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Sola Veritas – Die Wahre Chronik der Reformation

500 Jahre ist die Reformation alt: wird sie fortgeführt oder begraben? Wie verhalten sich Luthers Erben und was wird aus seinen (Wieder)entdeckungen? All das sind wichtige Fragen. Doch beantworten kann sie nur, wer das Reformationsgeschehen selbst gründlich kennt. „Sola Veritas – Die wahre Chronik der Reformation“ bietet weitaus mehr als die üblichen bekannten Zusammenfassungen und Anekdoten. Ausgehend vom Jahre 1482 wird alles chronologisch erzählt, was weltgeschichlich und biographisch (sowohl bezüglich Luther als auch vieler anderer, zum Teil sehr unbekannter Reformatoren) wichtig war. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt des Spätmittelalters, erleben sie das zaghafte Aufblühen von Wissenschaft und Kultur, verfolgen sie die Debatten um philosophische und theologische Streitfragen und entdecken sie Schritt für Schritt mit Luther und seinen Mitkämpfern befreiende biblische Wahrheiten. So wird Kirchengeschichte lebensnah und endlich gut verständlich…. Neue Folgen wöchentlich, bzw. wenn es die Zeit erlaubt. Ein Programm von www.joelmediatv.de

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In dieser Folge von „Sola Veritas“ tauchen wir in die turbulenten Jahre 1494 bis 1496 ein. Wir erleben die Korruption und den Frevel im Vatikan unter Papst Alexander VI. und seinen Kindern, während gleichzeitig die politische Landkarte Europas durch den französischen König Karl VIII. neu gezeichnet wird. Die Entdeckungsreisen des Kolumbus weiten den Horizont, und in Italien beginnt ein Krieg, der das Land erschüttern wird. Gleichzeitig erhebt sich in Florenz die Stimme des Bußpredigers Girolamo Savonarola, der eine religiöse und gesellschaftliche Erneuerung fordert und dabei auf biblische Prophezeiungen zurückgreift.


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Serie: Sola Veritas - Die wahre Chronik der Reformation

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Transkript

[0:37] Herzlich willkommen zu Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation. Heute mit der fünften Folge hier auf joelmedia.de. Wie in jeder Folge wollen wir wieder chronologisch durch die Zeit fortschreiten und sehen, was im Leben von Martin Luther und auch in der Weltgeschichte passiert ist, um so die Geschichte der Reformation besser verstehen zu können. Und wir haben es uns schon zur Gewohnheit gemacht, hier in dieser Serie mit einem Gebet zu starten. Und so möchte ich auch Sie, liebe Zuschauer, zu diesem Gebet kurz einladen. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen, dass wir in diesem besonderen Jahr uns mit der Reformation beschäftigen können, um zu lernen von den Siegen und Niederlagen von Männern und Frauen, die um dein Wort, um deine Wahrheit gerungen haben. Wir möchten dich bitten, dass du mit deinem Heiligen Geist uns Erleuchtung offenbarst, die wir lernen können aus der Geschichte, damit wir die Fehler nicht wiederholen und von Demut und von dem Glauben der treuen Diener lernen können. So möchten wir dich bitten, dass du jetzt bei uns bist. Im Namen Jesu. Amen.

[2:04] Teil 5: 1494 bis 1496 – Feuer und Frevel. Wir schreiben das Jahr 1494. Und während Martin Luther in dieser Zeit, in der letzten Folge beschrieben, sich gerade mit der lateinischen Sprache, der Grammatik beschäftigt, herrscht in Rom der schlimmste Papst aller Zeiten: Papst Alexander VI. Er ist solch ein Monster, dass selbst die hingegebensten katholischen Historiker nie versucht haben, ihn zu verteidigen. Tatsächlich ist er jemand, der Kardinäle vergiften lässt, um ihren Besitz an sich zu reißen und dann seine Familie und seine Günstlinge weiter zu versorgen. Dabei hat er oft einen äußerst freundlichen Umgangston und erweist sich als ein großer Heuchler.

[3:03] In Rom ist man seines Lebens oft nicht mehr sicher. Das lag nicht nur an Alexander dem VI., sondern auch an seinen Kindern. Fünf Stück hatte er, alle natürlich unehrlich, und deswegen nannte er sie seine "Neffen". Berühmt wurde vor allem Cesare Borgia, der in dieser Zeit ungefähr gerade 18, 19 Jahre alt war und zu einem der einflussreichsten italienischen Fürsten der Renaissance aufsteigen sollte. Er war von einer solchen Brutalität, dass die Geschichten über ihn viele Krimis füllen könnten. Ungezählte Morde wurden ihm angelastet, unter anderem auch der Mord an seinem eigenen Bruder.

[3:51] Selbst der Papst fürchtete die Gewalt dieses jungen, ungezähmten Mannes, der sehr groß, sehr stark und auch noch sehr schön gewesen sein soll. Der im Stierkampf als echter Spanier war, dass er seine Leidenschaft einem ausgewachsenen Stier mit einem Schlag so – berichten es Augenzeugen – den Kopf abgeschlagen haben soll. Aber die Leidenschaften in ihm waren ungezähmt und damit war er quasi noch eine potenzierte Steigerung dessen, was schon sein Vater, der Papst, auf dem Stuhl des Vatikans tat. Der hatte angeblich sogar eine Affäre mit seiner eigenen berüchtigten Tochter Lucrezia. Mit anderen Worten: Die Christenheit sank, was die Leitung der Kirche anging, auf einen nie dagewesenen, nicht einmal für möglich gehaltenen Tiefpunkt. Rom war ein Ausbund an Frevel, und keine weltliche Herrschaft hat jemals solche Monster als Regierende gehabt, jeweils bis zu diesem Zeitpunkt, wie die Borgias in Rom an der Spitze der Kirche.

[5:08] In jener Zeit brauten sich dunkle Wolken über Europa zusammen. Das hing vor allem zusammen mit dem Tod von Ferdinand I., der König von Neapel gewesen und der Thronfolger hätte sein sollen: Alfons II. Doch jemand hatte etwas dagegen, und das war der französische König, der selbst Ansprüche stellte auf den Thron. Und damit sollte sich jetzt eine äußerst komplizierte diplomatische Krise entwickeln, wie wir gleich noch sehen werden.

[5:48] Just in dieser Zeit, eben April 1494, startete Columbus noch zu einer weiteren Entdeckungstour in die Karibik. Von der Insel Hispaniola aus, wo er die Wintermonate verbracht hatte, und im selben Monat wurde auch Johannes Schnitter geboren, später als Johannes Agricola bekannt in der Reformationsgeschichte. In Eisleben, in der Grafschaft Mansfeld, also ganz in der Nähe von dem gerade lateinisch parkenden Martin Luther. Das war am 20. April gewesen. Columbus aus dieser Entdeckungstour vor Hispaniola aus entdeckte dann die kleine Insel, die wir heute Jamaika nennen. Er nannte sie Santiago. Es gab also noch etliches dort in diesem Fall, in diesen kritischen Bereichen zu entdecken, und Columbus war hier also unterwegs gewesen.

