In dieser Predigt von Eric Flickinger wird die Geschichte von Martin Luther und seinem Kampf für die Gewissensfreiheit beleuchtet. Der Sprecher zeichnet Luthers Weg nach, von seinen inneren Kämpfen und theologischen Entdeckungen bis hin zu seinem mutigen Auftritt vor dem Reichstag in Worms. Die Predigt betont die Bedeutung von Gottes Wort, Gebet und einem unerschütterlichen Glauben angesichts von Widerständen und Herausforderungen.
5. „… ich kann nicht anders“ – Luther und die Gewissensfreiheit
Eric Flickinger · Macht. Glaube. Hoffnung. ·Themen: BibelWeitere Aufnahmen
Serie: Macht. Glaube. Hoffnung.
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Transkript
[0:22] Ein wunderschönen guten Abend. Ich freue mich so sehr, dass Sie wieder hier sind. Wir haben heute ein sehr wichtiges Thema vor uns. Von dem ersten Abend an haben wir das quasi so aufgebaut. Und obwohl das Thema heute sehr wichtig ist, werden natürlich die weiteren Themen dann das noch fortsetzen. Deswegen möchte ich uns natürlich alle ermutigen, weiterhin dann zu kommen, damit wir alle die verschiedenen Puzzleteile zusammensetzen können.
[1:03] Also gestern Abend habe ich ja erwähnt, dass wir heute nochmal kurz etwas mehr über meine Familie hören werden. Wenn also heute die Bilder mitspielen, gibt es jetzt hier ein Bild von meiner Familie.
[1:23] Oh, da ist es ein bisschen unscharf. Aber ich denke, man kann erkennen, wer das ist. Sehr gut. Also meine Frau natürlich in der Mitte. Ihr Name ist Hilda Lisa. Links meine Tochter Noelani. Sie ist 11 Jahre alt. Und auf der rechten Seite mein Sohn Justin. Er ist 8.
[1:50] Nun, sowohl Noelani als auch Justin spielen Geige. Und tatsächlich haben sie morgen ein Konzert. Das werde ich wohl verpassen. Weil ich hier in Deutschland bin und nicht dort in den USA. Aber was sie tun, sie spielen ein Konzert, um Spenden für die Menschen zu sammeln, die von den Hurrikanen verwüstet wurden, die die Vereinigten Staaten in den letzten Wochen getroffen haben.
[2:19] Sie spielen aber einem Wohltätigkeitskonzert mit dabei, wo Gelder eingesammelt werden, um den Menschen zu helfen, die von den Hurricanes, die dort die amerikanische Küste getroffen haben, ja, diesen Menschen zu helfen.
[2:31] Und meine Bitte ist vielleicht für meine Kinder dann auch zu beten, wenn sie so freundlich sind, das zu tun.
[2:39] So dass auch sie eine Hilfe sein können für Menschen, die ihr Heim verloren haben.
[2:48] Die Vereinigten Staaten sind ein wunderbarer Ort, um zu leben. Aber es gibt Hurrikans, Tornados und Waldbrände und Erdbeben und noch eine ganze Reihe von anderen Dingen. Aber es ist immer noch ein schöner Ort, um zu leben. Man kann also, da die USA so groß sind, wählen, in welchem Teil der USA man leben möchte. Und dann kann man so quasi wählen, von welcher Naturkatastrophe man betroffen sein möchte.
[3:31] Momentan lebe ich in Tennessee. Und das Einzige, was da wirklich gefährlich sein kann, sind Tornados. Das ist jetzt nicht das Schlimmste. Wir haben bisher unser Haus noch nicht verloren. Und so hoffen wir, dass das auch weiterhin der Fall sein wird.
[3:55] Also wir können hier zumindest sehen, wie meine Frau und die Kinder aussehen.
[4:02] Wir haben heute ein sehr wichtiges Thema. „Ich kann nicht anders.“ Luther erkämpft die Gewissensfreiheit.
[4:17] Heute Abend wollen wir mit einem Gebet beginnen. Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir erneut danken, dass du uns heute hier zusammengebracht hast. Wir bitten, dass du unsere Zeit hier segnest, wenn wir dein Wort studieren und auch die Geschichte. So dass unsere Zeit hier nicht einfach uns nur besser ausbildet, sondern dass wir wirklich auch verändern werden. Wir möchten vorbereitet sein für die Herausforderungen, die wir in unserer Zeit erleben. Wir möchten für den Himmel bereit sein und auch anderen Menschen helfen, dies zu erleben. So möchten wir dich bitten, dass du unser Studium heute Abend segnen wirst. Wir bitten dies im Namen Jesu. Amen.
[5:12] So wie an den vorigen Abenden werden wir auch heute Abend mit einer kurzen Wiederholung. Wir werden eine kurze Wiederholung haben und bringen uns auf den Punkt, wo wir heute Abend sind.
[5:26] 1517 war 500 Jahre her, aber nicht so anders als heute. Martin Luther hatte damals eine enorme Krise. Er hatte keinen Frieden. So dachte er, dass wenn er vielleicht in ein Kloster gehen würde, ihm dadurch geholfen würde.
[5:56] Im ersten Jahr im Kloster hat er unglaublich viel Zeit mit der Bibel verbracht und sie studiert. Und er hat einige Dinge erkannt. Einer seiner Ordensoberen, der Staupitz, hat ihm erklärt, dass Gott die Liebe ist. Je mehr er in der Bibel studierte, desto besser hat er das verstanden.
[6:20] Er hat auch verstanden, dass die Kirche, in der er teilnahm, Dinge machte, die nicht sehr christlich waren. Eine der Dinge, die sie machten, war der Verkauf von Ablassbriefen für exorbitante Preise. Ein Beispiel war dieser Verkauf von Ablassbriefen zu ganz ungeheuren Preisen. Und Luther entschied sich, dagegen vorzugehen.
