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Sola Veritas – Die Wahre Chronik der Reformation

500 Jahre ist die Reformation alt: wird sie fortgeführt oder begraben? Wie verhalten sich Luthers Erben und was wird aus seinen (Wieder)entdeckungen? All das sind wichtige Fragen. Doch beantworten kann sie nur, wer das Reformationsgeschehen selbst gründlich kennt. „Sola Veritas – Die wahre Chronik der Reformation“ bietet weitaus mehr als die üblichen bekannten Zusammenfassungen und Anekdoten. Ausgehend vom Jahre 1482 wird alles chronologisch erzählt, was weltgeschichlich und biographisch (sowohl bezüglich Luther als auch vieler anderer, zum Teil sehr unbekannter Reformatoren) wichtig war. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt des Spätmittelalters, erleben sie das zaghafte Aufblühen von Wissenschaft und Kultur, verfolgen sie die Debatten um philosophische und theologische Streitfragen und entdecken sie Schritt für Schritt mit Luther und seinen Mitkämpfern befreiende biblische Wahrheiten. So wird Kirchengeschichte lebensnah und endlich gut verständlich…. Neue Folgen wöchentlich, bzw. wenn es die Zeit erlaubt. Ein Programm von www.joelmediatv.de

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In dieser Folge von Sola Veritas blickt Christopher Kramp auf das Jahr 1515 und die Entwicklungen, die die Reformation maßgeblich beeinflussten. Im Fokus stehen Martin Luthers Ringen mit der Prädestinationslehre und die tiefgreifenden Gespräche mit Johann Staupitz, die ihm zu einem neuen Verständnis der Liebe Gottes verhalfen. Gleichzeitig beleuchtet die Episode politische Umwälzungen in Europa, wie den Tod Ludwigs XII. und den Aufstieg Franz‘ I. sowie Karls V., und thematisiert die Einführung des Petersablasses durch Papst Leo X., der eine zentrale Rolle in den späteren Ereignissen spielen sollte.


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Serie: Sola Veritas - Die wahre Chronik der Reformation

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Transkript

[0:37] Herzlich willkommen zu Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation. Hier auf www.joelmedia.de. Schön, dass Sie wieder eingeschaltet haben zu einer weiteren Folge in der Geschichte der Reformation und der Lebensgeschichte der Reformatoren. Bevor wir mit der heutigen Folge beginnen, wollen wir einer guten Gewohnheit nachkommen und ein Gebet sprechen. Und ich lade Sie dazu ganz recht herzlich ein.

[1:00] Lieber Vater im Himmel, wir danken dir, dass wir erneut die Gelegenheit haben, aus der Geschichte zu lernen, dass wir sehen können, wie Menschen, die du geführt hast, durch die Bibel gestärkt worden sind und neue Wahrheit und neue Erkenntnis gewonnen haben, die die Weltgeschichte verändert hat. Wir möchten dich bitten, dass du durch den Heiligen Geist auch uns zeigst, wie deine Botschaft, wie dein Evangelium heute eine verändernde Kraft sein kann in unserem Leben und auch in der Gesellschaft. Und so möchten wir dich bitten, dass du uns die Augen aufmachst für die Lektionen, die du in die Geschichte hinein geschrieben hast. All das bieten wir im kostbaren Namen Jesu. Amen.

[1:59] Teil 19: 1515 – Die Liebe Gottes. Das Jahr 1515 war erneut ein Jahr der Krise für Martin Luther. Erneut kam er in Glaubensfragen zu Ringen. Das hatte vor allem mit einer Idee zu tun, einer theologischen Idee, die zu seiner Zeit sehr verbreitet war in den Köpfen der Theologen und Akademiker: die Idee der Prädestination. Man schlussfolgerte aus bestimmten Bibelversen, dass Gott im Voraus Menschen zum ewigen Heil vorherbestimmt und andere zur ewigen Strafe vorherbestimmt hatten. Die Bibelverse, die dazu oft gebraucht wurden, zum Beispiel Römer 8, Vers 29: "Denn die ihr zuvor ersehen habt, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bild seines Sohnes gleich gestaltet zu werden, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern." Was Luther Sorgen bereitete, waren natürlich die Fragen: Bin ich überhaupt von Gott vorherbestimmt? Oder mühe ich mich vielleicht umsonst ab und kann das Heil gar nicht erreichen? Diese Fragen haben ihn sehr umgetrieben.

[3:11] Das lag natürlich vor allem daran, weil die mittelalterliche Theologie nicht wirklich erkannte, dass dieser Vers nur davon sprach, dass Gott im Voraus weiß, wer sich für ihn entscheidet und wer sich gegen ihn entscheidet. Mit anderen Worten: Das Vorherwissen Gottes wurde verwechselt mit einer Art Programmierung, die vor Gott bereits dem Menschen sein Schicksal sozusagen vorschreibt. Und dieses Missverständnis führte jetzt also für Luther zu ganz erheblichen Seelenqualen, die ihn viele Monate beschäftigten und echte Anfechtungen darstellten.

[3:49] Das Jahr 1515 brachte auch politisch einiges Neues. Zunächst einmal gleich am allerersten Tag, am 1. Januar, da starb der französische König Ludwig der Zwölfte, der jahrelang um die Vorherrschaft in Europa gekämpft hatte. Nach längerer Krankheit – er hat ja nur wenige Monate zuvor noch einmal die ganz junge englische Prinzessin Mary Tudor geheiratet, seine dritte Frau. Er hatte nämlich keine männlichen Nachkommen gehabt, und so starb sein Adelshaus, seine Linie im Mannesstamm aus. Der Nachfolger wurde ein entfernter Cousin, Franz der Erste, aus dem Haus Valois. Der war 20 Jahre alt und hatte ganz frische Ideen für die Führung des französischen Königreichs.

[4:40] Vier Tage später, am 5. Januar, wurde der spanische Thronfolger Karl, der wenige Jahre später auch als Karl der Fünfte in die Reformationsgeschichte einsteigen wird, von den niederländischen Generalstaaten für volljährig erklärt. Er war 15 Jahre alt und war der Fürst von Flandern. Am 19. Januar wurde der spätere Reformator Sebastian Franck in Guben, was damals zu Böhmen gehörte, geboren. Und der französische König, der neue, wurde am 25. Januar dann gekrönt und er begann direkt dort weiterzumachen, wo sein Vorgänger aufgehört hatte, nämlich im Streit um Norditalien. Man hatte ja immer noch aus französischer Sicht den Anspruch, dass das Herzogtum Mailand zu Frankreich gehören sollte.

