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In dieser Predigt, dem ersten Teil der Serie „Im Schmelztiegel mit Christus“, beleuchtet Rabea Kramp das Bild des Hirten anhand des Psalms 23. Sie erklärt die Bedeutung eines Hirtenlebens, die Fürsorge und Verantwortung, die damit verbunden sind, und wie dieses Bild auf Jesus als unseren Hirten und König angewendet wird. Die Ausführungen beziehen sich auf biblische Beispiele wie Jakob, David und Jesus selbst, um die tiefe Beziehung zwischen Gott und seinem Volk zu verdeutlichen.


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Serie: Christ Study Hour 2022 Q3: Im Schmelztiegel mit Christus

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Transkript

[0:31] Hallo liebe Freunde und herzlich willkommen zur CSH Nummer eins in diesem neuen Quartal, im dritten Quartal 2022. Wir beginnen ein neues Thema, ein schönes Thema. Es geht um den Schmelztiegel mit Christus. Und heute ist unser allererstes Thema im Schmelztiegel des Hirten. Und wir werden uns heute viel mit dem Bild des Hirten beschäftigen, anhand des Psalms 23.

[1:07] Ich weiß nicht, ob ihr wusstet, dass man heute noch den Beruf des Hirten erlernen kann. Es ist eine Berufsausbildung, wie alle anderen, die drei Jahre dauert und umfasst, genauso wie alle anderen Berufsausbildungen, sowohl den praktischen als auch den Berufsschulteil. Ein Jahr lang wird man begleitet als Hirte, man wird noch nicht mit der Herde allein gelassen. Aber im zweiten Lehrjahr bekommt man dann tageweise, abschnittsweise alleinige Verantwortung für eine Schafherde. Ein ganz wesentlicher Bestandteil dieser Hirtenausbildung ist, dass man die Krankheiten und die Parasiten der Schafe kennenlernt und auch lernt, wie man sie behandeln kann, damit die Herde gesund bleibt und natürlich auch jedes einzelne Schaf.

[2:03] Und dieser Umstand, dass der Hirte die Krankheiten der Schafe kennen muss, sie behandeln können muss, das bringt uns zu dem Hirtenbild in der Bibel. Dennoch, Jesus ist unser Hirte, der unsere Krankheit, die Sünde kennt. Er hat sie nicht nur kennen gelernt, sondern er hat sie selbst auf sich genommen, um uns zu verstehen und um seine Schafe heilen zu können. Denn dadurch, dass er unsere Krankheit auf sich genommen hat, können wir heil werden, können wir Vergebung bekommen.

[2:34] Diese Woche wollen wir uns, wie gesagt, mit dem Psalm 23 beschäftigen. Und manchmal ist das ja so, wenn man einen Bibelabschnitt liest, in der Lektion oder für seine Andacht, den man gut kennt, dann läuft man so ein bisschen Gefahr, drüber wegzugehen und denkt: "Das kenne ich doch schon, das habe ich schon ein paar Mal gelesen und durchdacht." Aber ich hoffe, dass ihr trotzdem heute ein paar neue Sachen mitnehmen könnt. Mir ging es so in der Vorbereitung, dass ich neue Sachen entdecken durfte, und ich hoffe, dass sie euch auch bereichern. Lasst uns gemeinsam beten.

[3:09] Lieber Herr Jesus, wir wollen dir danken für dieses neue Quartal mit diesem sehr besonderen Thema des Schmelztiegels. Und wir möchten ja verstehen, was der Schmelztiegel für uns ganz persönlich bedeutet, für uns als Gemeinde, Gemeinschaft, und was du uns damit sagen möchtest. Denn wir alle müssen durch diesen Schmelztiegel hindurch, aber am anderen Ende wartet eine wunderbare Zukunft auf uns. Er sei du mit uns, mit dem Heiligen Geist, wenn wir ein Wort heute studieren. Amen.

[3:44] Im vorigen Quartal haben wir uns mit dem Buch Genesis, 1. Mose, beschäftigt. Und auch dort ist uns ein Hirte begegnet, den wir von dem lesen in 1. Mose 49, 24. Dort heißt es: "Aber sein Bogen bleibt unerschütterlich, und gelenkig sind die Arme seiner Hände, von den Händen des mächtigen Jakobs, von dort her, wo der Hirte, der Fels Israels ist." Aus diesem Vers wird deutlich, dass Gott der Hirte Israels ist. Die Bibel greift hier des Bildes Hirten für Gott auf, weil es Bezug auf Jakob nimmt. Denn wir wissen, auch Jakob war ein Hirte, und das Leben als Hirte war nicht einfach.

[4:36] Wir lesen hier über Jakob in 1. Mose 31, 40: "Es ging mir so, ein Tag verbrachte ich vor Hitze und in der Nacht vor Frost, und der Schlaf floh von meinen Augen." Das heißt, das Leben eines Hirten war alles andere als entspannt auf der Wiese liegen und ein paar Schafe hüten. Es hatte viele Herausforderungen.

[4:57] Wenn wir heute Psalm 23 lesen, dann wollen wir das Augenmerk ganz besonders darauf lenken, welchen Prüfungen Jesus uns aussetzt, in welche Positionen und Lebenssituationen er stellt, um uns auf künftige Dinge vorzubereiten.

[5:18] In seinem 23, Vers 1 heißt es in Psalm Davids: "Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln." Wir fahren gleich am Anfang von dem, dieser Psalm stammt nämlich von David, der ebenfalls ein Hirte war. Er kannte sich also aus mit dem harten Hirtenleben. Und wie wir aus der Bibel erfahren, war David ein sehr gewissenhafter Hirte, der sich seiner Verantwortung sehr wohl bewusst war.

[5:46] In Jesaja 40, Vers 11 steht: "Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte, er wird seine Schafe in seinen Arm nehmen und im Bauch seines Gewandes tragen. Die Mutterschafe wird er sorgsam führen." Das ist ein wunderschönes Bild, was die Bibel hier über einen Hirten malt. Die kleinen, schwachen Lämmer, die werden im Gewandhaus getragen. Der Hirte, der mächtige, große Mantel sein Gewand, und dann trägt der kleine Lämmchen darin. Das gibt uns ein Bild von Fürsorge und Geborgenheit. Und die Mutterschafe, die wird er sorgsam führen. Das heißt, auch ihnen gilt seine große Aufmerksamkeit und seine große Fürsorge.