[6:49] So hat er diese 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg angenagelt. Damit entstand eine echte Diskussion in vielen Teilen der Welt über das, was die Kirche tat.
[7:04] Luther hat im Laufe seiner weiteren Studien, vor allem im Römerbrief, eine wichtige Entdeckung gemacht. Dass nämlich die Erlösung nicht mit irgendwelchen guten Werken zu tun hat.
[7:24] Sondern er entdeckte, dass der Gerechte aus Glauben leben wird. Paulus hatte das aus dem Werk des Habakuk entnommen. Und Luther hat das jetzt auch verstanden und ebenfalls weitergegeben.
[7:47] Luther hat dann immer mehr die Kraft des Wortes Gottes verstanden. Und je mehr er die Kraft des geschriebenen Wortes Gottes verstand, desto besser verstand er auch das Werk und die Natur der Person, die das Wort Gottes genannt wird. Er realisierte, dass Jesus die Personifikation echter Liebe war.
[8:17] Dass Jesus sogar die Menschheit so sehr liebte, dass er sein eigenes Leben gab, damit wir die Hoffnung auf ewiges Leben haben könnten.
[8:28] Jesus hat die Personifikation echter Liebe verstanden. Jesus nahm unsere Sünden auf seine Schultern, sodass wir den Preis nicht bezahlen müssten.
[8:43] Sodass man im Evangelium wirklich die Kraft Gottes sehen kann. Paulus schrieb ja in Römer 1, Vers 17.
[8:58] Martin Luther begann das zu verstehen und begann es mit anderen zu teilen. Einer seiner Zeitgenossen hat ja dieses Zitat hier gegeben, was Luther eines Tages vollbringen würde.
[9:18] „Der Mönch wird alle Doktors Irrenmacher in eine neue Lehre aufbringen und die ganze römische Kirche reformieren. Denn er legt sich auf der Propheten- und Apostelschrift und steht auf Jesu Christi Worte. Das kann keiner, weder mit Philosophie noch so Fisterei, Skotzisterei, Albertisterei, Thomisterei und dem ganzen Tatere umstoßen und niederfechten.“
[9:42] Paulus wusste gar nicht, wie akkurat seine Vorhersage war. Was den Luther so anders macht als alle anderen war, dass er wirklich mit dem Wort Gottes befasste und nicht mit menschlichen Philosophien.
[10:04] Die Bibel ist ein Buch mit langer Geschichte. Viele, die an diesem Buch geschrieben haben, aber nur einer, der wirklich im höchsten Sinne der Autor genannt werden kann. Wenn man sich die verschiedenen Themen der Bibel anschaut, sieht man, wie sie alle miteinander verbunden sind, vom ersten Buch Mose bis dann ganz hinten in die Offenbarung hinein.
[10:41] Je mehr Luther die Bibel studierte, desto mehr Fragezeichen hatte er auch bezüglich der Glaubensüberzeugung in seiner Kirche.
[10:55] Also hat Luther sich mehr mit dieser Frage beschäftigt und je mehr er dabei zutage trat, desto erstaunter und schockierter war er.
[11:05] Rom versuchte den Luther zu stoppen und das hat aber Luther überhaupt gar nicht bewegt. Man hatte ihm eine Bulle sogar gesandt, die ihm androhte, dass er, wenn er nicht widerrufen würde, exkommuniziert werden würde und nicht mehr Teil der Kirche sein würde.
[11:35] Er entschied sich allerdings, dem Wort Gottes treu zu sein und nicht auf die Lehren von Menschen zu hören. So hat er diese Bannandrohungsbulle gemeinsam mit dem Kirchenrecht verbrannt. Dadurch hat er sich wirklich von der Kirche sehr deutlich distanziert.
[12:05] Lass uns weitergehen.
[12:16] Am 3. Januar 1521 wurde Luther mit dem Bann belegt. Er war jetzt vollkommen aus der Kirche ausgeschlossen. Weil die Kirche sich als universal und weltweit empfand, gab es eigentlich überhaupt keine Existenzberechtigung für so einen Exkommunizierten.
[12:46] Rom hatte geglaubt, dass jetzt das Problem damit einfach gelöst sei. In Wirklichkeit begann damit jetzt eine viel größere Bewegung.
[12:59] In 2. Korinther 13, Vers 8 lesen wir, dass sie nichts gegen die Wahrheit mögen, sondern nur für die Wahrheit.
[13:10] Wie ist also diese Bewegung jetzt wirklich so stark geworden?
[13:17] Im Jahr 1521 passierte etwas sehr Bedeutsames. Die gesamten Fürsten und Kirchenfürsten des Heiligen Römischen Reiches kamen zusammen, um sich in dem altehrwürdigen Worms zum Reichstag zu versammeln. Solche Reichstage waren recht häufig. Alle paar Jahre fanden sie statt.
[13:50] Auf diesen Reichstagen wurden all die politischen Fragen behandelt, die das gesamte Heilige Römische Reich betrafen. Weil also so viele einflussreiche Menschen sich jetzt in dieser Stadt befanden, kamen noch sehr viel mehr andere Leute, um dort dem Spektakel beizuwohnen.
[14:19] Während der Reichstag stattfand, war die ganze Stadt in ein Chaos versunken. Es war hoffnungslose Überfüllung festzustellen. Es gab sogar Ritter, die auf Luthers Seite standen, die, als sie hörten, dass Luther möglicherweise nach Worms kommen würde, dann die Androhung machten, man könnte ja Worms erstürmen.
[14:50] Der neue Kaiser war ja auch dort, Karl V. Er hatte einige wichtige Punkte, die er auf die Agenda gesetzt hatte. Er war als Kaiser ja nicht ständig in Deutschland. Deswegen musste er sich auf eine stabile Regierung, auf diese Kurfürsten verlassen, dass die für ihn dann die Dinge regeln würden. Aber eines der wichtigsten Ereignisse im Reichstag waren die Fragen, die Luther aufgeworfen hatte.
