In dieser Predigt spricht Christopher Kramp über das Thema „Abstand“ und wie es sich auf unsere Beziehung zu Gott auswirkt. Er beleuchtet, wie Distanz zu Gott uns daran hindert, seine Gegenwart wirklich zu erfahren und wie wichtig es ist, eine tiefe, liebevolle Verbindung zu ihm zu pflegen. Anhand biblischer Beispiele zeigt er die Gefahren von geistlichem Abstand auf und ermutigt die Zuhörer, sich Jesus ganz hinzugeben.
Christus & Corona – 9. „Abstand“
Christopher Kramp · Christus & Corona ·Themen: BibelWeitere Aufnahmen
Serie: Christus & Corona
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Transkript
[0:00] Liebe Geschwister, so schön euch zu sehen. Und ich denke, ihr wisst, dass wir heute hier nicht allein sind. Zunächst einmal ist Gott selbst mitten unter uns und der Abstand zwischen den Stühlen wird gefüllt durch zahlreiche Engel, die heute mehr Platz haben als sonst. Zudem haben wir wahrscheinlich wieder hunderte von Menschen, die uns jetzt live zuschalten, weil wir zu den ganz wenigen Gemeinden gehören, die heute schon Gottesdienst feiern hier gemeinsam. Und so möchte ich auch euch alle ganz herzlich begrüßen: Liebe Geschwister, Freunde, Jugendliche, Kinder, in unsere Nachbargemeinden im Bezirk, die ihr vielleicht zuschaut, in all den verschiedenen Gegenden von Baden-Württemberg, Deutschland, der deutschsprachigen Schweiz, Österreich oder wo auch immer ihr gerade online dabei seid, an alle Gläubigen in der Zerstreuung, gesegneten Sabbat.
[1:07] Ich möchte mich bei euch entschuldigen, ich habe einfach vergessen, das Schulzitat rauszusuchen, aber so leicht kommen wir nicht davon. Es gibt so viele Zitate von Ellen White, die so schnell gefunden sind. Und auch heute wollen wir uns natürlich einen Satz von ihr zum Thema Schule und Erziehung anhören. Sie sagt im Buch „Education“, Seite 16: „Liebe, die Basis der Schöpfung und der Erlösung, ist die Basis wahrer Bildung, wahrer Erziehung.“ Wenn wir über Schule, über Bildung, über Erziehung in unseren Familien, in der Gemeinde nachdenken, dann denken wir eigentlich immer über Liebe nach. Und wir wollen gemeinsam weiter dafür beten, egal wo ihr auch seid, jetzt live zuschaut, dass Gottes Plan der Erziehung in den Familien und in unseren Adventsschulen immer deutlicher den Charakter der Liebe Gottes offenbart.
[2:12] Liebe ist ja ein schönes Thema und Liebe ist der Charakter Gottes, der sich insbesondere am Sabbat offenbart. Ihr wisst, der Sabbat ist dafür geschaffen, dass wir über die Natur nachdenken. Gestern war ich unterwegs und ich habe so meinen kleinen Gebetsspaziergang und ich habe da einen neuen Weg entdeckt, so ein Wiesenweg, der führt so von der Straße weg an den Äckern entlang Richtung ein paar Bäume. Und während ich da so gehe – keine Angst, ich werde mich nicht umdrehen, ich spreche immer auf die Wand zu – während ich da so gehe und so nachdenke und dann mich so Richtung Baum bewege, da war so hohes Gras und plötzlich, also wirklich plötzlich, steht neben mir ein Reh. Und wenn ich sage, das war zwei Meter von mir entfernt, dann ist das noch zu viel gesagt, vielleicht 1,50 Meter. Also ich hätte es fast anfassen können. Und das Reh hat sich wahrscheinlich mehr erschrocken als ich. Ein großes Reh, also die sind viel größer, als man sonst so sieht. Und dann hat es natürlich in einem Satz sich davon gemacht. Ich fand das ziemlich toll. Also ich meine, ich habe schon viele Rehe gesehen, ihr wahrscheinlich auch. Rehe sieht man meistens so eher so auf 100 Meter Entfernung, oder? Und dann sind das so ganz normale Rehe. Aber wenn es so ganz nahe ist, dann ist das irgendwie besonders.
[3:47] Und ich habe mich jetzt im Nachhinein gefragt, warum eigentlich? Ist doch dasselbe Reh. Ob ich es aus 100 Meter Entfernung sehe oder aus zwei Meter Entfernung so ganz nahe, oder? Scheint so zu sein, dass Dinge uns interessant vorkommen, wenn sie uns nahe sind. Nähe ist nicht unwichtig. Und Dinge, die vielleicht aus der Entfernung uns gewöhnlich vorkommen, werden plötzlich ganz spannend, wenn sie ganz nahe kommen. Ich weiß nicht, ganz bestimmt habt ihr das schon mal erlebt, dass ihr so ganz deutlich die Gegenwart Gottes gespürt habt beim Bibellesen, beim Beten, wo man gemerkt hat, also ich habe das Gefühl, Gott ist mir so nahe, er spricht zu mir, es ist fast zum Greifen, oder? Manchmal redet man über Gott, als ob man ihn so sieht in 100 Meter Entfernung. Aber manchmal da hat man diesen Eindruck, also das ist so offensichtlich, dass er mich gerade führt. Und das sind ganz besondere Momente in unserem Leben. Ihr ahnt schon, es geht heute um Nähe und Abstand.
[5:00] Das Thema unserer Predigt ist Abstand, aus gegebenem Anlass, weil wir die nächsten Tage und Wochen und Monate vielleicht sogar noch immer wieder Abstand halten müssen und ständig Abstand in unserem Kopf sein wird. Vielleicht sollten wir die Gelegenheit nutzen, unseren Kopf mit geistlichen Gedanken zum Thema Abstand zu füllen, sodass jedes Mal, wenn wir Abstand halten, wir uns daran erinnern, was die Bibel geistlich zum Thema Abstand zu sagen hat. Und bevor wir das tun, möchte ich euch einladen, dass wir gemeinsam, wo es möglich ist, niederknien und Gott anbeten.
[5:48] Lieber Vater im Himmel, das ist dein Tag, der Tag, den du gemacht hast, den du gesegnet hast, den du geheiligt hast. Und wir danken dir von ganzem Herzen, dass du in unserer Mitte bist. Herr, wir sind heute gekommen, vielleicht aus verschiedensten Gründen, aber ich möchte dich bitten von ganzem Herzen, dass wenn wir heute hier wieder weggehen, wir ehrlich sagen können, dass wir dir begegnet sind und dass dein Geist unsere Herzen wirklich berührt hat. So oft verlieren wir den direkten Kontakt zu dir im Alltag durch Routine und durch Schwierigkeiten, Probleme, Sorgen, weltliche Dinge. Herr, was immer unser Zustand heute Morgen ist, wir wollen heute dein Angebot in Anspruch nehmen, uns geistlich neu aufzutanken, neu zu verbinden mit dir, auf dein Wort hören, dir erlauben, dass du zu uns sprechen kannst. Und wir danken dir, dass du mehr als bereit bist, das zu tun. Das bitten wir im Namen unseres Schöpfers und Erlösers, der jetzt für uns einsteht, Jesus Christus. Amen.
