In dieser Folge von Corona und die Pandemiekronik blickt Christopher Kramp auf die Spanische Grippe zurück, eine der verheerendsten Pandemien der Weltgeschichte. Er beleuchtet die Parallelen zu heutigen Krisen, die enormen Todeszahlen und die damals angewandten Maßnahmen wie Social Distancing. Zudem wird die Bedeutung eines starken Immunsystems hervorgehoben, eine Lehre, die auch für die heutige Zeit relevant ist.
Corona und die Pandemie – Chroniken: 2. Lehren aus der Spanischen Grippe – Teil 1
Christopher Kramp · Corona und die Pandemie- Chroniken ·Themen: KrankheitenWeitere Aufnahmen
Serie: Corona und die Pandemie- Chroniken
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Transkript
[0:00] Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Corona und die Pandemiekronik. Mein Name ist Christopher Kramp und wir wollen erneut in die Geschichte schauen, um zu sehen, was wir lernen können für die gegenwärtige Corona-Krise. Heute soll es um die sogenannte Spanische Grippe gehen, ein Thema, das auch schon in den Medien verschiedentlich aufgegriffen worden ist, weil dies eine schwere Pandemie, eine der größten Pandemien der Weltgeschichte gewesen ist, etwa 100 Jahre in der Vergangenheit zurückliegend.
[0:40] Manchmal hört man ja in den vergangenen Tagen, dass Menschen der Meinung sind, das Coronavirus kann ja nicht wirklich so schlimm und dramatisch sein. Es handelt sich ja nur um einen grippeähnlichen Erreger und die Grippe, die kommt halt jedes Jahr. Die kennen wir, da gibt es eine bestimmte Anzahl von Todeszahlen, die zum Teil auch recht groß ist, aber die sonst keine weiteren Einschränkungen des öffentlichen Lebens nötig gemacht hat. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass auch Influenza-Viren enormes Potenzial haben, das menschliche Leben massiv zu beeinträchtigen und die Spanische Grippe ist hier ein sehr interessantes Beispiel.
[1:24] Diese Spanische Grippe ist eigentlich von Historikern auch lange Zeit etwas vergessen worden. Im wahrsten Sinne des Wortes, Alfred W. Crosby nannte sie Americas Forgotten Pandemic, aus einer amerikanischen Perspektive geschrieben, eine vergessene Pandemie, was unter anderem damit zusammenhing, dass sie halt sich mit dem Ersten Weltkrieg überlappte und alle Aufmerksamkeit auf diesen Ersten Weltkrieg sich fokussierte und manche dieser Auswirkungen des Ersten Weltkrieges vor allem als Hauptfaktoren ausfindig gemacht worden sind, um diese Spanische Grippe zu erklären.
[2:05] In der Tat handelt es sich allerdings um eine Pandemie, die auch für unsere Zeit von enormem Interesse ist. Viele Bilder, die wir heute sehen, gab es damals auch. Zum Beispiel überforderte Krankenhäuser, behelfsmäßige Lager, wo Menschen dann behandelt werden mussten. Man sah damals Menschen mit Schutzmasken umhergehen und auch die Graphen, wenn auch nicht digital, sondern damals in Zeitungsform, sahen ganz ähnlich aus, wie wir sie heute von Experten, von Virologen und Menschen, die sich mit Pandemien auskennen, gezeigt bekommen. Große Ausschläge, exponentielles Wachstum der Fallzahlen und der Todeszahlen zeichnete auch damals diese Spanische Grippe aus, die sich rasant um den Erdball ausbreitete.
[2:57] Wobei wir heute feststellen können, dass es drei Wellen gab und das ist vielleicht auch eine interessante Perspektive auf die Corona-Krise. Die drei Wellen der Spanischen Grippe ließen sich im Wesentlichen nach Jahreszeiten einteilen. Es begann im Frühjahr 1918 mit einer ersten Welle, die vergleichsweise mild gewesen ist und deswegen kaum Beachtung fand. Man hat sie im Wesentlichen als eine ganz normale Grippewelle angesehen. Vor allem war ja noch der erste Weltkrieg im Gang und von daher hat diese Grippewelle zunächst einmal nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie vielleicht sonst an Friedenszeiten bekommen hätte.
