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In dieser Folge von „Macht. Glaube. Hoffnung.“ beleuchtet Eric Flickinger die revolutionären Ideen Martin Luthers und seinen Kampf gegen den etablierten Anspruch der Kirche. Er erklärt, wie Luthers tiefes Studium der Bibel und seine persönlichen Erfahrungen ihn dazu brachten, die Autorität der Schrift über die der Kirche zu stellen. Die Folge zeigt, wie Luthers Entdeckungen die Reformation auslösten und wie seine Betonung der Bibel als ultimative Wahrheit bis heute relevant ist.


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Serie: Macht. Glaube. Hoffnung.

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Transkript

[0:00] Guten Abend, herzlich willkommen zurück. Ich möchte etwas probieren heute Abend. Ich möchte ein bisschen Deutsch sprechen. Ich versuche, eine Geschichte zu erzählen. Sie wissen, dass ich in Cannstatt geboren bin, aber ich wohnte die ersten zwei Jahre meines Lebens in einer kleinen Stadt, die heißt Leinzell. Und ich bin am Dienstag nach Leinzell gefahren. Leinzell liegt ungefähr eine Stunde östlich von Stuttgart. Es ist zwischen Schwäbisch Gmünd und Aalen. Und ich habe ein paar Bilder gemacht. Und das nächste hier, das hier, das war mein Haus. Hier über die Garage. Das ist ein kleines Apartment, eine kleine Wohnung. So für die ersten zwei Jahre meines Lebens, das war mein Haus. Und ich habe auch meinen Vermieter getroffen. Er wohnt immer noch da. Er ist sehr alt und sehr nett. Und er hat meine Eltern erinnert. Er hat sich an sie erinnert. Das war ein schöner Tag. Ein schöner Tag. Das war ein schöner Tag. Ich brauche Wasser. Okay, jetzt auf Englisch.

[2:38] Unser Thema heute Abend ist die absolute Wahrheit. Luther untergräbt den Anspruch der Kirche. Vor 500 Jahren war die Welt nicht viel anders, als sie es heute ist. Viele der Herausforderungen, die es damals für Luther gab, die haben wir heute auch noch. Nicht nur, was die äußerliche Welt betraf, sondern auch die Krise, die er selbst erlebte. Eines Tages, als er auf dem Weg zurück nach Erfurt war, ist er in einem Sturm überrascht worden. Er hat diesen Sturm um sein Leben gefürchtet und ein Gelübde abgelegt. Er sagte: "Heilige Anna, wenn du mein Leben rettest, werde ich ein Mönch werden." Weil er glaubte, dass wenn er ein heiliges Leben leben würde, wäre er für den Himmel vorbereitet. Er ist also in dieses Kloster hineingegangen.

[3:50] In dem ersten Jahr, in dem er dort war, hat er das ganze Jahr in die Bibel geschaut. Er hat dort von einem seiner Lehrer gelernt, wie wichtig Gottes Liebe ist. Je mehr er in die Bibel hineingeschaut hat, desto mehr hat er verstanden, dass das, was in der Philosophie und in der Theologie unterrichtet wurde, in völligem Kontrast mit dem stand, was die Bibel eigentlich sagte. Er sah auch einige Dinge, die in der Kirche passierten, die ihm absolut missfielen. Einer dieser Dinge war der Verkauf der Ablassbriefe. Wie die Kirche so viel Geld von den Menschen wegnahm. Er wollte über dieses Thema diskutieren. Er hatte so die 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche genagelt. Seine Hoffnung war nicht, die Welt zu verändern, sondern nur eine Diskussion zu eröffnen. Aber weil es hier um das Geld ging, hat sich die Sache schnell verbreitet. Und als die Worte verbreitet wurden, begann seine Theologie auch mehr Licht zu erzielen.

[5:38] Er hatte etwas, das bekannt ist als seine Turmerlebnisse. Als er begann zu verstehen, worum es bei der Erlösung eigentlich wirklich ging. Er hatte ja den Römerbrief dort im Turm gelesen. Er hatte dort diesen Satz entdeckt: "Der Gerechte wird aus Glauben leben." Paulus hatte diese Idee von Habakuk viele, viele Jahre zuvor. Es war eine biblische Wahrheit, die über die Zeitalter hinweg immer weitergegeben worden war. Aber es war etwas Neues für Martin Luther und für viele andere Menschen in der Kirche in seiner Zeit. Wir haben das mit dieser Metapher beschrieben in unserem Seminar: die Fackel des Habakuk. Das war einfach diese Lehre, die der Habakuk schon entdeckt oder gelehrt hatte, die dann auch von Paulus und von anderen und später auch von Luther weitergegeben worden ist. Habakuk hatte das schon verstanden, Paulus hatte das verstanden, und jetzt begann auch Luther das zu begreifen.

[7:03] Paulus war ein sehr aufrichtiger Gläubiger vor seiner Bekehrung. Er wollte sein ganzes Leben leben. Aber was ihm wirklich fehlte, war Jesus. Auf dem Weg nach Damaskus hatte er dann eine Erfahrung mit Jesus, und das veränderte sein Leben komplett. Martin Luther liebte Paulus' Buch und er begann zu verstehen, wie es sich um die Wahrheit handelt. Luther begann ja die Briefe von Paulus zu lesen und verstand jetzt die Kraft, die im Wort Gottes liegt. Er verstand jetzt, wer Jesus wirklich war und wie Jesus die Verbindung zwischen Gott und der Menschheit darstellt. Wie Jesus alle Sünden, alle unsere Sünden, auf sich selbst genommen hat. Und wie es beim Evangelium wirklich um die Kraft Gottes geht. Römer 1,16 war wirklich dieser Abschnitt, der dem Paulus die Augen geöffnet hatte. Hier heißt es: "Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht, denn es ist Gottes Kraft zur Errettung für jeden, der glaubt, zuerst für den Juden, dann auch für den Griechen." Und dann in Vers 17: "Denn es wird darin offenbar, wie es in den Glauben zum Glauben geschrieben steht: Der Gerechte wird aus Glauben leben." Jetzt hatte Luther das auch verstanden. Er hat es mit anderen geteilt.