[7:27] Ich möchte euch eine Frage stellen: Wie geht es Gott gerade? Wie geht es Gott gerade? Vielleicht kennt ihr das, man trifft jemanden zum ersten Mal, vielleicht einen Bruder, eine Schwester aus der weltweiten Adventgemeinde und stellt fest, die kommt aus Gemeinde X und ihr kennt jemand in Gemeinde X, nämlich Bruder oder Schwester Y. Was ist eine Frage, die man dann gerne stellt? Wie geht es Bruder Y? Wie geht es dem? Stellt euch vor, ihr trefft jemanden, der vielleicht Vater eures Freundes ist oder Mutter eurer Freundin. Jemanden, den ihr zum ersten Mal trefft, aber der einen Bekannten von euch gut kennt. Wir stellen diese Frage sehr oft: Wie geht es dem? Hat euch schon jemand mal die Frage gestellt: Wie geht es eigentlich Gott? Wir sagen ja, dass wir Freunde Gottes sind, oder? Wir sagen, dass wir Gott gut kennen. Sollte es dann nicht eine ganz selbstverständliche Frage sein, dass Menschen uns fragen: Wie geht es eigentlich Gott? Aber wir stellen uns die Frage meistens nicht. Wir stellen uns eher die Frage: Wie geht es uns, oder? Wie geht es uns in Bezug zu Gott? Sind wir ihm nahe oder sind wir ihm nicht so nahe? Wo stehen wir gerade? Wo ist unsere Position? Als wäre Gott irgendwie so ein Maßstab, an dem man sich orientieren kann, wo ich stehe. Aber wer interessiert sich eigentlich dafür, wie es Gott geht?
[9:09] Vor vielen, vielen, vielen, vielen, vielen Jahren schaute ein König durchs Fenster. Ich weiß nicht, ob die damals schon Glas hatten in den Fenstern, aber so ungefähr, wie ich euch jetzt hier so durchschaue, schaute der durchs Fenster. Schaut mit mir in 2. Samuel 7. 2. Samuel 7. Vielleicht kennt ihr die Geschichte. Der König hieß David. 2. Samuel Kapitel 7 und dort Vers 1: „Und es geschah, als der König in seinem Haus wohnte und der Herr ihm Ruhe gegeben hatte vor allen seinen Feinden ringsumher.“ Klammer auf: ihm ging es gut. Keine Probleme, keine Sorgen, kein Krieg. In der Regel einer der Momente in der Geschichte Israels, wo es eher immer daneben geht, oder? Menschen suchen Gott, wenn es ihnen schlecht geht, aber ihm ging es gut. Man könnte erwarten, und so ist das oft passiert in den Jahrhunderten vorher und danach, dass dann der Mensch sich zurücklehnt. Nicht so David in diesem Moment. Er schaut aus dem Fenster und er sieht dort vielleicht irgendwo die Stiftshütte. Ein Zelt aus Tierfellen. Und plötzlich kommt ihm diese Frage: Wie kann es sein, dass ich in diesem schönen Zedernpalast wohne und der Gott des Himmels immer noch unter Fellen wohnt?
[10:51] Vers 2: „Da sprach der König zu dem Propheten Nathan: Siehe doch, ich wohne in einem Haus aus Zedernholz, aber die Lade Gottes wohnt unter Teppichen.“ Was er damit meinte, war ganz einfach: Ich habe mir was vorgenommen. Ich möchte Gott eine Freude machen. Das kann doch nicht sein, dass mir es so gut geht und er wohnt immer noch so ganz bescheiden in einem Zelt. Ich würde gern ihm einen Tempel bauen. Hatte Gott ihm befohlen, einen Tempel zu bauen? War der Prophet Nathan gekommen und hatte gesagt: „So spricht der Herr, so spricht der Herr, du sollst einen Tempel bauen. Hier sind die Gebote.“ Nein, es war in seinem Herzen. Gott hat es nicht verlangt. Und interessant ist, was dann passiert. Ihr wisst vielleicht, Nathan sagt: „Ja, wunderbar, geh voran.“ Hatte gar nicht richtig nachgedacht. Sondern Gott kommt dann in der Nacht zu Nathan. Da heißt es in Vers 4: „Aber es geschah in derselben Nacht, da ging das Wort des Herrn an Nathan so: Geh hin und rede zu meinem Knecht, zu David: So spricht der Herr: Solltest du mir ein Haus bauen, dass ich darin wohne?“
[12:09] Und jetzt Achtung, Vers 6: „Denn ich habe in keinem Haus gewohnt von dem Tag an, als ich die Kinder Israels aus Ägypten heraufführte, bis zu diesem Tag, sondern ich bin stets in einem Zelt und in einer Wohnung umhergezogen, wo ich auch immer umhergezogen bin. Mit allen Kindern Israels habe ich auch jemals ein Wort geredet zu einem der Stammeshäupter Israels, zu denen ich gebot, mein Volk zu weiden und gesagt: Warum baut ihr mir kein Haus aus Zedernholz?“ Gott sagt etwas sehr Bemerkenswertes. Er sagt, seit dem Auszug aus Ägypten – weiß jemand von euch so mal Daumen, wie viele Jahre zwischen David und dem Auszug aus Ägypten waren? Also knapp 500, 450, 500, also mehrere Jahrhunderte. Das ist ungefähr so, als wenn wir uns an Luther erinnern, von der Reformation bis heute. Und Gott sagt, in all den Jahren ist offensichtlich niemand auf die Idee gekommen, mir ein Haus zu bauen. Ich habe es auch von niemandem verlangt. Hunderte Jahre haben Menschen zu ihm gebetet, aber niemand ist auf die Idee gekommen, selbst als sie dann das Land erobert hätten. Die Stiftshütte war vielleicht eigentlich nur ein Provisorium für die Wüste. Vielleicht sollten wir mal ein Haus bauen. Sie haben immer nur an sich gedacht: „Herr, die Midianiter kommen, wir brauchen dich. Herr, die Amalekiter kommen, wir brauchen dich. Herr, die Moabiter kommen, wir brauchen dich.“ Wann immer Not war, hat man immer zu Gott gerufen. Man hat immer Hilfe bekommen, aber niemand hat sich gefragt: Hätte Gott vielleicht auch ein Interesse an einem schöneren Haus?
