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Sola Veritas – Die Wahre Chronik der Reformation

500 Jahre ist die Reformation alt: wird sie fortgeführt oder begraben? Wie verhalten sich Luthers Erben und was wird aus seinen (Wieder)entdeckungen? All das sind wichtige Fragen. Doch beantworten kann sie nur, wer das Reformationsgeschehen selbst gründlich kennt. „Sola Veritas – Die wahre Chronik der Reformation“ bietet weitaus mehr als die üblichen bekannten Zusammenfassungen und Anekdoten. Ausgehend vom Jahre 1482 wird alles chronologisch erzählt, was weltgeschichlich und biographisch (sowohl bezüglich Luther als auch vieler anderer, zum Teil sehr unbekannter Reformatoren) wichtig war. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt des Spätmittelalters, erleben sie das zaghafte Aufblühen von Wissenschaft und Kultur, verfolgen sie die Debatten um philosophische und theologische Streitfragen und entdecken sie Schritt für Schritt mit Luther und seinen Mitkämpfern befreiende biblische Wahrheiten. So wird Kirchengeschichte lebensnah und endlich gut verständlich…. Neue Folgen wöchentlich, bzw. wenn es die Zeit erlaubt. Ein Programm von www.joelmediatv.de

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In dieser Folge von „Sola Veritas“ tauchen wir in das Jahr 1506 ein, ein entscheidendes Jahr für Martin Luther, der sein Noviziat im Augustinerkloster Erfurt beginnt. Wir beleuchten seine intensive Beschäftigung mit der Bibel und die strengen Regeln des klösterlichen Lebens, die er kennenlernen muss. Darüber hinaus blickt die Episode auf bedeutende Ereignisse des Jahres 1506, darunter die Gründung der Universität Frankfurt/Oder, die Entdeckung der Laokoon-Gruppe, die Etablierung der Schweizer Garde und den Tod Christoph Kolumbus.


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Serie: Sola Veritas - Die wahre Chronik der Reformation

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Transkript

[0:37] Herzlich willkommen zu Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation. Heute mit einer weiteren Folge aus dem Leben von Martin Luther und dem Leben der anderen Reformatoren. Zeitgeschichte, die uns hilft zu verstehen, wie die Reformation vorangeschritten ist. Und heute wollen wir in dieser neuen Folge mit einem Gebet starten, wozu ich Sie, liebe Zuschauer, ganz herzlich einlade. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen Dank sagen für diesen Tag und die Gelegenheit, aus der Geschichte zu lernen. Bitte schenke uns Weisheit und Unterscheidungsvermögen, gib, dass wir Wahrheit erkennen und vor allem dein Handeln mit Menschen in der Geschichte, und dass wir daran erkennen, wie du uns Schritt für Schritt auch führen möchtest zu einer Reformation in unserem Leben. Im Namen Jesu. Amen.

[1:45] Teil 11: 1506 – Neue Wege. Das Jahr 1506 stand ganz im Zeichen des Problems von Martin Luther im Augustiner-Eremiten-Kloster in Erfurt, wo er ja 1505 hingegangen war. Er hatte gegen Ende des Jahres dort das Noviziat begonnen, eine einjährige Zeit, genau genommen ein Jahr und einen Monat, in denen er sich bewähren sollte, in denen er noch nicht gebunden war und in denen er das klösterliche Leben kennenlernen sollte. Dort in Erfurt im Kloster war jetzt sein Lebensmittelpunkt, und er verschwendet keinen Gedanken mehr daran, dieses Kloster jemals zu verlassen.

[2:36] Wie schon in der letzten Folge angedeutet, bestand die große, erste, wichtige Aufgabe der Novizen darin, sich endlich mit der Bibel zu beschäftigen. Für Luther war das nicht einfach nur eine fromme Übung, sondern vielleicht die Freude überhaupt. Er hat es solch einen Gefallen an diesem unglaublich interessanten Buch, dass er sich, wo immer er nur konnte, hinein vertiefte und sehr bald eine sehr gründliche und außergewöhnliche Bibelkenntnis sicher war. Seine Erfahrung wird gut beschrieben mit den Worten des Psalmisten: „Die Eröffnung deiner Worte erleuchtet und gibt den Unverständigen Einsicht. Ich tue meinen Mund weit auf und lasse denn nicht verlangt nach deinen Geboten.“

[3:30] Martin Luther, der junge Magister, der jetzt Mönch werden wollte, hatte ein tiefes Verlangen, ein Lechzen nach der Bibel, nach dem Wort Gottes. Aber als Novize saß man nicht nur da und las die Bibel, man musste eingeführt werden in die Regeln des klösterlichen Lebens. Und dazu gab es einen Novizenmeister, der einem alles beibringen sollte. Im Fall von Martin Luther war das ein alter Mensch, den er selbst als einen sehr freundlichen, einen guten Christen bezeichnet hat, der alte Mensch Johann Gräfenstein. Und der Name Lothar, sozusagen im übertragenen Sinne, an die Hand und führte ihn jetzt in die Regeln, einen die Pflichten und Rechte des Menschseins.

[4:21] Vor allem war es wichtig in diesem Jahr zunächst einmal zu lernen, wie man ohne Eigentum lebt. Das Keuschheitsgebot musste richtig verstanden und eingepflegt werden, und dann musste man vor allem lernen, wie man richtig betet, mit Unterscheidung, so nannte man das, also nicht einfach nur wahllos, sondern vor allem besonders demütig. Es war auch notwendig in diesem Jahr die Ordensregel gründlich zu studieren.

