[1:00] Hallo und herzlich willkommen zur Cannstatt Study Hour. Schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt in unserer nächsten Folge, in der wir hier gemeinsam das Evangelium im Ersten und Zweiten Thessalonicher Brief studieren wollen. Wir bereiten uns auf unser Bibelgespräch am 21. Juli vor und das dritte Thema, das ein weiteres Einführungsthema in die Thematik der Thessalonicherbriefe sein soll, heißt: "Thessalonich zur Zeit des Paulus".
[1:39] Wir wollen uns damit beschäftigen, was der geschichtliche Hintergrund der Stadt Thessaloniki zu der Zeit war, als Paulus dort die Gemeinde gegründet hat und auch seine Briefe an diese Gemeinde geschrieben hat. Der Merkvers steht diese Woche in 1. Korinther 9 und dort Vers 19.
[2:04] Paulus hatte ein Ziel, in allem, was er tat, in allem, was er geschrieben hat, in allem, was er gepredigt hat, hatte er ein einziges Ziel: Paulus wollte Menschen gewinnen. Und so sind die Thessalonicherbriefe auch mit diesem einen Ziel geschrieben. Er wollte Menschen gewinnen und die gewonnenen Menschen natürlich dann auch im Glauben festigen, so wie wir es in den letzten beiden Lektionen miteinander betrachtet haben.
[2:43] Und um das zu erreichen, sagt er, musste er eine Entscheidung fällen. Er sagt hier: "Damit ich diese Menschen gewinne, habe ich mich zum Knecht von allen gemacht, obwohl ich eigentlich frei bin."
[2:57] Was meint Paulus, wenn er sagt: "Ich bin frei"? Im gleichen Kapitel in 1. Korinther 9 und dort in Vers 1 lesen wir: "Bin ich nicht ein Apostel? Bin ich nicht frei? Habe ich nicht unseren Herrn Jesus Christus gesehen? Seid nicht ihr mein Werk im Herrn?" Paulus sagt, seine Freiheit besteht darin, dass er Apostel ist, dass er Christus gesehen hat. Er hat eine enge, persönliche, direkte Beziehung zu seinem Erlöser Jesus Christus und ist freigemacht worden. Er lebt im Gesetz der Freiheit, so wie es Jakobus ausdrückt. Er ist aus der Knechtschaft der Sünde befreit worden.
[3:42] Und doch, sagt er, obwohl ich frei bin, mache ich mich freiwillig zum Knecht von anderen, um ihnen zu dienen. Und dieses Prinzip macht er ganz deutlich in 1. Korinther 10 und dort Vers 33.
[4:03] Dort sagt Paulus: "So wie auch ich in allen Stücken allen zu Gefallen lebe und nicht meine Nutzensuche, sondern den der vielen, damit sie gerettet werden." Paulus sagt hier: "In allen Stücken." Ich weiß nicht, wie es dir geht, lieber Freund, liebe Freundin, wenn du dein Leben betrachtest: Wie viel Prozent deines Lebens lebst du für dich und wie viel Prozent für andere? Vielleicht würden wir jemanden, der zu 40 Prozent für andere Menschen lebt, als äußerst wohltätig und mildtätig einstufen. Vielleicht jemand, der zu 60 oder 65 Prozent für andere lebt, als aufopfernd. Und jemand, der vielleicht zu 85 oder 90 Prozent für andere lebt, als jemand, der das Bundesverdienstkreuz verdient hat. Aber Paulus sagt: "Ich lebe in allen Stücken allen zu Gefallen."
[5:00] Mit anderen Worten, egal was Paulus tat, in den kleinen oder in den großen Dingen des Lebens, hat er so gelebt, um andere Menschen zu erreichen, andere Menschen zu gewinnen. Jede Kleinigkeit seines Lebens war ein Beispiel dafür, um Menschen zu Jesus zu führen. Und ich wünsche mir in meinem Leben, dass das mehr noch bei mir sichtbar wird. Wie ist es mit dir?
[5:21] Er sagt ganz deutlich: "Ich möchte nicht zu meinem Nutzen leben, sondern zum Nutzen der vielen." Wie viel Nutzen haben andere aus deinen Worten? Wie viel Nutzen haben andere aus deinen Taten, aus deinen Erklärungen, aus dem, wie du dich vergibst, aus deinem Charakter? Nützt das, was du tust, dir selbst oder nützt es anderen? Paulus hat sich vorgenommen, anderen zu nützen und er wollte anderen dienen und helfen. Und man kann anderen nur dienen und helfen, wenn man versteht, wie sie leben, warum sie so sind, wie sie sind.
[5:55] Jesus Christus kam in diese Welt allein aus diesem Grund. Wir haben das nicht im Sendemanuskript, aber wir wollen trotzdem nachschauen. In Jakobus, und zwar in Jakobus 1, da sagt uns die Bibel in Jakobus 1, Vers 13: "Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht, denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht auch niemand." Gott kann nicht versucht werden.
[6:28] Aber Gott hat einen Wunsch gehabt von Anfang an, seit die Sünde in die Welt kam, die uns versucht hat und uns verführt hat und uns in dieses tiefe Loch der Schuld und der Sünde und der Verzweiflung gestoßen hat, aus dem niemand sich selbst befreien kann, weder ich noch du noch jemand anders. Gott, der diese Erfahrung nie gemacht hat, versucht zu werden, hatte einen Wunsch gehabt, nämlich, und so können wir lesen in 2. Petrus, in 2. Petrus 3, Vers 9: "Der Herr zögert nicht die Verheißung hinaus, wie etliche es für ein Hinauszögern halten, sondern er ist langmütig gegen uns, weil er nicht will, dass jemand verloren geht, sondern dass jedermann Raum zur Buße habe." Gott hatte einen Wunsch. Sein Wunsch war es, dass jedermann gerettet wird.
[7:24] Nun, wir wissen, dass dieser Wunsch limitiert ist in dem Sinne, dass Gott niemanden zwingt, gerettet zu werden. Es ist nur sein Wunsch, und solange ein Mensch nicht da einstimmt in diesen Wunsch und nicht die Entscheidung dafür fällt, kann er nicht gerettet werden. Aber von Gottes Seite aus tut er alles, er möchte alles geben, damit irgendwie, irgendwo es möglich ist, auch diesen Menschen noch zu retten. Gott kann nicht versucht werden, aber er möchte diese Menschen, die von Versuchung überwunden worden sind und gefallen sind, erreichen und retten.