[13:51] Wir beten ganz viel um uns, oder? Wir beten ganz viel für die Sorgen und Nöte, die wir haben. Wie oft fragen wir: Was könnte man eigentlich tun, damit Gott Freude hat? Und Gott sagt: „Ich bin ja ganz, ich bin, Gott sagt, ich bin bescheiden, also mir reicht das.“ Und ihr kennt die Geschichte, ihr wisst, der David, der darf es dann gar nicht bauen, weil er ein Mann des Blutes ist, weil er Menschen umgebracht hat. Und als er hört, dass er es nicht bauen darf und dass Salomo es bauen soll, was macht er dann? Sagt er: „Ach, na ja, okay, war ein Versuch, dann kann ich ja jetzt mein Geld anders einlegen, oder?“ Was macht David, als er hört, dass er es nicht bauen darf? Er sagt: „Aber dann möchte ich alles, was ich habe, investieren, um schon das Material bereitzustellen, nicht wahr? Um das Gold zu sammeln und das Silber zu sammeln. Ich schreibe sogar die Lieder für den Gottesdienst. Ich mache schon alles fertig, dass wenn Salomo kommt, er nur noch eins und eins zusammenrechnen und zusammenbauen muss und dann haben wir den Tempel.“
[14:50] Hier ist ein Mann, der nicht, weil es ihm geboten wurde, sondern offensichtlich aus reiner Liebe zu Gott mehr tat, als man eigentlich erwartet hätte. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum die Bibel sagt, David war ein Mann nach dem Herzen Gottes. Und vielleicht nicht nur in dem Sinne, dass er einfach immer so gehandelt hat, wie Gott sich das wünscht, sondern dass er tatsächlich das Herz, ihn hat das Herz Gottes interessiert. Nicht nur einer, der richtig gelebt hat, so dass es alles passt, sondern einer, der sich für das Herz Gottes interessiert hat. Kann es sein, dass wir uns öfter nur für unser Herz interessieren und wie es zu Gott steht und uns weniger Gedanken machen: Wie steht es eigentlich mit Gott?
[15:47] Dabei scheint es so zu sein, dass es genau das ist, was Gott sich am allermeisten wünscht. Wenn wir uns fragen: Was wünscht sich Gott von mir am allermeisten? Wünscht er sich, dass ich richtig lebe? Wünscht er sich, dass ich richtig esse? Wünscht er sich, dass ich keine Fehler mache, dass ich alle seine Gebote richtig erkenne? Was wünscht sich Gott am allermeisten? Die Bibel gibt uns eine klare Antwort in 5. Mose, Kapitel 6. Ihr wisst, 5. Mose ist nicht nur mein Lieblingsbuch, sondern ein Buch mit vielen Gesetzen und vielen Geboten. Die Gebote werden sogar wiederholt, weil sie so wichtig sind. Und man könnte sich bei all den Geboten und bei all den Vorschriften und bei all den Gesetzen die Frage stellen: Was ist jetzt das Wichtigste? Was wünscht sich Gott am meisten? Ist der Sabbat das wichtigste Gebot oder ist das erste Gebot das wichtigste Gebot? Was ist ihm am allerwichtigsten?
[16:53] 5. Mose 6, Vers 5 sagt: „Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft.“ Und Gott weiß, dass er das nicht mal befehlen kann. Aber das ist, was er sich am meisten wünscht. Er wünscht sich Menschen, die gerne bei ihm sind. Er wünscht sich Menschen, die Dinge tun, die ihm Freude machen. Kennt ihr das? Wenn man jemanden liebt, dann macht man ja auch gerne mal etwas, was dem anderen Freude macht, oder? Also, wenn man jemanden liebt und hoffentlich immer nur alles richtig macht und immer Angst hat, dass man ja keinen Fehler gemacht hat, also ich weiß nicht, ob ihr so eine Beziehung mögt. Möchte jemand in einer Beziehung sein, wo man sein ganzes Leben hofft, keinen Fehler gemacht zu haben? Und dann sagen wir immer: „Oh, wir haben eine Beziehung zu Gott und hoffen, dass wir keine Fehler machen.“
[17:56] Gott wünscht sich Menschen, die ihn an die erste Stelle setzen. Gott wünscht sich Menschen, die beim Aufwachen automatisch als erstes an ihn denken. So wie Ellen White sagt: „Je mehr wir Gott kennenlernen, desto mehr werden unsere Gedanken automatisch zu ihm gerichtet werden.“ Er wünscht sich Menschen, die nicht nur zu ihm kommen, wenn er es befiehlt oder weil er es befiehlt, so nach dem Motto: „Okay, du hast zu mir gesprochen, hier bin ich, was soll ich für dich tun?“ Sondern Menschen, die vielleicht sogar zu ihm kommen, wenn er gar nicht ruft. Was jetzt vielleicht ein bisschen komisch klingt, aber von der Idee: Menschen, die einfach gerne bei ihm sind. Wir kommen zum Gottesdienst. Aber warum?
[18:51] Ich weiß nicht, wie es euch geht. Vielleicht muss ich diese Predigt allein an mich halten, vielleicht auch nicht. Könnte es sein, dass wir doch oft unzufrieden mit Gott sind? Das würden wir nicht so sagen. Tatsache ist, dass wenn wir unzufrieden mit Gott sind, wir uns das gar nicht so bewusst machen und eher diese Unzufriedenheit umlenken. Weil wir ja die Bibel gut kennen und weil wir ja auch treue Christen sein wollen, können wir dieses Gefühl der Unzufriedenheit ja nicht artikulieren, weil das wäre zu deutlich. Dann würden wir selbst merken, dass was nicht stimmt. Dann würden wir selbst Angst haben, was verkehrt zu machen. Also, was machen wir? Wir nehmen die Unzufriedenheit mit Gott und lenken sie auf Unzufriedenheit gegenüber anderen Menschen.
[19:49] Steht in der Bibel, schaut mal in 2. Mose 16. In 2. Mose 16, da waren nämlich zwei Millionen Menschen unzufrieden. Fast so viele wie heute in der Bundesrepublik. Unzufrieden mit der Art und Weise, wie sie hier geführt wurden durch die Wüste. Sie hatten Angst, dass sie bald nichts mehr zu essen haben und Hamsterkäufe waren auch nicht möglich in der Wüste. Man konnte nicht mal für sich selbst sorgen. Sie waren unzufrieden. Gott hatte sie doch herausgeführt. Aber schaut mal in 2. Mose Kapitel 16 und dort Vers 3, da heißt es: „Und die Kinder Israels sprachen zu ihnen: Wären wir doch durch die Hand des Herrn im Land Ägypten gestorben, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und Brotfülle zu essen hatten. Denn ihr habt uns in diese Wüste hinausgeführt, um diese ganze Gemeinde verhungern zu lassen.“ Sagt mir, gegen wen richtet sich ihre Unzufriedenheit? In ihren eigenen Augen. Sie sind unzufrieden mit Mose, unzufrieden mit Aaron, unzufrieden mit denen, die hier die Leitung haben. Sie sind unzufrieden, sie rebellieren, sie schimpfen, sie beschweren sich. Aber Mose erkennt den wahren geistlichen Grund.