[5:34] Und da begann jetzt wieder eine Krise, ein diplomatischer Streit mit den Eidgenossen, die ebenfalls in Mailand Interesse hatten. Und das Ziel von Franz dem Ersten war es, nachdem man in den Jahren zuvor aus Italien zurückgedrängt worden war, die französischen Ansprüche in Norditalien wieder zu bestätigen.

[5:57] Am 12. Februar starb einer der sieben Kurfürsten, Erzbischof Philipp der Zweite von Daun, Erzbischof von Köln. Sein Nachfolger wurde Hermann der Fünfte von Wied, der allerdings noch, wie das ja mal üblich war, erst noch zum Priester und Bischof geweiht werden musste. Und dann brach im März in der Steiermark, vor allem in der Untersteiermark im Süden, ein Bauernaufstand aus. Immer wieder haben wir in diesen Jahren schon in anderen Folgen gesehen, erhoben sich Bauern, weil sie unzufrieden waren mit ihrer Lebenssituation. Hier kam es zu dem sogenannten "windigen Bauernkrieg".

[6:39] Am 24. März versprach Karl der Fünfte im Vertrag von Paris, die noch vierjährige Prinzessin von Frankreich später einmal zu heiraten. Damit sollte die sich abzeichnende Konfrontation zwischen dem Habsburger – Karl, ja, in Spanien Thronfolger war – und dem französischen Königshaus etwas abgemildert werden und durch die dynastische Verbindung hier eine Kooperation erreicht werden.

[7:13] Und dann am 31. März, eines der vielleicht wichtigsten Ereignisse des Jahres, ein Ereignis, das die Reformationsgeschichte in gewisser Weise auch richtig angestoßen hat: Papst Leo der Zehnte verkündete an diesem Tag einen Generalaudienz mit der Bulle "Sacrosanctis". "Salvatoris redemptoris nostri Petri" – ein Ablass gedacht für den Neubau der Peterskirche. In dieser Bulle hat Papst Leo ganz offen das finanzielle Interesse des Papstes angesprochen. Wurde gar nicht drum herum geredet: Man bräuchte das Geld für den Aufbau des neuen Petersdomes und entsprechend sollte es eingetrieben werden. Acht Jahre lang sollte dieser Ablass gewährt werden, der alle anderen Ablässe, die vorher so gültig waren, die vorher schon mal so erlassen worden waren, aufheben sollte.

[8:10] Mit diesem neuen Ablass, diesem Petersablass, konnten fast alle Sünden vergeben werden, nur einige wenige Ausnahmen, die vom Papst extra definiert wurden, sind angegeben worden. Außerdem verfügte der Papst, dass die Predigt des Ablasses immer unter allen Umständen an jedem Ort Vorrang habe vor allen anderen Predigten. Mit anderen Worten: Wenn ein mit dem Petersablass beauftragter Ablasspilgerort kam, würde er immer die Priorität, hätte immer das Vorrecht, eine Predigt überall zu halten, wollen, möchte, und alle anderen vorgesehenen Predigten hätten dahinter zurückstehen müssen. So die Idee: Wer den Ablasshandel behindern würde, wurde vorsorglich schon einmal unter Strafe gestellt.

[8:59] Dieser Ablasshandel sollte ja – und das war ja der Deal, den die Fugger schon ein Jahr zuvor mit Mainz, Kurmainz, dem Albrecht von Brandenburg, der doch noch Erzbischof geworden war, eingefädelt hatten. Zur Hälfte da natürlich auch für Mainz sein – und der Papst erhoffte sich von den restlichen großen Einnahmen dann, dass in den nächsten Jahren der Bau des Petersdomes finanziert werden könnte. Beauftragt wurden zunächst einmal die Franziskaner, diesen Ablass zu predigen. Aber die Zeitgenossen hatten interessanterweise kein sonderliches Interesse daran. Und so lief dieser Ablasshandel, dieser neue, besondere Ablasshandel für die Peterskirche, erst einmal recht schleppend an.

[9:45] Sommersemester 1515: Studierte dann Petrus Mosellanus in Leipzig. Er war zuvor in Köln gewesen. Und Franz der Erste ließ seinen Worten Taten folgen. Der neue Dschungelkönig Frankreichs führte ein 55.000 Mann starkes Franzosenheer in die Lombardei über die Westalpen Frankreichs in die norditalienische Ebene, um dort seine Ansprüche auf das Herzogtum Mailand durchzusetzen.

[10:20] Ebenfalls im Frühjahr sehen wir Justus Jonas. Der, ja, eine Zeit lang in Wittenberg gewesen war, aus als er geflohen war vor den Unruhen in Erfurt. Er hatte den Kontakt nach Erfurt nie abreißen lassen, und als es sich jetzt in Erfurt beruhigt hatte, die politische, angespannte Situation, kehrte er nach Erfurt zurück. In Wittenberg hatte er sich vor allem mit Spalatin angefreundet, hat auch gerne die Predigten von Luthers Freund Wenzeslaus Link besucht. Jetzt in Erfurt schloss er sich aber zunächst einmal wieder dem Humanistenkreis an und wurde in diesem Kreis eine immer wichtigere Rolle. In diesen Jahren hat er – ja, wir haben schon in anderen Folgen beschrieben – der Humanismus in Erfurt eine immer mehr abgrenzende Haltung gegenüber der vorhergehenden Scholastik eingenommen.

[11:18] 29. April 1515: Die Augustinereremiten trafen sich nach drei Jahren wieder zu einem großen Konventualkapitel, zumindestens aller Observanz-Augustinereremiten, das heißt, alle, die zu dieser recht reformierten Richtung im Augustinerorden hielten, trafen sich zu einer Generalversammlung aller Absolventen. Nicht in Köln, zu sagen, das war drei Jahre zuvor der Fall gewesen, sondern diesmal in Gotha. Und auf dieser Versammlung ist Luther befördert worden, und zwar zu einem sogenannten "Distriktsvikar". Er war jetzt sozusagen Leiter über einen Bezirk, einen Distrikt von zehn Konventen, zehn Klöstern waren jetzt unter seiner Aufsicht in Meißen und in Thüringen. Das heißt, er war dem Rang nach jetzt sogar seinem Prior, seinem Klosterhaupt in Wittenberg, überstellt.