[6:31] In Jesaja 23, Vers 3 bis 5 steht: "Und ich selbst werde den Überrest meiner Schafe sammeln aus allen Ländern, wohin ich sie versprengt habe, und ich werde sie wieder zu den Weideplätzen bringen, dass sie fruchtbar sein und sich mehren sollen. Und ich werde Hirten über sie setzen, die sie weiden sollen. Sie werden sich nicht mehr fürchten, noch erschrecken müssen. Auch soll keines vermisst werden, spricht der Herr."

[6:56] Da werde ich dem David einen rechten Spross erwecken. Der wird als König regieren und weise handeln und wird Recht und Gerechtigkeit schaffen auf Erden. Wir lernen aus diesen Versen, dass ein Hirte auch ein König ist und andersrum. Ein Hirte, ein König, also das gehört irgendwie zusammen. Im alten Orient wurden tatsächlich die Könige auch als Hirten bezeichnet, und das hat natürlich das Bild der Bibel mit geprägt, das Bild des Hirten in der Bibel.

[7:31] In diesen Versen wird auch das erste Kommen des Messias angekündigt, ja, als ein Spross Davids. Zuvor, wenn wir ein bisschen davor schauen, was vor Vers 3 passiert, da wird vor falschen Hirten gewarnt. Ja, die falschen Hirten, die die Herde in die Irre führen. Das will uns sagen, wenn wir uns auf Menschen verlassen, die wir als Hirten anerkennen und uns als Hirten suchen, dann laufen wir eventuell Gefahr, in die Irre geführt zu werden. Es gibt nur einen Hirten, der uns wirklich richtig führt, und das ist Gott.

[8:09] Im Psalm 23, Vers 1 heißt es ja: "Der Herr ist mein Hirte." Da heißt es nicht, dass ein Hirte, sondern mein Hirte. Und das grenzt sich so ein bisschen ab im Kontrast zu dem Abschnitt vorher in Jesaja 23, wo es hallt von den falschen Hirten spricht. Andere Menschen mögen falsche Hirten haben, aber mein Hirte ist Gott. Das heißt, ich habe eine persönliche Beziehung zu meinem Hirten.

[8:39] Und ihr wisst vielleicht, dass die Schafe die Stimme ihres Hirten ganz genau kennen. Und auch wir kennen die Stimme unseres Hirten Jesus ganz genau, wenn wir mit ihm eine persönliche Beziehung haben.

[8:53] Wir könnten genauso im Psalm 23, Vers 1 sagen: "Der Herr ist mein Pastor." Das ist uns vielleicht sprachlich und von der Idee her etwas näher und unserem Verständnis etwas zeitgemäßer. Aber genau das möchte der Psalm sagen: "Der Herr ist mein Pastor."

[9:18] Erwartet mich in Hesekiel 34, Vers 12, 15 und Vers 23 heißt es: "Wie ein Hirte seine Herde zusammensucht an dem Tag, da im Mitten unter seinen zerstreuten Schafen ist, so will ich mich, meine Schafe annehmen und sie aus allen Ordern retten, wohin sie zerstreut wurden, am Tag des Gewirrs und des Wolkendunkels. Und ich werde sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern zusammenbringen und werde sie in Land führen. Und ich werde sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und allen bewohnten Gegenden des Landes. Auf einer guten Weide will ich sie weiden, und ihr Weideplatz soll auf den hohen Bergen Israels sein. Dort sollen sie sich auf einem guten Weideplatz lagern und auf den Bergen Israels fette Weide haben. Ich selbst will meine Schafe weiden und sie lagern, spricht Gott, der Herr. Ich will ihnen einen einzigen Hirten erwecken, der sie weiden soll, nämlich meinen Knecht David. Der soll sie weiden, und der soll Hirte sein."

[10:25] Ein langer Abschnitt, aber ein interessanter Abschnitt, aus dem wir viel verstehen können über das Bild des Hirten. Zuerst einmal können wir sehen, dass Gott, erzählt, seine Schafe einsammelt. Das ist auch das, was ein Hirte war. Seine Aufgabe ist, seine Schafe zu sammeln, sie beieinander zu halten, dass sie nicht verstreut sind. Das ist natürlich ein Typus auf unsere Erlösung und auf unsere Sammlung am Ende der Zeit. Auch beim Auszug aus Ägypten und auch beim Auszug aus Babylon hat Gott seine Herde gesammelt und zurückgeführt. Und wir wissen auch, vor der Wiederkunft wird Gott seine Schafe sammeln, weltweit, von allen Enden der Erde, und wird sie gesammelt in den Himmel zurückführen, dort, wo wir eigentlich sein sollen.

[11:19] Ich habe viel gelesen, dass in diesem Hesekiel-Text David erwähnt ist. Nun, David war zur Zeit Hesekiels schon längst nicht mehr, ja, war schon lange tot. Also muss hier Jesus gemeint sein als ein Nachkomme Davids, so wie wir es vorher hier mehr gelesen haben. Denn David wird ja vor der Wiederkunft nicht noch einmal auferstehen. Also dürfen wir hier ganz getrost Jesus einsetzen und Jesus sehen in diesem Bild.

[11:45] In Johannes 10, 14 bis 16 heißt es: "Ich bin der gute Hirte und kenne die meinen und bin den meinen bekannt, gleichwie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne, und ich lasse mein Leben für die Schafe." Das ist vielleicht eine der berühmtesten und bekanntesten Verse, wenn es darum geht, dass Hirtenbild in der Bibel zu beschreiben. Jesus sagt: "Ich bin der gute Hirte." Und er sagt auch: "Ich lasse mein Leben für die Schafe."

[12:21] Das ist ja die Eigenschaft eines Hirten, dass er um jedes Schaf kämpft und dass ihm die Schafe nicht egal sind, sondern dass er auch gegen starke Feinde kämpft. Es heißt weiter: "Und ich habe noch andere Schafe, die nicht aus dieser Schafherde sind. Auch diese muss ich führen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte sein." Ja, diese Charakterzüge, die hier beschrieben werden, die beschreiben Jesus als Hirten.

[12:57] Jesus geht den Schafen voraus. Er hat es mehrmals getan. Wir lesen das in der Bibel, zum Beispiel in der Wüstenwanderung. Jesus ist in der Wolken- und Feuersäule vor seinem Volk hergegangen, wie ein Hirte. Nun, nicht in einem Hirten Gewand mit einem Stab, sondern als Wolke.

[13:16] Wenn wir die Geschichte von David und Goliath uns anschauen, dann können wir dort David sehen als jemanden, der sehr mutig ist. Eigentlich sollte ja, so der damalige König, gegen den Feind Goliath kämpfen, aber so war die Sache zu heiß, und er hat sich nicht getraut. Und nun kommt David, und er begründet seinen Einsatz damit, dass er ja hier zu sein und schon gegen Löwen und Bären gekämpft hat.