[9:07] Nun, bevor Luther wirklich bekannt geworden ist, gab es schon Menschen, die sahen, dass bei ihm etwas Besonderes war. Nun, er hatte keine besonderen Gaben, sozusagen, aber was er hatte, war eine Erfahrung mit der Bibel. Wir wollen uns dieses Zitat von Martin Pollich hier kurz anschauen. "Ich stehe auf Jesu Christi Worte, das kann keiner, weder mit Philosophie noch Sophisterei, Skotesterei, Albertisterei, Thomisterei und dem ganzen Taderei umstoßen und niederfechten." Pollich sagte das, als er den Luther, der gerade als junger Bibelprofessor in Wittenberg angefangen hatte, nur eine kurze Zeit kennengelernt hatte. Er hat nie die Erfüllung dessen gesehen, was er hier behauptet hatte. Aber seine Worte sollten sich als absolut wahr beweisen. Und er hatte die theologische Kraft des Luther genau richtig festgestellt. Für Luther war es die Bibel, die den Unterschied gemacht hat.

[10:46] Aber heute stellen sich viele Menschen die Frage: Wie vertrauenswürdig, wie autoritativ ist eigentlich die Bibel? Was bedeutet dieses Sola Scriptura jetzt ganz praktisch? Gibt es da wirklich etwas, wo man sich darauf verlassen kann, was einen nicht im Stich lassen wird heute? Wir wissen ja, dass es viele Wissenschaftler, viele gebildete Menschen gibt, die der Bibel unter keinen Umständen vertrauen wollen. Die Bibel wird von ihnen kritisiert. Woher wissen wir, dass die Position von Luther, allein die Bibel, eine sichere Position ist? Eins können wir auf jeden Fall wissen. Aber wie war es für Luther damals? Dass Luther sich allein auf die Bibel berief, war schon zu seiner Zeit ein Skandal und stand völlig im Gegensatz zu der Lehrmeinung der Wissenschaft damals. Schon in seiner Zeit war die Bibel nicht wirklich der Standard der Wissenschaft. Schon damals haben die Menschen sich eigentlich mehr auf Philosophen berufen, um die Wahrheit zu entdecken.

[12:27] Damals waren diese Philosophien so sehr in der akademischen Welt eingebunden, dass man eigentlich gar nicht über eine andere Möglichkeit nachdenken konnte. Im Grunde genommen sehen wir dasselbe heute auch wieder. Wenn man über Dinge wie Naturalismus nachdenkt, dann sagen viele Menschen: Wie kann ich die Bibel mit dem, was die Wissenschaft mir sagt, oder was die Philosophie des Naturalismus mir sagt, mit der Bibel in Einklang bringen? Manche Christen versuchen das dann einfach miteinander zu verbinden und sprechen dann von Dingen wie theistischer Evolution. Andere fangen an die Bibel zu kritisieren und sagen: Die Bibel ist bestimmt auf einem ganz anderen Weg entstanden. Lasst uns eine menschliche Theorie aufstellen, wie die Bibel vielleicht entstanden sein könnte. Viele Wissenschaftler basieren dabei gar nicht so sehr auf dem, was sie in der Bibel selbst lesen, sondern vertrauen einfach den Forschungsergebnissen und den Überlegungen anderer Menschen. Und viele dieser Theorien basieren eigentlich auf Grundvoraussetzungen, für die es überhaupt gar keine Beweise gibt. Luther verstand zu seiner Zeit, was los war. Wir können von ihm einiges lernen für unsere Zeit.

[14:25] Im Februar 1518 hat Luther dann begriffen, was seine Aussagen jetzt ausgelöst hatten. Seine 95 Thesen begannen sich zu verbreiten. Sie wurden übersetzt, in vielen Städten gedruckt. Erasmus hatte sie nach England geschickt. Als Luther darüber nachdachte, hat er das fast etwas bedauert. Er dachte: "Ich glaube, ich habe sie noch etwas schwach formuliert. Ich hätte sie etwas stärker ausdrücken sollen." Er hat also weit über diesen Ablass auch gepredigt. Er hatte jetzt einige an seiner Seite, den Karlstadt zum Beispiel. Der zumindest theologisch auf der Seite von Luther stand, auch wenn er noch nicht so gegen die Ablässe war. Aber je mehr Luther sprach, desto mehr hat er gebetet und geschrieben. Je mehr Luther schrieb und predigte, desto mehr begann es da, so einen Konflikt mit der Kirche zu geben.

[15:42] Leo X., der Papst, hat also sehr früh dann einen Befehl gegeben, dass man diesen aufrührerischen Mönch möglichst bald stoppen soll. Aber Luther wollte bei der Bibel bleiben, weil er immer mehr verstand: Die Bibel ist wirklich vertrauenswürdig. Luther schrieb dann an Spalatin, seinen Freund, dass er überhaupt gar keine Ablässe mehr kaufen solle. Er war ja vorher nur gegen die Geldmacherei gewesen. Aber je mehr er die Bibel las, desto besser verstand er das Thema und wurde immer klarer in seinen Aussagen. Was wir also sehen können, ist, wie Luther Schritt für Schritt in seinem Verständnis der Bibel immer weiter wuchs. Und er realisierte etwas weiteres. Er erkannte, dass seine Liebe zur Wahrheit ihn in Probleme bringen würde. Das können wir auch heute noch erwarten. Wenn wir uns auf die Seite des Wortes Gottes stellen, können wir erwarten, dass es auch Probleme und Widerstand geben wird. Das passiert ständig, ist im Grunde genommen ziemlich normal. Das hat den Luther aber nicht aufgehalten.

[17:26] Er hatte verstanden, wer Jesus war und wollte sich auf seine Seite stellen. Hier lesen wir in 2. Thessalonicher 2, Vers 10. Hier fokussiert Paulus nicht nur auf die Wahrheit, sondern auch auf die Liebe zur Wahrheit. Wenn wir die Wahrheit in der Bibel finden, sollte es eine Liebe in unseren Herzen eröffnen. Liebe zur Wahrheit ist wirklich die Grundlage für den Glauben. Wenn wir die Wahrheit in der Bibel finden, sollte es eine Liebe in unseren Herzen eröffnen.

