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Sola Veritas – Die Wahre Chronik der Reformation

500 Jahre ist die Reformation alt: wird sie fortgeführt oder begraben? Wie verhalten sich Luthers Erben und was wird aus seinen (Wieder)entdeckungen? All das sind wichtige Fragen. Doch beantworten kann sie nur, wer das Reformationsgeschehen selbst gründlich kennt. „Sola Veritas – Die wahre Chronik der Reformation“ bietet weitaus mehr als die üblichen bekannten Zusammenfassungen und Anekdoten. Ausgehend vom Jahre 1482 wird alles chronologisch erzählt, was weltgeschichlich und biographisch (sowohl bezüglich Luther als auch vieler anderer, zum Teil sehr unbekannter Reformatoren) wichtig war. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt des Spätmittelalters, erleben sie das zaghafte Aufblühen von Wissenschaft und Kultur, verfolgen sie die Debatten um philosophische und theologische Streitfragen und entdecken sie Schritt für Schritt mit Luther und seinen Mitkämpfern befreiende biblische Wahrheiten. So wird Kirchengeschichte lebensnah und endlich gut verständlich…. Neue Folgen wöchentlich, bzw. wenn es die Zeit erlaubt. Ein Programm von www.joelmediatv.de

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In dieser Folge von Sola Veritas wird der Beginn der Reformation im Jahr 1517 beleuchtet, insbesondere die Ereignisse rund um Martin Luthers 95 Thesen. Es wird dargestellt, wie die Thesen sich verbreiteten, welche Reaktionen sie hervorriefen und wie sich die Auseinandersetzung mit der Ablasspraxis entwickelte. Darüber hinaus werden weitere bedeutende Ereignisse und Persönlichkeiten des Jahres 1517 in Europa vorgestellt, die im Kontext der Reformation und des humanistischen Denkens stehen.


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Serie: Sola Veritas - Die wahre Chronik der Reformation

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Transkript

[0:37] Herzlich willkommen zu Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation hier auf www.joelmedia.de. Schön, dass du dir eingeschaltet hast zu einer weiteren Folge, in der wir die Geschichte der Reformation beleuchten wollen, das Leben der Reformatoren unter die Lupe nehmen wollen und entdecken wollen, wie Gott diese gewaltige Bewegung Schritt für Schritt geführt hat. Bevor wir heute damit fortfahren, das Jahr 1517, vor allem die letzten Wochen, genauer unter die Lupe zu nehmen, möchten wir, wie es gewohnt sind, mit einem Gebet starten.

[1:11] Dazu lade ich euch alle herzlich ein. Lieber Vater im Himmel, wir danken dir für die Gelegenheit, erneut in die Geschichte zurückschauen zu können. Wir möchten dich bitten, dass wir lernen, wie deine Wahrheit in einem Konflikt mit dem Irrtum steht und wie wir uns ganz auf deine Seite stellen können. Wir möchten dich bitten, dass du uns hilfst zu erkennen, wie in unserem Leben Reformation geschehen kann und welche Schwierigkeiten dann aber auch auf uns warten. Wir möchten dich bitten, dass du den Heiligen Geist diese Dinge in unser Herz schreibst und bitten dies im Namen Jesu.

[2:05] Teil 23: Der Durchbruch. Das Ende von 1517. Am 31. Oktober 1517 hatte Martin Luther die 95 Thesen in Wittenberg an die Türen angenagelt. Etwa 33, 34 Jahre alt, Professor der Theologie in Wittenberg. Und dieses Ereignis sollte Weltgeschichte machen. Nichts von dem war ihm an diesem Tag oder in den folgenden Tagen bewusst. Er wollte ja lediglich eine Diskussion, eine Disputation anstoßen, zu der es dann aber nie kam.

[2:51] Diese Thesen, 95 an der Zahl, verbreiteten sich sehr schnell, zunächst mündlich und dann auch handschriftlich. Wurden diese Thesen zunächst im lokalen Umfeld und dann immer weiter weitergegeben. Und es begann diese Bewegung der Reformation, zunächst einmal sehr klein. Und doch spürt man schon in den ersten Tagen nach dem Thesenanschlag, erreichte die Botschaft dieser 95 Thesen auch Johann Tetzel. Der war ja durch seine Ablasspredigten in gewisser Weise auch im Zentrum der Kritik von Martin Luther.

[3:33] Tetzel war zu dem Zeitpunkt in Berlin und hat dort in Berlin von den 95 Thesen und von der Kritik an der Ablasspraxis erfahren. Schon sehr früh haben einige Weggefährten Luthers erkannt, dass seine 95 Thesen womöglich als Angriff auf das Papsttum selbst gewertet werden könnten. Obwohl Luther, dass wir das in der letzten Folge gesehen hatten, überhaupt gar nicht intendiert hatte. Ja, er hatte eigentlich Partei ergriffen für den Papst und wollte das Papsttum vor diesen Missständen in der Ablasspraxis beschützen.

[4:12] Doch der Wittenberger Jurist Christoph Scheurl warnte Luther auf einer kleinen gemeinsamen Reise: "Es wäre nicht klug, gegen den Papst zu schreiben." Anders als Luther haben andere in seiner Umgebung sehr früh realisiert, dass dies weitreichende Konsequenzen haben würde.

[4:33] Was Luther mit den 95 Thesen ausgedrückt hat, schon am dritten November haben wir ein erstes Zeugnis in schriftlicher Form über das Feedback, dass die 95 Thesen erhalten haben. Christoph Scheurl, der ja seit einigen Monaten, seit Beginn des Jahres in einem Brief freundschaftsverhältnis mit Luther stand, der in Nürnberg ja dort als Rat tätig war, sendet einen Brief an Luther und an den schreibt er folgendermaßen: "Hier wieder lesen können an Martin Luther: Stelle Christi Theologie wieder her und wandele in seinem Gesetz." Also hier ist große Begeisterung. Man hat den Eindruck, dass Leute die Wahrheit wieder herstellt.

