu kommen.

[4:18] Ebenfalls im Februar 1488, genau genommen am 14. Februar, wurde der Schwäbische Bund gegründet. Das geschah auf Veranlassung des deutschen Kaisers. Schwaben war ein relativ unruhiges Gebiet im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, und um den sogenannten Landfrieden zu sichern, wurde dieser Bund gegründet, der dann seinen Sitz in Ulm haben sollte. Dieser Schwäbische Bund würde noch einige Bedeutung erlangen später in den späteren Jahrzehnten, haben in der Geschichte der Reformation.

[4:55] Als 20. April 1488 wurde dann Ulrich von Hutten geboren. Er war aus ritterlichem Geschlecht. Die große Glanzzeit der Ritter war zwar schon vorbei, aber noch immer galten Ritter als etwas Besonderes, auch wenn sich die Gesellschaft schon verändert hatte. Und Ritter hatten eine große Verantwortung für die umliegenden Höfe und Lebensgebiete, die ihnen angeschlossen waren. Und der Ulrich von Hutten, der berichtet später so ein bisschen, wie das war, als er auf dieser Burg dort, auf der Burg Steckelberg, aufgewachsen ist. Hier ein Augenzeugenbericht von ihm über das Leben auf einer Burg Ende des 15. Jahrhunderts.

[5:42] Die Burg selbst, ob sie nun auf einem Berg oder in der Ebene liegt, ist nicht zur Behaglichkeit, sondern zur Sicherheit erbaut, mit Graben und Wall umgeben. Im Inneren eng durch Stallungen für Klein- und Großvieh, wie im Platz begrenzt. Daneben findet man die mit Kanonen, Pech und Schwefel und im Übrigen Geräte, Waffen und Kriegsmaschinen angefüllt sind. Überall der Geruch nach dem Pulver der Kanonen, dann die Hunde und der Hundedreck. Auch das ist ein unangenehmer Duft, denke ich. Also nicht viel mit Burgenromantik damals. Das war ein ziemlich anstrengendes Leben.

[6:17] Hier geht das Zitat weiter. Er sagt weiter: "Reiter kommen und gehen, und ihnen Räuber, Diebe und Mörder. Denn meistens stehen unsere Häuser allen offen da, wie entweder nicht wissen, wer der Betreffende ist, oder auch nicht viel danach fragen. Es ist das Blöken der Schafe, das Brüllen der Rinder und Bellen der Hunde zu hören, das laute Schreien der Arbeit auf dem Felde, das Quietschen und Rattern der Karren und Wagen. Ja, bei uns zu Hause sogar das Heulen der Wölfe, weil die Wälder ganz nah sind." So wuchs der kleine Ulrich von Hutten auf der Burg Steckelberg auf, und auch von ihm wird später noch viel zu berichten sein im Reformationsgeschehen.

[7:01] Elfter Juni traf dann eine mittelschwere Katastrophe auch das schottische Königreich. James der Dritte, König der Schotten, die sich seit einiger Zeit von den Engländern losgesagt hatten, noch immer wieder in kriegerische Auseinandersetzung mit dem englischen Königreich standen, starb im Kampf mit adligen Rebellen. Auch in Schottland selbst gab es also immer wieder Aufstände, und so musste sein minderjähriger Sohn James der Vierte, der 15 Jahre alt war, jetzt das Zepter übernehmen.

[7:37] Im Juni war es dann soweit. Wer mit der letzten Folge gesehen hat, wie Papst Innozenz der Achte zu einem Kreuzzug gegen die Waldenser aufgerufen hatte. Es hatte einige Monate gedauert, um die Armee zu sammeln. In ganz Europa ist dafür geworben worden. Es war ein tatsächlich europäischer Kreuzzug. Es gab ja auch einige verstreute Waldenser-Kolonien in Süditalien, z.B. in Kalabrien oder auch in deutschen Landen. Und der Kreuzzug richtete sich nicht allein gegen die berühmten Waldensertäler in den kurdischen Alpen in Piemont, sondern gegen die Waldenser als solche.

[8:18] Trotzdem war natürlich das Gebiet des Herzogtums von Savoyen, das war der Kern des Kernangriffsgebietes, und es hatte sich eine Armee von sage und schreibe 18.000 Soldaten zusammengeführt. Das sind die regulären Soldaten, zu denen gesellten sich noch einmal eine ganze Reihe von Banditen, Abenteurern, Mördern, eigentlich Menschen aus den unteren Gesellschaftsschichten, die aufgrund der Aussicht auf Beute und den Ablass aller Sünden angelockt worden waren. Und das war natürlich dann eine äußerste dramatische Verknüpfung dieser regulären Truppen plus diese Mörder.