[4:52] Die sogenannte Augustinus-Regel lag schon zu der Zeit in Fassungen vor, die Luther alle gekannt hat. Außerdem musste er auch die Konstitutionen des Ordens, also die einzelnen Bestimmungen über den Ablauf verschiedener formaler Dinge im Orden, lesen und studieren. Er hat das offensichtlich recht gründlich getan und auch später hat er immer wieder mal aus der Regel des Augustinus, der die Grundlage der Augustiner-Eremiten war, zitiert. Er hat wohl auch dazu einen Kommentar gelesen. Es war ja nicht unüblich, so wichtige Dinge wie Kirchenväterliche Dokumente dann weiter zu kommentieren. Dem Mittelalter und der Kommentar von Hugo von St. Viktor aus dem 12. Jahrhundert, den hat Luther auch gelesen und sich daran hinein vertieft in das Wesen des Mönchtums, sowie Augustinus es sich vorgestellt hatte.

[5:55] Es gab noch eine ganze Reihe mehr zu lernen, zum Beispiel, wie der Gottesdienst genau ablief im Kloster, wie man zu singen hatte. Dann gab es eine ganze Reihe von Zeichen zu lernen, denn oftmals gab es festgelegte Schweigezeiten, in denen man nicht reden durfte und trotzdem musste man vielleicht kommunizieren. So musste man diese Handzeichen lernen, musste lernen, wie man sich verbeugt, wie man Kniebeugen macht, wie man sich nieder so oft und vor allem wann man das tut und an welcher Stelle, an welchem Ort. Man musste lernen, wie man mit den einzelnen anderen Mönchen umgeht. Man sollte Dankbarkeit zeigen, wenn man Gaben bekam.

[6:36] Außerdem musste das regelmäßige schweigende, das stille Gebet eingeübt werden. Sogar die Gesichtszüge sollte ein guter Mensch selbst beherrschen. Sorgfältiger Umgang mit Gegenständen wurde vermittelt. Außerdem durfte es natürlich keinen Streit unter den Mönchen geben, und man war den anderen Vorgesetzten, insbesondere dem Prior, dem Vorsteher des Klosters, zu unbedingtem Gehorsam verpflichtet.

[7:07] Unnötige Diskussionen über Regeln und Konstitutionen waren natürlich total verboten. Die jungen Novizen sollten in der Regel auch keinen Kontakt zu Gästen im Kloster haben. Und so war das Leben äußerst reglementiert und sehr genau auf bestimmte heilige, fromme Pflichten abgestellt. So durfte man zum Beispiel nur im Sitzen trinken, Wertrang musste beide Hände am Becher haben. Man durfte natürlich nicht über andere urteilen, Böses musste immer als Gutes noch gedeutet werden.

[7:45] Vor allem war es wichtig beim Gehen immer nach unten auf den Boden zu blicken. Lästeren war verboten, aber genauso war es auch untersagt, andere ins Angesicht zu loben. Unrecht musste erduldet werden. Um Briefe und Geschenke zu erhalten oder zu verschicken, brauchte man eine besondere Erlaubnis. Man durfte sich auch nicht seiner Verwandtschaft oder seines Reichtums rühmen. Eine ganze Reihe, ein ganzer Katalog an verschiedenen Vorschriften und Regeln, die der junge Novize Martin Luther kennenlernen musste und in die Praxis umsetzen lernen musste.

[8:24] Gräfenstein war, wie gesagt, ein guter Christ, jemand, der es mit dem jungen Martin gut meinte und dem viele nützliche Tipps gab. Zum Beispiel riet er ihm, nur wenig mit Frauen zu reden, das würde helfen in der Frage der Keuschheit. Und wenn es notwendig sei, dann nur ganz kurz.

[8:48] Interessanterweise sagte er sogar einmal, als die Rede auf Jan Hus kam, jenen vor 91 Jahren verbrannten Märtyrer, der als Ketzer auf dem Konstanzer Konzil verbrannt worden war, dass seiner Meinung nach, so sagte Gräfenstein, muss ohne Beweis der Schuld verbrannt worden sein. Überhaupt, dass man ihm nichts hätte wirklich nachweisen können. Und das war natürlich eine erstaunliche Aussage angesichts der Tatsache, dass die Hussiten in Böhmen nach wie vor als die Pest der Christenheit gelten, als die Abtrünnigen, von denen man sich klar distanzierte. Und das war sicherlich ein interessanter erster kleiner Same, der so auch im Denken von Martin Luther sehr viel später erst aufgegangen ist.

[9:43] Außerdem hat Gräfenstein ihm beigebracht, dass trotz aller Regeln, trotz aller Bücher, es manche Fälle in der Beichte gibt, die man mit dem menschlichen Verstand nicht ganz lösen kann und wo man einfach auf die Gnade Gottes hoffen müsse.

[10:02] Apropos Beichten: Schon als Novize, als Lehrling, hat Luther eine äußerst extreme Auffassung vom Beichten an den Tag gelegt. Er wollte, wie wir schon in anderen Folgen gesehen haben, absolut auf der richtigen Seite sein, auf keinen Fall irgendwie zu nachlässig sein. Und so beichtete er exzessiv, so sehr, dass der gute Gräfenstein ihm schon Strafen das untersagen wollte. Hier deutete sich bereits die innere Krise an, die dann noch sich verstärken würde.

[10:40] Was geschah sonst in diesem Jahre 1506? Schon am Anfang hörte Johann von Staupitz, der Leiter der reformierten Augustiner-Eremiten in Sachsen, dass der Papst tatsächlich die Bestätigung gegeben habe, dass die Privilegien, die die reformierten Augustiner-Eremiten in Norditalien in der Lombardei hatten, jetzt auch den sächsischen observierten Augustinern zur Verfügung gestellt werden sollten. Aber der Ordensgeneral der Augustiner-Eremiten ist darüber nicht erfreut. Er befürchtet, dass dadurch die reformierten Augustiner sich noch mehr von den normalen Augustinern abspalten werden. Und der von Staupitz entsandte Whistler, der Trierer aus München, der diese Sache in Rom verhandelt hatte und dort dieses päpstliche Privileg bekommen hatte, dieser Gegner wird de facto in Rom festgesetzt. Und damit ist die Sache der observierten Augustiner-Eremiten wieder etwas unklar gewesen.