[5:22] Weiter heißt es dann in diesem Zitat: "Deine Thesen werden von dem Dekan zu Eichstätt, einem gelehrten Mann, und sehr vielen anderen gutgeheißen." Also schon wenige Tage nach dem Erscheinen dieser Thesen gibt es positives Feedback in Nürnberg und anderswo. Luther hat dann diese 95 Thesen auch nach Erfurt verschickt, wo sein langjähriger Freund Johann Lang dort im Kloster als Leiter tätig war.

[6:00] Luther war sich sicher, dass diese Thesen eigentlich negativ aufgenommen werden würden. Die Spannung zwischen Erfurt und Luther, dem Kloster in Erfurt und Luther, die sind ja in den letzten Folgen deutlich auch dokumentiert worden. Interessant ist, dass Luther in dem Begleitschreiben zu den 95 Thesen erneut weniger vom Ablass spricht, als vielmehr gegen Aristoteles. In den folgenden Wochen stellt man in dem Briefwechsel von Luther sogar fest, dass er fast gar nicht über den Ablass spricht, sondern immer wieder gegen Aristoteles.

[6:35] Wäre ja auch schon in den 97 Thesen im September 1517 deutlich gemacht hat, dass ihm das das eigentliche Kernanliegen war, die Scholastik anzugreifen, die Verquickung von griechischer Philosophie und christlicher Lehre. Interessant ist, dass Luther auch diesen Brief an Johann Lang mit "Terios" unterschreibt, Martin Delius, das heißt griechisch: der Freie. Und diese Formel "Terios", die hat dann später dazu geführt, dass Luther seinen eigentlich gebräuchlichen Nachnamen "Lude" in "Luther" mit "th" gewandelt hat.

[7:23] Am 17. November wird der Brief Luthers, den er an Albrecht von Brandenburg, den Erzbischof von Mainz geschickt hat, geöffnet. Und zwar von den Reden von Albrecht. Und die leiten dann den Brief nach Aschaffenburg weiter, wo der Erzbischof sich aufhält. Das heißt, bis zu diesem Zeitpunkt, also mehr als zwei Wochen nach der Veröffentlichung, hat Albrecht überhaupt noch gar keine Kenntnis gehabt von dem Inhalt dieser 95 Thesen.

[7:56] Derweil tobt Tetzel. Er war aufgebracht wegen Luther, noch immer, weil in Berlin. Und er drohte öffentlich, dass er, dass Luther innerhalb von drei Wochen auf dem Scheiterhaufen sterben werde. Damit ist Tetzel der erste gewesen, der die Todesstrafe für Luther aufgrund seiner Kritik an der Ablasspraxis ins Spiel gebracht hat und dies gefordert hat. Aber Luther hatte natürlich gerade in Wittenberg auch starke und gute Befürworter, unter ihnen zum Beispiel Bartholomäus Bernhardi, der sehr stark hinter seinem Freund Luther stand und der dort auch an der Universität tätig war.

[8:40] Am 27. November wird uns bekannt, dass der Bischof von Merseburg in Sachsen-Anhalt die 95 Thesen kennt und sie auch gut heißt. Heißt also, von einem sehr frühen Zeitpunkt an sind diese Thesen auch in der kirchlichen Welt zum Teil auf sehr offene Türen gestoßen. Der Bischof von Merseburg hat diese Thesen, wie gesagt, gutgeheißen, hoffte auch, dass sie sich überall verbreiten würden. Fürchtete aber gleichzeitig den Erzbischof, denn er ahnt schon, dass diese Sache ja schwierig ausgehen könnte.

[9:20] Der Albrecht von Brandenburg, der Erzbischof von Mainz, und auch mal Druck. Der begann jetzt in der Sache aktiv zu werden. Am ersten Dezember ordnete er ein Gutachten an. Die Universität in Mainz sollte sich wissenschaftlich mit den 95 Thesen beschäftigen und eine entsprechende Stellungnahme abgeben. Albrecht hat zunächst einmal gar nicht mit Luther selbst Kontakt gehabt und Luther hat stattdessen von anderen Kirchenfürsten Rückmeldung bekommen, zum Beispiel vom Bischof von Brandenburg, Hieronymus von Schulze, der Luther warnte: "Diese Sache jetzt gar nicht erst anzufangen, weil er sonst Schwierigkeiten mit der Kirche bekommen würde."

[10:05] Und das war durchaus fast schon prophetisch diese Warnung. Das Gutachten, das er Albrecht von Brandenburg in Mainz anfordert, braucht aber länger als gedacht. Albrecht hatte eigentlich eine schnelle Lösung bevorzugt, aber zehn Tage später war immer noch kein Gutachten zu sehen. Und so hat er am 10. Dezember dieses Gutachten noch einmal angemahnt. Also offensichtlich war es dem Albrecht von Brandenburg sehr dringlich. Er wollte schnell die Sache wieder im Griff haben.

[10:46] Derweil ist auch Tetzel aktiv gewesen. Er hat sich besonders persönlich angegriffen gefühlt von den 95 Thesen und vor allem auch von der Kritik Luthers, in der ja Luther unter anderem andeutet, dass in der Ablasspredigt behauptet worden ist, dass selbst derjenige, der die Gottes Mutter vergewaltigt hatte, von den Ablässen freigesprochen werden könnte. Nun, Tetzel hatte behauptet, so etwas nie gesagt zu haben und hat sich dann auch in Halle vom Magistrat und von den Räten, das heißt, von den obersten Politikern der Stadt, feierlich bestätigen lassen, dass er so etwas nie gesagt habe.