[18:23] Es gibt in der Bibel eine interessante Persönlichkeit. In Daniel 2 gibt es die Geschichte eines Königs. Der Name des Königs ist Nebukadnezar. Er regierte über das mächtigste Königreich seiner Zeit. Er wollte wissen, was die Zukunft für ihn brachte. Eine Nacht hatte er einen Traum. Als er aufgewacht ist, konnte er nicht erinnern, was der Traum war. Er konnte sich am nächsten Morgen nicht mehr an den Traum erinnern, wusste aber, dass der Traum wichtig war. Er hat all seine Experten, seine Weisen, zusammengerufen, damit sie ihm sagen, was er in der Nacht zuvor geträumt hatte. Sie haben gesagt: "Wie sollen wir dir sagen, was du geträumt hast, wenn du dich selbst nicht mal erinnern kannst? Und wie verlangst du von uns eine Interpretation, wenn wir nicht einmal wissen, was du geträumt hast?" Hier ist, was Nebukadnezar gesagt hat. Er hat gesagt: "Wenn ihr den Traum nicht mitteilt, so bleibt für euch nur ein Urteil, denn ihr habt euch vorgenommen, lügenhafte und trügerische Worte von mir zu reden, bis sich die Zeiten ändern. Darum sagt mir den Traum, damit ich weiß, dass ihr mir auch die Deutung verkünden könnt." Er wollte nicht einfach Spekulationen und Vermutungen. Er wollte wissen, worum es bei diesem Traum ging. Er wollte diese Geschichte in allen Details entfalten.

[20:18] Aber um das ganz kurz zusammenzufassen, hier ist, was passiert ist. Einer seiner Ratgeber, der beim ersten Treffen nicht dabei war, war ein Mann namens Daniel. Daniel kam dann zu dem König und bat den König, etwas Zeit zu geben, damit er den Traum beantworten kann. Daniel ging nach Hause und betete. Gott gab Daniel den selben Traum wie der König und erklärte ihm, was es bedeutet. Dann ging Daniel zum König und gab ihm die Erklärung. Dieser Traum vorhersagte die Zukunftsgeschichte der Welt für die nächsten 2500 Jahre. Er beschrieb 14 verschiedene Nationen oder Könige, die aufstehen und fallen würden. Wir sehen, wie das passiert ist, durch die Bibelgeschichte und die Geschichte von damals bis heute. Es ist aber eine starke Beweis für die Vertrauenswürdigkeit der Bibel.

[21:46] Als Luther diese Dinge besser verstanden und sich dafür einsetzte, passierte etwas. Er entdeckte einen Feind, der gegen die 95 Thesen sprach. Das war Johann Eck. Er hatte nicht die Möglichkeit, die Wahrheit zu lieben, wie Luther sie hatte. Was er hatte, war eine Liebe für sich selbst und für seinen eigenen Ruhm. Er war als sehr brillanter Debattierer geachtet. Dieser Stolz hat ihn recht verdorben. Aber wie viele andere Menschen haben letztlich dasselbe getan, wie Johann Eck? Wenn sie sehen, was die Bibel sagt, aber sie wollen es nicht folgen, weil sie ihren eigenen Stolz haben. Wie viele Menschen lesen heute die Bibel, nicht um herauszufinden, was Gott sagt, sondern um mit anderen zu diskutieren? Aber in Jeremia 29, 13 lesen wir: "Ja, ihr werdet mich suchen und finden, wenn ihr von ganzem Herzen nach mir verlangt." Wenn man Gott finden möchte, wenn man Frieden erleben möchte, muss man von ganzem Herzen nach ihm suchen. Das war genau das, was Luther getan hat.

[23:33] Am 26. April 1518 hatte Luther die Gelegenheit, seine neue Theologie in Heidelberg vorzustellen. Er hat sich hier gar nicht mehr so sehr um die Ablässe gekümmert. Er wollte diese neue Theologie, dieses Verständnis der Erlösung den anderen zeigen. Er musste deswegen auch das Fundament der akademischen Scholastik, den Aristoteles, attackieren. Schauen wir uns zum Beispiel die These 37 an: "Nicht der ist gerecht, der viel Werke tut, sondern wer ohne Werke nichts macht, der ist nicht gerecht, der viel Werke tut. Der ist nicht gerecht, der viel Werke tut, sondern wer ohne Werke viel an Christus glaubt, denn die Gerechtigkeit Gottes wird nicht aufgrund aneinander gereihter Handlungen erworben, wie Aristoteles lehrt, sondern durch den Glauben geschenkt. Der Gerechte lebt aus seinem Glauben." In These 40 heißt es: "Die Liebe Gottes findet nicht vor, sondern schafft sich, was sie liebt. Die Liebe des Menschen entsteht nur an dem, was sie lebenswert findet. Und nicht, woran den Mann gut steht."

[25:20] Es ist deutlich, dass es im Menschen Gutes selbst gibt. Was glauben Sie, würde Martin Luther heute sagen? Wenn viele Menschen heute dieser akademischen Weltanschauung sich verpflichtet fühlen, die sagt, dass es überhaupt gar keine schöpferische Kraft Gottes gibt. Würde Luther einfach da sich in die breite Masse mit einfügen, oder würde er sich dagegen wehren? Er verstand, es gibt etwas Solides, auf dem ich stehen kann, und davon lasse ich mich nicht wegbewegen. Was er hatte, war eine Erfahrung mit dem Wort.

[26:27] Wenn man sich Zeit investiert in die Bibel, kann sie auch unser Leben verändern. Während er sich studierte, hat er diesen Frieden ja gefunden, nachdem er sich so sehr gesehnt hatte. Er fand Trost, er fand Frieden. Er fand Vertrauen. Je mehr Zeit er im Wort Gottes verbrachte, umso überzeugter war er, dass das, was er gefunden hatte, auch wirklich der Wahrheit entsprach. In 5. Mose 32, Vers 47 heißt es: "Denn es ist kein leeres Wort für euch, sondern es ist euer Leben."

