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In dieser Folge von „Konstantin – Kaiser der Sonne“ wird die entscheidende Phase von 311 bis 316 n. Chr. beleuchtet, die als „Die Wende“ bezeichnet wird. Es wird die komplexe politische Landschaft des Römischen Reiches nach dem Tod von Galerius und dem Tod von Maximinus Daia thematisiert. Die strategischen Manöver und propagandistischen Fähigkeiten Konstantins werden ebenso beleuchtet wie die fortwährende Christenverfolgung im Osten und die sich wandelnde Rolle der Christen im Reich. Die Episode gipfelt in Konstantins Vormarsch auf Rom und der Schlacht an der Milvischen Brücke.


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Serie: Konstantin - Kaiser der Sonne

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Transkript

[0:38] Er hatte die Tolerierung des Christentums verkündet, aber würde das Schreiben von Galerius auch wirklich die größte und schwerste Christenverfolgung aller Zeiten beenden? Und welche Rolle würde Konstantin im Kampf um die Macht im Römischen Reich noch spielen? Herzlich willkommen zu Konstantin – Kaiser der Sonne, mit unserer dritten Folge: Die Wende. Es geht um einige Jahre, die nicht zu unrecht als weltgeschichtlich hoch bedeutsam eingestuft worden sind. Einige Jahre, die das Wesen der abendländischen Kultur, unsere ganze Geschichte maßgeblich beeinflusst haben und auch die Geschichte des Christentums.

[1:27] Wir haben das letzte Mal aufgehört mit diesem Bibelvers aus Offenbarung 2, Vers 10: „Fürchte nichts von dem, was du zu erleiden hast. Siehe, der Teufel wird etliche von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr geprüft werdet, und ihr werdet Drangsal haben zehn Tage lang. Sei getreu bis in den Tod, so werde ich dir die Krone des Lebens geben.“ Wir hatten gesehen, dass diese zehn Tage symbolisch für zehn Jahre stehen. Diese große Christenverfolgung begann im Jahr 303, so haben wir es in der ersten Folge gelernt. Und letztes Mal haben wir gesehen, dass schon im Jahr 311, nach acht Jahren, Galerius eben den gerade schon angesprochenen Brief verfasst hatte, indem er im Namen aller Kaiser – auch wenn es keine Deckung gewesen ist – das Christentum tolerierte. Die gefangenen Christen wieder freigelassen hatte, allerdings ihnen die konfiszierten Güter nicht zurückgegeben hatte.

[2:33] Wir haben aber auch gesehen, dass umgehend Maximinus Daia, der mittlerweile auch die Augustuswürde bekommen hatte und im Osten herrschte, diese Tolerierung sofort wieder unterminiert hatte. Die Christen mindestens genauso wie vorher schon der fanatische Galerius. Er begann jetzt all die Christen aus den Städten zu vertreiben.

[3:03] Galerius war todkrank und er hatte eigentlich nur noch einen Wunsch: Er wollte in seiner Heimat an der Donau sterben. So vertraute er seine Familie dem Licinius an, der ja eigentlich Augustus für den Westen sein sollte, aber jetzt hier dem todkranken Galerius unter die Arme griff und ihm bei der Verwaltung des Balkans und des von Kleinasiens half und jetzt auch seine Familienangelegenheiten besorgen sollte. Und so machte sich dann Galerius auf den Weg. Aber er hat seine eigene Heimatstadt Rom, Julianum, nicht einmal mehr erreicht. Er starb qualvoll auf dem Weg. Hier sehen wir eine Karte und hier sehen wir Serdica. Das ist der Ort, wo er sich zuletzt aufgehalten hatte, wo er den Erlass – oder nicht Erlass, sondern diesen Brief zur Tolerierung formuliert hat. Und hier in der Diözese, nicht in der Provinz Daraa, dann ja ungefähr hier an dieser Stelle, gar nicht weit entfernt von Nissa, wo Konstantin geboren worden war, starb er auf dem Weg einen überaus schmerzhaften und grausamen Tod.

[4:12] Die Bibel sagt: „Wenn der gottlose Mensch stirbt, so ist seine Hoffnung verloren, und die Erwartung der Gewalttätigen wird zunichte.“ Somit war eine neue Situation eingetreten. Galerius, der als Haupttäter den ganzen Balkan und Kleinasien unter sich hatte, war jetzt tot. Und die Frage stellte sich, wie es weitergehen würde. Licinius war ja eigentlich als Augustus für den Westen vorgesehen, war jetzt allerdings auf dem Balkan als Stellvertreter und nun als Nachfolger von Galerius aktiv. Und das hatte natürlich auch Auswirkungen auf die Frage, wessen Akzession weitergehen würde. Der ja immer noch als unser Partner dort in Rom saß. Konstantin lauerte.

[5:05] Maximinus Daia jedenfalls ahnte, dass jetzt eine gute Gelegenheit sein, seine Machtposition auszubauen und etwas Territorium dazu zu gewinnen. Dazu muss er seine Popularität noch steigern. Er entschloss sich, alle Städte im Osten von der Steuer zu befreien. Und kein Wunder, das hat ihm dort bei vielen Menschen äußerst beliebt gemacht. Wenn man Steuergeschenke verteilt, dann steigt die Popularität. Und er hat dann tatsächlich Kleinasien besetzt, also das Gebiet, das eigentlich vor dem Galerius gehörte, um deutlich zu machen, dass er nicht mehr nur mit seinem Herrschaftsgebiet zufrieden ist, sondern jetzt einen größeren Bereich für sich beanspruchte.

[5:55] Der Licinius wollte das natürlich nicht tatenlos hinnehmen, vor allem, weil er fürchtete, dass Maximinus Daia vielleicht sogar auf die europäische Seite hinüberkommen könnte. Und so eilte Licinius ebenfalls auf den Balkan und war am 9. Juni 311 hier in Serdica, wird auf der Karte sehen. Und von dort ging es dann weiter zum Bosporus, und dort trafen die beiden aufeinander: Licinius und Maximinus Daia. Die ihre Differenzen auf einer Insel im Meer bei Lebten vorläufig. Die Beziehung war keineswegs sehr freundlich und freundschaftlich, sondern professionell. Und man hat sich ein wenig belauert.

[6:41] Maximinus Daia erhielt jetzt tatsächlich Kleinasien als Herrschaftsgebiet, hat jetzt in Nicomedia residiert, die eigentliche Kaiserhauptstadt in der damaligen Zeit, in dem Gebiet die Residenzstadt zumindestens. Und hat sich geweigert, die von Galerius einige Monate zuvor verkündete Tolerierung offiziell für Kleinasien und den Osten zu verkündigen. Zwar haben einige hohe Offiziere durchaus darauf gedrungen, die Verfolgung einzustellen und entsprechend auch Anordnung gegeben, aber Maximinus Daia selbst hat das versucht zu verhindern und sich geweigert, diese Tolerierung offiziell anzuerkennen.

[7:26] Wir hatten also jetzt folgende Situation für mich auf der Karte sieht: Konstantin hatte den ganzen Bereich im Westen unter sich. Waren nominell immer noch nur Cäsar. Licinius, der offiziell ja gar nicht dazu gehörte, sondern sich das selbst erpusht hatte, hatte ganz Italien und Nordafrika. Licinius muss jetzt den Balkan und Maximinus den ganzen Osten inklusive Kleinasiens. Und dort gegen die Verfolgung immer weiter.

[7:58] Es bleibt unklar, ob Maximinus, wie manchmal vermutet worden ist, im Sommer 311 irgendwie militärisch gegen Konstantin vorgegangen ist. Wenn es so gewesen ist, haben wir keinerlei Details mehr, können das nicht mehr wirklich in den Quellen greifen. Vielleicht ist das Ganze auch nur ein Konstrukt der späteren konstantinischen Geschichtsschreibung. Das bleibt also etwas im Dunkeln.

[8:22] Was wir allerdings wissen, ist, dass Konstantin sich sehr wohl darum sorgte, wie er vor seinen Untertanen da stand. Und er war ein Meister der Propaganda, wie wir das schon hier und dort gesehen haben, wollen der letzten Folge. Und das zeigt sich jetzt auch im Sommer 311. Denn aufgrund der neuen politischen Situation gab es plötzlich eine neue Variante in der offiziellen Erzählung bezüglich seines toten Schwiegervaters, des ehemaligen Kaisers Augustus, Maximinus. Und zwar wurde jetzt behauptet, im Gegensatz zu dem, was zuvor offizielle Lesart war, dass der Vater von Fausta, also der Vater seiner Frau, von Konstantin, der Maximinus, offiziell eigentlich begnadigt worden sei, aber dass dann seine Tochter, die Fausta, die Ehefrau von Konstantin, einen Mord komplett aufgedeckt habe und dass Konstantin entsprechend ihn dann bestraft habe.

[9:20] Das sehr ab von der alten Version, nach der Maximinus offiziell sich selbst umgebracht habe, weil er sich der Gnade Constantins nicht würdig empfunden habe. Und jetzt zeigt man hier, sieht man, wie sehr Konstantin in der Lage war, das Narrativ zu verändern, wenn es der politischen Situation ja günstig erschien und an gelegen zu sein schien.

[9:49] Konstantin schreckte nicht davor zurück, die Wahrheit zu verdrehen, um daraus politischen Gewinn zu erzielen. Das wird uns noch im Laufe dieser Serie beschäftigen, denn wir sehen jetzt, dass wir späteren Verlautbarungen über zurückliegende Ereignisse nicht ohne weiteres vertrauen können. Wir müssen immer erst schauen, was sagen die Zeugnisse aus der unmittelbaren Zeit. Und dann kann man das vergleichen mit späteren Berichten, die dann oft propagandistisch eingefärbt sind.

[10:20] Am 2. Juli 311 wurde in Rom von der Gemeinde dort ein neuer Bischof, ein neuer Gemeindeleiter der Christen gewählt. Fast drei Jahre lang hatte es dort keinen Bischof gegeben. Nun wurde Miltiades gewählt, und der wird uns gleich auch noch etwas beschäftigen.

[10:45] Maximinus hat auf jeden Fall gemerkt, dass er noch mehr Unterstützung von den Christen in der Stadt Rom gebrauchen könnte. Und hat sich entsprechend dann, nachdem wir ja schon Jahre zuvor direkt bei seinem Machtantritt die Christen toleriert hatte, ihnen jetzt auch, sowie Konstantin das schon 306 gemacht hatte, alle ihre konfiszierten Güter zurückgegeben. Das Ganze kam allerdings doch etwas spät aus unserer heutigen Perspektive. Er hat damit nicht mehr viel Rückhalt bei den Christen gewinnen können, die mehrheitlich schon wohl mit dem Konstantin in Gallien sympathisiert haben.

[11:25] Es war nun ganz deutlich für Maximinus, dass er einem Krieg sowohl mit Licinius, der ja sowieso überhaupt ihn vertreiben sollte, und auch Konstantin, der propagandistisch auf Abstand gegangen war, vor ihnen. Das ist ein Krieg unausweichlich war und er muss sich darauf vorbereiten. Womöglich ist diese Maßnahme, den Christen entgegenzukommen, auch ein Versuch gewesen, hier noch Unterstützung zu erhalten. Und das zeigt uns auch, welch ein politisches Gewicht die Christen mittlerweile auch schon hier im Westen des Römischen Reiches gehabt haben.