[11:28] Am 13. Dezember kam Albrecht von Brandenburg mit seinen Räten zusammen. Er hat dort offenbart, dass er sich eigentlich nicht besonders angegriffen fühlt von dieser Kritik des Mönches, aber das Gutachten soll so dringlich erstellt werden, damit das Volk vor dem Irrtum Luthers bewahrt werde. Seine Ratgeber schlugen ihm vor, man könnte doch einfach in Übereinstimmung mit der Ablassbulle dem Luther sagen, dass er nichts weiter unternehmen dürfe. Ja, die Ablassbulle des Papstes stellt ganz deutlich klar, dass die Ablasspredigt nicht behindert werden darf.

[12:08] Und auf der Grundlage könnte man dem Luther einfach jegliches weiteres Vorgehen verbieten. Und so war der Vorschlag, man solle Tetzel doch beauftragen, das dem Luther zu sagen. Dieser Vorschlag ist dann allerdings nicht weiter verfolgt worden, nicht zuletzt auch deswegen, weil Tetzel selbst persönlich enorm aufgebracht war über Luther.

[12:29] Interessant ist auch, dass zu diesem frühen Zeitpunkt Albrecht von Brandenburg bereits informell den Papst Leo informiert hat und auch von dieser Seite, vom Papsttum selbst, eine Aufklärung erhofft hat. Das heißt, noch Ende 1517 hat man, wenn auch noch inoffiziell, in Rom gewusst, dass dort dieser Mönch in Wittenberg, dieser Theologieprofessor, dort etwas gegen diesen Peters Ablass formuliert hat. Die Sache war jetzt sozusagen weitaus bekannt.

[13:06] Und hat sich dann am 14. Dezember noch einmal in Halle bestätigen lassen, diesmal von 35 verschiedenen Geistlichen, dass er diese in den 95 Thesen angeführte Behauptung mit der Vergewaltigung der Gottesmutter niemals gesagt habe. Es ging jetzt also schon recht juristisch zur Sache und Tetzel wollte seinen, naja, so besonders gut, weil die Russen auch wieder nicht, aber seinen Ruf nicht noch weiter schädigen lassen.

[13:35] Derweil erschienen in diesem Monat, im Dezember, die ersten Drucker der 95 Thesen in Nürnberg, in Leipzig und auch in Basel. Wurden diese Thesen zum ersten Mal gedruckt, noch nicht einmal in Wittenberg. Und Scheurl hatte zunächst einmal die Thesen handschriftlich in Nürnberg verbreitet. Jetzt wollen sie, wie gesagt, gedruckt und dann auch schon bald ins Deutsche übersetzt. Sie waren ursprünglich auf Latein formuliert.

[14:07] Der Nürnberger Ratsherr Kaspar Schürer war derjenige, der die 95 Thesen ins Deutsche übersetzte und damit die Verbreitung im Volk noch einmal enorm beschleunigt. Innerhalb von zwei Wochen ungefähr verbreiteten sich so die Thesen wie ein Lauffeuer in ganz Deutschland. Luther hatte weder damit gerechnet, dass die 95 Thesen unter Druck würden, noch, dass sie sich so rasant verbreiten würden. Als er es so langsam realisierte, dass das passiert hat, hat er das Ganze für ein Wunder Gottes gehalten.

[14:49] Und ihm ist dann auch bewusst geworden, dass wenn seine Thesen jetzt so sehr in der Öffentlichkeit präsent sind, hätte er sie vielleicht noch etwas klarer formulieren müssen. Er hat den Eindruck gehabt, dass diese 95 Thesen, so wie sie dort jetzt auf dem Papier standen, zwar für eine Diskussion im lokalen Rahmen in Wittenberg ganz geeignet waren, aber gar nicht so sehr für diese großartige Diskussion, die jetzt sich abzuzeichnen begann.

[15:20] Er ahnte jetzt schon, dass er sich erneut zu dem Thema äußern müsste. Am 17. Dezember hat dann die Universität in Mainz das von dem Erzbischof so dringlich angeforderte Gutachten vorgelegt. Es ist recht kurz gehalten und nur ein einziger Aspekt ist herausgegriffen worden. Die Mainzer Gutachter stellten fest, dass Luther die Macht des Papstes bestritten habe in den Thesen. Also, obwohl wir die Thesen, wie wir gesehen haben, ja eigentlich den Papst verteidigen wollen, haben auch die Mainzer Gutachter zwischen den Zeilen gelesen, dass hier offensichtlich die Macht des Papstes angegriffen wird.

[16:05] Und deswegen sei Luther von der Kirchenlehre abgewichen. Und weil das der Fall ist, darf man über solche Punkte nicht diskutieren. Also, Dinge, die die Kirchenlehre kritisieren, sind nicht Gegenstand einer Diskussion nach Kirchenauffassung. Und das allein wird von dem Gutachten festgehalten.

[16:27] Die Mainzer schlugen jetzt vor, dass das Ganze durch die römische Kurie überprüft werden sollte. Das heißt, von Anfang an hat man die enorme Sprengkraft gesehen und auch die weitreichende Bedeutung dieser 95 Thesen. Interessant, dass auch, dass die Mainzer Gutachter nicht wirklich die 95 Thesen als solches verdammt haben inhaltlich. Man versuchte sich äußerst bedeckt zu halten und hat nur hier und dort angedeutet, dass man mit Luther nicht übereinstimmt.

