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In dieser Episode der Serie „Macht. Glaube. Hoffnung.“ taucht Eric Flickinger tief in die Lebensgeschichte von Martin Luther ein, beginnend mit den turbulenten Zeiten des Jahres 1517. Er beleuchtet Luthers Suche nach innerem Frieden, seine akademische Laufbahn, die Entdeckung der Bibel und die entscheidenden Ereignisse, die ihn zu einer der prägendsten Figuren der Kirchengeschichte machten. Erfahren Sie, wie Luthers innere Kämpfe und seine tiefgreifenden theologischen Erkenntnisse die Welt veränderten.


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Serie: Macht. Glaube. Hoffnung.

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Transkript

[0:00] Schönen guten Abend und willkommen! Ich freue mich so sehr, Sie heute Abend wieder hier begrüßen zu können. Gestern Abend haben wir schon einen ganz interessanten Abend gehabt und uns ein bisschen das Fundament gelegt für die Themen, die jetzt folgen sollen. Wir haben uns ein bisschen angeschaut, so geschichtlich, was damals 1517 so los war in der Welt. Wir haben festgestellt, dass die Probleme in der Gesellschaft damals sehr ähnlich waren zu den Herausforderungen, die heute unsere Gesellschaft zu bewältigen hat. Wir haben uns auch schon etwas von der ganz frühen Lebensgeschichte von Martin Luther angeschaut und wir haben uns angeschaut, wie er ein ganz besonderes Buch in der Universitätsbibliothek gefunden hat, das sein Leben für immer verändern sollte. Wir werden heute dort weitermachen und lernen, wie ist Martin Luther eigentlich zu dem geworden, der er dann so berühmterweise gewesen ist. Wir werden anfangen, zu begreifen, warum er solche enormen Standpunkte eingenommen hat. Was hat ihn dazu getrieben?

[1:51] So wie gestern Abend, bevor wir beginnen, möchte ich Sie einladen, dass wir gemeinsam ein Anfangsgebet sprechen. Und dann werden wir direkt in das Thema hineintauchen. Lass uns beten. Vater, wir danken dir für einen ganz herrlichen Tag. Du hast es möglich gemacht, dass das Wetter weiter mit uns kooperiert. Und heute Abend, wo wir zusammengekommen sind, möchten wir dich bitten, dass du alle Ablenkungen fernhältst von unseren Gedanken. Eine der Wege, wie du Martin Luther helfen konntest, war, dass du ihm ermöglicht hast, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die im Leben am wichtigsten sind. Und deshalb bitten wir dich heute Abend, dass du uns auf diese wichtigsten Dinge im Leben fokussieren hilfst. Bitte segne unsere Zeit heute Abend hier. Wir bitten diese Dinge im Namen Jesu. Amen.

[3:02] Unser Thema heute Abend ist der Schrei der Seele. Luther ist, ja, er kämpft für inneren Frieden. Sehr gut. Wie war das im Jahr 1517? Das war ja bevor alle von uns geboren worden sind, denke ich. Aber wie wir gestern schon gesehen haben, damals waren die Dinge auch nicht so viel anders als heute. Was passierte in Europa 1517? Da gab es Machtkämpfe. Da gab es Fragen, welche Rolle die Religion in der Gesellschaft spielen sollte. Es gab Sorgen über den Aufstieg des Islam. Es gab finanzielle Herausforderungen, die eine Rolle spielten. Es gab Krankheiten, vor denen die Menschen Angst hatten. Und wenn wir uns das 1517 anschauen, sehen wir, dass viele dieser Herausforderungen heute ganz ähnlich sind. Aber 500 Jahre zurückgerechnet passiert etwas äußerst Bedeutsames. Am 31. Oktober 1517 nagelte Martin Luther seine 95 Thesen zu einer Kirche in Wittenberg, Deutschland. Der Grund dafür war natürlich, dass er herausgefunden hatte, dass die Praxis der Kirche bezüglich des Ablasshandels nicht wirklich gut war. Und er plante eine Diskussion über das Thema. Er hatte keine Ahnung, dass diese 95 Thesen, die er dort angenagelt hatte, die Welt verändern würden. Es war eine ganz gewöhnliche Sache, an so einer Kirchentür eine Einladung anzubringen, dass man eine Diskussion halten möchte. Er hatte also gesehen, wie notwendig eine solche Debatte wäre, hatte aber keinerlei Ahnung über die weitreichenden Konsequenzen dieser Handlung.

[5:55] Das hatte natürlich zu tun mit Johann Tetzel. Und er nahm den Verkauf dieser Ablasshandel zu einem ganz neuen Niveau. Einer der Hauptgründe für den Verkauf dieser Ablasshandel im Jahr 1517 war die Unterstützung der Renovierung von St. Peters in Rom. Und die Kirche brauchte Unmengen an Geld, um das zu bewerkstelligen. Es gab ja, wie wir gestern gesehen haben, so eine Vergegenwärtigung, man ahnte, es braucht Veränderungen in der Kirche. Die Menschen sahen, Dinge müssten sich eigentlich ändern, es gibt Probleme, aber man versuchte von oben hinab, die Dinge in der Gesellschaft zu ändern. Und je mehr man das versuchte, desto mehr stellte man heraus, das funktioniert überhaupt gar nicht. So gab es also Menschen, die realisierten, der Wechsel muss von unten her kommen. Heinrich Kramer schrieb dies: „Die ganze Welt ruft und verlangt nach einem Konzil, aber es gibt keine menschliche Kraft, die die Kirche durch ein Konzil reformieren kann. Der Allerhöchste wird andere Mittel finden, die uns gegenwärtig unbekannt sind, obwohl sie vor unserer Tür liegen mögen, um die Kirche zu ihrem ursprünglichen Zustand zurückzubringen.“

