In dieser Predigt aus der Reihe „Gott auf (m)einer Seite“ beleuchtet Roman Wiens die Verse Prediger 5:15-6:12. Er reflektiert Salomos Erkenntnisse über Reichtum und die wahre Quelle von Sinn und Erfüllung im Leben. Der Sprecher betont, dass es nicht um das bloße Anhäufen von Gütern geht, sondern um die von Gott geschenkte Fähigkeit, das Gegebene zu genießen, selbst inmitten der Rätsel und Herausforderungen dieser Welt.
Gott auf (m)einer Seite: Prediger 5:15-6:12
Roman Wiens · Gott auf (m)einer Seite ·Themen: Bibel, PredigerPodcast Diese Aufnahme ist teil eines Podcasts
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Serie: Gott auf (m)einer Seite
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Transkript
[0:30] Hallo, liebe Freunde, willkommen zu "Gott auf meiner Seite". Wir sind in Prediger 5, Vers 15. Bevor wir hier die nächsten Verse gemeinsam lesen und schauen möchten, was Gott uns hier durch Salomo mitgibt, möchte ich euch einladen, dass wir noch ein paar Worte im Gebet an Gott richten und ihn einladen.
[0:56] Mein guter Gott, ich möchte Danke sagen. Ich möchte Danke dafür sagen, dass du uns dein Wort gegeben hast und dass wir hier gute Ratschläge, Warnungen haben und vor allem diese Überlegungen, die uns darauf ausrichten sollen, was tatsächlich gut, erfüllend und sinnvoll im Leben ist. Bei all den Wechseln, bei den Herausforderungen, so lege ich diese Zeit besonders in deine Hand und danke dir dafür. Amen.
[1:27] Im letzten Abschnitt haben wir uns angeschaut, wie Salomo ein wenig reflektiert, was Reichtum im Leben bedeutet und inwiefern Reichtum nicht nur keinen Sinn geben kann, sondern sogar eine Herausforderung sein kann. Eine Herausforderung darin, tatsächlich das zu genießen, was man hat. Den Gedanken entfaltet er jetzt noch ein wenig, und da wird auch deutlich, dass Salomo nicht ein grundsätzliches Problem mit Wohlstand hat, sondern vor allem damit, welchen Platz es in unserem Leben hat.
[2:06] In Kapitel 5, Vers 15 sagt er weiter: "Und auch dies ist ein schlimmes Übel: Ganz wie er gekommen ist, wird er hingehen. Und was für ein Gewinn hat er davon, dass er für den Wind sich gemüht hat? Er all seine Tage in Finsternis und hat viel Verdruss und Krankheit und Zorn."
[2:26] Hier schließt er den Gedanken ab und macht deutlich: Ja, wenn ich all mein Leben dafür arbeite, mich abmühe, nur größere Reichtümer anzuhäufen, was habe ich davon, wenn die Sonne untergegangen ist? Vielleicht in meinem Frust, in meinem Zorn. Deshalb sagt er: "In Finsternis esse ich nur." Ich kann nicht mal genießen, was ich mir angehäuft habe.
[2:54] Erkannt habe, dass einer isst und trinkt und Gutes sieht bei all seiner Mühe, mit der er sich abmüht unter der Sonne, die Zahl seiner Lebenstage, die Gott ihm gegeben hat, denn das ist sein Teil. Auch jeder Mensch, dem Gott Reichtum und Güter gegeben und den er ermächtigt hat, davon zu genießen und seinen Teil zu nehmen und sich bei seiner Mühe zu freuen, das ist eine Gabe Gottes.
[3:20] Denn er denkt nicht viel an die Tage seines Lebens, weil Gott ihn mit der Freude seines Herzens beschäftigt.
[3:27] Hier ist ein genialer Gedanke, und hier kommen wir wieder ein Stück näher dem, was für Salomo tatsächlich Erfüllung und Sinn ausmacht. Er sagt hier: Gott hat etwas gegeben, eine Gabe Gottes, und damit meint er nicht nur, wie in Vers 18 gesagt, "jeder dem er Reichtum und Güter gegeben hat". Das, was eine Gabe Gottes ist, ist das, dass man es genießen kann.
[3:53] Und das steht im Kontrast zu dem, was vorher gesagt wurde. Vorher geht es um einen Menschen, der sich abmüht, der quasi bis auf den Moment, an dem er am Sterbebett liegt, sich nur abmüht, aber das, was er anhäuft, nicht einmal genießen kann. Im Kontrast dazu steht der Mensch, dem Gott all das gibt, aber dem Gott auch gibt, es zu genießen. Bei all den Rätseln, bei all den Nichtigkeiten, die wir im Leben haben, ist es wirklich ein Geschenk, wie er hier sagt: "Das ist gut und das ist schön, dass man es genießen kann, was Gott einem gibt."