[21:12] In Vers 8 weiter sprach Mose: „Der Herr wird euch am Abend Fleisch zu essen geben und am Morgen Brotfülle, denn er, der Herr, hat euer Murren gehört, womit ihr gegen ihn gemurrt habt. Denn was sind wir? Euer Murren richtet sich nicht gegen uns, sondern gegen den Herrn.“ Das hätten Israeliten gar nicht so geglaubt. Die hätten gedacht, wir folgen Gott, aber Mose, der macht alles verkehrt.
[21:40] Liebe Geschwister, lieber Christopher, wenn wir unzufrieden sind mit Menschen, stimmt etwas nicht mit unserer Beziehung mit Gott. Ich sage nochmal: Wenn wir unzufrieden sind mit Menschen, stimmt etwas nicht mit unserer Beziehung mit Gott. Jesus hat nie gegen Menschen gemurrt. Er war oft traurig, aber er hat nie Unzufriedenheit ausgedrückt. Unsere Unzufriedenheit, die wir so oft haben im Alltag mit dem Ehepartner, mit den Kindern, mit dem Arbeitskollegen, mit den Geschwistern in der Gemeinde, mit den Regierenden, mit ich weiß nicht wem, ist oft nur eine Projektion unserer eigenen Unzufriedenheit mit Gott, die wir aber nicht zugeben, weil wir zu konservativ sind und uns nicht trauen, uns einzugestehen. Aber da liegt das Problem.
[22:46] Die Israeliten folgten zwar Gott, aber sie folgten ihm mit Abstand. Ihr kennt das, 2. Mose 20, schon oft gelesen. Als Gott vom Berg spricht, die zehn Gebote, sein Wesen, sein Charakter, seine Liebe im Feuer, als er ihnen nahe kommt. Was sagen sie in Vers 21: „Und das Volk stand von Ferne. Mose aber nahte sich zu dem Dunkel, in dem Gott war.“ Ihr kennt die Geschichte, ihr wisst, sie blieben auf Abstand, wollten ins gelobte Land, wollten genügend Essen und zu trinken haben, aber sie blieben auf Abstand. Sie hatten Steintafeln, Regeln, an die man sich halten kann, aber Gott hatte eigentlich etwas anderes für sie vorgesehen.
[23:55] Schaut man in 2. Mose 19 und dort in Vers 4 bis 6, 2. Mose 19, Vers 4 bis 6, da heißt es, was Gott eigentlich mit ihnen wollte. 2. Mose 19, Vers 4 bis 6: „Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe und wie ich euch auf Adlersflügeln getragen und euch zu mir gebracht habe. Wenn ihr nun wirklich meiner Stimme Gehör schenken und gehorchen werdet und meinen Bund bewahrt, so sollt ihr vor allen Völkern mein besonderes Eigentum sein, denn die ganze Erde gehört mir. Ihr aber solltet ein Königreich von Priestern sein.“ Könnt ihr mir sagen, wer oder was sind Priester? Wer sind Priester? Diener. Was machen die? Die verbinden. Warum vermitteln die zwischen Gott und? Warum können die zwischen Gott und Mensch vermitteln?
[24:56] Lasst mir euren Finger hier, geht mit mir zu 5. Mose Kapitel 6, äh 3. Mose 7, Entschuldigung, 3. Mose 7 und dort Vers 35. Warum können Priester vermitteln? 3. Mose 7, Vers 35, da heißt es über die Priester: „Das ist das Salbungsteil Aarons und das Salbungsteil seiner Söhne von den Feueropfern des Herrn an dem Tag, da er sie…“ Wie geht es weiter? „…da er sie herzunahen ließ, um für den Herrn Priesterdienst zu tun.“ Was zeichnet einen Priester aus? Er ist nahe bei Gott, deswegen kann er Priester sein, weil er bei Gott nahe ist, weil er Gemeinschaft mit Gott hat, weil er Gott näher ist als die anderen, kann er den anderen was über Gott erzählen. Ja, die Israeliten hatten buchstäbliche Priester, aber das war ja gar nicht Gottes eigentlicher Hauptpunkt. Sein Hauptpunkt: Sie alle sollten ein Königreich von Priestern sein, Menschen, die Gott nahe sind. Denn wenn sie ihm nahe sind, dann verstehen sie sein Herz. Und ihr wisst, was die Bibel sagt in Matthäus 12, Vers 34: „Wessen des Herz voll ist, dessen geht der Mund über.“
[26:22] Gott wollte ja, dass sie ein Königreich von Priestern sind, damit die anderen Völker ihn kennenlernen. Er suchte Menschen, die sich so für Gott interessieren, dass sie Gott richtig kennenlernen, seine Freunde werden und dann gerne über Gott erzählen. Und die Geschichte in dem Alten Testament ist ganz einfach: Die Israeliten interessieren sich für Gott als der, der sie heilt, der sie aus Ägypten führt und nach Kanaan bringt. Sie interessieren sich aber nicht für den Gott selbst. Und so haben sie zwar Regeln, aber nur auf Steintafeln. Und wie oft haben die Israeliten Bemühungen gemacht, mal als ganzes Volk die Heiden zu erreichen im Alten Testament? Wo lesen wir mal von dem Volk Israel, die sagen: „Okay, lasst uns mal einen Missionseinsatz machen. Wir ziehen mal alle nach Moab und versuchen, das Evangelium zu predigen.“ Mal gelesen? Kein einziges Mal. Und der Einzige, der überhaupt mal ins Ausland gegangen ist, wie Jona, den musste man richtig anschieben.
[27:22] Wenn die Regeln nur draußen sind, wenn wir Abstand halten zu Gott, dann wissen wir ganz viel von ihm, wir werden nie von ihm erzählen. Das ist aber kein alttestamentliches Problem. Das gibt es auch im Neuen Testament. Schaut mal mit mir in Lukas. Und auch hier schauen wir uns nur einen kurzen Vers an.
[28:01] Und zwar in Lukas Kapitel 22 und dort Vers 54. „Nachdem sie ihn nun, Lukas 22 Vers 54, nachdem sie ihn nun festgenommen hatten, führten sie ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohen Priesters. Petrus aber folgte von Ferne.“ Das waren mehr als 1,50 Meter. Das war ein echter Sicherheitsabstand, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Er wollte sicher sein und hielt weit Abstand von Jesus. Er interessierte sich schon für Jesus. Er dachte immer noch, dass er ein Jünger ist, oder? Petrus empfand sich selbst als ein Nachfolger Jesu, denn er folgte ja Jesus nach mit 15 Meter Abstand oder 150. Aber er folgte ihm, oder? Aber ihr alle kennt die Geschichte. Wir brauchen sie gar nicht lesen. Was war, als plötzlich die Krise einbrach? Da war nichts in seinem Herzen, was ihn vor dem Fall hätte bewahren können. Eine Beziehung auf Distanz erhält uns zwar Wissen über Gott, aber sie führt uns nicht durch die Krise.
