[0:00] Hallo und herzlich Willkommen zur Cannstatt Study Hour hier auf www.joelmedia.de. Ein herzliches Willkommen gilt auch allen Zuschauern auf Amazing Discoveries zu einer weiteren Folge unserer Serie über die Auslegung der Bibel. Wir machen uns sehr Gedanken, nach welchen Prinzipien wir die Bibel lesen und studieren und verstehen sollen, damit wir uns auch wirklich sicher sein können, dass das, was wir verstanden haben, das ist, was Gott uns sagen möchte.
[0:56] Und heute in der Vorbereitung auf das Bibelgespräch am 25. April möchten wir uns dem Thema widmen: Die Bibel – die normgebende Quelle unserer Theologie. Es soll also darum gehen, welche Rolle die Bibel in der Formulierung unserer Glaubenspunkte spielt, eher als Fundament für unsere persönliche Glaubenspraxis. Theologie ist ja nicht einfach nur das Betätigungsfeld von Theologen, sondern die Lehre von Gott. Und das meint eigentlich letztlich in einem biblischen Sinne ja nicht nur unser Verständnis von Gott, sondern vielmehr das, was Gott selbst von sich lehrt. Und wir werden sehen, welche entscheidende Bedeutung die Bibel in diesem Prozess hat.
[1:45] Bevor wir das tun, möchten wir genau diesen Gott, der hier in diesem Buch zu uns spricht, unser persönlicher Freund sein möchte, ihn einladen, dass er unsere Gedanken leitet und uns mit seinem Geist erfüllt. Lasst uns gemeinsam beten. Lieber Vater im Himmel, danke, dass du zu uns sprichst. Danke, dass du uns dein Wort gegeben hast, das auf eine so wunderbare Art und Weise auf unsere Bedürfnisse und unsere Situation im Alltag als Menschen zugeschnitten hast. Danke, dass du es geschafft hast, ewige Wahrheiten, die so groß sind, dass wir eine Ewigkeit daran studieren werden und die Engel bis heute nicht völlig erfasst haben, doch so formulieren konntest und so heruntergebrochen hast in unser menschliches Verständnis, dass wir ganz schwach und ganz sündig und ganz hilflos sind, dass wir sie verstehen können und ergreifen können und daraus leben können. Herr, wir möchten dich bitten, dass du jetzt uns mit deinem Heiligen Geist erfüllst, dass wir dein Wort so verstehen, wie du es gemeint hast. Das bitten wir im Namen Jesu Christi. Amen.
[3:01] Der Merkvers in dieser Woche steht in Jesaja 8, Vers 20: „Zum Gesetz und zum Zeugnis! Wenn sie nicht so sprechen, gibt es für sie kein Morgenrot.“ Hier wird uns sehr deutlich gesagt, dass jede theologische Aussage nur dann bleibenden Wert hat, wenn sie wirklich zur Bibel und zum Gesetz Gottes führt. Es ist ein einfaches Prinzip, aber eines, das jeder von uns verstehen und anwenden kann, ganz egal, ob es um verschiedene theologische Richtungen geht, ob es vielleicht auch um die Ansprüche eines vermeintlichen Propheten geht. Wir können alles und jeden an der Bibel messen, als einen Maßstab dieses Wort Gottes nehmen, einen Kanon, so nennt man sie ja auch kanonisch, in dem Sinne, dass sie maßstabsetzend ist. Und dieses Wort Gottes entscheidet darüber, ob das, was über Gott gelehrt wird, tatsächlich wahr ist und eine Zukunft hat oder eben nicht.
[4:20] Interessant ist diese Formulierung „Gesetz und Zeugnis“, weil sie schon wenige Verse vorher im selben Kapitel ebenfalls auftaucht, in Vers 16 nämlich: „Binde das Zeugnis zusammen, versiegle das Gesetz in meinen Jüngern.“ Das heißt, genau dieser Maßstab ist nicht nur ein äußeres Korrektiv, zu dem wir immer wieder zurückgehen sollen und gucken sollen: Stimmt das überein? Nein, dieser Maßstab, der soll in uns sein. Wir sollen versiegelt werden mit diesem Zeugnis und mit diesem Gesetz. Wenn wir Gott nachfolgen, brauchen wir die Bibel nicht nur als ein Nachschlagewerk, wo wir immer mal wieder zum Schrank gehen und schauen, ob eine Lehre, die wir hören, jetzt der Bibel entspricht. Nein, wir sollen mit der Bibel lesen. Wir sollen quasi versiegelt sein mit den Worten der Prophezeiungen und der Verheißungen und dann sind wir erst wirklich in der Lage, Lehren und Theologie zu prüfen.
[5:21] Es ist nämlich tatsächlich der Fall, dass sehr viele Menschen dieses Prinzip verstehen, dass man alles an der Bibel prüfen soll. Und ich habe schon so oft Menschen und auch Geschwister sagen können: „Ja, wir müssen alles an der Bibel prüfen.“ Aber es wird dann meistens doch nicht wirklich getan, weil man die Bibel gar nicht so gut selbst kennt. Und man prüft dann etwas an einer Bibelauslegung, die man woanders gehört hat. Man stützt sich dann auf Auslegungen und Prinzipien, die man für wahr erachtet und prüft alles andere an dieser Auslegung, die man gehört hat. Aber was wir brauchen, ist eine Kenntnis der Bibel für uns selbst. Wenn wir täglich aus dem Wort Gottes leben, werden wir immer mehr eine Sicherheit erlangen, um tatsächlich die Bibel als Richtschnur für alle Glaubensüberzeugungen und auch für alle Glaubenspraktiken haben zu können.