[7:53] Als diese Dinge in Europa passierten, gab es dieses junge Ehepaar, das einen Sohn hatte. Luther war am 10. November geboren worden. Entweder erster oder zweiter Sohn seiner Eltern. Martin Luther ist aufgewachsen, als jemand, der sich sehr um Dinge gesorgt hat. Ja, er ist aufgewachsen in Mansfeld und hat so das Gefühl gehabt, dass Gott sich um ihn kümmert, dass er eine Rolle in Gottes Plan zu spielen hat. Er ging dann nach Erfurt, an die Universität schlussendlich. Eine der ältesten Universitäten in Europa, in Deutschland, mit langer, großer Tradition. Sie war schon seit einiger Zeit in Erfurt, hatte allerdings schon die alten Glanzzeiten hinter sich. Er hat die Stadt selbst nicht sehr gemocht, hat aber sehr viel dort gelernt. Während er an der Universität war, hat er seine erste Bibel in der Bibliothek entdeckt. Nun, er hatte von der Bibel gehört, und er hatte ein paar Verse von ihr geschrieben. Aber jetzt hat er realisiert, dass die Bibel viel größer war und viel mehr Grund hatte, als er vorher wusste. Und als er sich in die Geschichte hinein vertiefte, hat er festgestellt, dass einige dieser Geschichten durchaus etwas mit seinem Leben zu tun hatten und sich in seinem Leben reflektierten. Eine Geschichte, die ihm besonders gut gefiel, war die Geschichte von dem jungen Samuel.

[10:16] Vieles von dem, was wir heute Abend gesprochen haben, war eine Erfrischung von dem, was wir gestern Abend gesprochen haben. Aber heute Abend wollen wir etwas genauer verstehen, wie er zu dem geworden ist, der er letztendlich wurde. Er sagte Folgendes hier: Luther fing an, über die Bedeutung des Lebens nachzudenken. Warum bin ich überhaupt da? Obwohl sein Leben in die richtige Richtung zu gehen schien, in der Ausbildung war er ja wirklich einer der Klügsten und Besten, hat er doch so eine tiefe Leere in sich selbst gespürt. Und als er die Bibel fand und sie begann zu lesen, hat er bemerkt, dass es da zumindest etwas Hoffnung gab. Außerhalb schien sein Leben zusammenzukommen, aber inwärts fühlte er, dass etwas fehlt. Äußerlich betrachtet war sein Leben eigentlich ziemlich gut, alles schien zu passen, aber innerlich merkte er, da fehlt irgendetwas.

[11:46] Am 19. Mai 1505 begann er dann sein Jurastudium. Aber selbst als er sich in die Themen befasste, die ihn so interessierten, hat er bemerkt, dass konkrete Wahrheit dort nicht gefunden wurde. Es gab nichts Unwiderlegbares dort, alles war offen für Interpretation. Er suchte eigentlich nach einem absoluten Fundament, dem man wirklich ohne Zweifel vertrauen könnte. Er hat sehr oft über die Idee der Gerechtigkeit nachgedacht. Aber menschliche Gesetze konnten ihm nicht die Antworten geben, die er suchte. Er begann, sich von der Studie der Gesetze zu ärgern, denn Dinge könnten auf verschiedene Wege genommen werden. Es war auch in dieser Zeit, dass die Pest in Erfurt durchging. Es war eine schreckliche Pest und sie zahlte die Leben von einigen Luthers Freunden. Im Mittelalter waren das Leben und die Tode nicht sehr weit auseinander. Und es gibt keinen Moment, in dem eine Person mehr über das Wissen von Leben denkt, als wenn sie jemanden, den sie liebt, verliert. Luther wunderte sich über diese tiefen Fragen, aber er hatte keine Grundlage, um seine Gefühle zu bauen. Und als er all das durchdachte, geschah ein Ereignis in seinem Leben, das alles verändern würde.

[13:56] Im Juni 1505 traf er die Entscheidung, einfach mal nach Hause zu gehen und seine Eltern zu besuchen. Wir wissen nicht genau, warum er nach Hause geflogen hat, aber auf dem Weg zurück nach Erfurt passierte etwas Besonderes. Sehr nahe von Stotternheim fiel er in einen Sturm. Es war ein schrecklicher Sturm und er hatte Angst vor seinem Leben. Er fiel zu seinen Knien und machte ein Gelübde. Ihr erinnert euch, letzte Nacht, als wir zusammen kamen, haben wir über St. Anna gesprochen. Sie war angeblich die Mutter von Maria, der Mutter von Jesus. Und am Tag von Luther war es sehr faszinierend, in ihr zu glauben und sie in Zeiten von Bedrohung anzurufen. Und als die Blitze flashten und der Sturm krachte, rief Luther nach ihr. Er sagte: „Hilf mir, St. Anna, ich werde ein Mönch werden.“

[15:32] Es hat nicht lange gedauert, bis er seine Entscheidung schwer bereut hat. Manchmal machen wir in schwierigen Zeiten so große Gelübde, die wir später bedauern. Seine Familie war total entsetzt, dass er so ein Gelübde abgelegt hatte. Ihr erinnert euch, sein Vater hat diese Mönche verabscheut. Und dieser junge Mann hatte eine wirklich verheißungsvolle Karriere vor sich. Aber es gibt eine Sache an Luther, die wir alle wertschätzen können. Er hat Dinge wirklich durchgezogen, die er gesagt hat. Wenn er eine Entscheidung gefällt hat, dann ist er auch dabei geblieben. Und er hat es nicht gewagt, sein Versprechen zu brechen. Er hatte ein großes Interesse an dem ewigen Leben, er wollte mehr darüber erfahren. Er sagte zum Beispiel: „Oh, wenn ich in ein Kloster gehe, dachte ich, und in der Kappe und Platten, die ich habe, dann würde ich mich in den Himmel bringen.“ Er sehnte sich nach einem Frieden mit Gott. Er wollte in den Himmel kommen. Aber er fühlte überhaupt nicht, dass er dafür würdig sei. So hoffte er, dass wenn er ein Mönch wird und ein heiliges Leben führen würde, das seinen Vater sehr aufgeregt hätte. Weil Hans Luther diese Bettelorden wirklich hasste. Und als Luther dieses Gelübde abgelegt hatte, hatte sein Vater sich zunächst völlig von ihm distanziert. Aber dann starben sehr bald zwei von seinen Söhnen, und er begann, anders zu denken. Und er hat dann noch einmal darüber nachgedacht. Er hat dann schlussendlich das quasi geschehen lassen, dass sein Sohn Martin ins Kloster geht.

