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In dieser Folge der Corona und Pandemiekroniken tauchen wir tief in die Geschichte ein und beleuchten die Justinianische Pest. Diese verheerende Seuche, benannt nach dem oströmischen Kaiser Justinian, hielt die Welt über zwei Jahrhunderte in Atem und führte zu tiefgreifenden gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen. Wir untersuchen die Ausbreitung, die Symptome und die dramatischen Folgen dieser Pandemie, die das antike und frühe Mittelalter prägte.

Darüber hinaus betrachten wir die historischen Umstände, die die Justinianische Pest begleiteten, wie eine Klimakatastrophe und den Gotenkrieg, und wie diese Ereignisse das Christentum und die Entstehung des Papsttums beeinflussten. Die Episode wirft auch einen Blick auf die biblische Prophetie und ihre Bedeutung für das Verständnis dieser historischen Epoche und ihrer Relevanz für unsere heutige Zeit.


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Serie: Corona und die Pandemie- Chroniken

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Transkript

[0:00] Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge von Corona und die Pandemiekroniken. Gemeinsam wollen wir in die Geschichte schauen, um aus vergangenen Pandemien wertvolle Lektionen für unsere gegenwärtige Krisenzeit zu lernen.

[0:15] Das Thema ist diesmal die Justinianische Pest, die etwa gut zwei Jahrhunderte die Menschen in Atem gehalten hat und vor allem in der damals bekannten Welt des Mittelmeerraumes für enorme Transformation und Veränderung gesorgt hat. Benannt worden ist sie nach Justinian, dem oströmischen Kaiser, einem der bedeutendsten Herrscher in jener Zeit am Ende der Spätantike und am Anfang des Mittelalters, des frühen Mittelalters, der in Konstantinopel herrschte und jener Zeit in vielerlei Hinsicht religiös und politisch seinen Stempel aufdrückte.

[1:02] Die Pest, die nach ihm benannt ist, brach zum ersten Mal im Juli 541 aus dem ägyptischen Grenzort Pelusium. Möglicherweise hatte sie ihren Ursprung weiter südlich in Zentralafrika und ist dann über Handelsrouten wie zum Beispiel über Sansibar dort nach Ägypten gekommen. Das ist durchaus plausibel, obwohl wir auch wissen aus einer früheren Folge, dass gerade das südliche Afrika damals allgemein als Ursprungsort aller möglichen Seuchen galt.

[1:43] Als die Seuche dort im Juli 541 zum ersten Mal in das Gesichtsfeld der antiken Autoren kam, hat sie sich sehr schnell ausgebreitet. Wir können den Ausbreitungsweg sowohl Richtung Osten als auch Westen nachvollziehen. So war es im Osten innerhalb von weniger Monate so, dass Gaza erreicht worden ist, dann Jerusalem, dann Antiochia, eine der bedeutendsten Städte des ehemaligen römischen Reiches, dann Kleinasien, die heutige Türkei, bis dann auch Konstantinopel, die Hauptstadt Ostroms, erreicht worden ist.

[2:16] Im Gegensatz dazu im Westen mit leichter Verzögerung und dann ebenfalls sehr schnell in Alexandria, einer anderen großen Metropole der damaligen Zeit, dann über Sizilien, auch nach Nordafrika, Tunesien, dann ganz Italien, das Illyrikum, der heutige Südbalkan, insbesondere auch das ehemalige Jugoslawien und dann Gallien und Spanien, all diese Gegenden wurden von der sogenannten Justinianischen Pest erreicht.

[2:42] Ungefähr zwei Jahre wütete sie im Herrschaftsbereich des Kaisers und als dann die Symptome der Menschen abklangen, als es kaum noch Todesfälle gab, hat Justinian in einem Gesetz vom 23. März 543 die Plage offiziell für beendet erklärt. Das ist ja auch eine ganz interessante Herangehensweise, wenn man per Gesetz einfach eine Pandemie für beendet erklärt. Das war damals auch notwendig, um gewisse wirtschaftliche und finanzielle Maßnahmen auf den Weg zu bringen.

[3:23] Die Pandemie aber war nicht wirklich unter Kontrolle. Das belegen zunächst einmal weitere Ausbrüche außerhalb der bekannten zivilisierten Welt, vor allem in Irland in den darauffolgenden Jahren und dann auch in Wales und möglicherweise auch in Finnland und Jemen. Noch schwerwiegender war es, dass in den kommenden Jahren es zu weiteren Wellen kam.