[6:46] Die neu entdeckten Gebiete waren etwas, das die Großmächte tatsächlich intensiv beschäftigte. Die bisherigen Lösungen, die im Jahr zuvor getroffen worden waren, auf Entscheid des Papstes Alexander VI., wurden noch einmal neu verhandelt, und zwar im Vertrag von Tordesillas. Die Portugiesen waren nicht ganz einverstanden. Sie vermuteten, dass, wenn die Spanier dort im Westen Land gefunden haben, dass da noch mehr sein könnte. Und so erreichte man mit zehn Verhandlungen, dass die Linie, die das spanische und das portugiesische Eigentum trennen sollte, noch etwas nach Westen verschoben werden sollte, so dass potenzielles Land, das etwas weiter östlich gefunden werden könnte, dann den Portugiesen zu fallen würde. Das sollte noch weitreichende Konsequenzen haben für die weitere Entdeckung der Neuen Welt.

[7:45] Am 1. August 1494 wurde in der Schweiz, in St. Gallen, Benedikt Burgauer geboren. Und auch er wird später eine Rolle spielen. Und dann war es soweit: Im August brach Krieg aus. Die französische Armee wurde einberufen. Der französische König Karl VIII. hatte ja, wie gerade angedeutet, Ansprüche angemeldet auf den Thron von Neapel. Da wurde weit zurückgegriffen in die Ahnen Tafel. Man konnte das einigermaßen juristisch belegen, dass man dort Anspruch haben könnte. Und den vielfach zerstrittenen italienischen Staaten taten ihr Übriges dazu. Vor allem Mailand verbündete sich mit Frankreich und lud den französischen König zu einem Feldzug nach Italien ein.

[8:38] Auch der Papst hatte dort politisch seine Finger mit im Spiel. Er versuchte allerdings ein Doppelspiel und wechselte öfter mal die Seiten, wie das auch schon seine Vorgänger getan hatten, nicht gerade zu seinem Vorteil, wie wir gleich sehen werden. 25.000 Mann hatte Karl VIII. zusammengezogen, davon fast ein Drittel Schweizer Söldner. Und die sollten jetzt in Italien einfallen. Um sich den Rücken frei zu halten, hatte der französische König vorher Verträge, Handelsverträge mit dem Heiligen Römischen Reich, mit England und auch mit Spanien abgeschlossen, um – die sehr vorteilhaft für die jeweiligen Bündnispartner waren, so dass diese jetzt weniger geneigt sein würden, gegen Frankreich fortzugehen.

[9:30] Am 5. September kam es dann zum ersten großen Kriegsverbrechen. Die italienische Stadt Rapallo in Ligurien wurde nicht nur eingenommen, sondern die gesamte Bevölkerung – Männer, Frauen und Kinder – wurden auf Geheiß des französischen Königs massakriert. Und damit deutet sich schon an, dass dieser Krieg nicht einfach nur ein taktisches Manöver sein würde, sondern viel Leid und Schmerz über die italienische Halbinsel bringen würde.

[10:02] Und naja, Columbus kehrte dann am 25. September nach vielen Monaten der Entdeckungsreise wieder auf die Hauptinsel Hispaniola zurück, wo man sein ein Zentrum etabliert hatte. In der Zwischenzeit hatten sich die Ureinwohner dort auf dieser Insel gegen die zurückgebliebenen Spanier erhoben, und Columbus musste einen kleinen Feldzug führen. Er hat dann 1600 dieser Ureinwohner versklavt und sie nach Spanien verschifft. Aber ungefähr die Hälfte von ihnen hat Spanien gar nicht erst erreicht, sondern ist auf der Fahrt gestorben. Das waren so die allerersten Anfänge der gewaltsamen Unterdrückung der Ureinwohner dort in der Neuen Welt.

[10:46] Unterdessen zog die französische Armee mordend und brandschatzend Krieg führend durch die italienische Halbinsel und näherte sich Florenz, der berühmten Stadt des Humanismus, der weltoffenen Stadt, die über den letzten Jahren immer mehr eine wachsende Popularität für den Bußprediger Girolamo Savonarola gesehen hatte. Und der hatte die Invasion vorhergesagt, so wird uns berichtet. Und als dann die Franzosen vor den Toren der Stadt standen, war sein Einfluss umso größer.

[11:23] Am 31. Oktober kapitulierte Florenz. Die Franzosen zogen ein, und tatsächlich war es Savonarola selbst gewesen, der den französischen König überreden konnte, Florenz zu verschonen und kein Massaker zu veranstalten. Das wiederum hat seine Machtposition noch mehr gestärkt. Und aus dem Buchprediger wurde jetzt jemand, der die Geschicke der Stadt Florenz förmlich in den eigenen Händen hielt. Er war mittlerweile 42 und einer der angesehensten Prediger, nicht nur in Florenz oder in Italien, sondern seine Predigten hatten Einfluss weit über Italien hinaus.

[12:12] Wenige Tage später, am 5. November, wurde in der Reichsstadt Nürnberg Hans Sachs geboren, den wir auch später noch in der Reformationsgeschichte in besonderer Funktion erleben werden. Und dann wurden die Medici aus Florenz, diese Familien-Dynastie, über Jahre hinweg dort die Macht in der Republik Venedig an sich gerissen hatte, die eine große Förderer der Kunst und Kultur gewesen waren, den Humanismus dort zur Blüte gebracht haben, die wurden jetzt vertrieben. Und Girolamo Savonarola übernahm tatsächlich sozusagen die Macht und begann durch seine Predigten, das vorher so verruchte, weltoffene Florenz in eine Art Gottesstaat umzuformen, eine Art Theokratie. Auch viele der vormals humanistisch engagierten Bürger bekehrten sich und wurden einige Anhänger dieses feurigen Bußpredigers, der die Missstände in der Kirche und vor allem die Missstände in Rom ohne Blatt vor den Mund zu nehmen, so deutlich kritisierte.

[13:26] Unter ihnen war zum Beispiel auch Giovanni Pico della Mirandola. Vielleicht erinnern wir uns daran, dass er derjenige war, der 900 Thesen aufgestellt hatte und großes konnte, eine große Konferenz in Rom veranstalten wollte, aber dann doch eher schmählich gescheitert ist. Er war ohnehin, im Gegensatz zu vielen anderen Humanisten, grundsätzlich an Religion interessiert gewesen und wurde jetzt zu einem überzeugten Anhänger Savonarolas. Er war dort natürlich nicht der Einzige. Interessanterweise starb er aber wenige Tage später, am 17. November, mit nur 31 Jahren. Und viele Zeitgenossen bedauerten dies, denn sie waren, Nico de la Mirandola galt als eines der größten Genies seinerzeit. Das Gerücht ging übrigens um, dass er möglicherweise vergiftet worden war.