[6:14] Lukas 16 und dort Vers 29 bis 31. Lukas 16 und dort Vers 29 bis 31. Im Kontext des Gleichnisses vom armen Lazarus und dem reichen Mann heißt es hier folgendes in der allegorischen Sprache: Abraham spricht zu ihm: „Sie haben Mose und die Propheten“ – das meint im Kontext damals das Alte Testament – „auf diese sollen sie hören.“ Er aber sprach: „Nein, Vater Abraham, sondern wenn jemand von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun.“ Er aber sprach zu ihm: „Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, so würden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer aus den Toten auferstände.“
[7:01] Jesus, der dieses Gleichnis erzählt aus verschiedenen Gründen und mit verschiedenen Intentionen, will an dieser Stelle einen wichtigen Punkt machen: Die Bibel ist ausreichend. Wer der Bibel nicht folgen will, den kann kein Zeichen, kein Wunder und sei es eine Totenauferstehung zum wahren Glauben bringen, wenn er gleichzeitig nicht der Bibel folgen möchte. Die Bibel ist vollkommen ausreichend. Vielleicht denkt man manchmal: „Wo sind die Zeichen, wo sind die Wunder, die wir in der Bibel lesen? Dann würden wir vielleicht mehr Glauben haben.“ Aber wir haben dieses Wort, und wenn wir an diesem Wort bleiben, es lesen, studieren, glauben, daraus leben, dann haben wir alles, was wir brauchen für wahren Glauben.
[7:40] In Apostelgeschichte hören wir von einer Gruppe von Gläubigen, die tatsächlich das nicht nur theoretisch verstanden hatten, sondern praktisch so lebten. Apostelgeschichte 17 und dort Vers 11. Die Bewohner von Beröa, die Beröaner, die kamen zu Paulus in die Vortragsreihe. Sie hörten seine Predigten, waren begeistert, aber gingen nicht einfach nach Hause und versandten das Video sozusagen, seine Predigt auf allen sozialen Kanälen. Bevor sie es weiterleiteten, bevor sie anderen davon erzählten, wollten sie erst selbst sicher sein, dass sie verstanden hatten, was sie gehört hatten und ob das auch wirklich der biblischen Lehre entspricht.
[8:23] Wer von uns würde nach Hause gehen nach einer Predigt von Paulus, wenn der heute noch leben würde, und würde erst einmal im Alten Testament die Propheten aufschlagen und alles studieren? Das war die Einstellung der Beröaner. Wir lesen in Vers 11: „Diese aber waren edler gesinnt als die in Thessalonich und nahmen das Wort mit aller Bereitwilligkeit auf und sie forschten täglich in der Schrift, ob es sich so verhalte.“ Sie hatten keinen kritischen Grundgeist, sie wollten nicht Fehler finden. Das gibt es heute auch, Menschen, die an allem etwas zu kritisieren haben, die Fehler finden wollen, weil sie irgendwie so einen Geistesfehler finden. Nein, sie waren bereitwillig, sie wollten es gerne glauben, sie waren bereit zu lernen, aber sie wollten sich immer wieder rückversichern im Wort Gottes. Oh, dass wir mehr Menschen heute hätten, die nach jeder Predigt zunächst einmal nach Hause gehen und schauen, ob es sich wirklich so verhält, die nach jedem Vortrag, den sie gesehen haben, in der Bibel das noch mal nachvollziehen und vielleicht nicht nur die Verse anschauen, die gepredigt worden sind, sondern auch andere Verse, die zum selben Thema sprechen, um zu sehen, ob wirklich die ganze biblische Wahrheit präsentiert worden ist. Was würde passieren, wenn wir erst dann einen Vortrag weiterleiten, nachdem wir uns selbst davon überzeugt haben, dass es die biblische Wahrheit ist?
[9:43] Die Bibel enthält alles, was wir brauchen, um erlöst zu werden. Zweite Timotheus Kapitel 3 und dort Vers 15. Haben wir hier diese Serie ja uns schon angeschaut. Da heißt es von Paulus an den Timotheus: „Und weil du von Kindheit an die heiligen Schriften kennst, welche die Kraft haben“ – über die haben wir schon gesprochen in der ersten und zweiten Folge, die Kraft Gottes in der Schrift – „dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Rechtweisung, zur Erziehung der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.“
[10:30] Die Bibel gibt uns alles, was wir brauchen, um die Erlösung zu verstehen, um selbst angesprochen zu werden, um korrigiert zu werden, um zu lernen, wie man gerecht lebt und wie man jedes gute Werk, das Gott uns vorgesehen hat, auch ausführen kann. Schon im Alten Testament finden wir ganz ähnliche Gedanken in Psalm 19 und dort Vers 8 und 9. David singt hier in Psalm 19, Vers 8 und 9: „Das Gesetz des Herrn ist vollkommen, es erquickt die Seele; das Zeugnis des Herrn ist zuverlässig, es macht Unverständige weise. Die Befehle des Herrn sind richtig, sie erfreuen das Herz; das Gebot des Herrn ist lauter, es erleuchtet die Augen.“
[11:22] Jeder, der sich aufrichtig und mit genügend Zeit mit der Bibel beschäftigt hat, wird bestätigen können: Die Bibel ist ein unglaublich tolles Buch. Mir geht es immer wieder so, wenn ich mir Zeit nehme, diesem Wort zu lesen, wenn ich mir Gedanken mache, versuche besser zu verstehen, warum Schreiber das so geschrieben haben. Wenn ich Vers mit Vers vergleiche, dann kann ich sagen: Dieses Buch ist wirklich eine Lebensquelle. Man kann so viel nicht nur lernen, sondern auch in seinem eigenen Leben besser verstehen und man spürt und hört die Stimme Gottes zum eigenen Herzen.
[11:52] Die Bibel macht es sehr deutlich, dass jeder einzelne Mensch sie verstehen kann. Psalm 119 und dort Vers 130 heißt es: „Die Eröffnung deiner Worte erleuchtet und gibt den Unverständigen Einsicht.“ Man muss nicht einen gewissen IQ haben, eine akademische Qualifikation, um die Bibel zu verstehen. Das macht ja gerade ihren besonderen Charakter aus, dass obwohl ihre Themen so hoch sind, dass sie von einem menschlichen Geist nie völlig erfasst werden können, ist sie doch so komponiert, so geschrieben, dass selbst der Einfachste in seiner hilflosesten Situation all das erfassen kann, was seine Seele benötigt. Gott hat keine Aufnahmebedingungen für das Lesen der Bibel formuliert. Jeder kann kommen, wie er ist und an diesem Wort sich erfreuen. Und das zeigt, wie Gott ist. Gott stellt keine Hindernisse uns in den Weg. Er sagt: „Kommt zu mir“, und wir können ihn finden und wir können Ruhe bei ihm erlangen.
