[0:41] Herzlich willkommen zu Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation. Schön, dass Sie wieder eingeschaltet haben hier auf joelmedia.de zu einer weiteren Folge, in der wir die Geschichte der Reformation und die Geschichte der Reformatoren beleuchten wollen. Nach alter Gewohnheit wollen wir mit einem Gebet beginnen, und dazu lade ich Sie ganz herzlich ein.
[1:04] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir danke sagen, erneut, dass wir die Gelegenheit haben, aus der Geschichte zu lernen. Wir möchten dich bitten, dass du uns hilfst, durch deinen Heiligen Geist geführt, die Lektionen zu erkennen, die für unser persönliches Leben und für unsere Zeit ganz besonders wichtig sind. Dass wir erkennen, wie du Menschen führst und ihnen schrittweise die Wahrheit offenbarst. Und wir denken, dass wir auch heute in unserer Zeit eine Reformation erleben dürfen. Im Namen Jesu, bittest du. Amen.
[1:49] Teil 18: Der Plan der Fugger. 1514 hat Martin Luther als Professor, als Doktor der Theologie, sich ganz den Psalmen gewidmet. Die Vorlesung über den Psalter, die ja schon 1513 begonnen hatte, nahmen ihn voll in Anspruch und ging durch das gesamte biblische Buch der Psalmen und gab es zu jedem Psalm in seinen Vorlesungen eine lange, ausführliche und sehr interessante Auslegung.
[2:15] Dabei haben wir das letzte Mal schon angedeutet, dass es ihm sehr darauf ankam, Jesus Christus im Zentrum zu haben für jeden einzelnen Psalm. Und auch sonst ist er sehr gründlich an den Text herangegangen und hat so manches entdeckt, was ihm in seinem theologischen Denken weitergeholfen hat. Ein besonderes Beispiel sollte erwähnt werden, und zwar der Psalm 51, der "Bußpsalm Davids", der auch großen Eindruck auf Martin Luther oder noch große Wirkung auf dessen Theologie machte.
[2:52] Dort heißt es ab Vers 13: "Gott sei mir gnädig nach deiner Güte, tilge meine Übertretungen nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich völlig rein von meiner Schuld und reinige mich von meiner Sünde." Luther hat immer schon die Psalmen als etwas sehr Persönliches begriffen. Hier gab es nicht abstrakte Theologie, sondern ganz erfahrene Erfahrungen, die man mit Gott macht, die Höhen und Tiefen des Glaubenslebens. Er hat einen Psalm gefunden, und hier beschreibt er David so sehr dieses Bedürfnis, diese Notwendigkeit der Erlösung, der Gnade Gottes, was einen großen Eindruck natürlich auf Luther dann gemacht hat.
[3:31] Weiter geht es hier in Psalm 51: "Weiter werde ich erkennen, meine Übertretungen, meine Sünde ist allezeit vor mir." Luther hat entdeckt und aus eigener Erfahrung bestätigen können, dass die Sünde ein sehr viel größeres und intensiveres Problem war, als die althergebrachte, klassische Theologie so zugegeben hat.
[3:51] Dann heißt es: "Die an dir allein habe ich gesündigt und getan, was böse ist in deinen Augen, damit du recht behältst, wenn du redest, und rein dastehst, wenn du richtest." Unter anderem aus diesem Vers hat Luther die Lehre der Rechtfertigung Gottes entwickelt. Der Sünder muss zugeben, dass er es zulässt. Ohne das kann es keine wirkliche Lösung geben. Dem Sünder viel zu oft das Eingeständnis seiner Ungerechtigkeit und der absoluten Gerechtigkeit Gottes.
[4:27] Dies war ein großes Thema für Luther, und für die nächsten Jahre sollte das vor allem seine Theologie bestimmen. Das Bild dieser Erkenntnis: Der Mensch ist wirklich abgrundtief unheilbar sündig, das heißt unheilbar aus eigener Kraft und muss sich ganz auf Gott verlassen und muss ihm recht geben, wenn er ihn als Sünder verurteilt.
[4:49] Und dann heißt es hier in Psalm 51 ab Vers 7: "Siehe, in Schuld bin ich geboren, und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen. Siehe, du verlangst nach Wahrheit im Innersten, so lass mich im Verborgenen Weisheit erkennen." Als er über diesen Vers nachdachte, hat vor allem auch seine intensive Lektüre von Augustinus ihn dazu geführt, aus diesem Vers und anderen Versen abzuleiten, dass der Mensch mit Erbsünde geboren wird. Eine Lehre, die eigentlich nicht wirklich biblisch ist, die aber sehr stark sein oder auch später beschäftigt hat, die Idee, dass die Sünde von einer Generation zur nächsten weiter vererbt wird und im Grunde genommen alle Schuld bei Adam liegt. Und auch das hat sich jetzt hier in diesem Vorlesung immer mehr herauskristallisiert.
[5:38] Er hat auch verschiedene andere Dinge in den Vorlesungen zu verschiedenen anderen Stellungen bezogen, unter anderem auch schon in diesem Zeitpunkt hat er etwas über die Ablässe gesagt und hat darüber gesprochen, dass die Ablässe zu billig verkauft werden, dass es zu einfach ein Ablass zu erringen ist. Und dass es wichtig ist, wenn man von diesem Schatz der Kirche, den er zu diesem Zeitpunkt noch als ganz regulär ansah und als rechtmäßig, wenn man von diesem Schatz der Kirche profitieren möchte, müsste man immer noch etwas dazu beitragen durch Leiden und durch das Kreuz auf sich nehmen für Jesus. Und ihm hat also von Anfang an diese oft billige Gnade der Kirche, praktiziert wurde, nicht gefallen, weil er die existenzielle Gefahr durch die Sünde am eigenen Leib erlebt hatte.
[6:29] Und während er sich so durch den Psalter durcharbeitete, ist seine Theologie immer mehr gewachsen und hat sich immer mehr artikuliert und sein Verständnis von dem, was Jesus für uns bedeutet, wurde Schritt für Schritt immer klarer.