[3:45] Zunächst einmal 558, als in Konstantinopel die Justinianische Pest erneut ausbrach und sich von dort Richtung Osten aus weitete, Kilikien im Süden Kleinasiens, dann Syrien bis nach Mesopotamien, dem heutigen Irak. Eine dritte Welle traf zunächst einmal Gallien 571 und wenige Jahre später erneut die Hauptstadt Konstantinopel. Dann war Rom besonders getroffen 590 und 591, genauso wie Antiochia.

[4:15] Eine fünfte Welle kam dann 597 auf, ausbreitend von Thessaloniki wurde das Gebiet der Awaren getroffen. Dann auch wieder Konstantinopel, Kleinasien, Syrien, Nordafrika und auch die norditalienischen Gegenden um Ravenna und Verona zur Jahrhundertwende. Und auch das war noch nicht das Ende der Pandemie. Geschichtsschreiber verzeichnen elf weitere Wellen, die dann vor allem in den Gegenden auftraten, die durch die islamischen Eroberer gewonnen worden waren.

[4:55] Die Quellen zu dieser Pandemie sind recht interessant. Vor allem haben wir Prokopius von Caesarea, einem der bedeutendsten Geschichtsschreiber jener Epoche, dem wir sehr viel verdanken über unser Wissen über die politischen und auch wirtschaftlichen Zusammenhänge jener Zeit. Auch Johannes von Ephesus berichtet aus dieser Zeit, insbesondere um die erste Welle herum.

[5:20] Er erzählt, dass auf Reisen, zum Beispiel in Thrakien, man Felder sehen konnte, die reif zur Ernte waren, aber es gab keine Menschen mehr, die die Ernte einholen konnten. Also ganz dramatische Umstände.

[5:35] Wie sah die Sterblichkeit in dieser Pandemie aus? Zunächst einmal erfahren wir, dass anfangs nur wenig mehr Menschen starben, als das in normalen Zeiten der Fall gewesen ist. Aber schon bald war die Mortalität bei Raten wie 5.000 Toten pro Tag. Das Ganze steigerte sich dann noch ganz gewaltig. Prokopius berichtet, im Zuge der ersten Welle von mehr als 10.000 Toten pro Tag in Konstantinopel.

[6:03] Das hat dazu geführt, dass es keine regulären Bestattungen mehr geben konnte. Ein Phänomen, das wir leider auch heute in verschiedenen Gegenden wieder beobachten müssen. Johannes von Ephesus sagt, dass 300.000 Tote auf den Straßen von Konstantinopel gelegen haben sollen. Auch wenn man bei hohen Zahlen, bei antiken Schriftstellen immer etwas Skepsis walten lassen sollte, wird ganz deutlich, Konstantinopel ist fast entvölkert gewesen, so schlimm war diese Pandemie.

[6:37] Die Frage, was genau der Erreger gewesen ist, muss natürlich wieder beginnen mit einer Übersicht über die Symptome, damit man diese Krankheit diagnostizieren kann. Wir haben einige Quellen, die die Symptome beschreiben, wenn auch keinen Arzt, wie das bei der Antoninischen Pest der Fall gewesen ist. Es wird berichtet von plötzlichem Fieber, von Beulenschwellungen, das ein sehr wichtiges Indiz, Beulenschwellungen an den Leisten und den Achseln.

[7:12] Erkrankte litten an Erbrechen, an Durchfall, waren teilweise im Delirium. Im Endstadium gab es wohl sehr verschiedene Symptome, die zum Teil deutlich voneinander abwichen. All das hat Wissenschaftler seit langem dazu gebracht, die Beulenpest als den Erreger, also Yersinia Pestis als den Erreger, für diese Justinianische Pest in Erwägung zu ziehen.

[7:34] Diese Beulenpest wird durch Flöhe übertragen, die von Ratten in die Nähe der Menschen gebracht werden. Es kommt dann zu einer hohen Sterblichkeit der Ratten und die Flöhe springt dann auf die Menschen über. Diese Identifizierung ist heute weitestgehend akzeptiert von den meisten Wissenschaftlern. Es gibt aber auch begründete Zweifel daran, die wir hier aus Zeitgründen jetzt nicht im Einzelnen erörtern können. Es sei auf die reichlich vorhandene medizinhistorische Fachliteratur verwiesen.