[16:56] Derweil ging natürlich auch das theologische Leben für Martin Luther weiter. Mit dem 20. Dezember schrieb er einen Brief an den Pfalzgrafen. Der hatte ihm eine Frage gestellt bezüglich der Frauen im Evangelium, vor allem, wie viel Frauen dort am Grab gewesen sind und auch in Bezug auf die Identifikation einiger Frauen, bezüglich auch der Maria Magdalena und so weiter. Und Luther schreibt hier sehr kompetent und sehr interessant und beantwortet diese zum Teil recht kniffligen Fragen für den Sparren.

[17:29] Was also zeigt, dass Luther durchaus nicht einfach nur sein theologisches Pensum an der Universität absolviert hat, sondern immer gerne bereit war, auch schwierige Bibelfragen seinen Freunden zu beantworten.

[17:45] Der Ärger riss nicht ab für den Erzbischof Albrecht von Brandenburg mit dem Ablass. Diesmal hat es gar nichts mit Luther selbst zu tun, sondern als am Ende des Jahres die Abrechnung vorgelegt wurde und die Ablasskommissare mehr als 300 Gulden pro Monat verrechnet hatten, da war Albrecht äußerst verärgert. Der Papst selbst hatte ihn aufgefordert, äußerste Sparsamkeit bei den Ausgaben walten zu lassen, denn schließlich sollte das meiste Geld zur Tilgung der Schulden und vor allem zur Erbauung des Petersdomes verwendet werden. Aber die Ablasskommissare wollten selbst einen guten Teil abschöpfen und haben entsprechend viel Geld in Rechnung gestellt.

[18:31] Dieses ganze Unternehmen war also durchaus von Schwierigkeiten behaftet.

[18:38] Was war sonst los in diesem schicksalhaften Jahr 1517? Noch ein kleiner Überblick über die Ereignisse. Sonst auch andere Reformatoren. Vielleicht sei noch kurz erwähnt, dass in dem Jahr 1517, das so große Veränderungen in Wittenberg bringen sollte, die Stadt selbst eigentlich noch fest im Griff war der mittelalterlichen Frömmigkeit. Allein in diesem Jahr waren 9000 Messen gelesen worden und es war eine Stätte, wo intensiv die Maria und auch die Heilige Anna verehrt wurden. Die Reliquien des Kurfürsten erfreuten sich großer Beliebtheit. Und obwohl an der theologischen Fakultät durch Luther, Karlstadt und die anderen bereits die Reformation im Gange war, war das in der Bevölkerung noch kaum praktisch angekommen, obwohl die Predigten von Luther natürlich schon großer Begeisterung und großer Anteilnahme erfreuten.

[19:47] Ebenfalls im Jahre 1517 wurde Capito Rektor der Universität in Basel und hatte damit jetzt an einem der wichtigsten Standorte der mittelalterlichen Gelehrsamkeit enormen Einfluss. In dieser Stadt ist der auch Erasmus immer wieder ein- und ausgegangen.

[20:05] Fabian Schlosser, 32-jährig, schloss sein Medizinstudium in Wien mit dem Doktortitel ab. Und Johannes Bugenhagen, ebenfalls 32, wurde jetzt berufen, um im westpommerschen Kloster Belbuck als Lektor die Bibel auszulegen. Hatten wir ja, das große Berühmtheit in seiner Region erlangt hatte, als Laie, der sich besser mit der Bibel auskannte als viele Gelehrte. Sollte jetzt im Kloster als Bibelausleger wirken. Zudem wurde er beauftragt vom Herzog von Pommern, Bogislaw dem X., eine Geschichte Pommerns zu verfassen.

[20:48] Und darauf begann Luther, Bugenhagen in Pommern umherzureisen, um Material zu sammeln.

[20:56] Einer der frühesten, eifrigen Anhänger Luthers war Franz Günther, der in Jüterbog Rats prediger war. Einer Stadt, die etwas östlich, nordöstlich von Wittenberg gelegen war. Und er begann jetzt schon in diesem Jahr die Thesen von Luther gegen die scholastische Theologie, nicht nur die 95 Thesen, sondern die grundsätzlichen Thesen Luthers, sein eigentliches Anliegen gegen die Scholastik zu vertreten. Sehr zugespitzt. Und so wurde Jüterbog neben Wittenberg zu einem ersten Zentrum der lutherischen Grundgedanken.

[21:38] Jacques Lefèvre, der Tabell, der spätere französische Reformator, verfasste ein Werk im Jahre 1517: "De Maria Magdalena et tribus Christi discipulis". Situation, wo es um die Frage der Identifikation der Maria Magdalena ging. Eine Frage, die wir gerade, wie wir gesehen haben, einige Theologen in der Zeit beschäftigte und die zum Teil sehr kontrovers diskutiert wurde. Behauptete, dass Maria Magdalena und die Schwester von Lazarus und die Frau, du Jesus, die Füße, sollte drei unterschiedlich verschiedene Personen gewesen sein.

[22:22] Wilhelm Dissen, 25, ging nach Paris, hat eine ganze Zeit lang bei den Humanisten in Basel gelebt. Und Ambrosius Blarer wurde Magister der freien Künste in Wien.

[22:38] Dabei gab er auch die Hymnen von Pico della Mirandola heraus, jenem Humanisten, von dem wir in den allerersten Folgen die Serie gehört haben, der auch, der auch vorne zwingen, die so verehrt worden ist, der sehr früh gestorben ist und bei Banus hat sich viele interessiert und entsprechend seine Werke editiert.