[13:48] David qualifiziert sich nun also als Hirte über Israel durch diesen Kampf und durch diesen Sieg gegen Goliath und zeigt damit, dass er ein furchtloser Hirte ist. Nicht nur ein furchtloser Hirte für Schafe, sondern auch ein furchtloser Hirte für das Volk Israel sein kann. Und so wie David im Kampf gegen den Feind sein Leben riskiert, so riskiert auch Jesus. Riskierte auch Jesus sein ewiges Leben im Kampf gegen seinen Feind Satan, als er als Mensch auf die Erde kam. Denn er hat sich hier in menschlicher Gestalt gezeigt und hat ja sich der Versuchung ausgesetzt und hat doch gesiegt. Aber das Risiko hatte er auf sich genommen, dass er fallen und sündigen könnte und somit hätte er auch sein ewiges Leben verwirkt.

[14:47] Das heißt, Jesus als Hirte hat alles riskiert. Er hat alles auf die Waagschale gelegt. Ebenso hat es David getan. Wenn er gegen Bären und Löwen gekämpft hat, hat er sein Leben riskiert, hat er alles gegeben, was er geben konnte. Und das qualifiziert sowohl David als auch Jesus zum Hirten und zum König über sein Volk.

[15:09] In 1. Petrus 2, Vers 25 heißt es: "Denn ihr wart wie Schafe, die in die Irre gehen. Jetzt aber habt ihr euch bekehrt zu dem Hirten und Hüter eurer Seelen."

[15:21] Sehen wir genau lesen, dann stellen wir fest, dass Petrus hier Worte aus einer anderen Prophezeiung des Alten Testaments nimmt, nämlich aus Jesaja 53, dem berühmten Kapitel über die Kreuzigung. Und dort nimmt der Formulierungen aus Vers 6 und 7, wo es heißt: "Wir alle gingen in die Irre." Das finden wir im Petrus-Text wieder: "Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg. Aber der Herr warf unser aller Schuld auf ihn. Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, und seinen Mund nicht auftut."

[16:07] In Jesaja 53 sehen wir Jesus als das Lamm, das geschlachtet wird. Aber in 1. Petrus spricht Petrus nun nicht mehr von dem Lamm, sondern von dem Hirten. Also, es gibt quasi einen Perspektivwechsel. Und Jesus hat alles das durchlaufen, erkennt ja die verschiedenen Facetten. Er weiß, wie es sich anfühlt. Er kann uns verstehen. Aber er ist dadurch, dass er sinnlos über diese Erde gegangen ist, zu unserem Hirten geworden.

[16:39] In 1. Petrus 5, Vers 2 bis 4 steht: "Hütet die Herde Gottes bei euch, indem ihr nicht gezwungen, sondern freiwillig Aufsicht übt, nicht nach schändlichem Gewinnstreben, sondern mit Hingabe, nicht als solche, die über das ihnen zugewiesene herrschen, sondern indem ihr Vorbilder der Herde seid. Dann werdet ihr auch, wenn der oberste Hirte offenbar wird, den unverwelklichen Ehrenkranz empfangen."

[17:12] Wir lernen aus diesem Abschnitt, dass es einen obersten Hirten gibt, und das ist Gott, das ist Jesus. Und es gibt unter Hirten, und das sind die, die die Idee der Gemeinde vorstehen. Das heißt, das sind die Gemeindeleiter. Und Jesus sagt ja, es gibt eine Regierungsweise, die mir ja, die ich verfolge, und ich möchte, dass ihr diese Regierung, in Anführungsstrichen, Regierung, auch ausübt, nämlich meine Art zu regieren, zu herrschen, ist Vorbild zu sein.

[17:44] Ich möchte nicht herrschen, ich möchte nicht befehlen, sondern ich möchte euch vorstehen durch ein vorbildliches Wesen und ein vorbildliches Verhalten. Und Petrus sagt, das sollten alle Gemeindeleiter so machen. Sie sollen nicht herrschen, sie sollen nicht regieren in ihren Gemeinden, sondern ihre Art, wie sie der Gemeinde vorstehen, ist durch Vorbild.

[18:13] Auch ein Aspekt des Hirten. Im Psalm 80, Vers 2 heißt es: "Du Hirte Israels, höre! Du, der Josef führt wie Schafe, du, der thronst über den Cherubim, leuchte hervor!" Hier können wir sehr schön sehen, dass der Hirte hier thront. Das heißt, hier haben wir wieder diese Synergie von Hirten-Dasein und König. Wieder dieser Aspekt, dass der Hirte auch der König ist.

[18:39] Jeremia 44, Vers 28 sagt der von Kyros: "Er ist mein Hirte und er wird all meinen Willen ausführen." Und zu Jerusalem sagen: "Werde gebaut und zum Tempel werde gegründet." Das kennen wir aus dem Buch Daniel, und auch er wird als Hirte bezeichnet hier im Buch Jeremia, obwohl er ja kein Israelit war, sondern von einem ganz anderen Volk stammte. Aber er hat das Volk Gottes befreit, indem er die Babylonier besiegt hat, und er hat das Volk dazu animiert, zurückzukehren in ihr Land. Er war es, der sie befreit hat aus der Gefangenschaft, um ja die verstreuten Schafe wieder zurückzubringen nach Israel. Und ganz sicher hat Gott ihm das aufs Herz gelegt und ihm das eingegeben. Und da ist natürlich ein Typus auf Jesus.

[19:42] Jeremia 31, 10 bis 11: "Hört, Völker, und verkündigt es auf den fernen Inseln und sprecht: Der Israel zerstreut hat, der wird es auch sammeln und wird es hüten wie ein Hirte seine Herde. Denn der Herr hat Jakob losgekauft und ihn aus der Hand dessen erlöst, der mächtiger war als er." Ja, das Schaf, das ist viel schwächer als sein Feind, der Löwe oder der Bär. Aber der Hirte, der ist stärker als der Löwe, und er kann sein Schaf befreien und loskaufen.

[20:21] Im alten Orient war es so, dass man als Hirte Rechenschaft darüber ablegen musste, ob man die Herde gut geführt hat und ob alle Schafe wieder gesund zurückgekehrt sind. Das heißt, man musste ja das, was einem anvertraut worden war, auch wieder wohlbehalten zurückgeben. Weil es war so, dass viele Hirten einfach eine Herde in Obhut genommen haben, sie auf Wiesen und Felder geführt haben über die Sommermonate und dann wieder zu ihrem Herrn zurückgebracht haben.