[18:11] So hat dann Martin Luther am 17. Juli 1505 an die Pforten dieses Augustinerklosters in Erfurt geklopft. Schon seit 1277 war dieser Orden in Existenz. Oh nein, dieses Kloster, verzeihung, genau. Seit 1244 gab es den Orden schon, der Augustinereremiten. Eigentlich waren da verschiedene lose Gruppierungen von Mönchen so zusammenorganisiert worden. Im Mittelalter gab es vier große Bettelorden: die Franziskaner, die Dominikaner, die Karmeliten und dann die Augustiner. Dieser Orden war besonders, weil der Papst einfach per Erlass ihn geklopft hat. Er hat den Papst gebeten, dass er den Orden verabschieden soll. Obwohl man sich durchaus auch auf den alten Augustinus berief, in der Etablierung der Ordensregel. Man hatte sich das Leben des alten Kirchenvaters Augustinus und seine Lehren zur Grundlage genommen. Er war ja einer der größten Gelehrten der alten Kirche. Da gab es einige Regeln, die man jetzt einhalten musste als Augustinereremit. Man musste Liebe und Einheit haben dort im Kloster. Man sollte sich gegenseitig auch kontrollieren und vor allem auch ermahnen. Man musste allen Privatbesitz abgeben. Dann musste man gleich am Anfang, wenn man dann Mönch wurde, dem Kloster übergeben. Sie mussten ein Gelübde der Abstinenz leisten. Und man sollte das ganze Leben in Unterordnung leben, untergeordnet unter die anderen Mönche, untergeordnet unter den Superior. Und natürlich gab es ständige Gebetseinheiten.

[20:36] Im Augustinereremitenorden gab es sogar zwei verschiedene Richtungen, in denen man sich anschließen konnte. Da gab es so die traditionellen und dann die sogenannten Observanten. Und man kann hier sehen, wo so die Unterschiede gewesen sind. Die Observanten waren etwas genauer, könnte man sagen. Und da Martin Luther wirklich so das Äußerste und alles tun wollte, was er tun konnte, um mit Gott im Reinen zu sein, hat er sich natürlich diesen Observanten, den sogenannten reformierten Augustinern angeschlossen. Er wollte sein Leben ganz genau so leben, wie es gelebt werden sollte. Aber bevor man Vollmitglied werden konnte, gab es erstmal so eine Probezeit. Er kam also als Novize erstmal.

[21:48] Als Novize hatte man ein Jahr lang nur eine Aufgabe. Sie sollten die Bibel lesen. Das galt damals so als notwendiges Übel, so eine notwendige Übung. Luther eröffnete sich eine ganz neue Welt. Er wurde ein außergewöhnlicher Bibelstudent. Er hat die Bibel immer und immer wieder gelesen, hat dann für jedes Kapitel gewusst, was so der Hauptinhalt gewesen ist. Hat sich Abschriften gemacht. Das war für ihn nicht nur eine Aufgabe, sondern er hat viele dieser Texte auswendig gelernt und darüber nachgedacht. Einer der Texte, auf die er stieß, zum Beispiel Psalm 119, Vers 105. Der sagt: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“ Und das ist heute immer noch genau so der Fall. Wir können immer noch sehr viel Licht und Hoffnung in der Bibel finden.

[23:06] Martin Luther hat angefangen, das besser zu verstehen. Johann Staupitz war der Leiter von diesen reformierten, observanten Augustinen. Als er Luther dort in Erfurt traf, war er sehr beeindruckt von der Sinnsicherheit dieses jungen Mönchs. Er sah, wie tief er die Bibel studierte und wie viel es ihm bedeutete. Er hatte gesehen, wie sehr Luther schon die Bibel studiert hatte und wie viel ihm die Bibel bedeutete. Aber Staupitz war auch in einer inneren Machtkämpfe innerhalb des Ordens. Verschiedene Gruppen, verschiedene Seiten bekämpften sich gegenseitig. Er versuchte also, die Menschen zusammenzuhelfen und gemeinsam zu leben. Staupitz war eigentlich einer, der versucht hatte, die Gruppierung etwas mehr zu versöhnen. Es ging vor allem darum, wie und ob diese Observanten, diese reformierten, strikten Augustiner weiter bestehen könnten.

[24:31] Staupitz erlaubte es dann auch, dem Luther sich auf die Priesterordination zu stellen. Nun wieder einmal, Luther war sehr, sehr fokussiert darauf, alles bestmöglich richtig zu machen. Hier sind einige Dinge, die er über sein Beichten gesagt hat. Luther hatte immer große Angst, Übertretungen zu begehen. Oft, wenn er gerade fertig war mit der Beichte, ist er noch einmal zurückgelaufen, weil ihm etwas in den Sinn gekommen war, was noch gebeichtet werden müsste. Vielleicht hat er auch eine Sünde begangen, während er den Beichtstuhl verlassen hatte. Es kam auch vor, dass wenn er dann alles bekannt hatte und auf dem Weg zurück sich stolz fühlte, dass er jetzt volle Vergebung hat, dann den Beichtstuhl verlassen hat. So ging er immer wieder zurück und immer wieder zurück und bekannte und bekannte und beichtete. Einer seiner Beichtväter sagte zu Luther Folgendes: „Gott zürnt dir nicht, sondern er zürnt dich. Und er zürnt dich. Und du zürnst Gott.“

