In dieser Folge von „Sola Veritas“ werden die Ereignisse der Jahre 1497 und 1498 beleuchtet, die von bedeutenden kulturellen und politischen Entwicklungen geprägt waren. Von musikalischen Verlusten über die radikalen Bußpredigten Savonarolas in Florenz bis hin zu den frühen Jahren Martin Luthers in Magdeburg und der Gründung von Universitäten. Die Folge beleuchtet auch wichtige Heiraten, die die europäische Machtbalance beeinflussten, sowie die Anfänge der Entdeckungsreisen und die kritische Auseinandersetzung mit kirchlichen Praktiken.
Sola Veritas: 6. Magdeburg und Eisenach (1497-1498)
Christopher Kramp · Sola Veritas - Die wahre Chronik der ReformationPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
Sola Veritas – Die Wahre Chronik der Reformation
500 Jahre ist die Reformation alt: wird sie fortgeführt oder begraben? Wie verhalten sich Luthers Erben und was wird aus seinen (Wieder)entdeckungen? All das sind wichtige Fragen. Doch beantworten kann sie nur, wer das Reformationsgeschehen selbst gründlich kennt. „Sola Veritas – Die wahre Chronik der Reformation“ bietet weitaus mehr als die üblichen bekannten Zusammenfassungen und Anekdoten. Ausgehend vom Jahre 1482 wird alles chronologisch erzählt, was weltgeschichlich und biographisch (sowohl bezüglich Luther als auch vieler anderer, zum Teil sehr unbekannter Reformatoren) wichtig war. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt des Spätmittelalters, erleben sie das zaghafte Aufblühen von Wissenschaft und Kultur, verfolgen sie die Debatten um philosophische und theologische Streitfragen und entdecken sie Schritt für Schritt mit Luther und seinen Mitkämpfern befreiende biblische Wahrheiten. So wird Kirchengeschichte lebensnah und endlich gut verständlich…. Neue Folgen wöchentlich, bzw. wenn es die Zeit erlaubt. Ein Programm von www.joelmediatv.de
Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:
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Serie: Sola Veritas - Die wahre Chronik der Reformation
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Transkript
[0:33] Herzlich willkommen zu Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation. Schön, dass ihr eingeschaltet habt hier auf joelmedia.de zur sechsten Folge unserer Serie über die Geschichte der Reformation. In den vergangenen fünf Folgen haben wir jeweils drei Jahre zusammengefasst, nicht zuletzt deswegen, weil es über die frühen Kinderjahre der Reformation nur sehr spärliche biografische Materialien gibt. Wir werden ab jetzt im Zweijahresmodus weiterverfahren, weil jetzt mit den voranschreitenden Lebensjahren auch mehr biografisches Material zur Verfügung steht, das wir heute auch in den nächsten Folgen präsentieren wollen. Was allerdings gleich bleibt, ist natürlich, dass wir auch mit einem Gebet heute beginnen wollen und dazu lade ich Sie, liebe Zuschauer, ganz herzlich ein.
[1:26] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen dankbar sein für die Gelegenheit, erneut in die Geschichte zu schauen, um Lektionen zu lernen, die für uns heute von praktischer Relevanz sind. Wieder hilfst du uns zu sehen, wie du Geschicke von Menschen und Nationen gelenkt und geleitet hast, um jene große Reformation hervorzubringen, die uns bis heute betrifft. Schenke uns den Heiligen Geist im Verständnis dessen, was die Geschichte uns lernen möchte und sei du bei uns im Namen Jesu. Amen.
[2:10] Teil 6: 1497-1498. Magdeburg und Eisenach. Das Jahr 1497 begann mit einem schweren Verlust für die Musikwelt. Einer der größten Komponisten seiner Zeit, Johannes Ockeghem, ein niederländischer Komponist, der weitreichende Neuerungen in der Musik eingebracht hat, starb am 6. Februar 1497. Sein Einfluss auf die restliche abendländische Musikkultur kann kaum überschätzt werden. Und er war jemand, der sehr religiös auch gewesen ist und viele religiöse Werke verfasst hatte.
[3:02] Nur einen Tag später kam es zu einem Ereignis, das in die Geschichte der Vorreformation einen besonderen Stellenwert hatte: Girolamo Savonarola. Mittlerweile der überaus einflussreiche, ja fast führende Politiker, obwohl eigentlich ein Bußprediger war in Florenz, der diesen Gottesstaat in der Form als humanistisch und weltoffenen und sündigen Stadt immer mehr durchsetzte, entschied sich zu einer besonderen Demonstration dieser Reue und Buße, zu der er aufforderte. An jenem 7. Februar sollten allerlei sündige Gegenstände, weitere Gegenstände öffentlich verbrannt werden auf dem großen Platz in Florenz. Man nannte es das "Freudenfeuer der Eitelkeiten". Schon Tage und Wochen vorher wurden dazu Dinge eingesammelt, seine, die Jugendlichen und die Kinder, die wir in der letzten Folge gesehen hatten, so sehr ihm anhängen, gingen durch die Stadt und baten die Bürger, all das auszuhändigen, was an Thema war, was von Gott verrufen und verstoßen war, was verflucht war in den Augen Gottes. Und das konnte eine ganze Reihe von Dingen betreffen, so zumindest in den Augen von Savonarola und seinen Anhängern.
[4:28] Wie wir hier an einem Augenzeugenbericht sehen können, Piero Parenti schreibt über die Gegenstände, die dort auf diesem gewaltigen Scheiterhaufen sich wiederfanden: Auf der Spitze war ein Bild des Satans mit anderen Teufeln zu seinen Füßen, und hier sollte nun verbrannt werden: Wollustgebilde, Eitelkeiten, Damen-Türen, Spiegel, Kosmetik, Puppen, Parfüm, Gemälde, Skulpturen, Liebestöter, was auch immer das genau gewesen ist, Spielkarten, Würfel, Tische, Schachbretter, Lauten und andere Musikinstrumente, Bücher verschiedener Dichter und andere ähnliche Dinge. Ein regelrechter Bildersturm. Savonarola wollte ein deutliches Zeichen setzen, gerade dieser Karnevalszeit. Florenz sollte vollkommen gereinigt werden von allem, was an Sünde erinnern könnte.