[12:20] Das bedeutete für den jungen Professor, dass er jetzt eine ganze Reihe von enormen Verantwortungen auf sich nehmen musste. Er hatte auch die finanziellen Angelegenheiten der Klöster zu verantworten. Das Ganze war unter anderem auch deswegen möglich gewesen, weil Staupitz mal wieder sehr für den jungen Doktor aus Wittenberg eingesetzt hatte und ihn vor dem Konventualkapitel in den höchsten Tönen gelobt hatte. Und so kam Luther jetzt zu dieser wirklich sehr wichtigen Aufgabe, zehn Klöster unter sich zu verwalten.

[13:00] Im Zuge dieses Kapitels hat Luther auch selbst dort gepredigt vor den Brüdern. Nach wie vor hat er zu kämpfen, dass die alten Brüder aus Erfurt schlecht über ihn redeten. Wir müssen der letzten Folge schon gesehen, auch in den Briefen, die er geschrieben hat. Und Luther nutzt die Gelegenheit hier vor der gesamten Versammlung, über das Laster der üblen Rede zu predigen. Und damit hat er sich ganz offensichtlich auch etwas zur Wehr gesetzt gegen die Erfurter, die nach wie vor zum Teil schlechte Dinge über ihn verbreitet haben. Staupitz stand ja ohnehin auf seiner Seite.

[13:45] 3. Mai: Papst Leo der Zehnte bestimmte in der Bulle "Inter solictudinis", dass alle zu druckenden Bücher zuerst von einem Inquisitor, einem Bischof oder einem anderweitig beauftragten, freigegeben werden müssen. Diese neue Technologie des Buchdrucks war der Kirche suspekt. Zu viele "ketzerische" Werke waren bereits von der Presse gegangen, und das war also jetzt die Reaktion, mit der man versucht hat, diese neue Technologie zu bändigen und zu zähmen. Jedes Buch muss zuerst sozusagen durch die Zensur.

[14:35] Drei Tage später kam es zu einem dramatischen Ereignis, das vor allem dann auch für Ulrich von Hutten große Bedeutung hatte. Sein Bruder Hans von Hutten war schnell Stallmeister beim württembergischen Herzog Ulrich gewesen, hatte dort einige Zeit lang gedient. Dann kam es zum Eklat, weil er geheiratet hatte, nämlich die bis dahin heimliche Geliebte des Herzogs. Das hat ihm Herzog Ulrich nicht verziehen. Und am 8. Mai, zwei Tage später, im Schönbuch, südlich von Stuttgart, bei einer gemeinsamen Jagd, eigenhändig ermordet.

[15:16] Das war für Ulrich von Hutten natürlich ein Schock. Sein Bruder tot, weil der Landesherr eifersüchtig gewesen ist. Und Ulrich von Hutten hat dann nicht lange gezögert, hat beim Kaiser Maximilian eine Klage eingereicht. Insgesamt hat Ulrich nicht viel dadurch gewonnen durch diesen Mord. Seine eigene Ehefrau, die das dann auch mitbekommen hat, hat sich von ihm losgesagt. Hatte noch ein paar Tage später, dass ein Kind geboren sogar, und ihn dann auf dem Landtag in Stuttgart angeklagt. Also ziemlich – ziemlich gehören in den württembergischen Landen in dieser Zeit.

[15:57] Der sächsische Herzog Georg der entschloss sich am 19. Mai, Friesland, das bis dahin zu Sachsen gehört hatte, an Habsburg zu verkaufen, wodurch Habsburg ein wenig mehr Land gewinnt. Verzeichnen konnte eine Kuriosität: Ein Tag später das erste Nashorn auf europäischem Boden seit dem dritten Jahrhundert kam in Lissabon an, ein Geschenk aus Indien an den portugiesischen König Manuel. Hier die Zeichnung stammt von Albrecht Dürer. Das Tier ist mehrfach gezeichnet worden, hat natürlich großes Aufsehen erregt. König Manuel hat dann das Tier, wie auch schon den Elefanten vorher, nach Rom gesandt als Geschenk für den Papst. Aber dort ist es nie lebend angekommen und konnte dann nur noch tot entgegengenommen werden.

[16:54] Im April/Juni haben dann die Eidgenossen auf die französische Invasion reagiert und ihrerseits etwa 18.000 Eidgenossen zum Schutze Mailands über die Alpen Richtung Norditalien geschickt. Und unter ihnen auch Ulrich Zwingli. Der war 31 mittlerweile und als Feldprediger dort bei der eidgenössischen Armee dabei.

[17:26] Ungefähr im Spätfrühling, Frühsommer, so Mai/Juni 1515, hat man die Leute noch mal ein wirklich tiefgreifenden Schock erlebt. Er war gerade als Priester bei einer Prozession dabei. Ein neues Augustinerkloster war in Eisleben gegründet worden, und bei dieser Fronleichnamsprozession, bei der übrigens Staupitz selbst die Monstranz mit der Hostie trug, hat Luther erneut diesen Gedanken gehabt – sehen ja schon Jahre zuvor im Kloster gehabt hatte –, dass hier tatsächlich, wie das ja die katholische Lehre damals ja durchaus predigte und lehrte, der Weltenrichter Christus in diesem Brot leibhaftig gegenwärtig sei.

[18:14] Und Luther ist so zusammengeschreckt bei diesem Gedanken, dass er bei der nächsten Beichte dem Staupitz davon erzählt hat und von seiner tiefen Anfechtung, von seinen tiefen Glaubenszweifeln berichtet hat. Und Staupitz hat jetzt mit dieser Gelegenheit erneut, wie schon mehrfach zuvor, dem Luther versucht, die Grundlagen des Evangeliums da einmal ganz deutlich zu machen. Und gerade diese Gespräche 1515 müssen eine entscheidende Wende im Leben von Martin Luther noch einmal gewesen sein.

[18:53] Er hat den jungen Luther erneut auf die vergebene Gnade des Erlösers Jesu Christi hingewiesen. Und Luther hat ganz langsam angefangen zu verstehen, dass tatsächlich Gott liebevoll ist. Staupitz hat im Versuch zu erklären, dass die Liebe Gottes nicht das Ziel der christlichen Erfahrung ist, sondern der Urgrund, das Fundament für Gottes Liebe. Können wir überhaupt Buße haben, weil Gott Liebe ist? Können wir zu ihm kommen? Wir müssen nicht erst selbst Buße erzeugen und empfinden, um zu Gott zu kommen. Luther hatte dieses verquere Denken, das eigentlich aus der katholischen ... herauskam, dass man irgendwie selbst sich zerknirschen müsste, damit man dann bei Gott eventuell Liebe finden könnte. Aber Staupitz bringt ihm diese fundamentale Wahrheit bei, dass Gott Liebe ist.