[26:19] Schließlich wurde Luther ein volles Mitglied im Orden. Das war Ende 1506. Es war ein relativ großes Kloster, fast 50 Mönche waren dort. Und irgendwann war Luther auch damit beauftragt, seine erste Messe zu halten. Das war damals etwas sehr Wichtiges. Weil nämlich die römische Lehre damals sagte, dass Gott persönlich direkt in dem Sakrament gegenwärtig ist. Für die mittelalterliche katholische Lehre war diese Messe das absolute Herzstück. Man glaubte, dass dort in dieser Hostie tatsächlich Christus, der Richter der Welt, leibhaftig gegenwärtig war. Man nahm damals an, dass durch das Sprechen des Priesters direkt dann Christus in diese Hostie hineinkommt. Dadurch hatte der Priester eine unfassbare Macht. Luther und andere hatten dieses tiefe Bedürfnis nach Sündenvergebung. Man konnte also an der Messe teilnehmen, man hatte aber nie die volle Gewissheit, ob alle Sünden auch vergeben waren.

[28:06] Am 2. Mai hatte Luther dann 1507 die Gelegenheit, seine erste Messe durchzuführen. Aber wie wir uns erinnern, hatte er große Sorgen, ob er überhaupt mit Gott im Reinen ist. Er hatte keine Ahnung, ob er überhaupt würdig sei, so etwas Wichtiges zu tun. So ist er tatsächlich beinahe weggelaufen, während er dort vorne stand. Er war da kein Einzelfall in dieser Sache. Viele andere Priester damals in der Kirche hatten große Angst vor der Messe. Manche haben jahrelang ihre erste Messe aufgeschoben, weil sie solche Angst hatten. Viele von ihnen waren so sehr darauf bedacht, nur keinen Fehler zu machen. Sie sind so nervös geworden, dass sie gerade deswegen einen Fehler gemacht haben. Und so ging es auch dem Martin Luther.

[29:19] Es wurde auch nicht besser dadurch, dass sein Vater auch noch aufkreuzte, als er seine erste Messe hielt. Wie wir gesehen haben, war sein Vater ohnehin nicht besonders begeistert gewesen, dass sein Sohn Priester geworden war. So kommt also sein Vater hier mit 20 Reitern und 20 Gulden. Und Martin war umso nervöser und besorgter. Mittlerweile war der Hans Luther recht zu Geld gekommen, weil er sehr fleißig und ernsthaft gearbeitet hatte und sich aus der Armut freigearbeitet hatte. Und während Martin Luther studierte, musste er keine finanzielle Hilfe bekommen, weil er unterstützt wurde. Und jetzt hatte er seine Ausbildung verlassen und studierte, um Priester zu werden. Diese Beziehung blieb also äußerst angespannt.

[30:32] Im Sommer 1507 hat Luther dann begonnen, sich mit dem Theologiestudium innerhalb des Ordens zu befassen. Er hatte zwar verschiedene Lehrer, aber die hatten kaum einen Einfluss auf ihn. Was vielmehr ihn beeindruckte, war die Bibel. Und immer tiefer und tiefer hat er sich in diese Seiten der Bibel hineingelesen. Was mich so ein wenig an Psalm 119, Vers 99 erinnert. Martin Luther hat sich sehr diesen Studien hingegeben. Er wurde immer intelligenter und sehr erfolgreich, auch in dem Verständnis der Theologie. Aber das führte auch zu einem nicht geringen Neid und zur Eifersucht unter einigen seiner Ordensbrüdern. Er wurde unter anderem auch deswegen dann von Staupitz in das Augustinerkloster nach Wittenberg geschickt. Da gab es eine relativ junge, neue Universität und sie brauchte noch einen Dozenten. Staupitz hatte ja den Luther sehr gemocht. Er wollte ihm helfen. So konnte Luther jetzt in Wittenberg weiter Theologie studieren unter seinem Mentor Staupitz.

[32:21] Wittenberg war nicht eine enorme Stadt, aber sie war sehr einflussreich. Eine der Dinge, die Martin Luther studieren musste, waren die Lehren des antiken griechischen Philosophen Aristoteles. Er musste das nicht nur studieren, er hatte es auch anderen zu unterrichten. In der mittelalterlichen Wissenschaft war Aristoteles das Non Plus Ultra überhaupt. Man sagte damals: „Ohne Aristoteles wird niemand Theologe.“

[33:00] Letztes Mal haben wir über den Realm von Martin Luther gesprochen. Er war der größte Theologe der Welt. Wir haben ja gestern Abend schon angeschaut, was Luther so eigentlich studiert hatte. Wir hatten ja gesehen, man musste damals erst diese freien Künste absolvieren, um dann sich für verschiedene Richtungen zu spezialisieren. Und er hatte also diese freien Künste studiert, und die waren völlig durchdrungen von den Lehren von Aristoteles. Selbst die Theologie basierte im Wesentlichen auf den Lehren von Aristoteles. So die Kirchenlehrer in Wittenberg mussten die Lehren von Aristoteles absolvieren. Also Kirchenlehrer und auch Dozenten lasen und verstanden die Bibel durch die Brille des Aristoteles. Die meisten Theologen damals kannten die Bibel aber nicht so sehr. Die meisten Theologen damals kannten die Bibel eigentlich relativ wenig, wussten aber sehr viel über griechische Philosophie.

[34:26] Luther hat also in Wittenberg sein Theologiestudium weitergeführt. Aber auch hier hatte er kein großes Interesse an diesen scholastischen Kommentaren. Er wollte wirklich zum Kern vordringen, worum es wirklich ging. Die Theologen, die disputierten hin und her mit der Logik des Aristoteles. Aber viele Doktoren der Theologie hatten nicht einmal eine eigene Bibel. Er wollte wirklich zum Herzen der Sache vorstoßen. Er wollte wissen, was die Bibel selbst sagt. Und eine Sache, die er fand, können wir hier lesen. In 1. Thessalonicher 2, Vers 13.