[13:03] Zweite Petrus, Kapitel 1, Vers 19. Auch diesen Vers haben wir uns ja schon hier in dieser Serie angeschaut. Petrus sagt uns hier in Zweite Petrus, Kapitel 1 und dort Vers 19: „Und so halten wir nun fest an dem völlig gewissen prophetischen Wort, und ihr tut gut darauf zu achten, als auf ein Licht, das einem an einem dunklen Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.“
[13:35] Die Bibel ist ein Licht auf unserem Weg, das haben wir gesehen. Sie leuchtet in unser persönliches Herz hinein, dunkel wie es sein mag, und auch in dieser dunklen Welt gibt sie uns die nötigen Ratschläge, die Hilfestellung, die Orientierung, damit wir wissen, wie wir mit Gott gehen können. Und das tut sie nicht nur heute und morgen, das tut sie bis zu jenem Tag. Und Petrus bezieht sich hier im Kontext auf die Wiederkunft. Das sieht man schon in Vers 16, von dem wir später noch hier gleich hören werden. Petrus sagt im Kontext der Predigt von der Wiederkunft: „Wir haben umso fester das prophetische Wort, die Bibel, und sie bleibt eine relevante Quelle des Lichts für uns bis zu jenem Tag, bis zur Wiederkunft.“ Das heißt nach Petrus Aussage verliert die Bibel nichts an ihrer Aktualität bis ans Ende der Zeit.
[14:34] Interessant ist auch diese Formulierung hier: „bis der Tag anbricht“. Und das erinnert uns so ein bisschen auch an Jesaja 8, Vers 20, unseren Ausgangstext, wo die Morgenröte angesprochen war, dass nur diejenigen, die zurück zum Gesetz und zum Zeugnis immer wieder verweisen, dass ihnen die Morgenröte erscheinen kann. Wir brauchen die Bibel, damit wir überhaupt auf die Wiederkunft Jesu vorbereitet sind und eine echte Hoffnung bezüglich der Zukunft haben können.
[15:02] Was ist mit denen, die die Bibel verwerfen? Und das ist ja nicht nur unter Atheisten der Fall, sondern in weiten Teilen der christlichen Theologie wird die Bibel als Wort Gottes im Wortsinne verworfen. Da wird an der Bibel kritisiert und da wird die Bibel sozusagen entmythologisiert, wie manche kritische Theologen das nennen. Da wird entschieden, was Wort Gottes ist und was nicht. Da wird zum Teil die ganze Bibel nur noch als fehlerhaftes Geschichtsbuch betrachtet und so weiter und so fort. Und die Bibel spricht über diesen Fall.
[15:44] Jeremiah 8 und dort Vers 9: „Zu Schanden geworden sind die Weisen, sie sind erschrocken und haben sich selbst gefangen.“ Und das sieht man übrigens, wie widersprüchlich oft dann die Theorien sind von Theologen, die die Bibel verwerfen. Denn siehe, sie haben das Wort des Herrn verworfen. Was für eine Weisheit bleibt ihnen da noch übrig? Wer versucht Wissenschaft zu betreiben und die Bibel wissentlich beiseite legt und ablehnt, der wird keine weisen Entscheidungen und keine weisen Schlussfolgerungen mehr ziehen können. Und ich denke, die letzten 200 Jahre Religionsgeschichte, Theologiegeschichte haben da mehr als genügend Beispiele ans Tageslicht gebracht. Mögen wir alle, die wir Jesus nachfolgen wollen, uns von diesen Tendenzen, die immer wieder auch an das Volk Gottes anklopfen und versuchen, dort Raum zu gewinnen, mögen wir uns von all diesen Tendenzen deutlich distanzieren und die Bibel niemals verwerfen, damit wir wirklich von Jesus gelehrt werden können.
[16:56] Matthäus 22. Jesus hatte auch zu seiner Zeit mit Menschen zu tun, die zumindest teilweise die Bibel nicht vollständig ernst nahmen. Die Sadduzeer gehörten zur intellektuellen Elite des Landes. Sie bemühten sich um gute Kontakte zu den Römern. Sie wollten angesehen sein, auch in der intellektuellen griechischen Welt. Sie versuchten, die, was sie meinten, essentiellen Lehren des Judentums mit den griechischen Philosophien ein bisschen mehr in Einklang zu bringen. Sie orientierten sich an der griechischen Kultur und lehnten deswegen auch so manche jüdische Sonderlehre ab, insbesondere zum Beispiel die Auferstehung der Toten oder auch die Existenz von Engeln.
[17:44] Jesus hatte einiges ihnen zu sagen. Zum Beispiel hier in Matthäus 22 und dort Vers 29, da heißt es: „Aber Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ihr irrt, weil ihr weder die Schriften noch die Kraft Gottes kennt.“ Wer, wie die Sadduzeer, Teile der Bibel für unwahr hält und ablehnt, der wird die Kraft Gottes nicht wirklich kennenlernen können. Und das ist deswegen so wichtig, weil wir auch in unseren Reihen ab und zu Ideen hören, wo man sagt: „Naja, ob wir nun wirklich alles in der Bibel so eins zu eins inspiriert betrachten können, wer weiß.“ Dann heißt es, dass die Bibel das Wort Gottes enthält, aber nicht ist, im Sinne, dass dort bestimmte Kapitel, bestimmte Abschnitte Gottes Wort sind und andere eher nicht. Dann sagt man: „Christus ist die Mitte der Schrift“ und impliziert ist, dass es so umherum so ein paar Graubereiche gibt und Dinge, die vielleicht eher menschliche Meinung sind als Gottes Wort.
