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Manuskript zur Sendung >>> CSH_Manuskript_2018 4th Nr 7

In dieser Folge der Cannstatt Study Hour, „Wenn Konflikte aufkommen“, beleuchtet Christopher Kramp anhand von Beispielen aus der Apostelgeschichte, wie die frühe Christenheit mit Herausforderungen umging. Es wird gezeigt, wie organisatorische Mängel und unterschiedliche kulturelle Hintergründe zu Konflikten führten und wie diese durch klare biblische Prinzipien und die Führung des Heiligen Geistes gelöst werden konnten. Die Lektion betont die Bedeutung der Einheit in Christus und wie biblische Wahrheiten uns helfen, Konflikte konstruktiv zu bewältigen.

In dieser Folge der Cannstatt Study Hour, „Wenn Konflikte aufkommen“, untersucht Christopher Kramp, wie die frühe Christenheit mit Meinungsverschiedenheiten und Spannungen umging. Anhand von Beispielen aus der Apostelgeschichte wird gezeigt, wie durch die Führung des Heiligen Geistes und die Anwendung biblischer Prinzipien Konflikte gelöst werden können. Die Lektion betont die Bedeutung von Organisation, kluger Entscheidungsfindung und dem Festhalten an der Wahrheit, um Einheit in der Gemeinde zu bewahren und zu fördern.


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Serie: Cannstatt Study Hour 2018 Q4: Einheit in Christus

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Transkript

[0:00] Hallo und herzlich willkommen zur Cannstatt Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Ein herzliches Willkommen auch allen Zuschauern auf Amazing Discoveries zur siebten Folge unserer Serie über die Einheit in Christus. Wir sind in der Mitte angekommen dieses so wichtigen Themas, das uns als Gemeinde ganz besonders angeht, sowohl in den lokalen Ortsgemeinden als auch weltweit in der gegenwärtigen Situation. Wir haben in verschiedenen Folgen schon verschiedene Perspektiven auf dieses Thema gehabt.

[1:01] Heute soll es in besonderer Weise um ein entscheidendes Thema gehen, das der Titel dieser Folge ist: Wenn Konflikte aufkommen. Wir wollen uns im Wesentlichen mit Beispielen aus der Apostelgeschichte beschäftigen, in denen sich zeigen wird, wie die Urgemeinde, die frühe Christenheit, mit aufkommenden Problemen fertig geworden ist, durch die Führung des Heiligen Geistes und einige Faktoren und Aspekte, die wir dann jetzt gemeinsam herausarbeiten wollen, mit dem Ziel, dass genau diese Faktoren und Einflüsse, die damals am Wirken waren, auch heute in unseren Familien, unseren Ortsgemeinden, unserer weltweiten Adventgemeinde Anwendung finden, damit Konflikte, die es immer mal geben kann, die immer mal wieder auch aufbrechen, damit sie gelöst werden können und nicht dauernd schwelen und damit viel Schaden anrichten.

[1:57] Wir bereiten uns vor bei diesem Thema auf das Bibelgespräch am 17. November. Und bevor wir in das Studium dieser ausgewählten Passagen aus der Apostelgeschichte, die wir im letzten Quartal sowieso schon ganz gründlich studiert haben, also einiges wird auch Wiederholung sein und Vertiefung, bevor wir damit anfangen, wollen wir jetzt gemeinsam zum Anfang beten.

[2:19] Lieber Vater im Himmel, danke für dein Wort und danke, dass es uns nicht nur interessant zum Lesen ist, sondern dass wir dort viele wichtige praktische Hinweise und Ratschläge bekommen, wie wir mit den Situationen in unserem Leben und in unserer Gemeinde umgehen können. Wenn wir uns jetzt das Vorbild der Urgemeinde anschauen, die auch Streit und Zwistigkeiten erlebt hat und wenn wir sehen, wie sie mit diesen Konflikten umgegangen ist, dann möchten wir dich bitten, dass du uns mit deinem Heiligen Geist erfüllst, damit dieser Geist, der diese Worte inspiriert hat, auch uns zeigt, wo wir solche Konflikte haben und vor allem, wie wir sie lösen können und welche Einstellungen ich persönlich und wir alle dazu brauchen. So möchten wir dich bitten, dass du unser Lehrer bist und dass wir die Dinge, die wir heute lernen, wirklich anwenden können, wo immer auch in unserem Leben, in unserem Einflussgebiet, in unseren Gemeinden Konflikte herrschen. So bitten wir dich jetzt um deinen Segen im Namen Jesu, Amen.

[3:23] Der Lektionstext ist in Galater 3 Vers 27 und 28. Dort sagt Paulus in dem Brief an die Galater, wir werden später noch mal kurz darauf zurückkommen, warum er diesen Brief schreibt: „Denn ihr alle, die ihr in Christus hineingetauft seid, ihr habt Christus angezogen.“ Paulus spricht an die Gläubigen, die auf Christus getauft worden sind und die deswegen auch mit Jesus leben sollen. Jesus soll sichtbar sein in ihrem Leben und das ist die Grundlage, die Basis für den nächsten oft zitierten Vers, Vers 28. „Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Knecht noch Freier, da ist weder Mann noch Frau, denn ihr alle seid einer in Christus, Jesus.“

[4:24] Also unter welchen Umständen ist der Unterschied zwischen Jude und Grieche, zwischen Knecht und Freier, zwischen Mann und Frau vor Gott unerheblich? Dann, wenn Jude und Grieche Christus angezogen haben, wenn der Knecht und der Freie mit Jesus gehen, wenn sowohl der Mann als auch die Frau vom Geist Gottes erfüllt werden. Ein Mann wird nicht eine Frau und eine Frau wird nicht ein Mann, dadurch, dass sie zu Jesus kommen. Genauso wird ein Jude nicht ein Grieche und ein Grieche nicht ein Jude und auch ein Sklave wird nicht notwendigerweise frei und ein Freier auch sowieso kein Sklave, wenn er zu Jesus kommt. Aber vor Gott, in Bezug auf das Evangelium, sind sie alle gleich, denn sie alle sind mit Jesus verbunden. Sie haben trotzdem noch verschiedene Kulturen, sie haben trotzdem noch verschiedene Aufgaben, verschiedene biologische, soziale Stellung, aber vor Gott sind sie alle eins.

[5:09] Und diese Einheit durch Jesus ist genau das Thema der Bibel und das Thema des Paulus und auch das Thema der Apostelgeschichte. Diese Idee, dass die Verbindung mit Jesus uns alle auf eine Stufe stellt, dass wir alle eins sein können in Jesus, war auch in der frühen Urgemeinde nicht so ganz präsent am Anfang. In der Tat lesen wir, dass der erste und so richtig bekannte größere Konflikt zwischen Parteien in der Gemeinde genau über diese Frage der Nationalität sich entwickelte.