[11:59] Währenddessen ging es den Christen ganz im Osten unvermindert schlecht. Ja, Maximinus hat noch einmal die Verfolgung intensiviert und zwar ab dem 26. November 311. Der Bischof von Alexandria, einer der allerwichtigsten christlichen Zentren überhaupt, wird gefangen genommen und hingerichtet. Ein schwerer Schlag für die ganze christliche Kirche, nicht nur dort im Osten. Er fördert, wir gesagt, weiter die Vertreibung der Christen aus den Städten und möchte auch, dass langfristig das Christentum aus den Köpfen verschwindet.

[12:43] Und deswegen lässt er eine Maßnahme, die die Schulen betrifft. Das ist ja kein Geheimnis, dass Erziehung und Bildung einen großen Einfluss auf das Wertesystem und die Weltanschauung eines Menschen hat. Und so fordert er, dass in allen Schulen in seinem Herrschaftsbereich die seltsamen, so genannten Taten des Pilatus gelesen werden. Ein gotteslästerliches Werk, in dem Christus und die Christen auf üble Weise verschmäht werden.

[13:12] Außerdem gibt es immer wieder Berichte von Orakeln, die zum Angriff auf Christen aufrufen. Und Maximinus Daia ist Heide genug, um diesen Orakeln zu glauben und der Meinung zu sein, dass die heidnischen Götter ihn beauftragt haben, das Christentum auszurotten.

[13:36] In dieser Zeit stirbt Diokletian, genau genommen am 3. Dezember 311. Und das in ziemlicher Verzweiflung, denn er hatte mitbekommen, dass im Zuge der Zerstörung der Statuen von Galerius man nicht besonders sorgsam gewesen ist, doch durchaus immer wieder auch Statuen von Diokletian zerstört hatte. Er musste am Ende seines Lebens mit ansehen, wie das System, das er geschaffen hatte, die Therapie, mit der man ja eigentlich diese Krise des dritten Jahrhunderts, wie wir sie heute nennen, überwunden hatte, dass dieses System jetzt in diesem Bürgerkrieg zwischen den einzelnen Kaisern zerbrach und auseinanderfiel. Und Julian hat wohl im Sterben den Eindruck gehabt, dass ein ganzes Lebenswerk umsonst gewesen ist.

[14:28] Auch eine ziemlich tragische Figur, dieser Diokletian, der letztendlich auch in die Geschichte damit eingegangen ist, dass er derjenige war, wenn auch vielleicht auf das Drängen von Galerius, der diese größte und schwerste Christenverfolgung angezettelt und befohlen hat.

[14:46] Konstantin hat währenddessen erneut politisch sich Gedanken gemacht. Maximinus war sein Feind und auch Licinius war der Feind von Maximinus. Und so schien es sich anzubieten, sich mit Licinius zu verbinden. Wie ging das damals? Ganz klar, durch Heiraten. Und so hat Konstantin seine Schwester, die Constantia, dem Licinius zur Ehe angeboten. Ob er wieder mal gefragt hat, ist wahrscheinlich eher unwahrscheinlich. Aber die geopolitische Lage schien das anzuraten zu sein, denn er war ja im Westen und Licinius hatte den Balkan. Und wenn sie gemeinsam alle ihr zusammenarbeiten würden, dann könnten sie, so war die Überlegung, Maximinus in die Mangel nehmen und einkesseln.

[15:33] Währenddessen ging die Verfolgung im Osten weiter. Maximinus Daia hat höchstpersönlich dafür eingesetzt, dass namhafte Christen wie der gelehrte Lucian zum Tode verurteilt worden sind. So geschehen am 7. Januar 312. Das Töten und Foltern ging unvermindert weiter, obwohl sich Konstantin aus dem Westen zu Wort meldete und das Ende der Verfolgung forderte. Aber Maximinus Daia hatte überhaupt keine gar nicht daran gedacht, auf diese Proteste des Konstantin irgendwie zu reagieren.

[16:13] Maximinus hat realisiert in Rom, dass eben die Unterstützung so langsam abhanden kam. Der Senat hat nicht wirklich ihn unterstützt. Das lag auch daran, dass Maximinus trotz seiner großen Versprechen, die er 306 gegeben hatte, wieder eine Stadt-römische Politik zu verfolgen, nicht wirklich den Senat eingebunden hatte und selber natürlich jetzt sehr unzufrieden. Dazu kam, dass Maximinus für den Aufbau einer guten Armee Steuern braucht. Aber wo sollen die Steuern an das herkommen, als aus seinem eigenen Herrschaftsgebiet aus Italien? Und Italiener waren es nicht gewohnt, selbst besteuert zu werden, und die Römer schon ganz und gar nicht. Die lehnten also Steuern ab. Und das hat Maximinus in die schwierige Lage gebracht, für die Verteidigung seines Herrschaftsgebietes aufkommen zu müssen, ohne dafür eigentlich ein Einkommen zu haben.

[17:01] So war er nicht besonders gut vorbereitet. Die spätere christliche, pro-konstantinische Geschichtsschreibung hat ihn als Tyrannen dargestellt. Wenn es schon letztes Mal kurz thematisiert, und es gibt einige Berichte, die später von Christen aufgezeichnet worden sind, wie zum Beispiel von Pionius, Episoden, die berichten, wie er angeblich Frauen habe abholen lassen, von auch hochstehenden römischen Politikern, um sie dann zu schänden, um sie zu vergewaltigen. Das mag im Detail sogar zum Teil zutreffen. Wir können das aber nicht wirklich genau belegen. Vielleicht ist das zum Teil auch übertrieben oder einfach falsche Charakterisierung, um ihn als Tyrannen darzustellen.

[17:41] In einer berühmten Geschichte wird davon gesprochen, dass so eine Frau dann lieber Selbstmord begangen hat, als sich von Maximinus vergewaltigen zu lassen. Und dann überraschte Konstantin alle. Maximinus selbst glaubte eigentlich, dass Licinius ihn angreifen würde und hatte deswegen seine ganze Armee in Nordostitalien, in Verona, stationiert. Aber Konstantin kam überraschend über die Alpen, um ihn jetzt von Westen anzugreifen.

[18:15] Das war so gewagt, dass wohl Constantins eigene Generäle und Berater davon Silber rascht gewesen waren. Zum einen, weil es eigentlich offensichtlich keine direkte Note gab, die Initiative zu ergreifen. Zum anderen, weil Konstantin zwar eine Armee von etwa 120.000 Soldaten hatte, allerdings große Teile davon er brauchte, um weiterhin Britannien und Gallien oder Spanien zu sichern. So konnte er nur mit 40.000 Mann die Alpen überqueren, und das war, um Maximinus in Italien anzugreifen, keine allzu große Armee.

[19:01] Interessanterweise ist es so, dass die Armee von Konstantin vor allem auch auf Soldaten aus Gallien, also von Gallien und Germanen bestand und damit etwas begann, was später in der römischen Geschichte noch wichtig werden würde, die sogenannte, wenn auch heute manchmal etwas kritisierte, barbarische Zusammensetzung der römischen Armee. Das also nicht nur römische Soldaten dort kämpften, bei heutzutage oft umstritten ist, was eigentlich damit gemeint ist, mit römischen Soldaten, sondern auch viele einheimische Germanen und Gallier.

[19:28] Auf jeden Fall ist Konstantin über die Alpen gezogen. Eine Stadt auf der östlichen Seite der Westalpen, Segusio, das heutige Susa, hat sich ihm entgegengestellt und wurde zur Strafe komplett verbrannt. Konstantin hat allerdings Plünderung verbieten lassen. Und dann traf er auf die Stadt Turin. Dort gab es einige Truppen von Maximinus, die aufhalten wollten, wurden aber durch ein Manöver besiegt. Und Turin hat dem Konstantin die Tore geöffnet.

[19:59] Damit war es nicht die einzige Stadt. Die anderen norditalienischen Städte fingen auch an, sich von Maximinus abzuwenden und sandten Konstantin ihre Glückwünsche. Konstantin bekam also den Eindruck, dass er hier eher als Befreier gesehen wurde, denn als Invasor, als Aggressor. Entsprechend ist er dann nach Mailand gezogen, wird besonders euphorisch begrüßt worden ist. Das hat selbst den Konstantin überrascht. Und so zog er dann weiter gen Osten, Richtung Verona.

[20:36] Dort war ja eine an ein Hauptteil der Armee von Maximinus stationiert, weil man ja, wie gesagt, eigentlich einen Angriff aus dem Osten von Licinius befürchtet hatte. Auf dem Weg trafen bereits eine Abteilung der Kavallerie des Maximinus. Wurde vernichtet. Und dann begann er die Belagerung von Verona. Maximinus entsandte Truppen, die für Verona entsetzen sollten, doch Konstantin siegt und nahm viele Gegner gefangen. Aufgrund dessen hat dann auch Aquileia, eine Stadt hier auf der Karte, nicht eine Zeit habe ich hier ganz im Osten, dort fast an der Grenze dann des Gebietes von Zensus, kapituliert. Und damit war Konstantin jetzt der uneingeschränkte Herrscher in Norditalien. Konnte sein Angesicht aufrichten und hatte sozusagen den Rücken frei.

[21:36] Auch Maximinus zog in den Krieg. Er war von Nicomedia nach Antiochia gezogen und führte dann im Herbst 312 einen Feldzug nach Mesopotamien. Aber er ist in der Geschichte wenig beachtet worden, wegen einem anderen Feldzug, der im Herbst 312 die Aufmerksamkeit aller auf sich zog und buchstäblich die Geschichte dieser Welt verändert hat. Konstantin zog jetzt gegen Rom. Man kann sich fragen, was er eigentlich im Schilde geführt hatte. Denn möglicherweise war ja gar nicht von Maximinus wirklich angegriffen worden.

[22:12] Und es gibt Überlegungen, die sagen, es kann sein, dass Konstantin kühl, berechnend überlegt hat, dass wenn er wartet, bis Licinius Maximinus angreift und besiegt, dass er dann nichts mehr von Italien ab bekommt. Er hat also vermutlich tatsächlich seinem eigenen Verbündeten, Licinius, schlicht und ergreifend zuvorkommen wollen und sich das Stück Italien selbst zu erobern wollen und Rom erobern wollen, um dann den ganzen Westen alleine für sich zu kontrollieren.

[22:49] So belagerte also jetzt im Herbst 312 Rom mit seiner Armee. Und das war eine Situation, die wir, wie wir letztes Mal gesehen haben, schon zweimal erlebt hatten in Rom im Jahre 306. Das war zum einen der Severus und dann auch Galerius, die jeweils hatten Rom erobern wollen und beide waren gescheitert. Maximinus hatte nicht einmal wirklich kämpfen müssen. Und so hat Maximinus auch erst mal gewartet und gehofft, dass die Sache genau so ausgeht, wie einige Jahre zuvor.

[23:24] Er hat auch alle Brücken am Tiber zerstören lassen, unter anderem auch die berühmte Milvische Brücke, die auf den berühmten Gemälden immer eingezeichnet ist, die aber, so wissen wir eigentlich aus den historischen Quellen, zerstört worden war, damit eben Konstantin da gar nicht erst hinüber kommen konnte. Aber diesmal war es anders als bei den Belagerungen unter Severus und Valerius. Diesmal war das Volk in Rom unruhig. Es hielt sich das hartnäckige Gerücht, dass Konstantin unbesiegbar sei und dass es besser wäre, wenn Konstantin in Rom regiere als Maximinus hier.