[18:50] All das führt dazu, dass die Kraft Gottes dann fehlt, und zwar im persönlichen Leben und auch in den Gemeinden. Könnte es sein, dass der manchmal sehr beklagenswerte, geistliche, schwache Zustand in Familien und Gemeinden vor allem auch damit zusammenhängt, dass man gewisse Teile der Bibel nicht mehr als inspiriert anerkennt und damit Gott der Möglichkeit beraubt, vollumfänglich zu uns zu sprechen? Jesus selbst sagt Menschen, die nur Teile der Bibel für wahr halten, dass sie die Kraft Gottes nicht kennen, dass sie die Schrift gar nicht wirklich kennen.
[19:29] In dieser Woche wollen wir uns auch damit beschäftigen, wie verschiedene Prinzipien, die in der Bibelauslegung immer auch eine Rolle spielen oder mit denen wir zumindest in der Bibelauslegung oft auch konfrontiert werden, wie sie zur Bibel stehen. Der erste wichtige Begriff hier ist die sogenannte Tradition. Die Tradition wird als Begriff im Neuen Testament öfter mal erwähnt. Sie heißt im Griechischen Paradosis und Paradosis ist eigentlich die Übergabe, die Idee, dass man eine Sache von A nach B, von einer Person zur nächsten weiterleitet.
[20:16] Zum Beispiel kommt dieses Wort auch vor, wenn man eine Stadt, die belagert ist, dann dem Belagerer übergibt und auch allgemein, wenn man eine Sache weiterleitet. Man könnte also in unserem heutigen Neudeutsch, in unseren modernen Zeiten davon sprechen, dass wenn ich etwas auf Facebook oder auf WhatsApp weiterleite, dass ich damit eine Tradition begründe, eine Weitergabe. Und so ist es nicht verwunderlich, dass das Wort Paradosis, dass die Tradition nicht grundsätzlich negativ in der Bibel ist.
[20:44] In 2. Thessalonicher und dort Kapitel 2 und dort Vers 15 sagt Paulus, 2. Thessalonicher 2, Vers 15: „So steht denn nun fest, ihr Brüder, und haltet fest an den Überlieferungen, die ihr gelehrt worden seid, sei es durch ein Wort oder durch einen Brief von uns.“ Paulus sagt: „Behaltet die Tradition, die Überlieferung, das, was euch weitergegeben worden ist, Paradosis, und zwar von den Aposteln, sei es durch mündliche Predigt, sei es durch schriftliche Briefe.“ Denn die Thessalonicher hatten ja Jesus persönlich nie gehört. Alles das, was Jesus gesagt hatte und was allgemein bezüglich seiner Lehre zu sagen war, das hatten sie über eine Überlieferung, eine Weiterleitung erfahren durch die Apostel.
[21:48] So auch weiter im selben Buch im nächsten Kapitel, 2. Thessalonicher 3, Vers 6: „Wir gebieten euch aber, Brüder, im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr euch von jedem Bruder zurückzieht, der unordentlich wandelt und nicht nach der Überlieferung, die er von uns empfangen hat.“ Also Gläubige, die dieser apostolischen Überlieferung nicht folgen wollten, sollten auch entsprechend gemieden werden. Paulus macht ganz deutlich, diese Art der Überlieferung ist sogar ganz entscheidend.
[22:23] 1. Korinther 11 und dort Vers 2 lesen wir einen ganz ähnlichen Gedanken. Paulus sagt: „Ich lobe euch, Brüder, dass ihr in allem an mich gedenkt und an den Überlieferungen festhaltet, so wie ich sie euch übergeben habe.“ Da sieht man diese Idee von dem Übergeben. Paulus sagt: „Das, was ich euch gegeben habe, das sollt ihr festhalten.“ Das ist die wahre Tradition. Und Paulus wusste, warum er das sagte, denn er hatte nicht immer in seinem Leben diese Tradition verteidigt und weitergegeben. Es gab Zeiten, wo er eine andere Tradition, eine andere Paradosis, eine andere Überlieferung weitergeben wollte und für sie einstand.
[23:05] In Galater, sagt er das dann im Rückblick sehr deutlich in Galater Kapitel 1 und dort Vers 13 und 14: „Denn ihr habt von meinem ehemaligen Wandel im Judentum gehört, dass sich die Gemeinde Gottes über die Maßen verfolgte und sie zerstörte und dem Judentum viele meiner Altersgenossen in meinem Geschlecht übertraf durch übermäßigen Eifer für die Überlieferungen meiner Väter.“ Paulus ist also nicht wirklich von der Tradition abgekehrt, er hat nur die Art der Tradition gewechselt. Zunächst war er für die Überlieferung der Väter, dann nach seiner Bekehrung war er für die Überlieferung Jesu, die er als Apostel überliefern sollte.
[23:52] Entsprechend warnt Paulus auch sehr deutlich vor der falschen Überlieferung in Kolosser Kapitel 2. Eine Gemeinde, die auch offensichtlich so mit intellektuellen Strömungen in Kontakt gekommen war, die den Glauben anzugreifen drohten, zu zerstören drohten. Kolosser 2 Vers 8: „Dass euch niemand beraube durch die Philosophie, also die griechischen Traditionen und leeren Betrug, gemäß der Überlieferung, Paradosis, der Tradition der Menschen, gemäß den Grundsätzen der Welt und nicht Christus gemäß.“
[24:32] Paulus warnt nicht vor der Tradition an sich, er warnt vor der Tradition, die ihren Ursprung in Menschen hat. Und meistens, wenn wir das Wort Tradition sagen, gerade im gemeindlichen Kontext, dann denken wir meistens an diese Art von Tradition, an das, was Menschen gesagt haben und von Menschen überliefert worden ist. Aber Paulus sagt ja sehr deutlich: „Habt Acht vor der Überlieferung der Menschen“, weil er weiß, es gibt doch eine andere Überlieferung, die ihren Ursprung eben nicht bei Menschen hat, sondern bei Gott selbst, bei dem, was Jesus selbst gesagt hat. Diese falsche Überlieferung hier, die basiert nicht auf den Lehren und dem Leben von Christus, sondern auf weltlichen Grundsätzen und muss deswegen abgelehnt werden.