[3:44] Dann im Herbst 1918 kam es zu einer weiteren Welle, die weitaus schwerer war und extrem hohe Todeszahlen gefordert hat. Und dieser schwere Ausbruch hat dann vor allem auch zu diesem Pandemie-Charakter beigetragen. Damit war es allerdings noch nicht vorbei, sondern im Frühjahr 1919 brach die Spanische Grippe ein drittes Mal aus. Diesmal etwas milder, aber trotzdem mit verheerenden Folgen. Es sind auch noch weitere Fälle und regionale lokale Ausbrüche bis nach 1920 verzeichnet worden. Die Experten und die Historiker sind sich allerdings nicht ganz einig, ob das immer noch ursächlich mit dieser Spanischen Grippe eindeutig im Zusammenhang steht.
[4:32] Interessant ist es, wenn man sich die Todeszahlen der damaligen Pandemie anschaut. Für Jahrzehnte galt ein Wert so zwischen 20 bis maximal 30 Millionen Toten als das, was man ermitteln konnte. Das war schon enorm viel mehr, als was der Erste Weltkrieg an Todesopfern gefordert hatte. In jüngster Zeit sind diese Daten revidiert worden. In einem recht einflussreichen Artikel von Niall Johnson und Jürgen Müller ist 2002 erneut die Frage gestellt worden, wie viele Todesfälle gab es eigentlich bei der Spanischen Grippe. Ihr Fachartikel erschien im Bulletin of the History of Medicine 2002 und dort machten sie die Rechnung erneut auf. Es gab mittlerweile eine ganze Reihe von Einzelstudien, die einzelne Kontinente und Länder in den Blick genommen haben und so konnte man das neu addieren. Außerdem musste man feststellen, dass es sehr schwer ist eine genaue Anzahl festzustellen, weil in manchen Teilen der Welt das Berichtsystem natürlich noch sehr rückläufig oder schlecht entwickelt gewesen ist.
[5:42] Wir sehen ja selbst heute mit unserer modernsten Technik, dass die Zahlen mitunter abweichen können, auch in den Medien, weil das Berichtssystem manchmal nicht ganz einheitlich ist. Man konnte feststellen, dass in Afrika mehr als zwei Millionen dieser Spanischen Grippe zum Opfer fielen, die übrigens zwar Spanische Grippe genannt wurde, ihren Ausgangsort aber höchstwahrscheinlich so die meisten Experten in Amerika gehabt hat. Dort waren es 1,5 Millionen etwa, die dieser Grippe zum Opfer fielen. In Asien waren es unfassbare 26 bis 36 Millionen. Man sieht dort, wie schwer das ist, das genau festzulegen. Allein in Indien sollen bis zu 18 Millionen Menschen umgekommen sein und das zeigt auch, dass diese Spanische Grippe nicht nur mit dem Ersten Weltkrieg erklärt werden kann, dass es nicht nur die Schwächung der Volksgesundheit aufgrund der Entbehrungen des Kriegs gewesen sein kann, denn Indien war im Wesentlichen von den Folgen des Ersten Weltkrieges weitgehend verschont gewesen, weil Indien kein Kriegsschauplatz gewesen ist.
[6:54] Außerdem kommen dazu noch einmal in Europa 2,3 Millionen Tote und in Ozeanien, das ist also die Südsee und Australien, Neuseeland 85.000 in diesen etwa 15, 16 Monaten. Die Autoren der Studie fügen an, dass es für viele Gegenden sehr schwer ist, überhaupt verlässliche Zahlen zu bekommen. Anscheinend ist die Grippe an China vorbeigegangen, was natürlich völlig unwahrscheinlich ist. Es gibt nur sehr wenig Statistiken für dieses bevölkerungsreiche Land. Viele Ureinwohner verschiedener Gegenden sind kaum erfasst worden. So kommen die Autoren zu dem Schluss, dass mindestens 50 Millionen Menschen an dieser spanischen Grippe innerhalb dieses Zeitraumes verstorben sind und sagen, dass es gut möglich sein könnte, dass es sogar 100 Millionen gewesen sind. Das heißt, eine Todeszahl, die noch höher liegt als alles, was mit dem Zweiten Weltkrieg zusammenhängt. Und das zeigt uns, wie potenziell gefährlich solch eine Pandemie sein kann.
