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In diesem Teil der Vortragsreihe „Es sei denn, wir vergessen“ beleuchtet Erhard Vasicek das Leben und Wirken von Ellen G. White, einer prägenden Figur der Adventbewegung. Der Vortrag thematisiert ihre Berufung, innere Kämpfe und die Bedeutung eines ihrer wichtigsten Bücher. Es wird auf ihre frühen Erfahrungen, ihre gesundheitlichen Herausforderungen und die Entstehung ihrer prophetischen Gaben eingegangen.


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Serie: Es sei denn, wir vergessen

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Transkript

[0:30] Ich möchte euch ganz herzlich willkommen heißen zum fünften Teil unserer Vortragsreihe über die Adventgeschichte, "Es sei denn, wir vergessen", erweckt durch die Adventbewegung. In den nächsten beiden Teilen wird es um eine Person gehen, mit der jeder Siebenten-Tags-Adventist gut vertraut sein sollte. Es ist die Person unter unseren Pionieren, die unsere Adventbewegung am meisten geprägt hat. Wir wollen uns in Vortrag 5 und 6 beschäftigen mit dem Leben von Ellen G. White. Im fünften Vortrag geht es eher um ihre Berufung, um innere Dinge, die sie bewegt haben, und es soll gehen um ein Buch, das Ellen G. White und auch uns heute besonders wichtig sein sollte.

[1:16] Ich möchte gerne, wie in manchen Vorträgen, noch einmal das Vorwort vorausschicken aus der amerikanischen Version des Buches. Das gibt es inzwischen auch im Deutschen: "Heartwarming Stories of Adventist Pioneers", dem zweiten Band. Und dort heißt es: "Während du die Leben dieser hingegebenen Männer und Frauen Gottes nochmals betrachtest, ist es meine sehnlichste Hoffnung, dass du dahin geführt wirst, dein eigenes Leben dem Dienst für Jesus, deinem besten Freund, der gestorben ist, damit du für immer mit ihm leben kannst, erneut zu widmen. Es ist mein Gebet für uns alle, dass wir auch in der Nachfolge unseres Herrn hingegeben sein werden, dass wir willig werden zu tun, worum immer er uns bittet, und dorthin zu gehen, wo auch immer er uns hinsendet. Ich bete darum, dass jeder von uns standhaft bleibt, bis Jesus in den Wolken der Herrlichkeit kommt, um uns mit ihm nach Hause zu nehmen."

[2:10] Ellen G. White war eine bemerkenswerte Frau, die im Jahr 1827 geboren wurde, in Gorham, Maine, ungefähr zwölf Meilen westlich von der Stadt Portland. Ellen G. White war eine Frau, die sehr viel geschrieben hat in der Literaturgeschichte. Sie lebte bis zum Jahr 1915 und schrieb mehr als 5000 Artikel in Journalen und 40 Bücher. Ihr Buch "Der Weg zu Christus", in dem es zentral um den Erlösungsplan geht, wurde inzwischen in mehr als 140 Sprachen übersetzt. Und es gab das ein oder andere von ihren Büchern, die ihr auch besonders am Herzen lagen, dass sie Verbreitung finden unter den Menschen.

[3:01] Hier sehen wir die Middle Street in Portland. Ihre Familie ist später nach Portland gezogen. Ihr Vater war Hutmacher. Es war aber in der damaligen Zeit so, dass auch die Kinder ihren Teil ausführten in der Arbeit des Hutmachergewerbes, was nicht ganz einfach gewesen ist. Manche von euch wissen vielleicht, dass Ellen G. White jemand war, die eigentlich den Wunsch hatte, in ihrem Herzen eine Erziehung zu erhalten, eine Ausbildung und später auch einmal Lehrerin vielleicht zu werden. Ellen G. White hat die Brackett Street School besucht, allerdings leider nicht allzu lange. Denn im dritten Jahr, als sie die Brackett Street School besucht hat, da war sie auf dem Weg nach Hause mit ihrer Zwillingsschwester und einer Freundin, als sie hinter sich Schreien hörte von einem älteren Mädchen, das aufgebracht war. Ellen wusste nicht, warum das so war, aber ihr war beigebracht worden schon als Kind, dass sie keine Vergeltung üben sollte. So nahmen die Mädchen ihre Bücher in einen festeren Griff und versuchten nach Hause zu kommen. Als Ellen sich noch einmal umgedreht hatte, da hat dieses ältere Mädchen einen Stein geworfen, der Ellen zentral im Gesicht getroffen hat. Sie wurde ohnmächtig. Man hat sie gebracht zu einem Laden und ein Mann dort hat ihr angeboten, sie nach Hause zu bringen in seiner Kutsche, aber Ellen wollte die Kutsche nicht schmutzig machen mit ihrem Blut. Und so ging sie dann schließlich mit ihrer Zwillingsschwester und ihrer Freundin nach Hause und wurde aber wieder ohnmächtig und kam dann erst längere Zeit später wieder zu sich.