[24:04] Hier sehen wir eine Karte des modernen Roms und hier sehen wir, ungefähr, das sind ungefähr hier wäre das alte antike Rom, die Ausmaße. Hier haben wir etwas außerhalb an dem Tiber die berühmte Milvische Brücke, die dann zerstört worden ist. Hier haben wir ein Bild heute von dieser Milvischen Brücke, dem Tiber. Dort fand es in der Nähe statt, allerdings war Konstantin noch etwas weiter nördlich hier stationiert. Hatte sogar ein Gefecht zuvor gegen Truppen des Constantius verloren und hatte noch einmal seine – möchte seine seine Streitkräfte sammeln müssen für den eigentlichen Angriff.

[24:57] Und dann berichten uns Zeitquellen, vor allem Lactantius, über den wir gleich noch sprechen werden, dass Konstantin im Oktober 312 dort im Heerlager in der Nacht einen Traum gehabt habe. Wohlgemerkt, einen Traum! Und im Traum habe er folgendes gesehen, so berichtet er selbst. Er habe das so...

[25:25] So berichtet er selbst, er habe das sogenannte Chi-Rho gesehen. Chi und Rho sind einfach zwei griechische Buchstaben, die zusammen den Anfang des Titels "Christus" bilden. Das, was aus unserer Sicht wie ein X aussieht, ist der Buchstabe Rho, das ist also CH. Und das, was aussieht wie ein P, ist das Rho, also R. Christus.

[25:55] Und er entscheidet sich dann in einer sehr spektakulären Entscheidung, dieses Zeichen, das übrigens zuvor gar nicht so selbstverständlich überall von den Christen erwartet worden ist – es gibt wohl hier und dort einige Abbildungen auch in den Katakomben von Rom – es war nicht das Erkennungszeichen der Christen. Er hat es dazu gemacht. Er entscheidet sich, dieses Zeichen auf die Schilde seiner Soldaten malen zu lassen. Mit anderen Worten: Christus, der Gott der Christen, soll jetzt zum Schlachtenhelfer in diesem Bürgerkrieg werden.

[26:39] Dieses Zeichen findet sich dann auch auf zeitgenössischen Münzen, wie hier diese Münze. Wie man sieht, umgedreht, so dass sich so ein Logo entwickelt. Und sollte also jetzt nicht nur seine eigenen Armee, sondern auch den Christen in Rom suggerieren, dass Konstantin mit Christus selbst kämpft und für die Christen kämpft.

[27:09] Was aber ist mit der weit verbreiteten Geschichte, er habe dort eine besondere Erscheinung am Himmel gesehen, eine Vision gehabt? Nun, die einzige Vision, von der uns Zeitgenossen berichten, ist jene, die wir schon letztes Mal betrachtet haben, nämlich die aus dem Jahre 310. Wir haben ja gesehen, dass er dort wahrscheinlich so einen Halo-Effekt gesehen hat in der Sonne, so ein Kreuz in der Sonne. Was von ihm und von allen seinen Beratern als eine Vision des Sol Invictus, des Sonnengottes, des Apoll gedeutet worden war.

[27:50] Woher kommt also diese Geschichte, er habe 312 eine Vision gehabt? Das ist auch Gegenstand unserer Geschichte und wir werden das in den kommenden Folgen noch weiter verfolgen und entschlüsseln. Wir haben das schon gesehen, dass Konstantin selbst ein Meister der Propaganda gewesen ist. Wir können ja nicht einmal wirklich nachprüfen, ob er diesen Traum mit dem Chi-Rho wirklich gehabt hat, oder ob er hier einfach aus machtpolitischem Kalkül entschieden hat.

[28:24] Eins ist sicher: Die Welt glaubte für Jahrhunderte und glaubt zum Teil noch heute, dass hier Konstantin sich möglicherweise bekehrt habe, dass er Christ geworden sei. Aber von einer Bekehrung finden wir keine Spur. Wir finden keinen Hinweis, außer dieser Entscheidung, die Anfangsbuchstaben von Christus als Schlachtsymbol zu nehmen für einen Krieg.

[28:52] Eine echte Bekehrung sieht nach der Bibel ganz anders aus. Jesus hatte zu Nikodemus in Johannes 3 geantwortet und sprach zu ihm: "Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen." Eine Bekehrung ist ein Neuanfang. Da geht das Leben nicht einfach so weiter. Man setzt nicht einfach irgendein Logo-Symbol auf seine Kleidung und zieht dann in dem gleichen Trott weiter. Nein, das Leben verändert sich.

[29:24] Die Regierung hat etwas damit zu tun, dass man Schuld bekennt und lässt. Sprüche 28, Vers 13 sagt: "Wer seine Schuld verheimlicht, den wird es nicht gelingen. Wer sie aber bekennt und lässt, der wird am Herzlichkeit erlangen." Bekehrung und Lösung bedeuten, dass man erkennt, dass man Sünder ist, dass man nicht Hilfe von Gott braucht und den Tod Jesu, der stellvertretend für dich und für mich, lieber Freund, gestorben ist, diesen Tod anerkennt und Vergebung bekommt. Dass man bereit ist, dann auch seine Sünden zu lassen und durch die Kraft Gottes auch ihm gehorsam zu sein.

[30:04] Deswegen sagt die Schrift: "Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden." Das Denken, das Fühlen, der Charakter – alles beginnt sich fundamental zu verändern. Man tut auch andere Dinge. Paulus sagte Epheser 2, Verse 10: "Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen." Das ist wahre Bekehrung.

[30:34] Sie zeigt sich daran, dass man die Dinge tut, die Gott wohl gefallen, die Jesus selbst getan hat. Aber Konstantin hat aus politischen Gründen ein Zeichen, ein christliches Zeichen, auf die Kriegsausrüstung seiner Soldaten malen lassen. Das mit der Behauptung, er habe im Traum diesen Auftrag erhalten. Das ist alles, was in jener Nacht passiert, wenn es überhaupt diesen Traum gegeben hat, was wir nicht beweisen können.

[30:58] Wir können es aber auch nicht widerlegen. Deswegen können wir das offenhalten.

[31:15] Maxentius war in seiner Stadt so unsicher, dass er etwas tat, was er bei der Belagerung des Severus und des Galerius niemals getan hatte. Etwas, das letztendlich auch Konstantin in die Hände spielte. Er zog mit seinem Heer aus der Stadt heraus. Vielleicht hätte Konstantin Rom nie wirklich erobern können.

[31:35] Maxentius hatte Angst, dass möglicherweise die Bewohner der Stadt ihn ausliefern könnten. Und so wollte er dieses Risiko umgehen und in einer offenen Feldschlacht Maxentius, Konstantin besiegen. Es war der 28. Oktober, auf den Tag genau sechs Jahre, nachdem Maxentius sich in Rom die Macht erobert hatte. Wir hatten das ja das letzte Mal angeschaut. Hat sogar noch die Sibyllinischen Bücher konsultiert und ein Orakel habe ihm angeblich prophezeit, dass an jenem Tag der Feind Roms getötet werden würde.

[32:14] Das war, wie so oft, natürlich, wenn es das, wenn es der Wahrheit entspricht, diese Anekdote, ein sehr, sehr vages, eine sehr vage Vorhersage, die man im Nachhinein immer so drehen konnte, wie man wollte. Aber so kam es am 28. Oktober 312 zur berühmten Schlacht an der Milvischen Brücke.

[32:34] Maxentius ist also mit seinem Heer aus Rom gezogen und da er vorher die Brücken abgebrochen hatte, inklusive der Milvischen Brücke, die es also eigentlich so gar nicht gab, musste jetzt eine Brücke konstruieren. Vermutlich war es eine Schiffsbrücke, mit der er jetzt seine Soldaten über den Tiber übersetzen. Und es war eine solche Schiffsbrücke, die sich später dann als sehr wenig belastbar erwies.

[32:59] Wir haben schon gesehen, hier auf der Karte, wo die Milvische Brücke ist. Und wir sehen hier bei dieser gekreuzten roten Stelle, dort fand die eigentliche Schlacht statt, also gar nicht direkt an der Milvischen Brücke, sondern ein paar Meilen weiter nördlich. Und erst als dann Konstantin die Oberhand behielt und die Truppen von Maxentius zurückdrängte, ist es dazu gekommen, dass man sie in den Tiber hineingestoßen hat, weil eben diese Schiffsbrücke nicht dazu ausreichte, die zurückweichenden Verteidiger Roms über den Tiber zu bringen.

[33:38] Und wir haben einen Bericht dieser ganzen Schlacht bei Lactantius in seinem Buch "Über die Todesarten der Verfolger". Es heißt hier: "Dem Traum wurde Konstantin aufgefordert, das himmlische Zeichen Gottes auf den Schilden anbringen zu lassen und dann die Schlacht zu beginnen." Dass das gerade gesehen haben, dieses Chi-Rho. Er kam dem Befehl nach und indem er den Buchstaben Chi waagerecht legte und die obere Spitze umbruch zeichnete, er Christus auf die Schilde.

[34:05] Lactantius war ein Christ, aber Lactantius wusste zu diesem Zeitpunkt nichts von irgendeiner Vision, die sich herumgesprochen hätte. Die Hand Gottes waltet über dem Schlachtfeld. Schrecken, wie viel das Heer des Maxentius, er selbst, wandte sich zur Flucht und eilte zur Brücke, die teilweise abgebrochen worden war. Die Menge der Flüchtenden stürzte demnach und drängte ihn in den Tiber. Und so war endlich der erbitterte Krieg beendet und Konstantin wurde unter der großen Freudengebeugung von Senat und Volk als Imperator begrüßt.

[34:41] Hier sehen wir zeitgenössische Darstellung, eine zeitgenössische Darstellung, die dann auf dem Triumphbogen von Konstantin abgebildet worden ist. Und hier, eines dieser berühmten späteren Schlachtengemälde. Die Christen glaubten wirklich also, dass Konstantin hier für sie kämpfen würde und nahmen ihn begeistert auf.

[35:03] Konstantin hat dann in Rom einen Triumphzug gefeiert und zwar mit dem Kopf des Maxentius. Also eine sehr grausame Sache. Er hat sich aber – und das ist sehr interessant – geweigert, dort auf dem Kapitol dem Jupiter zu opfern. Er wollte also hier nochmal deutlich machen, dass er das mit dem Christentum durchaus ernst meinte, obwohl er selbst auch immer noch, sehen wir, gar kein Christ zu diesem Zeitpunkt war.

[35:34] Allerdings haben etliche der Heiden in Rom das übel genommen und sich gefragt, warum er dem Jupiter nicht opfern wolle. Er hat dann auch den Kopf des Maxentius nach Afrika gesandt, um dort – auch in Nordafrika, das ja auch zum Herrschaftsbereich des Max gehörte – deutlich zu machen, dass er jetzt der neue Herrscher sei. Er hat dann Rom entmilitarisiert, alle noch verbleibenden Prätorianer und Soldaten weggeschickt, um dort die Gefahr zu bannen und hat im Senat dann sich gerechtfertigt, wenn wir diese Stadt erobert haben, nämlich Maxentius sei ein Tyrann gewesen.