[22:55] Johannes Forster wurde im Jahre 1517 21-jährig. Erik Barke, Loriot in Ingolstadt und Fridolin Brunner, der in Glarus aufgewachsen war und offensichtlich unter Zwingli zur Schule gegangen sein muss, der begann jetzt 19-jährig, sein 21-jähriger zu sagen, sein Studium in Basel.

[23:22] Johannes Matthesius, mit 13 musste er erleben, wie sein verwitweter Vater verarmt ist und das Bergwerk, in dem sein Vater und er beschäftigt waren, verfiel. So musste Johannes zurück zu seiner Großmutter ziehen nach Mittweida.

[23:41] Unterdessen hat sich in diesem Jahr das Stiftkapitel von Würzburg darum bemüht, den Karlstadt als Prediger zu bekommen. Kannst war relativ bekannt mittlerweile und man wollte ihn als berühmten Prediger gewinnen. Aber Karlstadt hat das abgelehnt.

[24:03] George ist Master of Arts geworden in Cambridge und Tindall hat in Cambridge sein Studium fortgesetzt. Das Studium der Theologie, das er in Oxford begonnen hatte. Er hatte gewechselt, unter anderem deswegen, weil er enttäuscht gewesen war, dass man mehr die Philosophen studiert hatte als die Bibel selbst. Und er musste jetzt feststellen, dass das in Cambridge genauso wie in Oxford war, dass das Theologiestudium längst nicht bedeutet, dass man sich wirklich mit der Bibel beschäftigt. Und das hat ihn doch ziemlich enttäuscht.

[24:42] Und Hans Tausend, der spätere Reformator, wurde Bakkalaureat Rostock.

[24:49] Weitere Ereignisse des Jahres 1517 waren die Entdeckung der Insel, die wir heute Taiwan durch die Portugiesen im Osten. Die Portugiesen nannten die Insel Formosa. Auf seine späten Jahre hat Kaiser Maximilian sich auch noch literarisch betätigt. In diesem Jahr wurde sein "Theuer Dank" veröffentlicht. Die Geschichte eines Ritters namens Theuer Dank, der seine Braut durch viele Abenteuer erwirbt.

[25:21] Der Maximilian hat hier seine eigene Lebensgeschichte, vor allem seine frühe Jugend, verarbeitet, als er damals die Maria von Burgund um sie geworben hat und dann geheiratet hat. Das Werk ist recht bekannt gewesen und wurde gut verkauft, nicht zuletzt, weil der Kaiser selbst der Autor war. Oder das Ganze ist auch mit sehr hochwertigen Illustrationen versehen gedruckt worden.

[25:47] Hätte sehen können, inhaltlich und auch rhetorisch natürlich auf weitaus höherem Niveau war ein anderes literarisches Werk, das 1517 erschienen und zwar die sogenannte "Klage des Friedens" von Erasmus von Rotterdam.

[26:04] Für dieses Jahr 1517 planten verschiedene europäische Mächte eine Friedenskonferenz, bei der das Thema Krieg grundsätzlich angegangen werden sollte. Und Erasmus von Rotterdam hofft auf die Gelegenheit, dass man den Krieg international ächten könnte. Und so schrieb er unter anderem folgende Worte: "An euch appelliere ich, ihr Herrscher, von deren Befehl hauptsächlich das Menschengeschick abhängt, die ihr Sinnbild der Herrschaft Christi unter den Menschen darstellt. Besinnt euch auf den Ruf eures Königs zum Frieden, weswegen euch die ganze Welt durch langes Unheil erschöpft, darum anfleht. Wenn jemand noch gegen wen Groll trägt, ist es recht, dies für das gemeinsame Glück aller zu vergeben. So groß ist die Sache, als dass man sie aus geringfügigen Gründen verzögern dürfte."

[26:55] "Ich appelliere an euch, ihr gottgeweihten Priester, geht mit allem Eifer das wieder, wovon ihr wisst, dass es Gott am willkommensten ist, werth, das ab, was ihm am meisten verhasst."

[27:04] wert das ab, was ihm am meisten verhasst ist. Und wir lesen weiter: Vom größten Teil des Volkes wird der Krieg verflucht. Man betet um Frieden. Einige wenige nur, deren gottloses Glück vom allgemeinen Unheil glücklich abhängt, wünschen den Krieg.

[27:25] Beurteilt selbst, ob es recht und billig sei oder nicht, dass deren Unredlichkeit mehr Geld als der Wille aller Guten ihr... Seht, bis jetzt ist nichts durch Bündnisse zustande gebracht, nichts durch Versteigerungen gefördert, nichts durch Gewalt, nichts durch Rache.

[27:38] Nun dagegen auf die Probe, was Persönlichkeit und Wohltätigkeit vermögen. Krieg wird aus Krieg gesät, Rache verursacht wie der Rache eine weitere literarische Besonderheit des Jahres war die erneute Wiederaufnahme der Dunkelmännerbriefe.

[28:00] Eine zweite Auflage erschien der berühmten Stadtbriefe von 1516 und dazu eine zweite Sammlung mit neuen fiktiven Briefen. Auch diesmal war es Ulrich von Hutten, der vor allem dafür verantwortlich gemacht worden ist. Die genaue Autorschaft ist nie ganz geklärt worden.

[28:27] Aber diese Dunkelmännerbriefe führten sehr stark dazu, dass in der Bevölkerung, vor allem auch unter den Gelehrten, eine starke Abneigung gegen die kirchlichen Scola Sticker entstand.

[28:40] Noch einen Punkt wollen wir heute dieser Folge ansprechen, einen der wichtigsten Punkte der gesamten Reformationsgeschichte, der sich allerdings leider überhaupt gar nicht genau zeitlich festlegen lässt. Und das ist die Tatsache, dass es bei Luther neben der äußeren Wende, die sich festmachen lässt, dann den 95 Thesen, die dann am 1. Oktober veröffentlicht worden sind, eine innere Wende gab, eine innere Reformation, die er erlebt hat, die allerdings nicht genau terminiert werden kann.