[27:13] Je mehr Luther das öffentlich sagte, desto mehr Feinde gab es. Tetzel begann, ihn immer stärker zu attackieren. Er nannte Luther in einem Atemzug mit Menschen, die schon als Häretiker verurteilt waren, wie Wycliffe oder Jan Hus. Luther hat sich für die Wahrheit eingesetzt, und das hat Probleme bereitet. Und genau das passiert uns heute auch. Manche Leute hofften damals, dass er bald auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden würde. Tetzel hatte gesagt: "Luther ist ein Häretiker." Während das vor sich ging, hatte Luther auch einige Alliierte an seiner Seite. Karlstadt, sein Freund, war einer von denen. Johannes Eck hatte Luther attackiert, und Karlstadts Theologie war die gleiche. Karlstadt sagte: "Ich muss meinem Freund Luther helfen." Er hat sich jetzt mit Eck angelegt. Verschiedene Leute fingen an, richtige Auseinandersetzungen zu haben. Luthers Aussagen wurden damit immer mehr von anderen gehört.

[28:54] Luther glaubte, dass die Bibel himmlischen Ursprungs ist und nicht einfach nur von Menschen geschrieben wurde. Und dass die Bibel eine Norm ist, die durch all die menschlichen Zeitalter immer gleich gewesen ist. Jesaja 50, Vers 8 sagt: ...

[29:25] Es gibt einige Leute, die denken, dass die Bibel ein altes Buch ist und deshalb kann man ihrer Akkuratheit nicht vertrauen. Denn seit es so viele Jahre herrscht, mussten es sicher Veränderungen geben. Aber ein Blick in die Geschichte zeigt genau das Gegenteil. Die Bibel wurde von etwa 40 Menschen geschrieben. Sie lebten auf drei verschiedenen Kontinenten. Und sie lebten über einen Zeitraum von 1600 Jahren etwa. Die Bibel ist nicht wirklich ein Buch von vielen Autoren. Ja, es ist eigentlich ein Buch, das nur einen Autor hat. Und viele haben für diesen Autor geschrieben. Wenn ich heute Abend hier 40 Menschen auswählen würde und sie bitten würde, über ein bestimmtes Thema zu schreiben, dann würden wir sehr verschiedene Ansichten finden. In der Bibel finden wir all diese verschiedenen Menschen mit verschiedenen Hintergründen, die über verschiedene Themen sogar sprechen. Und trotzdem finden wir eine unglaubliche Übereinstimmung in der Thematik. Der Grund dafür ist, dass sie alle von Gott inspiriert waren.

[31:18] Die Bibel hat eine übernatürliche Geschichte. Obwohl es so viele Unterschiede zwischen den Autoren gibt, stimmen sie alle ein. Obwohl diese Autoren sehr unterschiedlich sind von ihrem Hintergrund, stimmen sie doch alle überein. Man sieht das hier vielleicht nicht ganz besonders gut. Ganz unten sieht man all die verschiedenen Bücher skizziert. Und diese Linien repräsentieren, wo verschiedene Kapitel in der Bibel über dasselbe Thema sprechen und diese Aussage machen. Die ganzen Kapitel der Bibel sind also auf wundersame Weise miteinander verbunden. Diese interne Harmonie ist absolut erstaunlich. Das kann man erst richtig wertschätzen, wenn man die Bibel selbst kennenlernt.

[32:25] Viele andere Möglichkeiten sind da, um zu zeigen, dass die Bibel wirklich die Wahrheit enthält. Vor einigen Jahrzehnten fand man in den Höhlen bei Qumran diese Schriftrollen vom Toten Meer. Einige dieser Manuskripte waren aus der Zeit Jesu, zum Teil 150, 200 Jahre vorher. Und sie enthielten Aussagen aus der Bibel. So konnten die Gelehrten also diese alten Manuskripte mit unseren heutigen Bibelübersetzungen vergleichen. Und was man fand, zur großen Überraschung, war, dass es im Grunde genommen dasselbe ist. Es gibt also wirklich klare Beweise, dass die Bibel eben nicht verändert worden ist über die Jahrhunderte.

[33:34] In Apostelgeschichte 5, Vers 29 lesen wir: "Aber Petrus und die Apostel antworteten und sprachen: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen." Das Wort Gottes hat sich nicht verändert über die Jahrhunderte. Das Wort Gottes, das Luther hatte vor 500 Jahren, ist dasselbe, das auch uns zur Verfügung steht. Und Johannes 10, Vers 35 sagt: "Und die Schrift kann doch nicht außer Kraft gesetzt werden."

[34:09] Tetzel war überhaupt nicht begeistert von dem, was Luther tat und sagte. Tetzel hat sich öffentlich deutlich positioniert. Und er sagt: "Jeder, der dem Papst widerspricht, ist ein Irrlehrer, ein Häretiker." Hier finden wir ein anderes wichtiges Prinzip. Hier sehen wir das Prinzip, wie menschliche Autorität über die Autorität der Bibel erhoben wird. Wenn das passiert, muss man nicht lange warten, bis auch Verfolgung einsetzt.

[34:55] Er wollte diese Thesen in Frankfurt diskutieren. Er attackierte sogar den Beschützer Luthers, den Kurfürsten Friedrich III. Nun kam eine neue Front dazu. Luther begann auch die Handhabung des Kirchenbannes zu kritisieren. Er wusste, das ist ein sehr delikates Thema, aber er wollte für die Wahrheit stehen. Einige seiner Gegner nahmen seine Worte, als er die Predigt gehalten hatte, und veränderten seine Aussagen etwas. Sie veröffentlichten das, um seinen Ruf zu ruinieren. Er wollte das noch gar nicht öffentlich besprechen, weil seine Freunde ihn zur Vorsicht gemahnt hatten.