[36:13] Auch hier wieder die Propaganda des Konstantin, die sehr deutlich zu sehen ist. Er hat allerdings – und das zeigt, dass das Folgerung eben doch auch zum Teil Propaganda war – die Beamten des Maxentius durchaus eingebunden. Es war wohl also gar nicht alles schlecht, was Maxentius so getan hatte. Es gab keine Stunde Null, keinen Neuanfang, sondern vor allem eigentlich nur einen neuen Herrscher. Und Konstantin hat das Ganze dann entsprechend propagandistisch begründet.

[36:39] Er hat dann auch den Senat sehr gefördert. Das war natürlich eine sehr kluge Entscheidung und die haben sich entschlossen, ihn Konstantin, der bis zu diesem Zeitpunkt jetzt erstmal noch nur mit Cäsar gewesen war, zum Augustus zu machen. Und zwar zum allerersten Augustus, noch vor Licinius und vor Maximinus Daia. Konstantin hatte also genau das bekommen, was er sich wohl offensichtlich gewünscht hatte.

[37:05] Und die Basilika, die Maxentius hatte bauen lassen, die aber noch nicht ganz fertig war, die wurde jetzt im dem Konstantin geweiht. Dort wurde dann auch ein zehnmal größeres Bild von ihm aufgestellt, das zehnmal größer war als er selbst. Eine monumentale Statue von Konstantin, von der wir noch hier auf dem Bild so einen abgebrochenen Kopf kennen, der heute in Rom in den Kapitolinischen Museen ausgestellt ist.

[37:40] Hier haben wir die Basilika, die heute noch zu sehen ist. Sie auch heute wieder Markus-Basilika heißt, weil sie von ihm erbaut worden ist. Die aber dann jetzt dem Konstantin geweiht war. Und dort in dieser riesigen Halle der Basilika wurde diese gigantische Statue von ihm aufgestellt.

[37:54] Das Problem war natürlich, dass ein Bürgerkrieg eigentlich nicht besonders ruhmvolle man hat gegen Römer gekämpft. Aber die Lobreden davon konstatierten haben auch da wieder einen Twist hingekriegt und das Ganze umgedreht.

[38:06] Hören wir, was sie sagen: "Alexander der Große errang seine Siege über die wankelmütigen, peters- und kriegerischen Silberpfeile schießenden Völker Kleinasiens, die für ihr Sklavenleben nur einen neuen Herrn bekamen. Du aber musstest deinem Sieg über Soldaten ringen, mit anderen Worten, ein Sieg über Römer erst auf den ruhmvoller als über Fremde. Du aber, ja, die kurz vor noch Römer gewesen waren, mit allen Waffen der ersten Bürgerklasse ausgerüstet, im Bewusstsein ihres Treffens, waren sie entschlossen, niemals zu weichen, es sei denn im Tod. Glaubst du, wir wüssten nicht, dass du, als dich feuriger Kampfesmut riss, mitten unter die Feinde geraten bist und so, wenn du dir nicht durch Mord und gemessen einen Weg zurückgewalt, Herr, gebannt hättest, beinahe die Hoffnung der gesamten Menschheit betrogen hättest? Als seine Feinde nieder gemacht oder in die Flucht geschlagen waren und auch ihr Anführer tot war, haben da nicht seine Begleiter unter Tränen nach dir gegriffen? Haben sie dich nicht erleichtert, umarmen deine Brust, die Blut besudelt Hände und alles übrige, was von dir aus dem Blutbad des Mordens empor getaucht war?"

[39:05] Das klingt nicht so, als ob hier jemand ganz frisch Christ geworden ist.

[39:10] Nun sah die Sache also so aus: Konstantin war der erste Augustus und Licinius und Maximinus Daia weiterhin Augustus. Konstantin hatte jetzt den gesamten Westen unter sich und er förderte die Christen, z.B. mit einem Bau, der bis heute die Weltgeschichte prägt, nämlich die berühmte Lateran-Kirche. Bis zum heutigen Tag die eigentliche Hauptkirche, nicht der Vatikan, sondern der Lateran des römisch-katholischen Papsttums. Die Lateran-Kirche heißt es, wenn wir dran Kirche, weil das Grundstück ursprünglich einem gewissen Claudius Lateranus gehörte. Dort Soldaten des Maxentius campierten und genau dort schenkt jetzt der Konstantin der Kirche einen ein Grundstück, um dort eine Kirche zu bauen, die größte Kirche, die es bis dahin jemals gegeben hat.

[40:16] Er sie wird auch von Konstantin reich beschenkt. Er möchte, dass die Kirche wissen, dass er in sie investiert. Interessant ist allerdings, dass die Kirche wie ein heidnischer Tempel, Achtung, zur Sonne ausgerichtet wird, nach Osten. Und von der Architektur eher an eine kaiserliche Audienzhalle erinnert, wie zum Beispiel Konstantin aus Trier kennt. Also, wenn man die ursprüngliche Anlage der Lateran-Kirche vergleicht mit der Basilika in Trier, sieht man ganz deutlich, dass das eigentlich Vorbild gewesen ist. Also die kaiserliche, die kaiserliche Ideologie und die Sonnenideologie mischen sich hier zu einem frühen Zeitpunkt spürbar in diesen Kirchenbau.

[41:01] Es gibt eine Rekonstruktion von Projektleiterin und die sieht ungefähr so aus, wie man sehen kann, wie diese Lateran-Kirche ursprünglich einmal ausgesehen haben muss.

[41:13] Die Lateran-Kirche war nicht die einzige, die Konstantin investiert hat. Er hat jetzt begonnen, massiv Kirchen bauen zu lassen, vor allem in Rom und drumherum. Auch in Afrika sollten die Christen ihre bisherigen Güter alle zurückerhalten und er hat sich auch an den Osten, an Maximinus Daia, gewandt und sehr autoritativ das Ende der Verfolgung gefordert.

[41:41] Also, es ist ohne Frage, Konstantin hat die Christen sehr gefördert, mehr als irgendjemand zuvor. Er hat sie nicht nur toleriert, er hat sie sehr privilegiert und hat sich für sie eingesetzt. Die Frage ist natürlich so ein bisschen, warum bis zu diesem Zeitpunkt, können wir sehen, er selbst ist kein Christ. Er tut das vor allem offensichtlich aus machtpolitischen Erwägungen.

[42:06] Anfang 313 kam es dann in Mailand zu einem wichtigen und berühmten Treffen. Nachdem Konstantin ein paar Monate in Rom zugebracht hat, ist er nach Norden gereist und hat dort Licinius getroffen. Die beiden waren ja verbündet und dieser Bund wurde jetzt offiziell bekräftigt. Licinius hat tatsächlich die Schwester von Konstantin, die Constantia, geheiratet und Konstantin hat Licinius auch davon überzeugt, im Osten dieselben pro-christlichen Maßnahmen durchzuführen, wie er sie jetzt im Westen verkündet hatte. Und man verabredet auch, dass Licinius den Maximinus Daia besiegen soll und dann über den Osten regieren soll.

[42:50] Besonders wichtig ist allerdings dieses Treffen geworden durch ein Schreiben, das sie beide verfassen und das uns sowohl bei Eusebius als auch bei Lactantius überliefert ist. Wortes und weil es so wichtig ist, lesen wir das Zitat komplett. Es ist etwas länger, aber es hatte auch große Bedeutung für die Weltgeschichte gehabt. Und zwar heißt es hier: "In der Erkenntnis, so sprechen die beiden Kaiser, dass die Religionsfreiheit nicht verwehrt werden dürfte, das ist vielmehr einen jeden gemäß seiner Gesinnung und seinem Willen, Verstand sein solle, nach eigener Wahl sich religiös zu betätigen, haben wir bereits früher befohlen, lassen auch den Christen das Schutzversprechen für ihre Gemeinschaft und ihren Kult sorgfältig angedeihen zu lassen."

[43:36] Es geht also um die Tolerierung der Christen und allgemeine Religionsfreiheit. "Da aber in jenem Reskript, worin ihnen diese Freiheit zugestanden wurde, viele und verschiedenartige Bedingungen ausdrücklich beigefügt erschienen, so ließen sich viele, manche von ihnen nach kurzer Zeit von solcher Beobachtung abdrängen." Und jetzt kommt der große Hauptschlusssatz, der uns bei Lactantius überliefert wird, auf Latein, wahrscheinlich dem Original: "Nachdem wir nämlich Kaiser Konstantin, wie auch ich, kann seine Licinius, glücklich in meiner Zusammenkunft waren und über alles berichten, was dem Wohl und der Sicherheit des Staates dient, glaubten wir, neben dem Übrigen, dass wir sehr vielen Menschen zum Nutzen gereichen, sahen ganz besonders den Bereich regeln zu wollen, der sich auf die Verehrung der Gottheit bezog, um sowohl den Christen als auch allen anderen die uneingeschränkte Möglichkeit zu geben, die Religion auszuüben, die ein jeder wollte, damit jede Gottheit in ihrer himmlischen Wohnung uns und allen, die unter unserer Herrschaft leben, gewogen und gnädig sein kann."

[44:32] Deshalb bauten wir folgenden Entschluss in vernünftiger und völlig richtiger Erwägung fassen zu wollen, dass sie überhaupt niemandem die Möglichkeit versagen zu dürfen meinte, der entweder dem Kult der Christen oder der Religion seine Aufmerksamkeit schenkte, die seiner persönlichen Auffassung nach in die geeignetste ist. So, dass uns die höchste Gottheit ist ein Begriff, den wir oft jetzt noch finden werden, die Summe, die Vinetta, das ist dieser monotheistische Sammelbegriff, unter dem sich alles zusammenfassen lässt.

[44:59] Auch das Christentum für Konstantin und Licinius, geht es darum, diese oberste Gottheit, die jeder für sich frei definieren kann, dass die geehrt wird. Lesen Sie weiter: "Während Verehrung wir aus freiem Herzen obliegen, in allem ihre gewohnte Huldigung und Gnade gewähren kann." Es gibt also Religionsfreiheit für jeden und die beiden selbst berufen sich auf die höchste Gottheit, die so ein bisschen so quasi ökumenisch, in einem gewissen Sinne verstanden wird.

[45:28] Darum mag deine Ergebenheit wissen, wir hätten beschlossen, dass nach der ausnahmslosen Aufhebung aller Bestimmungen, die in deine Dienstbeflissenheit gerichteten Schreiben über den Namen der Christen enthalten waren, alles, was offensichtlich ganz und gar ungünstig war und unsere Milde widersprach, gestrichen wird und dass uns frei und offen ein jeder von denen, die eben die Absicht haben, der Religion der Christen anzuhängen, ohne jede Beunruhigung und Belästigung seiner Person, gerade dem anhängen kann.

[45:55] Und das glaubten wir darüber hinaus hinsichtlich der rechtlichen Stellung der Christen festzusetzen zu müssen, dass man irgendwelche Leute, dieselben Stätten, an denen sie vorher zusammenzukommen pflegten, also Kirchen zum Beispiel, und über die auch in dem an deine Dienstbeflissenheit gerichteten Schreiben früher eine bestimmte Verfügung enthalten war, in der Vergangenheit auf irgendeine Weise entweder von unserem Staat oder von sonst irgendjemand käuflich erworben zu haben scheinen, sie dieselben den Christen unentgeltlich und ohne jede Rückforderung des Kaufpreises zurückzugeben und dabei auf jede Irreführung und Spitzfindigkeit Verzicht.