[5:26] Seine Predigten nahmen einen immer schärferen Ton an, wie man an jenem Auszug hier sehen kann. Er predigt hier im Frühjahr 1497: "Komm her, du liederliche Kirche! Der Herr hat gesagt, oder Herr sagt: Ich habe dir schöne Gewänder gegeben, aber du hast Götzen daraus gemacht. Du hast die Heiligen, die Räte der Prahlerei geweiht, die Sakramente der Simonie, das ist dem Entgelt. Du bist in seinen Listen zu einer Schamlosen geworden. Du bist niedriger als ein Tier, du bist ein Monster der Gräuel. Und was tut die? Sie sitzt auf dem Thron Salomos und bietet sich der ganzen Welt an. Derjenige, der Gold hat, ist willkommen und kann tun, was er will. Prostituierte Kirche, du hast deine Unzucht in Spanien, Italien, Frankreich und allen anderen Gegenden zahlreich gemacht. Siehe, ich werde meine Hand ausstrecken, spricht der Herr. Ich werde dich schlagen, du schändlicher Schurke!"
[6:22] Kein Wunder, dass solche Predigten zu einer starken Reaktion in Florenz aufforderten. Es gab immer mehr Anhänger, und die, die dies aber nicht mochten, wurden seine erbitterten Feinde. Die Gesellschaft war tief gespalten über diesen Prediger, aber weil er so viele Anhänger hatte und auch politisch einen solchen Einfluss hatte, konnte er förmlich, Tisch, mehr oder weniger im Alleingang, in diese Bußreform führen, die ein sehr deutliches, manche würden sagen fanatisches Antlitz hatte.
[6:57] In dieser Predigt bezog er sich natürlich auf jene berühmte Stelle aus der Offenbarung im letzten Buch der Bibel, als von der Babylon die Rede war. Dort war in Offenbarung 17, Vers 1 heißt es: "Und einer von den sieben Engeln, durch die sieben Schalen hatten, kam und redete mit mir und sprach zu mir: Komm, ich will dir das Gericht über die große Hure zeigen, die an den vielen Wassern sitzt. Mit ihr haben die Könige der Erde Unzucht getrieben, und die Bewohner der Erde sind von ihrem Wein trunken geworden." Die Frau war gekleidet in Purpur und Scharlach und überhäuft mit Gold, mit Edelsteinen und Perlen. Und sie hatte einen goldenen Becher in ihrer Hand, voll von Unreinheit und Hurerei. Auf ihrer Stirn war ein Name geschrieben: Geheimnis, Babylon die Große, die Mutter der Huren und der Gräuel der Erde. Siehe, die Frau berauscht vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu.
[7:49] Savonarola besagt in seiner Predigt, dass die Kirche, die römische Kirche, diese ist. Eine kühne Aussage. Er war nicht der Allereste, der das behauptet hat, aber er ist jetzt der berühmteste seiner Zeit, in eine solche Kerbe schlägt und die Prophetie auf die römische Kirche anwendet. Und das fand nicht nur in Florenz starken Widerhall.
[8:17] Am 16. Februar wurde in Bretten in der Kurpfalz ein Kind geboren mit Namen Philipp Schwarz. Interessant an ihm war, dass er der Großneffe des mittlerweile schon recht bekannten deutschen Humanisten Reuchlin war. Und von diesem Philipp Schwarz, der später einen anderen Nachnamen von Reuchlin bekam, nämlich Melanchthon, wird noch sehr viel die Rede sein.
[8:52] Ebenfalls im selben Monat, am 24. Februar 1479 geboren, wurde Sebastian Fröschl in Amberg, das ebenfalls zur Kurpfalz gehörte. Wie schon in der letzten Folge angekündigt, zeigte sich, dass Martin Luther, der mittlerweile bei heranwachsender Jugendlicher war, eine ziemlich außergewöhnliche Auffassungsgabe hatte und eigentlich mehr schulische Herausforderungen benötigte. Gemeinsam mit seinem Freund Hans Reinecke, der in Mansfeld sein Schulkamerad gewesen war, wurde er von den Eltern jetzt nach Magdeburg geschickt. Wie gesagt, das kann schon im Jahre 1496 gewesen sein, spätestens 1497, je nachdem, welches Geburtsdatum man annimmt.
[9:44] Magdeburg war damals eine der größten und bedeutendsten Städte Deutschlands des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Jahrhunderte zuvor war es eine wichtige Kurpfalz von Otto dem Ersten. Viele Kaiser hatten hier in Magdeburg Zentren gehabt und nach wie vor war es ein großer Ort, einer der wichtigsten Orte im Römischen Reich. 25 bis 30.000 Menschen haben zu jener Zeit dort gelebt. Das war für Luther ein etwas ganz anderes als die knapp 2.000 in der dörflichen Mansfelder Atmosphäre.
[10:25] Die Stadt war sehr reich, und das hat auch der junge Martin Luther schnell bemerkt und war jetzt also zum ersten Mal in die große, weite Welt hinein geworfen. Mit 14 Jahren muss das äußerst spannend gewesen sein.
[10:44] Wo sollte er wohnen? Er kam unter in dem Haus der Brüder vom gemeinsamen Leben. Das war keine echte Ordensgemeinschaft. Es handelte sich nicht um echte Mönche. Es war eine Gruppe, die sich gegründet hatte Ende des 14. Jahrhunderts, also seit ungefähr 100 Jahren bestand, von Menschen, die besonders eine persönliche Religiosität im Sinn hatten. Sie bildeten so klosterähnliche Gemeinschaften und hatten sich aus den Niederlanden heraus über ganz Zentraleuropa verbreitet. In Magdeburg waren sie erst seit einigen Jahren, seit 1482, und hatten lange um Akzeptanz ringen müssen, weil es dort natürlich schon viele Orden und Mönche gab und alles Neue immer mit Argwohn betrachtet wird. Erst in der Zeit, als Luther dort nach Magdeburg kam, wurde ihnen die Steuerfreiheit gegeben und sie konnten ihr Haus auf 20 Personen erweitern.
