Diese Bibelbetrachtung aus der Reihe „Was ihr den Geringsten getan habt“ beleuchtet das Thema, das Evangelium im täglichen Leben umzusetzen. Es wird betont, dass Erlösung allein aus Gnade durch Glauben geschieht und nicht aus Werken. Die Ausführungen zeigen auf, wie Gottes Liebe jeden Menschen umfasst und wie wichtig es ist, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft zu zeigen, inspiriert vom Vorbild Jesu.
Was ihr den Geringsten getan habt (CSH 2019 Q3) 10. Das Evangelium leben
Michaela Schierl · Cannstatt Study Hour 2019 Q3: Was ihr den Geringsten getan habt ·Themen: Bibel, BibelstudiumWeitere Aufnahmen
Serie: Cannstatt Study Hour 2019 Q3: Was ihr den Geringsten getan habt
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Transkript
[0:00] Ein herzliches Willkommen allen Zuschauern bei Joel Media TV und Amazing Discoveries zur Cannstatt Study Hour, heute mit der zehnten Bibelbetrachtung, das Evangelium leben. Aus der Studienreihe, was ihr den geringsten getan habt.
[0:32] Bevor wir Gottes Wort aufschlagen, wollen wir Gott einladen, unser Studium zu segnen. Lieber Vater im Himmel, hab du herzlich Dank, dass wir in Frieden und Freiheit dein Wort studieren können und dass uns auch so viele Möglichkeiten offen stehen, dein Wort mit anderen zu teilen. Bitte segne jetzt dieses Studium. Hilf, dass wir dich erkennen aus deinem Wort und dass dein Wort doch in unsere Herzen fällt und dort reichlich Frucht trägt. Hab herzlich Dank dafür, in Jesu Namen. Amen.
[1:08] Beginnen wir mit dem Merkvers, den wir in Epheser 2, Verse 8 bis 10 finden. Denn aus Gnade seid ihr errettet, durch den Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. Denn wir sind seine Schöpfung, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.
[1:39] Paulus stellt hier ganz klar heraus, dass kein Platz für eigenes Rühmen bleibt, weder wegen unseres Glaubens noch wegen der guten Werke, die Gott schon vorher bereitet hat. Wenn jemand Ruhm gebührt, dann ist es alleine Gott, wegen seines wunderbaren Erlösungsplans für uns, seine sündigen Kinder oder Söhne des Ungehorsams, Kinder des Zorns, wie Paulus es ein paar Verse weiter oben bezeichnet. Wenn das der Zustand ist, aus dem Gott uns herausholt, dann liegt es doch nahe, dass Gott diesen Zustand ändern und aus Ungehorsamen und Kindern des Zorns gehorsame, liebenswerte und liebevolle Menschen machen will. Dem immer ähnlicher, der uns in den Evangelien begegnet, Jesus Christus, unserem Heiland.
[2:32] Wir finden in der Studienanleitung ein bemerkenswertes Zitat von Ellen G. White aus dem Buch Glauben und Werke, und zwar auf Seite 20. Wenn wir alles zusammennehmen würden, was im Menschen gut, heilig, edel und liebenswert ist, um es dann den Engeln Gottes als Anteil an der Erlösung der menschlichen Seele oder als Verdienst zu präsentieren, würde dieser Vorschlag als Hochverrat zurückgewiesen werden. Hochverrat ist im rechtlichen Sinn nicht Kleinkriminalität, also ein kleineres, vernachlässigbares Delikt, sondern ein Schwerverbrechen. Es geht um einen Angriff auf den Staat selbst oder seinen Herrscher. Dabei sind nicht die guten Charaktereigenschaften oder die guten Werke der Hochverrat, sondern das falsche Verständnis, dass sie ein Verdienst oder Anteil an der Erlösung wären.
[3:33] Am Sonntag sehen wir den bekannten Text aus dem Johannes-Evangelium, Kapitel 3, Vers 16, in einem anderen Kontext. Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Der Kontext, in dem dieser Vers jetzt betrachtet wird, ist etwas ungewöhnlich, denn es handelt sich jetzt um Römer 8, Verse 20 bis 23, und wir lesen die ersten zwei Verse. Die Schöpfung ist nämlich der Vergänglichkeit unterworfen, nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung hin, dass auch die Schöpfung selbst befreit werden soll von der Knechtschaft, der Sterblichkeit, zur Freiheit, der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung mitseufzt und mit in Wehen liegt bis jetzt.