[35:33] Einige Jahre später wurde Luther zurück nach Erfurt beordert. Er wurde dort als Lehrer benötigt. In 1510 kam Staupitz, sein Freund, in einen Konflikt mit einigen der observanten Klöster. Sie hatten Angst, dass sie ihre Identität verlieren. Luther hatte auch Angst, auch wenn er Staupitz mochte, dass die Observanten auch ihre Identität verlieren. Aber Staupitz war ihm ein bisschen nicht so konkret. Und er hat sich diesen Kritikern angeschlossen. So ergab sich die Gelegenheit, dass Luther als ein Delegierter nach Rom gesandt wurde, um dort gegen diese Kompromisspolitik von Staupitz Einspruch zu erheben. Ende 1510 hat Luther dann diese Reise begonnen, die die längste seines ganzen Lebens sein sollte. Er wollte dort in der Hauptstadt der christlichen Welt endlich Seelenfrieden finden. Er ging nicht alleine, einer seiner Ordensbrüder ging mit ihm. Also eigentlich war es quasi eine Geschäftsreise, technisch gesehen. Aber natürlich haben sie gedacht: „Was für eine wunderbare Gelegenheit, daraus eine Pilgerreise zu machen.“

[37:22] Und als sie dort ankamen, stellten sie fest, da gab es Unmengen Gelegenheiten, die man dort erwerben konnte. Er hat dann an den Toren Roms Folgendes gesagt: „Sei gegrüßt, du heiliges Rom, wahrhaft heilig von den heiligen Märtyrern, von deren Blut es trieft.“ Aber als er dann dort gewesen war, hatte er schon sehr differenzierte Gedanken. Er war überrascht von der Unverschämtheit der italienischen Kirchenmänner und der Gewalt, die sie verursachten. Aber während er dort in Rom war, versuchte er, so viele Kirchen wie möglich zu besuchen. Er wollte so viele Messen wie möglich besuchen. Manchmal gab es dort sieben Messen, die in einer Stunde hintereinander abgehalten wurden. Um die Sache noch mehr zu beschleunigen, hat man dort in Rom zum Teil zwei Messen gleichzeitig stattfinden lassen, nur mit einer kleinen Trennwand am selben Altar. Er wollte trotzdem möglichst viele geistliche Segnungen empfangen. Er hörte dort Geschichten von einigen Missständen am päpstlichen Hof. Der Papst selbst war zu der Zeit gar nicht da, weil er sich gerade auf einem Kriegszug befand.

[39:17] Luther und sein Ordensbruder haben den Fall gegen Staupitz vorgebracht. Aber sie wurden einfach brüsk zurückgewiesen. Sie haben gesagt: „Das bringt überhaupt nichts, ich kann gleich wieder nach Hause fahren.“ Nachdem er in Rom nichts ausrichten konnte, hat er sich ein bisschen in seiner Haltung geändert. Er war jetzt nicht mehr so radikal und strikt, wie er vorher gewesen war. Die Dinge, die er dort gesehen hatte, die hatten jetzt angefangen, sein Denken schon etwas zu verändern. Er war vorher sehr viel gegen Staupitz. Jetzt begann er, die Bedeutung von Moderation zu verstehen. Das hat ihm ein Problem gemacht, weil er immer noch im Erfurter Kloster war. Und Luthers schnelle Aufstieg hat ihn irgendwie von seinen Brüdern beäugt gemacht. Und jetzt, mit seinen neuen Ansichten, war er regelrecht ein Feind in seinem eigenen Kloster.

[40:50] Gleichzeitig gab es in Erfurt auch politische Unruhe. Es gab einige brutale Zusammenstöße in der Bevölkerung. Und in einem einzigen Zusammenstoß wurde ein Politiker einfach geköpft. Das Kolleg der Universität wurde bei diesen Ausschreitungen verwüstet. Und Luther fragte dann den Staupitz folgende Frage: „Wer kann Gott dienen, wenn der gerade so um sich schlägt?“

[41:32] Luther verstand, irgendetwas fehlt mir noch. Er wollte eine Beziehung zu Gott haben. Er wollte eine Erfahrung mit Gott machen. Also fing er sich jetzt an, mit dem Mystizismus zu beschäftigen. Er schaute sich zum Beispiel die Offenbarung der Heiligen Brigitte an und andere Werke der mittelalterlichen Mystik. Aber auch hier konnte er nicht diesen Seelenfrieden finden, nach dem er eigentlich Ausschau hielt. Auch heute sehen wir genau dasselbe wieder. Menschen versuchen alle möglichen Dinge auszuprobieren, um diesen Frieden zu finden, nach dem sie sich eigentlich so sehr sehnen. Wir verstehen, irgendetwas fehlt dort in unserem Leben und wir wollen es füllen. Aber es gibt nichts anderes außer Gott und seiner Liebe, die diesen leeren Platz füllen können. Und Martin Luther hat da immer weiter drüber nachgedacht und begann so langsam, das zu verstehen.

[42:55] 1511 wurde Luther als Nachfolger von Staupitz als Bibelprofessor in Wittenberg ernannt. Und jetzt würde er für den Rest seines Lebens mehr oder weniger dort bleiben. Staupitz hatte erneut Luther aus dieser schwierigen Situation in Wittenberg geholt. Und auch für die nächsten Jahre hatte Luther immer noch eine ganz schwierige Beziehung zu seinen ehemaligen Ordensbrüdern in Erfurt. Und in Wittenberg begann jetzt ein neues Kapitel im Leben von Luther. Seine Ordensbrüder in Erfurt waren immer noch gegen ihn und haben ihn angeschuldigt.