[11:47] Die Brüder vom gemeinsamen Leben haben sich sehr für die Verbreitung von Büchern und den Buchdruck eingesetzt und sie waren vor allem bekannt dafür, dass sie eine sehr persönliche Religiosität gefördert haben. Sie waren die Hauptvertreter der sogenannten Devotio Moderna, der neuen Frömmigkeit. Die Menschen waren zunehmend unzufrieden mit den Sakramenten, der Liturgie. Sie suchten nach etwas mehr, was das Herz anspricht. Und die Brüder vom gemeinsamen Leben hatten genau das als ihre Kernfunktion.
[12:19] Luther hat also hier ganz bewusst oder ganz offen Mitte persönlichen Glaubens an Gott Kontakt gehabt. Er sagt selbst, dass er von diesen Brüdern auch unterrichtet worden ist, wobei nicht ganz klar ist, ob sie eine Schule gehabt haben oder ob es sich dabei auf sie an anderen Schulen auch unterrichtet haben. Wie es scheint, hat er nämlich an der Domschule dort gelernt.
[12:47] Und der Unterricht war auch dort recht rabiat. Er berichtet, dass er einmal 15 Mal an einem Tag geprügelt worden ist. Es war damals auch Brauch, um das tägliche Brot zu betteln. Und so ist dann der 14-jährige Martin von Haus zu Haus gezogen und hat gesungen, um sich sein tägliches Brot zu erbetteln. Das hat mit Sicherheit diesem sensiblen Geist auch einen gewissen Stempel aufgedrückt, aber das war der Brauch jener Zeit.
[13:27] Er berichtet auch aus jener Zeit, dass ihm die Religiosität der Mönche stark beeindruckt hat und imponiert hat. Da war zum Beispiel ein Fürst, ein sogenannter Fürst Wilhelm aus Anhalt, der Mönch geworden war bei den Franziskanern und der, obwohl er von adligem Geblüt war, alle Entbehrungen des Mönchslebens auf sich nahm und sicher sehr starke Selbstbezwingungen hat, all die Übungen durchgezogen hat, bis er angeblich sogar daran gestorben ist. Und das galt dann als großes religiöses Vorbild. Luther schreibt selbst darüber: "Wer ihn an Zahl der Schmatz für Andacht und musste sich seines weltlichen Standes schämen."
[14:16] Dort in Magdeburg hat er wohl die Bekanntschaft eines Freundes gemacht, der gleich alt war wie er, nämlich Wenzeslaus Link. Die beiden Jugendlichen haben hier gemeinsam viel Zeit verbracht und ihre Wege sollten sich später immer wieder auch kreuzen. Wenzeslaus war ja aus Colditz gebürtig, sein Vater war mittlerweile schon verstorben und die beiden hatten sicherlich sehr viel interessante Zeit miteinander.
[14:45] Am 30. April 1497 fand eine Hochzeit statt, die, wie man meinte, ebenfalls bedeutsam für Europa sein würde. Der Thronfolger Spaniens, Johann von Aragon und Kastilien, 18-jährig, heiratete die Tochter von Maximilian dem Ersten, Margarete von Österreich. Nach dem zuvor ja schon der Sohn Maximilians des Ersten eine spanische Prinzessin geheiratet hatte, war das jetzt eine zweite Ehe, die zwischen Habsburg und den spanischen Königinnen vermitteln sollte. Johann war natürlich der designierte Nachfolger auf dem Thron des mächtigen Weltimperiums Spanien. Und so war das von großem Interesse.
[15:34] Johann hat seine junge Braut offensichtlich sehr geliebt und alles für sie gegeben. Am 1. Mai wurde Johannes Knips Rom in Sandau an der Elbe geboren und auch von ihm werden wir später zu hören haben.
[15:51] Und noch eine Hochzeit in dieser Zeit im Mai 1497 heiratete der neue König von Portugal, Manuel der Erste, eine weitere spanische Prinzessin. Also das spanische Königspaar hatte relativ viel mit Hochzeiten zu tun in jenen Jahren. Elisabeth von Spanien wurde jetzt die neue portugiesische Königin. Und die Bedingung der Spanier war, dass diese Hochzeit nur zustande kommen könne, wenn auch die Portugiesen, und so wie die Spanier zuvor, die Juden des Landes verweisen würden.
[16:22] Also dieser Fall gegen die Juden der Spanier, der hatte wirklich enorme Züge angenommen. Manuel der Erste war eigentlich von der Idee nicht besonders begeistert, weil er wusste, dass viele Juden besonders wichtig waren in Wissenschaft und Kultur. Und so hat er nur zögerlich nachgegeben und hat versucht, möglichst viele von ihnen nicht auszuweisen, sondern zwangsweise zu taufen und sich dafür eingesetzt, dass diese zwangsgetauften für die nächsten 20 Jahre nicht von der Inquisition belangt werden könnten. So, dass etliche, so war sein Kalkül, einfach sich christlich taufen lassen würden, um weiter als Juden, als praktizierende Juden in Portugal leben zu können.
[17:04] Am 12. Mai war es dann dem Papst Alexander dem Sechsten zu bunt mit diesem Bußprediger Savonarola, der ganz Florenz in eine feurige Stimmung versetzte mit seinen Predigten. Und Savonarola wurde am 12. exkommuniziert aus der Kirche, ausgeschlossen. Und das bedeutete vom ewigen Leben, vom ewigen Heil ausgeschlossen, denn die Kirche verstand sich natürlich als allumfassend, weltumfassend und einzig universal seligmachend.
[17:36] Dennoch hat das allerdings erstmal nicht weiter gestört und hat an seiner Reformation in Florenz immer weiter gearbeitet.
[17:47] Ebenfalls im Mai 1497 stach der Komiker Motto erneut in See. Hatte ja vom englischen König die Erlaubnis bekommen, neues Land zu suchen, möglichst auch den Seeweg nach Asien zu finden. Über die Nordroute hatte bereits, ja Grönland war bereits bis nach Grüner gekommen und er machte sich jetzt auf eine weitere Reise von Bristol aus.
[18:14] Am 30. Mai wurde Staupitz, Prior in Tübingen an der Universität immatrikuliert. Er war zum Prior, das heißt zum obersten, zum Leiter der Augustinereremiten in Tübingen gewonnen. 32 Jahre alt war er und er wollte jetzt an der neu gegründeten Universität, die erst seit einigen Jahren dort bestand, studieren. Dort an der Universität in Tübingen gab es eine ganz leichte, subtile, kritische Haltung an den Missständen, die es in der Kirche und der Gesellschaft gab. Das wurde nie stark nach außen getragen, aber der Staupitz hat dort auch noch einmal sehr deutlich eigenständiges Denken gelernt, das noch von Bedeutung sein wird.