[4:39] Salomo möchte so ein wenig den Fokus verschieben, weg von dem vermeintlichen Guten, von dem Haschen nach Wind, weg von dem Abmühen und den Herausforderungen, sogar weg von den Rätseln und hin zu Gott und dem, was er gibt, damit man es genießen kann. Ich mag vor allem in Vers 19, wie er schließt: "Er denkt nicht viel an die Tage seines Lebens, weil Gott ihn mit der Freude seines Herzens beschäftigt." Man muss nicht viel über die Herausforderungen nachdenken oder wie lange einem noch bleibt, weil man einfach die Freude seines Herzens genießen kann, und Gott beschäftigt einen ja damit.
[5:32] In den nächsten Versen baut er jetzt aber auch dazu noch einmal einen Kontrast aus, und wir merken: Salomo ist Realist. Er gibt nicht nur nette Ratschläge, er weiß auch um die Komplexität, um die teilweise Widersprüchlichkeit unseres Lebens, das hier auf der Erde nun mal durch Sünde geprägt ist.
[5:54] Weiter sagt er: "Es gibt ein Übel, das ich unter der Sonne gesehen habe, und schwer lastet es auf den Menschen: Ein Mensch, dem Gott Reichtum und Güter und Ehre gibt und seiner Seele fehlt nichts von all dem, was er sich wünschen mag, aber Gott ermächtigt ihn nicht, davon zu genießen, sondern ein fremder Mann genießt es. Das ist Nichtigkeit und ein schlimmes Übel."
[6:21] Ich glaube, das ist einer der Verse, deren Stärke zeigt, wie wichtig es ist, dass wir auch den Blickwinkel von Salomo korrekt verstehen. Wenn er von Nichtigkeiten spricht, dann meint er damit nicht nur die Sinnlosigkeit, sondern eben auch diese Rätselhaftigkeit, dieses Enigma, dieses "als wär's ein Nebel", durch den man hindurchsieht, aber der alles unklar macht.
[6:48] Salomo spricht aus einer Perspektive, die durch Sünde in der Welt geprägt ist, und da gibt es viele Dinge, die wir nicht verstehen können. Und hier gibt es etwas, das wir nicht ganz verstehen können. Es gibt Momente, und vielleicht reflektiert er da sein eigenes Leben. Er hatte Reichtümer über Reichtümer, er hat, wie er am Anfang des Buches sagt, alles gehabt, er hat alles ausprobiert, er war tatsächlich reich beschenkt, und das hat ihm nichts gefehlt, seine Wünsche waren alle erfüllt. Aber er hatte auch nur die Zeit seines Lebens und auch nur die Zeit, die Gott ihm gegeben hat, um es zu genießen.
[7:31] Und ob es jetzt bedeutet, dass einfach nur seine Zeit des Endes gekommen ist und er über sein Lebensende hinaus die Dinge nicht mehr genießen kann, oder ob hier der Gedanke da ist, dass Gott manchmal auch einen Punkt setzt, vielleicht auch aufgrund von den Verfehlungen, die Salomo getan hat, und er deshalb nicht mehr genießen kann, was Gott ihm gegeben hat – aber Salomo möchte vor allem den Punkt deutlich machen: Es nutzt einem nicht mal etwas, wenn Gott einem alles schenkt, wenn man alles hat, was man sich vorstellen könnte, aber man hat nicht die Möglichkeit, es zu nutzen, es zu genießen. Dann wird auch das zu einer Sinnlosigkeit, und das ist dieses Fragezeichen, warum das auf dieser Erde manchmal so ist.
[8:22] Für Salomo ist klar: Es geht nicht um all das, was man hat, selbst wenn es ein Geschenk Gottes ist, wenn man es nicht nutzen, genießen kann, wenn man dafür nicht die Zeit hat.
[8:37] "Wenn man 100 Kinder zeugte und viele Jahre lebte, dass die Tage seiner Jahre viel werden, aber seine Seele sich nicht am Guten sättigt und ihm auch kein Begräbnis zuteil würde, von dem sage ich: Eine Fehlgeburt ist besser dran als er.
[8:53] Eine Nichtigkeit kommt sie und in Finsternis geht sie dahin, und mit Finsternis wird ihr Name bedeckt. Auch hat sie die Sonne nicht gesehen und nicht erkannt. Diese hat mehr Ruhe als jener. Und wenn er auch zweimal 1000 Jahre gelebt, aber Gutes nicht gesehen hätte, geht nicht alles an einen Ort?"
[9:15] Auch hier klingt es wieder ein wenig, als würde er sein eigenes Leben reflektieren, vielleicht seinen ungeborenen Bruder, das erste Kind zwischen David und Batseba, seinen Eltern, das das Licht der Welt nicht erblickt hat. Und vielleicht denkt Salomo darüber nach: Bei all dem, was er auf der Erde erlebt hat, mit der Sünde, mit all den Herausforderungen, Rätseln, mit all dem Leid – seinem ungeborenen Geschwisterchen ist es besser ergangen als ihm, weil er das alles nicht erlebt hat.