[8:58] Allesamt wurden angeführt durch den päpstlichen Legaten Cattaneo. Und der teilte die Armee auf in eine französische Division, die vom Westen, westlich der Alpen operieren sollte, im Teilgebiet Dauphiné, das traditionell dem Dauphin, dem Nachfolger des französischen Königs gehörte, denn dort in der ehemaligen Gegend der Albigenser gab es noch einige Reste übrig, diese Albigenser in den letzten Jahren wieder etwas an Stärke gewonnen hatten. Und natürlich auch einige Waldenser sich gläubige. Und auf der Ostseite der Alpen sollte die piemontesische Division die Waldensertäler selbst angreifen.

[9:46] Und so ging das dann los. Die französische Armee ging dann auf das Tal von Louis vor, die Welt ist hier eingerahmt, sehen und das war eine ziemliche dramatische Geschichte. Sie war den Dorfbewohnern dort im Tal 20-fach überlegen. Die Bewohner konnten nicht viel mehr tun, als zu fliehen und zwar auf diesen Berg, den Mont Aiguille, wo fast 4000 Meter hoch. Und es wird berichtet von der Geschichtsschreibung, dass sie dabei gesungen haben. Einige sind schon auf dem Weg getötet worden, aber die meisten erreichten eine Grotte, die eine gewisse Sicherheit versprach. Dort hatte man Lebensmittel für zwei Jahre Belagerungen untergebracht und man hoffte dort ausbauen zu können, weil es sehr schwierig war, dann von unten vom Berg anzugreifen. Man konnte das relativ sicher verteidigen.

[10:46] Doch es kam anders. Der Befehlshaber der Armee fand einen Weg von der anderen Seite und ließ seine Soldaten tatsächlich von oben abseilen und so diese Platte zur Höhle erobern. Und dann hat man etwas sehr Schreckliches: Man zündete Feuer an am Eingang der Höhle und ließ den Rauch in die Höhle hinein treiben. Es dauerte nicht allzu lange und 3000 Waldenser waren tot, darunter 400 Säuglinge und kleine Kinder in den Armen der Mutter. Und damit war das Waldensertum, urchristliche, das urchristliche Glaubensgut in diesem Tal Louis für immer ausgerottet.

[11:31] Die Armee teilte sich dann auf. Es wurden verschiedene neue Angriffsziele festgesetzt, und ein Teil ging dann auch nach Frankreich, wie wir gleich sehen werden. Die Bibel spricht von jener Zeit in Prophezeiung, unter anderem hier in Daniel 11, Vers 33: "Und die Verständigen im Volk werden viele zur Einsicht verhelfen." Das waren die Waldenser. Sie waren nicht nur in ihrem Kerngebiet in den kurdischen Alpen, sondern über Europa umhergezogen und hatten Bibeln verkauft, hatten die Bibel unterrichtet, hatten unter Einsatz ihres Lebens sich für christliche Wahrheit eingesetzt.

[12:09] Und dann heißt es hier: "Darüber werden sie verfolgt werden mit Schwert, Feuer, Gefängnis und Raub eine Zeit lang." Es war eine ein tragisches Jahr für die Waldenser, das Jahr 1488. Wie gesagt, einige Abteilungen dieser französischen Armee kämpfen sich dann weiter durch die Pässe und die Alpen hindurch, bis sie dann im Nordwesten der eigentlichen Waldensertäler trafen, im heutigen Tag Lator, ankamen und auch dort Verheerung und Blutvergießen anrichteten. Die Dörfer wurden niedergebrannt, und auch hier versteckten sich gläubige Waldenser in Höhlen, und auch hier wurde Feuer gelegt, und viele Gläubige kamen dann um. Trotzdem konnten die Bewohner letztendlich diese Truppen erst einmal vertreiben.

[13:09] Auf der anderen Seite der Alpen, im Osten, hatte Cattaneo selbst das Kommando über die Hauptstreitkraft. Und er hatte zunächst einige Mönche, zwei Mönche losgeschickt in die Täler. Die sollten durch Predigen die Gläubigen zum katholischen, zum römisch-katholischen Glauben konvertieren. Das hatte allerdings überhaupt gar keinen Erfolg. Nicht ein Einziger ließ sich überzeugen, dass man dem Papst obersten Gehorsam schulden müsse und dass man nicht die Bibel selbst in der eigenen Sprache haben könnte.