[36:04] Im Sommer 1518 schrieb Luther Folgendes. Er schrieb die 50 Thesen über die Vergebung und das Vertrauen auf Jesus. Sein Fokus war nicht daran, die Kirche oder die Praktiken der Kirche zu verändern. Er wollte das Evangelium verbreiten. Er wollte die Bibel nicht einfach verteidigen, um Recht zu behalten. Er wollte die rettende Wahrheit der Bibel allen zur Verfügung stellen. Die Kirche war nicht da, um so mehr Widerstand. Die Gegner kamen da.

[36:56] In Rom wurde der offizielle, formale Ketzerprozess gegen Luther eröffnet. Als Ketzer angeklagt zu sein, konnte zum Tod führen. Am 7. August 1518 erfuhr dann Luther, dass er als Ketzer in Rom angeklagt ist. Das hat ihn natürlicherweise total bestürzt und angegriffen. Er wollte allerdings zeigen, wie schwach die Argumente Roms wirklich waren. Er hat also einfach die Ansichten des Papstes veröffentlicht. Er hatte trotzdem große Angst um sein Leben. Er hat verstanden, dass seine Überzeugung ihn vielleicht jetzt dazu führen würde, gegen die Kirche zu sprechen, die er ja eigentlich liebte. Er verstand, dass er vielleicht dafür sogar den größtmöglichen Preis bezahlen müsste.

[38:07] Aber oft ist es so, dass wenn wir in herausfordernden Situationen sind, Gott jemanden sendet, der uns helfen kann. Ein junger Mann namens Melanchthon kam zu der Zeit nach Wittenberg. Er war ein brillanter Experte im Altgriechischen. Er wurde von den Studenten fast verehrt, geliebt. Er war ein guter Lehrer. Die Menschen liebten das, wie er den Luther unterstützte, predigte und lehrte. Denn als Melanchthon das originale Altgriechisch unter die Lupe nahm, zeigte sich in vielen Details, dass Luther wirklich recht hatte.

[39:06] Die Frage könnte man jetzt also stellen: Muss ich auch als einfacher Mensch jetzt Hebräisch und Griechisch können, um die Bibel wirklich zu verstehen? Die Antwort dazu ist ein klares, deutliches Nein. Die Bibel kann sehr einfach verstanden werden, sogar von einem Kind. In Lukas 10, 21 heißt es: "Zu derselben Stunde freute sich Jesus im Geist und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, denn du hast es den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, denn so ist es wohlgefällig gewesen vor dir."

[39:52] In all den Jahrhunderten sieht man, dass die größten Helden der Bibel nicht immer die Gebildetsten waren. Das waren oft ganz einfache Leute. Da gab es auch solche wie den Paulus. Andere waren allerdings ganz normale Fischer. Ganz gewöhnliche Menschen, die Jesus liebten und ihren Glauben weitergeben wollten. Jesus sagte: "Ihr müsst wie kleine Kinder sein, um ins Reich der Himmel zu kommen." Mit anderen Worten, wir brauchen einen sehr einfachen Glauben. Das ist natürlich wunderbar, wenn man auch so die tiefgründigsten Aussagen der Bibel verstehen kann. Aber wenn wir begreifen, dass Jesus uns liebt und uns retten wird, dann ist das wirklich eigentlich schon das Zentrum.

[40:49] In Römer 1, 14 schrieb Paulus: "Ich bin ein Schuldner, sowohl den Griechen als auch den Barbaren, sowohl den Weisen als auch den Unverständigen." Man muss also nicht antike Sprachen können, um gerettet zu werden. Man muss auch nicht unglaubliche sich in Geschichte auskennen. Diese Dinge sind sehr hilfreich, natürlich. Aber die Bibel ist eigentlich von Gott so gemacht worden, dass sie sehr einfach zu verstehen ist, wenn man bereit ist, sich mit ihr zu beschäftigen.

[41:28] Wie ist also diese Bibel letztlich entstanden, die wir in unseren Händen heute halten? Es ist ganz wichtig zu verstehen, dass die Bibel nicht Wort für Wort diktiert ist, sondern dass die Gedanken der Bibel inspiriert sind. Also Gott gab diesen Schreibern der Bibel klare Gedanken, die sie dann mit ihren eigenen menschlichen Worten zu Papier brachten. Deswegen sieht man bei den verschiedenen Bibelbüchern durchaus verschiedene Stilistiken, je nachdem, wer da gerade schreibt. Und sogar der Petrus sagte: "Wenn ich den Paulus lese, einige Sachen sind wirklich hier schwierig formuliert." Mit anderen Worten hat er gesagt: "Ich bin ein armer Fischer, aber ich versuche jetzt, diesen Doktor der Theologie zu verstehen." Aber er konnte den Hauptgedanken immer klar begreifen. So finden wir in der ganzen Bibel Dinge, die sehr einfach und klar erklärt sind. Also verschiedene Autoren schreiben verschiedene Bücher, doch innerlich passt alles perfekt zusammen.

[42:58] Luther hat genau das auch beachtet, als er später dann die Bibel ins Deutsche übersetzte. Er hat sich ganz besonders mit der deutschen Sprache beschäftigt, um dann Worte zu finden, die die Menschen leicht verstehen konnten. Er hat sehr viel Zeit genommen, hat viel investiert, und so haben wir das, was wir heute besitzen.

[43:34] Luther wurde weiter attackiert. Im Oktober 1518 ist er dann in Augsburg verhört worden. Er musste sich verantworten für seinen Glauben. Einer der besten Theologen ist von Rom gesandt worden, um mit ihm zu diskutieren. Sein Name war Kardinal Cajetan. Er war ein großartiger Debattierer. Und diese Debatte verlief sich irgendwo so im Nichts, kam zu keiner echten Schlussfolgerung. Drei Tage lang hat man zugebracht. Und der Cajetan hat versucht, den Luther so in eine Ecke zu drängen. Aber je mehr Cajetan sprach, desto mehr hat Luther die theologischen Irrtümer aufgezeigt. Und das hat Cajetan auf die Palme gesetzt. Und Cajetan musste sich zurückziehen und erst mal wieder nachschlagen, was er eigentlich sagen wollte. Und Luther hat an diesem Kardinal gesagt: "Wir Deutschen verstehen die Grammatik ganz gut, wir können selbst lesen." Da ging es also wirklich hin und her. Luther sagt, dass er die Kirche nicht fragt, er will nur eine echte theologische Diskussion. Er dachte ehrlich, dass diese Ideen gut von den Bibelschülern in der Kirche erhalten werden. Er wollte unter keinen Umständen die Kirche verlassen, aber er liebte die Wahrheit so sehr, dass er nicht zurückgehen würde.