[6:43] Währenddessen hatte Philipp Melanchthon seine Studien in Tübingen erfolgreich abgeschlossen. Endlich konnte ihm der Magistertitel übergeben werden. Dann hätte er wahrscheinlich auch schon ein paar Jahre früher haben können, damit wir gesehen haben, aus Altersgründen waren das zunächst verwehrt worden. Und jung wieder war, hat er bereits auch schon unterrichtet, vor allem auch Griechisch, wo er besonders begabt war. Es zeigte sich schon in diesen jungen Jahren, dass er ein äußerst pädagogisches Talent hatte.
[7:13] Er hat sich in einem Kreis von Gelehrten befunden, die alles auch mit Reuchlin, seinem Großonkel, hielten. Und nebenbei hat er schon etwas gearbeitet in der Druckerei als Korrektor. Er hat dann in Tübingen hier auch sich intensiv mit der Renaissance beschäftigt, die gerade in Italien ja so aufblühte, insbesondere auch mit dem neu aufkommenden Platonismus, den der Wiederkehr der Rezeption des großen Platon. Und das hat ihn tief geprägt. Er ist dieser Zeit zu einem echten, waschechten Humanisten geworden. Es ging darum, das Wissen der Antike, das im finsteren Mittelalter verloren gegangen war, wieder zu restaurieren, zurück zu den Wurzeln, zurück zu den Ursprüngen.
[8:08] Im Februar hatte dann Martin Luther zum ersten Mal brieflich Kontakt mit Spalatin, Georg Burkhardt. Vermittelt durch Johann Lang, den Freund Luthers, hatte Spalatin ihn anfragen lassen. Beide waren ja mittlerweile tätig in Wittenberg, hatten allerdings noch keinen echten Kontakt so gehabt. Zwar hatte Spalatin ihn anfragen lassen, was denn der geschätzte Doktor der Theologie dazu sage, dass dem berühmten Reuchlin mittlerweile ja der Inquisitionsprozess gemacht worden war. Werden wir uns haben es in einer anderen Folge schon behandelt, dass Reuchlin aufgrund seines Eintretens für die jüdischen Schriften und seinem Abraten von der Verbrennung derselben Probleme bekam, vor allem mit den Kölner Theologen, die sich dafür einsetzten, gemeinsam mit diesem Pfefferkorn, dass man die Juden zwangsmissionieren und ansonsten ihre alle ihre Schriften verbrennen sollte. Und dass Martin diese Anfragen, wie Luther in dieser Sache stellen würde.
[9:11] Und hier haben wir den Brief von Anfang 1514 von Martin Luther an Spalatin: "Mein Bruder Johann Lang hat mich in deinem Namen gefragt, was ich halte von der Sache des unschuldigen und hochgelehrten Johann Reuchlin, wieder seine Feinde zu Köln, ob er etwa in der Gefahr des Glaubens oder der Ketzerei stehe. Du weißt aber, mein werter Magister, dass auch ich diesen Mann sehr hoch schätze und liebe, und mein Urteil vielleicht verdächtig ist." Also Luther hat sehr deutlich Partei ergriffen für den berühmten Humanisten.
[9:41] Das Zitat geht weiter: "Jetzt lässt er sich etwas über die Kölner Hausväter, lieber kann denn etwas törichtes und unvernünftiges gedacht werden, als dieser Eifer haben denn die unseligen Kölner sogar keine schweren oder sehr verwirrten Sachen, an denen sie ihre Wissenschaft, ihren Eifer, ihre Liebe üben möchten." Mit anderen Worten, warum tun sie sich so sehr jetzt auf diese Namen Reuchlin einschießen?
[10:12] Und Luther hat also sehr klar Stellung bezogen. Interessant ist so ein bisschen die Argumentation, die er verwendet hat. Luther hat zu diesem Zeitpunkt 1514 nicht geglaubt, dass man Juden missionieren sollte. Er glaubte, dass sie ein verworrenes Volk sind und dass jede Bemühung, Juden zu Christen zu machen, eigentlich gegen das Wort Gottes sei. Das hat natürlich eine etwas merkwürdige Behauptung, die dem der biblischen Botschaft nicht wirklich entspricht, aber das war sein Verständnis.
[10:42] Und so hatte er auch keine Sympathie für die Kölner Versuche, die Juden zwangs zu missionieren, und dementsprechend war das eigentlich so ein bisschen der Grund auch für seine Ablehnung dieser Kölner Kritik an Reuchlin. Er hat seine These oder diese Idee, dass man die Juden nicht mehr bessern können, angeblich mit einem Bibelvers hergeleitet: "Ich predige 15", das heißt: "Krumme Sachen kann man nicht gerade machen, und was fehlt, kann man nicht zählen." Und seine Idee war, die jüdische Religion ist so krumm, richten wir nichts mehr aus.
[11:22] In dem Brief deutet er auch an, die Inquisition sondern sich viel lieber mit den Missständen in der Kirche zu befassen. Dort gebe es nämlich päpstlichen Götzendienst. Also hier deutet sich schon dieser angewachsene Unmut über vieles in der kirchlichen Praxis an, was sich dann erst später deutlich entladen sollte.
[11:46] Am 19. Februar dann kam es zu einem wirklich weichenstellenden Ereignis in der Reformationsgeschichte. Im März starb im Bistum Mainz starb erneut der Erzbischof, in dem Fall Uriel von Gemmingen. Und in den letzten Jahren waren immer wieder Erzbischöfe, Bischöfe von Mainz gestorben. Die waren ja gleichzeitig auch Kurfürsten und als Erztänzer Deutschlands mit die wichtigsten Politiker überhaupt. Da jedes Mal bei der Neuwahl eines Erzbischofs entsprechende Gebühren nach oben bezahlt werden mussten, war das Erzbistum während, wie aufgrund zahlreicher Wahlen in den letzten Jahren schon ziemlich in Schuldennot geraten.
[12:31] Man suchte also jemanden jetzt, der möglichst jung war, er nicht in den nächsten Jahren wieder gleich sterben würde, so dass man schon wieder dann Gebühren bezahlen müsste für eine erneute Wahl. Und so überlegt man sich, wenn man als neuen Erzbischof haben könnte. Und die Wahl fiel auf Albrecht von Brandenburg.