[4:54] Die Sünde hat ja nicht nur das menschliche Leben verändert, nein, sie hat ja auch über die Natur den Tod und viel Leid gebracht. Und je weiter die Weltgeschichte sich ihrem Ende nähert, umso deutlicher zeigen sich überall die schrecklichen Folgen der Sünde. Wie gut, dass wir wissen dürfen, dass Gott einen wirklichen Neuanfang machen will und sich später keiner mehr nostalgisch an diese jetzige Welt erinnern wird.
[5:21] Natürlich ist Johannes 3, Vers 16 einer der Kernsätze der Bibel und sicher auch der Lieblingsvers von vielen Menschen. Wer wird nicht dadurch berührt und bestärkt, dass Gott ihn trotz aller seiner Fehler liebt und retten möchte? Persönlich herausfordernd wird es dann, wenn wir anfangen zu verstehen, dass die göttliche Liebe nicht nur uns selbst oder die Natur umfasst, sondern wirklich jeden Menschen, auch den, der nichts Liebenswertes an sich hat. Gott liebt eben auch die Menschen, die uns das Leben schwer machen oder selbst viel Unheil über die Welt gebracht haben, weil Gott ja nicht nur in uns Potenzial sieht, sondern auch in jedem anderen. Ein krasses Beispiel dafür wäre zum Beispiel Manasse.
[6:11] Wir sehen diesen anderen, uns manchmal fremden, göttlichen Blickwinkel auch an einem sterbenden Erlöser, der am Kreuz für seine Peiniger bittet. Wir sehen es auch an seinem treuen Nachfolger Stephanus, der kurz vor seinem Tod ganz ähnlich betet. Diese Gebete zeigen, wie umfassend und selbstlos die Liebe Gottes ist. Auch bei uns kann ein Gebet für einen Menschen, der in unserem Leben Probleme macht, unser Denken verändern. Wir können Gott auch darum bitten, nicht nur den anderen zu verändern, sondern besonders unser eigenes Herz und auch unsere Gefühle.
[6:53] Der Montagsabschnitt unserer Bibelbetrachtung setzt sich mit Reue und Mitgefühl auseinander. Sehr oft realisieren wir die Sünde als Akt des Ungehorsams nicht so einfach wie die Gefühle und die Folgen, die diese Sünde verursacht hat. Leid, Zorn, Streit, aber auch unsäglich viel Trauer spüren und empfinden wir oft viel unmittelbarer als das rationale Nachdenken mit der Frage von richtig oder falsch. Wenn also Gefühle so sehr Teil unserer Erfahrungen sind, wie ging es Jesus damals? Wurde auch Jesus davon berührt?
[7:36] Und hier zeigen uns die Evangelien ein sehr klares Bild. Fangen wir einmal an im Matthäusevangelium, Matthäusevangelium, Kapitel 9, den Vers 36. Als er aber die Volksmenge sah, empfand er Mitleid mit ihnen, weil sie ermattet und vernachlässigt waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und ja, dieses Mitleid mit den anderen begegnet uns auch im Lukasevangelium, im Kapitel 19, in den Versen 41 und 42. Und als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie und sprach, wenn doch auch du erkannt hättest, wenigstens noch an diesem deinem Tag, was zu deinem Frieden dient, nun aber ist es vor deinen Augen verborgen.
[8:38] Und nun der wohl kürzeste Vers in der Bibel, Johannes 11, Vers 35. Jesus weinte. Die Umstehenden, es handelt sich um die Begebenheit von Lazarus' Auferweckung, die Umstehenden folgerten, dass Jesus von Trauer überwältigt war und sprachen davon, wie sehr er Lazarus wohl geliebt habe. Aber Gottes Gefühle gehen weit darüber hinaus. So wie Jesus über Jerusalem weinte, weil sie die Rettung, die er seinem Volk anbot, nicht annehmen wollten, so weinte er auch an Lazarus' Grab, über die schrecklichen Folgen der Sünde durch alle Zeitalter. Er weinte über das leidvolle Schicksal der Menschen.
[9:25] Das Leben Jesu, Seite 525, beschreibt diese Szene folgendermaßen. Jesus weinte nicht nur wegen der Vorgänge um ihn herum. Der Kummer aller Zeiten lag auf ihm. Er sah die schrecklichen Folgen der Übertretung des göttlichen Gesetzes. Er sah, dass im weltgeschichtlichen Geschehen, beginnen mit Abels Tod, der Kampf zwischen Gut und Böse ohne Unterbrechung gedauert hatte. In die Zukunft schauend erblickte er Leid und Schmerz, Tränen und Tod, die das Schicksal der Menschheit sein werden. Sein Herz war verwundet von dem Leid der Menschen aller Länder und Zeiten. Die Wehrufe des sündigen Geschlechts lasteten schwer auf seiner Seele und ihm gingen die Augen über, als er sich danach sehnte, all ihrem Elend abzuhelfen. Was für ein Mitgefühl!