[15:36] Der Grund, warum so viele Leute darüber sprachen, war, dass es eine große Menge Veröffentlichungen gab, und die Leute haben über das gelesen, was Luther glaubte. Also war er technisch gebannt, aber seine Literatur war immer noch fließend, weit und breit.
[16:02] Luthers Schriften waren also wirklich der Renner des Tages. Sie sprachen über die Schriften von Martin Luther. Es gab tatsächlich die Befürchtung, dass, wenn man Luther töten würde, das ganze Reich im Chaos versinken würde.
[16:29] Hier sehen wir, was Luther dann 1521 in diesem Zusammenhang sagte. Und hier sind wir wieder im Thema Gottes. Es geht um die Frage, wie es sich um den Gottlosen handelt.
[16:51] „Greifen Sie zur Gewalt, wie es wahrscheinlich ist, denn dazu, um belehrt zu werden, lassen Sie mich nicht rufen. So muss man dem Herrn die Sache befehlen. Dennoch lebt und regiert der selbige, der die drei Knaben im Feuerofen des Königs von Babylon erhalten hat. Will er mich nicht erhalten, so ist es um meinen Kopf eine geringe Sache. Wir wollen lieber unser Blut dafür vergießen. Wir können nicht wissen, ob durch unser Leben oder unseren Tod, dem allgemeinen Wohle, mehr genutzt werde. Nimm von mir alles, nur nicht, dass ich fliehe oder widerrufe. Fliehen will ich nicht, widerrufen noch viel weniger.“
[17:33] Luther war bereit, für die Wahrheit einzustehen, ganz egal, wie die Konsequenzen sein würden.
[17:42] Luther war mit Sicherheit nicht der größte Theologe der Reformation. Schon Wycliffe war eigentlich wohl etwas biblischer an einigen Themen. Karlstadt hat an manchen Punkten die Sachen klarer gesehen. Aber Luther hatte etwas, was ohne Parallele war in seinem Zeitalter. Er hatte Mutigkeit. Und er hatte eine Entscheidung, die von allen möglichen Schwierigkeiten nicht getrübt wurde. Deswegen konnte Gott ihn so besonders benutzen, weil er so ein moralisches Rückgrat hatte, das ihn nicht zurückweichen ließ.
[18:30] Also Rom verstand jetzt, man muss wirklich mit den schweren Geschützen kommen. So sandten sie ihren besten Repräsentanten. Sein Name war Aleander. Ein brillanter Argumentierer. Sehr gebildet, hochgebildet. Als Humanist war er ein Freund von Erasmus von Rotterdam. Und er war der Leiter der Vatikanischen Bibliothek. Ein brillanter Mann, der jetzt hierher kam, um gegen Luther zu sprechen.
[19:16] Am 13. Februar hielt Aleander eine Rede. Es war eine totale Abrechnung mit Luther. Er wollte eigentlich all die Punkte, die Luther aufgebracht hatte, einfach entkräften. Er wollte dieses Zeitalter entkräften. Seine Idee war, dass wenn man den Luther gleich mit der Reichsacht belegen würde, dann müsste Luther gar nicht erst kommen und sich verteidigen. Und Menschen könnten ihn gleich sofort töten, ohne bestraft zu werden.
[20:00] Aleander sagte solche Dinge hier zum Beispiel:
[20:04] „Was sind all die Lutheraner? Eine Bande frecher Schulmeister, verdorbener Priester, liederlicher Mönche, unwissende Advokaten und herabgekommene Adliger, zusammen mit dem Pöbel, den sie fehlgeleitet und verdorben haben. Wie viel überlegener ist ihnen gegenüber die katholische Partei an Zahl, Fähigkeit und Macht. Ein einstimmiger Beschluss dieser erlauchten Versammlung wird die einfältigen erleuchten, die unklugen warnen, die wankelmütigen entschieden machen und die schwachen stärken.“
[20:46] Für über viele Jahre und Jahrhunderte hatten solche Taktiken für Rom sehr gut funktioniert. Kaiser hatten sich vor den Päpsten niedergeworfen. Und Kritiker hatten ihren Mund verschlossen. Ketzer sind verbrannt worden. Leute, die sich gegen Rom aufgelehnt hatten, waren ausgelöscht worden.
[21:14] Was Rom allerdings nicht realisiert hatte, war, dies war tatsächlich der letzte Tag, an dem Rom solche Macht haben würde. Denn die Macht Roms wurde plötzlich erschüttert. Jemand stand auf, um den Finger auf Rom zu zeigen. Das war jemand, der sehr viel eloquenter reden konnte als Luther selbst. Er hatte Dinge jetzt sagen können, die Luther so kaum hätte aussprechen können.
[21:58] Denn all diese Aussagen wurden von jemandem gemacht, der eigentlich gegen Luther war. Derjenige war Georg der Bärtige. Er war ein Gegner Luthers. Aber er sah, was die Kirche tat. Und er war sehr zornig. Also machte er jetzt Aussagen über das, was er gerade gehört hatte. Sein Aufruf war wirklich von Herzen kommend. Sehr auf den Punkt gebracht. Und stark durch den Nebel der Verführung, den Rom so verbreitet hatte.