[29:27] Jedes Mal, wenn es unangenehm wurde bei den Israeliten in der Wüste, fingen sie an zu murren. Jedes Mal, wenn die Jünger nicht das erlebten, was sie meinten, dass jetzt passieren soll, fingen sie an zu murren. Ein tolles Ellen White Zitat. Da spricht sie hier im Leben Jesu davon, dass Jesus auf dem Weg war durch Galiläa und er versuchte die Jünger darauf einzustimmen, dass bald er am Kreuz von Golgatha sterben würde. Er sagte ihnen, dass er nach Jerusalem gehen würde, dort zu Tode kommen würde und wieder auferstehen würde. Er fügte die seltsame und feierliche Ankündigung hinzu, dass er in die Hände seiner Feinde verraten werden würde. Die Jünger verstanden seine Worte immer noch nicht, obwohl der Schatten einer großen Sorge sie überfiel, war der Geist der Rivalität in ihren Herzen.
[30:25] Jetzt passt auf: Sie stritten miteinander, wer unter ihnen der Größte im Königreich sein sollte. Und jetzt kommt es, nächster Satz: Diesen Streit wollten sie vor Jesus verbergen. Man streitet sich ja nicht so gerne in der Gegenwart Jesu, oder? Was haben sie also gemacht? Ratet mal. Und so sind sie, obwohl sie sonst immer nah bei ihm waren. Ellen White sagt: „In dem Moment, als sie stritten, trödelten sie. Sie ließen Jesus vorlaufen und blieben so schlendern zurück, damit Jesus nicht merkt, was sie gerade in ihrem Herzen haben.“ Abstand.
[31:04] Wie oft halten wir Abstand zu Jesus, nur damit er nicht merkt, in Anführungsstrichen, was wir gerade denken? Wie oft trödeln wir ein bisschen in unserem Glaubensleben, damit wir mal so ein bisschen unseren eigenen Stolz, unseren eigenen Ärger, die Wut, die Leidenschaft, was auch immer, so ein bisschen hegen und pflegen können. Mit der klaren Idee: „Nächsten Freitagabend gebe ich das alles an Jesus, damit ich am Sabbat wieder rein bin.“ Die Jünger haben dadurch ganz viel verloren. Und das zeigt uns, wie gefährlich es ist, im Herzen Abstand zu halten.
[31:57] Die vielleicht größte Gefahr ist, wenn man sich gar nicht bewusst ist, dass man solch einen Abstand hält und diesen Abstandsadventismus für den wahren Glauben hält. Schaut mal mit mir in Römer 2. In Römer, da spricht der Paulus hier zu Menschen, die die Bibel kennen. Das wird ziemlich deutlich. Und wir lesen ab Vers 17, aber ich lese nicht aus der Schlachter 2000, sondern aus der unautorisierten Krampf 2020 Übersetzung.
[32:34] Römer 2, Vers 17: „Siehe, du nennst dich einen Siebenten-Tags-Adventisten und verlässt dich auf das Gesetz und rühmst dich Gottes und kennst seinen Willen, nämlich dreifache Engelsbotschaft und verstehst die 28 Glaubenspunkte, um zu prüfen, worauf es kommt, weil du aus der Bibel im Taufunterricht unterrichtet worden bist. Und du traust dir zu, eine Sabbatschule zu leiten, Missionseinsätze durchzuführen und Bibelstunden zu geben, Menschen zu unterweisen in den Grundlehren der adventistischen Theologie.“
[33:29] „Nun also, du lehrst andere, dich selbst aber lehrst du nicht. Du sagst, man soll den Sabbat halten und denkst doch an weltliche Dinge. Du sagst, man soll nicht Ehe brechen und hast doch unreine Gedanken. Du sagst, man soll die zehn Gebote halten und unterstellst doch anderen in der Gemeinde oder außerhalb, und sei es ein Regierender, Dinge, die du gar nicht weißt. Denn der Name Gottes wird um eure willen gelästert unter den Weltmenschen, wie es die Bibel sagt.“
[34:22] Ihr Lieben, entscheidend ist nicht die Beschneidung, entscheidend ist nicht die Taufe mit Wasser, sondern die Taufe des Herzens. Um mit Vers 28 und 29 zu sagen: Nicht der ist ein Christ, der äußerlich getauft ist, sondern der, der täglich mit dem Heiligen Geist getauft ist. Nicht der ist ein Christ, der die zehn Gebote verteilt, sondern dessen Leben ein Ausdruck der zehn Gebote ist. Nicht der ist ein Christ, der von Jesus redet, sondern der ist ein Christ, der an Jesus denkt, was immer ihm passiert. Nicht der ist ein Christ, der stolz darauf ist, einen Missionseinsatz durchgeführt zu haben, sondern der, dessen Herz sich danach sehnt, anderen zu helfen, ob das gerade gefordert wird oder nicht. Die Liste könnte immer weitergeführt werden.
[35:34] Schon damals dachten Menschen, dass sie doch eine Beziehung mit Gott haben und Paulus sagt ihnen: Täuscht euch nicht. Abstand im Herzen ist vielleicht das größte Problem, das wir haben können. Was mache ich, wenn mir der Geist Gottes offenbart, dass in meinem Leben Abstand ist? Drücke ich das weg und sage: „Nein, nein, nein, das kann nicht sein. Ich bin doch schon so viele Jahre in der Gemeinde, das kann nicht der Fall sein.“ Ihr Lieben, Jakob war über 90, als er realisierte am Jabbok, dass da Abstand war zwischen ihm und Jesus. Die, die mit 90 realisieren, dass da Abstand ist, als sich dem Eindruck hingeben, es ist schon alles okay.
[36:35] Vielleicht sagst du aber: „Ich habe schon so viele Sabbatschulen geleitet, Menschen zu Jesus geführt, Bibelstunden gehalten, gepredigt, da werde ich doch nicht das Problem haben, oder?“ Ihr Lieben, Paulus hatte Menschen zu hunderten, wenn nicht tausenden, im Wort Gottes, wie er es unterstand, verstanden, unterwiesen. Und wir sehen anhand von Petrus und auch in vielen anderen biblischen Berichten, dass ein Mensch auch mit Gott leben kann und trotzdem im Laufe seines Lebens so einen Abstand wiederentwickeln kann. Und die Frage, die ich dir heute stelle: Wenn du heute ganz ehrlich bist, gibt es heute einen Abstand zwischen dir und Jesus?
[37:27] Glückselig sind die, die einen Abstand sehen, denn ihrer ist das Reich der Himmel. Denn der, der sieht, dass es da Raum für Wachstum gibt, der, der sieht, dass er Jesus dringend braucht, der, der heute sieht, dass er näher zu Jesus muss, dem kann Jesus helfen. Wisst ihr, vielleicht kämpfen wir oft gegen die äußere Sünde und wir wollen diese Angewohnheit ablegen. Wir wollen vielleicht diese schlechten Gedanken nicht mehr denken und wir denken immer, das sind so Dinge, die einfach nur von außen auf uns rankommen. Und wir überlegen vielleicht gar nicht, ob es in unserem Herzen ganz tief drinnen, wir vielleicht ein egoistisches Evangelium leben, das einzig und allein sich darum kümmert: Bin ich jetzt hoffentlich endlich gerettet?