[14:18] Derweil waren die Franzosen immer weiter gezogen auf ihrem Weg Richtung Neapel und auch an Rom vorbei gekommen. Man war schon im Dezember in Rom oder an den Toren Roms, aber der König wartete mit dem Einmarsch, weil die Astrologen, die in seinem Gefolge ihm gesagt hatten, ein Einmarsch in Rom wäre am besten am 31. Dezember. Und bis zu diesem Tag wartete er.

[14:47] Und dann wurde Rom tatsächlich eingenommen. Vorher war bereits ein Teil der Befestigungsanlage ohne fremde Einwirkung eingestürzt, und die Römer hatten das als schwerwiegendes böses Omen aufgefasst. Der Papst musste sich in die Engelsburg flüchten und hat er jetzt Angst, dass er vielleicht abgesetzt werden würde.

[15:16] Derweil predigte Savonarola immer deutlicher diese demokratische Idee und er machte Aussagen, die andeuten schienen, anzudeuten schienen, dass er für sich die prophetische Gabe in Anspruch nahm. Hier haben wir ein solches Zitat aus einer Predigt vom 12. Dezember 1494. Dort heißt es: "Wenn ich also Böses vorhergesagt habe und ihr habt es gesehen, müsst ihr mir glauben, wenn ich euch jetzt etwas Gutes sage, denn der Prophet wird nicht immer nur es vorhersagen. Ich sage: Florenz, höre, was ich dir heute Morgen sage, höre, was Gott in mir inspiriert hat. Tut es, dann wird es euch gut gehen." Wenn ihr es tut, dann sagt er, was Gott inspiriert hat. Dort heißt es: "Hier, ich sage euch zuerst die beiden Dinge, die ich euch schon einmal sagte, nämlich, dass sie jeder zur Beichte gehen und von seinen Sünden gereinigt werde, und lasst alle für die Wohlfahrt in der Stadt sorgen. Und wenn er dies tut, wird eure Stadt herrlich sein, denn auf diese Weise wird es wohl geistlich als auch weltlich reformiert werden, und von euch wird sich die Reform in ganz Italien ausbreiten." Er wollte eine echte Reform, das ist ohne Frage. Er war eine reformatorische, ein Reformator, der für sich den Geist der Weissagung beanspruchte.

[16:37] Und hier wird es jetzt sehr diffizil in der Beurteilung, denn das, was er hier sagt, dass Gott ihm inspiriert hätte, stimmt nicht wirklich ganz hundertprozentig überein mit dem, was die Bibel über die Sündenvergebung gesagt hat. Interessanterweise ist bis heute die Beurteilung von Savonarola in der Reformationsgeschichte sehr gespalten. Während einige ihn als Vorreformator sehen, verneinen das andere. Und ohne ein abschließendes Urteil jetzt schon hier fällen zu wollen, ist es interessant, dass er einen großen Eifer an den Tag legte, aber auch einen Anspruch an einen Anspruch erhebt, dem er wohl selbst nicht ganz gerecht geworden ist. Aber dazu jetzt im Laufe dieser und der nächsten Folge noch mehr.

[17:31] Nachdem also Rom gefallen war, hatte sich hiermit auch wiederum die Prophezeiung und dass die Vorhersagen des Savonarola offensichtlich bestätigt. Wir gleich noch sehen werden. Ebenfalls im Jahre 1494, hier noch einige zusätzliche Informationen zum Jahr: Erschien das Buch "Das Narrenschiff" von Brant, eigentlich seine eine Postel, eine Satire, die allerdings zu einem absoluten Bestseller international wurde, außerdem der meistgelesenen Bücher in der vor-reformatorischen Zeit. Und in der viele Missstände der Gesellschaft durch Satire und durch Humor aufgegriffen worden sind.

[18:09] Ebenfalls relativ berühmt, dieser Druck hier, die Lübecker Bibel. Die Bibel war bereits mehrfach ins Deutsche übersetzt worden, wobei man beim Deutschen hier einschränkend sagen muss, es handelt sich um einzelne Dialekte. Das Deutsche gab es in der Form vielleicht noch gar nicht so richtig. Die Lübecker Bibel zum Beispiel, eine Variante in Mittelniederdeutsch, basierend auf der, wohl das heißt, auf der lateinischen Standardübersetzung, und die wurde dann ins Mittelniederdeutsche übertragen. Die Lübecker Bibel gilt als eine der bedeutendsten, weil sie besonders schön auch ausgeführt ist und zu erzeugen ist. Das rein theoretisch in gewissen Dialekten die Bibel im Deutschen vorhanden war, auch wenn das noch keine Volks-effektive oder er kann keine Ausgabe war, die im Volk weit verbreitet waren.

[19:02] Ebenfalls im Jahr 1494, ungefähr ohne genaue Angabe, wurde Johannes Drach geboren in Karlstadt, sowie auch sein berühmter Kollege, Andreas Bodenstein, Jahre zuvor. Und in diesem Jahr veröffentlichte der deutsche Humanist Johannes Reuchlin ein interessantes Werk. Wir haben ja schon mehreren Folgen etwas unter die Lupe genommen. Sein Buch, das in diesem Jahr veröffentlicht wurde, hieß "De Verbo Mirifico". Ein Buch, in dem fiktiv ein christlicher, ein jüdischer und ein heidnischer Gelehrter, drei Gelehrte, gemeinsam über Religion und Philosophie diskutieren. Und im Laufe dieses Gespräches verschmelzen die Grundpositionen aller drei Religionen, des Judentums, des Christentums und des Heidentums, in der Lehre von Jesus zu einer Einheit. Also ein interessanter Ansatz, die Weltreligionen zu betrachten. Reuchlin hat das Verbindende gesucht, wobei gleichzeitig das Evangelium von Jesus den Maßstab bildete. Und solche Art von Literatur war unter den Humanisten sehr modern. Man hat versucht, über den Tellerrand hinauszuschauen und zu bauen und eine gewisse Gleichrangigkeit oder eine gewisse Akzeptanz auf der anderen Religion zu bewirken.

[20:28] Ulrich Zwingli, der zu diesem Zeitpunkt zehn Jahre alt war, ist im Jahre 1494 von Wesen, wo er bis dato bei seinem Onkel gelebt hatte, nach Basel umgezogen, um dort die Lateinschule zu besuchen. Offensichtlich man dort die Möglichkeiten sehr viel besser, und es zeigte sich, dass der junge Ulrich ein äußerst talentierter Junge war, ein talentiertes Kind mit großer Auffassungsgabe und vor allem mit einer wirklich musikalischen Ader. Und dazu im Volk in der Folge der nächsten Teile natürlich mehr. Also Zwingli hat in diesem Jahr in Basel. Hier ein Bild aus dem mittelalterlichen Basel.