[6:02] In der Apostelgeschichte 6 und dort Vers 1 heißt es: „In jenen Tagen aber, als die Zahl der Jünger wuchs, entstand ein Murren der Hellenisten gegen die Hebräer, weil ihre Witwen bei der täglichen Hilfeleistung übersehen wurden.“ Also hier sind nicht griechischsprachige Heiden gemeint, sondern Hellenisten sind Juden, die in griechischsprachigen Teilen der Welt aufgewachsen sind und Hebräer sind Juden, die in Palästina, das heißt in Judäa, aufgewachsen sind. Die einen sprechen griechisch, die anderen sprechen eigentlich zu der Zeit ja dann schon aramäisch und haben unterschiedliche Kultur, unterschiedlichen Hintergrund, manchmal auch unterschiedliche Bildungssysteme, die eine Rolle gespielt haben und entsprechend gibt es Animositäten, die an diesen nationalen Grenzen verlaufen, wo also offensichtlich diese Wahrheit, die Paulus später den Galatern schreibt, noch nicht ganz im Denken angekommen war.

[7:01] Wie war es überhaupt dazu gekommen? Wir gehen vier Kapitel zurück in die Apostelgeschichte, Kapitel 2 und stellen fest, dass als der Heilige Geist ausgegossen worden ist, es eine große Opferbereitschaft in der Gemeinde gab. Wir lesen in der Apostelgeschichte 2 und dort Vers 45, da heißt es, Vers 44, 45 können wir lesen: „Alle Gläubigen waren aber beisammen und hatten alle Dinge gemeinsam; sie verkauften die Güter und Besitztümer und verteilten sie unter alle, je nachdem einer bedürftig war.“ Hier geht es nicht um eine Art Kommunismus, sondern darum, dass wann immer Not am Mann war, wenn Menschen zu wenig hatten, Not litten materieller Art, dass andere Geschwister bereit waren, ihnen zu helfen, selbst dann, wenn sie dazu eigene größere Opfer bringen mussten. Sie haben dann Häuser verkauft, Dinge verkauft, um mit dem Geld denen zu helfen, die so gut wie gar nichts hatten. Darin zeigt sich eigentlich praktische Einigkeit. Man war bereit, auf soziale Statussymbole zu verzichten, man war bereit, selbst Nachteile in Kauf zu nehmen, damit ein anderer überhaupt überleben kann. Einheit praktisch wird hier deutlich.

[8:19] In Kapitel 4 finden wir in derselben Idee dann die Methode, wie diese Gelder verwaltet werden sollten. Kapitel 4, und dort Vers 37, da heißt es über den Barnabas: „Er besaß einen Acker, verkaufte ihn, brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.“ Also die Verwalter dieser Hilfsdienste waren zunächst einmal die Apostel. Die Apostel sollten koordinieren, wer welche Hilfeleistung bekommt. Das musste unweigerlich zu einem Problem führen, weil die Gemeinde wuchs und wuchs und wuchs und wuchs, aber die Zahl der Apostel wuchs nicht, sie blieb bei zwölf stehen. Und so macht man die schnelle Beobachtung, dass zwei Kapitel später dieses System der sozialen Hilfestellung in der Gemeinde an seine Grenzen kommt, weil bestimmte Menschen übersehen werden und weil dann auch noch der Eindruck entsteht, dass hier sozusagen nationalistische Gründe im Spiel sein könnten, wird entsprechend gehandelt.

[9:32] Das Problem ist nicht neu. Schon im Alten Testament finden wir genau dieselbe Herausforderung, nämlich, dass das Volk Gottes manchmal von zu wenig Leitern betreut wird. In 2. Mose 18 haben wir die berühmte Stelle, die sich mit dem Thema Gemeindeorganisation befasst und dort haben wir natürlich den Besuch von Moses Schwiegervater Jethro, der sich anschaut, wie Mose das Volk leitet und heißt ab Vers 14: „Als aber Moses Schwiegervater alles sah, was er mit dem Volk tat, sprach er: Was tust du denn mit dem Volk? Warum sitzt du allein und das ganze Volk steht um dich her von morgen bis zum Abend? Mose antwortete seinem Schwiegervater: Das Volk kommt zu mir, um Gott zu befragen, denn wenn sie eine Rechtssache haben, kommen sie zu mir, dass ich entscheide, wer von beiden Recht hat und damit ich ihnen Gottes Ordnungen und seine Gesetze verkünde. Aber Moses Schwiegervater sprach zu ihm: Es ist nicht gut, was du tust, du wirst müde und kraftlos, sowohl du als auch das Volk, das bei dir ist, denn diese Sache ist zu schwer für dich, du kannst sie allein nicht ausrichten.“ Was also bedeutet, wenn die Last nur auf wenige Schultern verteilt ist, dann leiden die, die die Lasten zu Schultern haben, als auch die, die quasi dann betreut werden sollten. Sowohl der Leiter als auch das Volk leidet darunter, wenn es keine angemessene Organisation gibt.

[11:11] Also ein wesentlicher Punkt, warum es immer wieder Streit gibt und Konflikte aufkommen, ist ein Mangel an Organisation. Manche Leute glauben ja, dass zu viel Organisation zu Streit führt und sicherlich gibt es auch bei der Organisation ein zu viel und ein Extrem, aber oft finden wir hier in der Bibel Konflikte deswegen, weil eben nicht gründlich das Volk Gottes organisiert ist und miteinander kooperiert. Und der Ratschlag von Jethro ist dann umgesetzt worden, er schlug damals eine hierarchische Organisationsstruktur vor, mit Obersten über 1000, über 100, über 50 und über 10, die sozusagen sich um die kleineren und mittelgroßen Probleme kümmern sollten, was den Mose sehr entlastet hat.

[11:57] Ähnlich ist auch das Vorgehen in der Apostelgeschichte. Die Apostel haben eine sehr ähnliche Lösung als Vorschlag anzubieten. Wir lesen ab Vers 2: „Da beriefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht gut, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen, um bei den Tischen zu dienen.“ Ein Leiter kann nicht alles machen, auch wenn vielleicht die Gemeinde den Eindruck hat und mancher Konflikt in der Gemeinde ist auch daher dem geschuldet, dass man falsche Vorstellungen hat von dem, was ein Prediger oder ein Gemeindeleiter oder ein Leiter alles so tun sollte, sondern der Leiter sollte auf seine Hauptaufgabe konzentrieren und Achtung, die Leiter der Gemeinde hatten nicht die Aufgabe, alles zu organisieren und Termine zu machen und sich um die Armen zu kümmern, das war gerade nicht die Hauptaufgabe der Apostel, die haben das gerne gemacht, aber sie haben gesehen, wir haben eine wichtige Aufgabe. Ihre Aufgabe war es, das Wort Gottes zu predigen und darüber zu wachen und darauf mussten sie sich konzentrieren und wenn andere Aufgaben zu groß wurden, sollten die delegiert werden.