[19:02] Am 24. Juni war es dann soweit. Besagter Giovanni Caboto, gerade erst losgesegelt aus England, erreichte als erster christlicher Europäer den nordamerikanischen Kontinent. Wo genau er zu Land ging, ist nicht mehr ganz sicher zu sagen. Verschiedene Orte streiten darum dieses Privileg, aber er war der erste, der hier neues Land fand und damit den Auftrag des englischen Königs durchaus genüge getan hatte, obwohl er natürlich der Ruhm, Amerika entdeckt zu haben, dann schon längst vergeben war.
[19:47] Die portugiesische Suche nach dem Seeweg nach Indien war immer noch nicht erfolgreich gewesen. Die Route um Afrika herum war noch nicht vollständig entdeckt. Und so machte sich am 8. Juli ein weiterer Abenteurer auf den Weg, mit dem Segen des portugiesischen Königs. Sein Name war Vasco da Gama und 28 war ungefähr alt. Verließ Lissabon auf dem Weg nach Indien.
[20:14] Am 8. September desselben Jahres wurde Wolfgang Müsli oder auch in Moisling in Lothringen geboren, das damals dem Hause Habsburg gehörte. Auch von ihm später mehr zu hören.
[20:28] Nur wenige Monate, nachdem diese Traumhochzeit stattgefunden hatte, starb Johann von Aragon und Kastilien mit nur 18 Jahren. Das Gerücht besagt, er hätte sich an seiner geliebten Margarete buchstäblich zu Tode geliebt. Was auch immer daran sei, er hatte eine fiebrige Infektion und starb. Das gemeinsame Kind, das schon auf dem Weg war, kam einige Wochen später als Totgeburt zur Welt.
[21:03] Und das hatte enorme Konsequenzen für die spanische Thronfolge, denn jetzt ging die an das andere frisch verheiratete Paar, nämlich an den König von Portugal und seine Frau Elisabeth von Spanien, was also bedeutet, dass ein zukünftiger Thronfolger der beiden nicht nur König von Portugal, sondern sogar König von Spanien werden würde.
[21:24] Es sah also so aus, als ob die beiden mächtigsten Seefahrernationen, die die Welt unter sich aufteilen wollten, die Portugiesen und die Spanier, sich vereinigen würden zu einer Macht, die dann keine andere europäische Macht mehr herausfordern können. Die Frage war natürlich, ob es dazu kommen würde.
[21:45] Währenddessen segelte Vasco da Gama auf der Suche nach diesem Weg nach Süden, wobei er diesmal anders als seine Vorgänger einen weit ausholenden Seeweg wählte, weil in der Bucht von Guinea, dort in Westafrika, oft Flaute geherrscht hatte und man diese umgehen wollte. Und so kam er am 4. November an der Westküste von Südafrika an, im Namen einer Bucht dort in der St. Helena Bucht, Kontakt mit den Einheimischen auf, ließ die Schiffe ausbessern und segelte dann nach mehreren gescheiterten Versuchen am 22. November um das Kap der Guten Hoffnung und dann immer weiter bis ans Ende des Jahres.
[22:34] Noch einige Daten aus dem Jahr 1497, die nicht genau datiert werden können. Einige Fakten um diese Zeit herum: Wurde Katharina Schütz, geborene das Freien, drei Stadt Straßburg, auch sie eine der interessanten Frauen der Reformationsgeschichte, von der später mehr zu berichten sein wird. Und die durch einen Brand beschädigte Georgskirche in Mansfeld, wo die Familie Luther natürlich zurückgeblieben war, auch wenn der älteste Sohn, der Martin, jetzt in Magdeburg. Diese Georgskirche wurde jetzt mit zwei neuen Altären geweiht.
[23:14] Und es gab 60 Tage Ablass, eine Praxis, bei der man gegen Bezahlung von Geld sozusagen eine Abkürzung nehmen konnte und bereits aufgetragene Bußstaten, wie zum Beispiel Pilgerfahrten oder gute Werke, die als Wiedergutmachung auferlegt waren, dann nicht mehr tun brauchte. Diesen Ablass gab es übrigens wohl auch auf Betreiben von Hans Luther, der dort in Mansfeld eine führende Stellung auch unter den Bürgern hatte und sich mit dafür eingesetzt hat, dass diese Altäre neu geweiht werden konnten. Er war also ganz und gar nicht gegen den Ablass als solchen. Das galt als eine völlig normale Praxis in der Kirche. So war man es gewohnt und so hat auch der Hans Luther es praktiziert.
[24:08] Reich sind, sollten wir der letzten Folge gesehen, mittlerweile 42 Jahre alt war ja aus Württemberg geflohen, weil dort Eberhard der Zweite an die Macht gekommen war und dessen Berater nicht besonders gut zu sprechen auf Johannes Reuchlin war. Er kam unter weiter im Norden, in Heidelberg, bei Philipp dem Aufrichtigen, der Kurfürst der Kurpfalz war. Und dort kam Johannes Reuchlin neben einen gelehrten Kreis, wo er viele Freunde traf und sich so richtig entfalten konnte. Hier schrieb er unter anderem eine Komödie mit dem Titel "Io siwe capitis caput", indem er satirisch die Verehrung von Reliquien angriff, was natürlich schon ein ziemlich starkes Stück war in einer Zeit, in der Reliquien so ziemlich das größte Glaubensgut war, was die Kirche präsentieren konnte. Und viele, wie zum Beispiel auch Friedrich der Dritte, der Kurfürst von Sachsen, eine ausgesprochene Sammelleidenschaft für Reliquien hatte. Johannes Reuchlin begann das kritisch zu hinterfragen, unter anderem durch diese Satire.
[25:15] Ein zweites Drama entstand dort ebenfalls, "Helau", und auch das wurde 1497 aufgeführt. Es ist in dieser Zeit, dass einige der späteren Reformatoren, nicht nur Martin Luther, sondern auch andere, jetzt aus ihrer Heimatstadt, aus ihren Heimatorten hinausgehen in größere Orte, um dort den weiteren Bildungsweg einzunehmen. Zum Beispiel Nikolaus von Amsdorf, 13 Jahre alt, in Torgau geboren als Sohn eines Amtesmannes.