[8:00] Nun, was musste Gott tun? Er musste sich versuchen, in ihre Lage hineinzuversetzen. Er musste sich in ihre Lage hineinversetzen, um sie dort zu erreichen, wo sie waren. Und die Bibel sagt uns, dass Gott es dadurch getan hat, indem das Wort Fleisch wurde.
[8:20] In Johannes 1 und dort Vers 14 lesen wir in Johannes 1 und dort Vers 14: "Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit." Jesus Christus wurde Fleisch, er kam in unsere Welt hinein, er wohnte unter uns. Er zeltete mitten unter uns, er schlug sein Zelt auf auf dieser Erde. Er hat nicht einfach am Himmel die Grundsätze des Evangeliums angeschrieben und gesagt: "Lebt danach", sondern er kam zu uns. Er wollte wissen, wie es ist, in einer sündigen, gefallenen Welt zu leben. Er wollte wissen, wie es ist, versucht zu werden. Er wollte wissen, wie es ist, mit den Schwachheiten der menschlichen Natur das Gesetz Gottes zu halten.
[9:12] Jesus kam in unsere Welt. Er wollte wissen, wie es uns geht. Er kam ganz nach unten, um seine Hand wirklich effektiv aufstrecken zu können.
[9:26] Und so lesen wir in Hebräer, Hebräer 2 und dort Vers 17, dort heißt es: "Daher musste er in jeder Hinsicht, in jeder Hinsicht den Brüdern ähnlich werden, damit er ein barmherziger und treuer Hohepriester würde in dem, was Gottes Volk betrifft, um die Sünden des Volkes zu sühnen." Denn Vers 18: "Worin er selbst gelitten hat, als er versucht wurde, kann er denen helfen, die versucht werden."
[9:57] Im Umkehrschluss heißt das: Gott kann uns nur dort wirklich helfen, in den Versuchungen, die auch er selbst erlitten hat und überwunden hat. Ich weiß nicht, was die Versuchungen sind, die dir am meisten zu schaffen machen. Ich kenne meine Versuchung, aber ich weiß nach diesem Vers, dass Jesus dieselben Versuchungen erlitten hat und Sieger gewesen ist. Egal, was dich heute versucht hat, was dich heute versucht gerade vielleicht, womit du am meisten kämpfst, Jesus hat diese Versuchung erlebt und Jesus, so sagt uns dieser Vers ganz deutlich, auch an anderen Stellen, hat gelitten, ist versucht worden, aber er ist ohne Sünde gewesen.
[10:36] Er weiß, wie es ist, aus dem Wort Gottes zu leben und das Wort Gottes und die Kraft Gottes, den Heiligen Geist, so in deinem Leben zu erfahren, dass man der Versuchung nicht nachgeben muss, dass man Sieger sein kann über die Versuchung.
[10:49] Vielleicht sagst du: "Das möchte ich auch erleben." Und so geht es mir auch. Und so ist es unser Wunsch, dass, wenn wir weiter die Bibel studieren, wir sehen können, wie wichtig es ist, Jesus nachzufolgen und seine Kraft, die er uns freiwillig anbietet, die er uns frei anbietet, kostenlos, gratis diese Kraft in Anspruch zu nehmen.
[11:06] So lesen wir in Hebräer 4 und dort Vers 15: "Denn wir haben nicht einen Hohen Priester, der kein Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern einen, der in allem versucht worden ist, in ähnlicher Weise wie wir, doch ohne Sünde." Unser Hoher Priester hat Mitleid mit mir und mit dir, wenn du in Sünde gefallen bist. Unser Hoher Priester weiß, wie es ist. Er hat sich in unsere Situation hineinversetzt und kennt unsere Umstände.
[11:36] Vers 16: "So lasst uns nun mit Freimütigkeit hintreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe." Brauchst du heute Gnade? Brauchst du Hilfe zur rechten Zeit? Du kannst mit Freimut, das heißt mit Mut, frei zum Gnadenthron gehen und sagen: "Herr Jesus, ich brauche dich. Ich bin gefallen oder ich bin gerade in einer Versuchung. Ich brauche deine Kraft. Ich möchte Überwinder sein, ich möchte Sieger sein über die Versuchung. Ich möchte das, was ich getan habe, nicht wieder tun, aber ich weiß, ich kann es nur durch dich, Herr Jesus."
[12:15] Ist das dein Wunsch? Das ist mein Wunsch heute, diese Kraft der Erlösung, diese Kraft des in der Gerechtigkeit Jesu Bleibens, die Gott uns anbieten möchte, in meinem Leben zu erleben und danach zu leben, jede Sekunde, jeden Tag, jede Woche, bis er wiederkommt.
[12:33] Und dieser Gedanke, dass Jesus sich in uns hineinversetzen kann, der ist der eigentliche Hintergrund dafür, dass Paulus auch sagt, dass er ein Knecht der anderen geworden ist. Denn wir wissen von Jesus in Philipper 2, dass er Knechtsgestalt angenommen hat, obwohl er frei war.
[12:46] In Philipper 2 und dort Vers 5 und 6 und 7 heißt es: "Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war, der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen." Er war frei und wurde doch Knecht.
[13:23] Und so sagt Paulus: "Obwohl ich ja frei bin, mache ich mich freiwillig zum Knecht." Warum? Um viele zu retten. So wie Jesus freiwillig Knecht wurde, sich entäußerte, seine himmlische Freiheit aufgegeben hat und gehorsam wurde, wie es in Vers 8 heißt: "Und seine äußere Erscheinung als ein Mensch erfunden, entniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz."
[13:47] Darum hat ihn Gott auch über alle Maßen erhöht und ihm einen Namen verliehen, der über allem Namen ist, denn in seinem Namen soll jeder Mensch gerettet werden. Und so wirkt diese Aufgabe der Freiheit zur Knechtsgestalt hin, die Möglichkeit, andere zu retten. Das war seine große Motivation, das war Jesu Plan, Menschen retten, Menschen aus der Grube der Sünde herauszuholen, weil er wusste, dass sie niemals sich selbst dort hinausholen können. Er lässt seinen Arm hinunter in die Grube und holt uns heraus.