[46:29] Mit anderen Worten: Die Christen sollen ihre Kirchen und ihre Güter wieder erhalten. Auch wer sie durch Schenkungen in seinen Besitz gebracht hat, der soll sie in ähnlicher Weise dem den nämlichen Christen unverzüglich zurückgeben. Und auch die Käufer oder die Beschenkten sollen, wenn sie irgend eine Entschädigung an unserem Wohlwollen erhalten wollen, ihre Forderung an unseren Stellvertreter richten, damit auch für sie durch unsere Milde gesorgt.

[46:52] Es gab also rechtliche Probleme. Was ist, wenn ein Grundstück von den Christen konfisziert worden ist und dann weiterverkauft worden ist und weiter verschenkt worden ist und die kann zu sagen hier, dass sie selbst diesen Menschen dann eine Entschädigung zahlen möchten, damit ja nur die Christen ihr Gut wieder bekommen. Das alles wird man der Körperschaft der Christen, der "corpus christianorum" gab also so eine Organisation der Christen offensichtlich durch sein Eingreifen unverzüglich und ohne

[47:19] eingreifen unverzüglich und ohne Aufschub übergeben müssen. Und da die nämlichen Christen bekanntermaßen nicht nur die Städte, sondern auch andere Besitztümer hatten, die zum Recht ihrer Körperschaft, das heißt der Kirche, nicht zu dem von Privatpersonen gehören, so wirst du das alles gemäß dem oben angeführten Gesetz ganz ohne jede Ausflucht oder einen Einspruch den nämlichen Christen, das heißt ihrer Körperschaft und ihren Versammlungsstätten zurückgeben lassen.

[47:42] Natürlich unter Beachtung der oben angeführten Bestimmung, dass diejenigen, die diese Güter unentgeltlich zurückgeben, Entschädigung von unserem Wohlwollen erhoffen dürfen. Es gab also Güter, die der Organisation der Kirche gehört haben, auch die sollten jetzt zurückgegeben werden. In all diesen Angelegenheiten wirst du der oben genannten Körperschaften Christen eine nachhaltige Vermittlung angedeihen müssen, auf dass unser Befehl unverzüglich umgesetzt wird, damit auch in diesem Punkte durch unsere Milde für Frieden dem Staat gesorgt wird.

[48:12] Auf diese Weise wird, wie oben dargelegt, die göttliche Huld uns gegenüber, die wir in solch bedeutenden Angelegenheiten erfahren durften, alle Zeiten durch gnädig für uns unternehmen, zusammen mit dem Glück des Staates erhalten bleiben. Und damit endet es hier.

[48:24] Damit aber der Wortlaut dieses unseres wohlwollenden Beschlusses zur Kenntnis aller gelangen kann, wird es nicht würde ich empfehlen, dieses Schreiben durch einen Erlass von dir überall öffentlich bekannt zu machen und zur Kenntnis aller zu bringen, damit die Verfügung dieses unseres Wohlwollens nicht verborgen bleiben kann.

[48:41] Ein langes Dekret, das aber sehr berühmt geworden ist, denn es handelt sich um das sogenannte Mailänder Edikt, obwohl das in Wirklichkeit natürlich gar kein Edikt ist, wie wir sehen. Es handelt sich nämlich um einen Brief an einen Statthalter. Deswegen wird immer eine Person angesprochen. Diese Person, dieser Statthalter, soll dann die entsprechenden Bestimmungen zur öffentlichen Inkraftsetzung in seiner eigenen, seiner Herrschaft ein Verwaltungsbereich. Dieser Brief ist wohl von Licinius geschrieben worden, auch im Namen von Konstantin.

[49:13] Und das hier deutlich sehen ist, die Christen erhalten wieder überall ein Recht auf Gottesdienst und sie sollen ihre konfiszierten Güter zurückerhalten. Diese Tolerierung bestätigt allerdings nur, was im Westen schon längst zum Teil seit Jahren, vor allem in Britannien und Gallien, ja schon seit 306 gängig ist. Es ist eigentlich eine Bestätigung dessen, was auch Galerius schon angeordnet hatte. 311 ein etwas weitergehend noch als Galerius natürlich. Aber auch dieses Edikt ändert nichts daran, dass im Osten weiter verfolgt wird.

[49:50] Also auch dieses sogenannte Edikt ist noch nicht das Ende der Verfolgung. Man muss sich also noch mal bewusst machen, dass auch Kaiser Konstantin keinesfalls Rom erobert hat, um dort die Christen zu befreien, denn die waren ja schon längst frei. Sie waren schon seit 306 und sie hatten auch schon seit 312 alle konfiszierten Güter zurückbekommen. All diese Bestimmungen hier im sogenannten Mailänder Edikt betreffen de facto den Osten, also den Balkan. Dort konnte sie umgesetzt werden.

[50:21] Und weiter im Osten, Kleinasien, konnte sie noch nicht umgesetzt werden, weil Licinius natürlich gar nicht daran dachte, diese Bestimmungen umzusetzen. Er ist dann, dieser Licinius, ist nach Syrien, nach Kleinasien gereist. Er hat natürlich von dieser ganzen Sache Wind bekommen und wusste, er muss jetzt gegen Licinius kämpfen. Er hat seine Truppen ziemlich gehetzt, die waren dann ziemlich erschöpft, hat sie durch Kleinasien getrieben und ist dann über den Bosporus nach Europa übergesetzt.

[50:59] Hat dort Byzanz angegriffen. Das ist die Stadt direkt am Bosporus, die alte griechische Gründung Byzanz. Und diese Stadt und auch Herakles haben kapituliert. Licinius stand jetzt also auf europäischem Boden und Konstantin musste sich beeilen, um dem entgegenzugehen. Es ging jetzt um die Entscheidungsschlacht dort in Thrakien, in Südosteuropa.

[51:30] Es war das Jahr 313. Konstantin derweil war jetzt der einzige Kaiser im Westen, der mächtigste und vielleicht insbesondere auch bei den Christen der beliebteste und berühmteste. Er hat sich jetzt auch eingesetzt, um mit seiner kaiserlichen Autorität den Christen zu helfen. Nicht nur hat er Bauten für sie veranlasst, er schreibt jetzt auch an den Bischof von Karthago, also in Nordafrika, und sagt folgendes: Die Kleriker, das heißt die Priester und Bischöfe, die also hauptverantwortlich die Kirchen leiten, sollen Geld für ihren Dienst erhalten aus der Staatskasse und sie sollen von allen öffentlichen Diensten befreit werden.

[52:22] Dass die Christen Konstantin geliebt haben, viele von ihnen, kann man leicht sehen. Sie bekamen plötzlich finanzielle Vorteile. Aber war das wirklich das, was das Christentum brauchte? Waren diese politischen Manöver ein Segen für das Christentum oder eher ein Mittel, um das Christentum zu politisieren?

[52:47] In gewisser Weise drängen sich Parallelen auf, auch zu Ereignissen in den letzten Jahren, zum Beispiel in den USA, wo man ganz ähnliche Phänomene im Ansatz beobachten konnte.

[53:03] Hier in Karthago schwelte immer noch seit Jahren dieser Konflikt in der Kirche zwischen der einen Partei, die der Meinung war, dass abgefallene Christen, die in der Verfolgung schwach geworden waren, dass man sie nicht ohne weiteres wieder in die Kirche aufnehmen dürfe, und der anderen Partei, die der Meinung war, doch, das sollte man unbedingt tun, sie alle wieder aufnehmen.

[53:32] Konstantin, der sich so für die Christen einsetzt und sie so hatte, war der Meinung, mit seiner Autorität als Kaiser auch hier eben dieser innerkirchlichen Angelegenheiten jetzt eingreifen zu können. Die Vertreter der strengen Partei wandten sich an ihn mit einem Schreiben und beschuldigen den Bischof von Karthago, den Caecilianus, dass er zu lax sei.

[53:59] Das Bemerkenswerte und für unsere historischen Zwecke hier sehr entscheidende Teil ist, dass diese Christen in Karthago den Konstantin nicht als Christen ansprechen. Es wäre ja das Selbstverständlichste gewesen, wenn er tatsächlich Christ geworden wäre, in diesen Ereignissen um die Schlacht von Rom, dass sie ihn als Christen ansprechen und als wenn vielleicht auch sehr hochgestellten Bruder im Herrn einladen, dieses ganze Problem zu lösen. Aber sie sprechen ihn als römischen Kaiser an und berufen sich auf seine milde Haltung eines Staatsvaters.

[54:35] Sozusagen, das ist ein sehr wichtiges Zeugnis, weil es noch frei ist von der späteren Geschichtsschreibung, die dann alles sozusagen aus der späteren Perspektive sieht. Die Christen im Jahre 313 in Nordafrika haben Konstantin nicht als Christen gesehen.

[54:53] Derweil kam es jetzt in Thrakien, auf dem Balkan, zur eigentlichen Entscheidungsschlacht um das Schicksal der Christen im Osten. Nicht die Schlacht an der Milvischen Brücke war jetzt die entscheidende Schlacht, um die Christenverfolgung zu beenden, denn dort in Rom ging es überhaupt gar nicht um die Beendigung der Christenverfolgung. Dieses Anliegen war jetzt hier auf dem Schlachtfeld in Thrakien ganz gegenwärtig.

[55:23] Licinius stand für die Politik der Toleranz und der Tolerierung. Interessanterweise, und auch das ist höchst bezeichnend und leider so gut wie gar nicht bekannt, hat auch Licinius behauptet, direkt vor der Schlacht am 30. April 313 eine Vision gehabt zu haben. Und zwar eine Vision des höchsten Gottes. So muss dieser Begriff, den wir schon in dem sogenannten Toleranzedikt von Mailand gesehen, aber er behauptet einen Traum gehabt zu haben und der höchste Gott, eine Formulierung, die die Christen für sich in Anspruch nehmen konnten, aber mit der die Heiden gut leben konnten.

[56:01] Vor allem werden sie dieser Staatsreligion, Sol Invictus, des höchsten Sonnengottes, des unbesiegbaren Sonnengottes anhängen. Und so hatten Licinius seine Soldaten aufgefordert, ein monotheistisches Gebet zu beten. Also er war genauso wie Konstantin nicht mehr für den alten römischen Kult mit Jupiter und Mars zu haben, sondern seine Ideologie war, wie bei Konstantin, so eine, die so monotheistisch verschmolzen war, dass die Christen sich angesprochen fühlten, aber dass auch die Heiden nicht den Eindruck hatten, dass sie unbedingt Christen werden müssen.

[56:34] So wie Konstantin dieses Christuszeichen auf die Schilde malen lässt, so lehrt er seine Soldaten eine monotheistische Gebet. Auf der Gegenseite haben wir Licinius. Und der steht für das Gegenteil. Er schwört vor der Schlacht bei Jupiter, dem höchsten Gott des römischen alten Pantheons, dass er, wenn er gewinnt, das Christentum ausrotten will.

[56:59] Die Gefahr für das Christentum war nicht gebannt, weder nach der Schlacht an der Milvischen Brücke, schon gar nicht nach dem Brief von Galerius und auch nicht nach dem sogenannten Edikt. Maximinus Daia, diese Schlacht gewonnen hätte, wäre die Christenverfolgung weitergegangen.

[57:16] Interessant, dass obwohl diese Periode so oft studiert wird, solche Details oft vernachlässigt werden. Wenn das liegt immer wieder auch an der pro-konstantinischen Propaganda, die auch in der Geschichtsschreibung manchmal nur allzu leicht aufgenommen worden ist.