[19:50] Und auf dieser Grundlage, dieser sich nicht verändernden Liebe Gottes, beginnt jetzt Luther klarer und deutlicher den Weg zu sehen, als wenn Licht auf seinen Weg scheint, und er jetzt verstanden hatte, wie er zu Jesus kommen könnte und wie er seine Sünden bei Jesus abladen konnte. Wir sehen an dieser Tatsache, dass Luther nicht mit einem einzigen Erlebnis an einem Tag ein völlig anderer Mensch geworden ist, sondern dass er immer wieder auch zurückgeworfene Dinge erkannt hat und dann doch wieder hinterfragt hat, gezweifelt hat und in diesem Ringen auch durch die Hilfe anderer gläubiger Menschen immer tiefere Glaubensgewissheit erlangt hat.

[20:48] Was für Luther besonders beeindruckend war, war, als er sah, dass die Worte von Staupitz tatsächlich mit dem übereinstimmen, was in der Bibel stand. Auch wenn Staupitz' Worte nicht immer mit dem übereinstimmten, was die Theologen sagten oder was er im Theologiestudium gelernt hat, aber biblisch gesehen war das vollkommen richtig. Und diese Erfahrung, dass hier jemand war, dem etwas besteht, was er selbst auch in der Bibel las, aber sonst nicht wirklich gehört hat, hat den Luther sehr stark geprägt. Das Wort "Buße", das ihn so sehr gequält hat, hat jetzt so ein wenig die Aura des Unerträglichen verloren für ihn.

[21:27] Diese Erkenntnis: Gott ist die Liebe, wurde zu einem Eckstein in der sich jetzt immer klarer und deutlicher entwickelten Theologie des Martin Luther. Staupitz hat ihn auch in der Frage der Prädestination geholfen und ihm auch dort versucht zu zeigen, dass es keinen Grund gibt, an Gottes Liebe und Güte zu zweifeln. Auch wenn Staupitz sicherlich nicht bis ins letzte Detail die biblische Lehre der Vorbestimmung im Sinne des Vorwissens Gottes genau durchdrungen hat, aber eins ist ganz sicher: Diese Gespräche zwischen Luther und Staupitz 1515 sind echte Meilensteine gewesen auf dem Weg zur reformierten Theologie des Martin Luther.

[22:15] Man kann diese Bedeutung dieser Gespräche fast gar nicht überschätzen. Es war, als ob für Luther wirklich eine neue Zeit anbrechen würde, nicht von heute auf morgen, sondern immer klarer, immer deutlicher. Das Licht brach sich Bahn im Herzen von Luther, der jetzt immer mehr es Gott als einen lebenden Vater sehen konnte und nicht nur seinen richtenden, strafenden, gerechten, zornigen Weltherrscher, weil er Gott immer mehr als einen liebenden Vater sehen konnte.

[22:49] Konnte man mir Vertrauen gewinnen, das Wort Gottes und deswegen immer klarer auf das Evangelium verstehen.

[23:01] Am 12. Juli erregte Johannes Eck enormes Aufsehen, als er an der bekannten und berühmten Universität Bologna bei einer Disputation ganz offen das nominell – eigentlich immer noch verboten ist, immer noch nominell bestehende Zinsverbot – verteidigt hat. In der Praxis wurden schon längst Zinsen erhoben für Geldleihe, vor allem die Fugger haben damit großen Gewinn gemacht in Augsburg. Aber ganz offiziell war das kirchlich immer noch verpönt und verboten. Indem Johannes Eck jetzt sozusagen ganz realpolitisch sich zu diesem wirtschaftlichen, dieser wirtschaftlichen Praxis bekannte, hat er natürlich für großes Aufsehen gesorgt und ist von seinen Kritikern auch als "Futterknecht" kritisiert worden.

[23:51] Einige Zuhörer waren tatsächlich enorm entrüstet, darunter auch der 36-jährige Johannes Cochlaeus, den wir dann später noch mal wiederfinden werden in der Konfrontation mit Luther. Der als Humanist, vor allem mit Dürer und auch mit Hutten und anderen befreundet war, der mit sechs, mit 28 Jahren auch noch recht jung war, war außergewöhnlich rhetorisch begabt und gebildet. Er hat dort in Wullen auch über die Frage der Prädestination diskutiert, über die jetzt zuvor ein Buch geschrieben hatte, wie wir das in Antrag Folge auch schon notiert hatten.

[24:29] Am 15. Juli wurde im Flat zum Priester geweiht. Er war 28 Jahre alt und ebenfalls in diesem Monat wurde Williams in den Master in Oxford. Er begann jetzt mit dem Theologiestudium dort, ist aber sehr schnell enttäuscht worden, als er merkte, dass man im Theologiestudium gar nicht die Bibel systematisch studierte, sondern weiterhin eigentlich im größten Teil heidnische Philosophen vermittelt bekam. Er war sehr sprachbegabt, konnte verschiedene europäische Sprachen nach und nach fließend sprechen und hatte eigentlich großes Interesse an der Bibel, ähnlich wie der etwas ältere Martin Luther auf dem Festland.

[25:19] Am 17. Juli begann der Wiener Fürstentag. Drei große Monarchien Europas trafen sich in Wien: Kaiser Maximilian der Erste, Ludwig der Zweite, der König von Böhmen und Mähren und Kroatien, sowie dessen Bruder Sigismund der Erste, der König von Polen und Litauen. Und also quasi die drei mächtigsten Männer von Zentral- und Osteuropa. Sie wollten eine gemeinsame osteuropäische Allianz schmieden, weil die Osmanen von Südosten über den Balkan vortragen. So ein Kongress, auch wenn er nur wenige Tage dauerte, verschlang Unsummen. 200.000 Gulden mussten bezahlt werden. Maximilian der Erste, der diesen Kongress ausrichtete, war knapp bei Kasse und hat in zehn Verhandlungen die Rechte, ich die Fugger aus Augsburg gewinnen können, die einen großen Kredit zur Verfügung stellten.

[26:23] Die Eröffnungsansprache für den polnischen König hielt übrigens war die an – an – der humanistische Gelehrte, der später auch als Reformator auftreten wird.