[13:04] Das heißt, die ganze Gemeinde wird hier dafür sensibilisiert, dass die Apostel, die Verkündiger, nicht von dem Predigen abgehalten werden dürfen und auch wir müssen lernen als Gemeinden, dass wir unsere Verkündiger nicht vom Predigen abhalten dürfen, indem wir ihnen alle möglichen organisatorischen Aufgaben aufbürden, die dann dazu führen, dass viele Prediger oder auch Gemeindeleiter nicht mehr die Zeit haben, sich mit dem Wort Gottes zu beschäftigen, was ihre eigentliche Hauptaufgabe wäre.

[13:39] Vers 3: „Darum, ihr Brüder, seht euch nach sieben Männern aus eurer Mitte um, die ein gutes Zeugnis haben und voll Heiligen Geistes und Weisheit sind; die wollen wir für diesen Dienst einsetzen.“ Interessanterweise sagen nicht die Apostel: „Wir haben hier sieben Leute und die bestimmen wir einfach“, sondern die Wahl soll auch von der ganzen Gemeinde ausgehen. Die ganze Vollversammlung soll im Wahlprozess involviert sein, das heißt die Apostel glauben nicht, dass sie die einzigen sind, die für das Wohl der Gemeinde sorgen können und die richtigen Entscheidungen treffen können personeller Art, sondern sie haben darauf vertraut, dass auch die ganze Gemeinde, die hier zusammenkommt, geistliche Entscheidungen treffen kann und die richtigen Personen, die erfüllt sind vom Heiligen Geist und die ein gutes Zeugnis haben, diese herausfinden kann.

[14:26] Vers 4: „Wir aber wollen beständig im Gebet und im Dienst des Wortes bleiben.“ Was für die Apostel am allerwichtigsten war, war die Verkündung des Wortes und das beständige Gebet. Und dann finden wir in Vers 5 die Wahl von sieben Männern, die als leitende Diakone die gesamte soziale Arbeit in der Gemeinde koordinieren sollten. Sie waren freilich, und das ist natürlich ganz wichtig im Hinterkopf zu behalten, nicht die einzigen, die irgendwelche Dienste ausführten, denn mit sieben praktizierenden Diakonen würde man einer Gemeinde, die schon am ersten Tag 3000 Leute fasste, nicht viel ausrichten können. Es gab sicherlich sehr, sehr, sehr viel mehr diakonisch tätige Menschen, aber diese sieben waren quasi die leitenden Diakone, die die gesamte Hilfeleistung koordinieren sollten.

[15:23] Und wir sehen hier, wie sozusagen die Gemeindestruktur weiter perfektioniert worden ist, wie neue Ämter geschaffen worden sind, ein neues Komitee gegründet worden ist, um den Konflikt zu beheben. Man könnte vielleicht denken, dass die Schaffung von neuen Einheiten, von neuen Komitees, von neuen Ausschüssen grundsätzlich verwerflich ist, und dass je schlanker die Organisation ist, desto besser. Das ist nicht unbedingt der Fall, die Apostelgeschichte gibt hier uns ein gutes Gegenbeispiel. Ja, der Konflikt wurde dadurch gelöst, dass ein neues Komitee geschaffen wurde, das sich um den Konfliktpunkt, in dem es geht, kümmern sollte, sodass der Rest der Administration der Gemeinde sich wieder den wesentlichen Dingen zuwenden kann, und ich denke, das ist eine ganz interessante Beobachtung, denn sie hilft uns ein bisschen besser zu verstehen, warum es gar nicht verkehrt ist, wenn auch die oberste Kirchenleitung Komitees gründet, die sich um bestimmte Dinge kümmern sollen, wo gerade ein Konflikt am Brodeln ist, damit die Hauptleiter der Gemeinde sich wieder um andere Dinge kümmern sollen. Das ist also ganz legitim und ein biblisches Vorbild hier.

[16:37] Das hat ein biblisches Vorbild. Vers 6: „Diese stellten sie vor die Apostel, und sie beteten und legten ihnen die Hände auf.“ Wir haben jetzt hier die Ordination der sieben Männer für ihr neues Amt, das leitende Amt hier. Und interessanterweise wird die Wahl natürlich mit der Kenntnis und Zustimmung der Apostel durchgeführt.

[17:02] Vers 7: „Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger mehrte sich sehr in Jerusalem, und auch eine große Zahl von Priestern wurde dem Glauben gehorsam.“ Als die Gemeinde diesen Schritt geht, das den Konflikt beilegt durch kluge Worte der Apostel, durch die gemeinsame Wahl von neuen Verantwortlichen, durch die Gründung eines neuen Leitungsteams, das sich um das Konfliktthema kümmern sollte, ist die Gemeinde erneut sehr stark gewachsen. Und zwar nicht nur unter den Armen und Ungebildeten, sondern sogar unter den obersten Schichten der Bevölkerung. Wenn wir den Wunsch haben, vielleicht auch solch ein Gemeindewachstum quantitativ und qualitativ zu erleben, dann sollten wir dem Beispiel der Urgemeinde hier folgen und mit unseren Konflikten ganz ähnlich umgehen.

[17:56] Der sich hier noch nicht so ganz deutlich zeigende Konflikt, der aber bald die Urgemeinde fest im Griff haben sollte, war natürlich dann der Konflikt nicht zwischen griechischen Juden und hebräischen Juden, sondern zwischen nicht-jüdischen Griechen und Juden im Allgemeinen. Die Frage der Beschneidung, die jetzt noch einmal zu einer echten kulturellen, auch wieder quasi nationalistisch eingefärbten Debatte werden sollte.

[18:25] Interessant ist, wie Gott schon im Vorhinein so Schritt für Schritt die Dinge eingefädelt hat. Noch Jahre nach der Ausgießung des Heiligen Geistes wäre es niemandem in der Gemeinde, weder einem Apostel noch einem Diakon noch den Geschwistern in der Gemeinde, auch nur in den Sinn gekommen, nicht-beschnittene Griechen, nicht-beschnittene Nicht-Juden für das Volk Gottes zu halten. Das war völlig außerhalb ihres Blickfeldes, trotz alledem, was Jesus schon gesagt hat und auch alledem, was schon im Alten Testament darüber angedeutet worden war.

[19:06] Wenn man den Weg betrachtet, der dann hin zu diesem berühmten Apostelkonzil führt, dann stellt man fest, dass interessanterweise natürlich wieder Gott der Erste ist, der die Initiative ergreift, indem er einen Mann besuchen lässt, nämlich den Mann Cornelius. Apostelgeschichte 10 hat die Geschichte, werden ich alle Details nochmal ausführlich hier besprechen und einige Dinge auch zusammenfassen. Wir haben ja im letzten Quartal schon mal ganz ausführlich hier auch darüber gesprochen. Aber gerade aus dem Perspektiv, aus dieser Perspektive der Konflikte ist es interessant, wie Gott hier vorgeht.