[4:48] Als Ellen zu sich kam, konnte sie sich nicht erinnern an den Unfall. Sie hat aber später dann bemerkt, etwas, was für sie schmerzlich war, nämlich, dass Menschen sie anders behandelt haben wegen ihrem Äußeren. Sie hatte mehrere Knochenbrüche gehabt im Gesicht und ihre Nase war entstellt worden auf eine Art, dass man das mit den damaligen chirurgischen Mitteln nicht lösen konnte. Ellen G. White hat – es war für sie die größte Prüfung in ihrem jungen Leben –, dass sie ihre Erziehung, ihre Ausbildung, ihre schulische Ausbildung nicht weiterführen konnte. Ihre Mutter, Eunice Harmon, hat aber nicht aufgegeben und war nicht bereit, dass Ellen praktisch aufwächst ohne Bildung. Und sie hat trotzdem dafür gesorgt im privaten Bereich, dass Ellen nicht ganz ohne Bildung aufgewachsen ist. Man sieht auch später, dass Ellen G. White – sie hatte eine Bibliothek von mehr als tausend Bänden. Ellen G. White war eine Frau, die sehr belesen gewesen ist.

[5:53] Aber in ihrem jungen Leben hat sie auch Glaubensnöte gehabt und sie war zum einen, war sie gegen Gott innerlich etwas aufgebracht oder hat Ärger gegen ihn verspürt. Und zum anderen hat Ellen G. White sich dann auch Vorwürfe gemacht, weil sie so etwas gefühlt hat. Das waren ein paar innere Prüfungen, die sie gehabt hat.

[6:16] Im Jahr 1840 kam dann ein Mann namens William Miller und hat eine Vortragsreihe gehalten in der Casco Street Church. Ellen G. White und ihre Familie haben die Botschaft Millers dann angenommen und das hat sie dann ihre Mitgliedschaft in ihrer Gemeinde gekostet. Es wurde auch gesagt, man hat Ellen G. White und ihre Familie nicht ausgeschlossen wegen ihrem christlichen Wandel, weil dort irgendetwas nicht gestimmt hat, sondern weil sie die Botschaft von William Miller angenommen haben. Und Ellen G. White war – diese Vorträge haben sie angesprochen, aber Ellen G. White hat noch nicht so den inneren Glaubensdurchbruch gehabt, was ihre Beziehung zu Jesus angeht in diesem Jahr. Sondern ungefähr ein Jahr später, im Jahr 1841, auf einer Versammlung, die Ellen G. White besucht hat. Und in dieser Versammlung hat ein Prediger gesprochen, ein Verkündiger über das Thema Gerechtigkeit durch Glauben. Und er hat in diesem Thema einen Vers verwendet aus dem Buch Esther, genauer gesagt Esther 4 Vers 16, wo Esther sagt: "Ich will zum König hineingehen, und wenn ich umkomme, dann komme ich um." Und der Verkündiger hat diese Worte genommen von Esther, um seine Zuhörer zu ermutigen, vor Jesus, dem König, zu gehen und Vergebung zu empfangen.

[7:44] Diese Botschaft hat Ellen einigen Trost geschenkt und sie hat sich innerlich vorgenommen, dass sie ihre Sicherheit mit Gott finden möchte. Während sie sich dann vorm Altar gebeugt hat mit einigen anderen, die auch den Herrn gesucht hatten, da hatte Ellen G. White eine wichtige Erfahrung und sie schreibt darüber in folgenden Worten: "Während ich mit anderen, die den Herrn suchten, vor dem Altar gebeugt war, lautete die Sprache meines Herzens: Hilf, Jesus, rette mich, oder ich verderbe. Ich werde nicht aufhören zu bitten, bis mein Gebet erhört ist und meine Sünden vergeben sind. Ich fühlte meinen bedürftigen, hilflosen Zustand wie nie zuvor. Während ich kniete und betete, verließ mich plötzlich meine Bürde und mein Herz war erleichtert."