[10:18] Am Anfang der Bibel, gleich nach dem Sündenfall, sehen wir den unguten Umgang mit Sündenerkenntnis. Einer schiebt die Schuld auf den anderen. Der Apostel Johannes möchte aber unseren Blick auch auf uns selbst lenken. Und wir lesen das im ersten Johannesbrief, Kapitel 1, Vers 8. Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, so verführen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns. Uns muss bewusst sein, dass wir eben auch ein Teil des Problems sind.
[10:58] Der Römerbrief spricht das sehr deutlich aus, Kapitel 3, Vers 23. Denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten. Diese Einsicht des eigenen, meines Zukurzkommens, meines Mangels, hilft jedem von uns, sicher auch dabei, anderen gegenüber vergebungsbereiter zu sein. In seinem Brief zeigt Johannes gleichzeitig auf, dass wir aber jetzt bitte nicht nur auf uns selber schauen sollen, sondern vor allem auf unseren Fürsprecher im Himmel. Schon Jesaja 55, 7 ruft zur Umkehr zu Gott auf, denn bei ihm ist viel Vergebung.
[11:43] Ja, der Dienstag befasst sich dann noch einmal mit dem Merkvers aus Epheser. Wir dürfen nie die Erlösung aus Gnade aus den Augen verlieren. Wir denken an dieses Zitat, das wir eingangs schon betrachtet haben, Stichwort Hochverrat. So wie die guten Werke Jesus seinen Charakter, sein Mitleid, sein Mitgefühl mit den Schmerzen und Sorgen der Menschheit widergespiegelt haben, so soll doch auch unser Leben etwas von dem widerspiegeln, der die guten Werke auch schon für unseren Lebensweg vorbereitet hat.
[12:18] Johannes wird nicht müde, zu wiederholen, was schon Paulus geschrieben hat. Überfliegen wir doch ein paar Texte im ersten Johannesbrief. Der erste Johannesbrief ist nicht besonders lang, aber er quillt geradezu über vor praktischen Erinnerungen. Zum Beispiel Kapitel 2, Vers 6. Wer sagt, dass er in ihm bleibt, der ist verpflichtet, auch selbst so zu wandeln, wie jener gewandelt ist. Oder Kapitel 3, Vers 15. Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Mörder. Und ihr wisst, dass kein Mörder ewiges Leben bleibend in sich hat. Oder Vers 16. Daran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben für uns hingegeben hat. Auch wir sind es schuldig, für die Brüder das Leben hinzugeben. Oder Vers 17. Wer aber die Güter dieser Welt hat und seinen Bruder notleidend sieht und sein Herz vor ihm verschließt, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm? Oder Kapitel 4, Vers 8. Wer nicht liebt, der hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe. Und im gleichen Kapitel der Vers 11. Geliebte, wenn Gott uns so geliebt hat, so sind auch wir es schuldig, einander zu lieben.
[13:43] Gott möchte aber nicht, dass wir diese Nächstenliebe als Bürde oder Belastung ansehen, auch deswegen, weil Johannes hier von einer Schuldigkeit oder Verpflichtung spricht. Und vielleicht kann man das anhand eines Beispiels ganz gut klar machen. So wie es ja auch einem Kind vorher schon mitgegeben wurde, dass es einmal laufen kann, weil alles darauf im Kind angelegt ist, quasi vorbereitet, so hat auch Gott die guten Werke schon vorbereitet. Trotzdem ist es aber für jedes Kind ein längerer, mitunter mühsamer Prozess, laufen zu lernen. Es geht sicher nicht von heute auf morgen. Es bedarf vieler kleiner Entwicklungsschritte, bis hin zur Koordination der einzelnen Bewegungen, dabei der Kampf mit der Schwerkraft und dem Gleichgewicht und dann das erste Hochziehen, die vielen vergeblichen und gescheiterten Versuche bis zum ersten Schritt und wie viel mehr lernen steht diesem Einjährigen da noch bevor? Wie oft wird er in seinem Leben vor neuen Herausforderungen stehen, die wieder einmal lernen und Training erfordern? Da wäre Treppensteigen, Radfahren, Schreiben, Klettern, Schwimmen und noch manches mehr.