[26:33] Ein paar Tage später kam es dann nach den

[26:35] Paar Tage später kam es dann nach den Verhandlungen zu der berühmten Doppelhochzeit in Wien. Am 22. Juli, wodurch, ja, Kindesheirat muss man fast schon sagen, diese Allianz bestätigt werden sollte. Der neunjährige Ludwig von Ungarn, der Sohn von Wladislaw, heiratete Maximilians Enkelin Maria von Habsburg, lieber auch neun Jahre. Und Anna von Ungarn, 12 Jahre alt, sollte Maximilian Enkel Ferdinand heiraten, der aber gar nicht zugegen war. So, dass der alte Kaiser Maximilian symbolisch, vertretungsweise dort am Traualtar für seinen Enkel stand.

[27:16] Abgesandte aus ganz Europa nahmen an diesem Spektakel teil, das deutlich machen sollte, dass die europäischen Staaten sich verbinden vor der Türkengefahr, wie man es damals nannte. Und war am dritten Oktober, am dritten August entstand an dieser Freundschaftsvertrag vom Heiligen Römischen Reich, Ungarn, Böhmen und Polen, Litauen. Und wir sehen an der Karte, wie sehr die tatsächlich durch die aufstrebenden Osmanen von Südosten bedrängt waren.

[27:48] Im August brach dann auch der Widerstand der niederen Bauern zusammen. Etliche für wurden hingerichtet. Wird es auch vorher in Württemberg gewesen war beim armen Konrad. Aber dieser Bauernkrieg hatte eine Langzeitwirkung. Er führte dazu, dass erstmals unter den Slowenen so eine Art Nationalgefühl entstand, die dann natürlich später einen eigenen Staat gebündelt haben. Aber das natürlich sehr viel später dann.

[28:23] Am 18. August landeten die Portugiesen auf Timor. Und noch im selben Jahr kamen dort auch die ersten Missionare an. Dort, in Südostasien, Dominikaner sollten die Ureinwohner zum katholischen Glauben missionieren. Derweil spitzte sich die Krise in Norditalien zu. Die Armeen trafen langsam aufeinander. Es gab Verhandlungen. Der französische König versuchte, die einzelnen eidgenössischen Kantone gegeneinander auszuspielen.

[29:04] Und am 7. September erhielt Zwingli in Monza eine Predigt an die eidgenössischen Soldaten und rief sie zur Einigkeit und zur Entschlossenheit auf. Er war jemand, der politisch ganz auf der Seite des Papstes stand und damit auch ein Gegner der französischen Ansprüche. Norditalien war trotzdem hatte Franz der Erste Erfolg. Zumindestens die westlichen Kantone, das heißt dann Solothurn, Bern, Biel, Wallis, Freiburg ließen sich gegen Geld dazu überreden, von dem Feldzug wieder zurückzukehren. Eine Million Kronen teilte der französische König, um diese Eidgenossen ja zum Frieden zu bewegen.

[29:54] So blieb die Armee der Eidgenossen geschwächt zurück, während sich diese Krise in Norditalien immer mehr zuspitzte. War auch Luther erneut in einer Krise. Er war als Doktorvater beschäftigt, seine ersten Doktoranden auf die Promotion vorzubereiten und hatte dementsprechend viel zu tun. Und er kam mit seinem Tagespensum nicht mehr hinterher. Und er war jetzt ja auch zuständig für mehrere Klöster und er konnte nicht mehr die vorgeschriebenen Stunden gebete, die eigentlich ganz pedantisch einzahlten, warten nicht mehr verrichten.

[30:32] Und als es dann am 9. September heftig gewitterte abends, er fürchtete er sich und glaubte, es sei eine Strafe Gottes, weil er nicht all die Gebete verrichtet hatte, die er sich vorgenommen hatte. Und daran sehen wir, wie sehr immer noch dieses Leistungsdenken ihm in den Knochen steckte, obwohl er ja intellektuell schon immer mehr das Prinzip des Glaubens verstanden hatte. Eine schöne Illustration auch für uns persönlich, die wir vielleicht oftmals den Glauben, die biblische Botschaft intellektuell schon ganz gut verstehen und trotzdem oft vielleicht auch von solchen Gedanken heimgesucht werden.

[31:22] Er glaubte, dass Gott ihn strafen möchte, weil er nicht oft genug gebetet hat. Und so hat er dann in der Nacht all diese Stunden gebete versucht nachzuholen. Und das zeigt, wie ernsthaft er wird. Er war aber auch, wie schwer es für ihn war, aus diesem Leistungsgefängnis der mittelalterlichen Frömmigkeit herauszukommen.

[31:45] Am 12. September ist dann tatsächlich, drei Tage später, sein erster Doktorand promoviert worden. Thielemann Schnabel war der Name dieses Doktor Schülers. 40 Jahre war er alt. Luther kannte ihn schon aus dem Augustinerkloster in Erfurt und hat ihn von dort dann auch später nach Wittenberg eingeladen. Dort in Wittenberg hat Schnabel studiert und entsprechend jetzt seinen Doktor in der Theologie erworben und ernannte ihn dann sozusagen zu seinem ersten theologischen Kind, das er gezeugt habe.

[32:16] Einen Tag später, am 13. September, kam es dann zur Schlacht um das Herzogtum Mailand, die sogenannte Schlacht bei Mariano, die Zwingli dann aus allernächster Nähe miterlebt hat. Die Schlacht begann eigentlich fast zufällig. Ein Scharmützel an den Stadttoren Mailands weitete sich aus. Und der eidgenössische Kardinal Schinner, der die Fäden zog und diesen Krieg auch mit zu verantworten hatte, hatte die Soldaten angefordert, endlich anzugreifen.

[32:54] Und so begann die Schlacht zwischen den Franzosen und den Eidgenossen relativ spät, um 15 Uhr. Die Schweizer waren drei, was man damals hatte, Gewalt Haufen aufgeteilt. Insgesamt waren es 22.000 Schweizer, denen gegenüberstanden eine Armee aus Franzosen, die weitaus größer war, allein 16.000 Franzosen plus noch einmal 17.000 Landsknechte, also Söldner, höchstwahrscheinlich größtenteils aus dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, und dann noch einmal 12.000 Venezianer.