[19:39] Wir haben den Cornelius in Apostelgeschichte 10, Vers 1 und 2, der sich nach Einheit mit Gott sucht und der als unbeschnittener Heide keinen Zugang zur Gemeinde hat. Wir lesen Vers 3 bis 6: „Er sah um die neunte Stunde des Tages in einem Gesicht deutlich einen Engel Gottes zu ihm hereinkommen, der zu ihm sprach: Cornelius. Er blickte ihn aber an, er schrak und sprach: Was ist, Herr? Er sprach zu ihm: Deine Gebete und deine Almosen sind hinaufgekommen vor Gott, sodass er ihrer gedacht hat. Und nun sende Männer nach Joppe und lass Simon holen mit dem Beinamen Petrus. Dieser ist zu Gast bei einem Gerber, Simon, dessen Haus am Meer liegt. Der wird dir sagen, was du tun sollst.“

[20:22] Wenn Gott darauf gewartet hätte, dass die Christen oder die Nachfolger Jesu von alleine darauf kommen, dass sie Heiden erreichen könnten, dann hätte man noch lange warten sollen. Gott geht also in die Initiative. Er stößt diesen Prozess an, der interessanterweise dann später auch zu einem Konflikt in der Gemeinde führt. Nicht, weil Gott den Konflikt möchte, sondern weil alle in der Gemeinde falsch liegen. Denn niemand sieht, dass man die Heiden erreichen sollte. Also beginnt Gott jetzt hier dieses Werk der Reformation, wissend, dass es zu einem Konflikt kommen kann. Manchmal kommt es zu Konflikten, Stichwort auch Reformation, weil Gott ein Werk zu beginnen hat, um eine Reformation in seinem Volk durchzuführen.

[21:10] Die Reformation hier war ganz deutlich: Die Nachfolger Jesu mussten verstehen, dass das Heilen nicht nur für die Juden ist. Das war ganz entscheidend. Und Gott beginnt, indem er erst einmal selbst initiativ ergreift, einen Engel sendet und diesen eigentlich relativ geistlich reifen Cornelius anspricht. Dabei macht er zwei Dinge. Er sagt ihm erstens, oder der Engel sagt ihm, dass der Cornelius so, wie er ist, vor Gott angenommen ist. Er braucht nicht erst einen menschlichen Vermittler, nicht einen Prediger, einen Petrus oder wen auch immer, damit der Cornelius zu Gott kommen kann. Das heißt, die persönliche Erlösung des Cornelius, sein Stand vor Gott, ist unabhängig von irgendeinem Petrus oder sonst jemandem. Seine Gebete sind vor Gott angenehm gewesen. Er ist an dem Stand, wo er gemäß seines Wissens sein kann und Gott führt ihn.

[22:02] Aber der Engel sagt ihm nicht alles, sondern Gott möchte natürlich, dass der Cornelius Teil der Gemeinde wird. Und hier ist es jetzt wichtig, dass irgendjemand aus der Gemeinde Kontakt zu Cornelius herstellt und Gott den Petrus dafür ausnimmt. Also Gott sucht jemanden, den er selbst zu sich in die Beziehung hineinruft durch seinen Heiligen Geist und dann versucht er diese Person mit der Gemeinde in Kontakt zu bringen.

[22:32] Der Cornelius sendet die Knechte nach Joppe, wo der Petrus sich gerade befindet. Und wir haben das ja damals studiert. Joppe ist das alttestamentliche Jaffo, dort, wo auch Jona weggelaufen ist vor dem Auftrag Gottes. Und die Situation wiederholt sich wie kurz zuvor im Kapitel 9. Leute klopfen an die Tür von Petrus und haben eine Bitte. In Kapitel 9 Vers 38 kamen Männer, um Petrus sagen zu lassen: „Könntest du bitte einer Toten helfen?“ Und Petrus war umgehend ohne jegliche weiteren Fragen gegangen, in dem festen Glauben, dass durch den Heiligen Geist auch eine Tote auferwecken könne. Diesmal kommen die Männer aber nicht, um eine Tote auferwecken zu lassen, sondern damit ein Heide das Evangelium hören kann. Und das scheint schwieriger zu sein, denn während Petrus sofort mitgeht mit den Männern, die ihn zur Toten Tabitha führen, braucht es jetzt das massive Eingreifen Gottes, um den Petrus daran zu führen, wenigstens mal in Betracht zu ziehen, dass man auch einem Heiden mit dem Evangelium helfen könnte.

[23:47] In Vers 9 und 10 lesen wir: „Am folgenden Tag aber, als jene auf dem Weg waren und sich der Stadt näherten, stieg Petrus auf das Dach, um zu beten, etwa um die sechste Stunde. Da wurde er sehr hungrig und wollte essen. Während man aber etwas zubereitete, kam eine Verzückung über ihn.“ Das ist sehr interessant, weil hier gibt es eine ganz ausschlaggebende Parallele. Noch jemand anders war einmal zur sechsten Stunde sehr hungrig, während andere für ihn gerade das Essen besorgten. Das war nämlich Jesus in Johannes 4. Auch dort heißt es, dass es um die sechste Stunde war. Auch dort heißt es, dass er sehr hungrig und durstig war. Und auch dort waren andere unterwegs, in dem Fall seine Jünger, die Essen für ihn besorgt haben. Und dort hatte Jesus eine interessante Begegnung. Wir kennen die Geschichte mit der Frau am Jakobsbrunnen. Und in dieser Geschichte geht es darum, dass Jesus die Kluft zwischen den Juden und den Samaritern überbrückt, indem er ihr das ewige Leben anbietet.

[24:51] Um das mal ganz kurz zusammenzufassen: Als dann die Jünger später zurückkommen und erstaunt sehen, dass diese Frau in die Stadt geht und das Evangelium verkündet, sagt Jesus zu ihnen: „Ich habe eine Speise, von der ihr nichts wisst.“ Und er sagt damit mit anderen Worten, dass dieser Auftrag Gottes, das Werk zu vollenden und Menschen, die bisher nicht zur Gemeinde gehörten, zum Volk Gottes, mit dem Evangelium vertraut zu machen, quasi unerreichte Menschen, unerreichte Volksgruppen für das Evangelium zu gewinnen, dass diese Aufgabe sozusagen eine Speise ist, die Jesus isst, aber die die Jünger noch nicht kennen.