[29:20] Bezüglich eines Datums fest steht nur, wo diese innere Wende stattgefunden hat, nämlich im Turm seines Wittenberger Klosters. Man spricht auch vom Turmerlebnis. Die Meinungen, wann dieses Turmerlebnis stattgefunden hat, gehen weit auseinander.

[29:39] Manche glauben, dass es schon bald nach seiner Ankunft in Wittenberg 1511/12 gewesen sein muss, vielleicht sogar im Zuge oder bereits vor seiner Romreise. Andere glauben, dass dieses Erlebnis im Zusammenhang stehen muss mit seiner Römerbriefvorlesung und favorisieren dann z.B. ein Datum um 1515.

[30:08] Wiederum andere weisen darauf hin, dass aus einigen Aussagen Luthers hervorgeht, dass möglicherweise dieses entscheidende Erlebnis sogar erst nach den 95 Thesen, also in den Wochen und Monaten nach dem 31. Oktober 1517 stattgefunden hat, weil erst im Frühjahr 1518 die neue reformatorische Theologie in ganzer Fülle ganz greifbar zu fassen ist.

[30:39] Wir können diese Frage nicht abschließend klären. Vielleicht ist auch der eigentliche Hauptgrund dafür, dass Luther, tatsächlich, wie wir immer wieder gesehen haben, doch, sehen werden, immer mal wieder auch zurückfällt in alte Muster und seine Bekehrung und sein wachsendes Verständnis keine einmalige Sache waren, sondern er Schritt für Schritt Dinge verstanden hat und auch wieder in Zweifel gerät und hin- und hergeworfen worden ist.

[31:08] Man wird also nicht ein Datum festlegen können und sagen können: Bis dahin kannte das Evangelium nicht und hab dann was ihm vollkommen klar hat es Stück für Stück gelernt. Und irgendwo im Laufe dieses Weges, der ja schon beginnt, als er in Erfurt zum ersten Mal die Bibel in der Hand hält in der Bibliothek, bis hin zu der offensichtlich reformatorischen Erkenntnis, wie sie ab 1518 formuliert wird, irgendwo im Laufe dieses Weges muss auch dieses Turmerlebnis stattgefunden haben, von dem Luther später immer wieder berichtet.

[31:40] Aus verschiedenen Gründen hat er sich natürlich immer wieder mit dem Römerbrief beschäftigt. Es könnte also sein, dass er das im Zuge seiner Römerbriefvorlesung gemacht hat. Aber der Römerbrief war für ihn ein entscheidendes Buch, an dem er immer wieder und immer wieder gearbeitet hat.

[31:59] Und beim Lesen dieses Römerbriefs ist er immer wieder gestolpert über die Verse 16 bis 18. Dort schreibt Paulus: "Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht; denn es ist Gottes Kraft zur Errettung für jeden, der glaubt, zuerst des Juden, dann auch des Griechen."

[32:20] Der Luther war klug genug zu sehen, dass Paulus hier eine Art Definition vornimmt. Und so weiter: "Denn es wird darin offenbart die Gerechtigkeit Gottes, glauben zum Glauben, wie geschrieben steht: Der Gerechte wird aus Glauben leben."

[32:35] Während wir meistens in Vers 17 aufhören, lässt er weiter in Vers 18: "Denn es wird offenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit aufhalten."

[32:46] Und so las er das immer und immer wieder. Er las das Evangelium und stellte fest, dass im Evangelium die Gerechtigkeit Gottes offenbart wird. Und er las, dass der Zorn Gottes offenbart wird. Und in seinem von mittelalterlichem Denken geprägten Kopf bedeutet das, dass im Evangelium die Gerechtigkeit des Richters sich offenbart, der Zorn Gottes, der gerechte Zorn Gottes im Evangelium dargestellt wird.

[33:13] So hatte man ihm das immer wieder gelehrt. So musste die Praxis der Kirche auf ihn wirken. Und so las er das in diesem Text. Und obwohl er immer wieder gelehrt worden war, dass das Evangelium eine schöne Sache sei, dass Gott den Menschen liebt, war das wie ein Hindernis für ihn.

[33:33] Denn er las ja, dass das Evangelium die Gerechtigkeit Gottes und seinen Zorn offenbart. Und so lesen wir seine eigenen Worte hier: "Als ob es nicht genug sei, dass die Elenden schon durch die Erbsünde zur Verdammnis verurteilten Sünde durch die Forderung der Zehn Gebote mit jeder Art von Unglück bedrückt sind."

[33:58] Also hier spürt man den starken Einfluss von Augustinus in der Formulierung mit der Erbsünde, die jetzt in der Bibel so nicht gelehrt wird, aber die Augustinus lehrte und die Luther übernommen hat. Dann geht er weiter hier und sagt: "Für Gott dadurch noch zusätzlichen Schmerz hinzu, dass er uns durch das Evangelium im Sinne von Römer 1, Verse 17, 18, seine Gerechtigkeit und seinen Zorn offenbart."

[34:23] Also Luther empfand folgendermaßen: Er glaubte nicht, zuletzt durch Augustinus geprägt, dass der Mensch ohnehin schon seit Geburt Sünder ist aufgrund der Erbsünde, dass er ohnehin schon verdammt und verurteilt ist, dass die Zehn Gebote wie ein Damoklesschwert über ihm, dem Sünder, hängen. Und dass sie jetzt zudem auch noch das Evangelium, von dem er sich Frieden und Hilfe erwartete, in Wirklichkeit die Gerechtigkeit und den Zorn Gottes präsentieren.