[43:43] Am 19. Oktober 1512 wurde Luther zum Doktor der Theologie promoviert. Er wollte eigentlich gar nicht Doktor werden. Aber Staupitz hatte ihn wirklich intensiv überredet. Luther war nach wie vor sehr stark der römischen Kirche verpflichtet. Und weil er damals so eine enge Beziehung zur Kirche hatte, hat ihn später sein Bruch mit Rom so sehr auch angefochten. Staupitz wollte, dass Luther immer weiter wachsen kann, auch in seiner akademischen Bildung. So war es Staupitz, der den Kurfürsten Friedrich überredet hatte, die Promotionskosten für das Doktorat für Luther zu übernehmen. Friedrich hatte ja großes Gefallen an den Wissenschaften und ein Interesse, dass die besten Leute an seiner Universität waren.

[44:55] Wie wir schon letzten Abend herausgefunden haben, hat dieser Friedrich auch viele Reliquien gesammelt. Es gab dort auch eine wunderbare Bibliothek in Wittenberg, in der Luther sich hinein vertiefen konnte. Viele Jahre lang hat Luther den Friedrich III. niemals persönlich getroffen, aber es gab jemanden, der quasi sozusagen wie ein Vermittler zwischen den beiden war. Das war der Spalatin. Ab 1514 an hat Luther so eine Brieffreundschaft mit ihm begonnen, die sich sehr intensiviert hat. Er hieß eigentlich Georg Burckhardt, wurde aber dann nach seinem Geburtsort Spalt bei Nürnberg Spalatin genannt. Er war ungefähr genauso alt wie Luther und hat sich im Laufe der Zeit als sehr wertvoller Berater und Ratgeber zu Luther herausgestellt, vor allem, wenn es dann um die Kirchenpolitik und die Politik im Allgemeinen ging.

[46:12] Luther war jetzt ja an der Universität und er begann jetzt Vorlesungen zu halten über die Psalmen. Er teilte mit seinen Studenten, was er selbst über die Jahre studiert hatte. Er hat im Winter um 7 Uhr morgens mit seinen Vorlesungen begonnen und im Sommer um 6 Uhr morgens. Das ging dann zwei Stunden lang.

[46:55] Als er sich so hineinbegeben hat, hat er festgestellt, dass viele andere Studien, die gemacht worden sind, nicht auf das beste Material sich bezogen. Er fing also an, die Basis des damaligen Studiums zu hinterfragen. Er fand im Buch der Psalmen diese Verse. Er fand dieses Buch sehr interessant.

[47:42] Luther war ein langer Weg. Er hat Folgendes selbst gesagt: „Ich habe meine Theologie nicht auf einmal gelernt, sondern habe immer tiefer und tiefer grübeln müssen. Da haben mich meine Anfechtungen hin gebracht, denn ohne praktischen Gebrauch kann man nicht lernen.“ Mehr und mehr konnte er die Dinge klarer sehen. Er entwickelte eine Vorstellung, die man auch nicht wahrnimmt. Die mittelalterlichen Theologien folgten den Lehren von Aristoteles, dass es in Menschen etwas Gutes gibt. Aber Luther, als er die Bibel gelesen hat, begann er zu realisieren, dass das nicht der Fall war. Er begann zu verstehen, dass der Mensch einfach schrecklich sündig ist. Je mehr er darin studierte, desto mehr stellte er fest, was hier unterrichtet wird, stimmt nicht. Er sah einen großen Unterschied zwischen dem, was allgemein gelernt wurde, und seiner eigenen christlichen Erfahrung. Das hat ihn wirklich schwer beschäftigt. Er stellte fest, dass Sünde keine Kleinigkeit ist, sondern sehr tief geht und sehr wichtig ist. Aber wenn die Sünde menschliche Wesen kontrolliert, ist das eine echte Krise. Er sah also diese Widersprüche zwischen dem, was er studierte und erfahren hatte, und dem, was an der Universität so allgemein unterrichtet wurde. Er sah also, hier gibt es eine Herausforderung, konnte aber die noch nicht wirklich lösen.

[50:06] Hier einige Gedanken über Luthers Sicht der Buße. Er sprach von der falschen Buße und von der echten Buße. In der falschen Buße hasst man den Gedanken der Gerechtigkeit. Man liebt eigentlich immer noch die Sünde. Man hasst immer noch die Strafe und die Gerechtigkeit. Man musste sich über diese Buße nur eine kurze Zeit Gedanken machen, weil man ja schnell durch Geld wieder rauskommen konnte. Aber in der echten Buße würde man die Sünde selbst hassen. Da würde man die Wichtigkeit einer Strafe verstehen. Man würde die Gerechtigkeit lieben, weil dadurch Gott in einem besseren Bild dasteht. Und dann würde die Buße ein Leben lang Bestand haben, weil man Gott liebt und nicht gegen ihn sündigen möchte.

[51:31] Während einer frohen Leichnamsprozession ist Luther noch einmal ganz schwer in diese Krise geraten, Gott direkt zu begegnen. Staupitz hat jetzt noch einmal dem Luther sehr ausführlich etwas erklärt. Er erklärte ihm, dass Buße wirklich mit der Liebe Gottes beginnt. Und Luther konnte dadurch das Evangelium besser verstehen. Diese Einfluss von Staupitz war wirklich entscheidend in Luthers Bildung seiner Theologie. Er begann auch zu lesen durch verschiedene Gläser, was er in der Bibel so lange gelesen hat. Er stellte jetzt fest, dass das, was Staupitz sagte, durchaus mit dem übereinstimmte, was die Bibel ihm schon seit längerer Zeit gesagt hatte. Diese Idee, dass Gott uns liebt, bedingungslos liebt, wurde zu einem Eckstein in der Theologie, in der Lehre von Martin Luther.