[11:57] Ebenfalls im Januar, am 14. Januar, um genau zu sein, entdeckte man quasi zufällig bei Aufräumarbeiten auf einem Grundstück in Rom eine der berühmtesten Plastiken, einer der berühmtesten Skulpturen der Antike, die berühmte Laokoon-Gruppe, die später zu einem Musterbeispiel der klassischen Bildhauerkunst geworden ist.

[12:26] Papst Julius II., der, wie gesagt, an anderer Stelle schon sich sehr auch für die militärische Stärke des Kirchenstaates interessierte, hatte sich überlegt, dass er eigentlich eine gute Leibwache gebrauchen könnte. Und da hatte sich gefragt, welche Nation vielleicht die besten Leibwächter stellen konnte. Und wie wir schon in anderen Folgen gesehen haben, gab es eine Gegend in Europa, die besonders mutige und besonders erfahrene Krieger und Soldaten, gerne auch an andere Nationen zur Verfügung stellte als Söldner, und das waren die Schweizer Eidgenossen. Und so entschloss sich Papst Julius II., solche Schweizer Soldaten zu seiner persönlichen Leibwache zu machen. Er hatte bereits 1505 bei einer Tagsatzung der Eidgenossenschaft, wo die verschiedenen Städte der Eidgenossen zusammenkamen, nachfragen lassen. Man hatte dort dem Ganzen positiv beschieden. Und so kamen am 22. Januar die ersten Schweizer Söldner in Rom an, die jetzt sich in den Dienst des Papstes stellten. Sie wurden von Papst Julius II. gesegnet und begannen damit die lange und bekannte Tradition der Schweizer Garde, die bis heute noch anhält.

[13:59] Das Geld für diese begehrten, seltenen Garden kam interessanterweise aus deutschen Landen, und zwar von der Familie Fugger, Jakob und Ulrich Fugger, die aufstrebenden, höchst einflussreichen Bankiers aus Augsburg stellten die finanziellen Mittel dafür zur Verfügung.

[14:24] Ebenfalls Anfang des Jahres 1506 erwarb auch Ulrich Zwingli in Basel endlich seinen Magister in den Freien Künsten. Damit hatte er dieses Studium der Philosophie und der allgemeinen Wissenschaften abgeschlossen, und er widmete sich jetzt dem zweiten großen Studiengang, den er angestrebt hatte, nämlich der Theologie. Und damit begann er jetzt in Basel weiter zu studieren.

[14:53] Am 15. März 1506 gab Papst Julius II. die Genehmigung für eine ganz neue Universität nördlich von Sachsen. Sollte kurz nach der Neueröffnung der Wittenberger Universität noch eine neue Universität eröffnet werden. Die Mark Brandenburg wollte für ihre Gegend eine eigene Ausbildungsstätte haben. In Frankfurt an der Oder sollte diese neue Universität entstehen, und Papst Julius gab dafür seine Genehmigung.

[15:28] Hier habe ein Bild von Frankfurt an der Oder aus jener Zeit.

[15:33] Zwei Tage später, oder ein, zwei Tage später, am 16. und 17. März, kam es zu einer größeren Seeschlacht vor Indien. Die Fürsten von Calicut, die einheimischen versuchten sich zur Wehr zu setzen gegen die Portugiesen, die seit einigen Jahren dort ihre Macht ausweiteten. Doch die Portugiesen siegten und konnten damit schlussendlich ihre Macht in Westindien festigen.

[16:05] Noch einmal Papst Julius II. Am 24. März gab er eine Bulle heraus, in der er nun feststellte, dass die sächsischen reformierten Augustiner-Eremiten sich doch nicht an die norditalienischen reformierten Augustiner-Eremiten anschließen dürfen, weil das eine Verletzung von Statuten und Konstitutionen darstellen würde, und dass sie weiterhin sich dem allgemeinen Ordensgeneral unterstellen müssen. Und das bewirkte natürlich jetzt eine enorme Unsicherheit unter den sächsischen reformierten Augustiner-Eremiten, zu denen ja auch das Kloster in Erfurt gehörte. Der junge Novize Martin Luther wird davon gehört haben, von diesem politischen Hin und Her in Rom über die Frage, wie viel Autonomie diesen reformierten Klöstern innerhalb des Augustinerordens zugestanden werden würde.

[17:05] In diese Zeit fällt auch die erste Begegnung von Martin Luther mit Johann von Staupitz. Der 40-Jährige kam im April, Anfang April, in Erfurt und traf dort am dritten April den jungen Martin. Er hatte ja wohl schon vermutlich von dessen Gang ins Kloster gehört. Jetzt traf er ihn persönlich und gab ihm die Erlaubnis, sich auf das Priesteramt vorzubereiten.

[17:39] Ganz besonders beeindruckt war Staupitz allerdings von der offensichtlich sehr guten, überdurchschnittlichen Bibelkenntnis des jungen Martin. Und das hat den Staupitz allein schon deswegen so angesprochen, weil er selbst ein ganz moderate Reformer war. Er war ja in Tübingen auch Professor gewesen, wo man ganz vorsichtig und behutsam so ein bisschen auch Neues gewagt hatte, ohne jemals wirklich die Kontrolle zu suchen. Vor allem hatte Staupitz jetzt eine immer klarer werdende Vorstellung von dem wahren Evangelium, und er freute sich hier einen Mönch zu haben, der nicht einfach nur Rituale und Pflichten erfüllt, sondern der wirklich Interesse hatte an dem lebendigen Wort Gottes.

[18:31] Und so hatte Luther jetzt die Aufgabe, sich auf dieses Priesteramt vorzubereiten. Das Amt des Priesters war eines der wichtigsten überhaupt in der Kirche, denn der Priester war berechtigt, das Abendmahl zu feiern, auszuteilen, die sogenannte Heilige Eucharistie. Und dazu brauchte es eine besondere Vorbereitung.