[8:32] Im Dezember 1844, natürlich, hat die Familie White auch die große Enttäuschung erlebt, dass Jesus nicht wiederkam. Und es war so gewesen, dass ihre Zwillingsschwester dann leider – als die Wochen vergingen und auch ihr Bruder den Glauben aufgegeben haben an die baldige Wiederkunft von Jesus. Ihr Bruder hat aber den Glauben dann später im Laufe seines Lebens wieder zurückgewonnen. Im Dezember 1844, einige Wochen nach der Enttäuschung, befand sich Ellen G. White im Heim einer Freundin von Mrs. Haynes. Verschiedene andere junge Frauen waren dort zu einer Gebetsversammlung. Und als sie niederknieten und beteten, gab Gott Ellen eine Vision. Man muss dazu sagen, während dieser Vision – Ellen G. White war zu diesem Zeitpunkt 17 Jahre alt. Sie war bei schlechter Gesundheit und wog weniger als 40 Kilogramm. In dieser Vision zeigte ihr der Herr die Reise des Adventvolkes zur Stadt Gottes. Und ihr wurde auch erklärt in der Vision, dass das Licht, das vor dem 22. Oktober gegeben wurde, dass das Licht echt und dass das Licht wahr war.

[9:53] Eine Woche später hatte Ellen G. White eine weitere Vision und in dieser Vision sagte ihr Gottes Engel: "Du musst sage den Menschen, was ich dir gesagt habe." Ihr wurde auch versichert, dass Gott mit ihr sein würde. Und Ellen G. White war aber ängstlich, weil sie jung war. Und sie hat gedacht, die Adventgläubigen würden aus ihrem Mund das nicht annehmen, denn sie war jung und sie war auch jemand, die bei schlechter Gesundheit gewesen ist.

[10:21] Es kam dann so, dass Ellen G. White wusste, dass es eine Versammlung geben würde in ihrem eigenen Heim an diesem Abend. Aber sie war so furchtsam und so ängstlich, dass sie jemanden gebeten hat, sie in dem Pferdeschlitten – dass sie eine Person gebeten hat, im Pferdeschlitten sie mitzunehmen, ungefähr drei, vier Meilen entfernt zum Haus einer bekannten Person. Und in diesem Haus traf sie einen Mann namens Joseph Turner. Das war der Leiter der Gruppe in Portland damals. Und der hat auch gesagt, dass er Ellen Whites Vision gern hören würde. Daraufhin ist Ellen G. White dann in einen Raum nach oben im Haus geflohen und blieb dort dann für mehrere Stunden.

[11:07] Schließlich war es dann so, dass Ellen G. White schließlich nachgegeben hat und dass sie dem Herrn versprochen hat, dass wenn er ihr die Kraft geben würde, nach Hause zu kommen, dann würde sie die Botschaft weitergeben bei der ersten Gelegenheit, die sich bieten würde. Als Ellen G. White dann wieder nach Hause kam, waren die anderen Gläubigen schon auf dem Heimweg oder waren schon zu Hause. Das Treffen war vorbei. Aber im nächsten Treffen war es dann so, dass Ellen G. White die Vision mitgeteilt hat. Und sie hat dann auch gesehen, dass eigentlich die Gläubigen, dass sie sie nicht verspottet haben, sondern dass sie dankbar waren, diese Versicherung von Gottes Lippen oder von Gottes Geist, können wir sagen, über ihre Lippen mitzubekommen.

[12:01] Es war für Ellen G. White trotzdem schwierig. Und das ist ein Punkt, der mir viele Jahre nicht wirklich bewusst gewesen ist. Es war für Ellen G. White schwierig, Botschaften – auch später war es für sie nicht immer leicht, die Botschaften, die Gott ihr gab, weiterzugeben. Ellen G. White hat Botschaften am Anfang abgemildert. Ich möchte euch gerne – das ist manchen von euch vielleicht nicht bekannt, die das jetzt sehen und diesen Punkt zum ersten Mal hören –, aber ich möchte euch gerne von Ellen Whites eigenen Worten etwas vorlesen, was sie über diese Erfahrung schreibt. Und sie schreibt: "Als mir der Herr zuerst Botschaften für sein Volk gab, wurde es mir schwer, sie zu verkündigen, und ich milderte sie oft sehr und machte sie so sanft wie möglich, aus Furcht, jemanden zu verletzen. Es war für mich eine große Prüfung, die Botschaft so zu verkündigen, wie der Herr sie mir gab."

[13:02] Später schreibt sie dann, sie hat dann Jesus gesehen, der sich mit einem finsteren Blick von ihr abgewendet hat. Und daraufhin später wurde ihr eine bestimmte Sache gezeigt. Und sie schreibt: "Es wurde mir eine Schar vorgeführt, deren Haare und Kleider zerrissen waren und deren Aussehen ein Bild der Furcht und des Erschreckens bot. Sie kamen nahe zu mir, nahmen ihre Gewänder und rieben sie an den meinigen. Ich blickte auf meine Kleider, dass sie mit Blut befleckt waren und dass das Blut Löcher hineinfraß. Da fiel ich gleich einer Toten zu den Füßen meines begleitenden Engels. Ich konnte keine Entschuldigung vorbringen. Meine Zunge widerstand allen Bemühungen, und ich wünschte nur, von solch heiligem Ort fort zu sein. Dann stellte mich der Engel auf meine Füße und sagte: Dies ist jetzt nicht dein Fall. Aber diese Szene wurde dir vorgeführt, damit du erkennst, was deine Lage sein wird, wenn du dich weigerst, den anderen das zu verkündigen, was der Herr dir offenbart hat. Aber wenn du treu bist bis zum Ende, so sollst du von dem Baum des Lebens essen und von dem Wasser des Lebens trinken. Du wirst viel zu leiden haben, aber die Gnade Gottes ist genügend." Dann war ich willig, alles zu tun, was der Herr von mir verlangte, auf dass ich sein Wohlgefallen haben möge und nicht seinen schrecklichen Blick fühlen müsse."