[25:17] Jesus selbst hatte mit Menschen auch zu tun, nicht nur mit den Sadduzeern, wie wir gerade gesehen haben, sondern auch mit Menschen, die sehr stark an Traditionen festhielten. Das sind natürlich die Pharisäer gewesen. In Markus Kapitel 7 lesen wir ab Vers 1 eine ganz beispielhafte Geschichte über Jesu Umgang mit Menschen, die an der Tradition der Menschen mehr festhielten als am Wort Gottes.
[25:41] Ab Vers 1, Markus 7: „Und es versammelten sich bei ihm die Pharisäer und etliche Schriftgelehrte, die von Jerusalem gekommen waren. Und als sie einige seiner Jünger mit unreinen, das heißt mit ungewaschenen Händen Brot essen sahen, taten sie es. Denn die Pharisäer und alle Juden essen nicht, wenn sie nicht zuvor gründlich die Hände gewaschen haben, weil sie die Überlieferung der Alten halten. Und wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, ohne sich gewaschen zu haben. Und auch vieles andere haben sie zu halten angenommen, nämlich Waschung von Bechern und Krügen und eher einem Geschirr und Polstern.“
[26:15] Das Waschen von Händen ist ja gar nicht schlecht, gerade in der heutigen Zeit. Man hat den Eindruck, die Pharisäer würden sich sehr wohl fühlen in der Corona-Krise. Das Händewaschen war ihnen ganz wichtig. Aber offensichtlich hatten sie diese grundsätzlich gute Idee, die ja auch aus der Bibel kommt, nämlich reinlich zu sein, zum Beispiel auch die Hände über fließendem Wasser zu waschen, weitergeführt und daraus eine religiöse Regel gemacht, dass man nicht essen darf, wenn man nicht sich zuvor die Hände gewaschen hat.
[26:48] Entsprechend fragen sie Jesus in Vers 5: „Daraufhin fragten die Pharisäer und Schriftgelehrten: Warum wandeln deine Jünger nicht nach der Überlieferung der Alten (Paradosis, der Tradition der Vorherigen), sondern essen das Brot mit ungewaschenen Händen?“ Nun, Jesus geht in dieser Geschichte jetzt gar nicht auf das Händewaschen ein, denn Jesus war natürlich grundsätzlich auch für das Händewaschen, sondern er geht auf den Geist ein, der sich hinter dieser Frage verbirgt.
[27:16] Vers 6 und 7: „Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Trefflich hat Jesaja von euch Heuchlern geweissagt, wie geschrieben steht: ‚Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, doch ihr Herz ist fern von mir. Vergeblich aber verehren sie mich, weil sie leeren Vorträgen, die Menschengebote sind. Denn ihr verlasst das Gebot Gottes und haltet die Überlieferung der Menschen ein: Waschung von Krügen und Bechern und viele andere ähnliche Dinge tut ihr.‘“ Jesus zitiert hier Jesaja in dem Bewusstsein, dass die prophetische Beschreibung der Zeitgenossen von Jesaja auch noch mehr als 700 Jahre später immer noch genauso gültig war.
[27:59] Die Menschen lobten Gott mit ihren Lippen, aber ihr Gottesdienst war im Grunde genommen eigentlich wertlos, weil sie an Dinge glaubten, die ihre Autorität nur von Menschen her hatten. Sie glaubten nicht das, was Gott gesagt hatte, sondern das, was andere Menschen ihnen gesagt hatten. Sie hielten die eigenen Regeln offensichtlich für wichtiger als Gottes Gebote. Und die Frage, die wir uns auch stellen müssen, ist: Ist das vielleicht auch etwas, was uns passieren kann oder auch passiert schon ist? Dass wir eigene Regeln aufstellen, die uns sehr fromm erscheinen, die vielleicht auch dazu da sind, Gottes Gebote zu beschützen. Ja, viele der pharisäischen Gesetze sind ja entstanden, um die zehn Gebote sozusagen einzuhägen, dass niemand sie übertreten kann. Aber kann es sein, dass wir im Kontrast zu den Sadduzieren, die manches einfach ignoriert haben, übers Ziel hinausschießen und jetzt noch zusätzliche Dinge fordern und als geistliche Gebote predigen, die im Grunde genommen nur unsere eigene Erfindung sind?
[29:05] Vers 9: „Und er sprach zu ihnen: Trefflich verwerft ihr das Gebot Gottes, um eure Überlieferungen festzuhalten.“ Jesus tadelt es vor allem auch deswegen, weil diese selbstgemachten Regeln dann immer wieder im Widerspruch zu Gottes Wort standen. Zum Beispiel hier in Vers 10 bis 13 als ein Beispiel: „Denn Mose hat gesagt: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, und wer Vater oder Mutter flucht, der soll des Todes sterben. Ihr aber lehrt so: Wenn jemand zum Vater oder zur Mutter spricht: ‚Korban‘ (das heißt: ein Opfer), aber ist bestimmt, was dir von mir zugute kommen sollte, dann gestattet ihr ihm auch fortan nicht mehr irgendetwas für seinen Vater oder seine Mutter zu tun. Und so hebt ihr mit eurer Überlieferung, die ihr weitergegeben habt, das Wort Gottes auf, und viele ähnliche Dinge tut ihr.“
[29:49] Jesus macht deutlich, dass die Pharisäer mit ihren technischen Regeln, was man alles vielleicht so an Schlupflöchern und an Kleingedrucktem machen könnte, den Geist und das Wesen des Gesetzes vollkommen übertreten haben. Kann es sein, dass wir manchmal auch so kleinlich über Details des Glaubenslebens streiten, uns persönliche Vorschriften machen und im Streit über unsere eigenen persönlichen Vorschriften das ganze Wesen Gottes, wie es sich im Charakter, im Gesetz Gottes ausdrückt, dann verunreinigen?
[30:29] Halten wir also fest: Tradition ist etwas Gutes, wenn sie von Gott kommt, wenn sie weitergegeben wird durch die Apostel, wenn wir dann auch diese Wahrheiten weitergeben, dann ist das ja auch eine Tradition. Aber wenn es eben nicht die Quelle Gottes ist, sondern menschliche Autorität und menschliche Erfindung, dann wird die Tradition oft zum Problem, vor allem dann, wenn sie gegen göttliche Gebote verstößt.