[19:00] Luther musste ein Werk lesen von Gabriel Biel. Der war ja, und wir hatten das schon in einer anderen Folge kurz notiert, einige Jahre zuvor gestorben, ein alter Professor aus Tübingen, einer der letzten großen scholastischen Gelehrten seiner Zeit. Und in diesem Standardwerk über die Messe wurde alles erklärt, von den theoretischen und theologischen, vermeintlich biblischen Grundlagen, über den Ablauf der Messe, bis hin zu verschiedenen seelsorgerlichen Überlegungen und Fragen, die alle auch praktischer Natur waren. Man konnte durch das Studieren dieses Werkes sich sehr gut einen Überblick verschaffen, was so der theologische Diskussionsstand ist bezüglich der Messe.

[19:43] Und Luther hat dieses Buch sehr intensiv gelesen. Das hat ihn schwer beeindruckt. Im allgemeinen Verständnis galt damals so ein Werk wie die Messe-Auslegung von Biel als von höherer Autorität als die Bibel selbst. Und Luther hat später rückblickend von dieser Zeit gesprochen, wenn er dieses, diese Auslegung von Biel studierte. Er sagt, er, wenn ich darin las, da blutete mein Herz.

[20:18] Es muss ihn schon mitgenommen haben, wie die Kirche die Eucharistie definierte und diese Idee des Opfers mit einer sehr mystischen Art und Weise natürlich in den Mittelpunkt stellte. Eine Vorstellungswelt, in der vor allem auch die Leistung des Gläubigen ganz entscheidend war, die wir später noch sehen werden.

[20:46] Trotzdem hat Luther auch in dieser Zeit immer wieder die Bibel gelesen und zu dieser Zeit ist ihm noch nicht wirklich aufgegangen, wie weit entfernt manche dieser kirchlichen Vorstellungen und Lehren von dem simplen biblischen Befund waren. Zunächst aber hat er sich in alles hineingestürzt, was irgendwie kirchlichen, religiösen, heiligen Charakters hatte, und hat das mit äußerstem Interesse alles aufgesogen wie ein Schwamm.

[21:16] Am 18. April begann ein weiteres Großereignis der Reformationsgeschichte. Papst Julius II., schon drei Jahre zuvor bei Amtsbeginn seines Pontifikats, festgestellt, dass die bisherige große Peterskirche nicht würdig genug sei, ein Grabmal für ihn bereitzuhalten. Hatte also keine geringe Meinung von sich selbst und er hatte ein monumentales Grabmal im Sinn. Und so plante er die bis dahin bereits bestehende Peterskirche auf dem Gebiet des Vatikans wesentlich zu erweitern.

[21:52] Man stellte aber schnell fest, dass wenn dieser Plan ausgeführt werden würde, der gesamte, die gesamte Peterskirche einsturzgefährdet war. Und so entschied man sich stattdessen, einfach alles von Grund auf neu zu bauen. Einen neuen Petersdom hat es schon seit 1503 begonnen, den alten Kirchenbau abzutragen. Und fast alles wurde weggenommen, nur wenige Details, wie zum Beispiel auch das Petrusgrab, das vermeintliche, blieb stehen. Und am 18. April 1506, während Luther gerade begann, sich in die Welt des Priestertums einzulesen, begann der die Grundsteinlegung in Rom für den neuen Petersdom. Julius II. war höchstpersönlich daran beteiligt, und die Frage der Finanzierung dieses gewaltigen Vorhabens würde noch große Konsequenzen haben im Laufe der nächsten Jahre.

[22:55] Ein Tag später kam es zu einem dramatischen Ereignis in Lissabon. Dort wurden 2000 zwangsgetaufte Juden von aufgebrachten Einwohnern massakriert. Man hatte sie gewaltsam zum Christentum bekehrt, und nun warf man ihnen vor, dass sie vielleicht sogar noch dem Judentum anhängen würden. Und so wurden sie einfach niedergemacht. Drei Tage ging dieses Programm, und erst dann konnten Regierungstruppen die Sache in die Hände bekommen und dem Ganzen Einhalt gebieten.

[23:33] Als Folge dieser schrecklichen Bluttat wurden dann den neu zwangsgetauften Juden etliche Zugeständnisse gemacht.

[23:44] Am 26. April wurde dann die päpstlich bereits erlaubte und bestätigte Universität in Frankfurt/Oder feierlich eröffnet. Sie wurde genannt Viadrina, die an der Oder entlang liegende. Dahinter stand Kurfürst Joachim I., der damals noch frische 22 Jahre alt war. Hier das Bild natürlich, dann späteren Zeitraums.

[24:14] Joachim wollte sozusagen eben im Wettbewerb der akademischen Entwicklung nicht zurückstehen hinter den anderen Territorien, wie Sachsen, wo ja jetzt mit Leipzig im Herzogtum Sachsen und Wittenberg im Kurfürstentum Sachsen zwei Universitäten da waren. Und so hatte er für Brandenburg diese eigene Universität geplant. Und die war ein voller Erfolg. Frankfurt/Oder war eine kleine Stadt mit etwa 5000 Einwohnern. Schon im ersten Jahr immatrikulierten sich sage und schreibe etwa 900 Studenten, mehr als an jeder anderen Universität in deutschen Landen. Das Gebäude stand auf einem Flecken Erde, wo zuvor eine Synagoge gestanden hatte, die verbrannt worden war in einem Programm. Doch das ist eine traurige Geschichte. Erster Rektor wurde Konrad von Heresbach. Und unter ihm zog es eine ganze Reihe von berühmten und bekannten Lehrern nach Frankfurt, darunter zum Beispiel auch Johannes Aßmann, von dem wir schon an anderer Stelle berichtet haben, der gekrönte Dichter, der vom Papst höchstpersönlich die Dichterkrone empfangen hatte. Und ihm folgten einige seiner Schüler, unter anderem auch der junge Ulrich von Hutten, der jetzt ebenfalls nach Frankfurt an der Oder kam. Er war ja unter anderem auch an anderen Universitäten gewesen, die wir in früheren Folgen berichtet haben.