[33:28] Trotzdem konnten die Eidgenossen für viele Stunden das Schlachtfeld behaupten, bis die Dunkelheit anbrach. Und dann passierte, was durchaus kurios. Beide Armeen übernachteten auf dem Schlachtfeld und setzten am nächsten Morgen, am 14. September, die Schlacht fort. Gegen 10 Uhr kam dann die Kavallerie Venedigs zum Einsatz, und die brachte die Entscheidung. Die Eidgenossen mussten sich zurückziehen.

[33:57] In der traditionellen Geschichtsschreibung heißt es, dass dies der erste geordnete Rückzug einer großen Armee seit der Antike gewesen sein soll. Ob das stimmt, ist bei Historikern umstritten. Es steht aber ohne Frage fest, dass diese Schlacht enorm blutig und brutal gewesen ist.

[34:22] Dieses Bild hier zeigt den Eindruck eines Augenzeugen, dessen, was er dort mit der Schlacht von Mariano erlebt hat. Und für Zwingli, der das ganze ja als Feldprediger mit eigenen Augen ebenfalls gesehen hatte, bedeutete diese Schlacht einen tiefen Einschnitt. Er hat hier im September 1515 die Sinnlosigkeit des Krieges erkannt und er begann plötzlich, er, der vorher selbst auch eigene Menschen aus dem eigenen Predigtbezirk, Pastoralbezirk in die Schlacht auch geschickt hatte, in den Jahren zuvor.

[34:58] Er begann jetzt pazifistische Vorstellungen zu entwickeln. Er hatte übrigens auch analysiert, warum es zum Krieg gekommen und hatte erkannt, dass die Kardinäle besonders als Kriegstreiber sich entpuppt hatten. Und auch hier begann sozusagen sein kritisches Denken gegen die Kirche.

[35:23] Dieses Ereignis war tatsächlich ein traumatisches für Zwingli und war ein echter Wendepunkt auf seinem persönlichen Glaubensweg. Die Eidgenossen wollten übrigens den Krieg fortsetzen. Nur wenige Tage später, am 24. September, sollte eine neue Armee über die Alpen geschickt werden. Die wurde aber schon bald dann zurückbeordert.

[35:48] Johann Forster, mit 19 Jahren aus Augsburg, immatrikulierte sich am 24. September an der Universität Ingolstadt. Die Schlacht von Mariano brachte also das Resultat, dass der französische König sich gewünscht hatte. Man kann auf der Karte sehen, war das Herzogtum Mailand jetzt wieder in französischem Besitz und Herzog Sforza musste gegen Abfindung abdanken.

[36:18] Im Oktober kam es dann noch zu einer spektakulären Sache im Heiligen Römischen Reich. Die sogenannten Dunkelmännerbriefe erschienen. Die waren anonym gedruckt worden. Hauptverfasser war wohl Johannes Reuchlin, aber auch Ulrich von Hutten scheint einen größeren Anteil daran gehabt zu haben.

[36:38] Es war eigentlich eine bitterböse Satire auf die Dominikaner, die dem Reuchlin nachspionierten und ihn verfolgten wegen seinen Ansichten bezüglich der jüdischen Bücher. Und in diesen Dunkelmännerbriefen wurden in einem satirischen Latein die Dominikaner und die Scholastiker, die akademischen, angestaubten Kleriker alle durch den Kakao gezogen. In einer zum Teil sehr derben Sprache, die auch nicht überall auf Verständnis stieß.

[37:17] Luther zum Beispiel hatte, ohne zu wissen, wer diese Briefe verfasst hat, sie abgelehnt. Und man meinte, der Verfasser sei wohl eine Art Hanswurst gewesen. Manche Dominikaner erkannten übrigens den satirischen Charakter nicht einmal und haben diese eigentlich gegen sie gerichtete Satire-Schrift zu ihren Gunsten verwenden wollen, was natürlich bei den Humanisten umso mehr gesperrt auslöste.

[37:43] Er begann dann übrigens mit seiner neuen Vorlesung, erwartet die Psalmen hindurch gekommen und hatte sich jetzt den Römerbrief vorgenommen, den er daneben schon seit einiger Zeit auch immer wieder las und studierte. Und gerade für den Römerbrief hat er sich immer wieder auch mit Augustinus beschäftigt, den er ohnehin sehr hoch schätzte als ein Lieblings-Theologen.

[38:12] Bei Augustinus fand er jetzt immer wieder auch Dinge, die mit der scholastischen Theologie, wie sie an einer Hochschule, Universität gelernt hat, nicht übereinstimmten. Und so war die Römerbriefvorlesung ein neuer Schritt in der Entwicklung seines Glaubensgebäudes. Ganz berühmt sind schon die Einleitungssätze, mit denen diese Römerbriefvorlesung beginnt.

[38:38] Da heißt es: "Die Summe dieses Briefes ist, zu zerstören, auszurotten und nichtig zu machen alle Weisheit und Gerechtigkeit des Fleisches, wie groß sie auch in den Augen des Menschen, auch bei uns selbst sein mag, und einzupflanzen, aufzurichten und groß zu machen die Sünde, wie sehr man auch der Meinung sei, dass sie nicht gäbe."

[39:04] Das klingt gewaltig und schwer. Es bezeichnet, er sage ich ganz bezeichnend für die Theologie des Luthers in diesem Stadium. Er war sich bewusst geworden, wie abgrundtief sündig der Mensch ist. Und das war ein großer Fokus. Er kritisierte an der gängigen Theologie, dass dort der Mensch besser gemacht werden, als er eigentlich sei.

[39:24] Also den Römerbrief, das sah er, wie der Paulus so ein Bild von der tiefen Verderbnis des Menschen zeichnete. Einige Beispiele für seine Auslegung hierfür: die berühmten Verse 16, 17, wo es bei Paulus heißt: "Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht, denn es ist Gottes Kraft zur Rettung für jeden, der glaubt, zuerst für den Juden, dann auch für den Griechen. Denn es wird darin offenbar die Gerechtigkeit Gottes aus Glauben zum Glauben, wie geschrieben steht: Der Gerechte wird aus Glauben leben."

[39:55] Schauen wir mal, was Luther dazu zu sagen hatte. Hier heißt es: "Die Gerechtigkeit Gottes muss unterschieden werden von der Gerechtigkeit der Menschen, die von den Werken kommt, wie Aristoteles im dritten Kapitel seiner Ethik klar herausstellt." Hier sind wir schon den sich anbahnenden Konflikt zwischen dem übermächtigen Aristoteles, der an den Universitäten fast als Gott verehrt wird, und der biblischen Botschaft. Luther beginnt das immer klarer zu erkennen.