[22:46] In Sprüche 21, Vers 1 lesen wir: „Gleich Wasserbecken ist das Herz des Königs in der Hand des Herrn. Er leitet es, wohin immer er will.“
[22:57] Hier sehen wir, was Herzog Georg der Bärtige sagte:
[23:23] „Aus diesem produzierten Brunnen fließt ein großes Ärgernis in die Becher raus. Plagen die Armen ihrer Sünden wegen, verschonen die Reichen, übergehen die Priester. Daher nötig ist eine allgemeine Reformation anzustellen, welche nicht füglicher als in einem allgemeinen Konzil zu halten ist. Darum bitten wir alle, solches mit höchstem Fleiß zu fördern. So viele Seelen verloren, so viele Räubereien und Bestechungen finden statt, weil das geistliche Oberhaupt der Christenheit sie gestattet. Es muss dem Untergang und der Schande unseres Volkes vorgebeugt werden. Wir bitten euch untertänigst und inständigst, dahin zu wirken, dass eine Besserung und gemeine Reformation geschehe.“
[24:13] So stand also ein Feind Luthers auf und sagte, wir brauchen eine Reformation für diese Kirche. Das hatte auf die ganze Versammlung eine enorme Wirkung. Man hat sofort dann eine Gruppe organisiert, die all diese Anklagen jetzt untersuchen sollten. Für Luther hätte es gar keinen besseren Fürsprecher geben können, als sein Feind hier.
[24:52] Eine der Folgen letztendlich war davon auch, dass man sich letztendlich entschloss, Luther tatsächlich einzuladen.
[25:04] Karl V. wusste ohnehin, dass er nicht alleine ganz entscheiden konnte, ohne nicht auch seine Kurfürsten auf seiner Seite zu haben. Also hatte er den Vorschlag Allianders, den Luther ohne Anhörung gleich mit der Reichsacht zu belegen, erst einmal beiseite geschoben. Im Gegenteil, er hat dem Luther sogar ein sicheres Geleit gegeben.
[25:36] Ich möchte kurz hier einen Moment innehalten. Vieles von dem, was wir heute Abend auch behandeln, wird genau in diesem Buch beschrieben, dass wir allen denen heute schon geben können, die fünfmal da gewesen sind. Also wenn sie fünfmal da gewesen sind, nehmen sie auf jeden Fall das Buch mit. Und wenn sie bisher noch nicht fünfmal da waren, stellen sie sicher, dass sie fünfmal da gewesen sind, damit sie es dann auch mitnehmen können.
[26:22] Also zurück in die Geschichte. Alliander verstand gar nicht, was jetzt vor sich ging. Jemanden einzuladen, der ja eigentlich schon exkommuniziert war, hat für ihn gar keinen Sinn gemacht. Wenn man ihn jetzt nochmal herbringen würde, ihn nochmal verhören würde, noch einmal untersuchen würde, dann war ja das, was der Papst bereits geurteilt hatte, im Grunde genommen gar nicht mehr richtig.
[26:58] Aber Alliander hat trotzdem natürlich weitergemacht, im Hintergrund so ein bisschen die Dinge zu arrangieren, dass doch Rom noch einen Vorteil haben könnte.
[27:14] Luther wurde zum Reichstag dann einberufen. Die Zeit war jetzt gekommen, eine Entscheidung zu fällen. In seinen Schriften war er sehr kühn. Und wenn er zu Hause gepredigt hatte, hat er ebenfalls kein Blatt vor den Mund genommen. Jetzt wurde er aber persönlich vorgeladen, um vor den wichtigsten und einflussreichsten und mächtigsten Menschen des ganzen Reiches für seinen Glauben einzustehen.
[27:56] Heute gibt es auch so etwas Ähnliches. Haben Sie vielleicht schon etwas mal im Internet gelesen? Es gibt oft dann unten drunter so eine Kommentarsektion, wo man Kommentare schreiben kann. Und manche dieser Kommentare sind sehr verletzend und sehr aufbrausend. Wer von uns hat so etwas schon mal gesehen? Es ist sehr einfach, sich hinter etwas zu verstecken, wenn man es einfach nur geschrieben hat. Wenn jemand das nicht mit mir persönlich verbinden kann. Aber wenn man mit jemandem wirklich Angesicht zu Angesicht steht, dann geht es wirklich um die Sache. Dann kann man sich nicht verstecken.
[28:59] Was würde Luther jetzt also tun? Er war jetzt vorgeladen, vor den mächtigsten und einflussreichsten Menschen des ganzen Reiches zu stehen und für seinen Fall einzustehen. Es gibt auch in unserem Leben Zeiten, wo wir eine Entscheidung fällen müssen. Es gibt manchmal wichtige Zeiten, wo man nicht einfach so drumherum kommt. Das sind die Momente, die das Leben verändern. Und Luther verstand jetzt, da geht es jetzt darauf zu.
[29:42] Hier sehen wir, was Luther dazu zu sagen hatte. Er hat diese Gedanken gemacht und er hat diese Gedanken gemacht.
[29:53] „Jene Widersacher Christi setzen alle Kräfte ein, mich zu verderben. Der Wille Gottes geschehe. Christus wird mir seinen Geist geben, dass ich diese Widersacher verachte im Leben, besiege im Tod. Sie arbeiten, dass ich viele Artikel widerrufe, aber mein Widerruf wird also lauten…“ Er hat sich wirklich entschieden, einen Standpunkt einzurichten.
[30:20] Er sagte, ich werde nicht zurückweichen. Ich weiß, was ich in der Bibel gesehen habe und ich werde dazu stehen, egal was die Konsequenzen sein werden. Die Hoffnung, dass mit Drohungen man ihn wieder zurückzieht, hat nicht geschafft. Er wies sich als falsch. In Wirklichkeit wurde er damit nur noch entschieden, diesen Standpunkt einzunehmen.
[30:55] Luther hatte natürlich einige Freunde. Einige von ihnen wollten ihm gerne helfen, ihm beistehen. Sie wollten gerne mit ihm nach Worms gehen. Zum Beispiel Melanchthon. Aber Luther sagte, nein, ich möchte nicht, dass ihr mich begleitet. Denn wenn mir dort etwas passiert, wenn ich sozusagen für die Sache verloren gehe, und wenn ihr dann bei mir seid, dann werdet ihr vielleicht auch sterben.