[25:48] geboren als Sohn eines Amtmanns. Gegen 1497 ging er nach Leipzig auf die Thomasschule.
[25:52] Die Verbindung stand mit der Thomaskirche, wo auch der Thomanerchor bereits aktiver war. Dort sollte er ausgebildet werden. Ähnlich ging es Georg Burkhardt aus Spalt, bei Nürnberg, der später Spengler genannt wurde. Ebenfalls 13-jährig ging er an die St. Sebaldus-Schule in Nürnberg. Die Kirche steht heute noch. Damals war eine Fahrschule dort angegliedert.
[26:21] Und in dieser Zeit, übrigens, und das haben wir in der letzten Folge nicht erwähnt, war über mehrere Jahre hinweg dieser brillante Kopf namens Erasmus an der Pariser Universität Sorbonne eingeschrieben als Student. Oder richtete nebenbei auch schon und machte sich immer mehr als einen, einen Namen als ein besonders wortgewitzter und scharfsinniger Denker, der viele seiner Zeitgenossen, Humanisten noch übertraf.
[26:54] So wie dem Martin Luther erging es auch dem Ulrich Zwingli. Es fand sich bald keine Lehrer mehr, die ihn überhaupt unterrichten konnten. So ein kluger junger Mann war der 13-Jährige. Und so überlegte man sich, wo man ihn fördern könnte. Man entschied sich, den jungen Mann nach Bern zu schicken, eines der größten Zentren in der Eidgenossenschaft jener Zeit. Und dort fand sich die beste Schule, die es weit und breit gab.
[27:30] Der Vater von Zwingli wünschte sich, dass Ulrich gut ausgebildet wird, ähnlich wie das ja auch Hans Luther sich für den Martin wünschte. Und so wurde er dort nach Bern gesandt. Und das hat ihm intellektuell sehr gut getan. Er ist dort sehr stark ausgebildet worden, gefordert worden und man hat sehr schnell festgestellt, dass er äußerst musisch begabt war.
[27:53] Dort in Bern gab es zwei wichtige Mönchsorden: die Franziskaner und Dominikaner, die ständig um die Aufmerksamkeit buhlten und auch entsprechend Leute für sich gewinnen wollten. Und in diese Atmosphäre ist der junge Ulrich dort hineingeraten.
[28:22] Schauen wir gemeinsam in das Jahr 1498. In diesem Jahr, oder halt schon 1497, je nachdem, hat Martin noch einmal die Schule gewechselt. Von Magdeburg ging es jetzt nach Eisenach. Der Ort war weitaus kleiner, ungefähr 4000 Einwohner zählte die Stadt. Und die Stadt war auch etwas in der Stagnation begriffen. Früher eine fürstliche Sitz war die Stadt, einfach nur noch ein Teil von Kur-Sachsen, ohne eigene Hofhaltung. Und so war auch wirtschaftlich dort etwas Stagnation zu beobachten.
[29:00] Nicht zuletzt auch deswegen, weil es überproportional viele Geistliche gab. Drei große Kirchen mit ihren vielen Geistlichen, plus den Franziskanern und den Dominikanern und den Karthäusern. Man nannte die Stadt ein "Passanten-Nest". Überall gab es reiches geistliches, kirchliches Leben, viele Prozessionen und verschiedene Veranstaltungen.
[29:23] Und hier in Eisenach hat Martin Luther offensichtlich verschiedene Verwandte gehabt. Wahrscheinlich war das einer der Gründe, warum er jetzt noch einmal hier die Schule gewechselt hat. Die Luthers scheinen aus dieser Gegend ursprünglich auch gekommen zu sein. Und er hat spricht von einigen Vätern, die er dort in jeder Stadt gehabt hat.
[29:43] Er hat in dieser Zeit auch zum ersten Mal etwas gehört von dem neuen, modischen Kult um die Heilige Anna, von der man glaubte, dass sie die Mutter von Maria, der Mutter Jesu, gewesen sei. Ihr Name steht so in der Bibel nicht erwähnt, das ist pure Spekulation. Aber da ja mittlerweile immer mehr der Gedanke der unbefleckten Empfängnis sich in der Kirche durchsetzte, ob in die Dominikaner der Gegenwart, das heißt also, dass schon Maria, die ohne Erbsünde geboren worden war, war natürlich Anna jetzt immer mehr auch im Blickfeld der kirchlichen Gläubigen. Und es entstand ein regelrechter Kult um diese Anna, die ständig angerufen wurde in verschiedenen Situationen als die Heilige.
[30:28] Luther kommentiert später bei einem Gedenken: "Das groß Wesen von Sankt Anna aufkommen, als sich ein Knabe von 15 Jahren..."
[30:38] Hier ist er zur Schule gegangen in der Georgenkirche, also der Georgenschule, natürlich die dieser Kirche zugeordnet war und hat dort entsprechend weiter seine schulischen Studien betrieben. Hier können wir das Stadtbild sehen, wo die Georgenkirche gewesen ist. Und mehr zu seiner auf seinem Aufenthalt in Eisenach dann auch in der nächsten Folge.
[31:10] Vasco da Gama war immer noch unterwegs. Hatte mittlerweile die Südspitze Afrikas erfolgreich umsegelt und reiste jetzt nordwärts an der afrikanischen Ostküste entlang. Am zehnten Januar erreichte er die Delagoa-Bucht und die nannte er die Bucht der guten Leute, weil die Einwohner dort so freundlich zu ihm waren.
[31:34] Am 22. Januar sah er dann zum ersten Mal den Sambesi, der aus dem Inland kommend in den Ozean mündete. Und dann Anfang Februar berief Maximilian I., römischer deutscher König, einen Reichstag nach Freiburg im Breisgau ein.