[25:30] Und das zeigt sich jetzt hier, denn Jesus verwendet präzise dasselbe Bild wie damals, um das Werk an unerreichten Menschen zu beschreiben, nämlich durch Essen. Und er zeigt dann diese berühmte Vision, in der Raubtiere und kriechende Tiere und alle möglichen vierfüßigen Tiere in einem leinenden Tuch herabkommen vom Himmel, mit der Aufforderung: „Steh auf, Petrus, schlachte und iss.“ Mit der Parallele von Johannes 4 im Kopf wird ganz deutlich: Es geht hier um Mission von Menschen, die man als unrein empfand. Genau so haben die Juden über die Heiden gedacht, das waren Unreine, die man sich nicht abzugeben hatte. Und diese Vision muss dreimal gegeben werden und immer noch begreift der Petrus nicht so wirklich, was Gott ihm sagen möchte. Er ist eher widerstrebend, er sagt: „Nein, nein, nein, nein.“ Und das Wort von Jesus damals: „Ich esse eine Speise, von der ihr nichts wisst“, das erfüllt sich hier quasi noch einmal.

[26:38] Und während Petrus immer noch nachgrübelt, was möglicherweise diese Vision ihm sagen möchte, was der Geist der Weissagung hier ihm präsentiert, spricht dann der Geist Gottes direkt zu ihm, während unten die Leute schon an der Tür klopfen. In Vers 19 heißt es: „Während nun Petrus über das Gesicht nachdachte, sprach der Geist zu ihm: Siehe, drei Männer suchen dich. Darum stehe auf, steige hinab und ziehe ohne Bedenken mit ihnen, denn ich habe sie gesandt.“ Dreimal kommt die Vision und dann muss der Heilige Geist direkt zu Petrus sprechen und sagen: „Geh, ich habe sie gesandt, es ist richtig, du sollst jetzt einfach gehorchen.“

[27:19] Wir sehen also, wie Gott diese Reformation in der Gemeinde einfädelt. Er sucht sich einen der leitenden Brüder, den Petrus, und durch den Geist der Weissagung und durch das direkte Wirken des Heiligen Geistes bringt er ihn so Stück für Stück zu dem Punkt, überhaupt erstmal diese alte Idee, die verlorengegangene Idee, dass das Evangelium für alle Menschen ist, mal wieder in den Gedanken zu bewegen.

[27:56] Und Petrus ist dem Heiligen Geist gehorsam, er geht, aber selbst als er beim Cornelius ist, sind die menschlichen Verbote, die das ja eigentlich verbieten, in so ein Haus eines Heidens zu gehen, immer noch ziemlich präsent. In Vers 28 und 29 lesen wir: „Und er sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Angehörigen eines anderen Volkes zu verkehren oder sich ihm zu nahen. Doch mir hat Gott gezeigt, dass ich keinen Menschen gemein oder unrein nennen soll.“ Er sagt: „Ihr wisst, das ist eigentlich verboten, was ich hier mache, aber Gott hat mir das gezeigt.“

[28:33] Den echten Durchbruch erlebt er aber erst dann, als er sich persönlich mit Cornelius unterhält und Cornelius ihm sein Zeugnis erzählt. Und Petrus jetzt folgendes sagt in Vers 34: „Da tat Petrus den Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht, sondern dass in jedem Volk derjenige ihm angenehm ist, der ihn fürchtet und Gerechtigkeit übt.“ Endlich ist der Durchbruch erreicht, zumindest mal bei einer Person. Gott hat jetzt einen, der es wirklich versteht, der endlich begreift, was Gott schon immer sagen wollte, auch schon im Alten Testament, auch an vielen Stellen ja deutlich ist. Aber dass durch menschliche Traditionen und menschliche Verordnungen und Gesetze und Verbote und dieses und jenes und Stolz und Nationalismus alles verschüttet gewesen ist, das hat Gott durch seinen Geist und mit sehr viel Anstrengung jetzt dem Petrus wieder beigebracht.

[29:31] Letztendlich ist der Groschen gefallen, als er in der persönlichen Mission, in der ersten Bibelstunde quasi sieht, wie der Geist Gottes wirkt. Manch eine Reformation kann nur beginnen, wenn wir dem Geist der Weissagung glauben, auf die Stimme des Geistes hören und dann tatsächlich in praktischer, persönlicher Mission uns einbringen. Dann werden wir sehen, was Gottes Plan eigentlich wirklich ist.

[29:59] Vielleicht, liebe Freunde, liebe Freundinnen, ist es auch Zeit für so eine Reformation in deinem Leben. Vielleicht musst auch du etwas lernen, was der Geist der Weissagung dir schon mehrfach gezeigt hat und was Gottes Geist dir ins Herz gelegt hat, was du aber nur völlig als deinen Willen erkennst, wenn du dich in praktischer Mission für andere einsetzt.

[30:25] Dieser Durchbruch brachte tatsächlich den Konflikt. Denn als es in Vers 11, Vers 1 heißt es: „Und die Apostel und die Brüder, die in Judäa waren, hörten, dass auch die Heiden das Wort Gottes angenommen hatten. Und als Petrus nach Jerusalem hinaufkam, machten die aus der Beschneidung ihm Vorwürfe.“ Streit. Dieser Streit hat seine Ursache daran, dass Gott endlich einen Menschen gefunden hat, der versteht, was Gott eigentlich die ganze Zeit schon wollte. Und das führt zum Konflikt. Das heißt, nicht alle Konflikte sind immer nur das Produkt eines Bösen. Manchmal ist es auch das Produkt der Tatsache, dass zum ersten Mal irgendjemand eine Wahrheit erkennt, die vorher niemand gesehen hat. Es kommt zum Konflikt.

[31:11] Und Petrus macht etwas sehr Kluges. Er erzählt einfach, was Gott ihm gezeigt hat, was er erlebt hat und erklärt, was er getan hat. Interessant ist auch hier wieder dieses nationalistische Motiv im Spiel gewesen. Viele glauben, dass der Petrus zu weit gegangen ist. Aber Petrus macht deutlich, dass er das Wirken des Heiligen Geistes erlebt hat.

[31:38] Vers 15 und 16: Als er das Wirken des Geistes sieht im Leben von anderen, da wird er zurückerinnert an Jesus und an das Wort Jesu. Wann immer der Heilige Geist wirkt, wird er uns an Jesus erinnern und an die Worte, die Jesus gesprochen hat und uns neue und vielleicht auch für uns überraschende Wahrheiten zeigen, die aber in Wirklichkeit schon so alt sind wie das Gesetz Gottes, nämlich seit Ewigkeiten da sind. Wahrheiten, die schon im Alten Testament ganz offensichtlich ausgesprochen sind. Und für Petrus war das jetzt das ausschlaggebende Argument.