[13:45] Und so kamen jetzt andere Mittel zum Einsatz. Die Armee rückte an und ging in dieses berühmte Pellice-Tal nach Torre Pellice, heute noch ein bekannter Ort. Und da trafen dann zwei Abgesandte der Waldenser auf die Kreuzesarmee. Und hier sind ihre bewegenden Worte: "Verurteilt uns nicht, ohne uns zu hören. Denn wir sind Christen und treue Untertanen, und unsere Lehrer, die das Wort Gottes lehren, stimmen mit dem Wort Gottes überein. Unsere Hoffnung auf Gott ist größer als unser Verlangen, Menschen zu gefallen. Hütet euch davor, seinen Zorn auf euch zu ziehen, weil er uns verfolgt. Denn gedenkt daran, wenn Gott es will, dann werden alle Streitkräfte, die ihr gegen uns versammelt habt, nichts ausrichten."

[14:48] Eindrückliche Worte, die aber zunächst keinen Eindruck machten auf Cattaneo. Und so mussten die Waldenser fliehen und zogen sich in die engen Täler, die Bergfesten zurück. Die Armee hielt sich auf, ein Teil geradezu westlich in das Tal hinein nach Bobbio. Und dort war ebenfalls nichts mehr zu finden, außer einigen zurückgelassenen, vielleicht Kranken oder Bettlägerigen, die man vernichtete. Und dann steckte man die Häuser in Flammen.

[15:22] Das Ziel war jetzt in einer großen Umfassungsoperation auf der anderen Seite der Berge die Täler zu erreichen, die dann wieder zurück nach Pinerolo finden würden. Und dazu musste man einen großen Alpenpass überqueren. 700 Soldaten wurden auserwählt, das zu tun. Und hier auf dieser topografischen Karte sieht man diesen Weg, den sie gehen mussten, eine ziemliche alpine Überquerung.

[15:48] Dieses ist bei Col de la Croix und die Geschichte zeigte uns, dass als sie dann diesen Pass überschritten haben und das erst gelegene Dorf im anderen Teil ankommen, trafen sie zu Überraschung auf wehrhafte Waldenser, die es äußerst schlecht aufgenommen hatten, dass man sie einfach überfallen wollte. Und sie kämpften mit einfachen Mitteln, aber mit dem Mut der Verzweiflung und Überzeugung, dass sie nichts Böses getan haben. Und tatsächlich stammen von den 700 Soldaten, die über den Pass sie hinterrücks ermorden wollten, 699 nur einer überlebte. Einige Tage versteckte er sich in Höhlen und ergab sich dann und wurde auch begnadigt, wurde dann zurückgeschickt und berichtet davon, dass er ja am Leben ist und dass der ganze Rest untergegangen war.

[16:47] Die Hauptarmee, als hier sehen wir noch den Pass, über den sie hinüber geklettert sind und dann völlig erschöpft den Waldensern zum Opfer fielen. Die Hauptstreitmacht allerdings war relativ schnell nach der Eroberung von Torre nach Norden abgebogen in das berühmte Agonès-Tal. Denn dort am Ende des Angriffs befand sich die wichtigste Festung der Waldenser. Jeder, der vielleicht schon mal dagewesen ist, kennt dieses Tal, eines der berühmtesten Täler überhaupt. Aber gleich zu Beginn dieses Tales wurde die Hauptstreitkraft der Kreuzritter aufgehalten. Und zwar über das auf der Karte sieht, dort wo der rote Punkt ist, östlich davon, da diesen Bergkamm hatten sich die Waldenser auf den Berghängen aufgestellt und beschossen die angreifenden Armeen.

[17:38] Und wieder standen ihnen, und sie wurden selbst heftig attackiert durch Bogenschützen. Es sah fast so aus, als würden sie verlieren. Und der Geschichtsschreiber berichtet uns, dass in diesem Moment die Frauen und die Älteren in sicherer Entfernung niederknien und Gott um Hilfe baten. Und an diesem Tag die Waldenserlinie nicht überwunden werden konnte. Ein besonders großer, starker Soldat in der päpstlichen Armee hatte sein Visier hoch genommen und hatte, wie einst Goliath in der Geschichte mit dem kleinen David, geflucht, nur um dann einen Pfeil direkt in sein Gesicht zu bekommen, der sein Schädel spaltete.