[21:01] Jeremia 13, Vers 20: "Hebt eure Augen auf und schaut die, welche von Norden her kommen. Wo ist die Herde, die dir anvertraut wurde, eine prächtige Herde?" Hier haben wir auch wieder diesen Aspekt der Rechenschaft, die der Hirte ablegen muss. Und falls ein Schaf fehlte, musste der Hirte diesen Berg begleichen. Und das war eine große Verantwortung. Und es war natürlich im Interesse des Hirten, dass er alle Schafe gesund wieder zurückbrachte.

[21:27] Genauso ist es mit den Hirten, die wir heute in den Gemeinden haben, den Gemeindeleitern. Auch sie haben eine große Verantwortung vor Gott, die Schafe, die ihnen anvertraut sind, sicher zu führen. Auch über sie müssen sie eines Tages Rechenschaft ablegen.

[21:44] Widmen wir uns Vers 2 in Psalm 23: "Er weidet mich auf grünen Auen und führt mich zu stillen Wassern."

[21:55] In Jeremia 31, 12 heißt es: "Und sie werden kommen und auf der Höhe zu uns jubeln und herbeiströmen zu der Güte des Herrn, zum Korn, zum Most und zum Öl und zu den jungen, zu den jungen Schafen und Rindern. Und ihre Seele wird sein wie ein bewässerter Garten, und sie werden nicht länger... "

[22:16] Jesus, unser Hirte, führt sein Volk zu grünen Auen. Und man kann auch einsetzen zum himmlischen Festmahl. Dann, das ist die grüne Au, auf die wir alle warten. Das ist der Ruheort, an dem wir ja, an dem uns Jesus weiden möchte. Der Ruheort ist sozusagen der Himmel.

[22:37] Das Wasser, das hier angesprochen ist in Vers 2, "zu stillen Wassern", dieses "stehe" bezieht sich eigentlich nicht auf das Wasser, sondern auf den Platz am Wasser. Das heißt, nicht, dass das Wasser still ist, dass ein See ist, das kann auch ein kleiner Bach sein, der plätschert. Aber die Wiesen drumherum, die sind idyllisch, die sind ruhig, die sind abgelegen, und die sind so, dass Schafe dort sicher weiden können und sich niederlassen können.

[23:08] David selbst hatte ja ein sehr ruhiges Leben, vor allem in der ersten Hälfte. Er war ständig auf der Flucht vor König Saul. Und ich glaube, dass er solche Verse wie diesen auch geschrieben hat als Ausdruck seiner Sehnsucht, dass er dadurch auch ja verarbeitet hat, dass er sich so sehr sehnt nach einem ruhigen Weideplatz, wo er ausruhen kann in Gott. Er hatte selbst diese Sehnsucht nach seinem Hirten Gott.

[23:38] In dem Hebräischen ist hier dieses Wort "auen", was hier bei uns am Ende dieser Zeile steht, ganz am Anfang des Satzes. Und das ist eine sehr ungewöhnliche Konstruktion im Hebräischen, und es betont das Wort "auen", das heißt, zu grünen Auen führt mich Gott. Und es hebt das so...

[24:00] Augen führt mich Gott und es hebt das so ein bisschen her. Forder Gott sagen möchte: Ich für euch an besonders schöne Plätze, an besonders grüne und saftige Plätze, damit es euch dort gut geht. Vers 3 im Psalm 23: "Erquickt meine Seele. Er führt mich auf rechten Straßen um seines Namens willen." Ja, "erquicken" – das ist ein Wort, das alt ist, aber doch immer wieder in der Bibel begegnet und uns immer wieder dazu anregt, darüber nachzudenken, was das bedeutet. Erquicken heißt nichts weiter als erfrischen oder auch beleben. In Jesaja 40,31 steht: "Aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft." Das ist ein ganz bekannter Vers. Dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. Das heißt, dass es Gottes Wille ist, dass wir stark sind, dass wir in vollem Saft sind. Das heißt, wenn wir, wenn Gott uns führt, dass wir das, uns wirklich gut geht.

[25:07] In Matthäus 28 ist ein ganz ähnlicher Gedanke: "Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken." Das heißt, Jesus möchte uns wiederherstellen, möchte unsere vielleicht gebeugte Seele wiederherstellen. Das Wort "rechte Straße" oder der Ausdruck "rechte Straße" bedeutet im Hebräischen eigentlich "Weg der Gerechtigkeit". Und "eigene" steht sogar das Wort "Gerechtigkeit" hier im Hebräischen im Plural. Das kann man auf Deutsch kaum ausdrücken, aber im Englischen in der King James Bibel steht dort "paths of righteousness", das heißt, das sind die Pfade der Gerechtigkeit. Man könnte auf Deutsch sagen: "Wege der Gerechtigkeit".

[25:50] Also, wir können sehen, Gott macht uns Pfade, eröffnet Wege. Wir können vielleicht das Bild eines Bahngleises uns vorstellen, eines Gleises, das geradeaus führt und das ja recht ist, er geradeaus geht. In unserem Leben ist es oft so, dass wir mehrere Etappen zurücklegen und selten ist es so, dass wir einen geraden Weg geradeaus gehen. Sondern wir gehen einen Weg, dann geschieht etwas, vielleicht ein Schein, eine Prüfung, und damit sind wir beim Thema Schmelztiegel. Gott mutet uns etwas zu, woran wir wachsen können, und dann folgt die nächste Etappe, der nächste Gleis, bis wir zum nächsten Ort kommen, zum nächsten Bahnhof, wo Gott wieder etwas vorbereitet hat, an dem wir wachsen können. Eine Prüfung, ein Problem, eine Herausforderung – und dann kommen wieder die nächste Etappe. Und so arbeitet Gott mit uns Menschen, dass er unseren rechten Straßen führt, aber in Etappen. Und zwischendurch hat er uns bestimmte Dinge...

[27:02] Gott führt mich – so heißt es in diesem Vers. Gott führt uns Menschen, und je mehr wir seine Führung in unserem Leben zulassen, umso mehr gehen wir auch Gottes gerechte Wege. Wenn ich Gott nicht frage nach dem Weg, den ich gehen soll, dann gehe ich auf meiner eigenen Wege, und die sind selten gewinnbringend. Aber wir dürfen wissen: Wenn wir nach Gottes Weg fragen, dann wird er uns auch den Weg zeigen. Und die rechte Straße, von der es hier im Psalm 23 heißt: Gott führt mich ganz persönlich. Aber Gott führt auch kollektiv, Gott führt auch seine ganze Gemeinde, und Gott führt sogar die ganze Welt, die ganze Menschheit einen bestimmten Weg. Und selbst wenn die Menschen um Wege gehen, die Gott eigentlich gar nicht vorgesehen hat, dann wird Gott trotzdem am Ende immer alles zu dem Ziel führen, dass er gesetzt hat. Und das ist das Wunder, das ist bei Gott gibt, dass er alles das erreicht und zum Ziel führt, was er prophezeit hat in seinem Wort.