[32:33] Vers 17 und 18: Er sagt also: „Wenn sie glauben, wie wir glauben, und wenn sie den Heiligen Geist haben, so wie wir den Heiligen Geist haben, warum sollen sie nicht auch getauft werden, wie wir getauft worden sind? Und warum sollen sie nicht Gemeindeglieder sein, so wie wir Gemeindeglieder sind?“ Und das führt eigentlich zur Einheit von Juden und Griechen. Petrus wusste, dass wenn er auf seiner persönlichen Meinung bestehen würde, gegen das, was der Geist der Weissagung ihm gesagt hat, gegen das, was Gott ihm geführt hat, dann würde er gegen Gott kämpfen und gegen Gott kämpfen sollte man unter keinen Umständen.

[33:18] Vers 18: Zunächst einmal ist dieses Argument für sie aussagekräftig und hat Bestand. Aber damit ist das Problem noch nicht gelöst. Übrigens, interessanterweise, wir haben hier nicht die Zeit, das genau anzuschauen, aber ab Vers 19 finden wir dann die Geschichte der Gemeinde Antiochia, wo einige, die nach der Verfolgung durch Saulus, die ja begonnen worden ist durch Saulus, also diese Verfolgung nach dem Tod Stephanus, die nach dieser Verfolgung in verschiedene Gebiete gegangen sind, unter anderem auch dort in Syrien nach Antiochia gekommen waren, auch nach Phönizien und Zypern und so weiter. Und da gab es einige, die interessanterweise nicht direkt aus Jerusalem waren, sondern aus Zypern und Kirene, also eigentlich sozusagen dann Hellenisten, also griechischsprachige Juden, die in Antiochia auch zu nicht beschnittenen Heiden sprachen und dort das Evangelium verkündigten.

[34:21] Das heißt, diese Idee, die der Petrus verstanden hat durch das Wirken Gottes, die verstehen auch andere. Das ist ein ganz wesentliches Merkmal einer Reformation, das war eine echte Erweckung, Reformation hier, eine Reformation, nachdem ja schon Erweckung da war. Wenn Gott etwas bewirken möchte, wenn Gott eine neue Wahrheit offenbaren möchte, dann zeigt das nicht nur eine Person, sondern mehrere kommen unabhängig voneinander zu denselben Schlüssen und machen quasi Ähnliches, auch wenn sie dann manchmal noch ein bisschen koordiniert werden müssen. Wir sehen ja genau dasselbe auch in der Reformation, wenn man da an Luther und Zwingli zum Beispiel denkt und auch viele andere, die unabhängig voneinander bestimmte Wahrheiten entdeckt haben. Oder auch in der frühen Adventgeschichte, wo Miller nicht der Einzige war, der das Datum 1843 gefunden hat und Leute unabhängig voneinander zu ähnlichen Schlüssen gekommen sind, als Beweis dafür auch, dass diese Sache von Gott angestoßen worden ist.

[35:20] Und in diese Gemeinde in Antiochia, die dann auch als erste den Namen Christen trägt, kommen natürlich dann die Leiter Saulus und Barnabas und Saulus, die dann diese Gemeinde sehr prägen und auch von ihr geprägt werden. Es heißt ja hier in Vers 25 und 26: „Und Barnabas zog aus nach Tarsus, um Saulus aufzusuchen. Und als er ihn gefunden hatte, brachte er ihn nach Antiochia. Es begab sich aber, dass sie ein ganzes Jahr zusammen in der Gemeinde blieben und eine beträchtliche Menge lehrten. Und in Antiochia wurden die Jünger zuerst Christen genannt.“ Also die Gläubigen in Antiochia hatten gute Lehrer, Barnabas und Saulus. Da war theologische Qualität und biblische Verkündigung garantiert.

[36:07] Trotzdem gab es einige in Jerusalem, die meinten, dass die Unterweisung von Saulus und Barnabas nicht ausreichen würde und ihre eigenen persönlichen Theorien vonnöten seien. Wir lesen Apostelgeschichte 15, Vers 1, da heißt es: „Und aus Judäa kamen einige herab und lehrten die Brüder: Wenn ihr euch nicht nach dem Gebrauch Moses beschneiden lasst, so könnt ihr nicht gerettet werden.“ Sie meinten, dass die Beschneidung eine erlösende Kraft hat und das führt zur Auseinandersetzung, das führt zum Konflikt.

[36:40] Vers 2. Also merken wir, es kann Konflikt geben, weil Gott eine neue Wahrheit seiner Gemeinde präsentiert und noch niemand hat darüber nachgedacht und es gibt einen Konflikt. Es kann aber auch Konflikt geben, weil Irrlehrer, die eine falsche Meinung präsentieren, jetzt zu einer Gemeinde kommen, die eigentlich schon die Wahrheit verstanden hat und jetzt dadurch Konflikt entsteht. In beiden Fällen ist es der ähnliche Konflikt, aber es hat unterschiedliche Ursachen. Deswegen muss man da immer ein bisschen differenzieren und kann nicht den Schuldigen immer so aus dem Handgelenk schüttelnd bestimmen.

[37:23] Die Idee ist also, dass eine Generalkonferenz sozusagen, eine Generalvollversammlung aller Gläubigen mit Delegierten der verschiedenen Gemeinden sich dieses Themas annehmen sollen. Das war genau die Lösung. Es gab einen Konflikt, verschiedene Gemeinden sahen das verschiedentlich, Leute reisten herum und predigten ihre Sache und das Ganze sollte geklärt werden durch eine gemeinsame Versammlung, eine Art Generalkonferenz, ein Konzil in Jerusalem.

[37:47] Und wir lesen dann Vers 3 bis 5, dass Saulus und Barnabas auf dem Weg viele Gemeinden besuchen, Missionsberichte erzählen von dem, was sie erlebt haben auf Zypern und auch in Kleinasien. Aber selbst diese Missionsberichte sind nicht überzeugend genug, um alle umzustimmen. Der Konflikt bleibt bestehen.

[38:05] So was passiert. Vers 6 und 7: „Da kamen die Apostel und die Ältesten zusammen, um diese Sache zu untersuchen.“ Das Ganze wurde gründlich erforscht. Und diese gründliche Erforschung bringt schon wieder Uneinigkeit zutage, nachdem aber eine große Auseinandersetzung stattgefunden hatte. Also halten wir fest, es kann Konflikte in der Gemeinde geben, weil, wie bei Petrus, einer etwas von Gott gezeigt bekommen hat und noch niemand sonst in der Gemeinde es gesehen hat und jetzt er diese Idee vorträgt und nicht alle das gleich sehen können. Es gibt Konflikt. Es kann auch Konflikte geben, wie bei Saulus und Barnabas hier, dass eine Gemeinde schon die Wahrheit versteht und dass Irrlehrer kommen und jetzt ihre Irrlehre dort präsentieren. Oder es kann aber auch Konflikte geben, weil die Gemeinde Gottes im Studium zusammenkommt und die Bibel studiert und trotzdem verschiedene Meinungen existieren. Das heißt, ein Konflikt kann auch ein Zwischenergebnis eines ganz natürlichen Prozesses sein, nämlich, dass man gemeinsam biblische Themen erforscht.