[12:49] Der war zu dem Zeitpunkt 24 Jahre alt, war ja geradezu vorerst auch Erzbischof von Magdeburg geworden und Administrator des Bistums in Halberstadt. Und das stellte jetzt ein doppeltes Problem dar, denn eigentlich war er mit seinen 24 noch zu jung für die Erzbischofswürde überhaupt. Und kirchliches Recht verbot es, dass man mehrere solcher Erzbischofstellen gleichzeitig haben könnte. Das war aber in der kirchlichen Praxis kein Problem, vorausgesetzt man würde, wie der, extra Geld bezahlen.
[13:25] Und genau das tat dann natürlich auch Albrecht, der angetreten war mit dem Versprechen, die Schulden im Erzbistum Mainz, die sich angehäuft hatten aufgrund der zahlreichen Wahlen in den letzten Jahren, abzutragen.
[13:41] Und vielleicht hat auch das hier etwas geholfen, jetzt zu diesem Amt zu kommen. Es hat sicherlich selten in Mainz selbst aufgehalten. Hat das alles dann aus seiner Heimat aus geleitet. Er war eigentlich ein äußerst künstlerisch gesinnter, junger Mann, war sehr musikalisch, hat sich für Kunst und Kultur interessiert, liebte den Humanismus und war auch ein eifriger Reliquiensammler. Seine Sammlung waren noch weitaus größer als die schon relativ berühmte von Kurfürst Friedrich dem Dritten.
[14:19] In der Sammlung von Albrecht von Brandenburg konnte man sage und schreibe Ablass für 39 Millionen Tage erhalten. Also das war der größte Reliquienschatz bei weitem, den es so überhaupt zu sehen gab. Von echter Theologie hat aber Albrecht nicht so viel verstanden.
[14:39] Er hat als Erzbischof tatsächlich dem ganzen Leben nicht ein einziges Mal getreten, werde ich mir ein reines Zwangsfürst. Und der durchaus also Kunst und Kultur gefördert hat, aber von den theologischen Debatten nicht so viel eigentlich verstanden hat. Aber eins wusste er: Er musste Geld beschaffen.
[14:56] Er war selbst jetzt in finanzieller Not aufgrund dieser Ämterhäufung. Er musste auch dem Erzbistum helfen. Und da er nicht genügend Geld hatte, um die Gebühren zu bezahlen, hat er sich das Geld geliehen bei der damals berühmtesten Bank Europas, dem Bankhaus der Fugger in Nürnberg.
[15:14] Die waren gerade aufstrebend, das führende Bankhaus Europas überhaupt. Eigentlich Kaiser, Päpste, Fürsten, Kardinäle, alle hatten dort irgendwo ihre Geschäfte mit den Vorgängern. Und die streckten nicht nur das Geld vor für den etwas klammen, jungen neuen Erzbischof von Mainz, sondern hatten auch eine aus ihren Augen brillante Idee für die Refinanzierung.
[15:49] Man wusste nämlich, dass es in Rom ein gigantisches Bauprojekt gab, da schon seit einigen Jahren begonnen worden war, aber eigentlich ziemlich in den Kinderschuhen steckte. Die Peterskirche sollte völlig neu gestaltet werden. Hier sieht man eine den ursprünglich geplanten Grundriss. Und auch der Papst war aufgrund dessen in großer Geldnot.
[16:13] Und so belegte man sich im Hause der Fugger: Es wäre doch gut, ein besonderes Ablassgeschäft zu organisieren, dass durch das Erzbistum Mainz verwaltet wird, so dass dann die Hälfte des Ablasses dem Erzbistum Mainz zugute kommen würde, wodurch dann die bisher angefallenen Schulden abgetragen werden könnten, als auch die persönlichen Schulden von Albrecht von Brandenburg.
[16:42] Die andere Hälfte des Erlöses sollte dann direkt in den Bau der neuen Peterskirche gesteckt werden. Das war zunächst einmal im geheimen vereinbart worden. Dieser Deal ist von den Vorgängern tatsächlich eingefädelt worden. Die generell Bevölkerung hat zunächst einmal davon nichts mitbekommen.
[17:03] Aber beide Seiten, sowohl das Papsttum in Rom als auch das Erzbistum in Mainz, versprachen sich jetzt ganz große Summen aus dieser ganzen Geschichte, die ihr dann solch eine enorme Welle geschlagen hat und die letztlich in der Konsequenz dann die europäische Christenheit gespalten hat, die wir dann in den kommenden Folgen sehen werden. Eigentlich ging es hier zunächst einmal lediglich ums Geld.
[17:29] Und Papst Leo der Zehnte hat in diesem Jahr auch ganz massiv begonnen, Geld einzutreiben für diesen Neubau des Petersdomes. Das ging also jetzt richtig los, diese Maschinerie der Geldbeschaffung.
[17:48] Am 12. März verlieh Kaiser Maximilian der Erste die begehrte Dichterkrone einem unbekannten jungen Mann, nämlich Joachim von Watt aus St. Gallen, genannt "Vadianus", der auch in Wien jetzt tätig war und der später auch einer der größeren Reformatoren werden sollte. Er wurde, wie gesagt, aufgrund seiner großen dichterischen Leistung vom Kaiser höchstpersönlich hier bedacht.
[18:19] Eine Woche später, am 19. März, kam Hanno in Rom an. Der hatte für tumultartige Szenen in ganz Italien gesorgt. Hanno, das persönliche Geschenk des portugiesischen Königs Manuel an den Papst, und war aus Afrika oder Indien, war immer aus den Überseegebieten geholt worden und dann auf dem Landweg nach Rom gebracht worden. Hanno ist zum Lieblingstier des Papstes geworden.
[18:52] Es sah so aus, als ob in Europa erst einmal wieder Frieden einkehren sollte, nachdem in den vergangenen Jahren ja um die Vorherrschaft in Europa gestritten worden war. Frankreich hat er versucht, dort in Norditalien sich festzusetzen, aber das war gescheitert. Und nun schlossen Frankreich und das Heilige Römische Reich Deutscher Nation unter dem Kaiser Maximilian einen Friedensvertrag. Sie beendeten den Krieg.