[40:22] Weiter heißt es hier: "Demzufolge folgt Gerechtigkeit auf und liest aus Handlungen, aber gemäß Gott geht die Gerechtigkeit den Werken voraus und Werke resultieren aus ihr." Sehr klar theologisch formuliert. Und hier schreibt er: "Die Bedeutung der Passage scheint also folgende zu sein: Die Gerechtigkeit Gottes ist vollständig aus Glauben. Doch Wachstum macht sie nicht real, sondern gibt ihr nur größere Klarheit." Entsprechend 2. Korinther 3, Vers 18: "verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit."

[40:52] Also Luther hat schon auch in diesem Zustand, in diesem Moment begriffen, dass das Evangelium nicht nur allein aus Glauben ist, sondern dass es dort auch ein Wachstum im Glauben gibt, wo der Glaube nicht realer wird und die Gerechtigkeit der Trainer wird, aber klarer. Sehr schönes Bild eigentlich auch für biblische Heiligung.

[41:13] Und zu diesem Vers hier in Vers 29, als solche, die voll sind von aller Ungerechtigkeit und Schlechtigkeit, Habsucht, Bosheit, voll Leid, Mutlosigkeit, Streit, Betrug und Tücke. Solche, die Gerüchte verbreiten, sagte etwas Interessantes hier. Er sagt: "Gerecht ist, der der glaubt, und ungerecht ist derjenige, der nicht glaubt. Ein Mann, der nicht glaubt, ist gehorsam, und ein Mann, der nicht gehorcht, ist ungerecht, denn der ganze Charakter des Ungehorsams ist Ungerechtigkeit und Sünde."

[41:47] Gemäß eines Wortes von Ambrosius: "Sünde ist Ungehorsam gegenüber den göttlichen Geboten." Und dann auch hierzu Römer 2, Vers 1, wo es heißt: "Darum bist du nicht zur Entschuldigung, und Mensch, wer du bist, der du richtest, denn worin du den anderen richtest, verurteilst du dich selbst, denn du, der du richtest, verübst ja dasselbe."

[42:07] Da schreibt Luther dazu: "Oder ist es nicht ein Fakt, dass die weltlichen wie auch die geistlichen Herren schuldig sind des Stolzes, der Zügellosigkeit, des Ehebruchs und schlimmere Arten des Raubes, und dass sie Gott und Menschen missachten und ungerechte Kriege anzetteln? Das heißt, viele Sachen Mord begehen und auch strafen sie die Menschen für dieselben Verbrechen mit größter Strenge." Also hier sieht man bereits die sich anbahnende Kritik auch an der Obrigkeit.

[42:41] Augustinus war für ihn der große Leitstern in seiner Auslegung des Römerbriefes, und das würde sich in den nächsten Jahren noch intensivieren.

[42:53] Im Dezember brachen Unruhen in Zürich, auch das sogenannte Lebkuchenkrieg. Die Menschen waren verärgert und verunsichert über die Niederlage bei Mariano. Die Schweizer hatten so was wie eine Unbesiegbarkeit, musste jetzt verloren war. Und als Sündenböcke mussten einige Söldnerführer tatsächlich dann hingerichtet werden, um die aufgebrachte Menge wieder zu beruhigen.

[43:18] Die Spanier begannen unterdessen in ihren Kolonialgebieten, neben Westen, die Indianer der Araken von den sogenannten nutzlosen Inseln, diese kleinen Inseln alle überzusiedeln nach Hispaniola, wo sie als Sklaven dienen sollten.

[43:32] Was gibt es mehr zu berichten von den Reformatoren, den zukünftigen Reformatoren aus dem Jahre 1515? Hier eine kleine Übersicht: Dr. Karlstadt beginnt seine Romreise 1515. Er hatte das ja gelobt, als er überfallen worden war. Und auf dem Weg nach Rom ließ er sich dann in Italien auch noch zum Doktor des Rechts promovieren und hat dann auch eine Zeit lang in Rom selbst gewirkt und dort einige Monate verbracht.

[44:05] Luthers Freund Johann Lang warb einen nächsten akademischen Grad mit 28, wo der Bagger Laureus Publikums in Wittenberg und hat übrigens dieser Zeit auch zwei Briefe des für Ronny muss des Kirchenvaters veröffentlicht und sich gegen dieses klassische Theologie gewarnt. Also da war schon jetzt so diese Zeit des Umbruchs spürbar, nicht nur bei Luther, sondern auch in seinem engsten Freundeskreis.

[44:40] Johannes Kopp, Alkohol am Pavillon, war 33 Jahre. Mittlerweile hatte einige Jahre jetzt in Weinsberg als Prediger gedient und ging in diesem Jahr nach Basel. Dort sollte er als Prediger am Münster arbeiten. Er war vom Basler Bischof dahin berufen worden.

[45:00] Hat dort auch mit Erasmus von Rotterdam zusammengearbeitet. Wir gleich sehen werden, war der in Basel auch jetzt ansässig und sammelte dort Handschriften zur Herausgabe eines neuen Testaments auf Griechisch. Dabei braucht immer wieder jemand auch jemanden, der sich mit Hebräisch auskannte, bei dem Neuen Testament, etliche Zitate aus dem Alten Testament vorkommen.

[45:21] Und Oecolampad war sein Experte für das Hebräische. Nebenbei hat Oecolampad auch noch Theologie studiert und dort den Doktor der Theologie erworben an der Universität und eine Übersetzung diverser Kirchenväter veröffentlicht. Also sehr produktiv das Jahr 1515 für Oecolampad.

[45:46] Erasmus von Rotterdam, wie gesagt, war jetzt auch in Basel. Dort gab es gute Möglichkeiten, seine Werke zu drucken. Gleichzeitig war er immer noch auch in England beschäftigt und wurde überdies jetzt auch noch Prinzenerzieher am burgundischen Hof in Löwen.

[46:10] Pendelte also ständig zwischen den Metropolen hin und her. Und als Prinzenerzieher war es seine Aufgabe tatsächlich Karl, den späteren Karl den V., den 15-jährigen Fürst von Flandern zu erziehen, der ja potenzieller Thronfolger Spaniens war. Dort unterrichtete er auch an der Universität in Löwen und bekam ziemlichen Widerstand, weil dort die alte akademische Elite sehr stark gegen den Humanismus eingestellt war.