[9:54] Und er begründet das auch in Vers 6: "Denn wenn man auch noch so lange gelebt hat, aber das Gute nicht sieht, was hat man dann davon?" Das heißt, der große Kontrast ist hier vor allem darin begründet, dass sogar ein langes Leben, sogar ein ewiges Leben, ohne das Gute nichts wert ist. Selbst wenn Gott einem alles schenken würde, aber mit dem Schlechten, das uns umgibt, ist nicht das, was Erfüllung und Sinn gibt. Das heißt, selbst Segnungen an sich sind nicht das, was erfüllt, sondern wie er vorher am Ende vom Kapitel 5 sagt: Es erfüllt dann, es gibt dann Sinn, wenn Gott einem die Möglichkeit gibt, es schlicht zu genießen.
[10:52] "Alles Mühen des Menschen ist für seinen Mund, und doch wird seine Begierde nicht gestillt. Denn was für einen Vorzug hat der Weise vor dem Toren? Was nützt es dem Demütigen, dass er es versteht, vor dem Lebenden recht zu wandeln? Besser ist das Sehen mit den Augen, besser das Sehen mit den Augen als das Umherschweifen der Begierde. Auch das ist Nichtigkeit und ein Haschen nach Wind."
[11:20] "Was geschieht, schon längst ist sein Name genannt, und bekannt ist, was ein Mensch sein wird. Darum kann er nicht rechten mit dem, der stärker ist als er. Denn da sind viele Worte, die die Nichtigkeit nur größer machen. Welchen Nutzen hat der Mensch davon? Denn wer erkennt, was für einen Menschen am Leben gut ist, die Zahl der Tage seines nichtigen Lebens, die er wie ein Schatten verbringt? Denn wer kann dem Menschen mitteilen, was nach ihm sein wird unter der Sonne?"
[11:54] Nachdem er wieder gegenüberstellt, dass unter all dem selbst derjenige, der Gutes tut, dem nichts voraushat, der ein Tor ist, der unklug ist, der naiv ist, der von all diesen Dingen nichts versteht und vielleicht sogar, wie wir sagen würden, dumm ist. Der, der nicht weiter schaut als den nächsten Schritt, wenn das Ende doch für alle gleich ist. Und damit kommt er zur wichtigen Frage, die das Ganze jetzt abrundet, die Frage, die in den nächsten Versen dann auch uns mehr beschäftigen wird:
[12:29] In Vers 12: "Denn wer erkennt, was für den Menschen im Leben gut ist?"
[12:38] Bei all dem: Wie können wir erkennen, was tatsächlich gut ist? Mehrfach hat er es schon angesprochen, dass es vor allem darum geht, dass das Gute, was Gott uns gibt, dass wir das tatsächlich auch nutzen, genießen, trotz all der Fragezeichen, trotz all des Leides um uns herum, dass wir uns nicht verlieren in dieser Sinnlosigkeit.
[13:05] Wir merken: Salomo ist kein Nihilist, er ist definitiv nicht verzweifelt. Er möchte dahin leiten, worum es tatsächlich geht, und auf dem Weg, bei den Stationen, sollen wir das Gute trotzdem genießen. Aber jetzt kommt er so ein bisschen zum Kern von dem Ganzen: Wenn wir all das sehen, wer erkennt dann tatsächlich, was gut ist für den Menschen? Die Perspektive, die er gleich anbieten wird, wird uns noch mal herausfordern. Aber das, was wir hier an dieser Stelle schon mal mitnehmen können, ist, dass das, was wichtig ist bei all dem, was Gott uns schenkt, dass wir auch die Möglichkeit haben, es tatsächlich zu nutzen, zu genießen. Denn das ist das, was der Hintergrund ist, weshalb Gott es uns eigentlich geben möchte.
[14:05] Diese Gedanken möchte ich auch in einem kurzen Gebet Gott noch einmal vorlegen. Lasst uns dafür noch einmal innehalten.
[14:15] Unser guter Gott, Salomo hat uns wieder aufmerksam gemacht auf die Spannung, in der wir leben, auf diese Rätsel, denen wir manchmal begegnen, was er selber in seinem eigenen Leben erlebt hat.
[14:31] Das, worauf es ankommt, ist nicht, dass wir etwas hinterherrennen, dass wir uns Reichtümer anhäufen, aber dann am Ende doch nichts davon nutzen können, sondern dass das, was du uns gibst, tatsächlich auch genutzt werden kann, dass wir den Segen ausleben dürfen, dass wir wirklich unseren Anteil daran haben können.
[14:55] Und dass wir bei all dem im Blick haben, dass auch du unsere Lebenszeit und unsere Umstände in der Hand hältst, und dass du es bist, der uns auch die Möglichkeit gibt, dieses Gute, was du gibst, zu genießen.
[15:12] Ich möchte dich bitten, dass das etwas ist, das uns heute besonders beschäftigen soll: der Blick darauf, dass du gibst und zwar nicht nur das Gute, sondern auch die Möglichkeit, das zu genießen, und deshalb lohnt es, bei dir zu sein.
[15:28] Hab Dank für diese wichtigen Gedankenanstöße von Salomo.
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