[21:26] 1495. Savonarola predigte weiter mit Feuereifer für die Erneuerung der Kirche und die Erneuerung der Republik Venedig. Und am 13. Januar erhielt er so eine genannte Erneuerungspredigt. Und interessanterweise bezog sich hier auch verschiedene Bilder und Symbole, zum Teil auch aus der Bibel, unter anderem auch aus der Offenbarung des Johannes. Und ich ein interessantes Zitat, dass dieser Predigt vom 13. Januar, bezugnehmend auf die vier Reiter der Apokalypse, heißt es hier: "Das dritte Bild, das ich euch erklärte, war aus der Apokalypse, in der er sagte, dass er vier Pferde sei, also gemeint ist natürlich Johannes. Eines weiß, das zweite rot, das dritte schwarz und das vierte fahl. Und ich sage euch, dass das weiße die Zeit der Apostel darstellte, das rote stellte die Zeit der Märtyrer dar, welche die zweite Phase der Kirche war. Das schwarze stellte die Zeit der Häretiker dar, welche die dritte Phase der Kirche war. Das fahle stellte die Zeit der Länder, und das ist heute eine interessante Interpretation der vier apokalyptischen Reiter aus der Offenbarung des Johannes in Bezug auf die Kirchengeschichte." Und deswegen geht er hier weiter und sagt: "Weiteres Zitat: Deswegen sage ich euch, dass die Erneuerung der Kirche stattfinden müsse und zwar bald. Ansonsten wird Gott seinen Weinberg, also Rom, die Kirche, anderen zur Kultivierung übergeben. Denn in Rom gibt es überhaupt keine Liebe mehr, sondern einzig den Teufel."

[23:00] So viel zu den Bildern. Also der Savonarola nahm kein Blatt vor den Mund. Die Schreckensherrschaft der Borgias in Rom wurde von ihm deutlich mit biblischen und auch vor allem sehr vielen philosophischen Argumenten man seine Predigten dem Codex Liest widerlegt und angegriffen. Und er bezog sich hier auf die vier Reiter der Apokalypse, von denen es in der Offenbarung heißen, Offenbarung 6, Vers 2 und 3: "Und ich sah, und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, hatte einen Bogen, und es wurde ihm eine Krone gegeben, und er zog aus als ein Sieger und um zu siegen." Und zwar wiederholt hat vollkommen korrekt die das erste weiße Pferd auf die Seite Apostel auf die Uhr Christenheit bezogen. Und dann das zweite Pferd, ist sogar ein anderes Pferd aus, das war feuerrot, und dem, der darauf saß, ihm wurde gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen, damit sie einander hin schlachten sollten, und es wurde ihm ein großes Schwert gegeben. Und auch hier, was Savonarola absolut korrekt in seiner Identifikation dieses zweiten roten Pferdes mit der Zeit der Verfolgung der Christen, der Zeit der Märtyrer, ungefähr das zweite Drittel und auch das Anfang des vierten Jahrhunderts.

[24:11] Und dann das dritte Pferd, denn Offenbarung 6, Vers 5 und 6: "Und ich sehe uns hier ein schwarzes Pferd, und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. Und ich hörte eine Stimme inmitten der vielen lebendigen Wesen, die sprach: Ein Maß Weizen für einen Denar und drei Gerste für einen Denar. Doch das Öl und den Wein schädige nicht." Und auch hier, was da wohl absolut korrekt in seiner Identifikation dieses dritten Pferdes mit der Zeit des Glaubensabfalls, wie er es nannte, die Zeit der Häretiker, und an das vierte Pferd.

[24:38] Pferd, in Offenbarung und ich sah und sie ein fahles Pferd, und darauf, dass dessen Name ist der Tod, das Totenreich folgte ihm nach. Und ihnen wurde Vollmacht gegeben über den vierten Teil der Erde zu töten, mit dem Schwert und mit Hunger, mit Pest und durch die wilden Tiere der Erde. Und zwar Savonarola auch hier korrekt in seiner Erkenntnis, dass man jetzt in der Zeit ist, dieses dem Mittelalter, das sich in der Zeit dieses vierten Pferdes befand. Er nennt es die Zeit der Lauheit, der Lauwarmen und spielt ein bisschen auf die Botschaft auch, vielleicht auch eher lau, die ca. Wahrscheinlich hat die Offenbarung noch etwas intensiver den Finger auf die Wunde gelegt, hatte Savonarola hier, sagt aber, das war tatsächlich eine korrekte Interpretation der Offenbarung, die Zeit, das zu der damaligen Zeit des.

[25:30] Zeit, das zu der damaligen Zeit des vierten Pferdes. Menschen erkannten, dass sie in dieser Zeit lebten. Am 23. Januar, dank der gerade erst neu gekrönten König von Neapel, Alfons der Zweite, schon wieder ab aus Angst vor den Franzosen und flieht nach Sizilien, wo er in ein Kloster geht und in kurzer Zeit dort im Kloster dann stirbt. Sein Sohn Ferdinand der Zweite, jugendlich, 25 Jahre alt, wird neuer König.

[26:01] Und so, einen Monat später, marschieren die Franzosen ohne Gegenwehr in Neapel ein. Hier eine Zeit, genau das Bild von Neapel, der richtig wichtige Stadt Italiens, Zentrum, Hauptstadt dieses Königreichs, das ganz Süditalien beinhaltete. Und für die Franzosen, die dort in Neapel ankamen, war es ein regelrechter Kulturschock. Der Humanismus war in Frankreich größtenteils kaum bekannt, abgesehen von wenigen Gelehrten, die in Italien gewesen waren. Und es war tatsächlich so, dass das Auftreffen der Franzosen hier auf die Städte in Mittel- und Süditalien zu einer völligen Erneuerung auch der Kunst und Kultur in Frankreich geführt hat.

[26:49] Eine weitaus höhere Folge war, dass hier in Neapel zum ersten Mal im christlichen Europa diese Syphilis ausbrach und zwar im großen Stil. Sie wurde damals auch die Franzosenkrankheit genannt und wurde vor allem über sexuelle Übertragungswege verbreitet und entwickelte sich zu einer regelrechten Epidemie in Mitteleuropa. Am 26. März, noch einen Monat später, habe ich noch ein Bild von der zeitgenössischen Bild von der Syphilis-Erkrankung, die damals auch als eine Strafe Gottes angesehen worden ist.