[31:31] 100 Jahre zuvor war etwas ganz Ähnliches passiert. Jan Hus war damals nach Konstanz gereist, um für seinen Glauben einzustehen. Und sein Freund Hieronymus ging mit. Er wollte helfen. Aber die Dinge gingen nicht so, wie sie gehofft hatten. Und Jan Hus wurde als Ketzer verbrannt. Aber nicht lange danach wurde Hieronymus auch verhaftet. Und dann wurde Hieronymus genauso ebenfalls zum Tode verurteilt und exekutiert. Wenn Hieronymus in Prag geblieben wäre, hätte die ganze Sache vielleicht noch einen anderen Ausgang genommen.
[32:21] Luther wollte also nicht, dass das dem Melanchthon passieren würde.
[32:26] Luther entschied sich also, nach Worms zu gehen. An jedem Ort, wo er jetzt vorbeikam, wurde er als Held gefeiert. Seine Botschaften haben sich überall verbreitet. Die Menschen kamen aus den Städten heraus und jubelten ihm zu. Er kam auch wieder zu seiner alten Wirkungsstätte Erfurt. Obwohl er nicht die Erlaubnis dazu hatte, wurde ihm doch von dem Herold die Erlaubnis gegeben, zu predigen. Und er hat dann auch wieder seine alte Wirkungsstätte Erfurt geöffnet.
[33:05] Die Kirche war völlig überfüllt. Jeder wollte hören, was Luther zu sagen hatte. Was hatte Luther zu sagen?
[33:17] „Ihr wisst auch, dass alle Philosophen, Doktoren und Skribenten sich beflissen zu lehren und zu schreiben, wie sich der Mensch zur Frömmigkeit halten soll, haben sich das sehr bemüht, und die Kirche hat sich auch wenig ausgerichtet. Denn Gott hat auserwählt einen Menschen, den Herrn Jesum Christ, dass der soll den Tod zerknirschen, die Sünden zerstören und die Hölle zerbrechen. Also, dass wir durch seine Werke und nicht mit unseren Werken selig werden. Unser Herr Christus hat gesagt: Habt Frieden und seht meine Hände. Sieh, Mensch, ich bin der allein, der deine Sünde hat hinweggenommen, der dich erlöste, nun habe Frieden.“
[34:03] Viele Unterstützer von Luther versuchten ihn tatsächlich daran zu hindern, nach Worms zu gehen. Viele machten sich Sorgen, dass, wenn er dorthin gehen würde, er sein Leben verlieren würde. Manche erinnerten ihn sich an den Tod eines italienischen Pfarrers, der nicht zu lange hervorragend wurde. Einige erinnerten ihn an das Schicksal eines italienischen Mönches, der etliche Jahre zuvor exekutiert worden war. Savonarola war sein Name gewesen. Dieser Savonarola hatte selbst gegen Rom Opposition bezogen. Er war damals in Florenz verbrannt worden.
[34:47] Luther antwortete aber so, dass er die Folge des Schicksals, der ihn gegen die Welt verletzte, nicht mehr verletzt hätte. Luther antwortete, er wolle nach Worms, wenn gleich so viele Teufel drin wären, als immer Ziegel auf ihren Dächern.
[35:02] Martin Luther war entschieden. Er sagte, es interessiert mich gar nicht, wie viele Menschen gegen mich sind. Mich beschäftigt, ob ich für das Wort Gottes einstehe. Können wir uns vorstellen, wie die Welt heute aussehen würde, wenn mehr Menschen solch eine Überzeugung haben würden? Wenn mehr Menschen sagen würden: Ich kümmere mich nicht um das, was die Welt als richtig und falsch bezeichnet, mich kümmert lediglich, was die Bibel als richtig und falsch bezeichnet. Mich kümmert nicht so sehr, was andere Menschen von mir denken, sondern ich bin darum bemüht, zu wissen, was Gott von mir denkt.
[35:47] Luther war an diesem Punkt in seinem Leben angekommen. Was hatte ihn dorthin gebracht? Zeit, die er mit Gott verbracht hatte in seinem Wort. Zeit, die er im Gebet verbracht hatte, Zeit, die er damit verbracht hatte, dass der Heilige Geist zu ihm reden konnte. Und je mehr Zeit er im Wort Gottes verbrachte, desto klarer wurde sein Bild von Gott. Und er verstand, Gott ist die Liebe. Und das bedeutete ihm mehr als alles, was die Welt einem anbieten könnte.
[36:30] Er sagte, wenn es mehr Teufel in Worms gibt, als es Ziegel auf den Dächern dort sind, interessiert es mich gar nicht, ich werde trotzdem gehen.
[36:42] Also was passierte, als Luther in Worms ankam? Es gab eine große Feier. Trump war in Worms. Es gab eine große Feier. Trompeten wurden von den Stadttoren und Stadtmauern geblasen. Und große Menschenmengen kamen, um ihn willkommen zu heißen. Sie haben sich um ihn gescharrt, fast als wäre er ein siegreicher General, der gerade von der Schlacht zurückgekommen ist. Viele Menschen wollten ihn sehen. Die Straßen waren völlig verstopft von Menschen. Es war wirklich ein Spektakel.
[37:28] Luther wurde dann in seiner Herberge von vielen Freunden besucht. Als er dann vor dem Reichstag stehen sollte, er wurde 16 Uhr ungefähr vor dem Reichstag gebracht. Und er sagte zu ihm, dass er in Worms ist. Und er sagte zu ihm, dass er in Worms ist. Aber die Stadt war vollgestopft von Menschen. Man musste ihn auf Geheimwegen, auf Seitenwegen zum Gebäude bringen. Man musste sogar mit ihm durch einen Garten hindurch gehen.