[31:56] Und hier stand auf der Tagesordnung unter anderem die Ächtung der Juden. Sie wurden für vogelfrei erklärt als Schädlinge der Gesellschaft, als Überträger der Pest und so weiter und so fort. Neben dem Reichskammergericht, das ja schon beim Reichstag zu Worms eingesetzt worden war, sollte ein weiteres oberstes Gericht etabliert werden, das sogenannte Reichshofrat, der besonders für kaiserliche Leben da war. Also, der Maximilian hat Jahr für Jahr die Zentralisierung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation vorangetrieben.
[32:36] Im März entdeckte dann die portugiesische Expedition, oder Vasco da Gama, eine Insel und der scheint dieser Insel stellte sich heraus, dass er muss in Wikis. Und aus diesem Namen muss verbänden Mickey wurde Mosambik. So schießt dann erst die Insel, später das Land. Und so ist es bis heute geblieben. Auch die Begegnung soll wohl friedlich gewesen sein.
[32:59] Am 9. März wurde Hieronymus Baumgärtner in Nürnberg geboren, als Sohn eines Ratsherrn. Von ihm auch später mehr. Und dann am 18. März predigte Girolamo Savonarola seine letzte Predigt. Mittlerweile war die Stimmung in Florenz umgeschlagen. Viele seiner Unterstützer hatten sich von ihm distanziert. Die politische Situation schien sehr gegen ihn zu sein, zumal ja Frankreich sich aus den italienischen Gegebenheiten ganz zurückgezogen hatte und sich das diplomatische Netz um Florenz wieder zusammengezogen hatte. Die Gegner hatten die Oberhand gewonnen und Girolamo ahnte schon, was ihm jetzt blühen könnte.
[33:47] In dieser letzten Predigt oder den Gesetzen predigten, sagte er im März 1498: "Rom wird dieses Feuer nicht auslöschen. Und selbst wenn es ausgelöscht werden würde, würde Gott ein anderes anzünden. Oder es ist bereits überall angezündet. Sie wissen es nur noch nicht."
[34:08] Das hören durchaus nicht und prophetische Worte, die er hier verkündigt hat. Gegen Ende seines Dienstes am 7. April erreichte Vasco da Gama Mombasa und dort trifft er auf muslimische Händler. Als die mitbekommen, dass er den Seeweg nach Indien sucht, rechnen die eins und eins zusammen und wissen, wenn die Portugiesen einen eigenen Seeweg nach Indien haben, dann fällt der ganze Binnenhandel, der bisher über die islamische Welt und über das Osmanische Reich und über die Republik Venedig abgehandelt worden ist, dann fällt das weg.
[34:45] Das war übrigens einer der Gründe, warum die Portugiesen so dringend nach diesem Weg gesucht haben, um die teure Einfuhr von Gewürzen aus Indien zu günstiger gestalten zu können. Und entsprechend haben hier diese Händler versucht, Vasco da Gama an der Weiterfahrt zu hindern, was ihnen allerdings nicht gelang.
[35:08] Ebenfalls am 17. April starb dann ganz überraschend der französische König, der kurze vorher noch Krieg in Italien geführt hatte. Er wollte ein Spiel sich anschauen, eine Vorform des Tennis, und auf dem Weg dorthin stieß er sich den Kopf an einem eisernen Türsturz, fiel ins Koma und starb kurze Zeit darauf mit nur 27 Jahren. Und seine Adelsdynastie starb sogar aus, da er keinen männlichen Nachfolger vorweisen konnte. Ein Verwandter wurde König, sein Cousin Ludwig XII., der sogar älter als er, und er sollte jetzt der neue König von Frankreich werden.
[35:52] Luthers Freund nennt es Zulasse Link, den mit dem er in Magdeburg zusammen gewesen ist. Der immatrikulierte sich am 23. April, 15-jährig, an der Universität oder an der Universität Leipzig. Diese Universität war Jahrzehnte zuvor gegründet worden, als deutsche Studenten aus Prag zur Zeit von Jan Hus ausgewiesen worden waren. Und sie hatte sich einen guten Ruf erworben. Es war die einzige Universität im sächsischen in Sachsen, die von Bedeutung war. Und entsprechend wurde er hier immatrikuliert.
[36:33] Nun, ebenfalls im Frühjahr immatrikuliert sich Georg Burkhardt Sparerteam an der Universität Erfurt. Die ist die zweite sächsische Universität und wohl heimlich mit dem thüringischen gelegen und sehr als eine der ältesten überhaupt und besonders berühmt. Und hier möchte er vor allem auch Philosophie studieren. 14 Jahre alt ist er, als dieser Zeit beginnen diese späteren Reformatoren ihren akademischen Weg.
[37:12] Am 20. Mai macht sich dann Vasco da Gama mit Hilfe arabischer Lotsen tatsächlich Indien. Hier auf der Karte kann man seinen gesamten Weg nachvollziehen. Und hier sieht man, wie ein Künstler sich diese Ankunft der Europäer in Indien vorgestellt hat. Das langjährige Ziel, das so oft gescheitert gewesen ist, hat sich endgültig erreichen lassen. Die Portugiesen haben den Seeweg nach Indien entdeckt.
[37:50] Am 23. kam es dann zu der tragischen Verurteilung von Girolamo Savonarola. Er wurde als Häretiker und Schismatiker, also als Kirchenspalter, des Todes für würdig befunden. Er und zwei weitere Mönche sollten am 23. Es war ein Mittwoch, am Vormittag umgebracht werden. Man hatte dazu einen riesigen Scheiterhaufen aufgebaut und auch eine Holzkonstruktion, die sogar etwas an ein Kreuz hätte. Deswegen einige Bewohner glaubten, das habe nach oder gekreuzigt werden sollte. Als das die Runde machte, wurde die Holzkonstruktion schnell noch umgestaltet, so dass sie nicht mal eine Kreuzer änderte.
[38:36] Man hat dann vor versammelter Öffentlichkeit auf diesem großen Platz, wo vorher im Herzen zuvor all diese Eitelkeiten verbrannt worden sind, ihn noch einmal verurteilt. Es wird berichtet, dass er nichts dazu gesagt hat. Die beiden anderen Mönche wurden zuerst getötet. Man hat sie gehängt und die Vorrichtungen beim Hängen war nicht besonders effektiv, so dass diese beiden Mönche relativ langsam gestorben sind und immer wieder "Jesus!" gerufen haben.