[8:07] Die Folgen waren auf jeden Fall sehr bemerkenswert. Wie gesagt, es war ja eine Pandemie, die über zwei Jahrhunderte ging und ganz verschiedene Gesellschaftsordnungen dann auch traf in den verschiedenen regionalen Gruppen. Generell kann man sagen, vor allem auch am Anfang der Pandemie, dass es massive Steuereinbrüche gab. Das finanzielle System des Oströmischen Reiches war schwer angeschlagen. Goldmünzen wurden entwertet.

[8:43] Interessant an der Justinianischen Pest ist gerade an dem Ausbruch dieser Pandemie, dass es nicht das einzige katastrophale Ereignis war, das damals die Menschen heimsuchte. Ungefähr zur selben Zeit kam es auch zu einer großen Klimakatastrophe. Eine besondere Kälteperiode im Jahre 535 und 536, die dann noch einmal 542, also auf dem Höhepunkt der Justinianischen Pest, auftrat, sorgte dafür, dass die Ernten reihenweise ausfielen.

[9:18] Menschen berichten, dass selbst im Hochsommer am Mittag die Sonne nicht stärker schien als nur der Mond normalerweise. Und die Ursachen sind bis heute nicht ganz geklärt. Man vermutet möglicherweise einen schweren Vulkanausbruch, der so viel Asche in die Luft transportiert hat, dass die Sonneneinstrahlung so massiv behindert worden ist.

[9:43] Ein weiteres Ereignis, das zur Krise der damaligen Zeit beitrug, war der sogenannte Gotenkrieg. Kaiser Justinian versuchte, Italien für das Oströmische Reich zurückzugewinnen, nachdem dort etwa sechs Jahrzehnte lang Barbaren regiert hatten, zunächst Odoaker und dann die Ostgoten. Die Kriegshandlungen wurden mit massiver Brutalität durchgeführt und resultierten in einem starken Bevölkerungsrückgang in ganz Italien.

[10:13] Ein Beispiel dafür ist die Stadt Rom, die zur antiken Blüte mehr als eine Million Einwohner gehabt hatte und jetzt auf etwa wenige tausend Menschen reduziert wurde. Rom stand im Zentrum gleich der ersten Kriegshandlung dieses Gotenkrieges. Als 537 bis 538 die ewige Stadt von einem riesigen Godenheer belagert wurde, aber nicht zurückgewonnen werden konnte, sodass Rom jetzt nach 60 Jahren Barbarenherrschaft erstmals wieder in tatsächlich reichsrömischer Hand gewesen ist.

[10:50] Kaiser Justinian konnte damit ein weiteres Projekt vorantreiben, das seit einigen Jahren begonnen hatte, nämlich den Bischof von Rom eine besondere Stellung zuzubilligen. Diese Periode war im Grunde genommen die praktische Entstehung des sogenannten Papsttums, das jetzt zum ersten Mal eine völlige Kontrolle über die gesamte christliche Kirche bekam und durch die Vertreibung der Ostgoten diese jetzt auch ganz real in Rom umsetzen konnte.

[11:28] Was war eigentlich geschehen mit dem Christentum? Wir hatten ja im Zuge der Zyprianischen Pest gesehen, dass die Christen verfolgt worden waren, ein letztes Mal unter Diokletian, schwer und unter hohen Verlusten, zehn Jahre lang. Kurz danach kam es zu einer der großen welthistorischen Wenden, als Konstantin, der später der Große genannt wurde, an der Milvischen Brücke nach eigenen Angaben eine Vision hatte, mit der er zum Christentum übertrat.

[11:53] Die sogenannte konstantinische Wende veränderte nicht nur das Römische Reich, sondern auch das Christentum, das jetzt akzeptiert, dann gefördert wurde und in diesem Zuge sehr viel von seinem besonderen Charakter verlor und sich immer mehr den heidnischen Religionen auch anpasste. Kaiser Konstantin war da ein gutes Beispiel. Er selbst war dem Sonnengott Helios sehr zugetan. Möglicherweise hat er das Christentum als eine Spielart der Sonnenreligion missverstanden.

[12:35] Münzen aus seiner Zeit zeigen, dass er sich als Sonnengott porträtiert hat und es ist kein Wunder, dass es gerade Konstantin war, der eine relativ neue Entwicklung in der Christenheit stark förderte und das war die Heiligung des Sonntags, die nicht der Bibel, sondern der Tradition entsprach. Dieses theologisch und den Lehrpunkten entsprechend veränderte Christentum wurde jetzt immer mehr zur staatstragenden Religion bis dann Theodosius 380 nach Christus tatsächlich das Christentum, wie es in Rom vom römischen Bischof gepredigt wurde, zur Staatsreligion des gesamten römischen Reiches gemacht hat.