[52:43] Jetzt begann Luther als Dozent über den vielleicht wichtigsten Brief des Apostels Paulus zur Vorlesung zu halten, den Römerbrief. Hier im Römerbrief fand Luther eine ganz systematische und detaillierte Darstellung des Evangeliums, die er gut verstehen konnte. Wir werden morgen Abend mehr darüber erfahren und sehen, was er da genauso entdeckt hat. Daneben hat Luther sich immer wieder auch gerne mit Augustinus beschäftigt. Als er den Augustinus so las, hat er auch das Evangelium besser verstanden als das, was er so landläufig an den Universitäten so hörte. Luther hat weiter natürlich sich für diese Dinge interessiert. Er hat dann das neu herausgekommene griechische Testament von Erasmus benutzt. Auch hier konnte er noch mal besser verstehen, was eigentlich Buße bedeutet. Buße ist eigentlich ein Leid über die Sünde, weil man Gott schon liebt. Da geht es nicht um die Furcht.

[54:23] Luther war sehr dankbar für diese Quelle. Er hat den Erasmus und sein Werk durchaus wertgeschätzt, weil er sehr wissenschaftlich präzise arbeitete. Aber er hat auch verstanden, dass Erasmus zu viel über den Menschen und nicht so viel über Gott sprach. Die Humanisten haben den Priester wirklich nicht wertgeschätzt. Sie haben sie für sehr einfach gehalten. Und sie haben auch nicht wirklich für die Erweckung und die Reformation gebildet. Sie haben sich lediglich für die Antike interessiert und studierten deswegen wieder nur die Philosophen, die ja schon damals das Evangelium eigentlich verdorben hatten. Auch im Humanismus ist natürlich der Mensch sehr erhoben. Und man sieht etwas Gutes im Menschen, das nur gefördert werden muss. Aber Luther verstand, dass seine Studien ihn nicht zu dieser Schlussfolgerung führen konnten.

[55:59] Und als er seine neuen Ideen dort in Wittenberg vorbrachte, stieß er auf Widerstand und seine Kollegen waren eigentlich so akademisch gesehen eher Mittelmaß. Luther war sehr populär, vor allem auch bei der einfachen Bevölkerung. Er war als wirklich als vollmächtiger Prediger auch bekannt. Und er hat nie etwas nur halbherzig gemacht. Er war ständig überarbeitet. Hier können wir sehen, was er so ganz regulär seinen Tag lang gemacht hat. Er hat den ganzen Tag Briefe geschrieben. Er predigte am Kloster. Er hat sogar an den Essenstischen noch Vorträge gehalten. Er war für zwölf Klöster irgendwann zuständig. Und die ganze Liste kann man ja hier lesen. Er war wirklich überarbeitet und hatte schwer zu kämpfen mit seiner Zeit. Er hatte kaum noch Zeit, zur Messe zu gehen oder diese Dinge zu tun. Und all diese frommen Leistungen, die erdrückten ihn nach wie vor.

[57:25] Der Luther jetzt dieser Zeit erfolgt schon lange nicht mehr alle den vorgeschriebenen Stundengebeten. Doch obwohl er jetzt schon theologisch sehr viel weiter vorgedrungen war, hat er doch immer wieder gefühlsmäßig immer noch diese Leere gespürt und keinen echten Frieden mit Gott gehabt. Immer wieder kamen auch die alten Zweifel zurück. Sein Weg zum inneren Frieden, der kam nicht so über Nacht, sondern es war ein längerer Weg. Er ist immer wieder auch mal zurückgefallen und hat sich dann wieder aufgemacht, um vorwärts zu gehen.

[58:15] Und am 27. Oktober 1516 hat Luther dann angefangen, den Galaterbrief auszulegen. Und das ist auch ein ganz machtvoller, ganz starker Brief von Paulus. In diesem Brief rief der Apostel Paulus verwirrte Christen zu einer Reformation auf. Und für Luther wurde dieses kleine Bibelbuch zu einer echten Säule seines Glaubens. Immer noch gab es Streit mit seinen Kollegen. Einer von denen war Karlstadt, über den wir gestern schon gesprochen haben. Karlstadt stand vollständig hinter dem päpstlichen Ablass. Und er stand der Theologie von Luther abweisend gegenüber und drohte, den Luther in Rom anzuzeigen.

[59:25] Und das Ganze entzündete sich vor allem an einer akademischen Diskussion 1516 im Herbst. Am 4. Januar 1517 hat Luther dann eine weitere Kritik vorgebracht. Er sagte: „Die Pfarrer, die predigen lieber Legenden und Fabeln, Traditionen und Ablässe statt das echte Evangelium.“ So rief er auf zu einer Reformation der Predigt. Da war jetzt echte Veränderung spürbar schon. Karlstadt sagte sich: „Ich möchte zeigen, dass Luther falsch liegt.“ Also sagte er: „Ich werde mir die Schriften von Augustinus besorgen, werde sie lesen, um zu zeigen, dass Luther daneben liegt.“ Weil Augustinus für Luther eine Autorität gewesen war. Aber als er dann in Augustinus las, ist sein gesamtes Weltbild für Karlstadt zusammengebrochen. Denn er stellt jetzt fest, das war dasselbe, was auch Luther die ganze Zeit sagte.

[1:00:59] Für Luther war eigentlich dieser Wechsel seiner Kollegen in der Theologie das große Ereignis von 1517. Und Luther führte seine Angriffe auf Aristoteles immer weiter aus. Er beschwerte sich, dass man den Studenten schlechte Bücher diktierte. Er hat so einen richtigen Hass auf Aristoteles entwickelt, weil der Aristoteles mit der Bibel gar nicht übereinstimmte. Und weil sie sich so sehr mit der Philosophie von Aristoteles zu verstehen, was die Bibel eigentlich offensichtlich sagte. Dafür hat Luther jetzt angefangen, seine Studenten mit einem Hass auf Aristoteles zu impfen.