[39:13] Unsere Pioniere hatten ab und zu theologische Konflikte. Aber sie haben diese theologischen Konflikte gelöst, und zwar ganz ähnlich wie hier in der Apostelgeschichte auch. Und es sollte uns nicht verwundern, wenn also die Weltkirche zu einer Konfliktfrage, wie zum Beispiel der Frauenordination, die Sache untersuchen lässt, sehr viele Theologen zusammennimmt und dass man nicht dort gleich einer Meinung ist. Das ist nicht ein Beweis dafür, dass die Sache nicht gelöst werden kann und dass es keine biblische Meinung dazu gibt, sondern es ist eine natürliche Sache, dass es bei unterschiedlichen Perspektiven auch unterschiedliche Meinungen gibt.

[39:45] Trotzdem muss ja eine Entscheidung her, und genau das passiert jetzt in drei Schritten, die wir kurz zusammenfassen wollen. Zunächst einmal tritt Petrus auf und er berichtet von seiner Vision, von dem, was er damals in Apostelgeschichte 10 erlebt hat. Er korrigiert diejenigen, die ein falsches Evangeliumsbild haben, wenn er sagt in Vers 11: „Vielmehr glauben wir, dass wir durch die Gnade des Herrn Jesus gerettet werden, auf gleiche Weise wie jener.“ Er sagt, die Beschneidung rettet niemanden. Niemand wird erlöst, weil er beschnitten ist, sondern wir werden errettet durch die Gnade Jesu und die ist bei den Beschnittenen und den Unbeschnittenen genau gleich. Und damit nimmt er sozusagen die Kraft im Argument, dass ohne Beschneidung man nicht in den Himmel kommen könnte.

[40:30] Er hat auch gesagt, was er in der Vision gesehen hat, ist, dass Gott die Herzen der Heiden durch den Glauben reinigt und wenn die Herzen gereinigt sind, dann sollte kein anderer sie gottlos nennen. Und basierend auf diesem Zeugnis des Petrus, der sich daran erinnert, was der Geist der Weissagung ihm gezeigt hat, basierend auf dem Geist der Weissagung sozusagen, diesem Zeugnis, ist jetzt die Menge bereit, dem Saulus, dem Paulus und dem Barnabas genauer zuzuhören. Und sie berichten noch einmal ihre Missionserfahrung auf diese erste Missionsreise. Und ganz interessant auch diese Reihenfolge. Der Geist der Weissagung führt hin zu einer ruhigeren und ausgewogenen Betrachtung dessen, was Gott gerade wirkt in seiner Gemeinde.

[41:19] Und das ist dann aber immer noch nicht der eigentliche Abschluss, sondern dann heißt es in Kapitel 3 in Vers 13: „Nachdem sie aber zu reden aufgehört hatten, ergriff Jakobus das Wort und sagte: Ihr Männer und Brüder, hört mir zu.“ Und Jakobus nimmt jetzt die Fäden auf. Er bestätigt das, was Petrus gesagt hat, den Geist der Weissagung, die Vision. Er greift das auf, was letztlich auch das Thema, was Paulus und Barnabas angesprochen haben. Und er führt jetzt zu einer biblischen Betrachtung. Denn das Thema kann abschließend nur behandelt werden durch Bibelstudium. Und die Entscheidung basiert also auf der Bibel.

[42:00] Wir haben im Sendemanuskript nochmal, auch aus dem letzten Quartal nochmal hineinkopiert, wie dieses Zitat aus Amos 9, Vers 11 und 12 im Zusammenhang steht mit dieser Frage. Das könnt ihr nochmal nachlesen. Auch mit den entsprechenden Parallelversen und auch der Übersetzungsvariante, die sich da aus der griechischen Übersetzung des Alten Testaments ergibt. Also wer das nochmal genauer studieren will, wie das mit Amos 9, 11 und 12 und dem Apostelkonzil ist, der kann das hier dann nachvollziehen.

[42:33] Was ganz offensichtlich ist, dass letztendlich doch alle gemeinsam diese Auslegung von Jakobus gut finden und richtig finden und tatsächlich auch biblisch herleiten können. Sie hatten also offensichtlich eine gemeinsame Hermeneutik. Und hier, glaube ich, ist manchmal das Grundproblem, dass selbst die besten Methoden der Einheitsfindung nicht funktionieren. Weil wenn man mit unterschiedlicher Hermeneutik, mit unterschiedlicher Bibelauslegungsmethode an die Bibel herangeht, dann kann man gar nicht mehr auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Das war hier offensichtlich nicht der Fall. Sie waren alle gemeinsam überzeugt, dass der Jakobus hier diesen Text richtig ausgelegt hat.

[43:10] Was wir hier nochmal betonen wollen ist, dass das Apostelkonzil nicht Wahrheiten des Alten Testamentes beiseite geschoben hätte, um sozusagen einer neuen Entwicklung, die kulturell, sozial irgendwie notwendig gewesen wäre, irgendwie vom Geist geleitet jetzt in die Moderne geführt zu werden. Nein, was das Konzil hier beschlossen hat, war eigentlich die Bestätigung einer Reformation, die zurückgeführt hat zu dem, was eigentlich im Alten Testament ja schon stand. Wir haben als Text auch Jeremia 12, Vers 14 bis 16 angegeben. Wir könnten viele andere anführen, wo deutlich wird, dass das Evangelium nicht nur zu den Juden, sondern auch zu den Heiden gehen sollte. Es war also nicht die Idee vom Alten Testament jetzt mal weg zu etwas, was mehr modern ist, was mehr unserer Zeit entspricht, sondern gerade hin zum Alten Testament und weg von den menschlichen Ideen und von der menschlichen Philosophie und den menschlichen Geboten. Das wird oft übersehen.

[44:05] Das heißt, was wir wollen in einer Vollversammlung ist, dass Gottes Wahrheit sich offenbart, nicht, dass wir irgendwie durch vermeintlich vom Geist geführte Zeugnisse irgendwie uns von der Bibel entfernen und irgendwie moderner sein wollen oder dem Zeitgeist entsprechen wollen. Wir wollen die klaren Aussagen des Alten Testamentes und des Neuen Testamentes dann wieder entdecken.