[27:31] Am 26. März wurde ein Reichstag eröffnet. Maximilian der Erste hatte nach Worms eingeladen. Er wollte eigentlich das Ganze schnell durchziehen. Er wollte einfach nur Mittel und Soldaten zur Verfügung gestellt bekommen, um nach Italien ziehen zu können, um dort den Franzosen Einhalt zu gebieten, die dort die einzelnen schwachen italienischen Staaten für sich eingenommen hatten. Er befürchtete vor allem, dass, wenn der Papst abgesetzt werden könnte, ein neuer Papst installiert werden könnte, der ihm dann nicht mehr die Kaiserkrone aufsetzen würde, sondern vielleicht dem französischen König. Und so hofft er auf ein schnelles Voranschreiten der Entscheidung im Reichstag.

[28:08] Sah sich aber konfrontiert mit zahlreichen Beschwerden der einzelnen Fürsten und Kurfürsten und Stände, die eine grundsätzliche Reform des Heiligen Römischen Reiches anstrebten. Und so verzögerte sich das alles. Derweil auf der diplomatischen Ebene gab es eine ganze Reihe von Bewegungen. Man gründete am 31. März, Entschuldigung, weil das ist die Liga von Venedig und viele Großmächte traten den bei: England, Spanien, Venedig, Mailand und auch der Kirchenstaat. Offiziell war das ein Bündnis gegen das Osmanische Reich, aber inoffiziell war es eigentlich ein Schutz- und Trutzbündnis gegen die Franzosen, um die wieder aus Italien herauszutreiben.

[28:59] Und auch Maximilian der Erste, König des Römischen Reiches, des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, wollte dort mitmachen und drängte den Reichstag, ihn dort zu beauftragen. Aber, wie gesagt, das stellte sich als etwas schwierig heraus. Derweil versuchten die Spanier, die Franzosen zu vertreiben. Sie landeten eine Armee in Kalabrien und kämpften gegen die Franzosen.

[29:37] Aber der König Karl ließ sich dort in Neapel zum König krönen, am 12. Mai gewesen, und zwar König von Frankreich und König von Neapel. Und die anderen Großmächte sahen das mit großer Sorge. Die angerückten Spanien gemeinsam mit neapolitanischen Kräften versuchten, wie gesagt, die Franzosen zu vertreiben, scheiterten aber in der Schlacht von Seminara dort im Süden Kalabriens.

[30:04] Kurze Zeit später kam es dann im Norden Italiens auf dem Gebiet des Herzogtums Mailand bei von Novo zur großen Schlacht. Die Franzosen gewannen zwar theoretisch, zogen sich aber trotzdem zurück. Bei dieser gewaltigen Schlacht von Fornovo, sodass am Ende strategisch eigentlich die Alliierten den Sieg für sich beanspruchen konnten. Die ganze Gesamtbeute, die man gemacht hatte auf dem italienischen Feld, ging für die Franzosen verloren und damit war das Ganze eigentlich ein großer Fehlschlag gewesen.

[30:40] Das bedeutet wiederum, dass Savonarola, der mit den Franzosen sich gut gestellt hatte, jetzt in einer prekären Situation war, weil ganz Italien um ihn herum sich von den Franzosen wieder losgesagt hatte. Und der Papst begann auch sofort diesen Bußprediger, diesen Kritiker und Revolutionär, den Reformator Italiens, der er sein wollte, in seine Fittiche zu bekommen.

[31:09] Am 21. Juli bestellte Alexander der Sechste Savonarola zu sich nach Rom. Ein Herr über den Brief, den dieses Monster von Mensch ganz freundlich geschrieben hat: "Geliebter Sohn, aus Zügen erkennen wir durch den Bericht Fehler, dass du die größte Arbeit verrichtest, worüber wir uns herzlichst freuen. Dem allmächtigen Gott danken, dass solche Gnade dem menschlichen Verstand gegeben hat. Menschen haben uns kürzlich berichtet, dass du in öffentlichen Predigten gesagt hast, dass die Dinge, die du an Königsthum nicht von dir oder menschlicher Weisheit stammen, sondern von göttlicher Offenbarung." Und dann sagt er: "Komm doch bitte nach Rom, und ich würde das gern einmal aus deinem eigenen Mund hören und mit dir ein bisschen darüber reden."

[31:54] Am selben Tag wurde übrigens die Grafschaft Württemberg zum Herzogtum erhoben auf dem Reichstag in Freiburg. Und naja, das hat er seine Bedeutung. Hier für Württemberg schrieb einen Brief zurück, zehn Tage später, wo er folgendes formulierte: "Gesegneter Vater, nachdem ich deine gesegneten Füße geküsst habe." Das war die Standardeinleitung, die er wählte, wenn er mit dem Papst in Kontakt stand, weil viele Dinge wegstehen. "Werde ich versuchen, dir die vernünftigen Gründe anzugeben, so dass du erkennst, dass ich durch Notwendigkeit und nicht aufgrund meines Willens verhindert bin, so dass ich nicht in deiner Gegenwart erscheinen kann."

[32:42] Er sagt ihm ab, höflich und gibt Gründe an. Er sei sehr krank, er spricht von Fieber, von Durchfall und von stehenden Magenproblemen. Seine Doktoren fürchten um dein Leben. Sogar die Gesundheitsprinzipien damals waren ja ohnehin nicht allzu förderlich für langes Leben. Zweitens sagt er, dass er viele Todfeinde hat, auch in der Stadt. Er geht mittlerweile nur noch mit Leibwache zum durch die Stadt und eine Reise nach Rom wäre sicherlich der sichere Tod, noch bevor Rom erreichen würde.

[33:12] Drittens sagt er, dass die Reform in Florenz gerade erst begonnen hat und er dringend dort gebraucht wird. Naja, der Papst war davon nicht besonders beeindruckt, wie wir gleich sehen werden.

[33:27] Während all dem beschloss der Reichstag in Worms zeitgleich am 7. August eine weitreichende Gesetzesvorlage, die das Heilige Römische Reich dauerhaft verändern würde: den sogenannten Ewigen Landfrieden. Bis dahin war es das Vorrecht der einzelnen Fürstentümer, Konflikte militärisch auszutragen. Das sollte jetzt verboten werden. Hier heißt es zum Beispiel: "Niemand, egal von welcher gesellschaftlichen Stellung, darf jemand anderen bekriegen oder sonstiges Leid zufügen. Alle bestehenden Fehden werden aufgehoben. Jeder, der dieses Gebot bricht, wird, egal von welchem Stand, mit der Reichsacht belegt. Jeder ist verpflichtet, einen des Friedens verdächtigen zu stellen oder zu melden."

[34:08] Und wer gegen Paragraph 4 verstößt, verliert selber jegliche Privilegien. Kammerrichter und Reichstag unterstützen die durch Fehden geschädigten. Also mit anderen Worten, stadteigener Blutrache sollten jetzt Gerichte angerufen werden und damit sollte das Reich stabilisiert werden. Weiterreise geknechtet sollen als gefährliche Elemente nirgends geduldet werden. Es waren also berittene Knechte, die Gewalt angewendet haben, die so als Söldner gedient haben.