[38:15] Als er dort entlang gebracht wurde, wurde ihm folgende Aussage entgegengebracht. Ein alter General sagte:
[38:22] „Mönchlein, Mönchlein, du gehst jetzt einen Gang. Einen Stand zu tun, dergleichen ich und mancher Oberster auch in unseren allerernstesten Schlachtordnungen nicht getan haben. Bist du auf rechter Meinung? Und deiner Sache gewiss, so fahre in Gottes Namen fort. Und sei nur getrost, Gott wird dich nicht verlassen.“
[38:45] Das war die Geschichte von Samuel. Erinnert ihr euch, wir haben am ersten Abend darüber gesprochen. Eine der ersten Geschichten, die Luther in der Bibel gelesen hat. Damals, als Luther die Bibel zum ersten Mal sah, begann er, einfache Dinge zu verstehen. Aber er hatte wirklich keine Ahnung, wie dieses Buch sein ganzes Leben verändern würde. Er hatte keine Ahnung damals, dass er sich irgendwann mal gegen die Kirchenlehre wenden würde. Er hatte niemals geahnt, was kommen würde. Aber jetzt, nach so vielen Jahren, waren diese ersten Gedanken, die er damals hatte, voll entfaltet und hatten jetzt ihre Frucht gebracht.
[39:50] Weil er jetzt so sehr die Bibel liebte, so sehr Gott liebte, sollte er für seinen Glauben einstehen. Er stand vor den wichtigsten Leuten der ganzen Welt. Vielleicht hat er sich wieder ein bisschen zurückerinnert an diese ersten Verse, die er damals in der Samuel-Geschichte gelesen hat. Wo es heißt: „Der Herr macht arm und macht reich. Er erniedrigt und erhöht. Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, dass er ihnen setze unter die Fürsten geben kann.“
[40:40] Gott hatte tatsächlich diesen Mann aus der Armut geführt, sodass er jetzt vor den Königen und Fürsten stand. Er war jetzt nicht mehr nur ein Professor, nicht nur ein Doktor der Theologie. Er stand jetzt vor der erlauchtesten Versammlung des gesamten Reiches. Er würde jetzt vor diesen Prinzen und Fürsten stehen und eine sehr eloquente Antwort geben, warum er glaubte, was er glaubte.
[41:15] Luther wurde jetzt mit seinen Schriften konfrontiert und der Befehl war, Widerruf. Luther musste eine Antwort geben. Hier ist, was er gesagt hat.
[42:01] In der Antwort zu dieser Anfrage gibt der Kaiser Luther einen Tag, um seinen Antrag zu bedenken.
[42:36] Hatte Luther nicht viel Zeit schon vorher gehabt, darüber nachzudenken, was er sagen würde? Einige Leute fragten sich und fragen sich auch noch heute, ob er vielleicht etwas schüchtern da war und etwas zurückhaltend, ängstlich. Vielleicht war er stattdessen sehr, sehr klug.
[42:59] In Sprüche 15, Vers 1 steht: „Eine sanfte Antwort wendet den Grimm ab, ein verletzendes Wort aber reizt zum Zorn.“ So ist Luther zurückgegangen und er hat gebetet. Er hat die ganze Nacht mit Gott im Gebet gerungen. Er war von verschiedenen Menschen mittlerweile ermutigt worden, aber was er wirklich brauchte, war ein mutmachendes Wort von Gott. Denn Luther wusste, menschliche Unterstützung ist sehr zerbrechlich und schwach. Er brauchte eine Ermutigung von Lippen, die kraftvoller waren als nur menschliche Lippen.
[43:42] Und hier sehen wir die Bitte, die Gott ihm gegeben hat, die Luther an Gott richtete:
[43:53] „Ach Gott, oh du mein Gott, stehe du mir bei, wie der alle Welt Vernunft und Weisheit. Tue du es, du musst es tun, du allein. Es ist doch nicht mein, sondern deine Sache. Habe ich doch für meine Person hier nichts zu schaffen und mit diesem großen Herrn der Welt zu tun. Ich verlasse mich auf keinen Menschen. Es ist umsonst und vergebens. Es hinket alles, was fleischlich ist. Hast du mich dazu erwähnt? Ich frage dich, wie ich es denn gewiss weiß? Ei, so weit ist Gott. Stehe mir bei in dem Namen deines lieben Sohnes Jesu Christi, du bist mein Gott.“
[44:47] Gebet ist machtvoll. Gebet ist unsere Möglichkeit, mit Gott zu kommunizieren. Es ist unsere Verbindung zu ihm. Dadurch können wir Stärke und Kraft bekommen, wenn wir den Herausforderungen des Lebens begegnen müssen. Gebet bringt Gott nicht herab zu uns. Stattdessen bringt das Gebet uns hoch zu ihm. Das war genau das, was Luther in dem Moment brauchte.
[45:18] Wenn wir beten, muss das kein langes, blumiges Gebet sein. Das kann sehr kurz und süß sein. In der Bibel wurde einer der kürzesten Gebete gebeten, von Petrus. Jesus gab ihm die Möglichkeit, auf Wasser zu gehen. Aber als Petrus auf dem Wasser ging, etwas, was er vorher als unmöglich gedacht hatte, etwas passierte, und Petrus verlor seine Konzentration.
[45:53] Das war eine sehr schmerzhafte Zeit. Es war eine sehr schmerzhafte Zeit.
[46:08] Petrus verlor seine Aufmerksamkeit. Als er das tat, begann sein Glaube zu sinken. Petrus begann zu sinken. Als Petrus auf dem Wasser sank, schrie er Jesus an. Ein sehr kurzes Gebet. Er sagte: „Herr, rette mich.“ Drei Worte. Und Jesus kam und rettete ihn.