[19:18] Im April wurden nacheinander zwei zu heftige Reformatoren geboren, und zwar 12 Tage miteinander. Am 6. April Joachim Berlin in Wittenberg, interessanterweise. Und am Tag darauf ein weiterer Joachim, Joachim der Erste von Alvensleben in Hundisburg. Und er gehörte zum niedersächsischen.
[19:42] Ebenfalls im April hat Hewlett, mittlerweile 27 Jahre alt, in Cambridge seinen Master, also den Magister der Freien Künste, erworben. Und zur Osterzeit kam ein weiterer junger Gelehrter an die berühmte Universität in Erfurt, Justus Jonas. Er war schon in der Klosterschule in Fulda als ein Hochbegabter aufgefallen und mit 14 Jahren.
[20:09] Die manipulierte er sich hier jetzt in Erfurt und kam gleich in den Humanistenkreis, Romeo, Banus, Hessius und anderen, und hat sich sehr für diese moderne Richtung interessiert.
[20:23] Derweil brodelte es in Deutschland. Insbesondere die Bauern waren äußerst unzufrieden mit ihrer Situation. Immer wieder flackerte es hier und dort auf, so auch am zweiten Mai im Remstal in Württemberg, wo eine Bauernaufstandsbewegung begann. Man heute unter dem Namen "Der arme Konrad" kennt, wo sich jemand unter diesem Namen der Amerikaner hat an die Spitze der Unzufriedenen gestellt und versuchte, die bestehende Ordnung umzustürzen.
[21:09] Am 5. Mai eröffnete die mittlerweile neunte Sitzung des Laterankonzils. Erinnern uns, seit 1512 waren dort die Vertreter der Kirche zusammengekommen, unter anderem auch über Reformation, um Reformen in der Kirche zu sprechen. Man hatte bisher kaum etwas Substantielles dazu zusammengetragen.
[21:33] Aber auf einer anderen Front hatte man einen scheinbar ziemlich großen Erfolg. Man hatte die Böhmen eingeladen, doch bitte nach Rom zu kommen und sich zu verteidigen. Werden uns das ist ja 100 Jahre zuvor diese große Krise gab, als Fuß und Hieronymus in Konstanz verbrannt worden waren und dann ihre Anhänger als die Hussiten über Jahrzehnte hinweg Rom getrotzt hatten. Irgendwann war dann Mitte des vorigen Jahrhunderts diese politische Bewegung zusammengebrochen, zum Teil auch gespalten durch verschiedene Richtungen. Und es blieben nur noch wenige Übrige, versprengt übrig, die in als mährische Brüder und böhmische Brüder in verschiedenen Orden noch diesen alten politischen Glauben aufrecht hielten.
[22:24] Und jetzt, wo das Konzil zusammen gekommen war, wollte man dieses Problem endgültig angehen. Man wollte diese Lehre auslöschen und hatte Vertreter eingeladen nach Rom, die doch vielleicht so wie damals und Hieronymus für den Glauben einstehen würden, den sie dort verkündigen. Man hatte sie eingeladen zu diesem neunten Sitzung am 5.
[22:50] Und als die eröffnet wurde, stellte sich heraus, es gab nicht einen einzigen, der den Mut gehabt hätte, nach oben zu kommen. Nicht eine schriftliche Stellungnahme, nichts. Und es sah so aus an diesem 5. Mai 1514, als ob die Protestbewegung, die es in den Jahrzehnten davor durchaus gegeben hatte, durch Jan Hus, durch Forscher, durch ... auch durch diese merkwürdige Bewegung von Savonarola, diese Protestbewegung mehr oder weniger völlig verstummt waren.
[23:31] Oder diesem Moment rief einer der Teilnehmer des Konzils berühmterweise folgendes aus. Als sein Name war Antonius Putesches: "Unterliefen dem Eklat, Magnus, ups, ist nun schreit niemand, nicht einer wieder." Ich soll sagen, es gibt keinen Protest mehr gegen die Herrschaft des Papsttums.
[23:58] Er sagt dann im nächsten Satz hier noch: "Nun sieht die ganze Christenheit, dass sie einem Haupt unterworfen ist, das wage." Münster den Papst, nämlich dir 1514. Musste der Eindruck entstehen für jeden politischen Beobachter, dass nach Jahrzehnten der Kirchenspaltung, des abendländischen Schismas, der Reformbewegung in England und Böhmen, endlich alles sich unter dem Papst oder einem Papst wieder vereinigt hatte, dass die gesamten Reformbewegungen, auch die der ... aus dem Konzil von Konstanz, all das war wieder zurückgedrängt worden.
[24:33] Das Papsttum, so schien es, schien neue, unangefochtene Macht zu haben. Niemand ahnte 1514, dass diese scheinbare Ruhe nur die Ruhe vor dem Sturm war.
[24:49] Ebenfalls im Mai wurde Thomas Müntzer, Priester in Braunschweig, an der Michaeliskirche. Und hier begann er in seinen Predigten, interessanterweise, Kritik zu üben an der
[25:01] interessanterweise Kritik an der Kirche angefangen, einige Praktiken ganz kritisch zu hinterfragen, insbesondere die Ablassbriefe. Er begann dagegen auch zu predigen, noch deutlicher und vor allem früher als Martin Luther das dann später tat.
[25:25] Zu Pfingsten wurde Ambrosius, ein 20-jähriger Laureus in der Universität Krakau, und Luther hatte immer noch Probleme mit Anfeindungen aus Erfurt. Die hatten es ihm nicht verziehen, seine Klosterbrüder, dass er jetzt seine Doktorwürde in Wittenberg bekam und nicht in Erfurt. Und insbesondere Johann von Staupitz, mit dem wir ja früher mal verbündet waren in der Sache der Ordnungspolitik, hatte viele Anschuldigungen gegen ihn vorgebracht und vor allem schlecht über ihn geredet, ihn verleumdet.