[34:35] § 8: Verbrecher gegen die geistlichen Gesetze sollen wie Verbrecher gegen das weltliche Gesetz bestraft werden. Diese Landfriede soll durch spätere Gesetze nicht außer Kraft gesetzt werden können. Wenn ich zu dem Wohl des Friedens beitrage, verliert alle seine Privilegien und Rechte. Niemand darf diese nicht Frieden aufgrund irgendeines Privilegs, seines Standes oder aus irgendeinem anderen Grund missachten. Dieser Friede sollte keine anderen bereits bestehenden Gesetze aufheben.

[34:59] Dieser Friede hat Auswirkungen gehabt bis in die heutige Zeit und kann in seiner Bedeutung gar nicht hoch genug angesetzt werden. Es wurden dann oberste Gerichte geschaffen, vor allem das Reichskammergericht, das dann alle schwierigen juristischen Fragen klären sollte.

[35:16] Die einzigen, die nicht wirklich begeistert waren, waren die Schweizer Eidgenossen, die formal zwar zum Römischen Reich dazugehörten, aber sie schon gar nicht hier vertreten ließen und auch diese neue Struktur ablehnten, weil das nicht das alte Recht war, das sie gewohnt waren.

[35:32] Außerdem wurde eine erste gemeinsame direkte Steuer für das gesamte Reichsgebiet festgelegt, der sogenannte Reichsheer. Damit sollten die Kriege, die Maximilian der Erste führen wollte, finanziert werden.

[35:50] Derweil, zurück in Italien, Papst Alexander der Sechste schreibt einen Brief, diesmal nicht an Savonarola, sondern über Savonarola an die Franziskaner in Florenz. Und daran zeigt sich der wahre Geist dieses Papstes, der vorher noch so freundlich den Savonarola nach Rom eingeladen hatte. Wir haben gehört, heißt es hier: "Dass ein gewisses Girolamo Savonarola aus Ferrara vom Orden der Prediger, von den Dominikanern, sich an der Neuheit eines verkehrten Doktor Freud und seinem irrsinnigen Geisteszustand, sich von den Umwälzungen in Italien hat verleiten lassen, dass er ohne kanonische Autorität oder im Volk behauptet, er sei von Gott gesandt und spreche mit Gott gegen die kanonischen Dekrete." Und dann spricht er einige Maßnahmen hier aus in diesem Brief: "Der Savonarola soll gerichtet werden, sogar von einem Geistlichen, der als offensichtlicher Feind der Savonarola bekannt ist, und er soll mundtot gemacht werden und gegen ihn wird jetzt aufs Schärfste gewarnt."

[37:00] Savannah antwortet. Man hier sehen wir seinen Antwortbrief und wieder die gleiche Formulierung am Anfang: "Gesegneter Vater, nachdem ich deine gesegneten Füße geküsst habe." Er war ein absolut überzeugter römischer Christ, hat die Institution der Kirche nie in Frage gestellt und auch theologisch, soweit man das aus seinen Predigten ableiten kann, sich voll mit der herrschenden philosophisch-katholischen Lehre identifiziert. Die Missstände, die hatten ihn zur Buße aufrufen lassen und entsprechend antwortet er hier sehr diplomatisch, indem er den Verdacht ausdrückt, dass dieser scharfe Brief des Papstes in Wirklichkeit nur dazu dadurch zustande gekommen ist, dass böse Menschen den Papst falsch informiert haben.

[37:57] So lesen wir hier: "Zitat: Aber wir trauerten, weil die Bosheit der Menschen in einem solchen Maße fortgeschritten ist, dass es solche gibt, die nicht davor zurückschrecken, sogar den höchsten Pontifex und Vikar Christi auf Erden Dinge zu erzählen, die so falsch und verkehrt interpretiert sind." Sein Brief ist sehr konstant, sehr persönlich. Er unterwirft sich der römischen Kirche. Er sagt, er ist bereit, sich korrigieren zu lassen und möchte einfach nur nachgewiesen bekommen, dass er die Dinge auch wirklich gesagt hat, die ihm dort vorgeworfen werden.

[38:32] In diesem Brief distanziert er sich auch von dem Anspruch, ein Prophet zu sein, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass ein Prophet zu sein an sich keine Sünde wäre und dass das vollkommen in Übereinstimmung mit der Bibel wären.

[38:47] Und so kommt die Rückantwort vom Papst am 16. Oktober. "Wir begannen uns zu überzeugen, dass diese Dinge nicht in einem bösen Geist gepredigt worden sind, sondern mit Naivität und einfach auch, wenn Erfahrung etwas anderes gelehrt hatte, mit anderen Worten." Aufgrund dieses Entgegenkommens von Savonarola, sagt der Papst, "Da sehen wir, dass du ja kein Rebell bist, sondern dass du einfach nur nicht wusstest, was du tust." Und setzt seine Erfahrungen. "Hättest du gemerkt, dass solche Predigt nur Konfusion erzeugen und Zwietracht und Spaltungen hervorrufen." Und deswegen nehmen wir da eine Entschuldigung an.

[39:20] Und hier ist jetzt die Schlussfolgerung als Antwort auf deine Briefe: "Wir bieten wir der aufgrund heiligen Gehorsams gar nicht mehr zu predigen, wieder öffentlich noch privat." Der Papst belegt den Reformator von Florenz mit einem Rede- und Kanzelverbot. Darf überhaupt nicht mehr predigen. Und Savonarola nimmt das an und unterstellt sich dem Papst und hört auf zu predigen.

[39:58] Am 20. Oktober kommt es zu einer folgenschweren Hochzeit für Europa und die weitere Reformationsgeschichte: die Thronfolge Habsburgs. Der Sohn von Maximilian dem Ersten, Philipp der Schöne, jetzt schon Erzherzog von Burgund, mit 17 Jahren heiratet eine spanische Königstochter, die Johanna von Kastilien, die ein bisschen merkwürdig sein soll, schon in jungen Jahren.

[40:29] Kommt später, am 25. Oktober, vertagen. Fünf Tage später stirbt der König Portugals, Johann der Zweite, mit nur 40 Jahren. Und so wird ein Verwandter, Manuel der Erste, König und seine Herrschaft soll eine der glorreichsten in der Geschichte Portugals werden, die wir jetzt noch sehen werden.