[14:17] Und so hat auch Paulus, der ein Knecht Jesu Christi war, der von ihm angestellt war sozusagen, der für ihn gewirkt hat, gesagt: "Ich möchte genau diese gleiche Gesinnung haben, diese Gesinnung wie Jesus, so wie Philipper sagt: 'Habt diese Gesinnung in euch.' Ich bin zwar frei, aber ich möchte ein Knecht werden, um andere zu retten."
[14:34] Wie ist es mit dir? Du, der du frei bist, möchtest du ein Knecht werden, um andere zu retten? Möchtest du auf Dinge verzichten, damit andere zu Jesus finden? Möchtest du dich in ihre Lage hineinversetzen, in ihre Gedankenwelt, in ihre Lebensumstände hineinversetzen, um ihnen den Weg zeigen zu können zu Jesus?
[14:54] Paulus hat das gemacht. Als Paulus nach Thessaloniki kam, hat er sich versucht, in die Lage – und das haben wir das letzte Mal und das vorletzte Mal besprochen – hat er sich versucht, in die Lage und die Gedankenwelt seiner Zuhörer zu versetzen, und das sollten wir heute auch tun.
[15:07] Wir wollen heute als Hintergrund für den Thessalonicherbrief einige geschichtliche Fakten uns auch anschauen, die wahrscheinlich auch Paulus kannte, um besser zu wissen, wie er seinen Zuhörern begegnen sollte. Thessaloniki ist eine interessante Stadt. Gegründet wurde sie im Jahre 315 vor Christus und zwar von jemandem, den wir als Prophetiestudenten gut kennen, und zwar einem mazedonischen König namens Kassander. Und jeder, der sich im Buch Daniel gut auskennt, hat diesen Namen schon mal wahrscheinlich gehört.
[15:43] Wenn wir gemeinsam Daniel 7 aufschlagen, dann finden wir dort in Daniel 7, genauso wie in Daniel 2, die Weltreiche in symbolischer Sprache beschrieben. Dort in Daniel 7, Vers 4: Babylon, als diesen Löwen mit zwei Adlerflügeln, die ausgerissen werden, und der Löwe bekommt ein menschliches Herz. Wir finden in Vers 5 den Bären, der auf einer Seite aufgerichtet ist, der uns als Medo-Persien hier vorgestellt wird, ein Land, das drei Provinzen, nämlich Libyen, Verzeihung, Lydien, Ägypten und Babylon, eingenommen hat und deswegen drei Rippen im Maul dieses Bären zu finden sind. Und dann in Vers 6 finden wir dieses dritte Tier. Vers 6 heißt es: "Danach schau dich weiter und siehe ein anderes Tier wie ein Panther, das hatte vier Vogelflügel auf seinem Rücken, auch vier Köpfe hatte dieses Tier, und ihm wurde Herrschaft verliehen." Dieses vierte Tier, so wissen wir aus der biblischen Prophetie, ist das griechische Weltreich, das unter Alexander dem Großen schnell wie ein Panther mit vier Vogelflügeln über die Erde quasi flog und innerhalb von acht Jahren die gesamte damals bekannte Welt eingenommen hatte. Aber etwas sollte passieren, und das wird durch diese vier Köpfe ausgedrückt. Etwas sollte passieren zu diesem griechischen Reich.
[17:00] In Daniel 8 bekommen wir weitere Informationen. Dort werden ja noch einmal die gleichen Reiche ohne Babylon aufgezählt, und dort lesen wir in Vers 8: "Der Ziegenbock aber wurde über die Maßen groß, als er beim stärksten war, zerbrach das große Horn, und es wuchsen an dessen Stelle vier ansehnliche Hörner auf nach den vier Himmelsrichtungen hin." Und wir brauchen gar nicht raten, was sich hier hinter verbirgt, denn in Vers 21 heißt es: "Der zottige Ziegenbock aber ist der König von Griechenland, und das große Horn zwischen seinen beiden Augen, das ist der erste König." Der erste König natürlich Alexander der Große, der das medopersische Reich, wie gesagt, in acht Jahren eingenommen hatte.
[17:38] Aber die Geschichte sagt uns, dass nachdem er die gesamte Welt eingenommen hatte, bis zum Indus vorgedrungen war und irgendwann aufgeben musste, weil es nichts mehr zu erobern gab, dass es etwas gab, was er nicht beherrschen konnte, und das war er selbst. Er konnte sich selbst nicht beherrschen, und es gibt verschiedene Legenden, wie er umgekommen ist. Eine besagt, dass er sich zu Tode gesoffen hat. Wie auch immer. Die Bibel sagt: "Was nützt es den Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und auch Schaden nimmt an seiner Seele?" Alexander der Große hat die ganze Welt gewonnen, hat Schaden genommen an seiner Seele, als er in jungen Jahren, viel zu jung, in den frühen 30er Jahren seines Lebens stirbt. Er hinterlässt eine Frau, eine persische Prinzessin, deren gemeinsamer Sohn noch nicht einmal geboren ist, an einen Halbbruder, der unfähig ist zum Regieren. Das Reich wird geteilt unter seine Generäle, woraus vier Siegreiche hervorgehen, nach einigen bürgerkriegartigen Zuständen. Und diese vier Diadochen, die hier in der Prophetie mit den vier Köpfen des Panthers beziehungsweise mit den vier Hörnern des Ziegenbocks dargestellt werden, sind die vier Diadochen Ptolemaios, Seleukos, Kassander und Lysimachus.
[19:01] Und einer von diesen, Lysimachus – Verzeihung, Kassander – gründet 315 vor Christus, das ist ungefähr kurze Zeit, nachdem das griechische Weltreich durch Alexander den Großen gegründet worden ist, nur wenige Jahre später gründet er die Stadt Thessalonike. Und diese Stadt ist benannt nach seiner Frau, die interessanterweise eine Halbschwester von Alexander dem Großen war. Der Name Thessalonike bedeutet so viel wie "der Sieg in Thessalien", denn Nike, heute noch bekannt als englisch ausgesprochen als Sportmarke, Nike bedeutet so viel wie Sieg. Thessalonike ist der Sieg in Thessalien und deutet darauf hin, wie die Mazedonier dieses Gebiet in Thessalien eingenommen hatten. Deswegen wurde Alexanders Halbschwester so genannt, und nach dem Namen seiner Frau hat dann dieser, einer dieser Generäle, Kassander, der dann über den Teil Griechenland-Mazedonien geherrscht hat, während Ptolemaios zum Beispiel Ägypten bekommen hat und Seleukos zum Beispiel Mesopotamien, hat er dann diese Stadt benannt.