[46:44] Wenn man durch eine echte Schwierigkeit durchgeht, wenn man durch einen Verlust durchgeht, wenn man durch den Verlust eines Kindes durchgeht, wenn man durch eine schreckliche Krankheit durchgeht, vielleicht hat man gerade die Diagnose bekommen, dass man Krebs hat und nicht mehr lange zu leben hat. Das sind einige der schlimmen Herausforderungen, denen wir uns im Leben gegenüberstehen. Manchmal muss man in solchen Situationen nur ein sehr kurzes, auf den Punkt gebrachtes Gebet sprechen. Und so wie Jesus damals den Petrus an der Hand packte und ihn rettete, kann er das auch heute noch, 2000 Jahre später, tun.
[47:41] Vor 500 Jahren hat Luther sich nach Gott ausgestreckt. Und Gott hat Luther aufgerichtet und ihm Kraft gegeben.
[47:50] In Psalm 102, Vers 18 heißt es: „Er wendet sich zum Gebet der Verlassenen und verschmäht ihr Gebet nicht.“ Und Matthäus 21, Vers 22 lesen wir: „Und alles, was ihr bittet im Gebet, so ihr glaubt, werdet ihr es empfangen.“
[48:14] Paulus schrieb in Philipper 4, Vers 6, diese ermutigenden Worte: „Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden.“
[48:29] Das ist das, was Luther getan hat. Und so hat Gott ihm als Resultat die Kraft gegeben, die er gebraucht hat.
[48:41] Der Tag der Entscheidung kam. 18. April 1521. Dies ist der Tag, der die Weltgeschichte verändern würde. Weil andere Agendapunkte länger dauerten als gedacht, war es dem Luther nicht möglich. Er musste bis um 6 Uhr warten und war dann erst dran. Es gab viele Leute im Publikum. Es war völlig überfüllt.
[49:13] Luther hatte jetzt die Gelegenheit, zu reden. Er sprach jetzt mit klarer Stimme und mit unerschütterlichem Vertrauen in Gott. Er kategorisierte seine Schriften in drei Gruppen. Die erste Gruppe war die Gruppe, in der er die Worte von Gott erzählte. Er sagte, dass seine Schriften wirklich in drei verschiedene Kategorien einzuteilen seien.
[49:51] Er sagte: „Da ist zum einen eine Gruppe von Schriften, die gar nicht anstößig sind und die sogar von meinen Feinden als wertgeschätzt wird. Die kann ich ja keinesfalls widerrufen“, sagte er. „Eine zweite Gruppe meiner Werke sind die, die gegen die päpstliche Tyrannei gewendet sind. Wenn ich die jetzt widerrufen würde, dann wäre das ja eine Hilfe für die Tyrannei des Papstes. Und viele dieser Missbräuche waren ja bereits während des Reichstags behandelt worden. Er hoffte also, dass einige dieser Punkte denjenigen, die dort gegenwärtig waren, gefallen würden, gerade in Bezug auf diese Tyrannei. Also sagte er, auch diese zweite Gruppe kann ich nicht widerrufen. Und dann gibt es eine dritte Gruppe meiner Schriften. Und da habe ich bestimmte Menschen attackiert. Und da bin ich vermutlich doch manchmal etwas scharf formuliert. Aber selbst dort wollte ich ja nicht eigentlich Menschen kritisieren, sondern ich wollte nur das Evangelium eigentlich erklären. Deswegen kann ich auch die nicht wirklich widerrufen.“
[51:18] Dann sagte er:
[51:22] „So mache ich meine Büchlein anders nicht verteidigen, denn mein Herr, Jesus Christus, seine Lehre unterstützt hat. Habe ich übel geredet? So beweise es. Meine Bücher in das Feuer zu werfen, aus welchem allen ist, meine ich offenbar, dass ich genügsam Bedacht erwogen und ermessen habe, die Gefahr, Zwietracht, Aufruhr und Empörung, so wegen meiner Lehre in der Welt erwachsen ist. Wahrlich, mir ist das Liebste zu hören, dass wegen des göttlichen Wortes sich Misshelligkeit und Uneinigkeit erheben. Ich will auf das Allerwilligste bereit sein, so ich dessen überwiesen werde, alle Irrtümer zu widerrufen und der Allererste sein. Denn das ist der Lauf, Fall und Ausgang des göttlichen Wortes. Wie der Herr selbst gesagt hat: Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.“
[52:20] Wie haben sie reagiert? Wie haben sie jetzt darauf geantwortet? Sie sagten: „Deine Antwort ist viel zu lang. Wir würden gerne, dass du das ein bisschen auf den Punkt bringst. Mach mal eine klare, einfache Aussage. Wirst du widerrufen oder wirst du nicht widerrufen?“
[52:49] Hier ist, was Luther sagte.
[53:19] Dann beendete er mit folgenden bekannten Worten.
[53:22] „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen.“
[53:38] Einige der vielleicht mächtigsten, kraftvollsten Worte in der Geschichte dieses Welt. Luther war in seinem Leben mit Gott an einem Punkt gekommen, wo er bereit war, eine Entscheidung zu fällen. Es hat ihn nicht interessiert, was die Konsequenzen seien würden. Er dachte nicht darüber nach, was andere jetzt meinen würden. Die einzige Wahrheit, die er hatte, war, dass er sich für die Zukunft der Welt interessiert hat. Er hat sich für die Zukunft der Welt interessiert.
[54:13] Jesus sagt: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Er spricht hier zu mir und auch zu dir, genauso wie damals zu Luther. Hätten wir den Mut, so zu stehen, wie Luther es tat?
[54:30] Was Luther wirklich für Gott interessierte, war, dass er sich für die Zukunft der Welt interessiert hat. Jesus sagt: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Hätten wir den Mut, so zu stehen, wie Luther es tat?
[54:45] Wofür Luther sich einsetzte, war die Freiheit des Gewissens. Er war bereit, diesen Standpunkt einzunehmen, weil sein Glaube in Jesus Christus und seinem Wort gegründet war.