[40:52] Am 1. November wurde in Halla im Kurfürstentum Sachsen Johann Walter geboren. Und währenddessen zeigt sich, dass die Theokratie in Florenz, dieser Gottesstaat, den Savonarola jetzt wieder neu beleben möchte, dass seine Predigten immer interessantere und spektakulärere Formen annimmt. Ist unter anderem der Brauch in der Karnevalszeit gewesen, über Jahre und Jahrzehnte hinweg, dass Kinder in der Karnevalszeit mit Steinen aufeinander und auf andere Dinge werfen. Viele Prediger hatten versucht, das zu unterbinden, Magistraten hatten versucht, Gesetze dagegen zu lassen, doch nie war es gelungen. Viele Menschen waren schon gestorben durch diesen schrecklichen Brauch.

[41:14] Es aber schafft es im Jahre 1496 durch eine gewaltige Bewegung unter den Kindern und Jugendlichen der Stadt Florenz, zum ersten Mal dieses Treiben zu unterbinden. Als die Karnevalszeit kommt, trauen die Bürger ihren Augen nicht. Tausende Kinder ziehen umher und sammeln Almosen für die Armen. Die Kinder werden von Savonarola besonders motiviert. Sie ziehen in Prozessionen durch die Straßen und viele Augenzeugen sind zu Tränen gerührt.

[45:49] Dabei waren die Methoden durchaus interessant, wie hier ein Augenzeuge in einem Brief an den Herzog von Mailand dokumentiert. Paulo Disponent sie sagt: "Es war schwierig, die Straße entlang zu gehen, wenn man ihnen nicht ein Geldstück gab, besonders für die Frauen. Sie hielten lange Stücke in ihren Händen, so dass sie nicht passieren konnten, ohne etwas zu bezahlen." Auf diese Weise sammelten sie etwa 300 Dukaten ein. Und heute hatte dieser Mönch eine Prozession mit diesen Kindern, etwa 10.000, die meisten davon noch keine 14 Jahre alt. Von den 6 bis 9-Jährigen waren es etwa 4.000.

[46:30] Der Gottesstaat, den Savonarola gegründet, stützt sich immer mehr auf die Begeisterungsfähigkeit von Kindern und jungen Jugendlichen, die ihm förmlich an den Lippen hängen. Es gibt einen regelrechten Run auf die Kirchen. Es wird berichtet, dass die Kinder freiwillig zur Kirche rennen, vor den Eltern. Da sind manchmal zwei, drei Stunden vor Predigtbeginn dort in der Kirche, sitzen und singen und sich auf den Savonarola freuen. Und kein Kind bleibt im Bett, wenn die Kirchenglocken rufen.

[47:08] Am 25. Februar stirbt Eberhard der Erste in Reutlingen. Der Herzog von Württemberg, seine Zeit mit Ausnahmen sehr bewunderte. Eberhard der Zweite wird jetzt neuer Herzog. Und das bedeutet für Reuchlin, jenen begabten Humanisten, dass er fliehen musste.

[47:30] Denn der Eberhard hatte einen Berater, der auf Veranlassung von Reuchlin oder andere mal durch den Erzbischof von Mainz gefangen genommen worden war. Und so musste Reuchlin jetzt erst einmal das Weite suchen.

[47:47] Derweil nahm die Revolution, so muss man schon fast sagen, oder die Reformation in Florenz immer krassere Züge an. So berichtet hier zum Beispiel Lorenzo di Medici in seinem Florentiner Tagebuch: "Die Jungen wurden vom Friedrich, gemeint ist Savonarola, ermutigt, die Kirche, die Körbe mit süßen Kuchen, die Glücksspieltische und viele eigene Frauen Dinge wegzunehmen, so dass die Glücksspieler flüchteten, sobald sie hörten, dass die Jungen des Friedrich kamen. Auch gab es keine einzige Frau, die es wagte, unangemessen gekleidet das Haus zu verlassen."

[48:18] Der Bußprediger wird immer mehr zum moralischen Diktator und seine jungen Anhänger ziehen durch die Stadt und wollen alles verhindern, was gegen den Standard des Savonarola ist. Das führt dann zu solchen Dingen wie hier: Die erwähnten Jungen gingen herum entlang den Mauern der Stadt, zu den Tavernen etc., wo immer sie Menschenansammlungen sahen. Dies taten sie in jedem Viertel und wenn irgendjemand gegen sie rebelliert hätte, wäre sein Leben in Gefahr gewesen, egal wer.

[48:59] Der gute Gedanke der Reformation kämpft hier schon sehr deutlich mit dem Geist des Fanatismus. Wohl mit Gewalt eine neue Moralität, eine bessere Moralität durchgesetzt werden soll. Es scheint so zu sein, als ob Savonarola den Feuereifer eines Reformators hatte, aber die theologische Tiefe der anderen Reformatoren vor ihm und nach ihm nicht kannte und vielleicht deswegen ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen ist, mit manchem. Aber dazu dann noch mehr.

[49:37] Heucheln, wie gesagt, auf der Flucht und auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, nach neuen Aufgaben. Im Jahre 1496, nachdem die alle Welt unterwegs waren, neues Land zu suchen, haben auch die Engländer den Wunsch, etwas zu erobern. In dieser Hinsicht gab die englische Krone dem Venezianer Giovanni Caboto hier, diesem Dokument, wie wir es ersehen können, den offiziellen Auftrag, einen Weg nach Indien zu finden, also nach Asien, und zwar gen Norden.

[50:16] Einen Ort weg. Und so macht er sich auf den Weg, kommt allerdings erst einmal nur bis nach Grönland. Derweil machte sich Kolumbus, Christoph

[50:26] Derweil machte sich Kolumbus, Christoph Kolumbus, der ist schon sehr viel erfolgreicher gewesen, war erneut auf nach Spanien am 10. März, um von den neuen Entdeckungen in der neuen Welt zu berichten. Aber doch, oder in einer neuen Predigtserie im Mai über Ruth und mich beginnt jetzt das Papsttum in einer Art und Weise anzuklagen, die so scharf ist, dass seine Zuhörer fürchten, er würde exkommuniziert werden. Aber selbst das stört den Girolamo überhaupt gar nicht. Predigt wirklich wie ein feuriger Prophet gegen das Papsttum und ruft die Menschen auf, sich dort aus Rom zurückzuziehen. Und am 10. Juli wird Johann Forster in Augsburg geboren.

[51:13] Und in diesem Jahr 1496 wohl auch jemand geboren, der zu den wichtigsten Personen der Reformationsgeschichte überhaupt zählt, obwohl er nicht immer so bekannt ist. Die Rede ist von Menno Simons, einem Friesen, der in der Nähe des friesischen Wattenmeeres 1496 in Wittenbach, Summen, geboren wird.

[51:41] Zum Abschluss noch ein paar Zitate von jenem Isaak ben Juda Preval, von dem wir schon seit der ersten Folge immer wieder mal gehört haben, der als Jude zunächst in portugiesischen und spanischen Diensten dann ausgewiesen worden war und sich auf Wanderschaft und darüber befand. Der meinte 1496 Veröffentlichung einige interessante Aussagen zum Antichristen machte, die wir hier kurz anschauen wollen.