[26:02] An anderer Stelle und so hat Luther hier in einem Brief sich gegen diese Anschuldigungen zur Wehr gesetzt, die aus seinem ehemaligen Heimatkloster in Erfurt an ihn herangetragen worden waren. Hier ein paar Auszüge aus diesem Brief: "In dem Herrn erwäge, Väter, wie wohl ich vieles gehört und gelesen habe, was über uns, besonders über mich, von etlichen unter euch Böses gesagt worden ist. Will ich doch kürzlich durch die Briefe des Vaters Magister Johann von Staupitz, der gleichsam im Namen aller schreibt, so durch die Lügen, spitzigen Worte und Bitten und spöttischen Herausforderungen desselben bewegt worden, dass ich nahe daran war, dass ich über ihn und den ganzen Konvent die volle Schale des Zorns oder Entrüstung ausgegossen hätte."
[26:46] Also, man sieht, Luther musste ganz schön an sich halten. So hat ihn das geärgert, dass man so unberechtigt ihn hier verleumdet hat. Er sagt jetzt weiter hier in dem Brief: "Aber jetzt höre ich noch Ärgeres, dass eben jeder Mensch mich überall als einen meinigen, als einen schaltbaren Menschen austrägt." Und dann interessanterweise gegen Ende des Briefes sagte er: "Aber dies alles mag dahin fahren, denn ich bin ganz ruhig und friedfertig im Herzen gegen euch alle, so sehr ich auch immer beleidigt worden bin."
[27:19] Das sind sehr starke Worte von ihm, die zeigen, wie tief auch schon Gedanken des Evangeliums sein Herz verändert hatten. Gerade, wenn wir jetzt weiterliest hier: "Denn Gott segnet mich, den Unwürdigen, ganz sonderlich, so dass ich nur Ursache habe, mich zu freuen, uns zu lieben und wohl zu tun gleicher Weise denen, die das Gegenteil um mich verdient haben, gleich wie auch ich das Gegenteil dessen von Gott verdient habe, was ich von dem Herrn empfangen."
[27:44] Deshalb bitte ich, seid auch ihr zufrieden und legt die Bitterkeit ab. Also Luther, der als Mensch enorm wütend ist, dass nach ihm und anderen verleumdet werden kann, dann als Christ sagen: "Ich selbst habe es nicht verdient, gnädig von Gott empfangen zu werden, aber trotzdem super, ich kann euch lieb haben, ich kann euch vergeben und ich kann euch bitten: Legt doch die Bitterkeit ab."
[28:16] Luther hat in dieser Zeit vor allem durch seine intensive Beschäftigung mit der Bibel erkannt, wie wichtig eigentlich dieses Buch ist und wie vergleichsweise unwichtig die Literatur, die Poesie, die Philosophie ist. Und er hat dann immer wieder auch kritisiert, dass die Bibel vor allem an den Theologen weitgehend verschmäht wird und man sich mehr mit Philosophie beschäftigt als mit der Bibel selbst. Das sind letztlich zeitlose Worte, die auf 500 Jahre später ist solch eine Wichtigkeit haben.
[28:47] Während der Arme Konrad sich in Württemberg ausbreitete und seine echte Bauernrevolte daraus wurde, haben sich dann die Mächtigen des Landes in Württemberg zusammengetan. Der Tübinger Vertrag am 8. Juli regelte, wie dieser Arme Konrad bekämpft werden sollte. Unruhe gab es auch fern im Osten Europas. Das Großfürstentum Moskau erweiterte sein Territorium am 30. Juli. Wurde auch die Stadt Smolensk von dem Großkönigreich Polen-Litauen erobert.
[29:24] Frieden derweil in Westeuropa. Nachdem die Franzosen schon mit dem Heiligen Römischen Reich Frieden geschlossen hatten, gab es jetzt auch einen Friedensschluss am 7. August mit den Engländern. Das Ganze sollte dann auch noch durch eine Hochzeit bestätigt werden.
[29:41] Ebenfalls im August finden wir einen weiteren Briefwechsel zwischen Luther und Spalatin. Da ging es wieder um diese Frage, dieses Prozesses um Reuchlin. Ein Kölner Theologe mit Namen Ortwin Gratius hatte eine Schrift gegen Reuchlin verfasst. Das ging damals hin und her mit verschiedenen Argumenten und Luther nimmt jetzt Stellung hier gegenüber Reuchlin, er gegenüber Spalatin, bezüglich dieser Schrift.
[30:10] Der Brief von Spalatin enthält folgende Anrede hier: "Kann man es lesen? Bisher habe ich, hochgelehrter Spalatin, diesem Kölner Poetaster, das ist eine abwertende Bezeichnung für Ortwin Gratius, konnte so ein Dichterlink diesen Poetaster Ort wenig für einen Esel gehalten. Aber du siehst, dass er ein Hund geworden ist, ja, eine reißende Wolke vom Schaf. Sky, dann, wenn nicht vielmehr ein Krokodil, wie du noch scharfsinniger meinst." Das ist ein bisschen schon was dann im Stil der damals so gepflegten worden ist, an den wir uns noch etwas gewöhnen werden müssen in den kommenden Folgen.
[30:46] Der Arme Konrad brach dann relativ schnell zusammen, ehe es überhaupt zu einer Schlacht gekommen war. Auf dem Kappelberg, in der am Ausgang des Rems-Teils, hatten sich die Bauern versammelt. Aber dann die württembergischen Truppen ankamen, waren fast alle Bauern wieder verschwunden, aus lauter Angst vor der Schlacht. Die wenigen Anführer wurden dann schnell gefangen genommen und enthauptet. Das war dann etwas unrühmliches Ende dieser Bauernunruhe. Aber die zugrunde liegenden Probleme waren natürlich nicht gelöst und das sollte immer wieder auftreten, solche Unruhen in der Bauernschaft.
[31:21] Am 23. August kam es zwar in der weltgeschichtlich bedeutsamen Schlacht in Ostanatolien. Die Osmanen besiegt in der Schlacht bei Chaldiran, die persischen Sassaniden. Und hier sieht man das Zeichen der Schlacht und eroberten ganz, ganz erheblichen Teil, was der Landkarte hier sehen kann. Dort, wo dieses gekreuzten Schwerter sind, fand die Schlacht statt. Und so kam dieser ganze Teil jetzt an das Osmanische Reich. Die hier, dass die diese Ostgrenze ist bis heute im Wesentlichen die Ostgrenze der Türkei. Hat sich also kaum verändert seit damals.