[14:21] Ich glaube, dass man sich manchmal zu wenig bewusst macht, was für Kämpfe es für Ellen G. White eigentlich bedeutet hat, manchmal, oder diese Botschaften des Tadels und der Zurechtweisung weiterzugeben. Wer von euch schon einmal in der Situation gewesen ist, wo er merkt, dass Gott ihm etwas aufs Herz legt, was eine andere Person tadelt oder zurechtweist, der weiß, wie sich das innerlich anfühlt. Und je nach Charaktertyp ist das vielleicht noch einmal eine größere Herausforderung für den einen als für andere.

[15:01] Ellen G. White hat sich nicht selber berufen zum Dienst einer Prophetin, schon gar nicht in ihrem Zustand. Und sie schreibt auch noch mehrere Jahre später nach ihrer Berufung. Möchte ich gerne noch zwei Aussagen von ihr mit euch teilen, die deutlich machen, dass es Ellen G. White nicht leicht gefallen ist, andere Menschen zurechtzuweisen mit Botschaften, die Gott ihr gegeben hat. Sie schreibt hier in einem Brief, der aus den 1870er Jahren kommt, schreibt sie Folgendes: "Seit Jahren ist mir klar, dass ich, wenn es nach mir ginge und ich Gott dennoch gefallen könnte, lieber sterben würde, als ein Gesicht zu empfangen. Denn jedes Gesicht legt mir die große Verantwortung auf, Zeugnis abzulegen. Und oft sind diese Zeugnisse mit Tadel und Warnungen verbunden, was meinen inneren Gefühlen sehr widerspricht." Das ist ein Brief an J. N. Loveborough aus dem Jahr 1874. "Die Zeugnisse verursachen mir eine Seelenqual, die unaussprechlich ist. Zu keinem Zeitpunkt habe ich meine Stellung angestrebt. Gleichwohl wage ich es nicht, mich dem Geist Gottes zu widersetzen und eine leichtere Aufgabe zu suchen."

[16:18] Im Jahr 1880 schreibt sie dann an ihren Sohn und Mary White: "Ich hatte einige sehr, sehr schlimme Aufträge zu erfüllen. Mit Bruder Bean und seiner Frau sprach ich ganz offen. Sie wehrten sich nicht. Ich weinte selbst, konnte nicht anders."

[16:30] Wenn wir uns das anschauen und wenn wir sehen, welche inneren Kämpfe Ellen G. White gehabt hat, als sie Botschaften überbracht hat, wenn wir sehen auch, welche Liebe sie hatte für diejenigen, denen sie die Botschaft gebracht hat, dann erfüllt es mein Herz mit großer Trauer, dass wir heute auch in unseren Reihen manche Menschen haben, die über die Gabe von Ellen G. White zu leichtfertig urteilen. Gott hat uns mit der prophetischen Gabe, mit den Worten von Ellen G. White einen Schatz gegeben, den keine andere Kirche, den keine andere Gruppierung auf dieser Erde ihr eigen nennen darf. Und wir sollten diese Gabe so schätzen, wie Gott es sich wünscht.

[17:16] Ellen G. White hat im Laufe ihrer Prophetenlaufbahn ist sie oft auch dem Fanatismus begegnet. Und im Jahr 1845 gab es zwei Männer namens Sargent und Robbins, die sehr scharfe Worte verwendet haben in Bezug auf Ellen G. White und ihre Botschaft und die andere Menschen gewarnt haben vor Ellen G. White. Als Ellen G. White im Jahr 1845 in diesem Heim zu Gast war von Otis Nichols, kamen Sargent und Robbins vor das Haus gefahren. Und Otis Nichols hat ihnen deutlich gemacht, dass Ellen G. White gerade bei ihm zu Gast war und hat sie hereingebeten. Worauf Sargent und Robbins – wo es eigentlich so aussah, dass sie bei ihm übernachten wollten ursprünglich – auf einmal sich erinnert haben, dass sie einen wichtigen Termin an einem anderen Ort hatten.