[18:19] Einige Zeit später unternahmen die Kreuzritter einen weiteren Versuch und drangen jetzt viel tiefer in das Tal vor. Die Waldenser hatten sich zurückgezogen in ihre Festung Pra-del-Torner. Diese Festung war umgeben fast vollständig wie ein Kessel von hohen Bergen, und der einzige Zugang war fast nicht zu erreichen über einen ganz schmalen, steilen Weg, wo kaum zwei Leute miteinander gehen konnten. Und dieser Zugang war deswegen sehr gut zu verteidigen. Hier in diesem Tal Agonès hatten sie sozusagen ihr theologisches Seminar, die Schule, an der die Prediger ausgebildet wurden. Hier sieht man die Dächer dieser Waldenserschule, hier sieht man die Gebäude selbst. Und hier hoffen sie jetzt nun dem Sturm des Kreuzzugs entgehen zu können.

[19:11] Was passierte war trotzdem ziemlich dramatisch. Die Armee zwängte sich diese Schlucht hinauf, als plötzlich, unbemerkt von der Kreuzritterarmee, aber mit wachem Auge gesehen von den Waldensern, eine kleine weiße Wolke erschien, die sich langsam in die Schlucht setzte und die aufsteigende päpstliche Armee mit Nebel völlig einhüllte, so dass die in Desorientierung gelangten. Die Waldenser sahen das als ein Zeichen Gottes an und begannen jetzt auszuschwärmen und von allen Stellen aus große Steine und Felsen auf die Angreifer zu werfen. Einige sprangen sogar mutig in die Schlucht hinein mit dem gezückten Schwert, und viele angreifende Soldaten stürzten sogar übereinander und die Schlucht hinab.

[20:08] Der Feldzug des päpstlichen Legaten Cattaneo war gescheitert. Gott hatte eingegriffen. Bemerkenswert sind die Art und Weise, wie der Krieg dauerte noch etliche Monate und war eine schwere Last für die armen, einfachen Waldenser. Aber sie konnten letztendlich die angreifenden Kreuzritter aus ihrem Territorium wieder vertreiben.

[20:34] Schon im Alten Testament lesen wir in der Bibel: "Der Herr ist ein Kriegsmann, Herr ist sein Name." Er, der die Armee des Pharao besiegte, konnte auch die Armee des Papstes Innozenz des Achten in Schach halten.

[20:53] Am 7. August 1488 wurde Johann Kaspar Adler in Augsburg geboren. Und im selben Jahr erschien die erste gedruckte slawische Bibel überhaupt in Prag, daher auch die "Prager Bibel" genannt.

[21:09] Wer schon die anderen Folgen gesehen hat, war Florenz ein Zentrum der aufblühenden Wissenschaften und der Kultur. Immer wieder kamen junge Leute, um dort zu lernen. So war es nicht verwunderlich, als dort ein 13-jähriger Lehrling 1488 auftauchte, um sich in künstlerischen und kunsthandwerklichen Berufen ausbilden zu lassen. Aber die Kenner unter uns werden merken, wenn sie erfahren, dass der 13-jährige Lehrling Michelangelo Buonarroti hieß.

[21:41] Am 31. Dezember, dem letzten Tag des Jahres, wurde dann in der Nähe von Cottbus in der Niederlausitz Johann Bresser, Johann Trissman geboren. Auch er sollte eine besondere Rolle in der Reformation spielen.

[22:01] Kommen wir zum Jahr 1489. Und das ist weltpolitisch interessant. Das Königreich Zypern, immer noch regiert von der Königin Katharina Cornaro, die Autonomie auf und unterstellte sich der aufstrebenden, machtvollen Republik Venedig, die ja schon an der Adria-Küste, in Griechenland, in verschiedenen Inseln des Mittelmeeres eine wichtige Position hatte und eine der größten Handelsmächte jener Zeit war. Und die verzichtete auch damit auf bestimmte Thronansprüche in Jerusalem und Armenien, und das stärkte diese wirklich wichtige Republik Venedig.

[22:39] Im Mai 1489 wurde Urban Reger in Langenargen am Bodensee, in der Grafschaft Hohentwiel, geboren. Er war der Sohn eines Priesters. Immer noch das natürlich eine interessante Sache, die Priester hatten es mit dem Zölibat oft nicht allzu genau genommen, und das war hier keine Einzelheit.

[23:01] Am 2. Juli 1489 wurde in England Thomas Cramer geboren, der zu einem der wichtigsten Regulatoren Englands werden sollte. Und auch dazu dann in späteren Folgen natürlich mehr.