[44:29] Und wie war es möglich gewesen, das zu entdecken? Eine Hilfe war der Geist der Weissagung gewesen, der nicht das abschließende, das abschließende Argument gewesen war, aber dessen Einsatz im Fall von Petrus dann geführt hat, dass man die biblische Wahrheit hier besser verstehen konnte. Also der Geist der Weissagung und persönliche Mission an der Front sind die zwei, die hier sozusagen zum endgültigen biblischen Entschluss geführt haben. Und genau so sollte es auch in unseren Vollversammlungen sein, sei es auf lokaler Ebene oder bei der Generalkonferenz. Durch den Geist der Weissagung und durch praktische Missionen, die wir selbst erleben, sind wir viel mehr in der Lage, biblische Wahrheiten zu entdecken, selbst wenn sie durch Tradition oder durch menschliche Gebote verdeckt worden sind.

[44:57] Und so gibt es einen Entschluss der gesamten Vollversammlung, Vers 22: „Daraufhin beschlossen die Apostel und die Ältesten zusammen mit der ganzen Gemeinde, Männer aus ihrer Mitte zu erwählen und mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden, nämlich Judas mit dem Beinamen Barsabas und Silas, führende Männer unter den Brüdern.“ Alle Gemeinden sollten davon erfahren, das sollte transparent gemacht werden. Und der Beschluss galt nicht nur für Jerusalem, er galt nicht nur regional hier und da, sondern der Beschluss des Jerusalemer Konzils sollte in der ganzen weltweiten Kirche gelten und umgesetzt werden. Das war der ganze Punkt an der Sache. Deswegen waren ja auch alle Felder repräsentiert, man hatte Zeit zu beten, Zeit zu studieren, man hatte Zeit die Wahrheit herauszufinden, man hatte einen Beschluss gefasst und jetzt war die selbstverständliche Implikation, dass auch in allen Feldern in Jerusalem und in Antiochia und wo sonst überall Gemeinden sind, dieser Beschluss auch respektiert wird. Er war nicht nur ein Vorschlag, wo sie darüber nachdenken konnten, sondern es war ein Beschluss, der jetzt für die ganze Christenheit gelten sollte.

[46:22] Und da wird es interessant, denn wir lesen etwas später den Galaterbrief, der zeitlich nach dem Apostelkonzil verfasst worden ist, wo es offensichtlich Menschen gab, die mit diesem Beschluss der Generalkonferenz von Jerusalem nicht zufrieden waren und jetzt umherzogen und die Gemeinden aufmischten, Stress machten und ihre eigene Version, ihre eigene Position predigten, die damals allerdings nicht sich durchsetzen konnte. Der ganze Galaterbrief ist im Grunde genommen eigentlich eine Erwiderung an sie und der Galaterbrief ist einer der leidenschaftlichsten Briefe von Paulus. Paulus war erzürnt mit heiligem Zorn, dass Menschen trotz der weltweit gültigen Entscheidung des Konzils so auf eigene Faust durch die Gemeinde gingen und etwas anderes predigten, als was weltweit eigentlich gültig war. Und das führte dann nicht einfach nur zur Spaltung, sondern dazu, dass ganze Gemeinden sich von dem Weltfeld distanzierten. Und wie die Galater zum Beispiel auch von Paulus sich jetzt plötzlich distanzierten und meinten, sie müssten sich einen eigenen Weg gehen.

[47:36] Erschwerend kam hinzu, dass sogar positiv und geistlich eingestellte Kirchenleiter wie der Petrus sich manchmal nicht gut verhalten haben. Wir lesen in Galater 2, Vers 11-14: „Als aber Petrus nach Antiochia kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, denn er war ihm unrecht. Bevor nämlich etliche von Jakobus kamen, aß er mit den Heiden. Als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, weil er die aus der Beschneidung fürchtete. Und auch die übrigen Juden heuchelten mit ihm, sodass selbst Barnabas von ihrer Heuchelei mit fortgerissen wurde. Als ich aber sah, dass sie nicht richtig wandelten nach der Wahrheit des Evangeliums, sprach ich zu Petrus vor allen: Wenn du, der du ein Jude bist, heidnisch lebst und nicht jüdisch, was zwingst du die Heiden jüdisch zu leben?“ Der Gruppendruck war so groß, dass selbst Petrus, einer der Ersten, der überhaupt die Wahrheit über die Heidenmission verstanden hatte, plötzlich einen Kompromiss macht und sogar Barnabas, der mit Paulus dabei war auf der ersten Missionsreise, sogar davon mitgerissen wird.

[48:34] Und was macht Paulus? Paulus sieht das und er tadelt die Leiter der Gemeinde vor der ganzen Gemeinde. Und er macht ihnen deutlich, dass man so nicht umgehen kann mit der Wahrheit. Was die Frage mit sich bringt, wenn Paulus schon so deutlich mit dem Petrus und dem Barnabas, also dem Petrus verfährt, der ja eigentlich inhaltlich auf seiner Seite steht, nur sozusagen im entscheidenden Moment einen Kompromiss macht und nicht dazusteht, was hätte wohl Paulus zu einem Kirchenleiter gesagt, der aktiv gegen den Beschluss des Konzils ankämpft und ihn ignoriert und dagegen aufwiegelt?

[49:22] Paulus hat nicht umsonst den Galaterbrief geschrieben und wir tun gut daran, diesen Brief wirklich ernst zu nehmen. Und in diesem Brief zeigt er immer und immer wieder, welche Folgen es hat, wenn man sich von der Wahrheit entfernt. Und wie wichtig es ist, bei Christus zu bleiben.

[49:43] Damit wollen wir es schließen, erneut mit unserem Merkvers, Galater 3, Vers 28: „Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Knecht noch Freier, da ist weder Mann noch Frau. Wir alle sind einer in Christus, Jesus.“ Die Einheit in Christus, Jesus macht alle kulturellen, alle sozialen Unterschiede, was auch immer das sein mag, biologischen Unterschiede, unterschiedlich. Wir alle können demselben Christus folgen, auch denselben Glauben praktizieren.

[50:09] Vers 29: „Wenn ihr aber Christus angehört, so seid ihr Abrahams Same und nach der Verheißung Erben.“ Die Frage, die wir uns stellen müssen, jeder einzelne von uns: Gehöre ich Christus an? Denn wenn ich Christus angehöre, dann bin ich Teil des Volkes Gottes und dann wird es Einheit geben. Ist dein Leben mit Jesus in Übereinstimmung? Bist du bereit, Konflikte in der Gemeinde nach dem Vorbild der Apostelgeschichte zu lösen, sodass durch das Wirken des Heiligen Geistes Gottes Wahrheit entdeckt und verkündigt wird? Bist du bereit, Jesus anzuziehen und die Einheit zu erleben, die nur Jesus geben kann?

[50:52] Gott segne dich in deiner Entscheidung und wir sehen uns nächste Woche wieder hier, wenn es dann um ein neues Thema geht, wenn wir die Einheit in Christus weiter studieren. Bis dann wünsche ich euch Gottes Segen und viel Freude im Studium seines Wortes. Amen. Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!


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