[20:04] Einige Jahrhunderte später, im Jahre 168 vor Christus, kamen dann Truppen der nächsten Macht. Denn in Daniel 7 wird uns gesagt, dass auf das dritte Tier ein viertes Tier folgt, schrecklich anzusehen, mit eisernen Zähnen, das schon in Daniel 2 als das eiserne Königreich, das vierte Königreich, das alles zermalmt und zerstampft, dargestellt wird. Das sind natürlich die Römer, die natürlich auch nach Mazedonien vortragen und im Jahre 168 vor Christus dort die Oberherrschaft gewannen. Zunächst einmal die Gegend relativ autonom gehalten hatten, aber dann mit einigen Aufständen konfrontiert gewesen sind und dann im Jahre 146 vor Christus diesen mazedonischen Aufstand niedergeschlagen haben und eine neue römische Provinz gegründet haben, nämlich die Provinz Macedonia oder Makedonia. Und Thessaloniki interessanterweise wurde Hauptstadt dieser römischen Provinz.
[21:01] Als Paulus also nach Thessaloniki kam, da betrat er eine der wichtigsten Städte seiner Zeit. Übrigens, diese Angst vor einem Aufruhr im eigenen Land wird auch in der Bibel ganz deutlich, zum Beispiel in Johannes 11 und dort Vers 48 bis 50. Dort lesen wir Johannes 11, Vers 48 bis 50: "Wenn wir ihn sofort fahren lassen, werden alle an ihn glauben, und dann kommen die Römer und nehmen uns das Land und das Volk weg." Vers 49: "Einem von ihnen, Kaiaphas, der in jenem Jahr Hohepriester war, sprach zu ihnen: Ihr erkennt überhaupt nichts und ihr bedenkt nicht, dass es für uns besser ist, dass ein Mensch für das Volk stirbt, als dass das ganze Volk zugrunde geht."
[21:52] Wir können hier deutlich sehen, welche Angst davor bestand, dass die Römer kommen und das Land wegnehmen. Und das war eine Lage, die nicht nur in Israel war, sondern überall in allen Provinzen. Daniel 2 und 7 besprechen ja diese Macht erhoben als etwas, das zerstampft und zermalmt und als besonders grausam vorgeht. Und jeder Führer, jeder lokale, regionale Führer wusste: Solche religiösen Aufruhre, wie sie zum Beispiel mit Jesus geschahen, waren oft ein willkommener Anlass dafür, militärisch zu intervenieren für die Römer, und da hatte man besonders Angst. Und man darf das also nicht unterschätzen, als Paulus mit dieser neuen Lehre nach Thessaloniki kommt, dann hat das in sich bereits das Potenzial, dass es vielleicht wieder Ärger mit den Römern geben könnte.
[22:42] Es gibt ja eine Geschichte in der Apostelgeschichte, wo die Behörden und die militärischen Machthaber angerufen werden, um diese religiösen Dispute und Konflikte zu lösen. Und Paulus wird das im Hinterkopf gehabt haben, welche politische Lage zu seiner Zeit bestand. Er kannte die Lage der Thessalonicher, weil er selbst als Jude wusste, wie es war, von den Römern besetzt zu sein.
[23:09] Mit anderen Worten, sie hatten den gemeinsamen politischen Feind, obwohl Paulus natürlich die Römer liebte, wie alle Menschen liebte, aber er wusste, wie es war, aus seiner Zeit als Pharisäer, wie es ist, in einem Land zu leben, in einer eigenen Kultur, mit einer eigenen Sprache und trotzdem diese Schutzmacht oder diese Kolonialmacht Rom über einem zu haben.
[23:30] Und so konnte er sich in die besondere Lage, das Denken der Griechen dort vor Ort in Mazedonien, in Thessaloniki hineinversetzen.
[23:38] Interessanterweise, wenn wir die Lage, die geografische Lage von Thessaloniki betrachten, dann fällt uns auf, dass sie an einem extrem günstigen Ort gelegen war, diese Stadt. Als damals Kassander die Stadt gegründet hatte, hatte er 26 einzelne Ortschaften zusammenlegen lassen, um diese wichtige Handelsmetropole zu schaffen. Sie lag an einem Golf, einem thermischen Golf, womit natürlich ein großer Hafen verbunden war. Großer Hafen bedeutet immer wichtige Handelsgüter, die in die Stadt hineinkommen. Und sie lag an der wichtigen Handelsstraße der Via Egnatia, die direkt von Rom bis nach Byzanz, dem heutigen Istanbul, dem späteren Konstantinopel, verlief. Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass Paulus auf seinen Reisen, und wenn man die Orte, die er auf dem Weg nach Thessaloniki dort besucht hat, verfolgt, kann man das auch gut annehmen, dass er auf genau dieser Handelsstraße auch gereist ist.
[24:32] Es war also ein hervorragender wirtschaftlicher Standort, und daraus können wir schlussfolgern, dass es sich um eine reiche und wirtschaftlich gut situierte Stadt gehandelt hat. Was wiederum bedeutet, dass wir, wenn wir das Evangelium, das an die Thessalonicher ergangen ist, und die Briefe an die Thessalonicher in unsere Zeit übertragen wollen, davon ausgehen können, dass wir es mit Menschen zu tun gehabt haben, die unserer Lage heute im westlichen Europa sehr ähnlich ist: gute wirtschaftliche Voraussetzungen und im Vergleich zur restlichen Welt eine herausgehobene Stellung.
[25:07] Und Paulus hat diese Menschen so erreicht, wie es in den Thessalonicherbriefen deutlich wird. Und wahrscheinlich ist es deswegen auch so wichtig, die Thessalonicherbriefe für uns zu studieren, weil wir dort ein Muster haben, wie man Menschen, die in einer wirtschaftlich gut situierten Umgebung leben, für das Evangelium gewinnen kann und dort eine Gemeinde gründen kann.
[25:24] Und um noch einmal auf die Methode des Paulus zu sprechen zu kommen, weil sie so entscheidend ist auch für unser Verständnis der Mission, wollen wir noch einmal 1. Korinther 9 uns betrachten hier. In 1. Korinther 9 und dort ab Vers 20.