[23:14] Krieg brach aus mitten im Osten der Eidgenossenschaft in St. Gallen, und zwar zwischen der Fürstabtei St. Gallen und der Stadt St. Gallen. Die Fürstabt wurde von den eidgenössischen Städten unterstützt, die Stadt St. Gallen von dem umliegenden Appenzell. Und es gab dort etliche Kriegshandlungen.

[23:40] Nach ungefähr einem Jahr war der Kreuzzug gegen die Waldenser beendet, erfolglos. Die Ausrottung dieser verhassten Häretiker war nicht gelungen, sondern schmählich musste Cattaneo ansehen, wie ein Großteil seiner Armee verloren gegangen war. Und der Prinz in Piemont, in Savoyen, Karl der Erste selbst, 21 Jahre alt erst, entschied sich dann, dieses Unternehmen nicht länger zu unterstützen. Er besann sich darauf, dass die Waldenser noch nie gegen ihn rebelliert hatten, sie waren mit die treusten Untertanen überhaupt.

[24:14] Und er versprach ihnen, eine Delegation von 12 Waldensern anzuhören. Die kamen dann und erklärten ihren Glauben, und Karl der Erste war erstaunt, dass er sich überhaupt hatte dazu hinreißen lassen, diesen Kreuzzug zu unterstützen. Er hat dann tatsächlich darum gebeten, einige Kinder sehen zu dürfen. Und man brachte, leicht überrascht, die wenigen Waldenserkinder. Und da freute er sich zu sehen, dass diese Kinder kern gesund waren und ganz wohlauf. Er hatte sich nämlich sagen lassen aus kirchlichen Kreisen, dass die Kinder der Waldenser in Wirklichkeit schlimme Monster sind, die nur ein Auge haben und vier schwarze Zähne tragen und noch viele andere körperliche Deformierungen hätten.

[25:00] Es spricht auch für den intellektuellen Stand jener Zeit, dass selbst ein Herzog wie Karl der Erste das für bare Münze nahm und deswegen einen Kreuzzug losschickte gegen seine eigenen Untertanen. Aber es spricht auch für ihn, dass er...

[25:09] Aber es spricht auch für ihn, dass er sich dann belehren ließ und aus Liebe zur Wahrheit diese Sache dann stoppte. Sprüche 21 Vers 1 lesen wir gleich: "Wasserbecken ist das Herz des Königs in der Hand des Herrn; er leitet es, wohin immer er will."

[25:29] Ebenfalls eine interessante Neuerung des Jahres 1489 war, dass das Pluszeichen erstmals eingeführt wurde im Rechenbuch von Johannes Wittmann, das 1489 erschien. Etwas, was ich eben mitdenken von Martin Luther sehr eingeprägt haben dürfte, war der Brand der örtlichen Sankt-Georgs-Kirche in Mansfeld. Und das war natürlich etwas, was ihn als jungen – er war damals ja etwa sechs Jahre alt, 16 Jahre alt – wirklich beeindruckt damit.

[26:11] Sechsjährigen im Jahre 1480 starb dann ein wichtiger Vorreformator, Johannes Wessel, genannt Ganzius. Er starb in Chroniken, also in den heutigen Niederlanden. Er war platonischer Humanist und galt schon bei seinen Zeitgenossen als wirklich eine, ein hochintelligenter Mann. Sein Name war Lux Mundi, das Licht der Welt, oder auch Magister Contradictionis, der Meister des Widerspruchs. Er hatte heftig gegen Thomas von Aquin gestritten und dessen Autorität in Frage gestellt, und das wird ihn einmal noch wichtig machen, aber dazu mehr in den späteren Folgen. Er hatte die letzten Jahre seines Lebens in Klöstern gelebt, teils auf dem Magnetenberg bei Zwolle, weil er Angst hatte vor der Verfolgung.

[26:58] Auch andere Theologen, die so ähnlich gedacht hatten wie er, wie zum Beispiel Johann Overath, auch Johann Wessel genannt, wird auf der Wechsel mit Wessel dabei als ein anderer, der schon einige Jahre zuvor gestorben war, in einem Kerker, weil das schon mit anderen passiert war. War auch er sich nicht sicher, ob er nicht der Inquisition zum Opfer fallen könnte. Die meisten seiner Schriften sind tatsächlich von der Inquisition vernichtet worden. Und wenn man ein Gefühl dafür bekommen will, wie sehr er das Evangelium schon verstanden hatte, dann braucht man nur seinen letzten Satz auf dem Sterbebett anhören. Er sagte dort: "Ich kenne niemand als Jesus, den Gekreuzigten." Das ist eine Paraphrase von dem, was sie Paulus im ersten Korintherbrief 2, Vers 2 schreibt: "Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, ihnen den Gekreuzigten."