[39:09] Savonarola ist still gestorben. Auch er wurde gehängt. Und nachdem sie tot waren, wurden ihre gehängten Leichname angezündet. Man hatte dort Kanonenpulver als Feueranzünder benutzt, weswegen das Feuer relativ explosiv aufflammte. Man hatte einige Bewohner dort, die tatsächlich noch nach Reliquien Ausschau hielten. Das musste verhindert werden. Nach kirchlicher Anordnung und so starb Savonarola, dieser feurige Reformator, der in seinen Predigten nicht viel über das froh machende Evangelium gesprochen hatte, aber sehr deutlich die Missstände in Rom kritisiert hatte. So starb er hier 1498.
[40:00] Und das war natürlich auch ein klares Zeichen, dass die Kirche setzte, wie sie mit Kritikern umgehen würde. War natürlich längst nicht das erste Mal, dass ein "Statiker", ein sogenannter Häretiker, umgekommen war. Nur Jahrzehnte zuvor waren ja gerade Jan Hus und Hieronymus von Prag lebendig verbrannt worden beim Konzil in Konstanz.
[40:25] Man hat dann die Asche von Savonarola in das Meer geworfen, ins Wasser geworfen. Und es soll sogar Leute gegeben haben, die dann im Geheimen noch nach der Asche gefischt und gesucht haben, um noch eine Reliquie zu haben. So war der Glaube damals in dieser Zeit.
[40:49] Christoph Kolumbus brach am 30. Mai zu seiner dritten Entdeckungstour auf. Noch einmal sollte es in die Karibik gehen. Und er segelte am 30. Mai los. Am 31. Juli entdeckte er dann die Insel Trinidad und kurze Zeit später auch das Festland von dem, was wir heute als Südamerika kennen. Und das also eine weitere bedeutsame Entdeckung dieses italienischen Seemanns.
[41:21] Nach etlichen Monaten Aufenthalt in Indien verließ Vasco da Gama am 5. Oktober Indien mit vielen Gewürzen, darunter besonders Pfeffer, und sollte damit natürlich demonstrieren, dass der Weg erfolgreich gewesen war.
[41:39] Am 19. Dezember wurde Andreas Osiander geboren in Gunzenhausen in der Grafschaft Ansbach. Noch mehr aus jedem Jahr: Der portugiesische Seefahrer Joe Fernandez Labrador entdeckte, und das ist relativ unbekannt, die Nordostküste von Nordamerika. Just in diesem Jahr 1498, nach ihm wurde sie, die Labrador-Halbinsel dann auch benannt. Labrador, love, Adobe, dort einfach Landbesitzer. Sein Name war wohl Fernandez.
[42:12] Außerdem wurde Fridolin Brunner in der Schweiz geboren, in Glarus, und Pietro Paolo Verio in Istrien, der Republik Venedig, sowie auch einige andere, von denen noch zu reden sein wird. Aber zunächst einmal noch hier ein Bild von Albrecht Dürer, der sich hier mit 26 Jahren selbst malt. An diesem Bild kann man die damalige Mode gut studieren. Das war so die gehobene Variante, in der er sich jetzt zeigt.
[42:46] Diese Bücher vollendet 1498 eine berühmte Serie von Holzschnitten zur Offenbarung des Johannes. Und die wollen wir uns kurz anschauen. Als Kontrast dazu ein Bild von einer Offenbarungsillustration wenige Jahre zuvor. So war mittelalterliche Kunst. So sah sie auch nicht besonders entwickelt. Und mit diesem Kontrast sieht man erst wirklich die Meisterschaft von Dürer, als er jetzt hier die Visionen der Offenbarung in Holzschnitten umsetzt.
[43:21] Zum Beispiel hier auf der linken Seite die Vision aus Offenbarung 1: Christus mit den sieben Sternen in der rechten Hand, ein Schwert aus seinem Mund, und inmitten der sieben Leuchter. Oder rechts daneben die Vision von dem Thron Gottes und den vier Lebewesen, die man dort sehen kann.
[43:40] Hier auf diesem Bild dann als ganz berühmtes Bild auf der linken Seite die vier apokalyptischen Reiter, das vielleicht bekannteste Bild von Albrecht Dürer. Immer sieht man unten auch das "HD des Kürze". Daneben eine Illustration für das fünfte und sechste Siegel, den Sternenfall und das Rufen der Märtyrer unter dem Altar.
[44:07] Dann hier die Versiegelung links und die vier Winde, das sieht man ganz oben dargestellt, hat diese Gesichter, die in alle Richtungen blasen. Und rechts sieht man die Ausgießung oder für die den Rufen der ersten Posaunen, die vom Thron Gottes dorthin abblasen. Und viele schlimme Dinge passieren.
[44:32] Dann auf der linken Seite hier das "Racheheer". Das ist diese sechste Posaune, die illustrierte dieses gewaltige Heer, das die Menschen tötet. Und ganz interessant auf der rechten Seite die Illustrationen von Offenbarung 10. Der Engel, der vom Himmel herab kommt, der mit der Sonne bekleidet ist und seine Füße wie Feuersäulen, einer auf dem Meer, einer auf der Erde. Und Johannes soll das Buch essen.
[45:03] Dann haben wir Offenbarung 12. Auf der linken Seite hier die Frau und der Drache, so wie es in der Vision von Johannes beschrieben ist. Sowie ebenfalls aus Offenbarung 12 rechts der Kampf von Michael mit dem Drachen. Also sehr bildgewaltige Umsetzung dieser tiefgründigen Vision aus der Offenbarung.
[45:26] Dann Offenbarung 13. Links das Tier mit sieben Köpfen und zehn Hörnern, man steigt rechts aus dem Meer, während links in der Mitte ein zweites Tier mit Hörnern, gleich einem Lamm, hervorkommt. Und die Menschen, die hier, sehr im Stil des ausgehenden 15. Jahrhunderts, bezeichnete hinschauen, das Ganze mit Schrecken an.
[45:44] Oben sieht man den kommenden Christus mit der Sichel in der Hand auf einer Wolke. Rechts daneben die Anbetung des Lammes, das geschlachtet ist, die 144.000 auf dem Berg Zion mit den Siegespalmen in der Hand.