[15:00] Wir betrachten es doch als normal, wenn ein Kind diese Dinge alle lernt, weil sie zu einer gesunden Entwicklung dazugehören, weil eben die Voraussetzungen für die meisten dieser Lernprozesse schon im Kind selbst angelegt sind. Auch die Bibel spricht von einer Neugeburt, von einer geistlichen Entwicklung. Sollte man da nicht ganz selbstverständlich erwarten, dass sich gewisse Dinge entwickeln, weil sie Teil des Gesamtpakets sind? Der Mensch war einmal im Bilde Gottes geschaffen, so sagt uns die Bibel. Und die Bibel spricht auch von einer Rückkehr zu diesem Ausgangspunkt. Wenn wir in Gottes Charakter jetzt Selbstlosigkeit, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft und so viele andere liebenswerte und schöne Eigenschaften finden, liegt es dann nicht nahe, dass Gott sie auch in seine Geschöpfe gelegt hatte?
[15:53] Paulus spricht etwas später als in unserem Merkvers im Epheserbrief wieder davon, und zwar im Kapitel 4, Vers 25. Vers 24. Und den neuen Menschen angezogen hab, der Gott entsprechend geschaffen ist, in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Ist es jetzt schlimm, dass Gottes wunderbarer Charakter einmal in Ewigkeit in jedem seiner Geschöpfe sichtbar werden wird? Mit Sicherheit nicht. Sollte es schlimm sein, wenn er heute schon darauf hinarbeitet, und zwar genau bei denen, die es verloren haben? Denn jeder profitiert doch davon, die Mitmenschen, drumherum der Mensch selbst und auch letztlich das Werk Gottes, das dadurch gefördert wird und ein positives und glaubwürdiges Zeugnis erhält.
[16:49] Es ist schade, wenn Menschen nicht verstehen, dass sie dadurch nicht erlöst werden, wieder einmal Stichwort Hochverrat, aber es ist doch genauso schlimm, wenn bekennende Christen nicht ihrer göttlichen Bestimmung entsprechend wachsen wollen. Aber Gott möchte uns helfen, hineinzuwachsen und seinen Weg zu gehen.
[17:10] Ein etwas längeres Zitat aus dem Buch Bilder aus dem Reich Gottes passt sehr gut dazu. Auch bei unterschiedlicher Glaubensauffassung müssen wir Menschen in Not helfen. Gerade der persönliche Einsatz kann mancher feindlichen Haltung, die durch Glaubensdifferenzen aufgekommen sind, ein Ende bereiten. Liebevolle Hilfsdienste beseitigen Vorurteile und gewinnen Menschen für Gott. Wir brauchen einen Blick für die Sorgen, Schwierigkeiten und Nöte anderer Menschen. Überall in unserer Nachbarschaft gibt es Menschen mit schwerem Schicksal, die Verständnis und praktische Hilfe brauchen. Da hat eine Frau den Mann verloren und braucht einmal unser Gespräch oder einen Rat. Nach Gottes Willen sollten wir uns auch für ihre Kinder verantwortlich fühlen, um die sich sonst vielleicht niemand kümmert. Selbst wenn sie uns einen verwahrlosten und keinen vielversprechenden Eindruck machen sollten, so sind sie doch Gottes Eigentum, teuer erkauft und in seinen Augen nicht weniger wertvoll als wir. Auch sie gehören zu Gottes großer Familie und als Christen sind wir für sie verantwortlich. Ihr Blut, sagt er, will ich von deiner Hand fordern.
[18:25] Wenn wir uns bewusst mit dem Leid, das die Sünde der Menschheit gebracht hat, auseinandersetzen, hilft es uns auch, leichter zu lernen, die Ursache des Leids, nämlich die Sünde selbst, zu hassen.