[18:11] Otis Nichols schlägt dann vor, dass sie sich treffen am kommenden Sabbat in Boston und fragt, ob das möglich ist. Sargent und Robbins lehnen nicht ab. Und Otis Nichols geht wieder ins Haus. Und in der Nacht empfängt Ellen G. White dann von Gott eine Botschaft und ihr wird gezeigt, dass sie nicht nach Boston gehen sollen, sondern nach Randolph. Es war nämlich so gewesen, dass Sargent und Robbins, dass sie extra nach Randolph gegangen sind unter der Voraussetzung, dass Otis Nichols und Ellen G. White, dass sie dann in Boston sind und dort finden sie niemanden vor.

[18:54] Als Otis Nichols mit Ellen G. White und seinem Gefolge, als sie dann ankommen in Randolph, da war schon eine Versammlung im Gange. Es waren einige Menschen dort versammelt. Und so ab 1 Uhr nachmittags war es dann so, dann wurde die Versammlung erneut begonnen mit Singen und mit Beten. Und Ellen G. White wurde dann in eine Vision entrückt in dieser Versammlung.

[19:13] Als Ellen G. White dann in dieser Vision war, die vier Stunden gedauert hat, da war es so, dass Ellen G. White während dieser Vision eine Bibel, die ihr vorher in den Schoß gelegt wurde, eine Bibel hochgehalten hat und aus dieser Bibel Schriftstellen zitiert hat. Mit der einen Hand hielt sie die Bibel nach oben, mit der anderen zeigte sie mit dem Finger auf die Bibelstelle, die sie vorgelesen hat, die sie zitiert hatte. Einige von der Versammlung stiegen dann nach oben oder sie prüften nach und haben wirklich gesehen, das waren die Schriftstellen, die Ellen G. White mit ihrem Finger berührt hat, die sie zitiert hatte.

[20:02] Es gibt einige Berichte von Ellen G. White, wo sie große Bibeln gehalten hat während Visionen. Eine Bibel hier vermutlich, die gibt es im Ellen G. White Estate, die sie gehalten hat. Diese Bibel wiegt acht Kilogramm und wurde im Jahr 1822 gedruckt. Und sie hat diese Bibel auf ihrem ausgestreckten linken Arm für 20 bis 30 Minuten gehalten. Wir müssen uns überlegen, wenn wir das heute versuchen würden, auch jemand, der gut trainiert ist, dann wäre das wahrscheinlich eine Aufgabe, die ihn weit überfordern würde. Noch dazu genommen Ellen G. White und ihre schwächliche Gesundheit, die sie damals zu dieser Zeit gehabt hat.

[20:48] Im Jahr 1846 hat Ellen Harmon, wie sie damals noch hieß, James White geheiratet. Und sie haben ungefähr ein Jahr lang verbracht, erstmal bei ihren Eltern. Das hat sich aber ein bisschen schwierig gestaltet, weil ihre Eltern damals, die Harmons, das waren noch keine Sabbathhalter. Robert Harmon, Ellens Vater, der schon in die Jahre gekommen war, hat sich erhofft von James White, der jung und kräftig war, dass er ihm hilft auf der Farm. Aber James White hat den Ruf gespürt zu verkündigen. Und da er den Sabbath gehalten hat, war er für Robert Harmon, der Sonntagshalter war, auch am Wochenende schon gar keine Hilfe, weil Sabbath und Sonntag praktisch nicht mit Arbeit verbracht wurden.

[21:40] Ellen G. White schreibt von der Anfangszeit der Botschaft: "Wir begannen unser Werk ohne Geld, mit wenigen Freunden und in schwacher Gesundheit. Mein Mann war von starker Konstitution, aber seine Gesundheit hatte sehr durch anstrengendes Studium und durch das Halten von Vorlesungen gelitten. Ich war von Kind an leidend, wie ich berichtet habe. In diesem Zustand ohne Geld und mit nur sehr wenigen Freunden, die unsere Ansichten teilten, ohne Schriften und ohne Bücher begannen wir unsere Arbeit."

[22:19] Im Jahr 1847 zogen Ellen G. White und ihr Mann dann zu den Haulands. Das waren Geschwister, die ihnen einen Platz anboten in ihrem Haus und mit geliehenen Möbeln begannen sie dann praktisch ihren Hausstand bei der Familie Hauland. Sie schreibt über die schwierigen Zeiten von damals: "Mein Mann arbeitete sehr schwer beim Fahren von Steinen für die Eisenbahn, aber er konnte den ihm zustehenden Lohn für seine Arbeit nicht bekommen. Er begann im Wald mit einer Axt Klafterholz zu schneiden. Mit ständigen Schmerzen in der Seite arbeitete er von früh bis spät für ungefähr 50 Cent pro Tag. Wir versuchten unseren Mut aufrecht zu erhalten und auf Gott zu vertrauen. Ich klagte nicht."