[57:32] Es kam jetzt also zur Schlacht. Licinius hatte nur 30.000 Soldaten, Maximinus Daia über doppelt so viele. Allerdings waren die durch den langen Marsch aus Syrien über Kleinasien sehr erschöpft. Zudem waren sie im Winter durch Anatolien gezogen und entsprechend gelang es Licinius in dieser eigentlichen Entscheidungsschlacht den Sieg zu erringen.

[58:00] Maximinus Daia ist als Sklave verkleidet vom Schlachtfeld gezogen und hat sich dann nach Kleinasien zurückgegeben. Hat sich zuerst hier in Nicomedia kurz aufgehalten und ist dann über Kappadokien hier zur kritischen Pforte vorgerückt, dort zu den Pässen im Taurusgebirge, um das Einfallstor in das nach Mesopotamien und in die Levante, nach Syrien, zu sichern.

[58:31] Licinius war dort eine Zeitlang erstmal noch in Nicomedia. Ist ihm also gefolgt, hatte dann Nicomedia oft gehalten und hat durchgegriffen. Die Witwe von Galerius, die damals Licinius anvertraut hatte, verurteilt er zum Tode. Es ist ganz klar, diese neue Allianz, Konstantin und Licinius, will sich in gewisser Weise auch von den alten Herrschern deutlich distanzieren.

[58:57] Die Witwe von Galerius kann aber fliehen, wird also nicht exekutiert. Dafür werden sowohl die Söhne von Galerius als auch von Severus, dem alten Kaiser im Westen, der dann gestorben ist vor einigen Jahren, umgebracht worden ist, auch sie werden umgebracht.

[59:17] Währenddessen konnte Maximinus Daia die Taurus-Pässe nicht halten, zieht sich zurück nach Tarsus, die Stadt, aus der Jahrhunderte zuvor der berühmte Paulus stammte. Und dort in Tarsus war er jetzt hilflos, mittellos, besiegt und so krank, dass er schon fast tot war. Hier wiederholt sich ein bisschen auch die Geschichte von Galerius.

[59:44] Und jetzt in diesem verzweifelten Zustand, ohne Hoffnung und ohne Perspektive, stimmt Maximinus Daia, so sagen uns die Quellen, als letzter Kaiser der Tolerierung des Christentums zu. Und damit endet, Achtung, diese große Verfolgung im Jahre 313 nach exakt zehn Jahren.

[1:00:08] Es lohnt sich, die Quellen genau zu studieren. Es lohnt sich, die Geschichte genau chronologisch nachzuverfolgen und nicht einfach auf die eine oder andere populärwissenschaftliche Darstellung zu vertrauen.

[1:00:21] Das Wort Gottes hatte exakt recht. Walten nicht acht Jahre, nicht neun, sondern exakt zehn Jahre lang war diese schwere Verfolgung gewesen, natürlich nicht überall im Reich die ganze Zeit, aber dort, wo es die meisten Christen gab, die größten christlichen Zentren Antiochia und Alexandria im Osten, ging sie genau diese vollständige zehn Jahre.

[1:00:45] Und das ist nicht ohne Grund, denn in der Bibel heißt es jetzt Offenbarung 2, Vers 11, dass diese Vorhersage vom Heiligen Geist inspiriert war. Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt. Überwindet, dem wird kein Leid geschehen von dem zweiten Tod. Die Christen damals und auch gläubige Christen heute sind davon überzeugt, dass man dem Wort Gottes trauen kann, dass auch die Prophezeiung des Wortes Gottes sich buchstäblich erfüllen, weil dort nicht einfach nur Menschen schreiben, sondern weil der Heilige Geist selbst zur Gemeinde, zum Gläubigen direkt spricht.

[1:01:22] Lieber Freund, liebe Freundin, wenn du in der Bibel liest, darfst du wissen, dass der Heilige Geist persönlich zu dir spricht. Und daran haben sich die Christen damals festgehalten. Das heißt, wir befinden dann wird kein Leid geschehen von dem zweiten Jahr. Viele von ihnen sind gestorben, aber sie wussten, wenn sie in Christus Jesus sterben im Glauben an Jesus, wird er sie eines Tages von den Toten auferwecken und wird ihnen ewiges Leben geben.

[1:01:48] Dann hatte er verheißen, denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Und deswegen haben sie ihn, den Satan, überwunden. Die Offenbarung 12, Vers 11 sagt: Und sie haben ihn überwunden um des Blutes des Lammes, ein Bild für das für den Kreuzestod von Jesus, und um des Wortes ihres Zeugnisses willen, und haben ihr Leben nicht geliebt bis in den Tod.

[1:02:17] Hier wird deutlich, worin dieses Überwinden besteht. Es besteht darin, an Jesus zu glauben, der am Kreuz von Golgatha für mich und für dich und für alle unsere Schuld gestorben ist, und dafür auch öffentlich einzustehen, es zu bekennen, ein Zeugnis zu geben. Die Menschen damals mussten oftmals, die Christen damals, ihr Zeugnis mit ihrem eigenen Leben bezahlen.

[1:02:39] Das Wort "Zeugnis" machte aus ihnen Märtyrer. Ein Märtyrer war buchstäblich wörtlich jemand, der ein Zeugnis ablegte, der das Zeugnis ablegte, dass er Gott mehr vertraut als Menschen, dass Gottes Liebe so wertvoll für ihn ist, dass er bereit war, sein Leben zu geben, weil er wusste, dass Jesus ihm ewiges Leben schenkt.

[1:03:05] Diese Botschaft der zehn Tage, also zehn Jahre währenden Verfolgung, in Offenbarung 2, fast 8, Vers 10 wird eingeleitet. Wenige Verse zuvor, in Vers 8, und dem Engel der Gemeinde von Smyrna schreibe: Das sagt der Erste und der Letzte, anderswo wieder genannt, Alpha und Omega, der das A und das O, der Erstunterletzte, Jesus Christus, der tot war und lebendig geworden ist, der selbst den Tod erlebt hat und von den Toten auferstanden ist, ja, der den Tod besiegt hat.

[1:03:36] Weil er nicht nur Mensch, sondern auch Gott ist und der deswegen jedem treuen Nachfolger das ewige Leben schenken kann, auch wenn wir sterben. Er hatte gesagt in dieser Botschaft in Vers 9: Ich kenne deine Werke und deine Drangsal und deine Armut. Jesus war bei ihnen in dieser schweren Verfolgung. Du bist aber reich, vielleicht nicht reich an weltlichen Gütern, das wurde ihm alles weggenommen. Es waren reich am Glauben und reich an Erfahrung mit Gott.

[1:04:10] Und die Leistung von denen, die sagen, sie seien Juden und sind es nicht, sondern eine Synagoge des Satans. Dieser letzte Satz braucht ein bisschen Erklärung, weil er uns auch hilft, dann die weiteren Entwicklungen besser zu verstehen.

[1:04:24] Die Bibel spricht hier nicht von Juden im ethnischen Sinne. Die Offenbarung ist ein symbolisches Buch und muss geistlich auch verstanden werden. Schon Paulus sagte in Römer: Denn nicht der ist ein Jude im Sinne des Evangeliums, der es äußerlich ist, auch ist nicht, dass die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht. Er ist ein Jude, der innerlich ist und seine Beschneidung geschieht am Herzen, im Geiste, nicht dem Buchstaben nach. Seine Anerkennung kommt nicht von Menschen, sondern von Gott.

[1:04:48] Die Offenbarung spricht also hier nicht von bösen Juden in einem ethnischen Sinne, sondern von Menschen, die eigentlich behaupten, eine Bekehrung erlebt zu haben, also von Christen eigentlich. Den Galater 6, Vers 16 werden auch nicht-jüdische, also nicht-israelitische Christen, heidnische Christen sozusagen, eine andere Nationalität angehörige Christen werden hier als Israel Gottes bezeichnet, als geistliches Israel. Das ist eine Idee, die im Neuen Testament immerhin wieder aufkommt, dass die eigentlich aus dem Alten Testament auch schon stammt, dass das eigentliche Begriff Israel die Beziehung zu Gott und zum Erlöser ausdrückt.

[1:05:31] Das heißt, über alle, die nach dieser Regel wandeln, komme Frieden und Erbarmen und über das Israel Gottes. Mit anderen Worten, dort wird also in der Offenbarung von Menschen gewarnt, die den Anspruch erheben, Christen zu sein, aber in Wirklichkeit etwas anderes tun. Und zwar schon in der Zeit der Verfolgung.

[1:05:57] Wir werden das nächste Mal auch sehen, wie es schon in der Zeit der Verfolgung einzelne Strömungen gab im Christentum, die jetzt in der Zeit der Freiheit an die Oberfläche treten würden. Offenbarung 2, 14 hatten wir gesehen: Fürchte nichts von dem, was du leiden wirst. Der Teufel wird endlich von euch ins Gefängnis werfen, und ihr werdet Drangsal haben. Zehn Tage lange treu bis in den Tod, so werde ich dir die Krone des Lebens geben.

[1:06:29] Die nächste Botschaft an die Gemeinde nach dem Ende der zehn Tage, der zehn Jahre, ist in Offenbarung 2, Vers 12: Und dem Engel der Gemeinde von Pergamon schreibe: Das sagt der, das scharfe, zweischneidige Schwert hat. Dieses scharfe, zweischneidige Schwert ist nichts anderes als das Wort Gottes.

[1:06:47] Jetzt, wo Freiheit und Tolerieren die Christen erleben durften, würde sich entscheiden, ob sie weiter treu zum Wort Gottes stehen, das lebendig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert ist, dass es durchdringend, was ist, scheidet sowohl Seele als auch Geist, sowohl Mark als auch beides ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens. Würden die Christen treu zu ihrer Botschaft bleiben, wenn man sie fördert, wenn man ihnen Geld schenkt, wenn man sie politisch einbindet? Sie waren treu geblieben, als gejagt hatte, als sie verfolgt hatten, als man sie gefoltert und getötet hatte.

[1:07:27] Würden sie treu bleiben, wenn man sie weltlich erhöhen würde?

[1:07:31] Maximinus Daia, so sagen uns die Quellen, ist wohl in seinen letzten Lebenstagen buchstäblich verrückt geworden. Er stirbt entweder durch Gift oder durch eine schwere Krankheit, das lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Es gibt einige Christen dann, die behauptet haben, er sei in seinen letzten Tagen noch zum Schluss gekommen, sich an Jesus Christus wenden zu müssen. Ob das stimmt, kann man nicht verifizieren. Aber er starb auf jeden Fall.

[1:08:01] Und es blieben nur noch zwei Kaiser übrig im August 313, wo das ganze römische Reich nur noch beherrscht von Konstantin im Westen und Licinius im Osten. Es kehrt Frieden ein im Reich, der Bürgerkrieg ist zu Ende und das Christentum ist völlig befreit. Überall haben sie völlige Freiheit erhalten, alle konfiszierten Güter zurück, erst auch im Osten.

[1:08:29] Und während Galerius seine Tolerierung damals noch damit begründet hat, dass das halt nicht so richtig funktioniert hat und dass er mal so milde ist, werden jetzt die ehemaligen Verfolgungsedikte explizit als falsch, wird seine zurückgenommen, juristisch aufgearbeitet. Sozusagen im Herbst war Konstantin wieder mit mehr alltäglichen Dingen beschäftigt. Am Niederrhein musste er wieder mal gegen Germanen kämpfen, konnte aber keine nennenswerten Siege erringen.