[34:54] Und das war für ihn fast wie Hohn und Spott. Und so sagt er: "Ich wütete es so mit wildem und verwirrtem Gewissen. Ich klopfte trotzdem rücksichtslos an jener Paulusstelle an, gierig danach, zu wissen, was Paulus wollte."

[35:13] Und hier ist ein ganz großer Moment im Denken und Leben von Luther. Luther verstand den Text nicht richtig. Und so, wie er ihn momentan verstand, war es zum Verzweifeln. Und er hätte ja die Bibel zuschlagen können, das bringt nichts, das hilft mir nichts, das ist widersprüchlich oder das ist eine eine Drohbotschaft, eine schreckliche Botschaft, die mich nicht glücklich macht. Ich will damit nichts zu tun haben.

[35:37] Aber Luther hatte eine Liebe zur Wahrheit. Er wollte die Wahrheit wissen. Und so sagte er: "Obwohl ich verwirrt war, obwohl ich wild habe ich gewartet, habe ich immer wieder angeknüpft an dieser Stelle." Er wollte Gott nicht gehen lassen. Er wollte wissen, was Paulus sagt. Natürlich, an Gott festgeklammert, obwohl er Gott nicht verstand, hat er trotzdem an ihm festgehalten.

[36:05] Und das war der Schlüssel zum Turmerlebnis. Vielleicht ist das auch der Schlüssel für unsere persönliche Erfahrung mit Gott. Wenn wir die Bibel lesen, gibt es viele Stellen, die wir vielleicht nicht begreifen, Stellen, die uns wie Hohn und Spott vorkommen, Stellen, die das Bild eines liebevollen Gottes, wie es uns immer erzählt wird, wie es auf dem Luther-Durchbruch erzählt worden ist, eigentlich verzerren.

[36:36] Und sie schlagen wird einfach Liebe zu und sagen: Na ja, kann man nicht verstehen, will ich jetzt nicht verstehen, ist mir zu schwer. Und wir verpassen, dass Gott uns Großartiges offenbart. Luther hielt an Gott fest. Luther wollte wissen, was er nicht verstand. Und er klopfte immer wieder an.

[36:55] Er sagte deutlich, dass er danach dürstet, die biblische Wahrheit zu erkennen. Und so kämpft er mit Römer 1, Verse 16, 17, 18, immer und immer wieder. Wir wissen aus seinem Bericht oder wir wissen aus dem Bericht seines Sohnes von seiner Erfahrung in Rom, dass schon damals der Satz: "Der Gerechte soll aus Glauben leben", eben gezeigt hat, dass Aberglaube schlecht ist. Das heißt, dieser Gedanke war definitiv da bei ihm und kam immer wieder auch in seinem Denken hinein.

[37:33] Und doch war dieses Bild von Gott als dem gerechten, zornigen Richter, den man irgendwie gnädig stimmen musste, so stark bei ihm verankert. Und so schreibt er: "Durch Gottes Barmherzigkeit führte das Nachdenken zum Aufmerken auf den Zusammenhang von Römer 1, 17."

[37:58] Luther hat später festgestellt, dass er nicht alleine drauf kam, sondern weil er festhielt an Gott und sich nicht abhimmeln lassen wollte, weil er wirklich die Wahrheit verstehen wollte und sich nicht durch sein eigenes unwissentliches Wirken irritieren lassen wollte, war Gott in der Lage, barmherzig, wie Gott immer ist, dem Suchenden die Antwort zu geben.

[38:19] Lieber Freund, liebe Freundin, wenn du an Gott festhält, wird auch seine Barmherzigkeit dir zeigen, was er wirklich meint. Und so schaut er sich noch mal an, was Römer 1, Vers 17 eigentlich sagt: "Denn es wird darin offenbart die Gerechtigkeit Gottes." Das war dieser Stolperstein, über den er nicht darüber zu springen vermochte.

[38:45] Aber dann heißt es hier, dass wir da nicht offenbart die Gerechtigkeit Gottes aus Glauben zum Glauben, wie geschrieben steht: "Der Gerechte wird aus Glauben leben." Das Evangelium offenbart nicht einfach, dass Gott gerecht ist und mich deswegen verurteilt, sondern das Evangelium offenbart durch den Glauben, dass Gott gerecht ist, wenn er den Gläubigen leben lässt.

[39:22] Und das veränderte alles. Nicht mehr wahr ist der richtende Gott, den man irgendwie dazu bringen musste, durch eigene Werke vielleicht vom Gericht abzusehen, sondern das Evangelium offenbart, dass, wenn wir glauben, Gott gerechterweise uns nicht verurteilt, weil Jesus alles bezahlt hat.

[39:54] Und wer Jesus glaubt, muss nicht nur hoffen, sondern er darf wissen, dass ihm vergeben ist. Er lebt aus Glauben. Und dazu sei das Verstand, als das aufging, als es erstmal vom Gehirn ins Herz rutschte, da war er ein anderer Mensch. Da wurde er froh. Plötzlich war das Evangelium gute Nachricht. Es war nicht nur eine Theorie, dass man irgendwann erreichen kann.

[40:31] Es war etwas, was man gegenwärtig erleben konnte, etwas, was sie jetzt ist gilt. Denn wenn ich jetzt an Jesus glaube, darf ich wissen, dass ich jetzt von der Gerechtigkeit Gottes umhüllt bin und bekleidet bin. Wenn ich jetzt dann das vergebende Blut Jesu glaube, darf ich wissen, dass ich nicht verurteilt werde in dem gerechten Gericht Gottes, das stattfinden wird.