[22:57] Im Jahr 1847 gab es aber eine Situation, wo Ellen G. White doch sehr entmutigt gewesen ist. Das war an einem Tag, als ihr ganzer Essensvorrat erschöpft war und ihr Mann zum Arbeitgeber gegangen ist, um Geld oder Lebensmittel von ihm zu bekommen. Es war ein stürmischer Tag und James White ging damals im Regen drei Meilen hin und zurück und auf dem Rücken trug er einen Sack mit Lebensmitteln. Als er dann schließlich das Haus sehr ermüdet betrat, sank das Herz in Ellen White und ihre ersten Gefühle waren, dass Gott sie verlassen hatte. Sie sagte zu James White: "Es ist so weit mit uns gekommen", und sie konnte die Tränen nicht zurückhalten und weinte mehrere Stunden, bis sie in Ohnmacht fiel. Als sie wieder zur Besinnung kam, fühlte sie aber den tröstenden Einfluss des Geistes Gottes und sie bereute, dass sie sich der Entmutigung hingegeben hatte.

[23:59] Es wurde dann auch ihr erster Sohn geboren, Henry White. Und Ellen G. White hat später dann eine Entscheidung getroffen, die ihr sehr schwer fiel. Ich möchte euch gerne einen Ausschnitt vorlesen aus dieser Zeit. Und Ellen G. White schreibt: "Zu dieser Zeit wurde mir gezeigt, dass der Herr uns zu unserem Besten geprüft hatte, um uns vorzubereiten, für andere zu wirken. Er hatte unser Nest aufgerührt, damit wir uns nicht in Ruhe und Bequemlichkeit niederließen. Unsere Aufgabe war es, für Seelen zu arbeiten. Wäre es uns wohlgegangen, würde unser Heim uns so angenehm gewesen sein, dass wir nicht bereit gewesen wären, es zu verlassen. So hatte der Herr Prüfungen über uns kommen lassen, um uns für noch schwerere Kämpfe vorzubereiten, denen wir auf unseren Reisen zu begegnen haben würden. Wir erhielten bald Briefe von Brüdern in den verschiedenen Staaten, die uns einluden, sie zu besuchen. Doch es fehlte uns an Geld, den Staat zu verlassen. Unsere Antwort lautete, dass uns der Weg noch nicht geöffnet wäre. Ich hielt es für unmöglich, mit meinem Kind zu reisen."

[25:14] Sie schreibt über diese Zeit: "Ich gestattete mir selbst und dem Kind einen halben Liter Milch pro Tag. Eines Morgens hinterließ mir mein Mann, als er zur Arbeit ging, neun Cents, um Milch für drei Tage zu kaufen. Ich überlegte, ob ich die Milch für mich und das Kind kaufen sollte, oder ein Hemdchen für das Kind. Ich verzichtete auf die Milch und kaufte das Kleidungsstück, um die nackten Arme meines Säuglings zu bedecken."

[25:51] Später wurde Henry sehr krank. Er war wie betäubt und sein Atem war kurz und mühsam. Sie haben dann Heilmittel ausprobiert, aber ohne Erfolg. Sie haben jemanden dazugerufen, der Erfahrung in Krankheiten hatte, aber auch die Person hat gesagt, dass die Genesung des Kindes zweifelhaft wäre. Ellen G. White hat geschrieben: "Wir haben für Henry gebetet, doch es war keine Besserung eingetreten. Wir hatten das Kind als Entschuldigung vorgebracht, dass wir nicht reisten und für das Wohl anderer arbeiteten. Jetzt mussten wir befürchten, dass der Herr im Begriff sei, es von uns zu nehmen. Noch einmal traten wir im Gebet vor den Herrn und baten ihn, sich unser zu erbarmen und das Leben des Kindes zu erhalten. Wir gelobten feierlich, dass wir im Vertrauen auf Gott ausgehen wollten, wohin er uns senden werde. Unsere Gebete wurden in Gnaden erhört. Von jener Stunde an begann unser Kind zu genesen."

[26:54] Es ist sehr bezeichnend, welche Einstellung Ellen und James White hatten zu ihrer Arbeit und zur Botschaft im Jahr 1848. Sie sagt: "Wir haben unter Arbeit, Strapazen, Schmerzen, Hunger, Kälte und Hitze gelitten, während wir uns bemühten, unseren Geschwistern Gutes zu tun. Und wir sind bereit, mehr zu leiden, wenn Gott es fordert. Ich freue mich heute, dass Bequemlichkeit, Vergnügen und der Komfort des Lebens ein Opfer auf dem Altar meines Glaubens und meiner Hoffnung sind. Wenn unser Glück darin besteht, andere glücklich zu machen, sind wir in der Tat glückliche Menschen."