[1:08:56] Interessant ist, was hier ein Heide in einer Lobrede über ihn sagt. Er spricht hier über die höchste Gottheit. So. USD aus diesen Begriff haben wir schon öfter gehört. Diese höchste Gottheit ist der Schöpfer und zu höchste Gott hat viele Namen in allen Sprachen und jedes Volk hat so seine eigene Bezeichnung für Gott. Das ist die Idee, aber nur dem Kaiser Konstantin habe sich diese höchste Gottheit direkt offenbart.

[1:09:19] Wir sehen hier die plötzlich eine Religion entsteht, eine Religionsideologie, der die Christen zustimmen können, vermeintlich, die allerdings die Idee, dass es nur einen Gott gibt, ganz ganz subtil mit heidnischen Ideen verbindet und eigentlich vom Christentum wegführt.

[1:09:44] Auch zu realistisch ist Konstantin weiter erfindungsreich gewesen. Jetzt, nachdem Maxentius und Maximinus Jahre tot sind, lässt er das Gerücht verbreiten, jetzt erst, dass Maxentius sogar gar nicht wirklich ein ehrlicher Sohn von Maximian gewesen sein.

[1:09:57] Sohn von Maximinus gewesen sein und also gar nicht von Maximinus abgestammt. Er lässt sogar die Ehefrau von Maximinus, die noch lebt, öffentlich schwören, dass sie den Maximinus durch Ehebruch bekommen habe. Also eine ziemlich üble Nachrede, die hier sozusagen auf Druck des Konstantin entsteht. Licinius ist derweil in Antiochia oder auch er löscht das Gedenken an Maximinus aus. Er will alles vernichten, was mit ihm zusammenhängt. Das bedeutet auch, dass seine Frau, die Frau von Maximinus, in den Fluss Orontes geworfen wird. Sie hatte selbst dafür gesorgt, dass viele christliche Frauen dort im Orontes ertränkt worden sind. Und auch die Kinder von Maximinus werden alle getötet. Das ist nicht nur Vergeltung für die Christenverfolgung, das ist vor allem auch dynastisches, dynastisches Kalkül von Licinius, der alle Bewerber auf den Thron ausschalten möchte. Auch die anderen Verfolger, die sich einen negativen Namen gemacht haben in dieser Verfolgungszeit, sterben. Alle.

[1:11:07] Felix, ein Vertrauter von Maximinus, wird getötet. Licinius, der ehemals als Präfekt von Ägypten viele umgebracht hat, wird als Statthalter von Palästina eine Zeit der besonderen Verfolgung sehr viel auf sich geladen hat. Der Priester, wir erinnern uns an die erste Folge, dem die Orakel mit einem Orakelspruch dazu verleitet hat, die Christen überhaupt zu verfolgen, auch er wird umgebracht. Der Kurator von hat sich auch ja, der ebenfalls für den Tod vieler Christen verantwortlich gemacht hat, auch er wird umgebracht.

[1:11:39] Derweil beginnt in Rom eine Untersuchung über die Streitfragen der Christen in Nordafrika. Sie hatten sich gewünscht und entsprechend Konstantin auch gebeten, dass einige gallische Bischöfe ein Urteil fällen und eine Entscheidung herbeiführen. Aber Konstantin dachte sich, das wäre doch eine ganz gute Idee, den Bischof von Rom mit einzubinden. Und entsprechend wurde jetzt diese ganze Angelegenheit nach oben vertagt und dort ausgefochten. Und weitere 15 italienische Bischöfe sollten auch mit dabei sein. Wenn man die Hauptvertreter in diesem Streit, das war einmal natürlich Melchior, der Bischof von Rom, der jetzt den Vorsitz dieser Kommission hatte, dann Michael, der Bischof von Karthago, der einigen in Nordafrika zu lax gewesen war und den man auch beschuldigte, nicht treu zur Wahrheit gestanden zu haben. Und dann Donatus, einer von denjenigen, die die Wieder-Taufe forderten für abgefallene Christen, dass man nicht einfach so, war die Argumentation, Sünder in die Gemeinde zurückholt und damit die Gemeinde schwächt.

[1:12:52] Nun, Konstantin hatte wohl gehofft, dass es hier wirklich zu einer inhaltlichen Debatte kommt. Er selbst hat vielleicht theologisch das gar nicht so wirklich durchdrungen. Möglicherweise erwartete er, hoffte er, dass eine inhaltliche Debatte geführt wird, die dann entsprechend entschieden wird. Aber mit Johannes hat es ganz anders gehandelt. Er hatte durch technisches Verfahrenstricks es erreicht, dass Melchior einfach freigesprochen worden ist. Und man kann sich natürlich vorstellen, dass die Donatisten, die jetzt nach diesem Donatus benannt worden sind, mit dieser Vorgehensweise nicht einverstanden waren.

[1:13:29] Donatus soll isoliert werden. Das war so ein bisschen die Politik des Melchior. Er hat versucht, ihn unter den Klerikern in Afrika zu isolieren.

[1:13:41] Währenddessen hat Ende 313 Licinius das anklagewesen neu geregelt. Das war ja in der Zeit der Verfolgung üblich gewesen, dass man zum Teil mit anonymen Anklagen Leute vor Gericht bringen konnte. Jetzt sollen falsche und anonyme Anklagen schwer bestraft werden. Also, dass eine juristische Aufarbeitung in gewisser Weise dieser großen Verfolgungszeit, entweder Ende 313 oder 314, Platzierung ist etwas unklar.

[1:14:06] Musste Licinius dann auch in Anatolien gegen Perser kämpfen. Und am 31. Januar gibt es einen neuen Bischof von Rom. Melchior, der ja gerade noch mit seinen Verfahrenstricks aufgefallen war, war gestorben. Und der neue Bischof von Rom war ein gewisser Silvester. Und über den werden wir noch erfahren, denn mehr erfahren, denn von ihm stammt tatsächlich auch das heutige Silvesterfest. Aber wie es damit, was es damit auf sich hat, werden wir noch in den nächsten Folgen sehen.

[1:14:38] Es wurde dann ein Konzil von Konstantin einberufen, der bei uns zufrieden mit den Entscheidungen, die in Rom gefällt worden waren, bezüglich der nordafrikanischen Christen. Und es sollten jetzt alle Provinzen des Westens nicht beteiligen, sozusagen allgemein das kommt ihm alle Christen, die im Herrschaftsbereich von Konstantin waren, sollten zusammenkommen und zwar in Südgallien in Arles. Und es sollten dort sich beteiligen. Konstantin selbst hat dafür gesorgt, dass alle eine freie Reise bekommen, eine Unterkunft. Und er hat selbst sogar als Laie sozusagen teilgenommen. Also, das muss man tatsächlich sagen, ein echtes Interesse an den Angelegenheiten der Christenheit. Man wird ihm nicht absprechen können, dass eine ganz tiefe Sympathie für die Christen wohl auch gehabt hat. Möglicherweise geht das schon auf seinen Vater zurück, der ja auch nur sehr verhalten die Verfolgungsedikte umgesetzt hat.

[1:15:35] Im Jahre 303 hat ein echtes Interesse, dass diese Frage gelöst wird. Aber dieses Konzil von Arles war nicht der Endpunkt in dieser Debatte.

[1:15:43] Erst einmal muss festgehalten werden, der ganze Westen war deutlich repräsentiert und es gab eine deutliche Entscheidung gegen die Donatisten, also zugunsten der, in Anführungsstrichen, "laxe" Partei, die einfach die abgefallenen Christen wieder aufnehmen wollte. Interessanterweise und auch das erscheint wohl auf die Anwesenheit des Kaisers zurückzuführen zu sein.

[1:16:05] Wird es den Christen jetzt erlaubt, in der Nähe zu denen? Es gab auch vorher schon Christen in der Armee, aber offiziell bei der Standpunkt der Christenheit, dass ein Christ eigentlich nicht den Beruf des Tötens ausüben sollte. Freund, allein daher war das sehr merkwürdig, dass Konstantin christliche Zeichen auf römische Soldaten-Ausrüstung hat zeichnen lassen. Das war eigentlich mit der christlichen Lehre gar nicht vereinbar. Erst jetzt wird, und das können wir natürlich nicht beweisen, aber wir können viele vermuten, unter dem Druck von Konstantin, nach all dem, was er für die Christen getan hat, erlaubt, dass die Christen auch in der Armee dienen. Und das vergrößert natürlich bei einer wachsenden Population an Christen die Optionen, junge Männer zu rekrutieren.

[1:16:53] Konstantin hat dann entzürnt feststellen müssen, dass die Donatisten auch dieses allgemeine Konzil mit der Entscheidung nicht akzeptieren. Sie haben sofort Berufung eingelegt. Und Konstantin erkennt hier etwas, das man durch die ganze Kirchengeschichte wieder verfolgen kann, nämlich, dass dogmatische Kirchenstreitigkeiten manchmal scheinbar unlösbar sind. Und hier war Konstantin, Armeen besiegt, er hat das ganze römische Reich propagandistisch auf seine Seite gebracht. Aber die Christen, die ließen sich nicht einfach durch solche Mittel überzeugen.

[1:17:25] Und so schreibt er, erbost, dass diese Donatisten doch endlich das Urteil der Bischöfe akzeptieren sollten, als wäre es Gottes Meinung. Und auch jetzt zeigt sich eine Idee, die später für die Kirchengeschichte sehr wichtig wird. Die war eine gefährliche Abweichung vom biblischen Bild beinhaltet, nämlich, dass wenn einfach ein Konzil zusammenkommt, eine Entscheidung fällt, dass das jetzt quasi bindet es und jeder Christ sich dem unterordnen muss in seinem Gewissen. Das ist natürlich etwas, wie Politik gemacht wird, aber die Wahrheitsfindung kann so nicht wirklich abschließend geklärt werden.

[1:18:02] Und hier waren Christen, für die das eine Gewissensfrage war, die dem Wort Gottes sich verpflichtet fühlen und die der Meinung waren, dass nur echte Buße und echte Reue und eine Wieder-Taufe dazu führen können, dass jemand wieder Teil der Kirche wird. Und auch ein Machtwort des Konstantin, obwohl das sogar mit dem Einsatz von Gewalt drohte, interessanterweise, wozu es allerdings wohl nie gekommen ist, hat daran nichts ändern können.

[1:18:26] Zudem gab es plötzlich neue Beweise, die die Sache noch mal in ein anderes Licht tauchen. Wir können diese Teile aus Zeitgründen nicht alle anschauen. Ob es dann tatsächlich so aussieht, als ob die Donatisten wieder Beweisstücke vorlegen konnten, die ihren Fall stärken. Konnten und Konstantin hat eine erneute Untersuchung anstrengen lassen, obwohl der schon das Konzil getagt hatte.

[1:18:49] In dieser Zeit ist Armenien als das erste Königreich überhaupt offiziell christlich geworden. Der König Tiridates wurde von Gregor getauft, der zum Primus von Armenien geweiht worden war. Auf dem Konzil von Kaisareia Kappadokien und Armenien ist offiziell in der Geschichte der Welt das erste, die erste ist erste Land, das eine das Christentum zur Staatsreligion erklärt hat.

[1:19:16] In dieser Zeit im Spätsommer ist dann die Valeria, die Witwe des Galerius, die es schon von Licinius zum Tode verurteilt worden war, in Thessaloniki gefunden worden und entsprechend auch umgebracht worden.