[18:36] Im Mittwochsabschnitt sehen wir, wie das Evangelium sichtweisend verändert. Jesus kümmerte sich um jeden, der Hilfe brauchte und zu ihm kam, egal ob sie jetzt gesellschaftlich angesehen oder ausgegrenzt waren. Ein ehemaliger Zöllner wurde sein Apostel und schrieb ein Evangelium. Jesus halte Aussätzige und Ausländer. Und bei aufmerksamem Studium sehen wir, dass auch seine Nachfolger, trotz der guten Schule, in die sie bei Jesus gegangen waren, teilweise lange brauchten, um aus ihren alten Denkmustern herauszukommen. Es ist schon zweifelhaft, ob Petrus ohne die Vision auf dem Dach und den expliziten Auftrag vom Heiligen Geist, so ohne weiteres zu Cornelius gegangen wäre. Und auch das Zweite Jerusalemer Konzil zeigt, dass alte Denkweisen wieder anfingen, in der Gemeinde Fuß zu fassen. Die Bibel beschönigt nichts, sie zeigt eben Höhen und Tiefen des Glaubenslebens. In Antiochia verfallen Petrus und selbst Barnabas später wieder kurzzeitig in das alte Verhaltensmuster. Manches Schubladendenken und entsprechendes Handeln sitzen eben tief und zäh in uns. Aber Gott zeigt uns trotzdem sein Ziel, zuerst den Menschen im Anderen zu sehen, den Mitmenschen, das Geschöpf Gottes, den Jesus genauso gerne in der Ewigkeit haben möchte wie dich und mich.
[20:03] So spricht die Heilige Schrift immer wieder über dieses Thema, um etwas Neues in unser eigenen Denken zu verankern. Dazu noch ein Zitat aus Bilder aus dem Reich Gottes aus dem gleichen Kapitel. Für Gott gibt es keinen qualitativen Unterschied zwischen den einzelnen Nationen, Rassen oder Gesellschaftsschichten. Er ist der Schöpfer aller Menschen, die durch Schöpfung und Erlösung eine einzige Familie bilden. Christus kam, um jede Trennwand niederzureißen und alle Räume des Tempels zugänglich zu machen, sodass jeder ungehindert vor Gott treten kann. Seine Liebe ist so groß und reichlich, dass sie überallhin durchdringt.
[20:49] Interessant ist die angegebene Stelle in Maleachi 2, Vers 10. Haben wir nicht alle einen Vater? Hat uns nicht ein Gott erschaffen? Warum sind wir denn so treulos, einer gegen den anderen und entweihen dem Bund unserer Väter? Einigkeit in Gottes Volk ist ein immer wiederkehrendes Thema. Und trotzdem finden wir im Kontext eine Rüge wegen eingegangener Mischehen mit Andersgläubigen. Paulus predigt über den Gedanken, dass alle einen Schöpfer haben, in Athen mit ganz ähnlichen Wörtern. Wir lesen es in Apostelgeschichte 17, im Vers 26. Und er hat aus einem Blut jedes Volk der Menschheit gemacht, dass sie auf dem ganzen Erdboden wohnen sollen. Und an die Galater schreibt Paulus im Kapitel 3, Vers 28. Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Knecht noch Freier, da ist weder Mann noch Frau, denn ihr seid alle einer in Christus Jesus.
[22:08] Gesellschaftliche Stellung oder nationale Vorurteile sollen in der Gemeinde Gottes kein Thema sein. Die Liebe untereinander soll vielmehr unser Kennzeichen sein, damit die Welt erkennt, wessen Jünger wir sind. Auch hier haben wir, ähnlich wie unsere biblischen Vorväter, unsere guten oder auch weniger guten Momente. Wie wir schon in Maleachi gesehen haben, ist der biblische Ruf nach Einigkeit kein Freifahrtsschein für populäre Praktiken, die der Bibel widersprechen würden.
[22:39] Der Donnerstag ruft uns das ewige Evangelium mit der ersten Engelsbotschaft ins Gedächtnis und stellt sie in Bezug zu den Schwerpunkten dieser Woche. Außerdem stellt sich die persönlich herausfordernde Frage, wie verbinde ich die praktische Nächstenliebe mit der Verkündigung? Ein Bruder, der eine Missionseinrichtung besucht hatte, erzählt von einem Missionseinsatz in Asien. Schon in der Vorbereitung wurde ihnen erklärt, dass sie zuerst die Menschen und ihre Probleme im Fokus haben sollten, die Methode Jesu. Also gab es in Asien zuerst einmal viel Schweiß bei Bau- und Reparaturarbeiten und anderen Hilfeleistungen. Als dann vieles getan war, konnte der Bruder die erste Andacht im Haus seines neuen Freundes halten. Und sie hörten zu, obwohl sie vorher kein Interesse an seinem Glauben geäußert hatten.