[28:06] Im Psalm 23: "Und wenn ich auch wanderte durchs Tal des Todesschattens, so fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir. Dein Stecken und dein Stab trösten mich." Wir sind im Herzen des Psalms angekommen und wir wollen über diesen, diesen Vers besonders nachdenken. Das ist auch ein sehr langer Vers, der längste Vers in diesem Psalm. Ja, "Todesschatten" – im Hebräischen das Wort "Zel-mavet", das heißt tiefe Finsternis, Dunkelheit, Düsternis. Also, wir bekommen den Eindruck von etwas, wo überhaupt gar kein Licht hinkommt. Es gibt einige Parallelen Verse, die dieses Wort auch beinhalten. Zum Beispiel in Hiob 10, 20 bis 22: "Ist meine Lebenszeit nicht kurz genug? Erhöre doch auf, lasse ab von mir, dass ich mich ein wenig erhole, ehe ich dahin fahre, immer wieder kehre in das Land der Düsternis und des Todesschattens, in das Land, das schwarz ist wie die Finsternis, das Land des Todesschattens, wo keine Ordnung herrscht, wo das Licht wie tiefe Finsternis ist." Das ist eine sehr ausgeschmückte, poetische Beschreibung dieses Wortes "Zel-mavet". Es beschreibt eine Situation im Leben. Und sie kennen das Leben von Hiob. Wir wissen, was er durchgemacht hat. Und das war eine Situation, wo man keinen Ausweg mehr wusste. Und auch uns können solche Situationen im Leben begegnen.

[29:43] Die Bibel beschreibt hier dieses Tal des Todesschattens als etwas, das so dunkel ist wie das Erdreich, wo kein Licht hingelangt. Also, man ist wie in einer ausweglosen Situation. Und ich weiß nicht, ob ihr so etwas schon einmal erlebt habt in eurem Leben, dass ihr in eine Situation, in eine Herausforderung und ein Problem gekommen seid, vielleicht eine Krankheit, den Verlust des Arbeitsplatzes oder eine große Ehekriese, was auch immer euch begegnet sein mag, dass man das Gefühl hatte, man geht durch das Tal des Todesschattens und man weiß eigentlich nicht, wie es weitergehen soll.

[30:22] Im Psalm 107, Vers 14 steht: "Er führte sie heraus aus Finsternis und Todesschatten und zerriss ihre Fesseln." Es ist eine gute Botschaft hier drin. Steht, dem Gott kann die Fesseln zerreißen. Aber interessant ist das Bild, dass der Todesschatten in Verbindung gebracht wird mit Fesseln. Man fühlt sich gebunden, man fühlt sich festgehalten. Dass, wenn man aus dieser Situation nicht rauskommt.

[30:52] Jeremia 2,46: "Dort steht: Und sie haben nicht gefragt: Wo ist der Herr, der uns aus dem Land Ägypten herausgeführt und uns durch die Wüste geleitet hat, durch ein wildes und zerklüftetes Land, durch ein dürres und totes Land, durch ein Land, das niemand durchwandert und kein Mensch bewohnt?" Dieses tote Land. Dort steht auch hier wörtlich: "Land des Todesschattens." Ja, es ist ein einsames Land, ein verlassenes Land. Und Gott führt uns manchmal im Leben durch solche Etappen.

[31:24] Wir kommen schnell dahin, dass, wenn wir so durch solche Täler gehen, dass wir Gott anklagen, dass wir fragen: Warum muss ich das hier durchmachen? Es hat doch keinen Sinn. Mein Leben war so wunderbar, die Abschnitte hinter mir liegen, war ein segensreicher Abschnitt. Warum passiert mir das jetzt? Und wir wollen, wenn wir weiterlesen, ein bisschen darüber nachdenken, wie eigentlich Gott sich verhält, während wir in diesem Tal sind, wie er sich zu uns verhält.

[32:01] Wichtig ist, dass wir verstehen, dass der Psalm 23 nicht chronologisch ist. Eigentlich kommt erst das dunkle Tal und dann die grünen Auen. Wir haben aber in Vers 2 schon von den grünen Auen gelesen und lesen jetzt das vom Tal des Todesschattens. Aber die grünen Auen, wir haben gesagt, ist ja der Himmel, ist das, was am Ende auf uns wartet. Und das Tal des Todesschattens kommt natürlich davor.

[32:27] Und so heißt es in 2. Korinther 4, 16 bis 18: "Darum lassen wir uns nicht entmutigen, sondern wenn auch unser äußerer Mensch zugrunde geht, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert. Denn unsere Bedrängnis, die schnell vorübergehend und leicht ist, verschafft uns eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit. Da wir nicht auf das Sichtbare sehen, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig." Das wieder dieser Gedanke von der, von der Ewigkeit, von der grünen Aue, die auf uns wartet.

[33:06] Und fand die Formulierung "eine gewichtige Herrlichkeit", die wir erlangen, ganz besonders, denn wir bekommen nicht einfach so eine halbe, eine Herrlichkeit, sondern wir bekommen eine gewichtige Herrlichkeit, weil wir einiges durchgemacht haben und weil wir in Schwierigkeiten Gott vertraut haben. Und so die Herrlichkeit, die wir bekommen, gewichtig, auf die, die ist unkaputtbar, sein starkes Seil, da kann man sich drauf verlassen.

[33:33] Ja, die Täler des Lebens, so wie Paulus es in diesem Abschnitt schreibt, kommen uns im Blick auf die Ewigkeit wirklich unerheblich vor, kurz und gar nicht mehr so schlimm, wie wir noch in ihnen stecken. Und wir können darauf vertrauen, dass Gott uns Menschen nur so viel und so lange und so stark prüft, wie wir es brauchen. Er prüft uns nicht über Gebühr. Und er möchte, dass wir nur kurz lernen, was wir lernen müssen, um die nächste Etappe zu absolvieren. Aber er hat keinen Gefallen daran, uns durch lange, finstere Lebenstäler zu führen. Und er tut das auch nicht grundlos. Das Problem, das wir aber manchmal haben, dass wir in diesen Tälern verweilen, weil wir dem Hirten nicht vertrauen.