[31:00] Es gibt sicherlich Dinge, die wir uns denken, wo die Bibel keine exakten Vorgaben gibt. Zum Beispiel feiern wir das Abendmahl in der Regel viermal im Jahr. Die Bibel gibt uns keine konkrete Anweisung, wie oft wir das tun sollen. Das ist eine gute Tradition. Aber, und das muss uns bewusst sein, mit vielen ähnlichen Fällen auch, dass man es genauso gut auch achtmal im Jahr machen könnte oder noch häufiger. Und dass entsprechend wir uns immer bewusst machen, dass manche Dinge, die wir tun, auch im Gottesdienst, zum Beispiel die Sabbatschule, so wie wir sie in der Regel gestalten, eine gute Tradition ist, die auch auf Prinzipien basiert, die man aber im Detail auch anders machen könnte. Und dann lohnt es sich nicht, für Tradition zu kämpfen, sondern immer wieder das Prinzip und die konkreten Weiten der Bibel im Auge zu behalten.
[31:48] Ein anderes Prinzip, das wichtig ist und mit dem wir konfrontiert werden, ist die Erfahrung. Der Glaube der Bibel will ja nicht nur verstanden werden, er will erfahren werden. In Titus Kapitel 3 Vers 4 und 5 heißt es: „Als aber die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes unseres Retters erschienen, da hat er uns nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hätten, sondern aufgrund seiner Barmherzigkeit errettet, durch das Bad der Wiedergeburt und durch die Erneuerung des Heiligen Geistes.“ Ich hoffe, auch du hast erlebt, dass Gott freundlich ist, dass er liebevoll ist.
[32:24] David konnte aus eigener Erfahrung sagen, dass er eine Erfahrung mit Gott gemacht hat, in Psalm 40. Und dort ab Vers 1 sagt er, in Vers 2: „Beharrlich habe ich auf den Herrn geharrt, dann neigte er sich zu mir und er hörte mein Schreien. Er zog mich aus der Grube des Verderbens, aus dem schmutzigen Schlamm und stellte meine Füße auf einen Fels. Er machte meine Schritte fest und gab mir ein neues Lied in meinen Mund. Ein Lob für unseren Gott.“ Das werden viele sehen und sich fürchten und werden auf den Herrn vertrauen. David hatte eine Erfahrung, ein, wie er es nennt, neues Lied. Das erinnert uns auch an die 144.000, die ein Lied singen werden am gläsernen Meer, weil sie eine besondere Erfahrung mit Gott gemacht haben.
[33:05] Asaph, so schreibt er selbst im Psalm 73, hatte eine Erfahrung im Heiligtum. Und Petrus, der, das haben wir vorhin schon kurz angedeutet, konnte sich auf seine eigene Erfahrung berufen, wenn er die Wiederkunft predigte. In 2. Petrus 1, ab Vers 16 sagt er: „Denn wir sind nicht klug ersonnenen Legenden gefolgt, als wir euch die Macht und Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus wissen ließen, sondern wir sind Augenzeugen seiner herrlichen Majestät gewesen. Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit, als eine Stimme von der hocherhabenen Herrlichkeit an ihn erging: ‚Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich wohl gefallen habe.‘“ Petrus wusste, was er predigte, er hatte es selbst erlebt.
[33:50] Und weil das so war, sagt er dann trotzdem, oder genau deswegen in Vers 19: „Und so halten wir nun fest an dem völlig gewissen prophetischen Wort.“ Seine Erfahrung war übereinstimmend mit der Bibel, mit dem prophetischen Wort, und deswegen war sie vertrauenswürdig. Aber nicht jede religiöse Erfahrung stimmt notwendigerweise mit dem Wort Gottes überein.
[34:10] In 5. Mose wird uns gesagt, dass es falsche Propheten geben kann, die Zeichen und Wunder verkündigen, die dann auch eintreten. Vers 2 in 5. Mose 13: „Wenn in deiner Mitte ein Prophet oder Träumer aufstehen wird und dir ein Zeichen oder Wunder angibt, und das Zeichen oder Wunder trifft ein, von dem er zu dir geredet hat, und er spricht nun: ‚Lass uns anderen Göttern nachfolgen, die du nicht gekannt hast, und lass uns ihnen dienen.‘ So sollst du den Worten eines solchen Propheten oder eines solchen Träumers nicht gehorchen, denn der Herr, euer Gott, prüft euch, um zu erfahren, ob ihr den Herrn, euren Gott, wirklich von ganzem Herzen und von ganzer Seele liebt.“
[34:50] Wir können vielleicht interessante Erfahrungen machen und trotzdem müssen wir alles am Gesetz Gottes, an der Bibel prüfen. Sie ist der einzige Maßstab. Nur so werden wir durch die Endzeit hindurchkommen, wenn, wie zum Beispiel in Offenbarung 13 uns beschrieben wird, Feuer vom Himmel fällt, ein Zeichen, das uns an Elia erinnert, der damals mit diesem Zeichen den wahren Gott den Israeliten nahegebracht hat. Und doch wird in Offenbarung 13 dieses Zeichen nicht vom wahren Gott kommen, sondern im Zuge dieser letzten großen Verführung geschehen. Und wir müssen die Bibel studieren, um auch dann, wenn die Verführung so stark werden, dass sogar die Auserwählten Gottes verführt werden können, dass wir dann feststehen.
[35:41] 2. Korinther 11 und dort Vers 3. Paulus hat sich immer wieder Sorgen gemacht um seine Schäfchen, die er zu Christus geführt hat. In 2. Korinther 11, Vers 3, nennt er sie eine Jungfrau, die er Christus verlobt hat und die dann Christus heiraten soll. In Vers 3 sagt er: „Ich fürchte aber, es könnte womöglich, so wie die Schlange Eva verführte mit ihrer List, auch eure Gesinnung verdorben und abgewandt werden von der Einfalt gegenüber Christus.“
[36:06] Die Eva, die stand ja vor dem Baum und sie stand vor der Frage: Soll ich meinen Eindrücken glauben? Ja, sie sah eine Schlange, die reden konnte, die nach eigener Aussage von der Frucht gegessen hatte. Sie sah die Schönheit der Frucht, sie konnte sich vorstellen, dass vielleicht da mit ihr passieren könnte. Ihre Sinneseindrücke und ihre Wahrnehmung schienen zu bestätigen, was die Schlange sagte, aber das Wort Gottes warnte sie. Und wir wissen aus 1. Mose 3, dass sie dieses Wort Gottes im Hinterkopf hatte, denn sie hat es ja sogar noch zitiert.