[41:01] Diese Erkenntnis der Nicht-Verurteilung durch das Blut Jesu, weil Jesus für mich gestorben ist, werde ich nicht verurteilt, wenn ich das glaube. Und Gott tut das rechtmäßig. Er offenbart seine Gerechtigkeit.

[41:17] Als diese Punkte an der richtigen Stelle waren im Denken von Luther, da war sein Herz weit. Er fühlte sich plötzlich im Paradies. War jetzt im Grunde genommen, war das der Durchbruch. Das war die eigentliche Bekehrung. Auch danach hat er nicht alles richtig verstanden, und wir haben gesehen und werden sehen, dass diese Reformation kein Wechsel von 180 Grad war in Bezug auf seine Theologie. Er hat immer weiter gelernt und auch falsche Dinge mitgeschleppt.

[41:49] Aber seine innere Beziehung zu Jesus änderte sich tatsächlich um 180 Grad. Es war nicht mehr der Versuch, einfach nur Jesus gnädig zu stimmen, sondern er wusste: Gott ist auf meiner Seite. Jesus hat sich mit mir identifiziert. Er steht nicht gegen mich. Ich muss nicht versuchen, ihm gut zu stimmen, sondern weil er gut ist, weil er barmherzig ist, steht er auf meiner Seite.

[42:18] Dieses Evangelium, diese Botschaft von der Rechtfertigung aus dem Glauben, steht seit Jahrhunderten wie eine Fackel der Wahrheit für alle Menschen aller Zeitalter, aller Kulturen. Die Bibel sagt: "Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat."

[42:48] Lieber Freund, liebe Freundin, glaubst du vielleicht auch, dass Gott gut ist, dass er gerecht ist, dass er auch liebevoll ist, aber dass du nicht gut genug bist, dass du irgendwie dich erst besser machen musst, damit du wirklich bist zu Gott zu kommen, um irgendwie dann seine Maßstäbe zu entsprechen?

[43:05] Wenn du dieses Gefühl hast, dann klopfe an die Paulusstelle, so wie Luther angeklopft hat, bis Gottes Barmherzigkeit dir zeigt, durch seinen Geist, dass Gott gerecht ist, wenn er dich leben lässt, dass Gott gerecht ist, wenn er dich nicht verurteilt, wenn du ihm glaubst, weil Jesus tatsächlich buchstäblich und ganz real für jede einzelne seiner Sünden gestorben ist, den vollen Preis dafür bezahlt hat.

[43:42] Und deswegen, wenn du ihm das glaubst, wenn du dein Leben übergibst, du für keine einzige Sünde selbst vor Gericht zur Verantwortung gezogen bist. Du stehst jetzt bekleidet mit der Gerechtigkeit Jesu. Seine Sünde hängt bei ihm am Kreuz. Seine Sündlosigkeit wird dir angerechnet. Gott hat Jesus am Kreuz so betrachtet, wie eigentlich uns betrachten müsste, damit er uns jetzt betrachten kann, wie Jesus hätte betrachtet werden müssen in seiner Sündlosigkeit.

[44:16] Jesus hat seinen Platz eingenommen. So kannst du den Platz von Jesus einnehmen, bezüglich des Auges Gottes. Du darfst ewiges Leben haben, ganz egal wer du bist, ganz egal was du getan hast, ganz egal wo du herkommst, ganz egal was dein Hintergrund ist, ganz egal was du bisher geglaubt hast. Wenn du an den Jesus glaubst, wenn du an Gott glaubst, wenn du den Heiligen Geist in deinem Herzen wirken lässt, dann wird die Liebe Gottes dir diese innere Reformation schenken.

[44:53] Der Durchbruch, der Luther letztendlich befähigt hat, es mit Kaiser und Reich, mit Papst und Kardinälen, ja, mit dem Teufel selbst aufzunehmen, in der Kraft Gottes, weil er wusste: Jesus vergibt. Nicht ich muss mich gerecht vor Gott machen, sondern Gott ist gerecht und seine Gerechtigkeit macht mich gerecht. Seine Reinheit reinigt nicht. Sein Wesen soll in mir widergespiegelt werden, nicht durch meine Anstrengung, sondern durch Gottes Wirken, mit dem ich jetzt kooperieren darf.

[45:33] Dieses Evangelium hat die Welt verändert, schon lange vor Luther, immer und immer wieder, wenn es erkannt worden ist, wenn es gepredigt worden ist. Dieses Evangelium hat Luther verändert und dieses Evangelium wird auch dich verändern, wenn du es in deinem Leben annimmst.

[45:50] Ist es nicht an der Zeit, lieber Freund, liebe Freundin, eine Entscheidung für Jesus zu fällen? Ich lade dich von ganzem Herzen ein, diese Entscheidungen nicht hinauszuschieben, sondern dein ganzes Leben Jesus anzuvertrauen, dass er diesen Durchbruch schenken kann, den er auch Martin Luther geschenkt hat.

[46:14] Und dann darfst du wissen, dass egal was passiert, egal welche Dinge deinem Leben passieren werden, Gott ist auf deiner Seite, denn er hat dich so sehr geliebt, dass er alles für dich gegeben hat. Gott segne deine Entscheidung für ihn.

[46:30] In der nächsten Folge werden wir sehen, wie jetzt die Auseinandersetzungen um die reformatorischen Ideen beginnt. Wir werden uns mit den ersten drei Monaten von 1518 beschäftigen, dann unter dem Titel: "Der Kampf beginnt". Bis dahin wünschen wir euch alles Gute, Gottes Segen und freuen uns, wenn ihr wieder einschaltet hier zu Sola Veritas, die wahre Chronik der Reformation.


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