[27:53] Luthers später einmal über diesen Wessel gesagt: "Wenn ich den Wessel zuvor gelesen hätte, so ließen meine Widersacher sich dünken, mit Luther habe alles Wessel entnommen." Also stimmt unser beider Geist zusammen. Als Luther noch ein kleines Kind war und auf den gepflasterten, von Fäkalien durchzogenen Straßen von Mansfeld gespielt hat, war das Evangelium schon verkündigt worden von Leuten wie Johann Wessel und anderen.

[28:24] Im selben Jahr wurde schon Farel geboren, lief er in Lindau, Finni im Südosten Frankreichs, inmitten der Berge. Und auch er würde eine große Rolle in der Reformation spielen, genauso wie Paul Lindenau, der ungefähr im Jahre 1480 – genau ist das Datum nicht bekannt – geboren wurde, und zwar in Chemnitz im Herzogtum Sachsen. Eine Person, die auch später noch von großer Bedeutung werden wird, Thomas Müntzer, auch in jener Zeit ungefähr geboren, und zwar in Stolberg, gar nicht allzu weit entfernt von Mansfeld. Dort in dieser Grafschaft im Südharz.

[29:06] Kommen wir zum Jahr 1490. Am 13. März starb dieser Karl der Erste, der Herzog von Savoyen, so wie es in den zeitgenössischen Berichten heißt. Ein Mattigkeit, das für einen knapp oder gut 20-jährigen Herzog schon interessant. So wurde sein Sohn Herzog, und der war noch nicht einmal zwei Jahre alt. Musste also die Mutter erst einmal die Regierungsgeschäfte übernehmen. Karl der Zweite sollte jetzt als quasi noch Baby über dieses Territorium regieren, in dem auch die Waldenser eine große Rolle spielen.

[29:46] Ebenfalls starb in jenem Jahr der König von Ungarn und Kroatien, Matthias Corvinus. In deutscher Bezeichnung, er hatte ja Wien erobert und damit dem Kaiser Friedrich dem Dritten eine schmähliche Niederlage bereitet. Aber durch seinen Tod gingen nun wieder alles zurück an den Habsburger, zumindestens formal. Militärisch musste er es dennoch zurückerobern, und so setzte er sich mit seiner Armee in Bewegung, um genau das zu tun.

[30:17] Ebenfalls in diesem Jahr endete dann der St. Galler Krieg. Die Fürstabtei behielt mit Hilfe der eidgenössischen Städte die Oberhand über die Stadt St. Gallen. Und wie gerade angedeutet, Friedrich der Dritte, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und natürlich Herrscher über die habsburgischen, erklärten Lande in Österreich, belagerte Wien für zehn Tage und konnte dann – es war seine Stadt Wien – wieder in Besitz nehmen, nachdem diese kapituliert hatte.

[30:59] Die Ungarn brauchten natürlich einen neuen König. Und aufgrund der Verständigung zwischen Ungarn und Böhmen schon vor etlichen Jahren, wurde jetzt nach Vertrag Vladislav der Zweite, der schon König von Böhmen war und damit über jenes Land regierte, das so sehr von den Früchten bestimmt war, jetzt auch König über Ungarn. Er schon relativ alt im Jahre 1490.

[31:25] Am 23. September wurde Johann Hess geboren. Auch er wird in der Reformationsgeschichte eine Rolle spielen, und zwar in einer der größten damaligen deutschen Städte, nämlich Nürnberg. Eine herbe Enttäuschung musste Christopher Colombo, besser bekannt als Christoph Kolumbus, im Jahre 1490 hinnehmen. Er hatte seine Pläne ja dem spanischen Königshaus vorgelegt, einen Seeweg nach Indien zu finden, nicht um Afrika herum, sondern auf einer direkten Route nach Westen. Das war hoch umstritten. Es gab einige Gelehrte, die das für möglich hielten, theoretisch. Aber die Kommission, die das Königreich Kastilien eingesetzt hatte, lehnte eine Finanzierung dieses waghalsigen Unternehmens ab. Und so war Christoph Kolumbus immer noch keinen Schritt weiter. Niemand wollte ihn so wirklich in seinem Abenteuer unterstützen, diesen vermeintlich vorhandenen Weg nach Indien direkt über den Westen zu finden.