[46:03] Und dann die Babylon, auf die sich auch Girolamo Savonarola berufen hat, die dort den Wein uns auf deine Hand hält, auf diesem schrecklichen Tier sitzt und die Könige der Erde stehen schon Schlange, um zu ihr einzugehen. Dann rechts daneben das bekannte Motiv von dem Bindensatan, bindendes Drachen und das neue Jerusalem, das dem Johannes angezeigt wird, als auf einem Berg steht.
[46:29] Ebenfalls in jedem Jahr entsteht das vielleicht berühmteste Gemälde von Leonardo da Vinci, das letzte Abendmahl. Berühmt vor allem für diese perspektivische Darstellung, die ein Meilenstein in der Geschichte der Kunst dann sein sollte.
[46:47] Das Bild, wie es heute ist, ist wohl nicht mehr ganz original. So könnte es im Original ausgesehen haben. Haben einige Kunstsachverständige sich überlegt, wie man hier auf diesem Bild sehen kann, wie auch immer.
[47:03] Ebenfalls im Jahre 1498 stieg Jakob Fugger in der Gesellschaft in Nürnberg auf. Er heiratete eine angesehene Patrizierin und er schickte sich an, aus einem mittelständischen Unternehmen, das bisher die Fugger gewesen waren, einen immer mehr europaweit, fast schon global agierenden Konzern zu machen. Die Fugger wurden zu den Finanziers von Päpsten und Kaisern. Gerade Maximilian I. hatte finanziell sehr viel dem Jakob Fugger zu verdanken. Und auch er wird seine Rolle spielen in dem Geschehen der Reformation.
[47:44] Ebenfalls 1498 ist angedeutet, noch mehr Geburten von späteren Reformatoren: Konrad Gräbel in Grüningen und Johannes Kontert in Siebenbürgen, das damals zu Ungarn gehörte, in Kronstadt, dort wo die Siebenbürger Sachsen seit Jahrhunderten schon lebten. Felix Manns wurde direkt in Zürich geboren.
[48:06] Reuchlin reiste erneut nach Italien, diesmal im Auftrag des pfälzischen Kurfürsten. Und dort kaufte er sich nicht nur griechische Werke, sondern auch hebräische. Er war ja ein begeisterter Student des Althebräischen, der erste deutsche Gelehrte überhaupt, der das tat. Und diese Gelegenheit jetzt in Italien war natürlich günstig für ihn, sich mit weiteren Werken zu beschäftigen. Er traf dort auch in Florenz den Humanisten Mario Ficino, der übrigens eine Entschuldigungsschrift an die Kardinäle geschickt hatte, um sich für die Stadt Florenz stellvertretend zu entschuldigen. Warum an diesem Dämon Savonarola überhaupt gefolgt sein?
[48:50] Kurze Zeit später kam dann eben Savonarola, kam dann wieder Reuchlin zurück nach Württemberg, weil Eberhard II. entmachtet worden war. Und er kommt jetzt wieder in seinem Heimatland wirken und schreiben.
[49:08] Der junge Martin Class erlebte eine Tragödie, als er sechs Jahre alt war. Sein Vater, der württembergische Zolleinnahmen, starb und das hat tiefe Spuren in seiner Psyche hinterlassen. Er besuchte dann in der Folgezeit die Lateinschule in Göppingen und sollte Priester werden. Was daraus geworden ist, werden wir auch in späteren Folgen sehen.
[49:30] Genauso auch den weiteren Werdegang von einem gewissen Christoph, der zuvor in Heidelberg studiert hatte und jetzt mit 16 Jahren nach Bologna kam, was ebenfalls ein Zentrum der Humanisten war und dort den Humanismus kennenlernte. Und das wird ihn sehr stark geprägt haben. Er war ein Nürnberger von Geburt und sollte später auch in Nürnberg bedeutendes tun.
[50:05] Johann von Staupitz kam mit seinen Studien in Tübingen relativ gut voran. 1498 wurde er zum "Baccalaureus biblicus". Damit konnte er bereits Vorlesungen in Tübingen halten und es zeigte sich, dass er ein sehr begabter theologischer Lehrer war.
[50:22] Bleibt noch zu berichten, was aus dem jungen Ulrich Zwingli wurde, der dort ja ebenfalls ungefähr gleich alt wie Martin Luther in der großen Stadt von Bern zur Schule ging.
[50:36] Insbesondere die Dominikaner hatten ein Auge auf ihn geworfen. Und weil er so musikalisch war, wollten sie ihn gerne ins Kloster locken. Mit ihm können sie noch mehr Spenden ja anziehen. Und so schmeichelte man ihm und versuchte ihn zu einem Übertritt ins Leben, ja ihn dazu zu überreden.
[51:00] Als der Vater das hört, der Vater von Ulrich, eigentlich hat er Angst zu tun bekommen. Genauso wie Hans Luther, wollte er unter keinen Umständen, dass sein Sohn ein Bettelmann wird. Die Bettelmönche waren ihm, genauso wie dem Hans Luther, schwer verhasst. Und so griff er gar noch rechtzeitig ein und beorderte seinen jungen Sohn zurück aus Bern in die Heimat.
[51:27] Und wie das der junge Ulrich aufgefasst hat, wissen wir nicht genau. Vielleicht hat es ihm ganz gut gefallen, dort, wo er in Bern intellektuell gefordert worden war. Jetzt kam er zurück.
[51:34] gefordert worden war. Jetzt kam er zurück in die Einfachheit und Schönheit der Schweizer Alpen bei den Kurfürsten nach Wildhaus, dort, wo er aufgewachsen war. Dort, in jedem Haus, wurden seine Eltern noch immer und das wird ihnen natürlich auch ein gewisses Gefühl von Geborgenheit vermittelt haben. Wieder in der alten Küche, die wir hier abgebildet sehen, zu essen und wieder auf den alten, den vertrauten Zimmern zu wohnen und zu leben.
[52:09] Er ist dort allerdings nicht ewig geblieben. Das war auch klar, was aus ihm geworden ist. Und auch aus Martin Luther sehen wir in der nächsten Folge. Dann heißt es: "Tage der Jugend 1499 bis 1500". Bis dahin wünschen wir Ihnen Gottes Segen und hoffen, dass Sie auch in der nächsten Folge wieder einschalten werden, wenn es heißt: "Sola Veritas – Die wahre Chronik der Reformation".
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