[38:19] Lieber Freund, liebe Freundin, lieber Bruder, liebe Schwester, Jesus möchte, dass du ihn liebst. Und er weiß, dass er das nicht befehlen kann. Und wenn du dir bewusst bist, vielleicht fehlt es mir so ein bisschen an echter Liebe zu ihm, dann kannst du zu ihm kommen, wie du bist. Manchmal haben wir vielleicht das Gefühl, dass wir sehen, es stimmt etwas nicht, aber Jesus ist dort und ich bin hier und irgendwie muss ich dazu hin, aber ich will vielleicht gar nicht. Jemand hat mir vor kurzem die Frage gestellt: „Was mache ich, wenn ich weiß, ich muss zu Jesus und ich will gar nicht? Wenn ich das Gefühl habe, ich muss mich zu ihm quälen?“ Vielleicht hast du das Gefühl noch nie gehabt, aber vielleicht hast du es ganz oft.
[39:31] In Psalm 34 und dort Vers 19, da steht: „Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzen sind, und er hilft denen, die zerschlagenen Geistes sind.“ Hier ist eine Sache, die ich gelernt habe in letzter Zeit. So oft, wenn wir Sünde begehen, dann wollen wir sicher sein, dass Jesus uns die Sünde vergibt. Und wenn wir irgendwie aus dem Wort die Sicherheit bekommen haben, dass Jesus uns vergeben hat, dann haben wir das Gefühl, jetzt geht es weiter, oder? Und es ist ja auch gar nicht verkehrt. Aber warum sündigen wir eigentlich? Sündigen wir nicht deswegen, weil wir Jesus aus den Augen verloren haben?
[40:32] Vielleicht lohnt es sich, mal ein bisschen mehr Zeit zu nehmen und nicht nur die offensichtliche Sünde, die wir gerade begangen haben, zu beklagen, sondern ein bisschen tiefer zu schauen. Nicht nur sich darüber zu beklagen, dass ich gerade mit Fluchen und Schwören Jesus verleugnet habe, wie Petrus, sondern etwas tiefer zu schauen, warum das so kam. Jeder von uns hat vielleicht Dinge in seinem Leben getan, auch in jüngster Zeit, von der ganz klar sagen kann: Das ist verkehrt. Vielleicht sehen wir, dass wir die Gebote, das eine oder das andere übertreten, aber das alleine reicht nicht aus. Wir müssen tiefer schauen und sich die Frage stellen: Wie steht es zwischen mir und Jesus?
[41:20] Und vielleicht, vielleicht haben wir tatsächlich dieses Gefühl: Jesus ist dort und ich bin hier. Vielleicht, wenn wir realisieren, dass da wirklich mehr Abstand ist, als wir uns manchmal einreden, dann könnten wir vielleicht verzweifeln, oder? Wir müssen nicht verzweifeln, denn Gott ist denen nahe, die zerbrochenen Herzen sind.
[41:47] Schaut mal in Matthäus 27, Vers 46. Wenn der Geist an deinem Herzen wirkt und du merkst, dass Abstand zwischen mir und Gott, dann schaut, was Jesus selbst erlebt hat. In Matthäus Kapitel 27 und dort Vers 46: „Und um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: Eli, Eli, lama sabachthani? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Als die Sünde der Welt auf ihm war, fühlte er den Abstand. Aber wisst ihr was? Ellen White macht das ganz deutlich: Gott, der Vater, hielt gar keinen Abstand. Der stand direkt am Kreuz. Keine 1,50 Meter Sicherheitsabstand. Und wenn wir das Gefühl haben, Jesus ist so weit weg, Gott ist so weit weg und ja, wir tun alles, was er irgendwie will, aber unser Herz und sein Herz sind nicht wirklich zusammen, dann lieber Freund, dann lass dir sagen: Er steht gerade neben dir und sagt dir: „Genau dieses Gefühl des Abstands habe ich am Kreuz für dich getragen. Du brauchst es nicht mehr tragen. Du darfst Jesus dieses Gefühl des Abstands einfach geben.“
[43:27] Du kannst dich abstrampeln, wie viel du willst, solange du das Gefühl hast, dass du Abstand von ihm hast und versuchst selbst diesen Abstand zu verringern, indem du versuchst zu ihm zu kommen, indem du versuchst zu beten und Bibel zu lesen, damit er endlich zu dir kommt. Solange wirst du dir nie sicher sein, nie, nie, nie sicher sein, ob du wirklich ihn erreicht hast. Das Problem ist nicht, dass du dich nicht genug angestrengt hast. Das Problem ist, dass du denkst, dass der Abstand ist. Alle Werksgerechtigkeit auf dieser Welt kommt von dem Gefühl, dass der Abstand ist. Und egal was du tust, du wirst das Gefühl nicht überwinden können, es sei denn, du glaubst Jesus, dass er schon da ist, dass du dich nicht auf ihn zu bewegen musst, sondern dass er dich schon umfängt, anfängt zu ziehen und du mit ihm gehen darfst. Heute, jetzt, mit all dem Unsinn, den du verzapft hast, selbst letzte Woche.
[44:42] Zehn Tage haben sich die Jünger wirklich Zeit genommen. Petrus hat ja seine Sünde bereut und ihm war auch vergeben worden und er hätte sagen können: „Naja, mir ist vergeben worden, preis den Herrn, nicht wahr, jetzt gehe ich weiter voran.“ Aber er wusste, das Problem lag tiefer. Das Problem war nicht nur, dass ich Jesus verleugnet habe, das Problem liegt tiefer. Zehn Tage haben sie sich Zeit genommen, ihre Herzen zu erforschen. Ich habe mir vor kurzem ein paar Tage genommen, mein Herz zu erforschen, weil ich in meinem Leben gemerkt habe, dass es manche Dinge gibt, die ich tue und Jesus in Vergebung bete und immer wieder erlebt habe, er vergibt mir, aber irgendwie wie ein Zyklus die Dinge immer wieder kommen. Vielleicht kennt ihr das, vielleicht auch nicht. Und manchmal denkt man: „Naja, das muss halt so sein.“ Aber manchmal fühlt es sich auch ein bisschen ätzend an. Das Problem liegt tiefer als nur diese Sünde, mit der wir kämpfen oder diese Charaktereigenschaft, die sich nicht so richtig polieren lässt.
[46:07] Petrus und die Jünger haben nicht einfach nur Gott einmal um Vergebung gebeten, sie haben sich zehn Tage Zeit genommen, ihre Herzen erforscht, sich die Frage gestellt, was wirklich im Herzen ist. Wenn man sich Zeit nimmt, wenn man sich mal richtig Zeit nimmt, ein paar Tage, ob das zehn Tage sind oder weniger oder mehr, sich mal die Frage stellt: Wie steht es um meine Beziehung zu Jesus? Vielleicht denkst du: „Ich habe gar nicht die Zeit dazu, ich brauche, ich kann mir keinen ganzen Tag freinehmen oder zwei Tage.“ Vielleicht, aber vielleicht sind drei, vier Tage eine echte Investition für die Ewigkeit.