[34:24] Eigentlich möchte Jesus uns, sobald es geht, rausführen. Und er möchte, dass wir dort wieder herauskommen. Hat den Israeliten gesagt: Ich werde euch 70 Jahre in Babylon lassen. Und nach den 70 Jahren hat er sein Wort gehalten und sie durften zurück. Aber sind alle Israeliten zurückgekehrt aus Babylon? Nein, nur ein Überrest ist zurückgekehrt. Und die anderen wollten bleiben in dem Tal des Todesschattens, in der Verbannung, in der heidnischen Welt. Und so geht es uns auch, dass wir uns diese Täler zu eigen machen und gar nicht wissen, was für ein wunderbares Leben danach auf uns wartet.

[35:04] Also, lasst uns uns vornehmen, unserem Hirten zu vertrauen, während wir in den Tälern sind, und uns ja auch ausziehen lassen, wenn es an der Zeit ist. Sonst macht es unser Leben nur schwieriger und trüb-sinniger als nötig.

[35:18] Wenn man im Dunkeln geht und vielleicht habt ihr das schon mal gemacht, dann braucht man jemand, der einen führt. Dann braucht man jemand, der an der Hand nimmt, weil man selber kann nicht sehen. Und man braucht jemand, der keine Angst hat, der einen beruhigt. Und so können wir auch Gott vertrauen in diesen finsteren Tälern, in diesen dunklen Todesschatten. Gottes, derjenige, der uns an die Hand nimmt, der uns sagt: Du musst keine Angst haben.

[35:46] Und es kommt noch viel besser. Er sagt, wir dürfen eine Vorfreude haben, denn er hat uns immer verheißen, dass nach schwierigen Zeiten gute Zeiten kommen. Und wenn sie nicht in diesem Leben kommen, da kommen sie ganz gewiss in der Ewigkeit. In der Retrospektive erscheint uns ja diese Täler unseres Lebens nicht so schlimm, weil, wenn wir einmal im Himmel sein werden, werden wir uns kaum erinnern können.

[36:11] Und es gibt in der ersten Division die Einheit hatte diese besondere Begebenheit, die sie dort gesehen hat, dass sie die beiden Brüder, die schon ja gestorben waren, Stockmann und Fitch, gesehen hat. Und diese beiden haben sie gefragt: Ja, wie war es denn nun in der Trip-Salz-Zeit? Wie schlimm war es denn? Erzähl doch mal. Und weit versucht sie zu erinnern und weiß gar nicht mehr so recht. Und es fiel ihr schwer, das Ganze zu beschreiben, weil es schien ihr so unerheblich und gar nicht mehr so schlimm. Und so wird es uns gehen in der Ewigkeit, dass wir auf dieses Leben zurückblicken und Schwierigkeiten haben, uns zu erinnern, wie das eigentlich war.

[36:54] Im Himmel haben wir eine ganz andere Perspektive. Und es heißt hier im nächsten, im Vers: "Denn du bist bei mir." Und das ist das Wichtige in diesem Tal des Todesschattens. "Denn du bist bei mir." Das eine wichtige Zusage.

[37:09] "Stecken und Stab trösten mich." Interessant ist, dass David ab diesem Abschnitt von Gott in der zweiten Person spricht. Er spricht ihn an als "du". Bisher hat er immer in der dritten Person von Gott gesprochen. Also eine kleine Randbemerkung, die uns aufhorchen lassen sollte, denn sie zeigt, dass David eine persönliche Erfahrung mit Gott gemacht hat, dass er jetzt seinen Hirten anspricht als "du" und nicht mehr über "er" spricht.

[37:40] Und auch uns geht es so, wenn wir diese Erfahrungen der Täler und der Todesschatten gemacht haben, dann wachsen wir mit Jesus enger zusammen. Wir haben noch eine innigere Beziehung zu Jesus, als wenn wir diese Schwierigkeiten nicht durchgemacht hätten. Im Jakobusbrief heißt es: "Wir sollen uns freuen und jubeln, wenn wir in allerlei Anfechtung geraten." Und Anfechtung ist hier nichts weiter als diese Täler des Todesschattens, weil wir wissen, dass wir daran wachsen dürfen und dass wir eine Zeit durchmachen werden, in der wir ganz besonders getragen werden von Gott.

[38:21] Ja, dieser Stecken und der Stab – die sind Begriffe aus der Hirtenwelt und sind synonym füreinander, meinen das Gleiche. Und der Hirtenstab hatte verschiedene Aufgaben. Er war natürlich für den Hirten eine Stütze beim Laufen, aber der Stab war auch dazu da, die Schafe zu lenken, dass der Stab zeigte die Grenze auf, wo die Schafe hingehen sollten. Er führt sie und er zeigt den Weg, wo es sicher ist und wo es nicht sicher ist. Und der Stab war auch dazu da, die Feinde der Schafe, die wilden Tiere, zu schlagen.

[38:58] Wir kommen am Schluss noch mal auf diesen Hirtenstab zurück. Wir wollen uns dem Vers 5 im Psalm 23 widmen: "Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde. Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, mein Becher fließt über." Ein ganz interessanter Fund. Ich glaube, dass wir heute etwas Neues lernen dürfen, wenn wir diesen Vers studieren. Wir werden ein paar Parallelen Verse lesen.

[39:25] Und zwar beginne ich mit 4. Mose 27, Vers 19: "Dort heißt es: Und sie redeten gegen Gott und sprachen: Kann Gott uns wohl einen Tisch bereiten in der Wüste?" Ist genau die gleiche Formulierung wie Psalm 23. Und die Frage wird hier von den Israeliten gestellt, und sie offenbart, dass sie kein Vertrauen haben zu Gott. Denn sie fragen: Naja, kann Gott uns hier einen Tisch bereiten in der Wüste? Das haben sie natürlich während der Wüstenwanderung gefragt, weil sie Gott nicht vertraut haben. Und Gott hat ihnen jeden Tag Manna geschenkt, außer am siebten Tag. Aber er hat sie versorgt, die ganzen Jahre.

[40:04] Jesaja 21,5: "Man deckt den Tisch, man breitet die Polster aus, man isst und trinkt. Auf, ihr Fürsten, salbt den Schild!" Diese Szene, die erfüllt sich in Daniel Kapitel 5 bei Belsazar. Dies ist ein Festmahl, macht, und es ist dort dieselbe Formulierung: "Man bereitet den Tisch." Wir wissen, das Bild. Sein Festmahl gegeben hat und dass er sogar die Geräte, die heiligen Geräte, die ja aus dem Tempel in Jerusalem mit verschleppt worden waren, herbeiholt und daraus haben sie ihren Wein, ihren Alkohol getrunken und dadurch die Geräte entweiht und große Schuld auf sich geladen. Und wir wissen, dass die Folge dieser, dieser schlimmen Orgie, die Vernichtung Babylons und dieser Menschen noch in derselben Nacht war.