[32:34] Da ging es schrittweise voran. Die Eroberung von Afrika doch deutlich voran. Nachdem der Kongo entdeckt worden war, in den Jahren zuvor durch die Portugiesen, kamen 1490 die ersten kirchlichen Missionare, die ersten katholischen Missionare dort im Kongo an und begannen mit der Arbeit.

[32:52] Sehr schwer beschäftigt war auch der spanische Großinquisitor Thomas de Torquemada mit seinen mittlerweile 70 Jahren. Er präsidierte über diese Organisation, die spanische Inquisition, die jetzt in dem wiedervereinigten Spanien die katholische Lehre durchsetzen sollte. Man jagte die Juden, man jagte vor allem auch die sogenannten Mauren, die Muslime, und man jagte vor allem diejenigen, die formal sich dem Christentum unterworfen hatten, aber doch insgeheim ihre alte Religion weiter praktizieren. Und im Jahre 1490 ließ besagter Thomas de Torquemada etliche hebräische Bibel und sage und schreibe 6000 Bücher in Salamanca im Westen Spaniens in einem Auto-da-fé verbrennen. Und der Grund war, man vermutete, dass in diesen Büchern Zauberei enthalten seien. Aber in Wirklichkeit war das natürlich vor allem eine Strafaktion gegen zum Beispiel die Juden.

[34:08] In Florenz dagegen bekam der Prediger Savonarola immer mehr Zulauf. Mittlerweile werden gewaltige Menschenmengen in seinen feurigen Predigten zu ihm. Er hat er sich immer weiter auch in die Politik eingearbeitet, und es war schon bald klar, dass er einen Einfluss ausüben würde auf diese Gesellschaft, gerade in Florenz, wo so für Weltoffenheit und so viel Humanismus eigentlich sonst die Kultur prägte. Und des Rates abzuwarten, was aus dieser Bewegung werden würde.

[34:45] Pero de Covilhã, der portugiesische Entdecker, der sich aufgemacht hatte, dieses sagenhafte Reich des Priesterkönigs Johannes zu suchen – werden wir ja davon in der letzten Folge schon gesprochen – traf dann im Verlauf dieses Jahres 1490 in Äthiopien ein. Es war nicht der erste Europäer, der dort im Spätmittelalter aufkreuzte, aber es war relativ unbekannt. Und so glaubt tatsächlich einige in Europa, dass es sich bei Äthiopien um dieses sagenhafte Priesterkönigreich handeln könnte. Und man begann erste Verbindungen mit dem Negus, dem Kaiser von Äthiopien dort, aufzunehmen.

[35:26] In jeder Zeit ist das genaue Datum nicht ganz bekannt, aber ungefähr um 1490 fällt die berühmte Zeichnung von Leonardo da Vinci, der sogenannte Vitruvianische Mensch. Eigentlich eine Skizze, die beweisen sollte, dass der alte römische Architekt Vitruv recht hat, mit der Behauptung, dass der menschliche Körper von seiner Anatomie her, von seiner Frau, von seinen Proportionen her, sowohl in ein Quadrat als auch in einen Kreis passte. Und da Vinci hatte noch viele andere Dinge, die in dieser Zeit tat. Er beobachtete die Kabila-Aktivität, erfand eine neuartige Ölfarbe. Er war eines dieser ganz großen Universalgenies, die diese Zeit ganz intensiv prägten.

[36:14] Im Jahre 1490 traf auch Johannes Reuchlin, der mittlerweile 35 Jahre alt war, der Pico della Mirandola, von dem wir in der letzten Folge gehört hatten. Die Humanisten hatten einen engen und intensiven Austausch. Sie standen sich hier oft gewaltigen Widerstand in der Kirche und auch weiten Teilen der Gesellschaft gegenüber. Und es war wichtig, dass sie sich austauschten und neue Ideen, Bücher, Literatur, Philosophie miteinander teilten.

[36:41] Friedrich der Dritte, der junge Kurfürst von Sachsen, begann im Jahre 1490 seine Hauptstadt auszubauen, nämlich das kleine, unbedeutende und unansehnliche Wittenberg. Da gab es da ein altes Schloss, das die Burg oder die Altenburg der Askanier, die wurde eingerissen. Ein neues Schloss sollte her, mit einer neuen Schlosskirche. Das würde viele Jahre in Anspruch nehmen, das zu bauen, aber er ging das mit Entschiedenheit und mit großem – große Hoffnung an. Und es zeigte sich, dass diese Stadt bald zu einer wichtigen Stadt in Deutschland werden würde, dieses kleine Wittenberg. Die Hauptresidenz von Friedrich dem Dritten war zwar Torgau, aber Wittenberg war die tatsächliche Stadt.