[46:59] Sie nahmen sich diese Tage, sie stellten fest, dass das Problem nicht einfach nur mal ein falsches Wort oder ein aufbrausendes Temperament war. Das Problem war ganz tief drinnen: ihr Stolz, ihr Drang an erster Stelle zu stehen. All das. Und als sie all das Gott bekennend übergaben, da kam Pfingsten und da kam der Heilige Geist und erfüllte sie. Und Gott sprach wie am Sinai, aber nicht mit Donnerstimme vom Berg, sondern mit gewaltiger Stimme durch Petrus. Nicht einfach nur zehn Gebote auf Steintafeln, sondern zehn Gebote im Herzen. Wessen das Herz voll ist, dessen geht der Mund über. Sie konnten gar nicht aufhören zu predigen. Da gab es keine Missionsseminare, keine Motivationspredigten. Sie hatten ihr Herz mit der Liebe Jesu erfüllt. Das war so sehr so, dass sie von alleine Pläne machten. Nicht nur so, dass Gott sagte: „Jetzt geh mal nach Rom.“ Nein, nein. Paulus sagte: „Ich will selbst nach Rom, ich würde gerne nach Rom.“ Und Gott sagt: „Jetzt noch nicht, vielleicht später, warte mal ab.“ So wie David. Aber ich möchte gerne nach Spanien, ich möchte nach Rom, ich möchte das alles machen. Und Gott musste sie nicht mehr anschubsen, er musste sie nur noch ein bisschen lenken. Er musste nur noch dafür sorgen, dass sie nicht übereifrig vielleicht dann zu viel machen. Aber sie hatten diesen Wunsch, etwas für Gott zu tun. Den kann man nicht alleine produzieren. Den kann man nur produzieren, der ist nur da, wenn man sich mit der Liebe Gottes zusammen verbunden hat.
[48:26] Zum Schluss möchte ich mit einer Geschichte enden. In Johannes Kapitel 12 finden wir eine der bemerkenswertesten Geschichten. Ich bin da vor kurzem darauf gestolpert, als ich eine Predigt hörte.
[48:41] In Johannes 12 und dort Vers 1: „Sechs Tage vor dem Passah kam Jesus dann nach Bethanien, wo Lazarus war, der tot gewesen war und den aus den Toten auferweckt hatte. Sie machten ihm nun dort ein Gastmahl und Martha diente. Lazarus aber war einer von denen, die mit ihm zu Tisch saßen.“ Da nahm Maria einen Pfund echten, köstlichen Nardensalböls, salbte Jesus die Füße und trocknete seine Füße mit ihren Haaren. Das Haus aber wurde erfüllt vom Geruch des Salböls.
[49:21] Sagt mir, in welcher Bibelstelle des Alten Testaments steht: „Du sollst Nardensalböl verschwenden.“ Wo steht: „Wenn der Messias kommt, du sollst ihm die Füße salben.“ Welches Gebot der zehn Gebote oder des mosaischen Gesetzes hat sich hiermit erfüllt? Sagt mir. Kein einziges. Das war gar nicht verlangt. Das war ein Akt der Liebe. Denn Maria hatte erlebt, dass Jesus vergibt. Sie hatte schlimm gesündigt, sie hatte viel gesündigt, aber Jesus hatte alles vergeben und sie war so dankbar. Und sie wollte das gar nicht groß an die große Glocke hängen. Ja, ihr wisst, die kam da nicht rein und sagt: „Oh, wir haben ein großes Geschenk.“ Ja, sie wollte es ganz, ganz ungesehen machen. Und Ellen White beschreibt, dass die Leute das nur mitbekommen haben, weil, naja, wenn man ein Pfund Nardensalböl verwendet, da braucht niemand mehr danach Parfüm. Der ganze Raum duftete davon.
[50:14] Ihr wisst vielleicht, dass das nicht billig war, oder? Schaut mal im Vers 5: „Judas, der beschwert sich und sagt: Warum hat man dieses Salböl nicht für 300 Denare verkauft?“ 300 Denare ist kein Pappenspiel. Die Bibel sagt uns, dass ein Denar der Preis oder der Arbeitslohn für einen Tag war, für einen Arbeiter. Stundenlohn heute sind ungefähr Pi mal Daumen 10 Euro, acht Stunden Arbeit 80 Euro, 300 mal 80, 24.000 Euro. Ich weiß gar nicht, wer von euch so viel auf dem Konto hat. Ich nicht. Selbst wenn, würdest du das alles ausgeben für ein Parfüm und dann im Gottesdienst jemandem auf die Füße tun? Das ist ja Wahnsinn. Gott ist viel zu bescheiden, als dass er jemals von jemandem verlangen würde, 24.000 Euro auszugeben für ein Parfüm. Sie tat es nicht, weil irgendjemand das von ihr verlangt hatte. Das tat sie, weil sie ihn liebte.
[51:29] Wisst ihr was? Es gab noch jemanden, der Jesus mit Kostbarkeiten salbte. Schaut mal mit mir ein paar Kapitel später in Johannes 19. Ganz interessant. Ich war sehr begeistert, als ich das gesehen habe. Johannes 19 und dort Vers 38: „Danach, Johannes 19 Vers 38, bat Josef von Arimathäa, der ein Jünger Jesu war, jedoch heimlich aus Furcht vor den Juden, den Pilatus, dass er den Leib Jesu abnehmen dürfe. Und Pilatus erlaubte es. Da kam er und nahm den Leib Jesu herab.“
[52:16] Es kam aber auch Nikodemus, der zuvor bei Nacht zu Jesus gekommen war. Ihr kennt die Geschichte. Drei Jahre zuvor und brachte eine Mischung von Myrrhe und Aloë. Achtung, wie viel? 100 Pfund. Wie viel brachte Maria? Habt ihr gelesen? Ein Pfund. Maria hatte ein Pfund Nardenöl für 24.000 Euro gebracht. Die bringen nicht ein Pfund oder zwei Pfund, die bringen 100 Pfund. Wir wissen nicht, ob Nardenöl exakt genauso teuer war wie Myrrhe und Aloë, aber ihr kriegt die Idee. Das war wahrscheinlich ein Millionenbetrag. Aber hier kommt es: Sie haben diesen immensen Reichtum Jesus gegeben, als er tot war. Der hat davon nichts gehabt. Sie haben zu lange gewartet.
[53:10] Warum hat Josef von Arimathäa gewartet, bis er all seinen Reichtum bringt, um Jesus zu salben? Warum hat er gewartet? Warum hat er sich schon zu Lebzeiten von Jesus öffentlich bekannt? Er glaubte an Jesus, oder? Aber der Furcht vor den Juden. Nikodemus glaubte an Jesus, aber drei Jahre lang hatte er auf Abstand geglaubt. Die beiden hatten ein größeres Potenzial als Maria, aber weil sie auf Abstand zu Jesus glaubten, hatte Jesus nichts von ihrer Gabe.