[25:45] Paulus sagt hier: "Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne." Wir haben ja in der ersten Folge dieser Cannstatt Study Hour das schon ausführlich betrachtet. "Denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich geworden, als wäre ich unter dem Gesetz, damit ich die unter dem Gesetz gewinne. Denen, die ohne Gesetz sind, bin ich geworden, als wäre ich ohne Gesetz, obwohl ich vor Gott nicht ohne Gesetz bin, sondern Christusgesetzmäßig unterworfen, damit ich die gewinne, die ohne Gesetz sind. Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise etliche rette."
[26:20] Dies aber tue ich um des Evangeliums willen, um an ihm teilzuhaben. Paulus sagt immer und immer wieder: "Ich möchte sie gewinnen. Ich möchte die Juden gewinnen, ich möchte die Griechen gewinnen, ich möchte die Heiden gewinnen, ich möchte die Römer gewinnen." Und auch so sollten wir denken: Wir möchten alle verschiedenen Klassen, Gruppierungen, Religionen, Konfessionen, wir möchten sie gewinnen für das Evangelium.
[26:43] Und so wollen wir uns hineinversetzen in die einzelnen Lagen der Menschen, so wie Paulus sich in die Lage der Thessalonicher hineinversetzt hat und geschaut hat, was ist der geschichtliche und was ist der wirtschaftliche und was ist der soziale Hintergrund der Menschen, zu denen ich spreche. Sollten auch wir uns fragen: Was sind die Menschen gewohnt, zu denen ich spreche? Was ist ihr Hintergrund? Was ist ihr familiärer Hintergrund? Was ist ihr finanzieller Hintergrund, vielleicht? Was ist ihr beruflicher Hintergrund? Aus welcher gesellschaftlichen Schicht kommen diese Menschen? Was ist ihre Bildung? Und je nachdem sollten wir unsere Evangeliumsverkündigung in der Reihenfolge anpassen, nicht in der Veränderung von Lehrpunkten, sondern in der Reihenfolge, wann welcher Punkt zu erfolgen hat, damit man die Menschen dort erreicht, wo sie sind, und sie dann Schritt für Schritt zu dem führen kann, was sie nicht kennen oder vielleicht auf den ersten Blick abgelehnt hätten.
[27:32] Und dann sagt Paulus etwas Interessantes: Diese Idee, den Griechen ein Grieche zu werden, die illustriert er in den nächsten Versen selbst. Die nächsten Verse, vier sehr kostbare Verse, benutzen genau dieses Bild. Er verwendet nämlich eine Bildmetapher, die den Griechen seiner Zeit nur zu bekannt gewesen ist und auch uns heute sehr bekannt ist, die wir in dieser Sache von den Griechen viel gelernt haben. Er verwendet das Bild und die Illustration des Sportwettkampfes.
[27:59] Die Griechen und die Römer waren zu jener Zeit ganz wild und verrückt nach Sportwettkämpfen, und wir wissen ja, dass die Griechen mit Olympia da auch große Pionierarbeit geleistet haben. Und das ist etwas, was auch heute viele, viele Menschen anspricht: Wettkämpfe, große, internationale Turniere, Sport. Und Paulus nimmt jetzt dieses Bild: Er wird dem Griechen ein Grieche. Er schreibt das ja auch an die Korinther, an die Griechen, und versucht ihnen jetzt zu erklären, was er geistlich ihnen damit ausdrücken möchte.
[28:31] Vers 24 lesen wir: "Wisst ihr nicht, dass die, welche in der Rennbahn laufen, zwar alle laufen, aber nur eine die den Preis erlangt? Lauft so, dass ihr ihn erlangt." Jeder von den Griechen wird einen Wettkampf gesehen haben, und auch wir haben alle schon einen Wettkampf gesehen, so einen Laufwettkampf, und wir wissen, was erforderlich ist, um Sieger zu sein. Wir wissen, dass nur der siegen kann, der wirklich alles gibt, was er hat. Wir wissen, dass nur der siegen kann, der sich gründlich vorbereitet hat. Wir wissen, dass nur der siegen kann, der ein striktes Training, eine strikte Mäßigkeit zum Beispiel auch in seinem Essen, seinem Lebensstil pflegt.
[29:07] Das ist das, was der Paulus im nächsten Vers dann deutlich macht: "Jeder aber, der sich am Wettkampf beteiligt, ist enthaltsam in allem." Das griechische Wort meint einfach, er ist mäßig. "Jene, um einen vergänglichen Siegeskranz zu empfangen, wir aber einen unvergänglichen."
[29:23] Was Paulus sagen möchte: In gewisser Art und Weise läuft der Christ in einem geistlichen Olympia-Rennen. Aber während es bei Olympia Gold, Silber, Bronze und dann noch einige andere Platzierungen, die sehr undankbar sind, gibt, gibt es im Kampf des geistlichen Olympias nur zwei Positionen: Sieger oder Gewinner. Und das Schöne an der Sache ist, dass es nicht nur einen Sieger gibt, sondern dass jeder gewinnen kann. Es ist also nicht du oder ich, sondern wir können beide gewinnen.
[29:56] Der eigentliche Kampf in diesem Lauf ist der Kampf gegen das eigene Ich. Die Bereitschaft, alles diesem geistlichen Ziel unterzuordnen, so wie ein Sportler alles, was er tut, was er isst, selbst damit er sich beschäftigt, diesem einen Ziel unterordnet, als schnellste über die Linie zu laufen, sollten auch wir alles diesem einen Ziel unterordnen, um diesen geistlichen Kampf zu laufen.
[30:27] Übrigens, nebenbei gesagt, was ist der schnellste Weg zwischen Startblock und Ziellinie? Der schnellste und sicherste Weg ist immer der gerade Ausweg. Deswegen sind auf einer Olympischen Bahn auch die Bahnen nicht kreuz und quer mit einem Zickzackkurs, weil jeder weiß, das würde länger dauern. Und so ist Gottes Ideal für uns auch, dass wir einen geraden Weg gehen. Ja, es mag sein, dass wir nach links abgewichen sind, dass wir nach rechts abgewichen sind, dass wir gestolpert sind und dass unsere Wege krumm geworden sind. Und Gott, Gott sei Dank, ist so langmütig und gnädig, dass es immer wieder zurückhilft auf die gerade Bahn, immer wieder den Arm ausstreckt und immer wieder mit neuer Kraft ausstattet. Aber sein Ideal ist kein Slalomkurs. Sein Ideal ist ein gerader Weg, die kürzeste Verbindung zwischen Startblock und Ziel. Das ist immer Gottes Ideal, und je näher wir dem Ideal kommen durch seine Hilfe, desto mehr Freude im Leben und mehr Erfüllung werden wir haben und desto schneller werden wir am Ziel sein.