[37:31] Mit sechs Jahren, also im Jahre 1490, verließ der kleine Ulrich Zwingli mit sechs Jahren seine Heimat im beschaulichen Toggenburg in Wildhaus und Rakk und musste umziehen, gar nicht so weit weg, einige Kilometer nach Südwesten, an das Westende des Walensees, nach Wesen, wo er bei seinem Onkel, dem Dekan Bartholomäus Zwingli, jetzt leben sollte.

[38:05] Noch ein Ereignis von weitreichender Bedeutung fand 1490 statt, nämlich ein sächsischer Adliger mit Namen Johann von Staupitz, 25 Jahre alt damals, entschied sich zu einem Schritt, den viele damals gingen, weil sie dadurch hofften, heilig, selig zu werden und in den Himmel zu kommen. Er ging in ein Kloster. Ja, war zwar aus Sachsen, aber eher gegen ein in München trat er ins Kloster ein, und zwar das Kloster der Augustiner-Eremiten. Das war einer der vier großen Bettelmönchsorden des Spätmittelalters, neben den Karmeliten, den Franziskanern und den Dominikanern. Die Augustiner-Eremiten gehen natürlich zurück auf Augustinus von Hippo. Allerdings hat er diesen Orden nicht gegründet, sondern er wurde im 13. Jahrhundert durch einen Papstbeschluss quasi am grünen Tisch gegründet. Und die Mönchsregel, die tatsächlich Augustinus verfasst hatte, die wurde diesen Orden gegeben. Und inhaltlich gab es verschiedene Kräfte. Da gab es einige, die es mit der – zwar die Mehrheit – mit der Ordensregel des Augustinus nicht mehr so ernst nahmen. Und das war allgemein bei den Bettelmönchen der Fall. Man hatte sich mehr auf das schöne Leben konzentriert als auf die genaue Einhaltung von Regeln. Aber Staupitz und andere gehörten zu einem Flügel innerhalb dieses Ordens, die es genauer und ernsthafter mit der Ordensregel nehmen wollten. Man nannte sie auch die Observanten Augustiner-Eremiten, und diesen Begriff werden wir öfter hören, und der wird uns noch wieder vorkommen.

[39:45] Eine Kleinigkeit, die die Welt durchaus verändern konnte, war im Jahre 1490 die Erfindung des Kommandos. Matthäus war einer der berühmtesten Verleger seinerzeit. Er begann in diesem Jahr mit einer Druckerei in Venedig, die zu einer der wichtigsten Druckereien des Humanismus werden sollte. Er setzte sich dafür ein, wichtige Werke der Antike im handlichen, günstigen Buchformat auf den Markt zu bringen. Und er war der erste, der systematisch Punkte verwendete, Satzzeichen zum Ende, und auch Kommata, denen er dann die heutige Form gab.

[40:22] Bleibt noch zu berichten davon, dass auch in jedem Jahr Kaspar Schwenckfeld von Ossig, heutigen Polen, im Herzogtum Liegnitz geboren wurde. Und in diesem Zeitraum, ohne dass man es genau festlegen kann – die biografischen Daten, die wechseln zwischen 1485 bis 1492 ungefähr – diesem Zeitraum wurde auch Hieronymus geboren, in Pakistan, in England, und zwar in eine Bauernfamilie. Von all dem hat vermutlich der kleine Martin Luther nicht allzu viel mitbekommen, abgesehen von dem schweren Brand in der Georgskirche. Er wuchs ganz bescheiden auf dort in seiner armen Familie. Er wird sicherlich immer wieder mal auf die reiche Burg geschaut haben der Mansfelder Grafen, die nur auf der anderen Seite des Tals lag. Vielleicht ist er schon 1490 in die Schule gekommen, vielleicht erst 1491, je nachdem, wann er geboren worden ist. Wir haben auch über diese Unsicherheit gesprochen.

[41:32] Wir werden in der nächsten Folge auf jeden Fall dann berichten, wie es ihm in der Schule ergangen ist, was er dort erlebt hat, und das wird sehr, sehr spannend werden. Die nächste Folge wird dann heißen: Zeitalter der Entdeckungen. Wir werden die Jahre 1491 bis 1493 betrachten. Und bis dahin wünschen wir Ihnen Gottes Segen und viel Freude im Studium der Geschichte. Und wir hoffen, dass wir uns dann in einer Woche hier wiedersehen können.


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