[27:34] Später haben Ellen und James White dann gesehen, dass es wichtig war, dass sie sich von ihrem Sohn Henry trennen mussten, wenn sie die Botschaft Gottes weitertragen wollten. Und sie haben damals eine sehr schwierige Entscheidung getroffen, vor allem für Ellen, nämlich ihr Kind für fünf Jahre ungefähr in die Obhut der Haulands zu geben, um ihre Tätigkeit für den Herrn weiterzuführen.

[27:54] Im Juni 1849 haben Ellen und James ihr Heim in Rocky Hill, Connecticut, eingerichtet. Und hier wurde auch ihr zweiter Sohn James Edson geboren. Während sie an diesem Ort gewohnt haben, hat sich James White die Pflicht aufgedrängt, die gegenwärtige Wahrheit niederzuschreiben und zu veröffentlichen. Aber James White geriet wiederum in Zweifel und Verlegenheit, weil er mittellos war. Zuletzt hat er dann den Gedanken aufgegeben und hat beschlossen, sich nach einem Wiesnstück umzusehen, das er mähen konnte. Aber Ellen G. White wurde gezeigt, dass der Herr ihn vor einem Jahr gesegnet und ihm Kraft gegeben hatte, aber jetzt würde ihm keine Kraft geben, im Feld zu arbeiten. Er sollte im Glauben vorangehen und die gegenwärtige Wahrheit niederschreiben und veröffentlichen.

[28:50] Dann fing James White mit der Herausgabe einer kleinen Schrift an, mit einem wunderschönen Titel: "The Present Truth", die gegenwärtige Wahrheit. Die Druckerei war in Middleton, etwa acht Meilen von Rocky Hill entfernt. Oft hat James White diese Strecke hin und zurück zu Fuß zurückgelegt, obwohl er lahmte. Ellen G. White schreibt: "Als er die erste Nummer dieses Blattes von der Druckerei nach Hause brachte, knieten wir alle im Kreis nieder und baten den Herrn mit demütigem Herzen und vielen Tränen, seinen Segen auf den schwachen Bemühungen seines Dieners ruhen zu lassen. Dann sandte er das Blatt an alle, von denen er glaubte, dass sie es lesen würden, und trug es in einem Reisesack zum Postamt. Jede Nummer dieser Schrift wurde von Middleton nach Rocky Hill getragen. Jedes Mal, bevor sie aufs Postamt getragen wurden, beugten wir uns mit ernsten Gebeten und Tränen in den Augen vor dem Herrn und baten, dass sein Segen die stillen Boten begleiten möge."

[29:53] Sehr bald erhielten wir Briefe, denen Geld beigelegt war, zur Herausgabe des Blattes, sowie auch die frohe Kunde, dass viele Seelen die Wahrheit annahmen.

[30:05] Ich möchte gerne eine Aussage mit euch teilen, die Ellen G. White schreibt über den Einfluss unseres Schrifttums, den Einfluss unserer Literatur. Sie schreibt in dem Buch "Christus kommt bald", dort finden wir die Aussage auf der Seite 152: "Bald werden sich mehr als tausend Menschen an einem Tag bekehren, wovon die meisten ihre ersten Erkenntnisse auf das Lesen unseres Schrifttums zurückführen können." Diese Ausgabe kommt aus dem 14. Kapitel mit dem Titel "Der laute Ruf". Und ich möchte euch einfach ermutigen, dass ihr, wenn ihr mit dem Auto unterwegs seid, wenn ihr Menschen begegnet, dass ihr Literatur dabei habt. Gute Literatur, die den Menschen die Wahrheit für diese Zeit bewusst macht. Besonders ein Buch lege ich euch ans Herz, nämlich das Buch, das heute den Titel "Vom Schatten zum Licht" trägt. Das ist das Buch, was ich am meisten weitergebe in Verbindung mit einer Broschüre über die Gesundheitsbotschaft. Diese Arbeit soll nicht vergeblich sein. Und der Herr hat uns vorausgesagt, dass die meisten Menschen einmal ihre ersten Erkenntnisse, wenn sich mehr als tausend Menschen an einem Tag bekehren, auf das Lesen unseres Schrifttums zurückführen können.