[31:18] Er führt weiter fort in Vers 26: "So laufe ich nun nicht wie aufs Ungewisse. Ich führe meinen Faustkampf nicht mit bloßen Luftstreichen." Paulus sagt ganz deutlich: Der christliche Lauf ist nicht einfach so ein Spazierlauf, wo man einfach sagt: "Na ja, ich laufe mal ein bisschen und mal schauen, was dabei rauskommt." Paulus lief nicht um des Laufes willen, sondern er lief, um am Ziel anzukommen. Manch ein Christ hat das Gefühl: "Na ja, ich bin einfach Christ um des Christseins willen, weil man als Christ ein guter Mensch ist und das sind tolle Werte und die finde ich ganz gut." Aber Paulus sagt: "Das ist alles schön und gut, aber das Ziel am Lauf ist, am Ziel anzukommen."
[32:08] Wir laufen nicht einfach nur umzulaufen, wir laufen, um am Ziel anzukommen. Und so sollten wir auch als Christ nicht einfach nur Christen sein um des Christseins willen, weil wir daran geboren sind, weil wir in der Gesellschaft aufgewachsen sind, sondern weil wir am Ziel ankommen möchten, weil wir die Krone der Gerechtigkeit, die Gott jedem beiseite gelegt hat, der auf ihn vertraut und bei ihm bleibt, dass wir diese Krone bekommen, eine unvergängliche Krone, die nicht nach vier Jahren an den nächsten Olympiasieger abgegeben wird. Möchtest du diese Krone haben? Ich möchte sie haben, und ich weiß in meinem Leben, dass zu selten wir diesen Fokus haben auf die Krone. Zu oft wir uns ablenken lassen mit den Fotoapparaten rechts von der Laufbahn und dem Publikum links von der Laufbahn, dem Gegner vielleicht auf unserer Seite. Ein Olympia-Läufer muss das Ziel im Blick haben. Kein Olympia-Läufer dreht sich um und schaut, ob er etwas vergessen hat. Er würde Zeit verlieren. So sollten wir das Ziel im Blick haben: Jesus kommt bald. Und Sie fragen stellen: Was muss ich tun? Was muss ich in meinem Leben aufgeben? Gibt es etwas, was ich meinem Leben Gott noch nicht übergeben habe? Gibt es etwas, wo ich ihm noch nicht völlig gehorsam bin? Auf das Ziel hinzulaufen, nicht wie ins Ungewisse, sondern mit einem definitiven Ziel. Und dann wird es Dinge geben, wo wir merken, wo Gott uns zeigt: "Das liegt im Argen. Das ist nicht so, wie ich es haben möchte."
[33:34] Und dann sagt uns die Bibel in Vers 26: "Ich führe meinen Faustkampf nicht mit bloßen Luftstreichen." Paulus appelliert jetzt an seine griechischen Zuhörer, die alle schon mal einen Boxkampf, einen Ringkampf gesehen haben. Und er sagt ihnen: Wenn ein Boxer, wenn ein Kämpfer in die Luft schlägt, wird er seinen Gegner nicht treffen, er wird niemals gewinnen. Und auch wir sollten wissen, wo wir hinschlagen. Nicht einfach nur in die Luft strampeln und sagen: "Na ja, irgendwie muss ich mich ein bisschen bewegen." Nein, wir sollten wissen, wo unsere schwachen Punkte sind und mit Gottes Hilfe, mit seiner Kraft diese schwachen Punkte attackieren. Definitiv Anstrengung machen, um Satan zu überwinden. Nicht einfach nur in den Tag hinein leben und dann hoffen, dass Gottes Gnade das irgendwie schon regeln wird, sondern wissen, was unsere Schwächen sind.
[34:21] Kennst du deine Schwächen? Weißt du, wo Satan dich attackiert? Ich weiß, wo Satan mich attackiert, und ich weiß, dass Satan immer Erfolg hat, wenn ich vergesse, deutlich hinzuschlagen. Wenn ich einfach nur in den Tag hinein lebe. Ich weiß, wie Satan mich attackiert, und ich denke, du hast wahrscheinlich, lieber Freund, liebe Freundin, die gleiche Erfahrung gemacht. Und wir müssen lernen, wie ein Olympia-Kämpfer zu wissen, wo wir hinschlagen müssen. Zu wissen, worauf es ankommt in unserem Leben.
[34:48] Vers 27 sagt er: "Sondern ich bezwinge meinen Leib und beherrsche ihn, damit ich nicht anderen verkündige und selbst verwerflich werde." Ein so wichtiger Punkt, ein so wichtiger Punkt. Und ich weiß in meinem Leben, und wahrscheinlich auch du in deinem Leben, wir alle haben die Erfahrung gemacht, dass wir anderen schon so tolle Sachen erzählt haben und dann selbst wieder so gefallen sind. Paulus sagt: "Genau das soll nicht passieren." Und allein durch die Gnade Gottes und allein durch seine Kraft ist es möglich, dieses Auf und Ab, dieses Auf und Ab zu durchbrechen. Möchtest du die Gnade Jesu in Anspruch nehmen und dieses Auf und Ab durchbrechen und konstant ihm treu sein, sodass dein Zeugnis anderen gegenüber auch dem entspricht, was du selbst lebst?
[35:31] Paulus wollte nicht nur ein toller Missionar sein, der Gemeinden gründet. Er wollte auch, dass die Thessalonicher oder die Korinther, all die Griechen, die er dort findet in Europa, dass sie in seinem Leben auch sehen, dass das, was er anderen verkündigt, in seinem Leben auch sichtbar wird. Sind dein Charakter und deine Verkündigung auf der gleichen Ebene? Das muss ich mich fragen, und das solltest auch du dich fragen. Wenn wir andere Menschen erreichen wollen, wenn wir etwas lernen wollen aus der Geschichte, wie Paulus die Thessalonicher erreicht hat und ihnen schreibt, dann müssen wir uns diese Frage stellen, die Paulus sich jeden Tag neu gestellt hat: "Ich verkündige anderen, aber bin ich selbst vielleicht verwerflich?" Und das ist eine sehr wichtige Frage. Wir sollten uns Zeit nehmen, darüber nachzudenken, wie unser eigenes Leben im Vergleich zu unserem Bekenntnis, unserer Verkündigung, unserem Zeugnis steht.