[8:05] Interessant ist auch, dass es damals verschiedene Methoden gab, um diese Pandemie einzudämmen oder zu verlangsamen. Wir sehen hier die Effekte des sogenannten Social Distancing, das jetzt in aller Munde ist. 1918, nach einer Statistik der Washington Post, sieht man die Städte Philadelphia und St. Louis im Vergleich zueinander, während in Philadelphia der Ausbruch lange Zeit nicht ernst genommen worden ist und die Maßnahmen erst relativ spät griffen, ist in St. Louis sehr bald nach Ausbruch der Grippe dort ein sehr scharfes Maßnahmenpaket ausgeführt worden, was dazu geführt hat, dass dieser Ausschlag der exponentiellen Kurve sehr abgeflacht werden konnte. Wir sehen also, dass das, was Experten, was Virologen heute sagen, tatsächlich in der Geschichte nachweislich auch so stattgefunden hat. Das sollte uns vielleicht auch ein bisschen ermutigen, den Anordnungen und den Empfehlungen vielleicht mehr Vertrauen entgegenzubringen. Sie sind historisch belegt und bewiesen.
[9:13] Es gibt allerdings eine andere Beobachtung noch aus dieser Zeit, die weniger bekannt ist und die trotzdem es verdient, genauer vielleicht noch studiert zu werden. In einem Artikel im American Journal of Public Health haben Richard A. Hopday und John W. Kaysen einen Fall geschildert, eines Sanatoriums, das im Freien operieren musste. Dort waren Matrosen, die angesteckt worden waren, mit der spanischen Grippe behandelt worden, an der frischen Luft mit viel Sonnenschein und mit der entsprechenden guten Luft und die Studie zeigt, dass dort die Sterblichkeitsrate bedeutend niedriger war, als das in normalen Behandlungsumfeldern der Fall gewesen ist und die Autoren suggerieren, dass möglicherweise der Einfluss solcher natürlichen Heilmittel wie frische Luft und wie Sonnenschein einen günstigen Einfluss auch in der Behandlung gehabt haben können.
[10:09] Ein Punkt, der sehr interessant ist, denn obwohl selbstverständlich die Frage der Heilung einer solch schweren Krankheit sehr komplex ist und sich einfache und schematische Antworten verbieten, scheint es doch so zu sein, dass ein starkes Immunsystem sehr wichtig ist in der Bekämpfung dieser Krankheit oder auch in der Prävention. Wir werden übrigens hier auf Joel Media auch spezielle Videos in Bezug auf die Corona-Krise produzieren, die eine Stärkung des Immunsystems zum Ziel haben, denn das sind Dinge, die wir alle tun können, auch wenn es keinen Impfstoff gibt und keine Therapie bekannt ist, können wir unser Immunsystem stärken mit Dingen wie zum Beispiel frischer Luft, Bewegung, Sonnenschein, gesunde Ernährung, ausreichend Wasser und verschiedenen Dingen Ruhe, die wir brauchen und all das dient dazu, unserem Körper die Fähigkeit oder die Fähigkeit unseres Körpers zu stärken, in einer solchen Krise auch mit dem Erreger fertig zu werden.
[11:24] Das Ganze ist eigentlich eine Idee, die schon sehr alt ist, Jahrhunderte alt und die in den Prinzipien sich auch schon in dem Buch der Bibel wiederfindet und in diesem Buch findet sich ein Segenswunsch, mit dem ich sie heute aus dieser kurzen Folge entlassen möchte. In 3. Johannes 2 heißt es: Mein Lieber, ich wünsche dir in allen Dingen Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohl geht. In dieser Zeit, in der wir nicht genau wissen, wie alles noch zu Ende gehen wird, können und müssen wir lernen aus vergangenen Pandemien. Wir sollten verstehen, dass solche Dinge sehr ernst sein können, wir sollten sie nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wir müssen aber zum Glück, Gott sei Dank, nicht einfach nur passiv ängstlich zu Hause sitzen. Wir können mit einfachen Mitteln, die jedem zur Verfügung stehen, dafür sorgen, dass wir über ein möglichst gesundes Immunsystem verfügen. Auch das eine Lehre aus der spanischen Grippe. Mögen wir sie alle beherzigen.
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