[32:04] Im August begann Kaspar Cramer, 26 Jahre alt, seinen Predigtdienst in Bern. Und am 8. September wurde der Vorwärtsdrang des Großfürstentums Moskau erst einmal gestoppt in der Schlacht bei Orscha. Konnten sich Polen und Litauen den den Russen entgegenstellen.
[32:32] Am 9. Oktober wurde dann der Friedensschluss zwischen Frankreich und England auch mit der entsprechenden Hochzeit besiegelt. Der schon 52 Jahre alte Ludwig XII. heiratete die gerade erst einmal 18-jährige Tochter des englischen Königs Mary Tudor. Und damit sollte jetzt erst einmal, so war derweil die Hoffnung, für längere Zeit Frieden zwischen diesen beiden europäischen Mächten herrschen.
[33:02] Luther erfuhr dann im Dezember über Spalatin, mit dem sich jetzt eine regelmäßige Korrespondenz herausbildete, dass der Kurfürst selbst ihn gelobt hatte. So hatte es im Spalatin geschrieben: "Der junge Doktor der Theologie, reduziert, war beliebt bei den Studenten. Seine Auslegung der Psalmen war in vieler Hinsicht auch neu, vielmehr auf die praktische Umsetzung bezogen. Das Evangelium wurde schon immer klarer in seinen Ausführungen, und das hat den Kurfürsten gefreut."
[33:35] Der war sehr für akademische Exzellenz und hat hier gesehen, dass seine Investition in Luther sich offenbar jetzt schon zurückzahlte. Luther hat das Lob allerdings brüsk zurückgewiesen. Es entsprach ganz seinem Naturell, dass er gar nicht gelobt werden wollt, soll. Wollte Gott, sollte man loben und nicht den Menschen. Er empfand sich nur als das hilflose, bedürftige Instrument in der Hand Gottes. Und ihm war so menschliches Lob fast ein bisschen zu wie der fast ein bisschen gefährlich, weil es ihn ja stolz machen könnte. Und interessante Sache, die man hier von Martin Luther lernen kann.
[34:15] Die Angriffe aus Erfurt waren nicht weniger geworden und so musste Luther am 21. Dezember sich erneut brieflich damit beschäftigen. Dann noch einmal ausführlich den Ordensbrüdern erklärt, dass er sich keiner Schuld bewusst war, dass er keinen Eid geschworen hatte, jedenfalls konnte sich an keinen erinnern, wonach er in Erfurt zur Doktorwürde promovieren würde.
[34:51] Er gab aber zu, dass er sich als langjähriger Student in Erfurt durchaus besser an die allgemeinen Regeln hätte halten können und sich auch für die speziellen Regeln bezüglich der Doktorpromotion besser interessieren können. Und so bat er dann etwas zuvorkommend und auf sie zugehen um Vergebung.
[35:12] Auch sehr schön, wie das hier schreibt und sehr nachahmenswert in der Geisteshaltung. Er sagt: "Deshalb suche ich nicht eine heftige Verteidigung des Rechts, sondern bringe gebunden und Cristo ein einfaches Bekenntnis vor. Denn auch der allgemeine Schwur bedrängt mich genug. Haben, was auch immer im Besonderen die Unwissenheit hier zu entschuldigen scheidet."
[35:29] Sagt also, obwohl ich im Detail meine Unwissenheit beweisen kann, weiß ich doch, dass ich im Allgemeinen gesehen durchaus auch etwas schuldig geworden bin. Und statt jetzt auf mein Recht zu pochen im Detail, will ich grundsätzlich meine Schuld einräumen und euch bitten, dass sie mir vergebt.
[35:48] Interessanterweise sagt er dann auch in dem Brief, dass wenn sie nicht Schuld und Strafe erlassen können, sie ihm bitte lieber die Schuld erlassen, aber nicht die Strafe.
[35:57] Das passt sehr gut zu dem zu dieser Theologie, die Luther beginnt herauszuarbeiten, dass es wichtiger ist, dass man die Schuld vergeben bekommt und lieber die Strafe erduldet, als dass die Strafe weggenommen wird und die Schuld bleibt.
[36:13] Schon bald würde die Soziologie entwickeln, dass ein wahrhaft gerechter, eigentlich die eine wahrhafte, bußfertiger Mensch, die echte Reue zeigt, die Strafe eigentlich fast liebt und die die Sünde hasst, während der mit falscher Reue zu Gott kommt, die Sünde liebt und die Strafe hasst. Es gab war also etwas, das er nicht nur theologisch so formuliert hat, sondern was wirklich sich auch in seinen persönlichen Angelegenheiten, in seinen Briefen dann wiederfindet.
[36:47] Johann Calvin, fünf Jahre alt, er das später einmal als Jean Calvin bekannt werden würde, als seine Mutter starb. Das war ein wahrscheinlich tiefes, traumatisches Erlebnis für ihn. Sie war eine hat ihm besonders im Christentum und verwiesen, sie eine ganz treue Anhängerin Roms gewesen. In der Picardie ist er ja aufgewachsen in New York und sie hat er mittlerweile nach immer noch vier weitere Kinder bekommen. Also und dann ist sie gestorben und das hat ihn sicherlich stark geprägt.
[37:18] Ulrich von Hutten kam nach mehreren Jahren in Italien jetzt im Jahre 1514 wieder zurück. 26 Jahre alt war er, und ihm war eine mögliche Anstellung bei Albrecht von Mainz versprochen worden. Gönner von Roten hatten das vermittelt, und Albrecht als großer Freund des Humanismus war natürlich interessiert an solchen begabten, jungen, dynamischen Gelehrten wie Ulrich von Hutten. Er war einer, der zunehmend große Abenteurer war, wie wir gesehen haben.