[23:33] Wie gut, dass wir Gott immer um Rat fragen können. Und er wird uns auch die Weisheit geben, wann und wie wir was weitergeben können und sollen. Ehrliches Interesse und Mitgefühl sind immer ein guter Brückenbauer zum Herzen des Anderen. Wir können aber nur das glaubhaft weitergeben, was wir selbst glauben und praktizieren. Deshalb muss das ewige Evangelium und auch die Botschaft der drei Engel erst einmal von uns selbst angenommen werden.
[24:00] In welcher Beziehung steht jetzt die Botschaft dieses ersten Engels, speziell zum Wochenthema? Im ersten Johannesbrief lesen wir von dem Gebot, dass der, der Gott liebt, auch seinen Bruder lieben soll. Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre, ist also nicht nur ein Aufruf zum Gehorsam gegen die göttlichen Gebote, sondern auch zur nächsten Liebe. Sechzehn Gebote sprechen ja über das Menschliche miteinander. Und wieder ein Zitat aus Bilder aus dem Reich Gottes. Wer Christus im Herzen trägt, kann nicht ohne Liebe sein. Wenn wir Gott lieben, weil er uns zuerst geliebt hat, dann bringen wir auch allen Liebe entgegen, für die Christus gestorben ist. Wir können Gott nicht nahe kommen, ohne zugleich Gemeinschaft mit anderen Menschen zu haben. Dann wird in unserem Leben die mitfühlende Barmherzigkeit Christi sichtbar. Wir warten nicht mehr, bis Menschen in Not zu uns kommen und lassen uns auch nicht lange bitten, wenn wir gebraucht werden. Anderen zu helfen, ist dann für uns eine Selbstverständlichkeit, wie es das ja auch für Christus war.
[25:12] Liebevolles Verständnis für andere und der Wunsch, Menschen zum Segen zu werden, sind immer ein Zeichen für das Wirken des Heiligen Geistes. Ja, so praktisch kann fürchte Gott und gebt ihm die Ehre doch sein. Denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen. Das Gericht hat ja mehrere Facetten. Wenn man schon in der Welt ganz selbstverständlich Gerechtigkeit vom Gericht erhofft, so erhofft man es sich sicher noch viel mehr vom göttlichen Gericht. Und wie viel Ungerechtigkeit hat es denn schon in der ganzen Weltgeschichte gegeben? Angefangen beim Blut Abels, bis hin zu der Frage aus Offenbarung, wie lange, o Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, richtest du nicht und rächst nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen?
[26:08] Auf der anderen Seite, ebenfalls im biblisch gestützten Kontext, hofft auch der reue Sünder auf seinen Freispruch und die Auslöschung seiner Sünden, weil er um den göttlichen Fürsprecher weiß. Gericht ist also zum einen Teil des Schlussstrichs, den Gott unter diese von der Sünde verdorbene Welt ziehen will, zum anderen enthält es aber auch die Aussicht auf einen Neubeginn. So wie er schon einmal die Erde geschaffen hatte, so wird es wieder sein. Und der auf dem Thron saß, sprach, siehe, ich mache alles neu.
[26:47] Wir können diese Welt nicht grundlegend zum Guten verändern, dennoch können wir das eine oder andere Leid lindern, trösten, helfen oder einfach nur zuhören. Aber wir haben das feste Versprechen, dass Jesus diese Welt komplett neu erschaffen wird. Sünde und ihre Folgen werden darin keinen Platz mehr haben.
[27:09] Lieber Zuschauer, wie schön wäre es doch, wenn das Evangelium auch in deinem und meinem Leben Gestalt gewinnen könnte, wenn das Leben doch auch etwas vom Charakter Gottes zeigen würde, so wie die Bibel sagt, dass es ein Licht ist, das in die Welt hineinscheint. Lass uns doch darum beten.
[27:35] Lieber Vater im Himmel, bitte hilf doch, dass dein Wort vom Kopf in unser Herz fällt, dass es unser Herz verändert und dass es uns Stück für Stück mehr so macht, wie wir es doch im Leben Jesus sehen, selbstlos, hilfsbereit, mitleidig und immer bereit für die Extrameile. Bitte hilf doch, dass wir zu dem werden, wie du deine Kinder haben möchtest. Lass uns nicht entmutigt aufgeben, sondern festhalten an dir in dem Wissen, dass du die Dinge zu einem guten Ende führen willst, auch in unserem Leben. Dafür wollen wir dir danken, in Jesu wunderbaren Namen. Amen.
[28:25] Eine gesegnete neue Woche, dass wir doch viel von dem umsetzen können, was wir in Gottes Wort lesen und bis zum nächsten Mal bei der Cannstatt Study Hour.
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