[25:50] Am 20. Mai starb dann Cristoforo Colombo, Christoph Kolumbus, der berühmte Entdecker oder Wiederentdecker der neuen Welt. Die Todesursache ist eigentlich ungeklärt. Man weiß nicht genau, woran er gestorben ist. In den letzten Lebensjahren hat er vergeblich darum gekämpft, seine vormals von den spanischen Königen verbrieften Privilegien anerkannt zu bekommen.

[26:20] Seine Bedeutung ist natürlich sehr differenziert zu betrachten. Als erster Wiederentdecker der neuen Welt hat er schon zu Lebzeiten Weltruhm gehabt. Tatsache ist aber auch, dass seine Entdeckung zu einer humanitären Katastrophe geführt hat. Von 12 Jahren ist die Bevölkerung auf Hispaniola, dieser ersten großen Karibikinsel, die von Spanien kolonisiert worden ist, von mindestens 400.000 auf 100.000 zurückgegangen. Mord und Versklavung und all diese Dinge haben eine äußerst negativen Einfluss gehabt auf die Entwicklung der karibischen Inseln dort. Dieser Trend hat sich dann noch dramatisch gesteigert.

[27:17] Am 26. Juni starb dann der oberste General aller Augustiner-Eremiten, Augustinus von Padua. Der hatte ja so sehr gewütet gegen die reformierten Observanz, und Papst Julius II. hat jetzt die Aufgabe, einen neuen obersten General für alle Augustiner-Eremiten zu benennen. Und er entschied sich für Aegidius von Viterbo. Und das war eine gute Nachricht für die reformierten Augustiner, denn Aegidius von Viterbo war selbst einmal einer von ihnen gewesen, kam aus einem reformierten Kloster. Und als diese Nachricht irgendwann auch in Erfurt eingetroffen ist, wird das sicherlich großen Grund zur Freude gewesen sein, dass jetzt jemand...

[28:03] Freude gewesen sein, dass jetzt jemand aus ihren Kreisen, von ihrer Denkart, die Geschicke des Gesamtordens leiten würde.

[28:17] In diesem Jahr, also quasi kurz nach dem Luther die Universität in Erfurt verlassen hatte, um ins Kloster zu gehen, begann der intellektuelle Kampf in Erfurt heftig zu toben. Während vor die Humanisten sich sehr taktvoll verhalten hatten und behutsam ihre Lehren hier und dort angebracht haben, begann jetzt eine offene Auseinandersetzung zwischen dem althergebrachten scholastischen wissenschaftlichen Denken der alten Professoren und den neuen Humanisten, die nicht länger hinter dem Berg halten wollten und die ganz offen die verstaubten Traditionen der Universität angriffen.

[29:00] In diese Zeit fällt auch der Studienbeginn von Justus. Der war erst 13 Jahre alt und im Sommer dort in Erfurt mit dem Studium der freien Künste begann. Er machte dort die Bekanntschaft mit einem anderen späteren Reformator, mit Thielemann Plattner, und besonders beeindruckt war er von diesen Humanisten, die jetzt ganz offen zu Tage traten, zum Beispiel Johannes Hess, der den jungen Justus mit den fortschrittlichen Ideen eines Erasmus von Rotterdam und anderen bekannt machte.

[29:37] Derweil wurde am 15. September Ulrich von Hutten, der verschiedene Universitäten bereist hatte, jetzt in Frankfurt oder zum Bakkalaureus Laureus und hatte damit seinen ersten echten akademischen Grad mit 18 erworben.

[29:53] Ein weiteres Ereignis im Jahre 1506 war eine Weichenstellung auch in der Reformationsgeschichte. Im Schweizer Ort Glarus war das Amt des leitenden Pfarrers vakant. Der Konstanzer Bischof, der verantwortlich war für diese Gegend, hatte einen jungen Zürcher vorgesehen, nämlich Heinrich Bullinger. Der hatte bereits auch relativ viel Geld bezahlt, um an diese Stelle zu kommen, und auch der Papst hatte ein entsprechendes Schreiben verfasst, um ihn zu nominieren.

[30:25] Es stellt sich aber heraus, dass Bullinger gar nicht nach Glarus ziehen wollte. Er wollte nur den finanziellen Nutzen aus dieser Stelle. Er wollte die Ehre haben, aber er sich nicht dort vor Ort einbringen. Und die Bewohner von Glarus, das nicht allzu weit weg von Wildhaus im Toggenburg lag, waren damit ganz und gar nicht einverstanden und entschieden sich, diesen Bullinger nicht als ihren Kirchenvater zu wollen.

[30:51] Stattdessen erinnerte man sich an den jungen Ulrich Zwingli, der, wie gesagt, nicht allzu weit entfernt im Toggenburg ja geboren war, aufgewachsen war und dann eine ganze Zeit lang auch in Weesen, was relativ nah an Glarus liegt, gelebt hatte. Und so bestellte man den 22-jährigen Ulrich Zwingli zum neuen Pfarrer.

[31:13] Das heißt, der musste nach ungefähr sechs Monate Theologiestudium, dass selbige einfach abbrechen, weil er jetzt direkt in die Praxis gerufen wurde. Etwas, was damals nicht unüblich war. Und er musste dafür natürlich noch zum Priester geweiht werden, was in Konstanz geschah, durch den Konstanzer Bischof.

[31:38] Und dann kam er in das schöne Glarus, wo er nicht nur Glarus selbst, sondern auch einige andere Dörfer, nämlich Riedern, Näfels, Thann und Mitlödi zu seiner Pfarrei zu zählen hatte. Er hatte auch drei oder vier Kapläne, die ihm halfen bei der geistlichen Versorgung. Und so war jetzt der junge Zwingli mit seinen 22 Jahren mitten in das kirchliche Leben hineingeworfen und begann jetzt ganz praktisch mit den Menschen zu arbeiten.