[55:01] Es hat einige Zeit gebraucht für Luther, um an diesem Punkt zu kommen. Sein Glaube hatte sehr klein begonnen. Aber je mehr Zeit er im Wort Gottes und im Gebet verbrachte, desto mehr ist sein Glaube gewachsen. Und je mehr der Glaube gewachsen ist, desto stärker wurde er auch. Er hat den Irrtum klarer identifiziert. Und je mehr er den Irrtum erkannte, desto mehr war er darüber auch aufgeregt. Und er wusste, er konnte nicht damit leben, nichts gegen den Irrtum zu sagen. Und so hat es ihn schließlich zum Reichstag nach Worms gebracht.
[55:55] Er hat Schwierigkeiten durchgebracht. Er hat Schwierigkeiten durchgemacht. Er hat schwere Zeiten erlebt. Er hatte Freunde, die sich gegen ihn gewendet hatten. Er hatte mächtige Feinde, die ihn bedrohten. Er hat sich aber all diese Herausforderungen angesehen. Und er hat sich durch die Brille des Himmels angeschaut.
[56:33] Er sagte: „Ja, ich habe hier ein paar Herausforderungen. Aber ich möchte über diese Schwierigkeiten hinausschauen zu dem, was Gott mir anbietet. Ich möchte mich auf den Himmel fokussieren. Ich möchte mich auf den Charakter Gottes konzentrieren. Und ich möchte, dass andere wissen, was für ein liebender Gott er ist. Und ich möchte, dass andere wissen, was für ein liebevoller Gott er ist.“
[57:07] Und weil er Gottes Liebe so klar erkannt hatte, war er bereit, so deutlich zu sprechen. „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott, helfe mir. Amen.“
[57:26] Liebe Freundin, dieser Ruf kommt auch zu mir und zu dir. Wo befindest du dich in deiner Beziehung mit Gott? Vielleicht bist du an dem Punkt, wo Luther war, als er zum ersten Mal die Geschichte von Samuel las. Vielleicht bist du an dem Punkt, wo Luther war, als er zum ersten Mal die Geschichte von Samuel las. Vielleicht bist du an dem Punkt, wo Luther verstand, dass Gott nicht gegen ihn ist, sondern ihn retten möchte. Vielleicht so wie bei dem Turmerlebnis, als er verstanden hatte: „Der Gerechte wird aus Glauben leben.“ Vielleicht bist du auch schon dort in deiner Glaubenserfahrung, wo Luther auch war, als er vor dem Reichstag in Worms stand.
[58:20] Nein, ich weiß nicht, wo du mit Gott bist. Ich weiß nicht, wie deine Beziehung mit Gott jetzt gerade aussieht. Ich kann das auch gar nicht wissen, und es geht mich ja eigentlich noch gar nichts an. Aber es gibt eine Person, die viel interessiert, wie deine Beziehung zu Gott gerade ist. Und das ist Jesus. Und er möchte, dass du eine Beziehung zu Gott hast, so wie auch er sie hat.
[58:57] Er möchte, dass du den Mut hast, den Herausforderungen des Lebens entgegensehen zu können, so wie Luther das auch konnte.
[59:06] Vor 500 Jahren hat Luther uns ein Beispiel gegeben. Aufgrund seiner Entscheidung leben wir heute in einer Welt, die sehr anders ist, oder viel anders gewesen wäre, wenn er damals diese Entscheidung nicht getroffen hätte. Wir müssen uns nicht auf andere stützen für unseren eigenen persönlichen Glauben. Gott hat uns einen eigenen Verstand gegeben, dass wir selbst denken können und sein Wort verstehen können.
[59:40] Vor 500 Jahren sagte Luther: „Hier stehe ich. Es gibt nichts anderes, was ich tun kann. Gott helfe mir.“
[59:55] Ich kann mir vorstellen, dass heute Abend, wenn jetzt dieses Thema zum Ende kommt, es gar keine angemessenere Möglichkeit gibt, dieses Thema zu beenden. Egal, wo wir in unserer persönlichen Beziehung gerade mit Gott uns befinden, wenn du Gott sagen möchtest: „Ich möchte zu dir gehören und mich für dich entscheiden“, dann möchte ich dich einladen, jetzt aufzustehen und zu sagen: „Ja Gott, ich möchte einen Stand für dich einnehmen. Ich möchte den Glauben haben, den Martin Luther gehabt hat. Ich möchte für das Königreich des Himmels bereit sein. Und nicht nur für mich selbst, sondern ich möchte ein Licht sein in dieser finsteren Welt. Und wenn mein Glaube vielleicht noch nicht besonders stark gerade ist, dann kannst du mir helfen, dass er wachsen kann.“
[1:01:06] Wir wollen heute Abend gemeinsam beten, dass wir diesen Glauben des Martin Luther haben können, der den Verlauf der Weltgeschichte vollständig verändert hat. Lassen wir uns gemeinsam beten.
[1:01:28] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir von Herzen danken für dieses Beispiel, das wir vor 500 Jahren hier gesehen haben. Am 31. Oktober damals hat Luther diese 95 Thesen an diese Kirchentür genagelt. Er hatte damals nicht geahnt, dass er irgendwann mal vor dem Reichstag in Worms stehen würde. Aber er hat im Glauben gehandelt.
[1:02:01] Herr, wir wissen auch nicht, wo unsere Entscheidung für dich uns hinführen wird. Aber wir wissen und haben gesehen, dass du dem Luther geholfen hast, wann immer er in Bedrängnis war. Du hast ihm Mut und auch Kraft gegeben, wann immer er sie brauchte. Und durch sein Beispiel haben wir heute Hoffnung. So möchten wir dich bitten, dass du uns heute Abend segnest und dass du uns hilfst, dass wir jeden Tag uns neu für dich entscheiden. Wir bitten all dies im Namen Jesu. Amen.
[1:02:53] Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!
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