[1:01:59] Während das stattfand, kam jetzt der berühmte Tetzel Ostern 1517 in der Nähe Wittenbergs an mit seinen Ablässen. Viele Wittenberger kamen zu Tetzel und kauften diese Indulgenzen von ihm. Dann kamen sie zu Luther und fragten ihn um Absolution, ohne zu zeigen, dass sie sich verabschieden. Dies hat Luther beschäftigt. Er hat zunächst nur ganz kurz über das Thema gepredigt. Aber er begann jetzt monatelang das Thema zu studieren. Viele andere hatten schon festgestellt, dass diese Praxis eigentlich skandalös war. Luther hatte sich mit dem Ablasshandel noch gar nicht wirklich ausführlich beschäftigt. Aber das tat er jetzt im Sommer. Er hat sich mit einigen Experten über den Ablasshandel gesprochen. Er hatte zunächst noch gar nichts gegen den Ablasshandel an sich. Aber er hatte doch etwas gegen die übermäßige Geldmacherei, die damit verbunden war. Er wollte unter keinen Umständen dem Papst oder der Kirche widersprechen. Aber er wusste, dass die Kirchen den Papst oder der Kirche widersprechen.

[1:03:37] Dann am 26. April 1517 hat der Karlstadt seine 151 Thesen veröffentlicht. Da ging es um das Evangelium, um die Bibel. Es ging gar nicht um die Ablässe. Luther war begeistert über das, was dort stand. Er hat die Bedeutung der Gnade in der Erlösung stark betont. Luther hat dann einige Zeit später erst mal ein kleines Traktat veröffentlicht, wo er über den Ablass sprach. Ungefähr im Herbst 1517. Dort hat er die Ablässe im Grunde genommen noch gut geheißen, wenn sie dann richtig angewandt werden würden. Aber es war nicht wirklich das Ende der Sache.

[1:04:35] Luther hat seinen Angriff auf Aristoteles weitergegeben. Wie viele von euch haben von den 97 Thesen gehört? Wahrscheinlich nicht zu viele. Die sind nicht besonders bekannt. Aber es war etwas, was Luther sehr unterstützt hat. Das war etwas, was für den Luther sehr wichtig war. Denn in diesen 97 Thesen schrieb er direkt gegen Aristoteles. Wie wir uns erinnern, man glaubte damals, ohne Aristoteles wird niemand Theologe. Aber in Wirklichkeit war das der genaue Gegenteil von dem, was die Bibel sagte.

[1:05:30] Aber dann, am 31. Oktober 1517, hat Luther veröffentlicht, was die Welt jetzt bekannt hat. Er hat nicht nur die Ablässe angegriffen, sondern auch sein neues Verständnis gegenüber dem, was wirkliche Vergebung wirklich ist. Und er wollte darüber gerne debattieren. Diese Debatte fand nie statt. Stattdessen verbreiteten sich diese 95 Thesen durch ganz Europa. Er hatte das nicht erwartet, aber die gesamte theologische Welt wurde in den Grundfesten erschüttert.

[1:06:27] Hier sehen wir die erste dieser 95 Thesen. Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: „Tut Buße.“ Matthäus 4, 17 hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll. In der ersten These, gleich am Anfang, zeigt der Luther, dass wir alle einen Erlöser brauchen. In vielen anderen der 95 Thesen ist er eigentlich immer noch ein Sohn der römischen Kirche. Aber diese biblische Erkenntnis war wie Sauerteig in ihm, der immer weiter sich ausbreitete und er in Erkenntnis zunahm. Etwas wuchs in ihm richtig heran. Etwas passierte in ihm, wie ein Erwachen, das ihm so passierte.

[1:07:37] Matthäus 4, 17, das waren die Worte, die er zitiert hatte. „Seit der Zeit fing Jesus an zu predigen und zu sagen: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.“

[1:07:53] Vielleicht schauen auch Sie aus nach den Antworten für die großen Fragen des Lebens. Vielleicht haben Sie auch schon versucht, in den verschiedensten Optionen irgendwo Antworten zu finden. Vielleicht haben Sie Professoren gefragt oder Menschen, denen Sie besonders vertrauen. Vielleicht haben Sie ein gutes Leben versucht zu leben und sind immer wieder auf die Nase gefallen und gescheitert. Denn was die Welt uns lehrt, bringt nicht wirklich diesen inneren Frieden.

[1:08:39] Morgen Abend wollen wir herausfinden, wo dieser echte Frieden gefunden werden kann. Je mehr Luther dieses Buch las und studierte, desto mehr stellte er fest, dieses Buch hat die Antwort. Und die Antwort ist im Grunde genommen gar nicht schwer zu verstehen. Sie ist im Grunde genommen sehr, sehr einfach. Morgen Abend werden wir uns das im Detail genau anschauen. Meine Hoffnung ist, dass auch dann morgen Abend Sie wieder hier sein werden. Denn auch unser Leben kann sich zum Besseren verändern, so wie Martin Luther es erlebt hat. Wir werden morgen Abend wieder hier zusammenkommen und wir werden uns den Beacon von Habakkuk anschauen. Nächstes Wochenende wird es dann Freitag, Samstag und Sonntag weitergehen, während wir dann entdecken werden, worum es wirklich bei dieser 500 Jahre Reformationsfeier geht.

[1:10:01] Während wir heute Abend jetzt zu Ende kommen, möchte ich uns gemeinsam noch einmal einladen für ein Abschlussgebet. Wir wollen beten. Lieber Vater, noch einmal möchten wir dir danken, dass du den Weg des Martin Luther im Licht gezeigt hast auf seinem Weg. Vor 500 Jahren hast du ihm gezeigt, wie er die Bibel verbreitet. Du hast ihm wesentliche, wichtige biblische Wahrheiten offenbart. Das war zu seiner Zeit schon etwas ganz Radikales. Und auch heute wenden sich noch viele Menschen wieder davon ab. Aber wir selbst wollen diese Freiheit erleben, damit wir auch den Frieden spüren können, den Martin Luther schlussendlich gefunden hat. Und auch heute Abend möchten wir dich bitten, dass du weiterhin unser gemeinsames Studium segnen wirst, dass wir morgen Abend wieder gesund hier ankommen können. In Jesus' Namen. Amen.


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