[31:20] Im Jahr 1858 besuchten James und Ellen die verstreuten Sabbath-haltenden Adventisten in Ohio. Das Wochenende vom 13. zum 14. März verbrachten sie in Lovett's Grove und weil es kein gemeindeeigenes Gebäude gab, hielten sie die Versammlung in einem Schulhaus ab. Das seht ihr hier in der Zeichnung dargestellt. Am Sabbat starb der Sohn einer der Familien dort und James White wurde gebeten, noch bis Sonntag zu bleiben und die Beerdigung für die Familie, die dort ansässig war, durchzuführen. Ellen White fiel dann in eine Vision und das Gesicht dauerte zwei Stunden. An diesem Tag hat ihr Gott unter anderem den großen Kampf, wie wir das heute nennen, gezeigt.

[32:10] Am nächsten Tag reisten dann James und Ellen White mit dem Zug von Ohio nach Jackson im Bundesstaat Michigan und von dort nach Battle Creek, wo sie gewohnt haben. Als die Whites in Jackson ankamen, wurden sie von den Geschwistern Palmer, die schon früh den Glauben angenommen hatten, erwartet. Im Haus der Palmer erlitt Ellen allerdings einen Schlaganfall im Alter von 30 Jahren und niemand hat erwartet, dass sie den überleben würde. Als für Ellen gebetet wurde und sie sich schließlich stark genug fühlte, mit Hilfe ihres Mannes wieder nach Hause zu fahren, hat sie später geschrieben, dass sie eigentlich nicht damit gerechnet habe, ihre Söhne wieder zu sehen, weil sie als Folge des Anfalls den Tod erwartet hatte. Sie wollte das Gesicht, das sie in Ohio empfangen hat, aufschreiben, aber ihre Kräfte reichten dazu nicht aus. Und schließlich hat sie sich stark genug gefühlt, wenigstens eine Seite zu schreiben. Danach war sie zu erschöpft, um mit der Arbeit weiterzumachen und allmählich schaffte sie eine Seite pro Tag und dann mehrere Seiten.

[33:20] Sie schreibt: "Mehrere Wochen lang konnte ich keinen Druck der Hand oder das kälteste Wasser, das man auf mein Haupt goss, fühlen. Beim Aufstehen, um zu gehen, strauchelte ich oft und fiel manchmal zu Boden. In diesem leidenden Zustand fing ich an, über den großen Kampf zu schreiben. Zuerst konnte ich nur eine Seite am Tag schreiben und ruhte mich dann drei Stunden aus. Doch als ich fortfuhr, nahm meine Stärke zu."

[33:51] Schließlich hat sie dann das Manuskript für das Buch, das als "Spiritual Gifts" Band 1 bekannt ist, fertiggestellt. Und das war eigentlich die erste Ausgabe des Buches, "Der große Kampf". Einige Monate später hat ihr Gott in einem weiteren Gesicht gezeigt, dass hinter dem Schlaganfall in Jackson im Haus der Palmers Satan stand, der sie hatte töten wollen. Ellen G. White hat dann dieses ursprüngliche kleine Buch zu insgesamt fünf großen Bänden erweitert, die wir heute als die Entscheidungsserie kennen. Wenn wir diese Bücher durchlesen, dann sollten wir nie vergessen, dass vor allem der fünfte Band, "Der große Kampf", Ellen G. White beinahe das Leben gekostet hatte.

[34:30] Sie schreibt über dieses Buch: "Das Buch 'Der große Kampf' schätze ich höher als Silber und Gold, und ich wünsche sehr, dass es unter die Menschen kommt. Während ich das Manuskript für 'Der große Kampf' schrieb, war ich mir oft der Gegenwart der Engel Gottes bewusst, und wiederholt wurden mir die Bilder, über die ich gerade schrieb, noch einmal in Nachtgesichten dargestellt. So standen sie mir dann frisch und lebendig vor Augen."

[35:03] Ich möchte gerne diesen Vortrag abschließen mit einer Aussage, die Ellen G. White macht im Buch "Christus kommt bald" auf der Seite 33. Und sie schreibt: "Menschen mögen noch so viel Ränke schmieden und der Feind wird versuchen, Menschen von der Wahrheit wegzubringen. Aber alle, die glauben, dass der Herr durch Schwester White gesprochen und ihr eine Botschaft gegeben hat, werden sicher sein vor den vielen Täuschungen der letzten Tage." Wir werden im nächsten Vortrag auch sehen, dass Satan besonders in der Endzeit ein Interesse daran hat, das Zeugnis des Geistes der Weissagung wirkungslos zu machen. Aber Geschwister, jeder von uns, der Gottes Wort von ganzem Herzen annimmt und wenn wir erlauben, dass dieses Wort unser Leben verändert, dann werden wir diese Erfahrung machen, die hier geschrieben steht. Wir werden sicher sein vor den vielen Täuschungen der letzten Tage. Möge diese Aussage aus dem Buch "Christus kommt bald" deine und meine Erfahrung sein, während wir uns darauf vorbereiten, Jesus zu begegnen, wenn er wiederkommt. Amen.


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