[53:57] Vielleicht hast du gigantische Fähigkeiten und du planst, sie alle einzusetzen in der Endzeit, wenn du versiegelt bist mit dem Heiligen Geist. Wenn der Spätregen kommt, dann willst du vielleicht als Märtyrer für Jesus sterben. Aber warum nicht jetzt schon etwas für Jesus tun? Warum nicht jetzt schon das Herz ihm einfach geben? Warum nicht heute mit allem, was wir haben, zu Jesus kommen, selbst wenn die anderen ein bisschen komisch gucken? Jesus hatte nichts von den Millionen Parfümen von Nikodemus und Josef von Arimathäa. Und auch die Frauen, die später die Spätzerei brachten, von denen hatte er nichts. Das Einzige, von dem er was hatte, war dieses Öl von der Maria, weil sie jetzt, so wie sie war, Jesus etwas Gutes tun wollte. Und Ellen White sagt, dass für Jesus das wichtig war.
[54:58] Ihr wisst, dass Jesus später gesagt hat, dass in einem anderen Evangelium steht, dass in Matthäus 26, wo immer das Evangelium gepredigt wird, wird auch berichtet werden von dem, was Maria getan hat, oder? Es gibt wahrscheinlich viel mehr Predigten über Maria als über Nikodemus und Arimathäa mit ihren 100 Pfund, obwohl die hundertmal so viel hatten. Warum? Weil das, was sie für Jesus tat, war nicht einfach eine Erfüllung eines Gebotes, wo Jesus sagte: „Check, du hast es richtig gemacht“, sondern es hat Jesus tatsächlich etwas bedeutet.
[55:35] Es war sechs Tage vor der Kreuzigung und diese Zeit war sehr bitter, denn die Menschen, die ihm gerade noch jubelten, die würden gleich rufen: „Kreuzige ihn!“ Die Menschen, die seit Jahrhunderten seine Bibel studiert hatten, würden ihn nicht erkennen. Die Priester würden ihn den Römern übertragen. Seine eigenen Jünger würden weglaufen, einschlafen beim Gebet. Einer würde ihn verraten, der Nächste würde ihn verleugnen. Und die Frage war für Jesus: Wozu tue ich all das? Sechs Tage lang gab es fast nur eine richtige Ermutigung: der bleibende Geruch von Nardenöl in seiner Nase.
[56:12] Als in Gethsemane selbst seine besten Freunde nicht zu ihm hielten, sondern Gott Engel senden musste, um ihn irgendwie durchzukriegen. Als er auf dem Weg nach Golgatha von allen angespuckt und verlassen wurde, wusste er: Es gibt jemanden, der mich mag. Von allen Menschen hat wahrscheinlich Maria den größten Anteil in diesen sechs Tagen, dass Jesus weitergegangen ist. Das, was sie getan hat, ungefordert wie es war, hatte eine größere Wirkung auf das Evangelium möglicherweise, als wir uns vorstellen können.
[57:00] Wie geht es Gott? Wie geht es deinem Freund Jesus? Wie steht eure Beziehung? Wie viel Freude möchtest du ihm machen? Ist er dein Freund? Ihr kennt vielleicht dieses Lied: „Welcher Freund ist unser Jesus? Oh, wie hoch ist er erhöht. Er hat uns mit Gott versöhnt und vertritt uns im Gebet. Wer mag sagen und ermessen, wie viel Heil verloren geht, wenn wir nicht zu ihm uns wenden und ihn suchen im Gebet. Wenn des Feindes Macht uns droht und manch Sturm rings um uns weht, brauchen wir uns nicht zu fürchten. Stehen wir gläubig im Gebet, da erweist sich Jesu Treue, wie er uns zur Seite steht, als ein mächtiger Erretter, der erhört ein Ernstgebet. Sind mit Sorgen wir beladen, sei es früh oder spät, hilft uns sicher unser Jesus, fliehen wir zu ihm im Gebet. Sind von Freunden wir verlassen und wir gehen ins Gebet. Oh, so ist uns Jesus alles, König, Priester und Prophet.“ Wer von uns möchte heute sagen: Jesus ist für mich alles? Ist unser Wunsch. Amen.
[59:03] Lasst uns noch gemeinsam beten, dazu aufstehen.
[59:25] Lieber Vater im Himmel, du bist eigentlich ganz anders, als wir uns das oft vorstellen. Du wünschst dir, dass wir dich mögen, dass wir sehen, was du alles Gutes für uns tust. Die ganze Welt ist voller Beweise deiner Güte und deiner Liebe und deiner Schönheit. Wir rennen da oft so dran vorbei, ohne uns Gedanken zu machen. Herr, du hast so viel für uns getan und so viel Geduld mit uns, dass wir eigentlich nur niederfallen können vor dir und sagen: Danke, danke, danke. Herr, wir können dich nicht überraschen, das wissen wir. Du weißt alles und trotzdem freust du dich, wenn wir über dich nachdenken, wenn wir uns Gedanken machen, wenn wir nicht einfach nur versuchen, Regeln einzuhalten, sondern wenn wir aus Liebe mit dir leben. Herr, das ist eigentlich die ganze Essenz deines Gebotes.
[1:00:18] Und Herr, jeder von uns kennt aus seinem Leben diese Zeiten, diese Momente, wo wir vielleicht bewusst oder unbewusst uns von dir entfernt haben, deine Hand losgelassen haben, uns von Sorgen, Nöten, Sünden, Problemen vereinnahmen lassen. Und zwar, wir wissen immer noch viel von dir, aber die Beziehung zu dir bröckelt oder etwas verloren haben. Und Herr, wir kommen da alleine niemals raus, egal was wir tun. Aber danke, dass du heute uns daran erinnerst, dass du den Abstand von uns überwunden hast und dass wir den Abstand, so wie er ist, wie wir in unserem Herzen sehen, dir einfach geben können, weil du von unserem Kreuz gestorben bist und weil du an der Herzenstür von uns klopfst und weil du uns schon längst zu dir ziehst und heute zu dir ziehst. Und das Interesse, das wir an dir haben, jetzt schon ein Beweis dafür ist, dass dein Geist mächtig an uns wirkt. Und dafür danken wir dir. Danke, dass wir uns nicht Gedanken machen müssen, ob wir alles schaffen, was du von uns forderst, sondern danke, dass wir wissen, dass wenn wir ein Interesse an dir haben, wenn wir dich lieben, dass du das Werk, das du angefangen hast, auch vollenden wirst. Herr, wir möchten deine Freunde sein und bleiben und immer tiefer in unserer Beziehung zu dir wachsen. Und wir danken dir, dass du durch deinen Heiligen Geist zu uns gesprochen hast und bitten dich, dass du uns segnest über diesen Tag hinaus. Im Namen Jesu. Amen.
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