[1:19:29] Im Winter hat dann Konstantin noch einmal den Bischof Janus, den Bischof aus Karthago, an seinen Hof nach Trier kommen lassen. Dort, wo er residiert, in der Zwischenzeit hat es Untersuchungen gegeben. Und die Beweise, die die Donatisten vorgelegt hatten, hatten sich zum Teil als gefälscht oder als irreführend dargestellt. Es gibt ein ziemliches Hin und Her an Verordnungen, an Anweisungen. An Konstantin muss immer wieder sich auch korrigieren. Das ist im Detail ziemlich komplex, aber das Schlussfazit bleibt: Egal, was er tut, dieser Streit will einfach nicht aufhören. Jeder Kompromiss scheitert. Und die Donatisten rebellieren dagegen, dass man einfach per Mehrheitsbeschluss ihnen sagt, wie sie zu glauben haben.

[1:20:17] Konstantin lässt sich zurzeit auch ein Gesetz gegen die Pfändung von Flugsklaven und Ochsen. Das klingt sehr human, ist es auch. Ist aber natürlich auch eine Überlegung, weil er die Steuereinnahmen nicht behindern will, auf die er natürlich angewiesen ist.

[1:20:33] Und jetzt waren also im Sommer 315 Konstantin und Licinius beide Kaiser. Und man würde doch denken, jetzt nach all den Jahren des Bürgerkrieges, will ist der Eintracht und Harmonie zu erwarten. Aber vielleicht ahnen wir schon, wahrscheinlich haben beide gedacht, es kann nur einen geben.

[1:20:51] Und wäre das auf jeden Fall wohl gedacht, sagt Konstantin, die genauen Umstände der jetzigen diplomatischen Affäre lassen sich nicht mehr rekonstruieren. Offensichtlich hat Konstantin seinen eigenen Schwager, einen gewissen Bassianus, zu Licinius gesandt, um ihn als Caesar, als Kaiser anerkennen zu lassen. Wollte Konstantin wirklich die alte Tetrarchie wieder aufleben lassen mit zwei Kaisern, Licinius und Konstantin, und einem Caesar? Und wenn ja, wer wäre dann der nächste Caesar gewesen? Vielleicht sein eigener Sohn Crispus. Wenn er dann mit zwei ihm untergebene Caesaren die größte Macht gehabt hat. Man kann schon sehen, dass Licinius das vielleicht als Affront aufgefasst hat. Angeblich hat dann Licinius dafür gesorgt, dass Bassianus von seinem Bruder, seinem Schwager, auf die Seite Licinius' gezogen wurde. Und jetzt gegen Konstantin wohl rebelliert hat.

[1:21:40] Was auf jeden Fall wissen ist, dass Konstantin seinen Schwager Bassianus hat umbringen lassen und die Herausgabe von diesem Sinne gefordert hat. Das hat er Licinius verweigert. Man sieht also, wie diplomatisch die Spannung jetzt zugenommen hat. Licinius hat dann sogar noch um das Fass zum Überlaufen zu bringen, Statuen von Konstantin stürzen lassen in der Stadt Dyrrhachium im heutigen Albanien. Und das war natürlich dann ein Kriegsgrund.

[1:22:09] In der Zeit wurde in Rom der berühmte Konstantins Triumphbogen eingeweiht, den wir heute noch bewundern können. Er wird dort als Befreier von der Tyrannei gefeiert. Dass der Triumphbogen selbst sagt, steht geschrieben: "Dem Imperator Caesar Flavius Constantinus Maximus, dem frommen und glücklichen Augustus, haben Senat und Volk von Rom, weil er durch göttliche Eingebung und Größe des Geistes mit seinem Heer sowohl an Tür an Tür an als auch zugleich an allen seinen Anhängern die Republik mit gerechten Waffen gerächt hat, diesen Triumphbogen gewidmet." Eine Formulierung, bei der die Christen glauben konnten, dass der Gott des Himmels, der Gott der Liebe gemeint ist. Aber bei dem auch jeder Heide sagen konnte: "Ja, genau, eine göttliche Eingebung irgendeiner von den Göttern, vielleicht der Sol Invictus." Eine Formulierung, die zeigt, wie ambivalent diese ganze Sache ist.

[1:22:58] Und es zeigt sich sehr deutlich an den Münzen. Hier haben wir eine berühmte Abbildung aus der Zeit, die deutlich macht, dass Konstantin sich nicht als Christ sieht. Er lässt sich hier in dieser Zeit mit einer Abbildung mit dem Sol Invictus, der direkt neben ihm steht, und die Abbildung ist so gezeichnet, um Leute zu machen. Er und Sol Invictus, er entspricht dem Sol Invictus. Das ist sein Gott. Er ist der Kaiser der Sonne. Das hat eine gewisse monotheistische Tendenz und deswegen kann er auch meint, er die Christen mit hineinbringt in diese allgemeine Kaiserideologie. Seine Förderung der Christen ist eigentlich der Versuch, eine bisher verfasste und ausgestoßene Religionsgruppe einzubinden in das allgemein sich entwickelnde kaiserideologische Konstrukt.

[1:23:50] Auf dieser Kupfer-Münze, die 313 oder 314 in London, also dem heutigen London, geprägt worden ist, in Britannien, einem Gebiet, in dem ja Konstantin schon seit langer Zeit fest im Sattel saß, in der Macht sehen wir folgendes abgebildet. Auf der Vorderseite, hier sehen wir seinen Namen, kann man sehr deutlich sehen, Constantinus. Und dann sind auf der Rückseite im Dativ Soli und dann haben wir hier in Viktor und dann "comiti". Das heißt also, dem Sol Invictus, dem Gefährten, Konstantin wird mit also hier nach seiner vermeintlichen Bekehrung, die wir gesehen, um keine Bekehrung ist diese Münze, seinem eigenem Gefährten, dem Sonnengott, dem Sol Invictus, seine fährt. Ein sehr deutliches Zeugnis, dass Konstantin hier kein Christus, sondern das Christentum machtpolitisch für sich gebrauchen möchte.

[1:24:59] Im Sommer hat dann Konstantin sein zehnjähriges Jubiläum in Rom verbracht. Er kommt dort an, der Triumphbogen ist er dann auch ihm gewidmet worden. Aus Gründen, die ich genau kenne, hatte ich hier noch einmal die Streitparteien aus Karthago hinbestellt. Doch Licinius erscheint gar nicht. Deswegen wird der Fall nach Mailand vertagt und dort gibt dann Konstantin sein abschließendes Urteil. Weder für Michael Janus gegen die Donatisten. Aber wer jetzt geglaubt hätte, dass die Unruhen aufhören, sieht sich eines Besseren belehrt. Die Donatisten denken gar nicht daran, dass sie jetzt diesem Urteil sich beugen.

[1:25:47] Die Unruhen gehen unvermindert weiter. Einige Gesetze Constantins aus dieser Zeit sind vielleicht noch kurz interessant zu erwähnen. Er hat beschlossen oder als Gesetz erlassen, dass Männer auch ohne Mandat ihre Frauen vor Gericht vertreten dürfen. Dass auch erwachsene Söhne bei Treue vom Vater emanzipiert werden dürfen, also aus der väterlichen Gewalt entlassen werden können. Und das ist sehr interessant, auch für die Frage, ob er Christ gewesen sei. Räuber sollten den Tieren vorgeworfen werden, wenn sie niedriger sozialer Schicht angehörten, oder sie sollten zu Gladiatoren gemacht werden, wenn sie höher gestellte Persönlichkeiten wären. Und das ist wiederum ein Hinweis darauf, dass Konstantin Christ gewesen ist. Denn nach geltender Lehre zu der Zeit war es für Christen verboten, Gladiatoren zu sein. Und die ganzen Gladiatorenkämpfe an sich waren ein Gräuel für die Christen, wollten nichts damit zu tun haben.

[1:26:35] Und indem also Konstantin hier gewissermaßen die Gladiatorenspiele akzeptiert und gewissermaßen sogar fördert, indem er neue Gladiatoren, da der Ton sozusagen schafft, tut er etwas, was gegen christliche Lehre verstößt und mit dem Christentum nicht in Übereinstimmung gebracht werden kann.

[1:26:56] In diesen Jahren zwischen 313, 315, 11 verfasst der gebildete Christ Lactantius seinen berühmten Bericht über die Todesarten der Verfolger. Werden öfter schon aus diesem Buch zitiert. Er ist ein großer Verehrer von Konstantin, er ist sehr aggressiv, er ist sehr eingenommen für Konstantin und auch sehr gegen die Verfolger. Er schildert dort zum Teil sehr ausführlich, wie all die Verfolger der Christen zum Teil schwerlich und grausam umgekommen sind. Er war ein sehr gebildeter Christ, aber noch vor der Verfolgung in der Komedia christ geworden, hat auch einige theologische Werke geschrieben und ist für diese Zeit eine ganz wichtige Quelle. Auch wenn man sich bewusst machen muss, dass er pro Konstantin ist. Die Tatsache, dass er nichts von einer Vision an der Milvischen Brücke schreibt, ist ganz, ganz entscheidend.

[1:27:48] Im Vorjahr 316 ist dann Konstantin nach Gallien gegangen. Er hat dort in Südkamen sich vorbereitet auf den bevorstehenden Krieg. Die Entscheidung gegen Licinius und dort in Süditalien, genau genommen. Er hat jetzt eine neue Frau, die Faust ihm einen Sohn geboren hat. Er hat schon einen Sohn mit seiner ersten Frau, Minervina. Gab es nicht den Christus, der schon jetzt älter war? Aber jetzt gebiert sie ihm einen Sohn und den nennt er Konstantin den Zweiten. Auch der wird noch eine Rolle in der römischen Geschichte spielen.

[1:28:20] Und dann am September 29. ist er im 9. 20. September in Verona, in Nordostitalien, also in Armenien, zusammengenommen, um jetzt den Krieg gegen Licinius zu beginnen. Und es ist Konstantin, der, obwohl wir die genaue diplomatische Vorgeschichte nicht genau kennen, jetzt offensichtlich ohne Grund wieder angreift. So schon wie beim Alexius muss, wo er einfach aus geostrategischen Gründen angreift und das Ganze dann später propagandistisch begründet und beschimpft. So greift er jetzt aus eigenem Antrieb, aus eigenen Stücken, Licinius an, auf dessen Territorium im Oktober 316 und erobert die pannonische Hauptstadt Sirmium.

[1:29:08] Der Krieg hatte begonnen, aber nicht nur der Krieg um die Vorherrschaft im römischen Reich, sondern auch der Krieg um die Wahrheit im Christentum. Wie würden diese beiden Kriege ausgehen? Wer würde die Macht im römischen Reich erobern? Und würden die Christen treu zur biblischen Wahrheit stehen oder würden sich korrumpieren lassen durch die neue Ideologie des Konstantin?

[1:29:38] Das und vieles mehr sehen wir in der nächsten Folge, wenn es heißt: "Der Tag der Sonne". Diese Folge wird auch ganz besonders im Zentrum sich mit der eigentlichen Fahrgeschäfte, mit der Video-Serie begonnen haben, nämlich die Frage nach dem Sonntagsgesetz des Konstantin, der, wenn einige Fäden zusammenlaufen. Bitte nicht verpassen. Bis dahin wünsche ich alles Gute. Gottes Segen bis zum nächsten Mal.

[1:30:01] [Musik]


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