[32:22] Am 25. September ereignete sich ein Todesfall, der ebenfalls für die Reformationsgeschichte von Bedeutung sein wird: Philipp der Schöne, Erzherzog von Burgund und Sohn von Maximilian.

[32:38] Starb 28-jährig. Seine Frau Johanna von Kastilien, die eigentlich jetzt sozusagen die Thronnachfolgerin hätte werden können, wurde von der Macht ferngehalten. Man diagnostizierte Wahnsinn bei ihr, und bis heute ist die Frage ungeklärt, ob das nur ein Vorurteil war, um ihre um zu rechtfertigen, dass man sie nicht auf den Thron ist, oder ob sie tatsächlich, wie einige Zeitgenossen sagen, äußerst merkwürdig redete und handelte.

[33:17] Aber dieser Umstand, dass Philipp gestorben und Johanna quasi für regierungsunfähig erklärt wurde, ebnete dann später den Weg für einen ihrer Söhne, Karl. Aber davon wird später zu reden sein.

[33:38] Am 29. September kam der junge Zwingli dann noch einmal in seiner Heimat und hielt dort seine allererste Messe in Wildhaus, seinem Geburtsort, bevor dann nach Glarus ging, um dort endgültig mit dem Dienst zu beginnen.

[33:59] Eine äußerst spektakuläre Geschichte wird aus dem Oktober 1506 berichtet. Cesare Borgia, der berühmte Sohn des mittlerweile verstorbenen Papstes Alexander VI., war ja zwei Jahre lang schon in Gefangenschaft in Spanien gewesen, und es gelang ihm im Oktober eine überaus spektakuläre Flucht aus dem Gefängnisturm an einem dünnen Seil.

[34:30] Er reiste nach Pamplona, verbündete sich mit dem König von Navarra, der sein Schwager war, und diese überraschende Tat hat seinen ohnehin ja schon ziemlich berüchtigten Ruf noch glanzvoller gemacht. Dieser "Kalter Monster", dass so viele Dinge beherrschte und für so viel Überraschungen gut war.

[34:56] Für viele war er ein Vorbild, wenn es um Grausamkeit und Rücksichtslosigkeit ging.

[35:04] Papst Julius II. wird darüber nicht besonders erfreut gewesen sein, aber hat er vielleicht erst mal wenig Zeit, sich darum zu kümmern. Er selbst führte Krieg. Die Stadt Bologna wollte nicht so wirklich, wie er das wollte.

[35:17] Und so stellte am 7. Oktober den Stadtherren von Bologna einfach unter den Kirchenbann und war dann einige Päpste eines, einige französische Truppen an, die gemeinsam mit dem mit den Soldaten des Vatikans, des Papsttums, gemeinsam Bologna belagerten und dann für den Papst eroberten, der tatsächlich am 10. November wie ein Kriegsheer, wie ein General im Triumph in Bologna einzog.

[35:53] Am 8. Dezember wurde Veit Dietrich in der Reichsstadt Nürnberg geboren, und auch er wird eine Rolle spielen in der Reformationsgeschichte.

[36:04] Interessanterweise ging am 9. Dezember der ehemalige Philosophielehrer von Martin Luther, Jodokus Trutetter von Erfurt, wo er als Professor unterrichtet hatte, nach Wittenberg, um dort die Diakon an der Wittenberger Schlosskirche zu werden. Eine erste interessante Verbindung mit diesem später für die Reformationsgeschichte so wichtigen Gebäude.

[36:36] Gegen Ende 1506 ist dann wohl das Probejahr von Martin Luther abgelaufen. Ein Jahr und ein Tag hatte er es sich bewährt, und in dieser Zeit, wie das letzte Mal schon angesprochen hatte, immer noch die Möglichkeit, seine Sachen zu nehmen und zu packen und wieder zu gehen. Aber daran dachte er gar nicht. Er wollte ja unbedingt heilig werden und er glaubte, dass am ehesten oder am sichersten als Mönch tun zu können.

[37:08] So wurde er gegen Ende 1506 jetzt ganz offiziell als reguläres Mitglied der Augustiner-Eremiten in den Stand aufgenommen. Er hatte seine sogenannte Profess, wo er sozusagen sein Gelübde ablegen sollte. Dazu wurde er wieder, wie schon bei dem Aufnahmeritual für die Novizen, vor den versammelten Konvent gemacht. Alle Mönche waren gegenwärtig. Er musste sich vor dem Prior niederknien, und der fragte ihn, ob er nach dem Ablauf des Programms jetzt endgültig und unwiderruflich sich Gott und dem Orden weihen will, ob er für immer der Welt entsagen wollte.

[37:47] Und Luther hat in diesem Moment, jung wie er war, aufrichtig und vollkommen überzeugt, geglaubt, er würde nie wieder dieses Kloster in Erfurt verlassen und dort herauskommen. Er hielt sich der Welt für abgestorben, Heiligkeit, das war sein einziges Ziel. Für den Prozess, in dem Fall, den Martin Luther die Skripte ablegen sollte, wurde jetzt gebetet, und dann sangen die Mönche wieder über ihren Augustinus.

[38:19] Und der Prior, der Vorsteher des Klosters, zog Luther die Novizenkleider aus, und dann wurden ihm die gesegneten Ordenskleider angezogen. Das sollte symbolisieren, dass jetzt endgültig der alte Mensch abgelegt wird und der neue Mensch angezogen wird.

[38:42] Und dann legte Martin Luther das Gelübde ab. Die Mönche sangen alle gemeinsam: "O komm, du heiliger Geist." Der Novize saß auf den Treppenstufen, oder der Prior, Verzeihung, saß auf den Treppenstufen, und Martin Luther kniete vor ihm. Auf den Knien des Priors lag die geöffnete Ordensregel, und auf die gelobte jetzt Luther Gehorsam gegen Gott, Gehorsam gegen Maria und Gehorsam gegen den Prior. Ein Leben ohne Eigentum und ein Leben der Keuschheit, ein Leben entsprechend der Augustinusregel.