[45:38] In Galater 2, Vers 10 finden wir dies. Paulus sagte: "Ich habe dem Petrus Paroli geboten." Und Luther dachte: Wenn Paulus dem Petrus Paroli bieten kann, Peter ist doch angeblich der erste Papst, dann kann ich doch ohne Zweifel auch gegen den Papst mich stellen. Das war doch ganz wunderbare Theologie. Aber das wurde gar nicht angenommen. Und in Augsburg hat er sich dann sehr allein gefühlt. Seine Freunde staupelten, und die Linken haben ihn verlassen. Das Ganze war jetzt sehr heiß geworden, sehr gefährlich. Denn Cajetan hatte die Vollmacht, ihn direkt nach Rom mitzunehmen.

[46:50] Es gibt Lektionen, die wir lernen können von seiner Erfahrung in Augsburg. Wenn wir uns Zeit nehmen, dann kann es sein, dass auch wir uns verlassen fühlen. Aber so wie Gott den Martin Luther beschützt hat, wird er auch sich um uns kümmern.

[47:16] Luther hatte jetzt nicht mehr viele Optionen. Wie kann man doch gegen die Macht und Autorität des Papstes einen Appell, eine Revision erreichen? Denn der Papst war ja die höchste Autorität. Luther hat sich zu folgendem entschlossen. Er hat sich entschieden, vom Kardinal und einem schlecht unterrichteten Papst zu appellieren an einen hoffentlich besser informierten Papst. Das war eine ganz interessante Art und Weise, da vielleicht nochmal juristisch rauszukommen. Was es zeigte war, Luther hat schon zu diesem Zeitpunkt den Papst nicht mehr als finale Autorität akzeptiert. Er begann zu verstehen, dass die finale Autorität das Wort Gottes war.

[48:24] Nach einigen diplomatischen Versuchen ist Luther endlich aus Augsburg geflohen. Am 9. November 1518 erklärte Rom die Frage der Entschuldigungen. Sie sagten, das sei jetzt die Kirchenlage. Also keine Diskussion mehr. Luther war überrascht. Alles sollte einfach aufhören durch ein: "So spricht die Kirche." Was soll er jetzt machen? Denn wenn er jetzt weitermacht, dann geht er direkt gegen die Autorität der Kirche. Das war ja eine Kirche, die er wirklich liebte. Er war seit seiner Kindheit Teil dieser Kirche. Es kam jetzt zu einer sehr fundamentalen Frage: Wer legt die Bibel aus? Ist es die Kirche, die die Autorität dazu hat, oder kann jeder das selbst machen, wie er das denkt? Für Rom war die Sache klar. Rom hatte gesprochen. Damit gab es keine Diskussion mehr. Die Idee, die Luther jetzt vorbrachte, änderte total die Geschichte. Wir werden darüber auch noch mehr am nächsten Wochenende sprechen.

[50:04] In 2. Petrus 1, 20 lesen wir: "Und das sollt ihr vor allem wissen, dass keine Weissagung in der Schrift aus eigener Auslegung geschieht." Es ist also nicht die Autorität einer Kirche zu entscheiden, was die Bibel lehrt. Die Lehren der Kirche müssen mit der Bibel übereinstimmen. Für Luther waren diese päpstlichen Dokumente jetzt keine Autorität mehr. Das war nicht ausreichend, um eine Lehre zu begründen. 1. Korinther 2, 13. "Davon reden wir auch nicht in Worten, die von menschlicher Weisheit gelehrt sind, sondern in Worten, die vom Heiligen Geist gelehrt sind, in denen wir Geistliches geistlich erklären."

[50:58] Man kann das auch sehen, wenn man ein paar Jahre in die Zukunft geht und in der Protestation von Speyer 1529 Folgendes liest. Die fünf Fürsten, die in Speyer protestierten, hatten das klar verstanden. Sie verstanden die richtige Art und Weise, mit der Bibel umzugehen und sie zu studieren. Es ging nicht dabei, einfach die Kirche zu fragen und zu hören, was die Kirche sagt, was es bedeutet. Sondern indem man Schriftstelle mit Schriftstelle vergleicht und der Bibel erlaubt, sich selbst auszulegen. Wenn man also da schwierige Stellen findet, die man nicht leicht versteht, kann man sie dadurch erklären, indem man andere Stellen findet, die sehr einfach sind, aber die zum gleichen Thema sprechen.

[52:16] Luther hatte einen Beschützer. In dieser ganzen Geschichte wurde Friedrich III. zu einer echten Schlüsselfigur. Manche Leute glauben, dass der Kurfürst reine politische Gründe hatte, warum er den Luther beschützt hat. Aber es scheint doch so zu sein, dass er wirklich von der kraftvollen Botschaft des Luther beeindruckt war. Und viele der Berater von Friedrich III. waren ganz starke Nachfolger und Unterstützer von Luther.

[53:00] Während Luther weiter studierte, entdeckte er neue Dinge. Es gibt eine berühmte Stelle in Matthäus 16, die man immer heranzog, über Jahrhunderte, um die Autorität des Papstes zu stützen. Noch heute schauen sich viele Menschen diese Stelle an und sagen: "Ja, doch, es muss wohl so sein." Während aber als Luther jetzt die Bibel wirklich selbst sich auslegen ließ und nicht mehr darauf hörte, was andere darüber meinten, verstand er Folgendes. Dort in dem Matthäus 16 heißt es ja: "Und ich sage dir auch, du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen und die Pforten des Totenreiches sollen sie nicht überwältigen." Und so hatte die Kirche gelehrt, die Gemeinde, die Kirche ist gebaut auf Petrus. Es heißt ja aber: "Du bist Petrus." Petrus heißt eigentlich so ein kleiner Stein. Und dann heißt es aber in dem Text: "Und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen." Aber dieser Felsen ist kein kleiner Stein. Das ist eigentlich ein großer Stein, ein Felsen. Die Kirche ist ja nicht so auf einem großen Stein gebaut. Es ist auf einem großen Felsen gebaut. Wer ist dieser Fels? 1. Korinther 10, 4 sagt: "Dass dieser Felsen Christus ist."