[13:21] Dann brach allerdings das römische Reich in sich zusammen, vor allem der Westen im Zuge der Völkerwanderung, Goten, Vandalen, Hunnen, Franken, viele andere Völker haben das römische Reich unter sich aufgeteilt. Es blieb vor allem der Osten übrig, von dem wir ja schon jetzt gehört haben, in dem dann später Justinian als einer der Kaiser regierte. Und als der Westen jetzt zusammenbrach und die verschiedenen Reiche entstanden, das Westgotenreich, das Burgundenreich, das Reich der Franken oder auch dann Odoakerreich später, die Ostgoten, war es der Wunsch der oströmischen Kaiser, möglichst viel wieder zurückzuwinden und genau das bringt uns wieder in die Zeit unserer Justinianischen Pest.

[13:59] Just zu dieser Zeit hatte Justinian begonnen, sein Auge auf Italien zu werfen, um es wieder zurückzugewinnen und dazu braucht er den Bischof von Rom. Zunächst waren die verschiedenen Bischöfe gleichberechtigt gewesen, diejenigen in großen Städten hatten einen gewissen Ehrenvorzug, später waren es fünf verschiedene Bischöfe in Alexandria, in Rom, in Antiochia, in Konstantinopel und in Jerusalem gewesen, die ungefähr gleichberechtigt nebeneinander standen.

[14:41] Doch Justinian war es jetzt, der dem Bischof von Rom die volle Macht über die gesamte Kirche zusprach, zunächst in einem Dekret, in einem Brief 535. Das Ganze führte dazu, dass der Papst Agapet 536 tatsächlich den Patriarchen von Konstantinopel absetzen durfte als Zeichen seiner neu gefundenen Macht und dann wurde 537 Papst Silverius, die letzte Marionette der Ostgoten, im Zuge der Belagerung von Rom abgesetzt und mit Vigilius ein neuer Papst installiert.

[15:14] All das war eine völlige Veränderung des Christentums, wie es noch zur Zeit der Antoninischen Pest und der Zyprianischen Pest von sich hat reden lassen. Dieses Christentum war jetzt sehr viel mehr mit dem Staat involviert, war sehr viel mehr an heidnischen Bräuchen und Gedanken orientiert.

[15:39] Dieses Christentum war auch in der Bibel vorhergesagt worden. Paulus hatte bereits im Thessalonicher Brief gesagt, lasst euch von niemand in irgendeiner Weise verführen, denn es muss unbedingt zuerst der Abfall kommen und der Mensch der Sünde geoffenbart werden, der Sohn des Verderbens. Paulus bezog sich auf Prophezeiungen im Buch Daniel, die vorhergesagt hatten, dass es eine christliche Macht geben würde, die dem Anschein nach christliche Religion fördern würde, in Wirklichkeit das Gesetz Gottes und die Wahrheiten seines Evangeliums verändern würde.

[16:24] Jesus selbst hat in seiner berühmten Predigten Matthäus 24 jeden Gläubigen aufgefordert, das Buch Daniel zu studieren. Wenn ihr nun den Gräuel der Verwüstung, von dem durch den Propheten Daniel geredet wurde, an heiliger Stätte stehen seht, wer es liest, der achte darauf. Liebe Freunde, vielleicht kennen sie sich nicht gut aus mit dem Buch Daniel. Beginnen sie doch einmal dieses interessante Buch mit seinen Prophezeiungen zu studieren.

[16:53] Sie werden sehen, dass gerade diese Zeit der Justinianischen Pest um 538 und den Jahren davor und danach eine besondere Bedeutung in der biblischen Prophetie hat, auch im Zusammenhang mit dem Aufkommen des Papsttums, das gefördert wurde, just durch diesen Kaiser Justinian, nachdem auch die Pest seiner Zeit benannt worden ist. Es ist eine äußerst spannende Zeit gewesen mit prophetischer Bedeutung und wenn wir uns Zeit nehmen, uns mit der biblischen Prophetie zu beschäftigen, dann werden wir viele Dinge erkennen, die uns auch für die heutige Zeit von großem Nutzen sein können.

[17:36] Denn die biblische Prophetie, das werden sie in ihrem Studium erkennen, behandelt nicht nur die Zeit der Antike oder des Mittelalters, sondern führt uns bis in unsere Zeit und darüber hinaus. Ich wünsche ihnen dazu gottesreichen Segen, bleiben sie gesund und schalten sie wieder ein zur nächsten Folge unserer Pandemie Chroniken.


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