[39:22] Und als er das gelobt hatte, bekam er eine brennende Kerze. Wieder wurde für ihn gebetet. Man glaubte, dass durch dieses Gelübde quasi die Taufe sozusagen wiederholt werden würde, man jetzt nach diesem Gelübde vor Gott so stehen würde, wie direkt nach der Taufe als Säugling, dass man wieder in den ursprünglichen Zustand der Gnade zurückversetzt worden war.

[39:50] Man prozessierte jetzt zur Kirche, und Luther kniete dort vor dem Altar nieder und betete: "Nämlich auf Herr, nach deiner Zusage, und der ganze Chor der Mönche: 'Rest von dir, und du wirst meine Erwartungen nicht zuschanden machen.'" Wieder betete Luther: "Nämlich auf Herr, nach deiner Zusage", und wieder antwortete der gesamte Chor in der Kirche: "Und du wirst meine Erwartungen nicht zuschanden machen."

[40:17] Ein drittes Mal musste Luther beten: "Nämlich auf Herr, nach deiner Zusage", und erneut der Schall, die Antwort des Mönchschors: "Und du wirst meine Erwartungen nicht zuschanden machen." Dann betete der Prior, der Vorgesetzte. Er betete auch zu Maria und sogar zu Augustinus, von denen man ja meinte damals, dass sie im Himmel wären. Und man bat darum, dass der junge Martin Luther am jüngsten Tag zur Rechten Gottes gestellt werden würde, weil – und das sagt sehr viel über das Verständnis der Menschen damals aus – weil er das Gelübde befolgt hat.

[40:55] Gab es weitere Bitten, die alle auch psychologischer Natur waren, geistlicher Natur für das Leben des Martin Luther. Und als das beendet war, gaben ihm alle den Friedenskuss. Er war jetzt regulärer Mönch. Trotzdem war er als junger Neu dazugekommen, da mal nicht noch nicht gleichberechtigt mit den anderen Mönchen.

[41:21] Für die nächsten drei Jahre wurde er von bestimmten leitenden Ämtern ausgeschlossen und durfte sogar fünf Jahre lang noch nicht mitwählen. Trotzdem gratulierten ihm jetzt alle, und er fühlte sich quasi wie ein frisch getauftes Kleinkind. Eine unglaubliche Emotion muss ihm da gewesen sein. Er war jetzt quasi, so stellte man sich vor, wieder sinnlos, und jetzt braucht er nichts weiter tun, als einfach in dieser Heiligkeit weiterzuleben, und dann würde das alles im ewigen Leben enden.

[41:58] Man hat dann schon auch schnell gemerkt, dass es mit der Sinnlosigkeit nicht so weit her war. Schnell kam doch wieder ein schlechter Gedanke. Und so lernte man, dass man, wenn man immer wieder im Herzen sich neu vor nimmt, dieses Gelübde abzulegen, dass man dazu sozusagen immer wieder durch dieses diesen Wunsch immer wieder neu in diesem ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden würde.

[42:23] Und der junge Martin Luther hat, oder der spätere Martin Luther hat über diese Zeit dann folgendes gesagt: "Wir jungen Mönche saßen, sperrten Maul und Nasen auf, schwatzen auch vor Andacht gegen solche köstliche Rede von unserer heiligen Mönche."

[42:48] Haben immer wieder wurde den Mönchen auch gesagt, dass man sich nicht allzu sicher sein konnte. Sagte nicht Prediger, denn ich habe das alles zu Herzen genommen. "Um dies alles zu erforschen, gerechte und weise, und ihre Werke sind in Gottes Hand. Der Mensch erkennt nicht alles, was er vor sich hat, weder Liebe noch Hass." Und dieser Vers wurde oft zitiert unter den Mönchen, und man wollte damit beweisen, dass der Mensch am Ende sich nie ganz sicher hat, ob er bei Gott geliebt oder doch gehasst wird.

[43:19] Dieser letzte Funke Unsicherheit, den hielt man aus pädagogischen Gründen vielleicht für notwendig, um die Mönche vor Selbstsicherheit zu bewahren. Aber in Wirklichkeit war wie ein Stachel im Fleisch, der ständige Unsicherheit auslöste und bei Martin zu einer gewaltigen Krise führte. Aber dazu dann beim nächsten Mal.

[43:40] Ende 1506 reiste Staupitz dann selbst nach Rom, um für die Sache der reformierten Augustiner zu werben. Außerdem gab es hier immer noch keine offizielle päpstliche Bestätigung für die Universität in Wittenberg, sondern nur eine vorübergehende durch den päpstlichen Legaten, und auch die sollte er jetzt in Rom erwirken.

[44:06] Am 23. Dezember wurde Christoph Heuer, 24-jährig in Bologna, nach etlichen Jahren des Studiums zum Doktor des kirchlichen und weltlichen Rechts promoviert. Jung an Jahren hat eine brillante Karriere vor sich und wird uns später wieder begegnen.

[44:22] Ebenfalls in diesem Jahr wurde der gleichaltrige Oecolampadius, Johannes Huß, der eigentlich mit bürgerlichem Namen aufgrund seiner hervorragenden intellektuellen Fähigkeiten und guten Resultate im Studium, Prinzenerzieher des Nachwuchses von Kurfürst Philipp in Mainz.

[44:47] Ebenfalls in diesem Jahr wurde Wenzeslaus Link, der Freund von Luther aus Magdeburger Zeiten, Magister der freien Künste in Wittenberg, und auch er begann jetzt mit dem Theologiestudium dort in der Universität in Wittenberg.