[37:53] Und dort in Mainz traf dann Hätten auch auf Erasmus und dem überreichte er ein Manuskript, das bald schon die Runde machen sollte. Ein Manuskript von den sogenannten Dunkelmännerbriefen. Das war ein anonym verfasste Briefe, Attacken auf die Kölner Theologen, die gegen Reuchlin vorgegangen waren. Und diese Briefe, dieses Schriftstück waren voller Parodie und Sarkasmus und eine echte Attacke gegen die Scholastiker der akademischen Welt.
[38:32] Und gab sie Erasmus, damit er daher ein besonders begnadeter Satiriker war, drüberschauen könnte und auch ein bisschen ihm Tipps geben könnte. Hutten hatte die Idee, Mainz jetzt mit Albrecht von Brandenburg als dem Erzbischof dort zu einem echten Zentrum der großen humanistischen Bewegung in deutschen Landen zu machen.
[38:53] Agostino Mainardi, der Augustinereremit, ist in diesem Jahr von Florenz in das Kloster Zinna versetzt worden. Wenn Selinka, der Freund Luthers in Wittenberg, ist erneut Dekan der theologischen Fakultät geworden. Paulus Berater, der aus Ellwangen kam und in Freiburg, Paris und Wien studiert hatte, als Doktor der Theologie, des Rechts und der Philosophie wurde er jetzt Priester in Salzburg. Und auch von ihm werden wir mehr hören.
[39:26] Johannes Eck veröffentlichte eine ein besonderes theologisches Werk mit dem Titel "Krise". Passus darum, daher ging es um die darin ging es um die Prädestination. Das sieht man an diesem Bild hier als Deckblatt. Da geht es nicht um Gott und Esau und Jakob und die und die Frage, mit der etliche Theologen zu der Zeit auch schon gerungen haben, wir die Frage: Hat Gott Menschen zum Heil vorherbestimmt? Ja oder Nein? Ein Thema, das auch kurze Zeit später Luther beschäftigen würde.
[39:59] Außerdem hat Johannes Eck in diesem Jahr etwas sehr Interessantes getan. Er hat öffentlich in einer Disputation die Geldverleiher und die Leihe von Geld und den Zinsen verteidigt. Das war zwar allgemein als allgemeine Gewohnheit wurde, aber theoretisch theologisch verpönt. Alle Taten ist aber es galt als nicht richtig und aus wirtschaftlichen Gründen hatte Johannes Eck jetzt versucht, das zu verteidigen, was ein ziemliches Aufsehen erregte.
[40:30] Also, dass in einer Disputation in Augsburg tat Kaspar Gürtel, der bisher als Weltpriester gewirkt hatte, ging in diesem Jahr ein Augustinerkloster auch in Neustadt an der Orla. Sein Gewissen hat ihm keine Ruhe gegeben, so schreibt er später. Und auch er wird noch als Reformator in Erscheinung treten.
[40:53] Johannes Lünig, ein anderer aus Butzbach, wurde sogar Karthäuser, nicht Augustiner, ihre mit wie die meisten anderen der Reformatoren, die im Kloster gewesen war, sondern ein Karthäuser. Das waren somit die strengsten der Strengen, die besonders abgeschieden und asketisch gelebt haben.
[41:14] Wer seine Kinder und Jugend ist uns leider gar nichts bekannt. Martin Klaas, von dem wir öfter schon gehört haben, hier wurde Magister in Freiburg. In diesem Jahr Johannes Lachmann wurde nach Heilbronn gerufen, um dort als Pfarrverweser zu arbeiten. Er hatte zuvor als humanistische Vorlesungen gehalten, wohl in Heidelberg.
[41:33] Johann Draconis wurde in Erfurt Magister. Robert Burns studierte in der Zeit in Cambridge und Sebastian Frösche, 17 Jahre alt, in Leipzig bei Georg Held, sowie Konrad Gräbel mit 16 Jahren in Basel, eine bei einer musikalischen Universalgelehrten namens Clara. Ebenfalls begann sein Studium.
[42:00] Johannes Brenz mit ungefähr 14, 15 Jahren. Er kam aus Weil der Stadt in Württemberg. Und obwohl das damals eine Reichsstadt war, nicht zu Württemberg gehört. Und er begann sein Studium in Heidelberg. Auch über seine Kindheit ist so gut wie nichts bekannt. Er tritt hier quasi so ein bisschen in die Geschichte der Reformation hinein.
[42:21] Sowie auch Pietro Mariano Varese, der gleichaltrige aus Florenz, in ein Kloster der Augustinerchorherren eintrat. Erle sich schon sehr früh für das Priestertum interessiert. Ganz jung war noch Johannes Matthesius, zehn Jahre alt, war, als er vom Vater so langsam auf den Bergwerksberuf vorbereitet wurde.
[42:45] Er wurde Hilfsschreiber in einer Zeche haben die Junker Berg unterzeichnet, Junckerberg und auch in Vogelsang. Und dieser junge hatte eine ungeheure Liebe für die Natur, für Botanik, für Mineralogie. Und das hat ihn natürlich sehr gut getan, hat in dem Bergbau zu arbeiten. Seine Mutter war sehr früh gestorben und sein Vater, den äußersten liebevoll christlich-religiös erzogen.
[43:13] Oswald Geiss, bis 26 Jahre, wurde nach vier Jahren Studium in Basel an der Lateinschule von der Tudor-Kirche, die man hier im Bild sieht, Schulmeister. Und hier machte er die Bekanntschaft mit Erasmus von Rotterdam, der ihm auch den Namen Myconius verlinkt wird. Es damals üblich war, lateinische, griechische Namen zu bekommen.
[43:41] Dass Erasmus traf, lag unter anderem daran, dass Erasmus jetzt zumindest zeitweise seinen Hauptwohnsitz nach Basel verlegt hat. Er pendelte immer so ein bisschen hin und her zwischen England, wo er immer noch Aufgaben hatte, und auch Basel, wo er gute Möglichkeiten vorwand, seine Werke und Editionen drucken zu lassen.