[36:22] Zum Abschluss wollen wir noch einige kulturelle Hintergründe der Gemeindegründung in Thessaloniki betrachten. In Römer 16, Vers 5, dort finden wir einen Hinweis auf etwas, was auch heute wieder in Mode gekommen ist und was damals sehr, sehr wichtig war. In Römer 16, Vers 5 heißt es: "Grüßt auch die Gemeinde in ihrem Haus." Und Paulus spielt darauf an, dass viele Gemeinden sich in einem Haus, eine einzelne Person getroffen haben, sogenannte Hausgemeinden. Ja, wo er Juden traf, da gab es Synagogen, und wenn dann dort die Juden sich zu Christus bekehrten, konnte man sich auch in der Synagoge treffen. Aber in vielen Fällen war das unmöglich, und in der Mangelung an besseren Gelegenheiten traf man sich eben zu Hause in der eigenen Wohnung.
[37:11] Und das in Harmonie mit einem Prinzip, das Jesus uns gibt, in Matthäus 18 und dort Vers 20. Matthäus 18, Vers 20. Dort lesen wir: "Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte." Und zwar, die drei, das ist die kleinste denkbare Zahl von Leuten, die sich überhaupt versammeln können, denn einer alleine kann sie nicht versammeln. Das heißt, was Jesus ausdrücken möchte: Egal, wer sich versammelt und wenn es nur zwei oder drei sind, wo immer Menschen zusammenkommen und Gemeinschaft haben in Christus, da bin ich gegenwärtig.
[37:50] Und das sollte uns etwas Wichtiges lehren: Es kommt nicht auf die Größe der Gemeinde an. Manch einer hat heutzutage den Eindruck, dass eine große Gemeinde von Gott gesegnet ist und eine kleine Gemeinde nicht gesegnet ist. Und deswegen haben wir den Eindruck, wir müssen die Gemeinden zum Wachsen bringen. Wir brauchen große Gemeinden, und kleine Gemeinden sind schlecht. Deswegen müssen die Gemeinden durch Gemeindewachstumsmethoden wachsen. Nun, nichts ist verkehrt dadurch, dass Gemeinden wachsen. Aber Gemeinden wachsen nicht dadurch, dass ich Gemeinden zum Wachsen bringen will, sondern Gemeinden wachsen dadurch, dass wir Menschen gewinnen nach den Methoden Jesu. Und dann wachsen die ganz natürlich. Und Gottes Ziel ist es nicht so sehr große Gemeinden zu haben, sondern viele, viele, viele Gemeinden an vielen Orten, sodass jeder Mensch erreicht werden kann.
[38:30] Statt also alle Energie darauf zu bringen, bestehende Gemeinden immer noch größer und größer zu machen, sollten wir Energie darauf verwenden, Gemeinden neu zu gründen und Menschen eins zu eins zu erreichen. Und selbst dort, wo Gruppen sich nur zu zweit oder zu dritt treffen, was wir vielleicht als kleine Gruppierung, die nicht wirklich eine Gemeinde ist, da ansehen würden, für Jesus ist eine Gemeinde von zwei oder drei Personen eine Gemeinde, wenn sie in Christus etabliert ist.
[38:57] Und dass das eine gängige Praxis ist, das finden wir auch in 1. Korinther 16, Vers 19 beschrieben. 1. Korinther 16 und dort Vers 19. Wir lesen dort: "Es grüßen euch die Gemeinden in der Provinz Asien. Es grüßen euch vielmals im Herrn Aquila und Priscilla samt der Gemeinde in ihrem Haus." Wir können auch Kolosser 4, Vers 15 noch betrachten. Kolosser 4, Vers 15, dort heißt es: "Grüßt die Brüder in Laodizea und den Nymphas und die Gemeinde in seinem Haus."
[39:37] Oftmals war es so, dass diese junge Christenheit durch die vielen Vorurteile und den vielen Widerstand, nicht nur von den Griechen, vor allem von den Juden, unter Beschuss stand, unter Attacke stand und verfolgt wurde, sodass es oftmals sicherer war, sich in Privatwohnungen zu treffen als in großen öffentlichen Gebäuden, zu denen man sowieso kaum das Geld hatte, sie zu errichten.
[39:58] Und das ist eine wichtige Lehre auch für uns, denn das, was die erste Generation an Christen erlebt hat, wird in vielen Dingen auch die letzte Generation erleben. So wie es damals viel Widerstand geben wird, so wird es auch in der letzten Generation viel Widerstand geben. So wie damals der Heilige Geist ausgegossen wurde in Vollmacht im Frühregen, so wird er dann im Spätregen mit Vollmacht ausgegossen werden. Und wie damals sich viele Gemeinden dann in Häusern getroffen haben, so kann ich mir vorstellen, dass auch das sich wiederholen wird und viele Menschen sich in privaten Hausgemeinden treffen werden, um das Evangelium anderen Menschen dann auch weitergeben zu können und dort kleine Zellgruppen zu haben. Und das ist sehr wichtig zu verstehen, auch wenn wir die erste Christenheit, die Urchristenheit hier betrachten, in den Briefen der Thessalonicher.
[40:47] Schauen wir noch einen letzten Punkt an und zwar die Art und Weise, wie Paulus gearbeitet hat. In der Apostelgeschichte 18 finden wir etwas Interessantes. In der Apostelgeschichte 18, Vers 1 bis 3, dort heißt es: "Danach aber verließ Paulus Athen und kam nach Korinth. Und dort fand er einen Juden namens Aquila, aus Pontus gebürtig, der vor kurzem mit seiner Frau Priscilla aus Italien gekommen war, weil Claudius, das ist der Kaiser, befohlen hatte, dass alle Juden Rom verlassen sollten. Zu diesen gesellte er sich. Und weil er das gleiche Handwerk hatte, blieb er bei ihnen und arbeitete. Sie waren nämlich von Beruf Zeltmacher."