[45:08] Joachim von Watt, der Freund Zwinglis, den er in Wien kennengelernt hatte, und Fabian, so hieß der Joachim von Watt mit lateinischem Namen, der sich selbst gegeben hatte: Joachim von Watt, "Flow aus Wien". Er war dort geblieben, wären Zwingler nach Basel gegangen war, weil in Wien ebenfalls eine Pest-Epidemie ausbrach. Und so ging er nach Villach in Kärnten, wo er Musikunterricht nahm und selbst unterrichtete.

[45:37] Weitere kurze Details aus einem Jahr: Paul Lindenau wurde mit 17 Bakkalaureus in Leipzig. So auch Nikolaus Decius mit 21, aber der entschied sich direkt danach, Mönch zu werden.

[45:54] Ganz ähnlich wie Martin Luther, auch er wurde Benediktiner-Mönch, der älteste Orden in Westeuropa, der zurückgeht auf den Heiligen Benedikt, den sogenannten.

[46:10] Der 17-jährige Thomas Müntzer begann ebenfalls in diesem Jahr sein Studium in Leipzig, und der zwölfjährige Johannes Agricola wechselte ebenfalls nach Leipzig auf eine Lateinschule, kam aus Braunschweig.

[46:25] Ein dramatisches Ereignis in Reutlingen. Dort gab es einen gewaltigen Stadtbrand, und der zehnjährige Matthäus Alber, auch später ein Reformator, verlor dabei seinen Vater, und das stürzte die gesamte Familie in eine schwere finanzielle Not und war natürlich ein traumatisches Erlebnis für den jungen Matthäus.

[46:48] Erasmus von Rotterdam begann Jahre im Jahr 1506 eine ausgedehnte Italienreise, die seinen Horizont noch einmal erweiterte und seinen Ruhm sehr vermehrte.

[47:05] Und dann tritt im Jahre 1506 erstmals, müssen wir erstmal eine Quelle aus diesem Jahr von ihm, eine Person, auf die später in die deutsche Sagenwelt und dann in ein berühmtes Werk von Johannes Wolfgang Goethe übergegangen ist, der sogenannte Doktor Faust, Johannes Trithemius berichtet ein Jahr später von folgender Geschichte.

[47:28] Wir erinnern uns auch, dass er uns durch einen Bürger die schriftliche Aufzeichnung seiner Torheit, welche er die Gabe schickte, in jener Stadt erzählten mir Geistliche, er habe in Gegenwart vieler gesagt, dass er ein so großes Wissen und Gedächtnis aller besser erreicht habe, dass, wenn alle Werke von Platon und Aristoteles samt all ihrer Philosophie durchaus aus der Menschen Gedächtnis verloren gegangen wären, er sei wie ein zweiter Hebräer Sarratt, durch sein Genie sämtlich und noch treffender wiederherstellen wolle.

[47:59] Als ich mich später in Speyer befand, kam er nach Würzburg und soll sich in Gegenwart vieler Leute mit gleicher Eitelkeit berühmt haben, dass die Wunder unseres Erlösers Christi nicht an staunenswert sein. Er könne alles tun, was Christus getan habe, so oft und wann er wolle.

[48:13] In den Fasten dieses Jahres kann man nach Kreuznach, wo er sich in gleicher großsprecherweise ganz gewaltig rühmte und sagte, dass er in der Alchemie von allen, die hier gewesen, der vollkommenste sei und wisse und könne, was nur die Leute wünschten.

[48:28] Während dieser Zeit war die Schulmeisterstelle in der Stadt unbesetzt. Welchem auf Verwendung von Franz von Sickingen, dem Amtmann seines Fürsten, einem nach mystischen Dingen überaus kundigen Manne übertragen wurde. Er bald darauf begann er mit Knaben die schändlichste Unzucht zu treiben, und floh als die Sache ans Licht kam, der ihm drohenden Strafe.

[48:48] Der historische Faust war also ein Verbrecher, ein Hochstapler, ein Alchemist, ein Wahrsager, jemand, der die Dummheit des allgemeinen Volkes mit seinen großflächigen, blasphemischen Ausführungen ausnutzte, um dann ganz gemeine Verbrechen an Kindern zu beginnen. Und dieser Name Doktor Faust wird dann immer wieder auch in jener Zeit in deutschen Landen auftauchen.

[49:23] Rosenkranzfest war ein Gemälde von Albrecht Dürer, mit dem er im Jahre 1506 schlagartig berühmt wurde und das ihm seinen Zeitgenossen sehr beliebt gemacht hat.

[49:36] Zum Schluss muss noch berichtet werden von der Tatsache, dass Luther jetzt Ende 1506 auch die erste Weihe enthielt. Auf dem Weg zum Priester, zur Priesterweihe gab es mehrere Zwischenschritte, und so wurde er in jenem Jahr zum Subdiakon geweiht. Eine Aufgabe, die eine Diener der Aufgabe war, um während der Messe bestimmte Aufgaben mit übernehmen, unter anderem auch, um die Epistel zu lesen.

[50:10] So bereitete sich Luther also wirklich ganz intensiv, sowohl theologisch theoretisch als auch praktisch durch diese Weihe, die er bekam, auf das Amt des Priesters vor, und er erwartete im nächsten Jahr dann tatsächlich zum Priester geweiht zu werden. Er hatte bei Biel gelesen, was für eine vermeintlich gewaltige Aufgabe der Priester habe in der Eucharistie. Aber darüber werden wir das nächste Mal mehr zu sagen haben, wenn es dann heißt: 1507 "Schrei der Seele".

[50:45] Werden hineinblicken in das, was passiert ist im Kloster und im innersten Denken und Fühlen von Martin Luther und natürlich weiter verfolgen, was auch die weiteren Reformatoren erlebt haben. Bis dahin wünschen wir Ihnen, liebe Zuschauer, Gottes reichen Segen und freuen uns, wenn Sie nächste Woche wieder einschalten, wenn es dir heißt: Sola Veritas – die wahre Chronik der Reformation.


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