[36:40] In 1. Mose 3 und dort Vers 2 heißt es: „Da sprach die Frau zur Schlange: ‚Von der Frucht der Bäume im Garten dürfen wir essen, aber von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Gartens ist, hat Gott gesagt: Esst nicht davon und rührt euch auch nicht an, damit ihr nicht sterbt.‘“ Hier sehen wir den ersten Menschen, der vor dieser Frage steht: Wort Gottes oder eigene Erfahrung. Und Eva trifft die falsche Entscheidung, und der Rest ist 6.000 Jahre Drama und Tragödie und Katastrophe.
[37:16] Wenn wir unseren Sinneseindrücken mehr vertrauen als dem geschriebenen Wort Gottes, wenn wir unseren Gefühlen, unseren Eindrücken, den Gedanken, die wir haben, mehr vertrauen als dem Wort Gottes, dann wird es nicht nur gefährlich, dann hat Satan die Möglichkeit, uns von Gott wegzuziehen. Wir müssen der Bibel mehr vertrauen als unseren eigenen Sinneseindrücken. Das bedeutet, wir müssen sie wirklich gut kennen, denn wir sind es unser Leben lang gewohnt, unseren Sinneseindrücken zu folgen. Und Ellen White sagt uns, dass es am Ende der Zeit eine Zeit geben wird, wo wir unseren eigenen Sinneswahrnehmungen nicht mehr vertrauen können. Wehe uns, wenn wir jetzt die Zeit, die wir haben, vergeuden und nicht uns wirklich verwurzeln im Wort Gottes und seinen Prinzipien.
[38:05] Ein anderer Bereich, der oft angesprochen wird in der Bibelauslegung, ist die sogenannte Kultur. Und ein Argument ist: Na ja, in der Bibel ist vieles kulturell bedingt. Und das stimmt, viele Dinge, die wir in der Bibel lesen, die lesen wir deswegen, weil die Bibel ja zu konkreten, realen Menschen in einer konkreten, realen Lebenssituation, in einer realen Kultur gegeben worden ist. Heute teilen wir keine Tiere mehr, um einen Vertrag zu schließen, wie das noch Abraham tut, sogar mit Gott. Heute gibt es auch keinen Sklavenbesitz mehr, der im Sinne Gottes geregelt werden müsste, wie das in 2. Mose 21 der Fall ist.
[38:42] Heute denken zumindest wir in Mitteleuropa nicht unbedingt von Wirkung zu Ursache, wie man das im Alten Testament sehr häufig findet, wie es die Juden eben dachten, die nicht von Ursache zu Wirkung, sondern von Wirkung zu Ursache denken und deswegen oftmals das Resultat einer Sache am Anfang steht und die Ursache am Ende. Weswegen der Gehorsam dem Gesetz gegenüber oft am Anfang einer Passage steht und die Vergebung der Sünden am Ende, wie man das zum Beispiel in der berühmten Passage über den neuen Bund in Jeremiah 31, Vers 33 und 34 findet.
[39:14] Nun, es stimmt, Gott spricht in die Kultur hinein, aber um die Kultur zu transformieren und über die Kultur hinaus. Jesus wurde Mensch und trotzdem blieb er Gott. Genauso wenig wie Gott aufhörte Gott zu sein, als er Mensch wurde, genauso wenig hört die biblische Wahrheit auf Wahrheit zu sein, nur weil sie in eine bestimmte kulturelle Situation geschrieben ist und dort angewendet worden ist. Wir müssen also auch lernen zu überlegen, was der Gedanke ist, der sich hinter einer Passage verbirgt.
[39:50] Und wir müssen lernen, dass Kultur letztendlich ja nichts weiter ist als die Summe dessen, was die Mehrheit der Menschen in einer gewissen Zeit, einem gewissen Ort so als Lebensstil hat. Da gibt es immer auch Ausnahmen, es gibt so eine Schnittmenge. Wenn aber die meisten dieser Menschen – und die Bibel sagt, dass alle dieser Menschen Sünder sind – wenn also die meisten dieser Menschen ohne Gott leben, dürfen wir erwarten, dass zumindest ein nicht unbeträchtlicher Teil der Kultur auch von der Sünde durchdrungen ist und deswegen nicht als Maßstab für die Bibelauslegung gelten kann. Wir können also nicht sagen: „Es ist unsere Kultur“, denn Gott ist ja gekommen, um uns von unserem Lebensstil zu erlösen.
[40:28] In 1. Johannes 2, Vers 15 heißt es: „Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt lieb hat, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm. Denn alles, was in der Welt ist: die Fleischeslust, die Augenlust und der Hochmut des Lebens, ist nicht von dem Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht und ihre Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.“
[40:52] Die Welt mit all ihren kulturellen Formen wird vergehen. Die Kultur kann kein Maßstab sein, wie die Liebe zu verstehen ist. Trotzdem ist es wichtig und hilfreich, auch etwas zu wissen über kulturelle Hintergründe, um besser zu verstehen, was die dahinterliegenden Gedanken und Prinzipien im Wort Gottes gewesen sind.
[41:21] Als letztes soll es noch kurz um die Vernunft gehen. Vernunft ist etwas sehr Wichtiges. Die Sprüche haben naturgemäß einiges dazu zu sagen. Sprüche 13, Vers 16 heißt es: „Der Kluge tut alles mit Vernunft, aber der Tor verbreitet Dummheiten.“ Auch ein sehr aktueller Vers. Alles mit Vernunft wird von dem Klugen getan.