[52:04] Das heißt es: "Und darum bin ich zur inneren Schlussfolgerung gelangt, dass das kleine Horn, die Herrschaft des Papstes war, denn nach der Zerstörung Jerusalems in Rom durch einen Jünger Jesu begann, weil der Papst in seinem Anfang klein und unscheinbar, nicht mächtig war, nannten sie es das kleine Horn. Und seit seinem Beginn war es in Rom." Er nimmt Bezug natürlich auf Daniel 7 und dort Vers 8, als der Prophet eine sagte: "Wehre dich, 8 Grad auf die Hörner. Hier steht ein anderes kleines Horn zwischen denselben auf und 3 der folgenden Hörner wurden vor dem ausgerissen und siehe, dieses Horn hat Augen, die Menschen Augen und einmal das große Dinge redete."

[52:49] Noch mehr von Avaya, er bekennt und band und verbietet Sünden und befreit von und macht Versöhnung für Schuld. Aber das ist ein Prinzip ihres Glaubens geworden, dass Dinge genauso getan werden, wie er es sagt und dass alles, was er sagt, auf Erden im Himmel tätig ist. Und das ist gemeint, wenn das heißt: "Einmal das große Dinge redete sich."

[53:11] Hier haben wir einen jüdischen Gelehrten in Europa im Jahre 1496, der aufgrund seiner Beobachtung gesagt: Die Unfehlbarkeit des Papstes ist eine direkte Erfüllung der alttestamentlichen Propheten Daniel dort. Dieses Jahr und er wird welche reden gegen Höchsten führen und die Heiligen des Allerhöchsten auftreiben und er wird danach trachten, Zeiten und Gesetz zu ändern und sie werden seine Gewalt gegeben werden für eine Zeit, zwei Zeiten und eine halbe Zeit. Dazu noch gesagt, wenn ich oder April.

[53:45] Und er wird versuchen, Zeiten und Gesetz zu verändern. Das ist die Sekte der Anhänger der Religion Jesu werden planen, die Feste des Gesetzes zu verändern und die Gebote des Gesetzes zu zerstören und ein neues Gesetz im Land zu machen, das sie vom Gesetz des Moses unterscheidet.

[54:00] Für den jüdischen Gelehrten gab es nur die christliche Kirche und die war für ihn eins zu eins das, was der Papst in Rom leitete. Und weil der offensichtlich das Gesetz Gottes, sowie Moses bekommen hatte, geändert hatte, konnte dieser jüdische Gelehrte nur sagen: "Die Anhänger der Religion Jesu, die Christen, sind die Erfüllung dieses kleinen Hornes."

[54:27] Ihm fehlte da noch eine kleine Beobachtung, lieber folgenschwer ist nämlich, dass das Papsttum nicht die eigentliche Repräsentanz des biblischen Christentums war. Aber das brauchte selbst für die Zeitgenossen sehr lange, viel zeigt der assisten Christen, um das nach und nach zu erkennen. Aber jener Zeit als Mörder und Diebe und Verbrecher in Rom die Papstkirche beherrschen war, dieser jüdische Gelehrte in seiner prophetischen Analyse und Interpretation ziemlich auf den Punkt.

[55:06] Zum Abschluss 23 Gedanken noch zu Martin Luther, der von all dem wiederum nicht allzu viel mitbekommen haben könnte, sondern der sich vielmehr mit der lateinischen Grammatik quälte, dort in Mansfeld auf der Lateinschule, wie schon in der letzten Folge beschrieben. In denen diesen Jahren wird er in höhere Grade eingestuft worden sein, der dritte, die dritte Stufe nach den Zivilisten und den Journalisten waren die Alexan-Tristen, weil sie sich mit einem dramatischen Werk von Alexander von Develag beschäftigten, Doktrin Aale genannt. Und das war schon ziemlich kompliziert, musste sehr umständlich erklärt und erläutert werden, zum Teil sogar auf Deutsch.

[55:44] Da ging es dann noch eine dicke Nation, regelmäßig unregelmäßig, die Adjektive, die grammatischen Genera, die verschiedenen Stämme, unvollständige Verben, auch Satzkonstruktionen, Wortakzente, Metrik, rhetorische Figuren. All das hat Luther gelernt und obwohl er ja sich so negativ über seine Schulerlebnisse geäußert hat, muss man dann schon sagen, dass er hier gründliches Latein gelernt hat, dass zumindestens mal für den späteren kirchlichen Gebrauch, für den wissenschaftlichen Gebrauch vollkommen ausgereicht hat.

[56:16] Nebenbei war die Schullektüre, die berühmten Fabeln von Äsop, die Luther schon damals schätzen gelernt hat und wie er sein Leben lang immer wieder auch zitiert hat und geschätzt hat, von denen er sehr viel Weisheit auch übernommen hat. Und die damals schon in mittelalterlichen Zeiten sehr beliebt und berühmt waren. Hier eine zeitgenössische Abbildung, so oder so ähnlich könnte auch das Schulbuch von Luther ausgesehen haben.

[56:48] Es zeigte sich in jenen Jahren, als er immer älter wurde, dass er eine außergewöhnlich hohe Auffassungsgabe hat, obwohl er ein sehr sensibler, der Gerechtigkeit lebende Junge war, der sich auch der, der mit ungerechter Kritik und Strafe nur schlecht umgehen konnte. Wieder gesehen haben, zeigte sich doch, dass er wohl klüger, intelligenter und auch schlagfertiger war als viele seiner Kollegen in der Schule.

[57:17] Noch der Vater wird das gemerkt haben und so entschloss man sich, als er dann ein Jugendlicher war, junger Jugendlicher, das ist an der Zeit, wäre ihnen eine bessere Schule zu geben, wo sein Horizont sich erweitern könnte. Man beschloss, dass er nicht wie in Mansfeld zur Schule gehen sollte, sondern an eine höhere, eine größere Stadt geschickt werden sollte.

[57:38] Vielleicht ist das schon 1496 geschehen, vielleicht auch erst 1497, je nachdem, wie man das mit dem Geburtsjahr sieht. Wir werden in der nächsten Folge auf jeden Fall im Detail davon berichten, was passiert, als Luther mit 14 Jahren Mansfeld verlässt, um in den großen Städten seinerzeit eine bessere Schulbildung zu bekommen.

[57:59] Die Folge wird dann heißen: Magdeburg und Eisenach, Wendejahre 1495-1498 betrachten und den Luther immer besser kennen lernen. Wir jetzt langsam ein junger Mann wird und die Welt, von der wir jetzt schon einiges gelernt haben, für sich selbst entdecken wird. Bis dann wünschen wir Ihnen Gottes Segen und schalten Sie nächste Woche wieder ein, wenn es heißt: Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation.


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