[54:58] Luther begann das jetzt immer besser zu verstehen. Luther hat sich dann angefangen, richtig intensiv in das Kirchenrecht und in die römische Kirchengeschichte einzuarbeiten. Und er war total schockiert. Je mehr er die Bibel studierte, desto mehr erkannte er: Die Kirche liegt im Irrtum. Das war alles Schritt für Schritt, langsam, aber zielstrebig. Er hat dann eine weitere Idee entwickelt. Als er die Bibelstellen alle zusammennahm und studierte, wurde etwas immer klarer für ihn. Er hat das zunächst einmal nicht breit veröffentlicht, hat es aber ganz privat seinem Freund Spalatin gesagt. Er sagte zu ihm: "Wenn ich die Charakteristiken des Antichristen studiere, dann könnte ich fast denken, dass es der Papst ist." Er hat das nicht weit verbreitet, aber hat angefangen, darüber mit Freunden zu reden.

[56:24] Was weiterhin passierte: Erasmus von Rotterdam schaltete sich ein. Er wollte Luther davon abhalten, sich mit dem Papst zu beschäftigen, sondern lediglich die Missbräuche anzuprangern. Wenn man Erasmus gefragt hätte, hätte er am liebsten das Ganze nur hinter geschlossenen Türen zwischen den Experten diskutiert. Wenn das passiert wäre, dann wäre die Reformation tot gewesen. Denn das Evangelium ist ja nicht einfach nur für ein paar Gebildete. Es soll mit allen geteilt werden, egal, was ihr Hintergrund ist. Ganz egal, woher sie kommen, was ihre Ausbildung ist, ihr Intellekt, ihre Hautfarbe, all das spielt keine Rolle beim Evangelium.

[57:32] Das hat den Luther immer mehr beeinflusst. Dann im Sommer 1519 kam es zu einer kleinen Revolution. Er hat dann tatsächlich schriftlich geäußert, dass das Papsttum eine rein menschliche Autorität sei, ohne jegliche Unfehlbarkeit. Das war noch gar nicht mal seine radikalste Ansicht, das war eher die moderate Form dessen, was er glaubte. Zu dem Zeitpunkt behauptet er noch, dass es nicht schlecht ist, sich dem Papst zu unterwerfen, sofern man nicht gegen die Bibel gehen muss.

[58:26] Im Sommer 1519 fand auch die berühmte Leipziger Disputation statt. Diese beiden Seiten hatten einen echten Krieg gehabt. Die Veröffentlichungen gingen hin und her. Karlstadt und Eck sollten miteinander diskutieren. Luther stand bei Karlstadt auf derselben Seite. Eck hatte im Grunde genommen beide attackiert. Luther wollte auch eine Möglichkeit haben, direkt mit Eck in die Debatte einzusteigen. Karlstadt war nicht so der beste Debattierer. So hat Luther die Gelegenheit bekommen, auch Teil dieser Diskussion zu sein.

[59:29] Dann hat sich diese enorme Debatte entfaltet, wo es hin und her ging und keine Seite den absoluten Sieg erringen konnte, sondern beide Seiten Punkte machen konnten. Im August 1519 ist dann Tetzel gestorben. Bevor das passierte, hat Luther ihm noch einen ganz freundlichen Brief geschrieben. Er sagte: "Ich weiß jetzt, dass du gar nicht der eigentliche Übeltäter warst, dass du nicht der warst, der das eigentlich angestoßen hat." Luther hatte also wirklich auch eine ganz freundliche pastorale Seite. Er hat sich wirklich um Menschen auch gesorgt und gekümmert.

[1:00:20] Kurz nochmal zurück zu Melanchthon. Melanchthon war als junger Gelehrter jetzt vollkommen von Luthers Theologie überzeugt. Und Luther hat den Melanchthon sehr hoch eingeschätzt. Luther glaubte sogar, dass er selbst nur ein Vorläufer sei auf dem Melanchthon. Und er war beeindruckt, wie klar und deutlich der Melanchthon Dinge erklären konnte.

[1:01:01] Dieses Evangelium wurde immer von mehr Menschen verbreitet, die sich mit Luther zusammentaten. Wir haben vor einigen Abenden darüber gesprochen, wer der neue Kaiser werden sollte. Karl V. wurde dann letztendlich gekrönt, 19 Jahre alt und bereits König von Spanien. Rom hatte eigentlich den französischen König geplant. Sie hatten deswegen sich die Hilfe von Friedrich III. dem Weisen angedeihen lassen, um diesen politischen Schlagzug durchzuführen. Weil man den Friedrich für diese ganze Sache brauchte, hatte man sich für eine Zeitlang die Luther-Sache nicht so sehr vorangebracht. Aber jetzt, wo es einen neuen Kaiser gab und man den Friedrich III. nicht mehr brauchte, wurde die Luther-Sache ganz schnell wieder aufgegriffen.

[1:02:21] Oktober 1519 bekam Luther einen Brief von Hussiten aus Böhmen. Ein paar böhmische Christen waren in Leipzig gewesen bei der Debatte und waren zurückgekehrt und haben gesagt: "Stellt euch vor, da gibt es jemand, der lehrt dasselbe wie unsere Väter auch." Jan Hus war als böhmischer Reformator schon über 100 Jahre zuvor, 1415 in Konstanz verbrannt worden als Ketzer. Seine Nachfolger waren wirklich sehr verachtet in der Christenheit. Etwas, was die Hussiten ausgezeichnet hatte, war ihre Forderung, dass sie nicht nur das Brot am Abendmahl bekommen, sondern auch den Kelch, den sogenannten Laienkelch. Jan Hus war jemand, der auch sehr stark die Autorität der Bibel herausgestellt hatte gegen die des Papstes.