[41:45] Und so sagt uns die Bibel, dass Weisheit sehr wichtig ist. Sprüche 1, Vers 7: „Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis; nur Toren verachten Weisheit und Sucht.“ Nur wer töricht ist, hat kein Interesse an klugen und weisen Gedanken. Aber schon dieser Vers macht etwas sehr deutlich, was auch in Sprüche 9, Vers 10 steht, nämlich, dass die Klugheit und die Vernunft keine Sache für sich genommen ist, sondern es heißt in Sprüche 9, Vers 10: „Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit und die Erkenntnis des Heiligen ist Einsicht.“
[42:27] Nur wenn unser Intellekt, unsere Vernunft, unser Verstand dem Willen Gottes übergeben ist, vom Heiligen Geist geführt werden kann, nur dann werden wir echte himmlische Weisheit erlangen. Wahre Vernunft beginnt immer mit einer persönlichen Beziehung mit Gott und nicht ohne die.
[42:42] 2. Korinther, Kapitel 10 und dort Vers 4 und Vers 4 bis 6. 2. Korinther 10, Vers 4 bis 6: „Denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig durch Gott zur Zerstörung von Festungen, sodass wir Vernunftschlüsse zerstören und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und jeden Gedankengefangenen zum Gehorsam gegen Christus.“ Paulus in diesem großen Kampf versucht der Satan uns dazu zu bringen, dass wir durch Logik und vermeintliche Logik und Vernunftüberlegungen uns gegen Gott erheben. Und wie viel ist in den letzten Jahrhunderten gerade in der westlichen Wissenschaft in der Hinsicht getan worden, wo die Vernunft sich abgekoppelt hat von der Quelle aller Weisheit und jetzt gegen Gott rebelliert. Und Paulus sagt, das ist Teil des großen Kampfes, wir sollten uns davon nicht verführen lassen, sondern jeden Gedanken – und das meint nicht nur so die Gedanken, die so daherstreuen im Alltag, sondern auch solche Überlegungen, solche Theorien – wir sollten alles gefangen nehmen zum Gehorsam gegen Christus.
[43:49] Unser Intellekt gehört auch Jesus, er hat ihn ja geschaffen zu seiner Ehre und zu unserem Besten. Wir tun uns keinen Gefallen, wenn wir uns Theorien entwickeln, die gegen Gottes Wort gerichtet sind. Vers 6: „Und auch bereit sind, jeden Ungehorsam zu strafen, sobald euer Gehorsam vollständig geworden ist.“ Es geht letztendlich auch darum, dass wir Gottes Willen wirklich vollumfänglich tun.
[44:12] Zum Schluss Johannes 5, von dort Vers 46 und 47. Jesus sagt hier in dieser berühmten Rede im Sanhedrin nach etwa einem Jahr Dienst in Judäa folgendes: „Denn wenn ihr Mose glauben würdet“ – und das sind seine Schlussworte hier, zumindest sind das die letzten, die Johannes aufgeschrieben hat – „so würdet ihr auch mir glauben, denn von mir hat er geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?“ Er hätte schon vorher gesagt: „Ihr forscht die Schriften und meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die Schriften, die von mir Zeugnis geben.“
[44:55] Die Pharisäer und Sadduzeer, sie lasen die in der Bibel, ja, sie studierten sie sogar, weil sie ewiges Leben haben wollten, aber die einen dachten, man kann ewiges Leben haben und einfach Teile der Welt, Teile der Bibel ignorieren. Die anderen dachten, man muss noch extra menschliche Regeln dazu erfinden, damit man auch ganz sicher sein kann. Aber keine dieser Gruppen wollte zu Jesus kommen. Sie haben nicht wirklich der Bibel geglaubt, so wie sie da ist, nicht weniger und nicht mehr. Aber wer der Bibel so glaubt, wie sie uns entgegenkommt, der glaubt auch an Jesus.
[45:26] Der wird an Jesus glauben und zwar so einen rettenden Glauben haben, dass Johannes 3, Vers 16 sich erfüllt: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der in ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ Heißt im Umkehrschluss: Wer die Bibel kennt und nicht an sie so glaubt, wer also wie ein Pharisäer noch menschliche Meinungen hinzutun möchte oder wie ein Sadduzeer manches für unwahr hält oder für unwichtig, der hat auch nicht den Glauben an Jesus, der wirklich rettet. Aber Jesus möchte, dass wir echten Glauben haben.
[46:08] Johannes 7, Vers 38. Dort sagt Jesus: „Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat: Aus seinem Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“ Jesus möchte nicht, dass wir an ein unser selbst gebasteltes Bild von Jesus glauben, sondern an den Jesus, wie er von 1. Mose 1 bis Offenbarung 22 uns in diesem Buch entgegentritt.
[46:29] Liebe Freunde, lasst uns die Bibel wieder neu studieren, lasst sie uns viel mehr wirklich auch Zeit damit verbringen, lasst uns Jesus richtig kennenlernen, damit wir wissen aus eigenen Erfahrungen: Das ist der Jesus der Bibel, das ist der Jesus aus 5. Mose und aus dem Markus-Evangelium, der Offenbarung und aus Jesaja. Das ist der Jesus, den ich selbst studiert habe, den ich kenne, der zu mir gesprochen hat. Dann werden wir den Glauben haben und die Beziehung zu Jesus, die uns durch alle Schwierigkeiten der Endzeit hindurch bringt.
[47:04] Möchtest du dir heute Zeit nehmen und morgen und bis zur Wiederkunft? Möchtest du dir Zeit nehmen, die Aussagen der Bibel so gründlich zu studieren, dass du alles andere – Tradition, Gefühl, Eindrücke, Logik, Kultur – an der Bibel tatsächlich prüfen kannst, dass du das nicht nur sagst, sondern wirklich die Bibel so gut kennst, dass sie ein Maßstab wird für deine eigenen Erfahrungen und für das, was du von außen hörst? Willst du Jesus so kennenlernen, wie ihn die Bibel beschreibt? Fang noch heute an, er wartet darauf, dass du nach ihm suchst. Gott segne dich in deiner Entscheidung. Wir freuen uns, wenn ihr nächste Woche wieder einschaltet zur nächsten Folge unserer CSH. Bis dahin wünsche ich euch Gottes reichen Segen und viel Freude im Studium seines Wortes. Amen.