[44:05] Noch eine interessante Notiz aus dem Jahre 1514. Kardinal Francisco Jiménez de Cisneros ließ in diesem Jahr erste Exemplare eines griechischen Neuen Testaments drucken. Die Idee war eigentlich, das gesamte, die gesamte Bibel, also das Alte Testament in der Septuaginta als auch das Neue Testament zu veröffentlichen. Aber man wartete noch auf die Fertigstellung des Alten Testaments und auch auf die Erlaubnis des Papstes, überhaupt so eine Urtextausgabe auf den Markt bringen zu können.
[44:43] So hat sich diese Ausgabe nie wirklich verbreitet, aber Erasmus wusste davon und hört Reformen und hatte gleichzeitig selbst ein Projekt, nämlich er wollte ebenfalls den griechischen Urtext der Öffentlichkeit zugänglich machen.
[44:59] Und haltet, also klar war, dass zwischen Ross relativ weit war, dass der erneut das neue System es eigentlich schon vorlag. Hat sich jetzt Erasmus sehr beeilt, seinerseits Manuskripte zu suchen, um hoffentlich in der Gesamtausgabe dann oder was den, was die, was die Öffentlichkeitswirksamkeit angeht, dem Cisneros vorher zu kommen.
[45:23] Manuel, der erste König von Portugal, gegen die Geschichte ein als die erste Person überhaupt und auch die einzige Person bis zum heutigen Tag, die zwei goldene Rosen vom Papst bekommen haben. Der Manuel, ganz besonders tolles Kind der katholischen Kirche und Papst Leo X. hat in dieses besondere Privileg gemacht, meine zweite goldene Rose zu verleihen.
[45:48] Ebenfalls aus dem Jahr datieren zwei der berühmtesten Kunstwerke von Dürer: Die Melancholia und der Heilige Hieronymus im Gehäuse. Äußerst mysteriöse Werke, die bis heute sich an der völligen Interpretation entziehen.
[46:08] Und dann, dann muss man eine unglaubliche Sache noch vermerken, bevor dieses Jahr schließt. Nämlich zu Weihnachten taucht plötzlich Tetzel wieder auf. Wir erinnern uns, genau derselbe Tetzel, der eigentlich schon Jahre zuvor von Maximilian dem Ersten zum Tode verurteilt war, für den sich der Kurfürst Friedrich III. eingesetzt hatte, um ihn zu begnadigen. Er, der unter lebenslangem Hausarrest stehen sollte, taucht im Weihnachtsfest 1514 ins Mikro wieder auf.
[46:38] Als ein Kritiker des Atlas. Offensichtlich hat man das mit der Strafe nicht allzu genau genommen, war Gras über die Sache gewachsen und Tetzel war wieder unterwegs. Und das leitet im Wesentlichen die engere Reformationsgeschichte jetzt wirklich ein, die wir in den nächsten Folgen behandeln werden.
[46:57] Luther wusste natürlich noch nichts von einem Test, aber aus dieser Zeit aus der Weihnachtszeit 1514 sind uns die ersten Predigten von Luther überliefert, die er gehalten hat. Darunter einige sehr interessante Predigten direkt zur Zeit des Weihnachtsfestes. Zum Beispiel eine Predigt am 25. Dezember über das innere Wort im Herzen. Da zeigte sich ganz intensiv der Einfluss von Augustinus.
[47:30] Und dann am 26. Dezember machte Luther in einer Predigt die überaus bemerkenswerte Aussage: "Hätte schon ständig in den Predigten hat, also schon seit einiger Zeit gepredigt. Er hätte ständig in allen Predigten gesagt, dass die eigenen Werke gar nicht retten können, sondern dass wir uns wie kleine Küken unter die Flügel der Henne Jesus begeben müssen."
[47:53] Und in einer Zeit, in der die Kirche lehrt, in der die Akademie gelehrt und die Menschen glaubten, dass man durch gute Werke durchaus sich etwas verdienen kann, hat diese Predigt schon zur Weihnachtszeit 1514 an es erregt. Nun, Luther hat zu dem Zeitpunkt selbst noch ein ganz kleines wenig festgehalten an so einem ganz, ganz kleinen guten Kern, den Menschen, den er gar nicht betonen wollte, den man auch gar nicht erwähnen sollte, aber den da immer noch für gegeben hier. Das hat sich dann später geändert, aber es zeigt schon, wie weit Andy Slaughter in gewisser Weise schon diese Idee entwickelt hatte, dass man allein auf Christus hoffen muss für die Erlösung.
[48:32] Und dann am 27. Dezember, einen Tag später, berichtete er der Predigt über die Probleme, die er persönlich hat mit der scholastischen Theologie, weil dort wird gelehrt, wer sich bekehrt, war vorher total der Sünder und ist sofort ein Heiliger. Aber Luther weiß aus eigener Erfahrung, so einfach ist das nicht.
[48:49] Erfahrung, so einfach ist das nicht. Die Sünde ist nicht plötzlich weg. Es gibt einen echten Kampf, immer wieder. Fällt auch der Gläubige in Sünde, und das hat Luther angefochten. Obwohl er sich schon so tief in die Bibel hineinversetzt und hineingearbeitet hatte, anderen schon zu einem großen See geworden war, hat er selbst immer noch gerungen um diese Frage mit der Erlösung und mit der Sünde. Und wie ist das jetzt genau? Und warum falle ich nochmal, obwohl ich doch eigentlich schon Jesus angenommen habe? Immer wieder in das Hin und Her, und man merkt man so ein bisschen seine fast eine Verzweiflung bei dem Luther, der immer gedacht hatte am Anfang, dass er nur irgendwann einen Stand erreicht haben müsste, von dem alles aus dann okay ist. Was das war nicht der Fall.
[49:37] Und so haben diese Anfechtungen immer wieder eingeholt, ihn regelrecht geplagt. In der nächsten Folge werden wir sehen, wie diese Anfechtung dann ihn zu einer neuen Wegmarke geführt haben, zu einem seiner neuen Wegscheide. Dann wird es heißen in Teil 19: "Die Liebe". Das haben wir das Jahr 1515 behandeln werden. Bis dahin wünschen wir Ihnen Gottes reichen Segen und hoffen, dass Sie bald wieder einschalten hier auf www.joelmedia.de, wenn es heißt: "Sola Veritas - Die wahre Chronik der Reformation".