[41:02] Sprüche 9,2: "Sie hat ihr Vieh geschlachtet, ihren Wein gemischt und ihren Tisch bereitet." Und ich habe hier extra die Luther-Übersetzung genommen, weil die Schlachter-Übersetzung, die ich sonst benutze, hat diese Formulierung "nicht ihren Tisch bereitet". Aber die Luther hat sie. Die Weisheit ist hier gemeint. Wir wissen ja, Sprüche 8 und 9 sprechen auch von der Weisheit, und die Weisheit des Jesus. Und die Weisheit hat hier den Tisch gedeckt. Auf dem Tisch gibt es auch Gottes Weisheit.

[41:32] Das heißt, Gott deckt uns in vielerlei Hinsicht den Tisch. Gott kann uns den Tisch decken in der Wüstenwanderung in Form von Manna, also wirklich Nahrung für den Körper. Aber Gott deckt auch den Tisch in geistlicher Hinsicht, damit wir geistlich versorgt sind. Und so können wir auch hier dem Psalm 23 verstehen, dass er mir den Tisch deckt im Angesicht meiner Feinde.

[41:57] Und wir werden nachher noch sehen, wie das sich erfüllt hat am Kreuz. Dennoch, dort hat Gott seinem Sohn einen Tisch gedeckt.

[42:10] Die Formulierung "mein Haupt mit Öl gesalbt" – da denkt man doch irgendwie sofort an die Königssalbung. Aber hier ist etwas anderes gemeint. Und das ist ein toller Punkt, denn die Salbung mit Öl, von der sie spricht, das möchte uns vermitteln, dass hier mit Öl nicht gegeizt wird. Es ist eine verschwenderische Gabe, sowie Maria, die Füße hier so gesalbt hat mit dem kostbaren, teuren Öl. Möchte sagen: Gott gibt im Überfluss. Gott gibt mehr als nötig. Und wir sind ja immer noch in dem Gedanken des Tals des Todesschattens.

[42:52] Und wir können lernen, dass Gott uns im Tal des Todesschattens mit Segen überschüttet. Er gibt uns mehr als wir brauchen, wenn wir durch Schwierigkeiten gehen. Ja, gibt uns Kraft, er gibt uns Menschen an die Seite, die uns stützen, als geistliche Kraft, gibt uns körperliche Kraft, damit wir durch Täler hindurchgehen.

[43:18] Psalm 92, Vers 10 und 11 und Vers 13. Dort heißt es: "Denn sieh, deine Feinde, sieh, deine Feinde kommen um, alle Übeltäter sollen vertreten werden. Aber mein Herr, hörst du, wie das eines Büffels? Ich bin übergossen mit frischem Öl. Der Gerechte wird sprossen wie ein Baum, er wird wachsen wie eine Zeder auf dem Libanon." Die Feinde werden hier fallen, sie werden besiegt. Aber mein Horn – das heißt, ich werde erhöht. Das ist ein schöner Kontrast, den wir hier sehen können. Die Salbung ist hier sozusagen ein Zeichen für Sieg über die Feinde. Und dem Sieg folgt die Erhöhung.

[44:02] In Vers 13 lesen wir von dem Palmbaum, und auch in Psalm 92, 3 lesen wir von dem Palmbaum, etwas ja, dass wir in dem Vorhof sein werden für alle Zeit.

[44:22] Das Wort "salben", das hier im Psalm steht, das ist das Wort "an". Und das ist nicht einfach salben, wie man in der Königssalbung gemacht, sondern das ist salben im Sinne von "fett machen", "kräftig machen", "stärken". Also etwas wirklich saftvoll, kräftig. Und im Psalm 20,4 heißt es: "Er gedenke an alle deine Opfer und siehe da, ein Brandopfer, wohlgefällig." Und hier heißt es auch: "El, siehe dein Brandopfer als fett an." Also dieses Wort "an" kommt an mehreren Stellen vor. Auch im Psalm 92,15: "Noch im Alter tragen sie Frucht, sind saftvoll und frisch." Und an der Stelle von "saftvoll" steht hier das Adjektiv und dann auch wieder "kräftig", "fett".

[45:10] Noch im Psalm 46: "Meine Seele wird wie von Fett und Mark, und mit jauchzenden Lippen lobt ich meinen Mund." Dass es wieder die gleiche Idee auch vom Wort "an" abgeleitet im Hebräischen. Das heißt, die können als Fazit sagen: Gott gibt reichlich und er gibt viel mehr als wir brauchen. Gott geizt nicht mit seinen Siegen. Gott gibt uns, was wir brauchen. Sie gibt es uns nicht nur in guten Zeiten, er gibt es uns in den Tälern, in den dunklen Kellern unseres Lebens.

[45:45] Der letzte Vers, 4,6: "Güte und Gnade werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Haus des Herrn immerdar." Im Hebräischen heißt es hier eigentlich wirklich nur "Gutes und Gnade". Gnade meint hier, dass das hebräische Wort "Chesed" ist, hier das Wort "beständige Treue", "Bundes Treue". Also mein...
[46:06] ...Wort "Chesed" ist hier das Wort "beständige Treue", "Bundes Treue". Also mein...

[46:09] Beständige Treue, Bundes Treue. Also mein Bund, den ich mit euch gemacht habe, der bleibt. Und das Wort "verfolgen", was hier steht, darf ist eigentlich "verfolgen". Das heißt, Gutes und Gnade werden mich verfolgen. Sie werden mir auf den Schritt folgen. Und wenn wir an David denken, der von Saul verfolgt wurde, dann hat sich David hier gewünscht und gewusst: Wer nicht bei Gott bleibt, der wird irgendwann nicht mehr – sah mich verfolgen, sondern nur noch Gutes und Gnade werden mich verfolgen. Dem Haus des Herrn. Damit kann der himmlische Tempel gemeint sein oder auch die Stifter zurzeit Davids, als er diesen Psalm geschrieben hat. Gab es ja noch keinen Tempel aus Marmor und Stein. Den hat dann erst sein Sohn gebaut. Aber es wäre möglich, dass er natürlich diesen Psalm geschrieben hat für den kommenden Tempel, damit dieser Psalm dort gesungen werden konnte. Ja, "immer da" heißt für immer, für die Länge der Tage. Gott möchte, dass wir auf ewig bei ihm sind. Er möchte uns erlösen.