[1:03:41] Ende 1519 sieht man plötzlich, wie Luther einige dieser Ideen auch bezüglich des Abendmahls plötzlich predigt und schreibt. Nachdem er jetzt selbst als Ketzer schon bezeichnet worden war, konnte er sich plötzlich mit diesen Hussiten ganz gut identifizieren.

[1:04:07] Anfang 1520 sagte Luther jetzt: "Ich kann nicht mehr Theologie unterrichten, ohne Rom auch dabei zu kritisieren." Er hat mehrmals angeboten, seine Position zu verlassen, damit die Universität nicht in Gefahr kommt. Aber Friedrich III. hat ihn immer weiter beschützt und ihm erlaubt zu bleiben. Dann sehen wir hier, was Luther zu Spalatin sagte, Februar 1520.

[1:04:53] Und er geht weiter. Luther beschäftigt sich jetzt mehr mit den Schriften von Jan Hus. So bekommt er eine viel bessere Sicht, im Gegensatz zu dem, was praktiziert wurde. Eck ging jetzt persönlich nach Rom, um den Papst die neuesten Äußerungen von Luther vorzuhalten. Er hat dann auch ein Buch verfasst über die Autorität des Papstes. Er hat das tatsächlich am 1. April veröffentlicht. Wo man ja ab und zu April-Scherze macht. Das ist vielleicht der interessanteste Teil der Geschichte. Hier trafen jetzt nicht mehr zwei Theologien aufeinander, sondern zwei verschiedene Weltanschauungen.

[1:06:18] Am 15. Juni 1520 wurde dem Luther jetzt der Bann angedroht. Er schrieb daraufhin ein Traktat. Darin erklärt er dieses berühmte Konzept des allgemeinen Priestertums. Es war so berühmt, dass es nach zwei Wochen schon ausverkauft war. Er veröffentlicht dann noch ein anderes, das "Vorspiel von der Babylonischen Gefangenschaft der Kirche", wo er sagt: "Meine 95 Thesen, widerrufe ich, die waren viel zu schwach." Und die gesamte Theologie des Mittelalters wird jetzt radikal in Frage gestellt. Dieses Buch oder diese Schrift hat mit Rom jetzt vollständig gebrochen. Er sagt ganz kühn: "Die Autorität, die Tradition und die Behauptungen Roms haben keinerlei Autorität."

[1:07:33] Am 10. Dezember 1520 hat er dann diese Bann-Androhungsbulle und sogar das Kirchenrecht öffentlich in Wittenberg verbrannt. Das tat er tatsächlich zitternd, denn, wie wir uns erinnern, war das die Kirche, die er geliebt hatte, in der er aufgewachsen war. Aber eine Sache war in seinem Kopf jetzt ganz eindeutig fest: "Ich möchte dem Wort Gottes vertrauen und folgen."

[1:08:07] Die Bibel wurde zum Fundament der Reformation. Sie hat Martin Luther durch schwierige Zeiten geholfen. Sie hat Tausende Menschen geholfen durch schwierige Zeiten in ihren Leben. Heute steht die Bibel als Lichtblick für Menschen auf der ganzen Welt, die durch schwierige Zeiten in ihren Leben gehen. Menschen, die wirklich nach etwas suchen, dem sie vertrauen können, wenden sich der Bibel zu.

[1:08:55] In Johannes 17, Vers 17 steht: "Heilige sie in deiner Wahrheit. Dein Wort ist Wahrheit." Und Johannes 14, Vers 6 sagt: "Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich." Da ist Kraft im Wort Gottes. Und dieses Wort Gottes bringt uns zu Jesus. Jesus ist derjenige, der uns Friede und Hoffnung und Stärke in diesem Leben geben kann.

[1:09:38] Bevor wir heute Abend enden, möchte ich ein kleines Gedicht hier vortragen. Die Schönheit und die Kraft des Gedichtes wird durch die Übersetzung etwas geschmälert. Aber ich hoffe und bete, dass ihr das Gedicht, das wir heute Abend lesen werden, euch gut überbringt. Das Gedicht heißt "Der Amboss".

[1:10:12] Letzten Abend stand ich an der Tür des Schmieds und hörte den Amboss, wie er wie eine Kirchenglocke klang. Hineinschauend sah ich auf dem Grund alte Hämmer von der Zeit abgenutzt. Ich fragte: "Wie viele Ambosse hast du gehabt, um diese Hämmer so abnutzen?" "Nur einen", sagte er mit zwinkendem Auge. "Der Amboss nutzt die Hämmer ab." So dachte ich an den Amboss Gottes Wort, den Skeptiker jahrzehntelang beschlagen haben. Obwohl man den Klang der Schläge hörte, ist der Amboss immer noch da. Die Hämmer alle sind Vergangenheit. Das Wort Gottes hat den Test der Zeit übernommen. Immer und immer wieder haben Menschen versucht, die Bibel in Misskredit zu bringen. Aber immer und immer wieder hat sich die Bibel als überlegen erwiesen. Das ist, was Luther verstanden hat. Und das müssen wir heute auch verstehen.

[1:12:02] Wir müssen die Bibel übernehmen. Heute Abend möchte ich euch ermutigen, dass wir Zeit mit Gottes Wort verbringen. Dass Gott uns stärken kann und uns helfen kann, sodass auch wir ein festes Fundament haben, auf dem wir stehen können, so wie Martin Luther auch. Wer möchte auch solch einen Glauben haben von uns? Wir wollen noch einmal beten.

[1:12:45] Lieber Vater im Himmel, wir möchten dir Danke sagen für die Zeit, die wir heute in deinem Wort verbringen konnten. Wir danken dir auch, wie du Luther zurück zu deinem Wort geführt hast. Wir danken dir, dass du uns segnest, damit wir dein Wort besser verstehen können. Im Namen Jesu beten wir dies. Amen.

[1:13:28] Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!


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