[41:26] Das ist ein wichtiger Punkt. Paulus, so lernen wir hier in seiner Arbeit auch zur Gemeinde der Thessalonicher hin, Paulus war ein selbst unterhaltender Missionar. Das heißt, Paulus war kein angestellter Prediger der Urchristenheit. Das waren die zwölf Apostel. Das waren diejenigen, die vom Zehnten gelebt haben, also Petrus und Johannes und Jakobus und all die anderen. Das waren die offiziellen Apostel. Aber Paulus war ein – und er macht es ganz deutlich, dass er keinen Zehnten angenommen hat, obwohl er ein Recht dazu gehabt hätte, wie die anderen Apostel. Er macht es im Korintherbrief ganz deutlich – ist ein selbst unterhaltender Missionar.
[42:17] Das heißt, die Art und Weise, wie Paulus gewirkt hat, und Paulus war einer der wichtigsten Missionare im Neuen Testament, gibt uns einen Hinweis darauf, wie auch wir heute arbeiten sollten. Neben den vielen Angestellten im Werk Gottes braucht es auch selbst unterhaltende Missionare. Und nicht als Konkurrenz. Paulus und Petrus haben sie auch nicht als Konkurrenz gesehen, sondern als Ergänzung. Und Paulus sagt ganz deutlich, dass er diesen Zehnten nicht angenommen hatte.
[42:49] Interessanterweise ist seine Arbeit, seine Handarbeit, für ihn auch ein ganz wichtiger Punkt in der Arbeit mit den Thessalonichern gewesen. In 1. Thessalonicher 2, das ist noch als letzter Hintergrund für die Thessalonicherbriefe, in 1. Thessalonicher 2 und dort Vers 9 lesen wir: "Ihr erinnert euch aber, ihr erinnert euch ja, Brüder, an unsere Arbeit und Mühe, denn wir arbeiteten Tag und Nacht, um niemand von euch zur Last zu fallen, und verkündigten euch dabei das Evangelium Gottes."
[43:18] Paulus macht ganz deutlich, dass diese Art der selbst unterhaltenden Missionsarbeit sogar noch aufwendiger war, noch anstrengender war, als einfach die eines Apostels, der sich nicht um seinen eigenen Lebensunterhalt kümmern musste. Aber er wollte seinen neu gewonnenen Gläubigen nicht zur Last fallen, und für ihn war es wichtig, dass das Evangelium so schnell wie möglich, so direkt wie möglich zu den Menschen geht, und er war bereit dafür, auch eine extra Schicht zu arbeiten, mehr zu tun, als vielleicht notwendig wäre, um die Menschen zu erreichen.
[43:53] Bist auch du dazu bereit? Bist du dazu bereit, extra zu arbeiten, eine extra Schicht einzulegen, um andere Menschen zu erreichen? Paulus sagt: "Ich arbeite Tag und Nacht, ich habe meinen Beruf und gleichzeitig gewinne ich Menschen." Das ist ein schönes Bild auch für all diejenigen, die einem Beruf nachgehen, die nicht Vollzeit für Gott arbeiten, die trotzdem Gemeinden gründen können und Menschen retten können, was auch immer dein Beruf ist. Sage niemals, dass, weil du so beschäftigt bist, du keinen Menschen zu Jesus führen kannst. Paulus konnte es, und wenn Paulus es kann, dann kann der Heilige Geist, der Paulus befähigt hat, auch dich befähigen.
[44:32] Und interessanterweise, man könnte sich fragen: Ja, hat das immer ausgereicht, diese Handarbeit, die Paulus getan hat, oder gab es auch Situationen, wo er dann doch von Gemeindegliedern abhängig gewesen ist? Und wir finden die Situation, dass das so gewesen ist. In 2. Korinther 11 und dort Vers 9 lesen wir: "Und als ich bei euch war und mangelte, bin ich niemals zur Last gefallen, denn meinen Mangel füllten die Brüder aus, die aus Mazedonien kamen, und in allem habe ich mich gehütet, euch zur Last zu fallen, und ich werde mich auch ferner hüten."
[45:01] Paulus sagt ganz deutlich, dass als er Mangel hatte, als seine Handarbeit es nicht mehr ausreichte, alles zu besorgen und alles zu garantieren, was er brauchte fürs Leben, da halfen ihm Brüder, in dem Fall Brüder aus Mazedonien aus. Paulus nahm, obwohl er keinen Zehnten annahm, nahm er doch auch Zuwendung, Unterstützung von anderen Geschwistern an, dort, wo es notwendig war. Andersrum bedeutet es: Die Gemeinde in Thessaloniki war bereit, neben der finanziellen Unterstützung der organisierten Gemeinde auch selbst unterhaltende Missionare zusätzlich zu unterstützen. Auch das ein interessanter geschichtlicher Hintergrund zur Gemeinde Thessaloniki, wenn wir sie weiter betrachten wollen. Und es wäre auch etwas Interessantes darüber nachzudenken, was es heute für uns im Volk Gottes bewirken würde, wenn wir bereit wären, neben der vollen und der ungeminderten Unterstützung der organisierten Wehrgottes gegenüber, zusätzlich selbst unterhaltende Missionare zu fördern und zu unterstützen, um diesen urchristlichen Effekt von offiziellen Aposteln und zusätzlichen Evangelisten zu kombinieren.
[46:12] Vielleicht magst du, liebe Freunde, auch darüber mal nachdenken, wie das in deiner Ortsgemeinde, in deiner Umgebung vielleicht sich gestalten könnte. Wir möchten euch einladen, ab der nächsten Woche beginnt unser systematisches Vers-für-Vers-Studium der beiden Thessalonicherbriefe. Bitte verpasst das unter keinen Umständen. Und wenn ihr Menschen kennt, die vielleicht Interesse haben an einer gründlichen Auslegung von neutestamentlichen Büchern, die wissen wollen, wie man die Bibel liest, studiert und wie man daraus praktische Anwendungen für unser Leben treffen kann, ladet sie herzlich ein, auch einzuschalten auf www.joelmedia.tv.de. Wir sind schon sehr gespannt darauf. Es wird, glaube ich, sehr, sehr spannend und interessant, Vers-für-Vers durchzugehen und diese beiden Briefe wirklich von allen Seiten zu beleuchten. Und wir freuen uns, wenn ihr nächste Woche wieder einschaltet und wünschen euch bis dahin Gottes Segen und viel Freude beim Studium seines Wortes. Amen.