[47:19] Abschließend möchte ich mit euch eine Frage über eine Frage nachdenken: Warum dieser Psalm 23 gerade an dieser Stelle der Psalmen steht? Und da müssen wir ein bisschen auf den Kontext achten. Was steht vor Psalm 23? Was steht danach? Ihr wisst vielleicht, dass Psalm 22 von der Kreuzigung spricht. Ich empfehle euch, den zweimal durchzulesen, bevor ihr die Lektion am Sabbat besprecht. In Psalm 22 gibt es einige Verse, die Jesus am Kreuz zitiert. Und es wird deutlich in diesem Psalm, dass es ein Hirte ist, der das Leben für seine Schafe gibt.

[48:07] Psalm 24 stellt später die Frage in Vers 8: Wer ist der König der Herrlichkeit? Den die Engel im Ja, das ist diese Frage und diesen Wechselgesang, den singen die Engel. Und in Wahrheit sagt, dass die Engel diesen Wechselgesang gesungen haben, als Jesus auferstanden war und zum Himmel gefahren ist. Das heißt, wir haben hier mit Psalm 22 den Psalm der Kreuzigung, mit Psalm 24 Jesus nach der Auferstehung im Himmel. Und wir können schlussfolgern, dass Psalm 23 genau die Zeit dazwischen darstellt: die Zeit am Kreuz in der Finsternis, die ja buchstäblich sich erfüllt hat, und die Zeit des Grabs, die Zeit des Tals des Todesschattens. Wir können in Vers 23, in Psalm 23 sehen, dass Gott sich um Jesus kümmert, um seinen Sohn. Jesus hat ein unerschütterliches Vertrauen zum Vater. Es mangelt ihm an nichts. Er ist völlig abhängig während seinem Dienst hier auf der Erde und auch am Kreuz ist Jesus völlig abhängig vom Vater. Sein Ziel ist der Himmel, der Ruheort. Die rechte Straße, die Jesus gegangen ist, ist ein tadelloses Leben. Die er gegangen ist, weil sein Vater ihn jeden Tag geführt hat.

[49:48] Das Tal des Todesschattens war die buchstäbliche Finsternis am Kreuz. Jesus sah den Vater nicht. Jesus spürte den Vater nicht. Er konnte sich nur auf seinen Glauben verlassen und auf das geschriebene Wort, was er gut kannte, dass der Vater ihn nicht verlassen würde. Und dennoch hat er gefragt: "Eli, Eli, lama sabachthani?" Mein Gott, warum hast du mich verlassen? Gott hat Jesus den Tisch gedeckt angesichts seiner Feinde. Welche Speise mochte Jesus am liebsten? Es waren bekehrte Seelen. Und selbst am Kreuz hat Gott, der Vater, seinem Sohn diese Speise gegeben, als der Schächer am Kreuz sich bekehrt hat. Um das Kreuz herum standen die Feinde, die Jesus verspottet haben. Aber in diesem Setting, in dieser Umgebung hat Gott, der Vater, Jesus den Tisch gedeckt und die Speise gegeben, die er am liebsten hatte.

[51:01] Stecken und Stab. Wir kennen einen Stab in der Bibel, nämlich den Stab Aarons zum Heiligtum. Ein Stab, der tot war, genau so tot, wie Jesus tot war. Aber der widersprüchlich. Und so konnte Jesus auch die Hoffnung haben, dass auch wenn er ins Grab gehen würde, dass er auch wieder sprossen würde, wie dieser Mandelzweig, dieser Stab im Haus des Herrn. Jesus ging zurück ins Heiligtum, um dort für uns zu dienen. Er ging zum Vater zurück, setzt sich auf den Thron. In diesen Psalmen, der uns so gut bekannt ist und den sicherlich viele von euch auswendig können, steckt so viel Schönheit. Und ich hoffe, dass wir heute ein bisschen mehr noch von dieser Schönheit erkennen konnten.

[51:59] Gott meint es gut mit uns und er prüft uns nur so viel, wie es unbedingt nötig ist. Die Schmelztiegel, durch die Jesus uns führt und die wir durchlaufen müssen, damit wir geprüft und geläutert werden. Das sind Zeiten, in denen Gott uns ganz besonders nah sein möchte. Das sind Zeiten, in denen wir sagen: "Ich verstehe nicht, warum ich das durchmachen muss. Ich fühle mich nicht gut und ich fühle mich verlassen." Aber wenn wir hindurchgegangen sind durch diese Täler und wieder auf der rechten Straße sind, dann können wir oft verstehen, warum Gott all das zugelassen hat und können verstehen, dass Gott etwas uns beibringen wollte, was uns charakterlich weiterbringt.

[52:51] Dieser Gedanke kann unser Leben revolutionieren, wenn wir Schwierigkeiten und Probleme, vermeintliche Rückschläge und Niederlagen nicht als etwas Schlechtes betrachten und Gott dabei anklagen, warum uns das zumutet, sondern wenn wir diese Zeit als besondere Wachstumsphasen betrachten und begreifen, und uns immer gewiss sind, dass am Ende grüne Auen auf uns warten. Gott macht seine Zusagen immer wahr. Es liegt an uns, ob wir ihm vertrauen. Und wenn wir uns diesen Psalm 23 zu eigen machen und nicht im Tal des Todesschattens hängen bleiben, sondern unser Auge richten auf die grünen Auen und uns vom Hirten Jesus führen lassen, dann werden wir auf rechter Straße das Ziel erreichen. Das wünsche ich euch, dass ihr und wir alle dieses Ziel erreichen und uns eines Tages fragen: Was ist eigentlich gewesen auf der Erde? Was haben wir da eigentlich erlebt? Im Angesicht der Ewigkeit ist es unerheblich, weil die Herrlichkeit so viel schöner ist, weil die Gegenwart Jesu so viel schöner ist, dass wir alles Leid vergessen, was wir erlebt haben.

[54:15] Lasst uns gemeinsam bieten. Lieber Vater im Himmel, habe Dank für deine unerschütterliche Zusage, dass du uns bewusst, dass du uns führst durch die dunklen Zeiten unseres Lebens, dazu uns auf rechten Straßen führst, dass die grünen Auen auf uns warten, wo wir an stillen Wassern sitzen können. Ja, ich möchte dich bitten mit den Worten von Paulus, dass du unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahrst, bis auf den Tag, wenn du wiederkommst in deinen Namen.


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