[46:35] Martin Bucer wurde diesem Jahr noch vorher des St. Georgen Stift in Altenburg und Rutten wurde von seinem zukünftigen Arbeitgeber Albrecht von Brandenburg, so war ja der Plan, zumindestens beim angestellt zu werden, noch einmal nach Italien zurückgeschickt. Er solle doch noch seine Studien fortsetzen und Jura dort studieren.

[47:00] Aufgrund seiner satirischen Attacken gegen den Herzog von Württemberg, der seinem Bruder umgebracht hatte, wurde jetzt Toten reichsweit relativ bekannt. Nikolaus dezius, der Benediktiner Mönch, wurde Stiftsprediger im Kloster in Braunschweig. Und Thomas Müntzer war ebenfalls sehr in Braunschweig schon angestellt als Prediger und machte sich dort einen Namen als Geißel der Ungerechtigkeit.

[47:35] Also hier war jemand schon mit großem reformatorischen Eifer am Werke, mehr als das von Luther zu der Zeit berichtet ist. Interessanterweise konnte Müntzer allerdings von dem, was er bekam, nicht leben und so nahm er noch zusätzlich eine Stelle als eines Präfekten am kanonischen Stift Probe an.

[47:58] Martin Butzer studiert in Heidelberg Theologie, 24 Jahre alt war er gewesen in dem Jahr. Paul Fabius, mit elf Jahren, begann sein Studium an der Universität Heidelberg.

[48:10] Georg Röhrer wurde mit 23 Bakkalaureus in Leipzig. Hat ja auch den Kaspar Kritiker kennengelernt, der elf Jahre alt war und bei Georg Held studierte, der wo tendenziell wusste Theologie in Leipzig und hat eine ganze Reihe von jungen Schülern, Putzige Frösche und andere, die als Reformatoren noch Bedeutung gewinnen sollten. Er war ein sehr strenger Lehrer. Seine Schüler mussten jeden Tag einen lateinischen Brief von Cicero auswendig lernen.

[48:37] Konrad Grebe wechselte von Basel, wo er Clarion studiert hatte, nach Wien, wo der berühmte Fabian Nun sein Lehrer werden sollte, zu dem er eine sehr enge Freundschaft entwickelte. Also viele Dinge, die spätere Reformation sich ausgedrückt haben, haben hier schon auf der zwischenmenschlichen Ebene begonnen.

[48:59] Im Jahre 1515 Ambrosius Novenius hat jetzt mit 21 sein Studium der Philosophie in Wien weitergesetzt, das er zuvor in Krakau begonnen hatte. Und Heinrich von Zupfen, der einige Zeit ja im Wittenberger Kloster auch gewesen war, wurde jetzt Prior der Augustiner-Eremiten geben niederländischen Dordrecht.

[49:23] Justus Jonas wurde mit 15 Bakkalaureus in Erfurt und Martin Bauerhaus aus Stuttgart erhielt seinen Magister der Künste in Tübingen. Er hatte auch dort Kontakt zu dem jungen Melanchthon, dessen ehemaliger Schulfreund Berthold Haller, 23 Jahre alt war, mittlerweile ja Lehrer in Bern und wurde jetzt auch Assistenzprediger am Berner Münster.

[49:51] Dort war Thomas Wittenbach gleichzeitig der Priester. Das war jener Wittenbach, der den jungen Zwingli als erster das Evangelium im theologischen Studium eigentlich so nahe gebracht hatte. Und Wittenbach wurde Doktor der Theologie und hat diese Priesterstelle in Bern jetzt neben seiner Fahrt in Biel gleichzeitig versehen.

[50:14] Die junge Katharina von Bora, auch sie hier später noch von Bedeutung, legte mit 16 Jahren zum frühstmöglichen Zeitpunkt ihr Gelübde als Nonne ab im Zisterzienserinnenkloster Marienkron Nimbschen bei Grimma. Dort ist sie auch aufgewachsen.

[50:33] Und dort wurde sie jetzt Tolles Kreml erhielt mit 26 Jahren nach drei Jahren Studium der Humanisten seinen Master in Cambridge. Georgia wurde nach seinem Bachelor in Cambridge zum Priester geweiht. Und Alexander Musaeus wurde mit 15 oder mit fünfzehn Studium an der schottischen St. Andrew's University abgeschlossen.

[50:57] Der Italiener Agostino Mein Name wurde erneut versetzt, der Augustiner-Eremiten von ist jener jetzt nach Papier und Tänze predigte weiterhin in diesmal in der Gegend von Weißenfels. Er ist für das Jahr 1515 bezeugt, zu dem Zeitpunkt noch relativ unauffällig.

[51:24] Zum Schluss noch ein Brief von Luther vom 26. Dezember 1515. Er war ja schon mittlerweile tief im Römerbrief drin, aber auf vielfachen Wunsch sollte seine Vorlesung, der Anfang des Jahres beendet hatte, gedruckt werden. Ja, das immer wieder vor sich hergeschoben. Am liebsten hätte er sie gar nicht veröffentlicht. Und den Grund sehen wir hier in diesem Brief von Luther an Staupitz. Dort heißt es: "Wie wohl ich außerordentlich wünsche, dass dieselben nirgends und niemals herausgegeben worden werden, so bin ich doch genötigt worden."

[52:01] Jetzt aber, da ich die öffentliche...

[52:03] Jetzt aber, da ich die öffentliche Vorlesung über den Paulus beendet habe, will ich mich dieser einen Arbeit beständig hingeben. Es sind unbedeutende Dinge und des Aus tilgen Scans wert. Luther hat sich nicht selbst als großen Theologen gesehen, die man jetzt noch veröffentlichen müsste. Habe einige seiner Studenten, nur Zuhörer hatten bereits den Wert schon in diesen ersten Vorlesungen und die Psalm erkannt und wollten das gerne dann auch handschriftlich haben. Zu diesem Druck der ersten Psalmenvorlesungen ist es allerdings nie gekommen.

[52:35] Was sich ereignet hat im nächsten Jahr, werden wir dann in der nächsten Folge sehen. Dann wird es heißen: Griechisches Licht. Und wir werden sehen, wie ein Ereignis, sowohl für Nutzer als auch für Zwingli, die ganz entscheidende Weichen gestellt hat in der Erkenntnis des wahren Evangeliums. Und da wird dann auch Erasmus von Rotterdam eine große Rolle spielen. Bis dahin wünschen wir Ihnen Gottes reichen Segen und freuen uns, wenn Sie das nächste Mal wieder einschalten, hier bei Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation.


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